Eishockey sieht sich als Kronprinz hinter König Fußball
Es ist die alte Geschichte im deutschen Sport, König Fußball beherrscht die Szenerie, vor allem die Schlagzeilen und das Interesse ist ungebrochen. Manche Sportarten fühlen sich richtig erdrückt. Doch alle haben ihre Daseinsberechtigung und alle vier Jahre tauchen bei den Olympischen Spielen interessante Sportarten aus der Versenkung auf. Was den Mannschaftssport angeht, da buhlen vor allem Handball, Basketball und Eishockey um die Rolle des Kronprinzen hinter König Fußball. Geht man nach den Zuschauerzahlen und der Entwicklung heißt der Sieger – Eishockey!
Am Donnerstag beginnt die neue Saison mit dem Duell des Titelverteidigers Eisbären Berlin gegen die Straubing Tigers. Die DEL hofft, dass der Boom der letzten Jahre anhält, die Zuschauerzahlen stiegen auf 3,21 Millionen Besucher, der Gesamtumsatz der 14 Vereine auf 198 Millionen Euro, jetzt soll die 200er-Marke geknackt werden. Der Fußball hantiert natürlich mit ganz anderen Zahlen, da sind Milliarden im Gespräch. Doch diese Saison bringt noch einen großen Werbeeffekt, im Mai 2027 wird die Weltmeisterschaft in Deutschland ausgetragen mit Düsseldorf und Mannheim als Hauptspielorte. Start ist am 13. Mai in einem Fußballstadion, in Gelsenkirchen trifft Deutschland auf die Schweiz. Der Kronprinz hält praktisch beim König Hof!
Was die Punktrunde angeht soll ebenfalls ein Rekord geknackt werden. Die Eisbären Berlin dominierten zuletzt die Liga und wurden dreimal hintereinander Meister. Jetzt ist der vierte Titel im Visier, um alleiniger Rekordhalter zu sein, das Triple schafften auch Mannheim (1997 – 1999), die Eisbären selbst (2011 – 2013) und Red Bull München (2016 – 2018). Beim Griff nach Titel Nummer 4 scheiterten alle. Die Berliner müssen auch mit einem Handicap leben, Meistermacher Serge Aubin hat sich zum SC Bern verabschiedet, neuer Cheftrainer wurde Eric Dubois, der Neuland betritt, zuletzt war er Co-Trainer in Ingolstadt. Die Konkurrenz wird ihre Chance wittern.
Experten erwarten sowieso ein spannendes Meisterrennen. Vom Kader her gelten die Adler Mannheim als Favorit, sie holten zum Beispiel Torhüter Hildebrand aus Berlin und der bildet zusammen mit Nationaltorhüter Franzreb das wohl beste Keeper-Duo der Liga. Letztes Jahr scheiterte Mannheim im Finale noch an Berlin, das soll diesmal anders werden, man fühlt sich stärker. Die Kölner Haie und Red Bull München wollen ebenfalls oben mitmischen, die Haie haben allerdings auch ihren Trainer verloren, Kari Jalonen ging zurück nach Finnland, dafür kam Thomas Berglund. In München herrscht dagegen Euphorie, weil der langjährige Star Dominik Kahun nach acht Spielzeiten in der NHL und der Schweiz zurückkehrte. Vor allem aus familiären Gründen. Jetzt will er mit München erfolgreich sein. Bekanntlich wird der Titel nach einer langen Punktrunde erst in den Play-Offs entschieden, da gibt es eine Menge Unwägbarkeiten.
Neu in der Liga sind die Krefelder Pinguine, die nach vierjähriger Abwesenheit den Aufstieg geschafft haben und einst eine Eishockey-Hochburg waren. Neuling Dresden hielt sich nur ein Jahr, dass kann auch Krefeld wieder blühen, der Unterschied zur zweiten Liga ist krass. Bekanntlich können sich die Zweitligisten für die DEL bewerben, nur wer die Voraussetzungen erfüllt kann aufsteigen und muss dafür auch die DEL 2 gewinnen.
Folgende Teams sind am Start: Eisbären Berlin, Straubing Tigers, Kölner Haie, Grizzlys Wolfsburg, Nürnberg Ice Tigers, Augsburg Panther, Krefeld Pinguine, Fischtown Pinguins, Iserlohn Roosters, ERC Ingolstadt, Red Bull München, Adler Mannheim, Schwenningen Wild Wings, Löwen Frankfurt.
Basketball-Saison begann mit Streit
Basketball bringen vor allem die deutschen Stars in der NBA ins Gespräch, aber die nationale Liga weiß auch ihre Fans zu begeistern und sie hat einen Vorteil, sie hat mit Bayern München ein attraktives Aushängeschild. Vor dem Start am Freitag stand aber ein Streit im Vordergrund. „Typisch Bayern“ hieß es, weil sie bei der Konkurrenz wilderten, um wieder die Nummer 1 zu sein. Im Vorjahr lief nämlich vieles schief, keine Meisterschaft, kein Pokal und in der Euroleague das vorzeitige Aus. Und das im Jahr des 75jährigen Bestehens. Das soll nun anders werden, durch Wechsel in der sportlichen Führung. Ging der Weg von Sportdirektor Thorsten Leibenath von Ulm nach München noch reibungslos über die Bühne, wurde zwischen Bamberg und den Bayern monatelang um Trainer Anton Gavel gestritten, der bei den Franken vorzeitig seinen Vertrag auflöste und sich durch einen umstrittenen Vertragspassus im Recht sah. Am Ende landete er doch bei den Bayern und das erste Saisonspiel am Sonntag führt Bamberg ausgerechnet nach München!
Aber München ist nicht alles, Titelverteidiger Alba Berlin hat dem Krösus erneut den Kampf angesagt, obwohl der eigene Etat nur rund ein Viertel von den 50 Millionen Euro der Bayern beträgt. Geld ist nicht alles,. die Münchner leben das „mia san mia“ nicht nur im Fußball, Präsident Hainer sagt unmissverständlich: „Es muss so sein, dass wir Meister werden“. Aber auch international will man wieder erfolgreich sein. Eine große Aufgabe für Anton Gavel, dafür gab es aber Verstärkungen in der Mannschaft.
Der Rest des Feldes will mehr als nur Zuschauer sein und für die eine oder andere Überraschung sorgen. Am Start sind: Bayern München, Alba Berlin, Chemnitz 99er, Rostock Seawolves, Phoenix Hagen, Löwen Braunschweig, Gladiators Trier, Baskets Bonn, Syntainics MBC, Rationpharm Ulm, Riesen Ludwisburg, Bamberg Baskets, Skyliners Frankfurt, Würzburg Baskets, Science City Jena, Rasta Vechta.