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Die Frauen besiegen die Nagelsmänner

Wer hätte das gedacht: Die Rekordzahl von 57.762 Zuschauern besuchten am Samstag das Spiel Bayern München gegen Bayer Leverkusen in der Allianz Arena, nur 43.169 waren es am Sonntag in Köln bei der WM-Qualifikation von Deutschland gegen Nordirland. Ein Zeichen? Für Fans und Spielerinnen war der Bundesliga-Auftakt in München übereinstimmend ein besonderes Erlebnis, davon redete in Köln niemand. Die Frauen besiegten also die Nagelsmänner. Immerhin, der 3:1-Erfolg der DFB-Elf beendete eine Niederlagenserie, war Balsam für die geschundene Seele nach der 0:2-Pleite in der Slowakei. Da lag das Nagelsmann-Team in Trümmern.

Nach Niederlagen gegen Portugal, Frankreich und die Slowakei hieß es am Sonntag „Auferstanden aus Ruinen“. Es war eine schier unsägliche Leistung in Bratislava und die verdiente Klatsche. Sicher, ein paar aus dem Stammkader wie Musiala, Havertz, Kleindienst, Füllkrug und Schlotterbeck haben gefehlt, aber so eine Nichtleistung ohne Willen und Kampf darf es nicht geben, das bringt auch den Bundestrainer in Schwierigkeiten. Die direkte WM-Qualifikation gerät damit in Gefahr, wenn die Slowakei weiterhin ihre Spiele gewinnt und so viel Glück wie am Sonntag in Luxemburg hat, mit dem entscheidenden 1:0 in der 90. Minute. Deutschland muss alles gewinnen, damit es am 17. November zum Schluss in Leipzig wenigstens ein Endspiel gibt. Übrigens es zählt bei Punktgleichheit nicht der direkte Vergleich, sondern die Tordifferenz aus allen Spielen. Da sollte es am 10. Oktober beim Spiel gegen Luxemburg in Sinsheim treffsichere Spieler geben und keinen lustlosen Auftritt.

In Köln gab es bei Weitem noch keine Wiedergutmachung, vom Weltmeistertitel braucht keiner mehr zu reden, durch die Niederlage in der Slowakei ist auch der Platz als Gruppenkopf bei der WM-Auslosung am 5. Dezember in Gefahr. Beim 3:1 gegen Nordirland bot die Mannschaft keine Leistung, die Hoffnung macht. Ein Zeichen, dass das Stadion in Köln nicht ausverkauft war, die Fans kritisierten aber auch die hohen Preise. Sie sahen, dass die Abwehr ein einziger Unsicherheitsfaktor ist, vor allem Antonio Rüdiger hat einen Stammplatz nicht mehr verdient, stand in Bratislava neben sich und leitete ursächlich den Gegentreffer in Köln mit einem Fehler ein. Unnötig kassierte er zudem seine zweite Gelbe Karte, ist also gesperrt. Das ist keine Schwächung derzeit. Kollege Jonathan Tah war allerdings auch nicht wesentlich besser. Die Hintermänner Anton und Koch genießen nicht unbedingt das große Vertrauen, den besten Eindruck hinterließ zuletzt Nico Schlotterbeck. Erschreckend in der Slowakei zudem die Millionen-Transfers Florian Wirtz und Nick Woltemade, wobei Wirtz in Köln besser wirkte und mit seinem schönen Freistoßtor den Sieg sicherte. Woltemade stand eher neben sich und ist kein Torjäger.

Der September-Termin ist nicht glücklich, die Spieler sind nach der (diesmal zu kurzen) Sommerpause noch nicht richtig in Form, zum Teil haben sie gedanklich teilweise mit ihren Transfers und der neuen Umgebung zu kämpfen. Das sah man vor allem Wirtz und Woltemade an, die eine millionenschwere Last mit sich trugen. Das sollte nach Luxemburg auch beim Rückspiel am 13. Oktober in Nordirland und der letzten Periode gegen Luxemburg am 14. November und im „Endspiel“ (?) am 17.11. gegen die Slowakei anders ausschauen. Jamal Musiala wird allerdings auch da noch fehlen. Immerhin reagierte Nagelsmann am Sonntag mit seinen Auswechslungen richtig, vor allem Nadiem Amiri brachte Schwung in den Laden und leitete mit seinem Treffer zum 2:1 den Sieg ein. Daneben konnte sich auch Jamie Leweling empfehlen.

Leverkusen holt Kasper Hjulmand

Das schwache Auftreten des Nationalteams hat auch seine guten Seiten: Jetzt freuen sich die Fußballfans viel mehr wieder auf die Bundesliga, die vor der nächsten Länderspielperiode vier Spieltage absolviert. Diese Periode beginnt mit einem Schlagerspiel mit Eintracht Frankfurt und endet so. Am Freitag gastiert die Eintracht, die ja als erster Konkurrent von Meister Bayern gesehen wird, in Leverkusen, am 6. Spieltag erwartet sie eben diese Bayern. Da darf man sich doch wirklich freuen…

Frankfurt wird allerdings auf eine neue Bayer-Mannschaft treffen. Am Montag wurde bekannt, dass die Leverkusener einen Nachfolger für den entlassenen Trainer Erik ten Hag gefunden haben, es ist ein alter Bekanter aus der Bundesliga, Kasper Hjulmad. Der 53-jährige Däne hatte 2013/14 ein etwas unglückliches Debüt bei Mainz 05. Es heißt, er wäre jetzt ein anderer Trainer und war zuletzt vier Jahre lang erfolgreicher Coach der Nationalmannschaft Dänemarks. Höhepunkt war der überraschende Halbfinaleinzug bei der EM 2021. Hjulmand gilt als Fußballdenker mit vielen Ideen. Ist er der richtige Nachfolger des beliebten Xabi Alonso? Es kann nur besser werden, bisher hat Bayer gerade mal einen Punkt geholt.

Drei Mannschaften sind noch ungeschlagen, an der Spitze liegt Bayern, das am Samstag (18.30 Uhr) gegen Aufsteiger Hamburger SV sein Tor- und Punktekonto verbessern will. Doch Vorsicht, der HSV hat sich offensichtlich wirkungsvoll in der Pause verstärkt. Ohne Punktverlust ist auch der 1. FC Köln noch. Ob das in Wolfsburg so bleibt? Am Tabellenende warten Freiburg und Heidenheim auf ihren ersten Punktgewinn, beide haben zwar Heimspiele, aber da könnte sich Freiburg im Landesderby gegen den VfB Stuttgart ebenso schwer tun, wie Heidenheim gegen Dortmund.

Spektakulärer Start der Frauen-Bundesliga

Besser und attraktiver hätte der Start der Frauen-Bundesliga in die neue Saison nicht sein können. Mit 57.762 Zuschauer in München ein neuer deutscher Rekord, dazu überraschende Ergebnisse und jeweils über 11.000 Zuschauer in Hamburg und Berlin, wo die Fans auch auf ihre Kosten kamen. In München tat sich der Titelverteidiger beim 2:0 gegen Leverkusen zunächst schwer, der neue Trainer José Barcala ließ einige Stars (teils noch nicht ganz fit) auf der Bank und Bayer mit Neuzugang Carlotta Wamser leistete heftig Gegenwehr. Zur Pause kam dann Klara Bühl aufs Feld und wurde zur Matchwinnerin, ihre Ecke köpfte Vanessa Gilles zum 1:0 ein und eine Minute später traf Bühl selbst. Auch die Münchnerinnen waren anfangs angesichts der ungewohnten Kulisse in der Allianz Arena wohl nervös, dann aber waren alle von der Stimmung begeistert. So schwärmte auch die Kanadierin Gilles, die von Olympique Lyon kam, „so etwas habe ich noch nie erlebt“. So ging es allen Spielerinnen. Das Dilemma der Bayern: Die Allianz Arena ist zu groß (erst 25.000 Zuschauer decken die Kosten), das Stadion im Campus mit 2500 Zuschauern ist zu klein. Bayerns Frauen-Direktorin Bianca Rech hat einen Traum: „Ein Stadion für 10.000 Zuschauer.“

Die Neulinge sorgten gleich für Aufmerksamkeit und blieben ungeschlagen. Union und Nürnberg trennten sich im direkten Duell mit 1:1, der Hamburger SV aber überraschte gegen den VfL Wolfsburg. Der Favorit führte bereits mit 3:1, ehe die HSV-Damen noch zum Ausgleich kamen. Brunnthaler traf in der 81. Minute und Stoldt verwandelte in Minute 90.+8 einen Freistoß direkt, wobei der Ball in Zeitlupe über die Linie trudelte. Oder war er gar nicht drin? Wolfsburgs neue Torhüterin Stina Johannes beteuert, „er war noch auf der Linie“, das Schiedsrichterinnen-Trio sah aber den Ball über der Linie. Einen VAR gibt es nicht, die ganze technische Einrichtung ist für die Frauen-BL noch zu teuer. Wie es so ist im Leben, hat man den VAR, steht er in der Kritik, hat man keinen VAR, sehnt man sich danach. Jetzt hoffen die Fans auf weiteres Spektakel, möglich bei Leipzig gegen Bayern oder im Derby Hoffenheim gegen Frankfurt, das nach einem 5:0 gegen Köln erster Tabellenführer ist. Wie bei den Männern, so könnte es auch bei den Frauen an der Spitze zu einem Zweikampf München-Frankfurt kommen! Bei beiden lauern aber auch Spielverderber!

Spektakel gibt es auch bei der Basketball-Europameisterschaft, bei der Deutschland das Viertelfinale erreicht hat und jetzt am Mittwoch (20 Uhr/RTL) auf Slowenien mit NBA-Star Luka Doncic trifft. Nicht mit dabei sein wird Bundestrainer Alex Mumbru, der nach einem Krankenhausaufenthalt das 85:58 gegen Portugal coachte, aber jetzt aus gesundheitlichen Gründen doch aufgeben muss und seinem Co-Trainer Alan Ibrahimagic das Feld überlässt. Die Deutschen sollten wachsam sein, mit Serbien und Spanien sind bereits zwei Favoriten ausgeschieden.

Spektakel kann es auch in anderen Sportarten geben. Im Eishockey beginnt in dieser Woche die deutsche Meisterschaft, am Samstag startet die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Tokio. Zu beiden Ereignissen in dieser Woche noch ein Blog vom Sport-Grantler.

Bayern und Bayer – die Spitzenteams in Not!

Die deutschen Fußball-Meister der letzten Jahre hießen Bayer Leverkusen und Bayern München. Eigentlich logisch, dass sie auch in dieser Saison vorne mitmischen sollten. Das wird vor allem vom Abonnementsmeister aus München erwartet, doch Vorsicht ist geboten. Auffallend: Bayern und Bayer – die beiden Spitzenteams sind in Not!

Gut, die Bayern legten einen Traumstart hin, siegten in den Testspielen, gewannen den Supercup und führen die Bundesliga ohne Punktverlust an. Aber das dicke Ende kann noch kommen! Bei allen Titeljagden muss es ein großes „Aber“ geben. Egal ob Bundesliga oder Pokal, in der Champions League sowieso (Start am 17. September gegen Chelsea London), die Bayern können nur erfolgreich sein, wenn sie vom Verletzungspech verschont bleiben. Schlägt es zu wie im letzten Jahr, dann wird es knapp, denn der Kader ist auf Kante genäht. Der Transfer-Sommer war bei den Bayern schlichtweg eine Katastrophe, der Verlierer des Jahres ist heute schon Sportvorstand Max Eberl, der zwar für Vertragsverlängerungen der Stars Kimmich, Musiala und Davies gelobt wurde, doch sie wurden überteuert erkauft und kommen als eine Art Bumerang bei weiteren Vertragsverhandlungen zurück. Für ihn scheinen die Bayern eine Nummer zu groß zu sein. Warum wohl wird Eberls Macht vom Aufsichtsrat ständig beschnitten? Kein Wunder also, dass geplante Verstärkungen bis auf den (ebenfalls überteuerten) Diaz auf der Strecke blieben. Und der Kader ist nicht nur klein, er hat auch Schwächen. Die Talente Karl, Mike und Kusi-Asare sind noch nicht reif für die Bundesliga und werden von Trainer Vincent Kompany kaum gefördert. Dafür bringt er immer wieder den 30-Millionen-Euro-Flop Sacha Boey, der in fast jedem Spiel einen Gegentreffer verschuldet. So auch in Augsburg zum 2:3. Eigentlich darf er nur bei einer 3:0-Führung eingewechselt werden, denn so mussten die Bayern genauso wie im Pokal in Wiesbaden auch im Derby beim FCA am Ende zittern. Will Kompany zeigen, wie dünn der Kader ist?

München beherrschte zwar die Schlagzeilen des Transfermarktes, doch ob Wirtz, Williams oder Woltemade – es klappte nichts. In Leverkusen lief der Transfermarkt dafür heiß, die Meistermannschaft von 2024 zerfiel, dafür mussten neue Spieler her. Es wird sich erst zeigen, wie gut Bayer eingekauft hat, der neue Trainer Erik ten Hag jedenfalls entpuppte sich als Flop. Das führte schon nach dem zweiten Spieltag zur Entlassung des Holländers. Er hatte auf allen Ebenen jeglichen Kredit verspielt, eckte überall an und verlor quasi blitzschnell die Kabine. Er war also das ganze Gegenteil des beliebten Xabi Alonso. Ein Pünktchen war zu wenig. Der Neuanfang in Leverkusen beginnt also in der Länderspielpause. Insgesamt wird es ein hektischer Montag, um 20 Uhr schließt (oder schloss, wer später liest) das Transferfenster.

Ohne Punktverlust stehen hinter den Bayern auch Eintracht Frankfurt und, man lese und staune, Aufsteiger 1. FC Köln ohne Punktverlust da. Bei Frankfurt keine Überraschung, die Eintracht wurde als Bayern-Jäger auserkoren und in Sachen Transfers machen sie dem Meister vor, wie es geht. Sportvorstand Markus Krösche arbeitet anders als Eberl, er weiß, wie es geht, handelt rechtzeitig, verkauft Stars teuer und holt künftige Stars billig. Bestes Beispiel Ritsu Doan, der Japaner, in Freiburg auffällig geworden, wurde frühzeitig kontaktiert und als teure Verkäufe das nötige Geld brachten, für 27 Millionen Euro günstig verpflichtet. Er war der Star der ersten Spieltage, Doppelpack im Pokal und beim 3:1-Sieg gegen Hoffenheim. Dazu fördert Trainer Dino Toppmöller das 19-jährige Talent Can Uzun, der glänzt im Mittelfeld, bringt die Eintracht auf die Sieges- und nicht auf die Verliererstraße. Die Kölner wiederum fühlen sich im siebten Himmel, Trainer Lukas Kwasniok hat den ganzen Verein aufgeweckt. Dem 1:0-Sieg in Mainz folgte ein 4:1 gegen Freiburg. Als Bayern-Kontrahent angemeldet hat sich auch Dortmund mit einem souveränen 3:0 gegen Union Berlin und zwei Toren von Guirassy.

In Freiburg reibt sich dagegen der „Trainer des Jahres“ Julian Schuster verwundert die Augen. Was ist los mit seinem Team? 1:3 gegen Augsburg, 1:4 in Köln – der Fehlstart ist die Folge, der Verein trägt als Schlusslicht die Rote Laterne. Mit null Punkten steht sonst nur noch Heidenheim da und dort sind die Aussichten auf den Klassenerhalt noch trüber, wenn „Retter“ Leo Scienza den Verein verlässt, mit Southampton und dem FC Paris locken gleich zwei internationale Klubs. Auch der HSV zeigte sich nicht bundesliga-like, verlor das Stadtderby gegen St. Pauli ziemlich sang- und klanglos mit 0:2. Verstärkungen sollen noch für Besserung sorgen.

Für Nagelsmann zählen nur Siege

Die Bundesliga macht Pause, sucht Verstärkungen, das Wort hat die Nationalmannschaft und da sucht Bundestrainer Julian Nagelsmann Siege. Nein, er fordert sie. Am Donnerstag beginnt die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko, erster Gegner ist in Bratislava die Slowakei. Am Sonntag geht es in Köln gegen Nordirland, Dritter Gegner ist Luxemburg in einer Runde im Schnelldurchgang mit weiteren Spielen am 10. und 13. Oktober sowie 14. und 17. November. Eine erfolgreiche direkte Qualifikation, das bedeutet Platz eins, ist quasi Pflicht, für Nagelsmann zählen sowieso nur Siege.

Die Wende muss her, schließlich verabschiedete sich die DFB-Auswahl im Finale der Nations League mit Niederlagen von 1:2 gegen Portugal und 0:2 gegen Frankreich. Das waren freilich andere Kaliber. Der Bundestrainer will aber auch in der Mannschaft einiges ändern. So rückt Kapitän Joshua Kimmich wie im Verein ins Mittelfeld, den frei werdenden Posten als Rechtsverteidiger wird wohl das 21-jährige Frankfurter Talent Nnamdi Collins einnehmen. Aber Nagelsmann will mehr, es geht generell um eine Änderung der Grundordnung. „Wir wollen eine zusätzliche Ordnung reinbringen. Wir hatten in ein, zwei Momenten der Spiele immer Probleme, gewisse Dinge zu verteidigen.“ Einige Stammspieler fehlen verletzt, so Torhüter Nummer 1, ter Stegen. Sorgen bereitet Florian Wirtz, der angeschlagen vorzeitig vom Feld ging. Mit Augsburgs Torhüter Finn Dahmen, Collins und Paul Nebel (Mainz) sind drei Neulinge dabei.

Das Aufgebot: Tor: Baumann, Nübel, Dahmen. – Abwehr: Andrich, Anton, Collins, Koch, Mittelstädt, Raum, Rüdiger, Tah. – Mittelfeld: Adeyemi, Amiri, Gnabry, Goretzka, Groß, Kimmich, Leweling, Nebel, Stiller, Wirtz. – Sturm: Füllkrug, Woltemade.

Frauen hoffen auf mehr Aufmerksamkeit

In die Länderspielpause der Männer stößt die Frauen-Bundesliga , die am Freitag mit ihrer neuen Saison beginnt. Das Oberhaus wurde von 12 auf 14 Vereine aufgestockt, das soll die Liga vermehrt in die Öffentlichkeit bringen. Nach wie vor kämpfen die Frauen um mehr Aufmerksamkeit, dazu gehören auch mehr Zuschauer. Erfolge kann man vorweisen, der HSV spielte im Pokal vor 57.000 Zuschauern, das Auftaktspiel von Bayern München gegen Bayer Leverkusen findet am Samstag (17.45 Uhr/ZDF) vor mehr als 45.000 Zuschauern in der Allianz Arena statt. Ausgerechnet der Meister spielt sonst im Bayern-Campus vor nur 2500 Fans. Diesbezüglich können die Neulinge für mehr Attraktivität sorgen, denn Union Berlin (Alte Försterei, 22.000), Hamburg (Volksparkstadion, 57.000) und Nürnberg (Max-Morlock-Stadion, 40.000) spielen wie die Männer in den großen Stadien. Das soll auch mehr Rückhalt für den Klassenerhalt sorgen.

Sportlich ist zu befürchten, dass es zumindest an der Spitze keine Spannung gibt, die Bayern-Mädchen scheinen übermächtig zu sein. Das deuteten sie schon beim Supercup an, den sie in Karlsruhe vor 16.933 Zuschauern mit 4:2 gegen den VfL Wolfsburg gewannen. Der Doublesieger hat die Mannschaft noch einmal verstärkt und hat einen großen und qualitativ ausgezeichneten Kader. Wie früher bei den Männern heißt es, dass auch die B-Mannschaft Meister werden könnte. Dazu kommt, dass Nationalspielerin Lena Oberdorf nach langer Verletzungspause mit einem Jahr Verzögerung ihren Einstand bei Bayern in der BL gibt. Da muss der neue Trainer José Barcala vor allem schauen, die Mädchen bei Laune zu halten. Dauer-Konkurrent Wolfsburg hat einen Umbruch wie Leverkusen bei den Männern hinter sich, 15 Spielerinnen gingen, zwölf neue kamen, mit Stephan Lerch gibt es auch einen neuen Trainer. Auch Frankfurt will vorne mitmischen, ansonsten muss man sehen. Auffallend ist, dass vermehrt Frauen-Teams der Männer-Bundesligisten nach oben kommen, auch Dortmund, Schalke und Stuttgart schielen in den unteren Ligen nach oben. Der letzte verbliebene reine Frauen-Klub ist die SGS Essen.

Der erste Spieltag: Freitag: Frankfurt – Essen (18.30 Uhr). Samstag: Köln – Leipzig (14 Uhr), München – Leverkusen (17.45 Uhr). Sonntag: Bremen – Freiburg (14 Uhr), Hamburg – Wolfsburg (16 Uhr), Jena – Hoffenheim (18 Uhr), Union – Nürnberg (18.30 Uhr). Alle Spiele werden bei MagentaSport und DAZN live übertragen.

Beim Start der Bundesliga werden gleich Zeichen gesetzt

Eine richtige Sommerpause gab es ja nicht, dennoch fieberten die Fußball-Fans dem Start der Bundesliga entgegen, die Saison könnte ja spannend wie schon lange nicht mehr werden. Was die Tendenzen angeht, so wurden beim Start gleich Zeichen gesetzt und da wurde deutlich, dass es zumindest beim Kampf um den Titel langweilig sein könnte. Das 6:0 der Bayern gegen RB Leipzig war ein Statement: Kleiner Kader, großer Sieg – „wir sind da!“ Ein Zeichen von Trainer Kompany: Er wechselte u. a. die Talente Karl und Kusi-Asare ein. Von der Konkurrenz konnte nur Eintracht Frankfurt mithalten, das 4:1 gegen Werder Bremen machte ebenso deutlich, wir bleiben oben dabei. Ein Wink für die Zukunft, „Spieler des Tages“ war der 19-jährige Can Uzun.

Neben Leipzig sah es auch in Dortmund, Leverkusen und Stuttgart ganz anders aus, den anderen Teams aus dem Favoritenkreis. Dortmund verfiel in seine alten Fehler, rief in der Bundesliga nicht seine beste Leistung ab und kassierte nach 3:1-Führung in der 86. Minute noch ein 3:3 gegen St. Pauli. Verstärkungen sind in Sicht nach dem Verletzungspech in der Abwehr. Leverkusen musste beim 1:2 gegen Hoffenheim erkennen, dass der Umbruch nicht ohne Schrammen vonstatten geht und der VfB zeigte sich beim 1:2 in Berlin nicht in Form. Fast ein Fremdkörper war Nick Woltemade. Das Wechseltheater hat offensichtlich Spuren hinterlassen. Anders Union-Neuzugang Ansah, der den VfB mit zwei Treffern erledigte.

Im Mittelpunkt des ersten Spieltages stehen naturgemäß vor allem die neuen Trainer. Sechs sind es an der Zahl, ihre Bilanz ist ausgeglichen. Die Glücklichen waren Sandro Wagner in Augsburg, Lukas Kwasniok bei Aufsteiger Köln und Paul Simonis in Wolfsburg. Besonders im Blickpunkt dabei Neuling Wagner beim FCA, für den Freiburg ein besonderes Pflaster ist. Am 6. März 2011 erzielte er sein erstes Bundesliga-Tor als Spieler für Bremen beim 3:1 in Freiburg, jetzt startete er mit dem gleichen Sieg als Trainer beim FCA. Ein bisschen Glück war dabei, vor allem waren seine Spieler eiskalt vor dem Tor: Vier Chancen, drei Tore (75 %) – der FCA war die effektivste Mannschaft beim Start vor Union mit drei Chancen und zwei Toren (66,7 %)!

Schlechter gefühlt haben sich die anderen drei Trainer-Neulinge. Vor allem Erik ten Hag wird in Leverkusen nachdenklich werden, die Stützen aus dem Meisterjahr sind alle nicht mehr da, viele neue Spieler zwar, aber alte Erfolge werden schwer. Auch Ole Werner in Leipzig wird zweifeln, als Spitzenteam hat sich seine Mannschaft in München nicht präsentiert. In den unteren Regionen muss Horst Steffen in Bremen sein Werder-Team sowieso einordnen. Das Zeichen: Es geht wohl zunächst mal um den Klasenerhalt. Apropos Neulinge: Die meldeten sich erfolgreich an, Köln profitierte beim 1:0-Sieg in Mainz wohl vor allem auch von der Müdigkeit der Rheinhessen durch das Spiel in Trondheim unter der Woche. Auch da gab es eine Niederlage, beim Rückspiel steht das weitere internationale Mitwirken auf dem Spiel. Der HSV präsentierte sich gefestigter als in der Vorbereitung holte ein 0:0 in Gladbach und überraschte wohl die Borussia. Weiter geht es jetzt mit dem Derby gegen St. Pauli am Freitag. Wer ist die Nummer 1 in der Fußball-Hauptstadt Hamburg?

Was das Tabellenende angeht, da wird man sich vor allem in Heidenheim Gedanken machen. Trainer Frank Schmidt hatte die alte Heimstärke von seinem Team gefordert, heraus kam ein 1:3 gegen Wolfsburg.

Der 2. Spieltag am Wochenende präsentiert neben Hamburg zwei weitere brisante Derbys, in denen Sieger unter sich sind. In Bayern erwartet der FCA die Münchner und Wagner kündigte an, „denen wollen wir was auf die Socken geben“. Mit Hoffenheim und Frankfurt treffen sich zudem ebenfalls zwei Nachbarn. Danach ist übrigens gleich wieder Pause, da hat die Nationalmannschaft das Wort mit den ersten WM-Qualifikationsspielen. Auch Bundestrainer Julian Nagelsmann hat Sorgen, was seine Stammspieler angeht und mit Sorgen wird er auf eine Zahl schauen: Die Auswahl an Kandidaten für sein Team wird kleiner, nur 39,4 Prozent der Spieler aus den Anfangsformationen waren für den DFB spielberechtigt, weniger waren es nur 2003/04 vor der desaströsen EM mit 38,9 Prozent! (Siehe dazu auch den nächsten Blog „Fußball in Europa: Die Bundesliga wird abgehängt“).

Auch bei den Frauen geht es wieder richtig los, die neue Saison startet am Samstag (14 Uhr) in Karlsruhe mit dem Supercup, bei dem der VfL Wolfsburg als Bundesliga-Zweiter den Meister und Pokalsieger Bayern München herausfordert. Die Wölfinnen haben einen großen Umbruch hinter sich, viele erfahrene Spielerinnen verloren und mit Stephan Lerch einen neuen Trainer. Die Münchnerinnen haben auch Meistermacher Alexander Straus nach Los Angeles verloren, sie werden jetzt vom Spanier José Barcala angeleitet, zuletzt Trainer in Genf. Ein unbekannter Coach, aber das war Straus vorher auch. Barcala gilt als ehrgeizig und kommunikativ. Wichtigster „Neuzugang“ ist Nationalspielerin Lena Oberdorf, die vor einem Jahr aus Wolfsburg nach München kam, aber bisher wegen einer schweren Verletzung noch nicht spielen konnte. Jetzt ist sie dabei und die Mannschaft scheinbar schon in Form, in einem Testspiel wurde Real Madrid 4:1 geschlagen. Ein Statement! Die neue Bundesliga beginnt eine Woche später am 6. September. Wolfsburg gastiert am Sonntag bei Aufsteiger Hamburger SV, die Bayern erwarten Leverkusen am Samstag in der Allianz Arena vor mehr als 40.000 Zuschauern.

Basketball-EM: Der Titel soll es sein

Bei der Basketball-Nationalmannschaft beginnt mit der Europameisterschaft ab Mittwoch in Lettland, Finnland, Zypern und Polen eine neue Ära. Die erfolgreiche Zeit des Kanadiers Gordon Herbert ist vorbei, er hat das Team zuletzt zum WM-Titel 2023 geführt, EM-Bronze gewonnen und bei Olympia Platz vier geholt. Sein Nachfolger ist der Spanier Alex Mumbru (46), einst ein erfolgreicher Spieler, der bei der Mannschaft schon gut angekommen ist. Nicht weniger als der Titel soll es bei der EM sein, Favorit ist aber Serbien, das Deutschland im WM-Finale noch mit 77:83 unterlag, aber jetzt mit NBA-Star Nikola Jokic (30(Denver) eine entscheidende Verstärkung hat. Titelverteidiger Spanien hat ein relativ neues Team und musste die Stärke Deutschlands bereits in zwei Testspielen anerkennen.

Die deutsche Auswahl bestreitet ihre Vorrundenspiele der Gruppe B in Finnland und trifft dabei auf Montenegro (Mittwoch), Schweden (Freitag), Litauen (Samstag), Großbritannien (Montag, 1.9.) und Gastgeber Finnland (Mittwoch, 3.9.). Die ersten vier Teams jeder Gruppe qualifizieren sich für das Viertelfinale. Bei Deutschland sind noch neun von zwölf Weltmeistern dabei (Giffey/Rücktritt, Krämer/keine Freigabe von Real Madrid und Moritz Wagner/verletzt fehlen), angeführt wird das Team von den NBA-Stars Dennis Schröder, der auch Kapitän ist, und Franz Wagner. Defensiv ist Daniel Theis (Monaco) die große Stütze. Mit Isaiah Hartenstein (Oklahoma) hat ein weiterer NBA-Star abgesagt, was der einzige Wermutstropfen war. „Wir wollen den Titel“, betont aber Schröder.

Auch im Handball geht es wieder richtig los, am Wochenende beginnt die Bundesliga. „Anheizer“ war auch hier der Supercup, Meister Füchse Berlin setzte sich dabei im SAP-Garden in München mit 34:33 (31:31) nach Siebenmeterwerfen gegen THW Kiel durch. Beide Teams gehören auch zu den Meisterschaftsfavoriten, aber auch dem SC Magdeburg und Flensburg werden große Chancen eingeräumt. Ganz anders als im Fußball gibt es also viele heiße Anwärter auf den Titel.

Fußball in Europa: Die Bundesliga wird abgehängt

In den großen Ligen in Europa rollt der Fußball bereits wieder und das hat fast schon etwas von Symbolik: Die Bundesliga läuft hinterher, mit anderen Worten, die Bundesliga wird abgehängt. Freilich ist es in England, Spanien und Frankreich (nur Italien folgt erst am Wochenende) notwendig, weil bei 20 statt 18 Vereinen vier Spieltage mehr zu absolvieren sind. Weg von der Symbolik, andere Zahlen machen es deutlicher- die der Transferausgaben. Die Premier League gab rund 2,5 Milliarden Euro aus, die Bundesliga etwa 620 Millionen. Das gaben allein Liverpool (340 Millionen) und Chelsea (280 Millionen) fast aus. Nur die Bayern stiegen mit 75 Millionen bei Luis Diaz groß ein, alle anderen Transfers blieben in der Bundesliga unter 40 Millionen Euro!

Zahlen lügen nicht, Tabellen auch nicht und die UEFA-Rangliste macht deutlich, dass die Premier League in Europa das Kommando übernommen hat, es folgen Spanien und Italien und die Bundesliga mit Abstand wenigstens noch auf Rang vier vor Frankreich, damit sind die vier Plätze für die Champions League verteidigt. Aber Vorsicht, Frankreich holt auf, bisher stand dort das von Katar subventionierte Paris St. Germain allein auf weiter Flur, aber Klubs wie AS Monaco, OSC Lille und Olympique Marseille wollen aufholen und dementsprechend auch verstärkt in Europa mitmischen. Paris als Sieger der Champions League setzte ein Zeichen. Vor allem Monaco hat aber tief in die Tasche gegriffen, holte Dier aus München, Hradecky aus Leverkusen und reaktivierte Paul Pogba nach zweijähriger Dopingsperre. Noch ein Zeichen: Monaco ist nach dem 3:1 gegen Le Havre der erste Tabellenführer.

Über allen steht aber die Premier League, die gewissermaßen im Geld schwimmt und nach Belieben einkauft. Die Bayern musste es schmerzlich erleben, sie buhlten um Talent Florian Wirtz, doch gegen die 150 Millionen Euro des FC Liverpool waren sie machtlos, Wirtz sah dort auch eher die Chance, die CL zu gewinnen. Liverpool holte sich auch Etikité und Frimpong, Manchester United Sesko aus Leipzig und Chelsea Gittens von Dortmund. Der kicker hat recht, für England schrumpft die Bundesliga zur Ausbildungsliga. Liverpool hat also alles getan, um den Titel erfolgreich zu verteidigen, allerdings blieb die Konkurrenz nicht tatenlos. Pep Guardiola will mit ManCity kein Jahr mehr ohne Titel erleben und hat sich mit Hollands Mittelfeldmotor Tijani Reijnderes einen Baustein für den Erfolg geholt. Auch Arsenal London war aktiv, der größte Coup war der schwedische Torjäger Viktor Gyökeres der von Sporting Lissabon losgeeist wurde. Ein spannender Titelkampf ist wohl zu erwarten.

Spannend wird der Titelkampf auch in Spanien sein, allerdings gibt es da nur einen Zweikampf. Titelverteidiger ist FC Barcelona mit Hansi Flick als Trainer, die Königlichen von Real Madrid hatten das Nachsehen und sahen dies als Majestätsbeleidigung an. Dies soll in diesem Jahr mit Xabi Alonso anders werden. Bei beiden Vereinen stehen aber auch die Finanzen im Mittelpunkt. Sie haben Unmengen an Schulden, kaufen aber dennoch fast nach Belieben ein, mit Tricks werden Bestimmungen umgangen. Hier zeigt sich, dass die eigentlich vernünftige 50+1-Regelung in der Bundesliga Sponsoren ausbremst und deshalb einen Nachteil darstellt. Und so kommt es, dass auch Italien sich wieder erholt hat und international inzwischen wieder stärker als die Bundesliga einzuschätzen ist. Die Augen sind vor allem auf Meister SSC Neapel gerichtet, der ausgerechnet zum 100-jährigen Jubiläum etwas Historisches schaffen will, nämlich erstmals eine erfolgreiche Titelverteidigung. Das gelang nicht einmal mit Maradona, jetzt soll der Belgien Kevin de Bruyne mithelfen, jahrelang der Kopf im Spiel von ManCity, der ablösefrei wechseln konnte. Mit 34 Jahren suchte er noch einmal eine andere Herausforderung. Der größte Konkurrent dürfte wieder Inter Mailand sein, der Meister von 2024 und zuletzt gerade mal einen Zähler zurück!

Deutschland schaut vergrämt auf die Stars, die im Ausland spielen, während die Asse hierzulande Abschied nehmen. Allerdings: Die Fans sind noch zufrieden, Deutschland führt die Rangliste der Zuschauerzahlen an. Doch das Geld reicht nicht. Die Zeiten sind offensichtlich vorbei, als Bayern sein legendäres Festgeldkonto plünderte und einen Star wie Harry Kane für 100 Millionen Euro in die Bundesliga holte. Ein Transfer, der sich sportlich und finanziell gelohnt hat. Jetzt waren mehr als 60 Millionen für Nick Woltemade zu viel, stattdessen hat die Sportliche Leitung von den Bossen die Weisung bekommen, Spieler höchstens auszuleihen, um den kleinen Kader zu vergrößern. Mit Talenten allein geht es nicht in München, zumal, wenn es bei diesen auch noch an Ehrgeiz fehlt. So hat sich Paul Wanner entschieden, nicht den Konkurrenzkampf bei den Bayern anzunehmen, obwohl die Chancen nach dem Abgang von Thomas Müller und der Verletzung von Musiala gut waren, sondern lieber in die Niederlande zu PSV Eindhoven zu wechseln. Dort winkt ein Stammplatz ohne großes Bangen. Zur Erinnerung, um Paul Wanner buhlten vor ein paar Monaten noch die Bundestrainer von Österreich und Deutschland, damit er doch für ihr Land spielen sollte. Bei dieser Einstellung wird das Interesse erkaltet sein. Bevor er ein Großer wurde backt er lieber kleine Brötchen.

Die neue Bundesliga: Herausforderer für die Bayern gesucht, viele Klubs geben Rätsel auf

Das war ein Auftakt nach Maß für die Bayern und ein deutlicher Hinweis für die Konkurrenz: Mit dem Sieg im Supercup gegen Stuttgart begannen die Münchner ihre Titeljagd in der neuen Saison. Die Meisterschaft allein wie im Vorjahr ist ihnen zu wenig. Der 2:1-Sieg über Pokalsieger VfB war keine Glanzleistung, aber dennoch ein Zeichen des Willens. Eine Glanzleistung vollbrachte allein Torhüter Manuel Neuer, der bewies, dass er auch mit 39 Jahren noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Bezeichnend zudem, dass Harry Kane und Neuling Luis Diaz die Torschützen waren, zwei Hoffnungsträger. Die Bayern sehen sich übrigens als „natürlicher Sieger“, wer sonst hätte die erste Austragung unter dem neuen Namen der Klublegende, nämlich „Franz-Beckenbauer-Supercup“ gewinnen sollen! Harry Kane freute sich besonders über seinen zweiten Pott.

Der Sieg im Supercup war aber auch ein Zeichen für die am Freitag beginnende neue Saison der Bundesliga, wenn Leipzig nach München kommt. Die Meisterschaft soll es wieder sein, ein Herausforderer wird gesucht, scheint aber nicht in Sicht. Bei einer Umfrage der Fachzeitung kicker sehen 55 Prozent die Bayern als Meister, Zweiter ist Dortmund mit 8,9 %, 8,5 % trauen es Frankfurt zu. Der Titelgewinn von Bayer Leverkusen 2024 bleibt wohl ein Ausnahmefall, zumal die Meistermannschaft von damals inzwischen zerfallen ist. Die Bayern aber sehen sich auch hier als der „natürliche Meister“: 33 seiner 34 Titel holte der Rekordchampion seit 1969, zwölf waren es in den vergangenen 13 Jahren! Dennoch beginnt die neue Saison nicht ganz ohne Sorgen, die Suche nach gewünschten Verstärkungen war von Absagen begleitet. Wirtz zu teuer, bei Nick Woltemade blieb Stuttgart stur, auch 60 Millionen Euro reichen nicht, der VfB sieht das Thema abgehakt. Der ins Auge gefasste Nkunku (Ex-Leipzig/Chelsea) kommt wohl auch nicht. Was blieb ist der auch 70 Millionen teure Diaz und die Sorgen vor Verletzungen, der Kader ist stark, aber klein, es darf nichts passieren. Auch Harry Klein warnt: „Mit so einem kleinen Kader habe ich noch nie gespielt.“ Der Nachwuchstalente allein als Hoffnungsträger passt nicht zu einer internationalen Titeljagd bei den hohen Belastungen. Musiala, Davies und Ito fallen noch länger aus, Kingsley Coman nahm endgültig Abschied für einen dicken Scheck aus Saudi-Arabien. In Erinnerung bleibt vor allem sein Tor zum Champions-League-Sieg 2020.

Borussia Dortmund gilt also größter Herausforderer, obwohl die Mannschaft kaum verstärkt wurde. Jobe Bellingham hilft im Mittelfeld, aber sonst? Sorgen bereiten aktuell Ausfälle in der Abwehr (Can, Schlotterbeck), Zuversicht gibt der Endspurt in der vergangenen Saison mit einem CL-Platz und das gute Auftreten bei der Klub-WM. Trainer Niko Kovac hat das Team gefestigt. Daneben darf man von Eintracht Frankfurt und Stuttgart erwarten, dass sie an der Tabellenspitze eine gute Rolle spielen. Frankfurt hat den Abgang von Torjäger Hugo Ekitiké mit Jonathan Burkardt aus Mainz und Ritsu Doan gut kompensiert. Neuen Wirbel gibt es im Tor, Kevin Trapp zieht es zum FC Paris, dafür soll Michael Zetterer aus Bremen kommen. Der VfB will besser abschneiden als im letzten Jahr, Platz neun war eine Enttäuschung, kompensiert durch den Pokalsieg. Der neue Star Woltemade soll also bleiben, das Abschneiden daher besser werden.

Dahinter beginnt schon eine große Zahl von Klubs, die Rätsel aufgeben. Neue Trainer, viele Veränderungen in den Teams, da wird sich erst im Laufe der Saison zeigen, wer den Umbruch gut bewältigen kann. Erstes Beispiel ist Bayer Leverkusen, das mit Hradecky, Tah, Xhaka und Wirtz seine bestimmende Achse verloren hat, dazu auch Dampfmacher Frimpong. Trainer Erik ten Hag als Nachfolger von Xabi Alonso hat sich seine Aufgabe sicher leichter vorgestellt. Die Lücken füllen sollen mehrheitlich hoffnungsvolle Talente, neuer Mittelchef und Kapitän ist Robert Andrich, im Vorjahr oft nur Ersatz! Einen ähnlichen Umbruch hat RB Leipzig vorgenommen, Torjäger Sesko ist der schmerzhafteste Abgang, Xavi Simons soll noch gehen. Der neue Trainer Ole Werner ist der Hoffnungsträger, er soll Schwung in die Mannschaft bringen. In dem Kreis darf man auch den SC Freiburg erwarten, wo eher Kontinuität angesagt ist, allerdings muss der Abgang von Doan verkraftet werden. Julian Schuster, der „Trainer des Jahres“, soll es richten.

Das Gros der Vereine darf dem Mittelfeld zugeordnet werden, offen, ob es nach oben oder unten geht. Ins Blickfeld rückte der FC Augsburg, der sich mit Nagelsmann-Assistent Sandro Wagner einen Star-Coach holte, der eigentlich höchstens Geselle ist. Der FCA will attraktiver spielen, zeigte es in den Testspielen und beim 2:0 im Pokal in Halle bisher nicht. Überhaupt Pokal, da schied am Wochenende mit Werder Bremen (wie im Vorjahr 1:2-Niederlage in Bielefeld!) bisher nur ein Erstligist aus, aber PR für die Bundesliga machten die Klubs nicht, viele kamen gegen unterklassige Mannschaften nur mit viel Glück weiter, vor allem die Aufsteiger Hamburg und Köln, aber auch Mönchengladbach. Die Borussia gehört neben Wolfsburg, Werder (Horst Steffen neuer Trainer), Hoffenheim und Mainz zu den Vereinen, die noch nach ihrer Form und ihrem besten Team suchen.

Hamburg Fußball-Hauptstadt

Durch die Rückkehr der Traditionsklubs Hamburger SV und 1. FC Köln ist die Bundesliga eigentlich attraktiver geworden, aber es sieht so aus, als hätten beide Aufsteiger sehr viele Probleme, die Klasse auch wieder zu halten. Dabei scheinen die Kölner weiter als der HSV, der einen Umbau der Mannschaft vornahm, aber eher an Klasse einbüßte, vor allem die Abgänge von Selke und Reis tun weh. Dennoch ist Hamburg zumindest für eine Saison mit dem HSV und FC St. Pauli Deutschlands Fußball-Hauptstadt, der Glanz wird aber dadurch getrübt, da beide Teams wohl vor allem gegen den Abstieg spielen müssen. Begleitet werden sie hier von Union Berlin und dem 1. FC Heidenheim, der in sein drittes BL-Jahr geht, im Vorjahr aber bereits einige Zeit Schlusslicht war und sich erst am Schluss durch eine glückliche Relegation rettete. Die Hoffnung ruht vor allem auf Trainer Frank Schmidt in seinem 19. Jahr in Heidenheim!

Die Bundesliga hat es im internationalen Konkurrenzkampf immer schwerer, Spieler-Attraktionen nach Deutschland zu bekommen. Nicht nur die Premier League ist interessanter und lukrativer, nicht nur Spanien zieht, sondern inzwischen lockt auch Saudi-Arabien mit viel Geld nicht nur Spieler am Ende ihrer Karriere, sondern auch Athleten in bestem Alter. Selbst Bayern München hat inzwischen Probleme, die Mannschaft vor allem für die Champions League zu verstärken. Ein CL-Sieg wird also immer unwahrscheinlicher. Bis zum 1. September sind übrigens Verstärkungen noch möglich, dann läuft die Transferfrist ab. Der Start in die neue Saison ist zögerlich, nach zwei Spieltagen gibt es gleich wieder eine Länderspielpause für die WM-Qualifikation, ab dem 12. September geht es dann richtig los. Dann stehen auch Europas Wettbewerbe in den Startlöchern. Neben Meister Bayern starten Leverkusen, Frankfurt und Dortmund in der Champions League, Freiburg in der Europa League sowie Mainz in der Conference League (in den Play-Offs gegen Trondheim).

Beckenbauer-Supercup stiehlt den Amateuren die Show

Schluss mit dem Unsinn! Terminnot hin, Terminnot her – DFB und DFL müssen die Terminüberschneidung wieder abschaffen, dass der Supercup (jetzt nach der Legende Franz Beckenbauer benannt) am ersten Pokal-Wochenende ausgetragen wird. Wenn sich der Meister und der Pokalsieger gegenüberstehen, bekommen sie die Aufmerksamkeit und nicht die kleinen Vereinen, die bisher die erste Pokalrunde als „ihren“ Wettbewerb ansehen konnten. Sie haben einmal im Jahr ihren großen Tag, wenn prominente Klubs (bei Auslosungsglück) kostenlos zu Gast sind und reichlich Geld fließt. Terminnot hin, Terminnot her, da muss es einen anderen Tag geben. Der Supercup der Profis darf den Amateuren nicht mehr die Show stehlen.

Also reden wir zuerst über die erste Pokalrunde und freuen uns, wenn den Amateuren ein Favoritensturz gelingt. Pokalhelden waren im Vorjahr die Spieler des Drittligisten Arminia Bielefeld, die bis ins Finale vordrangen, dort aber dem Bundesligisten VfB Stuttgart mit 2:4 unterlagen. Dennoch ein erfolgreiches Jahr der Arminia, die in die 2. Bundesliga aufstieg und jetzt die Ehre hat, am Freitag (20.45 Uhr/ZDF) den neuen Wettbewerb gegen Werder Bremen zu eröffnen. Da werden Erinnerungen wach, im Vorjahr setzte sich Bielefeld im Viertelfinale mit 2:1 gegen Werder durch. Und die Arminia zeigt sich schon wieder in Form, ist nach zwei Spieltagen als Aufsteiger Tabellenführer der 2. Bundesliga! In der ersten Runde gibt es kein Bundesliga-Duell, Titelverteidiger Stuttgart muss zu Eintracht Braunschweig, das in der 2. BL ebenfalls noch ohne Punktverlust dasteht. Wegen des Supercups wird erst am Dienstag, 26. August, gespielt, die Bayern treten einen Tag später beim Drittligisten Wehen-Wiesbaden an.

Am Wochenende gehört die Bühne aber den Amateuren. Aus der Oberliga sind mit dem FK Pirmasens (ein bekannter Name!/Gegner Hamburger SV), SV Hemelingen (Wolfsburg), Engers (Eintracht Frankfurt), Delmenhorst (Mönchengladbach) und Strahnsdorf (Kaiserslautern) fünf Mannschaften dabei, die gleich gegen Bundesligisten antreten müssen. Die Vergangenheit hat gezeigt, chancenlos sind sie nicht. Aus der Regionalliga treten 14 Teams an und wir warten darauf, welcher Erstligist der Pokal-Depp wird. Im Vorjahr war es der spätere BL-Absteiger VfL Bochum, der in Regensburg mit 0:1 unterlag. Die bisherigen Vorbereitungsspiele haben gezeigt, dass noch nicht alle Bundesligisten in Form sind, die ersten Pflichtspiele der Saison sind auch ihre ersten ernsthaften Bewährungsproben.

Der Beckenbauer-Supercup ist immerhin in diesem Jahr ein wirklicher „Anheizer“ für die neue Bundesliga-Saison, die eine Woche später Meister Bayern München am Freitag gegen RB Leipzig eröffnet. Am Samstag (20.45 Uhr/SAT1) hat allerdings Titelverteidiger Stuttgart Heimrecht. Vor allem die Bayern lechzen nach der Chance, den ersten Titel zu gewinnen, im Pokal waren sie zuletzt 2020 erfolgreich ebenso wie in der Champions League – Erinnerungen an das berühmte Triple-Jahr. 2025 war die Meisterschaft quasi der Trostpreis. Der Supercup ist der Anfang der Jagd auf Silberware und steht unter besonderen Vorzeichen, nachdem sich der VfB gegen den gewünschten Wechsel von Nick Woltemade zu den Bayern wehrt. Der Jung-Star wird gegen seinen Wunschverein antreten, aber vielleicht werden die verhärteten Ablöse-Fronten rund um das Spiel bei einem Treffen der Bosse aufgeweicht. Woltemade und die Bayern hoffen noch. Hält der VfB seine Mauertaktik durch? Besser in Form scheinen die Bayern zu sein, die beim 4:0-Sieg über Tottenham ein starkes Spiel zeigten und mit dem Einsatz von zahlreichen Talenten erstaunten. Der VfB konnte gegen Bologna nicht glänzen, verlor das Duell der Pokalsieger von Deutschland und Italien mit 0:1. Dabei wurde ebenfalls ein Pokal ausgespielt, nichts war es also mit dem ersten Pott.

Die 2. Bundesliga hat zwei Spieltage hinter sich und da zeigt die Tabelle Erstaunliches. Ein Neuling vorn (Bielefeld), Abstiegskandidaten vom Vorjahr ebenfalls oben dabei (Darmstadt, Braunschweig) und dazu mit Hannover nur einer aus dem Favoritenkreis Dritter. Schlusslicht ist mit Düsseldorf dafür ein Team aus dem Favoritenkreis. Null Punkte haben außerdem Bundesliga-Absteiger Kiel, Altmeister Nürnberg mit seiner jungen Mannschaft und Aufsteiger Dresden. Nicht in Schwung gekommen ist bisher auch Hertha BSC, der Top-Favorit auf den Aufstieg überhaupt. Es verspricht also eine interessante Saison zu werden.

Wirtz, Schuster und Berger/Gwinn

Wenn die neue Saison los geht, werden die Stars der alten geehrt. Die deutschen Sportjournalisten wählten unter der Regie der Fachzeitung kicker die Besten der Fußball-Branche. „Fußballer des Jahres“ wurde Florian Wirtz, der nicht nur auf dem Spielfeld für Wirbel sorgte, sondern zuletzt auch mit seinem Wechsel von Leverkusen zum FC Liverpool, der eine Rekordsumme als Ablöse hinlegte. Das Nachsehen hatte Bayern München, wie jetzt auch die Bayern-Spieler. Wirtz siegte deutlich mit 191 Stimmen vor Michael Olise (91), Nick Woltemade (VfB/71, wäre gern Bayern-Spieler), Thomas Müller (70), Harry Kane (48), Jamal Musiala (43) und Joshua Kimmich (38). Welch ein Bayern-Aufgebot! Mit Abstand folgt Omar Marmoush (12, Frankfurt/ManCity). Wirtz ist Nachfolger von Toni Kroos, hinter dem er im Vorjahr Platz zwei belegt hatte. „Toni zu folgen, macht mich besonders stolz“, sagt der Sieger.

„Trainer des Jahres“ wurde ein Neuling, Julian Schuster beeindruckte mit dem SC Freiburg gleich in seinem ersten Bundesliga-Jahr und ist damit in doppelter Hinsicht ein würdiger Nachfolger von Christian Streich, der 2022 siegte. Schuster folgt auf Xabi Alonso und das ganz ohne Titel. Der Freiburger erhielt 97 Stimmen, auf den Plätzen Horst Steffen (76), der mit Elversberg ebenfalls für Furore sorgte und Hansi Flick (72), Barcelonas Erfolgstrainer.

Eine Besonderheit gab es bei den Frauen: Erstmals seit 30 Jahren, so lange wird die Wahl durchgeführt, landeten zwei Spielerinnen auf Platz 1! EM-Heldin Ann-Katrin Berger und DFB-Kapitänin Giulja Gwinn, inzwischen quasi das Gesicht des deutschen Frauen-Fußballs, erhielten jeweils 145 Stimmen. Für Berger eine erfolgreiche Titelverteidigung, da sie auch im Vorjahr siegte. Auf Platz drei Gwinns Mannschaftskameradin der Bayern, Klara Bühl (52) vor Jule Brand (43/Wolfsburg). Die neue Bundesliga-Saison der Frauen startet am 5. – 8. September mit einem neuen Zuschauerrekord, für das Eröffnungsspiel Bayern – Leverkusen am 6. September in der Allianz-Arena sind schon über 40.000 Karten verkauft.

Die Bayern arbeiten bei den Talenten gegen den Trend

Seit dem unerwarteten Triumph in der Champions League gilt der einstige Geld-Verein Paris St. Germain quasi als Vorbild. Nachdem er mit teuren Stars nicht erfolgreich war, verkaufte er diese und setzte auf hoffnungsvolle (auch nicht ganz billige) Talente. Dann gelang das, was der von Katar alimentierte Klub jahrelang nicht schaffte, der Gewinn der CL. Auf den Spuren befindet sich jetzt auch der FC Liverpool, der vor allem junge Spieler auf seiner Einkaufsliste führte, allen voran Florian Wirtz, wie wir wissen und die Bayern bitter erfahren mussten. Auf das Talent hätten sie auch gerne gesetzt.

Ansonsten arbeiten die Bayern allerdings bei den Talenten gegen den Trend. Während Barcelona immer wieder erfolgreiche Spieler aus seinem fast schon legendären Nachwuchscampus bei den Profis herausbringt, bekommen sie dies aktuell bei den Bayern nicht hin. Außer Jamal Musiala Fehlanzeige. Dabei wird viel in den Campus investiert, aber mit Vincent Kompany hat derzeit scheinbar ein Trainer das Sagen, der Experimente mit jungen Spielern scheut, weil sie den Erfolg gefährden könnten. Natürlich ist es ein schmaler Grad, wenn Erfolg und Nachwuchsförderung Hand in Hand gehen sollen, doch der Mut dazu fehlt bei Kompany. Bestes Beispiel ist der 19-jährige Adam Aznou, Nationalspieler Marokkos, der die Vakanz auf der linken Seite nach dem Ausfall von Davies hätte füllen können. Er bekam keine echte Chance, aber der FC Everton in der Premier League glaubt an ihn und zahlt sogar 9 Million Euro Ablöse. Experten sagen, die Bayern verfügten derzeit über eine Mega-Talentdichte.

Es schien, als wollte Kompany zeigen, dass er auch anders kann. Beim ersten Testspiel gegen Olympique Lyon, das mit einem 2:1-Sieg erfolgreich gestaltet wurde, gab es für jede Halbzeit ein anderes Team und alle Nachwuchsspieler bekamen Spielpraxis. Im Mittelpunkt steht derzeit vor allem der 19-jährige Paul Wanner, der in Heidenheim Bundesliga-Luft schnupperte und jetzt die Chance hätte, vom Ausfall Musialas zu profitieren. Vor einem Jahr gab es über ihn Schlagzeilen, weil er für Österreich und Deutschland spielen könnte und beide Nationaltrainer um ihn buhlen. Doch diesbezüglich wurde es still. Mit dem 17-jährigen Lennart Karl wartet das nächste große Talent auf den Einsatz, der schlaksige Stürmer ist nah dran und gilt als Backup für Olise, braucht aber auch Spielpraxis. Immerhin dürfen einige hoffnungsvolle Talente fest mit den Profis traineren, so Torjäger Jonah Kusi-Asare, Mittelfeldstratege David Daiber oder Stürmer Felipe Chavez.

Dass die Bayern aber vor allem den Erfolg in der Gegenwart brauchen, zeigte die Verpflichtung des Kolumbianers Luis Diaz, der sich in München offensichtlich schnell eingelebt hat. Der 28-jährige ist ein umgänglicher Typ, lächelt immer und Joshua Kimmich schwärmt: „Er hilft uns sofort weiter“. Das sollte auch Nick Woltemade tun, doch der VfB Stuttgart ist weiter nicht gesprächsbereit, Woltemade will nach München, bleibt aber professionell und lässt sich in Stuttgart diesen Wechselwunsch nicht anmerken. Bei anderen Vereinen sind nicht nur Zugänge im Gespräch, bei RB Leipzig vor allem Abgänge. Da erwartet man, dass Benjamin Sesko und Xavi Simons den Verein im August noch verlassen, beide zieht es in die Premier League, Newcastle bzw. Chelsea London sollen Interesse haben. Auch Leipzig will zurück zur einstigen Idee und vor allem auf junge Spieler setzen. Bayer Leverkusen macht dies fast zwangsläufig, nach dem Abgang von vielen erfahrenen Spielern. Trainer ten Hag fordert aber noch neue Spieler. Dennoch: Es scheint, die Bundesliga wird zum Talentepool.

Die 2. Bundesliga startet spektakulär

Die Bundesliga startet bekanntlich erst am 22. August, im Unterhaus ging es am Wochenende bereits los und die 2. Bundesliga startete spektakulär mit überraschenden Ergebnissen, spannenden Spielen und Toren in den letzten Minuten. Erster Tabellenführer sind ausgerechnet die Pokalhelden aus Bielefeld, mit einem 5:1 gegen den Mitfavoriten Fortuna Düsseldorf meldete sich der Aufsteiger spektakulär zurück. Schon das Eröffnungsspiel zwischen Schalke und Hertha BSC hatte es in sich, der neue Trainer Miron Muslic feierte mit dem 2:1-Sieg einen tollen Einstand und wurde gefeiert, Top-Favorit Hertha BSC musste dagegen erkennen, dass der Aufstieg den Berlinern nicht geschenkt wird. Oder sind sie gar nicht so stark wie gedacht?

Interessant, dass beide Bundesliga-Absteiger eine Klasse tiefer gleich wieder Lehrgeld bezahlen mussten, Bochum wurde mit 1:4 in Darmstadt fast gedemütigt, Kiel unterlag in Paderborn mit 1:2. Da bekommen Wiederaufstiegsträume gleich einen Dämpfer.

Ein Nachtrag zur Frauen-EM. Bei der von der UEFA vorgestellte „Elf des Turniers“ darf man sich die Augen reiben, aber auch freuen. Nicht erwarten durfte man, dass Franziska Kett von den Bayern als Linksverteidigerin nominiert wurde, ebenso wie die Engländerin Chloe Kelly im Sturm, die zwar entscheidende Tore schoss, aber nie von Anfang spielte! Mit dabei ist auch Jule Brand (Wolfsburg). Die EM-Elf: Hampton (England) – Bronze (England), Paredes (Spanien), Linardi (Italien), Kett – Patri, Aitana, Alexia (alle Spanien) – Brand, Russo (England), Kelly (England).

Eine Neuigkeit gibt es international bei den Frauen, die Champions League wird künftig im TV auch beim ZDF übertragen. Ab 2025/26 besitzt der Streamingkanal Disney+ die Rechte und nicht mehr DAZN. Die Europäische Rundfunkunion (EBU) hat einige Reche erworben und so darf das ZDF in jeder Spielwoche eine Begegnung übertragen, außerdem Halbfinale und Finale und weitere im Streaming. Qualifiziert sind Meister Bayern München und der VfL Wolfsburg, Frankfurt muss in die Qualifikation.

Finals waren ein Fest des Sports

In Dresden fanden am Wochenende die sogenannten „Finals“ statt, eine Ansammlung von Deutschen Meisterschaften, mit der Leichtathletik im Mittelpunkt, aber auch Turnen oder der neuen olympischen Sportart Lacrosse. Vorgestellt wurde auch „Coasting Rowing“, Küsten-Rudern, wo die Athleten zu ihrem Boot laufen, eine Runde drehen und wieder zum Ziel rennen müssen. Dresden veranstaltete die Meisterschaften in 20 Sportarten in Anlehnung an den Erfolg von Olympia in Paris als Ereignis in der historischen Innenstadt, zum Beispiel mit Klettern an der Frauenkirchen und Bogenschießen an der Semper Oper. Der Erfolg war überwältigend, das Publikum zahlreich und bei freiem Eintritt begeistert und ebenso die Athletinnen und Athleten, die ein Fest des Sports feierten. So waren auch die Kanuten mittendrin und sie waren aus dem Häuschen: „Was hier los ist, ist nicht normal für unseren Sport“. ARD und ZDF waren am Wochenende den ganzen Tag über live dabei und erzielten gute Einschaltquoten.

Die Finals sind also eine tolle Idee, weil Sportarten, die sonst kaum Beachtung finden und höchstens bei Olympia in der Öffentlichkeit auftauchen, sich hier präsentieren können und Anhänger und vielleicht auch Sponsoren finden. Dazu werden Kinder animiert, den Sport für sich zu entdecken. Die nächste Austragung gibt es 2026 in Hannover. Da ist vielleicht auch wieder Schwimmen mit dabei, da kamen diesmal die Weltmeisterschaften in Singapur in die Quere. Dort war Deutschland mit sechsmal Gold, dreimal Silber und einmal Bronze so erfolgreich wie seit 2009 nicht mehr!

EM war ein Fest des Frauen-Fußballs – England Europameister, Deutschland ein Gewinner

„Wir schreiben Geschichte“ hatten sie in der Schweiz gejubelt und damit ihren erstmaligen Einzug ins Viertelfinale gemeint. Aber mit der Austragung der Fußball-Europameisterschaft der Frauen haben sie auch in der Organisation Geschichte geschrieben. Es war ein einzigartiges, stimmungsvolles Fest, garniert mit einem neuen Zuschauerrekord (650.000). Alle waren begeistert von einer lockeren, angenehmen Atmosphäre, egal, ob Fans oder Spielerinnen, egal, ob in den Städten oder Stadien. Im Gegensatz zu den Männern gab es keine Ultras, keine Hooligans, keine Schlägereien. Es war ein Fest für die ganze Familie, der Frauen-Fußball der große Gewinner!

Eigentlich gab es fast nur Gewinner, als Verlierer fühlten sich allerdings die Spanierinnen, die als spielerisch beste Mannschaft des Turniers dennoch nicht den Titel holten. Glücklicher waren da die Engländerinnen, die erstaunliche Bilanzen präsentieren. In der K.o.-Runde konnten sie kein Spiel in 90 Minuten entscheiden. Der 3:1-Sieg nach Elfmeterschießen (0:1/1:1/1:1) im Finale gegen Spanien war der zweite Erfolg vom Punkt aus, im Viertelfinale gegen Schweden bedurfte es bekanntlich 14 Elfmeter (Rekord), von denen nur fünf verwandelt wurden, beim 3:2. Im Halbfinale setzte sich England gegen Italien nach Verlängerung mit 2:1 durch, Chloe Kelly traf in der 119. Minute, bis zum Schlusspfiff waren es die einzigen vier Führungsminuten in der K.o.-Runde! Kelly sorgte immer wieder als Joker für entscheidende Momente und verwandelte schließlich auch den letzten Elfmeter! Die Engländerinnen verteidigten ihren Titel also erfolgreich.

Eine besondere Bilanz hat auch Trainerin Sarina Wiegmann vorzuweisen, die Holländerin erreichte ihre fünftes Finale (einschließlich WM) in Folge und wurde dreimal in Folge Europameisterin. 2017 gewann sie noch mit der Niederlande, trainierte dann ab 2021 England und holte 2022 (ein Jahr später wegen Corona) wieder den Titel und jetzt erneut. „Ich weiß nicht, wie das alles gegangen ist,“ schüttelte die 55-Jährige selbst den Kopf. Verwundert war sie auch über ihre Verteidigerin Lucy Bronze, die mit der Goldmedaille um den Hals gestand, dass sie das ganze Turnier mit einem gebrochenen linken Schienbein gespielt hatte. Unmenschlich! Mit 598 Minuten Spielzeit standen nur drei Mitspielerinnen länger auf dem Feld! Im Gegensatz zu England ist bei Spanien die Trainerin Montserrat Tomé (43) nicht beliebt, sie ist eine belastete Funktionärin vom Kuss-Skandal. Freuen konnten sich am Ende nicht einmal die spanischen Spielerinnen über Auszeichnungen. Aitana Bonmati, die gegen Deutschland entscheidend traf, wurde zur besten Spielerin des Turniers gewählt, Mittelstürmerin Esther war mit vier Treffern (alle in den Gruppenspielen) beste Torschützin. Gut spielt, die anderen hatten noch besser gekämpft. Gewinner waren auch die Schiedsrichterinnen – es gab keine Tumulte, keine großen Beschwerden.

Als Gewinner kann sich auch Deutschland fühlen. Das Ausscheiden im Halbfinale war unglücklich. Zwar nahm Torhüterin Ann-Katrin Berger für den Schuss ins kurze Eck zum 0:1 die Schuld auf sich, doch das ist unnötig. Es war Torhüter-Pech, sie spekulierte zurecht auf eine Flanke, Aitana überwand sie mit einem Glücksschuss. Berger war die älteste Spielerin einer jungen Mannschaft, der die Zukunft gehört, wenn sie sich in entscheidenden Punkten verbessern kann. Man darf nicht vergessen, dass es Rückschläge mit Verletzungen (Gwinn) und Sperren gab. Dazu fehlte mit der langzeitverletzten Lena Oberdorf die Mittelfeldstrategin. Übrigens kassierte der DFB insgesamt 2,7 Millionen Euro von der UEFA (England 5 Millionen), jede Spielerin erhält als Prämie 65.000 Euro.

Ab jetzt geht es um die Zukunft. Der Frauen-Fußball kommt in Deutschland an, doch beim Nachwuchs hapert es. Bezeichnend, sechs Leistungszentren gibt es bei den Mädchen, bei den Jungen sind es 58! Bedenklich, dass sich die U17 und U19 nicht einmal für die Europameisterschaften qualifiziert haben! Weiter Auftrieb könnte es geben, wenn Deutschland den Zuschlag für die nächste EM 2029 erhält. Der DFB hat bei der Bewerbung allerdings starke Konkurrenz, vor allem mit der Doppelbewerbung von Schweden und Dänemark, Polen will das erste osteuropäische Land sein, das eine Frauen-EM austrägt, Italien erhofft sich den Zuschlag, um ebenfalls den Frauen-Fußball zu forcieren. Am 3. Dezember wird entschieden

Für eine gute Zukunft ist aber vor allem die Bundesliga verantwortlich. Bei den Vereinen müssen die Voraussetzungen geschaffen werden. Mängel wurden vor allem im Passspiel und bei der Ballbehandlung deutlich. Der großartige Kampfeswillen kaschierte vieles. Die Aufstockung der Bundesliga von 12 auf 14 Vereine wird für mehr Aufmerksamkeit sorgen, zumal es mit dem Hamburger SV, 1. FC Nürnberg und Union Berlin attraktive Aufsteiger gibt, die alle in großen Stadien spielen wollen. Das brauchen die Frauen, die sich schon auf das Auftaktspiel der Bundesliga freuen, wenn Meister Bayern München in der Allianz-Arena am 6. September gegen Leverkusen spielt.30.000 Karten sind schon verkauft! Die Nationalmannschaft ist dann wieder zwischen dem 22. und 28. Oktober gefordert, da geht es im Halbfinale der Nations League gegen Frankreich.

Es geht wieder los: Start der 2. Bundesliga

Die Frauen dürfen kurz Urlaub machen, ab sofort übernehmen die Männer wieder das Kommando. Am Freitag startet die 2. Bundesliga mit dem Schlagerspiel Schalke 04 – Hertha BSC (20.30 Uhr/live bei SAT1) in die neue Saison (das Oberhaus folgt am 22. August). Mit dem Aufstieg der Traditionsklubs 1. FC Köln und Hamburger SV hat das Unterhaus einen großen Aderlass zu verzeichnen, aber von unten kam mit Dynamo Dresden und den Pokalhelden von Arminia Bielefeld guter Ersatz. Da dürften die Zuschauerzahlen weiterhin stimmen (zuletzt mit 9,4 Millionen ein neuer Rekord/ Schnitt 30.000) und das Motto „stärkste 2. Liga der Welt“ verliert sicher nicht an Gültigkeit. Vorfreude also, es geht wieder los!

Mit Hertha BSC Berlin zeigt sich gleich der erste Aufstiegsanwärter, aber insgesamt wird es wohl wieder ein enges Rennen geben wie im Vorjahr. Von den Traditionsklubs müssen sich Schalke und Nürnberg eher mit einem Mittelfeldplatz anfreunden, Ambitionen werden vor allem Hannover, Düsseldorf und Kaiserslautern nachgesagt. Die BL-Absteiger Kiel und Bochum müssen sich erst wieder neu aufstellen, können aber durchaus überraschen. Überraschungsteams wie im Vorjahr Elversberg, Paderborn und Magdeburg (auf den Plätzen 3 – 5) werden gesucht und wird es sicherlich wieder geben. Die Fernsehpräsenz wird gesteigert, im Free-TV gibt es mehr Übertragungen, auch RTL ist dabei. Ansonsten laufen wie bisher schon alle Spiele bei Sky.

Der 1. Spieltag: Freitag, 20.30 Uhr: Schalke – Hertha BSC. Samstag, 13 Uhr: Elversberg – Nürnberg, Paderborn – Kiel, Karlsruhe – Münster, Darmstadt – Bochum. 20.30 Uhr: Bielefeld – Düsseldorf. Sonntag, 13.30 Uhr: Hannover – Kaiserslautern, Magdeburg – Braunschweig, Fürth – Dresden.

Bayern-Erfolg im Transfer-Theater

Vor allem die Bayern füllen im Sommer das Programm im Transfer-Theater. Sie tun sich schwer mit Verstärkungen. Jetzt soll es den ersten Erfolg im Millionenspiel geben, die Bayern sollen sich mit dem FC Liverpool über den Wechsel des Kolumbianers Luis Diaz geeinigt haben, allerdings werden rund 75 Millionen (mit Boni) fällig. Der 28-jährige kampfstarke Außenstürmer kann im Angriff aus fast allen Positionen eingesetzt werden. Auf der Verkaufsliste zeichnet sich Entlastung ab, Bryan Zaragoza bleibt in Spanien (Celta Vigo gilt als Favorit), Verteidiger-Talent Adam Aznou, der bei Trainer Kompany keine Berücksichtigung fand, steht im Visier vom FC Everton, der sogar 9 Millionen Euro Ablöse zahlen will. Die Bayern haben offensichtlich weiterhin Probleme, eigene Talente im Profi-Kader zu halten. Jamal Musiala war eine Ausnahme, Paul Wanner hat zumindest die Chance evtl. der nächste zu sein.

Bei der Konkurrenz sieht es anders aus, Bayer Leverkusen setzt beim Neuaufbau auf junge Spieler, es verdichten allerdings die Meldungen, dass mit Granit Xhaka (zum FC Sunderland) der letzte routinierte Stützpfeiler geht. Frankfurt hat dagegen wieder gut verkauft mit rund 90 Millionen Euro vom FC Liverpool für Hugo Ekitiké die Kasse gut gefüllt. Wenig hört man von Borussia Dortmund, dort vertraut man offensichtlich mehrheitlich dem Kader, der zwar in der Vorsaison in die Kritik geriet, aber bei der Klub-WM eine Art Rehabilitation betrieb. Doch Vorsicht, Bundesliga und internationale Aufgaben waren da zwei verschiedene Welten!

Formel 1: Der alte Dominator versinkt im Chaos

Die Formel-1-Experten schwärmen, „es gibt keinen besseren Ort, um die zweite Hälfte der Formel-1-Saison zu beginnen, als die Ardennen. Auf dem Circuit Spa-Francorchamps sind sie zu Hause, die großen Gefühle.“ Die Berg- und Talfahrt holt das Beste aus den Rennfahrern und den Rennwagen heraus. Der zweite Teil der Saison dürfte aber sowieso spannend wie selten werden und Spannung liegt auch in der Luft, was die Zukunftsplanungen angeht. Den Weg für eine neue Zukunft hat der bisherige Dominator frei gemacht, denn Red Bull versinkt inzwischen im Chaos. Nach dem spektakulären Aus von Teamchef Christian Horner ist die Zukunft offen.

Unruhe begleitete Red Bull schon die ganze Saison, weil Max Verstappen öfters hinterher fuhr als ihm lieb ist und McLaren inzwischen den Siegerwagen auf die Strecke bringt. Oscar Piastri, der mit 234 Punkten führt, und Kollege Lando Norris (226) können sich nur gegenseitig den Griff nach dem Titel versauen und Verstappen (165) zum lachenden Dritten machen. Noch gibt es keine Stallorder. In der Konstruktionswertung liegt Red Bull mit 172 Punkten sogar nur auf Rang vier hinter McLaren (460), Ferrari (222) und Mercedes (210). Das Dilemma bei Red Bull begann mit einem Skandal um Christian Horner und dem Weggang von Genie Adrian Newey, dem Technischen Leiter. Seitdem sind die Boliden nicht mehr so schnell und fehlerhaft wie die Konkurrenz, die sich ins Fäustchen lacht. Zwölf Rennen stehen also noch aus, am 7. Dezember gibt es das Finale in Abu Dhabi.

Bei Halbzeit werden aber auch die Gerüchte um die Zukunft der einzelnen Teams immer konkreter und oft von Vertragsverlängerungen abgelöst. So machte es Mercedes-Boss Toto Wolff besonders spannend, als er für die Tage rund um Spa eine Entscheidung über die Fahrer ankündigte. Max Verstappen habe von Red Bull die Nase voll, heißt es, Mercedes buhle um ihn, obwohl der Vertrag des Niederländers noch bis 2028 läuft. Dagegen laufen die Verträge der beiden Mercedes-Fahrer George Russell und Kimi Antonelli am Saisonende aus. „Die Fahrer müssen Bescheid wissen, wie ihre Zukunft aussieht“, sagt Toto Wolff. Es wäre allerdings keine Überraschung, wenn eine Vertragsverlängerung um ein weiteres Jahr bekannt würde. Verstappen wird auch noch abwarten wollen, wie die Zukunft bei Red Bull aussieht, schließlich gibt man eine neunjährige Zusammenarbeit nicht so leicht auf. Sein Traum, wie Michael Schumacher fünfmal hintereinander Weltmeister zu werden, hat er wohl sowieso schon aufgegeben.

Ja, Michael Schumacher ist in Spa allgegenwärtig, es war schließlich seine Hausstrecke, da fuhr er Rekorde ein. Heute ist die Formel 1 in Deutschland in der Öffentlichkeit nicht mehr so präsent, weil hierzulande keine Rennen mehr gefahren werden. Mit einem Kracher beendete allerdings der letzte Deutsche im Fahrerfeld, Nico Hülkenberg, die erste Saisonhälfte, als er im Regenrennen von Silverstone aufs Podest fuhr. Da ging für ihn ein Lebenstraum in Erfüllung, noch nie musste ein Fahrer so lange auf einen Platz auf dem Stockerl warten. Für Hülkenberg waren es genau 5593 Tage. Mit seinem Sauber hielt er die Verfolger Hamilton und Verstappen auf Distanz und schürte damit die Hoffnung auf das nächste Jahr, wenn Audi bei Sauber einsteigt. Es geht jetzt schon aufwärts bei dem Sauber-Team, das mit 41 Punkten Rang sechs in der Konstrukteurswertung belegt, Hülkenberg (37/Rang 9) ist dabei ein eifriger Punktesammler. Wer hätte das gedacht. Sauber stand zuletzt 2012 auf dem Podest!

Vier Rennen stehen mit Spa, Budapest, Zandvoort und Monza noch in Europa an, bevor es nach Asien, Amerika und den Vorderen Orient geht. Die Formel 1 hat ja vor allem in den USA durch Internetaktivitäten neue Fans gewonnen, so dass es in den nächsten Jahren eher weniger Rennen in Europa geben wird. Madrid soll zwar bald ein Stadtrennen bekommen, dafür dürfte aber ein anderer traditionsreicher Kurs wegfallen. Die Formel 1 ist Teil der Unterhaltungsindustrie, die Fans fühlen sich gerade in diesem Jahr gut unterhalten.

Das Wunder von Basel: Frauen sorgen bei ihrer EM für Spektakel

Die Fußball-Europameisterschaft der Frauen in der Schweiz ist ein überwältigender Erfolg. Die Stadien sind voll, die Stimmung im Land großartig, dafür hat auch die eigene Mannschaft gesorgt. Gerade die Spiele im Viertelfinale waren zudem ein richtiges Spektakel. Schweden und England sorgten für einen Elfmeter-Rekord, die deutsche Mannschaft sicherte sich mit einem heroischen Kampf und einen Sieg im Elfmeterschießen gegen Frankreich einen Eintrag in die Geschichtsbücher. Beste Reklame also für den Frauen-Fußball – Fußball-Herz was willst du mehr!

Im Fußball geläufig ist das „Wunder von Bern“ von 1954, als Deutschland gegen Favorit Ungarn sensationell mit einem 3:2-Sieg die erste Weltmeisterschaft gewann. Ein Sieg, der für Euphorie im Land sorgte und heute noch als wichtiger Antrieb für den gelungenen Wiederaufbau Deutschlands gilt. Ganz so geschichtsträchtig ist der 6:5 (1:1/1:1/1:1)-Erfolg n. E. über Frankreich nicht, aber der tolle Kampf der Mädchen mit dem glücklichen Ende durch eine überragende Torhüterin Ann-Katrin Berger wird in Erinnerung bleiben. Das Spiel bot alles, was den Fußball interessant macht, was die Zuschauer von den Sitzen reißt.

Die Dramaturgie hätte kein Autor besser erfinden können. Die DFB-Elf trat als Außenseiter an, Bundestrainer Christian Wück hatte von vornherein auf eine defensive Ausrichtung gesetzt. Dann aber die ominöse 13. Minute: Kathrin Hendrich, neu hereingekommen, greift im eigenen Strafraum der Französin Mbock an den Zopf, zieht offensichtlich, also Rot und Elfmeter. Geyoro verwandelte, damit nahm das Drama seinen Anfang. Deutschland musste 75 Minuten (am Ende waren es 105 ohne Nachspielzeit) in Unterzahl überstehen, dazu schied kurz danach mit Sarai Linder die nächste Rechtsverteidigerin verletzt aus. Auf dem Posten liegt offensichtlich ein Fluch, Gwinn verletzt, Wamser gesperrt, jetzt Linder (von links nach rechts gewechselt) verletzt. Die Mannschaft aber hielt sich an das Motto, das der Bundestrainer sowieso schon mit auf den Weg gegeben hatte: „Mentalität schlägt Talent“. Der verbliebene Rest kämpfte auf dem Feld mit einer Leidenschaft, die bei einem vollzähligen Team wohl kaum abgerufen worden wäre. Dazu half ein genauer Eckball von Klara Bühl, den Sjoeke Nüsken ins lange Eck verlängerte. Mit einem 1:1 war alles drin, sogar der Sieg war möglich, aber in der 69. Minute scheiterte Nüsken mit einem Foulelfmeter an Torhüterin Peyraud-Magnin. Im Elfmeterschießen machte sie es besser. Es war also alles geboten.

Dass es überhaupt zu einem Elfmeterschießen kam, war Ann-Kathrin Berger zu verdanken, die einen verunglückten Kopfball von Kapitänin Minge mit der „Parade des Jahres“ von der Linie kratzte. Im Showdown hielt Berger dann zudem zwei Elfmeter und verwandelte den fünften zudem selbst sicher, so dass es auch vom Punkt zu einer Verlängerung kam. Berger hielt gleich den ersten Elfer, Minge, Dallmann und Knaak trafen, ehe Däbritz vergab. Nach Berger waren dann aber Bühl und Nüsken erfolgreich, ehe Berger den Schuss von Sombath hielt. Der Rest war Jubel! Der Kraftakt war von Erfolg gekrönt, typisches Beispiel des Willens war die junge Franziska Kett, die in beeindruckender Weise ihre renommierten Gegenspielerinnen Cascarino und Mateo in Schach hielt. Die Französinnen waren fassungslos, „wir haben das nicht verdient, wir waren die bessere Mannschaft“, jammerte Verteidigerin Bacha, gestand aber auch „ich bin eine schlechte Verliererin.“ Frankreich hatte in der Gruppenphase durch schönes Spiel imponiert, fand diesmal aber kein Rezept gegen die kampfstarken Deutschen.

Mit dieser unerwarteten Leistung und vor dem Halbfinale gegen Weltmeister Spanien hat die DFB-Elf bereits beste Reklame für den Frauen-Fußball gemacht. Die Fans in Deutschland sind wachgerüttelt, für die in der Regel niedrigen TV-Einschaltquoten im Sommer sind über 10 Millionen Zuschauer eine sagenhafte Zahl – und keiner wird das Einschalten bereut haben! Aber jetzt kommt die nächste große Aufgabe gegen Spanien am Mittwoch in Zürich. Dort verlor man am Samstag 1:4 gegen Schweden! Gegen Spanien sind die Vorzeichen ähnlich wie vor Frankreich: Der Weltmeister ist ebenfalls Favorit, hat imponiert. 14 Tore in den Gruppenspielen sind Rekord. Spanien mit seinen Stars Alexia, Aitana und Paredes galt sowieso als erster Titelanwärter, hat das Zeug einen deutschen Riegel zu knacken. Aber: Deutschland ist gegen Spanien noch ungeschlagen, gilt als „bastia negra“, das „Schwarze Biest“. In acht Spielen gab es fünf DFB-Siege, bei der WM 2019 wurde Spanien 1:0, geschlagen, bei der EM mit 2:0 ausgeschaltet und bei Olympia 2024 in Paris holte Deutschland mit einem 1:0 gegen Spanien Bronze! Spanien wurde auch noch nie Europameister. Bundestrainer Christian Wück muss sich aber wieder etwas einfallen lassen, mit Hendrich, Nüsken (beide gesperrt) und Linder (verletzt) fehlen drei Stammspielerinnen. „Wir wollen nach Basel, dieses Stadien gefällt mir“, hat Klara Bühl den Blick auf das Finale am Sonntag gerichtet.

Das zweite Finale bestreiten am Dienstag in Genf England und Italien. Die Titelverteidigerinnen aus England haben im Viertelfinale gegen Schweden für einen Rekord gesorgt. Auch da gab es nach einem 2:2 nach 120 Minuten ein Elfmeterschießen, sage und schreibe 14 waren nötig, zum 3:2-Sieg für England. Neun Elfmeter wurde also nicht verwandelt – das gab es noch nie! Auffallend: Außer Spanien stehen nur Gruppenzweite im Halbfinale! Die EM bietet wirklich alles!

Bayern im Transfer-Dilemma

Einige Bundesligisten haben schon reihenweise neue Spieler verpflichtet, andere tun sich schwer, Verstärkungen zu finden. Vorne dran dabei Meister Bayern München, das Team zu verstärken ist aber auch schwer und vor allem teuer. Und so bleibt Woche für Woche alles in der Schwebe. Stuttgart will wegen Nick Woltemade nicht verhandeln, 65 Millionen Euro sind zu wenig. Dabei könnten die Bayern Druck ausüben, haben Torhüter Nübel als Leihspieler beim VfB und wenn die Stuttgarter ins Trainingslager an den Tegernsee kommen, hat es Bayern-Legende Uli Hoeneß nicht weit zu einem Machtwort mit Neffe Sebastian Hoeneß, dem VfB-Trainer. Und noch einen Plan B gibt es, Talent Paul Wanner haben die Stuttgarter im Visier, aber er könnte bei den Bayern die Lücke des verletzten Musiala füllen, ganz ohne Woltemade. Ohne Trumpf sind die Münchner also nicht.

Kein Woltemade, aber vielleicht ein Luis Diaz. Der kolumbianische Stürmer des FC Liverpool gilt als perfekte Lösung als linker Stürmer, weil er auch Back-up für Harry Kane in der Mitte sein kann. Allerdings ruft Liverpool rund 70 Millionen Euro als Ablöse auf. Diaz soll sich mit den Bayern einig sein, vielleicht braucht Liverpool das Geld, weil für Wirtz, Frimpong und neuerdings zudem noch Ekitiké von Eintracht Frankfurt (für 90 Millionen!) rund 250 Millionen allein in die Bundesliga fließen. Aber auch hier könnte es noch eine Weile dauern. Immerhin gibt es bei den Bayern eine Entscheidung: Herbert Hainer hat sich entschlossen, bei der Jahreshauptversammlung im November wieder als Präsident zu kandidieren. Die Wiederwahl des 71-Jährigen gilt als sicher. Es wäre seine dritte Amtsperiode, 2019 hatte er Uli Hoeneß beerbt.

Schwerer als die Bayern wird es in der neuen Saison vor allem Bayer Leverkusen haben. Nach den Team-Stützen Tah, Wirtz und Frimpong wird jetzt auch über einen Abgang vom Mittelstrategen Granit Xhaka spekuliert, den saudisches Geld locken soll. Da steht der neue Trainer Erik ten Hag vor einem ziemlichen Neuaufbau.