Bayern gegen Paris, zweiter Teil: Wieder Spektakel oder Sieg der Vernunft?
Das Spiel ist heute schon fast eine Legende, das Halbfinale der Champions League zwischen Paris St. Germain und Bayern München hat die Fußball-Welt begeistert, das 5:4 alle von den Sitzen gerissen. Gibt es am Mittwoch beim Rückspiel in München eine Wiederholung? Die Trainer versprechen wieder ein Spektakel, erklären unisono: „Wir können nicht anders“. Außenstehenden Experten ist das suspekt, sie urteilen „ohne richtige Abwehrleistung geht es nicht, alles andere ist Harakiri und am Ende vor allem Glück“. Na gut, die Leistung soll nicht geschmälert werden, die Vorfreude auf das Rückspiel ist in Fußballkreisen groß, da wird das zweite Duell zwischen Arsenal London und Atletico Madrid am Dienstag (Hinspiel 1:1) zur Randbemerkung. Der Sieger von München gilt im Finale am 30. Mai in Budapest auf jeden Fall als Favorit.
Wer aber kommt ins Finale? Die Vorzeichen sprechen für Paris, der Titelverteidiger kehrt an die Stätte seines größten Triumphs zurück, gewann im Vorfahr in München im Finale mit 5:0 gegen Inter Mailand. Die Bayern wiederum sind noch nie ins Endspiel gekommen, wenn sie in einem Halbfinale das Hinspiel verloren haben. Jetzt müssen sie zwei Tore mehr schießen als der Gegner, um direkt nach Budapest zu fahren. Ein Sieg mit einem Tor bringt eine Verlängerung und notfalls Elfmeterschießen. Vielleicht die Krönung eines Spektakels…
An den Aufstellungen wird sich kaum etwas ändern, beide Trainer haben keine neuen Verletzungen zu beklagen, mit den gleichen Aufstellungen wie im Hinspiel ist zu rechnen, mit der Ausnahme, dass Kompany die Bayern wohl mit Laimer für Davies beginnen lassen wird. Im Gleichschritt beide Kontrahenten in ihren Ligen, sie spielten jeweils Unentschieden und schonten die besten Kräfte. Es ist also angerichtet für einen großen Abend. Also doch lieber Spektakel?
Dreikampf im Tabellenkeller
Ein Spektakel bietet die Bundesliga meist nicht, Spannung aber allemal. Im Tabellenkeller hat es aber eine gewisse Klärung gegeben, im Abstiegskampf blieb ein Dreikampf übrig. Mainz und Gladbach sicherten sich mit einem 2:1-Sieg bei St. Pauli bzw. 1:0 gegen Dortmund mit eigenen Kräften den Klassenerhalt, Union und Köln reichte das Unentschieden (wobei Marie-Louise Eta, die einzige BL-Trainerin ihren ersten Punktgewinn feierte) und Bremen profitierte nach dem 1:3 gegen Augsburg von der Ergebnissen der anderen Teams. Da sich am letzten Spieltag St. Pauli und Wolfsburg duellieren, können nicht beide an Werder vorbeiziehen. Glück muss man haben.
Das Glück fehlte dem Schlusslicht Heidenheim, das bei Meister Bayern eine bundesligawürdige Leistung bot und ein Lebenszeichen sendete. Die Münchner mögen mit ihren Gedanken schon beim Paris-Spiel gewesen sein und boten wieder nur ein verstärktes B-Team auf, aber sie zeigten die zuletzt so starken Comeback-Qualitäten mit dem Ausgleich von Olise in letzter Sekunde. Heidenheim haderte, im 100. Bundesligaspiel fiel das Gegentor in der 100. Minute! Besonders traurig war Patrick Mainka, der alle 100 Spiele für Heidenheim absolviert hat! Dazu holten die Bayern wieder einen Bundesliga-Rekord: Sie trafen zum 34. Mal nach der 75. Minute. Das gab es noch nie. Tore in den Schlussminuten könnten auch gegen Paris helfen, es fällt auf, dass die Münchner unter Kompany besonders fit sind und oft am Ende für die Wende sorgen.
Heidenheim muss gegenüber der Konkurrenz drei Punkte aufholen, um noch den Sprung auf den Relegationsplatz zu schaffen, Köln und Mainz sind die letzten Gegner. Für Wolfsburg war beim 1:1 in Freiburg der Punktgewinn überlebenswichtig, das dritte Spiel ohne Niederlage gibt Auftrieb, allerdings kommen jetzt die Bayern (mit welchem Ehrgeiz?) und dann folgt das Finale bei St. Pauli. Es wird ein Endspiel im Tabellenkeller sein. Die Hamburger selbst machen derzeit den schwächsten Eindruck, sind seit acht Spielen ohne Sieg und haben in Leipzig wieder eine hohe Hürde.
Im Kampf um Europa ist noch ziemlich alles offen. Gewinner des Tages war Bayer Leverkusen, das den Tabellendritten Leipzig mit 4:1 in die Schranken verwies, alle anderen ließen Federn. Dortmund schludderte wieder, ist noch nicht Vizemeister, und Hoffenheim und Stuttgart teilten sich die Punkte. Das 3:3 war immerhin ein bisschen Spektakel, der VfB wehrte sich in Unterzahl, verlor aber seinen Platz vier für die Champions League an Leverkusen. Ironie des Schicksals: Am Samstag gibt es in Stuttgart zwischen beiden ein „Endspiel“. Siebter ist jetzt der SC Freiburg, der zwei Möglichkeiten für Europa hat, nämlich in der Europa League und als Siebter wäre er in der Conference League. Oder gar die EL gewinnen? Das Hinspiel in Braga ging unglücklich mit 1:2 verloren, also muss am Donnerstag auch ein Sieg mit zwei Toren her, um ins Endspiel am 20. Mai in Istanbul einzuziehen. Im zweiten Halbfinale bezwang Nottingham Forest im englischen Duell Aston Villa mit 1:0. Große Probleme hat Frankfurt, Manager Markus Krösche hat derzeit eine schlechte Phase, er konnte die Mannschaft nicht verstärken und mit dem neuen Trainer tat er wohl einen Fehlgriff. Der Spanier Albert Riera spuckte große Töne, bringt das Team aber nicht weiter und vergriff sich bei der letzten Pressekonferenz auch im Ton, forderte, Journalisten müssten Eintracht-Fans sein. Der Eintracht-Vorstand gab bei dem Eklat ebenfalls in eine schlechte Figur ab. Es gilt als sicher dass der Spanier im Sommer wieder gehen muss. Die Eintracht wird er wohl ohne Europacup-Teilnahme zurücklassen. Dortmund und Stuttgart sind die letzten Gegner!
Gefeiert wurde dagegen in Gelsenkirchen. Die ganz Stadt war eine einzige Party, denn Schalke 04 wandelt auf den Spuren des HSV und kehrt in die Bundesliga zurück. Vor einem Jahr stand der Kultklub noch vor dem Abstieg in die 3. Liga, aber Manager Frank Baumann und sein Glücksgriff Trainer Miron Muslic sorgten für die Wende. Für zusätzlichen Auftrieb sorgte auch die Verpflichtung von Star Edin Dzeko. Das 1:0 gegen Düsseldorf machte den Aufstieg vorzeitig perfekt. Auf Rang zwei rückte die SV Elversberg vor, eigentlich genau das ganze Gegenteil von Schalke. Die Konkurrenz patzte, aber Hannover und Paderborn dürfen sich noch Hoffnungen machen.
Traum vom Triple geplatzt
Sie lieferten dem FC Barcelona einen großen Kampf, doch am Ende unterlagen die Bayern-Mädchen dem Favoriten mit 2:4. 60.000 Zuschauer sahen im Camp Nou ein interessantes Frauen-Spiel, bei dem Münchnerinnen ihr Heil zuerst in der Defensive suchten, dann aber bedingungslos in den Angriffsmodus schalteten. Aus dem 1:4 machten sie sogar ein 3:4, doch der Treffer wurde annulliert und dann sorgten Pfosten und Latte dafür, dass der Barca-Sieg nicht in Gefahr geriet. So steht Barcelona am 23. Mai in Oslo im Finale gegen Olympique Lyon, wo Nationalspielerin Jule Brand im Spiel gegen den FC Arsenal das entscheidende Tor zum 3:1-Sieg erzielte.
Der Traum vom Triple ist geplatzt, das nächste Ziel der Bayern-Frauen ist das Pokalfinale am 14. Mai gegen den VfL Wolfsburg, als großes Ziel bleibt aber der Gewinn der Champions League. Da geht der Blick schon auf das nächste Jahr und Trainer José Barcala, der diesmal gesperrt auf der Tribüne saß, verspricht: „Unsere Zukunft wird groß sein“. Das sieht die Konkurrenz in der Bundesliga mit Schrecken, da wird die Kluft national noch größer. Pflichtaufgaben stehen an, am Mittwoch folgt das Nachholspiel gegen Hoffenheim, am Samstag kommt der Tabellendritte Frankfurt nach München (15.45 Uhr ARD). Da werden die Münchnerinnen das neue Bayern-Trikot für nächste Saison tragen und die Meisterschale in Empfang nehmen. Tränen dagegen am Tabellenende, Carl-Zeiss Jena muss nach der 1:5-Niederlage gegen Freiburg absteigen. Als zweiten Absteiger kann es den reinen Frauen-Klub Essen erwischen, der vor den letzten zwei Spielen drei bzw. vier Punkte Rückstand auf die Neulinge Hamburg und Nürnberg hat.