Endspurt in der Bundesliga: Schlechte Aussichten für Wolfsburg

In den vergangenen Tagen war im Fußball vor allem die Weltmeisterschaft im Gespräch, doch eigentlich ist sie noch weit weg mit dem Start am 11. Juni, die Trainer der Bundesliga-Vereine hatten ihr Auge bei den zahlreichen Länderspielen vor allem darauf gerichtet, ob ihre Schützlinge auch wieder gesund nach Hause kommen. Ab dem kommenden Wochenende geht es nämlich ums Ganze, sieben Spieltage stehen noch an. Auch wenn die Meisterschaft eigentlich entschieden ist, geht es noch um die Plätze in Europa und vor allem gegen den Abstieg. Da sehen viele die Existenz ihres Vereins in Gefahr, denn der Weg zurück ins Oberhaus ist beschwerlich und verlangt manchmal langes Durchhaltevermögen, siehe den Hamburger SV.

Aktuell gehört der HSV im ersten Jahr seiner Rückkehr mit 30 Punkten auf Platz 12 nicht zu den unmittelbar gefährdeten Vereinen, aber ein sanftes Ruhekissen ist das nicht, da müssen noch ein paar Punkte her. Anderen Klubs geht es allerdings wesentlich schlechter. Schlusslicht Heidenheim hat sich fast damit abgefunden, dass das dann dreijährige Erlebnis Bundesliga im Sommer wohl (vorerst?) beendet ist. Davor rangiert auf Rang 17 das größte Sorgenkind. Der VfL Wolfsburg hatte vor der Saison eher nach Europa geschielt, doch der Abwärtstrend des quasi Eigentümers VW färbte wohl auch auf den Fußball ab. In der Führung wurde schlecht gearbeitet, keine Klasse in Vorstand und Team, da droht halt der Abstieg. Mit 21 Punkten und fünf Zählern Rückstand zum rettenden Ufer ist noch nicht alles verloren, doch ein Blick auf das Restprogramm offenbart, dass die Wölfe im Endspurt besonders schlechte Aussichten haben.

Die Wolfsburger werden sich hart tun, in den letzten Spielen richtig zu punkten. Drei Gegner gehören zur gehobenen Kategorie (der Reihe nach Leverkusen, Frankfurt, Bayern), ein Heimspiel gibt es gegen Gladbach, Union Berlin und Augsburg sind Auswärtsaufgaben und am letzten Spieltag geht es zum FC St. Pauli. Gibt es da ein Endspiel gegen den Abstieg? Ausgerechnet der Drittletzte, der bisher 24 Punkte sammeln konnte, hat es mit einem Blick auf das Restprogramm selbst in der Hand, den Abstieg zu vermeiden. Gleich vier Mitkonkurrenten sind Gegner, davon drei zu Hause (Köln, Mainz, Wolfsburg), die Bayern kommen auch, auswärts geht es zu Union und nach Heidenheim und Leipzig. Das Programm hätte wohl Wolfsburg auch gern. Kommt hinzu, dass von den Konkurrenten sich auch Werder Bremen (28) schwerer mit dem Punktesammeln tun könnte. Auch Werder hat vier Gegner aus der Spitzengruppe (Leipzig, Stuttgart, Hoffenheim, Dortmund), muss zum Mitkonkurrenten Köln und hat noch den HSV und FCA zu Hause. Da hat es der punktgleiche 1. FC Köln eher selbst in der Hand, das rettende Ufer zu erreichen, hat allerdings nur noch drei Heimspiele (Werder, Leverkusen, Heidenheim), muss dazu nach Frankfurt, zu St. Pauli und Union und am Schlusstag zu den Bayern, die dann vielleicht schon eher mit der Meisterfeier beschäftigt sind. Aber das Restprogramm macht deutlich, dass bis zum letzten Spieltag Spannung fast garantiert ist.

Spannung auch hinter den Bayern und Dortmund, weil sich vier Mannschaften um zwei Plätze für die Champions League streiten, einer bekommt die Europa League und der sechste das Trostpflaster Conference League. Im Moment liegen Stuttgart (53 Punkte) und Leipzig (50) vorn, aber Hoffenheim (50) und Leverkusen (46) sind nah dran. Vor allem auf den VfB kommen große Bewährungsproben zu, um den Platz an der Sonne zu halten, neben den direkten Konkurrenten Hoffenheim und Leverkusen sind auch die Spitzenteams aus Dortmund und München die Gegner, außerdem der HSV, Werder und Frankfurt. Leipzig und Hoffenheim sind punktgleich, das Programm ist ähnlich, RB muss aber viermal auswärts ran (Werder, Frankfurt, Leverkusen, Freiburg – zu Hause Gladbach, Union, St. Pauli), Hoffenheim nur dreimal (FCA, HSV, Gladbach – zu Hause Mainz, Dortmund, Stuttgart, Werder). Bayer ist nicht weit weg und muss vor allem die direkten Konkurrenten schlagen (Leipzig, Stuttgart) und hat noch Wolfsburg, Dortmund, Augsburg, Köln und am Schlusstag den HSV als Gegner. Also auch hier Spannung pur bis zum Schluss. Da freuen sich doch die Fans wieder auf die Bundesliga, quasi als Oster-Geschenk!

Ein bisschen Spannung gibt es auch bei den Bayern, die aber vor allem auf die Duelle in der CL in den nächsten Wochen gegen Real Madrid schielen. In der Bundesliga geht es aber darum, wann der Torrekord fällt. In der Saison 1971/72 hatten die Bayern um Torjäger Gerd Müller 101 Treffer erzielt, jetzt stehen sie nach 27 Spieltagen bei 97 Toren. Uli Hoeneß wünscht sich, dass den 102. Treffer doch Harry Kane erzielen möge. Doch wann? In Freiburg wird es am Samstag wohl noch nicht sein, die Woche darauf geht es zu St. Pauli. Also wohl eine Auswärtsaufgabe. Kane selbst schielt noch nach dem Rekord von 41 Toren von Robert Lewandowski, dafür müsste er aber in sieben Spielen zehnmal treffen, um ihn einzustellen. Man wird den Gegnern kaum zurufen, „macht die Tore auf“!

Nagelsmann will rotieren

Die Nationalmannschaft hat natürlich sehr wohl die Weltmeisterschaft im Visier, der erste Test gegen die Schweiz brachte beim 4:3-Sieg Licht und Schatten. Ein überragender Florian Wirtz glänzte mit Supertoren, die Abwehr dagegen zeigte sich löchrig. Vor allem Nico Schlotterbeck passte mehr zum Gegner als zu den eigenen Leuten. Leroy Sané zeigte wieder einmal seine schwache Seite, Nachfolger Lennart Karl trumpfte bei seinem Debüt dagegen auf. Dennoch will Nagelsmann an beiden Schwachpunkten festhalten und zudem gegen Ghana am Montag in Stuttgart rotieren. So wird Alexander Nübel im Tor stehen, aber auch mit den Einsätzen von Stiller, Undav und Antonn ist vor heimischem Publikum zu rechnen. Eine Analyse der Testspiele im Laufe der Woche.

Um alles geht es in den Play-Offs der WM-Qualifikation. In Europa werden am Dienstag noch vier Plätze ausgespielt, auch Italien hofft noch, nach zwei verpassten WM-Turnieren endlich wieder mit von der Partie zu sein. Dafür müssen die Azzurri in Bosnien gewinnen, um in die WM-Gruppe mit Kanada, Katar und der Schweiz zu kommen. Um einen WM-Platz spielen außerdem Schweden – Polen, Kosovo – Türkei und Tschechien – Dänemark. Die letzten beiden Plätze werden Interkontinental in den Spielen DR Kongo – Jamaika und Irak – Bolivien vergeben.

Frauen hoffen auf CL-Erfolge

Überraschend stark präsentierten sich deutschen Frauen-Bundesligisten in den Hinspielen des Viertelfinales der Champion League. Bayern München und der VfL Wolfsburg gehen mit Siegen im Rücken in die Rückspiele. Aber es bleibt dabei, den Bayern ist nach dem 3:2 bei Manchester United das Weiterkommen am Mittwoch in der Allianz Arena eher zuzutrauen als den Wölfinnen, die beim Favoriten Olympique Lyon einen 1:0-Vorsprung verteidigen müssen. Aber Hoffnungen gibt es, Lyon präsentierte sich nicht so stark wie erwartet. Keine Hoffnung mehr hat Eintracht Frankfurt in der Europa League, das den Schwedinnen von BK Häcken mit 0:3 unterlag. Da müsste im Rückspiel am Donnerstag ein Wunder geschehen.

Die Bundesliga war für diese Teams fast schon Nebensache, die Bayern siegten quasi mit einem B-Team gegen Nürnberg mit 2:0 und stellten damit ihren Rekord von 18 Siegen in Folge ein. Auch Frankfurt war wach und sicherte mit einem 2:1 in Köln Rang drei. Wolfsburg lieferte dagegen beim 3:3 gegen Union Berlin ein Spektakel. Union lag schon 3:1 vorn, ehe in zweifacher Unterzahl in der Nachspielzeit noch der Ausgleich gelang! Eine der Rot-Sünderinnen war Torhüter Johannes, so dass Mittelfeldspielerin Minge in den letzten Minuten im Tor stand, nachdem das Auswechselkontingent schon erschöpft war.

Jetzt macht die Frauen-Bundesliga allerdings eine lange Pause bis zum 24. April. An den Ostertagen stehen die Halbfinales im DFB-Pokal auf dem Programm, dabei treffen die Bayern auf die SGS Essen und Wolfsburg muss bei BL-Schlusslicht Jena antreten. Alles andere als ein Finale der Spitzenteams aus München und Wolfsburg am 14. Mai in Köln wäre eine Sensation. Danach geht es für die Nationalspielerinnen zu den Länderspielen der WM-Qualifikation. Dabei ist am 14 und 18. April zweimal Österreich der Gegner.