Tore können für den Trainer auch zum Problem werden

1000 Tage ist Julian Nagelsmann als Bundestrainer jetzt im Amt. Er erlebte dabei Höhen und Tiefen, die Fähigkeit dieses Amt (für manche das höchste im Staat) zu bekleiden, wurde ihm von manchem schon abgesprochen. Im Moment macht er allerdings alles richtig. Elf Siege hintereinander sorgen für Ruhe und bei der Weltmeisterschaft beweist er ein glückliches Händchen bei Aufstellung und Auswechslungen. Das 7:1 über Curacao war ein Start nach Maß, das Spiel gegen die Elfenbeinküste riss dafür keinen von den Sitzen, außer die Tore zum 2:1-Erfolg am Schluss. Danach wurde auch Nagelsmann gefeiert – er hatte alles richtig gemacht.

Der „Held der Nation“ ist freilich ein anderer. Der Stuttgarter Deniz Undav bekam genau die Rolle, die ihm der Bundestrainer im Vorfeld zugedacht hatte und die dem 29-Jährigen (am 19. Juli wird er 30) bei Bekanntwerden gar nicht geschmeckt hat. Als Joker trumpft er aber auf, beeindruckte gegen Curacao mit Tor und Vorlagen und sorgte gegen die Elfenbeinküste nach seiner Einwechslung für die Wende – wieder zwei Tore. Damit ist er mit fünf Punkten im Moment sogar der Skorerkönig der WM. Freilich gebührt das Lob nicht allein ihm als Torschützen, sondern auch den Vorlagengebern Nadiem Amiri und Felix Nmecha. Beim Siegtreffer kopierte Undav den einstigen „Bomber der Nation“, Gerd Müller, nahm den Ball nämlich in Bedrängnis an, drehte sich um die eigene Achse und damit um den Gegenspieler und traf.

Nagelsmann feierte besonders ausgelassen, seine Wechsel, die manchen verwunderten, waren aufgegangen. Natürlich, Undav für den weiter seine Form suchenden Jamal Musiala war klar, Jamie Leweling für Leroy Sané (nicht aufgefallen) verständlich, aber Amiri für Aleksandar Pavlovic, warum das? Leon Gorotzka, eigentlich erster Kandidat im Mittelfeld, schaute zu. „Amiri ist gleich im Spiel“, erklärte Nagelsmann die Stärke, die jeder sehen konnte. Auch 25 Familienangehörige des Mainzers, denn die Familie seiner Mutter stammt aus Toronto, dem Spielort. Welches Glück!

Gedämpft wurde die gute Stimmung durch die Verletzung von Nico Schlotterbeck, der von Antonio Rüdiger gut vertreten wurde, aber jetzt steht fest, dass er mit einem Bänderriss im linken Sprunggelenk für die ganze WM ausfällt. Aber auch die lange Zeit schwache Leistung gegen einen Gegner, der durch seine Körperlichkeit beeindruckte und den Nagelsmännern buchstäblich den Schneid abgekauft hatte, lies rätseln. Positiv aber, dass sich die Mannschaft wieder aufraffte und die Wende schaffte. Das gibt Selbstvertrauen und fördert den Mut, in den nächsten Spielen bei ähnlichen Problemen wieder das Blatt zu wenden.

Der Trainer hat aber ein besonderes Problem, eigentlich ein für ihn schönes, das aber dennoch Sprengkraft in sich birgt. Muss er den Skorerkönig Undav nicht von Anfang bringen? Käme die Mannschaft mit seinen Toren gar nicht in die Bredouille? Andererseits, so einen Joker in der Hinterhand zu wissen, ist auch ein Vorteil. Dieses Problem ist nicht neu, im Fußball aber besonders, weil die Erfahrung gezeigt hat, dass erfolgreiche Joker plötzlich nicht treffen, wenn sie von Anfang spielen. So können Tore zu einem Problem für den Trainer werden!

Zum Abschluss ist das Duell mit Ecuador für die DFB-Elf bedeutungslos geworden, der Gruppensieg steht fest, aber für den Gegner ist das Spiel am Donnerstag (22 Uhr) in New York (New Jersey) für das Weiterkommen wichtig. Die Stärke des Gegners liegt in der Abwehr, Ecuador beendete die Südamerika-Qualifikation auf Platz zwei ungeschlagen mit 14:5 Toren, nur die beiden Letzten Peru und Chile schossen weniger Tore. Die Deutschen müssen das Abwehrbollwerk knacken und auf Sieg spielen, das stärkt das Selbstvertrauen und macht Eindruck beim nächsten Gegner, einem Tabellendritten der Gruppen A/B/C/D/F am Montag (22.30 Uhr) in Boston. Wer es ist, stelll sich erst nach dem Abschluss aller Gruppenspiele heraus. Das ist das Manko beim Feld von 48 Nationen, weil sich die besten acht Gruppendritten für das Sechzehntelfinale qualifizieren. Als Gruppensieger stehen bisher zudem nur die Ausrichterländer Mexiko und USA fest, was eine Überraschung ist. Ausgeschieden sind bisher die Türkei (der Jammer im Land ist groß), Tunesien (da musste der Trainer gleich nach der ersten Niederlage gehen) und Haiti.

Die Qualität der aufgeblähten WM (Achtung: Die Gruppenspiele enden am Sonntag, am gleichen Tag beginnt das Sechzehnfinale!) ist bisher besser als gedacht. Vor allem die „kleinen“ Nationen überraschen, als wollten sie sagen, „seht, wie gut es ist, dass wir dabei sind“. Kap Verde ist noch ungeschlagen, träumt vom Weiterkommen gegen Saudi-Arabien. Curacao hatte nach dem 1:7 gegen Deutschland sein Erfolgserlebnis beim 0:0 gegen Ecuador. Mit den glücklichen Spielern feierte das niederländische Königspaar, das die Spieler in der Kabine besuchte. Torhüter Room im siebten Himmel „die Königin hat mich geküsst!“ Auch die Stimmung in den Stadion macht Spaß, in Mexiko wird wohl am meisten gefeiert, Beobachter in den USA schwärmen, „das ist doch ein Fußball-Land“, nachdem „Soccer“ bisher nie so recht die Hauptrolle spielte (außer beim Frauen-Fußball). Auch Kanada hat sich anstecken lassen. Zweifelhaft bleiben die Trinkpausen, die sich bei oft moderaten Temperaturen und teilweise abgekühlten Stadien nur als Geschäftsmodell für Werbung entpuppen. Die Pausen sorgen dafür, dass die Teams sie zur Taktikbesprechung nutzen und Spiele oft eine Wendung nehmen. Eines wird jetzt schon deutlich, auch wenn die WM beendet ist, gibt es noch viel Gesprächsstoff über die WM.

Im Gespräch sind natürlich viele Spieler. Cristiano Ronaldo wirkt bei Portugal wie ein Fremdkörper, hat er den Zeitpunkt des Rücktritts (im Gegensatz zu Messi!) verpasst? Positiv im Gespräch sind zwei Bayern-Spieler, Harry Kane und Michael Olise werden als Kandidaten für den Weltfußballer genannt. Aufmerksamkeit erregt auch Ismael Saibari, der Marokko als Torschütze zu vier Punkten verhalf und als Neuzugang bei den Münchnern gehandelt wird. Der Wechsel von Eindhoven zu den Bayern soll versprochen sein, der Stürmer soll Olise (wenn Real nicht zuschlägt), Kane und Diaz unterstützen. Bisher war er in vier Ländern und spricht fünf Sprachen.

Alba Berlin düpiert Bayern-Basketballer

Titelgewinne sind für Mannschaften des FC Bayern fast eine Selbstverständlichkeit, siehe die Frauen und Männer im Fußball. Im Basketball kam es jetzt anders. Im entscheidenden fünften Spiel im Finale der Basketball-Bundesliga waren die Münchner schon auf dem Weg zum Titel, führten bei Halbzeit mit 20 Punkten Vorsprung, verloren dann aber die Kontrolle, Alba düpiert die Hausherren und gewann noch mit 84:81, es war damit der zwölfte Meistertitel. Bayerns Trainer-Legende Svetislav Pesic hatte sich einen schöneren Abschluss seiner langen Karriere gewünscht. Er war für den früheren Nationalcoach Gordon Herbert eingesprungen, der entlassen wurde. Jetzt verzweifelte er, „ich habe noch nie erlebt, dass meine Mannschaft das Konzept so verloren hat“. Aber er nannte auch den Grund, dass die Bayern-Basketballer eine enttäuschenden Saison ohne Titel erlebten: „Ich habe es auch nicht geschafft, aus den Spielern eine richtige Mannschaft zu machen.“ Das war bei Berlin nach einem schwachen Saisonstart ganz anders.