Jetzt geht die Titeljagd für die Bayern erst richtig los
Bei Bayern München träumen sie seit Saisonbeginn nur von einem – vom Triple! So wie 2013 und 2020 wollen sie Meisterschaft, Pokalerfolg und Champions-League-Sieg gewinnen. Was die nationalen Aufgaben angeht, sind sie auf bestem Weg, elf Punkte Vorsprung in der Bundesliga (Meisterschaft fast abgehakt), im Halbfinale des DFB-Pokals bei Bayer Leverkusen (der Weg ins Finale müsste möglich sein) und jetzt eben die Champions League. Im Herbst waren die Münchner in Hochform, aber ihre Gedanken kreisten immer um das Frühjahr: „Da müssen wir richtig in Form sein und hoffentlich von Verletzungen geschont bleiben“, mahnte Trainer Vincent Kompany. Die Zeit ist gekommen, jetzt geht die Titeljagd für die Bayern erst richtig los.
Die ruhige Zeit ohne englische Wochen ist in München vorbei, zweimal Bergamo und das Gastspiel am Samstag in Leverkusen stehen innerhalb von acht Tagen an. Atalanta, das Borussia Dortmund mit viel Einsatz und Angriffsgeist ausgeschaltet hat, ist keine zu unterschätzende Hürde. Trainer Raffaele Palladino urteilt, nachdem seine Mannen in der Liga ein 0:2 gegen Udinese aufgeholt hatten: „Das ist unsere DNA. Jedes Spiel mit Herz auf Hochtouren und genießen.“ Die Bayern sind also gewarnt, eine Statistik macht ihnen allerdings Mut: Bergamo ist Premierengegner in der Königsklasse und seit 13 Jahren haben die Bayern keine Premiere verloren! In der Ligaphase war Bergamo vor Leverkusen und Dortmund auf Platz 15, in der Serie A hat man als Siebter ein wenig den Anschluss auf Rang vier verloren. Bergamos Heimstärke musste aber Dortmund erleben, für die Bayern gilt es, die Weichen stellen und im Rückspiel nächsten Mittwoch den Sack zumachen.
Aber nur keine Verletzungen! Es gibt Warnzeichen, Torjäger Harry Kane (Kopf de Mannschaft) pausierte gegen Gladbach sicherheitshalber, Torhüter Manuel Neuer erlebte sein Comeback nach einem Muskelfaserriss in der Wade nur eine Halbzeit lang und schied wieder verletzt aus. So muss also wieder der 22-jährige Jonas Urbig ran, der das Vertrauen von Trainer und Team genießt. Zuversicht herrscht, weil er ausgerechnet gegen Inter Mailand eine Weltklasseleistung bot. Und Harry Kane sollte auch wieder fit sein.
Aber es gibt nicht nur die Bayern. Bayer Leverkusen hat über Piräus den Sprung ins Achtelfinale geschafft, jetzt aber die höchste Hürde, die es gibt, vor der Nase: Arsenal London, Tabellenführer der Premiere League und die Nummer 1 der Ligaphase. Bangemachen gilt nicht, „wir haben eine Chance zu Hause, weil wir in der Arena wirklich stark sind,“ macht Alejandro Grimaldo sich und seinen Mitspielern Mut. Arsenal ist ihnen als Gegner lieber als die Bayern, sonst hätte es in dieser Woche ein Dauerduell gegeben. In der Europa League träumen der VfB Stuttgart und der SC Freiburg vom Finale, der VfB hat allerdings mit Portugals Tabellenführer FC Porto eine hohe Hürde, Freiburg darf Belgiens Vertreter Genk auch nicht unterschätzen, aber die Chance zum Weiterkommen ist da. In der Conference League will sich Mainz 05 weiteren Schwung für den Abstiegskampf holen und Sigma Olmütz ausschalten. In beiden Wettbewerben wird jeweils am Donnerstag gespielt.
Wolfsburg hat die Reißleine gezogen
In der Bundesliga wird der Abstiegskampf immer härter. Jetzt hat auch Werder Bremen das Siegen gelernt und mit dem 4:1 bei Union Berlin den Sprung auf Rang 13 geschafft. Die direkten Abstiegskandidaten mussten dagegen Niederlagen hinnehmen. Schlusslicht Heidenheim will sich würdig verabschieden, das 2:4 gegen Hoffenheim war ehrenwert. Vorletzter Wolfsburg will sich dagegen nicht mit dem Abstieg abfinden. Beim VfL hat man die Reißlinie gezogen, allerdings viel zu spät. Die Niederlage im wichtigen Duell um den Klassenerhalt mit 1:2 gegen Aufsteiger HSV brachte endgültig das Aus für Trainer Daniel Bauer und Sportvorstand Peter Christiansen. Der Däne hat im Prinzip den Niedergang der Niedersachsen zu verantworten, er traf die falsche Trainerwahl vor der Saison und der Kader ist schlecht zusammengestellt. Die Stimmung im Verein soll auch schlecht sein. Da hätten die VfL-Bosse schon im Sommer, spätestens aber an Weihnachten handeln müssen. Jetzt müssen sie den möglichen Abstieg mit verantworten.
Verhindern soll die Katastrophe eine VfL-Legende, nämlich der 61-jährige Dieter Hecking, zuletzt in Bochum tätig und ein bekanntes Gesicht der Bundesliga. In Wolfsburg hat man nur gute Gedanken an. Er ist der Trainer mit dem besten Punkteschnitt, kam 2012 und führte den VfL 2015 zu großen Erfolgen: DFB-Pokal gewonnen, Supercupsieg und Vizemeisterschaft in der Bundesliga. Danach führte er den Klub bis ins Viertelfinale der Champions League, nur knapp schied man gegen Real Madrid mit 2:0/0:3 aus. Hecking hat aber auch einen guten Ruf als Feuerwehrmann. Jetzt muss er einen großen Brand löschen. Vier Punkte Rückstand sind aufzuholen, davor rangieren die punktgleichen St. Pauli, Mainz und Köln mit je 24 Punkten, Bremen und Gladbach sind mit 25 Zählern unmittelbar dabei. Sechs direkt gefährdete Teams, eins muss absteigen, eins darf auf die Relegation hoffen. Oder werden auch Union (28) und der HSV (29) noch reingerissen? Beim HSV heißt es: „Wir sind gekommen, um zu bleiben!“ Am kommenden Wochenende stehen wieder wichtige Spiele bevor: Gladbach – St. Pauli (Freitag), Hamburg – Köln (Samstag) und Bremen – Mainz (Sonntag). Die direkten Duelle zählen bekanntlich doppelt. Dieter Hecking muss seinen Einstand bei der TSG Hoffenheim feiern, es gibt leichtere Aufgaben.
Von den Bayern-Verfolgern hat kein Team Bäume ausgerissen. Dortmund, Hoffenheim und Leipzig landete mehr oder weniger glückliche Siege, Stuttgart und Leverkusen verloren mit Unentschieden an Boden, Frankfurt wurde mit dem 0:0 bei St. Pauli in seiner Aufholjagd gestoppt. Immerhin könnte ja Rang 7 noch für Europa reichen.
DFB-Frauen auf dem Weg zur WM
Die Frauen-Nationalmannschaft ist überraschend erfolgreich in die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2027 in Brasilien gestartet. Das 5:0 gegen Slowenien und 4:0 in Norwegen waren ein Zeichen. Neun Tore und kein Gegentreffer überraschen schon, vor allem waren die Schützlinge von Bundestrainer Christian Wück im Angriff überraschend effizient. Zuletzt war die Chancenverwertung der Schwachpunkt des Teams. Auch die Personalrochaden des Trainers klappten, so dass der Start ins Länderspieljahr nicht erfolgreicher hätte sein können. Im Angriff ließ Vivien Endemann die verletzte Klara Bühl nicht vermissen, beim Spiel in Norwegen verhinderte die starke Torhüterin Ann-Kathrin Berger, dass ihr Team Probleme bekam.
Am 14. und 18. April ist jetzt Österreich der nächste Gegner in einem Doppel, wobei die Austria-Mädchen das Gegenstück lieferten: Es gab gegen Norwegen und Slowenien jeweils eine 0:1 Niederlage. Kein eigener Treffer, das dürfte am Selbstbewusstsein nagen. Zur Erinnerung: Nur der Gruppenerste qualifiziert sich direkt für die WM.
Der Alltag hat die Mädchen gleich wieder. Bevor die Bundesliga am Wochenende wieder weiter geht, steht am Mittwoch das Pokal-Viertelfinale auf dem Programm. Eine ganz andere Aufgabe also, mit dem SC Sand ist ein Zweitligist noch dabei, der ausgerechnet beim BL-Schlusslicht Jena antreten muss. Das Schlagerspiel heißt Wolfsburg – Frankfurt, Essen trifft auf Bremen und die Bayern-Frauen müssen zum BL-Neuling Hamburger SV.