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Jetzt übernimmt der Fußball wieder das Kommando

Die Olympischen Sommerspiele von Paris sind Vergangenheit, zwar richten die Olympioniken ihre Augen schon auf Los Angeles 2028, aber davor kommen noch die Winterspiele 2026 in Mailand/Cortina d’Ampezzo und zunächst übernimmt der Fußball wieder das Kommando. Selbst FIFA-Präsident Gianni Infantino muss allerdings erkannt haben, vor allem als er im Regen der Eröffnungsfeier saß und sichtlich verärgert war, dass der Fußball so eine Show, wie sie in Paris über die Bühne ging, nie bieten kann. Nehmen wir nur die WM in Katar 2022 als Gegensatz. Paris erlebte grandiose Spiele, aber davon später mehr.

Der Fußball verschwand logischerweise nie aus den Schlagzeilen, dazu hat er zu viele Fans und sind die Spielerwechsel vor der neuen Saison zu interessant. Jetzt geht es endgültig mit der neuen Saison wieder richtig los. Die Top-Ligen in Spanien, Italien und England starten ihre Punktrunden, am 23. August zieht die Bundesliga mit der Partie Gladbach gegen Meister Leverkusen nach. Davor aber gibt es traditionell das Wochenende der Amateure oder unterklassigen Mannschaften, die nämlich den ersten Spieltag im DFB-Pokal als ihren Höhepunkt des Jahres, manchmal sogar des Vereinslebens, ansehen: Die Großen kommen zu den Kleinen.

In der ersten Runde sind mit Hildesheim, Koblenz, Aalen und Schott Mainz sogar vier Oberligisten dabei, also fünfte Liga. Dabei wird nur der TuS Koblenz richtig glücklich sein, denn bei ihm gastiert am Montag, 19.8., mit dem VfL Wolfsburg ein Bundesligist. Die anderen haben Zweitligisten als Gegner, am meisten dürfte sich Aalen über Schalke 04 freuen, Hildesheim erwartet Elversberg, Mainz die Greuther Fürth. Aus der Regionalliga haben es zehn Vereine in die erste Runde geschafft, dabei haben Phönix Lübeck gegen Borussia Dortmund und Carl-Zeiss Jena gegen Titelverteidiger Leverkusen das große Los gezogen, drei weitere haben Bundesligisten als Gegner. Leverkusen tritt übrigens in Jena erst am Mittwoch, 28. August (18 Uhr), an, weil auch in diesem Jahr parallel zur ersten Pokalrunde der Supercup ausgetragen wird. Dabei stehen sich am Samstag (20.45 Uhr) Leverkusen und der VfB Stuttgart gegenüber. Die Stuttgarter deshalb, da Bayer das Double gewonnen hat und so darf der Vizemeister ran. Der VfB spielt im Pokal am Dienstag, 27. August (20.45 Uhr) bei Preußen Münster. Die DFL sollte aber bei aller Terminnot davon abgehen, dass der Supercup am Pokal-Wochenende ausgespielt wird, er stiehlt den kleinen Vereinen die Show. Interessant ist das Duell der beiden Überraschungsteams der letzten Saison selbstredend. Macht Leverkusen mit seiner ungeschlagenen Serie einfach weiter (Xabi Alonso wurde auch zum Trainer des Jahres gewählt)? Wie verkraftet der VfB die Abgänge von Anton, Ito, und Guirassy? Immerhin bleibt aber Undav.

Die größte Show im DFB-Pokal ist natürlich, wenn ein David einen Goliath zu Fall bringt. Das gilt auch für Zweitligisten, wenn sie einem Bundesligisten ein Bein stellen. Im Vorjahr waren die Zweitligisten lange Zeit erfolgreicher als die Erstligisten (drei im Halbfinale), wenn dann auch Leverkusen den Titel gegen den 1. FC Kaiserslautern holte. Jedes Jahr die gleiche Frage: Welcher Bundesligist scheitert, schließlich kommen die Erstligisten aus ihrer Vorbereitung, in den anderen Ligen ging es bereits um Punkte. Die Runde startet am Freitag mit einem Knaller, wenn Bayern München bei Zweitliga-Neuling Ulm 1846 gastiert. Ein Fehlstart in der 2. Bundesliga wird den Ulmern zwar nicht Mut machen, aber die Bayern müssen erstmals ihre Karten aufdecken. Wechsel im Kader, die noch nicht abgeschlossen sind, ein neuer Trainer mit Vincent Kompany und ein neuer Stil machen die Bayern zum unbekannten Wesen. Eine Referenz sind immerhin zwei Siege über die Tottenham Hotspur. Jetzt gilt es wirklich. Torjäger Harry Kane wird sein Startdebüt geben, der neue Star Michael Olise, der Glanzlichter in Frankreichs Olympiateam setzte und Silber gewann, ist wohl noch nicht so weit. De Ligt und Mazraoui kehrten dem Verein den Rücken, spielen künftig für Manchester United. Coman und Goretzka können noch gehen, Wunsch-Neuzugang Doué (Rennes) hat sich dagegen für Paris St. Germain entschieden. Bis zum Start der Bundesliga bleibt es also spannend, die Wechselfrist endet Ende August.

Paris setzte ein Zeichen

Wer hätte das gedacht, die französische Hauptstadt Paris organisierte noch nie dagewesene Olympische Sommerspiele. Die Stadt wurde zur Feierzone, die Pariser nahmen die Spiele an und sorgten für eine begeisternde Atmosphäre in einer ebenso historischen wie schmucken Umgebung. Der Sport kam quasi von den Stadien in die Stadt. Welche Unkenrufe hatte es doch vorher gegeben, die Pariser würden den Spielen die kalte Schulter zeigen, Verkehrschaos die Stadt zum Erliegen bringen, der Dreck überall wäre abstoßend für die Gäste, die nur in geringer Zahl zu den zu teuren Spielen kommen würden. Nichts davon traf ein, zum Glück war auch die Angst vor Anschlägen unbegründet, was vor allem an den umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen lag. Nur die schmutzige Seine als Austragungsort hätte man sich schenken können. Dennoch schuf Paris angefangen von der spektakulären Eröffnungsfeier bis zur pompösen, manchmal allerdings langweiligen Schlussfeier ein Fest, das nicht nur für die Zukunft, sondern bereits für die Gegenwart über den Sport hinaus ein Zeichen setzte: Es geht nur Miteinander, nicht Gegeneinander! Wird sich die Welt (vor allem die Politik) am Sport ein Beispiel nehmen?

Der Olympische Geist war allgegenwärtig und dass eine Goldmedaille in der Karriere eines Sportlers eine Sonderstellung hat, zeigt das Beispiel von Golfsieger Scott Scheffler. 30 Millionen US-Dollar hat die Nummer 1 der Welt in diesem Jahr schon verdient, gerade mal 38000 Dollar zahlt der Verband für einen Olympiasieg, doch Geld zählt nicht. Als Scheffler auf dem Podium stand und die Goldmedaille umgehängt bekam, da übermannten ihn die Tränen, da wusste er in diesem Moment, was es mit dem olympischen Geist auf sich hat. Olympia ist immer noch etwas Besonderes. Darüber freute sich auch IOC-Präsident Thomas Bach, der wohl unter anderem deshalb keine Gedanken mehr an eine Verlängerung seiner Amtszeit hegt, also turnusmäßig im nächsten Jahr aufhören wird, weil es für ihn einen besseren Abgang nicht geben kann.

Der Olympische Geist zählt keine Medaillen, die Verbände und die Öffentlichkeit schon, jeder will wissen, wer ist die erfolgreichste Sportnation, sportliche Erfolge stärken das Selbstbewusstsein eines ganzen Landes. Dies wird vor allem in China so gesehen, da werden die Asiaten aufgeheult haben, als sie die USA mit dem Gewinn der letzten Goldmedaille im Basketball der Frauen noch im Medaillenspiegel überholte. Beide Nationen stehen bei 40 Goldmedaillen, die USA ist mit 44 Silbermedaillen (China 27) Zweiter und holte 42mal Bronze (China 13). Auf Rang drei Japan (20/12/13), vor Australien (18/19/1&) und Frankreich (16/26/22), das als Gastgeberland besondere Anstrengungen unternommen hatte.

Besondere Anstrengungen soll es künftig auch in Deutschland geben, um wieder das Wunschziel zu erreichen, unter die fünf besten Nationen zu kommen. Diesmal war es „nur“ Platz zehn, wieder ein Rang schlechter als in Tokio 2021. Die deutsche Mannschaft hat den Fans in der Heimat dennoch Spaß gemacht, zwölf Goldmedaillen (Tokio 10) gaben zum Feiern Anlass, die Gesamtzahl von 33 macht sich immer noch gut (Tokio 37). Leider schwächeln einige Sportarten, die früher zu den Medaillensammlern gehörten, wie Fechten, Ringen, Boxer oder der Radsport. Eine Stärke waren die Mannschaften, die für Medaillen und vor allem mitreißende Momente sorgten. Die 3×3 Basketballerinnen sorgten mit Gold für einen historischen Sieg der neuen Sportart und überhaupt für die erste Basketball-Medaille. Die Silber-Handballer enttäuschten im Finale, waren aber die Könige der Tore der letzten Sekunden, ihnen gehört mit dem 21jährigen Renars Ucins (zusammen mit Juri Knorr im All-Star-Team) die Zukunft. Die Fußball-Frauen holten Bronze für sich und vor allem für ihren beliebten Trainer Horst Hrubesch zum Abschluss seiner Karriere. Er setzte u. a. auf Torhüterin Berger, die zur Elfmeter-Heldin wurde.

Den Verantwortlichen stößt auf, dass kleinere Nationen wie Italien und vor allem die Niederlande vor Deutschland platziert sind. Olaf Tabor, Chef de Mission, hat die Niederlande zum Vorbild erklärt: „Wir schreiben Excel-Tabellen, die anderen fördern, da werden Talente entdeckt und gefördert bis zur Weltspitze.“ Da ist auch der Bund gefordert, die Aufstockung der Fördermittel um 49 Millionen Euro auf 331 Millionen wird nicht reichen.

Um den Olympischen Geist am Leben zu halten und in Deutschland hoffähig zu machen, sollen die Sommerspiele 2040 nach Deutschland geholt werden (2028 in Los Angeles, 2032 in Bisbane/Australien). Das soll der olympischen Idee hierzulande Auftrieb geben. Auch dafür könnte Paris ein Zeichen gewesen sein: Seht was möglich ist, seht die Begeisterung, seht die Reputation für ein ganzes Land. Berlin oder München sollen ein zweites Paris werden – oder besser, ein eigenes Zeichen setzen. Man muss die Spiele nur wollen – und bekommen!

Die goldigen Tage von Paris

Das passte doch wie die Faust aufs Auge, gerade machte sich der Sport-Grantler Gedanken über seinen Blog, da ploppte eine goldige Nachricht auf: Sensationssieg der deutschen Triathlon-Staffel! Natürlich ist in Frankreich nicht alles Gold was glänzt, aber die Sportlerinnen und Sportler schenken uns doch goldige Tage in Paris und diese überdecken die Enttäuschungen. Zehnkämpfer Leo Neugebauer hat zwar von Gold geträumt, dann Silber gewonnen und nach der ersten Enttäuschung kann sich der gebürtige Görlitzer auch über den zweiten Platz freuen. Warum auch nicht, so soll es sein. Die Athleten selbst klagen, „es zählt immer nur der erste Platz, die Leistung als solche wird nicht anerkannt.“ Seinen Traum erfüllt hat sich Ruderer Oliver Zeidler und gleichzeitig sein Trauma damit überwunden. Denn bei Olympia wollte es für den Weltmeister bisher nicht klappen. Endlich hat er Gold, so wie sein Opa und sein Vater. Welch goldige Familie.

Goldig sind vor allem die Reiter, der starke Michael Jung gewann den Vielseitigkeitswettbewerb und damit sein viertes Gold. Als Goldgrube gilt das Dressurreiten, die Siegesserie der deutschen Mannschaft riss zum Glück nicht ab. Jessica von Bredow-Werndl mit Dalera und Isabell Werth mit Wendy wurden zu den Königinnen von Versailles, Frederic Wandres half in der Mannschaft. Dazu gibt es besondere Anmerkungen: Bredow-Werndl wiederholte ihren Doppelsieg von vor drei Jahren in Tokio, Isabell Werth wurde mit Gold und Silber zum erfolgreichsten Olympia-Teilnehmer Deutschlands aller Zeiten. Mit achtmal Gold und sechsmal Silber überholte sie die Kanutin Birgit Fischer, die bisher mit achtmal Gold und viermal Silber den Rekord hielt. Die beiden Damen wollen sich bald auf einen Trink treffen. Bemerkenswert: Immer, wenn Isabell Werth antrat, gewann sie eine Medaille! Die 55-jährige dachte schon über einen Abschied nach, doch mit dem jungen Wendy hat sie ein Pferd für die Zukunft und hat nun Olympia 2028 in Los Angeles im Visier. Anders sieht es bei Bredow-Werndl aus, da geht Dalera in den Ruhestand und so sucht die Bayerin einen neuen Kameraden für Siege.

Die Triathleten holten die sechste Goldmedaille, zehn waren es in Tokio, es sollten also noch einige dazukommen, die Leichtathleten haben ja gerade erst mit ihren Wettbewerben begonnen, gelten aber nicht als Goldgrube, anders der Hallenradsport, da gibt es große Hoffnungen. Erfolgreich sind bisher auch die Mannschaften, Hockey-Männer, Handballer und Basketballer wurden jeweils Gruppensieger und gehen also mit einem guten Gefühl in die Viertelfinals. Besonders spannend machten es die Fußball-Frauen gegen Titelverteidiger Kanada, da wurde im Viertelfinale Torhüterin Ann-Katrin Berger zur Heldin: Sie hielt nach dem 0:0 nach Verlängerung im Elfmeterschießen gleich zwei Elfmeter und verwandelte den entscheidenden für Deutschland selbst. Wer zwei Krebserkrankungen überstanden hat, den macht offensichtlich nichts mehr nervös. Nun wartet allerdings am Dienstag der große Favorit USA, der im Gruppen-Duell mit 4:1 siegte. Komischer Spielplan, dass sich in beiden Halbfinals jeweils Gruppengegner gegenüberstehen, das zweite heißt Spanien – Brasilien. Deutschland braucht also noch einen Sieg zur ersehnten Medaille, denn auch Platz drei (Bronze) wird ausgespielt.

Besonders goldig sind die Zeiten in Paris, wenn Träume in Erfüllung gehen. Für besondere Emotionen ist der serbische Tennisstar Novak Djokovic nicht bekannt, als er aber seinen jungen spanischen Rivalen Carlos Alvaraz, gegen den er in Wimbledon noch unterlegen war, in einem spannenden Match mit 7:6, 7:6 besiegt hatte, da brachen bei ihm alle Dämme. Tränenüberströmt feierte er mit seiner Familie, sein Traum, neben allen Grand Slams auch noch Olympia zu gewinnen, war in Erfüllung gegangen. Andere Tränen gab es, weil Paris gleichzeitig das Ende der Karriere bedeutete. Dies ist für die Beachvolleyballerin Laura Ludwig ebenso der Fall wie für die einstige Nummer 1 der Welt im Tennis, Angelique Kerber. Beide wollen sich künftig vor allem ihren Aufgaben als Mütter widmen, der deutsche Sport verliert damit großen Sportlerinnen.

Keineswegs goldig schaut es in der Organisation und beim IOC aus. Da werden Probleme kleingeredet und mit dem Gag vom Schwimmen in der Seine haben die Organisatoren ein Eigentor geschossen, mal geht es nicht, mal geht es, komischerweise genau zu den Wettbewerben. Ist die Seine sauber. Wirklich? Büßen müssen die Athleten, es gab schon Infektionen. Blamiert hat sich das IOC, weil es keine vernünftige Regelung im Frauen-Boxen gefunden hat. Wer zu hohe Testeronwerte hat, sollte nicht antreten dürfen, gerade in einer Kampfsportart ergeben sich dadurch Vorteile, das männliche Hormon macht stark. Imane Khelif als Algerien und Lin Yu-Ting stehen jetzt am Pranger, werden schief angeschaut und über ihre möglichen Medaillen (Khelif hat eine sicher) nicht so recht froh. Probleme, gleich welcher Art, sind nie goldig…

Die Bundesliga reist, die zweite Liga spielt

Der erste Spieltag einer neuen Saison soll immer erste Erkenntnisse bringen, so war es auch beim Start der 2. Bundesliga. Aufatmen vor allem in Hamburg, denn der HSV gewann das Schlagerspiel in Köln mit 2:1, ein Zeichen? Der FC ist dagegen schon in Zugzwang. Von den Favoriten hat sich Schalke mit einem 5:1 gegen Braunschweig an die Spitze geballert, auch Düsseldorf konnte mit einem 2:0 in Darmstadt Ansprüche anmelden. Beide Bundesliga-Absteiger mussten eine Klasse tiefer Lehrgeld bezahlen. Das gilt auch für beide Aufsteiger, Ulm (1:2 gegen Kaiserslautern) und Regensburg (0:2 in Hannover) begannen mit Niederlagen. Nicht gefallen hat der Start auch Hertha BSC Berlin, das 1:2 gegen Paderborn verschafft dem neuen Trainer Christian Fiel gleich einen Rucksack. Am Samstag geht es zum HSV! „Mann des Tages“ war der Georgier Budu Zivzivadze, der für den Karlsruher SC drei Tore erzielte und damit den 1. FC Nürnberg abschoss, der schon 2:0 geführt hatte. Da merkte Weltmeister Miro Klose als FCN-Trainer gleich, dass die Luft in der zweiten Liga rau ist.

Die zweite Liga kämpft um Punkte, die Bundesliga ließ sich noch den Duft der weiten Welt um die Nase wehen. Stuttgart, München, Leipzig, Dortmund, Frankfurt und Augsburg waren nicht nur für ihren Klub, sondern auch für die Bundesliga unterwegs. Besondere Erlebnisse einschließlich Safari gab es für die FCA-Spieler in Südafrika, besonders erfolgreich waren die Bayern in Südkorea unterwegs. Der Kurztrip nach Asien wurde vom Verein als erfolgreichste Reise aller Zeiten bezeichnet. Dazu passte auch ein 2:1-Erfolg über Tottenham Hotspur im einzigen Spiel. Auch ohne einige Stars zeigte die Mannschaft schon erfolgreiche Ansätze des Konzepts vom neuen Trainer Vincent Kompany. Besonders glücklich war der Koreaner Kim in seiner Heimat, von den Fans am meisten gefeiert wurde allerdings der alte Haudegen Thomas Müller. (Mehr über die Bayern im nächsten Blog „Ohne Titel herrscht bei den Bayern Chaos“)

Die Bayern mussten aber auch eine Niederlage hinnehmen, Xavi will weiter bei RP Leipzig spielen und hat den Münchner endgültig eine Absage erteilt, er wird von Paris ohne Kaufoption weiter ausgeliehen. Unruhe herrscht vor allem in Dortmund, bei der Borussia hat sich Torjäger Niclas Füllkrug verabschiedet, er sah sich durch die Kauf von Stuttgarts Torjäger Guirassy brüskiert und heuerte in England bei West Ham United an. Damit keine Lücke entsteht, soll dafür Maxi Beier aus Hoffenheim kommen. Schnell ging der Wechsel von Yan Couto über die Bühne, der Brasilianer wird von Manchester City für ein Jahr ausgeliehen mit Kaufpflicht und Anschlussvertrag über vier Jahre. Der Rechtsverteidiger spielte zuletzt beim FC Girona in Spanien. Ärger gibt es um den Techn. Direktor und Kaderplaner Sven Mislintat, er soll Kompetenzen überschritten haben.

Manchmal muss man weder spielen noch reisen, um erfolgreich zu sein. Die Wahl zum Spieler und Trainer des Jahres von den deutschen Sportjournalisten ist ein Sache nebenbei, aber bedeutend. Der Sieg bei der Wahl bedeutet für Toni Kroos praktisch Gold und einen glänzenden Abschluss seiner Karriere. Der Real-Star gewann recht knapp mit 285 Stimmen vor Florian Wirtz (245), deutlich dahinter der Leverkusener Kollege Granit Xhaka (66) und dann erst mit Jamal Musiala (28) und Harry Kane (24) zwei Bayern. Für Kroos war es der zweite Erfolg nach 2018. Titelverteidiger Ilkay Gündogan landete diesmal nicht im Vorderfeld. Auffällig aber, dass zuletzt zwei deutsche Spieler gewählt wurden, die im Ausland ihr Geld verdienen. Vorher siegten mit Nkunku (Frankreich) und Lewandowski (Polen) zwei Bundesliga-Ausländer.

Bei der Wahl zum Trainer des Jahres gab es wohl keine Zweifel, an Meister-Coach von Bayer Leverkusen, Xabi Alonso, kam niemand vorbei. Der Spanier siegte mit 503 Stimmen klar vor Sebastian Hoeneß (74), der den VfB Stuttgart zur Vizemeisterschaft führte und Frank Schmidt (55), Trainer vom Überraschungsteam 1. FC Heidenheim. Alonso sieht sich jetzt in der Pflicht, mit der Mannschaft weitere Erfolge zu erzielen, will vor allem in der Champions League bestehen und fordert, „wir müssen besser werden“. Klaus Toppmöller war 2008 der letzte Bayer-Coach, der Trainer des Jahres wurde.

Ohne Titel herrscht bei den Bayern Chaos

Der FC Hollywood liefert wieder ein turbulentes Sommertheater. In einem Jahr ohne Titel herrscht Chaos, die Rückkehr zum Erfolg ist vor allem von Diskussionen begleitet. Aber man kennt dies ja vom FC Bayern München aus früheren Zeiten, nach elf ziemlich erfolgreichen Jahren hintereinander ist es fast in Vergessenheit geraten, aber jetzt lebt er wieder, der FC Hollywood und die Medien freuen sich, kein Verein liefert so viele Schlagzeilen. Vielleicht ist es ein Rezept: Unruhe im Sommer, damit während der Saison Ruhe herrscht.

Für Unruhe sorgt vor allem auch Vereinspatron Uli Hoeneß, der den Medien immer wieder Futter liefert und damit für Verunsicherung sorgt. Zuletzt stoppte er öffentlich alle Kaufwünsche für neue Spieler und beschied, „wir haben keinen Geldscheißer“. Warum hat er dann nicht früher auf das Geld geachtet? Die derzeitige sportliche Leitung mit Max Eberl und Christoph Freund leidet nämlich unter den Fehlern ihrer Vorgänger. Die Ära Hasan Salihamidzic war ja durchaus erfolgreich, aber er und der damalige Chef Oliver Kahn haben das Geld mit vollen Händen ausgegeben. Der begehrte Spieler musste kommen, koste es, was er wolle. Jetzt sitzen Eberl und Freund auf teuren Spielern, die gehen sollen, aber nicht wollen und fast unverkäuflich sind, weil niemand anders die horrenden Gehälter bezahlen will. Angeblich verdienen mindestens sieben Bayern-Profis pro Saison rund 17 Millionen Euro. Mit der entsprechenden Leistung haben sie meist nicht zurückgezahlt.

Das ist das Bayern-Problem, das nun zum Chaos führt. Wochenlang werden unzählige Namen gehandelt, der soll gehen, der muss gehen, der will nicht gehen. Die Schlagzeilen gehen den Medien nicht aus, bei keinem Bundesligisten ist mehr Unruhe. Tatsache ist, dass sich Eberl und Freund über erste schnelle Erfolge für Verstärkungen freuen. Erster war der Japaner Ito (Stuttgart), der jetzt allerdings verletzt ausfällt. Wichtigster Zugang dürfte Joao Palhinha (FC Fulham) sein, die berühmte „Holding Six“, den schon Thomas Tuchel wollte, der neue Trainer Vincent Kompany war gleicher Meinung. Der Portugiese war der beste Balleroberer der Europameisterschaft, kassierte dafür aber auch die meisten Gelben Karten. Schwung in den Angriff soll Michael Olise (Crystal Palace) bringen, der jetzt für Frankreich bei Olympia zaubert. Dazu wurde Josip Stanisic von Bayer Leverkusen zurückgeholt, einige Talente dürfen zudem aufrücken. Aber derzeit gibt es einen großen Kader, für den Uli Hoeneß einen „Gelenkbus bestellen muss für den Transport“. Das Problem: Einnahmen von 12,5 Millionen Euro stehen Ausgaben von 125 Millionen bei den Spielerwechseln gegenüber.

Die Einkäufe klappten, die Verkäufe nicht. Verliehene Spieler konnten verkauft werden, bei Choupo-Moting und Sarr lief der Vertrag aus. Auf der Verkaufsliste ganz oben stehen zunächst Matthijs de Ligt und Noussair Mazraoui, für beide soll Manchester United Interesse zeigen. Einen Markt sollte es auch für Kingsley Coman geben, der nie die große Verstärkung war und den jetzt der junge Olise ersetzen soll. Paris St. Germain zeigt angeblich Interesse. Es müssen ja Vereine mit dem nötigen Kleingeld sein. Es heißt, der zweite Flügelflitzer Serge Gnabry könne auch weg, doch der will nicht, verweist auf seinen Vertrag bis 2025. Leon Goretzka ist im Mittelfeld überzählig (da bekommt eher Talent Pavlovic den Vorzug), aber er macht Anschalten, lieber den Vertrag bis 2027 auszusitzen und zu kassieren. Anders sind die Fälle Leroy Sané und Joshua Kimmich gelagert, deren Verträge 2025 auslaufen und die nicht ablösefrei gehen sollen. Da zeichnet sich trotz aller anderen Meldungen eher eine Vertragsverlängerung ab, was die richtige Lösung für Verein und Spieler wäre. Beide könnten künftige Gesichter des FC Bayern werden.

Auch ohne Geldscheißer sind weitere Verstärkungen nicht ausgeschlossen. „Wir haben ja noch einen Monat Zeit,“ betont CEO Jan-Christian Dreesen, „es wird noch etwas passieren“. Xavi Simons wird es nicht, dafür hat man Sané, er will wohl in Leipzig bleiben. Anders sieht es bei Jonathan Tah aus, der die Abwehr verstärken soll, eine Annäherung zwischen Ablösevorstellungen von Bayer Leverkusen und Angebot aus München soll es geben. Hoch gehandelt wird zudem das 19-jährige französische Mittelfeldtalent Desiré Doué von Stade Rennes, ein Mann für die Zukunft, nur zahlen muss Bayern jetzt.

Unabhängig von den Bemühungen der Abteilung An- und Verkauf muss das neue Trainerteam die neue Saison vorbereiten und diese Aufgabe ist schwierig genug, weil wegen der EM und Olympia viele Spieler verspätet eingreifen. Talente füllen den Kader auf, das klappt nicht immer, wie das 1:1 beim Viertligisten Düren zeigt. Fast eine Blamage für die Bayern, die sich derzeit auf PR-Tour in Südkorea befinden. Der Tross legt 17000 Kilometer zurück für eine Reisezeit von genau 109,5 Stunden. Bester Botschafter ist natürlich Min-Jae Kim in seiner Heimat, mit dabei sind auch die EM-Fahrer Müller, Kimmich, Musiala und Neuer. Sané befindet sich noch in der Reha, es fehlen Kane, de Ligt, Upamecano und Coman, die bei der EM länger beschäftigt waren. Das einzige Testspiel gibt es am Samstag (13.00 Uhr MESZ/RTL) gegen die Tottenham Hotspurs. Am Montag um 6.00 Uhr soll der Flieger wieder in München landen.

Derzeit gibt es zudem weitere Unruhe in der Heimat. Hatten die Bayern in den letzten Wochen mit vielen positiven Meldungen und hoffnungsvollen Talente für ihren Campus geworben, so steht der Talentschuppen plötzlich negativ in den Schlagzeilen. Der sportlicher Leiter Halil Altintop will den Campus zum 1. September verlassen, in Sachen Zukunft gebe es mit Campuschef Jochen Sauer zu unterschiedliche Auffassungen. Altintop wird allerdings von vielen im Verein geschätzt, andererseits soll ein Nachfolger bereits Gewehr bei Fuß stehen, der frühere Bundesliga-Trainer Markus Weinzierl (u. a. Augsburg, Stuttgart). Der 49-jährige ist allerdings in der Talenteausbildung unerfahren, seine Fürsprecher sollen vor allem Max Eberl und Uli Hoeneß sein. Da liegt eine Verpflichtung nahe. Offen bleibt jedoch, ob der FC Bayern München vor einer so guten Zukunft steht, wie er sich das vorstellt und seine Fans wünschen. Allerdings: Die Zeiten des FC Hollywood schlossen den Erfolg nicht aus. Leistungsfördernde Unruhe also!

Fußball im Aufwind mit Jubiläum der 2. Bundesliga

Die Euphorie rund um die Europameisterschaft in Deutschland kann ebenso als Beleg dienen, wie die nackten Zahlen, die der DFB kürzlich für seine Bundesligen veröffentlicht hat: Der Fußball befindet sich im Aufwind und dazu passend feiert die 2. Bundesliga ein Jubiläum. Natürlich bleibt das Oberhaus der Publikumsmagnet, doch das Unterhaus muss sich nicht verstecken. Beide Ligen zusammen mobilisierten in der letzten Saison etwas über 20 Millionen Fans, neuer Rekord und fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Die Bundesliga ist mit 38977 Zuschauern im Schnitt die Nummer 1 Europa noch vor der Premier League, die 2. Bundesliga ist bei einem Schnitt von 28796 Zuschauern sogar die attraktivste zweite Liga der Welt, die Steigerung betrug sagenhafte 30 Prozent, dank der Absteiger mit großen Namen und vielen Fans – Hertha BSC Berlin und Schalke 04. Da gibt es also etwas zu feiern, zum Beispiel ein Jubiläum, die 2. Bundesliga wird 50 Jahre.

In der Bundesliga geht die Angst um, dass immer mehr Attraktivität verloren geht, umgekehrt freut sich die zweite Liga über die prominenten Namen. Neun Gründungsmitglieder der Bundesliga spielen heute eine Klasse tiefer: Köln, HSV, Karlsruhe, Hertha BSC, Nürnberg, Schalke, Kaiserslautern, Braunschweig und Münster. Dies hat Einfluss auf die Zuschauerentwicklung, im letzten Jahr befanden sich die BL-Aufsteiger Heidenheim (15000 im Schnitt) und Darmstadt (18000) am Ende der Zuschauertabelle. Schalke war dagegen in der 2. BL Zuschauerkrösus mit 61000 vor dem HSV (56000) und Hertha (50000). Die Klubs blieben zu ihrem Leidwesen dem Unterhaus erhalten, St. Pauli (29000) und Holstein Kiel (14000) stiegen hingegen auf. Beide sind keine Publikumsmagneten, der Zuschauerschnitt in der Bundesliga wird nicht steigen und beide Aufsteiger werden gleich wieder als erste Abstiegskandidaten gehandelt.

In die neue Saison startet fast traditionell mit der 2. Bundesliga als Erste. Um die Attraktivität deutlich zu machen, geht es mit einem Duell von zwei Traditionsvereinen am Freitag (20.30 Uhr) los: Absteiger 1. FC Köln erwartet den Hamburger SV. Beide Klubs gehören zum Kreis derer, von denen es heißt „zum Aufstieg verdammt“, nämlich zum Kreis der Traditionsvereine, die vom Namen her ins Oberhaus gehören (siehe oben) .Allerdings waren sie in der letzten Saison kaum Aufstiegsanwärter. Gerade der HSV mischte bis zum Schluss vorne mit, wurde am Ende aber nur Vierter, Hertha landete als Neunter vor Schalke und Nürnberg zitterte fast bis zuletzt um den Klassenerhalt, wurde immerhin noch Zwölfter.

Die Traditionsklubs starten mit großen Hoffnungen, aber auch mit Sorgen in die neue Saison. Der 1. FC Köln hofft auf die Statistik, denn 30 Prozent der Absteiger schaffen den sofortigen Wiederaufstieg, von 156 Absteigern waren das in der Geschichte der Bundesliga immerhin 47. Wer diese Chance nicht nutzt, kann auch in der zweiten Liga verschwinden. Der einstige Bundesliga-Dino HSV wird inzwischen auch in der 2. Liga als Dino bezeichnet! Die Sorgen sind unterschiedlich, Köln leidet unter der Transfersperre, der HSV und Hertha plagen sich mit Verletzungsproblemen herum, Schalke hat finanzielle Sorgen und verjüngt das Team. Ein Sonderfall ist der 1. FC Nürnberg, dem die Schlagzeilen mit dem neuen Trainer Miroslav Klose gehören, der Weltmeister wird auf seiner zweiten Cheftrainerstation zum Anreiz für neue Spieler, so verstärkt Robin Knoche, der ablösefrei von Union Berlin kam, mit seiner Erfahrung von 306 Bundesligaspielen die Abwehr. Apropos Trainer, da steht Steffen Baumgart ein besonderes Spiel bevor, er gastiert mit dem HSV, den er in die Bundesliga führen soll, bei seinem alten Verein Köln, bei dem er dieses Kunststück schaffte, am Ende aber doch zu wenig Erfolge erzielte und vorzeitig gehen musste. Die Fans lieben ihn allerdings noch immer, mal sehen, wie sie ihn am Freitag empfangen. Zwei Spieltage hat die zweite Liga ihr Alleinstellungsmerkmal im Profi-Fußball, ehe es die Pokalpause gibt und am 23. August die Bundesliga startet. Allerdings steht der Fußball derzeit auch in Konkurrenz zu Olympia.

Der erste Spieltag: Freitag (20.30 Uhr): Köln – Hamburg. Samstag (13 Uhr): Karlsruhe – Nürnberg, Hannover – Regensburg (Aufsteiger), Hertha BSC – Paderborn, Magdeburg – Elversberg. 20.30 Uhr: Schalke – Braunschweig. Sonntag (13.30 Uhr): Darmstadt – Düsseldorf, Fürth – Münster (Aufsteiger), Ulm(Aufsteiger) – Kaiserslautern.

Guter Olympia-Start der Mannschaften

Mit einer spektakulären, teils auch seltsamen Eröffnungsshow begannen am Freitag die Olympischen Sommerspiele in Paris. Es war keine Eröffnungsfeier für die Sportler, sondern wirklich eine exzentrische, gewöhnungsbedürftige Show, mit der Thomas Jolly, ein französischer Theaterregisseur, die Geschichte Frankreichs aufarbeiten wollte. Die Sportler spielten mehr eine Nebenrolle, tuckerten auf ihren Schiffen die Seine entlang, die Aufmerksamkeit galt leher den Stars des Showgeschäfts wie Lady Gaga, Juliette Armanet, Rapperin Aya Nakamura und als Höhepunkt Celine Dion, die trotz Erkrankung zum Abschluss vom Balkon des Eiffelturms sang und alle begeisterte. Beeinträchtigt wurde die farbenfrohe Show, die witzig als „Seine-sationell“ oder als „bunt, überbordend und wohltuend mutig“ bezeichnet wurde, durch einen Anschlag auf das Schienennetz Frankreichs einen Tag vor dem Olympia-Start sowie Sturm und Regen während der Eröffnungsfeier. Berührend, als die Sportstars Carl Lewis, Rafa Nadal, Serena Williams und Nadia Comaneci die Flamme auf einem Boot zu ihrem Endpunkt brachten. Dort wurde das Olympische Feuer von den französischen Sportstars Marie-José Perec (Leichtathletik) und Teddy Riner (Judo) entzündet und schwebt bei Nacht an einem Ballon über Paris.

Nun beherrscht der Sport die Szenerie, die deutsche Mannschaft kam ein bisschen träge aus den Startlöchern, für die einzige Medaille am Wochenende (immerhin Gold), sorgte Lukas Märtens mit seinem Sieg über 400 m Kraul. Das erste Gold der Schwimmer seit Michael Groß vor 36 Jahren. Dagegen feierten die Mannschaften weitgehend einen guten Start. Die Fußball-Frauen zeigten mit einem 3:0-Sieg gegen Australien wo es lang gehen soll, die Handballer mit einem überraschenden 30:27-Erfolg über Angstgegner Schweden zogen nach und die Basketballer waren trotz der Teilnahme an der Eröffnungsfeier am Tag darauf in Lille hellwach 97:77 über Japan. Die Asiaten waren zum Start der beliebteste Gegner, die Handballer landeten am Montag den zweiten Sieg, den Volleyballern gelang mit 3:2 eine Überraschung. Die Hockey-Herren starteten mit einem 8:2 über Spanien.

So wird es aber nicht weitergehen, die starken Gegner kommen zum Teil erst noch. Das mussten die Fußball-Frauen am Sonntag gegen die USA erleben, als sie mit 1:4 unterlagen. Bedenklich dabei die Schwächen in der Defensive, auch Torhüterin Berger war nicht auf dem Posten. Nachdem Australien in einem irren Spiel Sambia nach 2:5-Rückstand mit 6:5 schlagen konnte, steht für die Frauen am Mittwoch (19 Uhr) gegen Sambia (vorher 0:3 gegen USA) ein Endspiel bevor. Nur ein Sieg garantiert Platz zwei zum Weiterkommen ohne Probleme. Bei Platz drei muss gezittert werden, nur zwei von vier Dritten kommen weiter. Sambia hat ähnlich wie Deutschland seine Stärken in der Offensive, die Torflut gegen Australien bewies andererseits die Schwächen in der Abwehr. Das könnte ja wieder ein Offensivspektakel werden.

Obwohl laufend Medaillen gewonnen werden, ist nicht alles Gold in Paris. So klagen die Sportler über mangelhaften Transport, die Busse kommen gar nicht oder sind unpünktlich und manche Fahrer kennen ihre Route nicht. Auch das Essen im Olympischen Dorf bedarf einer Verbesserung, von wegen „Essen wie Gott in Frankreich“. Außerdem ärgern lange Warteschlangen an der Essensausgabe. Unter der Eröffnungsshow mit vielen Schiffen litt offensichtlich auch die Seine, denn der Fluss ist wieder verschmutzt, die Triathleten mussten deshalb zweimal ihr Training absagen.

In Deutschland ist das Interesse an Olympia groß, die Eröffnungsfeier sahen bei der ARD zehn Millionen Menschen, die Schwimmwettbewerbe am Abend waren mit rund sechs Millionen an jedem Abend die beliebteste Sendung. Selbst an den Vor- und Nachmittagen interessierten sich rund vier Millionen Fans für Olympia an den Bildschirmen. Sie wollen aber auch Erfolge sehen, damit das Zuschauen mehr Spaß macht.

Paris will einzigartige Olympische Spiele bieten

Wir kennen Paris als die Stadt der Liebe, die Stadt der Mode und in den letzten Jahren leider auch oft als die Stadt der Krawalle. In den nächsten Wochen will sich Paris von einer neuen Seite zeigen: Die französische Hauptstadt hat die Sportler aus aller Welt zu Gast, organisiert nach 1900 und 1924 zum dritten Mal die Olympischen Sommerspiele. Vom Freitag bis zum 11. August sollen es einzigartige Spiele werden. Die Organisatoren versprechen nicht die größten oder besten Spiele aller Zeiten, sondern solche mit einem besonderen Flair, „das Paris und Frankreich in der ganzen Welt erstrahlen lässt“. Für das IOC ist aber klar: Die größten Spiele aller Zeiten.

Das Besondere beginnt schon mit der Eröffnungsfeier, die erstmals nicht in einem Stadion stattfindet, sondern auf der Seine. Der Fluss, der sich durch Paris schlängelt, wird Schauplatz für das wohl größte olympische Experiment, wenn die Sportler auf 94 Booten sich auf sechs Kilometern Fahrstrecke den rund 300.000 Zuschauern am Ufer präsentieren. Aber das ist nicht alles, die Organisatoren wollen die Schönheit der Stadt herausstellen, der Marathonlauf wird zum Beispiel zu einer Sightseeingtour (wofür die Starter aber wohl kaum Augen haben), die interessantesten Gebäude und Plätze werden Austragungsstätten, so findet zum Beispiel Beachvolleyball am Fuße des Eiffelturms statt. Aber Atmosphäre und Optik ist nicht alles, Olympia soll sich klimaneutral, ökologisch und sozial präsentieren, so hielten sich auch die Neubauten in Grenzen, Paris wird später nicht unter Olympia-Ruinen leiden.

Besondere Spiele erlebte auch München 1972, die heiteren Spiele begeisterten die Menschen, bis ein Terrorakt für einen traurigen Schatten sorgte. Damals stand man dieser Tatsache unbedarft gegenüber, über Paris liegt diesmal der Schatten des Terrors und von Kriegen in aller Welt. Man will alles Menschenmögliche tun, um die Sicherheit zu gewährleisten. 10.500 Sportlerinnen und Sportlern stehen 35.000 Sicherheitskräfte gegenüber, davon 18.000 Soldaten, auch aus dem Ausland wurde Hilfe angefordert, Kontrollen an den Grenzen wieder eingeführt. Es sollen heitere Spiele unter dem Dach der Sicherheit werden.

Heitere Spiele werden es für manche Fans nur, wenn auch die Erfolge stimmen. Ein Medaillengewinn bei Olympia ist immer noch etwas Besonderes. Olympische Spiele werden nie diese Fanbegeisterung mit Massenmärschen zu den Stadien oder vollen Fanzonen mit Public Viewing entfachen können wie die Fußball-Europameisterschaft, aber das Interesse ist weltweit riesengroß und deshalb sind die Spiele für Stadt und Land immer ein Gewinn, wobei Olympia besonderes in diktatorischen Ländern als PR-Maschine missbraucht wird. Lassen wir uns davon nicht beeindrucken, nach einer Umfrage des kicker interessieren sich bei uns 80 Prozent für Olympia und 67 Prozent schauen auch Sportarten, die sie sonst links liegen lassen. ARD und ZDF berichten fast rund um die Uhr. Olympia ist etwa Eigenes, auch für die Athletinnen und Athleten, die sich darüber freuen, im Olympischen Dorf auf Teilnehmer anderer Sportarten zu treffen.

Im Mittelpunkt steht aber natürlich die Jagd nach den Medaillen, die Jagd nach Gold, das Interesse gehört dem Medaillenspiegel. Traditionell findet man auf Platz 1 die USA, aber es gibt Ausnahmen, so hatte China bei den Spielen in Peking die USA von der Spitze verdrängt. In Tokio (wegen der Corona-Pandemie erst 2021) war die USA wieder vorn (Medaillen 39 Gold, 41 Silber, 33 Bronze) vor China (38/32/19) und Gastgeber Japan (27/14/17). Traditionell wachsen die Gastgeber immer über sich hinaus, unternehmen vermehrt Anstrengungen, um vor eigenem Publikum besonders erfolgreich zu sein. Das hebt natürlich die Stimmung. Die Briten war 2012 in London besonders erfolgreich, das wollen nun auch die Franzosen schaffen. Fraglich ist, ob dann auch alles mit rechten Dingen zugeht, vor allem in China und Russland waren Zweifel angesagt, aber leider sind Olympische Spiele sowieso immer Festspiele des Dopings, das lässt sich nicht mehr ausmerzen. Russland und Belarus sind übrigens wegen des Ukraine-Krieges als Nationen nicht dabei.

5084 Medaillen sind zu gewinnen

329 Goldmedaillen in 32 Sportarten mit 48 Disziplinen werden vergeben, neu dabei ist Breaking, bekannt als Breakdance aus der Hip-Hop-Szene, insgesamt sind es 5084Medaillen. Wie viele davon gehen nach Deutschland? In Tokio waren es 10 Gold-, 11 Silber- und 16 Bronzemedaillen, Rang neun in der Nationenwertung. Das soll diesmal besser laufen, eine Zeitschrift kündigt an „Zeit für Helden“. Medaillenhoffnungen gibt es in vielen Sportarten, doch ein bisschen Glück gehört dazu. Im Kanusport, Hallenradsport, beim Rudern, Reiten oder bei den Schützen fallen oft Medaillen ab. Die Schwimmer, allen voran Florian Wellbrock und Lukas Märtens, wollen das Wasser zur Goldgrube machen (die Freiwasser-Wettbewerbe werden in der Seine ausgetragen, die über Jahre hinweg gereinigt wurde und hygenisch sauber sein soll). Eine heiße Favoritin ist Darja Varfolomeev aus Stuttgart, die als fünffache Weltmeisterin in der Rhythmischen Sportgymnastik glänzte. In der Leichtathletik steht Weitsprung-Europameisterin Malaika Mihambo mit Weltbestweite im Mittelpunkt. Zehnkämpfer Leo Neugebauer ist ebenfalls die Nummer 1 der Welt. Alexander Zwerew träumt im Tennis davon, seinen Sieg von Tokio zu wiederholen. Der Profi hat erkannt: „Olympia ist nicht zu vergleichen“.

Besonders im Mittelpunkt stehen die Mannschaften und da ist Deutschland gut vertreten. Die Weltmeister im Basketball wollen das Dream-Team aus den USA herausfordern, mit Kapitän Dennis Schröder und den Wagner-Brüdern haben sie auch NBA-Stars zu bieten. Gruppengegner sind Japan, Brasilien und Frankreich. Auch die Basketball-Frauen können eine gute Rolle spielen, Hockey ist immer für eine Überraschung gut und die Handballer träumen auch von einer Medaille. Sie verzichten sogar auf die Eröffnungsfeier, weil sie am Samstag (19 Uhr) gegen Schweden antreten müssen. „Wir wollen ja keine Touristen sein“, heißt es.

Eine besondere Rolle bei den Olympischen Spielen gehörte immer den deutschen Fußball-Frauen. Seit 1996 ist Frauen-Fußball dabei, erster Olympiasieger waren die USA, die den Erfolg 2004, 2008 und 2012 wiederholten. Dazwischen gewann Norwegen 2000, danach wurde Deutschland 2016 in Brasilien mit einem 2:1 gegen Schweden Olympiasieger, Nachfolger war 2021 Kanada. Aber Deutschland hatte 1996 die Ehre, das erste Spiel zu bestreiten, Japan war am 21. Juli der Gegner, Bettina Wiegmann erzielte das 1:0 und war damit die erste Torschützin bei Olympia! Am Ende stand ein 2:1-Sieg, Deutschland schied aber in der Vorrunde aus. Dafür gab es 2000, 2004 und 2008 jeweils eine Bronzemedaille!

Eine Medaille wollen die deutschen Mädchen auch diesmal, Trainer Horst Hrubesch sagt sogar, „wir wollen in das Finale“. Das bedeutet nämlich, dass sie dann das Olympische Dorf in Paris erleben dürfen. Für den Olympiasieg würde der DFB zudem 20.000 Euro Prämie zahlen. In der Gruppe B spielt Deutschland in Marseille und St. Etienne, Gegner sind die USA, Australien und Sambia. Schwere Aufgaben. Insgesamt 12 Nationen sind nur dabei, die zwei Besten jeder Gruppe ziehen mit den beiden besten Gruppendritten ins Viertelfinale ein. In der Gruppe A sind Frankreich, Kolumbien, Neuseeland und Kanada vertreten, in der Gruppe C Spanien, Japan, Nigeria und Brasilien. Die Kadergröße umfasst nur 18 Spielerinnen. Das DFB-Team startet sogar einen Tag vor dem offiziellen Beginn der Spiele, am Donnerstag (19 Uhr) gegen Australien. Ein guter Start wäre wichtig, nein, eigentlich ist bei dieser Konstellation jedes Spiel fast ein Endspiel. Weiter geht es am Sonntag (21 Uhr) gegen die USA und am Mittwoch, 31.7. (19 Uhr) gegen Sambia. Die Mannschaft ist allerdings durch den Ausfall der Mittelfeldstrategin Lena Oberdorf erheblich geschwächt. Sie verletzte sich beim 4:0-Sieg gegen Österreich in der EM-Qualifikation am Knie, was ansonsten eine gelungene Generalprobe war. Torhüterin Ann-Katrin Berger glückte der seltene Fall von zwei Assists zu Toren und nun bleibt die spannende Frage, ob sie oder Merle Frohms gegen Australien auflaufen darf. Kapitänin Alexandra Popp hofft darauf, dass sie am Tag danach als Fahnenträgerin nach Paris reisen darf. Die Entscheidung darüber wird am Donnerstag verkündet.

Die Fußball-EM in Deutschland war ein Erfolg und die Fans die größten Gewinner

Nach Russland, Katar und zudem Corona wirkte die Europameisterschaft in Deutschland für die Fußballfans wie eine Befreiung. Das „D“ für Deutschland stand hier auch für Demokratie, sprich Freiheit. Die Freiheit überall ausgelassen zu feiern, sich ohne Zwänge zu bewegen und so machten die Fußballfans aus ganz Europa dieses Turnier erst zu einem Erlebnis, zu einem Ereignis, das vor allem bis auf kleine Ausnahmen heiter und friedlich blieb. Die Politik ist nie ganz auszuschließen, Rechtsradikale störten mitunter das schöne Bild, der Gruß an die Grauen Wölfen war absolute deplatziert, aber die Süddeutsche Zeitung schreibt sehr richtig: „Der Fußball kann die politischen Brüche des Kontinents nicht heilen. Aber er macht ein Maß an Gemeinsamkeit sichtbar, das die Spalter verstören muss. Das ist der gute Geist dieses Sommer.“

Vor der EM war immer die Frage, ob es wieder ein „Sommermärchen“ gibt wie 2006. 2024 war anders, aber genauso schön – und das bei teilweise wirklich schlechtem Wetter. Aber so gehörten im Regen tanzende Zuschauer zu dieser stimmungsvollen EM, die ein Turnier aller Fans in Europa war und deshalb waren sie die größten Gewinner. Die Schotten eroberten gleich zum Start München, tranken die Bierstadt gewissermaßen leer, die Holländer tanzten in Massen, dirigierten „rechts, links“ und wurden uns sympathisch. Aber auch die kleinen Nationen setzten sportlich wie atmosphärisch Zeichen, Slowenen oder Georgier feierten unbeschwert mit. Im Gegensatz zu den Ultras in den Bundesliga-Stadien brauchten diese Fans keinen Krawall, keine Pyros, sie feierten einfach. Dazu waren die Deutschen gute Gastgeber, zeigten sich wie 2006 weltoffen, zeigten aber auch, dass Deutschland nicht immer perfekt ist, siehe die Probleme mit der Bahn. Aber genau das machte das Land sympathisch, heitere Menschen, keine sturen Perfektionisten. Nur die Wirtschaft hatte sich ihren Aussagen nach mehr Aufschwung erhofft, die Gasthäuser aber profitierten.

Und hiermit zum Sport. Diese Bilanz fällt nicht ganz so positiv aus, die großen und begeisternden Spiele waren an einer Hand abzuzählen, weil die Trainer aus Angst vor Niederlagen meist auf Absicherung setzten. Der offene Schlagabtausch fand erst in der Not statt und führte zu vielen Toren in der Nachspielzeit oder gar Verlängerung. Kein Wunder also, dass die Torjäger ein Schattendasein führten, bezeichnend dafür, dass sich gleich sechs Spieler die Ehre des Torschützenkönigs mit gerade mal drei Treffern teilen. Neben Jamal Musiala und Harry Kane, der beste Torjäger Europas in den Ligenspielen, sind dies Mikautadze (Georgien!), Gakpo (Niederlande), Schranz (Slowakei) und Dani Olmo (Spanien). Es war auch kein Turnier der großen Stars, Cristiano Ronaldo machte sichtbar, dass die Rente bevorsteht, Kylan Mbappé litt unter seiner Maske nach Nasenbeinbruch, er war nur ein Schatten seiner selbst. Harry Kane war offensichtlich auch nicht richtig fit, mehr Mitläufer als Retter für England, auch deshalb blieb der Traum, endlich wieder seit 1966 einen Titel zu holen, unerfüllt.

Ein Turnier der Hoffnung

Die EM 2024 war dafür ein Turnier der Hoffnung. Die Hoffnung für die Zukunft, dass es ähnliche Veranstaltungen mit ausgelassenen Fans wieder geben wird. Die Hoffnung auf guten Fußball nähren die jungen Spieler, die sich in den Vordergrund spielten. Der beste von ihnen (auch offiziell geehrt) war der inzwischen (Samstag) 17-jährige Lamine Yamal, der entscheidenden Anteil am Titelgewinn von Spanien hatte und als jüngster Torschütze überhaupt in die Geschichte eingeht. Aber er steht in diesem Team nicht allein, der 22-jährige Nico Williams (als bester Spieler des Finales geehrt) ist von ähnlichem Kaliber. Mit dieser Flügelzange steht Spanien vor einer großen Zukunft, zumal sich die Mittelfeld-Asse Rodri (bester Spieler des Turniers) und Dani Olmo noch im besten Fußballalter befinden. Aber auch bei anderen Nationen stachen Youngster heraus, Florian Wirtz und Musiala bei Deutschland, Jude Bellingham, Mark Foden und Cole Palmer bei England, Xavi und Torhüter Bart Verbruggen bei den Niederländern, William Saliba und Warren Zaire-Emery bei Frankreich. Der Ungar Dominik Szoboszai war mit 23 sogar der jüngste EM-Kapitän aller Zeiten.

Spanien steht vor einer großen Zukunft, hat eine große Vergangenheit und meisterte souverän die Gegenwart. Der 2:1-Erfolg über England nach Toren von Williams (47.) und Joker Oyarzabal (86.) bei einem Gegentor von Palmer (73.) war der siebte Sieg im siebten Spiel! Deutschland bereitete ihnen wohl die größten Probleme, ausgerechnet ein englischer Schiedsrichter bewahrte sie vor einem Handelfmeter gegen sich. Nicht schön war es allerdings von den deutschen Fans, dass sie „Sünder“ Cucurella in den Spielen danach immer auspfiffen. Spanien ist jetzt mit vier Titeln alleiniger Rekord-Europameister (1964, 2008, 2012, 2024) vor Deutschland (1972, 1980, 1996). England dagegen hoffte vergebens, geht ganz im Gegenteil als erste Mannschaft in die Geschichte ein, die zwei Endspiele hintereinander verloren hat. 2021 waren die Italiener glücklicher. Kein Wunder also, dass Trainer Gareth Southgate einen besonders unglücklichen Eindruck machte.

Die deutsche Mannschaft war im Finale leider nur Zuschauer, aber die Zukunft sieht nicht unbedingt rosig, jedoch einigermaßen hoffnungsvoll aus. Der größte Gewinn war, dass die Nagelsmänner sich wieder in die Herzen der Zuschauer gespielt haben, die DFB-Elf hat wieder viel Sympathien zurückgewonnen, was eine gute Basis für eine erfolgreiche Zukunft ist. Zukunft ist auch das Stichwort für das Team, das künftig neben Toni Kroos auch auf Thomas Müller verzichten muss, der offiziell seinen Rücktritt aus dem Nationalteam bekanntgegeben hat. Anfang September geht es weiter, da sollte ein guter Start in der Nations League gelingen, damit das zarten Pflänzchen des Zusammenhalts weiter gedeihen kann.

Nach der EM ist vor der Bundesliga. Das macht der kicker deutlich, der den Bayern die Titelseite mit dem neuen Trainer Vincent Kompany widmet. Schlagzeile: Das Experiment beginnt. Die Bayern blieben bekanntlich erstmals seit 2012 ohne Titel, jetzt startet eine neue Jagd auf die Trophäen. Das erste offizielle Training dafür war am Montag, damit waren die Münchner der letzte Bundesligist, der die Vorbereitung auf die neue Saison begann. Gut Nachricht: Auch in der Bundesliga soll das „Meckerverbot“ gegenüber Schiedsrichtern eingeführt werden, das sich bei der EM bewährt hat, die Spiele liefen wesentlich ruhiger und schneller ab. Nur der Kapitän ist berechtigt, mit dem Referee Kontakt aufzunehmen.

Weckruf für die Frauen

Auf dem Weg zu Olympia sind die deutschen Fußball-Frauen zunächst einmal ins Stolpern geraten. Im ersten Spiel nach der Pause verloren sie in Island sang- und klanglos mit 0:3. Eigentlich wollten sie die EM-Qualifikation ungeschlagen zu Ende bringen, verschenkten aber mit drei eklatanten Abwehrfehlern die Punkte. Da machte sich vor allem das Fehlen von Oberdorf (gesperrt) und Hegering (verletzt) bemerkbar. Am Dienstag (19 Uhr) folgt das letzte Spiel der EM-Qualifikation und letzte Test vor Olympia in Hannover gegen Österreich. Peinlich, die Niederlage in Island sorgte auch dafür, dass Österreich in der Qualifikation hinter Island bleibt und ausschied. Gegen den Nachbarn geht es also doppelt ums Prestige. „Island war ein Weckruf“ sagen die Spielerinnen, gegen Österreich geht es um den guten Ruf und die Gunst der Fans. Auch die Frauen haben nämlich von der neuen Lust auf Fußball profitiert, so dass mit 40.000 Zuschauern in Hannover gerechnet wird. Danach beginnt dann die konzentrierte Vorbereitung auf die Sommerspiele. Noch vor der Eröffnungsfeier am 26. Juli startet Deutschland am Donnerstag, 25. Juli (19 Uhr) in Marseille gegen Australien ins Olympia-Turnier.

Plötzlich macht die Formel 1 wieder Spaß

Langeweile war zuletzt Trumpf in der Formel 1, doch diese müden Zeiten scheinen vorbei zu sein. Jahrelang beherrschte Mercedes die Szenerie und Lewis Hamilton sackte Titel in Serie ein, die letzten Jahre gab Red Bull den Ton an mit Max Verstappen am Steuer und fuhr vorneweg. Die Konkurrenz sah nur noch die Rücklichter und haderte. Immer wieder einmal gab es Hoffnung, doch ob Ferrari, Mercedes oder McLaren, dauerhafte Konkurrenz erwuchs nicht. Doch mit einem Schlag ist alles anders. Die Konkurrenz hat hart gearbeitet, den Weg zu mehr Schnelligkeit wohl gefunden und bei Red Bull läuft auf einmal nicht alles rund. Max Verstappen führt zwar immer noch komfortabel die WM-Wertung an, aber die Rennen sind interessant, genau zur Halbzeit, nach 12 von 24 Rennen, macht die Formel 1 plötzlich wieder Spaß.

Vor allem für Mercedes und Lewis Hamilton endete eine Leidenszeit. 945 Tage musste der Engländer warten, ausgerechnet in Silverstone, in der Heimat, endete für den 39-Jährigen die Durststrecke seit November 2021. Da flossen selbst bei dem abgebrühten Piloten die Tränen, denn es war quasi ein Abschiedsgeschenk an seinen alten Rennstall, zu dem er bereits mit 13 Jahren kam. Es ist seine letzten Saison für Mercedes, für 2025 hat er bei Ferrari unterschrieben. Ob er das jetzt bereut? Mercedes ist wieder vorn dabei, McLaren auch, aber die Italiener haben sinnbildlich im Moment nicht das schnelle Pferd, sondern lahmen.

Die Jagd auf Red Bull und Max Verstappen ist aber eröffnet. Im Rennen zuvor, leistete sich der Holländer mit seinem Freund und Konkurrenten Lando Norris ein Scharmützel, es krachte, Norris flog raus, Verstappen erhielt eine Strafe und George Russell siegte mit Mercedes. Es war das erste Ende einer Durststrecke. Mit Mercedes ist also wieder zu rechnen, mit McLaren auch, geht es nach dem früheren Weltmeister Mika Häkkinen, so gehört ihnen die Zukunft: „McLaren kann eine Ära prägen,“ orakelt der Finne und urteilt, „Norris und Piastri sind das talentierste Fahrer-Duo der Formel 1“.

Überhaupt tut sich ja einiges in der Formel 1 und das Interesse steigt zwangsläufig. So folgt 2026 ein neues technische Reglement und es ist der Zeitpunkt, wo auch Audi einsteigt und für noch mehr Konkurrenz sorgen will. Zahlreiche Fahrerwechsel stehen bevor, Hamilton hat das Karussell in Gang gebracht, Carlos Sainz muss bei Ferrari gehen, kann sich aber die neue Heimat aussuchen, vier Teams sind im Gespräch. Darunter Mercedes, dass noch schwankt, ob das Cockpit dem Routinier gehören soll, oder ob das 17-jährige Talent Kimi Antonelli die Chance bekommen soll. Einem Max Verstappen hatte man diesen frühen Einstieg nicht zugetraut. Jetzt ist er der Dominator, könnte aber bald dennoch bei Mercedes landen. Eine neue Heimat hat auch Nico Hülkenberg, der einzige Deutsche in der Formel 1, der künftig für Sauber fahren wird, im Vorgriff auf den Einstieg von Audi. Dagegen steht Mick Schumacher nur auf der Warteliste. Er ist immer im Gespräch, aber die Aussichten sind dennoch nicht rosig. Im Gespräch ist auch wieder Flavio Briatore, der umstrittene Lebemann und Formel-1-Kenner, soll Renault nach vorne bringen, die Alpine schwächeln, aber Renault-Boss Luca de Meo ist ehrgeizig und will nach oben.

Man sieht, von Langeweile keine Spur und das sollte in nächste Zeit so bleiben, selbst wenn es nicht unbedingt um den Titelgewinn geht, denn von Platz 1 wird sich Max Verstappen (255 Punkte) bei 84 Zählern Vorsprung vor Norris (171, 3. Leclerc 150) nicht mehr verdrängen lassen. Der Kampf um Sieg und Plätze scheint aber wieder interessant zu sein. Eigentlich schade, dass nach den nächsten zwei Rennen in Budapest und Spa die vierwöchige Sommerpause ansteht. Hauptsache nach dieser Ruhephase gibt es keinen Rückschlag zu früherer Langeweile…

Nach dem bitteren EM-Aus: Mit Verjüngungskur zum WM-Titel 2026!

Der Titel ist das Ziel aller Turnierträume! Für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft sind bei der heimischen Europameisterschaft im Viertelfinale alle Träume jäh geplatzt. Was bleibt, ist Hoffnung. Es ist fast ein Wink des Schicksals, dass in diesen Tagen ein besonderes Jubiläum gefeiert wurde: Am 7. Juli 1974, also genau vor 50 Jahren, wurde Deutschland bei der Heim-WM mit einem 2:1-Sieg über die Niederlande Weltmeister! Es war unter Bundestrainer Helmut Schön ein holpriger Weg zum Titel, mit Streit zwischen Spielern und Verband, mit Querelen im Team und Ärger nach einer 0:1-Niederlage im „Bruderkampf“ gegen die DDR. Diese Niederlage war wegweisend, die Mannschaft rückte zusammen, der Weg ins Endspiel war ein leichterer als der für die DDR. Über Jugoslawien, Schweden und in der Wasserschlacht von Frankfurt über Polen ging es ins Finale nach München. Dort ging die Niederlande schnell in Führung, Paul Breitner glich per Elfmeter aus und Gerd Müller (wer sonst) erzielte den Siegtreffer zum zweiten Titelgewinn Deutschlands nach 1954. Die Stimmung im Land war dabei nicht so euphorisch wie jetzt bei der EM, die Zeiten waren andere, Public Viewing war noch nicht erfunden, die Leute ächzten unter wirtschaftlichen Problemen.

Erinnerungen wecken in Richtung WM gleichzeitig Hoffnungen. Nach dem bitteren EM-Aus sprach Bundestrainer Julian Nagelsmann nach Tränen der Enttäuschung von der Zukunft, die er mit einer Verjüngungskur einleiten will. Er sorgte für „Futter“ für die Journalisten: „Und für die WM 2026 (in den USA, Kanada und Mexiko) gibt es nur ein Ziel, wir wollen Weltmeister werden, das wollt Ihr doch hören.“ An solche Ziele klammern sich auch die Fans, immerhin beeindruckte die deutsche Mannschaft und zeigte deutlich, bis zur Weltspitze ist es nicht weit. Im Halbfinale stehen nun Mannschaften, die eher Rumpelfußball boten.

Trotz der unglücklichen Niederlage in einem schieren Abnützungskampf können Nagelsmann und seine Mannen ein positives EM-Fazit ziehen. Die Mannschaft weckte wieder Fußballbegeisterung, es gab einen Zusammenhalt im Team und zwischen Spielern und Fans,die Stimmung war euphorisch. Schade, dass das Ausscheiden auch durch den Schiedsrichter beeinflusst wurde, der Engländer Anthony Taylor hätte in der 106. Minute Elfmeter für Deutschland geben müssen, Musialas Schuss ging Richtung Tor und wurde durch den abgespreizten Arm des spanischen Abwehrspielers gestoppt. Ein Treffer wäre möglich gewesen, da gilt die Ermessungsentscheidung nicht mehr. Welcher Zufall: Auch im Finale 1974 pfiff ein Engländer mit Namen Taylor, gab Elfmeter für die Niederlande und Deutschland!

In Zukunft hat Julian Nagelsmann andere Sorgen und er hat sie schon angesprochen. Deutschland stellte bei der EM die älteste Mannschaft des Turniers, eine Verjüngung ist also dringend notwendig, einzig Toni Kroos hat aber von den Ü30 seinen Rücktritt bisher verkündet. Sein großer Traum vom EM-Titel ging nicht mehr in Erfüllung, in Bestform war er am Schluss auch nicht mehr. Er tritt mit 34 als einer der erfolgreichsten Fußballer mit insgesamt 34 Titeln (!) ab, war aber nie ganz unumstritten, eine Führungsfigur wie Beckenbauer oder Matthäus wurde er nie. Auch mit dem Rücktritt von Thomas Müller (34) wird gerechnet, der auf dem Feld keine große Rolle mehr spielen konnte und dessen Vertrag bei den Bayern bis 2025 läuft. Ähnlich sieht es bei Manuel Neuer (38) aus, der die nächsten Tage in sich gehen will und sich noch nicht entschieden. Marc-Andre ter Stegen (32) wartet auf den Rücktritt, die Zukunft dürfte aber Alexander Nübel (27) gehören. Zu den Ü30 gehören auch Antonio Rüdiger (31) und Kapitän Ilkay Gündogan (33), doch beide sind als Halt in der Abwehr bzw. erfahrener Anker im Mittelfeld eingeplant.

Das Gros der Mannschaft dürfte bei der WM 2026 dabei sein, vor allem Spieler wie Kimmich, Wirtz, Musiala und Havertz machen Hoffnung, wobei die beste Rolle von Havertz wohl nicht die des Mittelstürmers ist. Aber Nagelsmann hat schon Namen von Hoffnungsträgern in die Debatte geworfen, Angelo Stiller (Stuttgart) und Aleksandar Pavlovic (Bayern) als nächste Anwärter im Mittelfeld genannt. Dazu sind der Mainzer Brajan Gruda und der Gladbacher Rocco Reitz auf dem Sprung. Lange dauert es nicht, bis sich die neue Nationalmannschaft präsentiert, am 7. September beginnt mit dem Spiel gegen Ungarn in Düsseldorf die nächste Nations League, drei Tage später ist die Niederlande in Amsterdam der Gegner. Da sind in der Bundesliga gerade mal zwei Runden gespielt. Es warten also neue Aufgaben für Nagelsmann und sein Team, in erster Linie Sandro Wagner und Benjamin Glück, das offensichtlich prächtig harmoniert. Auch Nagelsmann hat sich profiliert, hat den Zusammenhalt in den Vordergrund gestellt und ganz Deutschland eine Mahnung mit auf den Weg gegeben: „Ohne ein Miteinander, ohne Zusammenhalt geht es nicht.“

Drei Spiele stehen also noch auf dem Papier, zu hoffen ist, dass auch das deutsche Publikum Halbfinale und Finale mit Wohlwollen begleitet. Spanien gegen Frankreich (in München) und England gegen die Niederlande (in Dortmund) sind echte Knüller, auch wenn die Leistungen nicht unbedingt den großen Namen entsprachen. Spanien hat im Duell mit Deutschland Federn lassen müssen, gilt dennoch weiter als Favorit, zumal Frankreich unter einer Torflaute leidet. Die Niederlande hat nach großem Kampf die Türkei nach Hause geschickt, die vielleicht zu viel auf die Politik geachtet hat. Und England darf weiter davon träumen, endlich wieder seit 1966 einen Titel zu gewinnen.

Start der Bundesliga am 23. August

Die Nationalmannschaft ist ausgeschieden, in Deutschland werden sich die Fans wieder der Bundesliga zuwenden. In diesen Tagen hat die DFL bereits die Spielpläne für die erste und zweite Liga veröffentlicht und damit die Vorfreude geschürt. Die 2. Bundesliga startet am 2. August mit dem Schlager 1. FC Köln – Hamburger SV, zwei Traditionsclubs und Aufstiegsaspiranten. Zwei Wochen lang gehören die Schlagzeilen der zweiten Liga, dann folgen Pokal, der Supercup zwischen Leverkusen und Stuttgart und am 23. August startet das Oberhaus mit der Partie Mönchengladbach gegen Meister Bayer Leverkusen.

Bis dahin werden die Spielerwechsel die Schlagzeilen beherrschen, wobei die Bayern hier für erste Ergebnisse gesorgt haben. Am Sonntag wurde Flügelflitzer Michael Olise (22) von Crystal Palace verpflichtet, an dem unter anderem auch Manchester City interessiert war. Der Portugiese Joao Palhinha (28), Sechser beim FC Fulham, soll bald folgen, Abwehrspieler Hiroki Ito (25) ist schon da, ein rund 130 Millionen Euro schweres Paket. Borussia Dortmund schaut sich derweil beim Nationalteam um, Waldemar Anton hat sich zum BVB bekannt, jetzt soll auch noch Pascal Groß folgen und auch Stuttgarts Chris Führich ist in Dortmund im Gespräch. Der VfB Stuttgart kämpft dagegen darum, die Abgänge seiner Stars wieder auszugleichen.

Frauen haben Olympia im Blick

Bei den Männern ist Schluss, die Frauen stehen am Anfang. Die Nationalmannschaft traf sich am Montag, da stand auch die Einkleidung für die Olympischen Spiele in Paris auf dem Programm. Bundestrainer Horst Hrubesch hat nach schwierigen Gesprächen einen Kader von nur 18 Spielerinnen benannt, mehr dürfen nicht nominiert werden, dazu bleiben vier auf Abruf. Prominente Namen wie Lina Magull, Sara Däbritz und Lena Lattwein fehlen. Der Vorbereitung auf Olympia dienen die letzten Spiele in der EM-Qualifikation, die Deutschland schon geschafft hat, aber das Team will ungeschlagener Tabellenführer bleiben. Am Freitag, 12. Juli (18.15 Uhr) ist der erste Test in Island, Österreich ist am Dienstag, 16. Juli (19 Uhr) in Hannover der letzte Gegner.

Das Aufgebot: Tor: Frohms (Wolfsburg), Berger (Gotham). – Abwehr: Doorsoun (Frankfurt), Hegering, Hendrich, Linder (alle Wolfsburg), Schulze Solano (Bilbao), Gwinn (Bayern). – Mittelfeld und Sturm: Brand, Endemann, Popp (alle Wolfsburg), Bühl, Lohmann, Schüller, Oberdorf (alle Bayern), Freigang, Senß (beide Frankfurt), Nüsken (Chelsea). – Abruf: Johannes, Anyomi (beide Frankfurt), Rauch (North Carolina), Minge (Wolfsburg).

Gegen Spanien folgt bereits das echte Endspiel!

Land unter in Dortmund, aber Deutschland ging nicht unter – auch weil der VAR an diesem Tag ein Faible für die DFB-Elf hatte. Zwei glückliche Entscheidungen für eine Mannschaft gibt es selten, sie stellten die Weichen für den 2:0-Sieg. Angesichts dieser Tatsache und des Ausscheidens war Stunden nach dem Unwetter (25 Minuten Unterbrechung) das Donnergrollen der Dänen zu hören. Vor allem Trainer Casper Hjulmand haderte, „so sollten Fußballspiele nicht entschieden werden,“ aber in einer ruhigen Minute, nachdem er Dampf abgelassen hat, wird er sehen müssen: Die Regeln sind so, der VAR hat den Fußball die Emotionen genommen und sollte dafür Gerechtigkeit bringen (was nicht stimmt!) und die Entscheidungen per VAR waren genauso, wie es die Regeln vorschreiben. Logisch, ärgerlich das Abseits von ein paar Millimetern (das haben leider schon viele Leidtragende erlebt) und diskussionswürdig die Handspielregel, aber der Arm war ausgestreckt und der Ball an der Hand (die Flugkurve hat sich verändert). Nicht umsonst gehen die (armen) Abwehrspieler heute oft mit den Händen hinter dem Rücken in den Zweikampf. Es hätte sich aber auch Julian Nagelsmann beschweren können, denn das erste deutsche Tor nach wenigen Minuten von Nico Schlotterbeck hätte zählen müssen. Das Blocken von Kimmich gegen einen Dänen ist das übliche Prozedere im Strafraum, das in 80 von 100 Fälle nicht abgepfiffen wird.

Es war ein denkwürdiger Abend im Achtelfinale der Fußball-Europameisterschaft. Es war ein Abend, der die deutsche Mannschaft weitergebracht hat, das Image verbessert, das Selbstbewusstsein gestärkt, das Viertelfinale geschafft. Das erste Ziel ist erreicht, jetzt kommt die Zugabe. Natürlich wollen alle in Deutschland in das Finale. „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“ schallte es immer wieder durch die Stadien. Aber das echte Finale folgt bereits am Freitag (18 Uhr) in Stuttgart gegen Spanien, der durchaus beeindruckende Gastgeber gegen die bisher beste Mannschaft im Turnier. Wer Spanien schlägt, sollte eigentlich auch Europameister werden…

Was auffällt: Julian Nagelsmann scheint in der Rolle des Bundestrainers seine Erfüllung gefunden zu haben. Er ist lockerer geworden, bindet seine Assistenten Benjamin Glück und vor allem Sandro Wagner in großem Maße ein, hatte für Tipps, zum Beispiel vom Basketball-Bundestrainer Herbert, ein offenes Ohr und hat die richtige Mischung für die Mannschaft gefunden. Vorbei die finsteren Zeiten, als das Lachen Spielern und Fans vergangen ist. Erstmals seit acht Jahren wurde wieder ein K.o.-Spiel gewonnen, herrscht Zuversicht statt Tristesse. Spanien ist eine harte Nuss, die sehenden Auges in Kauf genommen wurde, denn diese Konstellation drohte bekanntlich mit dem Gruppensieg, aber der war für die Stimmung im Land wichtig. Jetzt also gegen die „beste Mannschaft der Welt“, wie Trainer Luis de la Fuente sein Team einschätzt. Der 63-Jährige wurde Europameister mit der U19 und U21, einige seiner damaligen Schützlingen greifen jetzt wieder nach dem Pokal. Vor allem die Flügelflitzer Lamine Yamal (16!) und Nico Williams beeindrucken, Fabian und Rodri sind das Herz der Mannschaft, keine Nation hat zudem einen so ausgeglichen starken Kader.

Aber Deutschland ist nicht chancenlos, auch la Fuente schränkt ein: „Im Fußball kann alles passieren.“ Schließlich hat auch Nagelsmann Trümpfe in der Hand, er hat ein echtes Team geformt, der Kampfgeist kann Berge versetzen und die Form stimmt meist. Torhüter Manuel Neuer ist wieder eine Bank, Antonion Rüdiger erwies sich als richtiger Abwehrfelsen und Emotionsmonster, bejubelte eine Grätsche wie ein Tor, Nico Schlotterbeck macht Jonathan Tah den Platz neben Rüdiger streitig, wenn nur seine Leichtsinnsaussetzer nicht wären. Toni Kroos wird gegen die Spanier besonders motiviert sein, Musiala und Wirtz werden den jungen Spaniern zeigen wollen, dass auch Deutschland starke Talente hat. Und wenn Spanien Schwächen hat, dann in der Abwehr, das wäre dann eine Aufgabe unter anderem für Niclas Füllkrug, der als Joker wieder einmal das Ass im Ärmel von Nagelsmann werden kann.

Für den DFB ist die Europameisterschaft schon jetzt ein Erfolg. Die TV-Einschaltquoten bleiben hoch, die Fanzonen quellen über, nur das Wetter sorgte Abkühlung mit Regen, Blitz und Donner, aber davon lassen sich feiernde Fans nicht abhalten. Der DFB kann schon jetzt ebenfalls ein finanziell gutes Fazit ziehen, dazu passt, dass der Verband gerade melden konnte, dass er nach Jahren des Verlustes 2023 wieder einen Jahresüberschuss von 4,9 Millionen Euro erzielen konnte. Bei der EM kann er inzwischen mit 15,75 Millionen Euro planen, viel mehr als in den letzten Jahren bei dem frühen Ausscheiden. Als Europameister wären es am Ende sogar 28,5 Millionen. Die Spieler haben sich bisher die vereinbarten Prämien von 100.000 Euro verdient, dieser Betrag könnte sich auf 150.000 im Halbfinale, 250.000 als Zweiter und 400.000 Euro als Sieger steigern.

Nicht überall ist die Stimmung so gut, die Dänen flogen noch erhobenen Kopfes nach Hause, in Italien sind die Fans dagegen am Boden zerstört. Der Titelverteidiger hat sich bei dieser EM blamiert, die 0:2-Niederlage gegen die Schweiz bedeutete das Aus. Der mit Neapel so erfolgreiche Trainer Luciano Spalletti hatte es sich anders vorgestellt, aber er musste konsterniert feststellen: „Italien fehlen die großen Spieler, die großen Talente.“ Kritiker monieren, es fehle an Charakter, Qualität und Tempo. Spalletti will aber weitermachen und vermehrt junge, hungrige Spieler einsetzen. Friede, Freude, Eierkuchen dagegen in der Schweiz mit Murat Yakin als gefeierten Trainer, mit dem Leverkusener Granit Xhaka als Kopf der Mannschaft und gegen Italien dem Augsburger Ruben Vargas als Matchwinner mit einem Tor und einer Vorlage. Er will ja den FCA verlassen und hat damit beste Reklame für sich gemacht.

Die Schweiz sieht sich aber noch nicht am Ende, weiter geht es am Samstag (18 Uhr) in Düsseldorf gegen England. Und diese Engländer hatten gegen die Slowakei mehr Glück als Verstand. In der 5. Minute der Nachspielzeit verhinderte Jude Bellingham mit einem Fallrückzieher Marke „Tor des Monats“ das Ausscheiden und Bayern-Torjäger und Kapitän Harry Kane zog mit einem Kopfballtreffer gleich zu Beginn der Verlängerung nach. Den Slowaken war der Zahn gezogen, zumal sie kräftemäßig nachließen. Über Müdigkeit klagen aber auch die Engländer, die auch diesmal keineswegs überzeugen konnten. Da machte die Schweiz den frischeren Eindruck. Überhaupt haben die „Kleinen“ bei dieser EM wirklich überzeugt, auch Georgien wehrte sich tapfer gegen Spanien und konnte Pluspunkte für sich verbuchen. Österreich könnte das nächste Überraschungsteam werden. Das Team wohnt ja schon im Endspielort Berlin!

Bundesliga trainiert wieder

Trotz Europameisterschaft, der normale Fußball-Alltag beginnt wieder, die ersten Bundesligisten nehmen in diesen Tagen wieder ihren Trainingsbetrieb auf. „Frühstarter“ war dabei Aufsteiger Holstein Kiel, der bereits am Freitag begann, Union Berlin, Bochum und Heidenheim folgten am Montag nach dem Motto, man kann nie früh genug beginnen, um die Klasse zu halten. Das Schlusslicht des Trainingsstarts ist Bayern München am 15. Juli, die meisten Spieler sind ja unterwegs, das gilt auch für Leverkusen (14.) und Dortmund (10.). Vizemeister VfB Stuttgart ist am Donnerstag bedeutend früher dran, hat aber in diesen Tagen ganz andere Sorgen: Der Ausverkauf der erfolgreichen Mannschaft soll verhindert werden.

Die EM zwischen Abschiedsschmerz und großen Hoffnungen

Wenn bei einem Turnier das Achtelfinale ansteht, dann sagen viele, jetzt geht es erst richtig los. Das gilt natürlich auch für die Fußball-Europameisterschaft, die am Samstag in ihre entscheidende Phase eintritt, wenn die K.o.-Spiele losgehen. Jetzt hat es ein Ende mit den Unentschieden, es muss einen Sieger geben, notfalls per Elfmeterschießen. Bevor es also richtig losgeht, gibt es am Donnerstag und Freitag zwei Tage Pause (harte Fans sinnieren „was mach ich jetzt bloß“), die EM befindet sich zwischen Abschiedsschmerz und großen Hoffnungen.

Wir können natürlich sagen, der Abschiedsschmerz hält sich in Grenzen, weil nur acht der 24 Mannschaften nach Hause fahren mussten, es sind dies die Schlusslichter Schottland, Albanien, Serbien, Polen, die Ukraine und Tschechien. Dazu traf es zwei unglückliche Dritte, so Ungarn mit drei Punkten, das gegenüber den punktgleichen Slowenien die schlechtere Tordifferenz aufweist, und Kroatien. Das größte Pech hat die leidgeprüfte Ukraine, die in der Gruppe E mit allen vier Mannschaften mit je vier Punkten die schlechteste Tordifferenz mit 2:4 aufwies und Letzter wurde, während eben Slowenien mit drei Punkten im Turnier bleibt. Weil Rumänien mehr Tore als Belgien erzielt hat (4:3 zu 2:1) wurde es Gruppensieger und die Slowakei (3:3) Dritter. Dieses Theater könnte man sich sparen, wenn man das Teilnehmerfeld, wie vielfach gefordert, gleich auf 32 erhöhen würde, so dass immer zwei Mannschaften der acht Gruppen aufsteigen.

Aber Abschiedsschmerz gibt es schon, wir werden vor allem die schottischen Fans vermissen, die zum Auftakt gleich die Lieblinge von München wurden, die aber auch in den weiteren Spielorten Köln und Stuttgart mit ihrem stimmungsvollen Benehmen die Herzen eroberten und eine echte Bereicherung der EM waren. Schade, mit diesen Fans hätte Schottland ein Weiterkommen verdient gehabt. Aber überhaupt gab es bereits in den Gruppenspielen eine tolle Atmosphäre, waren die Fanzonen überfüllt, die EM ist in Deutschland gut angekommen. Negativ waren die Begleiterscheinungen, dass die Deutsche Bahn deutlich machte, dass sie kein zuverlässiges Verkehrsmittel ist (EM-Direktor Philipp Lahm: „Da wurde das Versäumnis in Deutschland deutlich, da sind wir Organisatoren machtlos“), außerdem waren einige Fans mit politischen Parolen (vor allem aus dem ehemaligen Jugoslawien) das Gegenteil der Schotten. Zudem ist das Wetter nicht gewillt, ein Sommermärchen zu veranstalten, Gewitter und Starkregen machten Fans und Teams das Leben schwer.

Jetzt aber das Achtelfinale, das mit großen Hoffnungen und Träumen behaftet ist. Erstes Ziel, weiterkommen ins Viertelfinale, das große Ziel heißt Finale. Es gibt dabei die Überraschungen durch Georgien, die Slowakei oder auch Österreich als Sieger der „Hammergruppe“. Besonders überzeugen konnten Spanien und Portugal, Deutschland begeisterte zum Teil seine Fans, während die stark eingeschätzten Mannschaften aus England, Frankreich, Belgien und den Niederlanden ihr Potential noch nicht abrufen konnten.

Das Achtelfinale: Samstag, 29.6., Berlin 18 Uhr: Schweiz – Italien (RTL), Dortmund 21 Uhr: Deutschland – Dänemark (ZDF). Sonntag, Gelsenkirchen 18 Uhr: England – Slowakei (ZDF), Köln 21 Uhr: Spanien – Georgien (ARD). Montag, Düsseldorf 18 Uhr: Frankreich – Belgien (ZDF), Frankfurt 21 Uhr: Portugal – Slowenien (ARD). Dienstag, München 18 Uhr: Rumänien – Niederlande (ARD), Leipzig 21 Uhr: Österreich – Türkei (MagentaTV exklusiv). – Der Blick aufs Halbfinale: Spanien/Georgien – Deutschland/Dänemark, Portugal/Slowenien – Frankreich/Belgien, England/Slowakei – Schweiz/Italien, Rumänien/Niederlande – Österreich/Türkei.

Deutschland hat den Gruppensieg mit Füllkrugs Treffer kurz vor Schluss gefeiert, was gut für die Stimmung war, aber ein Blick auf das Tableau zeigt, das der schwerere Weg bevorsteht, weil in einem Viertelfinale Spanien wartet. Zunächst gilt die Weisheit, dass das nächste Spiel das schwerste ist, es wartet Dänemark. Für die DFB-Elf ist die K.o.-Runde ungewohntes Terrain, denn zuletzt war nach den Gruppenspielen immer Schluss. So ist die K.o.-Runde auch für das Gros der Spieler ungewohnt. Macht sich da vielleicht Nervosität breit? Neuer, Müller und Kroos sind diejenigen, die da Halt geben können. Der kicker spricht vom „Aufbruch ins Neuland“, 78 Prozent der Leser erwarten einen Sieg gegen Dänemark.

Neuland gegen Dänemark wird es für Trainer und einige Spieler auf jeden Fall, denn rund ums Team gibt es Diskussionen und Änderungen. Bundestrainer Julian Nagelsmann wird erstmals nicht auf die gleiche Startelf zurückgreifen können. Tah ist gesperrt, Rüdiger verletzt und sein Einsatz ungewiss. Es könnte also zur künftigen Dortmunder Innenverteidigung Anton/Schlotterbeck kommen. Diskustiert wird bei Fans und in Medien, ob nicht Füllkrug ob seiner Trefferquote von Anfang spielen muss. Das könnte für, aber auch neben Havertz sein. Eher wird Nagelsmann wohl Füllkrug für Havertz bringen, aber vielleicht setzt er auch darauf, dass er mit dem Torjäger als Joker ein Ass in der Hinterhand hat. Spielt Füllkrug, könnte auch Vorlagengeber Raum den Platz von Mittelstädt auf der linken Seite einnehmen. Auch die Dänen werden Veränderungen im Team vornehmen müssen, denn mit Morten Hjulmend ist der beste Stürmer ebenfalls Gelbgesperrt. Die Dänen erinnern sich wohl gern an 1992, als sie Europameister wurden und gegen Deutschland im Finale mit 2:0 gewannen. Zahlreiche Spieler und Trainer haben die Bundesliga bereichert, ein besonderes Spiel wird es aber für Standardtrainer Mads Buttgereit. Von 2018 bis 2020 arbeitete er in der Rolle für das dänische Team, jetzt steht er auf der deutsche Seite, kennt natürlich viele dänische Spieler mit ihren Stärken und Schwächen. Er müsste gute Tipps geben können.

Ein Blick auf den Turnierplan zeigt, dass die großen Schlagerspiele im Achtelfinale noch fehlen. Das Nachbarduell Frankreich – Belgien ist wohl die brisanteste Partie mit zwei Mannschaften, die bisher nicht überzeugen konnten. In Belgien steht vor allem der deutsche Trainer Domenico Tedesco in der Kritik, Frankreich hofft, das Kylan Mbappé wieder das richtige Näschen für Tore hat! Interessant auch das Duell der Schweiz mit Italien, das die Runde der letzten 16 einleitet. Zum Abschluss treffen sich Österreich und die Türkei, wohl eine Chance für Österreich, nach dem überraschenden Gruppensieg sogar noch ein Stück weiter zu kommen. Schweiz und Österreich stecken jedenfalls in der Hälfte, wo die Teams eher enttäuscht haben. Mit Spanien, Portugal und Deutschland stehen sich auf der anderen Seite die bisher besten Teams im Weg. Wer geht K.o.?