Jürgen Klopp ist auf dem richtigenWeg, aber bis zum Gipfel ist es noch weit!

Die XXL-Länderspielphase mit gleich vier Begegnungen hatte der neue Bundestrainer Jürgen Klopp zur Talentshow genutzt. Die Ergebnisse können nicht befriedigen, die Leistungen waren zwiespältig, aber unter dem Strich bleibt ein positives Fazit: Jürgen Klopp ist mit seinem Team auf dem richtigen Weg, aber bis zum Gipfel ist es noch weit. Das DFB-Team befindet sich gerade mal auf der Mittelstation, also Mittelmaß, will aber Weltklasse werden. Der Anfang ist gemacht, die Ergebnisse (1:1 gegen die Niederlande, 0:1 und 0:0 gegen Griechenland, 2:0 gegen Serbien) sind nicht berauschend, aber die Leistungen stimmen teilweise hoffnungsvoll, was fehlte, waren vor allem Tore!

Gleich zwei Kader hatte Klopp aufgeboten und damit den Neuanfang überdeutlich gemacht. Hat er wesentliche Erkenntnisse gewonnen? „Ich bin zufrieden,“ wehrt er Kritik ab, einige Entdeckungen und Gewinner gab es, so vor allem das Mittelfeldtrio mit Bischof, Pavlovic und Wirtz, das sich nach dem gelungenen Auftritt gegen (das allerdings schwache) Serbien in Griechenland gleich wieder präsentieren durfte und zumindest eine Halbzeit überzeugte, wie das gesamte Team. „Das habe ich noch nie gesehen“, schwärmte Klopp. Bleibt die Frage: Und was wird mit Kapitän Joshua Kimmich? Klopp gibt dazu keine Stellungnahme ab, Kimmich schmollte daheim und machte deutlich, dass er gerne dabei gewesen wäre. Jetzt muss er sogar um seinen Platz im Team kämpfen! Der Trainer sagt dazu: „Wir brauchen ja nicht nur drei Spieler im Mittelfeld.“ Als Verlierer steht auch der Dortmunder Felix Nmecha da. Natürlich gibt es auch Gewinner, vor allem Torhüter Jonas Urbig, Rechtsverteidiger Philipp Treu, Tom Bischof (Kapitän der U21!) und im Angriff mit Derry Scherhant neben Treu ein zweiter Freiburger. Dagegen konnten sich Said El Mala und Nick Woltemade nicht in den Vordergrund spielen. Auch die Abwehr-Asse Tah und Schlotterbeck mussten erkennen, ihr Stammplatz könnte in Gefahr geraten, Anton und Thiaw machten ihre Sache gut.

Tatsache ist, dass die junge Mannschaft das vom Trainer vorgegebene Pressing weitgehend gut umsetzte, dass Laufbereitschaft und der Einsatz, jedem zu helfen, stimmten und so ein positives Signal nach außen sendeten. Es ist wieder Schwung im Laden. Jürgen Klopp macht allen anderen weiter Mut, „die Tür ist immer offen.“ Eine Pause gibt es jetzt bis zum 13. November mit dem Spiel in Serbien, das „Finale“ der Gruppenphase in der Nations League folgt am 16. November gegen die Niederlande in Berlin. Deutschland braucht zwei Siege, um die Chance auf das Weiterkommen zu haben. Die Niederlande und Griechenland liegen mit acht Punkten gleichauf vorn vor Deutschland mit fünf. Abstiegsangst (Serbien null) muss man wohl nicht mehr haben. Wen Klopp in den Punktspielen bis dahin allerdings entdecken sollte, ist ein Torjäger. Vielleicht feiert da der Gladbacher Tim Kleindienst ein Comeback.

Heiße Wochen für die Vereine

Am Wochenende geht die Bundesliga wieder weiter, der Start in heiße Wochen bis zur nächsten Länderspielpause. Fünf Spieltage stehen an, zudem für die Spitzenklubs drei Spieltage in Europa sowie Ende Oktober die 2. Runde im DFB-Pokal. Eine Ruhephase gibt es also nicht und es gilt, gleich wieder in Form zu sein. Zur Erinnerung, Dortmund führt als einziges Team ohne Punktverlust, dahinter liegen die Bayern und Freiburg mit zwei Zählern Abstand. Könnte so bleiben, Dortmund hat Bremen zu Gast, Freiburg Aufsteiger Schalke 04, die heikelste Aufgabe haben wohl die Bayern, die zum Derby nach Augsburg müssen und sich dort im Vorjahr die einzige Niederlage (1:2) abholten. Interessant wird sein zu sehen, wie Bayern-Coach Vincent Kompany auf Tom Bischofs Leistungshoch reagiert, der bisher dritter Mann hinter dem Duo Kimmich/Pavlovic war.

Am Tabellenende ist Borussia Mönchengladbach das einzige Team ohne Punktgewinn, das soll sich unter dem neuen Trainer Alexander Blessing ändern, der aber schon im Vorjahr mit St. Pauli abgestiegen ist. Die erste Bewährungsprobe folgt gleich im Derby in Köln. Eine heiße Sache. Wenigstens ein Pünktchen hat Union Berlin, das wohl mit Neid auf den Gast am Samstag schaut, nämlich Neuling SV Elversberg, mit sieben Zählern und Platz sieben wesentlich erfolgreicher.

Frauen haben die Weltmeisterschaft im Visier

Um Punkte geht es für die deutsche Frauen-Nationalmannschaft nicht, sie hat vielmehr bei zwei Testspielen die Fußball-Weltmeisterschaft im nächsten Jahr in Brasilien im Visier. In diesem Jahr wird nur getestet, aber vor der WM muss man schon in Form sein, denn die Nations League ist gleichzeitig die Olympia-Qualifikation für 2028. Jetzt aber hat Bundestrainer Christian Wück seine Mädchen zur ersten Prüfung gegen Australien am Freitag in Karlsruhe und gegen Japan im Dienstag, 13.10., in Bremen nominiert. Verzichten muss er allerdings auf Stürmerin Vivien Endemann und Kapitänin Giulia Gwinn, die sich im Punktspiel in Frankfurt einen Bänderriss am linken Fuß zugezogen hat und wochenlang ausfällt. Freiwillig verzichtet Wück auf Stammtorhüterin Berger, dafür dürfte Bayern-Torhüterin Ena Mahmutovic eine Chance bekommen, die langfristig als Nummer 1 gilt. Ende November trifft sich die DFB-Elf wieder, dann will Wück mit dem Team auf einen US-Trip gehen, um gegen Gegner aus Übersee zu testen.

In der Bundesliga ging der Siegeszug von Bayern München weiter, der Meister stoppte Verfolger Frankfurt mit einem verdienten 1:0 und blieb damit im 48. Spiel in Folge ungeschlagen. Klara Bühl erzielte in einem vorbildlichen Konter nach einer Eintracht-Ecke das „goldene Tor“. Rund 6000 Zuschauer sahen in Frankfurt das Schlagerspiel. Wolfsburg rückte mit einem glücklichen 2:1 gegen den HSV auf Rang zwei vor. Weiter geht es wieder vom 16. – 19. Oktober.

Auf Europas Bühne hatten die deutschen Teams Erfolge zu verzeichnen. Die Bayern siegten in der Champions League bei Benfica Lissabon mit 3:0, Wolfsburg gegen Graz und Frankfurt gegen Hafnarfjördur kamen in der Europa League eine Runde weiter. Jetzt folgen im Achtelfinale deutsch -holländische Duelle, Wolfsburg trifft auf Feyenoord Rotterdam, Frankfurt auf Eindhoven.

Deutschland hat wieder einen Welt-Präsidenten

Im Eishockey ist Multi-Talent und Super-Funktionär Franz Reindl doch noch am Ziel seiner Wünsche: Er wurde am Freitag auf Teneriffa zum Präsidenten des Eishockey-Weltverbandes (IIHF) gewählt. Er ist damit der zweite Deutsche nach Günther Sabetzki (1975 – 1994) auf dieser Position. 2021 war Reindl bei der Wahl noch unterlegen, da gab es gegen ihn Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue. Die Ermittlungen wurden aber eingestellt. Jetzt folgte er in einer knappen Wahl dem Franzosen Luc Tardif, der nicht mehr antrat. Reindl bekam im zweiten Wahlgang die Mehrheit, im ersten Wahlgang unterlag er noch dem Tschechen Petr Briza (einst Torhüter) mit 36:48 Stimmen (acht Kandidaten standen zur Wahl), die Stichwahl holte er sich mit 60:57 Stimmen.

Reindl konnte gerade noch gewählt werden, er wird im November 72, ein Alter, das eine Wahl ausschließt. Der Garmischer hat im Eishockey alles erlebt, absolvierte knapp 700 Bundesligaspiele für Riessersee und Rosenheim, war Nationalspieler, Assistenz- und Bundestrainer, Sportdirektor und Geschäftsführer sowie von 2014 bis 2022 Präsident des Verbandes. Sein Manko: In dieser langen Funktionärszeit hat er das deutsche Eishockey nicht wesentlich nach vorn gebracht, berüchtigt seine internen Ränkespiele. Auch im Weltverband gilt er als Strippenzieher und hat sich so in eine erfolgreiche Position gebracht. Sein Ziel als Welt-Präsident ist vor allem eine dauerhafte Teilnahme von NHL-Profis an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen.