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Auf die Trainer kommt es an: Basketball am Höhepunkt, Fußball am Tiefpunkt

Der Unterschied konnte krasser nicht sein: Die deutsche Basketball-Nationalmannschaft befand sich quasi im siebten Himmel und feierte einen historischen Erfolg – erstmals in der Geschichte des Verbandes Weltmeister! Auf der anderen Seite die Fußball-Nationalmannschaft am Boden, immerhin viermal Weltmeister, aber jetzt in der Hölle, Tiefpunkt war eine 1:4-Niederlage gegen Japan in einem Testspiel mit einem Bundestrainer, der so hilflos wirkte wie die Spieler. Auch beim DFB gab es deshalb ein historisches Ereignis: Erstmals in der Geschichte des Verbandes wurde ein Bundestrainer entlassen!

Wer nach den Gründen von Erfolg und Misserfolg sucht, landet zuerst bei den Trainern: Da der 64jährige Kanadier Gordon Herbert, der die Basketballer mit Augenmaß, aber auch harter Hand führte und ebenso für eine klare Hierarchie im Team sorgte wie für ein gutes Klima. Seine erste Amtshandlung: Ein Gespräch mit Superstar Dennis Schröder, er ernannte den umstrittenen Spieler zum Kapitän und sorgte damit für klare Verhältnisse. Auf der anderen Seite der liebe 58jährige Hansi Flick, der sich vor harten Entscheidungen fast bis zuletzt scheute, der es allen recht machen wollte und damit selbst die Führung vermissen ließ, aber auch keine Hierarchie im Team aufbauen konnte. Die Basketballer wurden Weltmeister, weil sich alle unterordneten, weil die Ersatzspieler deshalb zu Matchwinnern wurden. Die Fußballer sind am Tiefpunkt, weil Führung ebenso fehlt wie Mannschaftsgeist und Unzufriedenheit vorherrscht. Bezeichnend die letzte Pressekonferenz vor der Japan-Pleite, als Kai Havertz und Niklas Süle vor allem Kritik äußerten, was ein Hinweis auf die Stimmung in der Mannschaft war. Von Zusammenhalt keine Rede.

Für die Basketballer war die Weltmeisterschaft in Japan, Indonesien und auf den Philippinen ein absoluter Glücksfall, alles passte, vom Trainer bis zum letzten Spieler. Neben dem überragenden Dennis Schröder, der zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde, traten auch andere aus dem Schatten, wenn der Kapitän schwächelte. Die Brüder Franz und Moritz Wagner übernahmen als NBA-Profis ebenso eine Führungsrolle wie Daniel Theis. Spieler, die sonst wenig im Rampenlicht stehen, wurden plötzlich zu Matchwinnern wie die Bayern-Akteure Isaac Bonga und Dreier-Spezialist Andreas Obst. Selbst der zeitweilige Ausfall von Franz Wagner wurde kompensiert. So blieb die Mannschaft ungeschlagen, bot gegen den hohen Favoriten USA eine fast übermenschliche Leistung, wobei das 113:111 viele als das „beste WM-Spiel aller Zeiten feiern“. Die Nervenstärke war da ebenso bewundernswert wie im Finale gegen Serbien, das Kampfkraft gegen spielerischen Glanz setzte, aber am Ende überzeugte Deutschland ebenso in der Abwehr und wurde mit dem 83:77-Sieg ein überzeugender Weltmeister. Bezeichnend: Jungstar Franz Wagner wurde „Spieler des Finals“, es gab also nicht nur Dennis Schröder. Der allerdings dennoch wohl nicht so beliebt werden wird wie Ikone Dirk Nowitzki, der Kapitän der Mannschaft war, die 2002 WM-Bronze holte.

Im Basketball klappte alles, beim DFB geht alles schief – die Diskrepanz im sportlichen Abschneiden ist wenig verwunderlich. Beim DFB fehlt echte Führung im Verband, fehlt das Gespür für die Öffentlichkeit, vor allem im Umgang mit Fans und Presse. Wie konnte man sich nur auf die unselige TV-Dokumentation auf Netflix „All or Nothing“ einlassen, als die Kamera rund um die WM in Katar die Mannschaft verfolgte und schonungslos offenlegte, wie gestritten wurde und wie unbedarft der Bundestrainer auf die Spieler zuging bzw. sie auf die Spiele vorbereitete. Der DFB hätte diese Bloßstellung stoppen müssen. Es brennt überall, so gibt es finanzielle Probleme und Streit um die Nachwuchsförderung und wie sie gehandhabt werden soll. Bezeichnend auch, dass die Favoritin auf den Posten des Sportdirektors, Ex-Nationalspielerin Nadine Keßler, dem Verband absagte, sie bleibt lieber als Frauen-Beauftragte bei der FIFA. Der DFB aber sucht weiter einen Sport-Direktor und eine Führungskraft für den Frauen-Fußball.

Und jetzt sucht er auch einen neuen Bundestrainer. Neben Hansi Flick wurden zudem seine Assistenten Marcus Sorg und Danny Röhl entlassen, für das Spiel am Dienstag in Dortmund gegen Frankreich übernehmen Rudi Völler, Teamchef von 2000 bis 2004, mit U-20- Nationaltrainer und Jugend-Direktor Hannes Wolf sowie dessen Assistenten Sandro Wagner, eigentlich eher noch ein Lernender in Sachen Trainer.

Ein neuer Coach soll möglichst schnell gefunden werden, im Oktober steht eine USA-Reise an und es bleiben nur rund neun Monate bis zur Europameisterschaft in Deutschland. Als Favorit wird Julian Nagelsmann gehandelt, der als einziger der Kandidaten frei ist und noch von Bayern München bezahlt wird. Doch will er mit 36 Jahren schon Bundestrainer werden? Verzichtet er auf viel Geld, denn die Bayern zahlen besser als der DFB (Flick stehen bis Vertragsende 2024 noch 4,5 Millionen Euro zu)? Rudi Völler schließt aus, dass er den Job des Bundestrainers länger macht, Jürgen Klopp ist fest in Liverpool und steht (noch) nicht zur Verfügung, Roger Schmidt ist unabkömmlich bei Benfica Lissabon und würde 30 Millionen Euro Ablöse kosten. Stefan Kuntz hat zwar auch Vertrag als Nationaltrainer der Türkei und konnte sich vor zwei Jahren gegen Flick nicht durchsetzen, gilt aber nicht als so durchsetzungsstark, wie im Moment notwendig. Ralf Rangnick wäre eine Lösung, der unbequeme Fachmann ist aber im DFB umstritten und mit Österreich erfolgreich.. Die „Rentner“ Felix Magath und Matthias Sammer werden ebenfalls genannt, als „Notlösung“ hat sich der Holländer Louis van Gaal angeboten

Im Schatten des Theaters rund um die Entlassung von Hansi Flick geht am Freitag die Bundesliga weiter und das gleich mit dem Schlagerspiel Bayern München gegen Bayer Leverkusen, also Zweiter gegen Erster. Die DFB-Elf spielte beim 1:4 gegen Japan langsam, ideenlos und kraftlos, die Bundesliga soll wieder ein anderes Bild abgeben. Allerdings steht der Schlager im Schatten der Länderspiele, denn viele Spieler kehren erst spät zurück. Von den Bayern sind 16 Spieler unterwegs, von Leverkusen 15 – ein Unding, dieses Duell am Freitag anzusetzen!

Ansonsten werden die Augen vor allem auf die Vereine gerichtet sein, die nicht so gut aus den Startlöchern gekommen sind. Dies gilt vor allem für Dortmund, die schlechte Verfassung zeigte sich durch die Spieler Schlotterbeck und Süle, die gegen Japan gravierend patzten. „Gute Nacht Borussia“ setzt sich das am Samstag in Freiburg fort. Interessant vor allem das Duell Wolfsburg – Union, die Neulinge Heidenheim (gegen Bremen) und Darmstadt (gegen Gladbach) hoffen beide am Sonntag auf den ersten Sieg. Auf den warten aber auch noch Augsburg, Bochum, Köln, Gladbach und Mainz. Sind ja erst drei Spieltage vorbei, vier gibt es jetzt am Stück bis zur nächsten Länderspielpause Mitte Oktober.

Am Freitag bzw. schon Donnerstag beginnen zwei weitere attraktive Ligen mit ihrer neuen Saison. Über den Start in der Frauen-Bundesliga und in der Deutschen Eishockey Liga ein weiterer Blog im Laufe der Woche.

Bei den Transfers wird der Meister zum Lehrling

Das Wort „Transfer“ möchte Uli Hoeneß nicht mehr hören. Die Bayern-Ikone mischt im Tagesgeschäft bekanntlich wieder mit, aber beim sogenannten „Deadline Day“, am Schlusstag der Transferperiode, da half alle Erfahrung nichts mehr. Der Meister stand da wie ein belämmerter Lehrling, Bayern München hatte sich gründlich blamiert. Auf der einen Seite gab es quasi einen Sommer-Schlussverkauf, bei dem Beobachter schon den Kopf schüttelten, denn neben den Abwehrspielern Pavard (Inter Mailand), Stanisic (Leihe nach Leverkusen) und Mittelfeldspieler Grevenberch (Liverpool) wurden auch zahlreiche Talente verliehen oder verkauft. Ersatz kam aber nicht, im letzten Moment verhinderte sein Verein FC Fulham, den Transfer von „Sechser“ Palhinha, der den Medizincheck schon in München absolviert hatte und vor der Vertragsunterschrift stand, aber auch die angedachten Abwehrverstärkungen Bella-Kotchap (zu Eindhoven), Chalobah (Chelsea) oder die Rückholaktion von Cancelo (zu Barcelona) klappten nicht. Nur der Coup mit Kane gelang früher, aber jetzt guckt Trainer Thomas Tuchel in die Röhre und klagt: „Der Kader ist der sehr dünn, gerade mal 18 Spieler, es darf nichts passieren. Das neue Bayern-Motto: Durchwursteln bis zum Winter und sich dann verstärken. Dann soll Palhinha tatsächlich kommen.

Andere arbeiteten besser bei den Spielerwechseln, so holte sich Dortmund kurz vor Torschluss noch Torjäger Niclas Füllkrug von Werder Bremen, der FC Augsburg verstärkte sich für die Abwehr, doch diese Kandidaten waren den Bayern wohl nicht gut genug. Neben dem Kampf um Palhinha schaffte Eintracht Frankfurt das größte Theater. Der mögliche Wechsel von Torjäger Randal Kolo Muani zu Paris St. Germain war schon abgesagt worden, das Angebot stimmte nicht. Als in Deutschland bereits Transferschluss war, kam die Wende, weil in Frankreich Deadline erst um 24.00 Uhr ist. Die Eintracht lenkte beim Angebot von 95 Millionen Euro doch noch ein. Viel Geld für ein hoffnungsvolles Talent, fehlende Tore können den Verein in den nächsten Monaten aber auch viel Geld kosten.

Am Wochenende standen beim Geschehen in den Stadien wieder die Transfers im Mittelpunkt. Wer war zufrieden mit seinen Neuzugängen, wer nicht? Die kurzfristigen Verpflichtungen saßen meist nur auf der Bank, so wie Bonucci bei Union Berlin. Wieder bestätigte sich, dass sich Bayer Leverkusen am klügsten verstärkt hat, beim 5:1 gegen Darmstadt glänzte vor allem der neue Torjäger Victor Boniface, der die Bundesliga buchstäblich aufmischt. Wieder traf er, buchte in drei Spielen vier Tore und zwei Scorerpunkte.

Dagegen tun sich bei Borussia Dortmund Lücken auf, der Abgang von Jude Bellingham kann nicht kompensiert werden, auch der Weggang von Guerreiro (Bayern) schmerzt. Bellingham, der jetzt bei Real Madrid trifft wie er will und als Mittelfeldspieler auch den Torjäger mimt, wurden noch unfreundliche Worte nachgeschickt. „Zu egoistisch, ein Fremdkörper im Team“ hieß es jetzt. Aber er fehlt. Sabitzer, Nmecha oder Bensebaini können ihn nicht ersetzen. Beim 2:2 gegen Neuling Heidenheim erlebte Dortmund den letzten Spieltag der vergangenen Saison als Wiederholung, als mit dem 2:2 gegen Mainz der Titel verspielt wurde. Damals wurden die Spieler dennoch von den Fans gefeiert, jetzt ausgepfiffen. Schon am dritten Spieltag ist die Hoffnung auf die Meisterschaft gedämpft, erst fünf Punkte, nur ein Sieg und zwei Unentschieden, die Borussia ist in der neuen Saison noch nicht angekommen, es brennt im Verein. Statt Ruhe gibt es in der Länderspielpause Krisensitzungen. Ein Sonntagsblatt stiftet zudem Unruhe, sieht Ex-Bayern-Coach Jürgen Nagelsmann als neuen Trainer, der den unglücklichen Edin Terzic ablösen könnte und gleich noch Matthias Sammer als neuen Bundestrainer, wenn Hansi Flick mit der Nationalmannschaft nicht mehr leistet als zuletzt. Dortmunds Krise könnte sich auf das DFB-Team übertragen.

Auffallend war, dass einige Serien endeten. Glücklich waren die Bayern, die dem Transfer-Theater trotzten und bei Angstgegner Gladbach eine Serie von fünf Pflichtspielen ohne Sieg beendeten. Der glückliche Torschütze war ausgerechnet Joker Mathys Tel, der eigentlich verliehen werden sollte, um Spielpraxis zu sammeln. Der junge Mann weigerte sich aber, er wolle u. a. von Kane lernen. Kane blockte Gegenspieler ab, Tel stand frei und köpfte die 15. Ecke zum Siegtreffer ein. Das erst 18-jährige Talent ist damit der Spieler mit der besten Torquote in der Bundesliga von allen Spielern mit mindestens 25 Einsätzen. Es war sein 7. Tor im 25. Spiel, er trifft alle 65 Minuten. Bayern bleibt ohne Punktverlust und hat nun Schlagerspiele vor der Brust: Leverkusen am 15. September, Manchester United fünf Tage später in der Champions League.

Glücklich war vor allem auch RB Leipzig, dass eine Serie von fünf Niederlagen gegen Union Berlin beendete. Wohlgemerkt, Leipzig gewann in Berlin und beendete eine Union-Serie von 24 Heimspielen ohne Niederlage! Erstaunlich: Zuletzt verlor Union im Februar 2022 mit 0:3 gegen Dortmund, der Trainer dort hieß damals Marco Rose – jetzt ist er bei Leipzig! Der Coach macht einen glücklicheren Eindruck als zum Beispiel Thomas Tuchel, die Tore erzielten die Neuzugänge Simons und Sesko. Gut eingekauft! Eine Serie hat offensichtlich der VfB Stuttgart gestartet: Immer fünf Stück! Zweimal 5:0 zu Hause gewonnen, einmal fünf Tore in Leipzig kassiert. Das 5:0 gegen Freiburg ist schon beachtlich, Freiburgs Trainer Christian Streich zeigte sich ratlos. Stuttgarts Coach Sebastian Hoeneß dagegen doppelt glücklich: Last-Minute-Einkauf Angelo Stiller schlug gleich ein, Torjäger Serhou Guirassy ist ein Glücksfall – weil er eben nicht verkauft wurde. Erstaunliches auch von Werder Bremen, Torjäger Füllkrug verkauft und dann der erste Sieg mit einem 4:0 gegen Mainz. Die Bundesliga bleibt eine Wundertüte. Nun heißt es erholen bis zum 15. September.

Erholung ist auch für die 2. Bundesliga angesagt, dort tut sich ebenfalls Erstaunliches. Bundesliga-Absteiger Hertha BSC Berlin steht schon wieder auf einem Abstiegsplatz – eine Etage tiefer! Das 4:6 in Magdeburg war ein Spektakel, spricht aber nicht für Hertha. Das gab es noch nie, dass eine Mannschaft viermal in Führung ging und noch verlor. Fast genauso mies schaut es für Schalke 04 aus, der zweite Absteiger kommt eine Etage tiefer auch nichts in Rollen, holte erst vier Punkte und kassierte bei Neuling Wehen-Wiesbaden den Ausgleich zum 1:1 in der 95. Minute! Ganz das Gegenteil ist derzeit der Hamburger SV. Mit dem 2:0 gegen Rostock schoss sich der HSV wieder auf Platz eins, ist also auf dem besten Weg nach oben, muss allerdings noch einige Monate durchhalten.

Nun also hat die Nationalmannschaft das Wort, aber vor dem ersten Test gegen Japan am Samstag gibt es erst einmal wieder seltsame Nachrichten. Auf Amazon Prime läuft ab Freitag eine Dokumention über das Geschehen hinter den Kulissen rund um das Nationalteam, beobachtet vor allem bei der missglückten WM in Katar. Die Doku ist kein Vorzeige-Film. Der kicker schreibt von „jede Menge Peinlichkeiten von Hansi Flick … bis hin zu Oliver Bierhoff. Schon der Trailer transportiert über eine Minute lang miese Stimmung.“ Auch ein Streit im Team zwischen Kimmich und Rüdiger wird offengelegt. Dabei soll es doch rund um die Nationalmannschaft endlich wieder gute Stimmung geben, aber der DFB lässt halt kein Fettnäpchen aus. Hansi Flick ist nicht zu beneiden und er hat Sorgen. Jamal Musiala angeschlagen, aber nominiert. Torjäger Füllkrug hat Probleme mit der Schulter, deshalb wurde Thomas Müller nachnominiert. Der stand erstmals wieder in der Startformation der Bayern. Eine Umfrage vom kicker wird dem Bundestrainer auch keinen Mut machen: 88 Prozent der Teilnehmer glauben, dass Flick die Wende nicht schafft!

Mehr zur Nationalmannschaft und zur Auslosung der europäischen Wettbewerbe im nächsten Blog mit dem Titel „Der harte Hansi: Flick verzichtet auf Lieblinge“.

Der harte Hansi: Flick verzichtet auf Lieblinge

Selten war ein Aufgebot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft mit so viel Spannung erwartet worden wie dieses von Hansi Flick am Donnerstag. Schließlich steht der Bundestrainer nach den zuletzt schwachen Leistungen unter besonderem Druck, die Stimmen mehr sich, die fragen, ob Flick noch der richtige Mann für den Posten ist. Der Bundestrainer kündigte schon selbst an, dass die Zeit der Experimente vorbei sei, jetzt suche er den Kern des EM-Teams für das nächste Jahr, beginnend mit den Länderspielen gegen Japan am Samstag, 9. September, in Wolfsburg und Frankreich am Dienstag, 12. September, in Dortmund.

Einige wird der Trainer mit seinem Aufgebot überrascht haben, nicht nur die betroffenen Spieler, die vom „lieben Hansi“ natürlich vorher informiert wurden. Aus dem „lieben Hansi“ wurde aber der „harte Hansi“, der auf einige Lieblinge verzichtet. Egal ob Thilo Kehrer, Timo Werner oder Matthias Ginter, sie konnten nur wenig überzeugen, kamen aber immer wieder zum Einsatz. Jetzt hat der Trainer sein neues Motto ausgegeben: „Es geht nur nach Leistung.“ Eigentlich eine Selbstverständlichkeit! So kam als einziger Neuling Pascal Groß ins Aufgebot, der in der Premier League bei Brighton & Hove Albion groß aufspielt. Dafür setzte Flick Leon Goretzka auf die Streichliste, obwohl der beim Saisonstart bei den Bayern durchaus überzeugen konnte, im Frühjahr aber seine Form suchte. Der harte Hansi halt… Als Vorbild dient Niklas Süle, zuletzt ausrangiert, jetzt nach Formsteigerung wieder dabei.

Dennoch bleiben ein paar Fragen zum Aufgebot. Ist der Kern der Mannschaft wirklich erkennbar? Bei den Außenverteidigern fehlt jegliche Alternative, Benjamin Henrichs und Robin Gosens haben da einen Freispielschein, Ersatz ist nicht vorhanden, auch David Raum muss für schwache Leistungen büßen, war zuletzt aber wieder in Form (wie Goretzka). Im Mittelfeld wird Goretzka wohl deshalb nicht benötigt, weil Flick auf einen echten Sechser setzt, der Emre Can heißen wird. Auch hier keine Alternative, eher schon für Joshua Kimmich, dem Platzhirsch im Mittelfeld. Der Achter wird wohl Ilkay Gündogan heißen – oder Florian Wirtz, Jamal Musiala (verletzt, im Aufgebot) oder doch bald wieder Thomas Müller, der irgendwann mal wieder in Form sein wird. Auffallend: Nominiert sind nur neun Kandidaten für sechs Positionen in der Defensive, aber elf für vier Stellen in der Offensive!

Mit Argusaugen werden die Länderspiele beobachtet werden, heißt es wirklich „neue Saison, neuer Schwung“ oder kehrt am Ende wieder Ernüchterung ein nach dem Motto „neue Saison, alter Mist“. Dann wird aus dem „harten Hansi“ vielleicht der „zweifelnde Hansi“. Beim DFB kann man sich aber nicht vorstellen, dass es sogar der „fliegende Hansi“ werden könnte.

Das Aufgebot: Tor: ter Stegen (Barcelona), Trapp (Frankfurt), Baumann (Hoffenheim). – Defensive: Can, Schlotterbeck, Süle, Nmecha (alle Dortmund), Gosens (Union Berlin), Henrichs (Leipzig), Kimmich (Bayern), Rüdiger (Real Madrid), Tah (Leverkusen), Thiaw (AC Mailand). – Offensive: Brandt, Füllkrug (beide Dortmund), Gnabry, Musiala, Sané (alle Bayern), Groß (Brighton), Gündogan (Barcelona), Hofmann, Wirtz (beide Leverkusen), Havertz (Arsenal), Schade (Brentford).

Mit dieser ersten Elf darf man wohl rechnen: ter Stegen – Henrichs, Süle, Rüdiger, Gosens – Can, Kimmich – Sané, Gündogan, Gnabry – Füllkrug.

Hammergruppe für Dortmund

Der Donnerstag war nicht nur wegen Hansi Flick oder als vorletzter Tag des Wechseltheaters spannend, sondern die Fußball-Fans schauten vor allem nach Monte Carlo zur Auslosung der Champions League. Vier deutsche Vertreter fanden sich in den vier Lostöpfen und Borussia Dortmund musste zu seinem Leidwesen erkennen, dass der prominente Topf zwei keineswegs vor einer Hammergruppe schützt: Mit den Gegnern Paris St. Germain, AC Mailand und Newcastle United ist die Gruppe F wohl die stärkste insgesamt. Borussia-Boss Watzke machte erst ein langes Gesicht, danach suchte er Zuflucht in der Vergangenheit: „2012 hatten wir mit City, Real und Ajax eine ähnliche Gruppe und sind weitergekommen.“

Vom Ausscheiden bedroht ist auch Union Berlin, der CL-Neuling stellt das Erlebnis in den Vordergrund und da kommt Real Madrid als Gegner in der Gruppe C gerade recht. Auch Italiens Meister SSC Neapel und Sporting Braga aus Portugal sind Brocken, an denen man sich verschlucken kann. Wohl deshalb haben die Unioner noch Italiens Europameister Leonardo Bonucci von Juventus Turin verpflichtet (dort nicht mehr benötigt), der mit seinen 36 Jahren mit viel Erfahrung auf der neuen CL-Bühne helfen soll.

Optimistischer sind sie in München und Leipzig. Die Bayern (als erster Los gezogen, in Gruppe A) treffen mit Manchester United einen alten Bekannten und denken dabei an das unglückliche Finale 1999, als United ihnen in den letzten Minuten den Sieg raubte. Trainer ist Erik ten Hag, früher Coach der Bayern II. FC Kopenhagen und Galatasaray Istanbul sollten sich um Rang drei und das Weiterkommen in der Europa League streiten. Auch RB Leipzig träumt vom Weiterkommen, auch wenn es wieder ein Duell mit Manchester City gibt. Aber Roter Stern Belgrad und Young Boys Bern sind in der Gruppe G schlagbar. Start der Champions League ist am 19./20. September.

Am 20. September starten Europa League und Conference League. In der EL sind Bayer Leverkusen und der SC Freiburg vertreten, wobei Bayer, das in Topf 1 vertreten war, die leichtere Gruppe erwischt hat, Qarabag (Aserbaidschan), Molde (Norwegen) und BK Häcken aus Göteborg (Schweden) sind die Gegner. Freiburg hat dagegen den englischen Brocken West Ham United vor der Brust, aber auch Olympiakos Piräus ist ein Stolperstein, Bada Topola aus Serbien dagegen ziemlich unbekannt. Eintracht Frankfurt schaffte mit einem 2:0-Sieg gegen Lewski Sofia den Sprung in die Conference League und will dort gegen PAOK Saloniki, HJK Helsinki und FC Aberdeen weiterkommen und wieder tolle Abende auf Europas Bühne erleben.

Leverkusen mausert sich zum Titelanwärter Nummer 1

Furios ist die Fußball-Bundesliga in die neue Saison gestartet – und hat am zweiten Spieltag keineswegs nachgelassen. Nach dem VfB Stuttgart gibt es den zweiten Überraschungs-Tabellenführer, diesmal ist es Union Berlin, das ein Quintett von fünf Mannschaften mit sechs Punkten anführt und bei gleicher Tordifferenz mit den Bayern vorn ist, weil Union ein Tor mehr geschossen hat. Aber die überzeugendste Mannschaft der ersten Spieltage war zweifellos Bayer Leverkusen, ein Sieg über den Mitkonkurrenten Leipzig und eine beeindruckende Leistung beim 3:0 in Gladbach machen Bayer inzwischen zum Titelanwärter Nummer 1. Da ist vor allem Trainer Xabi Alonso, der die Mannschaft in Schwung gebracht hat, und dazu kommt die wohl beste Einkaufsbilanz dieses Sommers. Punktgenau wurde das Team verstärkt und der Abgang von Flügelflitzer Diaby mehr als kompensiert. Grimaldo (Benfica) als Linksverteidiger, Xhaka (Arsenal) im Mittelfeld, Hofmann (Gladbach) und vor allem Boniface (St. Gilloise) im Angriff – jeder ein Gewinn. Leverkusen übernahm auf jeden Fall die Rolle von Borussia Dortmund als die Mannschaft, die Bayern München vom Thron stürzen kann.

Die Münchner selbst starteten solide, aber keineswegs beeindruckend in die neue Saison. Der große Einkauf der Bayern lohnte sich, denn 100-Millionen-Mann Harry Kane war an vier der sieben Treffer direkt beteiligt. Er trat sogar beim Elfmeter in die Fußstapfen von Lewandowski, obwohl es doch heißt, dass Engländer keine Elfmeter schießen können. „I Kane“ sagte Harry und traf. Beim 3:1 gegen Augsburg wurden die Bayern nur wenig gefordert, Thomas Müller gestand „im Training geht es schärfer zur Sache“. Die schweren Aufgaben folgen: Am Samstag das „Topspiel“ bei Gladbach (Im Vorjahr hieß es 3:2 und 1:1 aus Borussia-Sicht!) und nach der Länderspielpause der Knüller gegen Bayer Leverkusen.

Ohne Punktverlust blieben neben Union, Bayern und Bayer auch Wolfsburg und Freiburg. Vor allem bei den Wölfen macht ein Stürmer viel Wind, der Däne Jonas Wind traf bereits (wie Kevin Behrens von Union) vier Mal. Freiburg hat wohl einen Nachfolger für Nils Petersen, denn Rückkehrer Maximilian Philipp traf gegen Werder als Joker entscheidend in der 96. Minute. Petersen war bekanntlich der Joker-König der Bundesliga. Borussia Dortmund wiederum musste einen Rückschlag hinnehmen. Galt gegen Köln noch „schlecht gespielt, aber gewonnen“, so klappte dies im Ruhr-Derby nicht mehr. Bochum raubte wie im Vorjahr einen Zähler und Trainer Thomas Letsch konnte seinen 55. Geburtstag ausgiebig feiern. Dortmund hadert dagegen.

Oben fünf ohne Punktverlust, am Ende der Tabelle vier Teams ohne Punktgewinn. Mit dabei Köln und Bremen als Schlusslicht, die beide ein schweres Auftaktprogramm hatten. Mit dabei auch die beiden Aufsteiger, die zunächst einmal Lehrgeld bezahlen müssen. Heidenheim fühlte sich schon in der Bundesliga angekommen, führte mit 2:0 gegen Hoffenheim, aber dann kam mit dem Gegentreffer in der 77. Minute der Einbruch und die 2:3-Niederlage. Nichts war es mit großen Sause bei der Premiere im eigenen Stadion. Vor der Länderspielpause hängen die Punkte hoch, Heidenheim muss nach Dortmund, Darmstadt nach Leverkusen. Die Bundesliga ist hart. Wichtige Spiele folgen aber auch für Teams mit Punktgewinnen. Wer hat in der Pause eher Ruhe? Augsburg und Bochum duellieren sich (im Vorjahr 1:0 und 3:2 für Bochum), auch bei Bremen – Mainz geht es um den ersten Sieg.

In dieser Woche geht es aber nicht nur um Punkte, sondern auch um die letzten Entscheidungen rund um die Teams, denn die Wechselfrist endet am Freitag. Auch Meister Bayern ist mit seinem Kader noch nicht fertig, Pavard drängt nach wie vor auf einen Wechsel zu Inter Mailand, Tuchel auf einen echten Sechser und dabei ist jetzt vor allem der Nigerianer Wilfred Ndidl von Leicester City im Visier. Beide kennen und schätzen sich. Ein Sechser wäre Tuchel wichtiger als ein Pavard-Ersatz, da hat er jetzt auch Leimer getestet. Hoffnung: Manuel Neuer trainierte erstmals wieder, zusammen mit dem neuen Schlussmann Daniel Peretz. Eintracht Frankfurt muss gleich um zwei Spieler bangen. Paris will Torjäger Randal Kolo Muani noch loseisen und Lindström der Verein Richtung Italien verlassen, Neapel soll Interesse zeigen. Auch Stuttgart könnte es noch weh tun, wenn Torjäger Guirassy den Verein verlässt.

Es wird gewählt und gelost

Aber nicht nur die Spielerwechsel stehen im Mittelpunkt, der Donnerstag, 31. August, wird auch ein wichtiger Tag im europäischen Fußball. Im Rahmen der Auslosung der UEFA-Wettbewerbe werden auch Europas Spielerin und Spieler sowie die Trainerin und Trainer des Jahres geehrt. Bei den Männern stehen nach einer Vorauswahl Lionel Messi (Miami), Erling Haaland und Kevin de Bruyne (beide Manchester City) zur Debatte, bei den Trainern sind es Pep Guardiola (City), Simone Inzaghi (Inter Mailand) und Luciano Spalletti (Neapel). Bei den Fußballerinnen haben es gleich zwei Weltmeisterinnen in die Endauswahl geschafft, nämlich die Spanierinnen Aitana und Olga, sowie die Australierin Sam Kerr, die in England spielt. Auf der Shortlist der Trainer stehen Sarina Wiegman (England), Jorge Vida (Spanien) und Jonatan Giraldez (Barcelona). Deutsche Kandidaten sucht mal vergebens.

Bei den Auslosungen wird vor allem Union Berlin voller Stolz vertreten sein und mit Spannung auf die ersten Gegner in der Champions League warten. Zwei dicken Brocken aus den Töpfen eins und zwei sind zu erwarten. Nur die Bayern sind in Topf eins vertreten, auch Borussia Dortmund und RB Leipzig müssen mit prominenten Gegnern rechnen. Der SC Freiburg und Bayer Leverkusen sind in den Lostöpfen für die Europa League dabei, Eintracht Frankfurt will in der Conference League vertreten sein, muss dafür aber Lewski Sofia nach dem 1:1 im Hinspiel in den Play-Offs noch schlagen.

Am Donnerstag will übrigens auch Bundestrainer Hansi Flick sein erstes Aufgebot der Nationalmannschaft nach der Sommerpause nominieren. Mit den Testspielen gegen Japan am 9. und Frankreich am 12. September soll die Experimentierphase beendet sein, man darf als gespannt sein, welche Hinweise Flick auf echte EM-Kandidaten gibt. Im Hinblick auf die Europameisterschaft 2024 in Deutschland soll bei diesen Spielen auch die Stimmung im Land wieder pro Nationalteam gedreht werden.

Überschattet werden alle Ehrungen und Auslosungen von dem Kuss-Skandal um Spaniens Verbandschef Luis Rubiales, der bei der WM-Siegerehrung die Spielerin Jenny Hermoso nicht nur geherzt, sondern auf den Mund geküsst hatte, die das als „ekelhaft“ bezeichnete. Rubialas wird in aller Welt kritisiert und die deutsche Spielerin Svenja Huth machte die Position des DFB-Teams klar: „Solch ein Verhalten ist nicht akzeptabel, noch untragbarer ist es, das herunterzuspielen und die Spielerin unter Druck zu setzen.“ ZDF-Expertin Kathrin Lehmann wurde noch deutlicher: „Hermoso hätte ihm eine knallen sollen.“ Der Verband gab Hermoso die Schuld an dem Eklat! Deutlich wurde auch Ex-Nationalspieler und Idol Andres Iniesta: „Das Verhalten war unmöglich, Rubialas klammert sich an sein Amt, dabei beschmutzt er das Ansehen Spaniens und des spanischen Fußballs in aller Welt.“ Die FIFA hat Rubialas (er ist auch UEFA-Vizepräsident) für alle Ämter für 90 Tage für eine Untersuchung gesperrt, die spanische Sportbehörde sieht eine Sperre als unerlässlich an. Alle Weltmeisterinnen haben angekündigt, unter dieser Verbandsführung nicht mehr für Spanien antreten zu wollen. Schade, dass ein Präsident ohne Anstand solche Schatten auf einen einmaligen sportlichen Erfolg werfen kann.

Leichtathleten Gewinner und Verlierer

Es war eigentlich eine historische Pleite: Bei den Weltmeisterschaften in Budapest blieben die deutschen Leichtathleten erstmals überhaupt ohne einzige Medaille. Die letzten Hoffnungen auf Zehnkämpfer Leo Neugebauer (Fünfter) und Speerwerfer Julian Weber (Vierter) erfüllten sich nicht. Dabei dachte man, nur zwei Medaillen bei der letzten WM vor einem Jahr in Eugene/Oregon wären der Tiefpunkt. Trotzdem sieht Sportdirektorin Annett Stein einen Fortschritt: „Wir dürfen nicht auf die Medaillen schauen, insgesamt ist das Niveau in der Mannschaft besser geworden.“ Zweifellos ist es aber so, dass Nationen wie die Niederlande oder England über eine weitaus bessere Nachwuchsförderung als Deutschland verfügen. Hier muss der DLV ansetzen.

Dennoch kann sich die Leichtathletik zu den Gewinnern zählen, denn an den Bildschirmen in Deutschland war die WM ein Erfolg, die Einschaltquoten mit über vier Millionen Zuschauern und mehr als 20 Prozent Marktanteil waren sehr hoch. Die Leichtathletik hat also ihre Fans und bleibt auch ohne deutsche Erfolge die „Königin der Sommersportarten“.

Die Verstappen-Festspiele gehen weiter

Die Formel 1 hat in Deutschland Fans verloren, in aller Welt aber mehr Fans gewonnen, befindet sich insgesamt also auf einem guten Weg, trotz aller Kritik von Klimaschützern. Sollte es allerdings sportlich so weiter gehen, dann könnte das Interesse wieder erlahmen. Es hat zwar schon immer dominierende Teams gegeben und Seriensieger, es sei nur an Michael Schumacher mit Ferrari erinnert und auch Sebastian Vettel war einige Jahre lang kaum zu schlagen, aber Red Bull und der Holländer Max Verstappen könnten noch alles toppen.

Am Sonntag gastiert die Formel 1 nach der Sommerpause ausgerechnet in Verstappens Heimat und deshalb ist sicher: Die Verstappen-Festspiele gehen weiter. Die Fans rund um Zandvoort befinden sich schon in Feierlaune und alle warten auf den neunten Sieg in Folge des Weltmeisters, der damit die Bestleistung von Sebastian Vettel einstellen würde. Ein neuer Rekord ist für ihn also greifbar nahe und könnte beim nächsten Rennen am 3. September in Monza gefeiert werden. Auch Verstappens persönliche Bestleistung mit 15 Siegen in einer Saison wird 2023 fallen, denn wer soll den Holländer stoppen? Ganz im Gegenteil, eine gar fürchterliche Bilanz droht der Konkurrenz: Red Bull ist auf dem besten Weg alle Rennen in einer Saison zu gewinnen. Danach kann es nur heißen „Gute Nacht Formel 1“, schlaft weiter.

Da stellt sich doch jeder die Frage, was ist mit den anderen Teams los? Vor allem Mercedes kann den Rennsport nicht mehr als Werbung für sich nutzen. Und Ferrari muss sich Hohn und Spott gefallen lassen, dass die Italiener halt nicht seriös und erfolgreich arbeiten können, obwohl sie das Gegenteil in der Vergangenheit schon bewiesen haben. Der einzige Gewinner in diesem Jahr war bisher Aston Martin, das mit Altmeister Fernando Alonso die Bullen ein bisschen ärgerte, dazu überraschte McLaren mit Talent Lando Norris. Aber bei Max Verstappen weiß man gar nicht, wie gut er wirklich ist, sein Auto ist einfach zu überlegen. Erst starke Konkurrenz könnte sein wahres Können offen legen – oder eben das Gegenteil. So kann er sich für den Größten halten, zum Beispiel, wenn er am Ende der Saison bei allen Rennen auf dem Podest gestanden ist. Das hat auch noch niemand geschafft.

Für die Formel 1 gibt es nur eine Hoffnung: Die Konkurrenz ist gefordert und muss für das nächste Jahr bessere Boliden auf die Strecken bringen. Vor allem Mercedes sollte das Knowhow haben, um endlich die Wende zu schaffen. Mit Lewis Hamilton hat man ja einen Fahrer, der bewiesen hat, dass er es kann und der auch mit 38 immer noch vor Ehrgeiz brennt. Er will sich noch den achten WM-Titel holen, um alleiniger Rekordhalter zu sein, bisher steht er mit Michael Schumacher auf einer Stufe. Max Verstappen wird auch davon träumen, doch für ihn ist der Weg ein bisschen weiter und die Siegesserie von Red Bull kann so lange nicht anhalten, irgendwelche Regeltricks werden die Besitzer der Formel 1 finden, um die Übermächtigen zu stoppen. Aber die Verstappen-Festspiele sind vorerst nicht stoppen. Neun Rennen stehen bis zum Saisonende am 26. November in Abu Dhabi noch aus. Einer wird sie besonders beschwingt angehen: Nico Hülkenberg hat seinen Vertrag bei Haas verlängert. Der Lohn dafür, dass er mit dem unterlegenen Auto einige Male in der Qualifikation überraschte.

Basketball-WM: Mit NHL-Stars zu einer Medaille

Das passte ja wie die Faust aufs Auge: Erst vor kurzem wurde Dirk Nowitzki gefeiert, als der große deutsche Star in die Basketball-Ruhmeshalle aufgenommen wurde. Er bestimmte über Jahre hinweg das Geschehen bei den Dallas Mavericks, führte die Texaner 2011 zur einzigen NBA-Meisterschaft und wurde als erster Europäer als wertvollster Spieler der NBA ausgezeichnet. Mit der Nationalmannschaft holte er 2002 WM-Bronze und erhielt außerdem die Ehrung zum MVP des Turniers. Es ist die bisher einzige WM-Medaille Deutschlands. Doch das soll nicht so bleiben.

Am 25. August beginnt die nächste Weltmeisterschaft, die in Japan, Indonesien und auf den Philippinen ausgetragen wird. Am Ende des Turniers am 10. September soll wieder einmal ein Medaillengewinn der deutschen Mannschaft stehen. Hoffnungsträger sind vier NBA-Stars, vor allem Kapitän Dennis Schröder, der vor lauter Ehrgeiz sogar einen Streit mit dem Teamkameraden Maxi Kleber ausfocht, so dass der auf eine Teilnahme verzichtete. Der 29-jährige Schröder von den Toronto Raptors will die Chance WM zudem nutzen, um aus dem Schatten von Dirk Nowitzki zu treten. Doch dessen Beliebtheit wird der extrovertierte Star wohl nie erreichen.

Aber Dennis Schröder steht nicht alleine da als Hoffnungsträger, wohl noch nie hatte Deutschland so eine starke und ausgeglichene Mannschaft. Hoffnungsträger sind auch die Wagner-Brüder Franz und Moritz, die bei den Orlando Magic auftrumpfen. Mit Daniel Theis von den Indiana Pacers steht ein weiterer NBA-Spieler im Kader. Überhaupt gehören mit Isaac Bonga, Niels Giffey, Andreas Obst (alle Bayern München) und Johannes Thiemann (Alba Berlin) und nur vier Bundesliga-Spieler zum Aufgebot. Maodo Lo und Johannes Voigtmann spielen bei Olimpia Milano, Justus Hollatz in Ljubljana und David Krämer bei Granada. An Bundestrainer Gordon Hebert wird es nun liegen, aus der bunten Mischung ein eingespieltes Team zu machen.

Der Kanadier scheint aber auf einem guten Weg zu sein, denn in der Vorbereitung zeigte das Nationalteam bereits gute Leistungen, schlug unter anderem den Mitfavoriten Kanada und unterlag den oft übermächtigen USA nur knapp. Bei den USA fehlen allerdings die größten NBA-Stars, auch der Serbe Jokic und der Grieche Antetokounmpo sind nicht dabei. Den größten Namen hat wohl der Slowene Lukas Doncic, bei den Dallas Mavericks der Nowitzki-Nachfolger. Die Gruppengegner des DBB-Teams haben es durchaus in sich, Japan gilt zwar als Außenseiter, ist aber nicht zu unterschätzen, Australien gehört zu den Mitfavoriten mit einer gesunden Mischung aus Routiniers und Hoffnungsträgern und Finnland vertraut auf die Scoring-Machine Lauri Markkonen. Platz zwei in der Gruppe ist zum Weiterkommen notwendig.

Deutschland will Geschlossenheit entgegensetzen und mit gutem Mannschaftsgeist den bösen Geist der Niederlage vertreiben, so wie es bei der letztjährigen Europameisterschaft geklappt hat und Bronze geholt wurde. „Das wollen wir wiederholen“, ist der allgemeine Tenor im Team und deshalb zettelte Schröder auch den Streit mit Kleber an, dem er vorwarf, dass er aus fadenscheinigen Gründen abgesagt hätte und jetzt nicht die Harmonie stören sollte. Am Team ging dieser Streit wohl spurlos vorüber, Maodo Lo betont, „die Chemie ist hervorragend“. Die Basis für einen Erfolg ist also gegeben, es gilt schließlich auch, sich das Ticket für die Olympischen Spiele 2024 in Paris zu sichern.

Das schwere Jahr des THW Kiel

„Die stärkste Liga der Welt, jeder kann jeden schlagen“, so heißt es allgemein über die Handball-Bundesliga, die am Donnerstag startet – und dann ein Dauermeister wie im Fußball? Das passt nicht zusammen, allerdings ist der THW in der Handball-Bundesliga schon so etwas wie ein Abonnementmeister, mit 23 Titeln liegt er für lange Zeit uneinholbar vorn, die Altmeister Gummersbach (12) und Göppingen (9) folgen, die aktuell stärksten Konkurrenten müssen da noch viele erfolgreiche Jahre hinter sich bringen. Die SG Flensburg-Handewitt hat es dreimal geschafft, zuletzt 2018 und 2019, jetzt will sie wieder an der Reihe sein.

In der Tat wird es wohl ein schweres Jahr für den THW Kiel, der Titelverteidiger, der nach dem Zwischenspiel des SC Magdeburg den Thron zurückeroberte. Allerdings haben die Kieler ihre Mannschaftsstützen verloren, vor allem der überragende Torhüter Niklas Landin, Rückraumspezialist Sander Sagosen und Spielmacher Miha Zarabec haben den Verein verlassen. Ein bisschen ausgleichen sollen den Verlust Frankreichs Nationalkeeper Vincent Gerard und Eduardo Gurbindo im Rückraum. Bangemachen gilt nicht für Trainer Filip Jicha, seit 2019 Cheftrainer, denn er sagt: „Kiel kein Meister? Wenn sich da die Experten nur nicht vertun!“ Er schwärmt vor allem vom Talent von den Färöer Inseln, Elias Ellefsen a Skipagötu. „Ihm gehört die Zukunft“. Die Saison hat sich für Kiel auch schon ganz gut angelassen, gegen die Rhein-Neckar Löwen haben sie den Supercup trotz vieler Ausfälle mit 37:36 (33:33) nach Siebenmeterschießen erfolgreich verteidigt, es war der vierte Sieg in Folge und damit neuer Rekord.

Hauptgegner wird nach Meinung der Experten vor allem der Landesrivale Flensburg sein, scherzhaft ist jetzt auch von der „SG Dänemark“ die Rede. Nach Querelen gab es einen Umbruch, Trainer Maik Machulla ging ebenso wie Vereinsikone Lars Christiansen. Jetzt aber wird die Dänemark-Karte gespielt, mit Trainer Nicolej Krickau und den Weltmeistern Simon Pytlick und Lukas Jörgensen, dazu kam noch Kay Smits aus Magdeburg. Sie wollen die Liga aufmischen. Allerdings darf man den SC Magdeburg und die Füchse Berlin als Titel-Anwärter nicht vergessen. Und ja, auch der Rest des 18er-Feldes wird nicht einfach die Segel streichen.

Eine Neuerung gibt es, die Rechte für die TV-Übertragungen hat nach Sky nun der neue Streamingdienst Dyn, der alle Spiele live überträgt und auch die Rechte für 2. Bundesliga und die Frauen-Bundesliga erworben hat. Ob dies für den Handball-Bund wirklich ein Gewinn ist, muss sich erst zeigen.

Bei Bayern heißt es jetzt „Yes, we Kane“

Bisher war Bayern München durch sein Motto „mia san mia“ aufgefallen, es scheint, der Dauermeister hat zumindest für einige Zeit ein neues Motto gefunden und das heißt in Abwandlung des Obama-Spruches „Yes, we Kane“. Beim Start der Fußball-Bundesliga drehte sich alles um den Rekordeinkauf, doch nicht der Engländer allein sorgte für neue Aufmerksamkeit, sondern das Geschehen insgesamt macht Appetit auf die neue Saison. Es gab Tore satt, Tragödien und Überraschungen, so liegt nicht Bayern nach dem 4:0 in Bremen auf Platz eins, sondern der eigentliche Abstiegskandidat VfB Stuttgart nach dem 5:0 gegen Bochum. Doch Vorsicht VfB: Es gab Zeiten, da stieg der erste Tabellenführer der Saison am Ende ab!

Aber so einen Einstand wie ihn Harry Kane hatte, wünscht sich jeder Neuzugang, egal, mit welchem Ablösepaket er auf dem Buckel herumläuft. Bereits in der 4. Minute leitete er mit einem Traumpass das 1:0 durch Sané ein, in der 74. Minute traf er selbst zur Vorentscheidung und zwischendurch rettete er per Kopf vor dem eigenen Tor. Harry Kane überall – auch auf dem Spielfeld. Nicht unbedingt spektakulär, aber effektiv. Die Lobeshymnen reißen nicht ab, „netter Kerl“ (er gibt den Fans geduldig Autogramm und gewährt Selfies), „ein Gewinn für die Kabine“ (er kümmert sich um jeden), „er macht die Mannschaft besser“ (Trainer Tuchel), „er tut uns sehr, sehr gut, weil er sowohl andere in Szene setzt, als auch selbst trifft“ (Joshua Kimmich). Und damit genug von Kane, zumal sich offensichtlich noch ein anderer im Formhoch befindet: Leroy Sané, der zweifache Torschütze. Er will es wissen und lobt Thomas Tuchel: „Der Trainer macht mich besser.“

Wo Sonne ist, da ist auch Schatten. Die Mannschaft der Bayern ist noch nicht komplett. Sven Ulreich soll bis zum Neuer-Comeback Nummer 1 bleiben, eine neue Nummer 2 soll mit dem 23-jährigen Israeli Daniel Peretz kommen, doch dessen Verein Maccabi Tel Aviv fordert zu viel Geld. Paretz gilt als Talent und Mann für die Zukunft. Tuchels Wunsch nach einem echten Abräumer im Mittelfeld wird wohl nicht erfüllt, der geeignete Sechser wird nicht gefunden oder ist zu teuer. Die alte Lösung mit Kimmich/Goretzka war jetzt wieder die neue und nicht so schlecht. Erstaunlich aber, dass die Bayern Abwehrtalent und -Allrounder Josip Stanisic zu Titel-Konkurrent Bayer Leverkusen ausleihen. Sonst schwächen sie die Konkurrenz, hier helfen sie Bayer eine Lücke zu füllen. Für Benjamin Pavard bedeutet das, dass der abwanderungswillige Franzose wohl bleiben muss. Ein unzufriedener Spieler im Kader könnte sich als Zeitbombe entpuppen.

Aber es gibt nicht nur die Bayern. Es tat sich ja Erstaunliches und schon am ersten Spieltag wurden Tendenzen deutlich. Erstaunlich der VfB, verliert mit dem Japaner Endo den Kopf und Kapitän des Teams für gutes Geld an Liverpool und trumpft dann gegen Bochum auf. Das Problem: Auch der zweifache Torschütze Serhou Guirassy befindet sich im Visier einiger Klubs und könnte noch wechseln. Gegner Bochum musste dagegen feststellen: „So reicht es für die Bundesliga nicht.“ Und jetzt kommt am Samstag Dortmund zum Revier-Derby.

Die Dortmunder machten deutlich, dass sie auf Meister-Ambitionen haben. Nicht durch das magere 1:0 gegen Köln, sondern durch die Tatsache, dass sie nicht aufgegeben haben, keinen unnötigen Punktverlust erlitten haben und Spielglück hatten, weil Torschütze Malen eigentlich schon ausgewechselt werden sollte. Da kam einiges zusammen, was oft bei der Borussia fehlte.

Auf Kurs auch Leverkusen, das mit dem 3:2 gegen RB Leipzig das erste Schlagerspiel für sich entschied und deutlich machte, dass es diesmal vorn dabei sein will. RB wiederum befindet sich auf dem Boden der Tatsache wieder nach dem Supercup-Triumph über die Bayern.

Das torreichste Spiel fand in Augsburg statt, beim 4:4 gegen Gladbach sah man starke Stürmer und schwache Abwehrreihen, am Ende waren beide eigentlich genauso klug wie zuvor. Jetzt folgen große Aufgaben: Der FCA muss nach München, Gladbach erwartet Leverkusen. Union Berlin meldet auch Ansprüche an, vor allem dann, wenn Kevin Behrens immer so trifft. Nach drei Kopfballtoren könnte er fragen: „Kann das auch Harry Kane?“ Mainz zeigte beim 1:4 allerdings Entgegenkommen, Ludavic Ajorque verschoss auf klägliche Art gleich zwei Elfmeter. Union sorgte aber auch für Beachtung mit den Zugängen der Nationalspieler Robin Gosens und Kevin Volland. Eigentlich untypische Einkäufe für die Berliner.

Die Neulinge mussten zunächst einmal Lehrgeld bezahlen, schossen kein Tor. Darmstadt hat sich aber beim 0:1 in Frankfurt gut verkauft, Heidenheim war ein bisschen naiv beim 0:2 in Wolfsburg, aber der Lernprozess geht erst los. Hoffenheim kommt jetzt ins Schwäbische zur Bundesliga-Heimpremiere und hat sich beim 1:2 gegen Freiburg ebenfalls ziemlich naiv verhalten. Frankfurt wiederum war glücklich über den Sieg im Hessen-Derby, jetzt folgt das Rhein-Main-Derby in Mainz. Ob da Torschütze Randal Kolo Muani noch an Bord ist, muss sich zeigen.

Gewinner Frauen-Fußball

Die Fußball-Frauen haben einen neuen Weltmeister: Spanien reihte sich im 9. WM-Turnier nach einem hochklassigen 1:0-Finalsieg über England in die Liste der Titelträger ein, auf der bisher die USA (4), Deutschland (2), Norwegen und Japan stehen. Australien und Neuseeland sahen dabei eine Weltmeisterschaft, die vor Ort für Begeisterung und in aller Welt für große Aufmerksamkeit sorgte. Da brauchte es nicht einmal die übertriebenen Lobeshymnen des FIFA-Präsidenten um festzustellen, dass der Frauen-Fußball ein großer Gewinner war. Gianni Infantino sprach „von der größten und besten Frauen-WM aller Zeiten“ und hier wird ihm sogar niemand widersprechen, er verstieg sich in seiner Übertreibung auch zu dem Urteil, das Turnier habe nicht nur „Australien und Neuseeland, sondern die ganze Welt verändert“. Die ganze Welt, darunter macht es der Fußball-Präsident nicht, der sich als wichtigste Person der Welt sieht. Rund zwei Millionen Besucher waren in den Stadien, rund zwei Milliarden waren es an den Bildschirmen weltweit. In Deutschland sahen 5,6 Millionen Zuschauer das Finale, ein gigantischer Marktanteil von 41,8 Prozent.

Richtig gehandelt hat die FIFA mit der Aufstockung des Teilnehmerfeldes auf 32, die sogenannten kleine Nationen haben aufgeholt und die Großen geärgert. Spanien und England waren würdige Finalteilnehmer, Schweden als Dritter und der Vierte, Gastgeber Australien, haben ebenfalls eine gute Zukunft vor sich. Das sieht für Deutschland und Brasilien aus dem ursprünglichen Favoritenkreis anders aus, während man der USA zutrauen darf, mit jungen Spielerinnen wieder vorne mitzumischen. Für die nächste WM 2027 sind jetzt nicht die gemeinsamen Bewerber Deutschland mit Niederlande und Belgien die Favoriten, sondern Südafrika, denn da sind schon die Strippenzieher am Werk, die dafür sorgen wollen, dass auch der Frauen-Fußball in Afrika die notwendige Aufmerksamkeit für einen Aufschwung erhält.

In Spanien hatten vor dem Turnier viele keinen Pfifferling auf die Mannschaft gegeben, denn zwischen Verband, Trainer und Team herrschte Streit. 15 Stammspielerinnen traten gegen Trainer Jorge Vilda in den Streik und Verbandspräsident Luis Rubiales wollte lange Zeit nichts vom Frauen-Fußball wissen, sprang aber über seinen Schatten. Vilda konnte dann doch auf drei Abtrünnige zurückgreifen und vertraute auf vielversprechende Talente. Der Verband sorgte für finanzielle und moralische Unterstützung, die Familienangehörigen wurden zum Finale nach Sydney geflogen, wo sie den WM-Titel zusammen mit Königin Letizia und Prinzessin Sofia bejubekln durften (Prinz William hat seine Engländerinnen nicht unterstützt, verzichtete aus Umweltschutzgründen auf den Flug). Die Spielerinnen selbst dürfen mehr Geld als ihre männlichen Kollegen kassieren. 250.000 Euro erhalten sie von der FIFA und dazu 300.000 Euro vom Verband, das ist mehr als die Männer je erhalten haben. Vor allem die FIFA kann sich die Ausschüttung leisten, meldete Infantino doch Einnahmen von über einer halben Milliarde Dollar.

Übrigens: Der DFB hätte für seine Mannschaft bei einem Titelgewinn die eigene Kasse nicht zusätzlich geöffnet. Dennoch dürfte die WM mit guten Zuschauerzahlen im Fernsehen und großem Interesse in den Medien dafür gesorgt haben, dass die Euphoriewelle in Deutschland auch nach der sportlich missglückten WM nicht abebbt. Das wird sich zeigen, wenn am 15. September die Frauen-Bundesliga in die neue Saison startet.

Noch ein kleiner Hinweis in eigener Sache: Stolz kann der Sport-Grantler berichten, dass er heute ein Jubiläum feiert, seit zehn Jahren gibt es diesen Blog im Netz. Er bedankt sich bei seinen treuen Lesern in der ganzen Welt und hofft, er kann sie noch eine Weile erfreuen.

Ausfälle trüben die Vorfreude auf die Leichtathletik-WM

Gehört das Auf und Ab zur deutschen Leichtathletik? Es scheint so zu sein, Konstanz gibt es offensichtlich nicht, dem Debakel von den Weltmeisterschaften vor einem Jahr in Eugene/Oregon mit nur zwei Medaillen, folgten vier Wochen später die Europameisterschaften im Olympiastadion in München, die zu einer Sternstunde der Leichtathletik wurden, mit toller Stimmung unter den insgesamt 300.000 Zuschauern, insgesamt 16 Medaillen, davon viermal Gold. Und jetzt folgt wegen Corona gleich die nächste WM vom 19. bis 27. August in Budapest. Von einer erneuten Sternstunde ist nirgends die Rede, ganz im Gegenteil, die Angst vor einem weiteren Debakel geht um.

Das hat zwei Gründe. Der sportliche Grund ist die mangelnde Breite in der deutschen Leichtathletik, gerade in der Nachwuchsförderung liegt einiges im Argen, unterstützt werden vor allem Spitzenathleten, dahinter klafft aber ein Loch. Und so kommt man zu Grund zwei: Viele Medaillen-Anwärter sind verletzt, die Ausfälle trüben die Vorfreude auf die WM. Die erste Hiobsbotschaft kam von der größten Hoffnung, der Weitspringerin und Weltmeisterin Malaika Mihambo, danach verging fast kein Tage ohne Absage, die Speerwerfer Vetter und Hofmann fehlen ebenso, wie Stabhochspringer Lita Baehre oder Mittelstreckenläuferin Konstanze Klosterhalfen. Dazu wurde die Sprintstaffel der Frauen durch Verletzungen gesprengt und Hindernis-Ass Gesa Krause befindet sich in einer Babypause. Na, da ist wenigsten Nachwuchs in Sicht!

Ein großes Aufgebot von insgesamt 75 Athleten hat der DLV anfangs nominiert, viele Masse, wenig Klasse ist jetzt die bittere Wahrheit. „Ein Abschneiden wie in Eugene wollen wir nicht noch einmal haben“, sagt der neue Sportdirektor Jörg Bügner und erhält Unterstützung von Chef-Bundestrainerin Annett Stein: „Das Team wird leistungsfähiger sein.“

Ein paar Hoffnungen gibt es noch, so Speerwerfer Julian Weber oder die starken Diskusfrauen mit Kristin Pudenz in vorderster Front sowie Shanice Craft und Claudine Vita. Ein starkes Team sind auch die Zehnkämpfer mit Europameister Niklas Kaul und dem Überraschungsrekordler Leo Neugebauer, der wie aus dem Nichts den ehrwürdigen Rekord von Jürgen Hingsen verbesserte. Seine Form holte er wie viele in den USA, eigentlich eine Ohrfeige für den DLV. Bezeichnend, dass Sprint-Aushängeschild und Europameisterin Gina Lückenkemper als Ziel „endlich die Teilname am Finale“ ausgibt, bisher galt das Halbfinale schon als Erfolg. Hoffnungen gab es auch für die EM-Staffel um Gina, doch die ist aus Verletzungsgründen geschwächt.

Deutschen Fans fällt es natürlich schwer, sich an den Leistungen der anderen Nationen zu erfreuen, aber ein Leichtathletikfest könnte es schon werden. In Eugene verteilten sich die Medaillen auf 45 Nationen, so viele wie noch nie vorher, 29 Nationen holten einmal Gold. 2000 Athleten aus 192 Nationen waren am Start, das gibt es sonst in keiner anderen Sportart. Auch deshalb erwarb sich die Leichtathletik den Ruf der „Königin von Olympia“ und auch dem DLV bleibt noch die Hoffnung auf die Sommerspiele 2024 in Paris und auf gesunde Frauen und Männer.

Übrigens: Im Gegensatz zur Empfehlung des IOC sind in Budapest keine Athleten aus Russland und Belarus dabei, der Welt-Leichtathletikverband versagte ihnen wegen des Ukraine-Krieges eine Startberechtigung. Gut so, ein Wink für Thomas Bach und Konsorten.

Vor dem Bundesliga-Start: Bayern nach Kane-Rausch mit Olmo-Kater

Die Fußball-Fans wurden in den letzten Tagen mit Schlagzeilen gefüttert, es gab Turbulenzen überall. Dabei geht es am kommenden Freitag erst richtig los, mit der Partie Werder Bremen gegen Titelverteidiger Bayern München beginnt die neue Bundesliga-Saison. Es ist ein Duell der Enttäuschten. Werder verlor im Pokal, Bayern verpasste den Supercup. Ruhiger wird es in den nächsten Wochen nicht, weil die Wechselfrist erst am 1. September endet und bei einigen Vereine stehen Ab- und Zugänge noch auf der Todo-Liste. Im Mittelpunkt natürlich wieder die Bayern, die aber Rätsel aufgeben. Nach dem Kane-Rausch wachten sie mit einem Olmo-Kater auf. Es gab dazu das erste Pokal-Wochenende, das gleich mit einer Pleite für drei Bundesligisten endete (neben Werder auch Bochum und Augsburg). Die Ungewissheit ist groß.

Zuerst zu den Bayern. Jetzt hat es also mit dem Wechsel von Torjäger Harry Kane von den Tottenham Hot Spur zu den Münchnern doch noch geklappt. 100 Millionen Euro Ablösesumme (plus Boni, plus 100 Millionen für den Spieler in vier Jahren), sind ein Rekord für die Bundesliga. Der bisher titellose Engländer wollte gleich nach Ankunft mit den Bayern seinen ersten Pokal gewinnen, doch RB Leipzig hatte etwas dagegen. Der Star auf dem Rasen war der Spanier Dani Olmo, der mit drei Treffern die Gastgeber düpierte und dem Pokalsieger nun auch den Supercup sicherte. Die Sachsen sind titelhungrig geworden und träumen nun auch von der Meisterschaft. Damit stehen sie nicht allein. Die Bayern aber blieben seit Februar 2020 in der Allianz-Arena erstmals wieder ohne Treffer. Damals gab es ein 0:0 gegen – RB Leipzig!

Und schon wird gelästert, dass die Bayern jetzt dem Kane-Fluch erliegen werden, also „koan Titel“. In der Tat wirkt sogar Trainer Thomas Tuchel ratlos: „Die letzten Spiele waren gut, das Training hervorragend und jetzt ein Rückfall in die letzte Saison.“ Die Künstler am Ball verkraften offenbar wichtige Spiele nicht. Schwächen vorn, da soll Kane helfen, Schwächen in der Abwehr, deshalb will Tuchel unbedingt noch einen Abräumer für das Mittelfeld. Des Rätsels Lösung: Verteidiger Benjamin Pavard wird zum Interessenten Manchester United verkauft, dafür kommt ein echter Sechser und Joshua Kimmich muss wieder die ungeliebte Rolle als rechter Außenverteidiger spielen. Abschreiben sollte man den Dauer-Meister nicht, er peilt natürlich den zwölften Titel in Folge an, der DFB-Pokal soll auch mal wieder her und Kane soll helfen, in der Champions League wieder eine gute Rolle zu spielen mit dem Henkelpott als Trophäe – irgendwann in den nächsten Jahren. Kane hilft auch der Bundesliga für die internationale Reputation. Da erwartet uns hoffentlich ein interessantes Spieljahr.

Der Kampf um den Titel

Selten waren die Rollen in der Bundesliga allerdings so klar verteilt wie vor der Saison 2023/24, aber Langeweile sollte es nicht geben und Überraschungen sind bekanntlich immer dabei. In die Phalanx der besten vier Teams sollte sich allerdings niemand einmischen können, die Plätze in der Champions League scheinen an die Bayern, Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer Leverkusen vergeben. In welcher Reihenfolge? Auffallend, die Konkurrenz kuscht nicht, will die Münchner vom Thron stürzen. Dortmund war bekanntlich nah dran, Nervenschwäche soll der Vergangenheit angehören, die Borussia strotzt vor Selbstbewusstsein, sinnbildlich mit Kämpfer Emre Can als Kapitän für den eher zurückhaltenden Marco Reus. Leipzig hat zwar viele prominente Abgänge, scheint aber bei den Neuen ein gutes Händchen gehabt zu haben und wenn Olmo sich nicht verletzt, sondern in Form ist, dann könnte er der Star der Saison werden. Bei Leverkusen ging es unter Xabi Alonso aufwärts, nun hat man sich gezielt verstärkt und will wieder oben mitmischen.

Der Kampf um Europa

Der Höhenflug der Außenseiter ist wohl beendet, vor allem Union Berlin kann nicht ewig jedes Jahr in der Tabelle klettern. Von Platz elf im ersten Bundesliga-Jahr ging es über Rang sieben und fünf mit Platz vier sogar in die Champions League. Jetzt muss ein kleiner Rückschritt einkalkuliert werden, aber im Kampf um Europa League und notfalls Conference League sind die Berliner dabei. Das gilt auch für den SC Freiburg, bei dem die größte Frage ist, ob Talent Noah Atubolu im Tor der gleiche Rückhalt sein kann wie es Mark Flekken war. International will natürlich auch Eintracht Frankfurt wieder mit von der Partie sein und dahinter hofft auch der VfL Wolfsburg auf ein Zusatzgeschäft. Welche Mannschaft aus dem Mittelfeld nach vorn stoßen kann, muss sich zeigen.

Im Mittelfeld, mit Blick nach oben, aber wenig Sorgen nach unten, tummeln sich Mainz 05, Mönchengladbach, Hoffenheim und der 1. FC Köln. Oft hängt es davon ab, wie der Einstieg in die Saison gelingt.

Die 40-Punkte-Fraktion

Weiter unten geht es nur um ein Ziel: Die 40 Punkte sollen erreicht werden, davon sprechen sogar Union und Freiburg. 40 Punkte galten früher als das Soll für den Klassenerhalt, doch das ist schon lange nicht mehr so. Im Vorjahr reichten dem FC Augsburg 34 Punkte um der Relegation zu entgehen. Stuttgart hatte 33 und bestand die zusätzliche Prüfung. Augsburg träumt indes von einer sorgenfreien Saison, doch das Pokal-Aus ist schon wieder ein Dämpfer. Und es gibt ein schlechtes Omen: Sky-Experte Didi Hamann tippte bisher immer den FCA als Absteiger, diesmal nicht. Skeptiker sagen, im 13. Jahr erwischt es jetzt die Augsburger, die vor allem unter einer schwachen Abwehr leiden. Optimistischer dürfen da wohl Stuttgart und Bremen sein, aber eine sorgenfreie Saison ist keineswegs sicher.

Erste Abstiegskandidaten sind immer die Aufsteiger, in dem Jahr besonders, weil Darmstadt und Heidenheim große Aufstiegs-Überraschungen gewesen sind. Bei Neuling Heidenheim, dem 57. Klub in der 60-jährigen Geschichte, gesteht Trainer Frank Schmidt: „Das ist eine neue Dimension für uns.“ Für den Klub aus der Kleinstadt spricht die Ruhe im Verein, er wird sich nicht unterkriegen lassen. Schmidt verspricht auch: „Wir haben gegen jeden Gegner, auch gegen die Bayern, das Ziel drei Punkte.“ Heidenheim könnte also eine Frischzellenkur für die Bundesliga werden. Damit könnten sie den Schmerz der Liga über das Fehlen der Publikumsmagneten Schalke, Hertha und seit Jahren der HSV lindern.

Die Basis für eine gute Saison ist meist ein guter Start. Eröffnet wird wie gesagt am Freitag mit Bremen gegen Bayern, früher ein Duell auf Augenhöhe, heute sind die Münchner enteilt. Das absolute Schlagerspiel gibt es am Samstag zwischen Bayer Leverkusen und RB Leipzig. Wer profiliert sich als Bayern-Jäger? RB muss zeigen, dass der Sieg im Supercup keine Eintagsfliege war. Wegweisend sind besonders noch die Duelle zwischen Augsburg und Gladbach sowie Stuttgart und Bochum. Wer verliert, steht sofort unter Druck. Übrigens gibt es nur drei Spieltage, dann steht schon wieder eine Länderspielpause an. Dann werden wohl die ersten Wunden geleckt!

Neuer Weltmeister bei den Frauen

Die Weltmeisterschaft der Frauen in Australien und Neuseeland befindet sich auf der Zielgeraden, am Sonntag um 12 Uhr MESZ steht das Finale an. Das Halbfinale bestreiten am Dienstag (10 Uhr) Spanien und Schweden sowie am Mittwoch (12 Uhr) Australien und England. Damit steht fest, dass es nach den USA, Deutschland, Norwegen und Japan einen neuen Weltmeister gibt. Das Niveau des Turniers war beachtlich, die Stimmung vor allem in Australien fast berauschend. Die besten Teams befinden sich auf Augenhöhe, da geben Kleinigkeiten den Ausschlag. Zwei Spiele des Viertelfinals gingen in die Verlängerung, eins sogar ins Elfmeterschießen mit 20 Elfmetern (!) und die anderen Spiele endeten 2:1. Eng wird es also bleiben, allerdings gilt die Partie Australien – England als vorgezogenes Endspiel. Spanien ist gegen Schweden Favorit, aber die kopfballstarken Skandinavierinnen sind die Überraschung schlechthin. Deutschland konnte da leider nur neidvoll zuschauen.

Die ersten Titel sind im Visier

Die Fußball-Bundesliga startet erst am 18. August, aber vorher gibt es noch einen besonderen Appetithappen, traditionell wird eine Woche vor dem Saisonstart im Oberhaus die erste Runde im DFB-Pokal ausgespielt. Es ist immer ein Festwochenende für die Amateure, aber nicht immer ist es leichte Kost für die Profiteams. Manch einer verschluckt sich an den Häppchen und nicht von ungefähr fragt der kicker seine Leser: „Welcher Bundesligist scheidet aus?“ Im Vorjahr hat es den 1. FC Köln in Regensburg (2:2 n. Verl., 3:4 im Elfmeterschießen), Bayer Leverkusen in Elversberg (3:4) und Hertha BSC Berlin in Braunschweig (4:4 n. Verl., 5:5 i.E.) erwischt.

Ein echtes Schlagerspiel fehlt in der ersten Runde, aber dennoch sind attraktive Paarungen dabei, schließlich haben auch unterklassige Teams oft einen guten Namen nach Erfolgen in der Vergangenheit. Bekanntlich werden die Bundesligisten den Amateuren zugelost, die immer Heimrecht genießen. Viele wollen den Heimvorteil auch auf die 2. Bundesliga gegenüber den Erstligisten ausweiten. 32 Paarungen gibt es von Freitag bis Montag, die nächste Runde wird dann am 31. Oktober/1. November ausgespielt. Erfreulich in dem Jahr, dass es mehr Spiele im Free-TV gibt, der Bezahlsender Sky überträgt alle Spiele live. Mit Blick auf Braunschweigs Coup im Vorjahr, Gegner Schalke 04 und der Tradition beider Klubs hat sich das ZDF wohl entschieden, die Übertragungen mit einem Spiel ohne Erstligisten zu beginnen. Am Wochenende fehlt ein Live-Spiel im Free-TV, am Montag, 14. August, ist die ARD mit VfL Osnabrück – 1. FC Köln dabei und alle können sehen, ob sich Köln erneut blamiert. Doch zweimal hintereinander erwischt es die Bundesligisten kaum einmal.

Rekordsieger Bayern München

Ein Spiel stiehlt dem DFB-Pokal allerdings die Show: Aus Termingründen wird der – DFL-Supercup erneut am Pokal-Wochenende ausgetragen. Bekanntlich stehen sich immer Meister und Pokalsieger gegenüber, ein bisschen Pokal ist also doch dabei. Es wird deutlich: Die ersten Titel sind im Visier. Diesmal hat Meister Bayern München gegen Pokalsieger RB Leipzig am Samstag Heimrecht, mit SAT.1 ist ein Free-TV-Sender live dabei. Ihre Pokalspiele tragen die Kontrahenten im September aus, die Bayern gastieren am Dienstag, 26., bei Preußen Münster, einen Tag später tritt Leipzig bei Wehen-Wiesbaden an. Dann greifen sowohl der Rekordsieger (Bayern 20 Titel, zuletzt 2020), als auch der Titelverteidiger ein.

Auch im Supercup sind die Bayern mit zehn Erfolgen Rekordsieger. Im Vorjahr war ebenfalls RB als Pokalsieger der Gegner, die Münchner gewannen in Leipzig mit 5:3 und waren die Jahre zuvor zweimal gegen Borussia Dortmund erfolgreich, haben also wieder einmal ein Triple hingelegt. Für beide Teams geht es im Supercup zwar auch um den ersten Titel, aber das Duell gilt wohl vor allem als ernsthafter Formtest vor dem Start der Bundesliga. Beide Vereine haben so ihre Probleme, basteln an ihrer Mannschaft. Die Bayern sind noch mit dem Kane-Poker beschäftigt, buhlen weiter um Verteidiger Kyle Walker von Manchester City, der am Wochenende beim englischen Supercup als Kapitän auflief (City verlor im Eltmeterschießen gegen Arsenal). Außerdem stehen die Bayern ohne Neuer-Ersatz da, denn Yann Sommer unterschrieb bereits bei Inter Mailand. Die Bayern wollen ihm offensichtlich keine Steine in den Weg legen. Ein erster Test ist es auch für die neue Abwehr mit Kim und de Light.

In Leipzig hat es einen gewaltigen Umbruch gegeben, die Stars Nkunku (Chelsea), Szoboszlai (Liverpool), Laimer (Bayern) und Halstenberg (Hannover) sind bereits weg, jetzt wurde auch noch Abwehr-As Josko Gvardiol für 90 Millionen zu Manchester City verkauft. Durch die Verletzung von Lukas Klostermann wird es vor allem in der Abwehr knapp. Gut, dass die Bayern außer Talent Tel derzeit keinen Mittelstürmer haben. Trainer Marco Rose will aber auch das Handicap meistern, schließlich hat er Leipzig auf den Erfolgsweg geführt und in einer Rose-Tabelle liegt RB sogar einen Punkt vor München. Allerdings beendeten die Bayern die Saison als Meister mit vier Punkten Vorsprung vor dem Dritten Leipzig. Marco Rose und Manager Max Eberl wollen aber angreifen und mit RB nicht nur Pokalsieger, sondern endlich auch mal Meister werden. Über dem Supercup liegt also eine Menge Spannung.

Elfmeter-Dramen bei den Frauen

Die Frauen-Weltmeisterschaft in Australien und Neuseeland befindet sich in der K.o.-Phase und das erstmals ohne Deutschland. Erstmals wird es am Ende auch ein Finale geben, in dem weder die USA noch Deutschland stehen. Die Favoriten haben es überhaupt schwer, aber das Turnier macht jetzt Schlagzeilen mit Elfmeter-Dramen. Besonders krass war es beim 0:0 von Schweden gegen die USA, denn für die Amerikanerinnen als Titelverteidiger stürzte fast die Welt ein. Im Elfmeterschießen schoss Superstar Megan Rapinoe vorbei, die damit ihre erfolgreiche internationale Karriere mit einem Fehlschuss beendete. Ende der USA-Saison wird die 38-Jährige überhaupt die Schuhe an den Nagel hängen. Schweden, das vor allem die überragende Torhüterin Musovic im Spiel hielt, ist also im Viertelfinale und trifft am Freitag auf Japan, weil der entscheidende Schuss von Lina Hurtig um Millimeter hinter der Linie war. 0:0 hieß es auch zwischen England und Nigeria am Ende, wieder gab es diese Nervenschlacht, welche die bei Bayern spielende Georgia Stanway nicht bestand, sie schoss ebenso vorbei wie zwei Nigerianerinnen. Die restlichen Engländerinnen trafen. Das lässt für den Rest des Turniers noch einiges erwarten, ein echter Favorit ist nicht auszumachen. Gastgeber Australien ist nach dem 2:0 gegen Dänemark noch dabei, was gut für die Stimmung ist.

Die deutschen Mädchen sind inzwischen wieder in der Heimat gelandet und vor allem Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg muss ihren Job verteidigen, hat aber im Verband und in der Mannschaft trotz vieler Anfeindungen Rückhalt. Eine Analyse zum deutschen Team im nächsten Blog „Das Missverständnis Weltmeisterschaft“.