Der Bayern Leid ist der Bundesliga Freud

Der Fußball-Fan traut seinen Augen kaum bei einem Blick auf die Tabelle, so spannend war die Bundesliga seit Jahren nicht mehr. Die Bayern sind zwar Tabellenführer, aber sie marschieren nicht mit Abstand vorne weg, nein, Dortmund hält mit, ist punktgleich. Und Werder Bremen als Fünfter hat nur drei Punkte Abstand. Was ist da los?

Alles hat seine Gründe, zu aller erst natürlich die Pechserie der Münchner. „Die unendlichen Plagen des FC Bayern“ titelt die Süddeutsche Zeitung über das Leid des Meisters, das gleichzeitig der Bundesliga Freud ist. Es kommt in München gerade wirklich dick rein, zu den im Fußball zwar üblichen Verletzungen, die sich aber gerade häufen, kommen Schicksalsschläge wie die Krankheit des Trainers und persönliches Leid von Mittelfeldlenker Joshua Kimmich. Außerdem fehlen verletzt Spitzenspieler wie Diaz und Musiala und im Klassiker gesellten sich noch Gnabry und Saibari innerhalb von wenigen Minuten dazu, auch Olise humpelte vorzeitig vom Feld. Wie heißt es so schön, hast du kein Glück, kommt auch noch Pech dazu. Beim 2:2 gegen Dortmund verschoss Harry Kane einen Elfmeter, was selten passiert, aber ausgerechnet jetzt, nachdem er vorher als Welt-Fußballer gefeiert wurde und in Schuhen mit goldener Sohle spielte. Der Ball knallte ans Kreuzeck, dazu kamen drei weitere Pfosten- und Lattentreffer. Am Schluss in letzter Sekunde von Joker Karl. So fehlten eben die Tore zum Sieg.

Aber das war den Dortmundern egal, die sich im Aufwind befinden und endlich eine Saison ohne große Leistungsdellen absolvieren wollen und damit die Bayern angreifen. Ihr besonderer Wille zeigt sich mit entscheidenden Toren in den letzten Minuten, wie jetzt in München mit dem Ausgleich in der 89. Minute durch Joker Fabio Silva. Eine Stärke, die früher die Bayern zu Titeln führte. Aber es ist nicht nur Dortmund, Freiburg und Bremen spielen bisher eine überraschend starke Saison, Leipzig hat sich unter dem neuen Trainer Martin Demichelis nach anfänglichen Probleme heimlich, still und leise nach vorne gepirscht. Dahinter geht es kunterbunt zu, Leverkusen schwächelt, der VfB startet eine Aufholjagd und von Rang 10 bis 15, von Augsburg bis Hamburg, liegen sechs Teams mit neun Punkten! Einige haben besondere Probleme, vor allem den HSV plagen Ausfälle, der FCA hat nach anfänglicher Euphorie den Faden verloren, ist sechs Spiele ohne Sieg. Beim 1:2 gegen Freiburg verspielte man zum fünften Mal eine Führung und verlor damit 12 Punkte! Schalke stürzte sogar auf einen Abstiegsplatz, weil man in vier Spielen zu Hause noch nicht einmal ein Tor erzielt hat, so gab es auch diesmal wieder ein 0:2 gegen Leipzig. Hoffenheim verlor in Bremen ebenfalls 0:2, was besonders für Torhüter Oliver Baumann bitter war, es war für ihn die 200. Niederlage im 400. Spiel für die TSG!

Da wird der nächste Spieltag natürlich mit besonderer Spannung erwartet, es ist allerdings auch der letzte vor der nächsten Länderspielpause. Mit Spannung wurde auch die Pokal-Auslosung am Sonntag beobachtet, dabei wurden besondere Schlagerspiele gezogen: Frankfurt – Dortmund, Leverkusen – Leipzig und Bayern – Hertha BSC zum Beispiel. außerdem spielen Stuttgart – Dresden, Gladbach – Darmstadt, Kaiserslautern – Freiburg, Kiel – Köln und Bochum – Augsburg. Gespielt wird am 1./2. Dezember.

Um Pokale geht es auch in Europa, da sind die Spitzenklubs wieder gefordert. In der Champions League muss am Dienstag Stuttgart in das heiße Stadion von Galatarasay Istanbul, die Bayern haben eine ebenso schwere Hürde bei Atletico Madrid und müssen gewinnen, wenn sie noch den Sprung unter die ersten Acht schaffen wollen. Immerhin ein Hoffnungsfunken: Manuel Neuer und Michael Olise waren am Montag beim Abschlusstraining dabei. Dortmund und Leipzig haben am Mittwoch Heimspiele, die Borussia sollte gegen Betis Sevilla wichtige Punke holen, RB steht dagegen mit dem Rücken zur Wand und hat mit Manchester City einen Brocken vor sich.

Wie füllt Klopp die Stürmer-Lücke?

Mit Spannung warten die Fußball-Fans auch auf den Donnerstag, denn da wird Bundestrainer Jürgen Klopp sein Aufgebot für die beiden Spiele in der Nations League in Serbien (13. November) und gegen die Niederlande (16. 11.) bekannt geben. Dann gibt es die Auflösung, auf wen Klopp im Sturm setzt. In den Medien kreisen die Schlagzeilen um den Bremer Torjäger Niclas Füllkrug, der weiterhin trifft und trifft. Das tat er beim 2:0 gegen Hoffenheim im siebten Spiel in Folge und damit übertraf er Rudi Völler und stellte einen neuen Vereinsrekord auf. Füllt Klopp also die Lücke im Sturm mit Fülle? Kai Havertz empfahl sich auch bei Arsenal London, aber da gibt es neben den erablierten Spielern auch noch den U21-Torjäger Nicolo Trisoldi, der die Liga in Belgien aufmischt. Aber auch auf anderen Positionen wird es spannend, wie Klopp sich entscheidet, zum Beispiel bei den Torhütern oder im Mittelfeld. Auf jeden Fall wird Kapitän Joshua Kimmich wieder im Aufgebot stehen, das kein XXL-Kader mehr sein wird, sondern wie von der UEFA vorgeschrieben 23 Mann umfasst. Sie haben einen Auftrag: Zwei Siege, um den Sprung in die K.o.-Spiele zu schaffen.

Heißer Freitag in der Frauen-Bundesliga

So spannend wie bei den Männern geht es in der Frauen-Bundesliga nicht zu, da marschieren die Bayern und Wolfsburg dem Rest des Feldes voraus, am Freitag gibt es dennoch einen heißen Spieltag, denn die ersten vier Teams sind unter sich, beide Spiele werden um 18.30 Uhr angepfiffen. Tabellenführer München (24 Punkte) erwartet dabei den Vierten Werder Bremen (16), der Dritte Eintracht Frankfurt (17) spielt gegen den VfL Wolfsburg (21) und will den Abstand verkürzen.

Am vergangenen Wochenende pausierte die Bundesliga für das Achtelfinale im DFB-Pokal und auch da gab es wieder Werbung für den Frauen-Fußball, so bei dem Duell Hamburger SV gegen Union Berlin, das die Gäste nach einem aufregenden Spiel mit 4:3 nach Verlängerung gewannen. Eine Verlängerung gab es auch in Mainz, dann setzte sich Bremen mit 2:0 durch. Eine Runde weiter kam auch Titelverteidiger Bayern München, der sich zu einem knappen 1:0 gegen Leverkusen mühte. Das entscheidende Tor fiel durch einen von Pernille Harder verwandelten umstrittenen Elfmeter. Die Bayern-Mädchen leiden wie die Männer unter einer mangelnden Chancenverwertung. Das zeigte sich auch in der Champions League beim 2:2 gegen Real Madrid, als der Ball einfach nicht ins gegnerische Netz wollte. Zwar holten die Bayern den 0:2-Rückstand auf, aber der mögliche Siegtreffer fiel nicht und so wird es schwer, direkt in die Play-Offs einzuziehen. Besser machten es Wolfsburg und Frankfurt im Achtelfinale des Europa Cup, die Eintracht siegte in Eindhoven 2:0, die Wölfinnen gegen Feyenoord Rotterdam gleich mit 7:0, beide Teams stehen also vor dem Sprung ins Viertelfinale (Rückspiele am 11. November).

Zweimal die Nummer 1

Außergewöhnliche Entscheidungen gab es im internationalen Sport. So ist Deutschlands Tennis-Ass Alexander Zverev am Ziel seiner Träume angelangt, am Montag wies in die Weltrangliste als die Nummer 1 aus!. Er löste damit den verletzten Südtiroler Jannik Sinner ab und profitierte bei seinen Erfolgen auch von Ausfällen der Konkurrenz. Aber der Hamburger hat die Nummer 1 verdient, er trotzte selbst allen Widrigkeiten und folgt damit Boris Becker, der vor 35 Jahren die letzte Nummer 1 der Welt war! Bei den Damen schafften dies einst Steffi Graf und Jacqueline Kerber.

Die Nummer 1 der Welt ist in der Formel 1 Kimi Antonelli. Beim Grand Prix in Mexiko reichte im Platz 3 hinter Verstappen und Hamilton, um sich vier Rennen vor Saisonschluss endgültig als jüngster Weltmeister aller Zeiten zu küren. Der 20-Jährige wird vor allem in Italien gefeiert, das 53 Jahre auf einen neuen Formel-1-Weltmeister warten musste. Dabei spielt es keine Rolle, dass Antonelli dies nicht mit Ferrari erreichte, sondern einen Mercedes fährt. Im Vorjahr war er übrigens in seinem Debüt-Jahr ohne einen Sieg geblieben, aber Mercedes-Chef Toto Wolff zweifelte nicht am Können seines jungen Schützling. Mercedes ist auch Weltmeister in der Konstrukteurswertung.