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Bayern, Dortmund, Leverkusen, Stuttgart: Die Bundesliga-Rätsel

Die DFL debattierte am Montag über die Zukunft, genau um einen Investoren-Deal. Es geht also um Geld. Dabei ist der Sport interessant genug, damit sich die Fußball-Bundesliga als attraktives Produkt präsentieren kann. Dazu liefert das Geschehen in dieser Saison noch eine besondere Spannung, denn die Klubs geben viele Rätsel auf, vor allem an der Spitze. Egal, ob Titelverteidiger Bayern München, das nach Titeln lechzende Borussia Dortmund, Überraschungs-Tabellenführer Bayer Leverkusen oder der VfB Stuttgart als Aufsteiger der Saison, sie alle geben Rätsel auf: Die Frage ist „Warum?“

Am leichtesten lässt sich das Rätsel Leverkusen lösen, Simon Rolfes und Kollegen haben bei Bayer einfach gut und gezielt eingekauft, die Mannschaft prima verstärkt, auf einen breiten Kader geachtet und mit Xabi Alonso den derzeit besten Trainer der Liga. Das war alles so nicht zu erwarten, hat sich aber heimlich, still und leise im Sommer so ergeben. Der Top-Zugang war der Schweizer Granit Xhaka, der vom FC Arsenal London kam, im Mittelfeld aufräumt und gleichzeitig die Führungspersönlichkeit ist. Der Konkurrenz fehlt dieses Kernstück, Thomas Tuchel hat sie in München im Kader, verzichtet aber seltsamerweise meist auf Thomas Müller, der nur als quasi „Pressesprecher“ nach dem Spiel Führung zeigen darf. Vorteil Leverkusen, vier Punkte Vorsprung.

Es ist nicht nur die manchmal seltsame Personalpolitik des Trainers, die Bayern geben überhaupt das größte Rätsel auf. Am Samstag wurden die Münchner von der Eintracht demaskiert, beim 5:1 deckten die Frankfurter alle Schwächen des Rekordmeisters auf. Leichtes Spiel hatte Eintracht-Coach Dino Toppmöller, der als ehemaliger Bayern-Co-Trainer alle Stärken und vor allem Schwächen seiner ehemaligen Schützlinge kennt, zum Beispiel welche Probleme es im Mittelfeld gibt. Es zeigte sich wieder einmal, dass Joshua Kimmich trotz aller Bemühungen keine Führungspersönlichkeit ist, die fehlt ohne de Ligt auch in der Abwehr, die Fehler der gesamten Abwehrreihe waren haarsträubend und verheißen für die Zukunft nichts Gutes. Aber warum waren die Bayern bisher eigentlich so erfolgreich? Die individuelle Klasse der Spieler, deutlich geworden mit den Toren von Harry Kane, verdeckten die Schwächen. So blieben die Münchner bis zum Gastspiel in Frankfurt ungeschlagen. Beim 1:5 erinnerten sich alle natürlich an dieses Ergebnis im Jahr 2019, danach musste Bayern-Trainer Niko Kovac gehen. Tuchel muss nicht gehen, zumindest jetzt nicht, drei Spiele stehen bis zur Weihnachtspause noch an, das Schlagerspiel gegen Stuttgart am Sonntag (19.30 Uhr) und das Gastspiel in Wolfsburg am Mittwoch vier Tage vor Heilig Abend. Dazu kommt die Aufgabe in der Champions League am Dienstag bei Manchester United. Vom Auftreten der Mannschaft wird es abhängen, ob in der Winterpause über den Trainer diskutiert wird oder sogar gehandelt wird – wenn es einen geeigneten Nachfolger gibt. Verstärkungen für die Abwehr sind auf jeden Fall dringend notwendig. Davies ist nur ein Schatten frühere Tage, Upamecano bleibt ein sinnbildliches Rätsel, mal prima, mal fehlerbehaftet.

Über den Trainer wird in Dortmund bereits diskutiert, Edin Terzic sitzt nicht mehr sicher im Sattel, die Rückschläge mehren sich, nur wenige Monate nachdem die Borussia fast leichtfertig die Titelchance verspielt hat, sind die Meisterträume bereits nach 14 Spieltagen geplatzt. Als Tabellenfünfter mit vier Punkten Rückstand auf RB Leipzig auf Rang vier muss Dortmund nach der 2:3-Niederlage gegen den Konkurrenten sogar um die Champions League bangen. Für das Rätsel und die Wundertüte Dortmund steht sinnbildlich Abwehrstratege Mats Hummels. Einmal Weltklasse, dann wieder Kreisklasse. Bereits in der 15. Minute flog der Nationalspieler nach einer übermotivierten Grätsche gegen Openda vom Platz, sein dritter Platzverweis im 430. Bundesligaspiel. Da hätte er lieber ein Tor von Openda in Kauf genommen, hinterher war sich Hummels mit seinem Trainer einig: „Das war unnötig“. Nötig hat Dortmund in der Winterpause vielleicht eine Blutauffrischung, die Zugänge im Sommer entpuppten sich nicht unbedingt als Knüller.

Über den Trainer wird in Stuttgart nicht diskutiert. Logisch, vom Abstiegskandidaten zum Meisteranwärter, bei so einer Entwicklung wird höchstens über eine Vertragsverlängerung von Sebastian Hoeneß geredet. Dennoch ist der VfB ein Rätsel, der Aufschwung kommt unerwartet, wird aber verständlich, wenn man das 1:1 gegen Leverkusen beobachtet hat. Hoeneß hat seinem Team Mut und Angriffslust verordnet, Bayer brauchte eine Halbzeit, um sich auf den offensiven Gegner einzustellen. Die erste Niederlage für Leverkusen wäre möglich gewesen. Mit dieser Taktik wird der VfB wohl auch bei den Bayern auflaufen, die so etwas auch nicht mögen, aber sicherlich auf Wiedergutmachung aus sind und ein bisschen mehr laufen werden als in Frankfurt, da war der Gegner rund 10 Kilometer mehr unterwegs! Da stimmt dann der Ärger über „faule Millionäre“. Der VfB wird aber auch ein bisschen Angst vor der Winterpause haben, wenn die Wechselfrist beginnt. Vor allem die reichen Vereine der Premier League haben Stuttgart im Visier.

Übrigens wollte es das Schicksal der Pokalauslosung so, dass der VfB und Bayer im Viertelfinale wieder aufeinandertreffen, diesmal in Leverkusen. Der Sieger geht als Pokalfavorit ins Halbfinale. Nachdem es zwei Duelle aus der zweiten Liga gibt, sind auch zwei Zweitligisten unter den letzten vier vertreten, die Duelle lauten Hertha BSC – Kaiserslautern und St. Pauli – Düsseldorf. Favoritenschreck 1. FC Saarbrücken darf sich mit Gladbach einen weiteren Bundesligisten vornehmen. Gespielt wird am 30./31. Januar und 6./7. Februar, es ist das erste Mal, dass das Viertelfinale über zwei Wochen aufgeteilt wird.

Zuerst gehen in dieser Woche die Gruppenspiele in den europäischen Wettbewerben zu Ende. In der Champions League sind erstmalig gleich drei Bundesligisten bereits für das Viertelfinale, das am Freitag in London ausgelost wird, qualifiziert. Bayern München steht sogar schon als Gruppensieger fest, RB Leipzig wiederum als Zweiter hinter Manchester City. Dortmund muss gegen Paris noch um den Gruppensieg kämpfen, ein Unentschieden reicht, um einen Gruppenzweiten als Gegner zu bekommen, was eine schwere Aufgabe nicht ausschließt. Vor allem für die Bayern steht nach dem Desaster von Frankfurt bei Manchester United Reputation an und ein Ausbau der CL-Erfolgsserie. Seit 39 Gruppenspielen sind die Münchner ungeschlagen, die letzten acht Spiele haben sie auswärts alle gewonnen. Für Harry Kane wird es ein besonderer Ausflug, er wird der erste Engländer, der für einen anderen Verein in der CL in Old Trafford auftritt und könnte sein 50. CL-Tor erzielen. Anders sieht es für Union Berlin aus, ausgerechnet Real Madrid ist die Hürde, um mit einem Sieg evtl. auf Europas Bühne zu überwintern.

Auch für die Frauen geht es in der Champions League weiter, Eintracht Frankfurt tritt bei Benfica Lissabon an (Mittwoch, 21.00 Uhr), die Bayern Mädchen treffen am Donnerstag, 18.45 Uhr, auf Ajax Amsterdam, das mit einem Sieg gegen Paris überraschte. Also ein Schlüsselspiel für die Münchnerinnen für eine gute Ausgangsposition im neuen Jahr. In der Bundesliga war der 3:1-Sieg von Eintracht Frankfurt gegen Hoffenheim das bedeutendste Ergebnis, es brachte der Eintracht den Sprung auf Platz drei in der Tabelle.

Die wichtigste Entscheidung für den Frauen-Fußball hat der DFB in der vergangenen Woche mit der Verpflichtung von Nia Künzer als neue Sportdirektorin getroffen. Die 43-jährige Ex-Nationalspielerin wurde 2003 durch ihr Golden Goal im WM-Finale gegen Schweden bekannt und war zuletzt viele Jahre Expertin bei der ARD. Geboren ist sie in Botswana, wo ihre Eltern als Entwicklungshelfer arbeiteten. Ihr zweiter Vorname ist Tsholofelo, was „Hoffnung“ heißt. Auf ihr ruhen also die Hoffnungen, dass der Frauen-Fußball mehr Gewicht bekommt. Bislang arbeitete sie als Dezernentin im Regierungspräsidium Gießen, ihr Fachbereich waren Flüchtlingsangelegenheiten, Erstaufnahmeeinrichtung und Integration. Nun hofft sie, dass die Nationalmannschaft den Sprung zu Olympia schafft, nachdem trotz des 0:0 in Wales durch die Niederlage von Dänemark gegen Island der Gruppensieg gelang. Eine große Aufgabe könnte auch 2027 warten, für die Austragung der Weltmeisterschaft hat sich Deutschland zusammen mit den Niederlanden und Belgien beworben.

Vielleicht hat Nia Künzer schon Glück gebracht, bei der Auslosung der Final Four der Nations League hat Deutschland das Wunschlos Frankreich gezogen. Hier werden nämlich die restlichen zwei Tickets für Olympia 2024 vergeben. Wenn die Hrubesch-Schützlinge am 23. Februar in Frankreich gewinnen, sind sie für Paris qualifiziert, bei einer Niederlage bekommen sie eine zweite Chance gegen den Verlierer der zweiten Partie Spanien – Niederlande. Frankreich ist nämlich als Gastgeber bereits qualifiziert und so bekommt der Sieger des Spiels um Platz drei am 28. Febuar gegebenenfalls das zweite Ticket.

Fußball-Deutschland kann noch Weltmeister

Ach, was war zuletzt in Deutschland über den Fußball gejammert worden, kein guter Nachwuchs, keine Zukunft mehr und die deutschen Tugenden wären verloren gegangen. Fußball-Deutschland ein Jahr vor der Europameisterschaft im eigenen Land im Jammertal. Aber hoppla, plötzlich ist ein Stimmungsumschwung da. Die Jugend macht’s! Fußball-Deutschland kann noch Weltmeister und plötzlich sehen einige wieder rosarot in die Zukunft. Für die neue Euphorie sorgte die U17-Nationalmannschaft, die in Indonesien mit einem 2:2 nach 90 Minuten und 4:3 im Elfmeterschießen gegen Frankreich erstmals Weltmeister wurde! „Weltmeister“, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Doch so unwahrscheinlich war das gar nicht, es war eine Wiederholung der Ereignisse vom Sommer, da gewann Deutschlands U17 bereits die Europameisterschaft – im Elfmeterschießen gegen Frankreich!

Die Burschen um Kapitän Noah Darvich (Barcelona) und Paris Brunner (Dortmund) sowie Elfmeter-Torhüter-Held Konstantin Heide (Unterhaching) gingen schon selbstbewusst ins Turnier – „Warum sollen wir nicht Weltmeister werden?“ – und zeigten die deutschen Tugenden, Leidenschaft und Widerstandskraft. Im Halbfinale musste das Elfmeterschießen her und im Finale spielte Deutschland 30 Minuten in Unterzahl, mit viel Leidenschaft und Kampf. Paris Brunner ist ein Beispiel dafür, wie 17jährige so sind und nicht nur brave Burschen gebraucht werden. Er wurde erst kürzlich vom Verein suspendiert, ein Grund nicht genannt, aber bei der WM trumpfte er auf, führte das Team, glänzte als Schütze entscheidender Tore und wurde zum besten Spieler des Turniers gekürt. Jetzt befinden sich einige Medien schon im Höhenflug, fordern, dass Brunner mit zur EM der Erwachsenen müsste und der erfolgreiche Bundestrainer Christian Wück (50 Jahre alt) wird schon als Nachfolger von Julian Nagelsmann ins Gespräch gebracht, wenn der nach der EM 2024 nicht mehr will oder darf. Aber tausende Kilometer vom WM-Triumphgeheul bei einer ausgiebigen Party zeigte sich Nagelsmann schon als lernfähig: „Wir müssen ein paar andere Dinge zeigen, und dafür brauchen wir auch den einen oder anderen Spieler und die eine oder andere Herangehensweise“, sinnierte er nach der Gruppenauslosung der EM. Er deutete damit an, dass er künftig nicht nur auf Schönspieler setzt, sondern auch Arbeiter gebraucht werden. Die Alten sollen kämpfen (und erfolgreich sein) wie die Jungen.

Ein weiteres erfreuliches Ergebnis ging mit dem Jubel um die U17 und dem Trubel der EM-Auslosung fast unter, dass nämlich die Frauen den Weg zurück zum Erfolg ebenfalls gefunden haben und alle Möglichkeiten für das Olympia-Ticket wieder in der eigenen Hand haben. Die Wende schaffte Interimstrainer Hrubesch, der den Mädchen gleichzeitig Disziplin und Lockerheit zurückbrachte und die Tristesse unter Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg beendete. In Dänemark gab es noch eine 0:2-Niederlage, jetzt steht nach einem 3:0-Sieg im Rückspiel in Rostock die Tür zu Olympia wieder offen. Der nächste Schritt muss ein Sieg am Dienstag in Wales sein, dann gibt es im Frühjahr die Play-Offs der vier Gruppensieger um zwei Tickets.

Mit der Einstellung und Lockerheit von Rostock kann es die DFB-Elf schaffen. „Einstellung, Wille, Glaube – sensationell“, lobte der Trainer, während die Spielerinnen glücklich über den lockeren Trainer sind, „jede hat ein Lachen auf den Lippen“, bemerkte Giulia Gwinn. Sollte es mit der Teilnahme in Paris 2024 klappen, dann muss dort Horst Hrubesch ebenso als Trainer fungieren wie in den Play-Offs. Danach sollte die wohl neue Sportdirektorin für Frauen, Nia Künzer wird es wohl sein, auf die Suche nach einem geeigneten Nachfolger oder Nachfolgerin gehen. Er oder sie sollte viel von Hrubeschs Art haben. Die Begeisterung der Fans ist ebenfalls ungebrochen, 4,3 Millionen schauten beim ZDF zu.

Das EM-Los war gnädig

Die Gruppen-Auslosung zur Europameisterschaft 2024 in Hamburg wäre fast ohne den deutschen Bundestrainer über die Bühne gegangen. Das Schnee-Chaos in Bayern stoppte Züge und Flüge und so nahm der gesundheitlich angeschlagene Julia Nagelsmann acht Stunden Autofahrt auf sich und war rechtzeitig in der Elbphilharmonie. Vielleicht war deshalb das Los gnädig, keine Hammergruppe, kein Österreich oder Italien, sondern eine interessante, aber machbare Gruppe mit Schottland (Eröffnungsspiel am Freitag, 14. Juni, 21.00 Uhr, in München), Ungarn (Mittwoch, 19 Juni, 18 Uhr, in Stuttgart) und Schweiz (Sonntag, 23. Juni, 21 Uhr, in Frankfurt) als Gegner. Als Hammergruppe gilt eher die Gruppe B mit Spanien, Kroatien, Italien und Albanien. Von den 24 Nationen scheiden sowieso nur acht aus, die ersten beiden Teams jeder Gruppe und die vier besten Gruppendritten kommen ins Achtelfinale. Das Finale wird am Sonntag, 14. Juli (21 Uhr) in Berlin ausgetragen. Ihr Quartier wird die DFB-Elf im Adidas-Sportpark in Herzogenaurach aufschlagen.

Vor dem EM-Finale sieht das Berliner Olympiastadion noch drei Gruppenspiele, je ein Spiel in Achtel-, Viertel- und Halbfinale. Vielleicht wird das Endspiel des DFB-Pokal am 25. Mai aber noch interessanter. Da steht am Dienstag und Mittwoch das Achtelfinale an, bekanntlich sind nur noch sechs Bundesligisten dabei, vier davon stehen sich in direkten Duellen gegenüber: Gladbach – Wolfsburg am Dienstag, Stuttgart – Dortmund am Mittwoch. Frankfurt muss zum Bayern-Bezwinger Saarbrücken, Leverkusen erwartet Paderborn. Als einziger Amateurverein ist der Regionalligist FC 08 Homburg dabei und der will seinen Erfolgsweg am Dienstag auch gegen St. Pauli fortsetzen. Dazu gibt es drei Zweitligaduelle: Kaiserslautern – Nürnberg, Magdeburg – Düsseldorf (beide Dienstag) und Hertha BSC – HSV (Mittwoch).

Jetzt gilt es für den VfB Stuttgart

In der Bundesliga wurde Bayern München zum Zuschauen verurteilt, das Schneechaos in München ließ kein Spiel in der Allianz Arena zu, weil eine Anfahrt zum Stadion unmöglich wurde und auch Dachlawinen die Zuschauer gefährdet hätten. So durften sich die Bayern auch auf dem Sofa als Sieger fühlen, denn Tabellenführer Bayer Leverkusen gab gegen Dortmund einen Punkt ab. Hätten die Bayern ihr Spiel gegen Union Berlin gewonnen, hätte sie das an die Spitze gebracht, weil die Tordifferenz besser ist. Beide Teams sind noch ungeschlagen, Union rutschte ohne Spiel ans Tabellenende, wo vor allem Köln seinen zweiten Sieg mit dem 1:0 in Mainz feierte und die Abstiegsränge verließ.

Dortmund gab zwar den Sieg in Leverkusen aus der Hand, darf aber eine erfolgreiche Woche registrieren. Für Aufwind sorgte vor allem der 3:1-Erfolg in der Champions League beim AC Mailand. Damit ist die Borussia in ihrer Hammgruppe (mit Paris und Newcastle) ebenso wie Leipzig und die Bayern bereits für das Achtelfinale qualifiziert. Nur Union fällt aus der Rolle, kann aber vielleicht noch in Europa überwintern, wenn es das letzte Spiel gewinnt, Gegner ist allerdings Real Madrid. Bei Dortmund ärgerte sich Trainer Edin Terzic aber über das 1:1 in Leverkusen, er sah sein Team eher als Sieger und klagte Schiedsrichter Daniel Siebert an, dass er keinen Elfmeter bei einem Foul gegen Adeyemi gab. Das aber wäre wirklich eine harte Entscheidung gewesen, eher hätte Siebert einen Elfmeter für Leverkusen pfeifen müssen, als Can rüde Palacios foulte. Auch da blieb die Pfeife stumm, aber auch Dortmunds Trainer, der die Größe hätte haben und sehen müssen, dass dies eher ein Elfmeter war. Schade, dass auch die Trainer der Bundesliga oft die Objektivität vermissen lassen und vereinsblind sind.

Die Wochen der Wahrheit gehen für Dortmund im Pokal in Stuttgart weiter und am Samstag gegen Leipzig im nächsten Spitzenspiel. Es gilt aber auch für den VfB Stuttgart, der eben gegen Dortmund im Pokal, dann am Sonntag gegen Spitzenreiter Leverkusen und einen Sonntag später in München zeigen muss, ob er dauerhaft in der Spitzengruppe mitmischen kann. Im Zweifelsfall sollen es die Torjäger Serhou Guirassy und Denz Undav richten, die schon als „magisches Zweieck“ in Erinnerung an das glorreiche „magische Dreieck“ mit Elber/Bobic/Balakow tituliert werden. Trainer Sebastian Hoeneß griff zur logischen Lösung, nachdem mal beide Torjäger einsatzfähig waren. Aber der VfB hat nicht nur Torjäger, sondern auch Arbeiter. Er sollte die Chance jetzt nutzen, wer weiß, wer nach dem Winter oder im nächsten Jahr noch da ist.

Verstappen lernt mit Red Bull das Fliegen

Der Brause-Hersteller Red Bull wurde mit seinem Werbespruch „Red Bull verleiht Flügel“ bekannt und hat dies in der Formel 1 jetzt fast umgesetzt. Max Verstappen lernte auf seinem Weg zu seinem dritten Titelgewinn das Fliegen – so kam es jedenfalls der Konkurrenz vor, er flog nämlich einfach davon. Der Holländer blieb mit seinem Boliden natürlich auf der Straße, abgeflogen ist er nicht, sonst hätte er nicht eine Saison der Rekorde hinlegen können: 19 Siege in 22 Rennen, 1003 Führungsrunden, 575 Punkte in der Fahrerwertung, damit hätte er allein auch die Konstrukteurswertung gewonnen. Beim Finale in Abu Dhabi landete er seinen 54. Grand-Prix-Sieg und setzte sich damit auf Rang drei der ewigen Bestenliste, nur Michael Schumacher (91) und Lewis Hamilton (103) liegen noch vor ihm. Nach rund 100 Tagen Pause, bevor am 2. März 2024 die neue Saison startet, hat er in dann 24 Rennen die Chance, weiter auf Rekordjagd zu gehen.

Es schaut nämlich nicht so aus, als könnte die Konkurrenz die Lücke zu Red Bull und Verstappen in dieser Zeit wirklich schließen, zumal Red Bull mit Adrian Newey auch den besten Designer seit 2006 unter Vertrag hat. Die Hoffnung der Konkurrenz ruht auf 2026, wenn es einen Neubeginn gibt, damit ist auch meist eine Ende der herrschenden Dominanz verbunden, die es schon oft in der Formel 1 gab. Max Verstappen hatte ja einen bemerkenswerten Start seiner Erfolgsserie, als er von einer Rechtsbeugung von Rennleiter Masi profitierte und in der letzten Runde Hamilton überholen konnte und den Titel einfuhr. Jetzt ist es der Hattrick, Verstappen flog davon und der Rest befindet sich auf dem Boden der Tatsachen. Lewis Hamilton träumt zwar weiter von seinem achten Titel und dem alleinigen Rekord, doch wie soll das gehen?

Mercedes wurde zwar Zweiter in der Konstrukteurswertung, aber 451 Punkte Rückstand auf Red Bull sind Welten. Ferrari (406) enttäuschte ebenso, nur McLaren (302) war zufrieden, machte einen großen Schritt nach vorn und schickt sich an, die großen Namen Mercedes und Ferrari von Platz zwei zu verdrängen. Dies zeigt auf: In der Formel 1 wird es derzeit erst hinter der Nummer 1 interessant. Insgesamt gab es nämlich durchaus interessante Rennen, viele Überholmanöver und genügend Spektakel. Doch nur der Kampf um Platz 1 sorgt wirklich für gute Stimmung. Die Saisonbilanz zeigt Licht und Schatten, der Pay-TV-Sender Sky, der in Deutschland die alleinigen Rechte besitzt, haderte mit dem fehlenden Kampf an der Spitze und klagt über rund 20 Prozent Zuschauerverlust. Die Formel-1-Besitzer von Liberty Media sind mit der Entwicklung dagegen zufrieden, mit allerlei Aktionen, vor allem im Internet, und neuen Rennstrecken wie in Las Vegas konnten sie jüngere Zuschauer an Land ziehen. Das Spektakel in der Glitzerstadt Las Vegas hat sich gelohnt: Das beste Rennen und die meisten Schlagzeilen.

Keine Schlagzeilen konnte der einzige deutsche Vertreter machen, Nico Hülkenberg, der beim schwächsten Team Haas Mick Schumacher ablöste, fuhr meist hinterher, sammelte ein paar gute Platzierungen im Qualifying, aber am Ende nur neun Punkte, drei weniger als MIck im Jahr zuvor. Auch Verstappen-Kollege Sergio Perez gehört zu den Verlierern, er wurde zwar WM-Zweiter, konnte den Weltmeister aber nie richtig angreifen. Für mehr Aufmerksamkeit sorgten da schon Odie Fernando Alonso im Aston Martin und Lando Norris im McLaren, wobei sich dessen Teamkollege Oscar Piastri im Laufe der Saison als größtes Talent entpuppte. Die Auflistung zeigt: Die Mercedes-Fahrer Hamilton und Russell waren eher Mitfahrer.

So schaut die Rennsportgemeinde nicht mit der größten Neugier auf das Jahr 2024 und die Formel 1. Da muss schon viel passieren, dass sich die Formel 1 wirklich als Königsklasse präsentiert. Vor allem Mercedes und Ferrari haben viel Arbeit vor sich. Nur Hinterherfahren schadet dem Renommee dieser großen Firmen!

Wochen der Wahrheit für Borussia Dortmund

„Mit uns wird es nicht langweilig“, scherzte Trainer Edin Terzic nach dem 4:2-Sieg gegen den Namensvetter aus Mönchengladbach, nachdem es noch einmal gut gegangen war. Dadurch war auch die Stimmung bei der Mitgliederversammlung tags darauf gelöst und gelassen. Nach 28 Minuten beim Spiel am Samstag hatte es noch anders ausgeschaut, Gladbach führte mit 2:0 und bei Dortmund gingen die Köpfe nach unten. Marcel Sabitzers Tor zwei Minuten später leitete allerdings die Wende ein und Schwarz-Gelben zeigten ihr Talent als Comebacker: Sie holten bereits elf Punkte nach einem Rückstand, besser machte es in dieser Saison nur der FC Augsburg mit zwölf. Das gibt also Hoffnung, Borussia-Boss Hans-Joachim Watzke stellte dann auch Optimismus in den Vordergrund: „Wir hätten uns zwei, drei Punkte mehr erhofft, vor einem Jahr hatte der Spitzenreiter 26 Punkte, da wäre wir nur zwei dahinter.“ Watzke gestand, „in den letzten Wochen war nicht alles gut“ und legte den Fokus auf den Rest des Jahres: „Wir haben in den kommenden Wochen viel Zeit und viele Möglichkeiten, das Bild zu verbessern.“

In der Tat steht die Borussia vor den Wochen der Wahrheit. Bis Weihnachten folgt ein volles Programm mit entscheidenden Spielen in allen Wettbewerben, da geht es darum, was im Frühjahr überhaupt noch möglich ist. Eigentlich befindet sich Dortmund schon in einer entscheidenden Woche mit den Duellen beim AC Mailand (Dienstag, 21.00 Uhr) in der Champions League und am Sonntag (17.30 Uhr) in Leverkusen. Da geht es um das Überwintern in der CL und um eine Weichenstellung in der Bundesliga. Watzke lobt den Tabellenführer („Die machen das außerordentlich gut“), stachelt seine Mannen aber an: „Es wäre toll, wenn wir sie stoppen könnten“. Dann wäre viel gewonnen, aber noch nicht alles, es folgen die Aufgaben im DFB-Pokal beim VfB Stuttgart (Mittwoch, 6. Dezember, 20.45 Uhr), der nächste Bundesliga-Schlager gegen RB Leipzig (Samstag, 9. Dezember, 18.30 Uhr) und der CL-Abschluss gegen Paris St. Germain (Mittwoch, 13. Dezember, 21.00 Uhr). Ein Höhepunkt nach dem anderen. Mal sehen, wie die Stimmung danach ist…

Beste Stimmung herrscht natürlich in Leverkusen, Bayer befindet sich auf Rekordkurs und hat immer was zum Feiern, so diesmal den 42. Geburtstag von Erfolgstrainer Xabi Alonso, an dem Geschenk in Form eines 3:0-Sieges in Bremen wurde nicht gezweifelt. Die Torfabrik läuft, die Abwehr steht sicher, Leverkusen ist die erste Mannschaft, die in den ersten zwölf Spielen zumindest immer zwei Tore geschossen hat! Die Bayern halten also nicht alle Rekorde und Alonso könnte mit seinem Team auch den erfolgreichsten Start aller Zeiten von Pep Guardiola übertreffen. Dennoch bleiben sie in Leverkusen nüchtern und zurückhaltend, als wollten sie dem Erfolg nicht trauen.

In München wird natürlich verstärkt nach Leverkusen geschaut und darauf gehofft, dass Bayer seiner Rolle als Vizekusen gerecht wird. Bayern nicht Tabellenführer, da ist die Stimmung nicht so gut wie am Rhein, aber die Bilanz kann sich sehen lassen: Die Bayern sind ebenfalls noch ungeschlagen, haben nach dem sechsten Sieg in Folge 32 Punkte und sind noch nie so gut gestartet seit der Saison 2015/16, damals unter Pep Guardiola (siehe oben, mit Alonso als Bayern-Spieler!). Pep wurde gefeiert, Thomas Tuchel gilt eher als Griesgram und muss sich gegen Kritik wehren. Wieder machte er Schlagzeilen, weil er beim 1:0-Sieg in Köln keinen einzigen Wechsel vornahm, das gab es in München seit van Gaal am 11. Dezember 2010 nicht mehr! Tuchel hatte allerdings eine gute Begründung: „Die Mannschaft hat das Spiel gut kontrolliert, das wollte ich nicht stören. Ich habe gefühlt, das muss so sein.“ Das Tor erzielte natürlich wieder einmal Harry Kane, es war sein 18. Treffer im 12. Spiel, damit löste er Gerd Müller (17) als Rekordmann ab.

Dumm aus der Wäsche geguckt haben die Spieler beim Aufwärmen, die auf ihren Einsatz gehofft hatten. So vor allem Thomas Müller, der immer mehr in den Blickpunkt rückt, weil er nur wenige Einsatzminuten erhält. Geht seine Zeit bei den Bayern zu Ende? Man kann es sich nicht vorstellen, bei seiner Verbindung zu den Bayern und der privaten Situation als Pferdestallbesitzer. Aber er möchte noch bis 2025 spielen, aber wahrscheinlich nicht auf der Bank sitzen. Vielleicht gibt es für ihn und Torhüter Manuel Neuer in den Tagen vor dem Fest noch ein Weihnachtsgeschenk in Form der Vertragsverlängerung. Am Mittwoch in der CL gegen Kopenhagen dürfte ein Einsatz winken, der Trainer klagte ja über die große Belastung seiner Spieler und da ist für den einen oder anderen Schonung angesagt. Das Achtelfinale ist ja schon perfekt.

Unions neue Hoffnung

Die Bundesliga wird immer mehr zweigeteilt, keine Mannschaft aus der unteren Tabellenhälfte konnte am 12. Spieltag gewinnen, alle traten praktisch auf der Stelle bei vier Unentschieden (dreimal 1:1, einmal 0:0). Am meisten wurde der Punktgewinn bei Union Berlin gefeiert, es war schließlich der erste Zähler nach einer Niederlagenserie. Das Tor zum 1:1 von Volland gegen Augsburg fiel zudem spät in der 88. Minute. Interimstrainer Marco Grote geht dennoch ab sofort zurück zur U19. Beim Nachfolger für Urs Fischer sorgte Union für eine Überraschung, mit dem relativ unbekannten Kroaten Nenad Bjelica hat keiner gerechnet, sogar Spaniens Star Raul war im Gespräch. Nun soll Bjelica den Klassenerhalt schaffen, bis Oktober arbeitete er zuletzt bei Trabzonspor Istanbul, war vorher in Österreich und in seiner Heimat erfolgreich. Marie-Louise Eta bleibt Co-Trainerin und damit weiter die einzige Frau in der Bundesliga. Die erste Aufgabe wird schwer für den neuen Coach, es geht am Samstag zu den Bayern. Wichtiger sind die weiteren Spiele bis zum Jahresende (bisher 7 Punkte): Gladbach (H), Bochum (A) und Köln (H). Überhaupt stehen im Dezember wichtige Duelle im Abstiegskampf an. Schlusslicht Köln (6 Punkte): Darmstadt (A), Mainz (H), Freiburg (A) und Union (A). Mainz (8) auf Relegationsplatz16: Freiburg (H), Köln (A), Heidenheim (H), Dortmund (A). 15. Darmstadt (9): Köln (H), Heidenheim (A), Wolfsburg (H, Hoffenheim (A).

Die Klubs hoffen dabei auf mehr Glück als es Schiedsrichter Felix Brych hatte. Deutschlands erfolgreichster Schiri musste ausgerechnet in seinem Rekordspiel vorzeitig vom Platz. Er erlitt beim Spiel Frankfurt – Stuttgart einen Kreuzbandriss als er wegrutschte. Er versuchte es noch einmal, doch die Schmerzen waren zu stark, die Diagnose am Ende ein Schock. So droht eine lange Pause und möglicherweise bleibt es bei den 344 Spielen, die er wie Wolfgang Stark geleitet hat. Mit 48 Jahren hat er die eigentlich vom DFB festgelegte Altersgrenze sowieso überschritten, aber vielleicht kämpft er sich noch einmal zurück für den alleinigen Rekord.

Frauen kämpfen um Olympia

Im Frauen-Fußball sind alle Augen auf das Länderspiel am Freitag in Rostock gerichtet (20.30 Uhr, live im ZDF). Gegen Dänemark muss eine 0:2-Niederlage aus dem Hinspiel wettgemacht werden, um die Chance auf das Olympia-Ticket zu erhalten. Eine schlechte Nachricht hat Interimstrainer Horst Hrbusch schon erhalten, denn Torjägerin Lea Schüller fällt wegen einer Verletzung aus. So muss es jetzt „poppen“, alle Hoffnungen ruhen auf Kapitänin Alexandra Popp, die beim 5:0 von Wolfsburg im Pokal gegen Bremen ihr Comeback feierte und sich treffsicher zeigte. Die deutschen Mädchen müssen aber ihre Bestleistung abrufen und dürfen danach auch am Dienstag, 5. Dezember, in Wales nichts liegenlassen. Werden diese Aufgaben erfolgreich gelöst, folgen im März noch die entscheidenden Play-Off-Spiele der vier Gruppensieger um zwei Olympia-Tickets.

Die Männer werden sicherlich die Daumen drücken, schauen aber vor allem gespannt auf die Gruppen-Auslosung für die Europameisterschaft 2024 am Samstag (18.00 Uhr) in Hamburg. Alles über die Nationalmannschaft und die Auslosung im nächsten Blog „Der DFB, Nagelsmann und Probleme ohne Ende“.

Der DFB, Nagelsmann und Probleme ohne Ende

Das kann ja heiter werden, die Fußball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland soll wieder ein Sommermärchen, aber der Gastgeber ist nicht in Form und der Bundestrainer ratlos. Märchenhaft ist das nur für die Gäste, die den Titel unter sich ausmachen können. Das Länderspieljahr 2023 wurde zu einem Jahr des Schreckens mit elf Spielen, gerade mal drei Siegen (Peru 2:0, Frankreich 2:1, USA 3:1), zwei Unentschieden und sechs Niederlagen, zuletzt am Dienstag mit 0:2 in Österreich. Die Leistung war dabei so katastrophal, dass es nur Ernüchterung gab, bei den Funktionären, den Spielern und nicht zuletzt beim Bundestrainer selbst. Hätte Julian Nagelsmann nicht gerade erst seinen Job angetreten, wäre das Spiel ein Entlassungsgrund gewesen. So wie es das 1:4 gegen Japan am 9. September in Wolfsburg war, als danach Hansi Flick gehen musste. Im nächsten Spiel coachte Rudi Völler und er brachte seinen Mann die Grundtugenden des Fußballs bei (Abwehrarbeit, Kampf) und es wurde ein 2:1 gegen ein allerdings nicht in Bestbesetzung antretendes Frankreich. An dieses Spiel muss sich jetzt Nagelsmann für seine zukünftige Aufgabe erinnern.

Die Probleme beim DFB sind ja nicht neu. Der DFB war einst ein Vorzeige-Verband, jetzt stürzt von einem Dilemma ins andere. Die Führung steht seit Jahren in der Kritik, da ist von kriminellen Machenschaften die Rede, steht der Verband im Visier der Staatsanwaltschaft, Strafzahlungen und Gefängnis für Funktionäre stehen im Raum. Die Nationalmannschaft taumelt seit fünf Jahren, seit der missglückten WM in Russland 2018 von einer Pleite zur nächsten, drei Trainer haben es nicht geschafft, der Mannschaft wieder den Fußball beizubringen, wie er in der Welt teils geschätzt, teils gefürchtet wird und zuletzt 2014 zum WM-Titel führte. Glorreiche Vergangenheit, sorgenvolle Zukunft – so ist der Stand heute.

Nach der Schmach vom 0:2 Wien hatte auch Julian Nagelsmann den Faden verloren, faselte teils Unsinn in der Öffentlichkeit, brachte aber eines auf den Punkt: Wir brauchen weniger Talent, sondern mehr Arbeiter. Der Anfang für eine Besserung ist gemacht. Andererseits, die Startelf in Wien wies mit über 29 Jahren den höchsten Altersdurchschnitt seit der EM 2000 auf, sie wirkte aber unbedarft wie eine Schülermannschaft. Nagelsmann sieht bei seinem Team „große Stärken, wie Offensivkraft und Spielkontrolle“ doch in Wien wurde nichts davon offenbar, stattdessen sah Nagelsmann „absurde Ballverluste“. Damit hat der Trainer auch eigene Fehler offenbart, er zwang den Spielern ein System auf, das sie nicht beherrschten und das nur zur Verunsicherung führte. Bestes Beispiel ist Kai Havertz als Linksverteidiger. Eine absurde Idee, es sollte Offensivfußball pur werden, damit die Schwächen der Abwehr gar nicht deutlich werden. Dabei gilt die alte Losung, der jetzt wohl auch Nagelsmann nachkommen wird: „Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive gewinnt Titel“.

Der Bundestrainer wünscht sich von seinem Team aber auch eine „Toppklubmentalität“, dabei hat es den Anschein, dass es in der Mannschaft nicht stimmt, dass keine richtige Gemeinschaft auf dem Platz steht. „Die wird im Hotel deutlich, warum nicht auf dem Feld“, hadert Nagelsmann. Aber warum kämpft keiner für den anderen, warum stellte Kapitän Gundogan seinen Vize Kimmich bloß, als er Rüdiger die Binde überstreifte, als er ausgewechselt wurde. Aber gerade die drei Führungsfiguren stehen sinnbildlich für die Krise: Sie bringen im Nationaldress nicht die Leistung wie im Vereinstrikot. Rüdiger fehlerhaft, unsicher, Gündogan nicht der Taktgeber, Kimmich verloren im eigenen Ehrgeiz alles machen zu wollen, am Ende gelingt nichts. Außer Torhüter Kevin Trapp brachte kein Spieler seine normale Leistung, bezeichnend auch, die laienhaften Fehler von Tah und Hummels vor den Gegentoren. „Wir werden bis zur EM keine Abwehrmonster bekommen“, klagt Nagelsmann, als wenn er vorsorgen wollte, dass wir mit Niederlagen leben müssen. Gewinner waren die, die nicht gespielt haben oder nicht dabei waren, wie Pascal Groß und Jamal Musiala oder die Mittelfeldkämpfer Grischa Prömel und Rani Khedira.

Die deutschen Fußballfans können sich noch am Vereinsfußball erfreuen, aber mit Spannung werden sie doch auf die Auslosung der EM-Gruppen am Samstag, 2. Dezember, ab 18.00 Uhr in der Elbphilharmonie in Hamburg schauen. Österreich als Gruppengegner ist ja fast gewiss nach der Pleite, es können aber zudem noch die Niederlande und Italien werden, weil sich die Zusammensetzung der Ziehungstöpfe nach den letzten Leistungen richtet. So befindet sich zum Beispiel Albanien in Topf 2 und Italien in Topf 4. Deutschland als Gastgeber ist in Topf 1 (nicht nach Leistung!) gesetzt und kommt in die Gruppe A mit dem Eröffnungsspiel in München.

So sehen die Lostöpfe aus: Topf 1: Deutschland, Belgien, England, Frankreich, Portugal, Spanien. – Topf 2: Albanien, Dänemark, Österreich, Rumänien, Türkei, Ungarn. – Topf 3: Kroatien, Niederlande, Schottland, Slowakei, Slowenien, Tschechien. – Topf 4: Italien, Serbien, Schweiz, dazu die drei Play-Off-Sieger.

Für die Play-Offs haben sich sechs Nationen aus der Qualifikation und der Nations League qualifiziert. Es gibt drei Strecken, die Finalsieger sind bei der EM dabei: Eins: Polen – Estland und Wales – Finnland + Finale der Sieger. Zwei: Israel – Island und Bosnien-Herzegowina – Ukraine + Finale der Sieger. Drei: Georgien – Luxemburg und Griechenland – Kasachstan + Finale der Sieger. Gespielt wird im März.

Die deutsche Nationalmannschaft trifft sich auch wieder im März, Testspiele gegen Frankreich und die Niederlande (wenn nicht Gruppengegner) sind vereinbart. Bis dahin sollte Julian Nagelsmann die richtige (einfache) Taktik und einen ausgewogenen Kader gefunden haben. Ansonsten bleibt es bei Problemen ohne Ende. Unmittelbar vor der EM trifft sich die Mannschaft in Herzogenaurach zum Trainingslager wo es weitere zwei Testspiele geben soll.

Nagelsmann bezahlt Wortbruch mit Niederlage

Bei seinem Start als Fußball-Bundestrainer schaffte es Julian Nagelsmann auf der USA-Tour, dass rund um die gebeutelte Nationalmannschaft nach dem 3:1 gegen die USA und 2:2 gegen Mexiko wieder ein bisschen Euphorie aufkam oder sagen wir vorsichtig positive Stimmung. Offensichtlich ist ihm dieser Auftakt mit viel Lob zu Kopf gestiegen, in seinem Eifer fand er zurück zu seinen komplizierten taktischen Einfällen, die schon in München moniert wurden. Als er sein Amt antrat, sprach er davon, dass er einfachen Fußball spielen lassen wolle, für komplizierte taktische Veränderungen fehle es bis zur Europameisterschaft im nächsten Jahr an Zeit.

Beim Spiel gegen die Türkei am Samstag in Berlin beging er allerdings Wortbruch. „Wie kommt er denn auf diese Idee?“, hat sich mancher gefragt, als in der Aufstellung Offensivkraft Kai Havertz als linker Außenspieler auftauchte. War nicht die Rede davon, dass der Schwerpunkt der Arbeit auf mehr Sicherheit in der Abwehr ausgelegt war? Und jetzt ein Stürmer als, na ja, Verteidiger? Havertz sollte der Joker auf der Außenbahn sein, zudem als verkappter Zehner operieren, der Rest der Abwehr (Rüdiger, Tah, Henrichs) bildete eine Dreierkette, die eigentlich ad acta gelegt wurde, auf dem Papier war es ja mit Havertz eine Viererkette. Kompliziert, statt Sicherheit auszustrahlen glich die Abwehr einem Hühnerhaufen. Henrichs hatte mehrere Aufgaben: Abwehr, Sané außen unterstützen, ins Mittelfeld vorrücken – es waren zu viele Jobs, die Lücken wurden auf der rechten Seite zu groß, zumal Leroy Sané Abwehraufgaben nur zögerlich nachkam. Plan gescheitert.

Dabei fing alles so schwungvoll an, als wollte die Mannschaft die Sterne vom Himmel holen. Sané wirbelte, Havertz traf, der verletzte Musiala wurde nicht vermisst. Nach 20 Minuten war alles vorbei, kein Stern mehr zu sehen, der Himmel verdunkelte sich, Lethargie griff um sich. Eine Ansammlung von großen Talenten ließ den Biss vermissen, lud die Türkei zu Toren ein. Einfaches Mittel, das gegen Deutschland immer wirkt: Lange Bälle. Am Ende stand ein 2:3. Weil die Entscheidung durch einen zu harten Handelfmeter fiel, nach einen unglücklichen Ball an den Arm von Havertz, wollte Julian Nagelsmann nicht von einer Niederlage sprechen: „Für mich war es ein Unentschieden“. Und bockig wie ein kleines Kind im Sandkasten betonte er „Havertz war Weltklasse, einer unserer besten Spieler“ und – oh Schreck – es sollte kein Experiment sein, sondern Standard werden. Nagelsmann sollte sich mal die letzten Spiele anschauen und den 2:1-Sieg gegen Frankreich, den Rudi Völler als Aushilfe verantwortete. Sein Motto: Einfach spielen, zurück zu den Basics. Das hatten die Spieler verstanden.

Vor dem letzten Länderspiel in diesem Jahr am Dienstag in Wien gegen Österreich werden im deutschen Trainerteam die Köpfe rauchen, man darf gespannt sein, was rauskommt, es sollte nur nicht zu kompliziert sein, am besten im wahrsten Sinne des Wortes einfach gewinnen. Zumal der Trainer sowieso verschiedene Baustellen hat. Womöglich ist das Mittelfeldproblem größer als die Außenbahnen. Das Duo Gündogan/Kimmich passt einfach nicht zusammen, sie lieben die gleichen Spielweise, sind nach vorne orientiert und sorgen keineswegs für Sicherheit. Da muss halt Joshua Kimmich in den sauren Apfel beißen und rechter Verteidiger spielen, Benjamin Henrichs dafür links und schon haben wir eine funktionierende Viererkette (mit zwei Innenverteidigern). Und Kimmich darf gern durch Pascal Groß ersetzt werden, der die Aufgabe des Abräumers intus hat. Davor hatte ja Nagelsmann eine gute Idee mit dem System 4-2-2-2 mit Musiala und Wirtz als offensive Wirbler und Sané/Füllkrug vorn. Daran sollte der Bundestrainer einfach festhalten und keine taktischen Irrwege beschreiten. Nur dann kann er die derzeit absurden Träume von seinem Präsidenten Bernd Neuendorf verwirklichen, der von EM-Euphorie faselte und davon sprach, „dass Deutschland natürlich ins EM-Finale kommen müsse“. Die Türken, eigentlich nur Mittelklasse in Europa, gewannen erstmals wieder nach 72 Jahren in Deutschland, sind bei der EM auch dabei, feierten aber schon in Berlin ein Fest und machten die Begegnung zu einem Heimspiel. Sie zeigten die Emotionen, die Team und Fans in Deutschland fehlen.

Mehr zur Nationalmannschaft im Laufe der Woche mit einer Bilanz nach dem Vergleich in Österreich.

Jahresendspurt in der Bundesliga

Am kommenden Wochenende steht wieder die Bundesliga im Mittelpunkt, die zum Jahresendspurt ansetzt, der ziemlich stressig wird. Fünf Spieltage gibt es noch in den vier Wochen bis Weihnachten, dabei geht die Vorrunde aber erst zum Neustart am 12. – 14. Januar 2024 mit dem 17. Spieltag zu Ende. Das Restprogramm hat es aber in sich, so stehen brisante Duelle der Spitzenmannschaften an, vor allem der VfB Stuttgart muss sich beweisen, ob er wirklich eine Spitzenmannschaft ist. Er trifft nämlich auf das Führungsduo, am 10. Dezember gegen Leverkusen und sieben Tage später geht es nach München. Bereits am 3. Dezember gibt es das Duell Leverkusen – Dortmund, die Woche darauf folgt Dortmund – Leipzig. Bayern München bestreitet den Auftakt am Freitag in Köln und ist darüber gar nicht glücklich, weil fast alle Spieler mit ihren Nationalteams unterwegs waren und einige erst am Donnerstag wieder zurückkommen. Da hätte man wirklich auf eine Ansetzung der Bayern für Freitag verzichten können.

Am Wochenende steht aber erst einmal das untere Tabellenende im Vordergrund, so vor allem Schlusslicht Union Berlin, das am Samstag beim Spiel gegen Augsburg erstmals nach einer erfolgreichen Ära nicht von Urs Fischer betreut wird. Zum Wochenanfang einigten sich Verein und Trainer gemeinsam auf ein Ende des Vertrages. Von beiden Seiten wird betont, dass es sich keineswegs um eine Entlassung oder einen Rücktritt handelt, sondern um eine gemeinsame Entscheidung, eine sauberer Trennung gibt es also nicht. Der Schweizer führte Union in die Bundesliga und war jedes Jahr Stück für Stück erfolgreicher bis zur Champions League. Doch in dieser Saison war plötzlich der Wurm drin, eine Rekord-Niederlagenserie bedeutete das Ende. Zunächst hat U19-Coach Marco Grote als Interimslösung übernommen, ihm zur Seite steht Marie Louise Eta, die am Samstag die erste Trainerin in der Bundesliga sein wird. Es wird sich zeigen, ob es ein neues Union geben wird. Bedeutend im Abstiegskampf aber auch das Duell Heidenheim – Bochum, Darmstadt und Mainz werden in Freiburg bzw. bei Hoffenheim von Mannschaften geprüft, die nach Europa schielen.

Nach Europa schielen auch die Frauen bzw. eben Eintracht Frankfurt und Bayern München, die in der Champions League vertreten sind. Frankfurt feierte mit dem 2:1-Sieg gegen Rosengard einen erfolgreichen Einstand, hat aber jetzt am Mittwoch (21 Uhr) mit Titelverteidiger FC Barcelona die schwerste Aufgabe überhaupt vor sich. Kaum leichter wird es am Donnerstag (18.45 Uhr) für die Bayern beim Spitzenteam von Paris St. Germain. Mit einem Patzer sind die Münchnerinnen in der Hammergruppe gestartet, haben gegen AS Rom beste Chancen liegen lassen und mussten sich am Ende mit einem 2:2 begnügen, was die Ausgangsposition wesentlich verschlechtert. Die Sache wird auch dadurch nicht leichter, dass Paris bei Ajax Amsterdam überraschend 0:2 unterlag.

In der Frauen-Bundesliga geht es erst am 8. Dezember wieder weiter, nächste Woche stehen die letzten Olympia-Qualifikationsspiele für die Nationalmannschaft an. In der Bundesliga konnten die Bayern mit einem glanzlosen 2:0 in Bremen den Platz an der Sonne erfolgreich verteidigen, Wolfsburg bleibt der schärfste Verfolger, aber das 2:0 (ohne Popp) gegen Duisburg war nicht besser. Team der Stunde ist die SGS Essen, die mit einem 3:0-Sieg bei Hoffenheim zu den Spitzenteams aufschloss und mit je 14 Punkten zusammen mit Hoffenheim und Frankfurt das Verfolgerfeld des Führungsduos bildet, dazu darf man auch noch Bayer Leverkusen (13) zählen, das aber mit dem 1:1 gegen Neuling Leipzig an Boden verlor.

Der Skisport auf den Spuren von Infantino

So lieben wir den Winter: Verschneite Landschaften, die Ruhe ausstrahlen und ein Bild der Unschuld darstellen. Das Gegenteil davon sucht der Wintersport bei den Profis. Da geht es um Werbung, Gewinnmaximierung und Aufmerksamkeit. Hier für einen steten Aufwärtstrend zu sorgen, wird immer schwieriger, deshalb werden die Ideen immer ausgefallener und rücksichtsloser. Die Grenze ist nicht nur erreicht, sie ist sogar schon überschritten. Auf die Sportler wird dabei genauso wenig Rücksicht genommen, wie auf die Fans und – die Natur.

Mit dem seit Juni 2021 amtierenden schwedisch-britischen Geschäftsmann Johan Eliasch als FIS-Präsidenten befindet sich der Skisport auf den Spuren vom größenwahnsinnigen FIFA-Präsidenten Gianni Infantino. Korruption zu seinen Gunsten hat Eliasch allerdings nicht nötig, angeblich ist der einstige CEO der Skifirma Head Milliardär und gehört zu den reichsten Menschen in Großbritannien. Was ihm vielleicht fehlt, ist die Aufmerksamkeit und öffentliche Anerkennung, er will im Mittelpunkt stehen. Höhepunkt seiner wahnwitzigen Ideen ist eine Abfahrt am Matterhorn von Zermatt nach Cervinia, von der Schweiz nach Italien. Am ersten Wochenende hat sich die Natur gewehrt, zu viel Schnee, zu starker Wind. Jetzt sind die Frauen dran, haben vielleicht die Ehre der Premiere, die Wettervorhersagen sind so, dass die Abfahrten am Samstag und Sonntag stattfinden können. Dabei startet die Skisaison sowieso schon spektakulär und zu früh, nämlich im Oktober auf dem Gletscher in Sölden. Auch das ist eine reine PR-Aktion, um die Skifans auf die neue Saison aufmerksam zu machen und den Umsatz der Ski-Industrie anzukurbeln. Auch da wehrte sich die Natur, der Wettbewerb der Männer musste abgebrochen werden. Dass die FIS auf den Klimawandel keine Rücksicht nimmt, zeigt sich auch daran, dass in der Saison zweimal in die USA und Kanada geflogen wird, zu Beginn der Saison und wieder am Ende. Unsinnig!

Die Wintersportverbände haben mit dem Klimawandel sowieso ihre Probleme, die Angst geht um, dass der Wintersport überhaupt aussterben könnte. Skispringen auf Kunststoffmatten ist möglich, aber ebenso wenig Wintersport, wie Langlauf und Biathlon auf Rollern, wie jetzt schon im Sommer. Bei einigen Verbänden schrillen schon die Alarmglocken, so fehlen bei Rodel und Bob die Wettkampfstätten, neue werden kaum gebaut werden. So ist auch noch offen, wo die Wettbewerbe in der Eisröhre bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand und Cortina D’Ampezzo stattfinden werden. Aber die Weltverbände nehmen auch keine Rücksicht, so startete die Bob-Saison ausgerechnet in China, doch für die Frauen-Rennen meldeten nicht genug Nationen – abgesagt. Welch eine Ohrfeige.

Die Männer-Wettbewerbe fanden statt und begannen mit einem Doppelsieg des deutschen Duos Johannes Lochner und Francesco Friedrich. Das macht dann wieder Lust auf mehr, wobei die deutschen Athleten ihre Fans mit Ausnahme von Bob und Rodel wahrscheinlich nicht mit allzu vielen Siegen verwöhnen werden. Beim alpinen Skisport sind die Kandidaten fast an einer Hand abzuzählen, Lena Dürr beeindruckte mit zwei Podestplätzen bei den Slaloms in Lappland, Kira Weidle will endlich einen Weltcupsieg in der Abfahrt, den strebt auch Thomas Dreeßen bei den Männern an und Linus Straßer will im Slalom auf den Spuren des erfolgreichsten deutschen Skifahrers Felix Neureuther wandeln.

Beliebt beim Fernsehpublikum sind vor allem Skispringen (in erster Linie die Vierschanzentournee) und Biathlon. Bei den ersten Winterwettbewerben waren ARD und ZDF noch nicht dabei, am 25. November beginnt für sie die Wintersaison erst richtig, dann wird von 10.00 bis 18.00 Uhr wieder acht Stunden lang übertragen, die Einschaltquoten sind dabei höher als bei den sonstigen alltäglichen Sendungen. Im Skispringen greifen vor allem die Frauen nach dem Sieg, Katharina Schmid (geb. Althaus) ist das Aushängeschild, Selina Freitag will ebenfalls vorne mitmischen. Unruhe gab es vor dem Saisonstart, weil Bundestrainer Maximilian Mechler kurzfristig vom Amt zurücktrat. Jetzt wird der bisherige Co-Trainer Thomas Juffinger die Frauen betreuen. Bei den Männern ruhen die Hoffnungen auf Karl Geiger und Andreas Wellinger. Der Dritte im Bunde, Markus Eisenbichler, hat seine Form noch nicht gefunden und wurde in den B-Kader versetzt. Die Männer starten in Kuusamo in Finnland, die Frauen Anfang Dezember in Lillehammer.

Für die Biathleten geht es am 25. November in Östersund in Schweden los. Zur Einführung am ersten Wochenende die Mixed-Staffeln, danach geht es ab Mittwoch, 29. November, richtig los. Im deutschen Team wird die Siegläuferin fehlen, denn Denise Herrmann-Wick hat ihre Karriere beendet. Ein neues Aushängeschild, sowohl bei den Männern, als auch bei den Frauen, wird gesucht. „Anführer“ bei den Männern ist Routinier Benedikt Doll, der 33-jährige wird nach dieser Saison seine Karriere allerdings ebenfalls beenden. Bei den Frauen könnte Franziska Preuß bei ihren Comeback die neue Anführerin werden und auch um Siege mitkämpfen, wenn sie gesund bleibt. Die Hoffnungen für die Zukunft ruhen auf der fünfmaligen Juniorinnen-Weltmeisterin Selina Grotian, die jetzt im Weltcup starten darf. Mit spannenden Rennen und starken deutschen Leistungen soll das Interesse am Biathlon erhalten bleiben, im Januar wird dann auf deutschem Boden in Oberhof und Ruhpolding gestartet.

Egal, ob Ski alpin, Ski nordisch oder Biathlon, schöne Bilder sind garantiert und die Sportfans können Winternachmittage am Fernsehen verbringen, wenn es draußen ungemütlich ist. Für Spannung wollen auch die Eis-Verbände sorgen, egal ob Schnelllauf, Kunstlauf oder Rodel und Bob. Der Winter kann kommen, die Verbände hätten es aber nicht nötig, für Theater nach dem Vorbild des Fußball-Bosses zu sorgen. Aber auszuschließen ist nicht, dass irgendwann der Weltcup-Zirkus auch in Katar oder Saudi-Arabien Station macht, mit künstlichem Schnee in der Wüste. Nur schöne Winterbilder gibt es dann nicht.

Chaoten trüben den Spaß am Fußball

Fußball soll eigentlich Spaß machen, die Spiele im besten Fall Familien zu einem Ausflug locken, nur so lässt sich unter anderem die Popularität des Fußballs erklären. Allerdings hat der Spitzenfußball nicht nur in Deutschland ein Problem: Chaoten trüben immer wieder den Spaß am Spiel. Unter die Ultras, die sich fälschlicherweise als einzige echte Fans verstehen, mischen sich immer wieder Schlägertrupps, die den Fußball als Bühne für gewalttätige Auseinandersetzungen nutzen, sich gern mit verfeindeten Schlägern anderer Klubs zu „Kämpfen“ verabreden. Sie suchen zum Teil bewusst die Auseinandersetzung mit der Polizei, so wie jetzt bei St. Pauli und in Köln, als schwarz gewandete Trupps Randale machten. Selbst Nachwuchsspiele werden für als Anlass für Schlägereien benutzt.

Die Ultras sind stolz auf ihre „Shows“ mit Pyrotechnik in den Stadien, Unbelehrbare werfen manchmal Feuerwerkskörper Richtung Spielfeld ohne Rücksicht auf die Gesundheit der anderen Zuschauer. Die Vereine werden zwar zu hohen Strafen verdonnert, tun aber zu wenig, um diesen Unsinn der Chaoten wirklich abzustellen. Einen Höhepunkt lieferten Knallkörper-Irre in Augsburg, als offensichtlich Eigenbauknaller aus dem Hoffenheimer Block auf das Feld geworfen werden sollten, aber im Sitzplatzbereich der eigenen Anhänger landeten. Viele sprechen davon, dass sie noch nie so einen lauten Knall in einem Stadion gehört hätten.13 Verletzten werden inzwischen gemeldet, darunter auch Kinder, sie leiden vor allem unter einem Knalltrauma. Zum Glück konnte die Polizei zwei Verdächtige in Untersuchungshaft nehmen, sie sollen 28 Jahre alt sein und aus Göppingen in Baden-Württemberg stammen. Hoffenheim distanzierte sich deutlich und der Fan-Club beteuerte, dass er mit dieser Sache nichts zu tun habe. „Da muss sich ein Idiot eingeschmuggelt haben“, hieß es. Aber nur weil Pyro und Feuerwerkskörper an der Tagesordnung sind, kommen Chaoten auf diese Idee. Die Vereine müssen endlich für Ordnung zu sorgen, damit auch die Bundesliga weiterhin ein Vergnügen für Familien bleiben kann. Ein Ausweg kann möglicherweise die oftmals schon diskutierte gezielt abgebrannte Pyro-Show unter speziellen Sicherheitsvorkehrungen sein.

Leverkusen vor Rekord – Bayern mit Rekordbilanz

Den Spaß am Fußball dürfen wir uns aber nicht verderben lassen und die Bundesliga bietet zwar nicht für alle Vereine Spaß (siehe zum Beispiel Union Berlin), aber sie bietet beste Unterhaltung. Dies gilt derzeit vor allem für Bayer Leverkusen, das sich auch von Union Berlin nicht aufhalten ließ und mit dem 4:0-Sieg und mit 31 Punkten in elf Spielen hat Trainer Xabi Alonso den Startrekord von Pep Guardiola mit den Bayern aus der Saison 2015/16 eingestellt. Ein Extra: Alonso spielte damals unter Pep in München und hat viel gelernt! Leverkusen spielt begeisternden Fußball und in zwei Wochen in Bremen könnte ein neuer Rekord fällig werden.

Die Bayern sind als Zweiter mit 29 Punkten vorerst zufrieden, doch natürlich ist der zwölfte Titel in Folge das Ziel. Die Tore dazu soll Harry Kane liefern, der sich in Richtung neuer Torrekord ballert, den Robert Lewandowski mit 41 Treffern hält. Kane hat jetzt 17 nach elf Spielen und bildet mit Leroy Sané das neue Bayern-Traumduo. Thomas Müller war Lewandowski Zulieferer, spielt jetzt aber keine große Rolle mehr. Allerdings bleibt er noch ruhig, obwohl ihm Trainer Thomas Tuchel nur wenige Spielminuten einräumt. Rekordzahlen meldeten die Bayern bereits bei der Jahreshauptversammlung in finanzieller Hinsicht. Der Umsatz steigerte sich nach dem Corona-Tief auf den neuen Rekord von 854,2 Millionen Euro, nach Steuern blieb ein Gewinn von 35,7 Millionen, das Eigenkapital steigerte sich auf 536 Millionen (nicht mit Festgeld zu verwechseln). Zum Vergleich: Dortmund hatte zuletzt einen Umsatz von 418,2 Millionen Euro. Bayern-Präsident Herbert Hainer vermeldete bei der ruhigen Versammlung außerdem stolz: „Der Transfer von Harry Kane (die 100.000 Millionen Ablöse spielen erst in der nächsten Bilanz eine Rolle) hat sich sportlich und finanziell gelohnt.“ Kane sorgt für internationales Interesse und bereits am ersten Wochenende hat Bayern 20.000 Kane-Trikots verkauft!

Kane trifft weiter, aber auch Serhou Guirassy ist wieder da und verschaffte mit seinem Elfmetertor (vorher gab es drei Nieten!) seinem VfB einen 2:1-Sieg im Verfolgerduell über Borussia Dortmund. Das Ergebnis war hochverdient für die Stuttgarter, die das Überraschungsteam bleiben, gegen einen enttäuschenden Gegner. Bester Dortmunder war Torhüter Gregor Kobel, der aber zwei Elfmeter verschuldete! Die Borussia hinkt mit zehn Punkten Rückstand auf Leverkusen den Erwartungen weit hinterher, kein Wunder, dass immer mehr Zweifel an Trainer Edin Terzic laut werden. Auch Coach Niko Kovac gerät in Wolfsburg in die Kritik, er rotiert sein Team offensichtlich in die Krise, seit fünf Spielen warten die Wölfe auf einen Sieg. Sie waren mit Europacup-Ambitionen gestartet und versinken immer mehr im Mittelfeld.

Am Tabellenende rangieren weiterhin die Klubs der Kulttrainer, wobei Steffen Baumgart nach dem 1:1 in Bochum die rote Laterne an den Kollegen Urs Fischer abgeben konnte. Union war in Leverkusen ohne Chance, was erwartet worden war, obwohl ein 1:1 in der Champions League bei Italiens Meister SSC Neapel Auftrieb geben sollte. Die Niederlagenserie aller Pflichtspiele war beendet, aber die in der Bundesliga mit jetzt neun an der Anzahl bleibt. Übrigens: Die beiden Schlusslichter haben nach der Länderspielpause nacheinander Bayern München als Gegner. Erst Köln, dann Union, das sich nach Tagen der Erholung und Besinnung Hoffnung macht, voher am 25. November gegen Augsburg Punkte einzufahren. Allerdings ist der FCA unter dem neuen Trainer Jess Thorup seit vier Spielen ungeschlagen.

Bei den Frauen gilt es

Jetzt geht es auch bei den Frauen in der Champions League richtig los, allerdings seltsamerweise ohne den bisherigen Stammgast VfL Wolfsburg. Dafür hat es Eintracht Frankfurt neben dem bereits qualifizierten Meister Bayern München geschafft. Start für die Eintracht ist am Dienstag beim FC Rosengaard, außerdem befinden sich der FC Barcelona und Benfica Lissabon in der Gruppe A. Meister Bayern wird am Mittwoch vom AS Rom geprüft und hat mit Ajax Amsterdam und Paris St. Germain weitere hochkarätige Gegner auf dem Weg ins Viertelfinale. Die Generalproben fielen für beide Klubs durchwachsen aus, Frankfurt musste sich mit einem 2:2 gegen Leverkusen begnügen, die Bayern besiegten Schlusslicht Duisburg immerhin mit 2:0, schonten aber dabei ihre Kräfte für die nächsten Aufgaben. Ein Lebenszeichen gab Wolfsburg mit dem 4:0 gegen Freiburg von sich und bleibt den Münchnerinnen dicht auf den Fersen.

Eine große Karriere ging mit einem Schicksalsschlag zu Ende. Amerikas Frauen-Ikone Megan Rapinoe, Vorreiterin als Kämpferin für die Gleichberechtigung, erlitt in ihrem letzten Spiel ihrer Karriere nach drei Minuten bereits einen Achillessehnenriss und musste ausscheiden. Ein trauriger Abschied, dabei sollte das Finale der Nation Women’s Soccer League ihres OL Reign gegen Gotham den glanzvollen Abschluss bringen. Am Ende verlor ihre Mannschaft auch noch mit 1:2.

Nagelsmann hat Pech mit dem Kader

Am Freitag hat Bundestrainer seinen neuen Kader für die letzten Länderspiele des Jahres am 18,. und 21. November gegen die Türkei und in Österreich benannt, aber seitdem hagelt es Absagen und er muss umbauen. Kaum waren die 26 Spieler benannt, musste er die erste Änderung vornehmen, Robin Gosens wird Vater und bleibt zu Hause, dafür kommt der zunächst nicht nominierte David Raum zu Zug. Dann meldete sich Malick Thiaw ab, er wird auch Vater, auf eine Nachnominierung verzichtete Nagelsmann bei noch sechs Kandidaten für die Abwehr. Gleiches gilt im Mittelfeld, wo er auf Chris Führich verzichten muss, der Stuttgarter hat sich eine Erkältung geholt. Absagen musste auch Dortmunds Felix Nmecha wegen muskulärer Probleme, doch dafür gibt der Bundestrainer einem weitere Neuling eine Chance, nämlich Grischa Prömel von der TSG Hoffenheim. Mit der Nominierung der Neulinge Janis Blaswich (Leipzig) im Tor und Marvin Duchsch (Bremen) im Sturm hat Nagelsmann schon für Aufsehen gesorgt. Man sieht, dass er auf der Suche nach geeigneten EM-Kandidaten ist, wobei es spannend wird, wer die Rolle des verletzten Jamal Musiala neben Florian Wirtz übernehmen darf.

Bayern von der Lachnummer zur heißen Nummer

Wer jemandem erklären will, was das Interessante am Fußball ist, der könnte die Woche des FC Bayern München als Beispiel nehmen: Torflut mit dem 8:0 gegen Darmstadt, Pleite im Pokal mit dem 1:2 beim Drittligisten 1. FC Saarbrücken, Wiederauferstehung mit Glanz und Theater mit 4:0 im „Klassiker“ bei Borussia Dortmund. Fußball-Herz, was willst Du mehr! Viele Fußball-Fans wünschen sich seit langem einen anderen Meister als die Bayern und da steht Bayer Leverkusen mit Trainer Xabi Alonso in den Startlöchern: Nach zehn Spieltagen immer noch ungeschlagen, nur ein Unentschieden (in München, die Bayern zudem in Leipzig), mit zwei Punkten Vorsprung Tabellenführer. Leverkusen bot beim 3:2 gegen Hoffenheim keine Glanzleistung, hat aber, wenn Torjäger Boniface nicht trifft, Verteidiger Alejandro Grimaldo, der zweimal präzise einnetzte. Ein wichtiger Neuzugang, übrigens ablösefrei von Benfica Lissabon gekommen.

Im Mittelpunkt stand aber natürlich der „Klassiker“, den die Dortmunder am liebsten aber vergessen würden. Seit fünf Jahren haben sie zu Hause nicht mehr gegen die Bayern gewonnen und selten standen die Zeichen so günstig wie diesmal. Die Borussia schaute auf eine Serie von 26 ungeschlagenen Pflichtspielen, die Bayern gingen am Stock, lange Verletztenliste, Kimmich gesperrt, Pleite im Pokal. „Bayern als Lachnummer“ spottete Bild angesichts des frühzeitigen Ausscheidens im Pokal und doch wurden die Münchner plötzlich zur heißen Nummer, spielten die Borussia an die Wand, weil auch Upamecano und Goretzka, die aus einer Verletzungspause kamen, groß aufspielten und die Bayern Harry Kane haben. „Wir hatten keine Chance,“ registrierte Borussia-Trainer Edin Terzic resigniert.

Die Dortmunder haben auch keinen Harry Kane. Der Millionen-Mann aus England bleibt der Rekordmann: Wieder drei Treffer, er pulverisiert alle Torrekorde. Kane hilft aber auch hinten aus, glänz zudem als Spielmacher, 15 Tore und 20 Scorerpunkte nach zehn Spieltagen gab es noch nie. „Kane spielt immer“ hatte Trainer Thomas Tuchel gesagt, aber in Saarbrücken auf ihn (angeblich war Kane leicht angeschlagen) verzichtet und prompt gab es eine Pleite. Also: Spielt Kane nicht, gewinnt Bayern nicht. Allerdings war der Bayern-Coach vor und nach dem Spiel auch schuld, dass die Glanzleistung seiner Mannschaft in den Hintergrund rückte. Tuchel nutzte die Interviews zu einer Abrechnung mit den TV-Experten Didi Hamann und Lothar Matthäus, die an Verein und Tuchel kein gutes Haar ließen, von einem zerrütteten Verhältnis zwischen Team und Trainer sprachen, also so richtig draufhauten. Das hielten Tuchels Nerven offensichtlich nicht aus, er keilte zurück, eigentlich unnötig angesichts der Leistung. Aber er hat recht: Die sogenannten Experten sind eine Zeiterscheinung und sie meinen, die alleinige Fußball-Weisheit zu besitzen.

Auch bei anderen Vereinen standen die Trainer im Mittelpunkt. In Mainz funktionierte die einfache Regel, dass der Trainer entlassen werden muss, damit es wieder läuft. Nur Bo Svensson ist nicht irgendwer, er ist eine Vereinsikone und ging unter Tränen, weil er und die Verantwortlichen der Meinung waren, dass nur das hilft. Und es half, U23-Coach Jan Siewert übernahm das Kommando und schon gab es einen überraschenden 2:0-Sieg gegen Favorit Leipzig. Bei Union Berlin will man dagegen weiter an Urs Fischer festhalten, die Erfolgsgeschichte früherer Jahre hallt nach, aber die Niederlagenserie (12 Spiele) will nicht enden, auch gegen Frankfurt (0:3) nicht, doch Fans und Vorstand stehen hinter dem Schweizer. Die Experten wundern sich, sollten aber an Freiburg denken: Dort stand man schon oft in Treue fest zum Trainer und stieg notfalls halt mal ab – dann aber auch wieder auf! Aber so weit muss es bei Union (mit Fischer!) ja nicht kommen.

Keinen Trainerwechsel gab es bisher in Bochum, aber auch mit Thomas Letsch gelang mit dem 2:1 bei Aufsteiger Darmstadt der erste Sieg. Keinen Trainerwechsel gab es bisher auch in Köln, doch die Rheinländer rutschten mit Steffen Baumgart nach dem 1:1 gegen Augsburg ans Tabellenende, weil die anderen siegten. Für Baumgart war weniger seine Mannschaft schuld, auch nicht der Gegner, sondern in erster Linie der Rasen („Eine Katastrophe“). Das war dem neuen FCA-Coach Jess Thorup egal, er blieb in seinen ersten drei Spielen unbesiegt nach dem Motto „man muss auch mit einem Punkt mal zufrieden sein“.

Bundesliga schwächelt im Pokal

Die Bundesliga kann eigentlich zufrieden sein, aber im Pokal erlitt sie einen Imageverlust. Nur sechs Teams aus dem Oberhaus qualifizierten sich für das Achtelfinale, das gab es seit 30 Jahren nicht mehr. Mit Stuttgart – Dortmund und Gladbach – Wolfsburg wurde zudem zwei direkte Duelle gezogen, so dass sich das Feld weiter reduziert. Die zweite Liga ist noch mit acht Klubs vertreten, aber da gibt es gleich drei direkte Duelle (Hertha – HSV, Kaiserslautern – Nürberg, Magdeburg – Düsseldorf). Paderborn muss in Leverkusen antreten und hat damit wohl das schwerste Los, Homburg ist als Viertligist nach dem 2:1 gegen Fürth dabei und trifft nun auf Zweitliga-Spitzenreiter St. Pauli. Bayern-Besieger Saarbrücken bekommt es mit einem anderen Bayern-Sieger zu tun, nämlich Eintracht Frankfurt, das 2018 im Finale gegen die Bayern 3:1 gewann.

Das Schlagerspiel heißt Stuttgart – Dortmund und da gibt es bereits am Samstag einen Test, wenn beide aufeinander treffen. Es ist das Duell der Verfolger des Spitzenduos Leverkusen/München, das sich ein wenig abgesetzt hat. Der VfB bleibt trotz der Niederlage in Heidenheim das Überraschungsteam in der Spitzengruppe, während Dortmund auf Wiedergutmachung aus sein wird und vor schweren Wochen steht. Dienstag geht es in der Champions League gegen Newcastle, am 28. November wartet Mailand und am 3. Dezember folgt das Bundesliga-Schlagerspiel in Leverkusen. Entscheidende Spiele für die Zukunft, was 2024 noch möglich sein wird. In der letzten Runde haben die deutschen Klubs aufgetrumpft, nur Union verlor gegen Neapel (0:1). Auftrumpfen wollen vor allem die Bayern am Mittwoch gegen Galatasaray Istanbul und dabei ihren Rekord verbessern: Seit Dezember 2020 haben sie alle ihre Gruppenspiele gewonnen und überhaupt letztmals vor sechs Jahren verloren (0:3 in Paris)!

Bayern-Frauen Spitze – MVT weg

Im Frauen-Fußball hat sich Entscheidendes getan. Sportlich haben die Münchnerinnen mit einem 2:1-Sieg gegen den heißesten Konkurrenten VfL Wolfsburg die Tabellenspitze übernommen, außerdem wurde bekannt. dass sich der DFB und Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg (MVT) endgültig getrennt haben. Eine andere Möglichkeit gab es fast gar nicht, denn das Tischtuch zwischen Mannschaft und Trainerin war seit langem zerschnitten, zahlreiche Spielerinnen haben sich diesbezüglich geäußert. Erstaunlich war nur, dass der DFB die Trennung nicht zügiger über die Bühne brachte. Der Verband machte sowieso Fehler über Fehler, denn vor der missglückten Weltmeisterschaft hat er den Vertrag unnötig mit MVT bis 2025 verlängert. Das kostet nun für den finanziell angeschlagenen Verband eine Stange Geld.

Für die Olympia-Qualifikation steht Horst Hrubesch parat, aber die Aufgabe ist schwer, am 1. Dezember muss gegen Dänemark in Rostock mindestens ein 2:0-Sieg her. Beim Bundesliga-Schlager musste sich Hrubesch leider davon überzeugen, dass seine zahlreichen Wolfsburger Spielerinnen derzeit gar nicht in Form sind. Die Wölfinnen haben zuletzt viele Genickschläge einstecken müssen, so sind sie ja auch in der Champions League ausgeschieden. In München spielten auch Popp und Oberdorf zaghaft, die Bayern beherrschten die erste Halbzeit komplett und hätten außer den Treffern von Bühl und Dallmann höher führen müssen. In der zweiten Hälfte zeigte sich zwar Wolfsburg verbessert, machte es mit dem Weitschuss von Lena Oberdorf noch spannend, weil die Bayern-Mädchen beste Chancen (u. a. Elfmeter) vergaben. Aber ihr Ziel, die Tabellenführung, hatte Bayern erreicht. Linda Dallmann verdeutlichte mit einem Versprecher danach, wie die Stimmung ist: „Wir denken nur von Sieg zu Sieg“. Der sollte am Sonntag gegen Schlusslicht Duisburg möglich sein, wenn der Gegner nicht unterschätzt wird (siehe Pokalpleite der Männer).

Beste Werbung mit Torflut und Rekorden

Die Fußball-Bundesliga kämpft immer darum, international gegenüber den anderen Top-Ligen in Europa nicht den Anschluss zu verlieren. Die Premier League in England schwimmt im Geld, Real Madrid und dem FC Barcelona sind in Spanien Schulden egal, sie locken ebenfalls mit Millionen, Frankreich und Italien können da nicht mithalten, haben aber großzügige Sponsoren wie zum Beispiel Paris St. Germain mit den Scheichs aus Katar. In der Bundesliga gibt es keine Freizügigkeit für Sponsoren, die Regelung 50+1 sorgt dafür, dass der Verein die Entscheidungsfreiheit behält. Doch das kostet finanzielle Unterstützung über einen bescheidenen Rahmen hinaus. Dennoch lässt es sich auch in Deutschland gut leben und mit einer Torflut und einer Reihe von Rekorden machte die Bundesliga am 9. Spieltag beste Werbung für sich, nach dem Motto: Schau an, mit der Bundesliga wirst Du gut unterhalten. Das sollte vor allem auch ein Anreiz für den internationalen Markt sein.

Mit der Torflut waren natürlich nicht alle Vereine glücklich, Darmstadt litt beim 0:8 in München, Köln ging in Leipzig 0:6 unter. Insgesamt fielen in den neun Spielen 42 Tore, da tippt man spontan darauf, dass damit ein neuer Torrekord aufgestellt wurde. Weit gefehlt! In der 60-jährigen Geschichte hält immer noch der 32. Spieltag der Saison 1983/84 den Rekord, damals fielen 53 Treffer! 42 Tore gab es sogar schon an weiteren 12 Spieltagen und im Gesamtranking ist das nur Platz 19! Das ist schon überraschend, hat der Zuschauer doch oft den Eindruck, dass mit Toren gegeizt wird. Noch nie gab es allerdings drei Rote Karten in der ersten Halbzeit wie diesmal in München. Das 8:0 wird also mehrfach in Erinnerung bleiben.

Wenn es um Rekorde geht, sind die Bayern natürlich vorne dran. Mit der Torflut gegen Darmstadt wurden auch neue Bestleistungen erzielt. Noch nie schoss eine Mannschaft in den ersten neun Spieltagen 34 Tore, zum 200. Mal schafften die Bayern in der Bundesliga in einem Spiel mehr als fünf Treffer, Platz zwei hält in dieser Rangliste Borussia Dortmund mit 99 Treffern! Hundert-Millionen-Mann Harry Kane ist sein Geld wert, er glänzt als Spielmacher, mit Toren und mit Vorlagen, diesmal aber auch mit einem Kunstschuss ins Netz aus 55 Metern. Zwölf Tore in seinen ersten neun Bundesligaspielen hat noch keiner vor ihm erzielt, in den letzten sechs Spielen holte er sagenhafte 13 Scorerpunkte und löste den verletzten Stuttgarter Guirassy an der Spitze ab. Aber er ist nicht allein im Verein mit Rekorden, Thomas Müller gesellt sich hinzu, er durfte nach einigen Spielen Pause wieder einmal mitwirken, erzielte prompt das 6:0, gab dazu noch zwei Vorlagen zu Toren und knackte damit in seiner Karriere die Marke von 500 Scorerpunkten (502). Zudem ist er der erste Bayern-Spieler, der in 15 Saisons für den Verein getroffen hat, übertrumpfte die Bayern-Ikonen Gerd Müller, Klaus Augenthaler und Mehmet Scholl (alle 14).

Tore, Tore, Tore – dabei stand eigentlich zunächst ein Torhüter im Mittelpunkt: Nationaltorhüter Manuel Neuer feierte nach fast einjähriger Pause sein Comeback und wirkte, als wäre er nie fort gewesen. Es begann mit einem leichtsinnige Pass auf Joshua Kimmich, der diesen nicht gut aufnahm, bedrängt wurde und den Gegenspieler foulte. Die Rote Karte war die Folge, er fehlt am Samstag beim Schlagerspiel in Dortmund. Neuer aber glänzte wie in alten Zeiten bei einer Eins-Eins-Situation, er ist also wieder da. Ansonsten durfte er Tore bejubeln. Wie wichtig ihm das Comeback war, zeigt sich daran, dass er sein Trikot nicht tauschen wollte, sondern ihm ein besonderen Platz in seiner Sammlung der Erinnerungsstücke geben will.

Aber auch acht Tore reichten nicht, dass die Münchner wieder die Spitze übernehmen konnten. Nur eine Nacht waren sie Erster, dann siegte Leverkusen mit 2:1 gegen Freiburg. Keine Torflut, aber ein Zaubertor von Florian Wirtz mit einem Dribbling mit 14 Ballkontakten. Mit Leverkusen, Bayern und Dortmund sind drei Teams noch ungeschlagen, das gab es auch noch nie. Bayer sorgt dafür, dass die Bayern hinterher hecheln und Harry Kane muss sich wie im falschen Film vorkommen. Er sorgt für Tore, will endlich Meister werden, was mit Tottenham nie klappte. Aber kaum ist er weg, ist Tottenham Tabellenführer in England! Damit der Rückstand gegen Leverkusen nicht größer wird, stehen die Bayern und Dortmund im Zugzwang. Kimmich fehlt, die Borussia hat Verletzungssorgen, die Mannschaftsstützen Kobel und Hummels schieden beim 3:3 in Frankfurt verletzt aus. Zumindest Gregor Kobel, der bestes Torhüter dieser Saison, sollte aber am Samstag wieder spielen können. Die Bayern wiederum hoffen auf Leon Gorotzka als Kimmich-Ersatz. Beim Duell Dortmund – Bayern ist immer was los, insgesamt ist die Bilanz für die Bayern positiv bei 53 Siegen und 30 Unentschieden in 108 Vergleichen, in Dortmund gab es am häufigsten ein Remis (30), Dortmund behielt in 16 Spielen die Punkte, die Bayern entführten sie aber 18mal. In der letzten Saison hieß es 2:2 und 2:4 aus Borussia-Sicht.

Interessant noch eine andere Zahl: Augsburgs 3:2 gegen Wolfsburg war in dieser Saison der erste Sieg eines Teams aus unteren Tabellenhälfte gegen eines aus der oberen und das in 42 Vergleichen! Für den FCA zählte aber vor allem, dass es mit dem neuen Trainer Jess Thorup erstmals zwei Siege in Folge gab. Der Däne hat Augsburg quasi wach geküsst. Am Tabellenende „schlafen“ weiterhin Mainz, Köln und Bochum.

Vor dem 10. Spieltag gibt es Abwechslung durch die 2. Runde im DFB-Pokal. Vier Bundesliga-Duelle stehen an, wobei Titelverteidiger RB Leipzig in Wolfsburg gefordert ist, Dortmund wird von Hoffenheim geprüft. Fraglich ist die Austragung der Partie der Bayern in Saarbrücken. Dort wurde am Sonntag das Spiel gegen Dresden wegen zu viel Regen und Wasser auf dem Platz abgebrochen. Ob der Ludwigspark bis Mittwoch bespielbar wird, ist ungewiss. Bis zur nächsten Runde am 5./6. Dezember haben die Bayern aber keinen Nachholtermin frei.

Frauen stehen doppelt unter Druck

Beim 5:1-Sieg gegen Wales in der Nations League, in der es gleichzeitig um die Olympia-Qualifikation geht, wirkten die deutschen Frauen in der zweiten Halbzeit (4:0) richtig befreit und das trotz des Ausfalls von Kapitän Alexandra Popp. Ihre Vertreterin Lea Schüller glänzte mit zwei Toren, dazu trafen Gwinn, Nüsken und Anyomi. Allerdings bleibt der Druck für die Mannschaft bestehen. Einen Punktverlust dürfen sich die Mädchen nicht erlauben, weil Dänemark in Island mit 1:0 siegte. Dort ist am Dienstag jetzt auch das DFB-Team gefordert, muss allerdings auf Hegering und Anyomi verzichten, die beide verletzt abreisten. Gutes Zeichen: Am 1. September 2018 siegte das DFB-Team im ersten Spiel unter Horst Hrubesch als Interimstrainer in Island mit 2:0. „Island können wir“, meint der Hamburger, der erneut einspringt, beruhigend.

Auf die Stimmung drückt allerdings das Theater um Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, die sich offiziell im Erholungsurlaub befindet, aber hinter den Kulissen für Unruhe sorgt, was ihre Zukunft angeht. Aus der Mannschaft mehren sich die Stimmen, die keine Zukunft mit MVT sehen, zumal Interimstrainer Horst Hrubesch wieder für Lockerheit und gute Stimmung im Team sorgte. Beim DFB, der mit der Trainerin nur per Anwalt kommuniziert, muss man endlich für Klarheit sorgen, die nur so ausschauen kann, dass der Vertrag mit Voss-Tecklenburg beendet wird und Hrubesch bis zu Olympia Trainer bleibt, wenn denn die Qualifikation gelingt. Nach den Gruppenspielen muss der Erste zudem noch Play-Offs überstehen, nur zwei Plätze stehen zur Verfügung. Der Druck bleibt.