Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Kategorie: Europa League

Der Wechselwahnsinn hat bald ein Ende

Das Datum ist unglücklich, der 31. August fällt auf einen Samstag, deshalb endet die Wechselfrist im Profi-Fußball in den meisten Ländern (auch Deutschland) erst am 2. September. Noch ein paar Tage mehr des Wahnsinns, aber immerhin ist das Ende der Aufregungen rund um Spielerwechsel in Sicht. Dann werden Trainer, Manager und Spieler aufatmen, jeder weiß dann, was Sache ist, wie der Kader ausschaut und die Fans können abschätzen, ob es sich gelohnt hat eine Dauerkarte zu kaufen, denn eigentlich kaufen sie die Katze im Sack. Derzeit heißt es bei Trainern und Managern für die restlichen Tage: „Das ist alles verrückt, ich bin froh, wenn es vorbei ist.“

Die Millionen wurden in den letzten Wochen hin- und hergeschoben, die Gerüchte hatten Hochkonjunktur und die Wirklichkeit sah oft ganz anders aus. Auch in der Bundesliga hatte es in der letzten Woche noch große Schlagzeilen und heftige Wechselgeschäfte gegeben. Den Vogel schossen dabei die Bayern ab, die mit Philippe Coutinho einen Weltstar an Land zogen und dabei die Leihe wählten, die ja allgemein oft die Rettung für eine Verstärkung ist. Aber der Brasilianer ist nicht billig mit angeblich 8,5 Millionen Euro Leihgebühr und einem Gehalt von 13 Millionen Euro (Netto!) im Jahr. Nach der Saison müssen die Bayern entscheiden, ob sie für einen Kauf 120 Millionen Euro hinlegen.

Bei einigen Vereinen herrscht aber noch Bedarf, um die Lücken auf den letzten Drücker endgültig zu schließen. Da sind die Manager um die eine Woche noch froh, Frankfurts Manager Fredi Bobic hat scheinbar sogar darauf hingearbeitet: „Die letzte Woche ist verrückt und da kann man noch Schnäppchen machen.“ Die Eintracht braucht dringend noch Verstärkung im Angriff, Torjäger Bas Dost ist fast an Land, aber mit Ante Rebic könnte der letzte der „Bullen“ neben Haller und Jovic noch gehen. Dann muss Bobic noch einmal tätig werden. Der FC Augsburg wiederum hat Panik in seiner Abwehr ausgemacht und kauft und kauft Abwehrspieler. Stephan Lichtsteiner und Tin Jedvaj sind die Nummer vier und fünf (nach Pedersen, Suchy und Oxford), jetzt soll auch noch der Wolfsburger Uduokhai kommen. Nach dem Motto: „Irgendwie müssen wir die Abwehr dicht bekommen.“ Pech, dass ausgerechnet ein Fehler von Jedvaj das Gegentor zum 1:1 gegen Neuling Union Berlin einleitete. Dabei sollten drei Punkte für einen Befreiungsschlag sorgen. Das Glück wird also noch gesucht.

Lassen wir uns überraschen, was wir an Spielerwechseln noch erleben werden. Sportlich ist die Bundesliga schon mal interessant gestartet, doch die richtigen Erkenntnisse folgen bekanntlich erst nach etwa zehn Spieltagen. Fünf Mannschaften feierten zwei Siege, mit dabei der SC Freiburg, der das bisher noch nie geschafft hat. Vier Mannschaften haben dafür noch keinen Punkt, Mainz 05 ist das Schlusslicht (und muss jetzt zu den Bayern), das gefällt ebenso nicht wie die Nullnummer in Bremen. Beobachter malen schon den Teufel an die Wand, dass Bremen ein Schicksal wie Köln drohen könnte, das Europa-Träume hatte und zum Absteiger wurde. Jetzt ist Köln wieder als Aufsteiger dabei, muss aber mit einem schweren Start leben (fünf Niederlagen wären nicht überraschend) und vor allem die Ruhe bewahren. Sportdirektor Armin Veh stöhnt schon: „Der Spielplan ist katastrophal.“

An der Spitze zeigten Borussia Dortmund und die Bayern Stärke. Herausforderer Dortmund bewies, warum er vom Titel träumt, als es nämlich in Köln nicht lief (0:1), da konnte Trainer Lucien Favre mit Umstellungen und neuen Leuten für die Wende sorgen. Bemerkbar machte sich auch ein neues Selbstbewusstsein. Die Bayern dominierten auf Schalke, doch gab es Diskussionen um zwei nicht gegebene mögliche Handelfmeter. Allerdings: Beide Situationen sind umstritten, Pavard drehte sich ab und wurde aus kurzer Distanz angeköpft (neue Regel: Kein Elfmeter), Perisic spreizte beim Freistoß nur leicht den Arm ab, nicht extrem, Elfmeter möglich, aber Ermessungsentscheidung. Schiedsrichter Marco Fritz mutig und treuherzig: „Ich habe in beiden Situationen keinen Elfmeter gesehen, der Video-Schiedsrichter sah keine krasse Fehlentscheidung.“ Und dennoch heulen die Kritiker und der Video-Referee wird wieder einmal verrissen. Haben die Bayern wieder mal Glück gehabt.

In Europa wird gelost, Länderspiele stehen bevor

Der Fußball nähert sich bereits der Hochkonjunktur, denn alle Ligen haben ihre Punktrunden begonnen und auch auf Europas Bühne wird es besonders interessant. Am Donnerstag und Freitag stehen die Auslosungen für die Champions League und die Europa League bevor. Danach darf wieder spekuliert werden, wer denn im internationalen Fußball überwintert. Die Frage nach den Gesamtsiegern ist Quatsch, denn da ist erst die Auslosung für die K.o.-Runden entscheidend. Die Bayern mussten das leidvoll erfahren, als sie gegen den späteren Sieger FC Liverpool frühzeitig ausschieden. Zunächst einmal sind die Bayern für die Gruppenphase in Topf eins gesetzt, Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer Leverkusen werden dahinter eingegliedert. Aber alle müssen auf Glück hoffen und schlagbare Gegner.

Eintracht Frankfurt kämpft noch um den Einzug in die Europa League und musste in dieser Woche einen herben Rückschlag hinnehmen. Bisher noch ohne Niederlage gab es in Straßburg ein 0:1 und in Leipzig ein 1:2. Vor allem die Niederlage in Straßburg tut weh, denn jetzt muss ein Sieg mit zwei Toren her und das quasi ohne hochklassige Stürmer. Da könnten die letzten Wechsel zu spät kommen. Ein Ausscheiden wäre auch schade für die Fans, die rund um die Eintracht für eine besondere Europa-Atmosphäre sorgen. Mönchengladbach und Wolfsburg können in Ruhe auf die Auslosung warten.

International geht es aber auch mit Spielen weiter, die nationalen Punktrunden werden nach dem kommenden Wochenende für die Qualifikation zur Europameisterschaft 2020 unterbrochen. Auf Deutschland wartet fast schon die Vorentscheidung mit Duellen gegen die Niederlande und Nordirland, die Gegner also, die als größte Konkurrenten um einen Platz bei der EM angesehen werden. Und Löw hat nicht alle Mann an Bord (Sane fehlt). Da haben es die Frauen leichter, die treffen bereits am Samstag auf Montenegro und müssen dann in die Ukraine. Schade ist aber, dass die Punktrunde bereits wieder nach zwei Spieltagen unterbrochen wird, so kann eigentlich kein richtiges Interesse aufgebaut werden. In der Frauen-Bundesliga starteten die Favoriten Wolfsburg und Bayern wie erwartet mit zwei Siegen, das schaffte als Dritter im Bunde auch die TSG Hoffenheim. Doch jetzt ist halt erst mal Pause.

Krach bei der DFL, Friede beim DFB

Das Theater auf Funktionärsebene lief in der vergangenen Woche vollkommen konträr ab. Friede, Freude, Eierkuchen beim DFB, der zuletzt wegen allem in die Kritik geriet. Jetzt aber erntete der Verband, weil die Findungskommission offensichtlich den besten vorzeigbaren Präsidenten gefunden hat: Fritz Keller heißt er, ist nicht nur als Vorsitzender des SC Freiburg bekannt, sondern auch als Winzer und Gastronom. Die Ruhe von Freiburg wünscht man sich jetzt auch beim DFB. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Reinhard Grindel, Journalist und Politiker, ist Fritz Keller vom Fach, was ja eigentlich logisch sein sollte. Und sein Wein schmeckt ausgezeichnet.

Bei der DFL, die doch so die Ruhe liebt und immer wieder ihre Einigkeit betont, herrschte dagegen keine Eintracht, sondern Zwietracht. Der Kampf Klein gegen Groß oder Arm gegen Reich ist bei der DFL angekommen, die kleineren Vereine hatten den „Bund Mittelstand“ gegründet und den „Großkopferten“, vornehmlich Dortmund und München, gezeigt, dass sie nicht kassieren und regieren können. Dortmunds Boss Watzke reiste verstimmt vorzeitig ab, weil er für sich keine Wahlchancen sah. Karl-Heinz Rummenigge betonte zwar, dass man doch alles für die kleinen Vereine getan habe, aber eigentlich haben sie doch mehr für sich getan. Die Gelder sollen neu verteilt werden, die kleineren Vereine wollen mehr vom Kuchen. Allerdings: Würden die attraktiven Vereine die Solidarität nicht mehr leben, ging es ihnen besser und den Kleinen schlechter. Der Sport würde jedoch auch leiden, die Großen hätten keine ernsthaften Gegner mehr. Jedes Ding hat halt seine zwei Seiten.

Werbeanzeigen

Der Supercup wird zum echten Supercup

Darauf haben die Fußball-Fans seit dem Start der Trainingslager gewartet – auf das direkte Duell der beiden Star-Klubs Bayern München und Borussia Dortmund. Sie müssen dabei nicht bis zum November warten, bis es das Aufeinandertreffen in der Bundesliga gibt, sondern sie bekommen vor der Punktrunde als Hauptgericht vorab eine schmackhafte Vorspeise. Der Supercup, ansonsten als minderwertiger Wettbewerb angeprangert, wird zum echten Supercup, wenn am Samstag Borussia Dortmund Meister Bayern München erstmals in der neuen Saison herausfordert (live im ZDF). Möglich machte dies das Double der Bayern, denn normalerweise stehen sich Pokalsieger und Meister gegenüber. Da die Bayern schlecht gegen sich selbst spielen können, kommt der Bundesliga-Zweite zum Zug.

Zweiter? Davon wollen sie in Dortmund nichts mehr hören. Erstaunlich selbstbewusst treten sie in diesem Sommer auf und lassen keine Gelegenheit aus, um zu verkünden, dass sie Meister werden wollen. Und die Bayern freuen sich sogar: „Endlich ein Gegner, der uns herausfordert“, heißt an der Isar. Es könnte am Ende sogar ein böses Erwachen geben. Erster Test also beim Supercup. Es wird ein ernsthaftes Duell werden.

Beide Klubs gehen unterschiedlich in die Saison. Die Dortmunder haben schnell auf dem Transfermarkt zugeschlagen und für die Neuzugänge Julian Brandt (Leverkusen), Thorgan Hazard (Gladbach), Nico Schulz (Hoffenheim) und Mats Hummels (Bayern) fast schon Bewunderung geerntet. Vor allem der Wechsel von Hummels von München zurück nach Dortmund erntete Erstaunen, stärken die Bayern doch damit den größten Gegner. Hummels könnte die Schwachstelle in der Borussen-Abwehr schließen. Die Bayern machen im Gegensatz zu Dortmund auf dem Transfermarkt eine eher schlechte Figur. Zwar holten sie zwei Weltmeister, sind aber Abwehrstratege Lucas Hernandez (von Atletico Madrid) 80 Millionen Euro wert und Benjamin Pavard vom Absteiger VfB Stuttgart wirklich Verstärkungen? Fiete Arp vom HSV gilt als großes Talent, ist aber eher ein Mann für die Zukunft.

Kein Wunder, dass Dortmund auch in der Meinung der Fans vorne liegt. In Umfragen der Fachzeitschrift kicker sehen 49,3 Prozent der Leser Dortmund als neuen Meister, nur 36,9 % setzen auf die Bayern, danach kommt lange nichts, mit 3,4 % ist RB Leipzig Dritter. Und aktuell glauben 61 Prozent das Dortmund den Supercup gewinnt. Die Dortmunder hatten zuletzt 2014 den ersten Pokal der Saison in den Händen und gewannen ihn sechsmal. Die Bayern haben (natürlich) auch in dieser Statistik die Nase vorn, siegten zuletzt dreimal in Folge und insgesamt achtmal. Aber noch nie war die Spannung vor diesem zusätzlichen Wettbewerb so groß. Die Saison beginnt wahrlich mit einem Paukenschlag!

Eintracht Frankfurt als Vorbild

Für einen Bundesligisten haben die Pflichtspiele bereits begonnen: Eintracht Frankfurt musste in der Qualifikation zur Europa League ran. Es ist ein Ritt auf der Rasierklinge zwischen effektiver Saisonvorbereitung und Erfolg in frühen wichtigen Spielen. Manche Trainer haderten mit dieser Konstellation und scheiterten. Nicht so Adi Hütter und Frankfurt. Der Österreicher machte von Anfang deutlich, wir wollen wieder für Furore sorgen und nahm die Fans auf diesem Weg mit. Das Europa-Feeling ist schon wieder da, die Fans machten sich auch auf den Weg nach Estland. Mit einem 2:1-Sieg war der Start erfolgreich, die Eintracht darf von Runde drei träumen und ist für die anderen, oft zögerlichen Bundesligisten mit dieser Einstellung ein Vorbild. Der Anfang für eine erneute erfolgreiche Saison in Europa ist gemacht, obwohl die Frankfurter ja zwei Torjäger verloren haben und mit Hängepartien auf dem Transfermarkt leben müssen. Doch geklagt wird bei den Hessen nicht!

Olympia-Feeling in Berlin

Noch ein Beispiel, dass es mit Klagen allein nicht getan ist, sondern dass gehandelt werden muss. Die Sommersportarten fühlen sich gegenüber dem Wintersport mit seinen langen TV-Übertragungen immer zurückgesetzt und im Schatten von König Fußball auf verlorenem Posten. Es geht auch anders, es gibt bei Sport und Fernsehen offensichtlich ein Umdenken und einen Versuch – und deshalb am Wochenende ein bisschen Olympia-Feeling in Berlin. Die Hauptstadt wird auch zur Sport-Hauptstadt, zehn Deutsche Meisterschaften finden an einem Wochenende statt, 3000 Athleten und Athletinnen sind dabei und kämpfen in 202 Entscheidungen um die Titel. ARD und ZDF übertragen rund 20 Stunden lang, die ARD am Samstag von 10.00 bis 19.50 Uhr, das ZDF am Sonntag von 10.15 bis 19.00 Uhr.

Mit von der Partie sind die Sportarten Bahnradfahren, Bogenschießen, Boxen, Kanu, Leichtathletik, Moderner Fünfkampf, Schwimmen, Trial, Triathlon und Turnen. Ein Versuch ist es sicherlich wert, auf Anhieb wird man allerdings die Einschaltquoten von Wintersporttagen kaum erreichen können, dort ist Biathlon auch der attraktiven Leichtathletik überlegen. Zu loben ist, dass es überhaupt Ideen gibt, um zu mehr Aufmerksamkeit zu gelangen.

Viel Aufmerksamkeit hatte zuletzt Uli Hoeneß, dem nachgesagt wird, er würde seine Ämter bei den Bayern abgeben. Lesen Sie dazu den nächsten Kommentar: „Uli Hoeneß: Umstritten, erfolgreich, ein Mensch“. Viel Aufmerksamkeit hatte in den letzten Wochen auch die Tour de France, dazu ein paar Gedanken in den nächsten Tagen hier im Blog.

Glorreichen Frankfurtern droht der Scherbenhaufen

Der Fußball kann grausam sein. Das muss in diesen Tagen Eintracht Frankfurt erkennen. Die Hessen lieferten bisher eine hervorragende Saison ab und begeisterten in der Europa League ganz Deutschland. Jetzt aber droht ein Scherbenhaufen. Am Ende stehen die glorreichen Frankfurter vielleicht mit leeren Händen da. Und mehr noch, auch die Mannschaft könnte am Ende eher einem Scherbenhaufen gleichen.

Trainer Adi Hütter und seine Schützlinge übertrafen bei weitem die Erwartungen – bisher. Seit dem 27. Spieltag lag die Eintracht in der Bundesliga auf Platz vier und träumte von der Champions League, nach dem 0:2 gegen Mainz folgte der Sturz auf Rang sechs und am Schluss könnte es Rang acht sein – und der Abschied von Europa. Die kräftezehrende Saison zeigt Wirkung. Verletzungen wichtiger Spieler (zuletzt Haller und Rode) als Folge der Hetzjagd. So hinterließ das Duell mit Chelsea London vom Donnerstag Spuren, in 120 Minuten ließen die Spieler viel Kraft, die Niederlage im Elfmeterschießen beschäftigt den Kopf. Und nun soll die Eintracht das Zünglein an der Waage ausgerechnet bei Titelverteidiger Bayern München sein. Rafft sich die Mannschaft noch einmal auf? Und was ist mit den Stars Jovic und Rebic? Beide stehen vor dem Abschied, letzterer könnte sogar bei den Bayern landen. Und der Eintracht fehlen Stürmer.

Der Fußball kann grausam sein, das erlebte Dortmunds früherer Trainer Jürgen Klopp gerade in der Premier League. 97 Punkte und nur eine Niederlage – und dennoch nur Vizemeister, wenn auch der beste aller Zeiten. Doch das ist kein Trost, wenn die Fans nach dem ersten Titel seit 1990 lechzen. Den holte Pep Guardiola mit Manchester City. Erstmals seit 2009 verteidigte ein Team seinen Titel erfolgreich, das englische Triple ist noch möglich, aber das Aus in der Champions League war die riesige Enttäuschung. Jürgen Klopp kann sich noch ein großes Trostpflaster holen: Den Gewinn der Champions League im Finale gegen Tottenham und den ersten Pokalgewinn und damit die Krönung seiner erfolgreichen Zeit in Liverpool. Die Fans lieben Klopp, den nächsten Angriff auf die Meisterschaft kündigt er für das nächste Jahr schon an: „Wir werden noch besser werden.“

Genauso spannend ist die Bundesliga. Erstmals seit 2009 fällt die Entscheidung um die Meisterschaft erst am letzten Spieltag. Die Ausgangslage ist einfach, die Bayern brauchen bei zwei Punkten Vorsprung vor Borussia Dortmund nur noch einen Zähler, entweder sie holen ihn gegen Frankfurt oder Dortmund verliert ihn bei Borussia Mönchengladbach. Die Spannung ist nicht zu überbieten, weil beide Gegner selbst Punkte benötigen, um den Traum Champions League zu erfüllen. Verschenkt wird also nichts. Die Psycho-Spielchen haben begonnen, „die Bayern können nur verlieren, wir alles gewinnen“, machte Dortmunds Boss Watzke deutlich, quasi ein Hinweis auf die Erwartungshaltung. Aber klar ist auch, das bessere Nervenkostüm darf man von den erfahrenen Bayern erwarten…

Eine besondere Konstellation ergibt sich noch für Bayern-Trainer Niko Kovac, der ausgerechnet seinen alten Verein, mit dem er vor einem Jahr als Pokalsieger den größten Erfolg errang, wieder ins Niemandsland schicken kann. Kovac kämpft aber auch um seine eigene Zukunft bei den Bayern. Die Krise vom Herbst wirkt noch nach, nicht jeder traut ihm den Aufbau der neuen Mannschaft zu, obwohl der Trainer schon in diesem Jahr einen Teil des Umbruchs erfolgreich gemeistert hat. Gnabry und Coman haben die verletzungsanfälligen Ribery und Robben vergessen lassen, die Altstars werden Abschied nehmen. Vielleicht einer von ihnen mit dem „goldenen Schuss“? Kovac muss liefern, die Meisterschaft könnte den Job retten, das Double mit dem Pokalsieg die Woche darauf würde gute Laune verbreiten. Die Generalprobe beim 0:0 in Leipzig verlief positiv, was die Leistung angeht, der Sieg zum Titel fehlte allerdings. Der Balkon am Marienplatz ist reserviert.

Dortmund muss auf einen Ausrutscher des Konkurrenten warten. Dortmund ist in der Situation wie Liverpool, wie der frühere Trainer Jürgen Klopp. Bayern ist City, Kovac will die Rolle von Pep Guardiola spielen, in der Trainer-Philosophie ist er allerdings fast das Gegenteil.

Tränen der Freude und der Trauer begleiten das Saison-Finale. Der 1. FC Nürnberg und Hannover 96 stehen als verdiente Absteiger fest, noch nie war das Niveau am Tabellenende so schlecht. Der VfB Stuttgart rettete sich in die Relegation und wartet auf seinen Gegner, er heißt SC Paderborn oder Union Berlin. Gewinnt Paderborn in Dresden, so machen die Westfalen ein doppeltes Wunder perfekt. In einem Durchmarsch von der Bundesliga bis in die 3. Liga und jetzt das Ganze wieder zurück. Verrücktheit gehört auch zum Fußball. Union muss in Bochum ran und muss auf Dresden hoffen. Der 1. FC Köln feierte im Mai Karneval, ist zurück in der Bundesliga, ein verdienter Wiederaufstieg. Der Hamburger SV hat dagegen die nächste Saison in den Sand gesetzt. Auch mit neuem Personal in der Führung gelang die Wende nicht, wohl deshalb, weil auf dem Spielfeld mehrheitlich das alte, untaugliche Personal stand. Es wird Zeit für einen kompletten Neuanfang!

Eine kleine Meldung am Rande: Die Bayern haben schon einen Titel, die zweite Mannschaft wurde Meister in der Regionalliga Bayern, hat aber damit den Aufstieg in die 3. Liga noch nicht geschafft. Da will der Verein schon lange hin, weil die 3. Liga als besserer Unterbau für die Bundesliga gesehen wird, die jungen Spieler mehr gefordert werden. Im Weg steht eine andere zweite Mannschaft, die des VfL Wolfsburg. Fest steht damit, dass es in der 3. Liga wieder eine zweite Mannschaft eines Bundesligisten geben wird. Die Konkurrenz ist darüber gar nicht so glücklich, weil diese Teams bei ihren Gastspielen kaum Fans mitbringen.

In der 3. Liga stehen der VfL Osnabrück und Karlsruher SC als Rückkehrer in die 2. Bundesliga fest, dort werden sie die Plätze der Absteiger MSV Duisburg und 1. FC Magdeburg einnehmen.

Ajax ist ein Vorbild für ganz Europa

Schön, dass es so etwas im Profi-Fußball, wo Geld die Hauptrolle spielt, noch gibt. Nicht die Euros führten zum Erfolg, sondern die Nachwuchsarbeit. Insofern ist Ajax Amsterdam nach seinem Einzug ins Halbfinale der Champions League ein Vorbild für alle Vereine in Europa, die keinen reichen Sponsor in der Hinterhand haben. Geld lässt die Hoffnung auf Titel größer werden, aber eine Garantie gibt es nicht. Das musste das unterlegene Juventus Turin erfahren, das Millionen in Cristiano Ronaldo investiert hat und jetzt doch mit leeren Händen da steht. Zudem noch erkennen musste, dass die Zeit der alten Herren abgelaufen ist.

Als Bayern München in der Gruppenphase gegen Ajax nicht über zwei Unentschieden hinauskam, da wurde der Deutsche Meister kritisiert. Heute muss man diese Remis fast schon als Erfolg werten, allerdings hat sich die fehlende Klasse der Bayern dann doch im Achtelfinale gegen den FC Liverpool gezeigt. Amsterdam wurde im Laufe der Saison zudem immer besser, die „Enkel“ von Ajax-Star Johan Cruyff spielen einen leichten, beschwingten Fußball, der ganz Europa begeistert. Erinnerungen an die alten Zeiten werden wach, denn dass es Ajax ins Halbfinale schaffte, ist schon 22 Jahre her. Einen Titel haben sie schon mit dem Einzug ins Halbfinale, sie sind die Größten der Kleinen, denn seit es die Champions League gibt (92/93), gelang es allein Ajax als einzigem Klub außerhalb der großen Ligen in Spanien, England, Italien, Deutschland und Frankreich viermal ins Halbfinale einzuziehen.

Jetzt wartet mit Tottenham Hotspur der andere „Underdog“ im Halbfinale, denn auch Tottenham ging als Außenseiter ins Duell mit Manchester City und riss City-Coach Pep Guardiola und seine Mannen aus allen Träumen. Auf den Trainer lastet quasi ein Champions-Fluch, zuletzt siegte er 2011 mit dem FC Barcelona. Mit den Bayern und jetzt City läuft er dem Titel erfolglos hinterher. City scheiterte mit viel Pech, Tottenham erfuhr Gerechtigkeit durch den Videobeweis. Aber die Hotspur sind das Gegenstück zu Ajax: Sie arbeiten Fußball mit viel Leidenschaft und haben eine teurere Mannschaft.

In den Niederlanden muss man die Gunst der Stunde genießen, denn sei die Gegenwart noch so glorreich, die Zukunft sieht wieder trübe aus. Das ist das harte Los der guten Nachwuchsarbeit, dass die Talente, die den Erfolg bringen, dann das Nest verlassen und an die Fleischtöpfe der großen Vereine abwandern. Der Wechsel von Frenkie de Jong zum FC Barcelona ist bereits perfekt, Kapitän Mathijs de Ligt soll ihm angeblich folgen, Hakim Ziyech ist bei den Bayern im Gespräch, aber ebenso wie Donny van de Beek bei gut situierten Vereinen in ganz Europa. Da steht vor Trainer Erik ten Hag wieder eine große Aufbauarbeit in den nächsten Jahren.

Oder wird der Coach auch bald an den Fleischtöpfen naschen? Er wurde wohl bei den Bayern als Trainer der U23 unterschätzt, sagt aber selbst, dass er bei Pep Guardiola viel gelernt hat (wenigstens ein kleiner Erfolg für Pep!). Vielleicht wäre er für die Bayern sogar der richtige Trainer, denn die Bayern haben ja beim Umbau der Mannschaft das Ziel, ein bisschen wie das Ajax von heute zu sein: Eine Mannschaft mit jungen, talentierten Spielern, geführt von ein paar Routiniers, die einen attraktiven, erfolgreichen Fußball auf den Rasen zaubern sollen. Die Talente holen die Münchner allerdings bei anderen Vereinen, die eigenen Nachwuchsspieler haben es schwer, den Sprung zu den Profis zu schaffen. Bayern ist halt nur ein bisschen Ajax. Ähnliches kann man von Borussia Dortmund sagen, die sogar schon ein Stück weiter als die Bayern sind. Beide Klubs haben es zudem finanziell im Kreuz, Spieler gegen alle Angebote an der Leine zu halten.

Ein Kleiner unter den Großen wird also ins Finale der Champions League am 1. Juni in Madrid einziehen. Im anderen Halbfinale duellieren sich zwei Favoriten: Messis FC Barcelona und Jürgen Klopps FC Liverpool. Wobei der deutsche Trainer mit einem Handicap leben muss: Die Fans der Reds wünschen sich noch sehnsüchtiger die nationale Meisterschaft als den internationalen Titel.

Frankfurt rettet die Bundesliga

Schön, dass es das in der Bundesliga noch gibt: Nicht der FC Bayern München ist der letzte Vertreter im internationalen Geschäft, sondern ein eher Kleiner der Liga. Eintracht Frankfurt schwang sich zum Retter der Bundesliga im internationalen Renommee auf und beeindruckte mit einem 2:0-Sieg über Benfica Lissabon und den Einzug ins Halbfinale der Europa League. Dies erstmals seit 39 Jahren! Dabei hatte die Eintracht Glück, dass es in der EL noch keinen Videobeweis gibt und das Abseits beim ersten Treffer nicht erkannt wurde (da wäre City froh gewesen, wenn der Videobeweis in der CL noch nicht eingeführt worden wäre). Jetzt wartet aber mit Chelsea London ein dicker Brocken. Im zweiten Halbfinale stehen sich der FC Valencia und Arsenal London gegenüber. Alle vier Mannschaften haben übrigens eines gemeinsam: Sie kämpfen in ihren nationalen Ligen um den Einzug in die Champions League. Frankfurt und Chelsea sind aktuell beide Vierter, hätten es also geschafft, Arsenal und Valencia sind dagegen beide Sechster, haben aber noch Chancen auf den Sprung nach oben. Der kürzeste Weg für alle vier Vereine in die Champions League ist der Sieg in der Europa League. Leicht wird das aber auch nicht.