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Das Rätsel um die DFB-Elf: Ein Unentschieden als Dämpfer und Mutmacher zugleich

Jetzt geht die deutsche Mannschaft bei der Fußball-Europameisterschaft doch als Gruppensieger in das Achtelfinale. Ein Erfolg, wenn man die letzten Turnierpleiten anschaut. Das 1:1 gegen die Schweiz, mit dem Ausgleich in der Nachspielzeit, gibt aber Rätsel auf. Na ja, gerätselt wurde schon vor dem Spiel in Frankfurt, weil es um den weiteren Weg der Nationalmannschaft im Turnier geht. Zwar sollte Schritt für Schritt geplant werden, aber als Gruppensieger droht im Viertelfinale Spanien, doch zuvor gibt es noch eine andere Hürde. Und zuvor muss auch das Match gegen die Schweiz aufgearbeitet werden. Leistungsmäßig ist das Unentschieden ein Dämpfer, aber das Aufbäumen des Teams, der sichtbare Wille, den Bock noch einmal umzustoßen, ist zugleich ein Mutmacher. Das Tor zum Remis war auch wichtig für die deutsche EM-Stimmung, Dämpfer brauchen wir da nicht. Am Samstag um 21.00 Uhr in Dortmund werden also wieder alle mitfiebern, der Gegner wird am Dienstag ermittelt, es ist der Zweite der Gruppe C und dort ist bei England, Dänemark, Slowenien und Serbien alles möglich.

Bundestrainer Julian Nagelsmann ließ keine Zweifel daran, dass die Mannschaft Gruppensieger werden wolle, egal wie die Turnierkonstellation sich darstellt. Dennoch wirkte es lange Zeit so, als sollte die Diskussion unterschwellig in den Köpfen der Spieler hängen geblieben sein, selbst die Stützen der Mannschaft wie Tah, Rüdiger, Kroos, Gündogan, Wirtz und Musiala wirkten fahrig, die Pässe kamen nicht an, ein Lösung gegen das aggressive Spiel der Schweizer wurde nicht gefunden. Zwar war Deutschland dominant (66 Prozent Ballbesitz, 9;2 Ecken), hatte ein deutliches Übergewicht an Schüssen, aber die besseren Chancen hatte die Schweiz und sie ging auch 1:0 in Führung (28., Ndoye).

Deutschland im Rückstand – eine neue Situation bei diesem Turnier. Vielleicht auch ein guter Test für die weiteren Spiele. Nagelsmann kann auf eine Stärke bauen: Den Zusammenhalt im Team und auf seine Joker. Von der Bank kann immer die Wende kommen, so wie diesmal mit Beier, Raum und dem Torjäger der letzten Minuten, Niclas Füllkrug. Dazu durfte sich Nico Schlotterbeck zeigen, ob er den im Achtelfinale gesperrten Jonathan Tah ersetzen kann. Raum und Füllkrug kramten aber das alte Rezept der DFB-Elf hervor, das einst schon Kaltz und Hrubesch anwandten: Flanke – Tor in der 92. Minute. Sie üben es bei Sonderschichten im Training, da könnte Nagelsmann auch für längere Spielzeit auf die Waffe zurückgreifen. Zum Unentschieden hätte es dennoch nicht gereicht, wenn nicht Torhüter Manuel Neuer kurz zuvor mit einer Weltklasseparade bei einem Schuss von Xhaka das 0:2 verhindert hätte. Es war eine Parade zur Feier des Tages, denn jetzt ist Neuer alleiniger EM-Rekordtorhüter an Spielen.

Nun also das Achtelfinale. In der Gruppe C muss England (4 Punkte) gegen Slowenien (2) gewinnen, um den Gruppensieg sicher zu haben. Bei einem Unentschieden könnte nämlich Dänemark (2) mit einem Sieg gegen Serbien (1) vorbeiziehen, wenn es dann die bessere Tordifferenz aufweist (das direkte Duell endete 1:1, die Tordifferenz ist bei England +1, bei Dänemark 0). Die Schweiz als Gruppenzweiter spielt gegen den Zweiten Gruppe B, Schottland ist nach dem 0:1 gegen Ungarn (Tor in der 10. Minute der Nachspielzeit) ebenso wie bereits Polen ausgeschieden.

Die deutschen Spieler werden interessiert zuschauen, nachdem sie am Montag einen Ruhetag genießen konnten. Sie gehören dann zu den TV-Zuschauern, die für Rekordquoten sorgen. Am Sonntag sahen über 25 Millionen das Spiel der Deutschen. Bei Abwehrchef Antonio Rüdiger steht aber Pflege an, er hat Oberschenkelprobleme, sein Einsatz am Samstag ist unsicher, Partner Tah ist gesperrt – ein großes Fragezeichen in der Abwehr also. So könnten ausgerechnet in Dortmund Schlotterbeck und Waldemar Anton auflaufen, der künftig ebenfalls beim BVB spielen will. Es wird also auf jeden Fall so sein, dass Nagelsmann erstmals nicht die gleiche Anfangself aufbieten kann. Ansonsten wird an den letzten Spieltagen der Gruppenphase vor allem gerechnet werden, wer sind die glücklichen vier besten Gruppendritten, die ebenfalls ins Achtelfinale einziehen. Der Rechenschieber löst den Fußball ab.

Wechsel-Theater in der Bundesliga

Bei der EM sitzen natürlich zahlreiche Vereinsmanager auf den Tribünen, schließlich gilt es, den Markt zu beobachten und Kontakte zu knüpfen. Auf den Schreibtischen der Bundesliga-Boss staut sich die Arbeit, es wird an der Mannschaft für die neue Saison gebastelt. Zahlreiche Wechsel sind bereits über die Bühne gegangen, besonders weit scheint der FC Heidenheim zu sein, der bereits sieben Spieler verpflichtet hat, zuletzt das Talent Paul Wanner, der vom FC Bayern ausgeliehen wird. Dafür verlieren die Heidenheimer ihren Torjäger Tim Kleindienst, der ausgerechnet zu dem Verein geht, der im Wechsel-Theater bereits erfolgreich zugeschlagen hat – Borussia Mönchengladbach. Eine enttäuschende Saison mit Abstiegssorgen und am Ende Platz 14 soll sich nicht wiederholen. Mit Stöger (Bochum) und Sander (Kiel) wurden Mittelfeldstrategen geholt und jetzt ein echter Torjäger mit mannschaftsdienlichen Stärken.

Von den Spitzenteams ist besonders der VfB Stuttgart aktiv, der vorsorgen will, wenn seine Stars Guirassy, Führich und Anton den Verein verlassen sollten. Der VfB setzt bisher aber vor allem auf Talente wie bei Woltemade (Bremen), Diehl (Köln) und EM-Spieler Rieder(Rennes/Schweiz). Mehr Erfahrung haben schon Chabot (Köln) und Keitel (Freiburg). Wenig hört man von Meister Leverkusen, immer im Gespräch sind dagegen die Bayern. Bisher wurden sie nich besonders fündig mit Ito (Stuttgart) und dem australischen Talent Ivankunda (Adelaide). Weitere Verstärkungen werden vor allem viel Geld kosten, so soll Flügelflitzer Michal Olise von Crystal Palace kommen, der für 60 Millionen Euro wechseln darf. Er wäre eine Ansage für Coman und Gnabry, die den Verein verlassen können. Tah soll von Leverkusen losgeeist werden, zwischen Angebot (20 Millionen) und Bayer-Forderung (40 Millionen) gibt es eine große Diskrepanz. Joao Palhinha vom FC Fulham ist auch wieder im Gespräch, der Portugiese möchte gern kommen, von 45 Millionen plus Boni ist die Rede, im Vorjahr waren es noch 65 Millionen. Dafür stehen bekanntlich de Ligt und Upamecano auf der Verkaufsliste, neuerdings auch der etwas fremdelnde Südkoreaner Kim. Im Wechsel-Theater fällt erst Ende August der Vorhang.

Frauen-Bundesliga wird aufgestockt

Gute Nachricht für die Frauen-Bundesliga. Die schon lange erhobene Forderung (auch an dieser Stelle) nach einer Aufstockung der Eliteliga über die derzeitigen 12 Vereine hinaus, wird erfüllt. Ab 2025 wird es 14 Vereine geben, deshalb in der neuen Saison nur einen Absteiger, aber drei Aufsteiger aus der 2. Bundesliga. Sollte sich ein Aufsteiger nicht um die BL-Lizenz bemühen, gibt es keinen Absteiger. Im nächsten Schritt ist bereits die Aufstockung auf 16 Klubs im Visier, was noch besser für die Liga wäre und dem wachsenden Interesse für den Frauen-Fußball erst richtig gerechet werden würde. Mehr Spiele bedeuten schließlich auch mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Allerdings dürfen sich die Mädchen danach nicht über zu viel Stress beklagen!

Jetzt hat Deutschland das erste Endspiel

Bei der Fußball-Europameisterschaft träumen alle vom Endspiel, gemeint ist das Finale am 14. Juli in Berlin. Aber warum in die Ferne schweifen, das Spannende liegt so nah. Wenn Deutschland am Sonntag (21.00 Uhr) in Frankfurt auf die Schweiz trifft, dann gibt es bereits das erste Endspiel. Na gut, es geht nur um den Gruppensieg und so spannend ist es dann auch wieder nicht, denn viele spekulieren sogar darüber, ob dem Sieger in einem späteren Viertelfinale nicht die schwerere Aufgabe bevorsteht. Der Gegner dürfte dann nämlich Spanien heißen, die Mannschaft, die bisher am meisten überzeugt hat und bereits als Gruppensieger feststeht. Deutschland hat auch gefallen, das wäre dann also fast schon ein vorgezogenes Endspiel bzw. Finale.

Bundestrainer Julian Nagelsmann wird natürlich kaum verraten, ob er spekulieren will. Vernünftigerweise wird er es auch nicht tun, denn schon oft kam der Schwung einer Mannschaft abhanden, wenn plötzlich Teile der ersten Garnitur geschont wurden, um anderen eine Einsatzmöglichkeit zu geben. Das Trainerteam wird aber diskutieren, ob einer der gelbgefährdeten Kandidaten aussetzen soll, denn die nächste Gelbe Karte bedeutet eine Sperre im Achtelfinale. Vor allem das Abwehrduo Tah/Rüdiger ist gefährdet, dazu Mittelstädt und Andrich.

Beim 2:0-Sieg gegen Ungarn wurde die DFB-Elf wie erwartet mehr gefordert als von Schottland, aber sie hat sich wieder gut aus der Affäre gezogen und einige Spieler haben vielleicht sogar besonders profitiert. So Torhüter Manuel Neuer, der nach einigen Fehler Zweifel gesät hatte, aber diesmal mit großartigen Paraden zum Wegbereiter des Erfolgs wurde. Oder Torschütze Jamal Musiala, der mit seinem zweiten Treffer weiter Selbstvertrauen getankt hat, damit vorübergehend sogar die Torschützenliste anführt und sicher den Schwung für weitere Großtaten hat. Am augenscheinlichsten surft aber ausgerechnet Kapitän Ilkay Gündogan und einer Welle des Selbstvertrauens. War er vor dem Turnier noch von einigen „Experten“ in Zweifel gezogen worden (Lothar Matthäus: „Ich würde auf ihn verzichten“), so bewies er jetzt in beiden Turnierspielen, welch großen Wert er für das Team hat. Da muss man wohl auf den größten Fachmann verweisen, auf den Ex- Bayern- und jetzigen ManCity-Trainer Pep Guardiola nämlich, der immer herausgestrichen hat, welchen Wert Gündogan für die Mannschaft habe. Bei ihm wurde er zum Weltklassemann und war auch im Verein Kapitän. Entscheidend war der Schachzug von Nagelmann, Gündogan nicht neben, sondern vor Toni Kroos spielen zu lassen, mit Führungsaufgaben für die Jungstars Wirtz und Musiala. Seinen Ehrgeiz zeigte Gündogan beim ersten Treffer, als er sich gegen Verteidiger Orban durchsetzte, der später ein Foul monierte, aber eigentlich zuerst Gündogan den Weg versperren wollte, um den Ball abzuschirmen. Gündogan handelte cleverer und war durchsetzungsstärker („In England hätten sie gelacht, wenn das als Foul geahndet worden wäre“). Die Krönung war, dass der Chef selbst das zweite Tor erzielte.

Dieses Durchsetzungsvermögen wird im weiteren Turnierverlauf die ganze Mannschaft benötigen, egal, wer der Gegner ist. Und wer auf den übernächsten Gegner schaut, dem sollte klar sein, nach der Schweiz sind noch vier Siege bis zum Titelgewinn notwendig! Der Weg dahin geht als Gruppensieger gegen den Zweiten der Gruppe C mit England/Dänemark/Slowenien/Serbien, danach könnte es Spanien sein. Als Gruppenzweiter ist zunächst der Zweite der Gruppe B der Gegner, also Italien/Kroatien/Albanien, danach könnte es England sein, das bisher allerdings wenig überzeugt hat. Es wird deutlich: Lieber gut spielen, als kalkulieren.

Zunächst geht es gegen die Schweiz und das ist schließlich ein Prestigeduell. Die Schweiz ist immer ein besonderer Gegner, denn jeweils nach den Weltkriegen waren es die Eidgenossen, die wieder die ersten Spiele gegen Deutschland absolvierten. Gegen keine Nation spielte die DFB-Elf öfter, 53 Duelle sind es bisher, aber noch nie stand man sich bei einer EM gegenüber. Die Schweiz kann mit einem Erfolg Gruppensieger werden, wird aber selbst bei einer Niederlage ziemlich sicher Gruppenzweiter, da sie gegenüber Schottland die wesentlich bessere Tordifferenz hat und Schottland muss ja gegen Ungarn erst einmal gewinnen. In erster Linie zählt aber die alte Rivalität und so sagt der Schweizer Kapitän Granit Xhaka: „Wir wollen Paroli bieten.“ Sollte Robert Andrich spielen, würde das Meister-Mittelfeld aus Leverkusen sich als Gegner gegenüberstehen.

Die Europameisterschaft kommt an in Deutschland, die Stimmung ist landesweit überragend, dafür sorgen vor allem auch die tausende ausländischen Fans und bisher ging es vor allem friedlich zu. Man spürt, dass die Fans nach der Corona-Zeit und der WM im fernen Katar ein Turnier in Europa genießen. Allein die Organisation der öffentlichen Verkehrsmittel gibt zu Kritik Anlass, vor allem die Bahn wurde mit der Masse der Fahrgäste nicht fertig, aber wann war die Deutsche Bahn zuletzt schon zuverlässig. Die Nagelsmann-Schützlinge haben zudem wieder die Herzen der Fans erobert, trotz der frühen Anfangszeit um 18.00 Uhr sahen am Mittwoch fast 24 Millionen Zuschauer das Spiel an den Fernsehschirmen. Die TV-Sender können überhaupt Rekordzahlen vermelden, denn alle EM-Spiele sind die Renner des Tages. Eine Begeisterung, die vor einigen Monaten noch für undenkbar gehalten wurde.

Die EM bringt Deutschland die Freude zurück

Was der Fußball doch alles bewirken kann: Deutschland jubelt wieder, Deutschland freut sich wieder, die Tristesse der letzten Monate, ja Jahre, ist beiseite geschoben. Die Europameisterschaft 2024 knüpft da an, wo die Weltmeisterschaft 2006 beeindruckte, ein Sommermärchen und gelöste Stimmung. Die war beim EM-Start vor allem wieder beim Public Viewing und in den EM-Städten zu spüren, die Nationalmannschaft sorgte mit ihrem 5:1-Sieg über Schottland und einer überzeugenden Leistung für gute Laune. Vergessen die bittere Corona-Zeit, verdrängt der Ärger über eine zerstrittene Ampel-Regierung und das Aufkommen des neuen Rechtsradikalismus, der allen vernünftigen Menschen Sorgen bereitet. Endlich also wieder positive Stimmung.

Hoffentlich bleibt es so, hoffentlich können die Nagelsmänner an die Leistung vom Freitag anknüpfen, denn eine Schwalbe macht noch keinen Sommer bzw. ein Sommermärchen. Vorsicht bei aller Euphorie ist geboten, denn die Schotten waren erstaunlich schwach, Ungarn wird trotz der 1:3-Niederlage gegen die Schweiz eine ganz andere Herausforderung. Dort, wo die Schotten quasi den Weg zum Erfolg freimachten, wird er von den nächsten Gegnern versperrt sein. Kroos, Gündogan, Musiala, Wirtz und Co. müssen sich also neu bewähren.

Aber schön anzuschauen war der Sturmwirbel und endlich auch effektiv, wobei das frühe Tor von Florian Wirtz natürlich half und Jamal Musiala legte mit seinem ersten Tor im dritten Turnier (mit 21 Jahren!) gleich nach. Die zuletzt monierte Abschlussschwäche war vergessen. Das Spiel schrieb fast märchenhafte Geschichten, so brachte Musiala alle seine 32 Pässe an den Mann, war Toni Kroos mit 101 von 102 angekommenen Pässen der Überflieger, war Kapitän Ilkya Gündogan der erhoffte Denker und Lenker an der Nahtstelle zwischen Abwehr und Angriff. Mit Havertz und Füllkrug schossen beide eingesetzten Mittelstürmer ihr Tor und Emre Can erlebte einen besonderen Traum. Vom Urlaub zurück geholt, als Ersatz im Kader, plötzlich auf dem Feld und Torschütze! Erinnerungen an die Dänen von 1992 wurden wach, die Jugoslawien kurzfristig bei der EM ersetzten, aus dem Urlaub kamen – und Europameister wurden! Kann Can das auch?

Nicht nur die deutsche Mannschaft machte Spaß, auch der Rest waren durchaus ansehnliche Spiele, sogar mit Rekorden und die Favoriten hatten es nicht leicht. Das schnellste Tor der EM-Geschichte schoss Nedim Bajrami nach 23 Sekunden gegen Italien, das am Ende doch mühsam 2:1 gewann. Es war das erste Tor in der ersten Spielminute, bisher hielt der Grieche Dmitri Kirichenko mit 67 Sekunden beim 2:1 über Russland 2004 den Rekord. Spanien wurde beim 3:0 über Kroatien seiner Favoritenrolle gerecht und dabei half Barcelonas Toptalent Lamine Yamal, der jetzt mit 16 Jahren und 338 Tagen der jüngste EM-Spieler aller Zeiten ist. Und Wout Weghorst war der beste Joker, kam, sah und schoss mit seinem ersten Ballkontakt in der 83.Minute das 2:1-Siegtor für die Niederlande gegen Polen. So kann es weitergehen.

Dass es in Deutschland eine Vorfreude auf die EM 2024 gab (obwohl es vorher eigentlich gar nicht so ausgeschaut hat), beweisen die Einschaltquoten im Fernsehen. 22.49 Millionen verfolgten am Freitag den EM-Auftakt vor dem TV, das war ein Marktanteil von 69 Prozent und deutlich mehr als alle Spiele bei der Weltmeisterschaft 2022 in Katar. Dort war der Bestwert fünf Millionen weniger. Zum Start des späteren Sommermärchens 2006 verfolgten damals am 9. Juni mit 20,06 Millionen ebenfalls weniger Fans das erste deutsche Spiel. Aber auch die anderen EM-Spiele finden Interesse, am Sonntag waren es 11,84 Millionen, die im ZDF England – Serbien verfolgten, am Samstag 9,7 Millionen bei Italien – Albanien in der ARD und selbst um 18.00 Uhr sahen 7,86 Millionen bei Slowenien – Dänemark zu. Das Turnier geht ja erst richtig los und wird noch interessanter, da werden die Quoten sogar steigen. Dabei sind die Hunderttausende beim Public Viewing und die Zuschauer von MagentaSport nicht mitgerechnet.

Auch bei der deutschen Mannschaft könnten am Mittwoch (18.00 Uhr) im zweiten Spiel gegen Ungarn trotz der frühen Anstoßzeit noch mehr Fans an den Bildschirmen sitzen. Ein nächstes Torfestival sollten sie allerdings nicht erwarten, denn die Ungarn sind schon fast so etwas wie ein Angstgegner für das DFB-Team. Die Bilanz ist fast ausgeglichen, 13 Siegen stehen jeweils 12 Unentschieden und Niederlagen gegenüber. Die letzten drei Spiele konnte Deutschland zudem nicht gewinnen. Bei der EM 2021 verhinderte Leon Goretzka mit einem Tor zum 2:2 gerade noch das vorzeitige Vorrunden-Aus, danach gab es in der Nations League ein 1:1 in Budapest und eine 0:1-Heimpleite in Leipzig. Also Achtung, Ungarn nicht an dem Spiel gegen die Schweiz messen, der italienische Trainer Marco Rossi führte das Team vorher zu 16 Siegen am Stück! Die Abwehr wird nicht mehr so fehlerhaft spielen, das Mittelfeld nicht so einfallslos sein und den deutschen Wirblern will man keinen Raum lassen. Bundestrainer Julian Nagelsmann wird dabei wohl wieder der Startelf vom Freitag vertrauen. Einen Unsicherheitsfaktor könnte Schiedsrichter Danny Makkelie darstellen, der Niederländer pfeift manchmal ein bisschen seltsam.

Dortmund und Bayern machen Schlagzeilen

Auch während der Europameisterschaft geht die Vorbereitung der Bundesligisten auf die neue Saison weiter. Für Schlagzeilen sorgte vor allem Borussia Dortmund, wo Trainer Edin Terzic sein Amt niederlegte. Sein Nachfolger stand schon in den Startlöchern, denn als Nuri Sahin im Winter als Co-Trainer kam, da sahen ihn viele als Back-up, wenn Terzic entlassen werden sollte. Jetzt wird Sahin tatsächlich sein Nachfolger, wieder ein Mann des Vereins, denn die Fans liebten Sahin einst als Spieler. Er soll die Dortmund wieder an die Bundesliga-Spitze führen. Er wird dies allerdings ohne Mats Hummels tun müssen, denn der Abwehrrecke verlässt den Verein nach insgesamt 13 Jahren. Das Ziel des 35-jährigen scheint Italien zu sein, der AS Rom wird genannt.

Bei Bayern München geht es jetzt um neue Spieler, nachdem der neue Trainer da ist, schließlich soll ein verstärkter Kader wieder die Meisterschale aus Leverkusen zurück erobern. Erster Zugang ist etwas überraschend der Japaner Hiroki Ito (25, Vertrag bis 2028), der drei Jahre lang beim VfB Stuttgart überzeugte. Der 1,88 m große Linksfüßler gilt als zweikampfstark und gut im Spielaufbau, er soll die linke Seite in der Abwehr oder für Davies als Linksverteidiger abdecken, kann aber auch im Mittelfeld spielen, ein idealer Allrounder also, für den die Bayern 23 Millionen Euro anlegen. Für die Abwehr soll auch EM-Crack Jonathan Tah aus Leverkusen kommen, mit ihm sind sich die Bayern offensichtlich einig, Bayer fordert allerdings 40 Millionen Euro als Ablöse, die Münchner bieten bisher nur 20 Millionen, der Poker läuft. Dafür sollen de Ligt und Upamecano den Verein verlassen. Langfristig bleiben soll dagegen Talent Aleksandar Pavlovic, der seinen Vertrag bis 2029 verlängert hat, dies soll auch mit Josip Stanisic, dem Rückkehrer aus Leverkusen, passieren.

Die Profis mussten ihr Titelserie beenden, Meisterschaften gab es bei den Bayern aber dennoch zu feiern. Zuerst wurden die Frauen bekanntlich Deutscher Meister, jetzt zogen die Basketballer nach. Die besiegten im Play-Off-Finale am Freitag den Konkurrenten Alba Berlin mit 88:82 und gewannen die Finalserie Best-of-Five damit mit 3:1 Siegen. Fünf Jahre musste das Star-Ensemble auf diesen Tag warten, bis die insgesamt sechste Meisterschaft unter Dach und Fach war. Der Titel wurde punktgenau gewonnen, denn ab Herbst wollen die Basketballer in der neuen Arena im Olympiapark spielen.

Leichtathleten nicht vorn dabei

Die Europameisterschaft im Fußball läuft, die Kontinentaltitelkämpfe der Leichtathleten sind vorbei. Die deutschen Frauen und Männer waren dabei kein Vorbild für die Kicker. Während der DLV vor zwei Jahren in München noch als beste Nation abschnitt, gab es diesmal in Rom nur Rang zwölf, wobei die weltbeste Weitspringerin Malaika Mihambo für das einzige deutsche Gold sorgte. Am Schlusstag gab es zwar noch einen Medaillensegen (insgesamt 1 Gold, 3 Silber, 7 Bronze), doch der Abstand zur Spitze war groß (Italien 24 Medaillen, davon 11 Gold, Frankreich 16/4) und lässt keine großen Hoffnungen für die Olympischen Sommerspiele in Paris zu. Zur Erinnerung: Bei der letzten Weltmeisterschaft blieb Deutschland ohne Medaille! Immerhin, neben Mihambo gibt es mit Zehnkämpfer Leo Neugebauer, der bei den US-College-Meisterschaften glänzte, und Speerwerfer Julian Weber, der erst im letzten Wurf unterlag, Medaillenhoffnungen.

Statt EM-Euphorie gibt es viele Fragezeichen

Den Ausdruck „Sommermärchen“ können viele nicht mehr hören. Und die Hoffnung, dass sich die tolle Stimmung, das weltoffene Deutschland und das Wetter mit viel Sonnenschein wie bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nun bei der Europameisterschaft 2024 in Deutschland wiederholen, kann eigentlich nicht erfüllt werden. Noch keine EM-Euphorie. Die Zeiten sind andere, Deutschland ist weltoffen, keine Frage, aber Rassismus und Radikalismus greifen immer mehr um sich, sorgen für unruhige Zeiten. Keine Basis für unbeschwertes Feiern, die Sicherheitslage ist komplex, es herrscht eher Unsicherheit. Es gibt Leute, die haben Angst vor Großveranstaltungen, denn eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, die Terrorgefahr ist allgegenwärtig. Und vier Wochen herrliches Wetter gibt die langfristige Wettervorschau auch nicht her. Dennoch sollten wir die Fußball-Europameisterschaft vom 14 Juni bis 14. Juli positiv sehen, als Chance, Abstand vom Alltag zu gewinnen, als Chance, zu zeigen, dass es auch anders geht, als sich von Hass und Unsicherheit quälen zu lassen. Der Fußball als Frustlöser ist möglich.

Das liegt hauptsächlich natürlich auch an der deutschen Mannschaft. Ist sie erfolgreich, tun wir uns leichter mit guter Stimmung. Die Vorzeichen waren eigentlich nicht schlecht, aber statt EM-Euphorie gibt es rund um die Mannschaft aktuell viele Fragezeichen. Ein Sorgenfall ist dazugekommen, dabei galt Torhüter Manuel Neuer als der große Rückhalt in der Abwehr. Plötzlich aber macht der fünfmalige Welttorhüter Fehler, lässt wiederholt Bälle abprallen, was zu Gegentoren führte. Die Mehrheit der Fans plädiert für einen Wechsel, denn dahinter steht mit Marc-André ter Stegen ein zweiter erstklassiger Keeper. Julian Nagelsmann beachtet die Stimmung allerdings nicht, der Bundestrainer macht deutlich, dass er weiter auf Neuer setzt und er hat Gründe dafür. „Neuer hat vorher famos gehalten und war nur am Ende einer Fehlerkette. Ihm traue ich zu, dass er es schafft, solche Fehler zu vermeiden.“ Auch das Team steht hinter Neuer, er hat die bessere Ausstrahlung (auch auf den Gegner) und er verhindert durch seine offensive Spielweise oft spätere Torchancen, die es durch ihn eben nicht gibt.

Aber Neuer steht nicht allein, gegen die Ukraine kein Tor, gegen Griechenland eine schwache erste Halbzeit, immerhin fruchteten wieder die Wechsel, Nagelsmann kann immer für frischen Wind sorgen. Doch eine Stabilität in der Abwehr wird noch nicht sichtbar, zahlreiche Fehlpässe verwundern und sind eigentlich ein größeres Fragezeichen als die Neuer-Fehler. Der erhoffte Schwung mit den Jungstars Wirtz und Musiala ist noch nicht vorhanden. Dennoch wird Nagelsmann an seiner vorgesehenen Stammformation festhalten (Neuer – Kimmich, Tah, Rüdiger, Mittelstädt – Andrich, Kroos – Wirtz, Gündogan, Musiala – Havertz), doch er wird wohl oft wechseln, zumal es auch bei Kapitän Gündogan Zweifel gibt, ob er der geeignete Spielmacher ist und nicht eher das Tempospiel verzögert. Für solche Fälle warten Sané, Müller, für den Schwung Führich und für die Tore Füllkrug. Das gibt doch ein bisschen Hoffnung.

Die DFB-Elf gehört trotz allem zum Favoritenkreis, weil dem Gastgeber mit Unterstützung der Fans viel zugetraut wird, weil Deutschland den Ruf einer Turniermannschaft hat. Dabei wird vergessen, dass es zuletzt nur Turnier-Pleiten gab. Ach, doch diesmal nicht! Aber einen echten Favoriten gibt es sowieso nicht, es gibt keine Übermannschaft, aber viele auf gleicher Höhe, neben Deutschland werden vor allem Frankreich, Spanien und England genannt, obwohl die Engländer noch nie Europameister waren und seit ihrem glücklichen WM-Sieg 1966 auf einen Titel warten. Dagegen wird Italien keine erfolgreiche Titelverteidigung zugetraut. Rekord-Europameister sind übrigens Deutschland (1972, 1980, 1996) und Spanien (1964, 2008, 2012) mit je drei Siegen, Italien (1968, 2021) und Frankreich (1984, 2000) gewannen zweimal. Eines sollte beim deutschen Team beachtet werden: In der FIFA-Rangliste sind acht europäische Nationen besser platziert.

Es ist eine Binsenweisheit, dass von einem guten Start viel abhängt, ob es ein erfolgreiches Turnier werden. Diesbezüglich sind die Voraussetzungen für Nagelsmann und seine Jungs nicht schlecht, am Freitag (21.00 Uhr) ist in München zur EM-Eröffnung mit Schottland die vermutlich schwächste Mannschaft der Gruppe A der Gegner. Die Schotten sind durchaus kämpferisch, gelten aber als spielerisch nicht so stark und haben mit Ausfällen zu kämpfen. In den letzten neun Spielen gab es nur einen Sieg, der letzte Test endete gegen Finnland 2:2 nach einer 2:0-Führung. Die Spiele gegen Ungarn (Mittwoch, 19.6. 18.00 Uhr in Stuttgart) und die Schweiz (Sonntag, 23.6., 21.00 Uhr in Frankfurt) schließen sich an und die Gegner sind wohl andere Kaliber. Die beiden ersten Teams jeder Gruppe und die vier besten Gruppendritten kommen ins Achtelfinale. Sollte Deutschland Gruppensieger werden, wartet dann der Zweite der Gruppe C, also England, Serbien, Slowenien oder Dänemark. Diese Gruppe klingt schon stärker, die „Hammergruppe“ bilden wohl Frankreich, die Niederlande, Österreich und Polen. Keine leichte Aufgabe für Austria-Coach Ralf Rangnick und viele Bundesliga-Stars. Überhaupt können sich die deutschen Fans auf viele aktuelle und ehemalige Bundesliga-Stars freuen. Weit weg ist noch das Endspiel am Sonntag, 14. Juli (21.00 Uhr) in Berlin. Insgesamt absolvieren die 24 Nationen 51 Spiele.

Am Ende wird nicht nur sportlich Bilanz gezogen, der Verband, nein ganz Deutschland wird Bilanz ziehen. So hofft Turnierdirektor Philipp Lahm, dass das Konzept aufgeht, er startete vor dem Start einen Aufruf für Solidarität und Fürsorge sowie ein Wiedererstarken des europäischen Gedankens, passend zur Europawahl. In diesem Sinne hat auch die UEFA den Slogan ausgegeben „United by Football – Vereint im Herzen Euroopas“. Und auch wirtschaftlich gibt es Hoffnungen, überall in den Turnierstädten (München, Stuttgart, Frankfurt, Köln, Düsseldorf, Dortmund, Gelsenkirchen, Hamburg, Leipzig, Berlin) gibt es Fan-Partys, etwa 2,8 Millionen Fans werden erwartet, aus England haben sich allein rund eine halbe Million angekündigt. 1,7 Millionen Tickets wurden verkauft und die Wirtschaft hofft, dass die Fans einiges an Geld ausgeben. Jedes große Turnier ist schließlich ein großes Geschäft. Lasset die Spiele also beginnen!

Die Frauen sind bei der EM 2025 dabei

Die Frauen-Nationalmannschaft schaut schon ein bisschen weiter voraus, mit dem 3:1-Sieg in Gdingen gegen Gastgeber Polen haben sich die Mädchen vorzeitig für die Europameisterschaft 2025 in der Schweiz qualifiziert. Deutschland ist mit vier Siegen in der Gruppe klarer Tabellenführer vor Island (7 Punkte) und Österreich (4), das nach einer 1:2-Niederlage in Island noch um Teilnahme bangen muss.

Für die deutsche Mannschaft steht jetzt erst einmal Urlaub an, bevor die letzten Qualifikationsspiele ausgetragen werden, die gleichzeitig den Start der Olympia-Vorbereitung bedeuten. Gegen Island (12.7.) und Österreich (16.7. in Hannover) wird Bundestrainer Horst Hrubesch experimentieren um aus 23 Kandidatinnen die erlaubten 18 für den Olympia-Kader zu finden und bestehende Mängel auszumerzen. Auffallend, dass die Frauen in allen Spielen eine schwache erste Halbzeit hatten und erst mit einem energischen Endspurt die Siege einfuhren. Auch gegen Polen lagen sie in beiden Spielen in Rückstand. Bei Olympia warten mit Australien (25.7.), den USA (28.7.) und Sambia (31.7.) schwere Gegner.

Kein Titel für die Bundesliga – jetzt ist die DFB-Elf gefordert

Der Mann hat gut reden: „Und jetzt will ich den EM-Titel“, äußerte Toni Kroos noch einen Wunsch, nachdem er mit Real Madrid die Champions League gewonnen hatte. Der Wunsch ist verständlich, schließlich sammelte der Mittelfeldstratege, der jetzt mit 34 Jahren seine Karriere beendet, einen Haufen Titel und Pokale, doch der Gewinn der Europameisterschaft fehlt ihm noch in seiner Sammlung. Toni Kroos wurde Weltmeister 2014, gewann mit Real Madrid (5) und Bayern München sechsmal die Champions League (Rekord!), wurde je dreimal Meister und Pokalsieger in Deutschland und viermal Meister und einmal Pokalsieger in Spanien. Vielleicht hört er auf, weil es sonst zu viel wird…

Die deutschen Fans wünschen sich natürlich sehnsüchtig, dass der Wunsch von Toni Kroos Wirklichkeit wird. Es wäre auch ein Happy End der deutschen Titeljagd, denn für die Bundesliga fiel nach einem erfolgreichen Jahr am Ende doch kein Pokal ab. Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund schafften es bis ins Finale, blieben dort aber sogar ohne einen Treffer. Jetzt also die Nationalmannschaft und nimmt man die Generalprobe gegen die Ukraine mit dem 0:0, so scheint die Torlosigkeit zu einem Schicksal zu werden. So gewinnt man natürlich keinen Titel. Aber die DFB-Elf ist jetzt gefordert!

Sind unsere Stürmer zu schwach? Eher trifft zu, dass der gesamten Mannschaft eine gewisse Torgeilheit fehlt und der absolute Wille, den Treffer einfach zu erzwingen. Das Spiel gegen die Ukraine war teilweise schön anzuschauen, Jamal Musiala und Florian Wirtz zauberten, Maximilian Mittelstädt wirbelte auf der linken Seite, doch es kam nichts Verwertbares dabei raus. Ein Fall für Niclas Füllkrug? Der pausierte wie alle vier Finalteilnehmer vom Samstag in London. Also ist Verstärkung in Sicht, mit Antonio Rüdiger in der Abwehr und Toni Kroos als Stratege sind zwei CL-Sieger dabei – keine andere Nation kann zwei CL-Sieger vorweisen!

Generell hat die Mannschaft einen guten Eindruck gemacht, die Form muss trotzdem noch wachsen. Die Ukraine stellte den richtigen Sparringspartner, so defensiv darf man auch die EM-Gegner Schottland, Ungarn und Schweiz erwarten. 9 Millionen Zuschauer an den Fernsehschirmen konnten mehr oder weniger zufrieden sein, Bundestrainer Julian Nagelsmann war es auch. Vor allem wird ihm das Pressing der Angriffsspieler gefallen haben, die oft Bälle am gegnerischen Strafraum zurück eroberten. Es gab viele Wechsel, die aber den Spielfluss gar nicht so stark lähmten. Ein Joker hat sich dabei in den Vordergrund gespielt: Der 21-jährige Maximilian Beier von der TSG Hoffenheim brachte sich mit einem forschen Auftritt ins Gespräch und macht es Nagelsmann noch schwerer, zu entscheiden, wer zu Hause bleiben muss.

Diese Entscheidung muss am Freitag fallen, 27 EM-Kandidaten sind im Trainingslager, 26 dürfen mitfahren, den letzten Test gibt es an diesem Nominierungstag in Mönchengladbach gegen Griechenland. Dann werden die Finalisten dabei sein und vielleicht der zuletzt drei Spiele gesperrte Leroy Sané, wenn er ganz fit ist. Gesund sollte er allerdings sein, damit eine EM-Nominierung kein Risiko darstellt. Ärger kann Nagelsmann nicht gebrauchen, hat ihn aber und zwar durch die Medien. Der WDR suchte offenbar Aufmerksamkeit mit einer Umfrage u. a. mit der seltsamen Formulierung „ich fände es besser, wenn wieder mehr weiße Spieler in der deutschen Nationalmannschaft spielen“. 21 Prozent antworteten mit „Ja“. Nagelsmann und Spieler nannten das kontraproduktiv und rassistisch, verbanden das mit einem Plädoyer für Völkerverständigung und die verbindende Kraft des Sports – und lagen damit richtig. Zur Erinnerung: Vor den letzten – missglückten – Turnieren hatte es jeweils politische Störfeuer dieser Art gegeben. Irgendjemand will immer die aufkommende EM-Euphorie bremsen. Die Spieler müssen jetzt noch mehr Gas geben!

Andere sind besser – und immer gewinnt Real Madrid

Die Champions League ist der Wettbewerb, der quasi Real Madrid gehört. Das musste jetzt auch Borussia Dortmund erfahren, das im Finale im Wembley Stadion von London über weite Strecken die bessere Mannschaft war, bei Halbzeit hätte gut und gern mit 2:0 führen müssen, aber die Tore nicht machte und am Ende mit diesem 0;2 verlor und zuschauen musste, wie wieder einmal die Spieler von Real Madrid den Henkelpott in die Höhe hielten. Real holte den 15. Titel, erstmals 1956, als es noch der Europapokal der Landesmeister war. Der AC Mailand folgt mit 7 Titeln mit großem Abstand, dahinter liegt Bayern München mit 6 (1974, 1975, 1976, 2001, 2013, 2020) gleichauf mit dem FC Liverpool. Der Weg der Spanier zum Pokalgewinn war bezeichnend, egal ob im Viertelfinale Manchester City, im Halbfinale Bayern München oder im schließlich im Finale Dortmund, die Gegner waren besser, aber am Ende gewann eben Real. Leider auch durch Fehler der Schiedsrichter, da fragt man sich schon, was ist da los? Selbst RB Leipzig war im Achtelfinale nur knapp mit 0:1 und 1:1 unterlegen. Aber wie heißt es schön „immer Glück ist auch Können“, was Hermann Gerland einst auf Bayern München münzte und auch zu Real passt. So ganz nebenbei beteiligte sich auch Trainer Carlo Ancelotti mit dem 5. Titel an der Rekordjagd, der zum dritten Mal mit Real gewann und zweimal mit dem AC Mailand. Auch Zinedine Zidane gewann dreimal mit Real, Pep Guardiola dreimal mit Barcelona und Manchester City.

Borussia Dortmund konnte also seine seltsame Saison nicht krönen, so wie es die Fans optisch gewollt hätten. Die größte Aufgabe für den Verein und Trainer Edin Terzic wird es sein, der Mannschaft zu mehr Konstanz zu verhelfen. Was die Borussia leisten kann, zeigte sie in der Champions League, in der Bundesliga gab es zu viele Aussetzer, was schließlich nur zu Rang fünf führte, aber durch die Neuordnung der Champions League dennoch für einen Platz in der Königsklasse reichte. Künftig wird es keine acht Gruppen mit vier Teams geben, sondern nur zwei mit je 18 Mannschaften, dafür wird das Feld auf 36 Vereine erweitert. Es gibt praktisch einen Ligen-Spielbetrieb, die Champions League präsentiert sich als Super League, die Real Madrid und der FC Barcelona so gern einführen wollen. Wird es für Real in der CL vielleicht zu langweilig?

EM als Olympia-Test

Die Leichtathletik kennt gleich zwei Saisonhöhepunkte. Von Freitag an bis zum 12. Juni gibt es in Rom die Europameisterschaft quasi als Test für die Olympischen Spiele ab 26. Juli in Paris. 114 Sportlerinnen und Sportler hat der Deutsche Leichtathletik-Verband für Rom nominiert, wird aber kaum auf ein ähnliches gutes Abschneiden wie vor zwei Jahren in München hoffen können. Damals war die EM 50 Jahre nach Olympia in München ein großes Happening, das für Begeisterung sorgte. Sprinterin Gina Lückenkemper, Speerwerfer Julian Weber und Zehnkämpfer Niklas Kaul wollen ihre Titel verteidiger, Marathon-Sieger Richard Ringer tritt im Halbmarathon an, Langstrecklerin Konstanze Klosterhalfen musste gesundheitlich angeschlagen absagen. Zu den großen Hoffnungen zählt noch Weitspringerin Malaika Mihambo, während Zehnkampfrekordhalter Leo Neugebauer bei den US-College-Meisterschaften startet. Interessant wird es sein, zu sehen, ob sich die deutschen Athletinnen und Athleten auch für Olympia Hoffnung machen können und ob Rom, als Traditionsort für die Leichtathletik, eine ähnliche Stimmung wie in München zu Wege bringt. Die deutschen Fernsehsender ARD und ZDF testen auch schon für Olympia und berichten ausführlich. Ein paar Tage lang läuft die Leichtathletik dem Fußball den Rang ab.

Bei der Nati ist jetzt Schluss mit lustig

Der Umzug vom Golfhotel im Weimarer Land ins EM-Quartier in Herzogenaurach bedeutet für die Fußball-Nationalmannschaft gleichzeitig eine Zeiten- und Stimmungswende. Am Freitag wurde zwar noch einmal trainiert, bevor es mit dem Zug nach Nürnberg ging, doch die Tage in Thüringen standen eher im Zeichen der Regeneration und Entspannung. Teilweise waren Familienmitglieder dabei und locker wurden auch die Pflichttermine absolviert. Als Anführer der Gruppe präsentierte sich Thomas Müller in Abwesenheit der Kapitäne Gündogan und Neuer, der allerdings seine Chefrolle als Unterhalter gegen einen Neuling verteidigen muss. Der Stuttgarter Deniz Undav machte deutlich, welchen Spaß er bei der DFB-Auswahl hat und wenn er denn nicht zum Einsatz kommt, dann will er wenigstens für gute Laune sorgen. Mit der Ankunft in Herzogenaurach ist allerdings Schluss mit lustig. So langsam rückt das Turnier in den Mittelpunkt und da gibt es eine gute Nachricht für die Spieler: Für einen Titelgewinn erhält jeder vom DFB eine Rekordprämie von 400.000 Euro!

In der Öffentlichkeit stand die Nationalmannschaft in den letzten Tagen allerdings im Schatten anderer Fußballereignisse. So die Finalspiele von Leverkusen und Dortmund, die Relegation in den verschiedenen Ligen und Bayern München sorgte mit der Trainersuche für eine besondere Beschäftigung der Medien. Bundestrainer Julian Nagelsmann wird die Verbannung ins zweite Glied gar nicht ungern gesehen haben, zumal sein Kader sowieso nicht komplett war. Eine besondere Überraschung hatte er noch für zwei U21-Nationalspieler parat, denn Brajan Gruda (Mainz) und Rocco Reitz (Gladbach) durften zum Nationalteam reisen, um den Trainingskader aufzufüllen. Sie haben ihre Sache dabei so gut gemacht, dass sie auch mit ins EM-Camp umziehen durften und sogar Aussicht auf ein Länderspieldebüt in den Testspielen bekamen. Erst am Donnerstag hatte Nagelsmann 24 Mann im Training, nachdem auch die Leverkusener Pokalsieger und Kapitän Gündogan eingetroffen waren. Den protokollarischen Höhepunkt mit dem Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Mittwoch verpassten sie allerdings knapp. Deutschlands Staatsoberhaupt hatte beim Zusammensein mit den Spielern erkannt: „Der Ehrgeiz ist riesengroß“. Er wünscht sich ein Wiedersehen am 14. Juli – der Tag des Endspiels. Die Neuankömmlinge werden nicht so traurig gewesen sein, Steinmeier verpasst zu haben, beim Grillabend des Teams waren sie ja dabei.

Schluss mit lustig, aber das erste Testspiel vor dem Turnier am Montag in Nürnberg gegen die Ukraine ist noch kein Ernstfall, von Einspielen der EM-Formation kann keine Rede sein, fehlen doch noch wichtige Akteure aus Dortmund und Madrid. Eher wird der Bundestrainer testen wollen, wer sich für die Stammelf notfalls anbieten könnte. Vor der endgültigen Nominierung am 7. Juni, Tag des zweiten Testspiels in Gladbach gegen Griechenland, muss er noch einen Kandidaten streichen. Sollte es einen weiteren Ausfall im Mittelfeld geben, hat sich sogar Nachwuchsmann Gruda angeboten. „Er hat ungeheure Fähigkeiten“, attestierte ihm Thomas Müller – und schon ist Gruda als möglicher Neuzugang bei Bayern im Gespräch.

Mit Kompany soll alles wieder gut werden

Der FC Bayern München hat die Trainersuche beendet. Über den Zirkus der letzten Wochen möchte man bei den Vereinsbossen gar nicht mehr reden, sondern lieber positiv in die Zukunft schauen und den nun verpflichteten Belgier Vincent Kompany als „Wunschtrainer“ verkaufen. „Er stand immer auf unserer Liste“, betonte Sportvorstand Max Eberl, der allerdings eingestand, dass sich der Verein das eine oder andere blaue Auge geholt habe. Jetzt aber ist alles wieder gut, der 38-jährige neue Trainer, 1,90 m groß, ist zwar ein Newcomer, kann aber als Pluspunkt die Empfehlung von Pep Guardiola vorweisen. Bei seiner Vorstellung in der Allianz Arena machte er eine gute Figur, zeigte sich schlagfertig und lobte natürlich die Bayern als „großen Verein“.

Dass es im Vorfeld Unstimmigkeiten gegeben habe, wies Bayern-CEO Jan-Christian Dreesen zurück und bezeichnet Kompany als „der eine für alle“, also, dass auch die weisen Herren im Hintergrund, Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge, die gern in den Vordergrund drängen, einverstanden seien. Auf einer Linie sind alle im Verein auch wie Kompany spielen lassen will, dominant und aktiv, und er will natürlich „jedes Spiel gewinnen“. Ein Wink nach Leverkusen. Max Eberl bemerkte nicht nur zur Kompany-Verpflichtung „das Beste kam zum Schluss“, sondern ließ genüsslich fallen, dass man durch das Theater um den neuen Trainer in Ruhe im Hintergrund am Umbau des Kaders arbeiten konnte. „Wir sind vielleicht schon ein Stück weiter, als man denkt“. Eines machte Eberl dabei deutlich, „weggejagt wird niemand, aber der eine oder andere muss hinnehmen, dass er nicht mehr die Rolle spielt, wie er es sich vorstellt“. Außerdem hat der neue Coach ebenfalls versprochen, Talenten eine Chance zu geben. Gerade diesbezüglich hat es ja in den letzten Tagen des scheidenden Thomas Tuchel fast schon eine Lawine an neuen, jungen Gesichtern gegeben. Es wartet also viel Arbeit auf Vincent Kompany, der auch mit der Hypothek leben muss, er sei „einer der interessantesten Trainer in Europa“, wie ihn Eberl bezeichnete. Sein Vertrag läuft bis 2027, es soll endlich einmal ohne vorzeitige Kündigung abgehen.

Übrigens: Besonders im Gespräch bei den Bayern war auch eine Rückkehr von Hansi Flick, aber dies war im Verein umstritten. Der frühere Bundestrainer hat jetzt aber seinen neuen Traumverein gefunden und beim FC Barcelona unterschrieben, der Trainer Xavi, ein Vereinsidol, entlassen hatte. Die neue Saison wird zeigen, wer das glücklichere Händchen hatte, aber vielleicht sind beide Trainer und Vereine ja zufrieden…

Dortmund will es besser machen als Doublekusen

Die Fußball-Bundesliga ist stolz darauf, dass sie in den europäischen Wettbewerben nach Italien zweitbeste Liga war und mit zwei Mannschaften in den Finals vertreten ist. Die Hoffnung auf einen bedeutenden Titel war groß, doch das Team mit den vermeintlich besten Aussichten scheiterte. Bayer Leverkusen lieferte ausgerechnet in seinem Rekordjahr in dem größten Spiel die schlechteste Leistung ab, stand den taktischen Finessen und Kampfeswillen von Atalanta Bergamo im Endspiel der Europa League machtlos gegenüber. Eine 0:3-Niederlage war die Folge und Trainer Xabi Alonso gestand: „Auch ich habe Fehler gemacht.“ Da erinnert man sich an seine Aussage zu Erfolgszeiten, als er seine Erfahrung als Spieler kundtat: „Am meisten lernt man aus Niederlagen.“

Haben die Leverkusener gelernt? Offensichtlich, denn am Wochenende haben sie groß gefeiert, aber auch der glückliche 1:0-Sieg im Pokalfinale gegen Zweitligist Kaiserslautern machte deutlich, dass es für das Team ein Glück ist, dass die Saison zu Ende ist, die Mannschaft kam, zumal eine Halbzeit lang in Unterzahl, auf dem Zahnfleisch daher. Alonso hat zumindest keinen Fehler gemacht, setzte wieder auf den erfahrenen Kapitän Hradecky im Tor (auch wenn er sagte, „jeder Torhüter soll ein Finale bekommen“, so war es wohl eine Folge der Fehler des nervösen Kovar gegen Bergamo) und lag mit den Spielerwechseln richtig. Ein Traumtor von Granit Xhaka sorgte für den Pokalgewinn, der Schweizer bestätigte einmal mehr, dass er der beste Einkauf des Jahres war. Statt Triple also Double, aber was dies bedeutet, macht die Statistik deutlich: Bisher gewann Leverkusen in seiner Vereinsgeschichte zwei Titel, jetzt gleich zwei in einem Jahr! In den nächsten Jahren sollen es noch mehr werden – eine Kampfansage an die Bayern!

Das größte Spiel der Saison steht aber noch bevor – das Finale der Champions League am Samstag im Wembleystadion in London. Die Bundesliga ist wieder dabei, diesmal Dortmund und die Borussia will es besser machen als Doublekusen und besser als 2013, als die Dortmunder, Sieger von 1997, im deutschen Duell ebenfalls in Wembley Bayern München mit 1:2 unterlagen. Klub-Boss Hans-Joachim Watzke beschreibt die Situation: „Das Spiel bedeutet mir und dem Verein alles.“ Im Mittelpunkt vor allem Trainer Edin Terzic, einst Borussia-Fan, jetzt vor dem wohl größten Triumph des Vereins. In der Saison war seine Ablösung diskutiert worden, Co-Trainer Nuri Sahin schart angeblich mit dem Hufen, um Chef zu werden. Auch für Terzic ein Spiel um alles?

Der Gegner ist aber kein Geringerer als Rekordtitelträger Real Madrid, der die Champions League als „seinen“ Wettbewerb ansieht und die Niederlage im Vorjahr gegen Manchester City als „Majestätsbeleidigung“. 14mal gewann Real insgesamt, siebenmal seit 2000, zuletzt 2022. Real hat das Gen und die Spieler, um in entscheidenden Duellen die beste Leistung zu zeigen und das Glück auf seine Seite zu zwingen. Besonders wird dieses Spiel auch für Toni Kroos, der damit seine Karriere als Vereinsspieler beendet und die CL auch als „seinen“ Wettbewerb ansehen kann: Fünfmal gewann er bisher den Henkelpott, davon viermal mit Real und einmal mit Bayern München. Wie schwer es fällt, die Karriere zu beenden, sah er bei seinem letzten Ligaspiel mit Real beim 0:0 gegen Betis Sevilla. Es bleibt ihm noch die Nationalmannschaft und die Europameisterschaft, es bleibt ihm noch eine Chance auf einen Titel! Marco Reus wird gesehen haben, wie schwer ein Abschied fällt, er bestreitet in Wembley sein letztes Spiel für die Borussia, der Trainer muss ihm wohl Spielminuten geben.

Das Finale der Champions League der Frauen wurde bereits gespielt, dabei verteidigte der FC Barcelona seinen Titel mit 2:0 erfolgreich gegen Olympique Lyon. Die beiden Klubs beherrschten in den letzten neun Jahren den Wettbewerb, sechsmal gewann Lyon, dreimal Barca, das ein Quadruple feierte mit Meisterschaft, Pokal, Supercup und CL. Ist eine Wachablösung in Sicht? Vor allem Meister Bayern München will dafür sorgen, dass auch bei den Frauen bald wieder eine deutsche Mannschaft im Finale steht. Wolfsburg träumt immer davon.

Bayern setzt auf Pep-Schüler

Für die Männermannschaft scheinen die Bayern bei der Trainersuche früher am Ziel zu sein als gedacht. Alle Anzeichen deuten daraufhin, dass in den nächsten Tagen der 38-jährige Vincent Kompany einen Vertrag bis 2027 unterschreibt. Auf die Spur des Belgiers brachte die Bayern offensichtlich ihr alter Trainer Pep Guardiola, der gestand, „ich liebe Bayern und München immer noch“. Guardiola besitzt in München immer noch eine Wohnung und kann sich gut vorstellen, die Bayern noch einmal zu trainieren. „Es fehlt mir noch etwas“, ist der Hinweis darauf, dass er mit den Münchnern in der Champions League nicht erfolgreich war. Ob das mit Kompany gelingt? Der Belgier war ein international anerkannter Abwehrspieler (von 2006 bis 2008 beim Hamburger SV, danach bis 2019 bei Manchester City) ist aber ein unerfahrener Trainer, der seine zweite Karriere bei seinem Heimatverein Anderlecht 2020 begann und danach in England den FC Burnley in die Premiere League führte, allerdings musste er den Abstieg hinnehmen. „Er wäre für Bayern die beste Entscheidung“, ist sich Guardiola sicher, der offensichtlich mit Uli Hoeneß Kontakt hatte. Kompany gilt als aufgeschlossen und spricht neben englisch und französisch fließend deutsch.

Seine Hauptaufgabe wird allerdings sein, das Mannschaftsgefüge wieder in Ordnung zu bringen und er muss mit den besonderen Machtverhältnissen in der Bayern-Führung fertig werden. Hier sind die Sportdirektoren Max Eberl und Christoph Freund gefordert. Spannend wird auch sein, welche Neuzugänge kommen, Kompany sollte das Zeug haben, die Abwehr zu stabilisieren, ansonsten gilt er als gelehriger Pep-Schüler, der den Pep-Stil mit viel Ballbesitz spielen lässt. Unter Guardiola spielten die Bayern ihren wohl besten Fußball. Nun wollen sie mit einem Neuling so erfolgreich sein wie Bayer Leverkusen mit Xabi Alonso.

Supercup für die Frauen

Wieder eine gute Nachricht für den Frauen-Fußball, um weiter auf sich aufmerksam zu machen und mehr Fans zu gewinnen. Der DFB lässt den Supercup wieder aufleben, also das Duell Meister gegen Pokalsieger, das es zuletzt 1997 gegeben hat. Das Comeback gibt es am 25. August in Dresden und dabei stehen sich mit Meister Bayern München und Pokalsieger VfL Wolfsburg die beiden besten deutschen Mannschaften gegenüber. Beste Werbung also vor dem Bundesliga-Start am 31. August/1. September. Der Spielort soll jährlich wechseln, um in allen Regionen Werbung für den Frauen-Fußball zu machen.

Werbung sollte auch die Nationalmannschaft machen, die für die Qualifikation zur Europameisterschaft 2025 in der Schweiz vor einem Doppelduell mit Polen steht, am Freitag in Rostock und am Dienstag, 4. Juli, in Polen. Trainer Horst Hrubesch hat einen Kader von 23 Spielerinnen nominiert, für die Olympischen Spiele kann er nur 18 benennen. Die Qualifikation wird im Juli vor Olympia beendet. Hrubeschs Ziel: „Wir wollen beide Spiele gewinnen, dann sind wir bei der EM dabei und können uns auf Olympia vorbereiten.“

Tschechien Eishockey-Weltmeister

Die Gastgeber nutzten die Gunst der Stunde: Zum vierten Mal holte sich Tschechien in Prag den WM-Titel im Eishockey. 14 Jahren mussten die Tschechen auf ihren 13. Titel warten, siegten zuletzt 2010 in Deutschland und nutzten jetzt den Heimvorteil. Im Finale bezwangen sie die Schweiz mit 2:0 (0:0, 0:0, 2:0). Die Eidgenossen verloren dagegen ihr viertes Finale, holten aber seit 2013 zum dritten Mal Silber. Es war ein Finale der Geheimfavoriten, denn als größte Favoriten wurden Kanada und Schweden angesehen, doch für sie wurde es nur das kleine Finale und da holten die Skandinavier Bronze.

Die deutsche Mannschaft war im Viertelfinale an der Schweiz gescheitert, dabei hatte man gehofft, dass die Siegesserie weitergehen würde. Erstmals seit 31 Jahren verlor das DEB-Team wieder ein Viertelfinale gegen die Schweiz, die sich dann im Halbfinale gegen Kanada im Penaltyschießen durchsetzte. Bundestrainer Harold Kreis war dennoch zufrieden, „die Richtung stimmt, uns fehlten einige Stützen aus der NHL, die andere Nationen hatten“. Es war auffällig, dass, wer konnte, auf die NHL-Stars baute. Kreis aber musste auf Superstar Leon Draisaitl, sowie Moritz Seider und Tim Stützle verzichten. Deutschlands Kufenstars haben sich auf jeden Fall in der Spitze etabliert, „wir können aber nicht jedes Jahr mit einer Medaille rechnen“, schränkt der Trainer ein.

Die Bundesliga feiert eine historische Saison

Die Feiern sind vorbei, andernorts geht es an die Aufräumarbeiten nach einer verkorksten Saison. Überall wird Bilanz gezogen, kaum ist das alte Spieljahr der Fußball-Bundesliga vorbei ist das neue schon im Visier. Ein Blick zurück lohnt sich allerdings, war es doch insgesamt eine historische Saison, die in die Geschichte eingehen wird.

Dafür sorgte in erster Linie natürlich Bayer Leverkusen, das als erster Verein überhaupt in 61 Jahren Bundesliga ungeschlagen blieb. Eigentlich hatte man dies eher den Bayern in den letzten Jahren zugetraut, doch trotz der ebenfalls historischen elf Titel in Folge schafften dies die Münchner nicht. Jetzt aber müssen sie fast eine andere historische Bilanz ziehen – ein Jahr ohne Titel. Bei Bayer wirkte sich offensichtlich Fairness positiv aus, die Mannschaft blieb ohne Platzverweis und erhielt keinen Elfmeter gegen sich.

Gefeiert wurde auch in Stuttgart. Wer erinnert sich jetzt an den Tiefpunkt im Verein? Vor acht Jahren flossen die Tränen, der VfB stieg aus der Bundesliga ab, gleichzeitig die zweite Mannschaft aus der 3. Liga. Ganz anders heute: Vizemeister mit noch nie dagewesenen 23 Siegen und 73 Punkten und Rückkehr der U21 in die 3. Liga. Historisch auch Torjäger Serhou Guirassy, der 39 Tore in seinen 50 Ligaspielen für den VfB erzielte, das schaffte keiner vor ihm. Jetzt allerdings wird mit seinem Abgang gerechnet, er ist günstig zu haben, Dortmund soll besonderes Interesse haben. Der Lohn für die Leistung wird in der Champions League kassiert.

Historisch für den Verein auch die Leistung von Aufsteiger Heidenheim. Der Neuling aus der Kleinstadt im Württembergischen an der Grenze zu Bayern wurde zusammen mit dem zweiten Aufsteiger Darmstadt als erster Absteiger genannt. Eigentlich hätte man den Lilien noch eher den Klassenerhalt zugetraut, doch die Lieberknecht-Schützlinge mussten mit nur drei Siegen froh sein, dass sie nicht zu den historisch schlechten Vereinen zählen. Das bleiben mit nur je zwei Siegen Tasmania Berlin (1965/66) und der Wuppertaler SV (1974/75). Heidenheim schaffte das Gegenteil, der bodenständige Verein wurde zu einem Vorbild für andere Klubs, steht inzwischen auf einer Stufe mit dem SC Freiburg. Trainer Frank Schmidt ist der dienstälteste Coach der Liga, seine Schützlinge sorgten für Furore, so schaffte es Jan-Niklas Beste sogar in den Kreis der Nationalmannschaft. Ihm gelangen acht Tore und 13 Vorlagen, seitdem die Scorerpunkte gezählt werden, war nur Emil Forsberg 2016/17 für RB Leipig für einen Bundesliga-Neuling besser. Und auch Torjäger Tim Kleindienst führt Ranglisten an: Er kämpfte für sein Team, führte die meisten Zweikämpfe (927), foulte (als Stürmer!) am meisten (89) und zog die meisten Sprints an (1056).

Absteigen muss auch der 1. FC Köln, der am bittersten dafür büßen musste, dass im Verein schlecht gearbeitet wurde. Auch Bochum hatte es sich anders vorgestellt, als in der Relegation zu bangen. Andere Klubs hangelten sich gerade noch auf sicheres Terrain. Union Berlin, Mainz 05, der VfL Wolfsburg und der FC Augsburg hatten mit Trainerwechseln Glück. Vor allem Dänen-Power beeindruckte die Bundesliga, Bo Henriksen trieb Mainz zum Klassenerhalt, Jess Thorup brachte dem FCA Spielkultur bei und holte frühzeitig den Klassenerhalt. Das war notwendig, den am Schluss gab es fünf Niederlagen am Stück, das trübt die Bilanz. Erneut wurden die 40 Punkte nicht erreicht, aber Rang elf ist die beste Platzierung seit neun Jahren! Der FCA will sein Team weiter verstärken, muss aber mit einem Abgang von Torjäger Demirovic rechnen.

Im Hinblick auf eine bessere Saison hat Union Berlin bereits gehandelt und in der Führung für einen Wechsel gesorgt. Als neuer Geschäftsführer Profifußball kommt Horst Heldt, sein Vorgänger Oliver Ruhnert bleibt dem Verein jedoch erhalten und wird wieder Chefscout, so wie er 2017 bei den Berlinern begann. Von Wechseln will Borussia Mönchengladbach nichts wissen, trotz einer enttäuschenden Saison und Zittern am Schluss. Nur Rang 14 wurde es, von Europa hatte man geträumt, aber Trainer Gerardo Seoane soll bleiben. Da sieht es in Frankfurt anders aus, Trainer Dino Toppmöller scheint zu wackeln, obwohl die Eintracht mit Rang 6 zufrieden sein kann, aber es gab zu viel Auf und Ab in der Saison.

Darüber klagen auch andere Vereine. Freiburg hätte sich ein besseres Ergebnis zum Abschied von Trainer Christian Streich gewünscht, den vor allem Verletzungssorgen bremsten. Wolfsburg schaffte mit dem neuen Trainer Ralph Hasenhüttl die Trendwende, will wieder nach oben. Zufrieden sein kann Werder Bremen, das eine solide Saison gespielt hat, glücklich war am Ende vor allem aber Hoffenheim, denn nach Rang 7 und einem Platz in Europa sah es lange nicht aus. Solide auch RB Leipzig, das wieder in die Champions League einzieht und immer beständig in der Spitzengruppe blieb. Anders ging es in Dortmund zu, Trainer Edin Terzic stand schon vor dem Aus, weil er mit seinem Team einfach keine konstante Leistungen zeigte. Erfolge in der Champions League kaschierten dies und nun greift die Borussia sogar nach dem Henkelpott. Ein Sieg gegen Real Madrid im Finale am 1. Juni und es wird eine historische Saison!

Ein Rückblick auf das ereignisreiche Jahr macht deutlich, dass sich die Fans schon jetzt wieder auf die neue Saison freuen dürfen. Die Sommerpause wird nicht nur durch die Europameisterschaft nicht langweilig, sondern bleibt spannend durch die vielen Geschichten rund um die Vereine mit Spieler- und Trainersuche. Vor allem die Bayern werden da scheinbar noch einige Zeit für Unterhaltung sorgen…

Auch die Bayern-Frauen ungeschlagen

Auf den Spuren von Leverkusen wandelten die Frauen des FC Bayern, sie blieben nämlich ebenfalls in dieser Bundesliga-Saison ungeschlagen, gewannen sogar alle Spiele der Rückrunde und wurden folgerichtig zum zweiten Mal hintereinander Meister. Allerdings haperte es bei ihnen im Pokal und international. Da soll es besser werden. Der erste Schritt dazu war die Vertragsverlängerung um ein Jahr mit Trainer Alexander Straus, der jetzt bis 2026 bleiben soll. Ihm zur Seite stehen als neue Assistenten Kjel Lone, den er von SK Brann kennt, und Clara Schöne (bisher im Nachwuchs). Straus will auch in Europa angreifen und sagt, „die nächsten Jahre werden spannend“. Deshalb kommt wohl auch Wolfsburgs Star Lena Oberdorf nach München. Ihren Vertrag verlängert hat auch die 37-jährige Schwedin Linda Sembrant, die im Winter von Juventus Turin ausgeliehen wurde. Sie hat sich als Stütze in der Abwehr erwiesen und lobt, „das Team und der Verein sind einzigartig“. Das hört man bei den Bayern gern!

Hinter München haben sich in der Bundesliga Wolfsburg und Eintracht Frankfurt die Plätze für die Qualifikation in der Champions League gesichert. Hoffenheim fiel am Ende ab und noch hinter Essen auf Rang fünf zurück. Zufrieden mit ihrer Saison waren Leverkusen und Bremen sowie Neuling Leipzig als Achter. Freiburg und Köln hatten sich sicher mehr erhofft, absteigen müssen der 1. FC Nürnberg und MSV Duisburg. Schade eigentlich, beide Vereine hätten der Bundesliga auch künftig gutgetan, zumal die Liga mit zwölf Vereinen eigentlich zu klein ist. Viele fordern eine Aufstockung und mehr Spiele, damit die Bundesliga mehr im Gespräch ist. Hoffnung machen Vereine wie der Hamburger SV und Borussia Dortmund, die auch mit den Frauen die Bundesliga anstreben. In Dortmund wird sogar gemunkelt, dass in einem Jahr Wolfsburgs Star Alexandra Popp als „Entwicklungshelferin“ kommen soll.

Zunächst ist Popp allerdings noch bei der Nationalmannschaft gefragt. Bundestrainer Horst Hrubesch hat seinen Kader für die nächsten EM-Qualifikationsspiele am 30. Mai und 4. Juni gegen Polen benannt und da ist die Kapitänin ebenso wieder dabei wie Marina Hegering nach einer Verletzungspause. Dafür fällt Sara Däbritz verletzt aus, Lina Magull und Linda Dallmann stehen nur Abruf im Kader. Hrubesch hat 23 Spielerinnen nominiert und nutzt die Spiele als Test für Olympia, da darf er dann nur 18 Spielerinnen mitnehmen und wird eine harte Auswahl treffen müssen. Nach den Begegnungen gibt es für die Mädchen in einem stressigen Jahr ein bisschen Urlaub, vor Olympia stehen noch die nächsten EM-Qualifikationsspiele gegen Island (12. 7.) und Österreich (16. 7.) an. Start bei Olympia ist dann am 25. Juli gegen Australien.

Meisterkusen: Das Triple fehlt zu einer perfekten Saison

Endlich hielten die glücklichen Leverkusener Spieler die Schale in ihren Händen. Als Deutscher Fußball-Meister standen sie schon lange fest, doch so richtig Wirklichkeit wurde der erste Titelgewinn der Vereinsgeschichte halt doch erst, als die Schale da war. Mit einem 2:1 gegen Augsburg krönte Bayer die Bundesliga-Saison, ist inzwischen seit 51 Pflichtspielen ungeschlagen und erreichte noch nie 90 Punkte. Die Konkurrenz konnte nur neidisch zuschauen, aber für eine große Feier haben die Rekordjäger keine Zeit. Aus Vizekusen wurde Meisterkusen, aber das Triple fehlt zu einer perfekten Saison. Noch zwei große Aufgaben stehen in dieser Woche an: Am Mittwoch in Dublin das Finale in der Europa League gegen Atalanta Bergamo und am Samstag in Berlin das Finale im DFB-Pokal gegen den Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern. Die Italiener werden eine harte Nuss sein, die Pfälzer werden sich nach Kräften wehren, sollten aber chancenlos sein. Wie auch immer, die große Sause wird es erst am Sonntag im Leverkusener Stadion geben, weil ein Balkon am Leverkusener Rathaus fehlt. Da hätten die Stadtväter eigentlich vorsorgen können…

Trainer Xabi Alonso ist der Held von Leverkusen, der Spanier machte aus einem abstiegsgefährdeten Team eine Pass- und Punktemaschine. Er bleibt trotz Angebote einiger Topvereine, weil ihn wohl die Aufgabe reizt, mit diesem Team auch in der Champions League zu bestehen. Seit dem 6. Spieltag stand Bayer auf Platz 1, die Vorentscheidung im Kampf um die Meisterschaft fiel am 21. Spieltag, als Titelverteidiger Bayern mit einem Sieg in Leverkusen hätte vorbeiziehen können, aber Leverkusen wehrte den Angriff mit einem 3:0-Triumph ab, hatte fünf Punkte Vorsprung und am Ende waren es sogar 18 Zähler vor den Münchnern, die zum Schluss mit einer 2:4-Niederlage bei Hoffenheim sogar noch die Vizemeisterschaft verspielten.

Nach erfolgreichen Jahren lief in München vor und in dieser Saison alles schief. Es begann mit dem Sommertheater und der Kündigung für die Macher Kahn und Salihamidzic ausgerechnet am Tag des Titelgewinns. In der Transferzeit konzentrierte man sich darauf, Englands Torjäger Harry Kane an Land zu ziehen, versäumte es aber, die Mannschaft darüber hinaus sinnvoll zu verstärken. Trainer Thomas Tuchel bettelte vergebens um eine „Holding Six“ im Mittelfeld. Eine Verletzungsserie tat ihr übriges, die Bayern kamen nur in der Champions League auf die Beine, am Schluss stehen sie aber mit leeren Händen da, nach einem blamablen Ausscheiden im Pokal in Saarbrücken und dem unglücklichen Ende im CL-Halbfinale gegen Real Madrid. Acht Niederlagen in einer Saison gab es zuletzt 2006/07, Dritter der Bundesliga waren die Bayern zuletzt 2011 hinter Dortmund und Leverkusen, was damals Trainer Louis van Gaal den Job kostete. Jetzt bleibt auch Thomas Tuchel nicht, mit dem noch einmal verhandelt wurde. Die aktuelle Trainersuche verkommt fast zu einer Komödie oder Tragödie, je nach Sichtweise. Max Eberl hat keinen guten Start als Sportvorstand. Nicht umsonst fordern die Führungsspieler Neuer und Müller einen Neuanfang. Harry Kane war allerdings ein Volltreffer, wurde mit 36 Treffern Torschützenkönig, fehlte am Ende aber ebenfalls verletzt. Sein Traum von einem Titelgewinn, für den die Münchner eine sichere Bank schienen, ging nicht Erfüllung.

Gäbe es nicht Meisterkusen wäre der VfB Stuttgart die „Mannschaft der Saison“, von der Relegation zur Vizemeisterschaft, das ist ein ebenso erstaunlicher Aufstieg. Und auch im „Ländle“ wird der Trainer gefeiert, Sebastian Hoeneß, Sohn von Dieter und Neffe von Uli – und dennoch offensichtlich keine Lösung für die Bayern. Hoeneß setzte ähnlich wie Alonso auf Spielkultur, sorgte für ein gutes Klima im Team und hat mit Guirassy (28 Treffer) ebenfalls einen Torjäger in seinen Reihen. Allerdings bangen die Stuttgarter, ob ihnen der Torjäger erhalten bleibt. Mit Nick Woltemade kommt aus Bremen neu ein Torjäger-Talent. Dahinter stand ja bereits fest, dass die CL-Plätze an Dortmund und Leipzig gehen, Frankfurt verteidigte glücklich Rang 6 und die Europa League, Hoffenheim sprang sogar auf Rang 7 und hat die Conference League sicher. Dahinter darf mit Neuling Heidenheim das nächste Überraschungsteam bei glücklicher Konstellation noch auf internationale Ehren hoffen.

Am Tabellenende ging es hoch her, für den 1. FC Köln reichte es nicht, er muss neben Darmstadt wieder einmal in die zweite Liga runter, sein siebter Abstieg, der Effzeh ist eine Fahrstuhlmannschaft, in erster Linie sind das aber Folgen schlechter Vereinspolitik. Glücklicher war Union Berlin, dass im Sommer bei den Neuzugängen auch viele Fehler gemacht hat, am Ende aber gerade noch die Kurve bekam und in einem spannenden Match gegen Freiburg mit einem vergebenen und einem erst im Nachschuss verwandelten Elfmeter die eigenen Nerven und die der Fans strapazierte, dennoch sprang ein 2:1-Sieg heraus. Glücklich auch Mainz, vom neuen Trainer Bo Henriksen angetrieben gab es ausgerechnet im entscheidenden letzten Spiel mit 3:1 in Wolfsburg den ersten Auswärtssieg der Saison (!) und so stürzte Bochum noch in die Relegation. Am Donnerstag und Montag, 27. Mai, ist der Dritte der 2. Bundesliga, Fortuna Düsseldorf der Gegner. Die Bilanz spricht für Bochum, in 15 Duellen hatten nur dreimal die Zweitligisten das bessere Ende für sich, einmal war das jedoch 2012 die Fortuna. Aber ausgerechnet jetzt verzichtet Bochum auf den heißblütigen Stammtorhüter Manuel Riemann wegen „unüberbrückbarer Differenzen“.

In der zweiten Liga verteidigte St. Pauli erfolgreich Platz 1 und holte sich den Titel vor Holstein Kiel, das mit dem Aufstieg in die Bundesliga ein Märchen erlebt. Absteigen müssen Osnabrück und Rostock, wobei die Hansa-Fans wieder über die Stränge schlugen und mit Pyro-Ärger für eine Spielunterbrechung gegen Paderborn sorgten. Es ist, als wollten die Randalierer deutlich machen, wir haben den Abstieg verdient! Wehen-Wiesbaden rettete sich in die Relegation am 24. und 28. Mai gegen den Dritten der 3. Liga, Jahn Regensburg. Dort sind SSV Ulm 1846 als Meister und Preußen Münster sensationelle Aufsteiger, weil sie als Neulinge von der Regionalliga in die 2. Bundesliga durchmarschierten!

Mehr zur Saison der Bundesliga in einem weiteren Blog in dieser Woche.

Die Zeit des Abschieds

Unabhängig davon, dass ein Saisonende immer eine Zeit des Abschieds ist, gab es diesmal besondere Momente. So ist in erster Linie Freiburgs Trainer Christian Streich zu nennen, der seine Karriere in seiner Heimat nach 12 Jahren beendet, da flossen die Tränen. Es war kein glückliches Ende, sein SCF stürzte nach der Niederlage bei Union noch auf Rang 10 und verpasste das internationale Geschäft. Streich in seiner Art: „Es tut mir leid für die Fans. Ich bin enttäuscht von mir selbst.“ Glücklicher der Abschied in Dortmund, wo Marco Reus durch ein Spalier mit Mitspielern vorzeitig vom Platz ging. Die Borussia-Ikone hatte ja zuvor seinen Abschied verkündet, will aber im Ausland noch spielen.

Beim Thema Abschied ein Blick ins Ausland, in England wurde Jürgen Klopp nach seinem letzten Spiel in Liverpool gefeiert. Er wurde zur Legende bei den „Reds“, gewann mit ihnen die Meisterschaft 2020 und die Champions League 2019, insgesamt waren es sieben Titel. Vor allem aber gewann er die Herzen der Fans. Jetzt will der 56-jährige eine längere Pause machen. „Ich werde ihn vermissen,“ tat auch Konkurrent Pep Guardiola kund, der Spanier holte am letzten Spieltag mit Manchester City wieder den Titel, den vierten in Folge, das gab es in der Premier League noch nie, insgesamt der 17. Titel für Pep, der dann auch von Abschied sprach. Er will den Vertrag bis 2025 erfüllen, „dann weiß ich noch nicht, was ich mache.“

EM-Start am Sonntag

Es stehen noch entscheidende Spiele an, aber das größte Finale der Saison ist bereits im Visier: Das Endspiel der Europameisterschaft in Berlin am 14. Juli. Der EM-Start für die deutsche Mannschaft ist bereits am Sonntag, wenn die Spieler den ersten Teil der Vorbereitung im Hotel „Spa & GolfResort Weimarer Land“ beginnen. Hotel und Golfplatz stehen nur dem DFB-Team zur Verfügung, die Spieler dürfen auch ihre Familien mitbringen. Es geht bis zum 31. Mai aber nicht nur um Urlaub. Einige Kandidaten werden fehlen, weil eben noch Endspiele anstehen. Das EM-Quartier in Herzogenaurach wird im Anschluss bezogen, am 3. und 7. Juni gibt es dann in Nürnberg und Gladbach Testspiele gegen die Ukraine und Griechenland. Am 7. Juni muss auch der endgültige EM-Kader gemeldet werden.

27 Mann hat Bundestrainer Julian Nagelsmann bisher auf seiner Liste, nicht endgültig geklärt ist, wie viele er mit zur EM nimmt, 26 dürfen es sein. Die Nominierung des Kaders verlief bekanntlich in einer neuen PR-Aktion scheibchenweise, die durchaus als gelungen bezeichnet werden kann. Als Nagelsmann am Donnerstag mit allen Namen an die Öffentlichkeit ging, gab es natürlich nur wenige Überraschungen. So zum Beispiel, dass die Stars Hummels und Goretzka fehlen, auch der Dortmunder Brandt fand keine Aufnahme mehr. Überraschend auch, dass bei den Torhütern der Frankfurt Trapp kein Thema war, dafür rückte der Stuttgarter Alexander Nübel, der noch den Bayern gehört und Neuer-Nachfolger werden soll, für den verletzten Leno nach. Nagelsmann wollte auf seiner eingeschlagenen Linie bleiben und betonte, „jeder kennt seine Rolle“. Die Stammformation steht mehr oder weniger fest. Fit meldeten sich auch die Münchner Musiala und Pavlovic.

Der EM-Kader: Tor: Neuer, ter Stegen, Baumann, Nübel. – Abwehr: Kimmich, Koch, Mittelstädt, Rüdiger, Schlotterbeck, Tah, Raum, Anton, Henrichs. – Mittelfeld: Andrich, Wirtz, Führich, Groß, Gündogan, Pavlovic, Sané, Musiala, Kroos. – Sturm: Füllkrug, Havertz, Undav, Müller, Beier.

Die Bundesliga ist die Nummer 1 in Europa!

Fußball-Herz, was willst Du mehr! Der Fußball lebt und die Bundesliga ist in Europa sogar die Nummer 1! Die Halbfinals in den europäischen Wettbewerben sorgten für große Spiele und Spannung. Am Ende stehen zwei deutsche Mannschaften in den Finals, aber keine einzige aus der Premier League, die allgemein als das Schlaraffenland des Fußballs angesehen wird. In England wird die Bundesliga als Farmers League verspottet, sie ist aber vorn. Borussia Dortmund sensationell in der Champions League und Bayer Leverkusen fast wie erwartet in der Europa League spielen um die Titel. Auch Italien ist mit zwei Teams vertreten, aber mit dem AC Florenz in der Conference League gewissermaßen eine Klasse tiefer.

Dortmund feiert ein Wiedersehen mit Wembley, steht auch das erste Mal seit 2013 wieder im Finale. Aber nicht Bayern München ist der Gegner, sondern Real Madrid, dass seinem Ruf, als Mannschaft, die Unmögliches möglich macht, gerecht wurde. Die Borussia muss sich nicht verstecken, sie blieb gegen Paris bei zweimal 1:0 ohne Gegentor. Gespielt wird am 1. Juni in London. Bayer Leverkusen machte es auch spannend, der 2:0-Vorsprung gegen AS Rom war schon verspielt, als die Mannschaft aufwachte, sich gegen die Verlängerung und am Ende gegen die erste Niederlage der Saison stemmte. Es ist fast schon Bayer-Usus, dass das entscheidende Tor in der 97. Minute fiel, wieder einmal durch die Bayern-Leihgabe Stanisic. Das 15. Tor in dieser Saison nach der 90. Minute! Am 22. Mai in Dublin ist Atalanta Bergamo der Gegner, die Überraschungsmannschaft aus Italien, die sich mit 3:0 und 1:1 gegen Olympique Marseille durchsetzte. Die Finals werden komplettiert mit der Conference-Partie Olympiakos Piräus (4:2 und 2:0 gegen Aston Villa) gegen AC Florenz (3:2/1:1 gegen Club Brügge) am 29. Mai in Athen.

Die Dortmunder haben in dieser Saison zwei Gesichter gezeigt: Das schlechte in der Bundesliga, das gute in der Champions League. Eigentlich starteten sie in einer „Todesgruppe“ mit Paris, AC Mailand und Newcastle United als Gegner. Platz drei schien das höchste der Gefühle zu sein, zumal der Start mit 0:2 in Paris schief ging. Dann allerdings begann die Erfolgsserie der Borussia, die sogar zum Gruppensieg führte. Trainer Edin Terzic wurde nach unerklärlichen Schwächen in der Bundesliga schon angezählt, aber die Erfolge auf Europas Bühne hielten in Amt und heute wird er schon auf eine Stufe mit den Trainer-Ikonen Jürgen Klopp und Ottmar Hitzfeld gestellt. Überwunden ist damit auch das Drama um die am letzten Spieltag verpasste Meisterschaft im letzten Jahr, als ganz Dortmund weinte. Nun jubelt es.

Geweint wird dagegen in München. Nach dem 2:2 im Hinspiel sahen sich die Bayern nach einem Treffer von Davies (68.) bis zur 88. Minute im Finale, dann schlug Joker Joselu noch zweimal zu. Der Ausgleich gelang, aber weil Linien- und Schiedsrichter Fehler begingen und zu früh auf Abseits entschieden (was es nicht war) zählte der vermeintliche Treffer zum 2:2 nicht. Unglücklicher konnte die CL-Saison nicht enden, zumal zwei Fehler von Kim im Hinspiel und einer vom bis dahin überragenden Neuer im Rückspiel das Ausscheiden begünstigten. Jetzt steht Trainer Thomas Tuchel mit leeren Händen da und lamentiert: „Wir, unser Trainerteam, haben unser Bestes gegeben.“ Vorstandschef Jan-Christian Dreesen richtet den Blick in die Zukunft: „Was die Bayern-Familie auszeichnet: Dass wir nach bitteren Niederlagen wie heute stärker als zuvor zurückkommen. Wir wollen ins CL-Finale 2025 – in München, in der Allianz Arena.“

In der Bundesliga steht der Abstiegskampf im Mittelpunkt und da hat sich Dortmund wieder einmal blamiert, verlor sang- und klanglos in Mainz mit 0:3, was den Mainzer zum Sprung auf Platz 15 verhalf. Leidtragender war Union Berlin, das sich selbst auch nicht half und in Köln nach 2:0-Führung noch 2:3 verlor. Köln sprang dem Abstiegstod von der Schippe und hat am letzten Spieltag noch eine Chance, muss aber drei Punkte und Tore gegen Union aufholen. Und das beim sensationellen Neuling Heidenheim, der Freiburgs Kulttrainer Christian Streich in seinem letzten Heimspiel mit 1:1 den Abschied vermieste. Union hat diese müden Freiburger zu Hause zu Gast. In die Relegation könnte auch noch Bochum rutschen, das Leverkusen nicht stoppen konnte, gerettet sind Gladbach und Wolfsburg. Um die Plätze für Europa kämpfen weiterhin Frankfurt (noch nicht sicher Sechster), Hoffenheim, Freiburg, Heidenheim, Bremen und Augsburg, das in Leverkusen nicht nur bei der Übergabe der Meisterschale zuschauen will. Der letzte Spieltag hat es also noch in sich.

In der 2. Bundesliga feierten St. Pauli und Holstein Kiel den Aufstieg. Die „Störche“ werden der 58. Verein in der Bundesliga sein, St. Pauli hat schon acht Jahre hinter sich, ist aber erstmals alleiniger Hamburger Vertreter im Oberhaus. Der HSV mutiert inzwischen zum Dino der zweiten Liga.

Nagelsmann und das Momentum

Mitten hinein in den Endspurt der Bundesliga präsentiert Bundestrainer Julian Nagelsmann am Donnerstag sein EM-Aufgebot. Eigentlich wollte er sich beim Kader für die Europameisterschaft vom Momentum führen lassen. Dies war in der Vorbereitung sein Argument dafür, dass er bis auf Füllkrug auf Dortmunder Spieler verzichtet hat. Und jetzt? Das Momentum wird wohl dennoch das EM-Aufgebot prägen, aber die Gedanken über den Kader sind inzwischen ganz andere, als sie vor Wochen noch waren. Der Bundestrainer muss mit vielen Unwägbarkeiten zurecht kommen.

So haben ihn die erfolgreichen Vereine in Terminzwänge gebracht. Am 26. Mai beginnt in Blankenhain im Weimarer Land der erste Lehrgang, der bis zum 31. Mai dauert. Danach stehen die letzten Testspiele an, am 3. Juni in Nürnberg gegen die Ukraine und vier Tage später in Mönchengladbach gegen Griechenland. Erst dann wird Nagelsmann sein Aufgebot komplett haben. Beim Start fehlen vor allem die erfolgreichen Spieler, die Dortmunder, Madrider und Leverkusener. Das dürfte dann auch eine Rolle spielen, wen Nagelsmann nominiert. Nehmen wir die Innenverteidigung, die zuletzt Tah und Rüdiger bildeten, Hummels und Schlotterbeck haben sich in den Vordergrund gespielt, doch alle sind in den Endspielen vertreten. Also muss Ersatz her, der vielleicht dann wieder nach Hause geschickt wird. Aber auch Verletzungen machen die Planungen schwierig, vor allem die Münchner sind nicht nur mental angeschlagen, Gnabry dürfte ganz ausfallen, Sané und Musiala plagen sich ebenfalls mit Blessuren herum.

So wird es also spannend, welche Namen schließlich genannt werden, vielleicht Robin Hack als Überraschung? Der Bundestrainer könnte 26 Spieler nominieren, hatte aber im Kopf, nur 23 mitzunehmen, doch das dürfte angesichts der Unsicherheiten Makulatur sein. Umso wichtiger sind Spieler, die mehrere Positionen besetzen können, wie Henrichs oder auch Gorotzka, der nichts davon wissen will, dass er nicht auf der Ersatzbank sitzen würde: „Ich nehme alles an, was mir der Trainer aufgibt.“ Nagelsmann muss aber auch für andere Eventualitäten gerüstet sein, zum Beispiel, wenn der neue „Kopf“ des Teams, Toni Kroos, ausfällt. Könnte Bayerns aufgehender Stern Pavlovic der Ersatz sein?

Der Sport-Grantler präsentiert alle Namen rund um das Aufgebot:

Fest dabei: Neuer, ter Stegen – Tah, Rüdiger, Kimmich, Henrichs, Mittelstädt, Raum – Andrich, Kroos, Groß, Gündogan – Musiala, Sané (wenn beide fit sind), Wirtz, Führich, Havertz, Füllkrug. – Im Kader: Trapp, Baumann – Hummels, Schlotterbeck, Brandt, Goretzka, Pavlovic, T. Müller. Das wären insgesamt 26 Spieler. Außerdem im Blick: Leno – Thiaw, Anton, Koch, Gosens, Beste – Hofmann, Adeyemi, Undav, Hack. Weiteren Kandidaten wie Süle, Can und Prömel haben sich nicht aufgedrängt.

Der Pokal gehört Wolfsburgs Frauen

Bayern München will auch bei den Frauen der führende Verein in Deutschland werden, doch die Wölfinnen beißen zurück. Nichts wurde es mit Double der Bayern-Mädchen, die ausgerechnet im Pokalfinale eine ihre schwächsten Leistungen der Saison zeigten und in Köln vor ausverkauftem Haus mit 44400 Zuschauern 0:2 unterlagen. Die Wachablösung wurde vertagt, Wolfsburg war der Wille anzumerken, unbedingt die Misserfolgsserie der Saison zu beenden. Der Pokal gehört schließlich nach Wolfsburg, die jetzt zehnmal in Folge gewonnen haben. Kapitänin Alexandra Popp kommt sogar auf zwölf Titelgewinne. „Spielerin des Spiels“ war ausgerechnet Lena Oberdorf, die sich würdig vom VfL verabschieden konnte – sie wechselt im Sommer nach München. Auch deshalb sagt Bayern-Trainer Alexander Straus: „Wir werden im nächsten Jahr noch stärker sein.“ Diesmal aber gab es die erste nationale Niederlage der Saison, futsch war das Double.