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Eishockey-WM: Wer Silber gewann, kann auch Gold holen

Die Zeiten haben sich geändert. So lange ist es noch gar nicht her, dass die deutsche Nationalmannschaft zu einer Eishockey-Weltmeisterschaft allein mit dem Ziel gefahren ist, nur nicht abzusteigen. Wenn am Freitag die WM 2024 in Tschechien beginnt (bis 26. Mai), dann üben sich die deutschen Spieler zwar in Zurückhaltung, doch nach unten schaut keiner, sondern nur nach oben. Motto: Wer Silber gewann, kann auch Gold holen. Die Zurückhaltung wird dadurch deutlich, dass erst einmal das Viertelfinale das Ziel ist (unter die ersten vier in der Gruppe) und dann, sagt Kapitän Moritz Müller, „ist alles möglich“.

Der Umschwung im deutschen Eishockey wird an dem einstigen NHL-Star Marco Sturm aus Landshut festgemacht, der als Bundestrainer (2015 – 2018) ein neues Denken in die Mannschaft implantierte. Nach einer 1:4-Niederlage gegen Russland wunderte er sich, dass die Spieler damit zufrieden waren, nicht höher verloren zu haben. „Wir wollen immer gewinnen“, trichterte Sturm den Burschen ein und später wurde die Ernte eingefahren, mit Silber bei Olympia 2018 in Südkorea. Russland unterlag man erst in der Overtime. Es war keine Eintagsfliege, seitdem geht es mit dem deutschen Eishockey aufwärts. Immer mehr deutsche Spieler finden Beachtung in der berühmten NHL und im letzten Jahr konnte der nächste große Erfolg gefeiert werden: Silber bei der Weltmeisterschaft in Finnland, erst im Finale von Kanada mit 2:5 gestoppt, aber keineswegs chancenlos. Der Lohn der guten Leistungen, inzwischen rangiert Deutschland in der Weltrangliste nicht mehr „unter ferner spielen“, sondern befindet sich auf Rang fünf, noch vor Schweden (6.) und WM-Gastgeber Tschechien (8.). Für Olympia 2026 ist das DEB-Team bereits qualifiziert.

Die Erfolge werden in Deutschland honoriert, Eishockey boomt. Die Deutsche Eishockey Liga konnte ihre Zuschauerzahlen gegenüber den Vor-Corona-Zeiten sogar noch steigern, 7160 Zuschauer waren es im Schnitt, die DEL ist die damit die Nummer 1 in Europa vor der Schweiz (7131) und Schweden (6116). Die Kölner Haie stellten sogar einen Europarekord auf mit einem Besucherschnitt von 16993 Fans. Und wenn es jetzt um die WM geht, dann ist von „Unseren Helden auf dem Eis“ die Rede.

Das ist natürlich auch eine Hypothek für den sympathischen Bundestrainer Harold Kreis und seine Mannen. Kreis fährt optimistisch zum Turnier, obwohl die Testspiele keineswegs erfolgversprechend verliefen, nur drei Siege in acht Spielen waren zu verzeichnen. Den Schlusspunkt setzte ein 4:3-Sieg gegen Frankreich, unter anderem Gruppengegner im Spielort Ostrava. Los geht es am Freitag gegen die Slowakei, dann folgen mit Schweden und den USA weitere Konkurrenten um den Gruppensieg. Danach wird es gegen Lettland, Kasachstan, Neuling Polen und Frankreich zweifellos leichter. Das Viertelfinale wird am 23. Mai gespielt, am Samstag, 25., stehen die Halbfinals an und am Sonntag das Finale. In Deutschland übertragen gleich drei TV-Sender, nämlich ProSieben mit ProSiebenMaxx, MagentaSport und Sportdeutschland.tv.

Auf den aktuell größten Star des deutschen Eishockeys muss der Bundestrainer freilich verzichten, Leon Draisaitl kämpft mit seinen Edmonton Oilers in der NHL um den Stanley Cup und will ihn endlich gewinnen. Tim Stützle (Ottawa) fällt verletzt aus und Moritz Seider erhielt von seinem neuen Verein Detroit Red Wings keine Einsatzgenehmigung. Dafür ist aber der Rosenheimer Philipp Grubauer von den Seattle Kraken dabei, inzwischen einer der besten Torhüter der NHL, der mit Matthias Niederberger (Red Bull München) ein erstklassiges Gespann bildet. Der Torhüter ist bekanntlich im Eishockey die halbe Miete. Als Leistungsträger entpuppte sich auch John-Jason (genannt JJ) Peterka (Buffalo), der vor einem Jahr sogar zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde. Das DEB-Team hat also durchaus einige Pfunde, mit denen es wuchern kann. Bundestrainer Harold Kreis ist deshalb zufrieden, „wir sind diesmal vor dem Turnier weiter als vor einem Jahr“. Die Mannschaft ist also heiß auf die nächste Überraschung.

Die Rolle der Favoriten übernehmen jedoch andere Nationen. So Titelverteidiger und Rekordweltmeister Kanada, Schweden, das zuletzt auf NHL-Spieler verzichtete, aber eine Kehrtwende hinlegte und mit einigen NHL-Stars aufwartet. Im erweiterten Kreis sind Finnland, die USA und Gastgeber Tschechien zu nennen. Vor allem die Tschechen wollen den Heimvorteil nutzen, um wieder einmal einen Titel zu holen. Das gelang ihnen zuletzt 2010 in Deutschland!

Der Fußball-Traum: Deutsches CL-Finale wie 2013

In dieser Woche tritt in Fußball-Deutschland alles in den Hintergrund: Die Trainer-Suche der Bayern, der Abstiegskampf in der Bundesliga, die Bemühungen um den Aufstieg in der zweiten Liga, das „Spiel des Jahres“ bei den Frauen und die Europameisterschaft ist noch weit weg. Jetzt geht es darum, am Dienstag und Mittwoch den deutschen Vertretern im Halbfinale der Champions League die Daumen zu drücken. Zuerst sind die Dortmunder in Paris dran, mit einem 1:0-Vorsprung im Gepäck, ein Unentschieden reicht zum Einzug ins Finale. Schlechter die Ausgangslage der Bayern bei Real Madrid nach dem 2:2 im Hinspiel, ein Sieg muss her. Klappt es bei beiden, wird der Traum Wirklichkeit: Ein deutsches Finale am 1. Juni in Wembley wie 2013.

Es war der 25. Mai 2013, als die beiden deutschen Vorzeigeklubs in London um den begehrten Henkelpott kämpften. Statt dem erwarteten spanischen Finale gab es ein deutsches, Dortmund hatte Real mit 4:1, 0:2 ausgeschaltet, München den FC Barcelona sogar mit 4:0, 3:0! Fast eine ganze Nation war am Fernseher dabei, 21,6 Millionen (Rekordquote von 61,7 Prozent) saßen gespannt vor den Bildschirmen. Die Trainer der Protagonisten waren Jürgen Klopp und Jupp Heynckes und das waren die Mannschaften:

Dortmund: Weidenfellner – Piszek, Subotic, Hummels, Schmelzer – S. Bender, (60. Sahin), Gündogan – Blszcykowski (90. Schieber), Reus, Großkreutz – Lewandowski. – München: Neuer – Lahm, Boateng, Dante, Alaba – Javi Martinez, Schweinsteiger – Robben, T. Müller, Ribery (90.+1 Luiz Gustavo) – Mandzukic (90.+4 Gomez). Schiedsrichter war der Italiener Rizzoli. Es war ein Spiel auf Augenhöhe, die Bayern gingen nach 60 Minuten durch Mandzukic in Führung, Gündogan glich nur acht Minuten später durch Elfmeter aus. Die Entscheidung fiel in der 89. Minute, als Arjen Robben nach Zuspiel von Franck Ribery den Ball an Torhüter Weidenfellner vorbei ins Tor „streichelte“. Gibt es eine Revanche? Mit Hummels und Reus bzw. Neuer und Thomas Müller sind noch vier Spieler in ihren Klubs dabei, Gündogan spielt jetzt in Barcelona, Alaba bei Real. Für Marco Reus, der seinen Abschied aus Dortmund verkündet hat, wäre es ein glorreiches Ende!

Aber vorher müssen die Aufgaben im Halbfinale gelöst werden. Vor dem Hinspiel gegen Paris haderte man in Dortmund nach einer Niederlage in Leipzig, jetzt holte sich eine B-Elf Schwung mit einem 5:1 gegen Augsburg. Trainer Edin Terzic hat die Qual der Wahl, er braucht ein glückliches Händchen, sein Team darf Mbappé und Co. nicht ins Spiel kommen lassen. Paris lechzt buchstäblich nach dem Titel. Mehr Sorgen hat Kollege Thomas Tuchel, das Verletzungspech hält an, jetzt fällt auch noch Guerreiro aus, das Spiel in Stuttgart galt als unwichtig, ein 1:3 war die Folge. Platz zwei in der Bundesliga ist in Gefahr, doch egal, Real (frischgebackener Meister in Spanien) zählt und Tuchel hofft auf die angeschlagenen de Ligt, Sané und Musiala. Frage: Werden 90 oder 120 Minuten gespielt? Notfalls entscheidet das Elfmeterschießen. Schlechtes Omen: In vier von fünf Fällen sind die Bayern nach einem Unentschieden zu Hause ausgeschieden!

Da tritt auch die Trainersuche in den Hintergrund, obwohl die Medien voll von Spekulationen sind und sich ein Eimer voll Spott über die Bayern ergoss, als der nächste Wunschkandidat Ralf Rangnick absagte, weil er lieber das beschaulichere Dasein als Österreichs Nationaltrainer genießt. „Es wird sich eine Tür öffnen“, bleibt Sportvorstand Max Eberl optimistisch. Vielleicht überlegt es sich Jürgen Klopp noch mit seinem Sabbatjahr und lässt sich als „Retter“ in München feiern oder die Hoeneß-Familie beordert Sohn/Neffe Sebastian an die Isar…

Das Gegenteil bei Leverkusen, sie sind glücklich mit dem Trainer und reiten weiter auf der Erfolgswelle. Neues Ziel: In der ganzen Saison ungeschlagen bleiben, fünf Spiele stehen höchstens noch an, bei AS Rom und evtl. das Finale, in der Bundesliga gegen Bochum und Augsburg und das Pokalfinale gegen Kaiserslautern. Bayer zeigt keine Schwäche und jede Aufstellung passt. Daneben gibt es noch andere Rekorde, so feiert Kapitän Lukas Hradecky, er machte sein 292. Bundesligaspiel und löste damit Yann Sommer (291) als Rekordtorhüter ab. Den Rekord schaffte er ausgerechnet bei seinem ersten Verein, von 2015 bis 2018 spielte er in Frankfurt. In Rom wird er wieder Platz machen für Vertreter Kovar, aber auch das klappte bisher. Rom schwächelte beim 1:1 gegen Juventus Turin. Sollte Bayer patzen, könnte es nicht nur ein deutsches Finale geben, sondern in der Europa League mit Rom gegen Atalanta Bergamo (1:1 bei Olympique Marseille) auch ein italienisches. Dafür sind die Hürden aber hoch.

In der Bundesliga ist an der Spitze die Spannung weg. Nicht nur, dass Bayer Leverkusen als Meister feststeht, sondern durch Dortmunds Sieg über Paris darf auch der Fünfte in der neuen Champions League spielen, die Borussia hat sich damit selbst ein Geschenk gemacht und ihr kann es egal sein, ob sie vor oder hinter Leipzig landet. Gleichzeitig wird in Stuttgart gefeiert, es ist wirklich sensationell vom Abstiegskandidaten zum CL-Teilnehmer zu werden. Dahinter geht der Kampf um die Plätze in Europa ungehindert weiter und wird wohl erst am letzten Spieltag entschieden. Jetzt muss sogar Frankfurt (45 Punkte) noch um Platz sechs und die Europa League bangen. Wie eng das Feld zusammen liegt, zeigt sich daran, dass man mit einem Sieg vom Abstiegskandidaten zum Anwärter auf Europa wird (Platz 7 und evtl. 8), so bei Werder Bremen (38) und dem VfL Wolfsburg (37). Auch Freiburg (41), Hoffenheim (40) und Augsburg (39) sind trotz mancher Schwächen noch dabei und als Überraschungsgast Neuling Heidenheim (38).

Noch mehr Spannung gibt es natürlich im Abstiegskampf. Nur bei Schlusslicht Darmstadt wird getrauert und Trainer Lieberknecht klagt ,“wenn die Saison nur vorbei wäre“. Kaum zu retten ist der 1. FC Köln, der fünf Punkte auf den Relegationsplatz aufholen muss, da gibt es am Samstag noch ein „Endspiel“ gegen Union Berlin (sechs Punkte mehr/30). Für beide Klubs gilt, das die Saison schlecht gemanagt wurde und die Trainerwechsel nichts brachten. Köln muss am letzten Spieltag nach Heidenheim, Union hat Freiburg zu Gast. Auf dem Relegationsplatz liegt bisher Mainz (28), der Schwung ist ein bisschen dahin, die letzten Aufgaben gegen Dortmund und in Wolfsburg sind schwer. Wenn es dumm läuft, können auch Bochum und Gladbach (je 33) noch nach unten rutschen. Wer absteigt, bangt auch um seine Existenz.

Frauen: Spiel des Jahres

Es geht um die Gegenwart und die Zukunft. Die beiden besten deutschen Frauen-Teams kämpfen am Donnerstag (16.00 Uhr) in Köln direkt um den DFB-Pokal. Es ist das „Spiel des Jahres“ und es geht darum, wer die Nummer 1 ist, vor allem auch in der Zukunft. Es ist ja fast ein Witz, dass die Bayern-Frauen mit einem 2:1-Sieg ausgerechnet in Leverkusen den Titel holten, also bei dem Verein, der den Männern die Meisterschaft abluchste. Aber Bayern will mehr, will endlich die Siegesserie der Wölfinnen im Pokal stoppen. Wolfsburg siegte zehnmal, zuletzt neunmal in Folge, die Bayern konnten sich nur 2012 den Pokal in die Vitrinen stellen. Das soll anders werden. „Wir wollen das Double“, tönte es sofort nach der erfolgreichen Titelverteidigung von den Münchnerinnen (große Feiern gab es nicht) und Präsident Herbert Hainer kündigte an: „Wir wollen dauerhaft die Nummer 1 in Deutschland werden“. Trainer Alexander Straus geht sogar noch weiter: „Wir wollen auch in der Champions League angreifen.“ Deshalb wurde auch Lena Oberdorf für die neue Saison verpflichtet, die jetzt die Bayern noch einmal ärgern kann.

In der Meisterschaft siegten die Bayern in beiden Duellen. Nach dem 2:1 im Hinspiel übernahmen sie am 6. Spieltag erstmals die Tabellenführung, im Rückspiel stellten sie mit einem 4:0 in Wolfsburg die Weichen für den insgesamt sechsten Titelgewinn und blieben bisher national in der ganzen Saison ungeschlagen (wieder Parallelen zu Leverkusens Männern). Der Pokal aber hat bekanntlich eigene Gesetze und die Wölfinnen behaupten, „der gehört uns.“ Mit dem Double könnten die Bayern-Mädchen aber Ansprüche stellen, ihre Pokale in München auf dem Rathaus am Marienplatz den Fans zu präsentieren, nachdem die Feier mit den Männern ausfallen muss. Es sei denn, diese holen den Henkelpott der Champions League…

Hinweis: In dieser Woche folgt noch ein Blog zur Eishockey-Weltmeisterschaft mit dem Motto „wer Silber gewann, kann auch Gold holen“.

Der Mai ist ein Wonnemonat für die Fußball-Fans

Der Mai gilt gemeinhin als der Wonnemonat, weil der Frühling zu dieser Zeit seinen Höhepunkt erlebt und die Vorfreude auf den Sommer deutlich wird. Geht es um die Gefühlswelt der Fußball-Fans, dann wird auch für sie der Mai ein Wonnemonat, denn die großen Endspiele stehen an und überhaupt die Entscheidungen in den Ligen. Nur wer den Abstieg seines Lieblingsvereins hinnehmen muss, der wird kaum von einem Wonnemonat sprechen, sondern sich in den tristen November versetzt fühlen. Für die gilt als Trost: Es kommen auch wieder bessere Zeiten.

Aber erst einmal den Mai genießen. Auf Europas Bühne stehen die Halbfinals und Finals an, die Champions League erweist sich als wirkliche Königsklasse mit den Spielen Bayern München – Real Madrid und Borussia Dortmund – Paris St. Germain. Auf das Finale müssen wir allerdings über den Mai hinaus warten, es wird am 1. Juni im Wembleystadion ausgetragen. Den Reigen der internationalen Finals beginnt die Europa League am 22. Mai in Dublin, die Conference League folgt eine Woche später am 29. Mai in Athen. Die Wartezeit dahin wird den Fans mit den nationalen Endspielen verkürzt, da sind die Frauen die Ersten, die am 9. Mai in Köln mit VfL Wolfsburg – Bayern München ein tolles Finale der besten Mannschaften Deutschlands bieten. Bei den Männern heißt es dagegen am 25. Mai in Berlin bei der Partie Bayer Leverkusen – 1. FC Kaiserslautern Favorit gegen Außenseiter. Macht Bayer da sein Triple perfekt?

Wenn der Deutsche Meister das schaffen will, muss er zunächst die Hürde AS Rom im Halbfinale der Europa League nehmen. Die Revanche für das Ausscheiden im letzten Jahr steht an, diesmal darf man Bayer den Coup zutrauen, gespielt wird am 2. und 9. Mai. Zur Not gewinnt Leverkusen in letzter Minute. Den Gegner ermitteln Olympique Marseille und Atalanta Bergamo, also keine unübewindbaren Hürden. Und nebenbei kämpfen die Alonso-Schützlingen um ein Novum der Fußball-Geschichte: Eine ganze Saison lang ungeschlagen bleiben.

Die deutschen Klubs sind international erfolgreich wie selten, auch deshalb ist der Mai ein Wonnemonat für die Fans. Das Duell Bayern gegen Real ist ein Rekordspiel, 26 Vergleiche gab es bisher, Rekord in der Königsklasse, ob Europacup der Landesmeister oder Champions League. Insgesamt hat Bayern in der Statistik die Nase leicht vorn, siegte 12mal, verlor 11 Spiele, dreimal gab es ein Remis. Allein 20mal stand man sich in der K.o.-Phase gegenüber, 8mal im Halbfinale, allerdings sah es zuletzt immer schlecht für die Münchner aus: Im Halbfinale verloren sie 2017/18 und 2013/14, sind seit 7 Spielen gegen Real sieglos, dabei gab es 6 Niederlagen. Ob sich das am Dienstag bzw. eine Woche später ändern wird? Die Vorzeichen sind nicht günstig für die Bayern sie klagen unter Verletzungspech, Coman und Upamecano fallen aus, Sané, de Ligt, Laimer und Musiala sind fraglich, Gnabry kommt wohl nur für einen Teileinsatz in Frage. Dazu gibt es Ärger um eine Hoeneß-Kritik an Trainer Thomas Tuchel, was die Stimmung kaum besser macht. Das Gegenteil in Madrid. Trainer Carlo Ancelotti rechnet mit allen Stars, konnte sie am Wochenende schonen und außerdem gönnte die Liga dem Aushängeschild eine längere Pause. Die CL ist Reals Cup, mit 14 Siegen ist Madrid Rekordgewinner, zuletzt 2022. Titelverteidiger Manchester City hat man im Viertelfinale glücklich ausgeschaltet.

Dortmund und Paris standen sich bereits in den Gruppenspielen gegenüber, die Borussia verlor dabei in Paris mit 0:2 und konnte sich mit einem 1:1 im Rückspiel nicht ganz revanchieren. Klappt es jetzt vielleicht? Die Dortmunder sehen sich nicht als Außenseiter, doch die drastische 1:4-Niederlage in der Bundesliga in Leipzig trübte die Stimmung. Doch auf Europas Bühne zeigt die Borussia meist ihr bestes Gesicht und so sieht Torhüter Gregor Kobel die Aufgabe als „Riesenchance“. Beide Teams stehen übrigens jeweils zum vierten Mal im Halbfinale, Paris schaffte es nur 2020 ins Finale und träumt immer noch vom Cup-Gewinn. Den schaffte Dortmund 1997, 2013 verlor man gegen die Bayern im deutschen Duell. Dortmund kann gegen Paris selbst dafür sorgen, dass in der Bundesliga auch der 5. Platz die Tür für die CL öffnet!

Heißer Abstiegskampf in der Bundesliga

In der Bundesliga erstaunt Bayer weiterhin, wieder gewann der frischgebackene Meister in de Nachspielzeit, Stuttgart führte schon 2:0, nach Adlis Tor (61.) rettete Andrich in der 97 Minute die Serie der Unschlagbarkeit. Es ist also der ganz normale Wahnsinn, zur Not hilft der Schiedsrichter, denn Felix Zwayer hätte Bonifaces Stoßen gegen Rouault abpfeifen müssen. Der VAR meldete sich nicht, aber VfB-Trainer Sebastian Hoeneß haderte: „Der Schiedsrichter war schlechter als die Spieler.“ Der VfB tat aber einen weiteren Schritt in Richtung Champions League, die Bayern sind nach dem 2:1 gegen Frankfurt sicher dabei. Am Samstag (15.30 Uhr) treffen sich die beiden Kontrahenten zum Südderby. Dahinter hat Dortmund das „Endspiel“ gegen Leipzig verloren, muss also hoffen, dass Rang fünf reicht (siehe oben).

Bei bester Konstellation darf sogar der Achte noch in Europa kassieren, Platz sieben ist jedoch sicherer. Die Kandidaten dafür machen aber den Eindruck, als wollten sie gar nicht nach Europa, obwohl sie angeblich davon träumen. Ob Frankfurt, Freiburg, Augsburg oder Hoffenheim, sie mussten sich alle geschlagen geben. Dadurch öffnet sich plötzlich für Aufsteiger Heidenheim und Bremen noch die Tür, nur zwei Punkte fehlen zu Augsburg und Hoffenheim! Dabei gab es beim Heidenheimer Sieg ein besonderes Schicksal, denn die Württemberger stürzten Mitaufsteiger Darmstadt zurück in die 2. Liga. Das 1:0 besiegelte den Abstieg des Schlusslichts.

Davor ist der Abstiegskampf überaus spannend. Tat sich lange Zeit nichts, so sind nun alle munter geworden und kämpfen um den Klassenerhalt. Allerdings führte das dazu, dass viele auch auf den Stelle treten. So bleibt Mainz nach dem 1:1 gegen Köln auf dem Relegationsplatz, aber der Vorletzte darf weiter hoffen. Bochum war der einzige Sieger im Keller, Wolfsburg hat sich durch den Sieg in Freiburg davon etwas distanziert. Die spannenden direkten Duelle gehen weiter, Union trifft am Sonntag auf Bochum und tritt eine Woche später in Köln an. Mainz wird es in Heidenheim, gegen Dortmund und in Wolfsburg schwer haben, Platz 16 zu verlassen. Es könnte aber auch sein, dass eine Mannschaft, die sich eher in Europa oder im Mittelfeld sah, plötzlich weit unten befindet. Gezittert wird in Gladbach und bei Union Berlin. Wolfsburg könnte am Samstag gegen Darmstadt den Sack zumachen. Allerdings: Der Absteiger will sich würdig verabschieden.

Abseits vom Spielgeschehen bringt der Streit um die Fernsehrechte die Bundesliga ins Gespräch, allerdings negativ. Die DFL hat dem Streamingdienst DAZN den Zuschlag für das Hauptpaket verweigert, weil er keine Bankbürgschaft vorlegte, die gefordert war. Dadurch wurde nicht das beste Angebot, sondern nur das Zweitbeste, offensichtlich von Sky, genommen (angeblich für vier Jahre 320 Millionen Euro weniger). DAZN brach einen Streit vom Zaun, will vor Gericht gehen, räumt aber auch ein, dass öfters Zahlungen verspätet geleistet wurden. Das Unternehmen eines Milliards sieht sich als Platzhirsch und wollte Sky ausbooten, die DFL offensichtlich an dem alten Partner festhalten. Die gegenseitigen Vorwürfe vergiften das Klima, Klärung wohl in einem Gerichtsverfahren. Allerdings ist die Liga ein gebranntes Kind, mit dem Kirch-Imperium brach einst ein großer Geldgeber weg, der die Konkurrenz verdrängte, ohne dann selbst zahlen zu können. Auch Eurosport als Partner war zahlungsunfähig, der Nachfolger hieß dann DAZN…

Die Woche der Frauen

Wonnemonat Mai für Fußall-Fans, die „Wonnewoche“ liegt vor dem Frauen-Fußball, es könnte dies vor allem die Woche der Bayern-Frauen werden, doch das will der VfL Wolfsburg natürlich verhindern, der bekanntlich von einer Wachablösung nichts wissen will. Nach einer Pause wegen des Halbfinals in der Champions League (Titelverteidiger FC Barcelona und Olympique Lyon schafften das Finale), geht es am Wochenende in der Bundesliga weiter. Für München könnte es ein besonderes Wochenende werden, denn nur noch ein Sieg fehlt zur Meisterschaft und der soll am Samstag (12.00 Uhr) beim Tabellensechsten Leverkusen eingefahren werden. In München gab es im Hinspiel einen 3:0-Sieg der Bayern-Mädchen. Sollte es nicht klappen, gibt es zwei letzte Chancen gegen Nürnberg und bei Hoffenheim.

Das große Spiel steigt aber ausgerechnet am Vatertag, dem Feiertag Christi Himmelfahrt am 9. Mai. Dieses Pokalendspiel gegen den VfL Wolfsburg in Köln rundet die „Woche der Frauen“ ab, die damit ein wenig für sich werben können, bevor die Nationalmannschaft wieder die Bühne betritt. Mal sehen, welcher der Kontrahenten die beste Werbung für sich macht, Wolfsburg trifft am Freitag auf die Kölner Frauen, die wie die Männer noch gegen den Abstieg kämpfen.

Nur den Glücklichen läuft das Können hinterher

Der Spruch ist allgemein bekannt und wird oft gebraucht, die Rede ist vom Duselbruder (von Schwestern ist nie die Rede!), dem das Glück hinterher läuft. Dies wurde lange Zeit im Fußball auch dem FC Bayern München unterstellt, als sprichwörtlicher „Bayern-Dusel“ bekannt. Der erfahrene Trainer Hermann Gerland hatte dies aber schon vor Jahren relativiert: „Immer Dusel ist Können“. Insofern ist es also einen besondere Leistung, wenn Meister Bayer Leverkusen bei Rückständen mit späten Toren (inzwischen 20 in der Nachspielzeit) Niederlagen abwendet. So auch wieder in Dortmund, als die erste Saison-Niederlage nach 44 ungeschlagenen Pflichtspielen drohte, aber mit Josip Stanisic ausgerechnet ein Verteidiger spät, aber nicht zu spät (90+7) das Serienende abwendete. Es war also kein Glück, sondern Können, oder anders gesagt, dem Glücklichen läuft das Können hinterher.

Wer im Tabellenkeller steckt, der gehört nicht zu den Glücklichen und der muss anderes verkraften, dem Unglücklichen läuft bekanntlich das Pech hinterher. Es heißt allerdings auch, dass man sein Glück zwingen kann, doch das gelingt nicht jedem. Im Sport und natürlich in der Fußball-Bundesliga können Fehler und Fehlentscheidungen nicht mit dem Hinweis auf fehlendes Glück kaschiert werden. So steht der 1. FC Köln vor dem Absturz in die 2. Liga, der sicherlich bei besserem Management zu verhindern gewesen wäre. Im letzten Sommer herrschte noch Euphorie, Köln schloss die Saison als Elfter ab, der Blick ging eher nach oben als nach unten, doch damit begann das Unheil. Der sportliche Substanzverlust mit den Abgängen von Kapitän Hector und Mittelfeldlenker Skhiri an der Spitze wurde ignoriert. „Wir sind mit dem Kader zufrieden, es gibt keine Notwendigkeit, ihn zu ergänzen“, war Geschäftsführer Christian Keller optimistisch. Er baute auf Trainer Steffen Baumgart, der Schwung in den Laden gebracht hatte, doch der Elan ging verloren. Am Ende musste Baumgart gehen, Nachfolger Timo Schultz wirkt eher überfordert. Die 0:2-Niederlage gegen Darmstadt war eine Art Offenbarungseid, der siebte Abstieg seit 1998 droht. Der Absturz könnte besonders bitter ausfallen, weil Köln wegen eines CAS-Urteils unter einer Transfersperre leidet. Fünf Punkte sind es für den Vorletzten bis zum rettenden Ufer (Platz 15), das Mainz mit dem 1:1 in Freiburg erstmals seit dem 2. Spieltag (!) wieder erreicht hat. Köln tritt am Sonntag (17.30 Uhr) in Mainz an. Wieder einmal ein „Endspiel“. Der Gegner hat es leichter, befindet sich im Aufwind, hat besser gearbeitet und steht davor, den Lohn des Tüchtigen zu ernten, egal ob Glück und Können hinterher laufen.

Bleiben wir beim Abstiegskampf. Die Glücklichen waren Werder Bremen und der VfL Wolfsburg, die mit ihren Siegen gegen Stuttgart bzw. Bochum sich ein Polster zur Abstiegszone geschaffen haben. Werder darf nach dem Überraschungscoup gegen den VfB mit 34 Punkten fast schon vom Klassenerhalt ausgehen, Wolfsburg hat das Abrutschen nach unten verhindert und Bochum ins Dilemma gestürzt. Die Relegation droht. Auch Gladbach ist noch nicht aus dem Schneider und darf sich mit 31 Zählern nicht in Sicherheit wiegen. Hier gibt es ebenfalls eine Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit, die gefährlich werden kann. Schlusslicht Darmstadt hat nach einer Dürre von 22 sieglosen Spielen erstmals wieder drei Punkte einsacken dürfen.

Zurück zur Tabellenspitze. Ausgerechnet Stanisic werden auch die Bayern gedacht haben, der Verteidiger fällt in Leverkusen auf, saß bei den Bayern aber auf der Bank und wurde bekanntlich zum Konkurrenten verliehen. Ein Fehler, aber deren hat entthronte Meister im Sommer viele gemacht. Jetzt darf er sich bei der Trainersuche keinen erlauben, steckt aber im Dilemma. Die Liste der Wunschtrainer umfasst Xabi Alonso, Jürgen Klopp und Sebastian Hoeneß, doch keiner steht jetzt zur Verfügung, aber in einem Jahr. Welcher starke Coach kommt für ein Jahr? Ist eine Übergangsverpflchtung die Lösung? Die Bayern wollen ja wieder erfolgreich sein und das Finale der Champions League findet 2025 in München statt. Von der Trainerliste wurden angeblich de Zorbi und der zuletzt gehandelte Zidane gestrichen, näher dran sind wohl Ralf Rangnick (aber doch nicht für ein Jahr!) und Hansi Flick. Als Kurzzeittrainer wird Lucien Favre genannt, mit dem Sportchef Max Eberl gute Erfahrung in Gladbach gemacht hat.

Eigentlich müssen sich die Münchner fragen, ob sie die Trennung von Thomas Tuchel nicht zu früh festgezurrt haben. Ein Rückzieher liegt wohl im Bereich des Möglichen, aber will Tuchel das? Er soll bei Manchester United im Gespräch sein. Jedenfalls surft er gerade auf einer Welle des Erfolgs: 2:0 gegen Köln, 1:0 gegen Arsenal und jetzt 5:1 bei Union Berlin. Auffallend, gegen Köln haperte es noch, gegen Arsenal bestimmten Wille und Ehrgeiz die Szenerie, in Berlin waren die Bayern frappierend nüchtern und erfolgreich. Dort fehlten die „Fummler“ Sané und Musiala, Bayern spielte einfach mit Pavlovic im Mittelfeld, Antreiber Goretzka und einem starken Thomas Müller, der wieder einmal einen Rekord aufstellte: Jetzt hat er auch am 30. Spieltag getroffen und damit in seiner Karriere an allen Spieltagen!

An der Unbesiegbarkeit von Leverkusen litt jetzt auch Borussia Dortmund. Nach dem Coup gegen Atletico Madrid in der Champions League, die alle deutschen Klubs ins Halbfinale brachte (Siehe auch den nächsten Blog „Festtage auf Europas Bühne und ein Triumph der Bundesliga“), stand die Borussia kurz vor dem Sieg, um wieder zu Leipzig aufzuschließen. Jetzt geriet Dortmund ins Hintertreffen und steht vor der nächsten großen Aufgabe: Welches Schicksal des Spielplans, dass sich Leipzig und Dortmund am Samstag (15.30 Uhr) im Kampf um Platz vier direkt gegenüberstehen! Aber wir wissen, auch Platz fünf könnte für die CL reichen. Das wird auch den VfB Stuttgart beruhigen, falls er mit seinen überraschend guten Leistungen doch nicht durchhält, schließlich warten Leverkusen (Samstag, 18.30 Uhr) und die Bayern als nächste Gegner.

Übrigens, in Sachen Organisation hat Dortmund schon Nägel mit Köpfen gemacht, nachdem Boss Hans-Joachim Watzke sich im Sommer zurückzieht, wird eine neue Führung installiert. Sportdirektor Sebastian Kehl hatte auf den Sprung an die Spitze gehofft, doch jetzt fiel die Wahl auf den ehemaligen CL-Helden Lars Ricken, der ab 1. Mai zu Geschäftsführer Sport aufsteigt (neben den anderen Geschäftsführern Carsten Cramer und Thomas Treß). Damit wird seine gute Arbeit im Nachwuchsleistungszentrum gewürdigt. Dazu kommt Sven Mislinat zurück, der Technischer Direktor wird.

Leipzig ließ beim 2:1 in Heidenheim nichts anbrennen, der Sieg hat trotzdem gestunken. Auch im beschaulichen Städtchen gibt es Übeltäter, die hatten in der Nacht vor dem Spiel Buttersäure auf die Gästeränge verteilt, was unheimlich stinkt und von den Gastgebern nicht mehr gänzlich beseitigt werden konnte. Das war den braven Heidenheimern peinlich, aber den sogenannten Fans ist der gute Ruf ihres Vereins egal, sie wollten ihre Abneigung gegen den von Red Bull gesponserten „Geldverein“ kundtun, doch zeitgemäß ist das nicht mehr. RB hat sich längst Anerkennung verdient und erhält sie auch in ganz Deutschland. Für Leipzig nicht die einzige Kalamität, der Rückflug fiel wegen eines defekten Fliegers aus, mit dem Bus gab es eine anstrengender Rückreise, doch es gibt ja eine Woche der Erholung.

Frauen: Wachablösung oder nicht?

Im Frauen-Fußball wurde schon die Reklametrommel für das Pokalfinale am 9. Mai in Köln zwischen Titelverteidiger VfL Wolfsburg und Bundesliga-Spitzenreiter Bayern München gerührt. Dabei ging es vor allem um die Frage, ob es bei den Frauen bereits zu einer Ablösung der Wölfinnen als Nummer 1 gekommen ist. Aus München kommt unverhohlen die Kampfabsage, für eine Wachablösung zu sorgen, was bei einem Gewinn des Doubles wohl der Fall wäre. Wolfsburgs Kapitänin Alexandra Popp will davon nichts wissen: „Da muss eine Mannschaft schon über einen längeren Zeitraum hinweg Erfolg haben, das wollen wir verhindern.“ Genau das ist das Ziel von München, aber es wird dem Frauen-Fußball guttun, wenn es interessant bleibt und keine Alleinherrschaft gibt. Erfreulich ist ja, dass sich hinter den beiden Spitzenklubs auch Frankfurt und Hoffenheim immer stärker präsentieren.

Anders sieht es in Duisburg aus, der MSV steht als erster Absteiger aus der Bundesliga fest. Allerdings wird weiter diskutiert, die Frauen-Bundesliga aufzustocken, mit nur 12 Vereinen ist die Saison einfach zu kurz, attraktive Vereine aus der 2. Bundesliga (der Hamburger SV zum Beispiel) könnten dem Oberhaus durchaus guttun. Mit dem 1. FC Nürnberg, dem auch der Abstieg droht, könnte ein bekanntes Gesicht die Liga ebenfalls verlassen müssen.

Festtage auf Europas Bühne und ein Triumph der Bundesliga

Wir brauchen wirklich keine Super League! Den Befürwortern dieser Vision, in der es um Geld geht, nicht um den Sport, wurde deutlich gemacht, dass das bestehende Modell für Europas Fußball sehr attraktiv ist. Das Viertelfinale in Champions-, Europa- und Conference-League sorgte für Festtage auf Europas Bühne. Die Fans sahen großartige Spiele, die Lust auf mehr machten. Und das Beste daran, diese Festtage wurden auch zu einem Triumph der Bundesliga. Erstmals seit 29 Jahren stehen wieder drei deutsche Klubs im Halbfinale! Und noch besser: Bayer Leverkusen holte sich mit dem 1:1 bei West Ham United den Rekord von Juventus Turin, 44 Pflichtspiele ungeschlagen, das gab es noch nie!

Es ist schon seltsam, die Premier League in England hat am meisten Geld und gilt als attraktivste und beste Liga in Europa, doch nur Aston Villa steht im Halbfinale und das im dritten Wettbewerb, der Conference League. Ansonsten: Manchester City, Arsenal London, West Ham United in der CL und FC Liverpool in der EL – alle ausgeschieden. Nicht besser steht die ebenso oft gerühmte La Liga in Spanien da, nur Real Madrid ist noch dabei, dagegen haben die manchmal belächelten Nationen der zweiten Reihe aus Italien und Deutschland das Sagen. Italien hat den Titel als beste Liga in dieser Saison sicher und bekommt in der neuen Champions League einen Platz mehr, Deutschland hält Rang zwei und nur die Bundesliga stellt zwei Vertreter im CL-Halbfinale, dazu Leverkusen in der EL, dort trumpfte Italien auf, ist mit AS Rom und Atalanta Bergamo vertreten ist und mit Florenz in der Conference League. So schlecht können diese Ligen also nicht sein!

Was die UEFA-Rangliste angeht, da darf sich die Bundesliga ziemlich sicher auf einen fünften Platz in der Champions League freuen. Italien ist mit 19,428 Punkten nicht mehr zu schlagen, Deutschland hat auf Rang zwei mit 17,928 Punkten den Vorsprung gegenüber England (17,375) und Frankreich (16,083) ausgebaut. Vereinfacht gesagt: Die Konkurrenten müssten alle Spiele gewinnen, um Deutschland zu verdrängen. Der Bundesliga genügen gegenüber England drei Punkte (also ein Sieg oder drei Unentschieden in den anstehenden sechs Spielen der drei Vereine) und gegenüber Frankreich vier Punkte, für den Fall, dass die Klubs der Verfolger alles gewinnen. Dortmund kann selbst viel tun, um auch als Fünfter der Bundesliga wieder in die CL einzuziehen.

Vor 29 Jahren, also 1995, waren letztmals drei deutsche Klubs in den Halbfinals vertreten. Nur sollten es die Vereine jetzt besser machen, damals schieden nämlich alle aus. Und wie es das Schicksal so will, handelt es sich genau um die drei Vereine wie damals. Bayern München zog in der Champions League gegen Ajax Amsterdam den Kürzeren, einem 0:0 folgte eine 2:4-Niederlage in Amsterdam. Dortmund und Leverkusen waren noch im alten UEFA-Pokal vertreten, schieden aber ebenso aus. Dortmund unterlag Juventus Turin knapp mit 2:2 und 1:2, Leverkusen schoss beim 0:2 und 0: 3 gegen Parma kein Tor! Das sollte diesmal nicht passieren. Wer nachrechnet, das waren gerade mal zwei Punkte, das sollte diesmal also besser laufen.

Leverkusen will gleich doppelte Revanche, denn wie im Vorjahr ist AS Rom der Gegner im Halbfinale, Bayer schied unglücklich mit 0:1 und 0:0 aus, Rom verlor dann das Finale gegen den FC Sevilla mit 1:4 im Elfmeterschießen. Bleibt Leverkusen bis zum Duell am 2. und 9. Mai weiter ungeschlagen (in der Bundesliga sind Dortmund und Stuttgart die Gegner)? Trainer Xabi Alonso lieferte beim 1:1 bei West Ham wieder ein Meisterstück seines Coachings und wechselte den Erfolg ein. Bezeichnend, dass der wichtige Treffer wieder einmal kurz vor Spielende fiel. Eine Stärke von Bayer, der Gegner wird müde, die Alonso-Schützlinge nicht.

In der Champions League treffen München und Dortmund auf alte Bekannte. Auch bei den Bayern wurde Trainer Thomas Tuchel für seine taktische Meisterleistung beim 1:0 gegen Arsenal gelobt, vor allem aber zeigte die Mannschaft wieder einmal ihr besseres Gesicht und legte allen Kampfgeist in die Waagschale. Joshua Kimmich wurde mit seinem tollen Kopfballtor zum Spieler des Tages. Erstmals seit vier Jahren sind die Münchner wieder im Halbfinale, aber jetzt wartet mit Real Madrid am 30. April und 8. Mai ein anderes Kaliber. Real ermauerte sich buchstäblich ein 1:1 gegen Manchester City, die Guardiola-Schützlinge hatten viel Ballbesitz rannten aber vergeblich an. Im Elfmeterschießen war schließlich Antonio Rüdiger der Held, als er den entscheidenden Ball versenkte. Noch ein deutscher Triumph! Auch gegen Real spielen die Bayern gegen einen alten Trainer, nämlich Carlo Ancelotti. In München war er nicht so erfolgreich. Real war übrigens in den letzten zehn Jahren fast immer im Halbfinale vertreten, nämlich achtmal. Die Bayern schafften es immerhin zum fünften Mal und sind nach Real der erfolgreichste Verein (ManCity viermal).

Borussia Dortmund trifft auf einen alten Bekannten aus den Gruppenspielen, da gab es gegen Paris St. Germain ein 1:1 und eine 0:2-Niederlage. „Das wollen wir jetzt besser machen,“ sagt Trainer Edin Terzic vor den Duellen am 1. und 7. Mai mutig, schließlich sind die Borussen erstmals seit 2013 wieder im Halbfinale und damals gab es danach das deutsche Finale in Wembley, als die Bayern 2:1 siegten. Diesmal ist wieder das Wembleystadion am 1. Juni Austragungsort des Finales, da dürfen die Fans schon von einem erneuten deutschen Duell träumen. Paris träumt allerdings auch seit Jahren nicht nur vom Finale, sondern vom Sieg in der CL. Der 4:1-Sieg in Barcelona darf als Empfehlung gelten.

Als sich nach den Spielen auf Europas Bühnen der Vorhang zuzog, gab es die große Überraschung auf der Bühne Nationalmannschaft: Julian Nagelsmann verkündete, dass er bis nach der Weltmeisterschaft 2026 Bundestrainer bleiben werde. Er hat seinen Vertrag beim DFB entsprechend verlängert und nach der Begeisterung rund um das Nationalteam nach den letzten Testspielen offensichtlich Gefallen an seiner Aufgabe gefunden. Da musste Bayern München doch noch eine Niederlage einstecken, in erster Linie Sportchef Max Eberl, der Nagelsmann wohl holen wollte, aber auch auf Widerstände im Verein stieß. Auch das dürfte Nagelsmann bewogen haben, auf eine Rückkehr an die Isar zu verzichten. Eberl hat aber eine baldige Entscheidung in der Trainerfrage angekündigt. Das Rätselraten bleibt…

Leverkusen von Vizekusen zu Meisterkusen – und bald Triplekusen?

Die Stadt lag schon eine Woche lang im Rot-Schwarzen Fieber, wartete gespannt auf den Sonntag, an dem Bayer Leverkusen mit einem Erfolg über Werder Bremen das Trauma besiegen sollte, nie Meister zu werden. Häuser, Balkone und Gärten waren in Rot-Schwarz geschmückt, noch nie gehörte dem Werksklub so viel Sympathie in der Stadt, allein in den letzten Wochen erhielt Bayer über 20.000 neue Mitglieder, liegt jetzt bei rund 55.000. Die Mannschaft enttäuschte die Fans nicht, mühsam war die erste Halbzeit, erst dann kam Florian Wirtz und brachte die Party mit einem Hattrick zum 5:0 erst richtig in Gang. Die Fans waren nicht mehr zu halten, überfluteten den Platz, so dass sogar ein Spielabbruch befürchtet werden musste. Anschließend erlebte ganz Leverkusen eine noch nie erlebte Party-Nacht – und die Spieler mittendrin. Deutschland hat einen neuen Fußall-Meister!

Seit dem Aufstieg 1979 spielt Leverkusen in der Bundesliga, nur Bayern (seit 1965) und Dortmund (seit 1976) sind länger ununterbrochen dabei. Zwei Titel holte Bayer in dieser Zeit, 1988 den UEFA-Cup und 1993 den DFB-Pokal und wurde fünfmal Vizemeister. Der Spottname „Vizekusen“ (im Ausland gern auch Neverkusen) entstand 2002, als Leverkusen in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League gleich dreimal nur Zweiter wurde. Im Jahr darauf fast der Absturz, Klassenerhalt gerade noch mit zwei Siegen am Ende. Unter Jupp Heynckes wurde Bayer letztmals 2011 Zweiter. Jetzt ist es mit Vizekusen vorbei. Bei einem Titel soll es nicht bleiben, die Krönung wäre der Sieg in der Europa League im Finale am 22. Mai in Dublin und am 25. Mai wartet im Endspiel des DFB-Pokals gegen den krassen Außenseiter 1. FC Kaiserslautern der nächste Pokal, der auf dem Weg von Vizekusen über Meisterkusen ein Triplekusen machen könnte.

Die Weichenstellung für diesen Erfolgsweg erfolgte im letzten Jahr mit der Verpflichtung des Spaniers Xabi Alonso als Trainer, der die Mannschaft aus dem Tabellenkeller der Bundesliga zur besten Mannschaft Europas machte, die als einziges Spitzenteam in dieser Saison noch ungeschlagen ist. Auch für Alonso eine Krönung, aus dem Trainer-Lehrling wurde ein begehrter Meister. Aber dieser Erfolg wäre nicht ohne die gute Transferperiode im Sommer möglich gewesen. Geschäftsführer Sport Simon Rolfes und Boss Fernando Carro hatten ein glückliches Händchen und waren mutige Antreiber. Neben dem Trainer wurde Granit Xhaka zur Schlüsselfigur. Der 31-jährige Schweizer wurde für 15 Millionen Euro von Arsenal London losgeeist und ist Denker und Lenker sowie verlängerte Arm von Alonso auf dem Feld. Ein Typ, den der nach elf Titelgewinnen in Folge entthronte Serienmeister Bayern in diesem Jahr so vermisste. Am 3. Spieltag übernahm Leverkusen zum ersten Mal die Tabellenführung, gab sie nur einmal kurz an Bayern ab und marschierte ab Spieltag sechs ungehindert vorneweg. 16 Punkte Vorsprung sind es heute, der Meister spielt wie einst die Bayern in einer eigenen Liga. Mit entscheidend auch Talent Florian Wirtz, über den Alonso sagte: „Er macht uns besser, auch mich als Trainer.“ In der Noten-Rangliste des kicker liegt er (logisch) auf Platz eins, insgesamt liegen acht Bayer-Spieler vorn.

Der Rest hat die Zeit der Endspiele

Leverkusen thront in der Bundesliga oben, doch was passiert dahinter? Für den Rest beginnt quasi die Zeit der Endspiele, es geht um Entscheidungen. Die Bayern kämpfen mit Stuttgart nur noch um Rang zwei, der könnte das Spiel um den Supercup bescheren, wenn Bayer auch Pokalsieger wird. Aber auch Dortmund und Leipzig, die mit je 56 Punkten gleichauf liegen und Platz vier im Visier haben, könnten von Bayer-Siegen profitieren, dann nämlich wenn Bayer bei West Ham United in der Europa League gewinnt, weil dann die Chance größer ist, dass Deutschland vor England in der UEFA-Rangliste bleibt und sogar der Fünfte in die Champions League einzieht. Dortmund steht vor „Endspielen“, zuerst am Sonntag, 17.30 Uhr, die Prüfung gegen den neuen Meister Leverkusen, am Wochenende drauf das Duell in Leipzig. Letzte Gegner sind Augsburg, Mainz und Darmstadt.

Dahinter geht es um die einen Platz in Europa, sogar Rang acht könnte noch glücklich machen, Platz sieben ist sicherer, den nimmt im Moment der FC Augsburg ein, punktgleich mit Freiburg und ein Zähler dahinter Hoffenheim. Davor noch die schwächelnde Eintracht, der Vorsprung auf die Verfolger schmolz auf drei Punkte. Langweilig wird es also nicht. Frankfurt und der FCA stehen sich am Freitag (20.30 Uhr) direkt gegenüber. Der Blick nach unten: Den Tabellenkeller mischt Mainz 05 auf, ist nur noch einen Punkt von der Rettung entfernt. Platz 15 hält Bochum, das in der Not den Trainer wechselte. U19-Trainer Heiko Butscher folgte auf Thomas Letsch und soll den VfL retten. Kurios: Er hilft schon zum vierten Mal aus. Immer mehr in die Bredouille geraten aber auch Wolfsburg, Union und Bremen. Vor allem Wolfsburg hat mit anderen Tabellenregionen gerechnet, durch die Entlassung von Sportboss Marcel Schäfer, der seinen Abgang für den Sommer ankündigte (Leipzig soll das neue Ziel sein) und deshalb sofort gehen musste, entstand weitere Unruhe. Keine leichte Aufgabe für den neuen Trainer Ralph Hasenhüttl, der sich das wohl anders vorgestellt hat. Auch hier steht ein „Endspiel“ an, Bochum gastiert am Samstag in Wolfsburg. Außerdem duellieren sich die beiden Teams vom Tabellenende. Schlusslicht Darmstadt steht vor der letzten Chance, bei einer Niederlage in Köln wäre der Abstieg wohl nicht mehr abzuwenden.

Kampf gegen England

Wie oben schon beschrieben, kämpft die Bundesliga (Platz zwei hinter Italien) gegen England um mehr Teilnehmer auf Europas Bühne. Also sollte zum Beispiel der FC Bayern am Mittwoch gegen Arsenal London nicht nur für sich gewinnen, sondern auch für die Liga. Das 2:2 vom Hinspiel lässt alles offen, beide Teams befinden sich aber nicht in Bestform und klagen über Verletzungen. Die Münchner stehen ohne Flügelflitzer da, wenn neben Coman und Gnabry auch noch Sané ausfällt. Arsenal bangt um den gefährlichen Sako und Spielmacher Ödegaard und verlor mit einer 0:2-Niederlage gegen Aston Villa die Tabellenführung in England. Gutes Bayern-Omen: Nach Unentschieden kamen sie in 22 von 25 Fällen in den K.o.-Runden weiter! Auch Dortmund sollte im doppelten Interesse gegen Atletico Madrid gewinnen, nach dem 1:2 im Hinspiel aber keine leichte Aufgabe. Nach den Hinspielen könnte es die Halbfinals Bayern – Manchester City und Dortmund – Barcelona geben. Das wäre doch was! Leverkusen sollte sich in der Europa League nicht von West Ham düpieren lassen. Ziel: Ungeschlagen bleiben (ohne Kater von der Meisterparty).

Erfolgreiche Frauen-Teams

Bei den Frauen geht es nicht nur um die Fußball-Bundesliga, aber sie steht vorne dran. Die beiden Spitzenteams gaben sich keine Blöße (Bayern 5:1 in Duisburg, Wolfsburg 4:1 in Freiburg), München braucht noch zwei Siege zum Titel, Bremen, Leverkusen, Nürnberg und Hoffenheim sind die Gegner. Eintracht Frankfurt war der große Verlierer am Wochenende, denn nach der 0:2-Niederlage in Leverkusen gerät Platz drei, den Hoffenheim hält, und damit die Qualifikation für die Champions League in Gefahr.

Gefeiert haben die Handball-Frauen, denn die Nationalspielerinnen machten es ihren Kolleginnen vom Fußball gleich und qualifizierten sich für die Olympischen Spiele im Sommer in Paris. Siege gegen Slowenien (31:25), Montenegro (28:24) und die Paraguay (37:20) machten dies möglich. Da flossen Freudentränen, denn seit 16 Jahren fand Olympia ohne dem DHB-Team statt! Damit haben es die Frauen den Männern nachgemacht, die sich bereits qualifiziert hatten. Im Basketball sind die Männer dabei, im Hockey haben es ebenfalls beide Teams geschafft.

Die deutschen Eishockey-Frauen hatten bei der Weltmeisterschaft in den USA nur eine gute Platzierung im Blick, Ziel war sogar das Halbfinale, nachdem die Mannschaft von Bundestrainer Jeff MacLeod in den Gruppenspielen ungeschlagen blieb und auch Favorit Schweden bezwang. Dann aber war im Viertelfinale gegen Tschechien mit 0:1 Endstation und im Spiel um Platz fünf verlor die Mannschaft um die überragende Torhüterin Sandra Abstreiter gegen die Schweiz nach Verlängerung mit 2:3. Platz sechs ist aber ein Fortschritt zum letzten Turnier, als Deutschland Achter wurde.

Keine Überraschung gab es beim ersten großen Golfturnier des Jahres, dem Masters in Augusta (siehe auch der nächste Blog). Mit Scottie Scheffler (USA) gewann die Nummer 1 der Welt vor dem großen Talent Ludvig Aberg aus Schweden. Golf-Star Tiger Woods schaffte einen Rekord und musste Demütigungen aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes hinnehmen. Er ist jetzt der erste Spieler, der bei allen seinen 24 Starts den Cut geschafft hat. Danach aber ging es bergab, er spielte mit 10 über Par seine überhaupt schlechteste von jetzt 100 Runden und wurde Letzter der 60 verbliebenen Starter.

Masters in Augusta: Von dem Turnier träumen alle Golfer

Es ist wieder soweit, am Donnerstag beginnt das „The Masters“, nicht irgendein Major-Turnier, sondern der Saison-Höhepunkt im Golf. Im Profi-Golf natürlich, doch von diesem Turnier träumen alle Golfer, nach dem Motto „einmal in Augusta spielen…“ Das wird allerdings kaum möglich sein, der Augusta National GC gilt als der exklusivste Klub der Welt, viele Geheimnisse ranken sich um ihn, selbst die genaue Zahl der Mitglieder ist nicht bekannt, es sollen rund 300 sein. Spielen darf man nur auf Einladung – auch die Profis beim Masters. Für Frauen war der Klub ewig tabu, erst 2012 wurde der Männerklub geöffnet, als erstes weibliches Mitglied wurde die damalige US-Außenministerin Condoleezza Rice aufgenommen.

In Georgia startet das 88. Masters mit 89 Spielern, selbst aus der rebellischen Saudi-Tour LIV sind 13 Golfer dabei, so hat der abtrünnige Spanier Jon Rahm als Titelverteidiger sowieso lebenslanges Startrecht. Der derzeit beste Spieler der LIV-Tour, der Amerikaner Talor Gooch wurde allerdings nicht eingeladen. Die besten Aussichten werden der Nummer 1 der Welt, dem Amerikaner Scottie Scheffler, eingeräumt, von einer erfolgreichen Titelverteidigung träumt natürlich Jon Rahm, er möchte wieder das berühmte „Green Jacket“ tragen, doch eine Wiederholung des Erfolgs gelang zuletzt 1979 einem Spieler namens Fuzzy Zoeller. Der größte Träumer dürfte Rory McIllroy sein, der Nordire hat im Golf quasi alles gewonnen, 38 Titel, vier Major-Siege, war lange Zeit Nummer 1 der Welt, aber auch nach 16 Teilnahmen fehlt ihm ein Masters-Erfolg. Er stand schon einmal kurz vor dem Sieg, schaffte im letzten Jahr aber nicht einmal den Cut. Als eine Art Geheimfavorit wird das schwedische Talent Ludvig Aberg gehandelt, der 24-Jährige ist Neunter der Weltrangliste und dennoch Debütant.

Ein großer Traum geht für Stephan Jäger in Erfüllung. Der gebürtige Münchner erlernte das Spiel in München-Eichenried, dem Austragungsort der jährlichen BMW-Open, lebt aber seit seinem 16. Lebensjahr in den USA. Das Golfspiel zog ihn als Teenager in die Highschool im Bundesstaat Tennessee, wo er mit Ehefrau Shelby und dem 16 Monate alten Sohn Harrison Fritz bis heute lebt. In Amerika ging es bei ihm lange Zeit auf und ab, ein Jahr hatte er die PGA-Startberechtigung, dann wieder nicht, schaffte aber immer wieder die Rückkehr. Jetzt hat er den Durchbruch geschafft, gewann kürzlich die Texas Open in Houston, kassierte dafür 1,638 Millionen Dollar Preisgeld, aber wichtiger waren für ihn die Startberechtigung für die PGA-Tour für zwei Jahre und das Ticket für das Masters. Damit hatte er den Traum seiner Frau erfüllt: „Spiel gut, gewinne, dann fahren wir zum Masters.“ Es war der erste Tour-Sieg für den 43. der Weltrangliste!

Jäger vertritt allein die deutschen Farben, die in Augusta bereits glänzten. Deutschlands Vorzeigegolfer Bernhard Langer gewann das Masters gleich zweimal 1985 und 1993. Martin Kaymer und Alexander Cejka siegten zwar auf der Profi-Tour, aber nie beim Masters. Der 66-jährige Langer wollte trotz lebenslangem Spielrecht in diesem Jahr seinen Abschied geben, aber ein Achillessehnenriss kam dazwischen, jetzt will er ein letztes Mal 2025 starten. Kaymer hat sich des Geldes wegen für die LIV-Tour entschieden, zeigt aber keine gute Form und landet meist im letzten Drittel des Feldes. Alexander Cejka hat sich zur Champions Tour der über 50-Jährigen verabschiedet, ist dort aber ziemlich erfolgreich. Das deutsche Golf spielt international ansonsten keine große Rolle mehr, Stephan Jäger könnte für einen Weckruf gesorgt haben, nachdem sogar die Tagesschau über seinen Tour-Sieg berichtete.

Vom Masters träumen alle – auch Golf-Ikone Tiger Woods. Der erfolgreichste Spieler der Neuzeit, dessen Karriere im Februar 2021 durch einen schweren Autounfall brutal gebremst wurde, will in Augusta antreten und wird dann auch gleich zum großen Star. Doch wie gut ist er wirklich, nachdem er unter Rücken- und Fußproblemen leidet und meist nur unter Schmerzen spielen kann? Er hat auf der Tour wieder lange pausieren müssen und nur wenige Turnier-Löcher in letzter Zeit spielen können. Aber er will dabei sein, „ich liebe den Wettkampf und das Spiel. Es ist das Spiel meines Lebens“, gesteht der inzwischen 48-Jährige. Der Ball ist sein Freund, das Publikum wird ihn wieder feiern, aber der Platz wird auch von Jahr zu Jahr schwieriger. Das Masters will sich dem Ruf als größtes Turnier der Welt schließlich würdig erweisen.

Bayern-Absturz: Zauderer statt Macher – Dennoch Hoffnung vor Arsenal

0:2 gegen Dortmund, 2:3 gegen Neuling Heidenheim – wer diese Bilanz liest, glaubt nicht, dass es um Bayern München geht, um den Verein, der zuletzt elfmal in Folge Deutscher Meister wurde. Jetzt ist die Siegesserie nicht nur zu Ende, es handelt sich regelrecht um einen Absturz. Vor einem Jahr wurden die Bayern noch mit viel Glück und wenig Leistung Meister, doch geblieben ist nur ein Leistungsdefizit. Kein Einsatz, kein Kampfgeist, kein Siegeswille, dafür Abwehrfehler und spielerische Mängel, die Defizite werden immer wieder deutlich. Bereits sechs Niederlagen nach 28 Spielen.

Von allen wird natürlich Ursachenforschung betrieben, manchmal hat man aber den Eindruck, nur bei den Bayern selbst nicht. Die Mannschaft kann erst im Sommer frisches Blut bekommen, an Trainer Thomas Tuchel festzuhalten, entpuppt sich als Fehler. Sky-Experte Didi Hamann liegt richtig: „Die Bayern haben es verpasst, nach dem 0:2 gegen Dortmund zu handeln, da war eine Woche Zeit.“ Die Münchner Bosse präsentieren sich als Zauderer, früher waren Macher am Werk. Michael Ballack legt im Fachblatt kicker die Finger in die Wunde: „Hierarchie, Gehaltsvorstellungen, Hunger nach Erfolgen – beim FC Bayern sind ein paar Dinge verrutscht.“ Verletzungen häufen sich zudem, so dass sich die Frage stellt, ob auch die medizinische Abteilung nicht mehr meisterwürdig ist wie einst unter dem Arzt-Star Müller-Wohlfahrt.

Das Spiel in Heidenheim war seltsam. Unnötig wechselte Thomas Tuchel die Innenverteidigung, gab wieder Kim und Upamecano eine Chance, doch die beiden lieferten erneut alte Fehler und leiteten die Niederlage ein. Dazu wieder ein unerklärlicher Absturz in der zweiten Halbzeit nach einer 2:0-Führung. Nach Wechseln und Umstellungen spielte und rannte nur noch Heidenheim (15 Punkte nach Rückstand, nur Augsburg ist besser), die Bayern und ihr Trainer schauten willenlos und tatenlos zu. Ein Absturz. Von der Meisterschaft redet natürlich keiner mehr, ganz im Gegenteil, jetzt geht der Blick nach unten, Stuttgart ist punktgleich, Dortmund und Leipzig zwar sieben Punkte zurück, aber bei solchen Leistungen ist das kein Ruhekissen, so gerät selbst ein Platz in der Champions League in Gefahr. Da ist am Samstag nicht einmal der Tabellenvorletzte 1. FC Köln, der selbst ein Erfolgserlebnis feierte, noch Kanonenfutter.

Die ganze Aufmerksamkeit und die ganz Hoffnung richtet sich auf die Champions League. Nur noch dort ist ein Titel zu holen, die Bayern träumen davon – Träumer halt. Die Bayern wollen endlich ein anderes Gesicht zeigen, rechnen mit der Rückkehr von Neuer und Sané, vielleicht auch Coman, und hoffen vor allem mit einem Blick auf die Statistik gegen Arsenal London: In allen vier K.o.-Duellen jeweils im Achtelfinale setzten sich die Bayern durch, siegten in den letzten drei Spielen mit 5:1! Außerdem: Harry Kane trifft gern gegen Arsenal. Doch Vorsicht, auch hier ist ein Ende der Serie in Sicht: Arsenal ist Tabellenführer in der Premier League, schoss die meisten Tore (75) und kassierte die wenigsten Gegentreffer (24) und das bei Konkurrenten wie FC Liverpool und Manchester City. Außerdem gewann Arsenal als einziges Team alle CL-Heimspiele in dieser Saison ohne Gegentor. Ein Witz, dass gerade in dieser Situation zwei Bayern-Stars neue Rekorde aufstellen können: Spielt Torhüter Neuer zu Null, dann hält er den alleinigen Rekord der „weißen Westen“ mit 58 Spielen (bisher gleichauf mit Buffon, 57). Thomas Müller kann zum Rekordspieler werden, wenn er eingesetzt wird, dann hätte er 24 CL-Spiele im Viertelfinale, das schaffte keiner vor ihm. Außerdem steht er vor seinem 150. Spiel in der CL und zieht dann mit Real-Torhüter Iker Casillas gleich, nur noch Xavi (Barcelona) ist mit 151 vor ihm. Aber das sind Nebensächlichkeiten, verblassen bei einem Ausscheiden. Das Schlagerspiel am Dienstag heißt sowieso Real Madrid – Manchester City, der Sieger von 2022 gegen den Titelverteidiger, im Vorjahr gab es dieses Duell ebenfalls, einem 1:1 in Madrid folgte ein 4:0-Sieg von City in Manchester. Es ist auch ein Duell zweier Ex-Stars von Dortmund, die bei ihren neuen Verein die Leistungsträger sind: Auf der einen Seite Jude Bellingham, auf der anderen Erling Haaland.

Auch Borussia Dortmund macht ähnliches durch wie die Bayern, Euphorie, wie nach dem 2:0 in München, folgt Ernüchterung, diesmal durch das 0:1 gegen den Konkurrenten um einen CL-Platz, dem VfB Stuttgart. Bitter war die Niederlage auch, weil zwei Jubiläen gefeiert wurden, das Westfalenstadion 50 Jahre alt und Haudegen Mats Hummels hatte seinen 500. Einsatz für die Borussia. Die Mannschaft machte sich aber selbst kein Geschenk. Jetzt aber geht es am Mittwoch zu Atletico Madrid, ein unbequemer Gegner, aber ein machbarer, wenn denn die Bestleistung abgerufen wird (außerdem spielt Paris gegen Barcelona). Die Erinnerungen an Atletico sind positiv, das einzige K.o.-Duell gab es 1965/66 im Pokal der Pokalsieger, Dortmund setzte sich durch und gewann später den Titel! Ähnliches 96/97, da traf im Europapokal der Landesmeister in der Gruppe aufeinander und am Ende holte Dortmund den Titel. Jetzt will die Borussia wie zuletzt 2013 endlich wieder einmal ins Halbfinale (damals Finalniederlage gegen die Bayern). Aber auch die Bundesliga bleibt brisant, nach Gladbach am Samstag stehen die Duelle gegen Leverkusen und Leipzig an.

Den Ton in der Bundesliga gibt in diesem Jahr unwiderruflich Bayer Leverkusen an. Mit dem mühsamen 1:0 bei Union Berlin (aber Bayer gewinnt halt) steht der Titelgewinn kurz bevor. Lassen die Bayern oder der VfB Punkte liegen, kann Leverkusen am Sonntag erstmals Meister werden – am 29. Spieltag! Werder Bremen ist am Sonntag (17.30 Uhr) im letzten Spiel des Wochenendes der Gegner, so könnte es also heißen „das Beste kommt zum Schluss“. Bayer stellt bereits den Rekord der Bayern ein, mit 28 ungeschlagenen Spielen zum Start. Mehr gefordert wird Leverkusen aber wohl in der Europa League. Die Nagelprobe folgt gegen West Ham United, der Klub, der Freiburg ausgeschaltet hat (0:1, 5:0). Endet da die Serie der ungeschlagenen Spiele in dieser Saison? Englische Klubs liegen Bayer nicht, in 21 Spielen gab es nur vier Siege! Aber das war ja noch das alte Vizekusen…

Gäbe es nicht die Siegesserie von Leverkusen, wäre Stuttgart die „Mannschaft der Saison“. Die Schützlinge von Sebastian Hoeneß überraschen fast an jedem Wochenende, jetzt auch Dortmund, sie haben die Champions League wirklich verdient. Einer von vier muss am Ende in die Europa League. Frankfurt hält eisern Rang sechs, bei der Eintracht (1:1 gegen Bremen) ist man mit den Leistungen derzeit aber nicht zufrieden. Dahinter hoffen Hoffenheim (3:1 gegen den FCA), Augsburg und Freiburg auf einen Platz in Europa. Am Tabellenende kommt Bewegung ins Geschehen, Köln (2:1 Bochum mit Toren in der Nachspielzeit) und Mainz (4:0 gegen Schlusslicht Darmstadt, da gehen die Lichter wohl aus) siegten, neben Bochum muss sich jetzt auch Wolfsburg auf den Abstiegskampf vermehrt einstellen.

Duell der Siegerinnen

Die Qualifikation zur Europameisterschaft der Frauen 2025 in der Schweiz ging gerade erst los, das steht bereits ein „Endspiel“ an: In der Gruppe A4 der Nations League, die als EM-Qualifikation dient, stehen sich am Dienstag (18.10 Uhr) in Aachen (14000 Karten schon verkauft) die Siegerinnen des ersten Spieltages gegenüber. Deutschland siegte mit viel Mühe 3:2 in Österreich (das als stärkster Konkurrent eingestuft wird), Island hatte es beim 3:0 gegen Polen leichter. Die beiden Teams standen sich gerade erst vor einigen Monaten gegenüber, als Deutschland in der Nations League des letzten Jahres mit 2:0 siegte. Insgesamt 17 von 18 Begegnungen gewann das DFB-Team, nur 2017 gab es eine 2:3-Heimniederlage in der WM-Qualifikation. Das sollte sich nicht wiederholen.

Die Mannschaft um die Ersatz-Kapitänin Giulia Gwinn (Popp verletzt) konnte allerdings keineswegs überzeugen, lag nach einem kopflosen Beginn bereits mit 0:2 zurück, ehe die beste Spielerin Klara Bühl mit zwei Toren das Blatt wenden konnte (3:2 Gwinn mit Elfmeter). Die Wechsel von Bundestrainer Horst Hrubesch fruchteten, Laura Freigang brachte Schwung und Debütantin Bibiana Schulze Solano (Athletic Bilbao) sorgte in der Abwehr für Sicherheit. Mit diesem Einsatz hat sich die gebürtige Frankfurterin, die in Spanien lebt, für Deutschland festgespielt, ist eine Bereicherung im Team und wohl auch gegen Island für die verletzte Hegering gesetzt, nachdem Sara Doorsoun total von der Rolle war. Leider fällt jetzt auch Freigang verletzt aus, Hrubesch verzichtet aber auf eine Nachnominierung. Einen Start wie gegen Österreich möchte er jedoch nicht mehr erleben.

Daumen drücken wird auch DFB-Sportdirektor Rudi Völler, der seinen Vertrag beim Verband, wie am Montag bekannt wurde, bis 2026 verlängert hat. Jetzt hofft Völler darauf, dass Julian Nagelsmann als Bundestrainer an seiner Seite bleibt. Allerdings wird Nagelsmann von Medien als neuer Trainer ab Sommer bei Borussia Dortmund gehandelt.

Wachablösung im deutschen Fußball: Für Leverkusen stehen zwei Trophäen bereit

In den letzten Jahren dominierte der FC Bayern München den deutschen Fußball. Elf Meisterschaften in Folge sprechen eine deutliche Sprache, dazu kam in dieser Zeit fünfmal der Gewinn des DFB-Pokals, also das berühmte Double. In diesem Jahr muss sich der Seriensieger an Niederlagen gewöhnen, keine Meisterschaft und der letzte Pokalgewinn stammt sowieso von 2020. Dafür stehen für die beste Mannschaft der Saison, Bayer Leverkusen, zwei Trophäen parat: Die Meisterschale liegt bei 13 Punkten Vorsprung vor den letzten sieben Spielen praktisch bereit, dazu ist der DFB-Pokal greifbar nahe, denn Leverkusen ist der einzige Bundesligist im Halbfinale und hat gegen Fortuna Düsseldorf sogar Heimrecht.

Logisch, dass sich die Stimmung in Leverkusen und München gravierend unterscheidet, wobei die Bayern am Wochenende gleich zwei Niederlagen hinnehmen mussten. Die erste war die Absage von Wunschtrainer Xabi Alonso. Der begehrte Spanier gab kund, dass er zumindest ein weiteres Jahr in Leverkusen bleibt, ihm gefällt es bei Bayer, er wäre mit seiner Arbeit noch nicht fertig und außerdem läuft der Vertrag sowieso bis 2026. Die Fans feierten diese Nachricht und Alonso begeistert, der Verein darf hoffen, dass jetzt auch die umworbenen Spieler eher bleiben und den Weg in die Champions League mitgehen. Vorreiter ist Talent Florian Wirtz, dessen Vater und Berater verriet, dass sein Sohn auf jeden Fall noch ein Jahr bei Bayer bleiben werde. Wie der Trainer also. Und dann gemeinsam nach München?

Das ist wohl die Hoffnung bei den Bayern, die am Samstag den nächsten Schock erlitten. In der Vorbereitung auf den Klassiker gegen Dortmund kam aus Leverkusen die Nachricht, dass dem Spitzenreiter die erste Niederlage droht, da lachte das Bayern-Herz. Doch Bayer hat in diesem Jahr eine besondere Qualität, zeigt starke Nerven, dreht Spiele im letzten Moment und schoss dann auch gegen Hoffenheim nach 0:1-Rückstand Tore in der 88. und 91. Minute. Der Siegtreffer war der achte in dieser Saison nach der 90. Minute! Die Bayern-Stars wussten dies vor dem Anpfiff gegen Dortmund und das lähmte wohl Hirn und Beine. Dortmund kämpfte, die Bayern schauten emotionslos zu, waren von der Rolle. Genickschläge gab es durch Tore von Adeyemi und Ryerson in der 10. und 83. Minute. Vermeidbare Treffer, doch das war der Borussia egal, sie feierte den ersten Sieg nach zehn Jahren in München!

Für besonderen Kampfgeist bei den Dortmundern sorgte wohl auch Bundestrainer Julian Nagelsmann. In seinem aktuellen Team war außer für Torjäger Füllkrug kein Platz für Dortmunder Spieler (siehe auch im nächsten Blog „Eine neue DFB-Elf: Nagelsmann schafft die Trendwende“), das wollten sie nicht auf sich sitzen lassen. Vor allem Mats Hummels und Nico Schlotterbeck kämpften, spielten konzentriert und mit einem Einsatz wie seit Jahren nicht, sie bildeten ein starkes Abwehrbollwerk. Hummels wurde mit einer Kung-Fu-Rettung bei einem Kopfball von Dier der Star des Spiels. Nur, in der Nationalmannschaft ist meist keine Abwehrschlacht gefragt. Egal, diesmal der Triumph, Dortmund und Leverkusen waren die Sieger der Spitzengruppe, Stuttgart und Leipzig mussten sich mit Unentschieden begnügen. Die Borussia sollte diese Leistung am kommenden Samstag (erneut 18.30 Uhr) wiederholen, da taucht der Dritte, VfB Stuttgart, zum nächsten Schlagerspiel auf. Beim VfB ist zu befürchten, dass er sich seine Sensationssaison durch Querelen im Vorstand selbst kaputt macht.

Die Bayern wiederum werden die Woche über ihre Wunden lecken und müssen am Samstag beim heimstarken Neuling Heidenheim versuchen, ihre Form für die Aufgabe in der Champions League bei Arsenal London zu finden. Auch dem neue Sportdirektor Max Eberl ist aufgefallen, dass man nicht immer nur den Trainer wechseln kann, sondern dass irgendetwas in der Mannschaft nicht stimmt. Die hat immer wieder in dieser Saison unerklärliche Ausfallerscheinungen. Eberl muss wohl oder über übel die Aufgabe des Auf- und Ausräumers übernehmen. Selbst ein neuer Versuch mit Nagelsmann ist im Gespräch, der aber hat mit seinem neuen DFB-Team den Bayern eher geschadet. Jamal Musiala zum Beispiel war sichtbar müde, aber da hätte Tuchel früher reagieren müssen.

Auffallend ist, dass in der Bundesliga Unentschieden an der Tagesordnung sind. So ausgeglichen ist die Liga eigentlich nicht, aber offensichtlich wollen in den entscheidenden Spiele viele kein Risiko eingehen. Von neun Partien endeten fünf unentschieden, davon alle drei Sonntagspiele. So blieb vor allem am Tabellenende alles gleich, aber jetzt wird das kommende Wochenende interessant, die Kellerkinder sind unter sich. Bei Mainz (20 Punkte) – Darmstadt (14) und Köln (19) – Bochum (26) liegen am Samstag (15.30 Uhr) also wieder Remis in der Luft. Immerhin hat Schlusslicht Darmstadt mit dem 2:2 in Bochum ein Lebenszeichen von sich gegeben.

DFB-Pokal ein Fall für Außenseiter

Mit Bayer Leverkusen nur ein Erstligist im Halbfinale des DFB-Pokals – eine Blamage für die Bundesliga. Jetzt stellt sich die Frage, wird der Pokal als Fall für Außenseiter besonders interessant oder hätten die Fans lieber Duelle der großen Klubs. Aber München, Dortmund oder Leipzig haben frühzeitig die Segel gestrichen. Die TV-Quoten werden es zeigen. Am Dienstag gibt es beim Drittligisten Saarbrücken im Duell mit dem Zweitligisten Kaiserslautern immerhin ein Derby, wenn überhaupt gespielt werden kann. In Saarbrücken sorgt Regen erneut für Sorgenfalten der Platz wurde abgedeckt, aber wichtiger wäre, dass der Himmel ein Einsehen hat. Die ARD will übertragen, am Mittwoch ist das ZDF dran mit dem Spiel Leverkusen – Düsseldorf, da darf die Fortuna als Dritter der 2. Bundesliga testen, ob sie reif für die erste Liga ist, aber es wäre eine echte Pokalsensation, wenn Bayer ausgerechnet beim Griff nach dem Pokal die erste Saison-Niederlage erleiden würde. Meister war Bayer noch nie, Pokalsieger immerhin bereits 1993. Auch schon lange her.

Bei den Frauen Finale der Besten

Anders als bei den Männern duellieren sich bei den Frauen die beiden derzeit besten Teams im Finale am 9. Mai in Köln, nämlich Bundesliga-Tabellenführer Bayern München und Titelverteidiger VfL Wolfsburg. In der Punktrunde hatten die Bayern zuletzt die Wölfinnen in die Schranken verwiesen, der Pokal ist aber seit neun Jahren eine Wolfsburger Sache. Den Frust von der Niederlage in der Bundesliga schossen sie sich mit einem 9:0 gegen Essen im Pokal-Halbfinale von der Seele. Schwer zu kämpfen hatten dagegen die Münchnerinnen gegen Frankfurt, 1:1 stand es nach Verlängerung, aber im Elfmeterschießen zeigten sich die Eintracht-Schützinnen nicht zielsicher. Bayern-Torhüterin Mala Grohs hielt gleich drei Elfmeter! Am Ende hieß es 3:1, wobei Weltstar Pernille Harder mit dem letzten Schuss für die Entscheidung sorgte.

In den nächsten Tagen steht allerdings die Nationalmannschaft im Vordergrund. Die Qualifikation für die Europameisterschaft 2025 in der Schweiz beginnt. Der Auftakt für Deutschland ist am Freitag (20.30 Uhr) in Linz gegen Österreich, am Dienstag, 9. April (18.10 Uhr), tritt die DFB-Elf in Aachen gegen Island an (außerdem ist Polen dabei). Bundestrainer Horst Hrubesch muss in diesen Spielen auf zwei Leistungsträgerinnen verzichten, Kapitänin Alexandra Popp und Abwehrchefin Marina Hegering sind verletzt. Dazu fehlt künftig auch Svenja Huth, die ihren Rücktritt verkündet hat. Für Hegering zog Hrubesch einen überraschenden Neuling aus dem Hut, Bibiana Schulze von Athletik Bilbao. „Wir schauen auch ins Ausland und sie ist eine interessante Kandidatin“, urteilt der Trainer. Im Ausland spielen auch zwei Rückkehrerinnen, nämlich Felicitas Rauch in den USA und Lina Magull in Mailand. Ein guter Auftakt wäre wichtig, wobei sich in Österreich quasi ein Team Bundesliga B Deutschland entgegenstellt, denn die Austria-Teamchefin Irene Fuhrmann hat 14 Spielerinnen aus der Bundesliga nominiert. Allerdings bereiten zwei Bayern-Mädchen Sorgen, Sarah Zadrazil fällt mit einem Muskelriss aus, Katharina Naschenweng hat sich gegen Frankfurt verletzt. Beide Ausfälle taten auch den Bayern weh.

Eine neue DFB-Elf: Nagelsmann schaffte die Trendwende

Vom geprügelten Hund zum gefeierten König, das war in einem Jahr der Weg von Julian Nagelsmann als Trainer. Von den Bayern gefeuert, nachdem im Vorjahr die Meisterschaft in Gefahr geriet, vom DFB als Hoffnungsträger verpflichtet, schaffte er nach Jahren der Tristesse bei der Nationalmannschaft tatsächlich die Trendwende. 2:0 gegen Frankreich, 2:1 gegen die Niederlande – zwei Große des internationalen Fußalls geschlagen, Deutschland ist rechtzeitig vor der Europameisterschaft im eigenen Land zurück im Konzert der Großen. Und Nagelsmann hat seinen guten Ruf wieder hergestellt.

Eigentlich unterstellen viele Nagelsmann, er sei nicht lernfähig. Bei der Nationalmannschaft bewies er das Gegenteil. Nachdem er in den ersten Spielen mit seinen Experimenten und komplizierten taktischen Spielchen Schiffbruch erlitten hatte, machte er einen radikalen Schnitt. Er setzte auf Einfachheit im System und Frische in der Mannschaft. Dass sein Konzept wirklich aufging, hätten die wenigstens gedacht. Er sotierte manche trägen Stammspieler der letzten Jahre aus und setzte auf die Begeisterung von Neulingen. Das „Momentum“ wurde zu seinem Schlagwort und er öffnete die Tür für gleich sechs Neulinge. Der Bundestrainer wurde nicht enttäuscht, zwar hatten der Heidenheimer Beste und Bayerns Talent Pavlovic Pech mit Verletzungen bzw. Krankheit, aber die Richtung stimmte. Die Tristesse vom November ist wie weggeblasen, Nagelsmann freute sich: „Der Spirit war einfach anders, es hat sich ganz anders angefühlt als im November“. Jamal Musiala, einer der „Zauberer“ im Team pflichtete dem bei: „Man fühlt es jetzt den ganzen Tag im ganzen Camp: Die Vibes sind richtig gut.“ Thomas Müller brachte es auf den Punkt: „Es hat Spaß gemacht.“

Dort wo Gewinner sind, gibt es natürlich Verlierer. Die sind vor allem in Dortmund zu treffen, weil deutlich wurde, dass sich die wankelmütige Form der Borussia-Stars auch in der DFB-Auswahl niederschlug. Süle, Brandt und Co. spielten mehr vor sich hin, ohne Schwung. Für Hummels ist die Zeit wohl abgelaufen, Nico Schlotterbeck und Can haben mit guten Leistungen vielleicht noch eine Chance, doch einziger fester Kandidat ist Torjäger Füllkrug. Julian Nagelsmann hat seine frühere Aussage „die Tür steht für alle offen“ inzwischen begrenzt. „Der Kreis für die EM steht fest, es geht höchstens noch um ein, zwei Positionen, außer natürlich, wir haben Pech mit Ausfällen“

Auffallend ist, wie schnell sich die neue Mannschaft gefunden hat und problemlos die neuen Aufgaben angenommen wurden. Kein Klagen von Kimmich, dass er auf die rechte Seite „abgeschoben“ wurde (in seinen Augen), kein Klagen von Kapitän Gündogan, dass sein Rolle als Denker und Lenker nun Toni Kroos besetzt. Daneben ist kein Platz für den Münchner Goretzka, weil Andrich, der sich überraschend festgespielt hat, und Groß die Rolle des „Worker“ besser ausfüllen. Im Mittelfeld bleibt eher noch ein Platz für Pavlovic frei. Links hat sich mit Mittelstädt ein Neuling festgespielt, dessen Entwicklung vom Absteiger mit Hertha BSC Berlin zum Nationalspieler mit Stuttgart wie ein Märchen klingt. In der Mitte sorgen Rüdiger und Tah für mehr Stabilität als alle Kombinationen, die vorher getestet wurden. Da geht es nur darum, wer die Ersatzrolle spielen darf und will, für Koch oder Anton käme eben auch Schlotterbeck in Frage, doch auf eines legt der Bundestrainer wert: Eine Bankrolle muss klaglos angenommen werden.

Das gilt natürlich auch im offensiven Bereich, wo Nagelsmann dem zuletzt gesperrten Sané bereits einen EM-Platz in Aussicht stellt. Aber er muss sich vielleicht auch klaglos hinter den „Zauberern“ Wirtz und Musiala anstellen. Dahinter hat sich auch Führich einen Platz gesichert, er wartet klaglos auf seinen Einsatz, das könnte Bayern-Star Gnabry die EM kosten. Und Füllkrug wartet auf seine Chance, auch wenn Havertz als spielstarker Mittelstürmer die Nase vorn hat. Aber reinkommen und Tore schießen wie es der Dortmunder gegen die Niederlande zeigte, ist eine besondere Qualität. Bleibt noch der Torhüter, aber da hat der Bundestrainer bereits im Vorfeld für klare Verhältnisse gesorgt, Neuer ist die Nummer 1, ter Stegen konnte nur bedingt für sich werben, zeigte gegen die Niederlande Unsicherheiten.

Die Medien feiern die DFB-Elf, die Fans sind zurück, elf Millionen TV-Zuschauer verfolgten bei RTL das Länderspiel. Jetzt hat erst einmal wieder die Bundesliga Vorrang, vom 26. bis 31 Mai beginnt dann der EM-Countdown mit dem Trainingslager in Blankenheim/Thüringen. Danach wird das EM-Quartier in Herzogenaurach bezogen, Testspiele gibt es am 3. Juni in Nürnberg gegen die Ukraine und am 7. Juni in Mönchengladbach gegen Griechenland. An diesem Tag muss auch die offizielle Spielerliste gemeldet werden, 23 Spieler dürfen nominiert werden. Am 14. Juni geht es schließlich in München gegen Schottland los.

Da wird Deutschland sicherlich das „normale“ Schwarz-Weiß tragen, das neue Ausweichtrikot in pink und lila hat für Furore gesorgt, ist aber bei den Fans beliebt, Ausrüster Adidas ist mit dem Umsatz glücklich. Nicht so glücklich ist der DFB-Partner seit 70 Jahren darüber, dass seine Ära 2027 zu Ende geht. Der DFB hat sich für das weitaus bessere Angebot von Nike entschieden, der US-Konzern zahlt angeblich das doppelte, statt 50 Millionen Euro pro Jahr etwa 100 Millionen. Der DFB musste viel Kritik dafür einstecken, dass er einen bewährten Partner vor den Kopf gestoßen hat, aber vor allem zahlreiche Politiker hätten sich ihre Kritik schenken können und sich erst informieren sollen. Auch in den Medien wurde zu wenig beachtet, dass der DFB zu einer kurzfristigen Bekanntgabe gezwungen war, nachdem es sich bei den Bewerbern meist um Unternehmen an der Börse handelte, außerdem hätte er das wesentlich bessere Angebot auch aus rechtlichen Gründen nicht ausschlagen dürfen. Die Verantwortlichen hätten haftbar gemacht werden können. Zudem braucht der einst reiche Verband dringend Geld, mit dem Coup kann er die Fehler früherer Jahre (so wurde der Campus wesentlich teurer) wieder einigermaßen ausgleichen.

Noch glücklicher als Deutschland über gelungene Testspiele waren drei Nationen, die sich über den Umweg Play-Offs noch für die EM qualifizieren konnten. Besonders glücklich die vom Krieg gebeutelte Ukraine, die mit dem 2:1-Sieg gegen Island dem Land mal wieder eine frohe Botschaft schenkte. Ähnlich gefeiert wurde in Georgien und da vor allem der frühere Bayern-Star Willy Sagnol, der als Trainer schon kritisiert wurde, dem Land jetzt aber eine Premiere geschenkt hat – erstmalige EM-Teilnahme. Ein 4:2 im Elfmeterschießen gegen Griechenland machte es möglich. Aufatmen dagegen in Polen, dass sich eigentlich als logischer Endrundenteilnehmer sieht, aber den Sprung über die Gruppenspiele nicht schaffte. Auch hier musste ein Elfmeterschießen helfen, nachdem es in Wales beim 0:0 blieb. Den letzten Elfer hielt Polens Torhüter Szczesny gegen James, nachdem vorher alle getroffen hatten, auch Torjäger Lewandowski, der beim entscheidenen Schuss gar nicht mehr hinschauen konnte.

So sehen die sechs EM-Gruppen aus: Gruppe A: Deutschland, Schottland, Schweiz, Ungarn. – Gruppe B: Albanien, Italien, Kroatien, Spanien. Gruppe C: Dänemark, England, Serbien, Slowenien. – Gruppe D: Frankreich, Niederlande, Österreich, Polen. – Gruppe E: Belgien, Rumänien, Slowakei, Ukraine. – Gruppe F: Portugal, Tschechien, Türkei, Georgien.