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Kategorie: Champions League

Bayern-Krise endet im Triple-Triumph

Wenn die Fußball-Stars von Paris Saint Germain auf dem Spielfeld bedröppelt herumstehen, wenn die größten Bayern-Kritiker plötzlich Lobeshymnen schwingen, dann weiß man, was passiert ist: Bayern München ist am Ziel seiner Träume und holte das Triple! Bisher schaffte dieses Non-Plus-Ultra im Profi-Fußball (Nationale Meisterschaft, Pokalsieg, Titel Champions League) nur der FC Barcelona 2009 und 2015, jetzt wiederholten die Bayern diesen Triumph von 2013 sieben Jahre später in Lissabon erneut. Schade, dass es 2020 nur ein stiller Triumph wurde, weil wegen Corona keine Zuschauer im Stadien zugelassen waren. Still auch die Heimkehr in die Heimatstadt, weil die Hygienevorschriften Menschenansammlungen verbieten. Umso lauter wird der Erfolg ansonsten in den Medien und in der Öffentlichkeit gefeiert, rund 15 Millionen Zuschauer waren beim ZDF (fast 13 Millionen) und Pay-TV-Sender Sky an den Bildschirmen dabei. Ein Rekord im Fernsehjahr 2020. Plötzlich drückten den oft ungeliebten, weil zu erfolgreichen Bayern fast alle die Daumen.

Eigentlich ist es ein Märchen, dass die Münchner am Sonntag in Lissabon den Henkelpott in Empfang nehmen konnten. Im Herbst 2019 war der Respekt vor dem Rekordmeister in der Bundesliga verflogen. Trainer Hansi Flick, der den glücklosen und hilflosen Niko Kovac als Cheftrainer abgelöst hatte, erinnert sich: „Keiner hatte mehr Angst vor den Bayern.“ Die Bosse um Karl-Heinz Rummenigge und Ulli Hoeneß bewiesen aber wieder einmal, dass sie Krisenmanagement besser als andere Klubs beherrschen, wobei in dem Fall nicht einmal das Geld eine Rolle gespielt hat. Der eigentlich scheue, zurückhaltende Hansi Flick wurde im Hollywood-Klub zum Glücksgriff. „Er ist ein Menschenfänger“, loben die Spieler. Selbst zwei Niederlagen am Anfang gegen Leverkusen und Gladbach konnten den Erfolgsweg nicht stoppen, der unaufhaltsam wurde, am Ende standen Rekorde und der Triple-Triumph! So nebenher lösten die Münchner zudem Real Madrid als Nummer 1 in der UEFA-Rangliste ab. Jetzt fragen sich viele nach 29 Siegen in Folge, davon elf in der CL (neuer Rekord bei einer Torquote von 3,9 pro Spiel, Rekord!): Können die Bayern 2020 überhaupt verlieren?

Was den Gegnern Angst machen muss: Der Deutsche Rekordmeister hat den Umbruch innerhalb der Mannschaft bestens gemeistert. 2013 war die Zeit der Schweinsteiger, Ribery und Robben, die Mannschaft 2020 gilt als genau so stark und ist vor allem jünger, gilt genauso als Team der Zukunft. Dabei stellt sich den Verantwortlichen die Frage, ob diese Mannschaft überhaupt noch zu verstärken ist. Die abwanderungslustigen Kandidaten Thiago (liebäugelt mit Liverpool) und Alaba (angeblich Tendenz des Bleibens) müssen sich fragen, ob sie woanders erfolgreicher sein können. Nur Abgänge müssen kompensiert werden, Leroy Sané ist bisher der einzige Neuzugang. Sie sollten aber bei Torjäger Robert Lewandowski nachfragen, für den am Sonntag ebenfalls ein Traum in Erfüllung ging: Er wechselte einst zu den Bayern um die Champions League zu gewinnen! Er hat seinen Teil dazu beigetragen, wurde mit 15 Treffern Torschützenkönig, nur Cristiano Ronaldo war 2013/14 mit 17 Toren besser.

Aber es ist nicht der Erfolg Einzelner, das Triple ist ein Erfolg der Mannschaft, „Menschenfänger“ Hansi Flick und sein Team haben Ehrgeiz und Zusammenhalt inplantiert. 20 Spieler hat Flick in der CL eingesetzt, es überrascht, dass neben Torhüter Manuel Neuer und Joshua Kimmich Barcelona-Leihgabe Philippe Coutinho bei allen elf Spielen im Einsatz war. Und das muss den Gegnern ebenfalls Angst machen: Die Münchner bleiben erfolgshungrig, das Titel-Hamstern soll noch nicht vorbei sein, nächste Gelegenheit ist am 24. September im UEFA-Supercup in Budapest gegen den FC Sevilla, Sieger in der Europa League. Nach dem Start in der Bundesliga am 18. September steht dann der deutsche Supercup am 30. September gegen Borussia Dortmund an.

Der Trainer hat also ganze Arbeit geleistet. Er hat vor allem oft ein glückliches Händchen bewiesen, mit Youngster Zirkzee in der Bundesliga, der entscheidende Tore schoss, im Finale mit dem Wechsel von Coman für Perisic. Ausgerechnet der gebürtige Pariser schoss das goldene Tor, es war Bayerns 500. Treffer in der CL! Flick bewies auch ein gutes Händchen im Umgang mit dem Nachwuchs, wobei er sich auf seinen „Stamm“ verlassen kann. Torhüter Neuer wieder überragend im Finale, Alaba Chef in der Abwehr, Goretzka nimmermüder Kämpfer im Mittelfeld, Thomas Müller unberechenbarer Irrwisch hinter den Spitzen sowie Gnabry und Coman als würdige Nachfolger von Ribery und Robben neben Torjäger Lewandowski. Die Gegenwart verspricht also eine gute Zukunft. Und Geld ist auch, wenn es Verstärkungen braucht: Die Bayern kassieren in der CL als Spitzenreiter der Moneylist 135 Millionen Euro!

Auf eine gute Zukunft hofft auch Paris St. Germain. Trainer Thomas Tuchel nach einem Mittelfußbruch gehandicapt war humpelndes Beispiel für sein Team, das nicht an die Bestform herankam. Egal ob Neymar, Mbappe oder di Maria, sie wurden nicht zu Helden, sondern zu unglücklichen Schützen, sie trafen das Tor nicht oder Neuer stand im Weg. Paris fand auf Dauer gegen das Pressing des Gegners kein Mittel. Jetzt steht die Frage an die Scheichs von Katar im Raum, ob Thomas Tuchel in der neuen Saison eine neue Chance bekommt.

Der Cup des FC Sevilla

Den Wettbewerb in der Europa League könnte man eigentlich einstellen und den Pokal gleich nach Sevilla schicken. Die Spanier bezeichnen die EL als „ihren Cup“, sie sind gar traurig, dass sie in der neuen Saison in der Champions League antreten müssen. Aber sie werden wohl nach der Gruppenphase ausscheiden und in der Europa League weitermachen… Gegner Inter Mailand musste im Finale der EL anerkennen, dass Sevilla in diesen speziellen Spielen über sich hinauswächst. Bei der 2:3-Niederlage der Italiener war Belgiens Torjäger Lukaku der traurige Held. Erst brachte er Mailand mit 1:0 in Führung, dann fälschte er einen Freistoß ins eigene Netz zum entscheidenden Treffer ab. Kein Wunder, dass er danach den Ehrungen fernblieb und sich in der Kabine verkroch. Sevilla aber rettete den guten Ruf der spanischen Liga, nachdem Real Madrid und der FC Barcelona es in der Champions League nicht einmal bis ins Halbfinale brachten.

Bayern-Frauen hoffen auf die Zukunft

Bei den Bayern wurde nicht nur gefeiert, Enttäuschung gab es auch, nämlich bei den Frauen, die im Viertelfinale der Champions League Titelverteidiger Olympique Lyon nach tapferer Gegenwehr mit 1:2 recht unglücklich unterlagen. „Ein Spiel, das uns Mut machen sollte“, urteilte deshalb Trainer Jens Scheuer und blickt zuversichtlich in die Zukunft: „Wir haben bewiesen, dass wir eine gute Mannschaft haben und wollen irgendwann einmal diesen Pokal gewinnen, unser Team ist ja noch jung.“ Das erste Ziel ist bereits umrissen: Die Bayern wollen in der Bundesliga die Alleinherrschaft vom VfL Wolfsburg brechen und zumindest ein Konkurrent auf gleicher Höhe sein. Die Unterstützung von Bayern-Präsident Hainer haben sie: „Wir werden alles für die Frauen tun, damit sie erfolgreich sind.“

Noch aber haben die Wölfinnen die Nase vorn und sie dürfen weiter wie Münchens Männer vom Triple träumen. Nach Meisterschaft und Pokalsieg stehen sie nach dem Schützenfest gegen Celtic Glasgow (9:1) im Halbfinale und treffen am Dienstag auf den FC Barcelona. Paris St. Germain und Lyon spielen den anderen Finalteilnehmer für Sonntag in San Sebastian aus. Ein deutsches Triple-Doppel wäre dann ein besonderer Erfolg! Aus England wären dann wohl wieder diese Stimmen zu hören: Am Ende gewinnen immer die Deutschen!

Traumfinale der Enttäuschten – und der Beginn einer neuen Ära?

Diese Tatsache muss man sich mal vor Augen halten: In die Liste der Sieger des Meistercups im europäischen Fußball, von 1956 bis 1992 der Europacup der Landesmeister, ab 1993 die Champions League, konnte sich noch nie eine Mannschaft aus Frankreich eintragen! Am Sonntag gibt es eine Chance zur Premiere: Paris Saint Germain lechzt nach dem Henkelpott, der teuerste Spieler der Welt, der Brasilianer Neymar, will endlich aus dem Schatten der Seriensieger Messi und Cristiano Ronaldo treten. Paris hat also Motivation genug, doch der Gegner Bayern München hat eine furchteinflößende Bilanz: 2020 noch unbesiegt, neuer Rekord in der Champions League mit zehn Siegen am Stück und nach Meinung vieler Fachleute derzeit die beste Mannschaft der Welt. Die bekannte französische Sportzeitung L’Equipe spricht von einem „königlichen Finale“. Es ist aber auch ein Traumfinale der Enttäuschten.

Enttäuscht wurden bisher vor allem die Besitzer von St. Germain, die Scheichs aus Katar. Als sie den Klub 2011 übernahmen, hatten sie nur ein sportliches Ziel: Die Champions League zu gewinnen. Titel gab es haufenweise, doch es waren nur nationale Pokale, da ist Vereinspräsident Nasser el-Khelaif bisher nicht zufrieden. Prominente Trainer wurden schnell geschasst oder suchten das Weite, egal ob Carlo Ancelotti (zwei Jahre), Laurent Blanc (drei Jahre) oder der Spanier Unai Emery (zwei Jahre), sie konnten den CL-Titel nicht liefern. Jetzt versucht sich der Deutsche Thomas Tuchel im zweiten Jahr und erstmals gibt es Hoffnung für die Scheichs: Das Finale ist zunächst mal erreicht. Sie sollten allerdings die Umfrage des kicker nicht anschauen: 85 Prozent der Leser tippen auf einen Sieg der Bayern!

Die Münchner gehörten in den letzten Jahren und im Herbst dieser Saison ebenfalls zu den Enttäuschten. Seit dem Triple 2013 geht der Traum vom erneuten Triumph nicht aus den Köpfen. Aber selbst unter Star-Coach Pep Guardiola gab es keine Wiederholung, viermal erreichten sie das Halbfinale, viermal schieden sie aus. Und im Herbst drohte nach einem 1:5 in Frankfurt und dem Absturz in der Bundesliga-Tabelle sogar ein nationales Fiasko. Und dann kam Hansi Flick. Er erweckte den Klub wie im Märchen ein Prinz die schlafende Prinzessin. Plötzlich strotzen die Bayern vor Selbstbewusstsein und sie haben mit Sicherheit den gleichen Ehrgeiz wie der titellose Gegner: Sie wollen wieder den Henkelpott. So wie bisher fünfmal, nämlich 1974, 1975, 1076, 2001 und 2013. Aus der Bundesliga siegten außerdem der Hamburger SV 1983 und Borussia Dortmund 1997.

Wer aber von den beiden Kontrahenten darf sich die größeren Hoffnungen machen, wer hat die Trümpfe in der Hand? Kurze Antwort: Keiner! Es ist eine 50:50-Partie. Vorteil Bayern: Sie haben einen „Lauf“, derzeit gelingt ihnen alles. Was aber passiert im Team, wenn der Gegner 1:0 oder sogar 2:0 in Führung geht? Warnung: Barcelona und Lyon hatten jeweils zu Beginn des Spiels dicke Chancen, sie wurden vergeben. Die Bayern sind anfällig auf Konter.

Thomas Tuchel hat beim Gegner fast ein Wunder geschafft, plötzlich wurde aus einem Haufen von Alleinunternehmern eine Mannschaft. Der neue Teamgeist macht Paris gefährlich, die schnellen Angel di Maria, Kylan Mbappe und Neymar im Angriff können jede Abwehr schwindlig spielen. Gut, Gnabry, Lewandowski und Perisic (Coman) müssen sich nicht verstecken. Immerhin sind Lewandowski und Gnabry mit gemeinsam 24 Treffern das neue Rekord-Duo der CL, sie lösten Ronaldo (17)/Bale (6) ab, die 2013/14 für Real auf 23 Tore kamen. Die Schwächen von Paris liegen in der Abwehr, ein schnelles Spiel des Gegners liegt ihnen nicht und sollte Stammtorhüter Navas nicht fit werden, ist ein Schwachpunkt ausgemacht: Torhüter Sergio Rico, kein Weltklasse-Mann und außerdem ohne Spielpraxis. Ein Mann wird außerdem die Augen auf sich lenken: Juan Bernat, einst bei den Bayern unsanft abserviert, zuletzt fiel er sogar als Torschütze auf. Scheinbar besser als gedacht, klein, aber fein.

Das Finale 2020 könnte aber auch der Beginn einer neuen Ära im europäischen Fußball sein. Von 2014 bis 2018 dominierten die spanischen Klubs, viermal Real Madrid und 2015 der FC Barcelona. 2019 trumpften die Engländer auf, mit Jürgen Klopp gewann mit dem FC Liverpool wieder einmal ein deutscher Trainer. Jetzt stehen sich wie 2013 wieder zwei deutsche Trainer (damals Klopp und Jupp Heynckes) gegenüber. Im Gegensatz zu 2013 wirken ihre Teams aber auch gerüstet für die Zukunft, was man von Real und Barca nicht sagen kann. Es könnte eine Ära der deutschen Trainer folgen, aber auch wieder eine Ära, in der es keine dominierte Mannschaft gibt. Für die Fans wäre dies am spannendsten, im Sinne von Paris oder den Bayern wäre dies nicht.

Bei einem Blick auf die Siegerliste taucht vor allem immer wieder der Name Real Madrid auf, die Spanier sind mit 13 Titeln Rekord-Sieger vor dem AC Mailand (7). Die Bayern könnten mit dem FC Liverpool (6) gleichziehen. Es tauchen allerdings auch Namen auf, die man hier nicht unbedingt erwartet hätte: Celtic Glasgow zum Beispiel (1967), Feyenoord Rotterdam (1970), Nottingham Forest (1979 und 1980), Aston Villa (1982), Steaua Bukarest (1986) oder Roter Stern Belgrad (1991). Die Zeiten für Überraschungssieger sind aber rauer geworden, die Zeit für eine neue Ära könnte dagegen gekommen sein.

Es ist die Woche der Bayern – so oder so!

Es war wie ein Gewittersturm, der über den FC Barcelona hereinbrach, es war ein Jubelsturm, mit dem Bayern München nach dem jetzt schon historischen 8:2 (4:1) gefeiert wurde. Das Viertelfinale der Fußball-Champions-League brachte am Freitag einen Tag der Rekorde und eine Demütigung für die stolzen Spanier, die nach Jahren der Erfolge nun einen Neuanfang bewältigen müssen. Aber Barcelona steht nicht alleine da, auch in Manchester wird getrauert, seit Sonntag gleich doppelt. City wurde von Olympique Lyon (nur Siebter in Frankreich, im Vorjahr Dritter, deshalb dabei, es ist ja die Runde 19/20) 3:1 geschlagen und Trainer Pep Guardiola entzaubert. Er wählte schlicht die falsche Taktik, was ihm nicht das erste Mal in entscheidenden Spielen der CL passierte. Die Manchester-Pleite komplettierte United mit dem Ausscheiden im Halbfinale der Europa League gegen den FC Sevilla. Nach dem 2:1 gab es also doch noch stolze Spanier.

Aber alle Spiele stehen im Schatten des überwältigenden Auftritts der Bayern gegen Barca. Da wurden Erinnerungen an das 7:1 von Deutschland gegen Brasilien bei der Weltmeisterschaft 2014 wach. Doch kann man man Nationalteam und Verein vergleichen? Eher als gutes Omen nehmen, Deutschland wurde Weltmeister. Dabei gibt es ein anderes 7:1 das als Bayern-Erinnerung dienen kann: Freund Günther war Augenzeuge beim Schützenfest der Bayern in der CL im Oktober 2014 beim AS Rom! Jetzt steht das große Halbfinale des Favoriten gegen den Außenseiter an, Bayern – Lyon, aber es ist auf jeden Fall die Woche der Bayern – so oder so! Wie sagt der Fußball-Weise Lothar Matthäus: „Die Bayern sind im Moment die beste Mannschaft der Welt, aber in einem Spiel kann alles passieren.“ Sprich: Die beste Mannschaft gewinnt in den K.o.-Spielen nicht immer, Helden können schnell zu Verlierern werden. Die Münchner müssen vor allem auf die gefährlichen Konter der Franzosen achten. Vor zehn Jahren traf man ebenfalls im Halbfinale aufeinander, die Bayern siegten 1:0 und 3:0 (Hattrick Ivica Olic)!

Das gab es noch nie!

Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge ist ein Fan des K.o.-Turniers und nennt es „bombastisch“. Das Halbfinale der Champions League in Lissabon steht auch unter dem Motto „Das gab es noch nie“! Noch nie standen sich im Halbfinale zwei deutsche und französische Teams gegenüber, noch nie gab es ein Halbfinale ohne Klubs aus England, Spanien oder Italien, die großen Ligen Europas werden degradiert. Noch nie standen gleich drei deutsche Trainer im Halbfinale und Jürgen Klopp ist nicht einmal dabei. Hansi Flick (Bayern), Julian Nagelsmann (Leipzig) und Thomas Tuchel (Paris) wandeln aber auf den Spuren des Liverpooler Erfolgscoachs, CL-Sieger 2019.

Nagelsmann und Tuchel stehen sich am Dienstag direkt gegenüber. Sie haben eine gemeinsame Vergangenheit, in der U23 des FC Augsburg war Tuchel einst der Trainer von Nagelsmann! RB Leipzig segelt durch die Bayern-Erfolge etwas unter dem Radar, dabei war ja der Sieg über Atletico Madrid aller Ehren wert. Für den jungen Verein aus der Retorte ist es ebenfalls ein historisches Ereignis. Nun warten die deutschen Fans auf eine Wiederholung von 2013, auf ein deutsches Finale, als damals die Bayern und Borussia Dortmund zum Duell antraten, das die Bayern etwas glücklich mit 2:1 gewannen. Die Dortmunder ärgern sich heute noch. Leipzig ist im Vergleich mit den von Scheichs finanziell aufgepäppelten Parisern der Außenseiter, aber Tuchel steht ähnlich unter Druck wie Pep Guardiola, die Besitzer wollen international Erfolg haben, da sind gleich vier nationale Titel, die Tuchel in dieser Saison schon holte, Peanuts dagegen. Der Unterschied: Leipzig kann nicht mehr auf Torjäger Timo Werner bauen, der vom neuen Verein keine Freigabe erhielt, Paris hofft auf den Einsatz von Torjäger Mbappe nach Verletzungspause. Übrigens: Steht eine deutsche Mannschaft im Finale, überträgt am Sonntag das ZDF live im Free-TV, dann ist nämlich der Fußball von nationalem Interesse!

Warum die K.o.-Runde Ausnahme bleiben muss

Erstmals werden die beiden europäischen Klub-Wettbewerbe in einer K.o.-Runde entschieden, die Corona-Pandemie machte diese Notlösung notwendig. Viele finden allerdings an dieser „wahren Klub-Weltmeisterschaft“ Gefallen, Rummenigge schwärmt sogar, „Lissabon ist das Beste, was ich je erlebt habe“. Vielleicht ist er durch das Auftreten seiner Mannschaft euphorisiert. Aber eine jährliche Endrunde würde den Klub-Wettbewerben speziellen Zauber und Spannung rauben.

UEFA-Präsident Aleksandar Ceferin hat schon betont, dass es beim alten Modus bleiben muss. Er sieht vor allem terminliche Probleme für ein fast dreiwöchiges Turnier. Kritiker, die auf mehr Begegnungen bei Hin-Rückspielen bis zum Halbfinale verweisen und von weniger Zeit reden, liegen falsch, denn diese Spiele sind in die nationalen Punktrunden eingebettet und ziehen sich durch das ganze Frühjahr. Und was vor allem verloren ginge, ist die Spannung, wie in zwei Spielen das Weiterkommen geschafft wird, hält der Vorsprung oder holt man den Rückstand auf? Außerdem würden wieder einmal die Fans leiden, gerade die Touren durch Europa sind immer ein Highlight ihres Fan-Lebens! Diese Touren würden dann in der entscheidenden Phase wegfallen, nur ein wesentlicher geringerer Teil könnte im Finalort zugegen sein. Also, lasst es wie es ist.

Dieses Finalturnier sollte aber auch dem durch Geldgier verblendeten FIFA-Präsidenten Gianni Infantino die Augen öffnen. Sein Plan von der aufgeblähten Klub-Weltmeisterschaft mit 24 Mannschaften sollte in der Schublade verschwinden. Schwache Klub-Teams aus allen Erdteilen sorgen für Langeweile, kurz, knackig und voller Spannung muss ein Turnier sein, das sollte in erster Linie für eine Klub-WM gelten!

Auch bei den Frauen Bayern – Lyon

Im Schatten der Männer starten jetzt auch die Fußball-Frauen mit einem Endturnier im K.o.-Modus ihre Champions League. Mit dem Turnier endet nach einer Pause quasi die letzte Saison, gleichzeitig beginnt aber die neue. Keine Mannschaft weiß also so richtig, wo sie steht. Die Austragungsorte liegen ausgerechnet im Norden Spaniens, für den Corona-Reisewarnungen ausgesprochen wurden. Auch bei den Frauen dominieren Deutschland und Frankreich mit je zwei Mannschaften, die mehr oder weniger zum Favoritenkreis gehören. Schicksal, dass bei den Frauen ebenfalls das Duell Bayern gegen Lyon gibt, mit umgekehrten Vorzeichen allerdings. Lyon gewann den seit 2009/10 ausgespielten Cup zuletzt viermal hintereinander, deutschen Teams trugen sich 2010 (Potsdam), 2013 und 2014 (jeweils Wolfsburg) und 2015 (Frankfurt) in die Siegerliste ein. Die Bayern-Mädchen sind also Außenseiter, der VfL Wolfsburg sollte dagegen im Viertelfinale die Hürde Celtic Glasgow nehmen und würde dann wahrscheinlich die deutsch-französischen Duelle gegen Paris St. Germain fortsetzen.

Im Unterschied zu den Männern, dürfen die Frauen mit neu verpflichteten Spielerinnen antreten, was den Bayern helfen könnte, die mit Lea Schüller aus Essen eine Torjägerin holten. Da haperte es zuletzt. Klara Bühl ist leider verletzt. Wolfsburg verlor mit Sara Gunnarsdottir eine Stammspielerin, die es ausgerechnet nach Lyon zog, wo im Mittelfeld die Deutsche Dzsenifer Marozsan Regie führt. Wie bei den Männern führen drei Siege zum Titelgewinn.

Viertelfinale: Freitag, 21.8., 18.00 Uhr: Atletico Madrid – FC Barcelona (Bilbao), Glasgow City – VfL Wolfsburg San Sebastian). Samstag, 22.8., 20.00 Uhr: Lyon – Bayern (Bilbao), Arsenal London – Paris (San Sebastian). Halbfinale: Dienstag, 25.: Glasgow/Wolfsburg – Madrid/Barcelona. Mittwoch, 26.: Arsenal/Paris – Bayern/Lyon (beide 20 Uhr). Finale: Sonntag, 30., 20 Uhr: Sieger 1 – Sieger 2 in San Sebastian.

Super-Bayern gegen „Wundertüte“ Barcelona

Es gibt Leute, die fragen, ob ein Champions-League-Titel, der in einem K.o.-Turnier gewonnen wird, so viel wert sein kann wie der Pokalgewinn im normalen Modus mit Hin- und Rückspiel. Ein Blick auf die Spannung vor dem grandiosen Viertelfinale von Bayern München gegen den FC Barcelona am Freitag genügt, um festzustellen: Wer am Ende den Henkelpott hochhalten darf, ist ein verdienter Sieger, ohne Wenn und Aber.

Das Duell zwischen den Bayern und Barca könnte auch das Endspiel sein. Vor der heißen Phase der entscheidenden Spiele waren vor allem die Münchner und Manchester City als große Favoriten genannt worden, erst dahinter Real Madrid, Juventus Turin, Barcelona oder – schon mit ein wenig Skepsis – Paris St. Germain. Real und Juve mussten bereits die Segel streichen und Barca beeindruckte durchaus beim 3:1 gegen den SSC Neapel. Vor allem einer stach heraus: Lionel Messi!

Als Mannschaft imponierte der Deutsche Meister beim 4:1 gegen Chelsea weit mehr, doch die Londoner waren ein zu schwacher Gegner, um die wahre Form der Bayern zu testen. Dennoch: Die Münchner stellen sich derzeit als Super-Bayern dar, die Rekorde purzeln gleich serienweise, auch in der Champions League (CL). Acht Siege in den ersten acht Spielen gab es noch nie und mit 31 Toren übertrumpften Lewandowski und Co. ausgerechnet Barcas bisherige Rekordmarke von 30 Treffern. Die Bayern sind also in Form. Dagegen präsentiert sich der FC Barcelona als „Wundertüte“. In der nationalen Meisterschaft schwächelten Messi und Co. und mussten Real Madrid den Vortritt lassen. Die Folge waren Streit und gegenseitige Anschuldigungen. Trainer Quique Setien ist umstritten und stand vor dem Aus. Getobt hat vor allem Superstar Messi, der sich mit so schwachen Spielen nicht anfreunden kann. Doch aller Zwist wurde offensichtlich beigelegt, Messi rief die Parole aus, „volle Kraft für den Gewinn der Champions League“. Und Messi lebt es vor, das macht Barca zu einem gefährlichen Gegner für die Super-Bayern, die im Jahr 2020 noch keine Niederlage erlebt haben!

Das große Duell hat seinen Reiz auch in einigen direkten Vergleichen. So stechen Messi auf der einen und Robert Lewandowski auf der anderen Seite heraus. Messi ist natürlich mehr als der reine Torjäger, aber dahin entwickelt sich auch der Pole, führt aber mit 13 Treffern die Torschützenliste der CL an (vor Erling Haaland/Dortmund 10 Tore, Messi liegt bei 3). Für eine Wahl des „Weltfußballers“ werden beide in vorderster Front genannt, noch vor Cristiano Ronaldo, der bekanntlich für den Rest des Turniers zuschauen muss. Er wird schmollend in der Sofa-Ecke sitzen. Reizvoll auch der Vergleich zwischen den Torhütern, den beiden Rivalen in der Nationalmannschaft. Manuel Neuer kämpft um seinen Status als Nummer 1, Marc-Andre ter Stegen will mehr spielen, muckt immer mehr auf. Ein Spiel kann keine endgültige Antwort geben, aber Neuer darf sich keinen Fehler wie gegen Chelsea leisten. Der Bessere an diesem Tag könnte zum Matchwinner werden!

Interessant: Im Gesamtvergleich aller Duelle liegen die Bayern mit sechs Siegen und zwei Niederlagen vorn. Welch ein Omen: Gab es Bayern – Barca in der K.o.-Phase, dann holte der Sieger jeweils später den Titel! Die Münchner erinnern sich gern an 2013, als sie Barcelona im Halbfinale mit 4:0 und 3:0 abservierten und dann das Triple holten!

Vergessen wir die anderen nicht, vor allem Manchester City nicht. Hier ist es ähnlich wie in Barcelona, nur ohne Streit. City sah in der Premier League den FC Liverpool nur durch das Fernrohr, das wurmt natürlich den mit Titeln verwöhnten Pep Guardiola. Wie bei Barca geht es also um Wiedergutmachung: Die CL gewinnen! Pep schickte seinen berühmten Kollegen Zinedine Zidane auch auf das Sofa, das Fehlen des gesperrten Sergio Ramos schmerzte stark. Noch mehr aber haderte man bei Juventus Turin. Italiens Rekordmeister wollte mit Cristiano Ronaldo auch die Champions League erobern, aber Außenseiter Olympique Lyon machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Fast logisch, dass der ungeliebte Trainer Maurizio Sarri schon am nächsten Tag gehen musste, überraschend die Lösung: Mit Andrea Pirlo, einst ein Idol in Italien, übernimmt ein Trainernovize das Ruder. Der 41-Jährige sollte eigentlich bei der U23 von Juve beginnen, jetzt befiehlt er Ronaldo. Der aktuelle Star hat mit dem alten Star einen Coach auf Augenhöhe!

Lyon machte deutlich, vergesst die Außenseiter nicht. City ist also gewarnt, aber auch Paris St. Germain darf sich in Acht nehmen, Gegner Atalanta Bergamo mit dem deutschen Aufsteiger Robin Gosens gehört auch in die Kategorie „Wundertüte“. Paris ist natürlich klarer Favorit, aber international klappte es bisher noch nicht. Trainer Thomas Tuchel bangt vor allem um den angeschlagenen Dampfmacher Kylian Mbappe. Sein Mitwirken könnte entscheidend sein. Eigentlich ist auch der RB Leipzig ein Außenseiter, aber die Bundesligist ist selbstbewusst genug, sich gegen Atletico Madrid nicht als Außenseiter zu sehen. International ist es aber eher ein Duell Lehrling gegen – na sagen wir mal – Geselle (Atletico gehört nicht zu Topfavoriten). Leipzig hat auch ohne Timo Werner das Zeug für eine Überraschung zu sorgen und Trainer Julian Nagelsmann würde sich auch international einen Namen machen. Angeblich könnte er sogar für Real Madrid interessant werden.

Deutsche Hoffnungen ruhen auf Leverkusen

In der Bundesliga muss Bayer Leverkusen mit dem Spott von „Vizekusen“ leben, weil es trotz guter Voraussetzungen nie zu einem Titel reichte. Jetzt soll eine internationale Trophäe her! Bayer Leverkusen träumt vom Sieg in der Europa League, was gleichbedeutend mit einem Startplatz in der CL wäre. Aber da gibt es auch noch andere Interessenten, zum Beispiel gleich im Viertelfinale am Montag in Düsseldorf Inter Mailand. Leverkusen hatte gegen die Glasgow Rangers keine Probleme (3:1/1:0), Mailand hatte nur ein K.o.-Spiel gegen Getafe und gewann 2:0, präsentierte sich dabei aber nicht unbedingt als Titel-Anwärter. Das sieht beim FC Sevilla und Manchester United schon anders aus. Nicht zu vergessen Schachtor Donezk, das gegen den VfL Wolfsburg beim 3:0 und 2:1 beeindruckte. Die „Wölfe“ erlitten also das Schicksal vieler Bundesligisten in der EL, wie auch Eintracht Frankfurt, das seine jahrelange Erfolgsserie mit Niederlagen gegen den FC Basel (0:3/0:1) unrühmlich beendete. Jetzt ruhen die deutschen Hoffnungen also auf Leverkusen, dass auf Kai Havertz bauen kann, aber leider auf Charles Aranguiz, dem Stabilisator im Mittelfeld, wegen Sperre verzichten muss.

Das Duell Leverkusen – Inter ist zweifellos das Schlagerspiel im Viertelfinale, ansonsten treffen Außenseiter auf Favoriten. Das Fußballfest in Nordrhein-Westfalen geht wohl erst im Halbfinale richtig los, leider wie überall eben ohne Zuschauer. Die Paarungen im Viertelfinale: Montag: Inter – Leverkusen (in Düsseldorf), Manchester United – FC Kopenhagen (in Köln). – Dienstag: Wolverhampton Wanderers – FC Sevilla (in Duisburg), Schachtor Donezk – FC Basel (in Gelsenkirchen). Spielbeginn ist jeweils um 21.00 Uhr. Weiter geht es mit dem Halbfinale (Leverkusen/Mailand – Donezk/Basel) am Sonntag und Montag (16./17.8.), das Finale gibt es am Freitag, 21. August (21.00 Uhr) in Köln.

Die Bayern starten die Aktion Triple

Die Corona-Pandemie hat dafür gesorgt, dass im August, wenn normalerweise die neue Fußball-Saison beginnt, jetzt erst der Höhepunkt des Spieljahres 2019/20 ansteht, nämlich die Finalrunden in Champions League (CL) und Europa League (EL). Natürlich ist alles anders, Finalrunden gab es noch nie, beide Wettbewerbe gehen kompakt über die Bühne mit zentralen Spielorten und im K.o.-System. Die CL trifft sich in Lissabon, die EL in Nordrhein-Westfalen, gespielt wird in Düsseldorf, Köln, Duisburg und Gelsenkirchen. Die Finals steigen am Freitag, 21. August, in Köln (EL) und am Sonntag, 23. August, in Lissabon (CL), Beginn jeweils 21.00 Uhr.

Bevor die Finalrunden beginnen, müssen allerdings noch ausstehende Spiele im Achtelfinale ausgetragen werden. Dies betrifft auch den FC Bayern München, der am kommenden Samstag (8.8., 21.00 Uhr) Chelsea London zum Rückspiel erwartet. In London siegten die Bayern mit 3:0, stehen also mit einem Bein in der Endrunde. Parallel dazu wird der Gegner ermittelt, er heißt entweder FC Barcelona oder SSC Neapel, das Hinspiel hatte beim 1:1 keinen Sieger. Bereits im Achtelfinale steht RB Leipzig, das Tottenham mit 3:0 und 1:0 ausgeschaltet hatte. Dagegen ist Borussia Dortmund bekanntlich gegen Paris St. Germain mit 2:1/0:2 ausgeschieden.

Die Bayern starten am Samstag die Aktion Triple, sie träumen davon, dass sie den Erfolg von 2013 unter Trainer Jupp Heynckes wiederholen können. Meisterschaft und Pokalsieg sind bereits eingetütet, die Form stimmt, es ist quasi angerichtet. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge warnt und ist gleichzeitig erwartungsfroh: „Das wird die spannendste Finalrunde aller Zeiten.“ Er zielt darauf ab, dass es noch nie ein Turnier um Europas Königstitel gab. Nur ein Spiel auf neutralem Boden, so kennt man Turnieren der Nationalmannschaften, aber nicht im Vereinsfußball. In nur einem Spiel ist vieles möglich, es zählen Tagesform, Glück und der Schiedsrichter. Eine Chance vor allem für Außenseiter. Ungewiss ist auch, welche „Vorbereitung“ zur Bestform führt: Die deutschen Klubs müssen nach einer Pause ihre Form wiederfinden, sind aber ausgeruht, die Konkurrenz wiederum hatte zuletzt Spielpraxis, es könnten sich aber Verschleißerscheinungen bemerkbar machen. Wo liegt der Vorteil?

Auch Sperren durch Gelbe Karten könnten noch entscheidend werden, bei den Bayern sind ausgerechnet Thiago und Kimmich gefährdet, zwei Schlüsselspieler. Kimmich muss den verletzten Pavard auf seiner früheren Position als Rechtsverteidiger ersetzen, Thiago wiederum ist sein Vertreter in der Mitte neben Goretzka. Es entstehen Lücken, wenn einer ausfällt, das könnte gerade gegen Barcelona als möglichen Gegner im Viertelfinale (Freitag, 14. August) entscheidend sein. Die Bayern träumen vom Triple, weil sich bemerkenswerte Parallelen zum Titelgewinn von 2013 zeigen. Hansi Flick gilt in manchen Sachen fast als Kopie von Jupp Heynckes und er hat wieder eine Achse geschaffen mit Neuer, Alaba, Kimmich, Müller und Lewandowski, so wie sie Heynckes 2013 mit Neuer, Lahm, Schweinsteiger, Müller, Ribery und Robben hatte. Flick setzt wie Heynckes auf eine Stammelf, rotiert nur in kleinem Rahmen. Ein gutes Omen auch, dass im Achtelfinale ein Klub aus London der Gegner ist. Diesmal Chelsea, damals Arsenal, nach dem 3:1-Sieg in London wurde es im Rückspiel beim 0:2 allerdings eng. Dies soll diesmal mit einem 3:0 im Rücken verhindert werden, zumal Gegner Chelsea mit Verletzungsproblemen zu kämpfen hat, aber zweifellos besser in Form ist als im Frühjahr. Sollten die Bayern wie erwartet weiterkommen, werden sie ein Kurztrainingslager Nähe Lissabon beziehen, um sich auf die Endrunde vorzubereiten.

Auch der RB Leipzig träumt vom Henkelpott, zählt aber zu den Außenseitern. Mit dem erfahrenen Atletico Madrid wartet im Viertelfinale bereits eine harte Nuss. Eine Besonderheit müssen die Leipziger hinnehmen, Neuzugänge für die nächste Saison dürfen noch nicht eingesetzt werden (z. B. Sané bei den Bayern), aber Abgänge stehen zum Teil nicht zur Verfügung. So müssen die Leipziger auf Torjäger Timo Werner verzichten, dem der neue Verein Chelsea nicht die Freigabe erteilte. Einsatz oder nicht ist Verhandlungssache. So rechnet Bayer Leverkusen mit Kai Havertz auch dann, wenn er einen angekündigten Abgang Wirklichkeit werden lässt. In der CL ist Julian Nagelsmann einer der drei deutschen Trainer, die den Titel holen können. Der Dritte ist Thomas Tuchel bei Paris, der im Viertelfinale die Hürde Atalanta Bergamo nehmen muss, das Überraschungsteam aus Italien. Weitere Favoriten müssen wie die Bayern erst noch den Weg ins Viertelfinale finden, Juventus Turin gegen Lyon (Hinspiel 0:1) und der Kracher am Freitag, 7.8., ist das Rückspiel Manchester City gegen Real Madrid. Das Hinspiel entschied Pep Guardiola im Duell der prominenten Trainer gegen Zinedine Zidane mit 2:1 für sich. Beide Klubs erheben den Anspruch, am Ende im Finale zu stehen. Aber es kann nur einen geben… Es stimmt schon, die Finalrunde könnte ganz schön packend werden.

Drei deutsche Hoffnungen

Drei deutsche Trainer hoffen, drei deutsche Hoffnungen gibt es auch in der Europa League. Der VfL Wolfsburg, Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt kämpfen noch um den Einzug in die Endrunde. Die besten Karten hat dabei Leverkusen, das im Hinspiel bereits bei den Glasgow Rangers mit 3:1 gewann, da sollte am Donnerstag, 6.8., nichts mehr anbrennen. Wolfsburg muss nach Kiew reisen, um dort gegen Donezk am Mittwoch, 5.8., das 1:2 aus dem ersten Duell auszugleichen. Noch schwerer wird es für Frankfurt, das in einem Geisterspiel daheim gegen den FC Basel 0:3 unterlag und trotzdem am Donnerstag, 6.8., auf die Wende hofft, weil sich Basel zuletzt in der Schweizer Liga anfällig zeigte. Das Viertelfinale beginnt dann am Montag, 10. August, in Düsseldorf mit dem Sieger der Begegnung Inter Mailand – FC Getafe (Mittwoch in Gelsenkirchen) gegen den Sieger Leverkusen/Glasgow. In einem Spiel suchen auch der FC Sevilla und AS Rom (Donnerstag, 6.8., in Duisburg) den achten Verein fürs Viertelfinale. Im K.o.-Modus muss spielen, wer im Achtelfinale noch nicht antreten konnte. Beim Rest des Feldes stehen eben die Rückspiele an, nämlich Manchester United – Linz (Hinspiel 5:0) und Wolverhampton – Piräus (1:1). Die Fußball-Fans können sich auf 26 Spiele in 19 Tagen freuen, wahrlich ein heißer August.

Leihspieler: Eine gute Idee kann zum Problem werden

Die Sommerpause ging in diesem Jahr verspätet los, ist aber nicht nur wegen Corona für die Manager der Profi-Fußballvereine besonders stressig. Natürlich, die Sorgen rund um die Pandemie beanspruchen besonders die Nerven, dabei haben die Macher in den Klubs bereits mit dem Alltag genug zu tun. Zudem taucht ein Problem verstärkt auf, das einmal eigentlich eine gute Idee war: Das Leihgeschäft mit den Spielern.

Die Idee war einfach: Es gab Spieler, die in ihrem Verein nicht zum Zug kamen, allerdings Talent erkennen ließen und Spielpraxis benötigten, möglichst nicht in der eigenen unterklassigen zweiten Mannschaft bei den Amateuren, sondern durchaus höherklassig, damit sie auch gefordert wurden. Sie sollten als besserer Spieler wieder zurückkehren. Das typische, erfolgreiche Beispiel dafür war Philipp Lahm. Die Bayern liehen den Verteidiger zum VfB Stuttgart aus. Dort wurde er sogar Nationalspieler und machte dann, wie wir alle wissen, eine glänzende Karriere. Am Ende war er Weltmeister, am Anfang stand das Leihgeschäft.

Doch so reibungslos und erfolgreich läuft es natürlich nicht immer. Die Leihen wurden immer populärer, aber der Pferdefuß wurde übersehen bzw. verdrängt. Jeder Spieler, der verliehen wird, kommt auch wieder zurück. Eine Auflistung weist sogar auf einen Rekord hin, weil nämlich die Bundesligisten insgesamt 160 Spieler verliehen haben. Spitzenreiter war Werder Bremen, das zwölf Spieler verliehen und fünf geliehen hat. Die verliehenen waren meist Nachwuchsspieler, die eben Spielpraxis sammeln sollten, die geliehenen sollte sofort in der Bundesliga helfen. Aber auch da wurde ein Pferdefuß draus nach der glücklichen Rettung. Für Selke (von Hertha BSC), Bittencourt (Hoffenheim) und Toprak (Dortmund) wurden Kaufoptionen vereinbart, die jetzt so richtig ins Geld gehen. Geld, das zum Teil nicht da ist, zum Teil aber eher für Verstärkungen gebraucht wird. Übrigens, das kleinste Leihgeschäft machte Meister Bayern München. Fein durfte beim Hamburger SV Spielpraxis sammeln, Perisic, Coutinho und Odriozola ergänzten den aktuellen Kader, wobei Letzterer nicht helfen konnte und ebenso wieder gehen muss wie Coutinho, der viel Klasse besitzt, sie aber zu selten richtig zeigen kann. Bei Ivan Perisic ist die Zukunft noch offen, er dürfte bleiben, was aber eine Frage des Preises ist.

Manager, die dem Leihen und Verleihen vertrauen, verschieben wie gesagt manchmal ihre Probleme. So steht der FC Augsburg zum Beispiel derzeit mit einem übergroßen Kader da, nämlich 39 Spieler. Manager Stefan Reuter hat eingekauft, viel verliehen, wenig verkauft und jetzt muss das Lager geräumt werden. Flops, wie Torhüter Koubek, werden zum doppelten Problem, weil sie – wie in dem Fall – teuer waren und nach schwachen Leistungen unverkäuflich wurden. Reuter hat sich schlicht verkalkuliert, allein fünf Torhüter auf der Gehaltsliste und ausgerechnet der Sicherheitsgarant im Kampf um den Klassenerhalt, Andreas Luthe, soll dagegen gehen. Ein Wunder, dass der FCA von sich behauptet, finanziell gut dazustehen, andererseits schon mehrfach Geld buchstäblich zum Fenster hinaus geworfen hat. So ist das Profi-Geschäft im Fußball.

Real Madrid ist wieder da

Für die Bundesliga-Klubs, die in den europäischen Wettbewerben vertreten sind, ging die Sommerpause bereits zu Ende. Die Bayern beginnen in der ersten Woche mit Cypertraining wie nach der Coronapause, drei Spieler nehmen aber bereits wieder Rückenwind mit in die entscheidenden Spiele: In einer Umfrage des kicker unter den Bundesliga-Profis wurde Torjäger Robert Lewandowski mit 42,6 Prozent der Stimmen zum besten Feldspieler der Saison gewählt (vor Sancho, Dortmund, 141, und Kimmich, Bayern, 12,2), Manuel Neuer mit 35,2 % zum besten Torhüter (vor Sommer, Gladbach, 23,7) und „Roadrunner“ Alphonso Davies war für seine Kollegen der Aufsteiger der Saison (44,8 %, vor Haaland, Dortmund, 18,1). Dazu war für die Profis Hansi Flick der Trainer der Saison (61,1 % vor Rose, Gladbach, 14,4). Auch hier dominieren also die Bayern.

Der Blick geht aber über die Grenzen hinaus, auch in den anderen Top-Ligen liegen die Punktrunden in den letzten Zügen. Eine Wiederauferstehung feierte national Real Madrid, das zuletzt dreimal dem FC Barcelona den Vortritt lassen musste. Jetzt aber schaffte Zinedine Zidane in einem schwierigen Jahr die Wende. Barcelona ging mit zwei Punkten Vorsprung in den Endspurt, wo Real plötzlich einen Lauf bekam, angeführt von Kapitän Sergio Ramos. Gleichzeitig kann Zidane nun behaupten, dass kein Trainer in Europa mehr Titel als er gesammelt hat, nämlich sieben große Meisterschaften. In der Champions League gilt es allerdings einen 1:2-Rückstand gegen Manchester City aufzuholen. Zidane drohte Pep Guardiola bereits: „Wir sind mit unserer Saison noch nicht am Ende.“ Pep und City verspielten dagegen den nächsten Titel, unterlagen im FA-Cup in England mit 0:2 Arsenal London, das im Finale am 1. August auf Chelsea London trifft, das sich ebenso verbessert zeigt. Achtung Bayern! Nachdem Paris in Frankreich zum Meister erklärt wurde, fehlt nur noch Italien, aber da steuert Juventus Turin erneut auf die Meisterschaft zu, nachdem Konkurrent Lazio Rom zuletzt schwächelte.

Die Fans wollen ihren Spaß und einen Fußball von gestern

Die Fußball-Bundesliga macht sportlich Sommerpause, aber die Diskussionen um die Geisterspiele kennen keine Pause. Ganz im Gegenteil, nachdem ein Fußball ohne Fans ein Fußball ohne Atmosphäre war, drehen sich die Gedanken um die Möglichkeit, wie schnell wieder mit Zuschauern gespielt werden bzw. wie eine Öffnung der Stadien ohne Gefährdung der Gesundheit aller organisiert werden kann. Es ist fast ein gordischer Knoten, der hier gelöst werden muss, entsprechend abenteuerlich sind auch die Gedanken, die durch die Gegend geistern.

Es ist auffallend: Die Klubs machen sich Gedanken, ob man mit einer geringen Zuschauerzahl anfangen kann, damit vor allem die Grundvoraussetzung im Kampf gegen das Coronavirus erfüllt ist, nämlich Abstand halten. Entsprechend der Kapazitäten der Stadien könnten dann vielleicht 2000 bis sogar 10.000 Zuschauer den Spielen beiwohnen. Von Fans kann hier nicht die Rede sein, denn diese meldeten sich schon zu Wort und kennen keinen Kompromiss: Entweder alle oder keiner. Bis es allerdings volle Stadien ohne Gesundheitsrisiko geben kann, wird noch viel Zeit vergehen mit vielen Geisterspielen. Aber warum nicht mit kleineren Kapazitäten anfangen, es wäre ein Schritt nach vorn. Um auch die Anfahrt der Zuschauer zu vereinfachen, muss wohl auf Gästefans verzichtet werden. Was den Fans auch wieder nicht gefällt.

Fan-Organisationen haben in einer gemeinsamen Erklärung bereits gefordert, dass der Fußball zurück zu den Wurzeln müsse. Die Corona-Krise soll die Klubs zur Besinnung kommen lassen, der Kommerz soll eingeschränkt werden, Gehälter gekürzt bzw. gedeckelt. Nicht das Geld soll im Mittelpunkt stehen, sondern der Sport. Die Fans machen den Eindruck, als ob für sie die Qualität der Spiele keine Rolle spielt, sie auf Stars verzichten würden und es in Kauf nehmen, wenn die internationale Konkurrenzfähigkeit dann nicht mehr gegeben ist. Was sie wollen, ist ihre Fankultur mit Nähe, Emotionen und Freiheit ausleben. Sie wollen in erster Linie ihren Spaß und plädieren auf ein Zurück zum Fußball von gestern. Mit dem Leistungssport der heutigen Zeit lässt sich das nicht vereinbaren und wahrscheinlich wäre es ihnen am Ende sogar egal, wenn die Bundesliga international nur noch unter „ferner spielten“ registriert würde. Am Ende könnte es dazu kommen, dass sich die Ultras vom Profi-Fußball ganz abwenden. Vielleicht finden sie bei den Amateuren ihre wirkliche Erfüllung. Andererseits: Erst die Masse macht’s, sorgt für Stimmung.

Der Fußball muss aber weiter geplant werden. Die DFL hat in diesem besonderen Jahr auf ein strenges Lizenzierungsverfahren verzichtet und allen Vereinen der 1. und 2. Bundesliga die Lizenz erteilt, damit die Klubs die Möglichkeit haben, sich finanziell zu erholen. Der Terminkalender für die neue Saison steht auch, mit einem Start der Bundesliga am 18. September und ohne Winterpause. Letzter Spieltag soll der 22. Mai sein.

In der Bundesliga wird weiterhin Werder Bremen vertreten sein, das im Duell mit dem Zweitliga-Dritten 1. FC Heidenheim zwar kein Spiel gewinnen konnte, doch das 0:0 und 2:2 auswärts reichte zum überaus glücklichen Klassenerhalt nach einer verkorksten Saison. Damit wurde sogar belohnt, dass die Bremer entgegen der üblichen Gesetzmäßigkeiten an Trainer Florian Kohfeldt festhielten. Logischerweise bleibt er nun weiterhin Coach und alle hoffen auf ein ruhigeres Jahr.

Wer verliert, würde die Relegation natürlich am liebsten abschaffen. Das gilt vor allem für den FC Ingolstadt der eine besonders bittere Zeit hinter sich hat. Am letzten Spieltag der 3. Liga träumte der Verein schon vom direkten Aufstieg, als ein Tor in Würzburg nach einem zweifelhaften Elfmeter alle Träume platzen ließ und stattdessen den Kickers den Aufstieg beschwerte. In der Relegation ging es wieder ähnlich zu. Zuerst lag das Aus gegen Nürnberg nach dem 0:2 im Hinspiel nahe, dann führte Ingolstadt zu Hause plötzlich 3:0 und träumte wieder von der 2. Bundesliga. Doch die Nachspielzeit war erneut eine Zeit der Ernüchterung, Nürnberg traf und jubelte. Ingolstadt fand in Schiedsrichter Christian Dingert den Schuldigen, fünf Minuten Nachspielzeit und die auch noch verlängert, wären nicht korrekt gewesen, außerdem hätte er vor dem entscheidenden Treffer ein Foul übersehen. Verständnis muss man für diese Sichtweise nach der Enttäuschung haben, aber Dingert hatte bei allen Entscheidungen korrekt gehandelt. So kann er beruhigt am Dienstag seinen 40. Geburtstag feiern. Aber alles in allem: Die Relegation hat ihre Berechtigung, spannender geht es nicht.

Auch international bleibt es weiter bei Geisterspielen. So werden Champions League und Europa League in diesem Jahr ohne Zuschauer entschieden. Die Auslosung ist erfolgt, der Spielplan steht, die Spannung steigt. Der portugiesische Ex-Star Paolo Sousa hatte kein glückliches Händchen, als er für Viertel- und Halbfinale der CL die großen Favoriten so zog, dass sie sich schon im Vorfeld des Finales eliminieren werden. Bayern München droht im Viertelfinale (am 8. August erst das Achtelfinale gegen Chelsea mit 3:0-Vorsprung) der FC Barcelona (auch am 8. 8. gegen Neapel, im Hinspiel 1:1). Den Gegner im Halbfinale machen Juventus Turin und Olympique Lyon (0:1 im Hinspiel) bzw. Manchester City und Real Madrid (2:1 im Hinspiel) unter sich aus. Da hat es RB Leipzig in der anderen Hälfte leichter, hat allerdings mit Atletico Madrid ein abzocktes Team als Gegner, der große Favorit auf das Finale ist aber Paris St. Germain mit Thomas Tuchel als Trainer, das zuerst auf Atalanta Bergamo trifft. Es gibt nur K.o.-Spiele im Finalturnier vom 12. bis 23. August, da zählen dann Tagesform, Glück und der Schiedsrichter. Besonderen Schwung dürfte Manchester City haben, nachdem der Internationale Sportgerichtshof die von der UEFA ausgesprochene Sperre für die internationalen Wettbewerbe aufgehoben hat. 10 Millionen Euro Strafe für Vergehen bei Transfers sind zu verschmerzen. Pep Guardiola darf weiter vom CL-Sieg mit City träumen. Allerdings: Träume platzen schnell (siehe oben).

Die harte Zeit kommt erst für die Bayern-Stars

Das Ambiente im Berliner Olympiastadion war gewöhnungsbedürftig, wie die ganze Fußball-Saison nicht mit normalen Maßstäben gemessen werden kann. Und dennoch gab es Altbekanntes: Am Ende gewinnt Bayern München! Gut, Ausnahmen bestätigen die Regel, doch die Ausnahmen werden immer weniger. Es gab auch keine im Pokalfinale, Gegner Bayer Leverkusen war schwach in der ersten Hälfte, beeindruckte nach der Pause, vergab aber seine besten Chancen. So hieß es halt 4:2 (2:0) für den Titelverteidiger, der von den Corona-Bedingungen ohne Zuschauer auch im Jubel gebremst wurde.

Dabei gab es beeindruckende Zahlen: Kurios, 2020 gelang der 20. Pokaltriumph und gleichzeitig war dies der 200. Sieg der Bayern in allen Pokalspielen. Die Bayern sind nach der Corona-Pause unschlagbar und stellten mit dem 17. Pflichtspielsieg in Folge zudem einen neuen Rekord im deutschen Profifußball auf. Ausgerechnet Gegner Leverkusen wurde dieser abgejagt, mit 16 Siegen stammt er aus dem Jahr 1978, erzielt allerdings in der Zweiten Liga. Trainer Hansi Flick darf besonders feiern, er schaffte als erster deutscher Trainer und als zweiter überhaupt das Double als Spieler (1986) und Trainer (2020). Vor ihm gelang dies ausgerechnet Niko Kovac, den er beerbt hat, 2003 als Spieler und 2019 als Trainer. Ein Rekordler ist auch – fast schon logisch – Torjäger Robert Lewandowski. Mit sechs Treffern war er wieder bester Torjäger im Pokal, zum vierten Mal in Folge (zum fünften Mal insgesamt), das schaffte noch nicht einmal Gerd Müller. Er ist auch der erste Spieler, der in drei Endspielen in Folge traf.

Triumphe, Pokale, Siege, aber statt einem Jubelbad auf dem Marienplatz ein kleiner Empfang beim Oberbürgermeister in München. 13 Tage Urlaub gönnt Trainer Hansi Flick seinen Spieler, dann aber beginnt ein Stress ohne Ende, die harte Zeit kommt also erst noch für die Bayern-Stars. Da stellt sich die Frage, ob der Kader dafür gerüstet ist. Da ist wieder Hasan Salihamidzic gefordert, der seit dem 1. Juli sogar Sportvorstand ist, aber bisher die zahlreichen Kritiker durch gute Arbeit eines Besseren belehrt hat. Sein größter Coup war die Entdeckung von Alphonso Davies, sein Königstransfer in der letzten Woche Flügelflitzer Leroy Sane, der allerdings noch zeigen muss, ob er wirklich die große Verstärkung ist. Hoffnungsvolle Neuzugänge sind Torhüter Alexander Nübel und Frankreichs 18-jähriges Abwehrtalent Nianzou Kouassi von Paris St. Germain. Eine schwere Aufgabe wartet noch auf den Manager, weil es bei den Vertragsverlängerungen für David Alaba und Thiago hakt. Vor allem Thiago scheint es in die Premier League zu Jürgen Klopp nach Liverpool zu ziehen, obwohl sein nächster Kontrakt eigentlich ausgehandelt war.

Weiter geht es für die Bayern mit dem Rückspiel im Achtelfinale der Champions League am 8. August in München, wo der 3:0-Sieg bei Chelsea London verteidigt werden muss, aber natürlich will Flick mit Siegen weitermachen. Die nächsten Runden werden dann anschließend in Lissabon und Umgebung in K.o.-Runden ausgetragen, die Bayern träumen ja vom Triple und haben das Endspiel am 23. August im Auge. Danach will Flick seine Mannen wieder in einen zweiwöchigen Urlaub schicken, weil sie Erholung benötigen. Doch der Terminkalender sieht Erholung nicht vor. Am 3. und 6. September warten nämlich Aufgaben der Nations League auf die Nationalmannschaft und ob da Bundestrainer Joachim Löw auf seine Bayern-Stars verzichten wird? Auch Leipzig ist in der Champions League noch vertreten, Frankfurt, Wolfsburg und Leverkusen in der Europa League. Pausen sind nicht vorgesehen!

Die neue Saison der Bundesliga soll am 18. September beginnen und davor bereits die erste Pokalrunde gespielt werden. Das wird notwendig sein, weil die Amateure meist nicht über das notwendig Flutlicht verfügen, Wochenspiele also nicht in Frage kommen. Das könnte dazu führen, dass der eine oder andere Profiverein von der ersten Runde freigestellt wird, wenn er international erfolgreich ist. Das wiederum ist nicht im Sinne der Amateure, die dann zum Teil auf ihr großes Fußballfest verzichten müssen. Für die Bayern steht sogar zur Debatte, später in die Punktrunde einzusteigen. Aber auch die nächste Saison wird zum Stress pur, praktisch ohne Winterpause, denn am 2./3. Januar soll die Rückrunde beginnen und mindestens drei Wochenspieltage sind eingeplant. Die Verlegung der Europameisterschaft aufs nächste Jahr verstärkt die Terminhatz.

Nicht jeder Verein wird sich für die notwendige Rotation den entsprechend großen Kader leisten können. Die Bayern haben schon im Frühjahr gute Erfahrungen mit ihren Talenten aus der Bayern II gemacht, so zeigte sich Nachwuchs-Torjäger Joshua Zirkzee bereits als Retter in der Not. Auf den Nachwuchs können sich die Bayern verlassen, die Bayern II sorgte nämlich ebenfalls für ein Novum, der Aufsteiger in die 3. Liga holte dort die gleich Meisterschaft! Das gab es noch nie, ein Aufstieg in die 2. Bundesliga ist aber nicht möglich. Den feiern dafür die Klubs dahinter, nämlich Eintracht Braunschweig und die Würzburger Kickers, für beide eine Rückkehr in alte Gefilde.

Tapfere Essenerinnen nicht belohnt

Auch der Frauen-Fußball in Deutschland hat seinen FC Bayern, doch heißt er hier VfL Wolfsburg. Die Wölfinnen blieben die ganze Saison über in der Bundesliga und im Pokal ungeschlagen und krönten diese Leistung jetzt mit dem sechsten Pokaltriumph in Folge. Allerdings macht es ihnen Gegner SGS Essen schwerer als gedacht. Ausgerechnet zwei baldige Bayern-Spielerinnen brachten Essen zweimal in Führung, Lea Schüller mit dem Rekord für das schnellste Pokaltor sogar bereits in der 1. Minute. Nach dem Ausgleich sorgte Abwehrchefin Martina Hegering für die erneute Führung (18.), die bis zur 70. Minute hielt. Dann wurde es turbulent und spektakulär, Wolfsburg sah sich nach Toren Blässe und Bloodworth in der gewohnten Siegesrolle, doch Ionnidou konterte in der Nachspielzeit. Am Ende wurden die Wölfinnen nach Verlängerung und Elfmeterschießen doch ihrer Favoritenrolle gerecht, mit Glück und Können, weil Torhüterin Friederike Abt zwei Elfmeter hielt.

Allerdings ging das Frauen-Finale mit Ärger zu Ende, weil die Verlängerung den Sendeplan der ARD durcheinander brachte und der Sender nach dem Schlusspfiff auch die Übertragung beendete, die Siegerehrung also nur im Internet zu sehen war. Die Vorberichterstattung auf das Männerfinale war wichtiger, wahrscheinlich wegen Werbung. Andererseits wieder ein Rückschlag für den Frauen-Fußball, der um mehr Anerkennung kämpft.

Auch auf Wolfsburg und die Frauen des FC Bayern München warten noch internationale Aufgaben, im August geht es auch bei ihnen in der Champions League weiter. Die Bayern-Mädchen müssen sich allerdings mit Titelverteidiger Lyon messen, Wolfsburg will diesen Gegner erst im Finale sehen und träumt vom Triple. Wenn das nötige Glück dann wieder vorhanden ist, ist alles möglich.

Die Angst der Mannschaften vor dem letzten Spieltag

„Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ ist ein preisgekröntes Buch, das der österreichische Schriftsteller und Nobelpreisträger Peter Handke schon 1970 geschrieben hat. Ein aktuelles Thema könnte auch die Angst der Mannschaften vor dem letzten Spieltag sein. Dies wurde wieder beim Saisonschluss der 1. und 2. Fußball-Bundesliga am Wochenende deutlich. Die Angst ging um und sorgte für seltsame Ergebnisse.

Zunächst müssen wir alle froh sein, dass die Bundesliga diese Saison überhaupt regulär beenden konnte. 66 Tage dauerte die Coronapause seit März, andere Nationen beendeten resigniert ihre Saison vorzeitig, andere fassten nach dem Kraftakt der Deutschen wieder neuen Mut und wurden Nachfolger. Heute würden sich vielleicht manche wünschen, die Saison wäre doch abgebrochen worden, dann nämlich, wenn auf einen Abstieg verzichtet worden wäre. So aber gab es ein sportliches und für manche eben ernüchterndes Ergebnis.

Die Angst vor dem letzten Spieltag machte sich vor allem im Abstiegskampf breit. Es gibt aber nicht nur die Angst, es selbst nicht zu schaffen, es gibt auch die Angst, dass der Gegner des Rivalen vielleicht nicht mit dem nötigen Ehrgeiz bei der Sache wäre. Es zeigte sich deutlich, diese Angst ist begründet. Der 1. FC Köln ließ sich willenlos von Werder Bremen 1:6 abschlachten und muss einen gehörigen Imageverlust hinnehmen. Es kann keine Entschuldigung sein, dass nach drei Gegentoren in sieben Minuten (22. – 29.) die Moral in den Keller sank. Sportlich und ehrgeizig dagegen Union Berlin, der Neuling wollte die Saison gut abschließen, Pech für Fortuna Düsseldorf, das 0:3 verlor und noch auf einen Abstiegsplatz rutschte und den SC Paderborn also in die 2. Bundesliga begleiten wird. Die neue Angst: Nur nicht noch weiter abrutschen und nicht zur ständigen Fahrstuhlmannschaft werden. Uwe Rösler soll Trainer bleiben und den Neuaufbau in Gang setzen, der notwendig ist, weil 17 Verträge auslaufen. Es soll schnell wieder zurück ins Oberhaus gehen, nach dem letzten Abstieg 2013 dauerte es fünf Jahre. Bemerkenswert: Da auch Paderborn an dem beliebten Steffen Baumgart als Coach festhält, gehen beide Absteiger mit den alten Trainern in die 2. Bundesliga.

Jubel dagegen in Bremen über die Relegation, die fast schon wie der Klassenerhalt gefeiert wurde. Am Ende zahlt es vielleicht wirklich aus, dass Werder an Trainer Florian Kohfeldt festgehalten hat. Aber der Gegner 1. FC Heidenheim hat einen besonderen Vorteil: Er kann ohne Angst in die entscheidenden Spiele gehen, am Donnerstag (2. Juli) in Bremen und Montag (6. Juli) in Heidenheim. Der Werder-Trainer warnt schon: „Der Druck bleibt.“ Und plötzlich gibt es eine neue Situation nach dem wochenlangen Abstiegskampf: Werder geht als Favorit in dieses Duell Oldie gegen Newcomer. Da kommt dann die Angst vor dem Versagen sicherlich wieder hoch. Heidenheims 0:3-Niederlage bei Meister Bielefeld sollte Bremen nicht in falscher Sicherheit wiegen.

Die Angst vor dem letzten Spieltag spürten auch die betroffenen Zweitligisten. Der Hamburger SV ging voller Hoffnung, aber auch mit Angst ins entscheidende Match gegen Sandhausen und hatte seine Nerven nicht im Griff. Ein 1:5-Debakel war die Folge, Verletzungen brachten das Team durcheinander, das sich schon in den letzten Wochen recht nervenschwach mit vielen Gegentoren in den letzten Minuten zeigte. Mindestens sechs Punkte gingen buchstäblich verloren. Unter anderem wurde der mögliche Aufstieg vor einer Woche in letzter Minute ausgerechnet in Heidenheim beim direkten Konkurrenten verspielt. Jetzt droht dem einstigen Bundesliga-Dino ein Trauma, weil die Nerven im Aufstiegskampf nicht halten, das war im Vorjahr so und ereilte eine umgemodelte Mannschaft mit neuem Trainer auch in diesem Jahr. Stellt sich die Frage, ob Dieter Hecking das psychologische Geschick hat, um einen Wandel herbeizuführen. Ähnlich sieht es in Nürnberg aus, der Club hatte Angst und beruhigte seine Nerven selbst mit einer 1:0-Führung in Kiel nicht. Da Karlsruhe in Fürth ohne Angst antrat und 2:1 gewann, muss Nürnberg nun in die Relegation gegen den Dritten der 3. Liga. Am Ronhof haben sie zumindest gelächelt…

Die Angst geht um am letzten Spieltag, die Angst, das einige Mannschaften die Aufgabe zu leicht nehmen. Die Angst vom VfL Wolfsburg war berechtigt, Borussia Dortmunds Leistung war der eines Vizemeisters nicht würdig, Hoffenheim hatte leichtes Spiel, siegte 4:0 und hat die direkte Qualifikation für die Europa League in der Tasche. Eine Blamage für Dortmund, das immer wieder Spiele hat, die buchstäblich abgeschenkt werden. Da ist Bayern München eben von einem anderen Kaliber, das „mia san mia“ wieder gelebt und so durfte Wolfsburg auf keine Geschenke hoffen, schließlich war der Meister auf Rekordjagd. 100 Tore wurden es nach dem 4:0 (nur die Bayern selbst waren 71/72 mit 101 besser), Robert Lewandowski kam auf 34 Saisontreffer, wurde Torschützen- und Skorerkönig mit 39 Punkten, Thomas Müller war mit 21 Vorlagen zu Toren der beste Vorbereiter, verpasste aber den Rekord von Emil Forsberg von 15/17 (22) um eine Vorlage. Das unterschiedliche Finale von Dortmund und München macht aber auch wieder deutlich, warum die Bayern ihre Titelserie auch nach acht Meisterschaften im Folge im nächsten Jahr erneut fortsetzen könnten. Trotz Krise und Trainerwechsel waren es am Ende wieder 13 Punkte Vorsprung. Ehrenpräsident Uli Hoeneß ätzte: „Wir können doch nicht mit halber Kraft spielen.“

Ein Gewinner am letzten Spieltag war auch Borussia Mönchengladbach. Ohne Angst gegen Hertha BSC Berlin wurde Platz vier gegen Bayer Leverkusen verteidigt und damit die Teilnahme an der Champions League perfekt gemacht. Die Sympathien gehörten sicherlich Gladbach, das für viele Vereine Beispiel sein sollte, nämlich mit weniger Mitteln als die Konkurrenz mehr macht. Manager Max Eberl hatte den richtigen Riecher, als er Dieter Hecking vorzeitig vor die Tür setzte, weil er spürte, dass Nachfolger Marco Rose mehr aus dieser Mannschaft herausholt. Er wurde belohnt.

Jagd auf die Pokale

Bayer Leverkusen hat noch zwei Chancen auf einen erfolgreichen Abschluss. Zunächst steht das Pokalfinale am Samstag (20.00 Uhr) im Berliner Olympiastadion, natürlich ohne Zuschauer. Gegner Bayern München ist Favorit und Titelverteidiger, aber keineswegs satt. Während Bayer darauf hofft, nach 1993 ein zweites Mal Pokalsieger zu werden (Manager Rudi Völler: „Wir werden den Bayern das Leben schwer machen.“), und im August mit einem Sieg in der Europa League doch noch in die Champions League kommen könnte, streben die Bayern den 20. Pokalsieg an, um nach der 30. Meisterschaft ein rundes Jubiläum mit 50 Titeln zu feiern. Trainer Hansi Flick hat sogar noch mehr im Visier: „Wir schielen nach dem Triple.“ Heißt, auch in der Champions League will er am Ende den Henkelpott hochhalten und damit auf den Spuren von Jupp Heynckes wandeln, mit dem er ja oft verglichen wird.

Flick ist also noch nicht am Ziel, ein anderer deutscher Trainer allerdings schon: Gratulation an Jürgen Klopp, der beim FC Liverpool die Fans glücklich gemacht hat und nach 30 Jahren die Meisterschaft endlich wieder in die Beatles-Stadt holte. Da kullerten bei Kloppo sogar die Tränen und Konkurrent Pep Guardiola adelte ihn als den „besten Trainer der Welt“. Am Ende kann dann aber vielleicht auch noch Hansi Flick um diesen Titel mitmischen…

Die Bayern feierten übrigens noch einen weiteren kleinen Erfolg, die Frauen holten mit einem 3:0-Sieg in Essen Platz zwei in der Bundesliga und sicherten sich damit die Qualifikation für die Champions League. Auch die Frauen beschließen am Samstag die Saison mit dem Pokalfinale in Köln, dort ist Meister VfL Wolfsburg gegen Essen natürlich haushoher Favorit und will die makellose Saisonbilanz nicht trüben. Die „Wölfinnen“ blieben 2019/20 ungeschlagen (nur zwei Remis gegen die Bayern-Mädchen). Auch sie träumen übrigens im August in der Champions League vom Triple.

Fußball-Profis sind aufgewacht und denken über ihren Sport hinaus

Die jungen Männer in den kurzen Hosen mussten sich schon viel anhören, wenn es um ihren Sport ging, den Profi-Fußball. Gängige Formel: „Die haben’s nur in den Füßen, nichts im Kopf.“ Oder: „Millionäre, die in Saus und Braus leben und gar nicht mehr wissen, wie das tägliche Leben aussieht.“ Manchmal setzt das Gehirn wirklich aus, sie gönnen sich etwas Besonderes, ein Goldsteak zum Beispiel, posten das – zeitgemäß – in die Welt hinaus und bedienen damit die gängige Meinung. Der Luxus Einzelner wird zum Running Gag aller, kein Kommentar mehr in den Medien über das Leben der Fußballer, in dem nicht das Goldsteak vorkommt.

Doch Fußball-Profis haben auch anderes im Sinn. Sie zeigten dies zuletzt in der Corona-Krise, als junge Millionäre Spendenaktionen ins Leben riefen und Millionen Euro für Bedürftige und Kleinunternehmen in der Not spendeten. Aktionen, die allerdings bei weitem nicht den Widerhall fanden wie ein Goldsteak. Sie zeigten dies aber auch in der Rassismusdebatte nachToten durch Polizeigewalt in den USA, als viele Profis (auch aus anderen Sportarten) eindeutig Stellung gegen Rassismus und Gewalt Stellung bezogen und die schweigende Mehrheit hinter sich wissen.

Und dabei sind viele Fußball-Profis wohl endgültig aufgewacht, zeigen, dass sie über ihren Sport nachdenken und über ihren Sport hinaus. Wie die Fachzeitung kicker jetzt berichtet, haben sich mündige Spielerinnen und Spieler zu einem neuen Bündnis zusammengeschlossen, das nicht mehr den Mund halten will, sondern mehr Mitbestimmung für die Zukunft einfordert. 70 Profis haben sich schon dazu bekannt, täglich werden es mehr. Den Anstoß gegeben haben wohl u. a. Weltmeister Mats Hummels (Dortmund), Sven Bender (Leverkusen), Andreas Luthe (Augsburg) und Alexandra Popp (Wolfsburg). „Weg mit der Stumm-Taste“ heißt, Stellung beziehen zu Diskriminierung, Verbesserung erreichen bei Gesundheitsrisiken, Solidarität zur Wirklichkeit werden lassen und insgesamt eine bessere Reputation in der Gesellschaft erreichen. Die Fußball-Profis wollen deutlich machen: Wir wissen schon, wie das normale Leben aussieht.

Auch die Fußball-Profis haben mit der Vereinigung der Vertragsfußballspieler eine Art Gewerkschaft, die aber eher in Vertragsangelegenheiten hilft und zu wenig gehört wird. Andreas Luthe sagt im kicker: „Es gibt drei Player in der Bundesliga, die Dachorganisation DFL, die Vereine und die Spieler. Die Maßnahmen werden aber nur von zwei Playern beschlossen, wir Spieler stehen ganz, ganz weit hinten.“ Er hätte auch sagen können: „Wir werden nicht gehört.“

Gerade jetzt im dichtgedrängten Not-Terminkalender der Corona-Krise hatten sich viele Profis beschwert, dass die Spiele zu eng getaktet sind und auf die Gesundheit der Akteure keine Rücksicht genommen wird. Stress pur steht ihnen auch bei den internationalen Terminen im August und September bevor. Urlaub vor der neuen Saison praktisch Fehlanzeige, Ärzte und Spieler warnen, dass das Verletzungsrisiko fast nicht mehr beherrschbar wird. Rassismus, Diskriminierung, Überforderung – die Zeit ist reif für mündige Fußballer. Keiner soll mehr über Goldsteaks reden.

Die UEFA hatte die Losung ausgegeben, dass erst die nationalen Meisterschaften beendet werden sollten, bevor der internationale Spielbetrieb weitergeht. Keiner war so schnell wie die Bundesliga, jetzt muss sie auf die anderen warten, aber im August und September kommt es dick, bevor die Saison 2020/21 wiederum beginnt, praktisch ohne Pause. Festgelegt wurde, dass Champions League und Europa League in Turnierform im Schnelldurchgang abgewickelt werden, die CL in Lissabon, die EL in Nordrhein-Westfalen, mit den Endspielen um Sonntag, 23. August in Lissabon und am Freitag, 21. August, in Köln. Aber bereits im August beginnen auch die Runden der Qualifikation für die neue Saison. Da ist dann der Siebte der Bundesliga dabei. Im September soll aber auch die Nations League der Nationalmannschaften beginnen, für Oktober und November sind in den Länderspielpausen drei statt wie zunächst vorgesehen zwei Termine angesetzt, um die ausgefallenen Spiele nachzuholen. Stress pur auch für die Fußball-Fans, im August gibt es praktisch jeden Tag Fußball zu sehen!

Die noch international beschäftigten Bundesligisten müssen jetzt den Spagat schaffen: Nach der Punktrunde und Pokal-Endspiel Urlaub und dann Vorbereitung auf die restlichen Aufgaben, vielleicht auch nur für ein Spiel. In der CL ist Dortmund ausgeschieden (0:2/2:1 gegen Paris), Leipzig hat Tottenham ausgeschaltet (3:0/1:0) und auf die Bayern wartet noch das Rückspiel im Achtelfinale gegen Chelsea London (Hin 3:0), das entweder in München oder Lissabon stattfinden wird. Dann geht es ins Viertelfinale, das ebenso wie Halbfinale und Finale im K.o.-Modus ausgetragen wird. Genauso die Europa League, da stehen für Leverkusen (3:1 bei Glasgow Rangers), Wolfsburg (1:2 gegen Donetsk) und Frankfurt (0:3 gegen Basel) noch die Achtelfinal-Rückspiele an. Wäre schön, wenn im Endturnier in Nordrhein-Westfalen, wo in Köln, Düsseldorf, Gelsenkirchen und Duisburg gespielt wird, zumindest ein deutscher Vertreter noch dabei wäre und vielleicht sogar bis ins Endspiel kommt. Hat es für die Bundesliga ja schon lange nicht mehr gegeben. Das große Fragezeichen: Haben die deutschen Klubs in den entscheidenden Spielen noch ihre Bundesliga-Form?