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Die perfekte Übersicht: Endspurt in der Bundesliga

Die Nationalmannschaft sorgte mit ihrem ebenso überraschenden wie überragenden 2:0-Sieg in Frankreich dafür, dass in Deutschland die Lust auf Fußball wieder gewachsen ist. Das gefällt natürlich vor allem der Bundesliga, die vor den entscheidenden Spielen der Saison steht und sich volle Stadien wünscht. Nur noch acht Spieltage stehen bis zum 18. Mai an, die über Wohl und Wehe oben wie unten entscheiden. Gut, die Meisterschaft ist wohl entschieden, diesmal sorgte nicht Bayern München für Langeweile an der Spitze, sondern überraschend Bayer Leverkusen. Alles andere ist ungewiss. Für viele Klubs sind gleich die nächsten Spiele vorentscheidend, so für Dortmund mit Duellen gegen die direkten Konkurrenten, als auch für die Kandidaten im Abstiegskampf. Der Sport-Grantler bietet eine Übersicht zum Restprogramm.

Champions League: An der Tabellenspitze ist die Entscheidung wohl gefallen, Bayer jagt zudem den Rekord der Bayern von einem Start mit 29 ungeschlagenen Spielen. Dafür muss Leverkusen (bisher 26) die nächsten Hürden Hoffenheim (H), Union (A) und Bremen (H) noch meistern. Drei Niederlagen darf sich Bayer leisten, außerdem warten Dortmund (A), Stuttgart (H), Frankfurt (A), Bochum (A) und Augsburg (H). Bei den Vereinen dahinter geht es vor allem um die Champions League, also mindestens Rang vier. Die Bayern sind außen vor mit 60 Punkten, Stuttgart wird aber von Dortmund und Leipzig gejagt, einer wird der unglückliche Fünfte und damit Verlierer sein.

Das Restprogramm: Stuttgart (56 Punkte): Heidenheim (H), Dortmund (A), Frankfurt (H), Bremen (A), Leverkusen (A), Bayern (H), Augsburg (A), Gladbach (H). – Dortmund (50): Bayern (A), Stuttgart (H), Gladbach (A), Leverkusen (H), Leipzig (A), Augsburg (H), Mainz (A), Darmstadt (H). – Leipzig (49): Mainz (H), Freiburg (A), Wolfsburg (H), Heidenheim (A), Dortmund (H), Hoffenheim (A), Bremen (H), Frankfurt (A).

Europa: Hinter diesen Vereinen geht es um einen Platz für Europa, der siebte Platz ist sicher, es könnte aber auch Rang acht reichen. Es gibt vier Kandidaten, wobei sich vor allem die Eintracht mit den Spitzenteams herumschlagen muss, zehrt aber von fünf Punkten Vorsprung gegenüber der Konkurrenz. Auffallend beim FCA das Saisonende mit hochkarätigen Gegnern. Das Restprogramm: Frankfurt (40): Union (H), Bremen (H), Stuttgart (A), Augsburg (H), Bayern (A), Leverkusen (H), Gladbach (A), Lepzig (H). – Augsburg (35): Köln (H), Hoffenheim (A), Union (H), Frankfurt (A), Bremen (H), Dortmund (A), Stuttgart (H), Leverkusen (A). – Hoffenheim (33): Leverkusen (A), Augsburg (H), Mainz (A), Gladbach (H), Bochum (A), Leipzig (H), Darmstadt (A), Bayern (H). – Freiburg (33): Gladbach (A), Leipzig (H), Darmstadt (A), Mainz (H), Wolfsburg (H), Köln (A), Heidenheim (H), Union (A).

Abstiegskampf: Ein Sprung über das Mittelfeld zum Tabellenende, dort ist die Frage, ob sich Wolfsburg und Bochum mit 25 Punkten noch mit reinziehen lassen. Sechs Punkte Vorsprung sind kein Ruhekissen. Also: Gegen wen können sie Punkte sammeln und was machen Mainz und Köln? Darmstadt (erst zwei Siege) ist abgeschlagen. Auffallend: Gleich in den nächsten Runden gibt es viele direkte Duelle. Das Restprogramm: Wolfsburg (25): Bremen (A), Gladbach (H), Leipzig (A), Bochum (H), Freiburg (A), Darmstadt (H), Bayern (A), Mainz (H). – Bochum (25): Darmstadt (H), Köln (A), Heidenheim (H), Wolfsburg (A), Hoffenheim (H), Union (A), Leverkusen (H), Bremen (A). – Mainz (19): Leipzig (A), Darmstadt (A), Hoffenheim (H), Freiburg (A), Köln (H), Heidenheim (A), Dortmund (H), Wolfsburg (A). – Köln (18): Augsburg (A), Bochum (H), Bayern (A), Darmstadt (H), Mainz (A), Freiburg (H), Union (H), Heidenheim (A).

Gleich am Sonntag (19.30 Uhr) kämpft Neuling Darmstadt wohl um seine letzte Chance in Bochum, andererseits könnte der VfL mit einem Ende seiner Niederlagenserie den Abstand nach unten vergrößern. Im Mittelpunkt des Geschehens steht aber das Spitzenduell zwischen den Bayern und Dortmund am Samstag (18.30 Uhr). Die Münchner haben erhebliche Verletzungssorgen, Torhüter Manuel Neuer und Torjäger Harry Kane sind fraglich. Das könnte der Borussia in die Karten spielen und den Ehrgeiz der von Nagelsmann verschmähten Nationalspieler besonders anstacheln. Eigentlich müsste Dortmund schon aus Trotz eine Siegesserie starten! Nur mit Dampf geht es auf den EM-Zug.

Auftakt einer neuen Ära?

Zehn Jahre liegt es zurück, dass die Nationalmannschaft so gelobt wurde, wie jetzt nach dem überraschenden 2:0-Sieg in Lyon gegen Frankreich. Damals wurde Deutschland bekanntlich Weltmeister! Bundestrainer Julian Nagelsmann hat beim Personal wie versprochen sozusagen alles auf links gedreht und lag damit genau richtig. Beginnt mit den „Zauberern“ Wirtz, Musiala und Havertz eine neue Ära? Sorgen sie zusammen mit dem reaktivierten Mittelfeldstrategen Toni Kroos und dem Abwehrbollwerk Rüdiger/Tah doch noch für eine EM-Euphorie im Lande? Wir sollten alle nicht zu früh jubeln, denn die nächste Bewährungsprobe steht mit den Niederlanden als Gegner am Dienstag (20.45 Uhr, live bei RTL) in Frankfurt bevor. Zukunftshoffnung oder Eintagsfliege? Die Niederlande kommt auch mit Rückenwind, kanzelte mit Schottland den EM-Auftaktgegner der DFB-Elf mit 4:0 ab.

Eines ist aber gewiss, die Nationalmannschaft hat seit zehn Jahren nicht mehr so viel Spaß gemacht. Das merkten auch zehn Millionen Fans an den Bildschirmen. Schon der Blitzstart nach acht Sekunden löste die Fesseln und erstaunte die Zuschauer, noch mehr, als dieser Treffer als einstudiert bezeichnet wurde. „Die Trainer hatten dafür ja vier Monate Zeit“, witzelte Vorlagengeber Toni Kroos. Hätte man sich das nicht für die EM aufheben sollen? Danach aber zauberten Torschütze Wirtz, Musiala und der zweite Torschütze Havertz. 20, 21 und 24 Jahre sind sie jung, ein Versprechen für die Zukunft. Außerdem könnte zu diesem Trio noch der neue Münchner Stern Pavlovic dazu stoßen, vielleicht der Kroos der Zukunft. Musiala zeigt sich wieder in Bestform und gestand, „das Trikot mit der Nummer 10 hat mir Auftrieb gegeben“. Er hat sich der Nummer eines Netzer oder Matthäus würdig gezeigt. Fast nur eine Nebenrolle spielte dabei Kapitän Gündogan, der, wie sich zeigte, leicht auch von Thomas Müller ersetzt werden kann, auch wenn der kein Mann der Zukunft mehr ist. Man kann aber sagen, die Mischung stimmt. Mehr wird nach dem Niederlande-Spiel zu reden und schreiben sein.

Bayern-Manager Max Eberl müsste aber besonders unruhig geworden sein (allerdings auch Simon Rolfes in Leverkusen). Seine Aufgabe für den Verein muss eigentlich sein, Florian Wirtz die Zukunft in München schmackhaft zu machen und als „Begleitkommando“ auch noch Trainer Xabi Alonso und Aufsteiger Grimaldo an Land zu ziehen. Dann würde eine neue Bayern-Ära eingeleitet werden…

Bayern-Frauen vor Titelgewinn

Die Frauen des FC Bayern sind den Männern in diesem Jahr ein Stück voraus. Mit einem überzeugenden 4:0-Sieg beim Hauptkonkurrenten VfL Wolfsburg stellten sie die Weichen auf Meisterschaft. 15 Jahren hatten sie in Wolfsburg nicht mehr gewonnen und jetzt dieser Triumph mit der überragenden Pernille Harder als Herzstück des Teams. Harder, Bühl, Schüller und Stanway erzielten die Tore vor 24437 Zuschauern im Stadion (Rekord für Wolfsburg) und zwei Millionen TV-Fans. In 17 BL-Spielen kassierten die Bayern-Mädchen nur fünf Gegentreffer und haben jetzt sieben Punkte Vorsprung vor den letzten fünf Begegnungen. Wird da der Rathausbalkon am Marienplatz reserviert?

Die Münchnerinnen lechzen aber nach einem weiteren Triumph über Wolfsburg, sie wollen jetzt zudem endlich wieder einmal den Pokal gewinnen. Das gelang das letzte Mal vor zwölf Jahren. Die Wölfinnen wiederum sehen den DFB-Pott als „ihren Besitz“ an, siegten in den letzten neun Jahren und sind seit 47 Spielen ohne Niederlage. „Jetzt müssen wir es endlich schaffen“, fordert dagegen Bayern-Flügelflitzerin Klara Bühl, allerdings ist Eintracht Frankfurt am Ostersonntag (15.45 Uhr/ARD) eine hohe Hürde. Die Eintracht hat den Bayern-Mädchen schon oft das Leben schwer gemacht. Wolfsburg sollte um 13.00 Uhr gegen Essen weniger Probleme haben. Ein Traumfinale am 9. Mai in Köln ist möglich.

Die Bundesliga geht erst am 12. April weiter, davor stehen Spiele der Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation an, am Freitag, 5. April, in Österreich und am Dienstag, 9. 4., gegen Island.

Snowboard-Königin war der deutsche Winter-Star

Es gibt noch ein paar Nachzügler, doch die Saison im Wintersport ist mehr oder weniger gelaufen. Viele denken aber mit bangem Blick an die Zukunft, in Zeiten des Klimawandels ist sie vor allem für die Disziplinen auf Schnee sehr ungewiss. Die Skispringer fürchten, dass sie auch im Winter auf Matten springen müssen, im Langlauf und Biathlon sind Skiroller statt Ski im Gespräch. Noch aber ist es nicht so weit, aber was brachte der vergangene Schnee-Winter außer den üblichen Wetterkapriolen, die sicherlich ebenfalls immer schlimmer werden.

Auffallend ist, dass in vielen Disziplinen einzelne Athleten oder Athletinnen die Konkurrenz beherrschten. Einmal ist hier auch Deutschland dabei, Ramona Hofmeister heißt unser Winter-Star, den viele vielleicht nicht einmal kennen. Dabei war die Oberbayerin die absolute Snowboard-Königin, sie gewann alle drei Kristallkugeln die vergeben werden. Das schafften vor ihr nur die Schweizerin Patrizia Kummer 2014 und die Slowenien Zan Kosic 2015, damals war dies noch in den Anfängen der Snowboard-Rennen. Am Anfang sieht sich aber auch die 27-Jährige noch, denn populär wurde sie bisher nicht, ihre Siege zahlen sich finanziell nicht aus, es gibt kaum Fernsehzeiten und deshalb sie hat sogar Schwierigkeiten Sponsoren zu finden. Sie hofft, dass sich dies mit der WM 2025 in der Schweiz und Olympia 2026 in Italien ändert.

Auch der alpine Skisport hatte zwei „Überathleten“. Der Schweizer Marco Obermatt beherrschte die Herren-Konkurrenzen, war der überragende Speedfahrer in Abfahrt, Super-G und Riesenslalom und stand frühzeitig als Gesamtsieger fest. Für manche ist er der beste Rennläufer aller Zeiten und diese haben den Schweden Ingemar Stenmark keineswegs vergessen. Eine Schweizerin dominierte auch bei den Frauen, dabei ist Lara Gut-Behrami fast schon am Ende ihrer Karriere. Sie profitierte auch vom Verletzungsausfall der amerikanischen Ski-Königin Mikaela Shiffrin, die mit Kniebeschwerden einige Rennen verpasste und die Gesamtwertung kampflos verlor. Gut-Behrami ist mit 32 Jahren die älteste Gesamtsiegerin aller Zeiten im Alpinsport, bisher war dies ihre Landsfrau Vreni Schneider mit 30 Jahren. Der deutsche Ski-Verband war mit seinen alpinen Athleten nicht zufrieden, am Ende stand die schlechteste Alpin-Bilanz seit 18 Jahren! Allein auf die Slalom-Stars Lena Dürr und Linus Straßer war Verlass. Straßer holte legendäre Siege in Kitzbühel und beim Nachtrennen in Schladming.

Im nordischen Skisport war der norwegische Kombinierer Jarl Magnus Riiber wieder einmal nicht zu schlagen, die einst übermächtigen deutschen Athleten blieben ohne einen einzigen Saisonsieg. Auch im Skispringen hüpften die Deutschen bei Männer und Frauen meist hinterher und staunten über die Konkurrenz. Stefan Kraft (Österreich) und Nika Prevc (Slowenien) waren die Gesamtsieger. Für die Frauen gab es in dieser Saison eine Veranstaltung für die Geschichte, denn erstmals trugen sie einen Weltcup im Skifliegen aus. Die deutsche Top-Springerin Katharina Schmid war dennoch traurig, denn ihren Traum von 200 m konnte sie nicht realisieren. Weiter schaffe es die Norwegerin Sillje Opseth, die trotz einen Sturzes im Training bei 236,5 Metern mit 230,5 m den ersten Frauen-Weltrekord sprang.

Der beliebteste Wintersport in Deutschland bleibt Biathlon, das beweisen die Zuschauer-Quoten im Fernsehen, die kaum Einbußen erlitten, obwohl dem deutschen Team der absolute Star fehlte. Biathlon hatte sogar mehr Zuschauer als die Handballer bei ihrer Olympia-Qualifikation. Auf den ersten Blick verlief die Saison für Deutschland enttäuschend, doch ganz so war es nicht. Der Start war schon vielversprechend, bei der ersten Station in Östersund trugen Franziska Preuß und Philipp Nawrath sogar das Gelbe Trikot. Da hatten die Norweger noch Probleme, doch dann dominierten sie zumindest bei den Männern das Geschehen. Auffallend war, dass nach dem Fluor-Verbot die Präparierung der Ski offensichtlich zu einem Glücksspiel wurde. Die Deutschen freuten sich bei kalten Bedingungen und hartem Schnee, vor allem bei Nässe und Wärme fanden die Wachser nicht das richtige Mittel. Aber das ging fast allen Nationen so.

Überragender Athlet war Johannes Thingnes Bö, dem ausgerechnet nur sein älterer Bruder Tarjei Paroli bieten konnte. Johannes gewann aber neben der Gesamtwertung auch Einzel, Verfolgung und Massenstart und überließ nur den Sprint seinem Bruder. In der Gesamtwertung waren fünf Norweger vorn, die Deutschen schauten auf Rang zwölf von Johannes Kühn und 13 von Benedikt Doll hinterher. Die beste Endplatzierung erreichten Roman Rees als Dritter im Einzel und Benedikt Doll als Vierter im Sprint. Der Schwarzwälder beendet mit den letzten Rennen in Canmore/Kanada seine Karriere und wird vor allem als Mannschaftsführer dem Team fehlen. Hoffnungsträger ist in Zukunft Justus Strelow, einer der besten Schützen im Feld, aber oft in der Loipe zu langsam. Nawrath, Kühn und Rees sind zu inkonstant in ihren Leistungen. Aber immerhin, in der Nationenwertung belegte Deutschland hinter den überragenden Norwegern Rang zwei vor Frankreich und Schweden.

Bei den Frauen litt Hoffnungsträgerin Franziska Preuß wieder unter gesundheitlichen Problemen, dabei war der Start wie gesagt hoffnungsvoll. Mit vorn dabei war oft Vanessa Voigt und Janina Hettich-Walz legte einen starken Schlussspurt hin und holte im letzten Wettbewerb der Saison, im Massenstart von Canmore, als Zweite ihren ersten Podestplatz überhaupt im Weltcup (vorher Silber bei der WM). Die Gesamtwertung gewann überraschend die Italienerin Lisa Vittozzi mit starken Leistungen in den letzten Rennen, lange Zeit hatte Ingrid Landmark Tandrevold (Norwegen) geführt, sie gewann immerhin die Sprint-Wertung. In der Gesamtwertung wurden Voigt Achte, Hettich-Walz 10. und Preuß 11. Im Einzel landete Voigt hinter Siegerin Vittozzi auf Rang drei (Preuß 6.), auch in der Verfolgung gewann Vittozzi (Voigt Achte) und im Massenstart überraschte die Französin Lou Jeanmonnot (Hettich-Walz 11.). In der Nationenwertung fiel Deutschland hinter Frankreich, Norwegen und Schweden zurück, aber bei den Frauen gibt es mehr Hoffnung auf den Nachwuchs als bei den Männern. Die 19-jährige Selina Grotian mischte schon auffällig mit, Julia Tannheimer, Julia Kink und Johanna Puff sind Versprechen für die Zukunft.

Sportdirektor Feliux Bitterling war insgesamt zufrieden, er sieht einen „deutlichen Schritt nach vorn“. Die Gesamtbilanz mit fünf Siegen und 24 Podestplätzen ist insgesamt besser als im Vorjahr. So könnte Biathlon weiterhin die beliebteste Wintersportart der Deutschen bleiben. ARD und ZDF waren mit ihren Wintersport-Nachmittagen jedenfalls wieder zufrieden, die Zuschauerzahlen lagen über dem Quoten an normalen Wochenenden.

Die neue deutsche Welle

Einst war im Film davon die Rede, jetzt finden wir sie im Sport: Die neue deutsche Welle. Zwei Bundestrainer im Mannschaftssport setzen auf den Nachwuchs und zumindest einer hat dies bereits mit Erfolg getan. Deutschlands Handballer feierten mit einem 34:31-Sieg gegen Österreich im entscheidenden Spiel die Qualifikation für die Olympischen Spiele im Sommer in Paris. Ein entscheidender Spieler war dabei der Kapitän der erfolgreichen U21-Nationalmannschaft, Renars Uscins. In allen drei Turnierspielen wurde er zum „Player of the Match“ gewählt, mit seinen Toren und der Begeisterung stellte er mit die Weichen für Olympia. Bundestrainer Alfred Gislason hat erfolgreich auf Talente aus der Weltmeister-Mannschaft gesetzt.

Bei Olympia sind die Fußballer nicht vertreten, Bundestrainer Julian Nagelsmann hofft stattdessen auf eine erfolgreiche Europameisterschaft im eigenen Land. Bei seinem letzten Aufgebot vor der EM macht er für die Länderspiele am Samstag in Lyon gegen Frankreich und am 26. März in Frankfurt gegen die Niederlande deutlich, dass auch er auf junge Spieler setzt und alte Zöpfe abschneiden will. Die neue deutsche Welle eben.

Gerade am Wochenende haben sich in der Bundesliga die Talente Florian Wirtz und Jamal Musiala wieder in den Vordergrund gespielt. Beiden wird EM-Form attestiert, beide bringen Schwung ins Spiel. Es ist zwar nicht immer die Jugend, die bei Nagelsmanns Nominierung im Vordergrund stand, aber es sind die Spieler, die in der Bundesliga für Furore sorgen, für die das internationale Parkett aber mehr oder weniger Neuland ist. Als Beispiel können die Stuttgarter Anton, Mittelstädt, Führich und Undav gelten, der Heidenheimer Beste oder Bayerns Talent Pavlovic (der zunächst wegen eines Infekts fehlt). Die Berufungen haben aber auch noch einen anderen Hintergrund und warum Nagelsmann auf Spieler wie Süle, Hummels oder Goretzka verzichtet: Sie sind Unruhestifter, wenn sie nicht zum Zug kommen, während die Neuen schon glücklich sind, überhaupt im Team zu stehen. Dazu verzichtet er aus Leistungsgründen auf Dortmunds Can, Schlotterbeck und Brandt. Neue deutsche Welle eben. Mal sehen, ob die Welle bis zur EM versandet oder Hochstimmung (nicht Hochwasser!) bringt. Aber Nagelsmann hat sein Wort gehalten, es hat Überraschungen gegeben. Sechs Neulinge und sechs Rückkehrer sind dabei.

Streich geht, Kovac muss gehen

In der Bundesliga sind vor allem die Trainer im Gespräch. Am Sonntag litt Christian Streich in Freiburg noch bei der 2:3-Niederlage seines Teams gegen Leverkusen, am Montag hörte er sich noch deprimierter an, der bald 59-Jährige wird seine Arbeit bei „seinem Verein“ im Sommer nach 29 Jahren im Klub, davon über zwölf Jahre als Cheftrainer beenden. „Der Verein ist mein Leben“, gesteht er, aber er lässt Vernunft walten: „Es ist Zeit aufzuhören, ich habe immer gesagt, dass ich den richtigen Zeitpunkt nicht verpassen darf.“ Am 29. Dezember 2011 löste der damalige Co-Trainer seinen Chef Markus Sorg ab, als Freiburg vor dem Abstieg stand. Streich rettete den Verein, führte ihn auch nach Europa, musste aber auch einen Abstieg hinnehmen. Der impulsive Trainer eckt oft an, macht immer seine Meinung deutlich, blieb aber auch immer menschlich und wurde so zum Kult-Trainer. Er sollte dem Verein in anderer Position erhalten bleiben.

Lobeshymnen wird Niko Kovac in Wolfsburg keine bekommen. Der VfL versuchte, an seinem Coach bis zum Saisonende festzuhalten, aber nach elf Spielen ohne Sieg schrillen die Alarmglocken immer lauter, der Abstiegskampf ist nahe, Mainz meldet sich wieder an, der Vorsprung schrumpfte auf sechs Punkte. Wolfsburg reagierte schnell, entließ Kovac und präsentierte am Sonntag gleich den Nachfolger: Ralph Hasenhüttl, von 2016 bis 2018 in Leipzig erfolgreich und anschließend auch in Southampton beliebt und geachtet, bis es kriselte und im November 2022 zu Ende ging. Der 52-jährige Österreicher liebäugelte sogar mit einem Karriereende, aber jetzt setzt er sie in Wolfsburg fort. Da soll es nun wieder aufwärts gehen.

Mainz hat der energiegeladene Bo Henriksen neues Leben eingehaucht, der einen neuen Hoffnungsträger hat: Der lange verletzungsgeplagte Torjäger Jonathan Burkhardt ist wieder fit und schoss beim 2:0 Gegner und Konkurrent Bochum allein ab. Bochum steht wie Wolfsburg bei 25 Punkten und leidet unter dem „Bayern-Fluch“. Nach dem sensationellen 3:2-Sieg gab es vier Niederlagen. Gegensätzlich dazu der FC Augsburg, der zuletzt vier Siege landete, von Platz 14 an Bochum und vielen anderen vorbei zog und jetzt Siebter ist. Europa lockt!

Die Bundesliga macht Länderspielpause bevor es an Ostern weitergeht. Im Mittelpunkt steht dann das Duell Bayern – Dortmund am Samstag, 30. März (18.30 Uhr), das immer noch ein Schlagerspiel ist, vor allem aber für die Borussia bedeutend ist, weil im Zweikampf mit Leipzig um den letzten Platz für die Champions League jeder Punkt zählt. In der Vorrunde stürzte Bayern den BVB mit einem 4:0 in die Krise.

Hoffnung gibt es für Dortmund und RB das auch Platz fünf für die CL zählt, doch dazu müssen Erfolge auf Europas Bühne her. Die zwei besten Nationen der UEFA-Jahresrangliste dürfen fünf Vereine stellen, noch steht die Bundesliga (16,257 Punkte) hinter Italien (17,714) auf Rang zwei, aber England (16,250) und Spanien (14,437) drängen. CL und Europa League werden dabei gleich gewertet. So war Leverkusens glückliches Weiterkommen beim 3:2 gegen Agdam mit zwei Toren von Schick in der Nachspielzeit sehr wertvoll. Jetzt ist Freiburgs Bezwinger West Ham United im Viertelfinale am 11. und 18. April der nächste Gegner. Leverkusen ist in den fünf Topligen Europas immer noch die einzige ungeschlagene Mannschaft – das sollte für die Rangliste so bleiben!

Bei der Auslosung der Champions League sprachen manche von einem „Glückslos“ für Bayern und Dortmund, was zweifellos übertrieben ist. Glück vielleicht allein, weil Real oder Manchester City als große Favoriten gelten (welches Lospech, sie treffen aufeinander), aber gegen Arsenal London bzw. Atletico Madrid stehen die Chancen bestenfalls 50:50. Die Partie Paris – Barcelona komplettiert das Viertelfinale, das am 9./10. und 16./17. April ausgetragen wird. Auch das Halbfinale wurde schon ausgelost und damit steht fest, dass es ein deutsches Duell erst im Endspiel am 1. Juni in London im Wembleystadion geben kann. Das war bekanntlich 2013 der Fall.

Wölfinnen unter Druck

Die Frauen-Bundesliga macht keine Pause, ganz im Gegenteil sie präsentiert am kommenden Samstag (17.45 Uh) das Schlagerspiel schlechthin. Die beiden stärksten Teams stehen sich gegenüber, wobei der Tabellenzweite VfL Wolfsburg Heimrecht gegen Titelverteidiger Bayern München hat. Allerdings stehen die Wölfinnen unter Druck, denn sie haben mit der überraschenden 1:2-Niederlage in Hoffenheim an Boden verloren und jetzt vier Punkte Rückstand. Nur ein Sieg könnte die Meisterschaftschancen intakt halten und auch dann müssten die Bayern noch einmal straucheln (letztes Spiel bei Hoffenheim!). Die Bayern-Mädchen siegten gegen Neuling Leipzig mit 5:0 und sind jetzt saisonübergreifend 33 Spiele ohne Niederlage! Sie gewann auch das Hinspiel gegen Wolfsburg mit 2:1.

Bei beiden Vereinen hat es überraschende Meldungen gegeben. Wolfsburgs Flügelflitzerin Svenja Huth kündigte ihren sofortigen Rücktritt aus der Nationalmannschaft an. Die 33-jährige bestritt 88 Länderspiele, verlor aber ihren Platz als Stammspielerin. Sie will sich ganz auf den VfL konzentrieren. Für ihren Verein will auch Sydney Lohmann weiterhin kämpfen, sie verlängerte den Vertrag bei Bayern München bis 2027, weil es ihr „Herzensverein“ sei. Sie gehört den Bayern ab der Jugend an und hat auch keine Angst vor dem noch größer werdenden Konkurrenzkampf, wenn im Sommer Lena Oberdorf von Wolfsburg nach München wechselt. Meister werden mit dem VfL will Oberdorf aber trotzdem.

Julian Nagelsmann muss die Karten auf den Tisch legen

Die Bundesliga spielt Woche für Woche so vor sich hin, sorgt mehr oder weniger für Schlagzeilen, vom Fußball-Höhepunkt in diesem Jahr, der Europameisterschaft in Deutschland, spricht dagegen kaum einer. Das hat sich zuletzt etwas geändert und wird sich ab diesem Donnerstag, 14. März, gravierend ändern, dann gibt nämlich Bundestrainer Julian Nagelsmann sein Aufgebot für die kommenden Länderspiele bekannt und lüftet zwangsläufig fast alle Geheimnisse rund um den deutschen EM-Kader. Am 23. März in Frankreich und am 26. März gegen die Niederlande muss sich zeigen, was von Deutschland bei der EM zu erwarten ist.

Genau 100 Tage vor dem Start am 14. Juni in München mit dem Eröffnungsspiel Deutschland – Schottland (21 Uhr) versuchte der DFB mit einer großen PR-Aktion die Werbetrommel zu rühren. Logisch, dass Innenministerin Nancy Faeser dabei war, aber auch Turnierdirektor Philipp Lahm und DFB-Sportdirektor Rudi Völler konnten einen mit dem Ausblick nicht von den Sitzen reißen. Der Wunsch ist, dass es eine Wiederholung des Sommermärchens 2006 geben und ein großes Fußballfest werden soll. Entscheidend wird das Auftreten und Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft sein und da gibt der Bundestrainer sein Aufgebot genau drei Monate vor dem Start bekannt. Jetzt muss er die Karten auf den Tisch legen.

Nagelsmann hatte im Vorfeld schon vielsagende Andeutungen gemacht und Überraschungen angekündigt. Welche es sind, wird er im Länderspielaufgebot offen legen müssen. Wer da nicht dabei ist, hat wohl nur noch eine Minimalchance für die EM. Besonders auffällig Nagelsmanns Aussage, dass er vor allem auf Worker setzt, quasi eine Absage der Schönspielerei. Und so kommen vor allem die Mittelfeldarbeiter Robert Andrich (Leverkusen) und Pascal Groß (Brighton) ins Gespräch – neben Rückkehrer Toni Kroos (Real Madrid). Leon Goretzka zeigt sich zwar derzeit in starker Form, könnte aber einer der Verlierer werden. Der größte Verlierer scheint aber Borussia Dortmund zu sein. Bei den meisten Team-Spekulationen steht kein Dortmunder in der Anfangsformation, wobei sich natürlich Süle und Schlotterbeck schon Hoffnung auf das EM-Aufgebot machen können. Mats Hummels dagegen wohl weniger. Hoffnungen machen sich dafür Stuttgarter Spieler, Chris Führich und Maximilian Mittelstädt könnten auf den EM-Zug aufspringen. Letzterer, weil auf der linken Außenverteidigerposition das größte Fragezeichen steht. Raum, Gosens, Henrichs oder gar Mittelstädt? Angelo Stiller käme für das Mittelfeld in Frage, Deniz Undav bietet sich als Alternative für Niclas Füllkrug an. Im Angriff herrscht allerdings ein Überangebot, da Kapitän Gündogan vorrücken soll. Große Frage hier: Setzt Nagelsmann auf Thomas Müller? Dessen Bayern-Kollegen Sané und Gnabry könnten in die Rolle der Bankdrücker zurück gesetzt werden. Sané fehlt bei den Länderspielen gesperrt.

So könnte Nagelsmanns Startelf ausschauen: Neuer – Kimmich, Tah, Rüdiger, Henrichs – Kroos, Groß – Wirtz, Gündogan, Musiala – Füllkrug. Am 14. März wissen wir ein bisschen mehr. Auch wie das EM-Trikot aussieht, das bei den Länderspielen erstmals getragen werden soll.

Die Bayern sind aufgewacht

„Was ist mit den Bayern los?“, fragte man sich in den letzten Wochen, als sich Misserfolg an Misserfolg reihte und alle Titelchancen fast verspielt wurden. Jetzt reiben sich wieder einige verdutzt die Augen und fragen, „was ist mit den Bayern los?“. Sie sind aufgewacht und fanden zur alten Stärke zurück. 3:0 gegen Lazio Rom und der Einzug ins Viertelfinale der Champions League, 8:1 gegen Mainz und Torrekorde – das ist ein Statement. Trainer Thomas Tuchel hat offensichtlich die Kurve bekommen, die richtige Formation gefunden und damit einige verblüfft. So bilden nicht mehr Kim und Upamecano die Stammverteidigung, sondern de Ligt und Dier sorgen hinten für Sicherheit, dazu hat Kimmich die Rolle aus Außenverteidiger akzeptiert. Richtig so, da kann er sich für die EM einspielen. In nächster Zeit muss sich zeigen, ob es nur ein Lüftchen ist oder wirklich frischer Wind.

Frischen Wind brachte vor allem Torjäger Harry Kane aufs Feld, er schoss sich nicht nur zum Torrekord, sondern legte auch Treffer auf und zeigte tolle Übersicht. Er knackt reihenweise Rekorde, persönliche und in der Bundesliga. 30 Tore hat er in 25 Spielen erzielt (wie einst Uwe Seeler), noch nie mehr in einer Punktrunde, in der Premier League steht sein Rekord bei 30 Toren – nach 38 Spielen! Die große Frage: Knackt er den BL-Rekord von Robert Lewandowski mit 41 Toren? Zu dem Zeitpunkt hatte der Pole 32mal eingenetzt. Kane aber ist erfolgreichster Debütant, in der ersten Saison hat noch keiner vier Dreierpacks erzielt und auch mit acht Mehrfachpacks hat er alle hinter sich gelassen. Übrigens: Das 8:1 war der dritte Sieg der Bayern in dieser Saison mit sieben Toren oder mehr (7:0 gegen Bochum, 8:0 gegen Darmstadt), das ist Vereinsrekord. Und am Samstag geht es wieder nach Darmstadt!

Von der Meisterschaft sprechen die Bayern nicht mehr, sie wollen einfach gewinnen und dann mal gucken. Leverkusen leistet sich keine Schwäche und bleibt weiter ungeschlagen. Danach hat der FC Augsburg derzeit die längste Siegesserie, drei Erfolge hintereinander ( jetzt 1:0 gegen Heidenheim) katapultierten die Augsburger auf Rang neun und lassen sie von Europa träumen. Hoffenheim und Freiburg stehen vor ihnen und die haben am Wochenende die Schwergewichte Stuttgart und Leverkusen vor der Brust. Der FCA muss dagegen zum schwächelnden VfL Wolfsburg. Nach dem 26. Spieltag am Wochenende folgt die Länderspielpause, an Ostern startet der Endspurt der letzten acht Spieltage, u. a. mit dem Schlager Bayern – Dortmund am Samstag (18.30 Uhr).

International wird es eine interessante Woche, die letzten Rückspiele in allen Wettbewerben stehen an. Borussia Dortmund ist gegen Eindhoven gefordert und will sich nach dem 1:1 im Hinspiel wie die Bayern für das Viertelfinale qualifizieren. RB Leipzig ist dagegen mit dem 1:1 bei Real Madrid äußerst unglücklich ausgeschieden. Aber auch Freiburg (2:1 gegen West Ham) und Leverkusen (2:2 bei Agdam) wollen weiterkommen und Punkte für die UEFA-Rangliste sammeln. Der heiße Schlusspunkt ist am Freitag mit den Auslosungen für das Viertelfinale.

Das Schlagerspiel, auf das ganz Europa schaute, war das Spitzenspiel in England, in dem sich Liverpool und Manchester City 1:1 trennten. Damit bleibt Jürgen Klopp im Vergleich der prominenten Kollegen gegen Pep Guardiola in 30 Duellen vorn, bei 12 Siegen, jetzt 7 Unentschieden und 11 Niederlagen. Ein Rückschlag für beide Teams, denn Arsenal London übernahm mit einem 2:1 gegen Brentford (mit einem Treffer von Havertz) die Tabellenführung vor Liverpool und ManCity.

Frauen haben neuen Bundestrainer

Die Entscheidung ist gefallen und sie hat viele überrascht: Christian Wück wird neuer Bundestrainer der Frauen, die bis einschließlich der Olympischen Spiele im Sommer noch von Interimscoach Horst Hrubesch betreut werden. Mit Wück hat die neue Sportdirektorin Nia Künzer einen Nachfolger im eigenen Lager gefunden, einen, der Erfolge vorweisen kann, denn Wück wurde bekanntlich zuletzt mit der U17 Welt- und Europameister. Die Wahl fiel nicht nur deshalb auf ihn, sondern das Gros der Mannschaft wünschte sich einen Mann als neuen Bundestrainer. Der 50.jährige betonte zu seinem Einstand: „Die Mannschaft zukunftsfähig für Erfolge zu machen, zählt zu den spannendsten und verantwortungsvollsten Aufgaben im deutschen Fußball.“ An seiner Seite wird künftig Maren Meinert arbeiten, die als Trainerin beim DFB von 2005 bis 2019 zweimal die U20-WM und dreimal die U19-EM gewann. Das klingt vielversprechend und Künzer gibt vor: „Wir wollen den Nachwuchs besser heranführen.“

In der Bundesliga fällt eine Vorentscheidung wohl am 23. März, wenn Titelverteidiger Bayern München bei Verfolger Wolfsburg antritt. Die Hürde Frankfurt haben die Münchnerinnen mit Ach und Krach genommen. Bühl und Schüller sorgten für einen 2:1-Sieg und damit verteidigte Bayern die Tabellenführung. „Sie sollten auf der Rückfahrt eine Kirche aufsuchen, eine Kerze anzünden und Danke sagen,“ empfahl der enttäuschte Frankfurter Trainer Arnautis. Kollege Straus aber konterte: „Wir halten höchstens bei McDonalds.“

Wenn Trainer und Vereine hilflos sind…

Was ist los in der Fußball-Bundesliga? Bei vielen Vereinen und Trainern macht sich statt Erfolgsdenken Hilflosigkeit breit! Die Erfolge bleiben aus, den Trainer will man nach Möglichkeit nicht entlassen, aber die Ergebnisse stimmen nicht. Was tun, wenn man nichts tun will… Es soll aufwärts gehen, geht aber abwärts.

Das typische Beispiel ist der FC Bayern München. Die ersten Titel sind futsch, die Meisterschaft bei zehn Punkten Rückstand auf Leverkusen nur noch eine Fata Morgana, im Pokal schon frühzeitig ausgeschieden, das Verhältnis vom Trainer zur Mannschaft gestört, aber von Thomas Tuchel will man sich erst am Saisonende trennen. Aber geht das gut? Das 2:2 in Freiburg gab eine Antwort: Nein! Vor dem „Endspiel“ in der Champions League gegen Lazio Rom am Dienstag, wo ein Sieg mit zwei Toren Unterschied gelingen muss, um das Viertelfinale zu erreichen, herrscht statt Aufbruchstimmung eine Abbruchtendenz. Die Spieler führen ein Eigenleben (Tuchel: „Sie haben gespielt, was wir nie trainiert haben“), von vielen ist die Zukunft ungewiss. Typisches Beispiel Joshua Kimmich, der völlig von der Rolle ist. Er soll Chef sein, ist nicht einmal ein Chefchen. Thomas Müller ist für gute Stimmung zuständig, doch echte Führungsqualitäten bringt er nicht auf den Rasen. Einziger Hoffnungsfunken: Auch Gegner Lazio zeigt sich am Wochenende gegen AC Mailand von der Rolle. Mit Max Eberl wurde gerade ein Hoffnungsträger als Sportvorstand installiert, doch so schnell kann er keine neuen Weichen stellen. Aufräumen kann aber nur ein starker Mann. Muss es heißen „Uli Hoeneß übernehmen Sie…“.

Mit dem Rätselraten über den Trainer und die Zukunft stehen die Bayern in der Bundesliga nicht allein da. Nicht ganz so schlimm, aber ähnlich ist es in Dortmund. Edin Terzic wird immer wieder in Frage gestellt, die schwankenden Leistungen seines Teams kratzen an seinem Ruf, mit dem 2:0-Sieg in Berlin hat er wieder ein Woche Ruhe. Boss Watzke schützt ihn fast in Nibelungentreue, weil er dem Trainer öffentlich eine lange Laufzeit versprochen hat. Doch die Qualifikation für die Champions League gerät in Gefahr, die Borussia ist deshalb in der Zwickmühle. Die nächsten Aufgaben sind Samstag in Bremen und am Mittwoch, 13. März, in der CL das Rückspiel gegen Eindhoven (Hinspiel 1:1). Nur Siege sorgen für Ruhe, ein Ausscheiden gegen Eindhoven könnte dennoch das Aus für Terzic bedeuten.

Im Abstiegskampf wird bei Misserfolgen beim Trainer schnell gehandelt, es ist der Griff nach dem Rettungsring. Geht es um höhere Ziele, liegt die Hemmschwelle höher, doch die Zweifel bleiben. So auch in Wolfsburg, wo die Trennung von Niko Kovac absehbar ist, aber wann? Die Mannschaft spielt nicht schlecht, doch die Ergebnisse stimmen nicht, die Punkte fehlen. Nur 25 Punkte nach 24 Spielen, so schlecht war der VfL noch nie, seit neun Spielen gab es keinen Sieg. Das Ziel internationales Geschäft kann abgehakt werden, eher droht ein Abstiegskampf, wenn die Klubs am Tabellenende mal zu punkten anfangen sollten. Das Ende spätestens im Sommer scheint sicher.

Und wie lange bleibt Torsten Lieberknecht bei Schlusslicht Darmstadt? Am Samstag war er hilflos, die Mannschaft machte dem Letzten alle Ehre, die Fehler häuften sich und Augsburg ergötzte sich an einer Torflut beim 6:0, dem höchsten Sieg des FCA in seiner Bundesligageschichte. Logisch, dass sich die Spieler der „Lilien“ eine Schimpfkanonade anhören mussten, doch nicht vom Trainer oder dem Präsidenten – sondern von einem Fan. Ein einzigartiger Fall in der Bundesliga, wie Schulbuben standen die Profis da und ließen sich von einem Fan die Leviten lesen. Über Investoren haben die Fans schon die Entscheidung gefällt, sitzen sie also bald auf der Trainerbank? Leider fallen sie aber weiterhin eher durch Krawalle auf, so in Rostock und im Rhein-Derby in Köln, als sich Schlägertrupps beider Klubs gegenüber standen und ein Ordner schwer verletzt wurde. Das wollen wir nicht sehen!

Zurück zu den Trainern, da kann man sich bei Bayer Leverkusen doppelt freuen, toller Trainer, tolle Mannschaft, zehn Punkte Vorsprung. Ähnlich beim VfB Stuttgart, vom Abstiegskandidaten auf dem Weg in die Champions League mit Sebastian Hoeneß, so schön kann die Fußballwelt sein. Wenn es nur so bleiben könnte, doch die Zukunft bei beiden Trainer ist ungewiss. Beim Tabellenführer wird es wichtig sein, dass er auch international erfolgreich ist, am 7. und 14. März geht es gegen Quarabag Agdam um den Einzug ins Viertelfinale der Europa League. Der SC Freiburg ist ebenfalls mit von der Partie, hat mit West Ham United die wesentlich schwerere Aufgabe. Seltsam, dass die UEFA nicht verhindert, dass bereits im Achtelfinale Klubs aus der Gruppe wieder aufeinandertreffen können. Das ist bei Bayer und dem SCF der Fall. In der CL kämpft RB Leipzig am Mittwoch bei Real Madrid ums Weiterkommen, steht aber nach dem 0:1 vom Hinspiel vor einer doppelt hohen Hürde.

Wieder Hoffnung bei den Frauen

„Paris, Paris, wir fahren nach Paris“ sangen die Fußball-Frauen euphorisiert nach der geschafften Olympia-Qualifikation. Der 2:0 über die Niederlande war ein Akt des Willens, mit ihrem Einsatz gingen die Mädchen von Interimsbundestrainer Horst Hrubesch über ihre Grenzen. Sie sind bei den Olympischen Spielen im Sommer also dabei, doch ob sie in Paris im Olympischen Dorf einziehen dürfen, steht noch in den Sternen, denn die ersten Spiele finden alle in der Provinz statt und Paris bedeutet Finalteilnahme. Überhaupt wird Olympia schwierig, denn statt des üblichen Kaders von 23 Spielerinnen dürfen nur 18 nominiert werden. Horst Hrubesch hat schon in den letzten Spielen Konsequenzen gezogen, so fehlten Lina Magull und Lena Lattwein, Svenja Huth und Sara Däbritz verloren ihren Stammplatz. Hrubesch kann noch beobachten, vor Olympia muss sich die Mannschaft noch in der EM-Qualifikation bewähren.

Auf jeden Fall hat die Nationalmannschaft wieder für den Frauen-Fußball geworben und ein bisschen Begeisterung zurück gebracht, über fünf Millionen Zuschauer verfolgten das entscheidende Spiel an den Fernsehschirmen. Jetzt beginnt der Alltag wieder, am Dienstag mit vier Spielen im Viertelfinale des DFB-Pokal (Hoffenheim – Wolfsburg, Leverkusens – Essen, Jena – Bayern, Frankfurt – Duisburg) und am Wochenende geht es in der Bundesliga weiter. Bei den Frauen ist es spannender als bei den Männern, Wolfsburg liegt nur einen Punkt hinter Tabellenführer München zurück, da darf sich keiner einen Ausrutscher leisten. Die Bayern-Mädchen stehen am Samstag (13 Uhr) mit dem Gastspiel beim Tabellendritten Frankfurt gleich vor einer großen Bewährungsprobe. Noch acht Spieltage stehen aus, wobei sich die Stimmen mehr, dass die Bundesliga mit derzeit nur zwölf Mannschaften unbedingt aufgestockt werden sollte, zumal sich auch in der zweiten Liga das Niveau verbessert hat. 16 Teams wären besser, dann gibt es acht Spieltage mehr und die Frauen-Bundesliga wäre dadurch mehr im Gespräch. Auch dies eine Notwendigkeit, um die gesteigerte Aufmerksamkeit am Leben zu erhalten.

Die Formel 1 hofft mit einem Rekordjahr auf ein Ende der Langeweile

Red Bull und Max Verstappen als schier unschlagbare Kombination und kein Ende? Die Motorsportfans wollen endlich wieder eine spannende Weltmeisterschaft in der Formel 1 erleben, aber vielleicht müssen sie sich ja noch ein wenig gedulden, bis es neue Regeln gibt und auch Audi eingreift. Die Bosse versuchen mit einem Rekordjahr die Langeweile zu beenden, 24 Rennen stehen erstmals auf dem Terminkalender. Mehr geht eigentlich nicht. Start ist ausnahmsweise an einem Samstag, am 2. März in Bahrain, das Finale am 8. Dezember in Abu Dhabi. Es rechnet keiner damit, dass dort erst die Entscheidung fällt.

Ungewöhnlich ist der Samstag als Renntag, er ist dem Ramadan, dem muslimischen Fastenmonat, geschuldet. Der beginnt am 10. März und deshalb wurde das Rennen in Saudi-Arabien um einen Tag auf Samstag vorverlegt. Da musste dann Bahrain mitziehen, weil die Regeln eine Woche Pause vorsehen. Vielleicht auch ein Zeichen für ein ungewöhnliches Rennjahr.

Ungewöhnlich ist zum Beispiel, dass es in diesem Jahr überhaupt keine Fahrerwechsel gegeben hat. So bleibt auch Nico Hülkenberg bei Haas der einzige deutsche Fahrer, er sitzt allerdings im schwächsten Auto. Ein Wechsel hat jedoch für Schlagzeilen gesorgt, aber Lewis Hamilton verlässt Mercedes erst nach dieser Saison, um dann für Ferrari zu fahren, angeblich ein Kindheitstraum von ihm. Spannend ist 2024 nur, ob Hamilton sich mit einem Kracher verabschiedet, ob die Saison im alten Rennstall, der ihn zum Seriensieger machte, reibungslos abläuft oder ihm George Russell vielleicht sogar den Rang abläuft. Anders wird es Ende des Jahres aussehen, wenn etwa die Hälfte der Verträge ausläuft.

Aber schon in diesem Jahr hoffen die Fans auf Mercedes, um die Red-Bull-Langeweile zu beenden. Frühzeitig haben Mercedes und die anderen Konkurrenten von Red Bull die Saison 23 abgehakt und sich dem neuen Boliden gewidmet. „Wir haben ein komplett neues Auto im Sinne der Fahrer“, behauptet Mercedes-Chef Toto Wolff. Nach einer Kampfansage klingt das noch nicht. Aber auch Ferrari spricht von einer Verbesserung und McLaren gilt als eine Art Geheimfavorit. Zumindest zum Start also ein bisschen Spannung. Vielleicht stellt sich aber Red Bull sogar selbst ein Bein, denn im Team herrscht keineswegs Friede, Freude, Eierkuchen, vor allem Boss Christian Horner ist angeschlagen, gegen ihn wird wegen „unangemessenen Verhaltens“ ermittelt.

Trotz Seriensiegen und Langeweile hat die Formel 1 international an Reputation gewonnen, vor allem der Markt in den USA wird beackert, da stehen drei Rennen an (Miami am 5. Mai, Austin am 20. Oktober, Las Vegas am 23. November). Auch die Deutschland können sich wieder mehr Fans auf die Rennen freuen, die nicht mehr nur bei Sky im Pay-TV verschwinden, RTL hat wieder Interesse und konnte sich mit Sky auf eine Co-Lizenz für sieben Rennen einigen. Start ist gleich in Bahrain, außerdem wird aus Ungarn (21. Juli), Belgien (28. Juli), den Niederlanden (25. August), Italien (1. September), Aserbaidschan (15. September) und Las Vegas übertragen. Die Daten lassen darauf schließen, dass der Sender auf Spannung zum Ende hin hofft. Die alte Kommentatoren-Mannschaft ist zurück, mit Moderator Florian König, Reporter Heiko Waßer, Experte Christian Danner und Kai Ebel in der Boxengasse. Auf ein Comeback eines Rennens in Deutschland müssen die Fans wohl noch lange warten. Es ist eine Geldfrage.

Ein paar Neuigkeiten gibt es auch, zum Beispiel nicht nur mehr Rennen, sondern auch mehr Sprintrennen, nämlich sechs. Geändert wurde dafür der Ablauf, die Sprint-Qualifikation gibt es am Freitag, das Sprintrennen folgt am Samstag und danach erst die Qualifikation für den Großen Preis am Sonntag. Ein harter Samstag also für Mechaniker und Fahrer. Das könnte eng werden: Jeder Fahrer darf nur noch drei statt vier Motoren einsetzen. Gewöhnen müssen sich die Fans auch an seltsame Markennamen. Sauber wartet auf Audi und tritt als „Stake F1 Team Kick Sauber“ an, die Red-Bull-Filiale heißt „Visa Cash App Racing Bulls“. Sollte ein Rennen langweilig sein, können die Zuschauer ja über die Namen diskutieren (oder lästern).

Eine heiße Fußball-Woche mit vielen Verlierern

Eine Schlagzeile jagte die andere, es was wirklich eine heiße Fußball-Woche, doch Begeisterung haben die Meldungen selten ausgelöst, ganz im Gegenteil, es gab Ernüchterung und Diskussionen, die anhalten werden. Eins steht auch fest: Es gab viele Verlierer und nur wenige Gewinner. Das Spiel selbst trat in den Hintergrund.

Verlierer ist zweifellos der deutsche Fußball und dabei in erster Linie die DFL, die sich mit der Rücknahme des Investorendeals dem Druck des Mobs unter den Fans gebeugt hat. Dabei haben die Funktionäre zu wenig bedacht, dass sie sich für die Zukunft erpressbar gemacht haben. Die DFL-Führung knickte ein, weil immer mehr Vereinsfunktionäre Angst vor den eigenen „Fans“ bekamen. Es flogen nicht nur Tennisbälle und Schokoladentalers auf den Rasen, offensichtlich gab es auch Drohungen gegen einige Vereinsfunktionäre. Die Angst ging um! Klar ist auch, die Fans haben sich der Erpressung schuldig gemacht, doch niemand klagt an!

Verlierer könnten die Ultras auf längere Sicht dennoch werden, auch wenn sie sich jetzt als Gewinner fühlen. Was wird mit dem Fußball der Zukunft? Die DFL wollte das Investorengeld in die Zukunftssicherung stecken, damit die Bundesliga im Ausland nicht nur attraktiv bleibt, sondern noch attraktiver wird. Ohne Geld keine Stars, ohne Stars keine Attraktivität. Am Ende verliert auch der nationale Fußball an Aufmerksamkeit und die Ultras den Fußball, den sie eigentlich sehen wollen (wenn sie überhaupt vor lauter Selbstbeschäftigung hinschauen). Die nächsten Erpressungsversuche stehen sogar im Raum, es wurde von den Ultras schon angedeutet, dass sie künftig gegen die Vereine vorgehen wollen, die eine Sonderregelung innerhalb des 50+1 genießen, also Leverkusen, Wolfsburg, Leipzig und Hoffenheim. Und wer weiß, was ihnen in Zukunft noch alles nicht gefällt. Wie wird die DFL auf weitere Erpressungsversuche reagieren?

Bayern sehnt das Saisonende herbei

Verlierer ist auch der FC Bayern München. Der Sport-Grantler hat schon einmal angemerkt, „die besten Jahre der Bayern sind vorbei“. Nach drei Niederlagen in Serie gelang jetzt mit dem 2:1-Sieg gegen Leipzig so etwas wie ein Comeback, aber eigentlich sehnen die Bayern das Saisonende herbei, denn im Sommer steht ein großer Umbruch an. Die Weichen wurden schon beim Trainer gestellt, der Verein und Thomas Tuchel werden sich am Saisonende trennen. Der Trainerstuhl wurde in München zu einem Schleudersitz, fast wie bei einem Abstiegskandidaten. Schuld sind aber auch Fehler in der Führung. Auffallend: Seit Jürgen Klopp 2015 in Liverpool anheuerte und eine Ära prägte, hatten die Bayern sieben (!) Trainer: Guardiola, Ancelotti, Heynckes, Kovac, Flick, Nagelsmann und Tuchel. Wer jetzt nachfolgen soll, wird vor allem Max Eberl entscheiden, der nach der Aufsichtsratssitzung am Montag wohl am 1. März seinen neuen Job als Sportvorstand antreten wird. Viele Namen sind im Gespräch, aber die Bayern haben große Konkurrenz, auch Liverpool und der FC Barcelona sind nämlich auf Trainersuche. Die Namen, die gehandelt werden: An erster Stelle Xabi Alonso (Leverkusen), schon schwächer die Rückkehr von Hansi Flick, aber auch Unai Emry (Aston Villa) oder sogar Roger Schmidt (Benfica Lissabon) sind im Gespräch. Selbst eine Rückkehr von Julian Nagelsmann steht im Raum.

Nicht in der Verlosung ist Jürgen Klopp, der bekanntlich nach der Saison eine Pause einlegen will. Pokale will er mit den „Reds“ dennoch gewinnen, am Sonntag war es der League-Cup in England. Van Dijk köpfte in der 118. Minuten sein Team zum 1:0-Sieg über Chelsea London. Es ist der 13. Titel für Klopp! Egal, wo er später anheuert, es wird ein Verein sein, wo weitere Pokale folgen.

Bei Bayern geht es aber auch um die Spieler, der Kader muss sich ändern, die einen haben die Erwartungen als Führungsspieler nicht erfüllt (Kimmich, Goretzka), die anderen bleiben trotz allen Talents in der Entwicklung stehen (Sané, Musiala, Davies, Upamecano). Die Bayern-Bosse sind sich einig: Frischer Wind muss in die Mannschaft. Dafür kann nicht nur ein neuer Trainer sorgen.

Der Sport selbst trat in den Hintergrund, aber die Bayern zeigten sich verbessert, konzentrierter und Harry Kane traf wieder und sicherte in der Nachspielzeit den Sieg. Der Bayern-Dusel ist zurück! Aber noch bleibt viel Luft nach oben. Tabellenführer Bayer Leverkusen scheint ein bisschen die Luft auszugehen, aber der Dusel bleibt und der Erfolg auch, zur Not wirft sich der gegnerische Torhüter den Ball selbst ins Netz (Zentner beim 2:1 gegen Mainz). Damit stellte Leverkusen mit 33 ungeschlagenen Spielen einen neuen Bundesliga-Rekord auf. Aber auch der künftige Meister steht vor einem heißen Sommer: Der Trainer könnte gehen und viele Spieler sind international gefragt. „Die heißeste Mannschaft Europas“ lautet eine Schlagzeile.

Verlierer gab es natürlich auch auf dem Rasen. Borussia Dortmund zum Beispiel, das sich beim 2:3 gegen Hoffenheim wieder einmal einen Schwächeanfall leistete. Verlierer waren sogar Klubs, die unentschieden spielten. So Frankfurt und Wolfsburg nach dem 2:2 im direkten Vergleich, denn die Eintracht ist jetzt sechs Spiele ohne Sieg, der VfL sogar acht Spiele in der Bundesliga. Beide Trainer wackeln! Auch Schlusslicht Darmstadt fühlte sich beim 1:1 in Bremen als Verlierer, erzielte es doch vier Tore! Ein Eigentor half Werder, aber nicht hinnehmen mochte man, dass der VAR den möglichen Siegtreffer wegen Hand annullierte. Der Arm war angelegt, aber die Regel ist eindeutig: Bei einem Torerfolg darf der Ball nicht mit Hand oder Arm berührt werden. Man kann die Regel schwachsinnig nennen, aber wie sich Darmstadts Trainer Torsten Lieberknecht aufgeführt hat, gehört in diese Kategorie. Immerhin ist diese Regel wenigstens eindeutig, im Gegensatz zu vielen anderen, wo der Willkür Tür und Tor geöffnet sind.

Nagelsmann kündigt Überraschungen an

Verlierer gibt es auch bei der Nationalmannschaft, auch wenn die Nachricht, dass Toni Kroos vom Rücktritt zurück tritt und für die EM zur Verfügung steht eher als Gewinn erscheint. Ein Wunderheiler ist der Real-Regisseur aber nicht. Doch beim Nationalteam wird es Verlierer geben, zumal Julian Nagelsmann Überraschungen ankündigt: „Es wird der eine oder andere nicht nominiert werden, von dem viele denken, der sei sicher dabei“. Am 14. März will er das Aufgebot für die Spiele gegen Frankreich (23.3. in Lyon) und die Niederlande (26.3. in Frankfurt) veröffentlichen. „Einfache Spielidee und mehr Mentalität“ ist der Plan des Bundestrainers. Wer muss also im Mittelfeld weichen? Kimmich rückt auf rechts, Gorotzka wohl auf die Ersatzbank, Pascal Groß wird wohl die Rückendeckung für Kroos spielen. Nagelsmann muss dann auch noch die Frage beantworten, wo Gündogan, Wirtz und Musiala spielen. Sané ist noch gesperrt.

Letzte Chance für die Frauen

Verlierer waren auch die Frauen bei der ersten Chance, sich für die Olympischen Spiele in Paris zu qualifizieren. Die 1:2 gegen Frankreich war unnötig, die Leistungen in der ersten Halbzeit schwach. Frankreich erreichte damit das Finale der Nations League gegen Spanien, das die Niederlande mit 3:0 besiegte. Nun spielen die beiden Verlierer am Mittwoch in Heerenveen um Platz drei und das letzte Ticket für Olympia. Horst Hrubesch erlebte in seinem 13. Spiel als Frauen-Trainer seine erste Niederlage, ein zweite soll nicht folgen, aber Umstellungen gegenüber der Startelf vom Freitag, denn in der zweiten Halbzeit wurde es mit Lohmann, Brand und Däbritz besser. Bei einer Niederlage würde die Amtszeit von Hrubesch enden, bei einem Sieg würde er die Mädchen auch bei Olympia betreuen. Auffallend, dass nur rund drei Millionen Zuschauer das Spiel gegen Frankreich im ZDF verfolgten, die Euphorie rund um den Frauen-Fußball schwächt sich offensichtlich wieder ab.

Viel Interesse findet aber die neue Saison in der Formel 1, die am Sonntag, 3. März, mit dem ersten Rennen in Bahrain beginnt. Dazu mehr in einem weiteren Blog im Laufe der Woche.

Die Bayern sind für alle ein Rätsel – auch für sich selbst!

Die Karikatur erschien vor dem Wochenende, aber sie behielt ihre Gültigkeit: Verunsicherte Bayern-Spieler klagen, „mir san gar nicht mehr mia“. In der Tat, das berühmte „mia san mia“ als Ausdruck des besonderen Selbstbewusstseins ist verloren gegangen. Drei Niederlagen innerhalb einer Woche, 0:3 in Leverkusen, 0:1 bei Lazio Rom und jetzt 2:3 in Bochum, die Meisterschaft verspielt, im Pokal frühzeitig blamabel ausgeschieden, in der Champions League droht das Aus im Achtelfinale – was ist los in München? Die Bayern sind für alle ein Rätsel – auch für sich selbst! Und was ist mit Trainer Thomas Tuchel los? Er macht Fehler und zeigt sich hilflos! Die Bilanz für 2024 ist erschreckend: In acht Spielen nur zwölf Treffer, dreimal torlos geblieben.

Die Bayern in Not, ein Pleite-Jahr droht. Die Gründe für den Absturz sind bekannt, der Unterschied zu Tabellenführer Bayer Leverkusen ist eklatant: Bayer hat einen überragenden Trainer und sich im Sommer gezielt verstärkt, alles passt. Bei „Bayern“ hängt ein „n“ dran, ein „n“ für „Nichts“. Die letzten Transferperioden endeten im reinsten Chaos. Nach der Entlassung von Jürgen Nagelsmann ist der neue Hoffnungsträger Thomas Tuchel bis heute nicht richtig angekommen. Es begann mit einem Aus in der Champions League und endete mit einer überaus glücklichen Meisterschaft, die manche Probleme überdeckte. Jetzt treten sie aber deutlich zutage: Es fehlt die prägnante Führung im Verein und bei der Mannschaft. Der Hilferuf richtet sich vielleicht an Uli Hoeneß, dem „Macher“ und Ehrenpräsidenten, der die richtige Nase hatte, nicht nach Bochum reiste, sondern beim Basketball ein Erfolgserlebnis feierte: Seine Bayern wurden Deutscher Pokalsieger! Also doch ein Titelgewinn.

Aber im Fußball? Kann man sich abschminken. Bayer hat acht Punkte Vorsprung und außerdem einen alten Bayern-Rekord eingestellt: 32 Spiele ungeschlagen, das schafften die Münchner von Dezember 2019 bis September 2020 unter Hansi Flick. Der einstige Erfolgstrainer, der mit Bayern alles gewann, wird jetzt als möglicher Tuchel-Nachfolger ins Gespräch gebracht, er könnte der neue Jupp Heynckes als Helfer in der Not werden. Zwei Dinge sprechen dagegen: Beim Flick-Abgang gab es nicht nur Streit mit der Führung, sondern auch erste Risse mit dem Team und bei DFB-Elf brachte er die Bayern-Stars auch nicht in Form. Zudem wollen die Bosse weg vom ständigen Trainerwechsel, vielleicht aber warten, bis der neue Sportdirektor, der allem Anschein nach Max Eberl heißen wird, am 1. März seine Arbeit aufnimmt und dann entsprechende Entscheidungen trifft. Wenn es dann nicht schon zu spät ist. Tuchel könnte mit dem Spitzenspiel gegen Leipzig am Samstag eine letzte Chance erhalten. Aufstellungsprobleme aber werden bleiben, jetzt fiel mit Mazraoui der letzte Rechtsverteidiger verletzt aus , Pavlovic fehlte erkrankt, Sané saß angeschlagen zuerst auf der Bank. Die Notlösung hieß Upamecano, doch der ist völlig von der Rolle, kassierte seine zweite Rote Karte im zweiten Spiel hintereinander – neuer Rekord bei den Bayern. Es gibt viele Rätsel, aber kaum Lösungen. Nur für Upamecano – der ist gesperrt.

Alles redet von den Bayern, im Schatten trumpft der VfB Stuttgart weiter auf, liegt nur noch vier Punkte hinter den Münchnern, aber sechs vor Leipzig auf Rang sechs. Werder Bremen schwamm auf einer Erfolgswelle nach oben und macht Frankfurt und Freiburg einen Platz in Europa streitig. Am Tabellenende hat sich Union Berlin erholt, dagegen stürzten Gladbach und Augsburg ab. Sicher dürfen sie sich nicht mehr sein, auch Mainz 05 gab mit dem neuen Trainer beim 1:0 über den FCA ein Lebenszeichen von sich. Der Däne Bo Henriksen brachte Schwung in den Laden.

Ultras haben Bundesliga im Griff

Der Bundesliga-Fußball wird weiterhin von den Fan-Protesten überschattet, der auch neue Varianten aufweist. So gelangten sogar ferngesteuerte Autos auf den Rasen und außerdem tauchten kleine Flieger auf, um den Spielbetrieb zu unterbrechen. Tennisbälle und andere Gegenstände flogen weiterhin, bei fast allen Spielen gab es lange Unterbrechungen. Ausnahme St. Pauli: Dort beschränkten sich die Fans auf Proteste auf den Tribünen.

Die Ultras haben die Bundesliga im Griff, aber das Verständnis dafür bröckelt immer mehr. Die „normalen Fans“ wollen diese Unterbrechungen, verbunden mit langen Spielzeiten, nicht mehr hinnehmen, Trainer und Spieler klagen darüber, dass sie aus dem Rhythmus kommen. Die Fans können sogar der eigenen Mannschaft schaden. Dortmunds Coach Edin Terzic baute als erste Maßnahme die Pausen in sein Trainingsprogramm ein. Die DFL zeigt keine Führung, müsste ein Machtwort sprechen und die Vereine zu mehr Sicherheit anhalten. Die Ultras haben andererseits an Sympathie für den Protest gegen Investoren verloren, weil sie keine Gesprächsbereitschaft zeigen. Anders kann man zu keiner Lösung kommen. Die Vereine müssen aufpassen, dass sie die Macht nicht an die Ultras verlieren, die schon für den Wegfall der Montagspiele sorgten. Also bitte: Ende mit den unsäglichen Unterbrechungen!

Keine Proteste gibt es auf Europas Bühne. Die Bayern (0:1 in Rom) und Leipzig (0:1 gegen Real Madrid) starteten mit Niederlagen in die Champions League, Borussia Dortmund soll es am Dienstag bei PSV Eindhoven besser machen. Freiburg (0:0) in Lens und Frankfurt (2:2 bei St. Gilloise) haben alle Chancen für die Rückspiele am Donnerstag in Europa League bzw. Conference League, doch leicht wird es für beide nicht. Gibt es keine Erfolge, verliert die Bundesliga immer mehr an Boden in der UEFA-Rangliste.

Wer Protesten in der Bundesliga aus dem Weg gehen will, sollte sich den Frauen zuwenden, die aber am Wochenende pausieren, weil die Nationalmannschaft vor dem wichtigsten Spiel des Jahres steht. Am Freitag (21 Uhr) geht es in Lyon im Halbfinale der Nations League gegen Frankreich um das Ticket für die Olympischen Spiele im Sommer in Paris. Bei einer Niederlage bleibt noch eine Chance am Mittwoch im Spiel um Platz drei gegen den Verlierer der Partie Spanien – Niederlande, weil Frankreich als Gastgeber qualifiziert ist. „Wir wollen nach Olympia“, wird Bundestrainer Horst Hrubesch deutlich, aus eigenem Erleben kann er den Mädchen erzählen, wie toll Olympia ist. „Wir werden alles reinpacken“, verspricht er. Im Aufgebot fehlen überraschend die zuletzt festen Größen Lena Lattwein und Lena Magull, „beide haben sich nicht empfohlen“, bemerkt der Trainer. Mit dabei ist Lena Oberdorf, die besondere Schlagzeilen machte, sie wechselt im Sommer vom VfL Wolfsburg zu Bayern München, das mit einem 2:0-Sieg gegen Essen die Tabellenführung in der Bundesliga verteidigte. Noch ein Erfolgserlebnis für die Bayern.

Auf und Ab im Biathlon

Mit seiner Einschätzung, dass die Biathlon-WM zu einem Glücksspiel werde, lag der Sport-Grantler genau richtig. Schwierige Wetterverhältnisse mit unterschiedlichen Loipen sowie Wind sorgten für die Athleten für ein Auf und Ab. Vor allem die Präpierung der Ski wurde zu einer Lotterie. Die Ausnahmen bildeten Frankreich bei den Frauen und Norwegen bei den Männern, die ihre Wettbewerbe dominierten. Nur sechs Nationen konnten Medaillen gewinnen, Frankreich war dabei die Nummer 1 mit 13 Medaillen (6 Gold, 1 Silber, 6 Bronze) vor Norwegen mit 12 (4 Gold, 5 Silber, 3 Bronze). Überragender Athlet war Johannes Thingnes Bö, der bei allen Starts eine Medaille gewann und mit 20 WM-Titeln den Rekord der Biathlon-Legende Ole Einar Björndalen einstellte.

Die deutsche Mannschaft gewann wie im Vorjahr in Oberhof drei Medaillen, allerdings war kein Gold dabei. Die große Überraschung war Silber von Janina Hettich-Walz im Einzel, als sie buchstäblich Turboski unter den Füßen hatte. Zweimal Bronze gab es für Benedikt Doll im Einzel, als er ein norwegisches Siegerpodest verhinderte, und die Frauen-Staffel. Da fehlte wieder einmal Pechvogel Franziska Preuß erkrankt, allerdings sicherte ihr Ersatz Sophia Schneider nervenstark mit dem letzten Schuss den dritten Platz. Das Auf und Ab war bei den Deutschen besonders eklatant, einmal waren die Ski schnell, dann wieder extrem langsam. „Ich kam einfach nicht vorwärts“, klagte einmal Vanessa Voigt, erkannte aber auch „vielleicht stimmt auch die Form nicht ganz“. Wohl ein gültiges Fazit für das ganze Team.

Nach ein paar Tagen Pause geht es am 29. Februar in Oslo weiter, danach stehen die abschließenden Wettbewerbe in Übersee an und zwar vom 8. bis 10. März in Soldier Hollow (Utah/USA) und das Finale vom 14. bis 17. März in Canmore (Alberta/Kanada).

Aus Vizekusen wird ein Titelhamster! Und was wird aus Tuchel?

Wachablösung!!! Mit einer wahren Demontage machte Bayer Leverkusen Dauermeister Bayern München deutlich, dass die Titelserie zu Ende ist. Wer den für die Bayern peinlichen 3:0-Sieg von Leverkusen gesehen hat, kann sich nicht vorstellen, dass Trainer Xabi Alonso und seine Mannen diese einmalige Chance nicht nutzen. Es war eine vorentscheidende Woche für Bayer und sie haben sie auf der ganzen Linie genutzt. Mit ein bisschen Glück und viel Können. Am Dienstag zogen sie mit einem 3:2 gegen den VfB Stuttgart (mit einem Treffer von Tah in der 90. Minute!) ins Pokal-Halbfinale ein, am Samstag stellten sie die Weichen für den Gewinn der Meisterschaft. Aus dem einst verhöhnten Vizekusen (der ewige Zweite) wird nun ein Titelhamster, denn in der Europa League gehört Bayer mit diesen Leistungen auch zum Favoritenkreis.

Das „Spiel der Spiele“ in der Bundesliga wurde zuerst zu einem taktischen Schlagabtausch der Trainer. Alonso wollte die Bayern „spiegeln“ und baute auf Viererkette um, Thomas Tuchel wollte Bayer „spiegeln“ und setzte erstmals auf Dreierkette. Alonsos Rechnung ging auf, Tuchels nicht. Die Bayern-Abwehr machte Fehler, deutlich beim 1:0 durch Josip Stanicic. Andrichs scharfer Pass ging durch die gesamte Abwehrreihe, Stanicic stand allein und hatte keine Mühe. Ausgerechnet Stanicic. Der 23-jährige gebürtige Münchner, der für Kroatien spielt, hatte zu wenig Einsatzzeiten bei Bayern, ließ sich nach Leverkusen ausleihen und wurde Alonsos Trumpfkarte als rechter Verteidiger. Für 30 Millionen Euro holten die Bayern den Franzosen Sache Boey als Ersatz, der heillos überfordert war. Die vielen fehlgeschlagenen Transfers der letzten Monate wurden für die Münchner schmerzlich deutlich.

Überfordert ist anscheinend auch Trainer Thomas Tuchel, denn angesichts der (Nicht)Entwicklung der Mannschaft, fragt man sich: Was wird aus Tuchel? Immer wieder hat das Team unerklärliche Aussetzer, kassierte die dritte Niederlage nach ebenso peinlichen 1:5 in Frankfurt und dem 0:1 daheim gegen Bremen. Leverkusen ist noch ungeschlagen! Tuchel brachte viel zu spät die erfahrenen Thomas Müller und Joshua Kimmich und unisono beklagten hinterher Tuchel und Müller, dass die Mannschaft im Training ein ganz anderes Gesicht zeige. „Leverkusen spielt befreit auf, wir sind zu verkopft, trauen uns nichts“, hat Thomas Müller erkannt. Was auch heißen kann: Die vorgegebene Taktik von Tuchel kommt nicht an, es wird zu viel überlegt. Statistiken sprechen eine deutliche Sprache: Erstmals seit 30 Jahren hatten die Bayern keine echte Torchance, ganze 18 Ballkontakte hatte Torjäger Harry Kane, der von Bayer buchstäblich kalt gestellt wurde. Überhaupt lahmt die Offensive der Bayern, das „mia san mia“ ist nicht erkennbar. Und ausgerechnet in dieser Phase der Unsicherheit verzichtet der Trainer mit Müller auf seinen erfahrensten Spieler. Das sagt alles.

Der Weg für Leverkusen zur ersten Meisterschaft ist frei, man kann sich nicht vorstellen, dass die Mannschaft einen Einbruch erlebt. Die Bayern hoffen natürlich, es klingt wie das Pfeifen im dunklen Wald, wenn sie sich Mut machen „fünf Punkte kann man aufholen, haben wir schon gemacht“. Von den anderen Konkurrenten scheint es sowieso keine Gefahr für den Tabellenführer zu geben, von Stuttgart über Dortmund bis Leipzig haben sie alle nur die Champions League als Ziel, wobei der Außenseiter VfB nicht gewillt scheint, den Favoriten den Weg frei zu machen. Im Pokal trifft Bayer im Halbfinale auf Fortuna Düsseldorf, Kaiserslautern erwartet den Sieger des abgesagten Spiels Saarbrücken/Gladbach.

Die Sache mit einer Ausleihe der Spieler werden nicht nur die Bayern überdenken, auch Bremen wunderte sich. Ausgerechnet der verliehene Stürmer Eren Dinkci war der entscheidende Spieler beim 1:2 gegen Heidenheim, dazu traf noch der Ex-Bremer Niklas Beste. Pech gehabt. Der Aufsteiger ist damit seit acht Spielen ungeschlagen und befindet sich mit Rang neun in der oberen Hälfte der Tabelle. Es gibt aber auch noch andere bemerkenswerte Serien. Hoffenheim wartet nach dem 1:1 gegen Köln seit sieben Spielen auf einen Dreier. Der Vorletzte Mainz wird den Abstieg nicht verhindern können, wenn er auswärts nicht auch mal gewinnt, das schaffte er als einziger Verein bisher nicht. Der neue Trainer Jan Siewert kann sowieso nicht gewinnen, unter seiner Regie blieb Mainz elfmal sieglos. Da kündigt sich ein neuer Trainerwechsel an. Andere Sorgen hat Augsburgs Torhüter Finn Dahmen, der einen Rekord hält, den er sicher nicht haben wollte: In seinen bisher 34 Bundesliga-Spielen blieb er nie ohne Gegentor! Immerhin hielt er einen Elfmeter und sicherte dem FCA damit beim 2:2 gegen Leipzig den ersten Heimpunkt 2024.

In Sachen Trainer hat der Hamburger SV in der 2. Bundesliga bereits Nägel mit Köpfen gemacht. Sportdirektor Jonas Boldt und der Vorstand haben die Nase voll vom ständigen Auf und Ab unter Trainer Tim Walter. Der ersehnte Aufstieg scheint einmal nah, dann wieder fern und nach der erneuten vogelwilden 3:4-Heimpleite gegen Hannover war das Fass übergelaufen, Walter wurde am Montag entlassen. Eine schon längst notwendige Entscheidung, zumal mit Steffen Baumgart, der zuletzt in Köln gute Arbeit geleistet hat, ein Mann zur Verfügung steht, der schon vor zweieinhalb Jahren Kandidat beim HSV war und Sympathien für den Verein öffentlich kundtat.

Die DFL muss Härte zeigen

Die Proteste der Ultras in den Bundesliga-Stadien sind nur noch nervig. Aus Ablehnung eines Einstiegs von Investoren werfen sie Gegenstände (bevorzugt Tennisbälle) auf den Rasen, um Spielunterbrechungen zu erzwingen. Das geht bis kurz vor dem drohenden Abbruch des Spiels. Sie skandieren „Ihr macht unseren Sport kaputt“, übersehen aber, dass ihnen der Fußball keineswegs gehört, sie sind Gäste! Trainer und Spieler haben schon deutlich geäußert, „eher gehört der Fußball doch uns“. Wie besitzergreifend die Protestes sind, zeigt sich daran, dass eine Minderheit auf die Mehrheit in den Stadien (und an den Bildschirmen!) keine Rücksicht nimmt.

Die DFL muss deshalb Härte zeigen und Maßnahmen ergreifen, diese unsinnigen Proteste zu unterbinden. Im Rahmen der Meinungsfreiheit können sich die Ultras selbstverständlich äußern, aber dieses Machtgehabe geht zu weit. Eine Einladung zu einer Diskussion lehnen sie ab, sie fordern dagegen eine Wiederholung der Abstimmung. Das darf auf keinen Fall passieren, denn dann wären alle künftigen Abstimmungen ebenfalls mit einem Fragezeichen zu versehen. Die Vereine müssen verhindern, dass weiterhin Gegenstände auf dem Rasen landen. Übrigens: Bei Spielabbruch kann die Mannschaft, deren Fans für den Abbruch sorgen, mit Punktabzug bestraft werden, evtl. sogar beide Teams! Wollen das die Protestler wirklich?

Europas Bühnen öffnen wieder

In dieser Woche geht es auch auf Europas Bühnen weiter. Start ist am Dienstag mit den ersten Spielen des Achtelfinales der Champions League. Die acht Begegnungen sind auf zwei Wochen verteilt, jeweils am Donnerstag werden auch die Play-Off-Runden der Europa League und Conference League ausgetragen. Den Auftakt der Bundesligisten macht am Dienstag RB Leipzig, das Real Madrid empfängt. Natürlich ist der Tabellenführer aus Spanien klarer Favorit, RB öffnet sich aber vielleicht eine kleine Chance durch Verletzungsprobleme des Gegners, der u. a. auf Rüdiger verzichten muss. Bayern München greift am Mittwoch ein und gastiert bei Lazio Rom, dem Tabellenachten der Serie A, der allerdings aus den letzten sieben Spielen fünf Siege und ein Remis holte. Für die Bayern ist die Champions League wohl die letzte Chance auf einen Titelgewinn, zumindest das Halbfinale wird als Ziel ausgegeben. Die Statistik spricht für die Bayern, die schon einmal Lazio ausgeschaltet haben und seit 2011 in zwölf Spielen gegen Teams aus Italien ungeschlagen blieben (10 Siege, 2 Remis). Dagegen hat Lazio zuletzt fünf von sechs Duellen gegen Bundesligisten verloren.

Zur Erinnerung die Spiele: Champions League: Dienstag, 13.2.: Kopenhagen – Manchester City, Leipzig – Real Madrid. Mittwoch, 14.2.: Paris – Real Sociedad, Lazio Rom – Bayern. Dienstag, 20.2.: Inter Mailand – Atletico Madrid, Eindhoven – Dortmund. Mittwoch, 21.2.: Porto – Arsenal London, Neapel – FC Barcelona (alle Spiele 21 Uhr, Rückspiele am 5./6. März). Europa League: Donnerstag, 15.2. u. a. Lens – Freiburg (21 Uhr). Rückspiele am 22.2. – Conference League: Donnerstag, 15.2. u. a. St. Gilloise – Frankfurt (18.45 Uhr). Rückspiele am 21./22.2.

Titel oder nicht – Tage der Weichenstellung für das ungeschlagene Leverkusen

Elf Meisterschaften in Serie – Bayern München sorgte für Langeweile in der Bundesliga. Die Nummer 12 hängt allerdings in der Luft, mit der Langeweile ist es vorbei, die Bayern haben einen ernsthaften Konkurrenten. Er heißt allerdings nicht Borussia Dortmund oder RB Leipzig, sondern Bayer Leverkusen, die Überraschungsmannschaft der Saison. Im Vorjahr lag Bayer nach acht Spieltagen noch auf einem Abstiegsplatz, dann kam Xabi Alonso. Der Spanier startete als neuer Trainer mit einem 4:0-Sieg gegen Schalke und erweckte Leverkusen zu neuem Leben, am Ende war das Team Sechster und für die Europa League qualifiziert. Der Aufschwung hält an, Bayer ist als einzige Mannschaft der großen Ligen in Europa in allen Pflichtspielen noch ungeschlagen und hat deshalb drei Titelgewinne im Visier. Die Frage „ob Titel oder nicht“ wird zum Teil in dieser Woche beantwortet. Es sind die Tage der Weichenstellung für Leverkusen: Am Dienstag im Pokal gegen Stuttgart und am Samstag das „Spiel der Spiele“ in der Bundesliga gegen Bayern München. Xabi Alonso und seine Schützlinge können viel gewinnen, aber eben auch viel verspielen.

„Ganze Konzentration auf Stuttgart“ heißt es logischerweise zunächst bei Bayer, die Fans schauen aber mehr auf den Samstag. Gewinnt allerdings Leverkusen am Dienstag, ist man dem ersten Titel schon ganz, ganz nahe, denn nach Stand der derzeitigen Form ist das Duell mit dem VfB das vorgezogene Endspiel. Die Zweitligisten sorgten für die Überraschungen, die Erstligisten bleiben dennoch die Favoriten. Der 1. FC Kaiserslautern (3:1 bei Hertha BSC Berlin) und Fortuna Düsseldorf (2:2/4:3 n. E. bei St. Pauli) haben sich überraschend für das Halbfinale bereits qualifiziert. In der zweiten Woche sind jetzt die Bundesligisten dran, wobei Borussia Mönchengladbach in Saarbrücken bestehen muss. Der Drittligist hat bekanntlich u. a. Bayern München ausgeschaltet. Die Borussia ist also gewarnt. Vielversprechend allerdings die Partie am Dienstag mit zwei Teams, die ihre Stärke in der Offensive und im schnellen Spiel haben. Dazu die Frage der Woche: Erleidet Bayer seine erste Niederlage?

Mehr im Mittelpunkt steht aber das Bundesliga-Spitzenspiel. Gibt es da für Leverkusen die erste Niederlage, dann wäre das gleichbedeutend mit dem Verlust der Tabellenführung, die Meisterschaft aber wäre noch lange nicht entschieden. Mehr unter Druck stehen natürlich die Münchner, die bei einer Niederlage mit fünf Punkten Rückstand hinterher hecheln müssten. Im Hinspiel in der Allianz-Arena gab es beim 2:2 keinen Sieger. Beide zeigten zuletzt unterschiedliche Spiele: Leverkusen schwungvoll, Zweckfußball bei den Bayern.

Es ist ein Duell der Superlative, noch nie hatten die ersten zwei Teams 102 Punkte geholt, die Bayern sind der beste Zweite aller Zeiten. Die Konkurrenz bleibt weit zurück, in der Tabelle der Dritte Stuttgart bereits zehn Punkte hinter den Bayern. Aussagekräftig ist auch die Statistik der Fachzeitung kicker: Die fünf besten Spieler nach kicker-Noten kommen aus Leverkusen (Wirtz, Kassounou, Grimaldo, Tah, Palacios)! Dahinter die Bayern Kane und Sané, die sich in der Scorerliste revanchieren und da die Rangliste mit 30 bzw. 20 Punkten anführen. Die Bayern haben allerdings mit Verletzungen zu kämpfen (jetzt fällt auch Davies aus), Bayer kann dagegen mit Rückkehrern vom Afrika-Cup die Abwehr verstärken. Die mit Gelb gefährdeten Spieler haben die Vorwoche überstanden, Xhaka beim 2:0 in Darmstadt auf der einen und de Ligt bzw. Sané auf der anderen Seite sind dabei. Gelbsperren werden jetzt immer mehr alle Spiele beeinflussen.

Das „Spiele der Spiele“ ist aber auch ein Duell der Jungstars. Auf den ersten Blick die beiden 20-jährigen Florian Wirtz und Jamal Musiala, die Hoffnungsträger des deutschen Fußballs. Inzwischen gesellt sich allerdings überraschend ein 19-Jähriger hinzu, durch die Verletzungsmisere bei den Bayern ging nämlich der Stern von Aleksandar Pavlovic auf, er beeindruckt die Fachwelt und lässt im Mittelfeld sogar Joshua Kimmich nicht vermissen. Ein Wink auch für Bundestrainer Julian Nagelsmann! Der gebürtige Münchner lebt wirklich ein Märchen mit seinem Weg vom Balljungen zum Bundesliga-Star. Er sorgte dafür, dass die Bayern in die Erfolgsspur zurückkehrten, ein weiterer Faktor beim 3:1 gegen Gladbach war Thomas Müller, zuletzt meist nur auf der Bank. Jetzt spielte er von Anfang an, war an zwei Toren entscheidend beteiligt und feierte seinen fast unglaublichen 500. Sieg im 690. Spiel. Das gab es in der Bundesliga noch nie. Da kann Trainer Thomas Tuchel auch in Leverkusen nicht an dem Routinier vorbei. Müller scherzt: „Ich würde mich aufstellen.“ Münchens Trainer hat aber noch eine andere Baustelle aufgemacht mit einer Diskussion mit den Medien, er fühlt sich hintergangen und unberechtigt kritisiert. Ein Ärgernis konnte er nicht abstellen, die Zeitung mit den vier großen Buchstaben veröffentlicht nach wie vor Internas aus der Bayern-Kabine, so soll Tuchel den Spielern vorgeworfen haben „Ihr gebt mir keine Energie“. Es wird suggeriert, Teile der Mannschaft stellen sich gegen den Trainer. Keine guten Voraussetzungen vor dem Spitzenspiel.

Schlagzeilen machten in allen Stadien auch die Fans, die weiterhin als Protest gegen die Investoren-Entscheidung der DFL für Unterbrechungen sorgen. Am Schlimmsten war es bei Hertha in der 2. Bundesliga, als das Spiel (1:2 gegen HSV) für 32 Minuten unterbrochen war, weil laufend Tennisbälle auf das Spielfeld geworfen wurden. Ein Abbruch war nahe. Wobei die Hertha-Fans vergessen, dass mit Lars Windhorst ein Investor mit über 300 Millionen Euro den Vereine ebenso gerettet hat wie jetzt der Vertrag mit „777 Partners“, ein Investor, wie er von der Tribüne bekämpft wird! Die Fans lassen die Herzen sprechen, vergessen aber die Vernunft.

Sportlich fiel vor allem der 1. FC Köln auf, der mit einem 2:0 gegen Frankfurt mit einer jungen Mannschaft in die Erfolgsspur zurück fand. Seinen ersten Sieg 2024 bejubelte auch RB Leipzig beim 2:0 gegen Union. Im Abstiegskampf ist wieder Leben, wobei das Nachholspiel am Mittwoch in Mainz besondere Brisanz genießt. Sollte Gegner Union Berlin gewinnen, hätten Mainz und Darmstadt mit elf Punkten auf den Abstiegsplätzen endgültig den Kontakt zum rettenden 15. Platz verloren.

Glücksspiel Biathlon-WM

Bei den deutschen Fernsehzuschauern ist nach wie vor Biathlon der beliebteste Wintersport. Entsprechend im Mittelpunkt steht deshalb auch die Weltmeisterschaft in Nove Mesto (Tschechin), die am Mittwoch beginnt und bis Sonntag, 18. Februar, dauert. Die deutsche Mannschaft will sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern vorne mitmischen, doch die WM wird auch ein Glücksspiel. Da ist zuerst das Wetter, die Aussichten sind für Biathlon ungünstig mit viel Wind, teilweise sogar starken Böen. Zudem dürfte das Wachsen bei unterschiedlichen Temperaturen zum Glücksspiel werden. Bisher hatten meist die Norweger die besten Ski. Dennoch, ganz chancenlos sind die deutschen Athleten nicht, wenn es denn auch mit dem Schießen klappt.

Bei den Männern stellt sich die Frage nach den Siegern kaum, im Zweifel ein Norweger, meist der überragende Johannes Thingnes Bö, der im Weltcup führt. Da sind gleich sechs Norweger vorn und dies zudem an allen Disziplinen. Hoffnungsfunken: Deutschland ist in der Nationenwertung die Nummer zwei, Benedikt Doll (8.), Johannes Kühn (9.), Philipp Nawrath (11.) und Justus Strelow (12.) sind alle in der Gesamtwertung vorn dabei. Außerdem schafften Roman Rees und Philipp Horn den Sprung ins WM-Aufgebot. Vier Saisonsiege konnten schon gefeiert werden.

Vergessen wir nicht, dass beim Saisonstart Philipp Nawrath das Gelbe Trikot trug. Dies tat auch Franziska Preuß, die größte Hoffnungsträgerin bei den Frauen. Bei ihnen gibt es keine dominierende Nation, ergo mehr Spannung. Allerdings führt auch hier mit Ingrid Landmark Tandrevold eine Norwegerin die Gesamtwertung an, aber danach ist es gemischt. Preuß fiel zwischendurch wieder wegen Krankheit aus, ist aber Achte, Vanessa Vogt Elfte. Neben Janina Hettich-Walz und Sophia Schneider gehören zwei Nachwuchstalente zum WM-Kader, Selina Grotian und Johanna Puff haben aber im Weltcup noch nicht überzeugt. Sollte es Ausfälle geben, könnte das die Erfolgsaussichten in der Staffel mindern. Die Staffeln gehören bei Männern und Frauen zu den Disziplinen, wo besonders auf Medaillen gehofft wird.

Für Spannung ist also gesorgt, gute TV-Zuschauerzahlen sollte es auch geben, die Startzeiten sind meist am Spätnachmittag um ca. 17.00 Uhr, so dass schon einige Fans die Wettbewerben am Bildschirm verfolgen können. Los geht es am Mittwoch (17.00 Uhr) mit der Mixed-Staffel, der Schlusstag am Sonntag, 18. Februar, bringt die interessanten Massenstarts der Frauen (14.05 Uhr) und Männer (16.20 Uhr).