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Kategorie: Joachim Löw

Ist Jogi Löw ein guter Bundestrainer?

 

Ein Bekannter überraschte mich kürzlich mit der Frage: „Wie denkst Du denn über den Löw?“ Der Sport-Grantler war perplex. „Wie meinst Du das?“, fragte er zurück. „Na ja, ist der Löw ein guter Bundestrainer oder nicht?“ Ja, darf man denn an der Qualität eines Weltmeister-Trainers überhaupt zweifeln?

Der DFB-Präsident tut es offensichtlich nicht. Von Beginn seiner Amtszeit an zielte Reinhard Grindel auf eine Verlängerung des Vertrages mit Joachim Löw, der Stand jetzt nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 endet. Löw hat für dieses Turnier ein klares Ziel ausgegeben: Erfolgreiche Titelverteidigung, Deutschland soll wie 2014 Weltmeister werden. Eigentlich eine gute Eigenschaft, nicht den Duckmäuser zu spielen, sondern klare Kante zu zeigen. Doch der Erfolg ist damit nicht garantiert, schließlich wollte Deutschland 2016 auch Europameister werden. Der Titel ging an Portugal, Deutschland schied im Halbfinale unglücklich gegen Gastgeber Frankreich aus.

Jogi Löw feiert in diesem Jahr sein 10-Jähriges Jubiläum, im August 2006 war er erstmals als Bundestrainer für die DFB-Auswahl verantwortlich, als Nachfolger von Jürgen Klinsmann. Der Deutsche Fußball-Verband darf mit der Bilanz zufrieden sein, obwohl sich die Erfolge schon früher hätten einstellen können. Löw hat seine Mannen immer ins Halbfinale geführt, war bereits 2008 bei der EM im Finale, bei der WM 2010 Dritter und bei der WM 2014 schließlich Weltmeister. Das kaschierte, dass er bei den Turnieren zuvor den einen oder anderen taktischen Fehler begangen hat und deshalb für das vorzeitige Ausscheiden mit verantwortlich war. Inzwischen hat Löw die DFB-Auswahl sogar in mehr Länderspielen betreut als der beliebte Helmut Schön (1964 – 1978). Mit dem Match gegen Tschechien ist Löw mit 140 Spielen an Schön (139) vorbeigezogen, nur der legendäre Sepp Herberger (1936 – 1964) liegt noch vor ihm mit 167 Spielen. Damals gab es aber auch viel weniger Länderspiele. Helmut Schön schaffte das, was Löw fehlt, er wurde Weltmeister (1974) und Europameister (1972).

Joachim Löw ist in der Öffentlichkeit durchaus anerkannt, aber nicht unbedingt so beliebt, wie es Sepp Herberger und Helmut Schön waren. Löw ist bekannt, aber nicht sonderlich populär, sein Auftreten manchmal etwas seltsam, negative Schlagzeilen erntete er als Nasenpopler auf der Bundesligatribüne oder mit Hosen-Gate, dem Griff in die eigene Hose an der Seitenlinie. Löw hatte und hat den Vorteil, dass er eine Generation von überaus talentierten Spielern anführen kann, mit dem besten Torwart der Welt als Rückhalt. Der Bundestrainer hat durchaus das Können, aus guten Spielern auch eine gute Gemeinschaft zu machen, Spielfreude ist sein Programm. Auffällig, dass er sein Team immer gut in Form bringen kann, wenn er vor einem Turnier genügend Vorbereitungszeit erhält.

Ja, Jogi Löw ist zweifellos ein guter Bundestrainer. Er hat wohl seine Berufung gefunden, denn als Vereinstrainer hielten sich seine Erfolge in Grenzen (Pokalsieger mit dem VfB Stuttgart, Meister in Österreich mit Tirol Innsbruck, Supercupsieger in der Türkei mit Fenerbahce Instanbul). Aber Löw ist kein sehr guter oder überragender Bundestrainer, als dass es nicht eine Steigerung geben könnte. Deshalb ist es verwunderlich, dass DFB-Präsident Reinhard Grindel so auf eine Vertragsverlängerung über 2018 hinaus drängt. Die WM-Qualifikation sollte kein Problem darstellen, aber der Titel in Russland ist keineswegs garantiert. Und was, wenn Deutschland frühzeitig scheitern sollte? Dann wäre eine Trennung die logische, aber auch teure Folge für den Verband. Also ruhig Blut, Herr Präsident. Der Löw rennt Ihnen nicht davon! Vertragsverlängerung höchstens dann, wenn es eine entsprechende günstige Ausstiegsklausel für den DFB gibt.

Übrigens: In einer Umfrage fragt die Fachzeitung kicker Ihre Leser, ob der DFB mit Löw den Vertrag verlängern soll. 54 Prozent stimmten bisher mit Nein.

EM-Qualifikation: Probleme für den Weltmeister und andere Favoriten

Wie heißt es so schein im Fußball: Es gibt keine Kleinen mehr. Na gut, die ganz Kleinen können die ganz Großen mal ärgern, aber auf Dauer doch nicht wirklich Paroli bieten. Die nicht ganz so Kleinen, die aber begehren in der Qualifikation zur Fußball-Europameisterschaft auf. Sie sorgen bisher dafür, dass selbst der Weltmeister und andere Favoriten so ihre Schwierigkeiten bekommen.

Erstmals in der neuen Saison steht wieder eine „Woche des Fußballs“ an. So nennen die Erfinder ihren Spielplan, der auseinandergezogen wurde, aber eigentlich auch für einen Spannungsverlust sorgt. Von Donnerstag, 3. September, bis Dienstag, 8. September, ziehen sich jetzt zahlreiche Qualifikationsspiele hin. Kompakte Spieltage mit allen Gruppen waren dem Sport-Grantler lieber. Spannend wird es dennoch, denn jetzt gelten keine Ausreden mehr, gibt es kein Pardon, jetzt tritt der Ernstfall ein im Kampf um die EM-Plätze. Als die Entscheidung fiel, dass erstmals 24 Nationen am Endturnier teilnehmen dürfen (bisher 16), da galt dies als Spannungstöter, weil die sogenannten Großen in der Qualifikation vor einem Spaziergang stehen würden. Doch dem ist nicht. Bisher haben allein England und die Slowakei (!) mit jeweils sechs Siegen die volle Punktzahl erreicht.

So sieht es in den Gruppen aus und manche Favoriten sind zum Siegen verdammt.

Gruppe A: Island (15 Punkte) führt vor Tschechien (13) und den Niederlanden (10). Bei den Holländern gab „Bondscoach“ Guus Hiddink auf, er brachte den „Oranje“ kein Glück. Gegen Island muss jetzt gewonnen werden und auch am Sonntag in der Türkei. Auch Tschechien erwarten die Niederländer noch zu Hause.

Gruppe B: Wales (14) führt vor dem Favoriten Belgien (11) und Zypern sowie Israel (je 9). Auch Bosnien-Herzegowina (8) hat noch Chancen. Wales ist die Überraschung, hier kann noch alles passieren.

Gruppe C: Die Slowakei (18) marschiert und profitiert vom 2:1-Überraschungssieg über Spanien (15). Das Rückspiel steht gleich für Samstag auf dem Plan, der Titelverteidiger muss aufpassen, dass er nichts Straucheln gerät.

Gruppe D: Natürlich war der Weltmeister der große Favorit, aber nach dem Titelgewinn in Brasilien fand Deutschland nicht in die Spur. Jetzt stehen die entscheidenden Spiele gleich zum Start der heißen Phase an. Am Freitag erwartet Deutschland (13) Tabellenführer Polen (14) und muss am Montag zum Dritten, Schottland (11). Bundestrainer Joachim Löw verspricht zwei Siege, die Spieler sind zuversichtlich („Wir werden uns durchsetzen“), doch die Realität sieht bisher anders aus. Löw muss seine Schützlinge sofort in Form bringen, bangt aber noch um Spielmacher Mesut Özil. Der Weltmeister nicht bei der Europameisterschaft dabei, das kann sich keiner vorstellen. Die Spieler sollten den Fokus nicht auf das Endturnier richten („Wir wollen Europameister werden“), sondern erst einmal die Qualifikation bestehen. Vorteil: Wenn es darauf ankam, war Deutschland immer stark.

Gruppe E: England (18) im Aufwind und klarer Tabellenführer, die Schweiz (12) ist erster Verfolger und muss sich Slowenien (9) vom Leib halten. Eine Vorentscheidung kann dabei im direkten Duell am Samstag fallen.

Gruppe F: Eine Gruppe ohne Favoriten, Rumänien (14) führt vor Nordirland (13) und Ungarn (11). Für die Ungarn, deren bisheriger Trainer Pal Dardai nun ganz Hertha BSC Berlin dient, steht das entscheidende Wochenende an: Rumänien und Nordirland sind die Gegner. Zwei Niederlagen würden das Aus bedeuten.

Gruppe G: Österreich (16) ist das Überraschungsteam und führt die Tabellen vor Schweden (12) an. Mehr hatte man von Russland (8) erwartet, wo Trainer Fabio Capello gehen musste. Ob da noch einmal die Wende gelingt?

Gruppe H: Kroatien (14) liegt vor dem Favoriten Italien (12) und Norwegen (10). Also auch hier ein Dreikampf um zwei Plätze. Das entscheidende Spiel könnte am letzten Spieltag sein, wenn Italien am 13. Oktober Norwegen erwartet.

Gruppe I: Portugal (12) führt in der Fünfer-Gruppe, aber Albanien hat Dänemark (beide 10) geschockt. Am Samstag steht das direkte Duell an (Hinspiel in Albanien 1:1).

Für die Europameisterschaft qualifizieren sich jeweils die Gruppensieger und Gruppenzweiten sowie der beste Gruppendritte. Die anderen Dritten ermitteln in Play-Offs mit Hin- und Rückspiel im November die vier weiteren EM-Teilnehmer, nur Gastgeber Frankreich ist direkt qualifiziert. Am 12. Dezember werden in Paris die sechs Vorrundengruppen der EM ausgelost, am 10. Juni 2016 bestreitet Frankreich im „Stade de France“ in Saint-Denis das Eröffnungsspiel. Dort findet am 10. Juli auch das Finale statt. Gespielt wird außerdem in Lens, Saint-Etienne, Toulouse und Marseille sowie in Bordeaux, Decines-Charpieu (bei Lyon), Nizza und Villeneuve-d’Ascq (bei Lille), wo jeweils neue Stadien gebaut wurden.

So gibt es bei den Sportfans in aller Welt sicherlich eine gewisse Vorfreude auf 2016 mit den Höhepunkten Fußball-Europameisterschaft und Olympische Sommerspiele in Rio de Janeiro im August.