Bayern + Kane: Jubel über das Double, Triple bleibt das große Ziel
Der Jubel beim Sieger München war noch ausgelassener als beim Gewinn der Meisterschaft. Was wohl einen Grund hatte: Erster in der Fußball-Bundesliga zu sein, wurde zur Gewohnheit, den DFB-Pokal hatten die Bayern aber zuletzt 2020 gewonnen, vor sechs Jahren also. Trainer Vincent Kompany plauderte aus der Kabine: „Die Spieler wollten von Saisonbeginn an unbedingt den Pokal gewinnen.“ Am Samstag war es so weit, lange Zeit sah es in Berlin allerdings nicht so aus, als würden die Bayern als Pokalsieger vom Platz gehen, die Stuttgarter spielten eklig, hatten die besseren Chancen und hätten bei Halbzeit in Führung liegen können (müssen). Doch dann kam ein Mann, der unbedingt den Pokal haben wollte – Harry Kane. Er wechselte ja vor drei Jahren nach München um Titel zu gewinnen. Im ersten Jahr ging es schief, doch zwei Meisterschaften hat er dann endlich gewonnen, was ihm ja in Tottenham nie glückte. Und jetzt sorgte der einst Titellose dafür, dass er auch den Pokal in den Händen halten durfte. Er packte seinen Lieblingstrick aus, den Hat-Trick. Ein Kopfball nach toller Olise-Flanke, eine Drehung um den Gegner im Strafraum nach Gerd-Müller-Manier, ein Elfmeter – alles innerhalb von 35 Minuten. Bayern und Kane mit Jubel über das Double.
Perfekt war die Saison der Bayern allerdings nicht, obwohl sie begeisternden Fußball spielten, die Herzen der Zuschauer eroberten (vor allem von denen, die noch keine Bayern-Fans waren) und Niederlagen eine Seltenheit waren. Auf europäischer Ebene unterlagen sie nur Arsenal London (englischer Meister) und Paris St. Germain (französischer Meister), genau die, die am Samstag im Finale in Budapest den Gewinn der Champions League unter sich ausmachen. Da wären die Bayern gern gewesen. Ein kleines Triple haben sie ja gewonnen, das „deutsche Triple“ mit Supercup, Meisterschaft und Pokal, doch so richtig zählt nur der große Sieg, das Triple mit dem Gewinn der Champions League bleibt das Ziel. Kompany hat es schon im Auge: „Wir wissen, wo wir uns noch verbessern müssen“. Siege in den großen Spielen, dann wäre alles perfekt. Aber schon diesmal gab es erste Plätze: Kane ist der beste Torschütze Europas, gewann den „Golden Shoe“, Bayern stellte den torreichsten Angriff aller Top-Ligen!
Beim tollen Finale in Berlin blieben unangenehme Nebengeräusche aber nicht aus. Für die sorgten vor allem die Fans aus beiden Lagern, als sie den DFB verletzend auf Transparenten beleidigten und eine Pyro-Show abzogen, die für eine längere Spielunterbrechung sorgte. So gewollt. Aber die Verantwortlichen sind machtlos. Wie können so eine Menge Pyro und Transparente ins Stadion gelangen? Wann ist endlich Schluss damit, dass verrückte Ultras friedliche Zuschauer (auch Millionen an den Bildschirmen) quasi in Geiselhaft nehmen? „Freiheit für UItras“ war bei einem anderen Spiel zu lesen. Die „Freiheit“, die sie wollen heißt wohl, „machen, was wir wollen“.
In den Bayern-Jubel mischte ausgerechnet Vereinspatron Uli Hoeneß einen Wermutstropfen, indem er eine Vertragsverlängerung von Sportvorstand Max Eberl anzweifelte. „Es gibt Zweifel“, offenbarte er, „die Chancen stehen bei 60:40.“ Eberl war erstaunt, bewahrte Haltung und unterstrich seinerseits, dass er gerne bleiben würde. Immerhin kann er neben unnötig teuren Vertragsverlängerungen (u. a. Musiala), die Verpflichtungen von Kompany, Olise und Diaz als Plus vermelden. Wenigstens 80:20 sollten die Chancen sein, ab 1. Juli ist nach dem Gesetz eine Verlängerung des bis 2027 laufenden Vertrages möglich.
Verlierer Stuttgart spielte angesichts dieser Vorkommnisse nur eine Nebenrolle, darf aber mit seiner Saison glücklich sein. Platz vier in der Bundesliga und damit Einzug in die CL sowie erneut im Pokalfinale, auch wenn diesmal der Gegner zu stark war, da können Trainer Sebastian Hoeneß und seine Mannen schon zufrieden sein.
Wolfsburg am Boden, drei Aufsteiger
Nach dem 2:1-Sieg bei St. Pauli war man in Wolfsburg glücklich, schließlich wurde der Relegationsrang erreicht und damit die Chance auf den Klassenerhalt. Lange Zeit war man Schlusslicht, jetzt sollte auch der letzte Schritt gelingen. Doch zum Erfolg, gehören Mut, Leistung und Glück, von allem fehlte es am Montag im „Endspiel“ gegen den SC Paderborn. Das 0:0 im Hinspiel weckte schon Zweifel, nach dem 1:2 nach Verlängerung im Rückspiel bei den Westfalen sind beim VfL alle am Boden. Der Abstieg nach 29 Jahren ist die Folge von einer eklatanten Misswirtschaft in dieser Saison, der Abstieg das fast logische Resultat. Leid tun kann einem nur Trainer Dieter Hecking, der Struktur in Verein und Mannschaft brachte, aber zu spät als Retter verpflichtet wurde, er war ja der dritte Rettungsversuch. Jetzt soll er an verantwortlicher Stelle den Wiederaufstieg bewerkstelligen. Paderborn wiederum steigt zum dritten Mal auf und war der erste Zweitligist seit sieben Jahren, der einen Erstligisten in der Relegation ausschaltete.
Die Bundesliga bekommt drei neue (alte) Gesichter mit den Aufsteigern Schalke o4, SV Elversberg und SC Paderborn. Auf Schalke freut sich die Liga, die anderen Aufsteiger werden mit Skepsis gesehen,. Sind sie reif fürs Oberhaus? Egal, sie haben es geschafft, Elversberg als bisher kleinster Bundesliga-Ort nach Unterhaching nach mehreren Anläufen. Entsprechend groß war der Jubel im Saarland. Die Bundesliga sollte sie mit offenen Armen aufnehmen.
Schlagzeilen machte auch der SC Freiburg, der seinen Traum aber nicht erfüllen konnte, sondern im Endspiel der Europa League dem Premier-League-Klub Aston Villa mit 0:3 unterlag. Traumtore zerstörten den Traum. Jetzt wollen die Schwarzwälder in der neuen Saison in der Conference League ihr Glück versuchen. Ob da Torhüter Noah Atubola dabei ist, ist fraglich. Er hat Abwanderungsgedanken geäußert und der Verein hat bereits den Nachfolger verpflichtet. U21-Nationaltorhüter Mio Backhaus kommt von Werder Bremen, angeblich für eine Rekordablösesumme. Freiburgs Anreiz: Internationale Spiele.
Jetzt gilt es für die Nationalteams
Nach dem CL-Finale am Samstag rücken die Nationalmannschaften in den Mittelpunkt. Der WM-Countdown der deutschen Nationalmannschaft beginnt am Mittwoch in Herzogenaurach mit dem Start des Trainingslagers. Am Sonntag (20.45 Uhr) gibt es in Mainz das einzige Testspiel in der Heimat gegen Finnland. Bundestrainer Julian Nagelsmann muss dabei nicht nur Hinweise für sein WM-Team geben, sondern auch Boden bei den Fans gutmachen, denn von Euphorie ist hierzulande nichts zu spüren (siehe auch den nächsten Blog von der Nominierung „Nagelsmanns WM-Desaster: Zweifel statt Euphorie“). Kai Havertz wird fehlen, weil er mit Arsenal am Samstag im Einsatz ist, ansonsten sollte mehr oder weniger das WM-Team auflaufen. Am 6. Juni gibt es einen zweiten Test in Chicago gegen die USA, dann wird es ernst.
Ernst wird es auch für die Frauen-Nationalmannschaft, die am Freitag, 5. Juni (20.35 Uhr) in Köln ihr „Endspiel“ in der WM-Qualifikation gegen Norwegen bestreitet. Durch das 0:0 in Österreich haben die Mädchen ihren Vorteil aus der Hand gegeben, so dass der Vorsprung gegen die Skandinavier auf einen Punkt schrumpfte. Ein Unentschieden reicht also, dann muss man aber das letzte Spiel in Slowenien gewinnen, ein Sieg würde also die Qualifikation für Brasilien 2027 bedeuten. Bundestrainer Christian Wück hat bei der Nominierung mit der Überraschung aufgewartet, dass er Laura Freiganz nicht nominiert hat. Wegen Verletzung fehlen Kapitänin Giulia Gwinn und Stürmerin Nicole Anyomi, dafür kehren die zuletzt verletzt fehlenden Klara Bühl, Sophia Kleinherne, Kathrin Hendrich und Marie Müller wieder zurück.
Mit dabei ist auch Jule Brand, allerdings mit einer Enttäuschung im Gepäck. Mit ihrem Verein Olympique Lyon verlor sie das Finale der Champions League gegen den FC Barcelona mit 0:4 und konnte keine Zeichen setzen. Damit verlor Brand ihr zweites Finale, schon 2023 war sie mit dem VfL Wolfsburg Barca mit 2:3 unterlegen. Im Halbfinale hatte Barcelona übrigens Bayern München ausgeschaltet.