Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Kategorie: Uncategorized

Die Bundesliga als Billigware?

„Was nix kost, taugt nix“ sagt der Volksmund. Wenn wir das auf die neue Idee bei Fortuna Düsseldorf ummünzen, dann verkommt die Bundesliga zur Billigware, die keinen Anreiz mehr bietet. Das ganze Gegenteil soll allerdings stattfinden und deshalb ist das Experiment in Düsseldorf überaus interessant. Endlich eine neue Idee und wer kann etwas dagegen haben, dass die Zuschauer keinen Eintritt mehr zahlen müssen.

„Fortuna für alle“ heißt die Idee und wurde am Samstag erstmals im Spiel der 2. Bundesliga gegen Kaiserslautern umgesetzt. Der Verein gewann Sponsoren, die mit ihrem Geld für einen Ausgleich der entgangenen Zuschauereinnahmen sorgten. Das Interesse bei den Fans war riesig, die Tickets wurden verlost, besondere Gruppen besonders behandelt und die Dauerkartenbesitzer hatten natürlich Erstzugriff. 33.000 Zuschauer kamen bisher im Schnitt zu den Fortuna-Spielen, 52.000 waren es diesmal und das Spiel machte Lust auf mehr. Die Hausherren holten sich nach einem 0:3-Rückstand noch einen 4:3-Sieg, das Stadion tobte, Herz, was willst Du mehr. Es gab nur zwei Schönheitsfehler, weil die Idioten in den Stadien nicht aussterben. Bei einem Flaschenwurf wurde Lauterns Spieler Ache am Kopf getroffen, ein möglicher Protest von Kaiserslautern steht im Raum. Und die Fortuna-Fans konnten es auch nicht lassen Feuerwerkskörper zu zünden. Schade, das schmälert den positiven Eindruck.

Der Premiere ist insgesamt jedoch gut verlaufen, die Frage bleibt, ob es eine Idee für die gesamte Bundesliga ist. Fortuna-Boss Alexander Jobst sieht hier ein Geschäftsmodell mit gesellschaftlicher Verantwortung, nach dem Motto „Fußball für alle“. Zwei weitere Gratis-Spiele gibt es im Januar gegen St. Pauli und im April gegen Braunschweig. Danach kann man wirklich Bilanz ziehen.

Neuer Trainer, neues Glück

In der Bundesliga stand diesmal nicht die Tabellenspitze, sondern das Tabellenende im Mittelpunkt und da besonders der FC Augsburg, der sich von Platz 15 auf 10 katapultiert hat. Möglich machte dies ein überraschender 5:2-Sieg bei Neuling Heidenheim, der erste Auswärtssieg nach mehr als einem Jahr! Der neue Trainer Jess Thorup hatte also einen perfekten Einstand und es zeigte sich wieder einmal, dass neue Besen gut kehren. Enrico Maaßen wurde wegen Erfolgslosigkeit und fehlender Entwicklung der Mannschaft entlassen, sein Nachfolger musste nur die Hand auflegen und schon klappte das meiste. Allein, dass der FCA nach einem 0:2-Rückstand nach 18 Minuten nicht einbrach, überraschte und gab es zuletzt nie. Das Heimspiel gegen Wolfsburg am Samstag ist plötzlich eines der Tabellennachbarn, allerdings gibt es noch vier Punkte Abstand.

Das Gesetz der Liga, dass bei Erfolglosigkeit der Trainer gehen muss, will Union Berlin nicht anwenden. Urs Fischer verantwortete den Aufstieg der Eisernen, nun soll der Schweizer Union auch aus dem Tal führen. Wundern muss man sich schon, dass aus dem Höhenflug ein Absturz wurde. Ob dies wirklich daran liegt, dass der Verein seinen alten Weg verlassen hat und statt Nobodys mit Bonucci, Gosens und Volland prominente Spieler verpflichtet hat? Die Wahrheit ist, dass es zuletzt acht Niederlagen in Pflichtspielen gab, jetzt ausgerechnet mit 0:3 gegen Stuttgart, dessen Höhenflug wiederum fast ein Wunder ist. Blick zurück: Vor einem Jahr siegte Union 1:0 gegen den VfB, verteidigte am 9. Spieltag seinen Platz an der Tabellenspitze, während Stuttgart mit fünf Zählern am Tabellenende fest hing (16.) und am Ende auch in die Relegation musste, während Union jetzt Champions League spielt. Da ist am Dienstag im Olympiastadion Italiens Meister SSC Neapel nicht unbedingt ein Aufbaugegner. Am Samstag in Bremen muss aber ein Sieg her! Der VfB muss andererseits erstmals mit einem Rückschlag umgehen, Torjäger Serhou Guirassy, der wieder das erste Tor erzielte und mit sagenhaften 14 Treffern die Torschützenliste anführt, fällt mit einer Oberschenkelverletzung vorerst aus.

Es gibt auch ein neues Schlusslicht. Nachdem sich der 1. FC Köln ausgerechnet im Derby gegen Gladbach seinen ersten Sieg holte (3:1) rutschte Mainz 05 ans Tabellenende. Dabei hielt eine Serie, eine endete. Seit 13 Spielen sind die Rheinhessen jetzt ohne Sieg, dreimal gewannen sie zuletzt gegen die Bayern, die trotz Personalmangel diesmal aber trotzten, das 3:1 aber bitter bezahlten. Mit Leon Goretzka (Mittelhandbruch) fällt der nächste Stammspieler aus, die Ersatzbank war so leer wie bei keinem anderen Verein und mit Bouna Sarr kam der seit vier Jahren fleißige Bankdrücker (insgesamt nur 15 Spiele) zu einem Einsatz. Übrigens: Auch in Mainz ist von einem Trainerwechsel keine Rede, am Freitag in Bochum steht beim Vorletzten ein echtes Kellerderby an.

Richten wir den Blick nach oben, das Führungsquartett siegte, überzeugende Leistungen gab es aber selten. Die nächsten Wochen könnten die „Wochen der Wahrheit“ werden, denn wer auf Europas Bühne und im Pokal beschäftigt ist (Bayern, Leverkusen, Dortmund, Leipzig, Frankfurt, Freiburg, Union), hat nur englische Wochen. Die Bayern sind ebenfalls am Dienstag (18.45 Uhr) bei Galatasaray Istanbul gefordert (nur 18 Spieler im Kader) und es dürfte das vorerst letzte Mal sein, dass Sven Ulreich das Tor hütet. Am Samstag gegen Darmstadt soll Manuel Neuer sein Comeback feiern. Für ihn und den Verein nach langer Ausfallzeit ein besonderer Moment.

Irritationen bei den Frauen

Es tut sich was im Frauen-Fußball, wobei es in den letzten Tagen Irritationen auf dem Spielfeld und abseits davon gab. Sportlich erlebte der VfL Wolfsburg eine harte Woche, denn mit einer 0:2-Niederlage gegen FC Paris schieden die Wölfinnen unerwartet in der Champions League aus. Dabei galten sie als einer der Favoriten. Der Titelträger von 2013 und 2014 stand seit 2012 immer zumindest im Viertelfinale, 2016, 2018, 2020 und 2023 zudem im Finale. Logisch, dass die Tränen flossen, dafür fließt kein Geld, nämlich die Antrittsprämie von 400.000 Euro. Beinahe hätte es in der Bundesliga den nächsten Rückschlag gegeben, doch Alexandra Popp rettete mit ihrem Tor in der 89. Minute gerade noch ein 2:2 gegen Verfolger Hoffnheim und damit die Tabellenführung. Das nächste Spitzenspiel steht nach der Länderspielpause am 5. November in München an. Die Bayern sind nach dem 3:0-Sieg in Leipzig Dritter. Der zweite Neuling 1. FC Nürnberg feierte eine Premiere, holte sich mit dem 2:0 in Freiburg seinen ersten Bundesligasieg.

In die Champions League geschafft hat es dagegen Eintracht Frankfurt, für das Sparta Prag (5:0 und 3:0) keine Hürde war. Die Auslosung für die Gruppenspiele ergab nun mit Titelverteidiger FC Barcelona, Benfica Lissabon und FC Rosengaard namhafte Gegner. Die Bayern-Mädchen haben eine „Hammergruppe“ mit Paris St. Germain, AS Rom und Ajax Amsterdam. Erster Spieltag ist am 14./15. November.

Jetzt steht erst einmal die Nationalmannschaft im Mittelpunkt und da gab es Irritationen um die noch amtierende Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg. Sie und der DFB geben weiter Rätsel auf. Plötzlich ist MVT, wie sie kurz genannt wird, nicht mehr im Krankenstand, sondern im Urlaub. Am Donnerstag hielt sie beim Zahnärztetag in München einen Vortrag mit dem Motto „Formen, um zu performen – mein Change-Management im Frauen-Fußball“. Ein Hinweis auf künftige Funktionärstätigkeiten?

Interims-Bundestrainer Horst Hrubesch wusste am Freitag bei der Bekanntgabe des Nationalkaders nichts von diesem Urlaub bzw. Vortrag. DFB-Präsident Bernd Neuendorf wiegelte ab, „sie soll sich Zeit lassen und erholen“. Dabei warten alle auf eine Entscheidung.

Eine Entscheidung hat Hrubesch im Bezug auf die Mannschaft getroffen, Überraschungen gab es kaum, außer dass die Frankfurterin Kleinherne fehlt. Auf einige verletzte Spielerinnen wie die Müncherin Lohmann oder Stammtorhüterin Frohms (Wolfsburg) muss er verzichten. „Wir wollen zu Olympia“, nennt Hrubesch das Ziel und da müssen am Freitag (17.45 Uhr) in Sinsheim gegen Wales und am Dienstag,31. Oktober (20.00 Uhr) in Reykjavik gegen Island Siege her. Das Gros des Teams bilden die Wölfinnen, die dann hoffentlich wieder bissig sind.

Das Aufgebot: Tor: Berger (Chelsea), Johannes (Frankfurt), Mahmutovic (Duisburg). – Abwehr: Hegering, Hendrich, Rauch (alle Wolfsburg), Gwinn (Bayern), Doorsoun (Frankfurt), Linder (Hoffenheim), Nüsken (Chelsea). – Mittelfeld/Angriff: Brand, Huth, Lattwein, Oberdorf, Popp (alle Wolfsburg), Bühl, Dallmann, Magull, Schüller (alle Bayern), Anyomi, Freigang (beide Frankfurt), Däbritz (Lyon), Minge (Freiburg).

Die Gewinner und Verlierer der USA-Reise

Das Urteil ist deutlich: Nach Amtsantritt von Julian Nagelsmann stellte der kicker seinen Lesern die Frage, ob er die richtige Wahl als Bundestrainer wäre – nur 29 Prozent antworteten mit „Ja“. Nach der USA-Reise die gleiche Frage – und siehe da, jetzt antworteten 83 Prozent mit „Ja“. Bei Bayern München entlassen als zu unerfahren für den Top-Klub, jetzt der Triumphator bei der Nationalmannschaft. Julian Nagelsmann hat beste Werbung für sich gemacht und die Mannschaft zog bei seinen Ideen mit. Jamal Musiala urteilte: „Wir alle gehen mit einem guten Gefühlt nach Hause.“ Nagelsmann brachte die Leidenschaft zurück, ließ in wenigen Tagen die Tristesse von Hansi Flick verschwinden, doch alles konnte er in den Spielen gegen die USA (2:0) und Mexiko (2:2) nicht ausräumen, die Abwehrschwäche zum Beispiel blieb. Wer aber waren die Gewinner und Verlierer der USA-Reise?

Die Gewinner sind vor allem im System von Julian Nagelsmann zu suchen, der im 4-2-2-2 spielen ließ. Die Kandidaten in der Abwehr zeigten die bekannten Stärken und Schwächen, davor aber gab es die Gewinner, so zunächst das Duo Gündogan/Groß, das unterschiedlicher nicht sein könnte. Der neue Kapitän fand endlich seine richtige Rolle im Team und mutierte zu einem echten Anführer. Kapitän soll er bis zur EM 2024 in Deutschland bleiben, unabhängig davon wann Vorgänger Manuel Neuer wieder zur Verfügung steht. Daneben der Fast-Neuling, der plötzlich eine wichtige Rolle als Absicherung vor der Abwehr spielte, quasi die „Holding six“. Pascal Groß bezeichnete seinen Aufstieg als „Traum“, doch er lieferte, überzeugte mit 67 Prozent gewonnenen Zweikämpfen und einer Passquote von 88 Prozent. Verlierer sind Joshua Kimmich, der krank fehlte, und Leon Goretzka, der nur eine Nebenrolle spielte. Sie schienen im Mittelfeld gesetzt, jetzt suchen sie ihre Rolle. Kimmich sollte sie wieder als rechter Außenverteidiger spielen, dort fehlt die ideale Besetzung.

Davor tat sich Entscheidendes, denn mit der Abkehr vom Dreier-Mittelfeld und einem Mittelstürmer fand Nagelsmann den Platz für die beiden Jungspunde Florian Wirtz und Jamal Musiala, die im Mittelfeld wirbelten und mit dem quirrligen Leroy Sané und Tor-Garant Niclas Füllkrug den Angriff belebten. Wenn es keine Formschwäche oder Verletzungen gibt, scheint die Idealbesetzung gefunden. Da bleiben aus dem Aufgebot für Thomas Müller, Serge Gnabry, Julian Brandt, Jonas Hofmann oder Kai Havertz nur die Nebenrollen, sie alle gehören als Teilzeitarbeiter zu den Verlierern. Und hat Timo Werner noch eine Chance? Er passt eigentlich gar nicht rein.

Bleibt die Abwehr, wo vieles noch offen scheint, sogar die Torhüter-Position. Hält Nagelsmann wirklich an ter Stegen fest oder kehrt Manuel Neuer zurück? Da muss der Bayern-Keeper wohl wirklich überzeugende Leistungen bieten. Als Organisator und bestechende Figur der Abwehr hat er einen Vorteil. Die Rolle des Abwehrorganisators soll ansonsten Rückkehrer Mats Hummels spielen, er darf sich als Gewinner fühlen. Seine Position gestärkt hat sicherlich Antonio Rüdiger, während bei Jonathan Tah und Niklas Süle vor allem auf der Außenposition Licht und Schatten wechselten. Auffallend, dass Nagelsmann vor allem Süle als Mann der Zukunft sieht. Ob er da richtig liegt? Süle fällt immer wieder mit schweren Fehlern auf, kommt oft zu spät. Ein Verlierer könnte Nico Schlotterbeck werden, der in der Rangfolge zurück gerutscht ist, und keiner spricht von Matthias Ginter.

Bei den Außenverteidigern sucht der Bundestrainer rechts, Tah und Süle gelten als die abwehrstarke Variante, Kimmich könnte die Lücke füllen, aber auch der diesmal verletzte Benjamin Heinrich oder Lukas Klostermann. Beide kämen auch auf links in Frage, wo Robin Gosens gegenüber David Raum die Nase vorn hat, aber nicht voll überzeugen konnte. Hier sind die großen Schwächen der Mannschaft nicht ausgemerzt. Ein bisschen Arbeit muss ja für Julian Nagelsmann noch bleiben.

Die für die USA-Reise nominierten Neulinge konnten sich nicht in Szene setzen. Robert Andrich versauerte überhaupt an der Bank, weil Pascal Groß groß auftrumpfte. Chris Führich konnte sogar ein paar Minuten für sich werben, während Kevin Behrens sich vor allem freute, dass für ihn ein „Traum in Erfüllung ging“. Er staunte, „dass er noch nie auf dem Niveau trainiert habe“ und will sich bei Union Berlin weiterhin für die EM empfehlen. Die Neulinge machte alle deutlich, dass die Nationalmannschaft zumindest bei den Spielern wieder an Attraktivität gewonnen hat. Die Leistungen waren ja auch dazu angetan, Sympathien für dieses Team zu entwickeln. Ob die Wende weg von Langeweile und Frust wirklich geschafft ist, wird sich im November zeigen, wenn die Türkei am 18. November in Berlin und Österreich am 21. November als Gastgeber in Wien die letzten Gegner des Jahres sind. Experimente wird Nagelsmann kaum in Angriff nehmen, er spricht jetzt schon davon, dass sich der Stamm einspielen soll. Dies hatte auch Hansi Flick vor, doch er scheiterte auf dem Weg zur EM. Nagelsmann soll ihn jetzt weitergehen, Hoffnung, dass der Weg doch noch erfolgreich beschritten werden kann, keimt auf.

Nagelsmann und sein Team sorgen für gute Laune

Frischer Wind bei der Fußball-Nationalmannschaft! Mit dem neuen Bundestrainer Julian Nagelsmann kehrte auch das Lachen bei den Spielern zurück. Zusammen mit seinen Assistenten Benjamin Glück (37 Jahre alt und alter Kumpel von Nagelsmann) und Sandro Wagner (35, wenig Trainer-Erfahrung, erfolgreicher Torjäger) sorgte der 36-jährige Bundestrainer für gute Laune. Vor allem Sandro Wagner kommt mit seiner Lockerheit bei den Spielern gut an. Dabei ist „sein Team“ doppelt zu verstehen, denn für gute Laune sorgte auch die Mannschaft beim 3:1-Sieg gegen die USA. Auch auf dem Feld war alles anders, mit Schwung und viel Willen wurde die Aufgabe angegangen und so gab es ebenfalls gute Laune bei den Fans. Und wer bremst, nach dem Motto „wer ist schon die USA?“, dem sei gesagt, die USA ist Elfter der Weltrangliste und liegt vor Deutschland (15).

Auffällig war, dass die Lockerheit im Team frühzeitig bei der Vorbereitung zurückkehrte. Die Spieler schwärmten von Nagelsmann und seinen Assistenten, wobei der neue Bundestrainer auch im Umfeld für Veränderungen sorgte. Der eine oder andere Mitarbeiter aus dem Team von Vorgänger Hansi Flick ist nicht mehr dabei, die neuen Zeiten werden deutlich. Auch einige neue Spieler im Aufgebot sorgten für bessere Stimmung. „Wenn du das Leuchten in den Augen der Neulinge siehst, dann bekommst du auch gleich bessere Laune“, freute sich Kapitän Ilkay Gündogan. Als Chefs in der Kabine haben sich sofort wieder Thomas Müller und Mats Hummels bewährt.

Was vom ersten Auftritt vom „Team Nagelsmann“ zu erwarten ist, wollten auch die Fans in der Heimat in Deutschland sehen, der TV-Sender RTL verzeichnete mit 7,4 Millionen Zuschauern im Schnitt und über acht Millionen in der Spitze eine Rekord-Zuschauerzahl bei seinen bisherigen Übertragungen (10 Millionen sahen damals das Völler-Comeback in der ARD). Die Fans wurden nicht enttäuscht, zwar konnte auch der neue Trainer Unzulänglichkeiten in der Abwehr, vor allem bei schnellen Gegenstößen, nicht sofort ausmerzen, aber der Schwung war zu spüren und zu sehen, vor allem die Talente Jamal Musiala und Florian Wirtz agierten mit viel Spaß und Tempo. „Wir verstehen uns bestens und spielen gern zusammen“, machte Musiala deutlich. Dazu kam, dass sich Ilkay Gündogan endlich auch im Nationalteam als Führungsspieler zeigte und seiner Rolle voll gerecht wurde. Keine Rolle spielte so, dass Joshua Kimmich wegen einer Erkältung ausfiel (er reiste vorzeitig nach München zurück). Pascal Groß ersetzte ihn überraschend und könnte ihm den Platz an der Seite von Gündogan streitig machen. Groß sorgte nämlich für Sicherheit. Vorne zeigte Niclas Füllkrug, dass er der richtige Stürmer ist, Leroy Sané bewies seine gute Form. Die Tore durch Gündogan, Füllkrug und Musiala waren nach schönen Kombinationen sehenswert. Da merkte man nicht, dass mit dem Durchschnittsalter von 28,97 Jahren die älteste Mannschaft seit Start der Bundesliga begann. Alles gut also? Noch nicht ganz, aber ein Anfang ist gemacht.

Weiter geht es am Mittwoch (2.00 Uhr MESZ/ARD) in Philadelphia gegen Mexiko, das mit einem 2:0 über Ghana ebenfalls gute Form zeigte. Die deutsche Mannschaft wird dabei ein anderes Gesicht haben, weil Nagelsmann einige Spieler schonen wird. Vor allem die Dortmunder, die danach mit einem vom Verein gestellten Privatjet sofort nach Deutschland fliegen werden, weil bereits am Freitag das Bundesligaspiel gegen Bremen ansteht. Dafür darf sich sicherlich der eine oder andere Neuling zeigen und in der Abwehr stehen Experimente an, Talent Thiaw wird wohl getestet. Nur eines soll bleiben: Der Schwung und die gute Laune. Danach geht es am 18. November in Berlin gegen die Türkei weiter und am 21. November gibt es das letzte Testspiel des Jahres in Wien gegen Österreich.

Über die Teilnahme an der Europameisterschaft 2024 muss sich Deutschland als Gastgeber keine Gedanken machen, sechs Nationen haben am Wochenende aber bereits das Ticket gelöst, Frankreich, Belgien, Portugal, Spanien, Schottland und die Türkei sind dabei, 17 freie Plätze gibt es noch. Die Gruppenauslosung findet am 2. Dezember statt.

Warten auf Manuel Neuer

Am Wochenende geht es mit der Bundesliga weiter, die nächsten stressigen Wochen stehen bevor, denn unter der Woche sorgen die internationalen Wettbewerbe und der DFB-Pokal bei vielen Vereinen für eine zusätzliche Belastung. Schon bisher kommen viele Spieler an ihre Belastungsgrenzen und zahlreiche Verletzungsausfälle sind die Folge. Ein Akteur, der über Monate wegen Verletzung ausfiel, könnte am Wochenende in den Mittelpunkt rücken: Nationaltorhüter Manuel Neuer. Der 37-jährige wird sehnlichst zurück erwartet, obwohl ihn Yann Sommer und Sven Ulreich gut vertreten haben. Ärzte und Trainer gaben Neuer bereits grünes Licht, doch die letzte Entscheidung liegt beim Torhüter selbst. Entweder Samstag in Mainz, Dienstag in Istanbul oder dann Samstag gegen Darmstadt wird Neuer wohl im Tor stehen. Risiko will er sicher keines eingehen.Besondere Beachtung finden wird am Samstag zudem die Partie Wolfsburg – Leverkusen. Können die Kovac-Schützlinge den Tabellenführer stoppen?

Nur ein Verein hat die Länderspielpause zu einem Trainerwechsel genutzt, nämlich der FC Augsburg, der nicht einmal auf einem Abstiegsplatz steht. Aber Enrico Maaßen fehlten die Erfolge, in den letzten 19 Spielen gab es nur zwei Siege und die extrem schwache Leistung beim 1:2 gegen Darmstadt brachte das Fass zum Überlaufen. Der Nachfolger heißt Jess Thorup – und das darf als Überraschung gelten. Damit haben die Vereinsbosse sogar die Medien überrascht, denn gehandelt wurden Namen wie André Breitenreiter (ohne Verein), Stefan Kuntz (gilt aber eher als Favorit als nächster Frauen-Bundestrainer) oder zuletzt Peter Zeidler (St. Gallen). Es wurde aber der 53-jährige Däne, der bisher eher mit Meisterschaften denn mit Abstiegskampf zu tun hatte. Er wurde in Dänemark 2018 Meister mit dem FC Midtylland, 2022 mit FC Kopenhagen und holte 2013 mit Esbjerg den Pokal. 2015 erreichte er mit der U21 Dänemarks das EM-Halbfinale. Thorup gilt vor allem als Talente-Entwickler, so förderte er u. a. Jonas Wind (Wolfsburg), Yussuf Poulsen (Leipzig) und Pierre-Emil Höjbjerg (Tottenham, früher Bayern). Eine Aufgabe, die er in Augsburg in einem Team mit viel Talent, aber wenig Erfolg, weiter fortführen soll. Thorup, der Erfahrung auch im Europapokal sammeln konnte, geht die Aufgabe mit Begeisterung an: „Es ist eine große Freude für mich, in der Bundesliga zu arbeiten.“ Mit Maaßen setzte der FCA zunächst auf einen jungen Trainer, nun soll es Erfahrung richten.

Rekord bei den Frauen

Der Boom im Frauen-Fußball hört nicht auf. Jetzt meldete die Frauen-Bundesliga einen neuen Zuschauerrekord, der möglich wurde, weil gleich in drei großen Stadien gespielt wurde. Damit kamen zu den bis Sonntag fünf Spielen schon über 50.000 Zuschauer, die bisherige Bestleistung waren 43.667 am 18. Spieltag des Vorjahres. Den Vogel schoss Werder Bremen ab, das 21.000 Zuschauer im Weser-Stadion anlockte und mit einem 3:0 gegen Köln erfreute. Kein Tor fiel dagegen in der Allianz Arena, in die die Bayern-Frauen erstmals umzogen, aber damit kein Glück hatten. Zwar sorgten 19.000 Zuschauer für beste Stimmung, aber mit dem 0:0 gegen Frankfurt endete ausgerechnet in der Allianz Arena die Serie von 19 Heimsiegen in Folge. Damit wird nach zwei Unentschieden in vier Spielen der Rückstand auf den VfL Wolfsburg immer größer. Wolfsburg musste vor 10.000 Zuschauern in Leipzig zwar harten Widerstand brechen, siegte aber nach Toren von Pajor und Endemann mit 2:0. Am Sonntag (18.30 Uhr) werden jetzt die Münchnerinnen in Leipzig geprüft – wieder eine harte Nuss.

Wolfsburg und Frankfurt richten ihren Blick dagegen auf den Mittwoch mit den nächsten Spielen in der Qualifikation zur Champions League. Die Eintracht sollte nach dem 5:0 im Hinspiel bei Sparta Prag allerdings keine Probleme haben, Wolfsburg verspielte dagegen beim 3:3 beim FC Paris den möglichen Sieg und ist jetzt zu Hause gefordert.

Neuigkeiten gibt es auch von der Nationalmannschaft, da hat die einstige Torjägerin Birgit Prinz ihren Job als Teampsychologen hingeworfen. „Ich habe das Gefühl, dass die Mannschaft einen Neustart benötigt, um wieder zu alter Stärke zu finden“, erklärte Prinz ihre Entscheidung. Bei den nächsten Spielen am 27. Oktober in Sinsheim gegen Wales und vier Tage später in Island ist Interimstrainer Horst Hrubesch jetzt doppelt gefordert.

Die Bundesliga glänzt mit Rekorden

Wieder Unterbrechung in der Fußball-Bundesliga. Dem einen kommt die Länderspielpause gelegen, dem anderen wiederum überhaupt nicht. Beispiele: Der VfB Stuttgart hat einen Lauf, den er wohl ebenso wie Tabellenführer Leverkusen nur ungern unterbricht. Dagegen braucht der FC Augsburg die Ruhe, um für Ordnung in Verein und Mannschaft zu sorgen. „Analyse“ heißt das Zauberwort, Trainerwechsel wohl bald die branchenübliche Tatsache. Allerdings wurden auch Fehler in der Zusammenstellung der Mannschaft gemacht. Als Schuldiger könnte auch der Ex-Sportdirektor Stefan Reuter ausgemacht werden, heute nur noch Berater. Unter Enrico Maaßen spielte der FCA im Frühjahr aber eine katastrophale Rückrunde (nur 16 Punkte in 17 Spielen) und außer dem glücklichen 2:1 über Mainz gab es in dieser Saison wieder erschreckend schwache Leistungen mit dem Höhepunkt jetzt beim 1:2 gegen Aufsteiger Darmstadt. Ziel war das Mittelfeld, dafür droht der Abstieg. Schlusslicht ist allerdings der 1. FC Köln, dort steht Trainer Steffen Baumgart noch nicht zur Debatte. Baumgart gilt als Kultfigur, doch dieser Schutz hält nicht ewig.

Was auffällt, Köln hatte bisher mit Ausnahme von Bremen ausschließlich Gegner aus der ersten Hälfte der Tabelle. Weiter geht es mit Gladbach und in Leipzig, dann aber kommen die entscheidenden Duelle im Abstiegskampf mit Augsburg und Bochum. Auch der FCA steht vor einer wegweisenden Partie: Am 22. Oktober (17.30 Uhr) im Nachbarduell bei Neuling Heidenheim. Der machte bisher eine bessere Figur und hat schon zwei Siege auf seinem Konto. Auch der Vorletzte Mainz hatte sich mehr erwartet, startet aber dann gleich wieder gegen die Bayern. In der unteren Tabellenhälfte taucht überraschend auch Union Berlin auf, bei den „Eisernen“ ging es bisher nur aufwärts, wann können sie den Abwärtstrend stoppen? Die Mannschaft von Urs Fischer hat mit dem 2:4 in Dortmund die letzten sieben Pflichtspiele alle verloren. Urs Fischer ernüchtert: „Es wird eine ganz schwierige Spielzeit, so haben wir uns das nicht vorgestellt.“

Auch in Stuttgart haben sie sich die Saison so nicht vorstellen können, allerdings läuft es gegenüber Union auf das Gegenteil hinaus. Der VfB befindet sich dank Torjäger Serhou Guirassy weiter im Aufwind, ist Zweiter vor Bayern München. Zur Erinnerung: Stuttgart schaffte im Frühjahr den Klassenerhalt nur über die Relegation. Sebastian Hoeneß kam als Retter, in einer „Hoeneß-Tabelle“ ist Stuttgart nach 15 Spielen Vierter (hinter Dortmund, Leipzig und Bayern), also auf einem Platz für die Champions League! Ob der Lauf anhält? Das liegt vor allem an Guirassy, 13 Tore in sieben Spielen hat noch keiner in der Bundesliga erzielt! Das Sahnehäubchen war der Hattrick innerhalb von 15 Minuten beim 3:1 gegen Wolfsburg. Damit holte der VfB in sieben Spielen 18 Punkte – Vereinsrekord.

Und damit wären wir bei den Rekorden, mit der die Bundesliga vor der Länderspielpause noch glänzen konnte. Mit 15 Punkten führt Guirassy auch die Scorerliste an, vor Harry Kane, der neben seinen acht Toren vier Vorlagen lieferte. 12 Punkte hat bisher aber noch kein Spieler in seinen ersten sieben Bundesligaspielen erreicht. Auffallend: Beim 3:0 gegen Freiburg wirkte Kane als Spielmacher in zweiter Reihe und mit dem formstarken Leroy Sané bildet er ein kongeniales Duo. Der kicker sieht das Paar schon in der Reihe der Vereinsgrößen Ribery/Robben und Lewandowski/Müller. Apropos Thomas Müller, der schaffte seinen 322. Sieg in der Bundesliga und das im 448. Spiel. Torhüter Manuel Neuer hielt bisher allein diesen Rekord, allerdings in 478 Spielen. Vielleicht kann er nach der Länderspielpause wieder spielen und die Zahl seiner Siege erhöhen. Von Neuer wird immer gesprochen, von Vertreter Sven Ulreich weniger, doch der war im Champions-League-Spiel beim 2:1 in Kopenhagen mit einer Superparade in letzter Sekunde der Matchwinner.

An Siege kann man sich auch bei Hoffenheim gewöhnen, beim 3:2 in Bremen gab es einen doppelten Rekord, 15 Punkte in sieben Spielen erreichte die TSG noch nie und vier Siege in Folge auswärts gab es ebenfalls noch nie. Rekordhalter ist auch Bochums Torhüter Manuel Riemann als „Elfer-Killer“. In Leipzig hielt er gleich zwei Elfmeter und damit 12 von 23 Strafstößen gegen ihn! In Bochum heißt es angeblich, „foult ruhig im Strafraum, der Manuel hält ihn schon“.

Alle Augen auf Julian Nagelsmann

Mit seinem ersten Aufgebot als Bundestrainer hat Julian Nagelsmann durchaus für Aufsehen gesorgt. Überraschung Nummer 1: Routinier Mats Hummels ist zurück. Nagelsmann sieht den Dortmunder sogar als Führungsspieler, als Organisator in der Abwehr. Dazu kommen die Neulinge Robert Andrich (Leverkusen), Chris Führich (Stuttgart) und Kevin Behrens (Union). Die Zeit der Experimente ist also nicht vorbei, jetzt richten sich alle Augen auf Nagelsmann, wie er die Nationalmannschaft spielen lässt. „Die aktuelle Form war ausschlaggebend“, sagte der Bundestrainer zum Kader von 26 Spielern, aber Andrich ist in Leverkusen meist nur Ersatz, Behrens traf zuletzt nicht mehr, nur Führich ist wirklich in Form und hat eine Chance verdient.

Die USA-Reise, die am Montag begann, ist mit den Spielen gegen die USA am Samstag (21.00 Uhr) in Hartford und gegen Mexiko am Mittwoch (2.00 Uhr) in Philadelphia nicht unumstritten. Der Zeitpunkt mitten im stressigen Herbst mit zusätzlichem Zeitunterschied stößt vielen sauer auf, selbst den Spielern. Vor allem Dortmund ist betroffen, muss es doch gleich am Freitag (20.) spielen. Nagelsmann hat einen Blick darauf und will Rücksicht nehmen. Seine Aufgabe machen diese Umstände nicht unbedingt leichter, zumal er auch darum kämpft, verspielten Kredit der Nati wieder zurück zu gewinnen. „Julian ist die beste Lösung“, stärkt ihm sein Vorgesetzter Rudi Völler den Rücken.

Das Aufgebot: Tor: ter Stegen (Barcelona), Trapp (Frankfurt), Baumann (Hoffenheim), Leno (Fulham), – Abwehr: Hummels, Süle (beide Dortmund), Gosens (Union), Raum (Leipzig), Rüdiger (Real Madrid), Tah (Leverkusen), Thiaw (AC Mailand). – Mittelfeld: Goretzka, Kimmich, Musiala, Sané (alle Bayern), Andrich, Hofmann, Wirtz (alle Leverkusen), Brandt (Dortmund), Führich (Stuttgart), Groß (Brighton), Gündogan ( Barcelona). – Angriff: Behrens (Union), Füllkrug (Dortmund), Havertz (Arsenal London), Müller (Bayern).

Horst Hrubech als Helfer

Auch die Frauen-Nationalmannschaft hat einen neuen Bundestrainer. Die Notlösung kann sogar eine Ideallösung sein, denn die Mädchen des Nationalteams sind vom „Kopfballungeheuer“ Horst Hrubesch begeistert. Der 72-jährige, heute Nachwuchsdirektor beim HSV, das er auch bleiben will, sprang schon einmal vor fünf Jahren ein, bevor Martina Voss-Tecklenburg Ende 2018 begann. Hrubesch brachte damals die Mannschaft wieder auf Erfolgskurs und hielt bis heute Kontakt mit der damaligen Mannschaft. Die Zukunft der erkrankten Voss-Tecklenburg ist weiter ungewiss, doch Hrubesch will keine Dauerlösung sein. Für die bevorstehenden wichtigen Spiele in der Nations League am 23. Oktober in Sinsheim gegen Wales und am 31. Oktober in Island wurde ein Helfer gesucht, nachdem Britta Carlson nicht in der ersten Reihe stehen will.

Die Begeisterung für die Frauen-Bundesliga hält unterdessen an, bei allen Begegnungen gab es vierstellige Zuschauerzahlen, mit den 4600, die das Duell Essen gegen Bayern (0:2) sahen, an der Spitze. Die Bayern hatten Pech mit der Verletzung von Weltstar Pernille Harder, die zuvor noch das 1:0 erzielt hatte. Am Samstag (17.55 Uhr, die ARD überträgt) wollen die Bayern-Frauen die Allianz Arena füllen, wenn sie dort erstmals ein Bundesligaspiel austragen. Gegner ist Eintracht Frankfurt, der Vorjahresdritte, der mit einem 3:1 gegen Leipzig wieder in die Erfolgsspur fand.

Eine besondere Aufgabe hat Tabellenführer VfL Wolfsburg in diesen Wochen. Am Dienstag geht es in der Qualifikation zur Champions League zum FC Paris, der zuvor Arsenal London ausgeschaltet hatte. Das Rückspiel ist am 18. Oktober. Allerdings müssen die Wölfinnen auf Nationaltorhüterin Merle Frohms verzichten, die bei einem Zusammenprall im Training eine Gehirnerschütterung erlitten hat.

Gianni Infantino ist für den Fußball eine Katastrophe

Der Profi-Fußball hat einen schlechten Ruf. Wer fragt warum, der muss sich nur die Entscheidungen des Weltverbandes anschauen. Der unsägliche FIFA-Präsident Gianni Infantino tut alles, um den schlechten Ruf zu untermauern. Es geht ihm nicht um eine gesunde Entwicklung der Sportart und um Nachwuchspflege, sondern er hat nur die Geldvermehrung für den Verband, für sich und die FIFA-Funktionäre im Sinn. Mit Geld hat er die Spitzen der Kontinentalverbände für sich gewonnen, wer für das Handheben mit einer rund Million Euro im Jahr belohnt wird, der stimmt unsinnigen Plänen zu.

Nur so ist es zu erklären, dass sich Infantino mit seiner „tollen Idee“ brüstet, dass die Weltmeisterschaft 2030 gleich auf drei Kontinenten stattfinden wird, nämlich in Südamerika, Afrika und Europa. Start ist in Uruguay, Argentinien und Paraguay mit jeweils einem Spiel (!!!), danach werden auch Marokko und Portugal bedacht, der Hauptteil der Spiele findet in Spanien statt. Als Denkmantel für den Unsinn gilt dem Präsidenten, dass der Weltverband 100 Jahre Weltmeisterschaft entsprechend feiern muss. 1930 wurde eine WM erstmals in Uruguay ausgetragen. 13 Nationen waren damals am Start, schon 2026 in den USA, Kanada und Mexiko werden es 48 sein. Allein diese Aufblähung von 32 auf 48 war unverständlich und ein typischer Infantino-Coup, weil nun mehr Nationen von der Geldmaschine WM profitieren können. Infantino in seiner überheblichen Art schwärmt davon, dass diese WM die Welt vereinen wird und Frieden schaffen werde. Kritiker spotten derweil, dass die WM wohl bald auf dem Mount Everest stattfinden wird oder Jupiter, Mars und andere Planeten die geeigneten Austragungsstätten wären. Wie wäre es aber damit, die WM in allen 48 qualifizierten Ländern stattfinden zu lassen? Die Süddeutsche Zeitung stellt die richtige Frage: Wieso darf ein geldgieriger FIFA-Präsident ganz allein den Weltfußball schikanieren?

Eine traurige Rolle spielt auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf, einer der im Zentralkomitee gut verdient. Anstatt gegen diesen wahnwitzigen Plan zu votieren, verteidigt er sich: Alle Konförderationspräsidenten wären für den Plan gewesen. Damit hat sich der DFB-Präsident wieder demaskiert, dass er für das Amt ungeeignet ist. Der frühere SPD-Landespolitiker wurde ja nur durch die Querelen und Intrigen im Verband ins Amt gespült. Der DFB, einst ein Vorzeigeverband, mutiert jetzt eher zu einem Pleite- und Katastrophen-Verband.

Die FIFA-Funktionäre, die der wahnwitzigen Infantino-Idee gefolgt sind, haben Klimawandel und die Reiseprobleme der Mannschaften und Fans ignoriert. Sie müssen kreuz und quer durch die Welt jetten, vor allem die Spieler zudem Zeitunterschiede verkraften, eine Strapaze ohnegleichen, eine vernünftige Vorbereitung auf das nächste Spiel ist kaum möglich. Mit gesundem Menschenverstand ist so einer Entscheidung nicht zuzustimmen. Infantino sieht sich ein bisschen als „Retter der Welt“, vielleicht sollte sein Gesundheitszustand untersucht werden.

Angesichts dieser Katastrophen-Idee geht fast unter, dass der Ränkeprofi Infantino mit der WM 2030 gleichzeitig die Weichen dafür gestellt hat, dass seine neuen Freunde aus Saudi-Arabien die WM 2034 ausrichten können. Nachdem Infantino vor der Schweizer Jurist (dort laufen Verfahren gegen ihn) nach Katar geflüchtet ist und dort schon die unsinnige WM 2022 vor Weihnachten installiert hatte, sucht er jetzt Zuflucht bei Scheich Mohammed bin Salman in Riad. Für die Saudis ist Infantino ein williges Werkzeug auf dem Weg, sich in der Welt Geltung zu verschaffen und dafür den Sport und besonders den Fußball als Vehikel zu benutzen. Sie haben schon dem Fußball in Europa mit überteuerten Zahlungen an Stars in Bedrängnis gebracht. Bis 2034 wollen die Saudis eine bedeutende Rolle im Fußball spielen und die WM haben sie sicher, weil die FIFA eine Rotation beschlossen hat, bei der mit 2030 gleich drei Kontinente aus dem Geschäft sind. Für 2034 kommen also nur Asien und Ozeanien in Frage, aber innerhalb von 25 Tagen müssen die Bewerbungen vorliegen! Australien hat Interesse, wird aber angesichts der unsinnigen Konstellation wohl kaum ein Angebot abgeben, weil die Erfolgsaussichten bei Null liegen.

Am Ende bleibt nur die Frage: Kann Gianni Infantino den Weltfußball wirklich ganz ruinieren?

Wundern über die Bundesliga

Erst sechs von insgesamt 34 Spieltagen sind in der Fußball-Bundesliga absolviert und der Beobachter hat das Gefühl, des gehe drunter und drüber. Von Normalität kann keine Rede sein, was andererseits die Liga im Gespräch hält. Dennoch gilt: Wundern über die Bundesliga.

Da ist der Fall Max Eberl. Es war ein Paukenschlag, der am Freitag aus Leipzig ertönte, als die Entlassung von Sportgeschäftsführer Max Eberl verkündet wurde. Gerade mal 302 Tage war er bei RB Leipzig im Amt, bei der Vertragsunterzeichnung als „Wunschlösung“ und „Glücksfall“ bezeichnet. Wie man sich täuschen kann. Zwar kann niemand dem Manager, der sich vorher mit Tränen aus Mönchengladbach verabschiedet hatte und wegen Burn-Out eine Pause einlegte, schlechte Arbeit vorwerfen, aber die Sachsen vermissten die nötige Identifikation mit dem Verein. Eberl blieb ein Fremdkörper, der Bayer war lieber in München, wo er ein Haus besitzt und seine Freundin arbeitet, als in Leipzig. Was außerdem störte: Immer wieder kamen Gerüchte auf, dass Eberl lieber bei Bayern München arbeiten würde und dort die Wunschlösung als Nachfolger des geschassten Hasan Salihamidzic wäre. Was missfiel: Eberl dementierte immer nur halbherzig. Das Tischtuch war zerschnitten, RB-Boss Oliver Mintzlaff: „Es war nicht mehr zu retten“. Im Verein heißt es, Eberl durfte über diesen Schritt nicht überrascht sein. Die Auszeit wird wohl nicht lange dauern, Eberl gilt als Freund von Uli Hoeneß und die Bayern werden wohl nur einen Anstandszeitraum abwarten, bis sie Eberl verpflichten. Seine Ideallösung Bayern wäre geschafft.

Sportlich wundert sich der Betrachter auch über das Tabellenbild der Bundesliga. Es gibt bereits einen kleinen Break, die Liga ist geteilt in die ersten acht Vereine, von Leverkusen als Tabellenführer mit 16 Punkten bis Freiburg mit 10 Zählern. Dahinter hätten sich Frankfurt und Union Berlin mehr erwartet und gehören zu den Enttäuschungen. Dagegen überrascht Neuling Heidenheim, dass gegen Bremen seinen zweiten Sieg einfuhr und dabei wieder von den Freistoßkünsten von Jan.Niklas Beste profitierte. Gute Standards sind die halbe Lebensversicherung.

Wundern darf man sich über Bayer Leverkusen, das erstaunlich konstant seine Leistung abliefert und deshalb vorne liegt. Es ist der beste Saisonstart aller Zeiten mit 16 Punkten nach sechs Spielen. Der Höhenflug des VfB Stuttgart dauert ebenfalls an, Trainer Sebastian Hoeneß ist selbst verwundert und redet gebetsmühlenartig nur davon „auf dem Boden zu bleiben“. Ist Wolfsburg, das ebenfalls gut in Schwung ist, am Samstag die Nagelprobe? Von einem Höhenflug ist bei Bayern in diesem Jahr noch keine Rede, der Dauer-Meister zeigt sich instabil, die Leistungen wechseln von Spiel zu Spiel und sogar innerhalb von 90 Minuten, so auch beim 2:2 in Leipzig, als die erste Hälfte verschlafen wurde. Dazu gibt es zu viele Fehler, die zu Toren und Punktverlusten führen. Die Sicherheit und vor allem Führung eines Manuel Neuers fehlt, vielleicht erfolgt sein Comeback nach der Länderspielpause. Auch der verletzte de Ligt wird als Abwehrorganisator vermisst. Trainer Thomas Tuchel muss aufpassen, dass er nicht unter Beschuss gerät, seine Handschrift ist nicht erkennbar, eine entsprechende Form auch nicht. Siege in der Champions League am Dienstag in Kopenhagen und am Sonntag in der Liga gegen Freiburg müssen her, damit Ruhe herrscht. Welche Nöte die Bayern nach einem verpatzten Transfersommer haben, zeigt sich darin, dass ihr ehemaliges Abwehr-Ass Jerome Boateng, derzeit vereinslos und bei seiner letzten Station in Lyon oft in der Kritik, ein Probetraining absolviert. Im Pokal in Münster traten die Bayern bekanntlich ohne gelernte Innenverteidiger an.

Wundern darf man sich auch über Borussia Dortmund. Noch ist die Borussia ungeschlagen, aber so richtig zufrieden waren sie im Verein bisher nicht. Es gab zwar Ausnahmen, aber irgendwie schaffen sie es zuletzt die Punkte einzufahren. Das Comeback von Marco Reus hat sich gelohnt, er sorgt für entscheidende Treffer und Torhüter Kobel ist es egal: „Ich nehme auch in Zukunft dreckige Siege“. Siegen würde auch Union Berlin gern, doch bei den Eisernen ist Sand im Getriebe, da hat die Transferzeit ebenfalls Spuren hinterlassen, 16 Abgänge und 10 Zugänge brachten das Gefüge durcheinander, außerdem fehlen mit Khedira und Knoche Stützen des Teams verletzt. Der „Trainer des Jahres“ Urs Fischer wirkt ratlos. Schlechtes Timing, dass jetzt am Dienstag ausgerechnet die Heimpremiere in der Champions League gegen Sporting Braga folgt. Gespielt wird bekanntlich im ungeliebten Olympiastadion, der Heimstätte des Lokalrivalen Hertha BSC. Ein ausverkauftes Haus wird es dennoch geben.

Wundern darf man sich auch beim Blick auf das Tabellenende. Da glückte Aufsteiger Darmstadt ein Befreiungsschlag gegen Werder Bremen, das den Start verschlief (0:4, dann 2:4), dieses Erfolgserlebnis fehlt noch Bochum, Köln und Mainz. Vor allem Köln und Mainz kommen einfach nicht auf die Beine, da wird wohl die Länderspielpause sehnlichst für eine Besinnung erwartet. Köln kann auch in Leverkusen nicht auf eine Wende hoffen, eher Mainz in Gladbach, das allerdings mit dem 3:1 in Bochum zeigte, dass es nicht unbedingt da unten hingehört. Die brisanteste Partie im Abstiegskampf steigt in Augsburg, wo der FCA die gerade siegreichen Darmstädter erwartet. Für Trainer Enrico Maaßen könnte es wieder heißen „siegen oder fliegen“. Die Länderspielpause kann auch gefährlich sein.

Nach den Spielen in dieser Woche auf europäischer Bühne (u. a. Leipzig – Manchester City) rücken wieder die Nationalmannschaften in den Mittelpunkt. Von besonderem Interesse natürlich das erste Aufgebot, das der neue Bundestrainer Julian Nagelsmann für die USA-Reise mit Spielen gegen die USA am 14 Oktober und Mexiko am 17. Oktober am Freitag bekanntgeben will. Hat er Überraschungen auf Lager oder setzt er mehr auf Änderungen in Training und Einstellung?

Apropos Trainer bzw. hier Trainerin. Bei der Frauen-Nationalmannschaft sollen in dieser Woche Nägel mit Köpfen gemacht werden. Es geht um die Führung im Team und die Tatsache, wie die Zukunft von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg aussieht, die sich derzeit krank gemeldet hat. Es muss ja weitergehen, auch hier stehen Ende Oktober die nächsten Aufgaben in der Nations League gegen Wales und Island an. Die Frauen-Bundesliga konnte sich wieder über einen Zuschauererfolg freuen, 13500 Zuschauer sahen das Schlagerspiel Frankfurt – Wolfsburg, das die Wölfinnen nach zweimaligem Rückstand (Freigang, Dunst) noch durch Tore von Popp, Oberdorf, Wedemeyer und Pajor 4:2 gewannen. Bayern, erst am Montag gegen Köln aktiv, hatte auch ein Erfolgserlebnis, die englische Europameisterin Georgia Stanway verlängerte ihren Vertrag vorzeitig bis 2025. „In München bin ich richtig glücklich“, strahlt die 24-jährige, die bereits eine Führungsrolle im Team einnimmt.

Das Großereignis im Golf, der Ryder Cup, brachte in Rom eine geglückte Revanche von Europa gegen die USA, der 16,5:11,5-Sieg (zuletzt 9:19 in den USA) war allerdings von Querelen überschattet. So fühlte sich Top-Star Rory McIlroy am Samtag beim entscheidenden Putt vom Caddy von Gegner Cantlay vorsätzlich gestört und hielt mittels Schimpfkanonade mit seinem Frust nicht hinter dem Berg. „Wir im Team Europa haben uns für den Schlusstag geschworen, denen zeigen wir es“. Was dann auch passierte. McIlroy gewann alle seine vier Spiele. Diskutiert wurde vor allem von den amerikanischen Profis, dass es beim Ryder Cup keine Gage gibt. Wortführer war auch hier Patrick Cantlay: „Die Verbände verdienen ein Haufen Geld und wir nichts.“ Europas Kapitän Luke Donald konterte: „Hier geht es nur um den reinen Sport und das soll so bleiben.“ Gut so, beim Ryder Cup treten sowieso nur mehrfache Millionäre an.

Bühne frei für die Basketball-Weltmeister

„Die Liga der Weltmeister“ nennt sich jetzt die Basketball-Bundesliga. Na ja, so ganz stimmt das nicht, aber immerhin ein Drittel der zwölf Helden, die in Asien vor wenigen Wochen sensationell den WM-Titel gewonnen hatten, sind in Deutschland beheimatet. Die großen Stars um Kapitän Dennis Schröder spielen im Ausland, vor allem in der NBA, sonst hätte das Team nicht diese Qualität gehabt. Die Bundesliga aber hofft, dass Basketball in Deutschland jetzt „in“ ist, dass die Begeisterung über den Titel sich jetzt auch im Ligen-Alltag niederschlägt. 18 Mannschaften spielen ab Mittwoch die Hauptrunde, die am 12. Mai 2024 endet. Danach schließen die Play-Offs an, für die sich die besten acht Teams qualifizieren, die beiden letzten Mannschaften steigen direkt ab.

Die Play-Offs sind im amerikanischen Sport und hierzulande zum Beispiel auch im Eishockey neben dem Basketball eingeführt. Davon können Mannschaften profitieren, die in der Hauptrunde etwas unter dem Radar geflogen sind. Das nutzte in der letzten Saison Ratiopharm Ulm, der Überraschungsmeister, nacheinander wurden die Favoriten Alba Berlin, Bayern München und die Telekom Baskets Bonn ausgeschaltet. Der Fluch der guten Tat: Die Mannschaft fiel auseinander, die Stars wanderten ab. Noch schlechter erging es Finalgegner Bonn, der das gesamte Team verlor. Aber beide Vereine hadern nicht, sie sagen sich: Auf zu neuen Überraschungen.

Der große Favorit ist aber der FC Bayern München, der nach vier Jahren Dürre endlich wieder zuschlagen will. Der Pokalsieg war nur ein kleiner Trost, der Titel soll verteidigt werden und dazu will man bei Europas Größen in der Euroleague eine gute Rolle spielen. Dafür haben die Bayern aufgerüstet, sie haben nicht nur die Weltmeister Andreas Obst, Isaac Bonga und Niels Giffey, die alle über ihre Leistungsgrenze gingen, in ihren Reihen, sie haben ausländische Stars eingekauft, allen voran den ehemaligen NBA-Champion Serge Ibaka. Manager Marko Pesic schwärmt, „er macht die Bundesliga attraktiv“ und Pesic kann sich bestätigt fühlen. Der 2,08 Meter große Center und Power Forward aus Brazzaville/Kongo nahm das Münchner Angebot unter anderem deshalb an, weil er den neuen Trainer Pablo Laso gut kennt und mit ihm in Madrid erfolgreich war. Der 55-jährige Spanier folgt auf den Italiener Andrea Trinchieri, der die Erwartungen nicht ganz erfüllen konnte. Laso, der wegen Herzproblemen zuletzt pausieren musste, fühlt sich wieder gesund und gilt als einer der erfolgreichsten Trainer Europas. Mit Real gewann er 21 Titel, auch zweimal die Euroleague. Nun soll die Titelsammlung in München weitergehen.

Als stärkster Konkurrent gilt Alba Berlin, dort spielt mit Johannes Thiemann der vierte Weltmeister. Alba möchte an die erfolgreichen Jahre von 2020 bis 2022 anschließen, als das Titel-Triple gelang. Zuletzt war gegen Ulm im Viertelfinale Schluss und dazu kam ein Umbruch im Team, die Stützen Luke Simka (Piräus), Weltmeister Maodo Lo (Mailand) und Jaleen Smith (Bologna) zog es weg. Der Nachwuchs soll sein Können zeigen, dazu kommen Neuzugänge mit NBA-Erfahrung. Trainer Israel Gonzalez und Sportdirektor Hilmar Ojeda sind schließlich geblieben und wollen wieder glorreiche Zeiten: „Es wird kein Spaziergang für die Bayern.“

Die Bayern warten aber noch mit einer Weltneuheit auf: Erstmals wird auf einer Hightech-Glasfläche gespielt, das gab es noch nie. Die deutsche Firma ASB GlassFloor hat diesen Boden entwickelt, der sogar griffiger als Parkett sein soll und mit LEDs ausgestattet ist, so dass sich durch die Anzeigen unendliche Möglichkeiten mit wechselnden Linien oder Werbung ergeben. Die Tests verliefen ausgesprochen erfolgreich und auch die NBA zeigt bereits Interesse am deutschen „Wunderboden“.

Neu ist auch der Fernsehpartner der Basketball-Bundesliga. Die neu gegründete Sport-Streaming-Plattform Dyn, die mehrheitlich der Axel Springer SE gehört und die vom ehemaligen DFL-Manager Christian Seifert gegründet wurde, hat die Rechte erworben. Die Gefahr besteht, dass Basketball damit mehr oder weniger von der Bildfläche verschwindet. Zuletzt war MagentaSport der Hauptpartner. Immerhin überträgt aber die ARD zwölf ausgewählte Spiele. Es wäre ja schade, wenn die Begeisterung für Basketball wieder im Keim ersticken würde. Nächstes Highlight wären dann erst die Olympischen Spiele 2024 in Paris, wofür sich Weltmeister Deutschland qualifiziert hat.

Der erste Spieltag: Ulm – Chemnitz, Vechta – Bamberg, Heidelberg – Berlin, Würzburg – Göttingen, Braunschweig – Oldenburg, Crailsheim – Rostock, Luwigsburg – Hamburg, München – Mitteldeutscher BC (Weißenfels), Bonn – Tübingen.

Spitzengolf ohne deutsche Beteiligung

Was ist mit dem deutschen Golf los? In diesen Wochen finden die bedeutendsten Golf-Duelle, die Erdteilkämpfe zwischen Europa und den USA, ohne deutsche Beteiligung statt. Das hat es seit Jahren nicht mehr gegeben. Sowohl beim Solheim Cup der Damen als auch beim Ryder Cup der Herren heißt es bei der Frage nach deutschen Startern nur „Fehlanzeige“. Das tut vor allem den Herren weh, denn mit Bernhard Langer stand ein Deutscher auf Platz eins, als die Weltrangliste ins Leben gerufen wurde. Der jetzt 66-jährige Augsburger ist heute noch im Champions Cup der Senioren (über 50) einer der besten Spieler und vor allem vielfacher Rekordhalter. Martin Kaymer sollte in seine Fußstapfen treten, wurde zweifacher Masterssieger und ebenfalls kurz Nummer 1 der Welt, doch jetzt spielt er in der von Saudis subventionierten LIV-Runde meist am Ende vom Feld. In der aktuellen Weltrangliste muss man lange suchen, um auf deutsche Namen zu stoßen. Stephan Jäger, der in den USA lebt und spielt, rangiert auf Platz 92, Yannik Paul, der sich Hoffnung auf eine Nominierung im Ryder Cup gemacht hatte, folgt auf Platz 98. Kein Ruhmesblatt. Fast peinlich: Dafür ist Österreich mit Sepp Straka vertreten.

Auch die deutschen Damen schauten nur zu, als am lezten Wochenende in Finca Cortesin in Andalusien der Solheim Cup ausgetragen wurde. Die Stars aus Europa und den USA trugen einen spannenden Kampf aus, die USA führte nach der ersten Session 4:0 (!), aber Europa glich schließlich zum 8:8 vor den abschließenden Einzeln aus. Der Krimi endete schließlich 14:14, womit Europa nach den Siegen von 2019 und 2021 die Trophäe erneut behalten durfte. Groß gefeiert wurde vor allem die Spanierin Carlota Ciganda, die im letzten Spiel gegen die Favoritin Nelly Korda ihre Nerven im Zaum hielt und gewann. Sie war überhaupt Europas Überraschung für Kapitänin Suzann Petterson, weil sie alle ihre vier Spiele gewann.

Ab Freitag sind jetzt in Rom die Herren dran, aber da haben Europas Männer einiges gutzumachen, denn beim letzten Vergleich in Wisconsin in den USA gab es eine bittere 9:19-Abfuhr. Hoffnung für Rom macht, dass die USA seit 30 Jahren in Europa nicht mehr gewonnen haben. Aber die Amerikaner gelten dennoch als Favoriten, was ihre Platzierungen in der Weltrangliste angeht, aber das galt für die Damen auch. Europas Kapitän Luke Donald wartete bei der Nominierung mit einigen Überraschungen auf, so schenkt er zum Beispiel Schwedens Jungstar Ludvig Aberg das Vertrauen, der wie aus dem Nichts plötzlich bei den Profis vorne mitmischt. Immerhin hat er als zweifacher College-Meister in den USA etwas vorzuweisen.

Die Teams: Europa: Ludvig Aberg (Schweden), Matt Fitzpatrick, Tommy Fleetwood, Tyrrell Hatton, Justin Rose (alle England), Nicolai Hojgaard (Dänemark), Viktor Hovland (Norwegen), Shane Lowry (Irland), Robert MacIntyre (Schottland), Rory McIlroy (Nordirland), Jon Rahm (Spanien), Sepp Straka (Österreich). – USA: Sam Burns, Patrick Cantlay, Wyndham Clark, Rickie Fowler, Brian Harman, Max Homa, Brooks Koepka, Collin Morikawa, Xander Schauffele, Scottie Scheffler, Jordan Spieth, Justin Thomas.

Harry Kane ist der neue „Mister FC Bayern“

Es ist die Zeit der Torjäger in der Fußball-Bundesliga. Wer denkt noch an Erling Haaland oder Robert Lewandowski? „In“ sind nach den ersten fünf Spieltagen Harry Kane, Serhou Guirassy und Victor Boniface, sie treffen und treffen und so purzeln Rekorde. Gut, Harry Kane ist schon ein Weltstar, ob auch Guirassy und Boniface auf Dauer in die großen Fußstapfen der Stars von einst treten können, kann erst die Zukunft zeigen. Noch gibt es eher Skepsis, ob die Leichtigkeit von heute später einem Frust der Torlosigkeiten weichen könnte.

Die Torjäger und die Fans sollten also erst einmal den Moment der Glücksseligkeit genießen. Die aktuelle Torschützenliste wird von diesen drei angeführt, Guirassy liegt mit zehn Treffern vor Kane (7) und Boniface (6), er trifft alle 43 Minuten, eine sensationelle Quote. Auch in der Skorerliste liegt Guirassy (11) vorn, allerdings gab er bisher nur einen Assist, da sticht Kane (10) mit drei Vorlagen heraus und auch Boniface (8) legte schon zweimal auf. Egoisten sind sie also nicht, aber Rekordler. Guirassy, 27 Jahre alt, ein in Arles geborener Franzose, der jetzt für Guinea spielt, stellte die Bestleistung von Lewandowski mit zehn Treffern nach fünf Spieltagen ein. Lewandowski hatte 2020/21 am Saisonende mit 41 Treffern den Allzeitrekord von Gerd Müller geknackt, das dürfte dem Stuttgarter wohl kaum gelingen. Seinen VfB schoss er aber auf Rang drei.

Eher darf man dem 100-MIllionen-Mann Kane weitere Großtaten zutrauen. Immerhin hat er alle Bayern-Größen wie Gerd Müller und Robert Lewandowski mit sieben Treffern in fünf Spielen übertroffen, der alte Rekord lag nur bei fünf Toren. Zehn Skorerpunkte in seinen ersten fünf Bundesligaspielen sind Liga-Rekord, das gelang vorher noch niemanden. Harry Kane ist der neue „Mister Bayern“, denn er besticht zudem durch tolle Vorlage (siehe den Traumpass zum 4:0 gegen Bochum auf Sané) und er hilft auch effektiv in der Abwehr aus. Englands Kapitän wird nie zu den Schnellsten des Spieltags gehören, aber er ist ein genialer „Schleicher“ auf dem Feld.

Tore sind das Salz in der Suppe, entscheidend aber sind die Punkte und da müssen natürlich erst mal Tore her. Die Bayern haben sich gegen Bochum (schon das dritte 7:0 gegen einen wehrlosen Gegner) sogar an die Tabellenspitze geballert, Leverkusen gewann zwar gegen Heidenheim 4:1, verlor aber die Tabellenspitze um drei Tore. Das kann sich am Samstag schon wieder ändern, denn Leverkusen könnte bei Schlusslicht Mainz in Torlaune geraten, während die Bayern in Leipzig eine harte Nuss zu knacken haben. Im Vorjahr blieben sie gegen RB sieglos (1:1/1:3) und verloren auch im Supercup vor der Saison. Beide Mannschaften haben eine weitere englische Woche, müssen ihre Pokalspiele in Münster (die Bayern) bzw. Wehen-Wiesbaden nachholen. Schwung dafür haben sich die Bayern übrigens am Sonntag auf dem Oktoberfest geholt und auch in der Lederhose war Harry Kane fast ein Volltreffer.

Nach fünf Spieltagen ist die Tabelle noch nicht aussagekräftig, es herrscht oben und unten noch Gedränge. Union Berlin und Freiburg kommen nicht richtig auf die Füße, überraschend ist Frankfurt noch ohne Niederlage, aber bei vier Unentschieden bleibt nur Rang acht. Am Tabellenende sind vor allem Mainz und Köln nicht erwartete Sorgenvereine, wobei Mainz vor allem mit Verletzungspech hadert und Köln die Tore fehlen. Aber bei beiden Klubs stehen die Trainer Bo Svensson und Steffen Baumgart nicht zur Debatte, sie haben ja Kultstatus. Dagegen zog in Augsburg Enrico Maaßen mit dem glücklichen 2:1 gegen Mainz (sogar rund 30 Minuten in Unterzahl) den Kopf aus der Schlinge. Ermedin Demirovic zeigte sich als echter Kapitän und ging mit zwei Treffern voran, sein Vorgänger Jeff Gouveleeuw war fast schon abserviert (er soll nächsten Sommer gehen), kehrte aber zurück und stabilisierte die Abwehr. Da hat es sich für den Trainer gelohnt, dass er über seinen Schatten gesprungen ist.

Bei den ersten Aufgaben auf Europas Bühne waren nicht alle Bundesligisten glücklich. Vor allem Dortmund enttäuschte mit einem blutleeren Auftritt beim 0:2 in Paris, da war mehr drin. Leipzig hat es in Bern relativ leicht, die Bayern dagegen machten es sich unnötig schwer, gegen ein harmloses Manchester United war mehr als ein 4:3 möglich, immerhin riss die Siegesserie in den Gruppenspielen nicht. Im Pech Union Berlin, das bei Real Madrid eine Mauer errichtete, die die Spanier kaum knacken konnte. Erst in der 94. Minute gelang dies Jude Bellingham. Dass Real derzeit nicht in Bestform ist, zeigte sich am Sonntag im Lokalderby beim 1:3 bei Atletico.

Besser machten es die deutschen Vertreter in den anderen Wettbewerben. In der Europa League waren die Schweden von BK Häcken für Leverkusen kein ernsthafter Gegner (4:0), der SC Freiburg zeigte beim 3:2 bei Olympiakos Piräus großen Kampfgeist und holte sich das dringend notwendige Erfolgserlebnis. Der Aufwind zeigte sich ja dann beim 0:0 in Frankfurt. Die Eintracht selbst hatte in der Conference League beim 2:1 gegen Aberdeen einige Mühe, aber sie landete einen Sieg, in der Bundesliga sind ja Remis an der Tagesordnung (siehe oben).

Der DFB und seine Trainer-Sorgen

Raus aus dem Dilemma, rein in das Dilemma. Der Deutsche Fußball-Bund wird seine Trainer-Sorgen nicht los, kaum dass er bei den Männern das Problem gelöst hat, tut sich der gleiche Ärger bei den Frauen auf. Gut, Martina Voss-Tecklenburg ist krank und steht eigentlich nur vorübergehend nicht zur Verfügung, aber es ist nicht kommuniziert, wie krank die Bundestrainerin wirklich ist und es mehren sich die Stimmen, die einen baldigen Rücktritt erwarten. Hintergrund ist auch, dass immer mehr interne Kritik an Voss-Tecklenburg nach außen getragen wird. Die Mannschaft ist verunsichert und die Frauen müssen jetzt um den Boom bangen, den sie im Vorjahr entfacht haben. Bei der 0:2-Niederlage in Dänemark in der Nations League zeigte sich kaum Besserung unter Co-Trainerin Britta Carlsson. Kampfgeist ja, aber die spielerischen Mängel waren eklatant. Problem: Die Niederlage könnte fast schon das Aus für die Olympischen Spiele 2024 in Paris bedeuten, da nur zwei Plätze zu vergeben sind und nur der Gruppensieger ins Finale kommt. Da hat Dänemark jetzt die besseren Karten. Die nächste Aufgabe wartet am Dienstag in Bochum gegen Island, 14300 Karten wurden bereits verkauft, noch ist also Interesse da. Aber wie lange noch?

Die Männer schauen mit einem neuen Trainer natürlich zuversichtlich in die Zukunft. Was schon jeder wusste, wurde nun offiziell bestätigt, Julian Nagelsmann ist der Nachfolger von Hansi Flick. Der Trainer verzichtet ebenso auf Geld wie sein alter Verein Bayern München, wo Nagelsmann noch unter Vertrag stand. Dabei hat Nagelsmann deutlich gemacht: „Ich bin mir bewusst, dass mein Job ein Privileg ist und ich genügend Geld verdiene. Ich will dafür keine Lorbeeren.“ Mit 36 Jahren ist er der jüngste Bundestrainer aller Zeiten, für DFB und Coach ist es eine Art Experiment. Klappt es und stellen sich Erfolge ein, dann könnte es eine längere Zeit werden, ansonsten ist nach der EM Schluss. Dabei hat auch Nagelsmann den großen Wunsch aufgegriffen: „Wir wollen die Nation als gesamte Mannschaft mit guten Fußball begeistern.“ Dafür will er in den Lehrgängen alles tun, aber nichts verkomplizieren und verspricht „gesunde Aggressivität Richtung gegnerisches Tor“. Ein Zeichen hat er gesetzt, Ilkay Gündogan bleibt Kapitän, damit macht er deutlich, dass es keine alten Münchner Seilschaften geben wird.

Auf den Bundesliga-Tribünen waren Nagelsmann und seine Co-Trainer Glück und Wagner schon zu sehen, die ersten Aufgaben nahen mit den Spielen am 9. und 14. Oktober in den USA und Mexiko und so darf man gespannt auf das erste Aufgebot warten.

Spannung ist im Sport sowieso immer gegeben, so am kommenden Wochenende beim Ryder Cup in Rom, dem Erdteilkampf im Golf zwischen Europa und den USA. Außerdem startet die Basketball-Bundesliga, die wohl mit dem Weltmeistertitel im Hintergrund besondere Aufmerksamkeit erfahren wird. Mehr darüber in einem weiteren Blog in dieser Woche.

Champions League im Schatten der Saudis

Kritiker werfen der Champions League im Fußball immer vor, dass sie nur nach dem Geld trachtet, die Vereine immer reicher macht und wer da nicht vertreten ist, abgehängt wird. Jetzt werfen andere einen Schatten auf die Königsklasse, wenn von Geld die Rede ist, dann kommt nämlich Saudi-Arabien ins Gespräch. Der Wüstenstaat hat wüst in Europa geräubert und Stars mit viel Geld ins Land geholt. Der alternde Cristiano Ronaldo war Vorreiter, Neymar und Benzema an der Spitze folgten wie viele andere auch. Dazu zog es Lionel Messi zum Ende seiner Karriere zu Inter Miami in die USA. Der Champions Leagues gingen die Stars verloren, es ist das Ende einer Ära; aber nicht das Ende der Königsklasse.

Eine Ende gibt es allerdings schon, die Gruppenphase hat ausgedient, die CL kommt das letzte Jahr im alten Gewand daher. Nächstes Jahr steigt die Zahl der Teilnehmer von 32 auf 36 Mannschaften, die in einer einzigen Tabelle gewertet werden, jedes Team trägt allerdings nur acht Spiele aus. Dafür werden die Teams in vier Pools aufgeteilt, der Spielplan wird so gestaltet, dass alle vier Heim- und vier Auswärtsspiele gegen acht unterschiedliche Vereine austragen. Danach schließt sich das Achtelfinale an. Mehr Spiele bedeuten natürlich mehr Geld. Die CL soll auch trotz des Geldflusses aus Saudi-Arabien attraktiv bleiben.

Bereits jetzt gibt es viel zu verdienen, zwei Milliarden Euro werden an die Klubs ausgeschüttet, allein das Startgeld beträgt 15,64 Millionen Euro, für jeden Sieg gibt es 2,8 Millionen, für das Erreichen des Achtelfinales werden 9,6, Viertelfinale 10,6, Halbfinale 12,5, Finale 15,5 und der Titelgewinn wird noch einmal mit 4,5 Millionen Euro honoriert. Kein Wunder also, dass auch die deutschen Vereine danach trachten, möglichst einen Platz in der Königsklasse zu erhaschen, besonders glücklich ist in diesem Jahr Union Berlin, das am Mittwoch (18.45 Uhr) seine Premiere bei Real Madrid feiert. „Ein Traum geht in Erfüllung“, heißt es bei Union.

Stammgast in der Champions League ist Bayern München, 16 Mal in Folge dabei, nur Real Madrid (27) und der FC Barcelona (20) können mehr Starts vorweisen. Der Auftakt gegen Manchester United am Mittwoch (21 Uhr) hat es in sich, die Bayern halten nämlich Rekorde in der Gruppenphase. Vor sechs Jahren (!) erlitten sie letztmals eine Niederlage (September 2017 ein 0:3 in Paris), seit 34 Spielen sind sie unbesiegt (31 Siege/3 Remis), zuletzt gab es 13 Siege in Folge. Auch gegen ManU? Die Bilanz spricht für die Bayern, zumal der Gegner, einst einer der größten Vereine der Welt, intern gewisse Probleme hat. Interessant: Trainer Erik ten Hag coachte bereits die Bayern-Amateure. Sein Gegenüber Thomas Tuchel wird allerdings nur auf der Tribüne sitzen, beim Viertelfinal-Aus in der letzten Saison erhielt er beim 1:1 gegen Manchester City die Rote Karte und ist gesperrt. Die Assistenten Zsolt Löw und Anthony Berry werden ihn an der Linie vertreten. Die weiteren Gegner in der Gruppe sind FC Kopenhagen und Galatasaray Istanbul.

In der Einschätzung heißt es, die Bayern hätten eher eine leichte Gruppe. Das kann Union Berlin bei seinem Debüt nicht sagen, neben Real stehen auch der SSC Neapel und Sporting Braga einem Weiterkommen im Wege. Aber im Mittelpunkt steht das Erlebnis Champions League. Ihre Heimspiele tragen die „Eisernen“ im Stadion ihres Lokalrivalen Hertha BSC aus, nämlich im Olympiastadion. Die eigene Heimat an der Alten Försterei ist zu klein. Borussia Dortmund hat auch eine sogenannte Hammergruppe und muss am Dienstag (21 Uhr) gleich zu Paris St. Germain. Allerdings ist der Mbappe-Klub auch nicht in Bestform, die neu formierte Mannschaft ohne Messi Neymar ist nach einer 2:3-Heimniederlage gegen Nizza nur Achter der Ligue 1. Da scheint es eine Chance für die Borussia zu geben. RB Leipzig steht wieder Manchester City im Weg, am Dienstag (18.45 Uhr) geht es aber erst zu Young Boys Bern, Vierter im Bunde ist Roter Stern Belgrad – da sollte es einen Weg ins Achtelfinale geben. Die letzte Gruppenphase endet am 13. Dezember.

Das Wunder VfB Stuttgart

Was im Fußball alles möglich ist, zeigt der VfB Stuttgart. Im Vorjahr noch im Abstiegskampf mischt der VfB jetzt fast die Bundesliga auf. Nur in Leipzig ließ er Federn, aber dank Torjäger Serbou Guirassy winkt am Freitag mit einem Sieg gegen Darmstadt sogar die vorübergehende Tabellenführung. Der Bomber aus Guinea erzielte in vier Spielen bereits acht Tore, die Hälfte der Bestleistung der letzten Saison nach 34 Spielen! Niclas Füllkrug und Christopher Nkunku holten mit 16 Treffern die Torjägerkanone. Besser als Guirassy war nur Peter Meyer von Borussia Mönchengladbach 1967/68, der hatte nach vier Spieltagen neun Tore. Stuttgart gehört zu vier Klubs, die hinter Leverkusen und den Bayern das Verfolgerfeld bilden, mit dabei sind Leipzig, Wolfsburg und ebenso überraschend Hoffenheim. Die letztjährigen Überraschungsteams Union und Freiburg haben gewisse Startschwierigkeiten. Die hat auch Dortmund, doch dank Routinier Mats Hummels gelang ein 4:2-Sieg in Freiburg. Der Abwehrchef erzielte gleich zwei Tore und schrieb damit Bundesliga-Geschichte, weil er in der 16. Saison in Folge traf, das gelang bisher nur fünf Spielern (Olaf Thon, Michael Zorc, Holger Fach, Bernd Nickel und Willi Neuberger).

Einen Platz in der Geschichte hat jetzt auch Heidenheims Coach Frank Schmidt inne, der den Ex-Freiburger Volker Finke als Trainer mit der längsten Amtszeit ablöste. Finke trainierte den SCF von 1991 bis 2007 genau 5843 Tage, Schmidt begann am 17. September 2007 in Heidenheim und ist jetzt 5845 Tage Trainer bei den Württemberger, die er von der Oberliga bis in die Bundesliga führte. Die tolle Leistung wurde mit dem ersten Bundesligasieg abgerundet, der Neuling bezwang Werder Bremen mit 4:2. Auffallend, sechs Mannschaften sind noch ohne Sieg, am Tabellenende Mainz und Darmstadt, davor Köln, Augsburg, Gladbach und Bochum. Mit Augsburg – Mainz und Bremen – Köln gibt es am Wochenende zwei Kellerduelle, besonders gefährdet sein dürfte FCA-Coach Enrico Maaßen, der in Augsburg bereits angezählt wird. Die erste Halbzeit beim 0:3 in Leipzig sahen die Spieler als „Katastrophe“, zum siebten Mal in Folge kassierte der FCA mindestens zwei Gegentreffer. Das reicht nicht für die Bundesliga.

Nichts für die Geschichte, aber großes Theater. Der DFB überraschte mit der Berufung von Andreas Rettig als neuen Geschäftsführer Sport. Die Verpflichtung des Kritikers der großen Vereine, der es selbst sowohl bei der DFL als auch bei einigen Vereinen nie lange aushielt, kam in der Bundesliga nicht gut an. Aus dem nach der WM gebildeten Expertenrat, der die Zukunft des deutschen Fußballs mitbestimmen sollte, traten prompt Karl-Heinz Rummenigge und Oliver Minthlaff zurück, weil sie nicht informiert wurden und sich so übergangen fühlten. Ein weiterer Beleg dafür, dass DFB-Präsident Bernd Neuendorf den Laden nicht im Griff hat.

Was ist bei den Frauen los?

Die Bundesliga der Frauen begann mit einem Paukenschlag, denn der SC Freiburg konnte dem großen Favoriten Bayern München mit einem 2:2 den Start vermiesen. Von den großen Stars war nichts zu sehen, bei Harder nicht auf dem Feld, Eriksson saß nur auf der Bank, ebenso wie anfangs Lena Magull. „Wir sind noch nicht im Rhythmus fand Bayern-Trainer Straus eine Erklärung, die kampfstarken Freiburger feierten vor 13.000 Zuschauern das Remis wie einen Sieg. Noch schlechter ging es Eintracht Frankfurt, das in Essen 0:2 unterlag. Mitfavorit Wolfsburg wird sich nach dem 3:0 gegen Leverkusen die Hände gerieben haben. Die Neulinge mussten Lehrgeld bezahlen, Nürnberg verlor vor 2300 Zuschauern gegen Bremen mit 1:5, Leipzig in Köln mit 1:2.

Die Punktrunde wird wieder unterbrochen, weil die Nationalmannschaft in der Nations League gefordert ist. Allerdings gibt es vor den Spielen am Freitag in Dänemark und am 26. September gegen Island Ärger rund um das Team. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg ist krankgeschrieben, aber hinter den Kulissen kracht es. Bei der WM wären Trainerteam und Mannschaft zerstritten gewesen, Co-Trainerin Britta Carlson hätte sogar eine Abstimmung gegen ihre Chefin vorgenommen, was sie allerdings dementiert. In den bevorstehenden Länderspielen hat jetzt Carlson das Kommando, ob und wann Voss-Tecklenburg zurückkehrt, scheint offen zu sein. Selbst in der bisher heilen Welt der Frauen gibt der DFB ein schlechtes Bild ab.

Wie bei den Männern, so kommen auch auf die Frauen Zusatzbelastungen auf europäischer Ebene zu. Eintracht Frankfurt hat den Sprung in die Play-Offs der Champions League geschafft und trifft dort auf Sparta Prag, der VfL Wolfsburg war dafür bereits qualifiziert, muss aber gegen den zweiten Pariser Verein, dem FC, aufpassen, denn die Französinnen haben Arsenal London ausgeschaltet. Gespielt wird am 10. und 18. Oktober. Meister Bayern greift erst in der Gruppenphase ein (ab 14. November).

Tante Käthe macht müde Männer munter

Was für eine Überraschung! Es war ein Unterschied wie Tag und Nacht – plötzlich rannten die deutschen Fußballprofis wieder, hatten den Kampfgeist wieder entdeckt und bezwangen (mit etwas Glück) Vize-Weltmeister Frankreich mit 2:1. Und das nach der 1:4-Blamage gegen Japan, die Bundestrainer Hansi Flick den Job kostete. In Dortmund war aber alles anders. Sportdirektor Rudi Völler hatte mit seinen Assistenten Hannes Wolf und Sandro Wagner an den richtigen Schrauben gedreht. Rudi Völler wurde früher gern liebevoll „Tante Käthe“ genannt, jetzt machte Tante Käthe müde Männer munter.

Die zweite Überraschung: Die Fans zogen mit. Schon lange nicht mehr hatte man so eine positive Stimmung bei der Nationalmannschaft auf den Tribünen erlebt wie am Dienstag in Dortmund. Und zu Hause waren auch alle neugierig, 10,3 Millionen Zuschauer saßen an den Fernsehschirmen, die dritthöchste Zuschauerzahl in diesem Jahr! Dennoch bemerkenswert, mehr Interesse fanden bisher nur ein Münster-Tatort und – ein WM-Spiel der deutschen Frauen!

Aber die einst müden Männer dürfen dennoch glücklich sein, eine Art Wende ist geschafft, weil Rudi Völler nicht auf spielerische Schnörkel setzte, sondern auf eine sichere Abwehr und ein gemeinsames Abwehrverhalten auch der Vorderleute. Gewinner des Spiels waren Jonathan Tah in der ungewohnten Rolle des Rechtsverteidigers und sein Pendant auf der anderen Seite, Benjamin Henrichs. Dazu zeigte Thomas Müller (am Mittwoch 34 Jahre alt) nicht nur mit seinem frühen Tor wie wertvoll er als Führungsfigur auf dem Feld und Stimmungsmacher in der Kabine ist. Seine gute Form bestätigte auch wieder Leroy Sané, der mit dem 2:0 für die Entscheidung sorgte, kurz darauf fast aber alles mit einem dummen Foul wieder eingerissen hätte. Völler gnädig: „Ist halt ein Stürmer“. Es hätte vorher aber schon bei strengerer Regelauslegung zumindest einen Elfmeter gegen Deutschland geben können.

Eine Aufgabe ist erfüllt, die Nationalelf betrieb erfolgreich Wiedergutmachung, die schwere Aufgabe wird die Suche nach einem Nachfolger von Hansi Flick. Eine Expertenrunde wird sich der Sache annehmen, aber DFB-Präsident Bernd Neuendorf machte bei seinem Statement im Fernsehen wieder eine überaus schlechte Figur: Ungenau in den Aussagen, keine Führungsstärke ausstrahlend und richtiggehend hilflos. Kein Wunder, dass der DFB ein Problem-Verband geworden ist, der Präsident agiert wie die Mannschaft unter Hansi Flick. Da wäre wohl eine weitere Ablösung notwendig. Wer aber leitet die Mannschaft bei den nächsten Aufgaben im Oktober in den USA an? „Bis dahin wollen wir den geeigneten Mann gefunden haben“, sagt Rudi Völler, der notfalls wohl noch einmal einspringen muss. Die Fans sangen nicht umsonst „es gibt nur ein`Rudi Völler“.

Frauen wollen auf der Euphoriewelle bleiben

Nach der missglückten Weltmeisterschaft haben die Frauen fast die gleichen Probleme wie die Männer, aber sie hoffen darauf, dass die Bundesliga weiterhin zieht, sie wollen auf der Euphoriewelle bleiben. Die Zeichen sind gut, der Frauen-Fußball hat sich positiv entwickelt und viele Fans gewonnen, das zeigte sich auch im Pokal, als über 19.000 Zuschauer das Derby zwischen St. Pauli (3. Liga) und dem Hamburger SV (2. Liga) sahen. So soll es in der Bundesliga, die am Freitag startet, kein Zurück mehr geben, nachdem die Zuschauerzahlen um ein mehrfaches gestiegen sind. Wieder wollen die Vereine oft in die großen Arenen ausweichen, so spielt Bayern München am 14. Oktober gegen Frankfurt erstmals in der Allianz Arena. Neuling Nürnberg trägt sogar alle Spiele im 50.000 Zuschauer fassenden Max-Morlock-Stadion aus. Ein Vorgeschmack war das letztjährige Pokalspiel gegen Wolfsburg, als 17.000 Fans kamen. Auch Köln und Frankfurt wollen wieder in die großen Arenen umziehen.

Beste Voraussetzungen dafür, mehr Fans zu gewinnen, bieten auch die Fernsehübertragungen. Die Sendezeiten haber sich wesentlich verbessert. ARD und ZDF wollen zehn Bundesligaspiele live übertragen, das ZDF beginnt mit dem Eröffnungsspiel SC Freiburg – Bayern München am Freitag (18.15 Uhr). Alle Spiele werden bei Magentasport gezeigt, außerdem gibt es jetzt immer ein Montagspiel, das Sport1 live im Free-TV überträgt.

Nachteilig könnte sich auswirken, dass die Liga zu wenig Spannung bietet. Im Abstiegskampf ist dies vielleicht anders, aber an der Spitze thronen Titelverteidiger Bayern und der VfL Wolfsburg als zuletzt erfolgreichste Mannschaft ziemlich unangefochten. Als dritte Kraft konnte sich zuletzt Eintracht Frankfurt etablieren und der neben Nürnberg zweite Aufsteiger RB Leipzig hat wie bei den Männern große Ambitionen. Im Spitzenduell hat München mit der Verpflichtung des Paares Magdalena Eriksson und Pernille Harder von Chelsa London für Aufsehen gesorgt, die internationalen Topspielerinnen sollen den Verein vor allem auch in der Champions League weiterbringen. Die Wölfinnen haben außer Nationalspielerin Chantal Hagen vor allem Talente geholt.

Ein Manko für die Bundesliga ist auch der Spielplan, wie kann es sein, dass die Saison nach dem Start sofort wieder unterbrochen wird. Am 22. und 26. September stehen Länderspiele in der neuen Nations League an und zwar in Dänemark und in Bochum gegen Island. Einfach ein Unding, das nicht mehr passieren darf.

Der erste Spieltag: Freiburg – Bayern, Hoffenheim – Duisburg, Nürnberg – Bremen, Köln – Leipzig, Wolfsburg – Leverkusen, Essen – Frankfurt.

Eishockey wurde die Show gestohlen

Was hatten sich die Eis-Cracks gefreut, als sie im Mai bei der Weltmeisterschaft in Finnland sensationell Silber holten. Doch heute kräht danach kein Hahn mehr, die Basketballer haben ihnen mit dem Weltmeistertitel die Show gestohlen. Eishockey rückt aber auch wieder in den Blickpunkt, denn am Donnerstag, 14. September, beginnt mit dem Duell von Titelverteidiger Red Bull München gegen die Düsseldorfer EG die neue Saison. Diesmal sind 14 Teams dabei, denn mit Bietigheim gab es zwar einen Absteiger, aber aus der DEL2 konnte kein Verein den Aufstieg wahrnehmen. Ravensburg wurde Meister, hatte aber keine Lizenz beantragt und durchkreuzte damit die Pläne von Kassel, Krefeld und Dresden, die wieder zusammen mit Bietigheim parat stehen. Der Tabellenletzte sollte sich also auf einen Abstieg einstellen. Als Kandidaten dafür werden vor allem Augsburg, Schwenningen und Iserlohn gehandelt.

Im Vorjahr versank auch Mitfavorit Berlin in den unteren Regionen, das soll diesmal anders sein, die Eisbären wollen wieder oben mitmischen. Die Topfavoriten kommen aber aus München und Mannheim. In München ging allerdings die Ära von Trainer Don Jackson zu Ende, der den Verein zu vier Titeln führte. Sein Nachfolger wurde der frühere Bundestrainer Toni Söderholm, ein alter Bekannter in München. Die Adler aus Mannheim wollen aber hoch fliegen und holten dafür den zweimaligen Stanley-Cup-Gewinner Tom Kühnhackl (Sohn von Eishockey-Legende Erich Kühnhackl) von Skelleftea/Schweden ins Land. Die Klubs aus Ingolstadt, Köln und Wolfsburg könnten den Spitzenteams noch die Suppe versalzen, haben zuerst aber die Play-Offs (ersten sechs) bzw. notfalls die Pre-Play-Offs (sieben bis zehn) im Visier.

Wirtschaftlich hoffen die 14 DEL-Klubs auf weitere Besserung, denn sie haben zwei Jahre lang finanziell unter der Corona-Pandemie gelitten. Den größten Etat hat angeblich Mannheim mit 18 Millionen Euro vor München und Berlin mit 17 Millionen. Die Zuschauerzahlen stiegen wieder an, was wichtig ist, denn anders als der Profi-Fußball leben die Eishockey-Klubs vor allem von den Zuschauer-Einnahmen und Sponsoren. Mehr Aufmerksamkeit erhofft man sich auch davon, dass vier Spiele an einem Samstagabend ausgetragen werden. Alle Spiele sind bei Magentasport zu sehen, am Sonntagnachmittag gibt es das „Spiel der Woche“ bei ServusTV.

Der erste Spieltag: München – Düsseldorf, Köln – Nürnberg, Berlin – Ingolstadt, Frankfurt – Iserlohn, Straubing – Bremerhaven, Schwenningen – Mannheim, Wolfsburg – Augsburg.