Eine WM des Größenwahns und nicht des Fußballs!

Am Donnerstag rollt endlich der Ball, die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 kann beginnen. Allerdings wird bereits im Vorfeld deutlich, dass der Fußball bei diesem Turnier nicht die Hauptrolle spielt. Er ist Mittel zum Zweck – zum Geldverdienen! Die WM in Mexiko, USA und Kanada ist eine WM des Größenwahns, im Mittelpunkt zwei Selbstdarsteller. Wenn FIFA-Präsident Gianni Infantino am Tag des Finals am 19,. Juli davon sprechen wird, dass dies die „größte, schönste und beste WM aller Zeiten“ war, hat er zumindest mit der Größe recht. Erstmals nehmen 48 Nationen teil, benötigt es 104 Spiele in fünf Wochen, bis der Weltmeister gekürt werden kann. Der Weltverband erhofft sich Einnahmen von über zehn Milliarden Dollar, davon sollen vier Milliarden in die Verbandskasse fließen. Das Jahresgrundgehalt des Präsidenten von 2,85 Millionen Euro und die üppigen Zuwendungen an alle Verbandsfunktionäre muss ja finanziert werden. Die aufgeblähte Klub-WM brachte schon zwei Milliarden Dollar Umsatz und der Jahresbonus für Infantino erhöhte sich von 1,81 Millionen auf 2,42 Millionen Euro! Wie hoch wird er nach der WM ausfallen?

Im Vorfeld der WM stand nicht die Vorfreude auf das Turnier im Mittelpunkt, sondern zunächst beherrschten US-Präsident Donald Trump und Infantino die Schlagzeilen, weil die Brüder im Geiste sich beide selbst als die „Größten“ sehen. Dazu kamen politische und juristische Schlagzeilen, die den Fußball gänzlich in den Hintergrund drängten. Einen Vorgeschmack der Selbstdarstellung bekam die Welt bereits im Dezember bei der Gruppenauslosung, als Infantino seinem „Freund“ Trump den von ihm erfundenen „FIFA-Friedenspreis“ überreichte, weil Trump vergeblich dem Friedensnobelpreis hinterherhechelte. Für Trump spielt die WM aber vorerst nur eine Nebenrolle, er wird sie in den USA in den Hintergrund verbannen. Am 14. Juni feiert der US-Präsident seinen 80. Geburtstag, dafür wird am Weißen Haus für 60 Millionen Dollar ein Freiluftstadion gebaut, in dem zu seinen Ehren seine geliebte Kampfsportart „Ultimate Fighting“ gezeigt wird. Einen Trump-Triumphbogen, größer als der in Paris, will er auch noch bauen lassen. Am 4. Juli werden die Vereinigten Staaten 250 Jahre alt, zu den Feierlichkeiten gehört ein Indycar-Rennen in der Hauptstadt mit dem Motto „Freedom 250 Grand Prix“. Für Fußball interessiert er sich wohl erst am 19. Juli beim Finale, wenn er den WM-Pokal überreichen kann, wenn er ihn dann überhaupt aus der Hand gibt. Aber auf der Bühne wird er bleiben, denn die gehört ihm…

Politisch hat der von Trump angezettelte Iran-Krieg die Vorfreude gedämpft. Iran als WM-Teilnehmer wird in Mexiko wohnen und darf nur zu den Spielen in die USA einreisen. Ein Visum haben nicht alle Team-Mitglieder bekommen. Überhaupt wurden die Einreisebestimmungen in die USA verschärft, was auch die Fans betrifft. Dazu kommen immens hohe Eintrittspreise, die sich nach amerikanischer Gewohnheit am Interesse orientierten. Für das Finale wurden da schon eine Million Dollar aufgerufen. Drei Milliarden Dollar erhofft sich die FIFA allein durch die Tickets. Wegen der Preisgestaltungen haben sich Staatsanwaltschaften verschiedener Bundesländer gemeldet, so gab es Anzeigen in Kalifornien und New York. Infantino hat nicht nur da mit der Justiz Ärger, in der Schweiz wartet nach der WM ein Verfahren wegen bewusst falscher Anschuldigungen auf ihn.

Ab jetzt steht hier der Fußball im Mittelpunkt. Allerdings: Die Erweiterung von 32 auf 48 Nationen war natürlich Infantinos Werk mit dem Hintergedanken, dass, wenn mehr Länder teilnehmen, er mehr Geld verteilen kann und so leichter Stimmen für eine Wiederwahl bekommt. Erstmals sind deshalb die Kapverden, Curacao, Jordanien und Usbekistan dabei (bei den Spielern gibt es insgesamt rund 900 WM-Neulinge!). Die Spannung bleibt auf der Strecke, von 48 Nationen qualifizieren sich 32 für das Sechzehntelfinale, ab da wird es im K.o.-System wirklich interessant, am 28 Juni beginnt die WM erst so richtig. Gespielt wird in drei Ländern und 16 Städten, davon elf in den USA. Die Frage nach den Favoriten wird natürlich schon vorher gestellt, Titelverteidiger Argentinien mit dem letzten Turnier für Messi, Brasilien, aber vor allem Frankreich und Spanien werden dabei genannt. Alle Mannschaften werden immer wieder mal Probleme mit der Hitze bekommen, deshalb wurden Trinkpause angeordnet. Verschiedene kleine Regeländerungen gibt es auch, sie sollen das Spiel schneller machen.

Bleibt die Frage nach der Stimmung. Steigert sie sich, wenn erst einmal die Spiele laufen? Allerdings wird von den drei Austragungsländern kein Team besonders weit kommen, was dann auch wieder die Stimmung drückt. In Europa wird die Zeitverschiebung zur Stimmungsbremse, viele Spiele finden bekanntlich in der Nacht statt. Deutschland spielt zunächst am Sonntag um 19 Uhr, danach zweimal um 22 Uhr. Auch da wird es kein großes Publicviewing geben, so dass ein Fußball-Sommermärchen nicht zu erwarten ist.

Die deutsche Mannschaft hat gegenüber den letzten Turnieren einiges gut zu machen. Sowohl 2018 in Russland als auch 2022 in Katar schied die DFB-Elf jeweils bereits nach der Gruppenphase aus. Das ist diesmal kaum möglich, schon ein Sieg zum Auftakt gegen Curacao könnte zum Weiterkommen reichen. Einen Dämpfer in der Vorbereitung gab es durch den Ausfall des hoffnungsvollen Lennart Karl, für den der Leipziger Assan Quedraogo geholt wurde, weil er noch „im Saft“ steht und Bundestrainer Julian Nagelsmann ihn für einen Mann der Zukunft hält. Profitieren von Karls Ausfall dürfte vor allem Leroy Sané, der sich mit dem Siegtreffer im Test gegen die USA empfahl, aber bekanntlich nicht konstant in seinen Leistungen ist. Schlechte Laune könnte es auch durch die Torhüterfrage geben, wenn Manuel Neuer die Erwartungen nicht erfüllen kann. Oliver Baumann glänzte gegen die USA. Ansonsten schwärmen alle Beteiligten von der guten Stimmung im Team, was 1994 bei der letzten WM in den USA ganz anders war.

Gegen Curacao, mit 150.000 Einwohnern der kleinste Staat, der je bei einer WM teilnahm, sollte es einen leichten Aufgalopp geben, auch wenn der Gegner tönt, „wir machen es jedem schwer“. Vielleicht erwacht „Wusiala“ wieder zum Leben, heißt Wirtz und Musiala kommen in Form. Nach dem 2:1-Sieg in Chicago (1:0 durch Havertz, der seine gute Form bestätigte) zog der DFB-Tross ins Mannschaftsquartier in Winston-Salem in North Carolina um. Das Luxushotel The Graylyn Estate in Form einer alten Burg bietet alle Annehmlichkeiten, die Trainingsplätze sind nicht weit. Es ist also angerichtet für eine erfolgreiche WM, allerdings könnten größere Stolpersteine wie Frankreich schon im Viertelfinale im Wege stehen. Übrigens sind die Spieler nicht allein in den USA, der Berliner Felix Zwayer wurde mit seinem Team als einziger deutscher Schiedsrichter nominiert.

Frauen haben ihr Ziel erreicht

Die Männer sind bereits bei der WM, die DFB-Frauen haben ihr Ziel auch erreicht und sich für die Weltmeisterschaft 2027 in Brasilien mit einem 2:0-Sieg gegen Norwegen direkt qualifiziert. Vorher gab es im Team leise Zweifel nach dem 0:0 in Österreich und einige Ausfällen, hinterher war die Erleichterung groß. Torschützinnen war ausgerechnet zwei Spielerinnen, die von den Ausfällen profitierten, Carlotta Wamser (Leverkusen) erzielte als Linksverteidigerin das 2:0, Neuling Marie Müller (Portland) als Gwinn-Ersatz auf Rechts bereits in der 18. Minute das 1:0. Die Debütantin konnte überhaupt überzeugen und Bundestrainer Christian Wück lobte die 25-jährige Spätstarterin „sie hat unheimlich viel Potenzial und Qualität“. Insgesamt erwartet Wück von seinen Mädchen eine weitere positive Entwicklung und sagt „wir sind noch nicht am Ende“.

Das letzte Spiel der Qualifikation am Dienstag (18 Uhr/ZDF) in Ljubjlana gegen Slowenien ist bedeutungslos geworden, Norwegen als Zweiter muss in die Play-Offs.

Zverev hat sich seinen Traum erfüllt

Tennis-Star Alexander Zverev hat die Gunst der Stunde genutzt und sich am Sonntag in Paris seinen Traum erfüllt: Endlich Grand-Slam-Sieger. Der an Nummer 2 gesetzte Hamburger nutzte das frühe Ausscheiden der Nummer 1, Sinner (Italien), nach Hitzeprobleme, und das Fehlen von des Dauerrivale Alcaraz (Spanien). Gegner Flavio Cobolli (Italien), Nummer 10 der Setzliste, machte Zverez das Leben schwer, am Ende verließen ihn aber die Kräfte. Zverev hatte zwar auch mit Krämpfen zu kämpfen, hielt aber durch, siegte in fünf Sätzen und ist damit 30 Jahre nach Boris Beckers Sieg bei den Australien Open 1996 der erste deutsche Grand-Slam-Sieger. Becker hat übrigens in Paris nie gewonnen, Sand war nicht sein Lieblingsbelag, jedoch fühlt sich hier Zverev wohl. Dessen größter Erfolg war bisher der Olympiasieg 2021 in Tokio. Der im TV übertragende Sender Eurosport meldete einen neuen Zuschauerrekord, über zwei Millionen sahen zu, der Rekord-Marktanteil lag bei 6,9 Prozent (Schnitt sonst 0,6 %!).