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Jürgen Klopp macht Europas Fußball nervös

Die Meldung traf ein wie eine Bombe, als Jürgen Klopp am Freitag verkündete, dass er im Sommer seinen Job als Trainer beim FC Liverpool vorzeitig aufgebe. Die Begründung ist nach neun Jahren bei den „Reds“ nachvollziehbar: „Ich bin ausgebrannt, ich brauche dringend eine Pause“. Der 56-Jährige ist in Liverpool eine Ikone. Er brachte den Erfolg zurück, schenkte dem Verein und vor allem den Fans 2020 nach 30 Jahren Wartezeit wieder die Meisterschaft, gewann das Jahr zuvor bereits die Champions League und holte 2022 den FA-Cup. Angesichts dieser Erfolge wurde Klopp 2019 und 2020 zum Welttrainer gewählt. Der Erfolg war sein Begleiter, schon vorher bei Borussia Dortmund. In der Premier League erreichte er einen Punkteschnitt von 2,12 und holte in 466 Pflichtspielen 283 Siege. Eine besondere Ära geht auch für Liverpool zu Ende.

Jürgen Klopp sprach zwar davon, dass er ein Jahr Pause einlegen will, aber Europas Fußball wurde dennoch nervös. Welcher Verein kann den Erfolgstrainer an Land ziehen? In Liverpool machen sie sich vor allem Gedanken, wer Nachfolger werden kann. Schon im November teilte Klopp dem Verein mit, dass er seinen bis 2026 laufenden Vertrag vorzeitig beenden wird. Bei der Vertragsverlängerung 2022 riet ihm seine Frau zu einer Verlängerung, obwohl sie zuvor eigentlich an einen Abschied aus England dachte, damit ihr Mann wieder mehr Zeit für sie hat. Jetzt sollte dies bald der Fall sein, wenn sich Klopp nicht umstimmen lässt (und seine Frau).

Aber es geht nicht nur um die großen Vereine in Europa (Real Madrid, FC Barcelona, Bayern München) die für Klopp in Frage kommen, sofort wurde auch das Amt des Bundestrainers in Deutschland ins Gespräch gebracht. Wäre eigentlich eine Win-Win-Situation: Weniger Stress und mehr Zeit für Klopp und die Ideallösung für den DFB.

Die Trainer-Frage einiger Vereine wird die Öffentlichkeit jetzt über Monate hinweg beschäftigen, die Gerüchte werden ins Kraut schießen, so wird ja auch Leverkusens erfolgreicher Coach Xabi Alonso als aussichtsreicher Kandidat bei allen großen Vereinen genannt. Und zufällig kündigte am Wochenende auch Barcelonas Ikone Xavi an, dass er sein Trainer-Amt im Sommer beim FCB beenden werde. Eine Reaktion auf eine Niederlagenserie, nach dem Ausscheiden im Pokal war für ihn mit der 3:5-Niederlage gegen Villarreal das Fass übergelaufen. Xavi klagt: „Trainer bei Barca zu sein, ist grausam, unschön, man fühlt sich respektlos behandelt. Die psychische Gesundheit leidet enorm.“ Er denkt aber auch an den Verein: „Ich will dem Klub nicht im Wege stehen, wir brauchen eine neue Dynamik.“

Tore für Nagelsmann

Bundestrainer bis zur Europameisterschaft im Sommer bleibt auf jeden Fall Julian Nagelsmann und er kann sich glücklich schätzen, dass sich seine EM-Kandidaten in Stellung bringen wollen. Bestes Beispiel sind die Torjäger, die sich einen Wettkampf liefern. Da schoss Deniz Undav den VfB Stuttgart mit einem Dreierpack aus der Krise und einen Tag später zog Niclas Füllkrug mit dem gleichen Schützenfest nach. Es scheint, dass sich Nagelsmann keine Sorgen um einen Mittelstürmer machen muss. Füllkrug ist als Platzhalter in der Pole Position und er brachte Borussia Dortmund trotz einiger Ausfälle auf den Erfolgsweg zurück. Drei Siege in Folge lassen die Träume von der Champions League wieder realistisch werden, zumal Konkurrent RB Leipzig eben von Undav beim 2:5 quasi abgeschossen wurde.

Der VfB beendete ebenfalls seine Ergebniskrise, RB steckt nach drei Niederlagen in Folge mittendrin. Die erste schwierige Phase für Trainer Marco Rose, denn ein Platz in der Champions League gilt als Pflicht und da wirkt die Niederlage beim Tabellendritten Stuttgart doppelt nach, durch Dortmunds 3:1 im Derby gegen Bochum rutschte Leipzig auf Rang fünf ab. Da wird das Ost-Derby am Sonntag (17.30 Uhr) gegen Union Berlin noch interessanter. Union befreite sich am Tabellenende ein wenig mit dem 1:0 gegen Schlusslicht Darmstadt. Trainer Nenad Bjelica litt auf der Tribüne, er darf nach seinen Verfehlungen gegen Sané drei Spiele nicht beim Team sein, steht zudem im Verein unter Beobachtung. Das gilt auch für den Kollegen Niko Kovac in Wolfsburg. Das 1:1 gegen Köln war das dritte Unentschieden in Folge, von Erfolgen kann da nicht die Rede sein. Eigentlich war Europas Bühne das Wolfsburger Ziel, das Niemandsland der Tabelle ist die Realität.

Interessant bleibt es an der Spitze. Leverkusen konnte den Abwehrriegel von Mönchengladbach nicht knacken, musste ein 0:0 akzeptieren, bleibt aber ungeschlagen. 68 Prozent Ballbesitz, sagenhafte 943 Pässe, 27:4 Torschüsse – aber kein Treffer. Da soll ab sofort Mittelstürmer Borja Iglesias (31), der von Betis Sevilla ausgeliehen wurde, helfen. Der Vorsprung auf die Bayern schrumpfte auf zwei Punkte, doch Bange machen gilt nicht bei Bayer. Schließlich haben jetzt die Bayern Gladbach vor der Brust. Beim Meister hapert es nicht im Angriff, trotz der Verletzung von Coman, sondern in der Abwehr. Deshalb wurde jetzt nach Eric Dier noch Rechtsverteidiger Sacha Boey von Galatasaray Istanbul geholt. Der 23-jährige Franzose gilt als Verteidiger der Zukunft, defensiv und offensiv stark. In Augsburg fehlte Boey noch, so musste Guerreiro auf rechts ausweichen und verlief sich prompt. Da mussten ihn erst die Mitspieler sagen „Du spielst heute rechts“. Zum glücklichen 3:2-Sieg reichte es in Augsburg, weil von vier knappen VAR-Entscheidungen drei zugunsten von Bayern ausfielen und Torhüter Neuer am Ende noch einen Elfmeter hielt. Da darf man schon heute mit Spannung auf das Gipfeltreffen am 10. Februar schauen, vor allem auch, in welcher Besetzung Bayern und Bayer antreten können.

Aber auch die 2. Bundesliga steht im Mittelpunkt, sie hat in dieser Woche den DFB-Pokal für sich, der im Viertelfinale erstmals über zwei Wochen und vier Spieltage gestreckt ist. So gibt es am Dienstag gleich die Revanche zwischen Düsseldorf und St. Pauli, das 2:1 bei der Fortuna gewann und die Tabellenspitze verteidigte. Im Pokal haben die Hamburger Heimrecht. Das zweite Duell steigt am Mittwoch in Berlin zwischen Hertha BSC und Kaiserslautern. Die TV-Zuschauerzahlen werden zeigen, wie attraktiv die zweite Liga wirklich ist. Dank der Übermacht der 2. BL stehen zwei Vereine auf jeden Fall im Halbfinale. Nächste Wochen folgen die Spiele Leverkusen – Stuttgart und Saarbrücken – Gladbach.

Auch bei den Frauen wird es spannend. Bayern München fand nach drei Unentschieden und einer Niederlage auf den Erfolgsweg zurück mit einem 1:0 gegen Hoffenheim in der Bundesliga. Gerade rechtzeitig, denn am Dienstag (21 Uhr) folgt das entscheidende Spiel in der Champions League gegen Paris St. Germain. Nur bei einem Sieg kommen die Bayern-Mädchen weiter, in Paris siegten sie 1:0, aber die Französinnen sind inzwischen Tabellenführer und drei Punkte voraus, weil Bayern zuletzt in Rom nicht über ein 2:2 in Rom hinauskam. Ausgeschieden ist bereits Eintracht Frankfurt vor dem letzten Match am Mittwoch gegen Rosengard.

Handballer noch nicht Spitze

Die Handball-Europameisterschaft war zweifellos ein Erfolg, aber am Schluss gab es sportlich doch die bittere Erkenntnis, dass der deutschen Mannschaft zur Spitze noch etwas fehlt. Mit drei Niederlagen wurde das Turnier beendet und damit auch die Olympia-Qualifikation verpasst. Im Spiel um Bronze gab es ein 31:34 gegen Schweden, nachdem man die erste Halbzeit total verschlafen hat. „Uns gehört die Zukunft“, tröstet man sich beim DHB, weil man eine junge, talentierte Mannschaft vorweisen kann. So glänzte der 21-jährige Renars Uscins mit acht Toren gegen Schweden. Europameister wurde schließlich Frankreich, das Weltmeister Dänemark im Finale mit 33:31 nach Verlängerung bezwang.

Die EM war aber ein Turnier der Rekorde. Das begann schon mit dem Eröffnungsspiel, das über 50.000 im Fußballstadion in Düsseldorf sahen. Insgesamt waren es am Ende mehr als eine Million Zuschauer in den Hallen, das gab es bei einer EM noch nie. Und auch die deutschen Fernsehzuschauer begeisterten sich für Handball, Spitzenwert waren die 9,69 Millionen an den Bildschirmen beim Halbfinale gegen Dänemark. Das ist Zuschauerrekord bisher im Jahr 2024.

Jetzt muss die Mannschaft allerdings für Olympia nachsitzen. Im März sind in der Qualifikation erneut Österreich und Kroatien die Gegner, gegen die man diesmal schlecht aussah. Außerdem ist Afrikameister Ägypten dabei. Der Vertrag von Bundestrainer Alfred Gislason läuft nach diesem Turnier aus, der DHB wäre gut beraten, mit dem Isländer vorher zu verlängern. Der wäre bereit. Dann gäbe es im Handball keine Trainer-Diskussion wie im Fußball.

Bayern-Schock: Die besten Jahre sind vorbei!

Am Freitag nahm Bayern München mit einer überwältigenden Trauerfeier endgültig Abschied vom verstorbenen Franz Beckenbauer und gedachte noch einmal seiner großen Leistungen als Mensch und Sportler. Einer, den es so niemals wieder geben wird, einer, der den größten Anteil daran hatte, dass der FC Bayern heute der dominierende Verein in Fußball-Deutschland ist. Am Sonntag, beim Bundesligaspiel gegen Werder Bremen, saß Beckenbauers alter Weggefährte Uli Hoeneß immer noch mit trauriger Miene auf der Tribüne, sah seine Bayern verlieren und sinnierte wohl: Die besten Jahre sind vorbei!

Was war los mit der Mannschaft? War es Überheblichkeit? War das Kurz-Trainingslager in Portugal eher kontraproduktiv? Die nackten Zahlen mussten die Bayern in Sicherheit wiegen: Seit 2008, seit 28 Spielen (24 Siege, 4 Remis) gegen Werder Bremen nicht mehr verloren, zuletzt in 65 Heimspielen immer getroffen und damit einen Bundesliga-Rekord aufgestellt, Werder kam als schwächstes Auswärtsteam der Liga, Thomas Müller und Joshua Kimmich haben gegen Bremen noch nie verloren. Bis zum 0:1 am Sonntag. Müller ernüchtert: „Wir haben um die Niederlage gebettelt“. Kimmich: „Die Bremer waren hungriger als wir“. Die Bayern pomadig, sorglos, einfallslos, als wollten sie jeder Anstrengung aus dem Weg gehen. Selbst Boss Jan-Christian Dreesen wunderte sich: „Wir haben 70 Minuten langweiligen Fußball gespielt.“ Nach elf Titeln in Folge wird es so nichts mit der zwölften Meisterschaft am Stück, ganz im Gegenteil, bildlich gesprochen gab es von Werder „eine voll auf die Zwölf“.

Werder freut sich dagegen gerade über eine kleine Serie, fünf Spiele ohne Niederlage, beste Aussichten also auf den Klassenerhalt. Dabei fehlte Torjäger Marvin Ducksch gelbgesperrt, Rafael Borre saß nur auf der Bank, doch das junge Duo Nick Woltemade und Justin Njinmahs machte der Bayern-Abwehr das Leben schwer. Dazu stellte Mitchell Weiser seinen Gegenspieler Alphonso Davies als Schwachpunkt bloß. Er „vernaschte“ ihn beim goldenen Tor, zeigte mehr Durchsetzungsvermögen. Da staunte auch Manuel Neuer beim Schuss hoch ins kurze Eck. Werder könnte jetzt auf dem Weg zum Klassenerhalt sein, wenn nicht der Bayern-Fluch wirkt. Wer den Meister schlägt, muss meist in den nächsten Spielen mit Niederlagen büßen. Was tragisch wäre, die nächsten Werder-Gegner heißen Mainz, Heidenheim, Köln und Darmstadt – Gelegenheit, sich aus dem Abstiegskampf zu verabschieden.

Der große Bayern-Gegner (außer den eigenen Unzulänglichkeiten) heißt vor allem Bayer Leverkusen. Es wiederholte sich, wie schon vor einer Woche in Augsburg, Leverkusen siegte auch beim Schlagerspiel in Leipzig in der Nachspielzeit. 3:2 in der 91. Minute und hat im Moment sieben Punkte Vorsprung vor den Münchnern, für die es jetzt gar nicht mehr so sicher ist, dass sie am Mittwoch im Nachholspiel gegen Union Berlin den Rückstand verkürzen können. Dann geht es nach Augsburg, das in Gladbach beim 2:1-Sieg Selbstvertrauen tankte. Im Gegensatz zu Thomas Tuchel in München hat Xabi Alonso den „Laden“ in Leverkusen im Griff. Er lässt sich von personellen Rückschlägen nicht beeindrucken, bekanntlich fehlen Spieler, dazu musste mit Frimpong ein Schlüsselspieler verletzt vom Platz. Egal, Leverkusen siegt weiter, bleibt ungeschlagen. Es scheint, dass Tuchel der Trainer ist, der die Meister-Serie abreißen lässt. Die besten Jahre sind halt vorbei.

Es wäre zu viel, davon zu sprechen, dass Dortmund auf gute Jahre hofft, die Borussia tut aber alles, damit die Rückrunde erfolgreich verläuft, ein Platz in der Champions League ergattert wird und damit die Saison gerettet ist. Aber wie stark ist die „runderneuerte“ Borussia wirklich, Siege gegen die Kellerkinder Darmstadt und Köln streuen vielleicht Sand in die Augen. Immerhin aber gab es zweimal kein Gegentor, was Trainer Edin Terzic gefällt: „Wir wollen mehr Sicherheit“. Köln spielte wie ein Absteiger, der Trainerwechsel verpuffte, da ist bei Darmstadt mehr Leben, hat aber nicht mehr Punkte. Es bleibt dabei, am Tabellenende gibt es keine Bewegung.

Die Ultras werden zur Gefahr

Ein Spielabbruch war nahe, das Spiel Bochum gegen Stuttgart war 56 Minuten lang unterbrochen, weil Ultrafans aus Stuttgart mit einer riesigen Zaunfahne gegen den Einstieg von Investoren bei der DFL protestierten. Eigentlich ihr gutes Recht, doch sie schießen mit ihren Aktionen über das Ziel hinaus. In Bochum wurden Fluchtwege blockiert und deshalb wurde aus Sicherheitsgründen nicht mehr angepfiffen, bis das Problem gelöst werden konnte, ohne dass die Fahne ganz verschwand. Die Ultras blieben stur, sie nahmen rund 25.000 Zuschauer in Geiselhaft, die eigentlich Fußball sehen wollten. Dies zeigt wieder deutlich, dass es den Ultras nur um sich selbst und ihre Interessen geht. Der Fußball dient ihnen als Unterhaltung und er soll sich gefällig so organisieren, wie sie es wollen. Damit sind sie auf dem Holzweg und werden für die Bundesliga immer mehr zu Gefahr. Sie missachten Sicherheitsbestimmungen, versuchen Vereinsführungen unter Druck zu setzen und stören den Spielbetrieb. Die Kommerzialisierung ist ihnen ein Dorn im Auge, aber die Spiele der Millionäre besuchen sie doch. Wäre es da nicht ehrlicher, wenn sie – als friedliche Fans, die nur reinen Fußball sehen wollen – den Amateuren ihre Aufwartung machen würden?

Schiedsrichter Dankert bewies in Bochum unendlich Geduld, aber es wäre interessant zu wissen, wie ein Sportgerichtsurteil ausgefallen wäre. Ein Wiederholungsspiel ohne Zuschauer? Wer hätte die Punkte bekommen? Beide Klubs stehen am Pranger: Bochum war für die Sicherheit zuständig, wie kamen die Banner ins Stadion? Stuttgart muss für seine Fans büßen. Aber das ist ja den Ultras egal, dass „ihr“ Verein tausende von Euro zahlen muss, wenn sie mit Pyro und ähnlichem über die Stränge schlagen. Der Beweis: Es geht um sie, die Ultras, nicht um den Verein. Allein das sollte den Klubs zu denken geben.

Die 2. Bundesliga stand bei ihrem Start in die Rückrunde im Zeichen der Trauer. Überraschend ist Hertha-Präsident Kay Bernstein im Alter von nur 43 Jahren gestorben. Zwei Jahre war er im Amt, schaffte den Weg vom Ultra bis zum Präsidenten und leistete an der Spitze des Vereins hervorragende Arbeit. Er brachte Ruhe in den Klub und verordnete Hertha den „Berliner Weg“, das heißt solide finanzielle Basis und das Augenmerk auf die Nachwuchsarbeit. Dieser „Berliner Weg“ wird sein Vermächtnis bleiben. Mit einem Trauermarsch zum Olympiastadion gedachten rund 7000 Fans dem Präsidenten. Hertha fand mit dem 2:2 gegen Düsseldorf ein bisschen Trost. Im Spitzenspiel gewann der Hamburger SV bei Schalke 04 mit 2:0 und bleibt Dritter.

Gleich Stress für die Frauen

Auch im Frauen-Fußball ist die Winterpause beendet. Dabei geht es für Bayern München und Eintracht Frankfurt gleich in die Vollen, denn sie müssen vor dem ersten Bundesligaspiel bereits in der Champions League starten. Ein Kaltstart gewissermaßen, denn die Nachholspiele im Pokal wurden auf Februar verlegt. Beide Teams wissen also nicht, wo sie stehen. Hart trifft es die Eintracht, die am Donnerstag gleich beim Gruppenfavoriten FC Barcelona antreten muss. In der Bundesliga geht es am Sonntag gegen Köln.

Mehr Hoffnungen macht sich da Bayern München, aber auch der Meister steht unter Druck, die CL-Gruppe ist sehr ausgeglichen und nur mit einem Sieg bei AS Rom am Mittwoch bleiben die Chancen aufs Weiterkommen intakt. Die Bayern-Mädchen klagen, dass sie durch die Wechsel im Team noch nicht zur richtigen Form gefunden haben. Aber es bleibt unruhig, mit Lena Magull verließ so etwas wie eine Vereinsikone das Team. Die frühere Kapitänin hofft bei Inter Mailand auf mehr Spielpraxis, sie gehörte nicht mehr zur Stammelf. Pech hatten die Bayern mit den Stars Harder und Eriksson, die beide mit Verletzungen ausfielen, wobei Pernille Harder jetzt endlich für Schwung sorgen soll. In der Abwehr gibt es durch den Ausfall von Magdalena Eriksson nach ihrem Mittelfußbruch Probleme, deshalb wurde von Juventus Turin bis Saisonende die 36-jährige Innenverteidigerin Linda Sanbrandt ausgeliehen, die bereits 134 Länderspiele für Schweden absolviert hat.

Mit einem wichtigen Spiel geht auch die Bundesliga für die Bayern-Mädchen los, denn am Samstag kommt mit der TSG Hoffenheim ein Verfolger nach München. Punktverluste dürfen sich die Bayern nicht mehr leisten, denn der Dauerkonkurrent VfL Wolfsburg hat bekanntlich die Tabellenspitze übernommen. Essen wird für die Wölfinnen aber auch keine leichte Aufgabe sein.

Die FIFA mutiert immer mehr zum Witz-Verband

Die FIFA feiert sich sehr gern vor allem selbst, das zeigte sich weiter einmal in diesen Tagen in London, als bei einer sogenannten „Gala“-Veranstaltung die Besten der Welt geehrt wurden. Nein falsch, es sollten eigentlich die Besten der Welt geehrt werden, doch das ging gründlich schief. Das Ergebnis war nämlich teilweise skandalös, was zu diesem Weltverband passt, der unter Gianni Infantino immer mehr zu einem Witz-Verband mutiert, den niemand mehr ernst nehmen kann. Die Vergabe der Weltmeisterschaften ist in seinem Konstrukt nicht mehr nachvollziehbar und von korrupten Machenschaften geprägt, der Sport tritt in den Hintergrund und sein Präsident sieht sich mehr als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Welt, anstatt sich um den Sport zu kümmern. Sein einziges Ziel: Der Rubel muss rollen. Wohin der Ball rollt, ist egal.

Logisch, dass die FIFA in der Welt an Ansehen verloren hat, Infantino hat nur noch Nationen auf seiner Seite, die mit ihm ein Geschäft wittern, das entsprechend auch in ihre Zukunftsplanung passt. Siehe die WM-Vergabe nach Katar und bald wohl auch nach Saudi-Arabien. Die WM ist immer noch ein Werbeträger, da tritt ein Chaos-Verband in den Hintergrund. Vor allem die kleineren Verbände handeln nach dem Motto, „wer mir Geld gibt, den werde ich nicht fallen lassen“.

Wohin Selbstherrlichkeit führt, zeigte sich wieder bei dem FIFA-Fest in London. Es war eine langweilige Veranstaltung mit seltsamen Ergebnissen. Vor allem die Wahl von Lionel Messi zum „Weltfußballer des Jahres“ sorgte für Erstaunen. Im Saal war es vor Schreck totenstill. Der Argentinier ist ein Legende, er hatte frühere Ehrungen natürlich verdient, so vielleicht auch 2022, als er sein Heimatland zum WM-Titel führte. Der achte Sieg 2023 ist allerdings seltsam. Er konnte bei Paris St. Germain keine Zeichen setzen, wechselte in die USA, wo er Miami zwar Leben einflößte, doch der Fußball in den USA ist keineswegs vergleichbar mit dem in der Premier League oder UEFA-Champions-League. Erstaunlich, dass Trainer, Kapitäne, Journalisten und Fans im Kreis der Stimmberechtigten das Theater mitmachen und nach dem Motto „im Zweifelsfall Messi“ urteilen. Der Argentinier lag gleichauf mit Erling Haaland, mit je 48 Stimmen, doch wurde der Altstar öfters auf Platz gesetzt. Dabei hat der Norweger mehr vorzuweisen, der mit Manchester City Titel abgeräumt und Torrekorde gebrochen hat. Wer bitte, hat es also verdient? Messi reiste auch gar nicht nach London, weil er mit diesem Votum nicht rechnen konnte und auf Jubel auch nicht, bei diesem Ergebnis.

Das die FIFA ein Verband voller Rätsel ist, zeigt sich auch bei anderen Abstimmungen. In der Weltauswahl wurde Thibaut Courtois von Real Madrid als Torhüter nominiert, nicht aber City-Keeper Ederson, der als Welttorhüter ausgezeichnet wurde! In der Auswahl fehlt auch Citys Lenker Rodri, der sein Team zum Triple-Sieger und Spanien zum Sieg in der Nations League führte. Dafür taucht Jude Bellingham auf, der für Schlagzeilen bei Real sorgte, aber noch keine großen Erfolge vorweisen kann. Kleine Beispiele, die zeigen, dass die Entscheidungen der FIFA in allen Bereichen nur für Kopfschütteln sorgen.

Zur Info die wichtigsten Sieger: Männer: Lionel Messi (Argentinien/Paris). Frauen: Aitana Bonmati (Spanien/Barcelona). Welt-Trainer Männer: Pep Guardiola (Spanien/Manchester City). Welt-Trainerin Frauen: Sarina Wiegmann (Niederlande/England, die ihren Vertrag in England verlängert hat).

Der Fußball hat an Ansehen verloren, das gilt auch für die UEFA und vor allem auch für den DFB, der in Deutschland ganz nach dem Vorbild des Weltverbandes auch Probleme mit der Justiz hat und zudem finanzielle Sorgen. Wie bekannt wurde, färbt das sinkende Vertrauen in eine glorreiche Zukunft jetzt auch auf die Europameisterschaft 2024 in Deutschland ab. Keine große nationale Autofirma wollte diesmal die PKW-Flotte für den Veranstalter stellen. Mercedes, Audi, BMW oder der aktuelle DFB-Sponsor VW winkten alle ab. Dafür sponsert offensichtlich die chinesische Marke BYD (Build Your Dreams, Bau Deine Träume) die EM. BYD ist weltweit der größte Hersteller von E-Autos. Werden wir also in Deutschland ein chinesisches Sommermärchen erleben?

Leverkusens Signal: Wir werden Meister!

Das ist ein Zeichen beim Jahresauftakt der Fußball-Bundesliga: Der Bayern-Dusel wurde zum Bayer-Dusel. Leverkusen lässt sich auch von fehlenden Stars nicht verunsichern und sendete mit einem Siegtor in der 94. Minuten zum wichtigen 1:0-Sieg in Augsburg ein Signal: Wir werden Meister! Schluss mit Vizekusen, Trainer Xabi Alonso hat das „Mia san mia“, was er in München erlebt hat, seinem ersten Profi-Team als Coach eingeimpft. Bayer beendete die Hinrunde als ungeschlagener Halbzeitmeister, was ihnen in der Saison 2009/10 schon einmal gelang, doch da rutschten sie noch auf Rang vier ab. Das ist diesmal nicht zu erwarten. Dieser Durchmarsch gelang erst das siebte Mal, dreimal schaffte dies Bayern München und wurde am Ende der Saison auch immer Meister. Für Bayer ist dies auch ein Zeichen.

Erstaunlich, wie gelassen Xabi Alonso mit den Absenzen der wichtigen Spieler umgeht. Schließlich fehlen mit Tapsoba und Kossounou starke Abwehrspieler, sowie mit Adli (alle beim Afrika-Cup) und Torjäger Boniface (Adduktoren-OP) wertvolle Stürmer. Dazu „schonte“ der Trainer Jonathan Tah, dem eine Gelbsperre droht, vor dem Schlagerspiel gegen Leipzig und setzte den erkälteten Wirtz erst in der 62. Minute ein. Dennoch trumpfte Bayer gegen tapfere Augsburger auf, verzeichnete 76 Prozent Ballbesitz und hatte das gleiche Verhältnis bei den Torschüssen. Da war das 1:0 hoch verdient und keineswegs der erste späte Treffer. Früher verzweifelte Bayer in solchen Spielen, Alonso hat seinem Team Selbstvertrauen bis zum Schluss vermittelt. So blieb Leverkusen auch international ungeschlagen, in insgesamt 26 Pflichtspielen. Auffallend: Bayer spielt den besten Fußball der Liga und der einst kritisierte Werksklub wird immer beliebter. Kann der Tabellenvierte Leipzig nun der Erste sein, der Leverkusen schlägt? Die Generalprobe ging schief, RB erlitt das Gegenteil, nämlich die erste Heimniederlage der Saison mit dem 0:1 gegen Frankfurt. Aber gerade das könnte den Ehrgeiz vor dem Duell am Samstag (18.30) besonders anstacheln, zumal es in der Hinrunde in Leverkusen (3:2 für Bayer) schon knapp war.

Und was machen die Bayern? Die sind am Sonntag erst einmal in ein kurzes Trainingslager bis Donnerstag nach Portugal geflogen. Da wird nicht Kondition gepaukt, sondern es gilt vor allem als Teambuilding-Maßnahme vor der Rückrunde und einer englischen Woche mit Spielen gegen Bremen (Samstag), das Nachholspiel gegen Union Berlin (Mittwoch) und in Augsburg (27.1.). 18 Profis und sieben Nachwuchsspieler sind mit von der Partie, nicht dabei ist Joshua Kimmich, der Nachwuchs erwartet, mit dabei ist Neuzugang Eric Dier, der ins Team integriert werden und das Bayern-Spiel kennenlernen soll. Der Kumpel von Torjäger Harry Kane wurde von Tottenham ausgeliehen und soll die Abwehr verstärken, kann aber auch im Mittelfeld aushelfen. Apropos Harry Kane, der stellte mit seinem 22. Treffer in der Nachspielzeit beim 3:0 gegen Hoffenheim den Hinrunden-Torrekord von Robert Lewandowski ein und kündigt selbstbewusst an: „Natürlich versucht man, die Rekorde zu brechen.“ Ihm bleibt ja für die Hinrunde noch das Nachholspiel gegen Union. Dann wollen auch die Bayern ihre Leichtigkeit wiedergefunden haben, die Leverkusen derzeit auszeichnet.

Borussia Dortmund bemühte die Vergangenheit, um für die Zukunft besser gerüstet zu sein. Nach Sahin und Bender als Co-Trainer hilft jetzt auch wieder Jadon Sancho als Flügelflitzer. Er wurde von Manchester United ausgeliehen, wo er ein bisschen in Ungnade gefallen war. Beim alten Verein in Dortmund hat er sein Lächeln wieder gefunden, legte beim 3:0-Sieg Freund Marco Reus den vorentscheidenden Treffer zum 2:0 auf und so fühlt sich die Borussia fit für einen Höhenflug. Der Start ins neue Jahr konnte nicht besser sein, weil die Konkurrenz Federn ließ, nach Leipzig auch Stuttgart mit einer 1:3-Niederlage in Gladbach. Ist der Höhenflug des VfB vorbei? Wir werden es am Samstag in Bochum sehen.

Am Tabellenende gibt es ein Schneckenrennen, Unentschieden waren an der Tagesordnung, es hat sich quasi nichts getan. Allerdings gerät Köln immer mehr in Not, diesmal wegen Verletzungssorgen. Davie Selke sorgte mit einer artistischen Einlage beim 1:1 gegen Heidenheim wieder einmal für das einzige Tor, aber jetzt fällt er mit einer Verletzung ebenso wie Waldschmidt länger aus. Köln ohne Lebensversicherung, das riecht nach Abstieg.

In der 2. Bundesliga tummeln sich bekanntlich schon Traditionsvereine und mühen sich teils vergebens, endlich wieder im Oberhaus mitzumischen. Das gilt vor allem für den Hamburger SV, der traurig auf Leverkusens „Unschlagbarkeit“ schaut, denn der HSV war in der Saison 1982/83 der erste Verein, der in einer Hinrunde der Bundesliga ungeschlagen blieb. Derzeit sind die Hamburger Dritter im Unterhaus und fast Woche für Woche schwankt die Stimmung, ob sie den Aufstieg schaffen oder nicht. Am Wochenende startet die Rückrunde der zweiten Liga und beim Schlagerspiel auf Schalke (Samstag, 20.30 Uhr) treffen gleich die zwei populärsten Klubs aufeinander, Schalke hat aber Abstiegssorgen, der HSV erhofft sich neuen Schwung mit Flügelflitzer Magaya Okugawa, der vom FC Augsburg ausgeliehen wurde.

Einen wie Franz Beckenbauer wird es nie mehr geben

Nicht nur die Fußballgemeinde war geschockt, als vor einer Woche der Tod von Franz Beckenbauer bekannt wurde. Die Welt ohne den „Kaiser“ ist fast undenkbar, allerdings war Freunden bekannt, dass es dem 78-Jährigen in den letzten Monaten sehr schlecht ging, Termine musste er absagen. Mit seinem Tod ist nicht nur die Fußballwelt ärmer geworden, der Weltmeister von 1974 als Spieler und 1990 als Trainer hat auch viel für das Image für das Land Deutschland getan. Nicht umsonst heißt es, „einen wie ihn wird es nie mehr geben“. Beckenbauer brillierte auf dem Spielfeld, erfand den Libero in einer freien Rolle, die nur er perfekt ausüben konnte. Beckenbauer beeindruckte als Mensch mit einer Unbeschwertheit und Leichtigkeit sowie einem losen Mundwerk, so dass ihm die Herzen zuflogen. Für Schatten wegen dunkler Finanztransaktionen oder ungeklärten Geldern rund um das Sommermärchen bei der WM 2006 in Deutschland sorgten vor allem seine Berater, weil der „Kaiser“ auch in diesen Angelegenheiten seine Leichtigkeit walten ließ, wo Ernsthaftigkeit notwendig gewesen wäre. Aber das trübt sein Lebenswerk nicht, er war der Größte, den der deutsche Fußball bisher hergebracht hat und hat ein Denkmal verdient. Beckenbauer wurde in München im Familienkreis beerdigt, am Freitag kann die Fußballgemeinde ab 15 Uhr bei einer Trauerfeier in der Allianz Arena von ihm Abschied nehmen. Danke für die vielen schönen Stunden Franz Beckenbauer.

Handballer Lieblinge der Nation

Bei der Europameisterschaft in Deutschland erobern die Handballer die Herzen der Sportfans. Während die ansonsten so gefeierten Fußballer zuletzt nur Enttäuschungen ablieferten, schwingt sich die Handball-Nationalmannschaft zur Nummer 1 (noch vor Weltmeister Basketball). Sowohl gegen die Schweiz als auch beim 34:25 gegen Nordmazedonier lieferten die Handballer ein Feuerwerk von Klasse und Begeisterung und haben sich damit vorzeitig für die Hauptrunde qualifiziert. Allerdings ist noch nichts gewonnen und das abschließende Gruppenspiel gegen Frankreich am Dienstag (20.30 Uhr) in Berlin gegen Frankreich ist von doppelter Bedeutung. Einmal für das DHB-Team selbst, weil die Punkte mit in die Hauptrunde genommen werden. Gewinnt Deutschland, könnte die Schweiz aufrücken, wenn sie Nordmazedonien hoch schlägt, weil sie gegen Frankreich ein überraschendes 26:26-Unentschieden erreichte. Da zählt dann das Torverhältnis.

Im DHB-Team beeindrucken vor allem beide Torhüter sowie der Spielmacher und Torjäger Juri Knorr. Im Kasten waren sowohl Andreas Wolff gegen die Schweiz als auch sein Vertreter David Späth gegen Nordmazedonien schier unüberwindbar. Mit dieser Sicherheit lässt sich vorn befreit aufspielen, das tat neben Juri Knorr vor allem auch Julian Köster in Abwehr und Angriff, er gilt als die Entdeckung in diesem Turnier. Nun muss allerdings erst einmal die Hauptrunde mit Spielen von Donnerstag bis Mittwoch, 24. Januar, gut überstanden werden. Die Hauptrunde wird in zwei Gruppen gespielt, nur die jeweils zwei besten Teams qualifizieren sich für das Halbfinale. Werden wir also Deutschland noch am Wochenende vom 26./28. Januar sehen? Dann hätten wir endgültig neue Sport-Helden. Schon gegen Nordmazedonien sahen 7,38 Millionen im Fernsehen zu, mehr als zuletzt der Fußball locken konnte.

Endlich wieder Fußball-Bundesliga – und die EM ist im Visier

Die Pause war kurz, eigentlich war es nur ein Durchschnaufen zum Jahreswechsel, und dennoch sind die Fußball-Fans wieder scharf das Geschehen: Endlich wieder Bundesliga. Der Grund: In den letzten Jahren war es nie so spannend wie diesmal. Außerdem: Ungewissheit darüber, was sich bei den Vereinen tut, die Abstellungen zu Afrika- und Asien-Cup hinterlassen Fragezeichen, die sich auf das Wechselgeschehen auswirken, doch bisher tut sich nicht viel. Nur ein Trend ist erkennbar: Die Spieler haben die Europameisterschaft im Sommer in Deutschland im Visier und wollen Einsatzzeiten. Notfalls wird gewechselt, meist als Leihgeschäft.

Wenn es aber am Freitag mit der Partie Bayern München – TSG Hoffenheim weitergeht und die Vorrunde mit dem 17. Spieltag abgeschlossen wird, da wird noch nicht viel von Veränderungen zu sehen sein. Überhaupt ist gegenüber einer längeren Winterpause vieles andere, nur wenige Klubs absolvierten Trainingslager, die Bayern sogar erst nach dem ersten Spiel. Erst am Sonntag geht es nach Faro für ein paar Tage in die Sonne Portugals, die Vorbereitung wird in der Kälte Münchens stattfinden, aber es könnte dann am Freitag einen Kälteschock gegen eine der auswärtsstärksten Mannschaften der Liga geben. In Sachen Neuzugänge bei beiden Teams bis dato Fehlanzeige.

Von Verstärkungen ist auch bei Spitzenreiter Bayer Leverkusen nicht die Rede, obwohl vor allem die Abwehr durch Abstellungen entblößt ist, aber der schlaue Trainer Xabi Alonso hat schon vorgesorgt, die Mannschaft dieser Wochen schon einmal getestet – und für gut befunden. Bayer war bisher überragend, bezeichnend die traditionelle Rangliste des Fachmagazins kicker: Fünf Spieler wurden in Weltklasse eingestuft, drei davon kommen aus Leverkusen (Grimaldo, Frimpong, Wirtz), zwei aus München (Sané, Kane). In sieben Kategorien liegen viermal Leverkusener vorn, bei den Außenbahnen defensiv (Grimaldo, Frimpong Weltklasse) und Mittelfeld defensiv (Xhaka, Palacios – beide Int. Klasse) beherrschen sie die Top-Kategorien alleine. Noch Fragen? Da darf sich der FC Augsburg am Samstag nicht nur wegen der Minustemperaturen warm anziehen. Das große Duell Bayer gegen Bayern ist von der DFL auf Samstag, 10. Februar, 18.30 Uhr, terminiert worden.

Die Bayern suchen anders als der Spitzenreiter händeringend Verstärkungen, doch außer Gerüchten gibt es nichts. Heiß gehandelt wird jetzt der Wechsel von Eric Dier, Defensivmann der Tottenham Hotspur, der im Mittelfeld und rechts hinten spielen kann und den Trainer Thomas Tuchel aus seiner Chelsea-Zeit gut kennt. Bei Tottenham war der englische Nationalspieler zuletzt aber mehr auf der Bank als auf dem Feld. Eine Notlösung? Stärker ist wohl der Uruguayer Ronald Araujo vom FC Barcelona einzuschätzen, ein Abwehrspezialist für innen und außen, doch da scheint es zu hapern. Vielleicht gibt es auch eine Überraschung mit dem Ex-Leipziger Nordi Mukiele, der in Paris ebenfalls kein Stammspieler ist. Eingefroren ist auch die Form, wie der Test beim FC Basel zeigte. Die Ehre beim 1:1 rettete mit Noel Aseko Nkili ausgerechnet ein 18-jähriges Talent beim ersten Profi-Einsatz. Leverkusen zeigte sich da beim 4:1 gegen Venedig schon eher auf der Höhe.

Was bei den ganzen Transfers bisher auffällt, die Europameisterschaft 2024 ist im Visier der Spieler. Bezeichnend die Leihe von Timo Werner von RB Leipzig zu den Tottenham Hotspur. Sein Ziel: Dort mehr Spielpraxis zu bekommen, nachdem er bei der Nationalmannschaft bei Julian Nagelsmann kein Thema war. Er will sich also empfehlen. Ähnliches gilt für Thilo Kehrer, der bei West Ham United keine Rolle mehr spielte und nach Monaco geht. Kein Hehl machen auch Sasa Kalajdzic und Donny van de Beek aus ihrer Motivation, warum sie von Wolverhampton bzw. Manchester United zu Eintracht Frankfurt gehen – sie wollen bei der EM für Österreich bzw. die Niederlande dabei sein. Es könnte sein, dass auch bei Joshua Kimmich die EM im Hinterkopf ist. Er tauchte im Test der Bayern als rechter Außenverteidiger auf, eine Position, die Nagelsmann für ihn wieder ins Auge gefasst hat. Noch war bei Bayern nur der Personalengpass der Grund, aber Kimmich könnte in den (für ihn) sauren Apfel beißen, um sich auf rechts einzuspielen und zu empfehlen. Ein Platz im Mittelfeld ist ihm bei Nagelsmann bekanntlich nicht sicher.

Der 1. FC Köln hat seinen wichtigsten Neuzugang in Trainer Timo Schultz gefunden, der einst bei St. Pauli für Furore sorgte, beim FC Basel aber nach wenigen Wochen scheiterte. Beängstigend für Köln: Schultz wurde einst bei den Kiezkickern nach einem 4:4 in Karlsruhe entlassen und wie spielte der „Effzee“ im Test gegen den Drittligisten RW Essen? 4:4 in einem chaotischen Spiel! Das sollte dann am Samstag in einem fast schon richtungsweisenden Spiel gegen Heidenheim aber anders ausschauen, um sich auf dem Weg zum Klassenerhalt zu begeben. Ja, auch am Tabellenende ist es spannend, Schlusslicht Darmstadt hat gegen Dortmund (das an der Rückkehr von Jadon Sancho, Manchester United, arbeitet) die wohl schwerste Aufgabe, der Drittletzte Mainz ist gegen Wolfsburg gefordert und Union Berlin in Freiburg. Davor liegen gleichauf mit drei Zählern Bochum und Bremen, sie treffen am Sonntag (15.30 Uhr) aufeinander, der Sieger könnte sich etwas absetzen.

Mit einer Überraschung wartete Borussia Dortmund am Montag auf: Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke wird seinen Vertrag 2025 nicht verlängern. Der 64-jährige hat schon 2021 mit der Vertragsverlängerung gezögert, wollte den Verein angesichts der Corona-Krise aber nicht im Stich lassen. Jetzt muss die Borussia auch im Vorstand Neuzugänge suchen.

Die 2. Bundesliga hat noch eine Woche Pause, Schalke 04 sorgte allerdings mit einem spektakulären Neuzugang für Furore: Mit Marc Wilmots (54) kehrt eine Vereinsikone zurück. Aber nicht als Trainer, er wird als Sportdirektor der neue starke Mann im Verein, nachdem man sich von Peter Knäbel trennte. Trainer bleibt Karel Geraerts, da darf man auf den Start der Rückrunde am Samstag, 20. Januar (20.30 Uhr), gegen den Dritten Hamburger SV besonders gespannt sein.

Der Fußball wird also im Sport wieder das Kommando übernehmen, im Fernsehen regierte zuletzt der Wintersport, der vor allem mit Skispringen und Biathlon für tolle Einschaltquoten sorgte, mehr als zuletzt manches Bundesligaspiel. Nur selten konnten allerdings deutsche Siege gefeiert werden. Benedikt Doll gewann den Sprint beim Biathlon in Oberhof, aber die meisten Daumen wurden Skispringer Andreas Wellinger bei der Vierschanzentournee gedrückt. Der große Showdown in Bischofshofen gegen den Japaner Ryoyu Kobayashi um den Gesamtsieg lockte 6,6 Millionen vor die Bildschirme. Der Japaner war an diesem Tag aber besser, gewann mit vier zweiten Plätzen in allen Springen den goldenen Adler und Wellinger setzte die Serie der zweiten Plätze der deutschen Springer fort. Nun kann weiterhin von einem deutschen Sieg nur geträumt werden, der gelang zuletzt Sven Hannawald 2002.

Träumen tun auch die Handballer und zwar von einem Wintermärchen bei der Europameisterschaft, die am Mittwoch in Düsseldorf mit dem Spiel gegen die Schweiz beginnt. Mehr dazu im nächsten Blog!

Handballer träumen von einem Wintermärchen

Das Sportjahr 2024 geht ja gut los. Die Handball-Europameisterschaft vom 10. bis 28. Januar wird die Sportfans in ihren Bann ziehen. Deutschland ist erstmals EM-Gastgeber und startet das Turnier gleich mit einem Weltrekord: 50.000 Fans sind beim Eröffnungsspiel am Mittwoch im Düsseldorfer Fußballstadion, so viele waren es beim Handball noch nie. Deutschland trifft dabei auf die Schweiz, ein Sieg soll die Weichen für ein Weiterkommen stellen und damit auch ein Wintermärchen einleiten. Die Handballer träumen davon, was die Fußballer 2006 bei der Weltmeisterschaft schafften, als sich Deutschland als lebensfrohe Sportnation präsentierte. Ein weiteres Sommermärchen soll übrigens in diesem Jahr folgen, wenn auch die Fußballer ihre Europameisterschaft in Deutschland austragen.

Egal ob Handball oder Fußball, sie werden auf ein erfolgreiches Jahr 2023 der Mannschaften zurückblicken, als die Basketballer als Weltmeister glänzten und Eishockey fast ebenso sensationell Silber bei ihrer WM holten. Da schauten die Handballer und Fußballer neidisch auf die Erfolge – und wollen sie am liebsten wiederholen. Allerdings gehört Deutschland als Gastgeber nicht zum engen Favoritenkreis, den bilden eher Titelverteidiger Schweden, Weltmeister Dänemark und Olympiasieger Frankreich. Die Franzosen sind bereits Gruppen-Gegner der DHB-Auswahl zum Abschluss am Dienstag, 16. Januar, in Berlin. Dort geht es zuvor noch am Sonntag, 14.1., gegen Nordmazedonien. Insgesamt 24 Nationen sind dabei, spielen zuerst in sechs Gruppen, die jeweils ersten beiden Teams ziehen in die Hauptrunde ein, die in zwei Gruppen mit je sechs Teams gespielt wird (die Punkte aus den Gruppen werden mitgenommen). Die jeweils beiden besten Teams der zwei Gruppen schaffen den Aufstieg ins Halbfinale, das ebenso wie das Finale am 28. Januar (17.45 Uhr) in Köln ausgespielt wird.

Die erste Europameisterschaft wurde übrigens 1994 ausgetragen, erster Sieger war Schweden, das mit fünf Titeln auch Rekordsieger ist. Dreimal gewann Frankreich, je zweimal Deutschland, Spanien und Dänemark, 1996 war Russland erfolgreich. Deutschland siegte 2004 und 2016, aus dem damaligen Siegerteam sind noch vier Mann dabei.

Bundestrainer Alfred Gislason setzt aber nicht vorwiegend auf Routine, sondern vertraut auch der Jugend. Als die U21 vor ein paar Monaten überraschend Weltmeister wurde, da forderten viele, dass die besten Spieler dieser Mannschaft auch ihre Chance im A-Team erhalten müssten. Der 64-jährige Isländer musste nicht groß überzeugt werden, das taten U21-Kapitän Renars Uscins, Kreisläufer Justus Fischer (beide Hannover), Torwart David Späth (Rhein-Neckar-Löwen) und Mittelmann Nils Lichtlein (Füchse Berlin) mit ihren Leistungen. Vor allem Torhüter Späth ragte bei der WM heraus, er ist die zukunftsträchtige Ergänzung zu Andreas Wolff, der als einer der besten Torhüter der Welt gilt, aber mit einem Bandscheibenvorfall einige Monate ausfiel. Jetzt ist er wieder fit. Wolff war der EM-Held 2016 und gilt zusammen mit Kapitän, Kreisläufer und Abwehrchef Johannes Golla und Spielmacher Juri Knorr als das Dreigestirn, das die Mannschaft auf den Erfolgsweg führen soll. Der Mannschaft könnte die Zukunft gehören, in der Gegenwart soll zumindest das Halbfinale geschafft werden.

Viel wird vom Start in Düsseldorf abhängen, 50.000 Zuschauer sind für alle ungewohnt, sie können der entscheidende Siegfaktor sein, aber gerade bei jungen Spielern auch zu einer Belastung werden. Gehofft wird natürlich auf Rückenwind, damit die Handballbegeisterung wieder in Deutschland um sich greift, ähnlich wie 2007, als die Nationalmannschaft auf einer Welle der Begeisterung Weltmeister wurde und 16,17 Millionen Zuschauer in ARD den Finalsieg gegen Polen sahen. Der Countdown läuft, zwischen Weihnachten und Neujahr gab es einen Kurzlehrgang in Frankfurt, seit Montag bereitet sich die Mannschaft in Brunsbüttel in einem schmucken Domizil am Hafen vor, bestreitet noch zwei Testspiele gegen Portugal und zieht dann nach Köln und später nach Berlin um. Was danach folgt, wird sich zeigen.

Das erste Spiel gegen Portugal gewann Deutschland mit 34:33, der Trainer war aber nicht zufrieden: „Wir stehen hinten rum und machen technische Fehler.“ Gut, wenn man Fehler erkennt. Am Samstag in Kiel folgt deer zweite Test gegen Portugal, da sollten Fortschritte zu sehen sein.

Das EM-Aufgebot: Tor: Andreas Wolff (Kielce), David Späth (Rhein-Neckar-Löwen). – Rückraum: Martin Hanne, Renars Uscins (beide Hannover), Sebastian Heymann (Göppingen), Kai Hafner (Stuttgart), Christoph Steinert (Erlangen), Julian Köster (Gummersbach), Philipp Weber (Magdeburg), Juri Knorr (Rhein-Neckar-Löwen), Nils Lichtlein (Füchse Berlin). – Außen: Rune Dahmke (Kiel), Lukas Mertens (Magdeburg), Patrick Groetzki (Rhein-Neckar-Löwen), Timo Kastening (Hannover). – Kreis: Johannes Golla (Flensburg), Justus Fischer (Hannover), Jannik Kohlbacher (Rhein-Neckar-Löwen).

Gute Vorsätze: Wie wäre es mit gutem Benehmen im Fußball?

Wann überhaupt, wenn nicht zum Jahreswechsel. Es hat sich so eingebürgert, dass viele Menschen mit guten Vorsätzen ins neue Jahr starten. Die einen wollen abnehmen, die anderen üben sich in Verzicht von Tabak oder Alkohol, auch der Stress spielt eine Rolle, gegen den man kämpfen will. Für die Fußballer hat der Sport-Grantler einen besonderen Vorschlag: Wie wäre es mit gutem Benehmen im Fußball?

Es ist schon manchmal ätzend, was man auf den Spielfeldern der Welt sieht. Das fängt bei den Amateuren an und hört bei den Profis noch lange nicht auf, obwohl die ja eigentlich auch eine Vorbildrolle einnehmen sollten. Doch da gibt es nur wenige, die man sich wirklich als Schwiegersohn wünschen würde, wobei man feststellen muss, dass es bei den Frauen zum Glück noch wesentlicher gesitteter zugeht, sie haben die schlechten Manieren noch nicht übernommen.

Immer wieder wird gefordert, die Fußballer sollten sich die Handballer zum Vorbild nehmen, die vor allem Schiedsrichter-Entscheidungen akzeptieren und strengere Regeln haben. So gilt bei einem Pfiff gegen sich, dass der Ball sofort hinzulegen ist und sich der Spieler vom „Tatort“ zu entfernen hat. Bitte auch beim Fußball einführen! Schlechtes Benehmen sollte vor allem immer mit einer Gelben Karte bestraft werden, was viel zu wenig passiert. So gibt auch im Fußball die Regel her, dass ein Spieler mit Gelb bestraft wird, wenn er für den Gegenspieler Gelb fordert. Das ist nämlich eine Unsportlichkeit. Und was ärgern wir uns immer wieder über Schwalben, vorgetäuschte Verletzungen, ständige Proteste und Rudelbildungen. Diese Verfehlungen müssen sanktioniert werden, dann herrscht Ruhe, Verzögerungen werden verkürzt, das Spiel wird schneller und die neuerdings ewig langen Nachspielzeiten fallen weg.

Der Rat zu gutem Benehmen gilt übrigens nicht nur für Spieler, sondern auch für Trainer und Funktionäre. Schlimm, was manchmal am Spielfeldrand aufgeführt wird. Ein falscher Pfiff gegen den Gegner wird lächelnd akzeptiert, eine vermeintliche Ungerechtigkeit gegen die eigene Mannschaft löst eine Schimpfkanonade mit – nicht selten – Beleidigungen aus. Diese aufgeheizte Atmosphäre führt vor allem dazu, dass die Hemmschwelle für Gewalt immer niedriger wird. Ziel ist dann meist der Schiedsrichter als Grund des Übels (und nicht der Spieler, der am Tor vorbei schoss!). So erleben wir ja leider viel zu oft, dass im Amateurbereich die Schiedsrichter nicht nur verbal, sondern auch körperlich angegangen werden. Selbst Vorstände vergessen die gute Kinderstube, so passierte es jüngst sogar im Profi-Fußball, dass in der Türkei ein Präsident den Schiedsrichter mit einem Fausthieb niederstreckte. Selbst eine lebenslange Sperre schützt leider nicht vor Wiederholungen.

Bleibt also der Wunsch: Die Verbände müssen handeln, die Regeln strenger werden. Wir hoffen auf gute Besserung, gutes Benehmen und damit für die Fans wieder mehr Spaß am Spiel.

Dortmund mit Verstärkung

In der Bundesliga haben die Teams gerade erst wieder ihr Training aufgenommen (vielleicht gibt es neben Taktik auch einen Benimmkurs?). An der Wechselfront gibt es mehr Gerüchte als Tatsachen, für Aufsehen sorgte allerdings Borussia Dortmund, das Verstärkungen gemeldet hat. Es geht dabei jedoch nicht um Spieler, sondern um Verstärkung für Trainer Edin Terzic. Mit den Ex-Borussen Nuri Sahin und Sven Bender bekommt der Chefcoach zwei neue Co-Trainer. Es könnte als Schwächung von Terzic angesehen werden, wird aber natürlich dementiert. Doch wenn es nicht besser wird…

Jedenfalls sollen Sahin und Bender mit dafür sorgen, dass Dortmund auch in diesem Jahr wieder die Champions League erreicht, sechs Punkte Rückstand auf Leipzig sind aufzuholen. Sahin hat übrigens Erfahrung im Management und trainierte zuletzt Antalyaspor in der Türkei. Das einstige „Mentalitätsmonster“ Sven Bender soll diese Einstellung auf die Mannschaft übertragen und vor allem auch als Ansprechpartner der Spieler amtieren. Beide Spieler waren früher Publikumslieblinge im Verein und sollen wohl auch hier für bessere Stimmung bei den Fans sorgen.

Um Verstärkungen kümmert sich im Moment vor allem Eintracht Frankfurt. Die Hessen zogen bereits Hollands Nationalspieler Donny van de Beek an Land, der von Manchester United kostenfrei ausgeliehen wird. Der Zwei-Meter-Mann Sasa Kalajdzic ist noch im Gespräch, der Österreicher glänzte früher beim VfB Stuttgart, jetzt kommt er in Wolverhampton kaum zum Einsatz. Da hätte die Eintracht dann Ersatz für Marmoush und Chaibi, die zum Afrika-Cup reisen. Noch keine Verstärkung meldet Leverkusen, aber für Bayer gab es eine beruhigende Nachricht, denn Carlo Ancelotti wird nicht Nationaltrainer in Brasilien, sondern bleibt bei Real Madrid. Bisher galt Bayer-Coach Xabi Alonso als erster Kandidat für die Ancelotti-Nachfolge bei Real. Jetzt kann er vielleicht länger erfolgreich in Leverkusen wirken, allerdings wohl immer mit Wechselgerüchten begleitet. Eine erfreuliche Tatsache gibt es bei Bayern München zu vermelden, Abwehrstratege Min-Jae Kim wurde zu Südkoreas Spieler des Jahres gewählt! Damit beendete er die Siegesserie von Heong-Mi Son von den Tottenham Hotspur, der zuletzt viermal in Folge gewann. Gefeiert wird Kim aber vorerst auch nur Südkorea, den Bayern fehlt er in den nächsten Wochen wegen der Asien-Meisterschaft. Von Verstärkungen hört man bei den Münchnern noch nichts.

Die Biathlon-Show geht weiter

Gerade aus deutscher Sicht war man nicht mit großen Erwartungen in die neue Biathlon-Saison gegangen, denn Stars und Sieganwärter erwartete man nicht im Kader. Doch es kam anders, die deutschen Frauen und Männer trumpften auf, sorgten für Schlagzeilen und Biathlon war im Gespräch. Franziska Preuß und Philipp Nawrath trugen anfangs sogar des Gelbe Trikot des Weltcup-Führenden. So stimmten auch die Einschaltquoten im Fernsehen.

Die Euphorie hat sich inzwischen ein bisschen abgeschwächt, die Konkurrenz hat aufgeholt und zum Teil das Kommando übernommen (Norwegen bei den Männern), aber das Interesse flaute nicht ab und jetzt geht die Biathlon-Show mit zwei Terminen in Deutschland weiter. Ab Donnerstag, 4. Januar, bis Sonntag, 7.1., wird in Oberhof gelaufen und geschossen, danach ist vom 10. bis 14. Januar Ruhpolding an der Reihe, bevor es im nächsten Dreier-Rhythmus nach Antholz in Südtirol geht. Danach folgt vom 7. bis 18. Februar bereits die Weltmeisterschaft in Novo Mesto. Da wollen auch die deutschen Athleten in Hochform sein.

Zunächst werden sie in der Biathlon-Hochburg Oberhof viel Unterstützung erfahren. Nachdem sie wieder einen gesundheitlichen Rückschlag erlitt, will Franziska Preuß wieder vorne mitmischen. Sie ist mit 322 Punkten Fünfte in der Gesamtwertung, es führt Justine Braisaz-Bouchet (Frankreich/427) vor Ingrid Landmark Tandrevold (Norwegen/417) und Elvira Öberg (Schweden (393). Achte ist Vanessa Voigt. In der Nationenwertung ist Deutschland nur Vierter hinter Norwegen, Schweden und Frankreich.

Bei den Männern dominiert Norwegen, aber Deutschland ist dahinter in der Nationenwertung der „Kronprinz“ vor Frankreich. Nach anfänglichen Schwächen hat Super-Star Johannes Thingnes Bö wieder das Kommando übernommen, vor seinem älteren Bruder Tarjei. Gleich fünf Norweger liegen in der Gesamtwertung vorn, dahinter folgt Philipp Nawrath und Achter ist Benedikt Doll. Auch Justus Strelow (11.) und Johannes Kühn (12.) sind vorn dabei. Vor allem im Sprint zeigen die Deutschen ihre Stärke, Nawrath und Doll liegen direkt hinter Tarjei Bö. Im einzigen Einzelrennen siegte Roman Rees vor Justus Strelow. Gute Aussichten also, dass Biathlon der beliebteste Wintersport hierzulande bleibt.

Im Laufe der Woche folgt noch ein Blog zur Handball-Europameisterschaft vom 10. bis 28. Januar in Deutschland.

Die Männer fliegen den Frauen davon

Mit der Vierschanzentournee der Skispringer erlebt der Sport-Winter zum Jahreswechsel bereits seinen Höhepunkt. Das lässt sich vor allem an den Einschaltquoten im Fernsehen ablesen. In diesem Jahr gerieten die Wettkämpfe in Oberstdorf (29. Dezember), Garmisch-Partenkirchen (Neujahr), Innsbruck (3. Januar) und Bischofshofen (6. Januar) fast in den Hintergrund, denn diskutiert wurde vor allem, warum die Frauen mit ihrem großen Wunsch, ebenfalls eine Vierschanzentournee durchführen zu können, nicht ans Ziel kommen. Das Trostpflaster heißt „Two Nights Tour“ und beinhaltet zwei Springen in Garmisch-Partenkirchen (30. Dezember) und Oberstdorf (Neujahr).

Eigentlich rennen die Frauen offene Türen ein. Eigentlich, denn ein Stück weit ist die Zustimmung der „weißen Männer“ im Weltverband und bei den nationalen Verbänden in Deutschland und Österreich nichts anderes als Beschwichtigung. Die Skispringerinnen lassen allerdings nicht locker, sie sehen das Ziel in Sichtweite, allerdings ergeben sich offensichtlich auch organisatorische Schwierigkeiten, denn in den Touristenorten sind zum Jahreswechsel die Hotelzimmer sowieso knapp und zum großen Tross der Männer passt rund um die Schanzen nicht noch mehr Gewusel. Deshalb die grundsätzliche Idee, die Springen der Frauen konträr zu denen der Männer zu organisieren, also Start in Garmisch-Partenkirchen, dann nach Oberstdorf und gleiches in Österreich, Bischofshofen vor Innsbruck. Der DSV setzte die Idee um, die Österreicher zögern noch, deshalb bleibt es bei einer Minitour. Optimisten sagen, ein Anfang ist gemacht, die Springerinnen wie die zweifache Weltmeisterin Katharina Schmid (geb. Althaus) sagen „wir wollen alle vier, wir wollen endlich anerkannt werden“. Pech aber für die deutschen Mädchen, dass es gerade in diesem Jahr nicht so recht klappt. Der Bundestrainer quittierte kurzfristig seinen Job, man wurschtelt sich jetzt so durch, die großen Erfolge bleiben aus. Schmid ist als beste Deutsche gerade mal Zwölfte im Weltcup. So kann man kein Interesse gewinnen.

Da sieht es bei den Männern schon ganz anders aus, Karl Geiger und Co. träumen davon, endlich die Durststrecke zu überwinden und nach Sven Hannawald 2002 wieder einmal die Tournee zu gewinnen. Allerdings gibt es mit Stefan Kraft einen Überflieger, der seinen Sieg von 2014/15 gern wiederholen würde und im Weltcup klar führt (509 Punkte). Der Österreicher hat seine Bestform gefunden und seinen übermäßigen Ehrgeiz früherer Jahre in mehr Ruhe und Beständigkeit umgemünzt. Dahinter, allerdings mit Abstand, liegen Andreas Welllinger (380), noch kein Sieg, aber immer vorn dabei, und Karl Geiger (353), zweifacher Sieger in Klingenthal. Auch der 33jährige Pius Paschke sorgte in Engelberg für eine Sensation, die Generalprobe klappte also. Stephan Leyhe und Philipp Raimund komplettieren das Team. Mit Markus Eisenbichler fehlt ein bekannter Name, früher ein Kopf des Teams, heute in die Zweitklassigkeit abgestürzt. Selbst im Continental Cup springt er hinterher, doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Springer sagen aus Erfahrung, „plötzlich klappt es wieder und Du weißt nicht warum“. Darauf hofft der 32jährige Bayer.

Generell ist der Favoritenkreis klein, doch bei der Tournee hat es schon oft Überraschungen gegeben, plötzlich fängt ein Außenseiter zum Fliegen an. Das könnte zum Beispiel dem Japaner Ryoyu Kobayashi gelingen (Sieger 2018/19 und 21/22) oder dem Titelverteidiger Halvor Egner Granerud aus Norwegen. Die Deutschen kommen mit den neuen Anzugregeln offensichtlich besonders gut zurecht, die Norweger wiederum haben Schwierigkeiten. Auf jeden Fall schauen die Frauen neidisch auf die Männer, die ihnen buchstäblich noch davon fliegen.

Der Fußball bleibt im Gespräch

Manche Sportarten wollen die Zeit um den Jahreswechsel nutzen, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen, doch der Fußball macht gar keine richtige Pause, er bleibt im Gespräch. So wird bekanntlich in England durchgespielt, da wird ein Besuch der Premier League zum Weihnachtsgeschenk. Ein besonderes Geschenk machte sich Pep Guardiola mit Manchester City, er gewann die letzte Klub-Weltmeisterschaft nach altem Muster, für City und den Trainer der fünfte Titel in diesem Jahr. Für Guardiola war es der vierte WM-Titel, er gewann bereits 2009 und 2011 mit dem FC Barcelona und 2013 mit den Bayern.

Die Ruhe in Deutschland geht auch zu Ende, die Weihnachtspause war kurz, als erste Vereine beginnen bereits am Donnerstag Union Berlin und der VfL Wolfsburg mit der Vorbereitung auf den Start 2024 am 12. Januar. Das Gros der Vereine beginnt mit den Trainingslagern am 2.Januar. Was Neuzugänge angeht, so herrscht größtenteils Ruhe, nur RB Leipzig machte bisher eine Ausnahme, verpflichtete Eljif Elmas vom SSC Neapel. Der 24jährige Nordmazedonier soll Emil Forsberg ersetzen, der zum RB-Nachbarclub nach New York geht. Stolz vermeldete Leipzig auch einen Rekordumsatz von 450 Millionen Euro, aber auch sportlich ging es aufwärts, in der UEFA-Rangliste kletterte der Verein um zehn Plätze nach oben und ist jetzt Siebter.

Großes Jahr 2023, Vorfreude auf 2024

Die Fußball-Fans werden nicht gerade glücklich auf 2023 zurückblicken, schließlich machten die Nationalmannschaften der Männer und der Frauen Sorgen. Für Freude sorgte nur die U17, die Europameister und überraschend Weltmeister wurde. Die Dortmunder Fans grämen sich besonders, weil ihre Mannschaft den Titel praktisch in der Tasche hatte und doch noch an Bayern München verlor. Dafür waren andere Mannschaften erfolgreicher. Die größte Begeisterung lösten die Basketballer aus, die sensationell Weltmeister wurden, die USA ebenso besiegten wie im Finale Serbien mit 83:77. Der Titelgewinn geht als „Jahrhundert-Wunder von Manila“ in die Analen ein. Da ging fast unter, dass auch die Hockey-Männer Weltmeister wurden und Silber war für Deutschland im Eishockey ebenso fast ein Wunder. Die Ehre des Handballs rettete der SC Magdeburg, der erstmals nach 2002 wieder die Champions League gewann. 2023 war aber auch das Jahr der Ski-Königin Mikaela Shiffrin, die sich mit 87 Siegen zur erfolgreichsten Skifahrerin aller Zeiten kürte, sie übertraf bei den Frauen Lindsey Vonn ebenso wie Ingemar Stenmark bei den Männern. Seriensieger war auch Max Verstappen, der die Formel 1 dominierte, doch bei ihm fragt man sich, wie viel Anteil hat der Fahrer und wie viel der überragende Wagen von Red Bull.

Große Siege, große Enttäuschungen – davon lebt der Sport. Wir werden auch 2024 wieder viel erleben, Deutschland ist zweimal Gastgeber von bedeutenden Turnieren. Das ereignisreiche Sportjahr beginnt mit der Handball-EM vom 10. bis 28. Januar. Das Eröffnungsspiel Deutschland – Schweiz wird im Düsseldorfer Fußballstadion ausgetragen, ein Zuschauerrekord ist garantiert. Auch Mannheim, München, Berlin und Köln sehen EM-Spiele. Im Sommer regiert Fußball in Deutschland mit der Europameisterschaft vom 14. Juni bis 14. Juli. Ob es wieder ein Sommermärchen gibt? Die Hoffnung ist groß, die Angst vor einer Enttäuschung aber auch. Der sportliche Höhepunkt aber sind die Olympischen Sommerspiele vom 20. Juli bis 11. August in Paris. Außergewöhnlich soll die Eröffnungsfeier werden mit einem Spektakel auf der Seine. Ganz anders also als gewohnt. Ob wir das am Ende auch vom Sportjahr 2024 sagen werden?

Der Sport-Grantler wünscht allen seinen Leserinnen und Leser alles Gute für das neue Jahr, möge es glücklich und vor allem friedlich werden.

Weihnachtspause nur für die Spieler, harte Arbeit hinter den Kulissen

Die Fußball-Bundesliga ging in ihre verdiente Weihnachtspause. Doch Vorsicht: Die Hinrunde ist noch nicht beendet, sie wird erst mit dem 17., dem ersten Spieltag 2024 vom 12 bis 14. Januar, abgeschlossen. Bayer Leverkusen darf sich dennoch über den Platz an der Sonne freuen, ist aber nur Weihnachtsmeister. Die verdiente Pause gibt es allerdings nur für die Spieler, hinter den Kulissen steht in den nächsten Tagen harte und wichtige Arbeit an. Da geht es bei dem einen oder anderen Verein um den Trainer, viele Klubs suchen aber vor allem Verstärkungen. Von Weihnachtsruhe also keine Spur. Ein Spieler wird aber die Pause besonders genießen: Torjäger Harry Kane! Er musste in England bisher immer durchspielen, gerade zum Jahreswechsel ist der Stress dort besonders groß. Jetzt sagte Kane genüsslich: „Ich werde in der Sonne liegen und meinen alten Freunden eine Karte schicken!“

Was die Trainerwechsel angeht, so hat der 1. FC Köln nach dem schwachen Auftritt beim 0:2 bei Union Berlin einen Schnitt gemacht und sich von Trainer Steffen Baumgart getrennt. Eigentlich war der Mann mit der Mütze eine Kultfigur, doch es zählen nur die Ergebnisse. Die Ausbeute von zehn Punkten stieß Köln auf einen Abstiegsplatz. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht, es könnte aber sogar „Rentner“ Friedhelm Funkel werden, ein Fachmann in Sachen Rettung. Verstärkungen sind für die Rheinländer nicht möglich, der Sportgerichtshof CAS bestätigte eine Transfersperre des Vereins in der Sache Potocnik, der am 31. Januar 2022 widerrechtlich in Ljubljana kündigte und nach Köln wechselte.

Nur zehn Punkte stehen auch bei Schlusslicht Darmstadt und Mainz 05 nur zu Buche. Mainz hat bereits den Trainer gewechselt, beim Neuling Darmstadt bleibt man gelassener und zuversichtlich mit Thorsten Lieberknecht. In Mainz weiß man dagegen nicht so Recht, was man machen soll: Den Trainer „auf Zeit“ Ron Siewert weiter vertrauen oder einen neuen suchen? Das 1:1 in Dortmund sprach für Siewert, der die Mannschaft stabilisiert hat, sieben Punkte in sieben Spielen sind keine schlechte Bilanz, aber ein toller Aufwind war es auch wieder nicht.

Mehr Sorgen hat man sich da sogar in Dortmund gemacht, die Pleite von der verlorenen Meisterschaft kam wieder hoch (damals 2:2 gegen Mainz), Trainer Edin Terzic geriet wegen der nicht konstanten Leistungen in die Kritik. Logisch, dass der Krisenrat tagte, auch Sportdirektor Sebastian Kehl stand in der Diskussion. Der Daumen wurde allerdings nicht gesenkt, Terzic (als einstiger Fan fast ein Maskottchen des BVB) darf ebenso bleiben wie Kehl. Beider Verträge laufen bis 2025, wobei Kehl keine Weihnachtsruhe genießen darf, sondern Verstärkungen suchen muss. Sowohl defensiv als auch offensiv soll es besser werden. Nur mit wem? Der Markt gibt nicht viel her, zumal viele Vereine suchen.

Die Trainer der Hinrunde waren Xabi Alonso in Leverkusen und Sebastian Hoeneß in Stuttgart. Da bangen die Vereine eher im Hinblick auf die Zukunft, dass sie bleiben. Bei Bayer sieht man dem Neustart im Januar allerdings mit Sorgen entgegen, weil Asien- und Afrika-Cup die Mannschaft schwächen könnten. Vom 13. Januar bis 11. Februar wird der Afrika-Cup ausgetragen, vom 12. Januar bis 10. Februar der Asien-Cup, insgesamt 13 Vereine könnten bei entsprechender Nominierung betroffen sein, am stärksten eben Leverkusen, das wohl auf Tapsoba (Burkina Faso), Kossounou (Elfenbeinküste), Adli (Marokko), Tella und Boniface (beide Nigeria) verzichten muss. Bayer hat allerdings einen breiten Kader, der Clou, beim 4:0 gegen Bochum testete Trainer Alonso schon mal ohne diese Spieler. Es blieb fast unbemerkt. Also ruhige Weihnachten in Leverkusen.

Anders sieht es in München aus, auch wenn die Bayern mit Kim (Südkorea), Mazraoui (Marokko) und Choupo-Moting (Kamerun) nur drei Spieler ersetzen müssen. Im Gegensatz zu Leverkusen ist der Kader in München auf Kante genäht, nach Ausfällen lief der Bayern-Motor auf der letzten Rille und das Team rettete sich mit 2:1 in Wolfsburg gerade noch so in die Pause. Jetzt ist Sportdirektor Christoph Freund gefordert, gesucht wird vor allem Verstärkung in der Abwehr mit einem Innenverteidiger (nicht nur als Ersatz für Kim) und rechten Außenverteidiger. Das Problem: Auch in der gehobenen Preisklasse ist das Angebot rar, zumal auch Real Madrid einen Ersatz für David Alaba sucht, der einen Kreuzbandriss erlitt. In München herrscht ein bisschen Unzufriedenheit, obwohl die 38 Punkte nach 15 Spielen (eine Partie gegen Union fehlt noch) die beste Bilanz seit acht Jahren sind. Aber überzeugend waren die Schützlinge von Thomas Tuchel selten und der Blick geht in die Zukunft, mit einem weiteren Umbruch im Team, das große Ziel heißt Finale 2025 in der Champions League – in der Allianz Arena! Nicht umsonst haben die Ikonen Manuel Neuer und Thomas Müller ihre Verträge bis dahin verlängert. Übrigens: Das große Duell Leverkusen – Bayern ist von der DFL auf Samstag, 10. Februar (18.30 Uhr), terminiert.

Super League fühlt sich als großer Sieger

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat die Fußballwelt mit seinem Urteil aufgeschreckt, als er verkündete, dass in Europa die UEFA und auch Weltverband FIFA gegen die Marktgesetze der Europäischen Union verstießen, sie würden ihre „marktbeherrschende Stellung missbrauchen“. Da triumphierte Florentino Perez, Präsident von Real Madrid, der zusammen mit dem FC Barcelona Gründer der Idee der Super League ist und gegen die Ablehnung von UEFA und FIFA vor Gericht ging. Die Macher der Super League sehen sich als große Sieger und haben die neue Liga schon vor Augen, gingen prompt mir ihrer Ligen-Idee an die Öffentlichkeit. Neben der Champions League soll es in Europa auch die Super League geben, die nationalen Runden wären nicht betroffen. Doch welcher Verein nimmt teil, wie und wann sollen diese Spiele terminiert werden?

Nach dem ersten Schock strahlten die etablierten Verbände allerdings Gelassenheit aus, denn der EuGH urteilte nur in der Sache des Antrags, verurteilte die UEFA aber nicht zur Hilflosigkeit. Der Widerstand gegen die Super League ist nach wie vor groß, England und Deutschland werden nicht teilnehmen und die Fan-Organisationen gingen bereits wieder auf die Barrikaden, sie lehnen die Liga ab, die in ihren Augen nur gegründet werden soll, dass reiche Vereine noch reicher werden. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin betonte: „Die vom Gericht angeführten Mängel wurden zum Teil schon beseitigt, Nachbesserungen folgen. Im Grunde würde das bestehende Modell eher gestärkt.“ Er ist sich sicher: „Der Fußball steht nicht zum Verkauf, er bleibt vereint, sie können kreieren, was immer sie wollen.“

Wenn man so will, so hat die FIFA mit der erweiterten Klub-WM schon ein Gegenmodell geschaffen. In Saudi-Arabien wurde jetzt das letzte Turnier der alten Art ausgespielt, ab 2025 werden es 32 Mannschaften sein, die vom 15. Juni bis 13. Juli den „Klub-Weltmeister“ ausspielen. Europa stellt allein zwölf Mannschaften, Bayern München ist ebenso bereits gesetzt wie Paris, Inter Mailand, FC Porto und Benfica Lissabon, qualifiziert sind zudem die letzten Champion-League-Sieger Chelsea, Real Madrid und Manchester City. Deutschland wird zwei Vertreter stellen. Leidtragende sind die Spieler, die kaum eine Pause bekommen. Die Bundesliga endet am 17. Mai, das CL-Finale wird am 31. Mai gespielt, dazu gibt es Länderspiele im Juni und im August beginnt die neue Saison! Die Funktionäre planen rücksichtslos!

Frauen beliebter als Männer

Wer hätte das gedacht, in der „Beliebtheitsskala“ steht die Frauen-Nationalmannschaft vor den Männern! Den Beweis liefern die TV-Einschaltquoten 2023. Das WM-Spiel der Frauen gegen Kolumbien sahen 10,374 Millionen Fans (und das am Mittag!), bei den Männern war das Länderspiel gegen Frankreich mit 10,369 Millionen die Nummer 1. Auch die Frauen-Bundesliga bleibt im Aufwind, der Zuschauerschnitt stieg erneut an, von 2700 auf 2900. Vor dem Boom gab es nur dreistellige Zahlen.

Allerdings sind die Frauen-Teams jetzt gefordert, denn nur Erfolge locken die Fans und da hapert es international. Wichtig wäre, dass die Nationalmannschaft die Olympia-Qualifikation schafft und in der Champions League müsste wenigstens Bayern München noch das Steuer herumreißen. Eintracht Frankfurt hat mit dem 1:1 gegen Benfica Lissabon eine große Chance verpasst und es droht das Ausscheiden in den Gruppe A. Nur Dritter sind deerzeit auch die Bayern, die bei Ajax Amsterdam mit 0:1 ihre überhaupt erste Saison-Niederlage hinnehmen mussten, aber dennoch Chancen haben, das Ruder herum zu reißen. Dazu wäre aber am 24. Januar in Rom ein Sieg notwendig (Hinspiel 2:2). Man sieht, auch die Frauen büßen für ihre neue Popularität und haben keine richtige Winterpause. Bayern und Frankfurt müssen noch Pokalspiele nachholen und am 26. Januar geht es in der Bundesliga weiter.

Fußball-Fans erst leise, dann gewalttätig

Das sportliche Geschehen in der Fußball-Bundesliga wurde am vergangenen Wochenende vor allem vom Protest der Fans gegen den Einstieg von Investoren in der DFL überschattet. Fast überall war es in den Stadien zuerst leise, genau zwölf Minuten lang, weil die Fans auf den „12. Mann“ als Unterstützung anspielten und diese Unterstützung entziehen sie den Vereinen, wenn gegen ihre Wünsche gearbeitet wird. Die Fans befürchten, dass der Einstieg von Investoren gleichzeitig der Einstieg in die komplette Kommerzialisierung der Bundesliga bedeutet. Sie machen damit deutlich: Sie wollen mitbestimmen! Ihre Meinung war auf Bannern zu lesen: „Wir werden kein Teil eures Deals sein – Scheiß DFL“. Das Problem, danach verstießen die Ultras wieder gegen die Regeln, zündeten Pyros und vor allem in Paderborn schockten wieder einmal gewalttätige „Anhänger“ aus Rostock, die Raketen aufs Spielfeld warfen, Schlägereien anzettelten, Zuschauer angriffen und Stadion-Einrichtungen verwüsteten. Rund 100.000 Euro Schaden ist die traurige Bilanz.

Dies war ja kein Einzelfall, es gab zuletzt öfters Ausschreitungen. Die Ultras sollten sich Gedanken machen, welchen Schaden sie den Vereinen finanziell zufügen (Beschädigungen, Strafen) und wie sie dem Fußball in der Öffentlichkeit schaden. Darüber wollen sie nicht sprechen, Pyros halten sie trotz Verbote für legitim. Wenigstens einfallsreich waren die Proteste, mit dem Werfen von Tennisbällen oder Gegenständen, die nicht zu Verletzungen führen können. Bochums Stürmer Takuma Asano hatte die richtige Antwort: Er „dopte“ sich mit zugeworfener Schokolade und schoss das Führungstor zum 3:0-Sieg gegen Union Berlin. Positiver Protest also. Keine so gute Rolle spielte allerdings die DFL, denn über die geheime Abstimmung wird diskutiert, vor allem weil die notwendige Stimmenzahl von 24 genau erreicht wurde, aber Hannovers Investor Martin Kind unterstellt wird, dass er entgegen der Weisung des Vorstandes zugestimmt hat. Kind selbst schweigt, so dass ein Schatten über dieser Entscheidung liegt. Gegen die Ausschreitungen muss die DFL allerdings energischer vorgehen.

Dabei wäre doch der Sport interessant genug, wobei festgestellt werden muss, dass immer mehr Mannschaften Verletzungssorgen haben. Die Weihnachtspause sehnen fast alle herbei, Dienstag/Mittwoch wird aber noch gespielt. danach geht es am 12. Januar schon wieder weiter. Bayer Leverkusen lässt sich an der Spitze nicht irritieren und hält München auf Distanz. Frankfurt schockte vor einer Woche zwar die Bayern, machte dagegen in Leverkusen beim 0:2 keinen Stich. Die Bayern wiederum waren vor allem um Reputation bemüht, erst in Manchester, dann gegen die Wirbelwinde aus Stuttgart. Bayern-Trainer Thomas Tuchel trotzte mit einer taktischen Meisterleistung sowohl dem VfB, als auch den Ausfällen. Kurzfristig fehlten auch noch Kimmich und Gorotzka, so dass das Mittelfeld die „Notnagel“ Guerreiro und Pavlovic bildeten. Vor allem der 19-jährige Aleksandar Pavlovic wurde zum Held des Spiels, bot eine beeindruckende Leistung und bereitete mit besseren Standards als Kimmich Tore vor. Das Juwel, ein gebürtiger Münchner, sollte Tuchel nicht länger verstecken. Auch Routinier Thomas Müller durfte zeigen, dass er noch nicht zum alten Eisen gehört. Nette Geschichte am Rande: Bayern gratulierte kürzlich seinem ältesten weiblichen Mitglied zum 105. Geburtstag! Klara Geiger bewältigt noch ihren eigenen Haushalt und schaut jedes Spiel im Bayern-Trikot. Ihr Geburtstagswunsch: Die Bayern sollen noch vor Weihnachten mit Thomas Müller den Vertrag verlängern.

Noch vor der Pause setzten sich Leverkusen und Bayern oben ab, Dortmund verlor nach dem 1:1 in Augsburg den Anschluss, 13 Punkte Rückstand sind es auf Leverkusen, schon fünf auf den Vierten Stuttgart. Dagegen hat sich Leipzig erholt und war beeindruckt von der Forsberg-Show. Der Schwede, eine Legende des RB, der den Aufstieg des Vereins von Anfang an begleitete, verabschiedete sich mit einer tollen Leistung und einem Tor zum Partnerverein RB nach New York. Mit ihm geht auch ein Stück Bundesliga-Geschichte. Am Tabellenende konnte wieder niemand punkten, umso mehr Bedeutung bekommt das Duell Union – Köln am Mittwoch (18.30 Uhr).

Norden beherrscht 2. Bundesliga: Das Oberhaus muss vor Weihnachten noch eine Zusatzschicht einlegen, die 2. Bundesliga ging bereits in ihre Winterpause, am 19. Januar geht es wieder weiter. Was auffällt: Der Norden beherrscht zur Halbzeit die 2. Bundesliga, gleich drei Nordvereine stehen vorn, wobei Holstein Kiel als Tabellenführer eine dicke Überraschung ist. Kiel gab sich auch gegen Hannover (3:0) keine Blöße und wurde Halbzeitmeister, weil sich St. Pauli gegen Neuling Wehen-Wiesbaden einen Ausrutscher leistete. Auf dem Relegationsplatz der HSV, der mit dem 2:0 in Nürnberg zwar seine Auswärtsschwäche ablegte, aber schon vier Punkte Rückstand auf Kiel hat.

Nagelsmann sorgt für Furore: Vom Geschehen in der Bundesliga lenkte auch Bundestrainer Jürgen Nagelsmann ab, der mit einem Interview im Aktuellen Sport-Studio des ZDF für Furore sorgte. Eigentlich wollte er nichts verraten, aber er deutete doch mehr oder weniger personelle Überlegungen für die EM im nächsten Jahr an. So tendiert er immer mehr zu Manuel Neuer im Tor, was ter Stegen nicht gerne hören will. Joshua Kimmich hat er offenbar schon informiert, dass seine Rolle künftig die des rechten Außenverteidigers sein wird. Da könnte er sowieso die beste Lösung sein, eventuell am Mittwoch in Wolfsburg bei Genesung auch für die Bayern. Nagelsmanns Idee der Mittelfeldbesetzung ist allerdings revolutionär: Er will wohl Toni Kroos zum Comeback überreden und Gündogan dafür offensiver einsetzen. Dann würde sich das Mittelfeldpärchen Kroos/Groß abzeichnen. Nagelsmann sorgte also für einen Paukenschlag vor dem neuen Jahr.

Schlager Leipzig – Real: In der Champions League hat sich die Bundesliga gut geschlagen und stellte mit Bayern und Dortmund sogar zwei Gruppensieger. Die Bayern sorgten beim 1:0-Sieg bei Manchester United mit dem 40. ungeschlagenen Gruppenspiel in Folge für einen Rekord für die Ewigkeit, denn die normale Gruppenphase wird es bekanntlich nicht mehr geben. Künftig spielen 36 Vereine in einer Tabelle und es gibt 100 Spiele mehr!

Noch gilt das alte System und da wurde am Montag das Achtelfinale ausgelost. Am härtesten erwischte es RB Leipzig, das als Gruppenzweiter hinter Manchester City nun Real Madrid zugelost bekam. Borussia Dortmund zeigte in der CL ja sein Schokoladengesicht und siegte in der Todesgruppe genannten Konkurrenz und hat nun einen interessanten Gegner, nämlich PSV Eindhoven mit dem ehemaligen Borussia-Trainer Peter Bosz. Doch Vorsicht: PSV hat in der Eredivisie alle 16 Spiele gewonnen und unterlag in der Gruppe nur Arsenal London. Die Bayern dürfen mit ihrem Los auch zufrieden sein, sie duellieren sich mit Lazio Rom und haben mit italienischen Klubs gute Erfahrungen. Außerdem spielen Porto – Arsenal, Neapel – Barcelona, Paris – Real Sociedad, Inter Mailand – Atletico Madrid und Kopenhagen – ManCity. Gespielt wird vom 13. bis 21. Februar und 5. bis 13. März 2024.

Bayern-Frauen schwächeln: Nicht in der notwendigen Form sind offensichtlich die Frauen des FC Bayern, sie mussten nämlich in der letzten Woche zwei Rückschläge hinnehmen. In der Champions League kamen sie gegen Ajax Amsterdam über ein 1:1 nicht hinaus und so hieß es auch im Punktspiel beim 1. FC Nürnberg. Über 4000 Zuschauer sahen im Max-Morlock-Stadion wie sich der Neuling und Vorletzte gegen den Tabellenführer tapfer und erfolgreich wehrte. Damit machten die Bayern in der Bundesliga den Weg für den VfL Wolfsburg an die Spitze frei und in der Champions League stehen sie vor dem Rückspiel gegen Ajax am Mittwoch gehörig unter Druck. Auch Eintracht Frankfurt steht mit dem Rücken zur Wand und muss am Donnerstag (18.45 Uhr) das Rückspiel gegen Benfica Lissabon nach dem 0:1 in Portugal unbedingt gewinnen, um ein Ausscheiden zu vermeiden. Hinter Barcelona geht es um Platz zwei.