Die Wochen der Wahrheit – Weichenstellung für Dortmund
Zwölf Spieltage sind es noch in der Fußball-Bundesliga, die am 18. Mai endet. Aber für einige Vereine stehen bereits die Wochen der Wahrheit bevor, für den Tabellenzweiten Borussia Dortmund entscheidet sich in den nächsten zwei Wochen sogar, ob die Saison erfolgreich wird oder ob man Abstriche hinnehmen muss. Hält die Erfolgswelle an, ist alles drin, neben dem Kampf um den Titel geht es auch um das Weiterkommen in der Champions League. Während die Dortmunder also Stress haben, können sich die Bayern quasi ausruhen. Sie haben das Gegenprogramm zum Januar mit sieben Spielen in zwanzig Tagen, englische Wochen gibt es erst im März wieder. Doch Achtung: Ein sanftes Ruhekissen könnte zu fehlender Konzentration führen!
Die Dortmunder strotzen vor Selbstvertrauen, mit 51 Punkten nach 22 Spielen stehen sie als Zweiter hervorragend da, nur die Meistersaison 2010/11 war besser. Nur international hat es nicht ganz so geklappt, deshalb muss man in die Play-Offs gegen Atalanta Bergamo. In der Bundesliga sind Leipzig und die Bayern die nächsten Gegner, dazwischen Bergamo – ein wichtiges Spiel reiht sich an das andere. Bilanz wird am 28. Februar gezogen, nach dem Duell mit den Bayern. Beste Aussichten oder eine Restsaison ohne große Hoffnung? Bereits am Dienstag steht die erste Aufgabe gegen Atalanta an, negativ ist, dass es für die Borussia in den letzten sieben Vergleichend mit italienischen Klubs nur einen Sieg, aber vier Niederlagen gab, positiv dagegen, dass es gegen Bergamo eine gute Bilanz gibt und Torjäger Guirassy wieder trifft. Allerdings müssen personelle Probleme in der Abwehr bewältigt werden, Schlotterbeck und Süle sind fraglich. Aber auch der Gegner hat personelle Probleme, das Rückspiel ist in einer Woche in Bergamo.
Die Bayern können vom Sofa aus zuschauen, wie sich die Dortmunder abmühen. Sie können sich auf die Bundesliga konzentrieren, Frankfurt am Samstag und eine Woche später die Borussia sind allerdings Aufgaben, die Bestleistungen erfordern. Die Eintracht beendete mit dem neuen Trainer Albert Riera ihre Krise von neun Pflichtspielen ohne Sieg mit einem 3:0 gegen Gladbach. Vorsicht ist also geboten. In Bremen machte der Rekordmeister allerdings deutlich, dass er sein Tief überwunden hat, 3:0 ohne Probleme und ein Torjäger der trifft und trifft. Harry Kane ist bei 26 Saisontreffern angelangt, damit hat er mehr Tore geschossen als sieben Klubs in der Bundesliga! So hat er weiterhin den Rekord von Robert Lewandowski mit 41 Toren im Visier und feierte zu dem ein Jubiläum: Sein 500. Pflichtspieltor in seiner Karriere! Nur einen Wermutstropfen gibt es in München: Torhüter Manuel Neuer ging in Bremen in der Pause verletzt vom Platz, was als Vorsichtsmaßnahme bezeichnet wurde, erwies sich Muskelfaserriss in der Wade, verbunden mit einer Pause. Die Angst vor Ausfällen beschäftigt die Bayern vor den entscheidenden Wochen der Saison. Die Wochen der Wahrheit kommen noch!
Am Tabellenende gibt es Bewegung, der Hamburger SV und der FC Augsburg haben sich ein bisschen Luft verschafft und in Richtung Mittelfeld verabschiedet. Doch sechs Punkte zum Relegationsplatz sind kein Ruhekissen. Dort liegt Werder Bremen, das sich an Siege schon fast nicht mehr erinnern kann. Was fehlt ,sind Tore, gegen die Bayern erzielte man im insgesamt zehnten Spiel kein Tor und das bei 14:11 Torschüssen (gegen die Bayern!). Aber jetzt kommen die Wochen der Wahrheit, geht es um die Weichenstellung ob Klassenerhalt oder Abstieg gegen fünf Mitkonkurrenten vom Tabellenende (St. Pauli, Heidenheim, Union, Mainz, Wolfsburg), da müssen Tore her – auf der richtigen Seite wohlgemerkt! Auftrieb bekam Wolfsburg mit dem 2:2 in Leipzig, auch da ist die nächste Aufgabe gegen Augsburg doppelt wichtig, ebenso kann das Duell Mainz – HSV eine Art Weichenstellung bringen.
Was die Champions League angeht, ist auch Bayer Leverkusen beschäftigt, das Olympiakos Piräus als Gegner hat und am Mittwoch erst einmal auswärts spielen darf. Kommen die beiden Bundesligisten weiter, treffen sie im Achtelfinale auf die Bayern oder Arsenal London. Zahlreiche prominente Klubs müssen in die Play-Offs. Die Duelle: Galatarasay – Juventus Turin, Benfica Lissabon – Real Madrid, AS Monaco – Paris St. Germain, Qarbag Agdam – Newcastle United, Bodö/Glimt – Inter Mailand, Club Brügge – Atletico Madrid. Der VfB Stuttgart muss in der Europa League ebenfalls in die Play-Offs und hat Celtic Glasgow als Gegner. Eine schwere, aber lösbare Aufgabe. Gespielt wird am 19. und 26. Februar.
Auch die Frauen haben internationale Aufgaben im Visier. Dabei haben die Wölfinnen gleich doppelt Rückschläge hinnehmen müssen. Zuerst in der Champions League, als Juventus Turin ein unangenehmer, vor allem unsportlicher Gegner war, was nach dem 2:2 zu Diskussionen führte. Das Rückspiel ist am Donnerstag, allerdings war für Wolfsburg die Bundesliga-Partie gegen Essen kein Mutmacher, der Abstiegskandidat trotzte dem Tabellenzweiten ein 1:1 ab. Die Überraschung in der Bundesliga war der 4:0-Sieg vom Hamburger SV bei der TSG Hoffenheim, dadurch hat der Neuling die Abstiegsränge verlassen. Eintracht Frankfurt siegte bei Schlusslicht Jena 4:1 und nimmt damit weiteren Schwung mit in das Rückspiel in der Europa League gegen Nordsjaelland, eine Pflichtaufgabe nach dem 4:0-Sieg im Hinspiel.
Deutschland sucht die Erfolgswelle bei Olympia
Nur im Eiskanal ging für das deutsche Team bei den Olympischen Winterspielen in Italien alles glatt. Die Rodler sorgten wie erwartet für Medaillen, davon dreimal Gold, Skeleton steuerte weitere Plaketten bei, jetzt soll noch Bob folgen. Ansonsten war die Stimmung gemischt. Die große Überraschung war Philipp Raimund mit seinem Gold im Skispringen, ansonsten ist die Bilanz bei Halbzeit durchwachsen. Bisher gab es insgesamt 13 Medaillen, im Moment Platz acht im Medaillenspiegel. Bis zu den 27 Medaillen wie vor vier Jahren in Peking ist noch ein weiter Weg, fraglich ist auch, ob das Ziel, Platz drei in der Medaillenwertung, erreicht wird. Als besonders stark präsentiert sich vor allem Gastgeber Italien und auch die USA ist erwartungsgemäß vorn dabei. Immerhin können die deutschen Fernsehanstalten zufrieden sein, die Sportfans interessieren sich für Olympia, die Einschaltquoten sind überzeugend, da hat sogar der Fußball das Nachsehen. Was passiert erst bei einer Erfolgswelle!
Wie erwartet konnten vor allem die Biathleten nicht an die früheren Erfolge anknüpfen, da war schon Bronze in der Mixed-Staffel eine Überraschung. Auf Medaillenkurs befand sich zweimal Franziska Preuß, die Weltcupsiegerin der letzten Saison, hatte allerdings ihre Nerven nicht im Griff und verballerte jeweils beim letzten Schießen ihre Chancen. Vielleicht gelingt ihr bei der letzten Chance der Gewinn einer Einzelmedaille beim Massenstart am Samstag. Es könnte ihr überhaupt letztes Rennen sein, da sie ja offen ließ, ob sich nach Olympia oder am Saisonschluss ihre Karriere beendet. Entsprechend gelöst könnte sie ins Rennen gehen – und alles treffen! Gold gab es dennoch für die Biathleten, allerdings lag das Ereignis zwölf Jahre zurück. Weil die russischen Sieger von Sotschi 2014 nachträglich wegen Dopings disqualifiziert wurden, erhielten Simon Schempp, Arnd Peiffer, Daniel Böhm und Erik Lesser jetzt in Antholz in würdiger Umgebung vor jubelnden Fans nachträglich die Goldmedaille. Bisher lag Silber in der Vitrine zu Hause. Auf die Staffel hoffen Frauen und Männer in dieser Woche auch wieder in Antholz.
Enttäuscht haben bisher auch die Eishockey-Cracks, die hatten eigentlich von der „besten Mannschaft aller Zeiten“ geschwärmt, doch auf dem Eis in Mailand kommen sie nicht richtig ins Rollen. Dem Sieg gegen Dänemark folgten Niederlagen gegen Lettland und die USA. Ein Medaillengewinn ist allerdings noch möglich mit dem Umweg über die Qualifikation gegen Frankreich am Dienstag. Bei einem Sieg könnte die Slowakei der Gegner im Viertelfinale sein. Da gibt es allerdings schlechte Erinnerungen an ein Ausscheiden vor vier Jahren in Peking. Aber vielleicht kommen Draisaitl und Co. noch richtig in Fahrt. Die Eishockey-Frauen waren mit ihrem Turnier zufrieden, ein Ausscheiden gegen Mitfavorit Kanada darf nicht überraschen. Die junge Mannschaft hat Zukunft.