Der Herbst ist die heiße Zeit für die Fußball-Fans

Wer die Bundesliga liebt, musste lange warten, bis es endlich wieder richtig los ging. Obwohl die Nationalmannschaft mit Bundestrainer Jürgen Klopp die Fußball-Fans durchaus unterhalten hat und Stoff für Diskussionen bot. Aber mit welchen Krachern meldete sich die Bundesliga zurück! Ein Neuer-Fehler sorgte für das schnellste Tor der Bundesliga, Dortmund gestürzt, aber die Bayern nutzten ihre Chance nicht, Torflut in Mainz, prominente Teams am Tabellenende. Dazu geht es jetzt in Europa wieder weiter, für viele Vereine stehen neun Spiele in vier Wochen an – der Herbst ist die heiße Zeit für die Fußball-Fans.

Bleiben wir bei der Bundesliga und ihren Highlights. Ist Manuel Neuer mit 40 Jahren zu alt für den Spitzensport? Natürlich gibt es diese Diskussion nach seinem schweren Patzer, als er den Augsburger Robin Fellhauer anschoss und der freie Bahn für das schnellste Tor aller Zeiten hatte, in 8,5 Sekunden. Aber solche Fehler und andere unterliefen Neuer schon immer, es ist ein Teil seines riskanten Torwartspiels, die positiven Seiten überwogen allerdings bei weitem. FCA-Trainer Manuel Baum hatte seine Mannen aber bewusst darauf eingestellt, den Bayern-Torhüter zu attackieren. Dabei gab es bei dem am Ende glücklichen 2:2 für Augsburg noch eine andere Seltenheit: Vier Bayern-Tore, die alle wegen Abseits nicht zählten! Unglücklicher geht es kaum.

Dabei hatte man erwartet, dass die Bayern den Ausrutscher Dortmunds mit dem 2:2 gegen Bremen zur eigenen Tabellenführung nutzen würden – und für den Rest der Saison dort bleiben würden! Pustekuchen. Dagegen nutzte der SC Freiburg die Chance, kehrte mit dem 2:1 gegen Schalke nach dem dritten Spieltag auf den Platz an der Sonne zurück. Dort tummelten sich bisher außerdem die Bayern, Augsburg und Dortmund. Der Beweis dafür, dass die Bundesliga interessant ist, zumal einige prominente Vereine (noch?) schwächeln. Mönchengladbach kommt auch mit neuem Trainer nicht vom letzten Platz weg, aber trotz des 1:2 im Derby in Köln gibt es zumindest Hoffnung. Dass der Vergleich mit Hoffenheim am Sonntag ein Kellerduell sein würde, hatte allerdings keiner erwartet. Union Berlin landete gegen Elversberg den ersten Sieg (1:0) und zog vorbei, weil Hoffenheim in einem dramatischen Spiel gegen den HSV am Ende 2:3 unterlag. Die Hamburger trotzten dabei allen Widrigkeiten und können erst einmal durchatmen. Aber auch in Frankfurt wird gerätselt, was ist los mit der Eintracht? Die Hütter-Schützlinge wurden beim 0:6 in Leipzig zerlegt, kassierten bereits 16 Tore in fünf Spielen, die Abwehr zeigt sich bisher außer Rand und Band. Auch Kapitän Robin Koch wurde angezählt. Für Besserung kann Frankfurt wohl erst Weihnachten beim nächsten Transferfenster sorgen. Am Freitag ist Köln der nächste Gegner. Das Schlagerspiel gibt es am Samstag in München, wenn die torhungrigen Leipziger (15) beim Rekordmeister gastieren (16). Im Vorjahr starteten die Bayern mit einem 6:0 gegen RB, das wird sicherlich nicht wieder passieren.

Nach der langen Länderspielpause geht es auch in Europa erst richtig los, drei Spieltage stehen bis zur nächsten Unterbrechung an. Die Conference League startet sogar erst am Donnerstag, Tabellenführer Freiburg hat dabei Jablonec aus Tschechien zu Gast. Das sollte machbar sein. Überhaupt haben alle Bundesligisten lösbare Aufgaben vor sich, ausgerechnet Hoffenheim hat mit Besiktas Istanbul in der Europa League den dicksten Brocken vor der Brust, nach dem 0:2 auf Kreta könnte es die zweite Niederlage geben. Leverkusen startete dagegen mit einem 2:0 gegen Celje und sollte auch in Posen bestehen können.

In der Champions League hatte nur RB Leipzig in Como mit einer 1:4-Niederlage einen Fehlstart, am Dienstag geht es jetzt zu Hause gegen Eindhoven, auch ein harter Brocken. Die Bayern landeten mit 5:0 gegen Bodö/Glimt den höchsten Sieg und schwimmen auf der Norweger-Welle, denn am Dienstag treten sie beim norwegischen Meister Stavanger an. Weil dort auf Kunstrasen gespielt wird, reisten sie frühzeitig an, um den Platz zu testen. Die große Frage, die die Medien bewegt: Wer steht im Tor? Es war schon vorher im Gespräch, dass Jonas Urbig Neuer vertreten darf, Trainer Kompany hält sich bedeckt. Am ersten Spieltag bezwang Stuttgart die Norweger mit 3:1, das sollten die Münchner auch können. In neun Vergleichen mit Norwegern holten die Bayern acht Siege und spielten einmal remis. Stuttgart wiederum muss nach Bratislava in die Slowakei. Der vierte im Bunde ist Dortmund, das Villarreal mit 3:2 bezwang und jetzt auf den ersten Münchner Gegner Bodö/Glimt trifft. Zu Hause im Norden des Landes sind die Norweger aber wesentlich stärker, sie sorgten da im Vorjahr für dicke Überraschungen.

Talent-Show bei den Frauen

Nein, zwei Kader, wie seine Kollege Jürgen Klopp hat Christian Wück als Bundestrainer der Frauen nicht nominiert, es stehen ja nur zwei Länderspiele an. Aber schon das 4:2 gegen Australien wurde zu einer Art Talent-Show, weil Wück auf viele Stammspielerinnen verzichten musste und fleißig wechselte. Dabei konnte sich Ena Mahmutovic im Tor beweisen, in den Blickpunkt spielte sich aber besonders Mittelstürmerin Melissa Kössler. Bahn frei hieß es für die 26-Jähige, die in Denver spielt, weil die Konkurrenz passen musste. Kössler nutzte die Chance mit zwei Toren und einer starken Leistung. Sie ist in Denver glücklich, findet dorrt beste Bedingungen vor und freut sich „die meisten Heimspiele sind ausverkauft“. Auch die Wolfsburgerin Cora Zicai machte auf sich aufmerksam, so dass der Trainer sehen konnte, dass es Alternativen zum Stammpersonal gibt. Generell ist Wück weiter als sein Kollege Klopp, denn die Frauen zählen bereits zur Weltspitze und wollen dies im nächsten Jahr bei der WM in Brasilien beweisen.

Nach dem sehr körperbetonten Spiel gegen Australien treffen die deutschen Mädchen am Dienstag (17.45 Uhr/ARD) in Bremen auf die sehr laufintensiven und fleißigen Japanerinnen. „Das wird ein ganz anderes Spiel“, weiß Wück, was auch so gewollt ist. Nur so kann richtig getestet werden. Die 1,78 m große, kräftige Melissa Kössler wird gegen die etwa 1,66 m großen Japanerinnen dabei noch ganz anders herausstechen, wenn sie denn spielen darf.