Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Nur den Glücklichen läuft das Können hinterher

Der Spruch ist allgemein bekannt und wird oft gebraucht, die Rede ist vom Duselbruder (von Schwestern ist nie die Rede!), dem das Glück hinterher läuft. Dies wurde lange Zeit im Fußball auch dem FC Bayern München unterstellt, als sprichwörtlicher „Bayern-Dusel“ bekannt. Der erfahrene Trainer Hermann Gerland hatte dies aber schon vor Jahren relativiert: „Immer Dusel ist Können“. Insofern ist es also einen besondere Leistung, wenn Meister Bayer Leverkusen bei Rückständen mit späten Toren (inzwischen 20 in der Nachspielzeit) Niederlagen abwendet. So auch wieder in Dortmund, als die erste Saison-Niederlage nach 44 ungeschlagenen Pflichtspielen drohte, aber mit Josip Stanisic ausgerechnet ein Verteidiger spät, aber nicht zu spät (90+7) das Serienende abwendete. Es war also kein Glück, sondern Können, oder anders gesagt, dem Glücklichen läuft das Können hinterher.

Wer im Tabellenkeller steckt, der gehört nicht zu den Glücklichen und der muss anderes verkraften, dem Unglücklichen läuft bekanntlich das Pech hinterher. Es heißt allerdings auch, dass man sein Glück zwingen kann, doch das gelingt nicht jedem. Im Sport und natürlich in der Fußball-Bundesliga können Fehler und Fehlentscheidungen nicht mit dem Hinweis auf fehlendes Glück kaschiert werden. So steht der 1. FC Köln vor dem Absturz in die 2. Liga, der sicherlich bei besserem Management zu verhindern gewesen wäre. Im letzten Sommer herrschte noch Euphorie, Köln schloss die Saison als Elfter ab, der Blick ging eher nach oben als nach unten, doch damit begann das Unheil. Der sportliche Substanzverlust mit den Abgängen von Kapitän Hector und Mittelfeldlenker Skhiri an der Spitze wurde ignoriert. „Wir sind mit dem Kader zufrieden, es gibt keine Notwendigkeit, ihn zu ergänzen“, war Geschäftsführer Christian Keller optimistisch. Er baute auf Trainer Steffen Baumgart, der Schwung in den Laden gebracht hatte, doch der Elan ging verloren. Am Ende musste Baumgart gehen, Nachfolger Timo Schultz wirkt eher überfordert. Die 0:2-Niederlage gegen Darmstadt war eine Art Offenbarungseid, der siebte Abstieg seit 1998 droht. Der Absturz könnte besonders bitter ausfallen, weil Köln wegen eines CAS-Urteils unter einer Transfersperre leidet. Fünf Punkte sind es für den Vorletzten bis zum rettenden Ufer (Platz 15), das Mainz mit dem 1:1 in Freiburg erstmals seit dem 2. Spieltag (!) wieder erreicht hat. Köln tritt am Sonntag (17.30 Uhr) in Mainz an. Wieder einmal ein „Endspiel“. Der Gegner hat es leichter, befindet sich im Aufwind, hat besser gearbeitet und steht davor, den Lohn des Tüchtigen zu ernten, egal ob Glück und Können hinterher laufen.

Bleiben wir beim Abstiegskampf. Die Glücklichen waren Werder Bremen und der VfL Wolfsburg, die mit ihren Siegen gegen Stuttgart bzw. Bochum sich ein Polster zur Abstiegszone geschaffen haben. Werder darf nach dem Überraschungscoup gegen den VfB mit 34 Punkten fast schon vom Klassenerhalt ausgehen, Wolfsburg hat das Abrutschen nach unten verhindert und Bochum ins Dilemma gestürzt. Die Relegation droht. Auch Gladbach ist noch nicht aus dem Schneider und darf sich mit 31 Zählern nicht in Sicherheit wiegen. Hier gibt es ebenfalls eine Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit, die gefährlich werden kann. Schlusslicht Darmstadt hat nach einer Dürre von 22 sieglosen Spielen erstmals wieder drei Punkte einsacken dürfen.

Zurück zur Tabellenspitze. Ausgerechnet Stanisic werden auch die Bayern gedacht haben, der Verteidiger fällt in Leverkusen auf, saß bei den Bayern aber auf der Bank und wurde bekanntlich zum Konkurrenten verliehen. Ein Fehler, aber deren hat entthronte Meister im Sommer viele gemacht. Jetzt darf er sich bei der Trainersuche keinen erlauben, steckt aber im Dilemma. Die Liste der Wunschtrainer umfasst Xabi Alonso, Jürgen Klopp und Sebastian Hoeneß, doch keiner steht jetzt zur Verfügung, aber in einem Jahr. Welcher starke Coach kommt für ein Jahr? Ist eine Übergangsverpflchtung die Lösung? Die Bayern wollen ja wieder erfolgreich sein und das Finale der Champions League findet 2025 in München statt. Von der Trainerliste wurden angeblich de Zorbi und der zuletzt gehandelte Zidane gestrichen, näher dran sind wohl Ralf Rangnick (aber doch nicht für ein Jahr!) und Hansi Flick. Als Kurzzeittrainer wird Lucien Favre genannt, mit dem Sportchef Max Eberl gute Erfahrung in Gladbach gemacht hat.

Eigentlich müssen sich die Münchner fragen, ob sie die Trennung von Thomas Tuchel nicht zu früh festgezurrt haben. Ein Rückzieher liegt wohl im Bereich des Möglichen, aber will Tuchel das? Er soll bei Manchester United im Gespräch sein. Jedenfalls surft er gerade auf einer Welle des Erfolgs: 2:0 gegen Köln, 1:0 gegen Arsenal und jetzt 5:1 bei Union Berlin. Auffallend, gegen Köln haperte es noch, gegen Arsenal bestimmten Wille und Ehrgeiz die Szenerie, in Berlin waren die Bayern frappierend nüchtern und erfolgreich. Dort fehlten die „Fummler“ Sané und Musiala, Bayern spielte einfach mit Pavlovic im Mittelfeld, Antreiber Goretzka und einem starken Thomas Müller, der wieder einmal einen Rekord aufstellte: Jetzt hat er auch am 30. Spieltag getroffen und damit in seiner Karriere an allen Spieltagen!

An der Unbesiegbarkeit von Leverkusen litt jetzt auch Borussia Dortmund. Nach dem Coup gegen Atletico Madrid in der Champions League, die alle deutschen Klubs ins Halbfinale brachte (Siehe auch den nächsten Blog „Festtage auf Europas Bühne und ein Triumph der Bundesliga“), stand die Borussia kurz vor dem Sieg, um wieder zu Leipzig aufzuschließen. Jetzt geriet Dortmund ins Hintertreffen und steht vor der nächsten großen Aufgabe: Welches Schicksal des Spielplans, dass sich Leipzig und Dortmund am Samstag (15.30 Uhr) im Kampf um Platz vier direkt gegenüberstehen! Aber wir wissen, auch Platz fünf könnte für die CL reichen. Das wird auch den VfB Stuttgart beruhigen, falls er mit seinen überraschend guten Leistungen doch nicht durchhält, schließlich warten Leverkusen (Samstag, 18.30 Uhr) und die Bayern als nächste Gegner.

Übrigens, in Sachen Organisation hat Dortmund schon Nägel mit Köpfen gemacht, nachdem Boss Hans-Joachim Watzke sich im Sommer zurückzieht, wird eine neue Führung installiert. Sportdirektor Sebastian Kehl hatte auf den Sprung an die Spitze gehofft, doch jetzt fiel die Wahl auf den ehemaligen CL-Helden Lars Ricken, der ab 1. Mai zu Geschäftsführer Sport aufsteigt (neben den anderen Geschäftsführern Carsten Cramer und Thomas Treß). Damit wird seine gute Arbeit im Nachwuchsleistungszentrum gewürdigt. Dazu kommt Sven Mislinat zurück, der Technischer Direktor wird.

Leipzig ließ beim 2:1 in Heidenheim nichts anbrennen, der Sieg hat trotzdem gestunken. Auch im beschaulichen Städtchen gibt es Übeltäter, die hatten in der Nacht vor dem Spiel Buttersäure auf die Gästeränge verteilt, was unheimlich stinkt und von den Gastgebern nicht mehr gänzlich beseitigt werden konnte. Das war den braven Heidenheimern peinlich, aber den sogenannten Fans ist der gute Ruf ihres Vereins egal, sie wollten ihre Abneigung gegen den von Red Bull gesponserten „Geldverein“ kundtun, doch zeitgemäß ist das nicht mehr. RB hat sich längst Anerkennung verdient und erhält sie auch in ganz Deutschland. Für Leipzig nicht die einzige Kalamität, der Rückflug fiel wegen eines defekten Fliegers aus, mit dem Bus gab es eine anstrengender Rückreise, doch es gibt ja eine Woche der Erholung.

Frauen: Wachablösung oder nicht?

Im Frauen-Fußball wurde schon die Reklametrommel für das Pokalfinale am 9. Mai in Köln zwischen Titelverteidiger VfL Wolfsburg und Bundesliga-Spitzenreiter Bayern München gerührt. Dabei ging es vor allem um die Frage, ob es bei den Frauen bereits zu einer Ablösung der Wölfinnen als Nummer 1 gekommen ist. Aus München kommt unverhohlen die Kampfabsage, für eine Wachablösung zu sorgen, was bei einem Gewinn des Doubles wohl der Fall wäre. Wolfsburgs Kapitänin Alexandra Popp will davon nichts wissen: „Da muss eine Mannschaft schon über einen längeren Zeitraum hinweg Erfolg haben, das wollen wir verhindern.“ Genau das ist das Ziel von München, aber es wird dem Frauen-Fußball guttun, wenn es interessant bleibt und keine Alleinherrschaft gibt. Erfreulich ist ja, dass sich hinter den beiden Spitzenklubs auch Frankfurt und Hoffenheim immer stärker präsentieren.

Anders sieht es in Duisburg aus, der MSV steht als erster Absteiger aus der Bundesliga fest. Allerdings wird weiter diskutiert, die Frauen-Bundesliga aufzustocken, mit nur 12 Vereinen ist die Saison einfach zu kurz, attraktive Vereine aus der 2. Bundesliga (der Hamburger SV zum Beispiel) könnten dem Oberhaus durchaus guttun. Mit dem 1. FC Nürnberg, dem auch der Abstieg droht, könnte ein bekanntes Gesicht die Liga ebenfalls verlassen müssen.

Festtage auf Europas Bühne und ein Triumph der Bundesliga

Wir brauchen wirklich keine Super League! Den Befürwortern dieser Vision, in der es um Geld geht, nicht um den Sport, wurde deutlich gemacht, dass das bestehende Modell für Europas Fußball sehr attraktiv ist. Das Viertelfinale in Champions-, Europa- und Conference-League sorgte für Festtage auf Europas Bühne. Die Fans sahen großartige Spiele, die Lust auf mehr machten. Und das Beste daran, diese Festtage wurden auch zu einem Triumph der Bundesliga. Erstmals seit 29 Jahren stehen wieder drei deutsche Klubs im Halbfinale! Und noch besser: Bayer Leverkusen holte sich mit dem 1:1 bei West Ham United den Rekord von Juventus Turin, 44 Pflichtspiele ungeschlagen, das gab es noch nie!

Es ist schon seltsam, die Premier League in England hat am meisten Geld und gilt als attraktivste und beste Liga in Europa, doch nur Aston Villa steht im Halbfinale und das im dritten Wettbewerb, der Conference League. Ansonsten: Manchester City, Arsenal London, West Ham United in der CL und FC Liverpool in der EL – alle ausgeschieden. Nicht besser steht die ebenso oft gerühmte La Liga in Spanien da, nur Real Madrid ist noch dabei, dagegen haben die manchmal belächelten Nationen der zweiten Reihe aus Italien und Deutschland das Sagen. Italien hat den Titel als beste Liga in dieser Saison sicher und bekommt in der neuen Champions League einen Platz mehr, Deutschland hält Rang zwei und nur die Bundesliga stellt zwei Vertreter im CL-Halbfinale, dazu Leverkusen in der EL, dort trumpfte Italien auf, ist mit AS Rom und Atalanta Bergamo vertreten ist und mit Florenz in der Conference League. So schlecht können diese Ligen also nicht sein!

Was die UEFA-Rangliste angeht, da darf sich die Bundesliga ziemlich sicher auf einen fünften Platz in der Champions League freuen. Italien ist mit 19,428 Punkten nicht mehr zu schlagen, Deutschland hat auf Rang zwei mit 17,928 Punkten den Vorsprung gegenüber England (17,375) und Frankreich (16,083) ausgebaut. Vereinfacht gesagt: Die Konkurrenten müssten alle Spiele gewinnen, um Deutschland zu verdrängen. Der Bundesliga genügen gegenüber England drei Punkte (also ein Sieg oder drei Unentschieden in den anstehenden sechs Spielen der drei Vereine) und gegenüber Frankreich vier Punkte, für den Fall, dass die Klubs der Verfolger alles gewinnen. Dortmund kann selbst viel tun, um auch als Fünfter der Bundesliga wieder in die CL einzuziehen.

Vor 29 Jahren, also 1995, waren letztmals drei deutsche Klubs in den Halbfinals vertreten. Nur sollten es die Vereine jetzt besser machen, damals schieden nämlich alle aus. Und wie es das Schicksal so will, handelt es sich genau um die drei Vereine wie damals. Bayern München zog in der Champions League gegen Ajax Amsterdam den Kürzeren, einem 0:0 folgte eine 2:4-Niederlage in Amsterdam. Dortmund und Leverkusen waren noch im alten UEFA-Pokal vertreten, schieden aber ebenso aus. Dortmund unterlag Juventus Turin knapp mit 2:2 und 1:2, Leverkusen schoss beim 0:2 und 0: 3 gegen Parma kein Tor! Das sollte diesmal nicht passieren. Wer nachrechnet, das waren gerade mal zwei Punkte, das sollte diesmal also besser laufen.

Leverkusen will gleich doppelte Revanche, denn wie im Vorjahr ist AS Rom der Gegner im Halbfinale, Bayer schied unglücklich mit 0:1 und 0:0 aus, Rom verlor dann das Finale gegen den FC Sevilla mit 1:4 im Elfmeterschießen. Bleibt Leverkusen bis zum Duell am 2. und 9. Mai weiter ungeschlagen (in der Bundesliga sind Dortmund und Stuttgart die Gegner)? Trainer Xabi Alonso lieferte beim 1:1 bei West Ham wieder ein Meisterstück seines Coachings und wechselte den Erfolg ein. Bezeichnend, dass der wichtige Treffer wieder einmal kurz vor Spielende fiel. Eine Stärke von Bayer, der Gegner wird müde, die Alonso-Schützlinge nicht.

In der Champions League treffen München und Dortmund auf alte Bekannte. Auch bei den Bayern wurde Trainer Thomas Tuchel für seine taktische Meisterleistung beim 1:0 gegen Arsenal gelobt, vor allem aber zeigte die Mannschaft wieder einmal ihr besseres Gesicht und legte allen Kampfgeist in die Waagschale. Joshua Kimmich wurde mit seinem tollen Kopfballtor zum Spieler des Tages. Erstmals seit vier Jahren sind die Münchner wieder im Halbfinale, aber jetzt wartet mit Real Madrid am 30. April und 8. Mai ein anderes Kaliber. Real ermauerte sich buchstäblich ein 1:1 gegen Manchester City, die Guardiola-Schützlinge hatten viel Ballbesitz rannten aber vergeblich an. Im Elfmeterschießen war schließlich Antonio Rüdiger der Held, als er den entscheidenden Ball versenkte. Noch ein deutscher Triumph! Auch gegen Real spielen die Bayern gegen einen alten Trainer, nämlich Carlo Ancelotti. In München war er nicht so erfolgreich. Real war übrigens in den letzten zehn Jahren fast immer im Halbfinale vertreten, nämlich achtmal. Die Bayern schafften es immerhin zum fünften Mal und sind nach Real der erfolgreichste Verein (ManCity viermal).

Borussia Dortmund trifft auf einen alten Bekannten aus den Gruppenspielen, da gab es gegen Paris St. Germain ein 1:1 und eine 0:2-Niederlage. „Das wollen wir jetzt besser machen,“ sagt Trainer Edin Terzic vor den Duellen am 1. und 7. Mai mutig, schließlich sind die Borussen erstmals seit 2013 wieder im Halbfinale und damals gab es danach das deutsche Finale in Wembley, als die Bayern 2:1 siegten. Diesmal ist wieder das Wembleystadion am 1. Juni Austragungsort des Finales, da dürfen die Fans schon von einem erneuten deutschen Duell träumen. Paris träumt allerdings auch seit Jahren nicht nur vom Finale, sondern vom Sieg in der CL. Der 4:1-Sieg in Barcelona darf als Empfehlung gelten.

Als sich nach den Spielen auf Europas Bühnen der Vorhang zuzog, gab es die große Überraschung auf der Bühne Nationalmannschaft: Julian Nagelsmann verkündete, dass er bis nach der Weltmeisterschaft 2026 Bundestrainer bleiben werde. Er hat seinen Vertrag beim DFB entsprechend verlängert und nach der Begeisterung rund um das Nationalteam nach den letzten Testspielen offensichtlich Gefallen an seiner Aufgabe gefunden. Da musste Bayern München doch noch eine Niederlage einstecken, in erster Linie Sportchef Max Eberl, der Nagelsmann wohl holen wollte, aber auch auf Widerstände im Verein stieß. Auch das dürfte Nagelsmann bewogen haben, auf eine Rückkehr an die Isar zu verzichten. Eberl hat aber eine baldige Entscheidung in der Trainerfrage angekündigt. Das Rätselraten bleibt…

Leverkusen von Vizekusen zu Meisterkusen – und bald Triplekusen?

Die Stadt lag schon eine Woche lang im Rot-Schwarzen Fieber, wartete gespannt auf den Sonntag, an dem Bayer Leverkusen mit einem Erfolg über Werder Bremen das Trauma besiegen sollte, nie Meister zu werden. Häuser, Balkone und Gärten waren in Rot-Schwarz geschmückt, noch nie gehörte dem Werksklub so viel Sympathie in der Stadt, allein in den letzten Wochen erhielt Bayer über 20.000 neue Mitglieder, liegt jetzt bei rund 55.000. Die Mannschaft enttäuschte die Fans nicht, mühsam war die erste Halbzeit, erst dann kam Florian Wirtz und brachte die Party mit einem Hattrick zum 5:0 erst richtig in Gang. Die Fans waren nicht mehr zu halten, überfluteten den Platz, so dass sogar ein Spielabbruch befürchtet werden musste. Anschließend erlebte ganz Leverkusen eine noch nie erlebte Party-Nacht – und die Spieler mittendrin. Deutschland hat einen neuen Fußall-Meister!

Seit dem Aufstieg 1979 spielt Leverkusen in der Bundesliga, nur Bayern (seit 1965) und Dortmund (seit 1976) sind länger ununterbrochen dabei. Zwei Titel holte Bayer in dieser Zeit, 1988 den UEFA-Cup und 1993 den DFB-Pokal und wurde fünfmal Vizemeister. Der Spottname „Vizekusen“ (im Ausland gern auch Neverkusen) entstand 2002, als Leverkusen in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League gleich dreimal nur Zweiter wurde. Im Jahr darauf fast der Absturz, Klassenerhalt gerade noch mit zwei Siegen am Ende. Unter Jupp Heynckes wurde Bayer letztmals 2011 Zweiter. Jetzt ist es mit Vizekusen vorbei. Bei einem Titel soll es nicht bleiben, die Krönung wäre der Sieg in der Europa League im Finale am 22. Mai in Dublin und am 25. Mai wartet im Endspiel des DFB-Pokals gegen den krassen Außenseiter 1. FC Kaiserslautern der nächste Pokal, der auf dem Weg von Vizekusen über Meisterkusen ein Triplekusen machen könnte.

Die Weichenstellung für diesen Erfolgsweg erfolgte im letzten Jahr mit der Verpflichtung des Spaniers Xabi Alonso als Trainer, der die Mannschaft aus dem Tabellenkeller der Bundesliga zur besten Mannschaft Europas machte, die als einziges Spitzenteam in dieser Saison noch ungeschlagen ist. Auch für Alonso eine Krönung, aus dem Trainer-Lehrling wurde ein begehrter Meister. Aber dieser Erfolg wäre nicht ohne die gute Transferperiode im Sommer möglich gewesen. Geschäftsführer Sport Simon Rolfes und Boss Fernando Carro hatten ein glückliches Händchen und waren mutige Antreiber. Neben dem Trainer wurde Granit Xhaka zur Schlüsselfigur. Der 31-jährige Schweizer wurde für 15 Millionen Euro von Arsenal London losgeeist und ist Denker und Lenker sowie verlängerte Arm von Alonso auf dem Feld. Ein Typ, den der nach elf Titelgewinnen in Folge entthronte Serienmeister Bayern in diesem Jahr so vermisste. Am 3. Spieltag übernahm Leverkusen zum ersten Mal die Tabellenführung, gab sie nur einmal kurz an Bayern ab und marschierte ab Spieltag sechs ungehindert vorneweg. 16 Punkte Vorsprung sind es heute, der Meister spielt wie einst die Bayern in einer eigenen Liga. Mit entscheidend auch Talent Florian Wirtz, über den Alonso sagte: „Er macht uns besser, auch mich als Trainer.“ In der Noten-Rangliste des kicker liegt er (logisch) auf Platz eins, insgesamt liegen acht Bayer-Spieler vorn.

Der Rest hat die Zeit der Endspiele

Leverkusen thront in der Bundesliga oben, doch was passiert dahinter? Für den Rest beginnt quasi die Zeit der Endspiele, es geht um Entscheidungen. Die Bayern kämpfen mit Stuttgart nur noch um Rang zwei, der könnte das Spiel um den Supercup bescheren, wenn Bayer auch Pokalsieger wird. Aber auch Dortmund und Leipzig, die mit je 56 Punkten gleichauf liegen und Platz vier im Visier haben, könnten von Bayer-Siegen profitieren, dann nämlich wenn Bayer bei West Ham United in der Europa League gewinnt, weil dann die Chance größer ist, dass Deutschland vor England in der UEFA-Rangliste bleibt und sogar der Fünfte in die Champions League einzieht. Dortmund steht vor „Endspielen“, zuerst am Sonntag, 17.30 Uhr, die Prüfung gegen den neuen Meister Leverkusen, am Wochenende drauf das Duell in Leipzig. Letzte Gegner sind Augsburg, Mainz und Darmstadt.

Dahinter geht es um die einen Platz in Europa, sogar Rang acht könnte noch glücklich machen, Platz sieben ist sicherer, den nimmt im Moment der FC Augsburg ein, punktgleich mit Freiburg und ein Zähler dahinter Hoffenheim. Davor noch die schwächelnde Eintracht, der Vorsprung auf die Verfolger schmolz auf drei Punkte. Langweilig wird es also nicht. Frankfurt und der FCA stehen sich am Freitag (20.30 Uhr) direkt gegenüber. Der Blick nach unten: Den Tabellenkeller mischt Mainz 05 auf, ist nur noch einen Punkt von der Rettung entfernt. Platz 15 hält Bochum, das in der Not den Trainer wechselte. U19-Trainer Heiko Butscher folgte auf Thomas Letsch und soll den VfL retten. Kurios: Er hilft schon zum vierten Mal aus. Immer mehr in die Bredouille geraten aber auch Wolfsburg, Union und Bremen. Vor allem Wolfsburg hat mit anderen Tabellenregionen gerechnet, durch die Entlassung von Sportboss Marcel Schäfer, der seinen Abgang für den Sommer ankündigte (Leipzig soll das neue Ziel sein) und deshalb sofort gehen musste, entstand weitere Unruhe. Keine leichte Aufgabe für den neuen Trainer Ralph Hasenhüttl, der sich das wohl anders vorgestellt hat. Auch hier steht ein „Endspiel“ an, Bochum gastiert am Samstag in Wolfsburg. Außerdem duellieren sich die beiden Teams vom Tabellenende. Schlusslicht Darmstadt steht vor der letzten Chance, bei einer Niederlage in Köln wäre der Abstieg wohl nicht mehr abzuwenden.

Kampf gegen England

Wie oben schon beschrieben, kämpft die Bundesliga (Platz zwei hinter Italien) gegen England um mehr Teilnehmer auf Europas Bühne. Also sollte zum Beispiel der FC Bayern am Mittwoch gegen Arsenal London nicht nur für sich gewinnen, sondern auch für die Liga. Das 2:2 vom Hinspiel lässt alles offen, beide Teams befinden sich aber nicht in Bestform und klagen über Verletzungen. Die Münchner stehen ohne Flügelflitzer da, wenn neben Coman und Gnabry auch noch Sané ausfällt. Arsenal bangt um den gefährlichen Sako und Spielmacher Ödegaard und verlor mit einer 0:2-Niederlage gegen Aston Villa die Tabellenführung in England. Gutes Bayern-Omen: Nach Unentschieden kamen sie in 22 von 25 Fällen in den K.o.-Runden weiter! Auch Dortmund sollte im doppelten Interesse gegen Atletico Madrid gewinnen, nach dem 1:2 im Hinspiel aber keine leichte Aufgabe. Nach den Hinspielen könnte es die Halbfinals Bayern – Manchester City und Dortmund – Barcelona geben. Das wäre doch was! Leverkusen sollte sich in der Europa League nicht von West Ham düpieren lassen. Ziel: Ungeschlagen bleiben (ohne Kater von der Meisterparty).

Erfolgreiche Frauen-Teams

Bei den Frauen geht es nicht nur um die Fußball-Bundesliga, aber sie steht vorne dran. Die beiden Spitzenteams gaben sich keine Blöße (Bayern 5:1 in Duisburg, Wolfsburg 4:1 in Freiburg), München braucht noch zwei Siege zum Titel, Bremen, Leverkusen, Nürnberg und Hoffenheim sind die Gegner. Eintracht Frankfurt war der große Verlierer am Wochenende, denn nach der 0:2-Niederlage in Leverkusen gerät Platz drei, den Hoffenheim hält, und damit die Qualifikation für die Champions League in Gefahr.

Gefeiert haben die Handball-Frauen, denn die Nationalspielerinnen machten es ihren Kolleginnen vom Fußball gleich und qualifizierten sich für die Olympischen Spiele im Sommer in Paris. Siege gegen Slowenien (31:25), Montenegro (28:24) und die Paraguay (37:20) machten dies möglich. Da flossen Freudentränen, denn seit 16 Jahren fand Olympia ohne dem DHB-Team statt! Damit haben es die Frauen den Männern nachgemacht, die sich bereits qualifiziert hatten. Im Basketball sind die Männer dabei, im Hockey haben es ebenfalls beide Teams geschafft.

Die deutschen Eishockey-Frauen hatten bei der Weltmeisterschaft in den USA nur eine gute Platzierung im Blick, Ziel war sogar das Halbfinale, nachdem die Mannschaft von Bundestrainer Jeff MacLeod in den Gruppenspielen ungeschlagen blieb und auch Favorit Schweden bezwang. Dann aber war im Viertelfinale gegen Tschechien mit 0:1 Endstation und im Spiel um Platz fünf verlor die Mannschaft um die überragende Torhüterin Sandra Abstreiter gegen die Schweiz nach Verlängerung mit 2:3. Platz sechs ist aber ein Fortschritt zum letzten Turnier, als Deutschland Achter wurde.

Keine Überraschung gab es beim ersten großen Golfturnier des Jahres, dem Masters in Augusta (siehe auch der nächste Blog). Mit Scottie Scheffler (USA) gewann die Nummer 1 der Welt vor dem großen Talent Ludvig Aberg aus Schweden. Golf-Star Tiger Woods schaffte einen Rekord und musste Demütigungen aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes hinnehmen. Er ist jetzt der erste Spieler, der bei allen seinen 24 Starts den Cut geschafft hat. Danach aber ging es bergab, er spielte mit 10 über Par seine überhaupt schlechteste von jetzt 100 Runden und wurde Letzter der 60 verbliebenen Starter.

Masters in Augusta: Von dem Turnier träumen alle Golfer

Es ist wieder soweit, am Donnerstag beginnt das „The Masters“, nicht irgendein Major-Turnier, sondern der Saison-Höhepunkt im Golf. Im Profi-Golf natürlich, doch von diesem Turnier träumen alle Golfer, nach dem Motto „einmal in Augusta spielen…“ Das wird allerdings kaum möglich sein, der Augusta National GC gilt als der exklusivste Klub der Welt, viele Geheimnisse ranken sich um ihn, selbst die genaue Zahl der Mitglieder ist nicht bekannt, es sollen rund 300 sein. Spielen darf man nur auf Einladung – auch die Profis beim Masters. Für Frauen war der Klub ewig tabu, erst 2012 wurde der Männerklub geöffnet, als erstes weibliches Mitglied wurde die damalige US-Außenministerin Condoleezza Rice aufgenommen.

In Georgia startet das 88. Masters mit 89 Spielern, selbst aus der rebellischen Saudi-Tour LIV sind 13 Golfer dabei, so hat der abtrünnige Spanier Jon Rahm als Titelverteidiger sowieso lebenslanges Startrecht. Der derzeit beste Spieler der LIV-Tour, der Amerikaner Talor Gooch wurde allerdings nicht eingeladen. Die besten Aussichten werden der Nummer 1 der Welt, dem Amerikaner Scottie Scheffler, eingeräumt, von einer erfolgreichen Titelverteidigung träumt natürlich Jon Rahm, er möchte wieder das berühmte „Green Jacket“ tragen, doch eine Wiederholung des Erfolgs gelang zuletzt 1979 einem Spieler namens Fuzzy Zoeller. Der größte Träumer dürfte Rory McIllroy sein, der Nordire hat im Golf quasi alles gewonnen, 38 Titel, vier Major-Siege, war lange Zeit Nummer 1 der Welt, aber auch nach 16 Teilnahmen fehlt ihm ein Masters-Erfolg. Er stand schon einmal kurz vor dem Sieg, schaffte im letzten Jahr aber nicht einmal den Cut. Als eine Art Geheimfavorit wird das schwedische Talent Ludvig Aberg gehandelt, der 24-Jährige ist Neunter der Weltrangliste und dennoch Debütant.

Ein großer Traum geht für Stephan Jäger in Erfüllung. Der gebürtige Münchner erlernte das Spiel in München-Eichenried, dem Austragungsort der jährlichen BMW-Open, lebt aber seit seinem 16. Lebensjahr in den USA. Das Golfspiel zog ihn als Teenager in die Highschool im Bundesstaat Tennessee, wo er mit Ehefrau Shelby und dem 16 Monate alten Sohn Harrison Fritz bis heute lebt. In Amerika ging es bei ihm lange Zeit auf und ab, ein Jahr hatte er die PGA-Startberechtigung, dann wieder nicht, schaffte aber immer wieder die Rückkehr. Jetzt hat er den Durchbruch geschafft, gewann kürzlich die Texas Open in Houston, kassierte dafür 1,638 Millionen Dollar Preisgeld, aber wichtiger waren für ihn die Startberechtigung für die PGA-Tour für zwei Jahre und das Ticket für das Masters. Damit hatte er den Traum seiner Frau erfüllt: „Spiel gut, gewinne, dann fahren wir zum Masters.“ Es war der erste Tour-Sieg für den 43. der Weltrangliste!

Jäger vertritt allein die deutschen Farben, die in Augusta bereits glänzten. Deutschlands Vorzeigegolfer Bernhard Langer gewann das Masters gleich zweimal 1985 und 1993. Martin Kaymer und Alexander Cejka siegten zwar auf der Profi-Tour, aber nie beim Masters. Der 66-jährige Langer wollte trotz lebenslangem Spielrecht in diesem Jahr seinen Abschied geben, aber ein Achillessehnenriss kam dazwischen, jetzt will er ein letztes Mal 2025 starten. Kaymer hat sich des Geldes wegen für die LIV-Tour entschieden, zeigt aber keine gute Form und landet meist im letzten Drittel des Feldes. Alexander Cejka hat sich zur Champions Tour der über 50-Jährigen verabschiedet, ist dort aber ziemlich erfolgreich. Das deutsche Golf spielt international ansonsten keine große Rolle mehr, Stephan Jäger könnte für einen Weckruf gesorgt haben, nachdem sogar die Tagesschau über seinen Tour-Sieg berichtete.

Vom Masters träumen alle – auch Golf-Ikone Tiger Woods. Der erfolgreichste Spieler der Neuzeit, dessen Karriere im Februar 2021 durch einen schweren Autounfall brutal gebremst wurde, will in Augusta antreten und wird dann auch gleich zum großen Star. Doch wie gut ist er wirklich, nachdem er unter Rücken- und Fußproblemen leidet und meist nur unter Schmerzen spielen kann? Er hat auf der Tour wieder lange pausieren müssen und nur wenige Turnier-Löcher in letzter Zeit spielen können. Aber er will dabei sein, „ich liebe den Wettkampf und das Spiel. Es ist das Spiel meines Lebens“, gesteht der inzwischen 48-Jährige. Der Ball ist sein Freund, das Publikum wird ihn wieder feiern, aber der Platz wird auch von Jahr zu Jahr schwieriger. Das Masters will sich dem Ruf als größtes Turnier der Welt schließlich würdig erweisen.

Bayern-Absturz: Zauderer statt Macher – Dennoch Hoffnung vor Arsenal

0:2 gegen Dortmund, 2:3 gegen Neuling Heidenheim – wer diese Bilanz liest, glaubt nicht, dass es um Bayern München geht, um den Verein, der zuletzt elfmal in Folge Deutscher Meister wurde. Jetzt ist die Siegesserie nicht nur zu Ende, es handelt sich regelrecht um einen Absturz. Vor einem Jahr wurden die Bayern noch mit viel Glück und wenig Leistung Meister, doch geblieben ist nur ein Leistungsdefizit. Kein Einsatz, kein Kampfgeist, kein Siegeswille, dafür Abwehrfehler und spielerische Mängel, die Defizite werden immer wieder deutlich. Bereits sechs Niederlagen nach 28 Spielen.

Von allen wird natürlich Ursachenforschung betrieben, manchmal hat man aber den Eindruck, nur bei den Bayern selbst nicht. Die Mannschaft kann erst im Sommer frisches Blut bekommen, an Trainer Thomas Tuchel festzuhalten, entpuppt sich als Fehler. Sky-Experte Didi Hamann liegt richtig: „Die Bayern haben es verpasst, nach dem 0:2 gegen Dortmund zu handeln, da war eine Woche Zeit.“ Die Münchner Bosse präsentieren sich als Zauderer, früher waren Macher am Werk. Michael Ballack legt im Fachblatt kicker die Finger in die Wunde: „Hierarchie, Gehaltsvorstellungen, Hunger nach Erfolgen – beim FC Bayern sind ein paar Dinge verrutscht.“ Verletzungen häufen sich zudem, so dass sich die Frage stellt, ob auch die medizinische Abteilung nicht mehr meisterwürdig ist wie einst unter dem Arzt-Star Müller-Wohlfahrt.

Das Spiel in Heidenheim war seltsam. Unnötig wechselte Thomas Tuchel die Innenverteidigung, gab wieder Kim und Upamecano eine Chance, doch die beiden lieferten erneut alte Fehler und leiteten die Niederlage ein. Dazu wieder ein unerklärlicher Absturz in der zweiten Halbzeit nach einer 2:0-Führung. Nach Wechseln und Umstellungen spielte und rannte nur noch Heidenheim (15 Punkte nach Rückstand, nur Augsburg ist besser), die Bayern und ihr Trainer schauten willenlos und tatenlos zu. Ein Absturz. Von der Meisterschaft redet natürlich keiner mehr, ganz im Gegenteil, jetzt geht der Blick nach unten, Stuttgart ist punktgleich, Dortmund und Leipzig zwar sieben Punkte zurück, aber bei solchen Leistungen ist das kein Ruhekissen, so gerät selbst ein Platz in der Champions League in Gefahr. Da ist am Samstag nicht einmal der Tabellenvorletzte 1. FC Köln, der selbst ein Erfolgserlebnis feierte, noch Kanonenfutter.

Die ganze Aufmerksamkeit und die ganz Hoffnung richtet sich auf die Champions League. Nur noch dort ist ein Titel zu holen, die Bayern träumen davon – Träumer halt. Die Bayern wollen endlich ein anderes Gesicht zeigen, rechnen mit der Rückkehr von Neuer und Sané, vielleicht auch Coman, und hoffen vor allem mit einem Blick auf die Statistik gegen Arsenal London: In allen vier K.o.-Duellen jeweils im Achtelfinale setzten sich die Bayern durch, siegten in den letzten drei Spielen mit 5:1! Außerdem: Harry Kane trifft gern gegen Arsenal. Doch Vorsicht, auch hier ist ein Ende der Serie in Sicht: Arsenal ist Tabellenführer in der Premier League, schoss die meisten Tore (75) und kassierte die wenigsten Gegentreffer (24) und das bei Konkurrenten wie FC Liverpool und Manchester City. Außerdem gewann Arsenal als einziges Team alle CL-Heimspiele in dieser Saison ohne Gegentor. Ein Witz, dass gerade in dieser Situation zwei Bayern-Stars neue Rekorde aufstellen können: Spielt Torhüter Neuer zu Null, dann hält er den alleinigen Rekord der „weißen Westen“ mit 58 Spielen (bisher gleichauf mit Buffon, 57). Thomas Müller kann zum Rekordspieler werden, wenn er eingesetzt wird, dann hätte er 24 CL-Spiele im Viertelfinale, das schaffte keiner vor ihm. Außerdem steht er vor seinem 150. Spiel in der CL und zieht dann mit Real-Torhüter Iker Casillas gleich, nur noch Xavi (Barcelona) ist mit 151 vor ihm. Aber das sind Nebensächlichkeiten, verblassen bei einem Ausscheiden. Das Schlagerspiel am Dienstag heißt sowieso Real Madrid – Manchester City, der Sieger von 2022 gegen den Titelverteidiger, im Vorjahr gab es dieses Duell ebenfalls, einem 1:1 in Madrid folgte ein 4:0-Sieg von City in Manchester. Es ist auch ein Duell zweier Ex-Stars von Dortmund, die bei ihren neuen Verein die Leistungsträger sind: Auf der einen Seite Jude Bellingham, auf der anderen Erling Haaland.

Auch Borussia Dortmund macht ähnliches durch wie die Bayern, Euphorie, wie nach dem 2:0 in München, folgt Ernüchterung, diesmal durch das 0:1 gegen den Konkurrenten um einen CL-Platz, dem VfB Stuttgart. Bitter war die Niederlage auch, weil zwei Jubiläen gefeiert wurden, das Westfalenstadion 50 Jahre alt und Haudegen Mats Hummels hatte seinen 500. Einsatz für die Borussia. Die Mannschaft machte sich aber selbst kein Geschenk. Jetzt aber geht es am Mittwoch zu Atletico Madrid, ein unbequemer Gegner, aber ein machbarer, wenn denn die Bestleistung abgerufen wird (außerdem spielt Paris gegen Barcelona). Die Erinnerungen an Atletico sind positiv, das einzige K.o.-Duell gab es 1965/66 im Pokal der Pokalsieger, Dortmund setzte sich durch und gewann später den Titel! Ähnliches 96/97, da traf im Europapokal der Landesmeister in der Gruppe aufeinander und am Ende holte Dortmund den Titel. Jetzt will die Borussia wie zuletzt 2013 endlich wieder einmal ins Halbfinale (damals Finalniederlage gegen die Bayern). Aber auch die Bundesliga bleibt brisant, nach Gladbach am Samstag stehen die Duelle gegen Leverkusen und Leipzig an.

Den Ton in der Bundesliga gibt in diesem Jahr unwiderruflich Bayer Leverkusen an. Mit dem mühsamen 1:0 bei Union Berlin (aber Bayer gewinnt halt) steht der Titelgewinn kurz bevor. Lassen die Bayern oder der VfB Punkte liegen, kann Leverkusen am Sonntag erstmals Meister werden – am 29. Spieltag! Werder Bremen ist am Sonntag (17.30 Uhr) im letzten Spiel des Wochenendes der Gegner, so könnte es also heißen „das Beste kommt zum Schluss“. Bayer stellt bereits den Rekord der Bayern ein, mit 28 ungeschlagenen Spielen zum Start. Mehr gefordert wird Leverkusen aber wohl in der Europa League. Die Nagelprobe folgt gegen West Ham United, der Klub, der Freiburg ausgeschaltet hat (0:1, 5:0). Endet da die Serie der ungeschlagenen Spiele in dieser Saison? Englische Klubs liegen Bayer nicht, in 21 Spielen gab es nur vier Siege! Aber das war ja noch das alte Vizekusen…

Gäbe es nicht die Siegesserie von Leverkusen, wäre Stuttgart die „Mannschaft der Saison“. Die Schützlinge von Sebastian Hoeneß überraschen fast an jedem Wochenende, jetzt auch Dortmund, sie haben die Champions League wirklich verdient. Einer von vier muss am Ende in die Europa League. Frankfurt hält eisern Rang sechs, bei der Eintracht (1:1 gegen Bremen) ist man mit den Leistungen derzeit aber nicht zufrieden. Dahinter hoffen Hoffenheim (3:1 gegen den FCA), Augsburg und Freiburg auf einen Platz in Europa. Am Tabellenende kommt Bewegung ins Geschehen, Köln (2:1 Bochum mit Toren in der Nachspielzeit) und Mainz (4:0 gegen Schlusslicht Darmstadt, da gehen die Lichter wohl aus) siegten, neben Bochum muss sich jetzt auch Wolfsburg auf den Abstiegskampf vermehrt einstellen.

Duell der Siegerinnen

Die Qualifikation zur Europameisterschaft der Frauen 2025 in der Schweiz ging gerade erst los, das steht bereits ein „Endspiel“ an: In der Gruppe A4 der Nations League, die als EM-Qualifikation dient, stehen sich am Dienstag (18.10 Uhr) in Aachen (14000 Karten schon verkauft) die Siegerinnen des ersten Spieltages gegenüber. Deutschland siegte mit viel Mühe 3:2 in Österreich (das als stärkster Konkurrent eingestuft wird), Island hatte es beim 3:0 gegen Polen leichter. Die beiden Teams standen sich gerade erst vor einigen Monaten gegenüber, als Deutschland in der Nations League des letzten Jahres mit 2:0 siegte. Insgesamt 17 von 18 Begegnungen gewann das DFB-Team, nur 2017 gab es eine 2:3-Heimniederlage in der WM-Qualifikation. Das sollte sich nicht wiederholen.

Die Mannschaft um die Ersatz-Kapitänin Giulia Gwinn (Popp verletzt) konnte allerdings keineswegs überzeugen, lag nach einem kopflosen Beginn bereits mit 0:2 zurück, ehe die beste Spielerin Klara Bühl mit zwei Toren das Blatt wenden konnte (3:2 Gwinn mit Elfmeter). Die Wechsel von Bundestrainer Horst Hrubesch fruchteten, Laura Freigang brachte Schwung und Debütantin Bibiana Schulze Solano (Athletic Bilbao) sorgte in der Abwehr für Sicherheit. Mit diesem Einsatz hat sich die gebürtige Frankfurterin, die in Spanien lebt, für Deutschland festgespielt, ist eine Bereicherung im Team und wohl auch gegen Island für die verletzte Hegering gesetzt, nachdem Sara Doorsoun total von der Rolle war. Leider fällt jetzt auch Freigang verletzt aus, Hrubesch verzichtet aber auf eine Nachnominierung. Einen Start wie gegen Österreich möchte er jedoch nicht mehr erleben.

Daumen drücken wird auch DFB-Sportdirektor Rudi Völler, der seinen Vertrag beim Verband, wie am Montag bekannt wurde, bis 2026 verlängert hat. Jetzt hofft Völler darauf, dass Julian Nagelsmann als Bundestrainer an seiner Seite bleibt. Allerdings wird Nagelsmann von Medien als neuer Trainer ab Sommer bei Borussia Dortmund gehandelt.

Wachablösung im deutschen Fußball: Für Leverkusen stehen zwei Trophäen bereit

In den letzten Jahren dominierte der FC Bayern München den deutschen Fußball. Elf Meisterschaften in Folge sprechen eine deutliche Sprache, dazu kam in dieser Zeit fünfmal der Gewinn des DFB-Pokals, also das berühmte Double. In diesem Jahr muss sich der Seriensieger an Niederlagen gewöhnen, keine Meisterschaft und der letzte Pokalgewinn stammt sowieso von 2020. Dafür stehen für die beste Mannschaft der Saison, Bayer Leverkusen, zwei Trophäen parat: Die Meisterschale liegt bei 13 Punkten Vorsprung vor den letzten sieben Spielen praktisch bereit, dazu ist der DFB-Pokal greifbar nahe, denn Leverkusen ist der einzige Bundesligist im Halbfinale und hat gegen Fortuna Düsseldorf sogar Heimrecht.

Logisch, dass sich die Stimmung in Leverkusen und München gravierend unterscheidet, wobei die Bayern am Wochenende gleich zwei Niederlagen hinnehmen mussten. Die erste war die Absage von Wunschtrainer Xabi Alonso. Der begehrte Spanier gab kund, dass er zumindest ein weiteres Jahr in Leverkusen bleibt, ihm gefällt es bei Bayer, er wäre mit seiner Arbeit noch nicht fertig und außerdem läuft der Vertrag sowieso bis 2026. Die Fans feierten diese Nachricht und Alonso begeistert, der Verein darf hoffen, dass jetzt auch die umworbenen Spieler eher bleiben und den Weg in die Champions League mitgehen. Vorreiter ist Talent Florian Wirtz, dessen Vater und Berater verriet, dass sein Sohn auf jeden Fall noch ein Jahr bei Bayer bleiben werde. Wie der Trainer also. Und dann gemeinsam nach München?

Das ist wohl die Hoffnung bei den Bayern, die am Samstag den nächsten Schock erlitten. In der Vorbereitung auf den Klassiker gegen Dortmund kam aus Leverkusen die Nachricht, dass dem Spitzenreiter die erste Niederlage droht, da lachte das Bayern-Herz. Doch Bayer hat in diesem Jahr eine besondere Qualität, zeigt starke Nerven, dreht Spiele im letzten Moment und schoss dann auch gegen Hoffenheim nach 0:1-Rückstand Tore in der 88. und 91. Minute. Der Siegtreffer war der achte in dieser Saison nach der 90. Minute! Die Bayern-Stars wussten dies vor dem Anpfiff gegen Dortmund und das lähmte wohl Hirn und Beine. Dortmund kämpfte, die Bayern schauten emotionslos zu, waren von der Rolle. Genickschläge gab es durch Tore von Adeyemi und Ryerson in der 10. und 83. Minute. Vermeidbare Treffer, doch das war der Borussia egal, sie feierte den ersten Sieg nach zehn Jahren in München!

Für besonderen Kampfgeist bei den Dortmundern sorgte wohl auch Bundestrainer Julian Nagelsmann. In seinem aktuellen Team war außer für Torjäger Füllkrug kein Platz für Dortmunder Spieler (siehe auch im nächsten Blog „Eine neue DFB-Elf: Nagelsmann schafft die Trendwende“), das wollten sie nicht auf sich sitzen lassen. Vor allem Mats Hummels und Nico Schlotterbeck kämpften, spielten konzentriert und mit einem Einsatz wie seit Jahren nicht, sie bildeten ein starkes Abwehrbollwerk. Hummels wurde mit einer Kung-Fu-Rettung bei einem Kopfball von Dier der Star des Spiels. Nur, in der Nationalmannschaft ist meist keine Abwehrschlacht gefragt. Egal, diesmal der Triumph, Dortmund und Leverkusen waren die Sieger der Spitzengruppe, Stuttgart und Leipzig mussten sich mit Unentschieden begnügen. Die Borussia sollte diese Leistung am kommenden Samstag (erneut 18.30 Uhr) wiederholen, da taucht der Dritte, VfB Stuttgart, zum nächsten Schlagerspiel auf. Beim VfB ist zu befürchten, dass er sich seine Sensationssaison durch Querelen im Vorstand selbst kaputt macht.

Die Bayern wiederum werden die Woche über ihre Wunden lecken und müssen am Samstag beim heimstarken Neuling Heidenheim versuchen, ihre Form für die Aufgabe in der Champions League bei Arsenal London zu finden. Auch dem neue Sportdirektor Max Eberl ist aufgefallen, dass man nicht immer nur den Trainer wechseln kann, sondern dass irgendetwas in der Mannschaft nicht stimmt. Die hat immer wieder in dieser Saison unerklärliche Ausfallerscheinungen. Eberl muss wohl oder über übel die Aufgabe des Auf- und Ausräumers übernehmen. Selbst ein neuer Versuch mit Nagelsmann ist im Gespräch, der aber hat mit seinem neuen DFB-Team den Bayern eher geschadet. Jamal Musiala zum Beispiel war sichtbar müde, aber da hätte Tuchel früher reagieren müssen.

Auffallend ist, dass in der Bundesliga Unentschieden an der Tagesordnung sind. So ausgeglichen ist die Liga eigentlich nicht, aber offensichtlich wollen in den entscheidenden Spiele viele kein Risiko eingehen. Von neun Partien endeten fünf unentschieden, davon alle drei Sonntagspiele. So blieb vor allem am Tabellenende alles gleich, aber jetzt wird das kommende Wochenende interessant, die Kellerkinder sind unter sich. Bei Mainz (20 Punkte) – Darmstadt (14) und Köln (19) – Bochum (26) liegen am Samstag (15.30 Uhr) also wieder Remis in der Luft. Immerhin hat Schlusslicht Darmstadt mit dem 2:2 in Bochum ein Lebenszeichen von sich gegeben.

DFB-Pokal ein Fall für Außenseiter

Mit Bayer Leverkusen nur ein Erstligist im Halbfinale des DFB-Pokals – eine Blamage für die Bundesliga. Jetzt stellt sich die Frage, wird der Pokal als Fall für Außenseiter besonders interessant oder hätten die Fans lieber Duelle der großen Klubs. Aber München, Dortmund oder Leipzig haben frühzeitig die Segel gestrichen. Die TV-Quoten werden es zeigen. Am Dienstag gibt es beim Drittligisten Saarbrücken im Duell mit dem Zweitligisten Kaiserslautern immerhin ein Derby, wenn überhaupt gespielt werden kann. In Saarbrücken sorgt Regen erneut für Sorgenfalten der Platz wurde abgedeckt, aber wichtiger wäre, dass der Himmel ein Einsehen hat. Die ARD will übertragen, am Mittwoch ist das ZDF dran mit dem Spiel Leverkusen – Düsseldorf, da darf die Fortuna als Dritter der 2. Bundesliga testen, ob sie reif für die erste Liga ist, aber es wäre eine echte Pokalsensation, wenn Bayer ausgerechnet beim Griff nach dem Pokal die erste Saison-Niederlage erleiden würde. Meister war Bayer noch nie, Pokalsieger immerhin bereits 1993. Auch schon lange her.

Bei den Frauen Finale der Besten

Anders als bei den Männern duellieren sich bei den Frauen die beiden derzeit besten Teams im Finale am 9. Mai in Köln, nämlich Bundesliga-Tabellenführer Bayern München und Titelverteidiger VfL Wolfsburg. In der Punktrunde hatten die Bayern zuletzt die Wölfinnen in die Schranken verwiesen, der Pokal ist aber seit neun Jahren eine Wolfsburger Sache. Den Frust von der Niederlage in der Bundesliga schossen sie sich mit einem 9:0 gegen Essen im Pokal-Halbfinale von der Seele. Schwer zu kämpfen hatten dagegen die Münchnerinnen gegen Frankfurt, 1:1 stand es nach Verlängerung, aber im Elfmeterschießen zeigten sich die Eintracht-Schützinnen nicht zielsicher. Bayern-Torhüterin Mala Grohs hielt gleich drei Elfmeter! Am Ende hieß es 3:1, wobei Weltstar Pernille Harder mit dem letzten Schuss für die Entscheidung sorgte.

In den nächsten Tagen steht allerdings die Nationalmannschaft im Vordergrund. Die Qualifikation für die Europameisterschaft 2025 in der Schweiz beginnt. Der Auftakt für Deutschland ist am Freitag (20.30 Uhr) in Linz gegen Österreich, am Dienstag, 9. April (18.10 Uhr), tritt die DFB-Elf in Aachen gegen Island an (außerdem ist Polen dabei). Bundestrainer Horst Hrubesch muss in diesen Spielen auf zwei Leistungsträgerinnen verzichten, Kapitänin Alexandra Popp und Abwehrchefin Marina Hegering sind verletzt. Dazu fehlt künftig auch Svenja Huth, die ihren Rücktritt verkündet hat. Für Hegering zog Hrubesch einen überraschenden Neuling aus dem Hut, Bibiana Schulze von Athletik Bilbao. „Wir schauen auch ins Ausland und sie ist eine interessante Kandidatin“, urteilt der Trainer. Im Ausland spielen auch zwei Rückkehrerinnen, nämlich Felicitas Rauch in den USA und Lina Magull in Mailand. Ein guter Auftakt wäre wichtig, wobei sich in Österreich quasi ein Team Bundesliga B Deutschland entgegenstellt, denn die Austria-Teamchefin Irene Fuhrmann hat 14 Spielerinnen aus der Bundesliga nominiert. Allerdings bereiten zwei Bayern-Mädchen Sorgen, Sarah Zadrazil fällt mit einem Muskelriss aus, Katharina Naschenweng hat sich gegen Frankfurt verletzt. Beide Ausfälle taten auch den Bayern weh.

Eine neue DFB-Elf: Nagelsmann schaffte die Trendwende

Vom geprügelten Hund zum gefeierten König, das war in einem Jahr der Weg von Julian Nagelsmann als Trainer. Von den Bayern gefeuert, nachdem im Vorjahr die Meisterschaft in Gefahr geriet, vom DFB als Hoffnungsträger verpflichtet, schaffte er nach Jahren der Tristesse bei der Nationalmannschaft tatsächlich die Trendwende. 2:0 gegen Frankreich, 2:1 gegen die Niederlande – zwei Große des internationalen Fußalls geschlagen, Deutschland ist rechtzeitig vor der Europameisterschaft im eigenen Land zurück im Konzert der Großen. Und Nagelsmann hat seinen guten Ruf wieder hergestellt.

Eigentlich unterstellen viele Nagelsmann, er sei nicht lernfähig. Bei der Nationalmannschaft bewies er das Gegenteil. Nachdem er in den ersten Spielen mit seinen Experimenten und komplizierten taktischen Spielchen Schiffbruch erlitten hatte, machte er einen radikalen Schnitt. Er setzte auf Einfachheit im System und Frische in der Mannschaft. Dass sein Konzept wirklich aufging, hätten die wenigstens gedacht. Er sotierte manche trägen Stammspieler der letzten Jahre aus und setzte auf die Begeisterung von Neulingen. Das „Momentum“ wurde zu seinem Schlagwort und er öffnete die Tür für gleich sechs Neulinge. Der Bundestrainer wurde nicht enttäuscht, zwar hatten der Heidenheimer Beste und Bayerns Talent Pavlovic Pech mit Verletzungen bzw. Krankheit, aber die Richtung stimmte. Die Tristesse vom November ist wie weggeblasen, Nagelsmann freute sich: „Der Spirit war einfach anders, es hat sich ganz anders angefühlt als im November“. Jamal Musiala, einer der „Zauberer“ im Team pflichtete dem bei: „Man fühlt es jetzt den ganzen Tag im ganzen Camp: Die Vibes sind richtig gut.“ Thomas Müller brachte es auf den Punkt: „Es hat Spaß gemacht.“

Dort wo Gewinner sind, gibt es natürlich Verlierer. Die sind vor allem in Dortmund zu treffen, weil deutlich wurde, dass sich die wankelmütige Form der Borussia-Stars auch in der DFB-Auswahl niederschlug. Süle, Brandt und Co. spielten mehr vor sich hin, ohne Schwung. Für Hummels ist die Zeit wohl abgelaufen, Nico Schlotterbeck und Can haben mit guten Leistungen vielleicht noch eine Chance, doch einziger fester Kandidat ist Torjäger Füllkrug. Julian Nagelsmann hat seine frühere Aussage „die Tür steht für alle offen“ inzwischen begrenzt. „Der Kreis für die EM steht fest, es geht höchstens noch um ein, zwei Positionen, außer natürlich, wir haben Pech mit Ausfällen“

Auffallend ist, wie schnell sich die neue Mannschaft gefunden hat und problemlos die neuen Aufgaben angenommen wurden. Kein Klagen von Kimmich, dass er auf die rechte Seite „abgeschoben“ wurde (in seinen Augen), kein Klagen von Kapitän Gündogan, dass sein Rolle als Denker und Lenker nun Toni Kroos besetzt. Daneben ist kein Platz für den Münchner Goretzka, weil Andrich, der sich überraschend festgespielt hat, und Groß die Rolle des „Worker“ besser ausfüllen. Im Mittelfeld bleibt eher noch ein Platz für Pavlovic frei. Links hat sich mit Mittelstädt ein Neuling festgespielt, dessen Entwicklung vom Absteiger mit Hertha BSC Berlin zum Nationalspieler mit Stuttgart wie ein Märchen klingt. In der Mitte sorgen Rüdiger und Tah für mehr Stabilität als alle Kombinationen, die vorher getestet wurden. Da geht es nur darum, wer die Ersatzrolle spielen darf und will, für Koch oder Anton käme eben auch Schlotterbeck in Frage, doch auf eines legt der Bundestrainer wert: Eine Bankrolle muss klaglos angenommen werden.

Das gilt natürlich auch im offensiven Bereich, wo Nagelsmann dem zuletzt gesperrten Sané bereits einen EM-Platz in Aussicht stellt. Aber er muss sich vielleicht auch klaglos hinter den „Zauberern“ Wirtz und Musiala anstellen. Dahinter hat sich auch Führich einen Platz gesichert, er wartet klaglos auf seinen Einsatz, das könnte Bayern-Star Gnabry die EM kosten. Und Füllkrug wartet auf seine Chance, auch wenn Havertz als spielstarker Mittelstürmer die Nase vorn hat. Aber reinkommen und Tore schießen wie es der Dortmunder gegen die Niederlande zeigte, ist eine besondere Qualität. Bleibt noch der Torhüter, aber da hat der Bundestrainer bereits im Vorfeld für klare Verhältnisse gesorgt, Neuer ist die Nummer 1, ter Stegen konnte nur bedingt für sich werben, zeigte gegen die Niederlande Unsicherheiten.

Die Medien feiern die DFB-Elf, die Fans sind zurück, elf Millionen TV-Zuschauer verfolgten bei RTL das Länderspiel. Jetzt hat erst einmal wieder die Bundesliga Vorrang, vom 26. bis 31 Mai beginnt dann der EM-Countdown mit dem Trainingslager in Blankenheim/Thüringen. Danach wird das EM-Quartier in Herzogenaurach bezogen, Testspiele gibt es am 3. Juni in Nürnberg gegen die Ukraine und am 7. Juni in Mönchengladbach gegen Griechenland. An diesem Tag muss auch die offizielle Spielerliste gemeldet werden, 23 Spieler dürfen nominiert werden. Am 14. Juni geht es schließlich in München gegen Schottland los.

Da wird Deutschland sicherlich das „normale“ Schwarz-Weiß tragen, das neue Ausweichtrikot in pink und lila hat für Furore gesorgt, ist aber bei den Fans beliebt, Ausrüster Adidas ist mit dem Umsatz glücklich. Nicht so glücklich ist der DFB-Partner seit 70 Jahren darüber, dass seine Ära 2027 zu Ende geht. Der DFB hat sich für das weitaus bessere Angebot von Nike entschieden, der US-Konzern zahlt angeblich das doppelte, statt 50 Millionen Euro pro Jahr etwa 100 Millionen. Der DFB musste viel Kritik dafür einstecken, dass er einen bewährten Partner vor den Kopf gestoßen hat, aber vor allem zahlreiche Politiker hätten sich ihre Kritik schenken können und sich erst informieren sollen. Auch in den Medien wurde zu wenig beachtet, dass der DFB zu einer kurzfristigen Bekanntgabe gezwungen war, nachdem es sich bei den Bewerbern meist um Unternehmen an der Börse handelte, außerdem hätte er das wesentlich bessere Angebot auch aus rechtlichen Gründen nicht ausschlagen dürfen. Die Verantwortlichen hätten haftbar gemacht werden können. Zudem braucht der einst reiche Verband dringend Geld, mit dem Coup kann er die Fehler früherer Jahre (so wurde der Campus wesentlich teurer) wieder einigermaßen ausgleichen.

Noch glücklicher als Deutschland über gelungene Testspiele waren drei Nationen, die sich über den Umweg Play-Offs noch für die EM qualifizieren konnten. Besonders glücklich die vom Krieg gebeutelte Ukraine, die mit dem 2:1-Sieg gegen Island dem Land mal wieder eine frohe Botschaft schenkte. Ähnlich gefeiert wurde in Georgien und da vor allem der frühere Bayern-Star Willy Sagnol, der als Trainer schon kritisiert wurde, dem Land jetzt aber eine Premiere geschenkt hat – erstmalige EM-Teilnahme. Ein 4:2 im Elfmeterschießen gegen Griechenland machte es möglich. Aufatmen dagegen in Polen, dass sich eigentlich als logischer Endrundenteilnehmer sieht, aber den Sprung über die Gruppenspiele nicht schaffte. Auch hier musste ein Elfmeterschießen helfen, nachdem es in Wales beim 0:0 blieb. Den letzten Elfer hielt Polens Torhüter Szczesny gegen James, nachdem vorher alle getroffen hatten, auch Torjäger Lewandowski, der beim entscheidenen Schuss gar nicht mehr hinschauen konnte.

So sehen die sechs EM-Gruppen aus: Gruppe A: Deutschland, Schottland, Schweiz, Ungarn. – Gruppe B: Albanien, Italien, Kroatien, Spanien. Gruppe C: Dänemark, England, Serbien, Slowenien. – Gruppe D: Frankreich, Niederlande, Österreich, Polen. – Gruppe E: Belgien, Rumänien, Slowakei, Ukraine. – Gruppe F: Portugal, Tschechien, Türkei, Georgien.

Die perfekte Übersicht: Endspurt in der Bundesliga

Die Nationalmannschaft sorgte mit ihrem ebenso überraschenden wie überragenden 2:0-Sieg in Frankreich dafür, dass in Deutschland die Lust auf Fußball wieder gewachsen ist. Das gefällt natürlich vor allem der Bundesliga, die vor den entscheidenden Spielen der Saison steht und sich volle Stadien wünscht. Nur noch acht Spieltage stehen bis zum 18. Mai an, die über Wohl und Wehe oben wie unten entscheiden. Gut, die Meisterschaft ist wohl entschieden, diesmal sorgte nicht Bayern München für Langeweile an der Spitze, sondern überraschend Bayer Leverkusen. Alles andere ist ungewiss. Für viele Klubs sind gleich die nächsten Spiele vorentscheidend, so für Dortmund mit Duellen gegen die direkten Konkurrenten, als auch für die Kandidaten im Abstiegskampf. Der Sport-Grantler bietet eine Übersicht zum Restprogramm.

Champions League: An der Tabellenspitze ist die Entscheidung wohl gefallen, Bayer jagt zudem den Rekord der Bayern von einem Start mit 29 ungeschlagenen Spielen. Dafür muss Leverkusen (bisher 26) die nächsten Hürden Hoffenheim (H), Union (A) und Bremen (H) noch meistern. Drei Niederlagen darf sich Bayer leisten, außerdem warten Dortmund (A), Stuttgart (H), Frankfurt (A), Bochum (A) und Augsburg (H). Bei den Vereinen dahinter geht es vor allem um die Champions League, also mindestens Rang vier. Die Bayern sind außen vor mit 60 Punkten, Stuttgart wird aber von Dortmund und Leipzig gejagt, einer wird der unglückliche Fünfte und damit Verlierer sein.

Das Restprogramm: Stuttgart (56 Punkte): Heidenheim (H), Dortmund (A), Frankfurt (H), Bremen (A), Leverkusen (A), Bayern (H), Augsburg (A), Gladbach (H). – Dortmund (50): Bayern (A), Stuttgart (H), Gladbach (A), Leverkusen (H), Leipzig (A), Augsburg (H), Mainz (A), Darmstadt (H). – Leipzig (49): Mainz (H), Freiburg (A), Wolfsburg (H), Heidenheim (A), Dortmund (H), Hoffenheim (A), Bremen (H), Frankfurt (A).

Europa: Hinter diesen Vereinen geht es um einen Platz für Europa, der siebte Platz ist sicher, es könnte aber auch Rang acht reichen. Es gibt vier Kandidaten, wobei sich vor allem die Eintracht mit den Spitzenteams herumschlagen muss, zehrt aber von fünf Punkten Vorsprung gegenüber der Konkurrenz. Auffallend beim FCA das Saisonende mit hochkarätigen Gegnern. Das Restprogramm: Frankfurt (40): Union (H), Bremen (H), Stuttgart (A), Augsburg (H), Bayern (A), Leverkusen (H), Gladbach (A), Lepzig (H). – Augsburg (35): Köln (H), Hoffenheim (A), Union (H), Frankfurt (A), Bremen (H), Dortmund (A), Stuttgart (H), Leverkusen (A). – Hoffenheim (33): Leverkusen (A), Augsburg (H), Mainz (A), Gladbach (H), Bochum (A), Leipzig (H), Darmstadt (A), Bayern (H). – Freiburg (33): Gladbach (A), Leipzig (H), Darmstadt (A), Mainz (H), Wolfsburg (H), Köln (A), Heidenheim (H), Union (A).

Abstiegskampf: Ein Sprung über das Mittelfeld zum Tabellenende, dort ist die Frage, ob sich Wolfsburg und Bochum mit 25 Punkten noch mit reinziehen lassen. Sechs Punkte Vorsprung sind kein Ruhekissen. Also: Gegen wen können sie Punkte sammeln und was machen Mainz und Köln? Darmstadt (erst zwei Siege) ist abgeschlagen. Auffallend: Gleich in den nächsten Runden gibt es viele direkte Duelle. Das Restprogramm: Wolfsburg (25): Bremen (A), Gladbach (H), Leipzig (A), Bochum (H), Freiburg (A), Darmstadt (H), Bayern (A), Mainz (H). – Bochum (25): Darmstadt (H), Köln (A), Heidenheim (H), Wolfsburg (A), Hoffenheim (H), Union (A), Leverkusen (H), Bremen (A). – Mainz (19): Leipzig (A), Darmstadt (A), Hoffenheim (H), Freiburg (A), Köln (H), Heidenheim (A), Dortmund (H), Wolfsburg (A). – Köln (18): Augsburg (A), Bochum (H), Bayern (A), Darmstadt (H), Mainz (A), Freiburg (H), Union (H), Heidenheim (A).

Gleich am Sonntag (19.30 Uhr) kämpft Neuling Darmstadt wohl um seine letzte Chance in Bochum, andererseits könnte der VfL mit einem Ende seiner Niederlagenserie den Abstand nach unten vergrößern. Im Mittelpunkt des Geschehens steht aber das Spitzenduell zwischen den Bayern und Dortmund am Samstag (18.30 Uhr). Die Münchner haben erhebliche Verletzungssorgen, Torhüter Manuel Neuer und Torjäger Harry Kane sind fraglich. Das könnte der Borussia in die Karten spielen und den Ehrgeiz der von Nagelsmann verschmähten Nationalspieler besonders anstacheln. Eigentlich müsste Dortmund schon aus Trotz eine Siegesserie starten! Nur mit Dampf geht es auf den EM-Zug.

Auftakt einer neuen Ära?

Zehn Jahre liegt es zurück, dass die Nationalmannschaft so gelobt wurde, wie jetzt nach dem überraschenden 2:0-Sieg in Lyon gegen Frankreich. Damals wurde Deutschland bekanntlich Weltmeister! Bundestrainer Julian Nagelsmann hat beim Personal wie versprochen sozusagen alles auf links gedreht und lag damit genau richtig. Beginnt mit den „Zauberern“ Wirtz, Musiala und Havertz eine neue Ära? Sorgen sie zusammen mit dem reaktivierten Mittelfeldstrategen Toni Kroos und dem Abwehrbollwerk Rüdiger/Tah doch noch für eine EM-Euphorie im Lande? Wir sollten alle nicht zu früh jubeln, denn die nächste Bewährungsprobe steht mit den Niederlanden als Gegner am Dienstag (20.45 Uhr, live bei RTL) in Frankfurt bevor. Zukunftshoffnung oder Eintagsfliege? Die Niederlande kommt auch mit Rückenwind, kanzelte mit Schottland den EM-Auftaktgegner der DFB-Elf mit 4:0 ab.

Eines ist aber gewiss, die Nationalmannschaft hat seit zehn Jahren nicht mehr so viel Spaß gemacht. Das merkten auch zehn Millionen Fans an den Bildschirmen. Schon der Blitzstart nach acht Sekunden löste die Fesseln und erstaunte die Zuschauer, noch mehr, als dieser Treffer als einstudiert bezeichnet wurde. „Die Trainer hatten dafür ja vier Monate Zeit“, witzelte Vorlagengeber Toni Kroos. Hätte man sich das nicht für die EM aufheben sollen? Danach aber zauberten Torschütze Wirtz, Musiala und der zweite Torschütze Havertz. 20, 21 und 24 Jahre sind sie jung, ein Versprechen für die Zukunft. Außerdem könnte zu diesem Trio noch der neue Münchner Stern Pavlovic dazu stoßen, vielleicht der Kroos der Zukunft. Musiala zeigt sich wieder in Bestform und gestand, „das Trikot mit der Nummer 10 hat mir Auftrieb gegeben“. Er hat sich der Nummer eines Netzer oder Matthäus würdig gezeigt. Fast nur eine Nebenrolle spielte dabei Kapitän Gündogan, der, wie sich zeigte, leicht auch von Thomas Müller ersetzt werden kann, auch wenn der kein Mann der Zukunft mehr ist. Man kann aber sagen, die Mischung stimmt. Mehr wird nach dem Niederlande-Spiel zu reden und schreiben sein.

Bayern-Manager Max Eberl müsste aber besonders unruhig geworden sein (allerdings auch Simon Rolfes in Leverkusen). Seine Aufgabe für den Verein muss eigentlich sein, Florian Wirtz die Zukunft in München schmackhaft zu machen und als „Begleitkommando“ auch noch Trainer Xabi Alonso und Aufsteiger Grimaldo an Land zu ziehen. Dann würde eine neue Bayern-Ära eingeleitet werden…

Bayern-Frauen vor Titelgewinn

Die Frauen des FC Bayern sind den Männern in diesem Jahr ein Stück voraus. Mit einem überzeugenden 4:0-Sieg beim Hauptkonkurrenten VfL Wolfsburg stellten sie die Weichen auf Meisterschaft. 15 Jahren hatten sie in Wolfsburg nicht mehr gewonnen und jetzt dieser Triumph mit der überragenden Pernille Harder als Herzstück des Teams. Harder, Bühl, Schüller und Stanway erzielten die Tore vor 24437 Zuschauern im Stadion (Rekord für Wolfsburg) und zwei Millionen TV-Fans. In 17 BL-Spielen kassierten die Bayern-Mädchen nur fünf Gegentreffer und haben jetzt sieben Punkte Vorsprung vor den letzten fünf Begegnungen. Wird da der Rathausbalkon am Marienplatz reserviert?

Die Münchnerinnen lechzen aber nach einem weiteren Triumph über Wolfsburg, sie wollen jetzt zudem endlich wieder einmal den Pokal gewinnen. Das gelang das letzte Mal vor zwölf Jahren. Die Wölfinnen wiederum sehen den DFB-Pott als „ihren Besitz“ an, siegten in den letzten neun Jahren und sind seit 47 Spielen ohne Niederlage. „Jetzt müssen wir es endlich schaffen“, fordert dagegen Bayern-Flügelflitzerin Klara Bühl, allerdings ist Eintracht Frankfurt am Ostersonntag (15.45 Uhr/ARD) eine hohe Hürde. Die Eintracht hat den Bayern-Mädchen schon oft das Leben schwer gemacht. Wolfsburg sollte um 13.00 Uhr gegen Essen weniger Probleme haben. Ein Traumfinale am 9. Mai in Köln ist möglich.

Die Bundesliga geht erst am 12. April weiter, davor stehen Spiele der Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation an, am Freitag, 5. April, in Österreich und am Dienstag, 9. 4., gegen Island.

Snowboard-Königin war der deutsche Winter-Star

Es gibt noch ein paar Nachzügler, doch die Saison im Wintersport ist mehr oder weniger gelaufen. Viele denken aber mit bangem Blick an die Zukunft, in Zeiten des Klimawandels ist sie vor allem für die Disziplinen auf Schnee sehr ungewiss. Die Skispringer fürchten, dass sie auch im Winter auf Matten springen müssen, im Langlauf und Biathlon sind Skiroller statt Ski im Gespräch. Noch aber ist es nicht so weit, aber was brachte der vergangene Schnee-Winter außer den üblichen Wetterkapriolen, die sicherlich ebenfalls immer schlimmer werden.

Auffallend ist, dass in vielen Disziplinen einzelne Athleten oder Athletinnen die Konkurrenz beherrschten. Einmal ist hier auch Deutschland dabei, Ramona Hofmeister heißt unser Winter-Star, den viele vielleicht nicht einmal kennen. Dabei war die Oberbayerin die absolute Snowboard-Königin, sie gewann alle drei Kristallkugeln die vergeben werden. Das schafften vor ihr nur die Schweizerin Patrizia Kummer 2014 und die Slowenien Zan Kosic 2015, damals war dies noch in den Anfängen der Snowboard-Rennen. Am Anfang sieht sich aber auch die 27-Jährige noch, denn populär wurde sie bisher nicht, ihre Siege zahlen sich finanziell nicht aus, es gibt kaum Fernsehzeiten und deshalb sie hat sogar Schwierigkeiten Sponsoren zu finden. Sie hofft, dass sich dies mit der WM 2025 in der Schweiz und Olympia 2026 in Italien ändert.

Auch der alpine Skisport hatte zwei „Überathleten“. Der Schweizer Marco Obermatt beherrschte die Herren-Konkurrenzen, war der überragende Speedfahrer in Abfahrt, Super-G und Riesenslalom und stand frühzeitig als Gesamtsieger fest. Für manche ist er der beste Rennläufer aller Zeiten und diese haben den Schweden Ingemar Stenmark keineswegs vergessen. Eine Schweizerin dominierte auch bei den Frauen, dabei ist Lara Gut-Behrami fast schon am Ende ihrer Karriere. Sie profitierte auch vom Verletzungsausfall der amerikanischen Ski-Königin Mikaela Shiffrin, die mit Kniebeschwerden einige Rennen verpasste und die Gesamtwertung kampflos verlor. Gut-Behrami ist mit 32 Jahren die älteste Gesamtsiegerin aller Zeiten im Alpinsport, bisher war dies ihre Landsfrau Vreni Schneider mit 30 Jahren. Der deutsche Ski-Verband war mit seinen alpinen Athleten nicht zufrieden, am Ende stand die schlechteste Alpin-Bilanz seit 18 Jahren! Allein auf die Slalom-Stars Lena Dürr und Linus Straßer war Verlass. Straßer holte legendäre Siege in Kitzbühel und beim Nachtrennen in Schladming.

Im nordischen Skisport war der norwegische Kombinierer Jarl Magnus Riiber wieder einmal nicht zu schlagen, die einst übermächtigen deutschen Athleten blieben ohne einen einzigen Saisonsieg. Auch im Skispringen hüpften die Deutschen bei Männer und Frauen meist hinterher und staunten über die Konkurrenz. Stefan Kraft (Österreich) und Nika Prevc (Slowenien) waren die Gesamtsieger. Für die Frauen gab es in dieser Saison eine Veranstaltung für die Geschichte, denn erstmals trugen sie einen Weltcup im Skifliegen aus. Die deutsche Top-Springerin Katharina Schmid war dennoch traurig, denn ihren Traum von 200 m konnte sie nicht realisieren. Weiter schaffe es die Norwegerin Sillje Opseth, die trotz einen Sturzes im Training bei 236,5 Metern mit 230,5 m den ersten Frauen-Weltrekord sprang.

Der beliebteste Wintersport in Deutschland bleibt Biathlon, das beweisen die Zuschauer-Quoten im Fernsehen, die kaum Einbußen erlitten, obwohl dem deutschen Team der absolute Star fehlte. Biathlon hatte sogar mehr Zuschauer als die Handballer bei ihrer Olympia-Qualifikation. Auf den ersten Blick verlief die Saison für Deutschland enttäuschend, doch ganz so war es nicht. Der Start war schon vielversprechend, bei der ersten Station in Östersund trugen Franziska Preuß und Philipp Nawrath sogar das Gelbe Trikot. Da hatten die Norweger noch Probleme, doch dann dominierten sie zumindest bei den Männern das Geschehen. Auffallend war, dass nach dem Fluor-Verbot die Präparierung der Ski offensichtlich zu einem Glücksspiel wurde. Die Deutschen freuten sich bei kalten Bedingungen und hartem Schnee, vor allem bei Nässe und Wärme fanden die Wachser nicht das richtige Mittel. Aber das ging fast allen Nationen so.

Überragender Athlet war Johannes Thingnes Bö, dem ausgerechnet nur sein älterer Bruder Tarjei Paroli bieten konnte. Johannes gewann aber neben der Gesamtwertung auch Einzel, Verfolgung und Massenstart und überließ nur den Sprint seinem Bruder. In der Gesamtwertung waren fünf Norweger vorn, die Deutschen schauten auf Rang zwölf von Johannes Kühn und 13 von Benedikt Doll hinterher. Die beste Endplatzierung erreichten Roman Rees als Dritter im Einzel und Benedikt Doll als Vierter im Sprint. Der Schwarzwälder beendet mit den letzten Rennen in Canmore/Kanada seine Karriere und wird vor allem als Mannschaftsführer dem Team fehlen. Hoffnungsträger ist in Zukunft Justus Strelow, einer der besten Schützen im Feld, aber oft in der Loipe zu langsam. Nawrath, Kühn und Rees sind zu inkonstant in ihren Leistungen. Aber immerhin, in der Nationenwertung belegte Deutschland hinter den überragenden Norwegern Rang zwei vor Frankreich und Schweden.

Bei den Frauen litt Hoffnungsträgerin Franziska Preuß wieder unter gesundheitlichen Problemen, dabei war der Start wie gesagt hoffnungsvoll. Mit vorn dabei war oft Vanessa Voigt und Janina Hettich-Walz legte einen starken Schlussspurt hin und holte im letzten Wettbewerb der Saison, im Massenstart von Canmore, als Zweite ihren ersten Podestplatz überhaupt im Weltcup (vorher Silber bei der WM). Die Gesamtwertung gewann überraschend die Italienerin Lisa Vittozzi mit starken Leistungen in den letzten Rennen, lange Zeit hatte Ingrid Landmark Tandrevold (Norwegen) geführt, sie gewann immerhin die Sprint-Wertung. In der Gesamtwertung wurden Voigt Achte, Hettich-Walz 10. und Preuß 11. Im Einzel landete Voigt hinter Siegerin Vittozzi auf Rang drei (Preuß 6.), auch in der Verfolgung gewann Vittozzi (Voigt Achte) und im Massenstart überraschte die Französin Lou Jeanmonnot (Hettich-Walz 11.). In der Nationenwertung fiel Deutschland hinter Frankreich, Norwegen und Schweden zurück, aber bei den Frauen gibt es mehr Hoffnung auf den Nachwuchs als bei den Männern. Die 19-jährige Selina Grotian mischte schon auffällig mit, Julia Tannheimer, Julia Kink und Johanna Puff sind Versprechen für die Zukunft.

Sportdirektor Feliux Bitterling war insgesamt zufrieden, er sieht einen „deutlichen Schritt nach vorn“. Die Gesamtbilanz mit fünf Siegen und 24 Podestplätzen ist insgesamt besser als im Vorjahr. So könnte Biathlon weiterhin die beliebteste Wintersportart der Deutschen bleiben. ARD und ZDF waren mit ihren Wintersport-Nachmittagen jedenfalls wieder zufrieden, die Zuschauerzahlen lagen über dem Quoten an normalen Wochenenden.

Die neue deutsche Welle

Einst war im Film davon die Rede, jetzt finden wir sie im Sport: Die neue deutsche Welle. Zwei Bundestrainer im Mannschaftssport setzen auf den Nachwuchs und zumindest einer hat dies bereits mit Erfolg getan. Deutschlands Handballer feierten mit einem 34:31-Sieg gegen Österreich im entscheidenden Spiel die Qualifikation für die Olympischen Spiele im Sommer in Paris. Ein entscheidender Spieler war dabei der Kapitän der erfolgreichen U21-Nationalmannschaft, Renars Uscins. In allen drei Turnierspielen wurde er zum „Player of the Match“ gewählt, mit seinen Toren und der Begeisterung stellte er mit die Weichen für Olympia. Bundestrainer Alfred Gislason hat erfolgreich auf Talente aus der Weltmeister-Mannschaft gesetzt.

Bei Olympia sind die Fußballer nicht vertreten, Bundestrainer Julian Nagelsmann hofft stattdessen auf eine erfolgreiche Europameisterschaft im eigenen Land. Bei seinem letzten Aufgebot vor der EM macht er für die Länderspiele am Samstag in Lyon gegen Frankreich und am 26. März in Frankfurt gegen die Niederlande deutlich, dass auch er auf junge Spieler setzt und alte Zöpfe abschneiden will. Die neue deutsche Welle eben.

Gerade am Wochenende haben sich in der Bundesliga die Talente Florian Wirtz und Jamal Musiala wieder in den Vordergrund gespielt. Beiden wird EM-Form attestiert, beide bringen Schwung ins Spiel. Es ist zwar nicht immer die Jugend, die bei Nagelsmanns Nominierung im Vordergrund stand, aber es sind die Spieler, die in der Bundesliga für Furore sorgen, für die das internationale Parkett aber mehr oder weniger Neuland ist. Als Beispiel können die Stuttgarter Anton, Mittelstädt, Führich und Undav gelten, der Heidenheimer Beste oder Bayerns Talent Pavlovic (der zunächst wegen eines Infekts fehlt). Die Berufungen haben aber auch noch einen anderen Hintergrund und warum Nagelsmann auf Spieler wie Süle, Hummels oder Goretzka verzichtet: Sie sind Unruhestifter, wenn sie nicht zum Zug kommen, während die Neuen schon glücklich sind, überhaupt im Team zu stehen. Dazu verzichtet er aus Leistungsgründen auf Dortmunds Can, Schlotterbeck und Brandt. Neue deutsche Welle eben. Mal sehen, ob die Welle bis zur EM versandet oder Hochstimmung (nicht Hochwasser!) bringt. Aber Nagelsmann hat sein Wort gehalten, es hat Überraschungen gegeben. Sechs Neulinge und sechs Rückkehrer sind dabei.

Streich geht, Kovac muss gehen

In der Bundesliga sind vor allem die Trainer im Gespräch. Am Sonntag litt Christian Streich in Freiburg noch bei der 2:3-Niederlage seines Teams gegen Leverkusen, am Montag hörte er sich noch deprimierter an, der bald 59-Jährige wird seine Arbeit bei „seinem Verein“ im Sommer nach 29 Jahren im Klub, davon über zwölf Jahre als Cheftrainer beenden. „Der Verein ist mein Leben“, gesteht er, aber er lässt Vernunft walten: „Es ist Zeit aufzuhören, ich habe immer gesagt, dass ich den richtigen Zeitpunkt nicht verpassen darf.“ Am 29. Dezember 2011 löste der damalige Co-Trainer seinen Chef Markus Sorg ab, als Freiburg vor dem Abstieg stand. Streich rettete den Verein, führte ihn auch nach Europa, musste aber auch einen Abstieg hinnehmen. Der impulsive Trainer eckt oft an, macht immer seine Meinung deutlich, blieb aber auch immer menschlich und wurde so zum Kult-Trainer. Er sollte dem Verein in anderer Position erhalten bleiben.

Lobeshymnen wird Niko Kovac in Wolfsburg keine bekommen. Der VfL versuchte, an seinem Coach bis zum Saisonende festzuhalten, aber nach elf Spielen ohne Sieg schrillen die Alarmglocken immer lauter, der Abstiegskampf ist nahe, Mainz meldet sich wieder an, der Vorsprung schrumpfte auf sechs Punkte. Wolfsburg reagierte schnell, entließ Kovac und präsentierte am Sonntag gleich den Nachfolger: Ralph Hasenhüttl, von 2016 bis 2018 in Leipzig erfolgreich und anschließend auch in Southampton beliebt und geachtet, bis es kriselte und im November 2022 zu Ende ging. Der 52-jährige Österreicher liebäugelte sogar mit einem Karriereende, aber jetzt setzt er sie in Wolfsburg fort. Da soll es nun wieder aufwärts gehen.

Mainz hat der energiegeladene Bo Henriksen neues Leben eingehaucht, der einen neuen Hoffnungsträger hat: Der lange verletzungsgeplagte Torjäger Jonathan Burkhardt ist wieder fit und schoss beim 2:0 Gegner und Konkurrent Bochum allein ab. Bochum steht wie Wolfsburg bei 25 Punkten und leidet unter dem „Bayern-Fluch“. Nach dem sensationellen 3:2-Sieg gab es vier Niederlagen. Gegensätzlich dazu der FC Augsburg, der zuletzt vier Siege landete, von Platz 14 an Bochum und vielen anderen vorbei zog und jetzt Siebter ist. Europa lockt!

Die Bundesliga macht Länderspielpause bevor es an Ostern weitergeht. Im Mittelpunkt steht dann das Duell Bayern – Dortmund am Samstag, 30. März (18.30 Uhr), das immer noch ein Schlagerspiel ist, vor allem aber für die Borussia bedeutend ist, weil im Zweikampf mit Leipzig um den letzten Platz für die Champions League jeder Punkt zählt. In der Vorrunde stürzte Bayern den BVB mit einem 4:0 in die Krise.

Hoffnung gibt es für Dortmund und RB das auch Platz fünf für die CL zählt, doch dazu müssen Erfolge auf Europas Bühne her. Die zwei besten Nationen der UEFA-Jahresrangliste dürfen fünf Vereine stellen, noch steht die Bundesliga (16,257 Punkte) hinter Italien (17,714) auf Rang zwei, aber England (16,250) und Spanien (14,437) drängen. CL und Europa League werden dabei gleich gewertet. So war Leverkusens glückliches Weiterkommen beim 3:2 gegen Agdam mit zwei Toren von Schick in der Nachspielzeit sehr wertvoll. Jetzt ist Freiburgs Bezwinger West Ham United im Viertelfinale am 11. und 18. April der nächste Gegner. Leverkusen ist in den fünf Topligen Europas immer noch die einzige ungeschlagene Mannschaft – das sollte für die Rangliste so bleiben!

Bei der Auslosung der Champions League sprachen manche von einem „Glückslos“ für Bayern und Dortmund, was zweifellos übertrieben ist. Glück vielleicht allein, weil Real oder Manchester City als große Favoriten gelten (welches Lospech, sie treffen aufeinander), aber gegen Arsenal London bzw. Atletico Madrid stehen die Chancen bestenfalls 50:50. Die Partie Paris – Barcelona komplettiert das Viertelfinale, das am 9./10. und 16./17. April ausgetragen wird. Auch das Halbfinale wurde schon ausgelost und damit steht fest, dass es ein deutsches Duell erst im Endspiel am 1. Juni in London im Wembleystadion geben kann. Das war bekanntlich 2013 der Fall.

Wölfinnen unter Druck

Die Frauen-Bundesliga macht keine Pause, ganz im Gegenteil sie präsentiert am kommenden Samstag (17.45 Uh) das Schlagerspiel schlechthin. Die beiden stärksten Teams stehen sich gegenüber, wobei der Tabellenzweite VfL Wolfsburg Heimrecht gegen Titelverteidiger Bayern München hat. Allerdings stehen die Wölfinnen unter Druck, denn sie haben mit der überraschenden 1:2-Niederlage in Hoffenheim an Boden verloren und jetzt vier Punkte Rückstand. Nur ein Sieg könnte die Meisterschaftschancen intakt halten und auch dann müssten die Bayern noch einmal straucheln (letztes Spiel bei Hoffenheim!). Die Bayern-Mädchen siegten gegen Neuling Leipzig mit 5:0 und sind jetzt saisonübergreifend 33 Spiele ohne Niederlage! Sie gewann auch das Hinspiel gegen Wolfsburg mit 2:1.

Bei beiden Vereinen hat es überraschende Meldungen gegeben. Wolfsburgs Flügelflitzerin Svenja Huth kündigte ihren sofortigen Rücktritt aus der Nationalmannschaft an. Die 33-jährige bestritt 88 Länderspiele, verlor aber ihren Platz als Stammspielerin. Sie will sich ganz auf den VfL konzentrieren. Für ihren Verein will auch Sydney Lohmann weiterhin kämpfen, sie verlängerte den Vertrag bei Bayern München bis 2027, weil es ihr „Herzensverein“ sei. Sie gehört den Bayern ab der Jugend an und hat auch keine Angst vor dem noch größer werdenden Konkurrenzkampf, wenn im Sommer Lena Oberdorf von Wolfsburg nach München wechselt. Meister werden mit dem VfL will Oberdorf aber trotzdem.