Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Kategorie: Basketball

Wie stark oder schwach sind die Löw- Jungs?

Die Fußball-Welt rätselt und es gibt keine gültige Antwort. Es war die meistgestellte Frage nach den EM-Qualifikationsspielen der deutschen Nationalmannschaft, nach dem 2:4 gegen die Niederlande und nach dem 2:0 in Nordirland: „Wo sehen Sie die deutsche Mannschaft?“ Soll heißen, in der Weltelite oder eher bei den Mitläufern? Die Antwort könnte heißen: Für die Starken zu schwach, für die Schwachen zu stark! Die Löw-Jungs krebsen ja auch in der Weltrangliste derzeit um Platz 15 herum, mal geht es nach oben, mal nach unten.

Der hoffnungsvolle Kader machte im Spiel gegen die Niederlande viele Hoffnungen kaputt. Die Niederländer waren schneller, cleverer, robuster und technisch besser. Es war eine Lehrstunde für die Löw-Jungs und hinterher warb der Bundestrainer um Geduld: „Wir sind in einer Phase Lernens.“ Doch wie lange dauert der Lernprozess? Dabei war die Hoffnung nach guten Spielen und dem 3:2-Sieg in Amsterdam schon groß. Doch die Zweifel an der Qualität bleiben. Die erfahrenen Boateng, Hummels oder Müller wieder zurück zu holen, davon will Löw nichts wissen. Eher fehlt ihm Wirbelwind Sane. Der einzige, der Wirbel macht, ist derzeit Bayern-Stürmer Serge Gnabry, er trifft zuverlässig, glänzt mit Positionswechseln, hat gute Ideen und beim Bundestrainer einen Stein im Brett: „Gnabry spielt immer.“

Dagegen haben einige Spieler Löw im Stich gelassen, die Stützen oder Hoffnungsträger sein sollten. Marco Reus in erster Linie, in beiden Spielen kam er nicht an die Leistung heran, die er in Schwarz-Gelb in Dortmund zeigt. Fremdelt er vielleicht bei Löw? Tino Kroos war nicht der große Halt und Timo Werner andererseits nur ein Schatten seiner selbst und träumte wohl von seinen Bundesliga-Toren, Jonathan Tah stabilisierte die Abwehr nicht, sondern brachte sie durcheinander. Ein Glück, dass wenigstens Torhüter Manuel Neuer wieder seine alte Klasse zeigt. Taktisch ging auch einiges schief, gegen die Niederlande wurde das 2:2 nicht verteidigt, das 2:4 kann noch bitter werden, denn die Niederlande hat jetzt den besseren direkten Vergleich und wird Gruppensieger werden, heißt, Deutschland wird bei der Europameisterschaft 2020 auf jeden Fall einen dicken Brocken in die Vorrunden-Gruppe zugelost bekommen.

Das Deutschland bei der EM 2020 dabei ist, davon darf man ausgehen,. Die Schadensbegrenzung ist gelungen, der 2:0-Sieg in Belfast öffnete die Tür, schließlich haben die Nordiren noch zweimal die Niederlande vor der Brust und eventuell am 19. November ein Endspiel um Platz zwei in Deutschland. Löws Jungs müssen außerdem noch in Estland und gegen Weißrussland antreten. Für die Schwachen sind sie ja zu stark. Was aber für die nächsten Spiele wichtig ist (zum Beispiel am 9. Oktober gegen Argentinien): Wir wollen eine Weiterentwicklung sehen, Herr Bundestrainer!

Der erste Schlager der Bundesliga

Am kommenden Wochenende werden wir aber wieder gebannt auf die Bundesliga blicken, denn da steht auch der erste große Schlager an: Wenn sich am Samstag, 14- September, um 18.30 Uhr in einem wahren Spiel des Tages RB Leipzig und Bayern München, also Erster und Zweiter, gegenüberstehen, dann werden erstmals die Karten auf den Tisch gelegt. Haben die Bayern das Zeug zum achten Titel in Folge bzw. ist Leipzig (einzige Mannschaft mit drei Siegen) im Kampf um die Meisterschaft neben den Bayern und Dortmund wirklich der Dritte im Bunde? Das Umschaltspiel der Leipziger könnte den Bayern weh tun, die zudem meist nach Länderspielpausen schwächeln und mit dem neuen Star Coutinho nach seinen Länderspieleinsätzen für Brasilien nur bedingt rechnen können. Aber zwischen Leipzig und den Bayern ging es meist eng her, in der letzten Saison hieß es 0:0 und 1:0 für die Bayern. Dortmund hat übrigens Bayer Leverkusen zu Gast, das nächste Duell zweier Spitzenteams.

Aber auch am Tabellenende steht ein Schlagerspiel an: Schlusslicht Mainz erwartet den Vorletzten Hertha BSC, es ist das Duell der Enttäuschten. Hier will jeder die Wende zum Guten schaffen. Mainz erhoffte sich schließlich eine Saison ohne Zittern, in Berlin wurde eher nach oben als nach unten geguckt. Vorerst Pustekuchen. Es sind ja aber auch erst drei Spieltage absolviert, vier weitere stehen an, bevor es wieder in eine Länderspielpause geht. Dann sind wir schon wieder um einige klüger.

Der Traum von Olympia

In den letzten Tagen war auch die Basketball-Nationalmannschaft im Gespräch, die im fernen China bei der Weltmeisterschaft allerdings eine große Enttäuschung erlebte und dennoch mit Hoffnung nach Hause flog. Die Fußball- und Basketballteams vereint dies: Zwei hoffnungsvolle Mannschaften, die von einer glorreichen Zukunft träumen, aber die bittere Wahrheit des aktuellen Scheiterns in der Gegenwart verdauen müssen. Derzeit heißt es bei beiden: Für die Starken zu schwach, für die Schwachen zu stark.

Im Fußball gibt es den Traum vom Gewinn der Europameisterschaft, im Basketball den Traum von Olympia. Das war der versöhnliche Abschluss von Dennis Schröder und Co.: Die Teilnahme an den Qualifikationsturnieren wurde geschafft, aber die Hürden sind hoch. In den Sechser-Gruppen schafft nur der Gruppensieger das Ticket für Tokio 2020 und große Kaliber vom Format von Griechenland, Litauen, Italien und Brasilien sind dabei. Was den Unterschied von Fußball und Basketball ausmacht: Im Fußball scheint der Teamgeist zu stimmen, im Basketball gibt es Zweifel, zumal der NBA-Star Dennis Schröder eine Art Eigenleben spielt. Das sind keine guten Aussichten für die Erfüllung eines Traumes und bedeutet viel Arbeit für Bundestrainer Hendrik Rödl. Mit Medaillenträumen im Gepäck war man schließlich auch nach China geflogen!

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Die Basketball-WM beginnt mit einem Finale

Vom 31. August bis zum 15. September wird in China die Basketball-Weltmeisterschaft ausgetragen. Die besten Mannschaften der Welt ermitteln ihren Besten, doch die besten Spieler sind teilweise gar nicht dabei. Vor allem die USA mussten Absagen von prominenten NBA-Stars hinnehmen, so fehlen u. a. LeBron James, James Harden und Stephen Curry. Seit die NBA die Teilnahme ihrer Stars an der WM zugesichert hat, trat die USA mit einem sogenannten Dream-Team an, das dann oft traumhaft Basketball spielte. Fünf der bisher 17 Weltturniere gewannen die USA. Nach Traum-Basketball sieht es diesmal nicht aus, was die WM allerdings um einiges interessanter macht. Der Favoritenkreis ist groß, natürlich mit den USA, gute Chancen werden aber auch Spanien, Frankreich, Australien, Litauen, Serbien und Griechenland eingeräumt.

Und Deutschland? Der Deutsche Basketball-Bund stellt eine starke, junge und hungrige Mannschaft, die ebenfalls von NBA-Erfahrung profitiert und selbstbewusst sagt Bundestrainer Henrik Rödl (50 Jahre alt): „Wir sind so tief besetzt wie nie, ich glaube, wir können jede Mannschaft schlagen.“ Offen wird davon gesprochen, auf Medaillenjagd gehen zu wollen, die letzte WM-Medaille ist schon 17 Jahre her. Wichtigstes Ziel ist jedoch die direkte Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 In Tokio, dafür muss man zweitbestes Team Europas werden. Ein Blick auf die Favoriten zeigt, dass dies kein leichtes Unterfangen ist.

Im Mittelpunkt der deutschen Mannschaft steht natürlich der junge NBA-Star Dennis Schröder, der jetzt für die Oklahoma City Thunder spielt und nicht nur 15,5 Millionen Dollar im Jahr verdient, sondern auch mit Lob nur so überschüttet wird. Eine Lobeshymne kommt von Dirk Nowitzki, der größte deutsche Basketball-Star bisher und Rekordjäger in der NBA, der 2005 Deutschland zur Silbermedaille bei der Europameisterschaft führte. Mit Schröder stand Nowitzki bei der EM 2015 gemeinsam auf dem Parkett, dennoch gab es ein Aus in der Vorrunde. Jetzt schwärmt Nowitzki über seinen Nachfolger als „Leader“: „So einen Aufbau wie von Dennis hat die Nationalmannschaft noch nie gesehen, vor allem die Schnelligkeit und die Spielfähigkeit.“ Der ehemalige Bundestrainer Dirk Bauermann pflichtet bei: „Schröder ist ein überragendes Talent, der seiner Mannschaft in vielen Bereichen helfen kann, als Verteidiger, Pasgeber und als Scorer.“ Kein Wunder dass der 25-Jährige Schröder selbstbewusst sagt: „Ich will führen.“ Er verriet auch, dass der Bundestrainer gern Ratschläge vom NBA-Star annimmt, wenn es um die Taktik geht.

Schröder ist beileibe nicht der einzige NBA-Spieler, auch Maxi Kleber (Dallas) und Daniel Theis (Boston) spielen in der besten Liga der Welt. Zudem hat Paul Zipser in Chicago NBA-Erfahrung gesammelt, jetzt ist er wieder zu Bayern München zurückgekehrt. Johannes Voigtmann spielt künftig für den Europa-Champion ZSKA Moskau, diese Ansammlung von guten Spielern macht deutlich, dass Deutschland schon selbstbewusst auftreten kann. Gut für die Moral war sicherlich im letzten Vorbereitungsspiel ein Erfolg über Australien, das zum Kreis der Favoriten zählt.

Allerdings ergibt sich die außergewöhnliche Konstellation, dass das Turnier für Deutschland quasi mit einem Finale beginnt. Erster Gegner am Sonntag ist Frankreich und hierbei geht es gleich um den Gruppensieg. Der könnte wichtig sein, denn nur dann kann man den USA in der nächsten Turnierphase aus dem Wege gehen. Weitere Gruppengegner sind die Dominikanische Republik (Dienstag) und Jordanien (Donnerstag), sie sollten keine Hürden darstellen. Der Fußball war wohl das Vorbild, dass auch die Zahl der WM-Teilnehmer aufgestockt wurde. Erstmals sind es 32 Teilnehmer statt bisher 24. Gespielt wird in acht Vierer-Gruppen, jeweils die ersten beiden Teams kommen weiter. In der sogenannten Hauptrunde gibt es wieder vier Vierer-Gruppen, die Punkte aus der Vorrunde werden mitgenommen. Die beiden besten Mannschaften jeder Gruppe erreichen das Viertelfinale, ab dem im K.o.-Modus gespielt wird.

Erreicht Deutschland die direkte Olympia-Qualifikation nicht, dann steht dem Nationalteam ein weiteres Turnier bevor. Die besten 16 Teams nach den Qualifizierten sowie acht weitere ausgewählte Teilnehmer spielen in vier Turnieren wo jeweils nur ein Ticket vergeben wird. Nach dem Finale zum Auftakt folgen eigentlich noch viele Endspiele!

Pech für die Sportart Basketball und ihre Fans, dass sich die Begeisterung in der Öffentlichkeit in Grenzen halten wird, weil es keine Bilder bei ARD und ZDF oder im Privat-Fernsehen gibt. Allerdings überträgt MagentaSport alle 92 Spiele kostenfrei über MagentaTV und magentasport.de im Internet. So sieht wohl die Zukunft bei internationalen Turnieren aus.

Dirk Nowitzki ist der Größte

Der Mensch allgemein strebt immer nach dem Größten, nach dem Besten und wird im Laufe der Zeit immer unzufriedener, weil er es nicht erreichen kann. Zum Sport aber gehört das Streben nach dem Großen, dem Besten dazu, schließlich geht es um Bestleistungen und Meisterschaften. Zum Sport gehört aber auch das ewige Spielchen, wer ist eigentlich der oder die Größte oder Beste gewesen, wer hat den deutschen Sport am besten vertreten?

Eigentlich ist die Antwort einfach: Dirk Nowitzki ist im deutschen Sport der Größte. Am Mittwoch ging eine Basketball-Karriere zu Ende, die in Deutschland die Masse nicht von den Sitzen gerissen hat, die aber im Vergleich zu anderen Sport-Legenden einen bemerkenswerten Vorteil aufweist: Nowitzki war international anerkannt, er war in seinem Sport einer der Größten und Amerika lag ihm zu Füßen. Er war der beste Botschafter Deutschlands.

Natürlich gibt es viele deutsche Sport-Legenden, deren man sich immer gern erinnern kann. Am spektakulärsten waren vielleicht die Tennis-Stars Steffi Graf und Boris Becker, die für eine gewisse Zeit aus dem Fußball-Land Deutschland ein Tennis-Land machten. Aber sie waren Einzelsportler, während Dirk Nowitzki ein typischer Mannschaftssportler war, der mit seinem Können seine Mannschaft zum größtmöglichen Erfolg brachte. Dabei stach vor allem eines hervor: Der gebürtige Würzburger war der Star, aber er war auch der Diener im Team.

Davon profitierten die Dallas Mavericks in der nordamerikanischen NBA 21 Jahre lang. Nowitzki wurde nicht nur für seine Leistungen und seine Erfolge gefeiert, sondern vor allem für seine Menschlichkeit, sein bescheidenes Auftreten und seine so seltene Treue zu seinem Verein. „41.21.1“ waren die Kennziffern seines Abschieds: 41 die Rückennummer (und ab 19. Juni auch sein Alter), 21 Jahre bei den Dallas Mavericks und 1 dafür, dass er seine ganze NBA-Karriere lang bei einem Verein blieb. Die Mavs liebte er und die Fans liebten ihn, weil er auch auf Geld verzichtete, damit der Klubs sich verstärken konnte. So schaffte es der 2,13 m große Würzburger eine Mannschaft, die zu den schwächsten in Amerika gehörte, zum Titel zu führen. 2011 war dies, das wohl beste Jahr in seiner Karriere, als er auch zum besten Spieler der Finalserie gewählt wurde. Er hatte seinen Traum erfüllt, der blieb aber einzigartig. Eine Wiederholung dieses „Wunders“ schafften Nowitzki und die Mavericks nicht mehr.

Nowitzki aber stieg zu den Größten im Basketball auf, er wurde zu einem der größten Spieler der letzten 30 Jahre. Seine Rekorde sind nicht aufzuzählen, erster Meilenstein war, dass er in der Saison 2006/07 als erster Europäer zum wertvollsten Spieler einer Spielzeit gewählt wurde und mit 31540 Punkten ist er der Sechstbeste Korbjäger der NBA-Geschichte. Als er 1998 die Bühne in Dallas betrat, konnte dies keiner ahnen. Als er sich verabschiedete, verneigten sich auch die Fans in den Hallen der Gegner. Nowitzki waren allen ein Freund.

Dem deutschen Basketball ging der Größte leider ein wenig verloren. Seine Auftritte in der Nationalmannschaft waren nicht von dem Erfolg gekrönt, die seinem Können entsprach. Er opferte dafür seine Erholungszeit in der NBA-Pause, weil er sich dem Nationalteam verpflichtet fühlte. Auch dies zeigt seine Einstellung. Als Fahnenträger der deutschen Olympia-Mannschaft bei den Sommerspielen 2008 in Peking hat er auch hier eine Duftmarke gesetzt.

Dirk Nowitzki will sich erst einmal ausruhen und seinen geschundenen Körper pflegen. Der Körper war es, der ihm den Abschied vom Leistungssport signalisierte. Nun kann er sich seiner Familie widmen, seiner Frau Jessica und den Kindern Malaika (5), Max (4) und Morris (2 ½). Arbeitslos wird nun sein Trainer und Mentor Holger Gschwindner, der ihn entdeckte, förderte und zu Höchstleistungen führte, vor allem mit einem ausgeklügelten Sommertraining, dass den einst schmächtigen Würzburger Burschen zu einer Ikone des Basketballs machte. Und nicht nur das, Dirk Nowitzki ist wohl der Größte im deutschen Sport. Nicht nur durch seine Erfolge, sondern auch durch sein Auftreten, seine Bescheidenheit. Ein Vorbild für die Jugend.

Keine Konkurrenz für den Fußball

Die Entscheidung des Tennis-Weltverbandes, den traditionsreichen Davis Cup praktisch abzuschaffen, ist typisch, wie die Funktionäre vieler Weltverbände denken und warum es keine Sportart schafft, zu einem echten Konkurrenten für den Giganten Fußball zu werden. Verbände und Funktionäre sehen nur das Geld, verkaufen die Tradition und die Seele ihres Sports. Der Fan wendet sich mit Grausen.

Gut, abgeschafft ist der Davis Cup nicht, er wird in einer neuen Form ausgetragen, aber geblieben ist eigentlich nur der Name. Der Wettbewerb zieht sich nicht mehr über die Saison hindurch, mit wechselndem Heim- und Auswärtsrecht, womit er immer wieder im Gespräch ist, sondern soll in kompakter Form innerhalb einer Woche durchgeführt werden. Der Davis Cup verkommt praktisch zu einem Turnier unter vielen. Möglich machte dies ein finanziell unverschämtes Angebot der Firma Kosmos, hinter der Milliardäre aus Japan und den USA stecken und deren Kopf der spanische Fußball-Profi Gerard Piqué vom FC Barcelona ist. Der umstrittene ITF-Boss David Haggerty leitete den Deal in die Wege, der dem Verband jährlich drei Milliarden Dollar für 25 Jahre bringt.

Die einzige richtige Antwort hatte der Davis-Cup-Sieger von 1993, Michael Stich, parat: „Den Davis Cup wird es in der Form, wie wir sie kennen, nun nie wieder geben, und 118 Jahre werden der Geldgier von Personen geopfert, die keinen Respekt vor Historie und Tradition haben.“

Nun steht Tennis mit der Geldgier nicht alleine da. Auch andere populäre Verbände, die das Zeug dazu hätten, dem Fußball Paroli zu bieten, haben ihre Seele verkauft und sich im Kampf um die Moneten zerstritten. Nehmen wir das Beispiel Basketball in Europa. Da sagten sich schon 2000 einige Spitzenklubs vom Weltverband bzw. Europas Verband los und gründeten ihre eigene Europa Liga. Es ging, natürlich, um Macht und Geld. Die Euroleague (offiziell Turkish Airlines EuroLeague) ist nun die bedeutendste Liga in Europa, gleichzeitig aber so etwas wie eine geschlossene Gesellschaft. Der traditionsreiche Europapokal der Landesmeister war gestorben. Die Klubs der ULEB gingen sogar noch weiter und installierten darunter noch den Eurocup. Der Weltverband FIBA reagierte mit verschiedenen Gegenmaßen und bietet jetzt die Champions League als Gegenstück an. Leider ist die Champions League, dem Namen nach der Spitzen-Wettbewerb, nur zweitklassig, dazu gibt es den FIBA-Europe Cup. Wer soll sich da noch auskennen?

Ähnlich sieht es beim Handball aus. Da streiten sich die Verbände vor allem um Termine, werden die Spieler in unnötige Wettbewerbe gehetzt und Fernsehrechte für viel Geld vergeben, die keine flächendeckende Übertragung garantieren. Wie soll da eine Sportart populär werden oder bleiben? Ein schlimmes Beispiel gab es in der vergangenen Saison, als Europas Verband und der Deutsche Handball-Bund auf Termine keine Rücksicht nahmen und der Fall eintrat, dass ein Klub gleichzeitig auf Europas Bühne und in der Bundesliga antreten musste. Eine Schande. So wurde die internationale Aufgabe mit einer zweiten Mannschaft wahrgenommen. Im Januar richten Deutschland und Dänemark die Handball-Weltmeisterschaft aus, doch die Übertragung im Free-TV ist fraglich, nachdem es schon 2015 und 2017 im öffentlich-rechtlichen Fernsehen schwarze Bildschirme gegeben hatte. Die Agentur, die der Weltverband beauftragt hat, steckt offenbar in finanziellen Schwierigkeiten, die TV-Sender finden keinen Ansprechpartner. Bei den Verhandlungen dominierte beim Weltverband wohl Geldgier vor Seriosität. So muss der Fußball keine Konkurrenz fürchten.

Dabei macht es der Fußball seinen Konkurrenten eigentlich leicht, denn seine Funktionäre tun im Weltverband bekanntlich auch alles, um den Sport in Misskredit zu bringen. Aber der Fußball ist weltweit inzwischen so populär, dass er einfach nicht totzukriegen ist. So kann sich die FIFA sogar lachhafte Entscheidungen leisten. Im neuen Regelwerk kommt das Wort Korruption nicht mehr vor, der Tatbestand also, der dem Fußball-Weltverband Sorgen bereitete und zahlreiche Funktionäre vor Gericht brachte. Die Lösung war einfach und genial: Streichen wir das Wort Korruption, gibt es keine Korruption mehr. Die Gelder werden allerdings weiterhin fließen.

Geld regiert die Welt – und macht den Sport kaputt

 

Die Meldung passte wie die Faust aufs Auge. Der deutsche Fußball-Nationalspieler Toni Kroos verlängerte seinen Vertrag bei Real Madrid bis 2022. Das Salär angeblich 120 Millionen, 20 Millionen pro Jahr (angeblich netto), das sind, so haben es findige Leute ausgerechnet, 2283 Euro pro Stunde. „Das ist unverschämt“, argumentiert der Mann von der Straße, „das ist kein Sportler wert“. Kroos stieg damit zwar zum bestverdienenden deutschen Fußballer auf, aber wir wissen, in Europa ist er damit keineswegs Spitze. Und die Profisportler in Nordamerika lachen teilweise über solche Summen.

Das Wettrüsten im europäischen Fußball, aber nicht nur da, ist im vollen Gang. Englands Fußball schüttet nach lukrativen TV-Verträgen das Geld bekanntlich mit vollen Händen aus und bringt damit die ganze Fußball-Welt durcheinander. Das Rad wird überdreht und es droht eine Gefahr: Geld regiert zwar die Welt, macht aber den Sport damit kaputt, weil sich der gemeine Fan mit den Vereinen und Stars bald nicht mehr identifizieren kann. Viele Vereine laufen Gefahr, dass sie die Verbindung zur Basis verlieren und bald im luftleeren Raum schweben. Verlieren die Fans die Lust, ist es auch mit der guten Stimmung in den Stadien vorbei und der Fußball verliert seinen größten Reiz, nämlich ein Ereignis zu sein. Vereine und Verbände (siehe Erweiterung der Teilnehmer bei Welt- und Europameisterschaften) haben nur noch eine Gewinnoptimierung im Blick, aber nicht mehr die Fans!

Ums Geld geht es aber auch in vielen anderen Sportarten. Nehmen wir Boxen, das man fast schon nicht mehr als Sport bezeichnen darf, es ist nur mehr ein schmutziges Geschäft. Beispiel ist die Posse um Schwergewichts-Champion Tyson Fury, der des Dopings angeklagt ist, aber angeblich unter Depressionen leidet und seine Titel abgegeben hat. Das Gerangel um die Nachfolge hat begonnen und es ist ein Kampf ums Geld. Wladimir Klitschko hat seine vier Titel von verschiedenen Verbänden an den Clown aus England verloren, nun bestimmt das Geld und nicht der Sport, wer jetzt um die Schwergewichtskrone kämpfen kann. Nicht die Besten werden kämpfen, sondern wer am meisten bietet, wird den Zuschlag erhalten. Geld regiert den Sport. Typisches Beispiel auch die Formel 1, wo es praktisch nur um das Geld geht und der Sport zur Nebensache wird. Für Firmen wie Mercedes, Red Bull, Ferrari und Renault ist die Formel 1 vor allem eine PR-Plattform.

Das Geld ist auch der Grund, warum sich der Basketball-Verband zum Gespött macht. Deutsche Basketballteams kämpfen gleich in vier Wettbewerben auf Europas Bühnen um die begehrten Pokale. Aus dem Dschungel von Euroleague, Europacup, Champions League und Fiba Europe Cup kennt sich keiner mehr aus. Hintergrund ist der Machtkampf zwischen dem Kontinentalverband Fiba Europe und der Euroleague, die zudem den Europacup organisiert. Beide Organisationen kämpfen um die besten Klubs in Europa, die sich quasi aussuchen können, wo sie mitspielen wollen. Der Machtkampf ist ein Kampf ums Geld und wird begleitet von Drohungen und Sanktionen und macht somit den Sport Basketball lächerlich. Der Beweis an diesem Beispiel: Geld regiert die Welt – und macht den Sport kaputt. Mal sehen, wie lange der Fußball noch im Geld schwimmen kann, ohne Schaden zu nehmen.

Dass es auch anders geht, zeigt das Golf. Auch dort schwimmen die Spitzenspieler im Geld, Die Profi-Turniere sind eine lukrative Einnahmequelle, der einst beste Spieler der Welt, Tiger Woods, war auch immer der bestverdienende Sportler der Welt, vor allem aber durch seine Werbeaktivitäten. Geht es allerdings um den prestigeträchtigsten Pokal, den Ryder Cup im Kontinentalvergleich zwischen den USA und Europa, dann spielt Geld keine Rolle. Die Spieler erhalten keinen Cent, es gibt keine Prämie. Es zählt allein der sportliche Vergleich – so geht es also auch.

Nationalteams: Zugpferde als Problemfall der Ligen

 

Die Nationalmannschaften sind von jeher das Zugpferd der Sportarten. Beispiel Fußball: Spielt die DFB-Auswahl, dann sitzen wesentlich mehr Zuschauer vor den Bildschirmen als bei jedem Verein, sei es nun Bayern München oder Borussia Dortmund. Die großen Turniere wie Welt- und Europameisterschaft holen in ihren Jahren jeweils die Einschaltrekorde. Wer im Laufe einer Saison allerdings genau hinschaut, der stellt fest, dass die Profi-Ligen die Nationalteams inzwischen mehr als notwendiges Übel sehen und die Anzahl der Auswahlspiele am liebsten reduzieren würden. Der neutrale Beobachter sagt: Das darf doch nicht wahr sein, die Zugpferde als Problemfall der Ligen.

Im Fußball gab es zuletzt Diskussionen, ob die Spieler ihren Marktwert über den Verein oder die Nationalmannschaft steigern können. Ausgangspunkt der Diskussion: Die Vereine beklagen, dass der DFB ihnen potentielle Werbepartner abspenstig macht. Klar, es gibt nur einen Kuchen und jeder will ein Stück abhaben. Oliver Bierhoff, Manager der Nationalmannschaft, machte den Vereinen deutlich, dass der DFB potente Werbepartner braucht und die Vereine von der Auswahl profitieren würden, weil die Spieler durch ihre Einsätze für das Land den Marktwert steigern würden. Die Vereine wiederum beklagen, dass die Spieler oft verletzt zurückkommen und es schließlich der Verein ist, der die Spieler bezahlt und in Form bringt. Beide Seiten haben auf ihre Art recht, doch der quasi unbeteiligte Fan begeistert sich am ehesten halt für die Nationalmannschaft, für die nationale Aufgabe und was im Hintergrund abläuft ist ihm egal.

Ähnlich ist es in anderen Sportarten. Die Handball-Nationalmannschaft wusste zuletzt zu begeistern, wurde Europameister und holte Bronze bei den Olympischen Spielen in Rio. Die Vereine hofften auf einen Handball-Boom. Vergebens! Die Leute begeistern sich für die Nationalmannschaft, nicht für die Liga, auch wenn die als stärkste der Welt gilt. So schauen die Vereine bei der Spielerwahl auf sich und auf deutsche Talente, die haben es im eigenen Land bei der Entwicklung entsprechend schwer.

Besonders krass ist es im Eishockey. Die Liga aller Ligen ist die National Hockey League in Nordamerika. Derzeit spielen sieben deutsche Cracks in Übersee, eine stattliche Zahl für das deutsche Eishockey. Das Problem: Wer in der NHL erfolgreich ist, hat für die DEB-Auswahl keine Zeit. Was möglich wäre, zeigte die Olympia-Qualifikation im September, die vor der eigentlichen Saison gespielt wurde und deshalb hatten auch alle Stars Zeit. Das Resultat war die stärkste Nationalmannschaft seit vielen Jahren. Doch dies wird ein einmaliger Fall gewesen sein. Die Nationalmannschaft ist kein Zugpferd, sondern ein Lückenfüller. Bei Weltmeisterschaften treten nur die NHL-Profis an, die mit ihren Klubs im Kampf um den Stanley Cup ausgeschieden, auf Olympische Spiele wird meist gar keine Rücksicht genommen.

Krach gab es auch im Basketball um die Nationalmannschaft. Vor der wichtigen EM-Qualifikation gab es Absagen zuhauf und nach entsprechend schwachen Leistungen Beschwerden der Vereinsfunktionäre. Die einen beklagten eine mangelhafte Organisation, die anderen die medizinische Betreuung und manche gingen sogar so weit, dass sie die Abschaffung des Auswahlteams forderten. Nach dem Motto „bringt eh nichts“. Mit Mühe und Not wurde die Qualifikation geschafft, aber Zugpferde wollen anders behandelt werden.

Manche Funktionäre sollten das Rad der Geschichte zurückdrehen und zur Vernunft kommen. Eine Nationalmannschaft ist das Aushängeschild einer Sportart und muss entsprechend gehegt und gepflegt werden, wenn sie neue Fans für den Sport gewinnen soll. Auch im Profisport darf der nationale Gedanke nicht ad acta gelegt werden. Eine Nationalmannschaft hat auch die wichtige Aufgabe, die Jugend für den Sport zu begeistern und entsprechend Talente heranzuführen. Ohne neue Talente kann auch der Profisport nicht leben. Deshalb: Die Zugpferde sollten kein Problemfall sein, sondern immer gut gefüttert werden!

Basketball auf den Spuren des Fußballs

Wenn man nach den drei beliebtesten Sportarten in Deutschland fragt, dann bekommt man oft die Antwort: Fußball, Fußball, Fußball. König Fußball regiert und dominiert auch die Einschaltquoten im Fernsehen. Insofern stimmt die dreifache Fußball-Antwort, denn nicht nur die Bundesliga, sondern auch die zweite und sogar die dritte Liga im Fußball ziehen mehr Zuschauer im TV an als die Basketball-Bundesliga. Aber das geht jeder Sportart so. Kein Wunder also, dass alle anderen Sportarten danach lechzen, einmal aus dem Schatten des Fußballs zu treten. Das sollte dem Basketball jetzt mit der Europameisterschaft in gleich vier Nationen ein wenig gelingen. Vielleicht auch deshalb, weil sich Basketball dabei auf den Spuren des Fußballs bewegt.

Wie stolz war doch UEFA-Präsident Michel Platini auf seine Idee, die Fußball-Europameisterschaft 2020 auf ganz Europa zu verteilen, zum Jubiläum eine echte „Europameisterschaft“. Zwangsläufig wird hier Basketball zum Vorreiter, denn der kriegerische Konflikt in der Ukraine verhinderte die geplante Austragung in dem Land. So sprang Frankreich als Hauptveranstalter ein, die Vorrunden vom 5. bis 10. September werden auch in Deutschland, Kroatien und Lettland gespielt. Die entscheidenden Spiele finden dann vom 12. bis 20. September in Lille statt. Sinnigerweise in einem Fußballstadion! Das Stade Pierre-Mauray verfügt über zwei Ebenen und kann in eine Halle verwandelt werden. 27.000 Zuschauer kamen da zum Tennis-Davis-Cup gegen die Schweiz, jetzt hoffen die Franzosen auch auf ein Basketball-Fieber. Das dann wohl ausbrechen wird, wenn Frankreich seiner Rolle als Favorit gerecht wird.

Neben Frankreich gelten vor allem Spanien und Serbien als Titelanwärter. Deutschland muss da kleinere Brötchen backen, das Augenmerk liegt auf der Olympia-Qualifikation. Die beiden Finalisten sind direkt dabei, die Teams auf den Rängen drei bis sieben müssen bzw. dürfen in ein vorolympisches Qualifikationsturnier. Da will Deutschland dabei sein!

Zunächst gilt es, die Vorrunde zu überstehen, vier Nationen kommen weiter. Deutschland genießt den Heimvorteil in Berlin, hat aber harte Brocken als Gegner. Außenseiter ist allein Island, die Favoriten Serbien und Spanien gelten als unschlagbar, gegen die Türkei und Italien geht es also um Rang drei. Hoffnung: Die Türken verzichten freiwillig auf ihren besten Spieler Canter, die Italiener gelten als routiniert, aber langsam.

Dirk Nowitzki und der Traum von Olympia

Wer bei der Europameisterschaft vorne mitspielen will, der muss Verstärkung aus Übersee in seinen Reihen haben, nämlich Stars aus der NBA. Die diktieren das Spiel und machen den Unterschied aus. Deutschland hat einen alten und neuen Superstar dabei, die NBA-Größe Dirk Nowitzki und die NBA-Hoffnung Dennis Schröder, dazu spielt auch Tibor Pleiß künftig bei den Profis. Nowitzki bewegte seine müden Knochen noch einmal Richtung Europa, weil er noch einen Olympia-Traum hat. Peking 2008, als er Fahnenträger der deutschen Mannschaft war, war auch für den hartgesottenen Profi ein Erlebnis, das will er in Rio 2016 wiederholen. Damit dies klappt, muss aber wirklich alles passen. Nowitzki selbst vor allem in Bestform sein. Danach sah es in der Vorbereitung allerdings nicht aus. Aber wir wissen seit Katja Ebstein und ihrem Hit: Wunder gibt es immer wieder. Schröder soll ihn in der Führungsrolle unterstützen.

Zumindest für ein paar Stunden wird Basketball in Europa aus dem Schatten des Fußballs treten können, auch wenn die Spiele um die EM-Qualifikation den Fußball natürlich in die Schlagzeilen bringen. Frankreichs Basketballer zumindest aber könnten den Fußballern im eigenen Land die Show stehlen, schließlich sind die schon für 2016 qualifiziert.

Die Vorrunden-Gruppen der Basketball-EM:

Gruppe A (in Montpellier/Frankreich): Polen, Bosnien-Herzegowina, Israel, Russland, Frankreich, Finnlan.

Gruppe B (in Berlin/Deutschland): Deutschland, Island, Spanien, Serbien, Italien, Türkei.

Gruppe C (in Zagreb/Kroatien): Georgien, Niederlande, Mazedonien, Griechenland, Kroatien, Slowenien.

Gruppe D (in Riga/Lettland): Tschechien, Estland, Belgien, Lettland, Litauen, Ukraine.