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Das Missverständnis Weltmeisterschaft

Am Anfang standen Hoffnung und hohe Erwartung, am Ende gab es Enttäuschung, Tränen und Ratlosigkeit. Die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen in Australien und Neuseeland war für die deutsche Mannschaft ein einziges Missverständnis, nichts war so, wie sich es Verband, Fans, Trainer-Team oder Spielerinnen vorgestellt hatten. Das Ergebnis war das historische Ausscheiden bereits in der Gruppenphase. Das 1:1 gegen Südkorea im letzten Spiel reichte nicht. Die Gruppe mit Kolumbien, Marokko und Südkorea galt als leichteste der Vorrunde, für die deutschen Mädchen war sie zu schwer.

Dass vieles vor dem Turnier bei Verband und Team falsch eingeschätzt wurde, zeigte sich im organisatorischen Chaos nach dem Ausscheiden. DFB-Präsident Bernd Neuendorf wollte die Mannschaft erst in der K.o.-Runde besuchen, die Gruppenspiele galten nur als Vorspeise. In Australien selbst war nicht einmal die Weiterreise als Gruppenzweiter vorbereitet, alle gingen von einem (selbstverständlichen) Gruppensieg aus. Logisch, dass auch die verfrühte Rückreise im Chaos endete, die Spielerinnen flogen in kleinen Gruppen zu verschiedenen Zeiten in die Heimat zurück. Eine perfekte Planung sieht anders aus.

Perfekt war auch die sportliche Vorbereitung nicht. Schwache Leistungen und Ergebnisse in der Vorbereitung wurden kleingeredet bzw. missachtet, nach dem Motto „das wird schon wieder, im Turnier sieht alles anders aus“. Vom Titel wurde geredet, das Finale galt als Ziel. Es sah aber nicht anders aus, das 6:0 gegen Marokko streute Spielerinnen und Trainer-Team Sand in die Augen, von Kolumbien und Südkorea gab es überraschend starke Gegenwehr und dem nervlichen Druck des unbedingt notwendigen Sieges war die Mannschaft nicht gewachsen. Unter Druck erfolgreich zu sein, kann man schlecht trainieren, man muss es erleben und die Situation dann meistern. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg setzte ganz auf die Spielerinnen des VfL Wolfsburg, der dominierenden deutschen Mannschaft in den letzten Jahren. Acht Mädchen des VfL begannen gegen Südkorea. Was „MVT“ übersah: In der Saison 22/23 schaffte Wolfsburg nur den Pokalsieg, war in den wichtigeren Wettbewerben Meisterschaft und Champions League nur Zweiter, in den entscheidenden Spielen konnten der einstige Seriensieger seine Bestform nicht abrufen, zum Ende der Saison war Bayern München stärker und erfolgreicher, wurde Meister. Nur die Meisterspielerinnen Lea Schüller und Klara Bühl standen anfangs auf dem Feld.

Zweifellos war es so, dass auch das Trainer-Team die Zeichen nicht erkannte, wobei sich Parallelen zu den Männern auftun. Auch Bundestrainer Hansi Flick setzte auf spielerische Klasse und missachtete, dass es auch Kämpfer braucht. Dazu kommen Abwehrschwächen bei Männern und Frauen, sowie die vergebliche Suche nach starken Außenverteidigern. Zugegeben, bei den Mädchen waren die Stammkräfte Gwinn, Rauch oder Simon verletzt, aber Voss-Tecklenburg versäumte es, rechtzeitig Ersatz ins Spiel zu bringen. Auch im Angriff wurde nicht auf die Formkrise mancher Spielerin reagiert. Auffallend, dass die Frankfurter Kanditatinnen Kleinherne und Freigang überhaupt keine Chance erhielten und Anyomi viel zu spät. Auch die zunächst verletzte Bayern-Spielerin Sydney Lohmann wurde zu spät berücksichtigt, sie ist ein Typ, der Leben in die Bude bringt, eine Kämpferin mit Überraschungsmomenten. Das Trainer-Team vertraute nur darauf, dass es Torjägerin Alexandra Popp schon richten werde. Das einfach Mittel, Flanke und Kopfballtor Popp, klappt halt nicht immer.

Verband und Trainerinnen gehen in den nächsten Wochen in die Analyse, doch ein Wechsel am Kommandostand ist nicht in Sicht. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, die 2018 das Amt übernommen hat und 2019 bei ihrem ersten Turnier im WM-Viertelfinale gegen Schweden scheiterte, will weitermachen: „Ich laufe nicht davon“, hat sie kundgetan. Ihr Vertrag wurde nach dem Erfolg bei der Europameisterschaft mit dem Vize-Titel, der eine Euphoriewelle auslöste, bis 2025 verlängert. Der DFB-Präsident hat ihr schon den Rücken gestärkt. So muss man eher die Rolle vom sportlichen Leiter für die Nationalmannschaften, Joti Chatzialexiou, beleuchten, der schließlich das schlechte Abschneiden aller Auswahlmannschaften bei den letzten Turnieren zu verantworten hat. Es ist dringend notwendig, eine eigene sportliche Leiterin für den Frauen-Fußball zu installieren.

Die Planung der neuen Saison ist auch seltsam. Nachdem man die ganze WM-Zeit einplanen musste, beginnt die Frauen-Bundesliga am 15. September, aber bereits eine Woche später steht das erste Spiel in der neuen Nations League, ausgerechnet in Dänemark, an. Wie sieht da die Vorbereitung aus? In der deutschen Gruppe befinden sich außerdem noch Island und Wales. Danach folgen Play-offs, denn in der Nations League werden gerade mal zwei (!) Plätze für die Olympischen Sommerspiele 2024 in Paris ausgespielt. Es sieht aus, als sollte Deutschland bei Olympia wieder zuschauen müssen. Das könnte bedeuten, dass die Euphoriewelle für den Frauen-Fußball wieder abebbt.

Logisch bei diesem Dilemma, dass nach dem Hintergrund des Ausscheidens geforscht wird. Der Boulevard meldete natürlich sofort, dass es Stress im deutschen Team gegeben habe, die Mädchen wären zerstritten gewesen und in der Abgeschiedenheit des Mannschaftsquartiers in Wyong hätten sich die Spielerinnen gelangweilt. Einöde statt Eisdiele war das Motto. Andererseits wurde kritisiert, dass es zu viel Abwechslung gab (Ausflüge mit Besuch von Krokodilen und Wal-Beobachtung, sowie Shoppingtouren) statt vermehrtem Training. Erfolglosigkeit hat viele Ursachen.

Die Weltmeisterschaft als solche ist aber ein voller Erfolg. Die Aufstockung auf 32 Mannschaften hat sich bewährt, die sogenannten kleinen Nationen haben überrascht, mutmaßliche „Favoriten“ wie eben Deutschland, aber auch Brasilien, Kanada und Italien sind ausgeschieden. Dafür tummeln sich im Achtelfinale Marokko, Nigeria, Südafrika, Kolumbien und Jamaika. Das Niveau hat darunter nicht gelitten. Gastgeber Australien ist zum Glück auch noch dabei, so dürfte die gute Stimmung erhalten bleiben, volle Stadien sollte es weiterhin geben. Für manche ist die WM ein Fest, für andere eine Pleite. Die Tränen müssen nun in der Heimat getrocknet werden.

Kann Deutschland keine WM mehr?

Die WM-Gegner der deutschen Fußball-Nationalmannschaften konstatierten nach Niederlagen oft mit einem Achselzucken: „Deutschland ist halt eine Turniermannschaft.“ Bei Welt- und Europameisterschaften traten die DFB-Teams immer selbstbewusst auf und zeigten plötzlich bessere Leistungen als in der Vorbereitung. Jetzt allerdings reiht sich Enttäuschung an Enttäuschung und es stellt sich die Frage: Kann Deutschland keine WM mehr? Die Männer patzten 2018 in Katar, die U21 versaute die Europameisterschaft und auch die Frauen machen keine Ausnahme. Die nicht erwartete 1:2-Niederlage gegen Kolumbien kippte die Stimmung bei der Weltmeisterschaft in Australien und Neuseeland, sie wechselte schlagartig von Himmelhochjauchzend nach dem 6:0 gegen Marokko auf zu Tode betrübt. Jetzt stellt sich die Frage: Wie stark ist die deutsche Mannschaft wirklich? War Marokko die Ausnahme, bringen die Mädchen von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg nicht mehr zustande als schon in der Vorbereitung gezeigt? Das war bekanntlich zu wenig.

Noch ist allerdings nichts verloren, die Tür zum Achtelfinale steht noch offen, der Gruppensieg ist allerdings nicht mehr machbar. Als nächster Gegner würde Frankreich warten, das Brasilien mit 2:1 in die Schranken verwies und sich als ernsthafter Titelanwärter präsentierte. Das taten die deutschen Frauen nicht, die aber mit Südkorea am Donnerstag zweifellos eine leichtere Aufgabe als Kolumbien erwartet. Aber unterschätzen sollte man die Asiatinnen nicht, die wohl auf verstärkte Abwehr setzen werden und so ein Bollwerk muss man erst mal knacken. Da taten sich gegen Kolumbien vor allem Lina Magull und Sara Däbritz im Mittelfeld neben der überragenden Lena Oberdorf schwer, aber auch im Angriff rannten sich Jule Brand und Klara Bühl auf den Außen immer wieder fest. Hochkarätige Chancen waren Mangelware und wenn sie da waren, wurden sie kläglich vergeben. Die Frauen sollten an die Männer denken, die bei der WM 2018 in Katar auch dachten, dass die letzte Aufgabe gegen Südkorea nur Formsache sei, eine 0:2-Niederlage war dann die bittere Wahrheit. Wie überraschend die Niederlage gegen Kolumbien kam, zeigt ein Blick auf die Statistik: Deutschland verlor erstmals seit 1995 wieder ein Gruppenspiel!

Die Bundestrainerin muss wohl nicht nur aus Verletzungsgründen neues Leben in die Mannschaft bringen. Jetzt fällt mit Sara Doorsoun die bisher beste Abwehrspielerin aus, aber dafür ist die eigentliche „Chefin“ Marina Hegering offensichtlich wieder fit. In Mittelfeld und Offensive wirken Lena Magull und Jule Brand überspielt und müde, da könnten Melanie Leupolz und Nicole Anyomi ihre Chance bekommen, weil leider die Münchnerin Sydney Lohmann als Antreiberin immer noch ausfällt. Aber auch Lea Schüller könnte neben Alexandra Popp stürmen, um das erwartete gegnerische Bollwerk zu knacken. Die Bundestrainerin wird unruhige Nächte bis Donnerstag haben (Spielbeginn in Brisbane um 12.00 Uhr MESZ). Die deutschen Fans werden wohl wieder mit der deutschen Mannschaft zu Hause zittern und sie von der Ferne unterstützen. Fast schon sensationelle 10,36 Millionen schauten am Sonntag um 11.30 Uhr an den Bildschirmen zu, ein überwältigender Marktanteil von 61,6 Prozent. Jetzt liegt es an den Mädchen selbst, die Euphoriewelle, die bei der EM im letzten Jahr startete, am Leben zu erhalten.

Insgesamt kommt die Weltmeisterschaft in Australien und Neuseeland bisher gut an, auch die Aufstockung des Teilnehmerfeldes von 24 auf 32 Mannschaften hat sich bewährt. Hier hat die FIFA zur Entwicklung des Frauen-Fußballs richtig gehandelt, während die Aufstockung bei den Männern von 32 auf 48 Nationen von reiner Geldgier geprägt ist. Die Neulinge bzw. schwächeren Nationen machten auf sich aufmerksam, die befürchteten zweistelligen Kantersiege gab es nicht. Ein Schock für Co-Ausrichter Neuseeland war die 0:1-Niederlage gegen die Philippinen und das damit verbundene Ausscheiden, Jamaika verschaffte sich gegen Brasilien am Mittwoch ein Endspiel ums Weiterkommen. Zum Glück für die Ausrichter zogen die australischen Matildas durch einen 4:0-Sieg über Kanada den Kopf aus der Schlinge, nachdem durch das 2:3 gegen Nigeria ebenfalls das Ausscheiden drohte. Dank dieses Erfolges ziehen die Afrikanerinnen, nach einem 0:0 gegen Irland, als Gruppenzweiter ins Achtelfinale ein. Ausgeschieden dagegen das als Mitfavorit gehandelte Kanada. Die erste faustdicke Überraschung. Die Gruppe B hatte es also in sich.

Jetzt startet die 3. Liga

Häppchenweise beginnt im Fußball die neue Saison. Nachdem die 2. Bundesliga spektakulär startete, hat sie gleichzeitig Werbung für die anderen Ligen gemacht. Ganz so attraktiv ist die 3. Liga, die am Freitag mit der Partie Halle – Essen startet, natürlich nicht besetzt, aber erstmals seit ihrer Gründung besteht die 3. Liga mit 11 von 20 Teams zu mehr als die Hälfte aus Ex-Bundesligisten. 1860 München, Preußen Münster, der 1. FC Saarbrücken und der MSV Duisburg (als Meidericher SV) waren sogar Gründungsmitglieder. Auch die Fans nehmen die Liga an, 3,1 Millionen Zuschauer fanden in der letzten Saison den Weg in die Stadien, nur 2018/19 waren es vor Corona mit drei Millionen ähnlich viele. Die meisten Besucher zählte Dynamo Dresden mit rund 24.000 im Schnitt, Rot-Weiß Essen brachte es auf 16.000, 1860 auf 15.000, das Grünwalder Stadion war immer ausverkauft. Als Favoriten werden Dresden, Saarbrücken, Regensburg und Ingolstadt gehandelt, aber auch die Zweitliga-Absteiger Bielefeld und Sandhausen sollten eine gute Rolle spielen können.

Für die 2. Bundesliga war der Auftakt zwischen dem Hamburger SV und Schalke 04 ein Glücksfall, die rasante Partie mit offenem Visier beider Mannschaft begeisterte auch fast vier Millionen Zuschauer an den Bildschirmen. Vor allem in Hamburg war man wegen großer Verletzungsprobleme skeptisch gewesen. Das 5:3 zeigte aber, mit dem Schwung könnte dem HSV endlich die Rückkehr ins Oberhaus gelingen. Aber es war ja erst der Anfang. Nicht nur Absteiger Schalke musste einen Dämpfer hinnehmen, auch Hertha BSC sucht noch Form und endgültige Mannschaft, eine 0:1-Niederlag ein Düsseldorf war die Quittung. Auch der 1. FC Nürnberg will wieder oben mitmischen, ob das klappt, ist aber nach dem Eindruck des 0:2 in Rostock fraglich. Überraschend auch der erste Tabellenführer, nämlich Greuther Fürth nach dem 5:0 gegen Paderborn, das sich allerdings ebenfalls in höheren Regionen ansiedeln will. Der Auftakt macht also Appetit auf mehr.

Ob da die Bundesliga mithalten kann? Die Vereine suchen in den Tests noch ihre Form und teilweise auch den endgültigen Kader. Natürlich bleibt vor allem Bayern München in den Schlagzeilen, so lange die Wunsch-Verpflichtungen der Engländer Harry Kane und Kyle Walker noch nicht geklärt sind. Auch ein Torhüter wird weiter gesucht, Alexander Nübel ist an den VfB Stuttgart ausgeliehen, machte aber im ersten Test keine gute Figur. Die Bayern befinden sich ebenso noch auf Weltreise (zuerst Tokio, jetzt Singapur) wie Borussia Dortmund, das in den USA gastiert und in Las Vegas mit 3:2 gegen Manchester United einen Prestigeerfolg landete. Im Mittelpunkt stand Ex-Bayernspieler Marcel Sabitzer, der ein gutes Debüt bei seinem neuen Verein gegen seinen alten (er war zu United ausgeliehen) gab. Allerdings machen einige Verletzungen den Dortmundern Sorgen. Nach wie vor heißt es aber bei den meisten Vereinen immer noch „Wer kommt, wer geht?“, die Wechselfrist läuft bis Ende August.

Start der Saison 2023/24: Die beste zweite Liga der Welt!

Wer die Auftaktpartie anschaut, denkt an die Fußball-Bundesliga: Hamburger SV – Schalke 04. Es ist aber nur die 2. Bundesliga, aber die hat es in sich. Mit Blick auf die Prominenz der Vereine und was die Zuschauerzahlen angeht, da gibt es zum Start der Saison 2023/24 am Freitag nur eine Meinung: Deutschland hat die beste zweite Liga der Welt!

Ein paar Fakten zur Prominenz. Unter den neun KLubs, die seit 1903 die Deutsche Meisterschaft im Rahmen des DFB am häufigsten gewannen, sind vier aktuelle Zweitligisten: Hinter Rekordsieger Bayern München (33) ist der 1. FC Nürnberg (neunmal Meister) die Nummer 2, nach Borussia Dortmund (8) folgen Schalke 04 (7) und der Hamburger SV (6), der 1. FC Kaiserslautern holte vier Titel. Auch bei den meisten Vereinsmitgliedern spielt die 2. Bundesliga an der Spitze mit. Nur die Bayern (300.000) und Dortmund (177.000) stehen vor Schalke (174.000), der Hamburger SV (95.000) folgt auf Rang sieben, Hertha BSC Berlin (46.000) auf Rang elf. Auch St. Pauli, Nürnberg, Düsseldorf, Kaiserslautern und Rostock sind unter ersten zwanzig Klubs mit den meisten Mitgliedern zu finden. Und auf den Zuschauerschnitt von 22.271 aus der letzten Saison schauen alle zweiten Ligen der Welt mit Neid. Keiner hat mehr.

Bei allen schönen Zahlen, wollen die meisten Vereine dennoch die beste zweite Liga der Welt verlassen, weil es im Oberhaus einfach mehr zu Verdienen gibt und die Zugkraft natürlich noch einmal viel größer ist. Gerade die sogenannten Traditionsklubs wollen nach oben, die Bundesliga-Absteiger Schalke und Hertha hoffen auf den sofortigen Wiederaufstieg, der Hamburger SV steckt voller Sehnsucht, dass die Rückkehr in die Belle Etage im sechsten Anlauf endlich gelingen möge. Die Bundesliga würde alle drei mit offenen Armen aufnehmen, die neuen Nobodys Heidenheim und Darmstadt verderben ihnen ein bisschen das Geschäft. Der Zuschauerschnitt im Oberhaus wird sinken, der im Unterhaus noch mehr steigen.

Es ist seit ein paar Jahren gute Sitte, dass die 2. Bundesliga einen Frühstart in die neue Saison hinlegt und damit ein Alleinstellungsmerkmal auskosten kann. Zwei Spieltage sind es diesmal, bevor der DFB-Pokal ansteht und am 18. August auch die Bundesliga startet, wobei dort die Auftaktpartie Werder Bremen – Bayern München keineswegs attraktiver ist.

Wer aber darf sich wirklich Hoffnung auf den Aufstieg machen? Die meisten Experten nennen Schalke 04, das anders als vor zwei Jahren nicht geschwächt daher kommt, sondern eine starke Mannschaft präsentiert mit treuen Fans als Rückhalt. Da sieht es bei Hertha BSC ganz anders aus, trotz Millionensummen von Geldgebern geriet der Verein aus den Fugen, versucht jetzt die Rückkehr mit jungen Spielern, unter ihnen gleich drei Söhne von Trainer Pal Dardai. Aber Favoriten sind andere. Der Hamburger SV zum Beispiel, der unbedingt nach oben will, aber mit dem Handicap von zahlreichen Verletzungen startet. So werden beim Start die Abwehr-Asse Schonlau und Mikelbrencis sowie Mittelfeldmotor Reis fehlen, das werden Neuzugang Immanuel Pharai als neuer Hoffnungsträger und der Uwe-Seeler-Enkel Levin Öztunali nicht ausgleichen können. Dazu kommt ein Hammerprogramm zum Start, nach dem Auftakt gegen Schalke geht es nach Karlsruhe (für einige ein Geheimfavorit mit Rückkehrer Lars Stindl), dann kommt die Hertha und es folgt das Duell in Hannover. Ist dann schon alle Hoffnung dahin?

Besonders tragisch wäre es für den HSV, wenn der Hamburger Rivale St. Pauli den ersehnten Aufstieg wegschnappen würde. Auch Hannover hat aufgerüstet und Düsseldorf wird stark eingeschätzt. Konkurrenz ist also vorhanden. Am Tabellenende werden eher die Neulinge Elversberg und Wehen-Wiesbaden erwartet, vor allem das kleine Städtchen Elversberg aus dem Saarland mit gerade mal 13.000 Einwohnern und einem Stadion fast ohne Parkplätze kommt sich vor wie im Traum, will sich aber nach zwei Aufstiegen in Folge nun den Traum vom Klassenerhalt erfüllen. Aber wie immer, jede Saison lebt auch von Überraschungen.

Der erste Spieltag: Hamburg – Schalke (Fr), Kaiserslautern – St. Pauli, Hannover – Elversberg, Osnabrück – Karlsruhe, Wiesbaden – Magdeburg, Düsseldorf – Hertha (alle Sa), Fürth – Paderborn, Rostock – Nürnberg, Braunschweig – Kiel (alle So).

Bayern in der Torhüter-Falle

Die 2. Bundesliga startet die Punktrunde, in der 1. Bundesliga werden die Testspiele immer prominenter. Auf Werbetour gingen am Montag die beiden besten Mannschaften, Borussia Dortmund zieht es in die USA, Meister Bayern macht Asien seine Aufwartung. Ziel ist nicht nur die Promotion für den Klub, sondern auch Werbung für die Liga. Beide Teams duellieren sich mit der Premier League, Dortmund trifft nach dem heimischen Zweitligisten San Diego Loyal auf Manchester United und Chelsea London, die Bayern treffen ihren ehemaligen Trainer Pep Gurardiola mit Manchester City am Mittwoch in Tokio, treten dort auch gegen Kawasaki an und treffen dann in Singapur auf Jürgen Klopp und den FC Liverpool.

ln Asien nicht dabei sein werden Torhüter Alexander Nübel, der zum VfB Stuttgart ausgeliehen wird, und Marcel Sabitzer, der nach Dortmund wechselt. So gibt es einen Ringtausch, der sich für beide Vereine lohnt. Dortmund gab Guerreiro ab, derzeit verletzt, den die Bayern für die linke Seite brauchen, dafür lassen die Bayern Sabitzer gehen, weil das Mittelfeld gut besetzt ist, Dortmund dort aber nach dem Abgang von Bellingham und Dahoud Verstärkung benötigt. Wer ist am Ende besser dran? Die Bayern befinden sich aber in der Torhüter-Falle, denn auch Yann Sommer will nicht den Ersatzmann für Manuel Neuer spielen. Der verletzte Torhüter ist zwar optimistisch, was seine Genesung angeht, aber zum Saisonstart dürfte er fehlen. Welcher gute Keeper setzt sich aber auf die Bank. So bleibt nur der ewige Ersatzmann Sven Ulreich.

Auch die Frage Harry Kane köchelt weiter, kommt er oder kommt er nicht. Neueste Entwicklung: Der Besitzer der Tottenham Hotspur drängt angeblich auf einen Verkauf und Kanes Ehefrau soll sich München angesehen und geprüft haben, ob es ihr da gefällt. Die Bayern haben also weiterhin Hoffnung auf die dringend notwendige hochkarätige Verstärkung.

Marokko ein dankbarer Gegner

Die befürchteten Kantersiege blieben bei der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen bisher aus. Ganz im Gegenteil, die Neulinge verkauften sich gut und brachten die Favoriten ins Schwitzen. Jamaika 0:0 gegen Frankreich, Nigeria 0:0 gegen Kanada, Haiti nur 0:1 gegen England, Südafrika unglücklich 1:2 gegen Schweden und Neuseeland feierte seinen ersten WM-Sieg überhaupt mit 1:0 gegen Norwegen. Das könnte also noch interessant werden. Keine Probleme hatte allerdings die deutsche Mannschaft bei ihrem Auftakt, das 6:0 gegen Neuling Marokko war das bisher höchste Resultat bei dieser WM. Allerdings machten es die Afrikanerinnen den DFB-Mädchen leicht, kämpften zwar tapfer, streuten aber viele Fehler in Abwehr und bei Pässen ein. Dennoch wirkte die deutsche Abwehr manchmal unsicher. Besser lief es in der Offensive, wo Alexandra Popp gleich mit den ersten zwei Treffern ihren großen Wert für die Mannschaft bestätigte. Wehe, wenn sie verletzt ausfällt! Das deutsche Spiel lief gefällig vor allem über die agile Klara Bühl und Svenja Huth auf der linken Seite, die gegen einen dankbaren Gegner in der Defensive kaum gefordert wurde.

Die deutsche Mannschaft hat ansehnliche Ansätze gezeigt und ist gut aus den Startlöchern gekommen, doch eine Aussage zur Form lässt sich noch nicht treffen, es kommen andere Kaliber. Schon am Sonntag gegen Kolumbien sollten allerdings die verletzten Marina Hegering und Lena Oberdorf wieder mit von der Partie sein und für mehr Sicherheit sorgen.

Die WM startete nicht nur mit positiven Schlagzeilen. Vor dem Eröffnungsspiel wurde Neuseeland geschockt, als es in Auckland in unmittelbarer Nähe der Fan-Zone und Quartiere der beteiligten Mannschaften eine Schießerei mit mehreren Toten gab. Das war für Neuseeland noch nicht alles, das Team musste auch aus seinem Hotel flüchten, nachdem ein Brand entdeckt wurde. Andere Probleme hatte die Niederlande, der versprochene gute Trainingsplatz erwies sich als ramponierter Acker weil hier laufend Cricket gespielt wird. Trainer Andries Jonker war sauer und klagte die FIFA an: „Eine Spitzenveranstaltung mit dann amateurhaften Bedingungen, das darf nicht passieren.“ Immerhin ließ sich die Niederlande nicht aus dem Konzept bringen und besiegte Portugal mit 1:0.

Frauen hoffen auf eine WM gegen den DFB-Trend

Die Zeiten haben sich einerseits geändert, andererseits sollen die alten Zeiten wieder aufleben. Vor einem Jahr bei der Europameisterschaft in England begann die Euphoriewelle im Frauen-Fußball. Die deutsche Mannschaft war erfolgreich, begeisterte mit ihrem Spiel und dem Auftreten außerhalb des Feldes, so dass sie die Herzen der Menschen eroberte. Am Ende stand die Vize-Meisterschaft, nur Gastgeber England war stärker. Ähnliches soll sich jetzt bei der Weltmeisterschaft wiederholen, die am Donnerstag in Australien und Neuseeland beginnt (9.00 Uhr Neuseeland – Norwegen in Auckland, 12.00 Uhr Australien – Irland in Sydney) und am Sonntag, 20. August mit dem Finale (12.00 Uhr) in Sydney endet. Die Frauen hoffen dabei auf ein Turnier gegen den DFB-Trend. Der Verband selbst macht durch Misswirtschaft und Korruption negative Schlagzeilen, die A-Mannschaft der Männer erlebte bei ihrer WM in Katar eine Pleite und die U21 war bei der Europameisterschaft nicht besser. Besser werden soll es jetzt bei den Frauen am anderen Ende der Welt.

Down Under ist ja kein Niemandsland im Sport, Olympischen Spiele und zahlreiche Weltmeisterschaften wurde ausgetragen, Olympia 2000 in Sydney war ein großer Erfolg, die Formel 1 ist Stammgast in Melbourne. Die Frauen-Weltmeisterschaft im Fußball soll jetzt aber alles andere in den Schatten stellen, vor allem dem Frauen-Fußball in Australien und Neuseeland weiter Auftrieb geben. Die „Matildas“, wie die Frauen Australiens genannt werden, zählen sich sogar zum Favoritenkreis. Die FIFA hat viel getan für ein großes Fest, erstmals sind 32 Nationen am Start, eine Art Entwicklungshilfe für schwächere Nationen, und die Prämien für Spielerinnen und Mannschaften wurden kräftig aufgestockt, auch wenn sie noch weit entfernt sind von den Leistungen für die Männer. Aber 30.000 Euro für jede Spielerin als Antrittsprämie und 250.000 Euro für jede Weltmeisterin können sich sehen lassen. Was Europa angeht, so wurde auch der drohende Blackout an den Bildschirmen abgewendet, die Fans stehen nicht im Abseits, wenn sie auch zu ungewohnter Zeit fernsehen müssen, durch den Zeitunterschied finden die Spiele in der Nacht oder am Vormittag statt. Eine Euphoriewelle wie in England wird unter diesen Bedingungen schwer wiederholbar sein. 17 Millionen Zuschauer sahen damals das EM-Finale.

Aber mit Erfolgen und guten Leistungen will die deutsche Mannschaft die Euphoriewelle hierzulande am Leben erhalten. Die Zuschauerzahlen in der Bundesliga haben sich vervielfacht, das Fernsehen steigt verstärkt ein, der Start der Bundesliga am 15. September mit dem Spiel Freiburg – Bayern wird live im ZDF übertragen. Zuerst aber gehen die Blicke nach Australien. Die deutsche Mannschaft hat ähnlich wie die Männer bei ihrem Titelgewinn 2014 ein Basiscamp in ruhiger Lage bezogen, in Wyong, rund 90 km von Sydney enfernt. Das Mercure Kooindah Waters bezeichnet sich als „preisgekröntes Golfresort“. Ein Golfplatz befindet sich am Hotel, der Trainingsplatz ist rund 10 Minuten Busfahrt entfernt. Die Mädchen wohnen zu zweit in Bungalows. Beim Training haben die Gastgeber schon alles für den Erfolg getan, Nachfahren der australischen Ureinwohner begrüßten die Mannschaft mit altem Ritual und Tönen der Didgeridoo, dem traditionellen Musikinstrument der Aborigenes. Es soll die bösen Geister vertreiben und als Glücksbringer hat Nationalspielerin Klara Bühl allen noch einen Koala im Deutschland-Trikot gehäkelt. Da kann eigentlich nichts mehr schief gehen.

Allerdings gibt die Vorbereitung keinen Anlass für Euphorie. Wirklich gute Leistungen waren Mangelware, seit November gab es in sieben Spielen nur drei Siege, der Abschluss mit der 2:3-Niederlage gegen Sambia war ernüchternd. Kapitänin Alexandra Popp will sich den Optimismus nicht nehmen lassen: „Vor der EM hat auch nicht alles geklappt, wir holen uns jetzt die nötige Frische und wollen wieder in den Flow kommen.“ Eine Statistik sollte Mut machen: In der Bilanz der WM-Turniere seit 2003 hat Deutschland die meisten Tore pro Spiel geschossen und die wenigsten Gegentore kassiert. Deutschland gewann den Titel 2003 und 2007, Rekordsieger ist die USA mit Erfolgen 1991,1999, 2015 und 2019, Norwegen gewann 1995 und Japan 2011. Der letzte Titelgewinn einer deutschen Mannschaft gelang 2013, also genau vor zehn Jahren, bei der Europameisterschaft. Aus diesem Team sind Sara Däbritz, Svenja Huth und Melanie Leupolz noch dabei. Auffallend, dass Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg eine sehr junge Mannschaft nominiert hat, neun Spielerinnen sind Jahrgang 2000 oder jünger.

Der Stamm des DFB-Teams steht, auffallend, dass die Vize-Meisterinnen aus Wolfsburg (Bundesliga und Champions League) das Gros der Mannschaft stellen und nicht Meister Bayern. Die Achse zum Rückhalt bilden Torhüterin Merle Frohms, Abwehrchefin Marina Hegering (noch verletzt), Lena Oberdorf (solllte fit werden) im Mittelfeld und Torjägerin Alexandra Popp, die auch bei der EM für die entscheidenden Tore sorgte. Die Schwachstelle ist wohl die rechte Seite, wo die schnelle Münchnerin Giulia Gwinn verletzt fehlt. In ihrer Not probierte es die Bundestrainerin mit den Stürmerinnen Nicole Anyomi und Svenja Huth. Defensiv stärker wäre wohl Sophia Kleinherne, sie scheint aber keine Ideallösung zu sein. Mehr Auswahl gibt es in Mittelfeld und Angriff.

Die Gruppengegnerinnen gehören nicht zur Spitzenklasse, können aber Ärger machen. Marokko ist ein wohlwollender Auftakt am Montag, 10.30 Uhr MESZ, die Afrikanerinnen mussten lange um die Ausübung ihres Sports kämpfen, bis der König ein Machtwort sprach. Der Aufwärtstrend zeigt sich darin, dass Marokko zuletzt im Finale des Afrika-Cups stand. Nächster Gegner ist sechs Tage später (Sonntag, 30.7., 11.00 Uhr) mit Kolumbien eine Mannschaft aus Südamerika, die sogar das Halbfinale als ihr Ziel nennt und auf ihr „Wunderkind“, die erst 18-jährige Stürmerin Linda Caicedo baut. Zum Schluss folgt Südkorea (Donnerstag, 3.8., 12 Uhr), eine unangenehme, defensivstarke Mannschaft, bei der der englische Trainer Colin Bell (61) für große Fortschritte sorgte.

Die dicken Brocken kommen freilich danach, so warten schon im Achtelfinale die Mitfavoriten Frankreich oder Brasilien und bei einem Weiterkommen könnte es dann gegen Europameister England gehen. Zum Favoritenkreis gehören außerdem noch Titelverteidiger USA, Kanada, Norwegen, Japan, Schweden, Dänemark und die Niederlande. Eine Bandbreite, welche die Männer nicht zu bieten haben. Australien und Neuseeland standen auch nicht wie Männer-Gastgeber Katar in der Kritik, sondern jeder freut sich auf nette, weltoffene Gastgeber. Nur ein bisschen weit ist es halt ans andere Ende der Welt. 27 Stunden war die deutsche Mannschaft unterwegs.

Das deutsche Aufgebot: Tor: Merle Frohms (Wolfsburg), Ann-Kathrin Berger (Chelsea), Stina Johannes (Frankfurt). – Abwehr: Marina Hegering, Kathrin Hendrich, Felicitas Rauch (alle Wolfsburg), Sara Doorsoun, Sophia Kleinherne (beide Frankfurt), Sjoeke Nüsken (Chelsea). – Mittelfeld: Lena Oberdorf, Lena Lattwein, Chantal Hagel, Svenja Huth, Jule Brand (alle Wolfsburg), Lina Magull, Sydney Lohmann, Klara Bühl (alle Bayern), Sara Däbritz (Lyon), Melanie Leupolz (Chelsea), Janina Minge (Freiburg, auf Abruf). – Sturm: Alexandra Popp (Wolfsburg), Lea Schüller (Bayern), Nicole Anyomi, Laura Freigang (beide Frankfurt).

Im Wechsel-Theater des Fußballs ist alles geboten

Es wird zwar auch Fußball gespielt, im Mittelpunkt stehen im Sommer aber die Spielerwechsel, geht es doch auch für die Fans hier um die Zukunft ihres Vereins. Wird gut eingekauft? Was kann man für die neue Saison erwarten? Muss man sich Sorgen machen? Im Wechsel-Theater des Fußballs ist aber buchstäblich alles geboten, da wird gepokert, geht es einerseits lustig zu, andererseits macht mancher Abgang die Fans auch traurig. Manche Gespräche muten wie eine Schmierenkomödie an, mancher Wechsel schlägt wiederum ein wie eine Bombe. Kein richtiges Theater kann so viel Abwechslung bieten.

Das Ende des Wechsel-Theaters ist noch lange nicht in Sicht, ganz im Gegenteil, Höhepunkte werden zum Schluss im letzten Akt erwartet, besonders turbulent ist immer der letzte Tag. Manche Manager pokern bis zu letzten Minute, manche verzocken sich aber auch dabei oder schicken das Fax, das gibt es auch heute noch, nicht rechtzeitig weg. Manchmal zählt wirklich jede Minute. Es ist noch zu früh, eine Zwischenbilanz zu ziehen, aber viele Vereine sind schon fündig geworden und machen Hoffnung, andere wiederum müssen noch fleißig suchen, um eine einigermaßen konkurrenzfähige Mannschaft an den Start zu bringen. Gut dran ist, wer auf einen starken Kader zurückgreifen kann.

Zur Komödie werden aber auch viele Äußerungen der Spieler, die oft wie aus einem Lehrbuch „Wie erkläre ich meinen Wechsel“ wirken. So wiederholen sich immer wieder die Feststellungen zum neuen Verein, dass „dies ein toller Verein sei und viel vorhabe und ich möchte ein Teil davon sein“. Kaum zu glauben, wie oft die Spieler gerade zu „ihrem Wunschverein“ wechseln und „ein Traum in Erfüllung geht“. Sind die Äußerungen nicht vergessen oder man sieht mehrere Jahre zurück, hat es diese Feststellung schon einmal gegeben. Es gibt viele „Traumvereine“!

Jeder Verein sucht aber Verstärkungen. Die Bild am Sonntag hat eine Geldrangliste aufgestellt, welcher Bundesligist wie viel Geld ausgeben will. Spitzenreiter ist auch hier Bayern München, das mit 150 Millionen Euro taxiert wird, wenn denn Harry Kane aus Tottenham kommt. Doch das ist ein Wechsel, bei dem vielleicht bis zum letzten Tag gepokert wird. Viel tut sich bei RB Leipzig, das Nkunku (Chelsea, 60 Millionen Euro), Szoboszlai (Liverpool (70 Mill.), Laimer (Bayern, ablösefrei) und wahrscheinlich Gvardiol (Manchester City) ersetzen muss. Da sind 119 Millionen als Ausgabe zu verschmerzen, bisher sind u. a. Sesko, Seiwald (beide Salzburg) und Baumgartner (Hoffenheim) da, doch das reicht nicht. Dritter ist Leverkusen (100 Millionen), wo einiges noch in der Schwebe ist, Arthur (Brasilien) und Grimaldo (Benfica) wurden aber frühzeitig verpflichtet, mit der Verpflichtung von Jonas Hofmann (Gladbach) und Xhaka (Arsenal) gelang ihnen ein Coup. Die Abgänge von Diaby, Frimpong und Tah sind aber möglich, bringen Geld, bedeuten aber eine Schwächung. Schlusslichter der Rangliste sind Werder Bremen (0 – kann das wirklich sein?) und die Neulinge Darmstadt (3) und Heidenheim (4). Na ja, die Zahlen sind Spielerei, sie sollen das Wechsel-Theater unterhaltsam machen.

Fakten sind natürlich besser. Die hat Bayern München schon mal geschaffen, unabhängig von der Akte Kane. In der Abwehr wird sich entscheidendes tun, Lucas Hernandez wechselt endgültig zu Paris St. Germain, Bayern kassiert 45 Millionen und kauft dafür das „Monster“ Min-Jae Kim für 50 Millionen vom SSC Neapel. Zusammen mit dem 1,89 m großen Matthijs de Light soll der 1,90 m große Südkoreaner eine „Monster-Abwehr“ bilden. Der Fall Pavard ist noch ungeklärt, der Franzose möchte weg, Bayern ihn nicht unbedingt gehen lassen. Der Vertrag läuft 2024 aus. Auf der rechten Seite soll sich noch was tun, ob aber wirklich Kyle Walker von Manchester City kommt? Er könnte die Bayern als Druckmittel für eine Vertragsverlängerung bei City nutzen. Den besten Verkauf hat Borussia Dortmund mit Jude Bellingham gemacht, der für 103 Millionen Euro zu Real Madrid geht. So ein Geschäft haben die Bayern noch nie gemacht. selbst Torjäger Robert Lewandowski ging für 45 MIllionen zum FC Barcelona, die größte Summe wurde 2017 für Douglas Costa erzielt, für den Juventus Turin 48 Millionen zahlte.

England ohne Gegentor

Was die Spielerwechsel angeht, so hoffen Vereine und Spieler auf die perfekte Saison. Ein perfektes Turnier spielten jetzt die Junioren der U21 von England. Sie setzten sich im Finale der Europameisterschaft in Georgien und Rumänien im Endspiel gegen Spanien mit 1:0 durch und beendeten das Turnier ohne ein einziges Gegentor! Das lag vor allem auch am überragenden Torhüter James Trafford, der Held im spannenden Schlussakt war (was für ein Theater!): In der 9. Minute (!) der Nachspielzeit gab es Elfmeter für Spanien nach Videostudium. Trafford hielt aber den Schuss von Torjäger Ruiz und auch den Nachschuss! England war nach 39 Jahren erstmals wieder Europameister! Trafford war natürlich überglücklich („Ich habe als Kind schon geträumt, im Tor von England zu stehen“) und nimmt in seiner Karriere einen Umweg: Von Manchester City wechselt er für 20 Millionen Euro zu Aufsteiger FC Burnley, um mehr Spielpraxis zu erhalten (auch ein Grund für Wechsel, der sich oft nicht erfüllt). City soll sich ein Rückkaufrecht gesichert haben.

Frauen mit Problemen vor der WM

Am 20. Juli beginnt die Weltmeisterschaft der Frauen in Australien und Neuseeland, am 24. Juli, also in zwei Wochen, steht das erste deutsche Spiel gegen Marokko an. Das DFB-Team tritt am Dienstag die Reise von Frankfurt nach Sydney aber mit einem Paket an Problemen an. In der Vorbereitung klappte nicht viel, von einer Euphoriewelle wie vor einem Jahr bei der EM in England ist man weit entfernt und dazu gibt es Verletzungssorgen. Seit November gab es in sieben Spielen nur drei Siege (2:1 in den USA, 1:0 in den Niederlanden, 2:1 gegen Vietnam), aber auch drei Niederlagen, nach dem 1:2 und den USA und 1:2 gegen Brasilien jetzt 2:3 gegen Sambia zum am Abschluss der Vorbereitung. Vor allem die schnelle Stürmerin Barbra Banda, die einen zu hohen Testaronspiegel aufweist und wohl eher ein Stürmer ist, lief den deutschen Spielerinnen davon und deckte die eklatanten Schwächen in der Abwehr auf. Probleme, die an die A-Nationalmannschaft der Männer erinnern.

Dazu kamen Verletzungen zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Verteidigerin Carolin Simon fällt mit einem Kreuzbandriss ganz aus, Lena Oberdorf (muskuläre Probleme) und Marina Hegering (Fußprellung) müssen pausieren, fliegen aber mit. Die Münchnerinnen Linda Dallmann und Giulia Gwinn fallen sowieso aus. Seltsam ist, dass Deutschland mit acht Spielerinnen von Vizemeister VfL Wolfsburg begann, davon die komplette (fehlerhafte) Abwehr. Von Meister Bayern starteten nur Lina Magull und Klara Bühl. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg wagte ein letztes Experiment mit Flügelflitzerin Svenja Huth als Rechtsverteidigerin. Da wird noch nach der richtigen Lösung noch gesucht. Die Trainerin nach dem 2:3 ernüchtert: „Es fehlt Frische, es fehlt Durchschlagskraft.“ Die Spielerinnen selbst bleiben optimistisch: „Wir spielen um den Titel mit“ ist das allgemeine Motto. Das hat man aber auch von den Männern vor den letzten Turnier-Pleiten gehört. Im Gegensatz zum Männer-Team bäumten sich die Frauen gegen die Niederlage auf, glichen gegen Sambia zum 2:2 auf, ließen in der 12. Minute der Nachspielzeit aber doch noch den entscheidenden Konter zu.

Martina Voss-Tecklenburg hat am Samstag die 23 WM-Fahrerinnen nominiert, wobei Chantal Hagel (Wolfsburg) für Simon auf den WM-Flieger sprang, Janina Minge (Freiburg) fliegt zusätzlich mit, falls durch Verletzung eine Nominierungsänderung notwendig wird.

Die Fußball-Bundesliga übernimmt wieder das Kommando

Die Fans haben die Nase voll vom Rumpel-Fußball der Nationalmannschaft, vom willenlosen Sich-Ergeben der U21 bei der Europameisterschaft, sie schauen jetzt wieder lieber auf die Bundesliga und das mit großer Hoffnung auf die neue Saison, die am 18. August mit einem Rekordspiel beginnt, zum 113. Mal stehen sich dann Werder Bremen und Titelverteidiger Bayern München gegenüber. Aber schon jetzt hat die Bundesliga das Kommando im Sport wieder übernommen. Die ersten Trainingslager gehen los und die Spielerwechsel bzw. die Mutmaßungen rund um mögliche Wechsel bestimmen die Schlagzeilen.

Die Ersten im Trainingslager sind am Montag die TSG Hoffenheim und Mainz 05, Augsburg und Union Berlin ziehen am Dienstag nach, fast an jedem Tag beginnt ein anderes Team, den Schluss macht Bayern München, das seinen Spielern die längste Pause gönnt und erst am 13. Juli startet. In den Vorstandsetagen gibt es allerdings keine Ruhe, in punkto Spielerwechsel beherrscht München die Schlagzeilen, obwohl anderswo die Änderungen noch gravierender ausfallen dürften. Die Bayern sind halt ein anderes Kaliber und die alten bzw. neuen Herren Hoeneß und Rummenigge wollen wieder den Sieg in der Champions League angreifen. Da ist nur das Beste gut genug, aber auch teuer. Der Meister arbeitet an internationalen Top-Transfers, an der Spitze Torjäger Harry Kane von den Tottenham Hotspurs. Der englische Nationalspieler gilt eigentlich als Institution bei den Spurs, aber er will endlich Titel gewinnen, das ist Bayerns Chance, denn zu einem Klub der Premier League will Kane wohl nicht wechseln, denn gegen seinen Herzensverein zu spielen, das geht nicht. Angeblich sind sich die Bayern mit ihm einig, auch die Familie zieht gern nach München, doch um die Ablösesumme wird gefeilscht. 100 Millionen Euro, eine Rekordsumme für die Bundesliga, sind zu wenig. Und für das Beste steht auch Südkoreas Abwehrspieler Kim, der vom SSC Neapel losgeeist werden soll. Kim wurde zum besten Abwehrspieler der Liga A in Italien gewählt und soll Lucas Hernandez ersetzen, den es zu Paris St. Germain zieht. Der Franzose kostete einst 80 Millionen und soll jetzt das Geld einbringen, das Bayern für Kim ausgibt.

Da sind wir beim größten Problem der Vereine, die zum Teil daran verzweifeln, Spieler zu verkaufen, die sie nicht mehr wollen, andererseits sich schwer tun, Spieler zu ersetzen, die abgeworben werden. Immerhin gibt es dann meist das nötige Kleingeld, um am Markt tätig zu werden. Auffallend ist, das Dortmund eher den deutschen Markt sondiert, so soll Felix Nmecha vom VfL Wolfsburg Jude Bellingham ersetzen, die Bayern aber vor allem international tätig werden. Selbst deutschen Nationalspielern wird wohl nicht zugetraut, die Qualität zum Gewinn der Champions League mitzubringen. Stimmt die Einschätzung, dann wird Dortmund wieder nicht die größten Chancen auf den nationalen Titel haben.

Der dritte im Bunde ist der RB Leipzig, der Pokalsieger würde ja gern auch mal Meister werden. Aber jetzt muss Manager Max Eberl erst mal sehen, wie er eine konkurrenzfähige Mannschaft zusammenbringt. Bis jetzt ist nur von Abgängen einiger Leistungsträger die Rede. Torjäger Christopher Nkunku zog es zu Chelsea London, Spielmacher Dominik Szoboszlai wurde überraschend vom FC Liverpool abgeworben und Manchester City will Abwehr-Ass Josko Gvardiol holen. Mit anderen Verkäufen von ausgeliehenen Spielern könnte Eberl über 200 Millionen Euro einnehmen, doch bekommt er trotzdem diese Qualität zurück? Ähnlich umfangreich ist der Umbruch bei Borussia Mönchengladbach, der neue Trainer Gerardo Seoane muss eine neue Mannschaft aufbauen. Kapitän Stindl lässt seine Karriere in Karlsruhe ausklingen, Beyer wechselte zu Burnley, Benebaini nach Dortmund, Thuram zu Inter Mailand und sollte Kim bei den Bayern landen, hat Neapel Gladbachs Ko Itakura als Ersatz im Visier. Neuzugänge bisher sind die Talente Chiarodia (Bremen), Hack (Bielefeld), Ullrich (Hertha II) und Ranos (Bayern II). Hatten sie in Gladbach nicht wieder von Europa geträumt?

Bei den Vereinen wird sich viel tun, die Wechselfrist hat ja gerade erst begonnen und dauert bis zum 31. August. Für die 2. Bundesliga geht es bereits im Juli richtig los, am 28. Juli startet die neue Saison mit dem Schlager Hamburger SV gegen Schalke 04. Zwei Altmeister und Möchtegernaufsteiger unter sich.

Auftritt der U21 fast eine Schande

Gut, wenn die Bundesliga vom anderen Geschehen ablenkt. Der Auftritt der U21 bei der Europameisterschaft in Georgien und Rumänien war fast eine Schande. Gegen England waren beim 0:2 schnell die Weichen auf Niederlage gestellt, gegen einen Gegner, der seine besten Spieler schonte. Nach vier Minuten fiel das 0:1, bei Deutschland gab es kein Aufbäumen, kraft- und willenlos ließen die Schützlinge von Bundestrainer Antonio Di Salvo die Niederlage über sich ergehen. Damit wurde auch die Teilnahme an den Olmypischen Sommerspielen 2024 in Paris verspielt. Angesichts dieses furchtbaren Auftritts ohne Mut und ohne Herz müsste auch der Trainer sein Amt verspielt haben und keiner dieser U21-„Talente“ hat eine Zukunft im A-Team. Bitteres Urteil beim DFB: „Andere Nationen sind uns voraus“.

Wie man es besser macht, zeigte die U21 im Handball, die bei den Titelkämpfen in Deutschland sogar Weltmeister wurde und nicht nur beim 30:23-Sieg über Ungarn im Finale begeisterte. Zahlreiche Talente empfahlen sich hier für die Zukunft. Der Handball darf froh sein, der Fußball muss nach einem neuen Zukunftskonzept suchen.

Für die Frauen gilt es jetzt

Die einen trainieren für die neue Saison, die anderen stehen vor ihrem Saison-Höhepunkt. Für die Frauen-Nationalmannschaft gilt es jetzt, in Herzogenaurach hat der zweite Lehrgang begonnen, am Freitag (20.30 Uhr/ARD) gibt es das letzte Testspiel gegen Sambia in Fürth und am Samstag muss Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg ihren Kader von 23 Spielerinnen benennen, die am 11. Juli von Frankfurt nach Sydney fliegen. Einige harte Entscheidungen warten auf die Trainerin, die überraschend zusätzlich Janina Minge vom SC Freiburg zum zweiten Lehrgang geladen hat, weil sie als Ersatz für die Bayern-Spielerinnen eine gute Figur abgegeben hat. Man kann der Bundestrainerin nur eine glückliche Hand wünschen, damit die Euphorie für den Frauen-Fußball bei der WM weiter befeuert wird.

Langer der beste Senior aller Zeiten

Noch ein ganz anderes Thema, eine tolle Meldung vom Sport und von einem netten alten Herrn. Der 65jährige Golfer Bernhard Langer hat es endgültig geschafft, er ist jetzt der erfolgreichste Spieler der PGA Tour Champion, der über 50jährigen Golfer. Der Anhausener (bei Augsburg), der heute in Florida lebt, gewann die Senior US Open in SentryWorld/Wisconsin und holte damit seinen 46. PGA Titel der Senioren. Jetzt ist er alleiniger Rekordhalter vor Hale Irwin, den er mit 45 Siegen schon eingeholt hatte. Es war Langers zwölfter Senior-Major-Sieg und insgesamt hat er bei den Senioren bereits über 34 Millionen Euro an Preisgeld gewonnen. Auch sein Rekord als ältester Sieger aller Zeiten wird wohl lange Bestand haben, wenn er überhaupt einmal gebrochen wird.

Was ist nur mit dem deutschen Fußball los?

Vorweg: Der Fußball hat kein Alleinstellungsmerkmal, in keiner Beziehung. Man könnte ja auch die Frage politisch sehen: Was ist mit Deutschland los? Aber hier geht es um Sport und offensichtlich färbt die allgemeine Verunsicherung ab, der Fußball kann sich dem nicht entziehen. Die Fans aber machen sich sorgen, weil die A-Nationalmannschaft nicht allein als Sorgenkind dasteht, sondern auch der Nachwuchs in Form der U21 und das Frauen-Team nicht überzeugen konnten. Deshalb ist die Frage berechtigt: Was ist nur mit dem deutschen Fußball los?

Ausgangspunkt der schlechten Stimmung sind natürlich die Flick-Schützlinge. Die Aufarbeitung der Länderspiel-Pleiten ist noch nicht beendet und findet in der Öffentlichkeit immer wieder einen Nachhall, auch wenn es jetzt in der Sommerpause um Ranglisten und Einschätzungen geht. So wurde jetzt bekannt, dass es angesichts der schwachen Leistungen eine Krisensitzung der Spieler gab, unter denen sich eine Unzufriedenheit über den Trainer breit macht. Hansi Flick ist ein Harmoniemensch und offensichtlich kann er keinem wehtun, das muss er aber als Trainer. Da macht er aber den ersten Fehler, wenn er jeden zu Einsatzzeiten kommen lassen will, wenn er es jedem recht machen will. Flick entpuppt sich als schwache Führungspersönlichkeit.

Dass die Begeisterung für die DFB-Auswahl gesunken ist, zeigte sich auch bei der Versteigerung der Nationaltrikots aus dem Ukraine-Spiel im Internet. Gerade mal 65.000 Euro kamen als Hilfe für die Menschen in der Ukraine zusammen. Überraschend erzielte das Trikot von Goretzka den höchsten Preis, nämlich 6371 Euro, dahinter landeten Kimmich, Musiala und Füllkrug.

Besser macht es auch die U21 mit Bundestrainer Antonio Di Salvo bei der Europameisterschaft in Georgien und Rumänien nicht. Ihre ersten Bewährungsproben hat sie nicht bestanden. Ganz im Gegenteil, erstmals seit zehn Jahren steht die Mannschaft vor dem frühzeitigen Aus. Die WM in Katar lässt grüßen, das A-Team als „Vorbild“! Zur Entschuldigung kann Di Salvo anführen, dass er nicht das stärkste Team zur Verfügung hat, fast kann man von einer B-Mannschaft sprechen, wenn man daran denkt, dass auch Musiala, Wirtz und Thiaw bei der EM mitspielen könnten. Aber der Trainer hat nach dem 1:1 gegen Israel und dem 1:2 gegen Tschechien noch ganz andere Sorgen. Als Moukoko und Ngankam gegen Israel zwei Elfmeter verschossen, brach ein Shitstorm voller Hass und rassistischen Beleidigungen im Internet über die Spieler herein. Eine Tatsache, die vor allem junge Spieler keineswegs verkraften können. Youssoufa Moukoko machte die Hass-Mails öffentlich und klagt: „Wenn wir gewinnen, sind wir alle Deutsche. Wenn wir verlieren, sind wir die Schwarzen.“

Die moralische Aufarbeitung ist eine Sache für Psychologen, die rechtliche Aufarbeitung eine Sache der Justiz, nicht des Sports. Der Verband ist angehalten, mit allen Möglichkeiten und aller Härte gegen Beleidigungen aller Art, vor allem aber gegen rassistische Äußerungen vorzugehen. Der DFB hat eine Klage bei Wiederholung angekündigt, darauf darf er nicht warten. Hass und Chaos macht sich im Fußball breit, die beliebte Sportart wird als Bühne für Gewalt und Beleidigungen benutzt, das muss ein Ende haben und mit allen Mitteln eingedämmt werden.

Aber auch sportlich konnte das nicht gefallen, was die Junioren in den ersten zwei Spielen zeigten. Was im A-Team zu bemängeln war, zeigte sich auch hier, die mangelnde Chancenverwertung. Begeisterung und der absolute Siegeswillen fehlten. Gegen Tschechien hatte die Mannschaft 70 Prozent Ballbesitz und ein überragendes Plus an Torchancen, doch der Ertrag blieb aus. Ein altes Leiden: Torjäger dringend gesucht. Die Tschechen konterten die Deutschen aus, das kennen wir auch vom A-Team. Es scheint, dass wir diesbezüglich keine Hoffnung für die Zukunft haben dürfen. Gibt es noch Hoffnung für das Turnier? Nur vage, das DFB-Team müsste am Mittwoch EM-Favorit England, mit zwei 2:0-Siegen gestartet, schlagen und gleichzeitig auf Schützenhilfe von Israel hoffen und am Ende auch noch auf die bessere Tordifferenz. Hoffen darf man aber.

Dämpfer für die Frauen

Die deutschen Frauen haben im letzten Jahr bei der Europameisterschaft in England eine Euphoriewelle ausgelöst und sind damit die Ausnahme im DFB. Jetzt aber gilt es, auf dieser Welle weiter zu reiten und da haben die Mädchen zum Start der WM-Vorbereitung einen Dämpfer erhalten. Gegen Vietnam gab es gerade mal einen 2:1-Sieg und es klappte nur wenig. „Die Basics fehlten“, moserte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, die freilich noch auf die Spielerinnen von Meister München und den meisten aus Wolfsburg verzichtete. Die zweite Garde konnte sich also nicht empfehlen. Nobody Vietnam zog sich achtbar aus Affäre. Torschützinnen waren Paulina Krumbiegel und Jana Minge, allein Nicole Anyomi machte vermehrt auf sich aufmerksam. Ein bisschen Bangen ist also da, ob die Frauen auch bei der am 20. Juli beginnenden WM in Australien und Neuseeland wieder die Begeisterung wie in England aufbringen bzw. entfachen können. Aber es ist der Anfang, der zweite Lehrgang beginnt am 1. Juli und am 7. Juli gibt es das zweite Testspiel um 20.30 Uhr in Fürth. Dann wohl mit der WM-Mannschaft. Martin Voss-Tecklenburg macht aber zumindest den Eindruck, dass sie sich eher als Hansi Flick durchsetzen kann und harte Entscheidungen nicht scheut. Der Lehrgangskader muss noch reduziert werden.

Sind dies gute oder schlechte Nachrichten für die Frauen? Vom DFB werden sie keine WM-Prämien erhalten, die kommen allein vom Weltverband. Die FIFA stockt das WM-Budget für die Mannschaft von 30 Millionen auf 110 Millionen Dollar auf, jede Spielerin erhält 30.000 Dollar Startgeld und für den WM-Titel werden an jede Spielerin 270.000 Dollar ausgezahlt. Das ist für Frauen eine beachtliche Steigerung, wenn man bedenkt, dass der DFB bei der letzten WM für den Titel gerade mal 75.000 Euro gezahlt hätte. Aber insgesamt ist es dennoch wenig, denn bei der WM der Männer in Katar schüttete die FIFA 410 Millionen Dollar an die Mannschaften aus. Von der gleichen Bezahlung sind die Frauen also noch ein gutes Stück entfernt, aber sie finden Beachtung und sind immerhin auf einem guten Weg.

Noch eine gute Nachricht vom deutschen Fußball. Am Freitag haben sich DFB und DFL auf einen neuen Grundlagenvertrag, der ab Juli bis zum Jahr 2029 laufen soll, verschiedene Gremien beider Verbände müssen noch zustimmen. Der Vertrag regelt die Pflichten und Rechte sowie die Geldströme. Der durch Misswirtschaft finanziell klamme DFB erhält mehr Geld, konnte aber seine zu hohen Forderungen nicht durchsetzen. Die Amateure drängen auf mehr Unterstützung, der Profifußball verweist im Gegenzug darauf, dass er bei weniger Einnahmen international abgehängt werden könnte.

Eine Bilanz des Grauens für den DFB und Hansi Flick

Hoffnungsvoll gingen Bundestrainer Hansi Flick, Spieler und Fans in die Länderspiel-Trilogie der letzten Tage. Am Ende gab es jedoch nur Hoffnungslosigkeit rund um die Fußball-Nationalmannschaft. Verband und Team können am Ende der Saison 22/23 nur eine Bilanz des Grauens ziehen. Da die finanziellen und personellen Probleme, die den Verband an den Rand des Absturzes bringen, dort die sportliche Pleite, ebenfalls fast ein Absturz des vierfachen Weltmeisters. Werbung für die Europameisterschaft 2024 in Deutschland war das nicht. Es sieht allerdings ganz danach aus, dass es keine personellen Veränderungen gibt, um die Wende zu schaffen. Dies gilt vor allem für Flick und das Trainerteam. Beim 0:2 gegen Kolumbien wirkten Hansi Flick und sein Assistent Marcus Sorg zum Beispiel wie die Ratlosigkeit in Person.

Das Länderspieljahr 22/23 war die reinste Katastrophe, „gekrönt“ von dem frühzeitigen Ausscheiden bei der umstrittenen Weltmeisterschaft in Katar. Insgesamt gab es in elf Länderspielen nur drei Siege, fünf Niederlagen und drei Unentschieden. Die Erfolge gelangen nur gegen zweitklassige Teams, ohne dem Oman (1:0), Costa Rica (4:2) und Peru (2:0) wehtun zu wollen. Das Spiel gegen Peru war 2023 der Start in die EM-Vorbereitung, der Bundestrainer kündigte Experimente an, wollte eine Sichtung der Kandidaten und für bessere Stimmung für den Fußball im Land sorgen. Statt Jubel gab es Pfiffe, statt Zustimmung gibt es Zweifel am Trainer, ob er der Aufgabe überhaupt gewachsen ist. Seine Fehler häufen sich, seine ständige Zukunftsprognose, dass ab sofort alles besser wird, mutierte zur Lachnummer. Flicks Job ist dennoch sicher, beteuern unisono DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Sportdirektor Rudi Völler, der dafür den Spielern die Qualität abspricht. Eine Qualität, welche die Aktiven in ihren Vereinen aber zeigen. Eine Entlassung kann sich der DFB aber finanziell gar nicht leisten. „Augen zu und durch – durch das Schlamassel“ ist wohl die Losung.

Es ist aber auch schwierig, einen Ersatz für Hansi Flick zu finden. Von den Spitzentrainern ist gerade mal Julian Nagelsmann frei, doch der ist bei diversen Spitzenvereinen im Gespräch und fühlt sich für diese Aufgabe noch zu jung. Die erfolgreichen Trainer Stefan Kuntz (Türkei) und Ralf Rangnick (Österreich) fanden als Nachfolger von Jogi Löw keine Zustimmung. So ist es jetzt die Stunde der TV-Experten, Didi Hamann schlägt sogar Weltstar Zinedine Zidane vor. Als beste Lösung sieht sich wohl Lothar Matthäus, der immer alles besser weiß. Na ja, das ist Satire.

In Wirklichkeit heißt es also, weiter mit Hansi Flick, der Glanz des Triples mit Bayern ist bei dem 58-Jährigen verblasst. Er will Entschlossenheit zeigen und sagt „ich werde kompromisslos meinen Weg gehen“. Im September geht es weiter, am 9. September ist in Wolfsburg der vierfache Asienmeister Japan der Gegner, der Deutschland bei der WM in Katar beim 1:2 ins Dilemma stürzte. Danach folgt am 12. September in Dortmund mit Frankreich ein dicker Brocken. Fast schon die Spiele der Wahrheit, denn dann soll wirklich die ernste EM-Vorbereitung beginnen. „Wir werden versuchen, einen Stamm von 12 bis 14 Spielern zu benennen, die auch wissen, wo sie spielen sollen. Das wird den Spielern einen Tick mehr Selbstvertrauen geben,“ schaut der Trainer in die Zukunft. Diese Menge an guten Spielern haben wir zuletzt nicht gesehen, Gewinner waren eher die abwesenden Manuel Neuer, Thomas Müller, Serge Gnabry, Niklas Süle und Timo Werner. Einziger Gewinner im Kader der Ex-Schalker Malick Thiaw.

Aber sie werden nicht die Heilsbringer sein können, wichtiger ist, dass Flick seine Fehler abstellt, dass er ein System findet, dass der Mannschaft liegt. Die Dreier-Kette war eine Pleite, die Spieler wollen die Vierer-Kette. Auch die Experimente schmeckten den Akteuren nicht, so setzte er Ilkay Gündogan nicht so ein, wie es Pep Guardiola bei Manchester City tut. Bezeichnend auch sein Umgang mit dem Stuttgarter Talent Josha Vagnoman. Als er nicht in Form war, wurde er nominiert („Talente sollen eine Chance bekommen“), als er in Form war, hörte er von Flick nichts. Der Bremer Niklas Füllkrug beeindruckte zuletzt mit Toren, doch er erhielt kaum das Vertrauen, kam meist nur als Joker. Eine Bilanz des Grauens also nicht ohne Grund.

Auch die Bilanz des Länderspieljahres sagt einiges aus. Die meisten Spiele machte Joshua Kimmich, nämlich elf (856 Minuten). Auf neun Spiele kommen David Raum, Leon Goretzka, Kai Havertz und Niklas Füllkrug. Raum und Goretzka waren zuletzt vollkommen von der Rolle, Flick sah das nicht. Die meisten Tore (7) schoss Niklas Füllkrug vor Havertz (5). Der Bremer steuerte noch eine Vorlage zu einem Tor bei, war Skorerkönig zusammen mit Havertz (5+3), hatte aber wesentlich weniger Spielminuten (381, Raum 670, Havertz 590, Goretzka 442). Auch Sané bekam 561 Spielminuten in acht Begegnungen, enttäuschte aber meist. Flick hielt an ihm fest. Jetzt darf man auf die Konsequenzen für September gespannt sein, wenn das Trainerteam über die Bücher geht.

Nationalteam als Problemfall: Jetzt gehen auch die Fans

Was haben die deutsche Wirtschaft und die Fußball-Nationalmannschaft gemeinsam? Von einem Aufschwung ist nichts zu sehen. Wenn die Wirtschaft schwächelt, dann trifft das uns alle, wenn die Nationalmannschaft schwächelt, dann wird geschimpft, danach mit den Schultern gezuckt und am Ende interessiert es nur noch am Rande. Die Nationalmannschaft als Problemfall. Für Besserung soll der Bundestrainer sorgen, doch Hansi Flick wirkt ratlos. Dabei ist seine Aufgabe klar. Jetzt geht es nicht mehr nur um die Leistung, um ein Stück Hoffnung, jetzt hat auch der Kampf um die Fans begonnen. Die wenden sich ab. Die Einschaltquoten im Fernsehen sind im Keller, nur 400 Fußball-Begeisterte begleiteten die Nationalmannschaft nach Warschau und sahen eine 0:1-Niederlage gegen Polen. Für das Spiel gegen Kolumbien am Dienstag in Gelsenkirchen sind gerade mal 35.000 Karten verkauft. Das Interesse sinkt, Hansi Flick weiß sich nur mit Durchhalteparolen zu helfen. Der Bundestrainer muss aber handeln, der Nationalmannschaft wieder ein Gesicht geben, die Rotation im großen Stil abschaffen.

Der nächste Gegner könnte ja Hoffnung geben, gegen Kolumbien ist Deutschland noch ungeschlagen, die Südamerikaner treten auch nicht mit der stärksten Mannschaft an, haben eine Mischung aus Routiniers und Talenten. Und was hat Flick? Endlich ist die Zeit für Ilkay Gündogan gekommen, der sich nach dem Champions-League-Finale und den anstrengenden Feiern ausruhen durfte. Der Kapitän von Manchester City könnte ein Hoffnungsträger sein, wenn er von Flick so viel Vertrauen bekommen würde wie von seinem Vereinstrainer Pep Guardiola. Doch das war bisher nicht der Fall, Gündogan eher ein Mitläufer. Dabei könnte Flick von Pep durchaus lernen. Aber als die Sprache auf Gündogan kam und auf die Rolle des Leaders lobte Flick lieber Joshua Kimmich, der aber über ehrgeizig scheint und an seinen eigenen übersteigerten Erwartungen offensichtlich scheitert.

Gündogan feiert sein quasi Comeback ausgerechnet in seiner Geburtsstadt Gelsenkirchen und auch ein anderer freut sich auf Gelsenkirchen: Malick Thiaw, Talent von Schalke 04, heute beim AC Mailand, beeindruckte gegen Polen und müsste sich eigentlich in die Mannschaft gespielt haben, er hat die fehlerhaften Kehrer, Schlotterbeck und Ginter in den Schatten gestellt. An der Dreierkette wird der Bundestrainer festhalten, doch er muss endlich eine Mannschaft präsentieren, die als EM-Team in Frage käme. Die Stimmung ist im Keller, nur Siege können für eine Wende und mehr Ruhe in der Sommerpause sorgen. Ausflüchte können wir nicht mehr hören. Jede weitere Enttäuschung bringt den Stuhl von Hansi Flick mehr ins Wackeln, trotz aller Rückenstärkung durch Rudi Völler. Oder hoffen wir überhaupt vergebens, weil die Klasse fehlt? Die Fachzeitung kicker stuft in ihrer neuesten Rangliste keinen einzigen Bundesligaspieler in die Kategorie „Weltklasse“ ein!

U21 als Hoffnungsträger

Vielleicht gibt es für Deutschland dennoch eine gute Zukunft, die U21 startet am Donnerstag gegen Israel ins Finalturnier der Europameisterschaft in Georgien und Rumänien. Tschechien (Sonntag) und England (Mittwoch, 28. Juni) sind die weiteren Gruppengegner. Die jungen Kerle würden zu gern in die Fußstapfen der Vorgänger treten, die 2021 den Titel holten. Allerdings hat Bundestrainer Antonio Di Salvo, damals noch Assistent von Stefan Kuntz und seitdem selbst in der Führungsrolle, mit zahlreichen Ausfällen zu kämpfen. Zuletzt erwischte es im Trainingslager in Prad/Südtirol auch noch Ansgar Knauff von Eintracht Frankfurt. Nachnominiert wurde der Hoffenheimer Finn Ole Becker, der gerade im 50 km entfernten Meran Urlaub machte. Deutschland sieht sich selbst als Mitfavorit, hat aber eine relativ unerfahrene Mannschaft, diesbezüglich hat die Hälfte des Teilnehmerfeldes bessere Voraussetzungen, an der Spitze die Favoriten Frankreich und Niederlande sowie Belgien.

Die Krise um das A-Team könnte auch die U21 belasten, wenn sie nicht erfolgreich ist. Andererseits könnte die U21 mit Erfolgen für Sonnenstrahlen sorgen. Diesbezüglich ist der Rucksack für die jungen Kerle vielleicht sogar zu schwer.

Modric geht wieder leer aus

Bezeichnend, auch in der noch jungen Nations League war Deutschland bisher nicht erfolgreich. Das Finale bestritten am Sonntag in Rotterdam Kroatien und Spanien. Beide Teams waren voller Hoffnung, für sie wurde die Nations League zu einem wichtigen Turnier. Eine Enttäuschung erlebte vor allem Kroatiens Kapitän Luka Modric, denn ein glanzvolles Ende seiner Karriere blieb ihm versagt, Spanien siegte nach dem 0:0 nach Verlängerung im Elfmeterschießen, Modric blieb damit ohne Titelgewinn mit dem Nationalteam. Kroatien war schon oft nah dran, konnte aber noch nie einen Titel holen.

Spanien war glücklicher, weil Torhüter Unai Simon zwei Elfmeter halten konnte. So gewann Spanien erstmals nach der Europameisterschaft 2012 wieder ein großes Turnier. Damit feierte der neue Coach Luis de la Fuente, zuletzt bei der U19 und U21, einen tollen Einstand. Entgegen seiner bisherigen Aufgabe setzte im Finalturnier auf eine „Ü30-Auswahl“. Sein Vorgänger Luis Enrique ist übrigens als neuer Trainer bei Paris St. Germain im Gespräch, Julian Nagelsmann wird es jedenfalls nicht.

Das Gegenstück zu Europa gewann in Amerika die USA mit einem 2:0-Sieg im Finale über Kanada. Hier konnte die Bundesliga glänzen, Giovanni Reyna von Borussia Dortmund war er der Matchwinner, er gab die Vorlagen zu beiden Toren. Der Ex-Bayernspieler und Ex-Hoffenheimer Chris Richards sorgte für das 1:0 nach Ecke von Reyna. Bayern-Spieler Alphonso Davies kurbelte Kanadas Spiel vergebens an.

Es wird Ernst für die Frauen

Der Countdown für die Weltmeisterschaft beginnt. Am Dienstag trifft sich die Frauen-Nationalmannschaft zum ersten Trainingslager für die WM in Australien und Neuseeland. In zwei Lehrgängen in Herzogenaurach will man sich den letzten Schliff für das Turnier holen. Auch bei den Frauen ging es nicht ohne Ärger ab, die fünf Bayern-Spielerinnen kommen verspätet erst am Freitag, der Verein hielt länger Urlaub für notwendig. Dieser Rückstand sollte aber aufzuholen sein. Am Samstag (18.15 Uhr) gibt es in Offenbach das erste Testspiel gegen Vietnam, am 7. Juli folgt in Fürth gegen Sambia der zweite Test im Rahmen des zweiten Trainingslagers vom 1. bis 8. Juli. Dann wird Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg den endgültigen Kader benennen, am 11. oder 12. Juli folgt der Flug nach Australien. Das erste Gruppenspiel ist am 24. Juli um 10.30 Uhr MESZ gegen Marokko. ARD und ZDF übertragen doch alle deutschen WM-Spielen, der TV-Streit mit der FIFA wurde beendet. FIFA-Präsident Gianni Infantino hat sich einmal mehr blamiert.

Gute Nachricht für die Frauen-Bundesligen: Der Hamburger SV und Borussia Mönchengladbach haben den Aufstieg in die 2. Bundesliga geschafft. Es rücken also immer mehr prominente Namen in den Mittelpunkt, nachdem RB Leipzig und der 1. FC Nürnberg den Sprung ins Oberhaus geschafft hatten. Der Boom des Frauen-Fußballs in Deutschland hat in der Bundesliga voll durchgeschlagen, der Zuschauerschnitt stieg von 804 auf 2723! Insgesamt passierten 359 428 Fans die Stadiontore, der 1. FC Köln stellte mit 38356 Zuschauern gegen Eintracht Frankfurt einen neuen Rekord auf! Von einem Boom können die Männer nur träumen.

Hansi Flick in Not, EM-Pleite droht – Pep am Ziel, er feiert viel

Es hat schon einen bestimmten Grund, dass sich der Sport-Grantler erst am Mittwoch mit einem Kommentar zur Nationalmannschaft meldet: Genau heute in einem Jahr, am 14. Juni 2024, beginnt die Fußball-Europameisterschaft in Deutschland. Die 51 Partien werden in zehn Stadien ausgetragen, München sieht u. a. das Eröffnungsspiel, Berlin u. a. am 14. Juli das Finale, gespielt wird außerdem in Gelsenkirchen, Dortmund, Hamburg, Köln, Düsseldorf, Leipzig, Frankfurt und Stuttgart. Der DFB träumt davon, dass die EM eine ähnliche gelungene Veranstaltung wird wie die Weltmeisterschaft 2006, die als Sommermärchen alle begeisterte. DFB-Präsident Bernd Neuendorf verspricht, „wir werden gute Gastgeber sein, uns als sympathisches, herzliches und offenes Land präsentieren“. Damit Begeisterung entsteht, braucht es nicht nur viel Sonnenschein wie 2006, sondern auch eine Mannschaft, die Begeisterung wecken kann. Doch danach sieht es derzeit nicht gerade aus.

Alle Hoffnungen ruhten auf Hansi Flick als Bundestrainer, weil er Bayern München fulminant zum Triple-Gewinn führte. Ein Supermann also? Das zeigt er als Coach der Nationalmannschaft nicht, Hansi Flick ist nach dem fehlerbehafteten 3:3 gegen die Ukraine eher in Not, eine EM-Pleite droht. Im 1000. Länderspiel half der DFB der Ukraine, die Einnahmen gingen an das vom Krieg gebeutelte Land (sogar die Schiedsrichter aus Griechenland verzichteten auf ein Honorar), doch wer hilft der DFB-Elf?

Unter Hansi Flick ist die Nationalmannschaft bisher keinen Schritt weitergekommen. In den letzten 14 Länderspielen gab es nur vier Siege, dafür 21 Gegentore – in 14 Spielen! Typisches Beispiel dieses 3:3 gegen die Ukraine, nach einer 1:0-Führung durch Füllkrug Fehler über Fehler in der Abwehr, das Team ausgekontert zum 1:3, nach Fehlpässen von Julian Brandt und David Raum bei Angriffsbemühungen und einem schlampigen Pass von Brandt, den Matthias Ginter nicht unter Kontrolle brachte. Danach stellte Flick vom Versuch der Dreier-Kette auf Vierer-Kette um. Einziges positives Merkmal ein fulminanter Schlussspurt durch Tore von Kai Havertz und Joshua Kimmich mit Elfmeter, zwei ziemlich glückliche Treffer. Glücklich war nach dem 3:3 auf deutscher Seite niemand. Wertschätzung aber für die Ukraine, welche Leistung unter dieser psychischen Belastung mit dem Chaos in der Heimat. Die Ukraine will jetzt auch in der EM-Qualifikation bestehen und 2024 wieder in Deutschland antreten.

Für Flick stehen viele Fragen an, aber Antworten gibt er keine. Warum greift er formschwache Spieler zurück (Raum, Goretzka, Sané), lässt aber die Talente Musial und Wirtz zunächst auf der Bank? Mit ihnen kam der Umschwung, sie müssen internationale Erfahrung sammeln. Lächerlich, den eher defensivschwachen Leon Goretzka als Sechser zu bringen und Emre Can nicht zu testen. Jetzt dürfen wir gespannt sein, welche Rolle Champions-League-Sieger Ilkay Gündogan bekommt. Er sollte eher eine Führungsrolle einnehmen als Kimmich, der damit überfordert ist. Flick muss über seinen Schatten springen und einigen seiner Lieblingsspieler weh tun. Weitere Pleiten am Freitag in Warschau gegen Polen und am Dienstag in Gelsenkirchen gegen Kolumbien würden sogar Flicks Position in Gefahr bringen, auch wenn sein Mentor Rudi Völler abwiegelt, „jetzt kann noch nicht alles stimmen“. Jeder verweist auf 2006, als Jürgen Klinsmann sogar vor den Bundestag zitiert werden sollte, zum Rapport nach einer 1:4-Niederlage in Italien. Ein gutes WM-Abschneiden lag allen am Herzen. Am Ende wurde es bekanntlich der dritte Platz. Das wäre nach Stand der Dinge für diese DFB-Elf fast ein Wunder.

Die deutsche Mannschaft bestreitet bekanntlich vor der EM als schon qualifizierter Gastgeber nur Freundschaftsspiele, alle anderen Nationen kämpfen um einen der begehrten Plätze. Als Deutschland B kann man fast Österreich bezeichnen, denn Trainer Ralf Rangnick hat gleich elf Spieler aus der Bundesliga verpflichtet. Hohe Hürden stehen bevor, am Samstag ist Belgien der Gegner, am Dienstag Schweden.

Gleichzeitig läuft in dieser Woche das Finalturnier der Nations League in den Niederlanden. Der Gastgeber bekommt es am Mittwoch mit Kroatien zu tun, am Donnerstag stehen sich Italien und Spanien gegenüber, das Finale ist am Sonntag, Deutschland hatte sich bekanntlich nicht qualifiziert.

Jubel und Angst in Manchester

61 Pflichtspiele absolvierte Manchester City in dieser Saison, die erfolgreich war wie nie, am Ende stand das Triple mit Meisterschaft, FA-Cup und Gewinn der Champions League. Vor allem Trainer Pep Guardiola war endlich am Ziel, nach sieben Jahren vergeblichen Anrennens. Erleichtert auch die Scheichs aus Abu Dhabi, die seit der Übernahme des Vereins vor 15 Jahren etwa drei Milliarden Euro in das Projekt gebuttert haben. Entsprechend wurde gefeiert, am Montag in der Stadt mit den Fans, da ließ man sich auch von strömenden Regen nicht abhalten. Guardiola tanzte mit Kapitän Gündogan auf dem offenen Bus. Als erst fünfter Trainer gewann er die Champions League mit zwei Vereinen, 2009 und 2011 mit dem FC Barcelona und jetzt mit City. Carlo Ancelotti hat ihm noch einen Sieg voraus, holte den Henkelpott 2014 und 2022 mit Real Madrid, sowie 2003 und 2007 mit dem AC Mailand. Jupp Heynckes (1998 mit Real Madrid, 2013 mit Bayern München), José Mourinho (2004 mit dem FC Porto, 2010 mit Inter Mailand) und Ottmar Hitzfeld (1997 mit Borussia Dortmund und 2001 mit Bayern München) ergänzen diesen illustren Kreis.

Dabei machten die Pep-Schützlinge ausgerechnet im Finale eines ihrer schwächsten Spiele und hatte am Ende beim 1:0 gegen Inter Mailand viel Glück und einen starken Torhüter Ederson. Dabei schienen die Vorzeichen wieder schlecht zu sein, denn ausgerechnet der Kopf der Mannschaft, Kevin de Bruyne, musste wie im verlorenen Finale 2021 gegen Chelsea London (Tor Kai Havertz) vorzeitig verletzt vom Platz. Und Torjäger Erling Haaland sah man überhaupt nicht. Dafür sprang der Spanier Rodrigo in die Bresche, der Mittelfeldstar erzielte wieder einmal das den Sieg bringende Tor. Ausgerechnet in diesem Finale feierte somit Pep Guardiola seinen 300. Sieg mit City und das in nur 413 Spielen. Er wurde damit seinem Ruf als Bessermacher gerecht.

Pep und seine Mannen feierten viel, doch in Manchester geht die Angst um. Nach Untersuchungen der UEFA ist nun die Premier League dran, die Geldflüsse von Abu Dhabi für den Verein in etwa 100 Fällen zu untersuchen. Hat der Triple-Gewinner schuldhaft und schwerwiegend gegen Bestimmungen verstoßen? Die Verfehlungen verjähren in der Premier League nicht, City hat eine Armada von hochkarätigen Rechtsanwälten aufgeboten, es drohen Geldstrafen, Punktabzüge oder sogar Sperre und der Verlust aller Titel. Der Trainer hatte vor ein paar Jahren seinen Vertrag nur deshalb bis 2025 verlängert, weil ihm die Bosse versicherten, dass er ohne Angst arbeiten könne. Es wäre der Hammer, wenn ein bitteres Ende folgen würde.