Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Frauen hoffen auf eine WM gegen den DFB-Trend

Die Zeiten haben sich einerseits geändert, andererseits sollen die alten Zeiten wieder aufleben. Vor einem Jahr bei der Europameisterschaft in England begann die Euphoriewelle im Frauen-Fußball. Die deutsche Mannschaft war erfolgreich, begeisterte mit ihrem Spiel und dem Auftreten außerhalb des Feldes, so dass sie die Herzen der Menschen eroberte. Am Ende stand die Vize-Meisterschaft, nur Gastgeber England war stärker. Ähnliches soll sich jetzt bei der Weltmeisterschaft wiederholen, die am Donnerstag in Australien und Neuseeland beginnt (9.00 Uhr Neuseeland – Norwegen in Auckland, 12.00 Uhr Australien – Irland in Sydney) und am Sonntag, 20. August mit dem Finale (12.00 Uhr) in Sydney endet. Die Frauen hoffen dabei auf ein Turnier gegen den DFB-Trend. Der Verband selbst macht durch Misswirtschaft und Korruption negative Schlagzeilen, die A-Mannschaft der Männer erlebte bei ihrer WM in Katar eine Pleite und die U21 war bei der Europameisterschaft nicht besser. Besser werden soll es jetzt bei den Frauen am anderen Ende der Welt.

Down Under ist ja kein Niemandsland im Sport, Olympischen Spiele und zahlreiche Weltmeisterschaften wurde ausgetragen, Olympia 2000 in Sydney war ein großer Erfolg, die Formel 1 ist Stammgast in Melbourne. Die Frauen-Weltmeisterschaft im Fußball soll jetzt aber alles andere in den Schatten stellen, vor allem dem Frauen-Fußball in Australien und Neuseeland weiter Auftrieb geben. Die „Matildas“, wie die Frauen Australiens genannt werden, zählen sich sogar zum Favoritenkreis. Die FIFA hat viel getan für ein großes Fest, erstmals sind 32 Nationen am Start, eine Art Entwicklungshilfe für schwächere Nationen, und die Prämien für Spielerinnen und Mannschaften wurden kräftig aufgestockt, auch wenn sie noch weit entfernt sind von den Leistungen für die Männer. Aber 30.000 Euro für jede Spielerin als Antrittsprämie und 250.000 Euro für jede Weltmeisterin können sich sehen lassen. Was Europa angeht, so wurde auch der drohende Blackout an den Bildschirmen abgewendet, die Fans stehen nicht im Abseits, wenn sie auch zu ungewohnter Zeit fernsehen müssen, durch den Zeitunterschied finden die Spiele in der Nacht oder am Vormittag statt. Eine Euphoriewelle wie in England wird unter diesen Bedingungen schwer wiederholbar sein. 17 Millionen Zuschauer sahen damals das EM-Finale.

Aber mit Erfolgen und guten Leistungen will die deutsche Mannschaft die Euphoriewelle hierzulande am Leben erhalten. Die Zuschauerzahlen in der Bundesliga haben sich vervielfacht, das Fernsehen steigt verstärkt ein, der Start der Bundesliga am 15. September mit dem Spiel Freiburg – Bayern wird live im ZDF übertragen. Zuerst aber gehen die Blicke nach Australien. Die deutsche Mannschaft hat ähnlich wie die Männer bei ihrem Titelgewinn 2014 ein Basiscamp in ruhiger Lage bezogen, in Wyong, rund 90 km von Sydney enfernt. Das Mercure Kooindah Waters bezeichnet sich als „preisgekröntes Golfresort“. Ein Golfplatz befindet sich am Hotel, der Trainingsplatz ist rund 10 Minuten Busfahrt entfernt. Die Mädchen wohnen zu zweit in Bungalows. Beim Training haben die Gastgeber schon alles für den Erfolg getan, Nachfahren der australischen Ureinwohner begrüßten die Mannschaft mit altem Ritual und Tönen der Didgeridoo, dem traditionellen Musikinstrument der Aborigenes. Es soll die bösen Geister vertreiben und als Glücksbringer hat Nationalspielerin Klara Bühl allen noch einen Koala im Deutschland-Trikot gehäkelt. Da kann eigentlich nichts mehr schief gehen.

Allerdings gibt die Vorbereitung keinen Anlass für Euphorie. Wirklich gute Leistungen waren Mangelware, seit November gab es in sieben Spielen nur drei Siege, der Abschluss mit der 2:3-Niederlage gegen Sambia war ernüchternd. Kapitänin Alexandra Popp will sich den Optimismus nicht nehmen lassen: „Vor der EM hat auch nicht alles geklappt, wir holen uns jetzt die nötige Frische und wollen wieder in den Flow kommen.“ Eine Statistik sollte Mut machen: In der Bilanz der WM-Turniere seit 2003 hat Deutschland die meisten Tore pro Spiel geschossen und die wenigsten Gegentore kassiert. Deutschland gewann den Titel 2003 und 2007, Rekordsieger ist die USA mit Erfolgen 1991,1999, 2015 und 2019, Norwegen gewann 1995 und Japan 2011. Der letzte Titelgewinn einer deutschen Mannschaft gelang 2013, also genau vor zehn Jahren, bei der Europameisterschaft. Aus diesem Team sind Sara Däbritz, Svenja Huth und Melanie Leupolz noch dabei. Auffallend, dass Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg eine sehr junge Mannschaft nominiert hat, neun Spielerinnen sind Jahrgang 2000 oder jünger.

Der Stamm des DFB-Teams steht, auffallend, dass die Vize-Meisterinnen aus Wolfsburg (Bundesliga und Champions League) das Gros der Mannschaft stellen und nicht Meister Bayern. Die Achse zum Rückhalt bilden Torhüterin Merle Frohms, Abwehrchefin Marina Hegering (noch verletzt), Lena Oberdorf (solllte fit werden) im Mittelfeld und Torjägerin Alexandra Popp, die auch bei der EM für die entscheidenden Tore sorgte. Die Schwachstelle ist wohl die rechte Seite, wo die schnelle Münchnerin Giulia Gwinn verletzt fehlt. In ihrer Not probierte es die Bundestrainerin mit den Stürmerinnen Nicole Anyomi und Svenja Huth. Defensiv stärker wäre wohl Sophia Kleinherne, sie scheint aber keine Ideallösung zu sein. Mehr Auswahl gibt es in Mittelfeld und Angriff.

Die Gruppengegnerinnen gehören nicht zur Spitzenklasse, können aber Ärger machen. Marokko ist ein wohlwollender Auftakt am Montag, 10.30 Uhr MESZ, die Afrikanerinnen mussten lange um die Ausübung ihres Sports kämpfen, bis der König ein Machtwort sprach. Der Aufwärtstrend zeigt sich darin, dass Marokko zuletzt im Finale des Afrika-Cups stand. Nächster Gegner ist sechs Tage später (Sonntag, 30.7., 11.00 Uhr) mit Kolumbien eine Mannschaft aus Südamerika, die sogar das Halbfinale als ihr Ziel nennt und auf ihr „Wunderkind“, die erst 18-jährige Stürmerin Linda Caicedo baut. Zum Schluss folgt Südkorea (Donnerstag, 3.8., 12 Uhr), eine unangenehme, defensivstarke Mannschaft, bei der der englische Trainer Colin Bell (61) für große Fortschritte sorgte.

Die dicken Brocken kommen freilich danach, so warten schon im Achtelfinale die Mitfavoriten Frankreich oder Brasilien und bei einem Weiterkommen könnte es dann gegen Europameister England gehen. Zum Favoritenkreis gehören außerdem noch Titelverteidiger USA, Kanada, Norwegen, Japan, Schweden, Dänemark und die Niederlande. Eine Bandbreite, welche die Männer nicht zu bieten haben. Australien und Neuseeland standen auch nicht wie Männer-Gastgeber Katar in der Kritik, sondern jeder freut sich auf nette, weltoffene Gastgeber. Nur ein bisschen weit ist es halt ans andere Ende der Welt. 27 Stunden war die deutsche Mannschaft unterwegs.

Das deutsche Aufgebot: Tor: Merle Frohms (Wolfsburg), Ann-Kathrin Berger (Chelsea), Stina Johannes (Frankfurt). – Abwehr: Marina Hegering, Kathrin Hendrich, Felicitas Rauch (alle Wolfsburg), Sara Doorsoun, Sophia Kleinherne (beide Frankfurt), Sjoeke Nüsken (Chelsea). – Mittelfeld: Lena Oberdorf, Lena Lattwein, Chantal Hagel, Svenja Huth, Jule Brand (alle Wolfsburg), Lina Magull, Sydney Lohmann, Klara Bühl (alle Bayern), Sara Däbritz (Lyon), Melanie Leupolz (Chelsea), Janina Minge (Freiburg, auf Abruf). – Sturm: Alexandra Popp (Wolfsburg), Lea Schüller (Bayern), Nicole Anyomi, Laura Freigang (beide Frankfurt).

Im Wechsel-Theater des Fußballs ist alles geboten

Es wird zwar auch Fußball gespielt, im Mittelpunkt stehen im Sommer aber die Spielerwechsel, geht es doch auch für die Fans hier um die Zukunft ihres Vereins. Wird gut eingekauft? Was kann man für die neue Saison erwarten? Muss man sich Sorgen machen? Im Wechsel-Theater des Fußballs ist aber buchstäblich alles geboten, da wird gepokert, geht es einerseits lustig zu, andererseits macht mancher Abgang die Fans auch traurig. Manche Gespräche muten wie eine Schmierenkomödie an, mancher Wechsel schlägt wiederum ein wie eine Bombe. Kein richtiges Theater kann so viel Abwechslung bieten.

Das Ende des Wechsel-Theaters ist noch lange nicht in Sicht, ganz im Gegenteil, Höhepunkte werden zum Schluss im letzten Akt erwartet, besonders turbulent ist immer der letzte Tag. Manche Manager pokern bis zu letzten Minute, manche verzocken sich aber auch dabei oder schicken das Fax, das gibt es auch heute noch, nicht rechtzeitig weg. Manchmal zählt wirklich jede Minute. Es ist noch zu früh, eine Zwischenbilanz zu ziehen, aber viele Vereine sind schon fündig geworden und machen Hoffnung, andere wiederum müssen noch fleißig suchen, um eine einigermaßen konkurrenzfähige Mannschaft an den Start zu bringen. Gut dran ist, wer auf einen starken Kader zurückgreifen kann.

Zur Komödie werden aber auch viele Äußerungen der Spieler, die oft wie aus einem Lehrbuch „Wie erkläre ich meinen Wechsel“ wirken. So wiederholen sich immer wieder die Feststellungen zum neuen Verein, dass „dies ein toller Verein sei und viel vorhabe und ich möchte ein Teil davon sein“. Kaum zu glauben, wie oft die Spieler gerade zu „ihrem Wunschverein“ wechseln und „ein Traum in Erfüllung geht“. Sind die Äußerungen nicht vergessen oder man sieht mehrere Jahre zurück, hat es diese Feststellung schon einmal gegeben. Es gibt viele „Traumvereine“!

Jeder Verein sucht aber Verstärkungen. Die Bild am Sonntag hat eine Geldrangliste aufgestellt, welcher Bundesligist wie viel Geld ausgeben will. Spitzenreiter ist auch hier Bayern München, das mit 150 Millionen Euro taxiert wird, wenn denn Harry Kane aus Tottenham kommt. Doch das ist ein Wechsel, bei dem vielleicht bis zum letzten Tag gepokert wird. Viel tut sich bei RB Leipzig, das Nkunku (Chelsea, 60 Millionen Euro), Szoboszlai (Liverpool (70 Mill.), Laimer (Bayern, ablösefrei) und wahrscheinlich Gvardiol (Manchester City) ersetzen muss. Da sind 119 Millionen als Ausgabe zu verschmerzen, bisher sind u. a. Sesko, Seiwald (beide Salzburg) und Baumgartner (Hoffenheim) da, doch das reicht nicht. Dritter ist Leverkusen (100 Millionen), wo einiges noch in der Schwebe ist, Arthur (Brasilien) und Grimaldo (Benfica) wurden aber frühzeitig verpflichtet, mit der Verpflichtung von Jonas Hofmann (Gladbach) und Xhaka (Arsenal) gelang ihnen ein Coup. Die Abgänge von Diaby, Frimpong und Tah sind aber möglich, bringen Geld, bedeuten aber eine Schwächung. Schlusslichter der Rangliste sind Werder Bremen (0 – kann das wirklich sein?) und die Neulinge Darmstadt (3) und Heidenheim (4). Na ja, die Zahlen sind Spielerei, sie sollen das Wechsel-Theater unterhaltsam machen.

Fakten sind natürlich besser. Die hat Bayern München schon mal geschaffen, unabhängig von der Akte Kane. In der Abwehr wird sich entscheidendes tun, Lucas Hernandez wechselt endgültig zu Paris St. Germain, Bayern kassiert 45 Millionen und kauft dafür das „Monster“ Min-Jae Kim für 50 Millionen vom SSC Neapel. Zusammen mit dem 1,89 m großen Matthijs de Light soll der 1,90 m große Südkoreaner eine „Monster-Abwehr“ bilden. Der Fall Pavard ist noch ungeklärt, der Franzose möchte weg, Bayern ihn nicht unbedingt gehen lassen. Der Vertrag läuft 2024 aus. Auf der rechten Seite soll sich noch was tun, ob aber wirklich Kyle Walker von Manchester City kommt? Er könnte die Bayern als Druckmittel für eine Vertragsverlängerung bei City nutzen. Den besten Verkauf hat Borussia Dortmund mit Jude Bellingham gemacht, der für 103 Millionen Euro zu Real Madrid geht. So ein Geschäft haben die Bayern noch nie gemacht. selbst Torjäger Robert Lewandowski ging für 45 MIllionen zum FC Barcelona, die größte Summe wurde 2017 für Douglas Costa erzielt, für den Juventus Turin 48 Millionen zahlte.

England ohne Gegentor

Was die Spielerwechsel angeht, so hoffen Vereine und Spieler auf die perfekte Saison. Ein perfektes Turnier spielten jetzt die Junioren der U21 von England. Sie setzten sich im Finale der Europameisterschaft in Georgien und Rumänien im Endspiel gegen Spanien mit 1:0 durch und beendeten das Turnier ohne ein einziges Gegentor! Das lag vor allem auch am überragenden Torhüter James Trafford, der Held im spannenden Schlussakt war (was für ein Theater!): In der 9. Minute (!) der Nachspielzeit gab es Elfmeter für Spanien nach Videostudium. Trafford hielt aber den Schuss von Torjäger Ruiz und auch den Nachschuss! England war nach 39 Jahren erstmals wieder Europameister! Trafford war natürlich überglücklich („Ich habe als Kind schon geträumt, im Tor von England zu stehen“) und nimmt in seiner Karriere einen Umweg: Von Manchester City wechselt er für 20 Millionen Euro zu Aufsteiger FC Burnley, um mehr Spielpraxis zu erhalten (auch ein Grund für Wechsel, der sich oft nicht erfüllt). City soll sich ein Rückkaufrecht gesichert haben.

Frauen mit Problemen vor der WM

Am 20. Juli beginnt die Weltmeisterschaft der Frauen in Australien und Neuseeland, am 24. Juli, also in zwei Wochen, steht das erste deutsche Spiel gegen Marokko an. Das DFB-Team tritt am Dienstag die Reise von Frankfurt nach Sydney aber mit einem Paket an Problemen an. In der Vorbereitung klappte nicht viel, von einer Euphoriewelle wie vor einem Jahr bei der EM in England ist man weit entfernt und dazu gibt es Verletzungssorgen. Seit November gab es in sieben Spielen nur drei Siege (2:1 in den USA, 1:0 in den Niederlanden, 2:1 gegen Vietnam), aber auch drei Niederlagen, nach dem 1:2 und den USA und 1:2 gegen Brasilien jetzt 2:3 gegen Sambia zum am Abschluss der Vorbereitung. Vor allem die schnelle Stürmerin Barbra Banda, die einen zu hohen Testaronspiegel aufweist und wohl eher ein Stürmer ist, lief den deutschen Spielerinnen davon und deckte die eklatanten Schwächen in der Abwehr auf. Probleme, die an die A-Nationalmannschaft der Männer erinnern.

Dazu kamen Verletzungen zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Verteidigerin Carolin Simon fällt mit einem Kreuzbandriss ganz aus, Lena Oberdorf (muskuläre Probleme) und Marina Hegering (Fußprellung) müssen pausieren, fliegen aber mit. Die Münchnerinnen Linda Dallmann und Giulia Gwinn fallen sowieso aus. Seltsam ist, dass Deutschland mit acht Spielerinnen von Vizemeister VfL Wolfsburg begann, davon die komplette (fehlerhafte) Abwehr. Von Meister Bayern starteten nur Lina Magull und Klara Bühl. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg wagte ein letztes Experiment mit Flügelflitzerin Svenja Huth als Rechtsverteidigerin. Da wird noch nach der richtigen Lösung noch gesucht. Die Trainerin nach dem 2:3 ernüchtert: „Es fehlt Frische, es fehlt Durchschlagskraft.“ Die Spielerinnen selbst bleiben optimistisch: „Wir spielen um den Titel mit“ ist das allgemeine Motto. Das hat man aber auch von den Männern vor den letzten Turnier-Pleiten gehört. Im Gegensatz zum Männer-Team bäumten sich die Frauen gegen die Niederlage auf, glichen gegen Sambia zum 2:2 auf, ließen in der 12. Minute der Nachspielzeit aber doch noch den entscheidenden Konter zu.

Martina Voss-Tecklenburg hat am Samstag die 23 WM-Fahrerinnen nominiert, wobei Chantal Hagel (Wolfsburg) für Simon auf den WM-Flieger sprang, Janina Minge (Freiburg) fliegt zusätzlich mit, falls durch Verletzung eine Nominierungsänderung notwendig wird.

Die Fußball-Bundesliga übernimmt wieder das Kommando

Die Fans haben die Nase voll vom Rumpel-Fußball der Nationalmannschaft, vom willenlosen Sich-Ergeben der U21 bei der Europameisterschaft, sie schauen jetzt wieder lieber auf die Bundesliga und das mit großer Hoffnung auf die neue Saison, die am 18. August mit einem Rekordspiel beginnt, zum 113. Mal stehen sich dann Werder Bremen und Titelverteidiger Bayern München gegenüber. Aber schon jetzt hat die Bundesliga das Kommando im Sport wieder übernommen. Die ersten Trainingslager gehen los und die Spielerwechsel bzw. die Mutmaßungen rund um mögliche Wechsel bestimmen die Schlagzeilen.

Die Ersten im Trainingslager sind am Montag die TSG Hoffenheim und Mainz 05, Augsburg und Union Berlin ziehen am Dienstag nach, fast an jedem Tag beginnt ein anderes Team, den Schluss macht Bayern München, das seinen Spielern die längste Pause gönnt und erst am 13. Juli startet. In den Vorstandsetagen gibt es allerdings keine Ruhe, in punkto Spielerwechsel beherrscht München die Schlagzeilen, obwohl anderswo die Änderungen noch gravierender ausfallen dürften. Die Bayern sind halt ein anderes Kaliber und die alten bzw. neuen Herren Hoeneß und Rummenigge wollen wieder den Sieg in der Champions League angreifen. Da ist nur das Beste gut genug, aber auch teuer. Der Meister arbeitet an internationalen Top-Transfers, an der Spitze Torjäger Harry Kane von den Tottenham Hotspurs. Der englische Nationalspieler gilt eigentlich als Institution bei den Spurs, aber er will endlich Titel gewinnen, das ist Bayerns Chance, denn zu einem Klub der Premier League will Kane wohl nicht wechseln, denn gegen seinen Herzensverein zu spielen, das geht nicht. Angeblich sind sich die Bayern mit ihm einig, auch die Familie zieht gern nach München, doch um die Ablösesumme wird gefeilscht. 100 Millionen Euro, eine Rekordsumme für die Bundesliga, sind zu wenig. Und für das Beste steht auch Südkoreas Abwehrspieler Kim, der vom SSC Neapel losgeeist werden soll. Kim wurde zum besten Abwehrspieler der Liga A in Italien gewählt und soll Lucas Hernandez ersetzen, den es zu Paris St. Germain zieht. Der Franzose kostete einst 80 Millionen und soll jetzt das Geld einbringen, das Bayern für Kim ausgibt.

Da sind wir beim größten Problem der Vereine, die zum Teil daran verzweifeln, Spieler zu verkaufen, die sie nicht mehr wollen, andererseits sich schwer tun, Spieler zu ersetzen, die abgeworben werden. Immerhin gibt es dann meist das nötige Kleingeld, um am Markt tätig zu werden. Auffallend ist, das Dortmund eher den deutschen Markt sondiert, so soll Felix Nmecha vom VfL Wolfsburg Jude Bellingham ersetzen, die Bayern aber vor allem international tätig werden. Selbst deutschen Nationalspielern wird wohl nicht zugetraut, die Qualität zum Gewinn der Champions League mitzubringen. Stimmt die Einschätzung, dann wird Dortmund wieder nicht die größten Chancen auf den nationalen Titel haben.

Der dritte im Bunde ist der RB Leipzig, der Pokalsieger würde ja gern auch mal Meister werden. Aber jetzt muss Manager Max Eberl erst mal sehen, wie er eine konkurrenzfähige Mannschaft zusammenbringt. Bis jetzt ist nur von Abgängen einiger Leistungsträger die Rede. Torjäger Christopher Nkunku zog es zu Chelsea London, Spielmacher Dominik Szoboszlai wurde überraschend vom FC Liverpool abgeworben und Manchester City will Abwehr-Ass Josko Gvardiol holen. Mit anderen Verkäufen von ausgeliehenen Spielern könnte Eberl über 200 Millionen Euro einnehmen, doch bekommt er trotzdem diese Qualität zurück? Ähnlich umfangreich ist der Umbruch bei Borussia Mönchengladbach, der neue Trainer Gerardo Seoane muss eine neue Mannschaft aufbauen. Kapitän Stindl lässt seine Karriere in Karlsruhe ausklingen, Beyer wechselte zu Burnley, Benebaini nach Dortmund, Thuram zu Inter Mailand und sollte Kim bei den Bayern landen, hat Neapel Gladbachs Ko Itakura als Ersatz im Visier. Neuzugänge bisher sind die Talente Chiarodia (Bremen), Hack (Bielefeld), Ullrich (Hertha II) und Ranos (Bayern II). Hatten sie in Gladbach nicht wieder von Europa geträumt?

Bei den Vereinen wird sich viel tun, die Wechselfrist hat ja gerade erst begonnen und dauert bis zum 31. August. Für die 2. Bundesliga geht es bereits im Juli richtig los, am 28. Juli startet die neue Saison mit dem Schlager Hamburger SV gegen Schalke 04. Zwei Altmeister und Möchtegernaufsteiger unter sich.

Auftritt der U21 fast eine Schande

Gut, wenn die Bundesliga vom anderen Geschehen ablenkt. Der Auftritt der U21 bei der Europameisterschaft in Georgien und Rumänien war fast eine Schande. Gegen England waren beim 0:2 schnell die Weichen auf Niederlage gestellt, gegen einen Gegner, der seine besten Spieler schonte. Nach vier Minuten fiel das 0:1, bei Deutschland gab es kein Aufbäumen, kraft- und willenlos ließen die Schützlinge von Bundestrainer Antonio Di Salvo die Niederlage über sich ergehen. Damit wurde auch die Teilnahme an den Olmypischen Sommerspielen 2024 in Paris verspielt. Angesichts dieses furchtbaren Auftritts ohne Mut und ohne Herz müsste auch der Trainer sein Amt verspielt haben und keiner dieser U21-„Talente“ hat eine Zukunft im A-Team. Bitteres Urteil beim DFB: „Andere Nationen sind uns voraus“.

Wie man es besser macht, zeigte die U21 im Handball, die bei den Titelkämpfen in Deutschland sogar Weltmeister wurde und nicht nur beim 30:23-Sieg über Ungarn im Finale begeisterte. Zahlreiche Talente empfahlen sich hier für die Zukunft. Der Handball darf froh sein, der Fußball muss nach einem neuen Zukunftskonzept suchen.

Für die Frauen gilt es jetzt

Die einen trainieren für die neue Saison, die anderen stehen vor ihrem Saison-Höhepunkt. Für die Frauen-Nationalmannschaft gilt es jetzt, in Herzogenaurach hat der zweite Lehrgang begonnen, am Freitag (20.30 Uhr/ARD) gibt es das letzte Testspiel gegen Sambia in Fürth und am Samstag muss Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg ihren Kader von 23 Spielerinnen benennen, die am 11. Juli von Frankfurt nach Sydney fliegen. Einige harte Entscheidungen warten auf die Trainerin, die überraschend zusätzlich Janina Minge vom SC Freiburg zum zweiten Lehrgang geladen hat, weil sie als Ersatz für die Bayern-Spielerinnen eine gute Figur abgegeben hat. Man kann der Bundestrainerin nur eine glückliche Hand wünschen, damit die Euphorie für den Frauen-Fußball bei der WM weiter befeuert wird.

Langer der beste Senior aller Zeiten

Noch ein ganz anderes Thema, eine tolle Meldung vom Sport und von einem netten alten Herrn. Der 65jährige Golfer Bernhard Langer hat es endgültig geschafft, er ist jetzt der erfolgreichste Spieler der PGA Tour Champion, der über 50jährigen Golfer. Der Anhausener (bei Augsburg), der heute in Florida lebt, gewann die Senior US Open in SentryWorld/Wisconsin und holte damit seinen 46. PGA Titel der Senioren. Jetzt ist er alleiniger Rekordhalter vor Hale Irwin, den er mit 45 Siegen schon eingeholt hatte. Es war Langers zwölfter Senior-Major-Sieg und insgesamt hat er bei den Senioren bereits über 34 Millionen Euro an Preisgeld gewonnen. Auch sein Rekord als ältester Sieger aller Zeiten wird wohl lange Bestand haben, wenn er überhaupt einmal gebrochen wird.

Was ist nur mit dem deutschen Fußball los?

Vorweg: Der Fußball hat kein Alleinstellungsmerkmal, in keiner Beziehung. Man könnte ja auch die Frage politisch sehen: Was ist mit Deutschland los? Aber hier geht es um Sport und offensichtlich färbt die allgemeine Verunsicherung ab, der Fußball kann sich dem nicht entziehen. Die Fans aber machen sich sorgen, weil die A-Nationalmannschaft nicht allein als Sorgenkind dasteht, sondern auch der Nachwuchs in Form der U21 und das Frauen-Team nicht überzeugen konnten. Deshalb ist die Frage berechtigt: Was ist nur mit dem deutschen Fußball los?

Ausgangspunkt der schlechten Stimmung sind natürlich die Flick-Schützlinge. Die Aufarbeitung der Länderspiel-Pleiten ist noch nicht beendet und findet in der Öffentlichkeit immer wieder einen Nachhall, auch wenn es jetzt in der Sommerpause um Ranglisten und Einschätzungen geht. So wurde jetzt bekannt, dass es angesichts der schwachen Leistungen eine Krisensitzung der Spieler gab, unter denen sich eine Unzufriedenheit über den Trainer breit macht. Hansi Flick ist ein Harmoniemensch und offensichtlich kann er keinem wehtun, das muss er aber als Trainer. Da macht er aber den ersten Fehler, wenn er jeden zu Einsatzzeiten kommen lassen will, wenn er es jedem recht machen will. Flick entpuppt sich als schwache Führungspersönlichkeit.

Dass die Begeisterung für die DFB-Auswahl gesunken ist, zeigte sich auch bei der Versteigerung der Nationaltrikots aus dem Ukraine-Spiel im Internet. Gerade mal 65.000 Euro kamen als Hilfe für die Menschen in der Ukraine zusammen. Überraschend erzielte das Trikot von Goretzka den höchsten Preis, nämlich 6371 Euro, dahinter landeten Kimmich, Musiala und Füllkrug.

Besser macht es auch die U21 mit Bundestrainer Antonio Di Salvo bei der Europameisterschaft in Georgien und Rumänien nicht. Ihre ersten Bewährungsproben hat sie nicht bestanden. Ganz im Gegenteil, erstmals seit zehn Jahren steht die Mannschaft vor dem frühzeitigen Aus. Die WM in Katar lässt grüßen, das A-Team als „Vorbild“! Zur Entschuldigung kann Di Salvo anführen, dass er nicht das stärkste Team zur Verfügung hat, fast kann man von einer B-Mannschaft sprechen, wenn man daran denkt, dass auch Musiala, Wirtz und Thiaw bei der EM mitspielen könnten. Aber der Trainer hat nach dem 1:1 gegen Israel und dem 1:2 gegen Tschechien noch ganz andere Sorgen. Als Moukoko und Ngankam gegen Israel zwei Elfmeter verschossen, brach ein Shitstorm voller Hass und rassistischen Beleidigungen im Internet über die Spieler herein. Eine Tatsache, die vor allem junge Spieler keineswegs verkraften können. Youssoufa Moukoko machte die Hass-Mails öffentlich und klagt: „Wenn wir gewinnen, sind wir alle Deutsche. Wenn wir verlieren, sind wir die Schwarzen.“

Die moralische Aufarbeitung ist eine Sache für Psychologen, die rechtliche Aufarbeitung eine Sache der Justiz, nicht des Sports. Der Verband ist angehalten, mit allen Möglichkeiten und aller Härte gegen Beleidigungen aller Art, vor allem aber gegen rassistische Äußerungen vorzugehen. Der DFB hat eine Klage bei Wiederholung angekündigt, darauf darf er nicht warten. Hass und Chaos macht sich im Fußball breit, die beliebte Sportart wird als Bühne für Gewalt und Beleidigungen benutzt, das muss ein Ende haben und mit allen Mitteln eingedämmt werden.

Aber auch sportlich konnte das nicht gefallen, was die Junioren in den ersten zwei Spielen zeigten. Was im A-Team zu bemängeln war, zeigte sich auch hier, die mangelnde Chancenverwertung. Begeisterung und der absolute Siegeswillen fehlten. Gegen Tschechien hatte die Mannschaft 70 Prozent Ballbesitz und ein überragendes Plus an Torchancen, doch der Ertrag blieb aus. Ein altes Leiden: Torjäger dringend gesucht. Die Tschechen konterten die Deutschen aus, das kennen wir auch vom A-Team. Es scheint, dass wir diesbezüglich keine Hoffnung für die Zukunft haben dürfen. Gibt es noch Hoffnung für das Turnier? Nur vage, das DFB-Team müsste am Mittwoch EM-Favorit England, mit zwei 2:0-Siegen gestartet, schlagen und gleichzeitig auf Schützenhilfe von Israel hoffen und am Ende auch noch auf die bessere Tordifferenz. Hoffen darf man aber.

Dämpfer für die Frauen

Die deutschen Frauen haben im letzten Jahr bei der Europameisterschaft in England eine Euphoriewelle ausgelöst und sind damit die Ausnahme im DFB. Jetzt aber gilt es, auf dieser Welle weiter zu reiten und da haben die Mädchen zum Start der WM-Vorbereitung einen Dämpfer erhalten. Gegen Vietnam gab es gerade mal einen 2:1-Sieg und es klappte nur wenig. „Die Basics fehlten“, moserte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, die freilich noch auf die Spielerinnen von Meister München und den meisten aus Wolfsburg verzichtete. Die zweite Garde konnte sich also nicht empfehlen. Nobody Vietnam zog sich achtbar aus Affäre. Torschützinnen waren Paulina Krumbiegel und Jana Minge, allein Nicole Anyomi machte vermehrt auf sich aufmerksam. Ein bisschen Bangen ist also da, ob die Frauen auch bei der am 20. Juli beginnenden WM in Australien und Neuseeland wieder die Begeisterung wie in England aufbringen bzw. entfachen können. Aber es ist der Anfang, der zweite Lehrgang beginnt am 1. Juli und am 7. Juli gibt es das zweite Testspiel um 20.30 Uhr in Fürth. Dann wohl mit der WM-Mannschaft. Martin Voss-Tecklenburg macht aber zumindest den Eindruck, dass sie sich eher als Hansi Flick durchsetzen kann und harte Entscheidungen nicht scheut. Der Lehrgangskader muss noch reduziert werden.

Sind dies gute oder schlechte Nachrichten für die Frauen? Vom DFB werden sie keine WM-Prämien erhalten, die kommen allein vom Weltverband. Die FIFA stockt das WM-Budget für die Mannschaft von 30 Millionen auf 110 Millionen Dollar auf, jede Spielerin erhält 30.000 Dollar Startgeld und für den WM-Titel werden an jede Spielerin 270.000 Dollar ausgezahlt. Das ist für Frauen eine beachtliche Steigerung, wenn man bedenkt, dass der DFB bei der letzten WM für den Titel gerade mal 75.000 Euro gezahlt hätte. Aber insgesamt ist es dennoch wenig, denn bei der WM der Männer in Katar schüttete die FIFA 410 Millionen Dollar an die Mannschaften aus. Von der gleichen Bezahlung sind die Frauen also noch ein gutes Stück entfernt, aber sie finden Beachtung und sind immerhin auf einem guten Weg.

Noch eine gute Nachricht vom deutschen Fußball. Am Freitag haben sich DFB und DFL auf einen neuen Grundlagenvertrag, der ab Juli bis zum Jahr 2029 laufen soll, verschiedene Gremien beider Verbände müssen noch zustimmen. Der Vertrag regelt die Pflichten und Rechte sowie die Geldströme. Der durch Misswirtschaft finanziell klamme DFB erhält mehr Geld, konnte aber seine zu hohen Forderungen nicht durchsetzen. Die Amateure drängen auf mehr Unterstützung, der Profifußball verweist im Gegenzug darauf, dass er bei weniger Einnahmen international abgehängt werden könnte.

Eine Bilanz des Grauens für den DFB und Hansi Flick

Hoffnungsvoll gingen Bundestrainer Hansi Flick, Spieler und Fans in die Länderspiel-Trilogie der letzten Tage. Am Ende gab es jedoch nur Hoffnungslosigkeit rund um die Fußball-Nationalmannschaft. Verband und Team können am Ende der Saison 22/23 nur eine Bilanz des Grauens ziehen. Da die finanziellen und personellen Probleme, die den Verband an den Rand des Absturzes bringen, dort die sportliche Pleite, ebenfalls fast ein Absturz des vierfachen Weltmeisters. Werbung für die Europameisterschaft 2024 in Deutschland war das nicht. Es sieht allerdings ganz danach aus, dass es keine personellen Veränderungen gibt, um die Wende zu schaffen. Dies gilt vor allem für Flick und das Trainerteam. Beim 0:2 gegen Kolumbien wirkten Hansi Flick und sein Assistent Marcus Sorg zum Beispiel wie die Ratlosigkeit in Person.

Das Länderspieljahr 22/23 war die reinste Katastrophe, „gekrönt“ von dem frühzeitigen Ausscheiden bei der umstrittenen Weltmeisterschaft in Katar. Insgesamt gab es in elf Länderspielen nur drei Siege, fünf Niederlagen und drei Unentschieden. Die Erfolge gelangen nur gegen zweitklassige Teams, ohne dem Oman (1:0), Costa Rica (4:2) und Peru (2:0) wehtun zu wollen. Das Spiel gegen Peru war 2023 der Start in die EM-Vorbereitung, der Bundestrainer kündigte Experimente an, wollte eine Sichtung der Kandidaten und für bessere Stimmung für den Fußball im Land sorgen. Statt Jubel gab es Pfiffe, statt Zustimmung gibt es Zweifel am Trainer, ob er der Aufgabe überhaupt gewachsen ist. Seine Fehler häufen sich, seine ständige Zukunftsprognose, dass ab sofort alles besser wird, mutierte zur Lachnummer. Flicks Job ist dennoch sicher, beteuern unisono DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Sportdirektor Rudi Völler, der dafür den Spielern die Qualität abspricht. Eine Qualität, welche die Aktiven in ihren Vereinen aber zeigen. Eine Entlassung kann sich der DFB aber finanziell gar nicht leisten. „Augen zu und durch – durch das Schlamassel“ ist wohl die Losung.

Es ist aber auch schwierig, einen Ersatz für Hansi Flick zu finden. Von den Spitzentrainern ist gerade mal Julian Nagelsmann frei, doch der ist bei diversen Spitzenvereinen im Gespräch und fühlt sich für diese Aufgabe noch zu jung. Die erfolgreichen Trainer Stefan Kuntz (Türkei) und Ralf Rangnick (Österreich) fanden als Nachfolger von Jogi Löw keine Zustimmung. So ist es jetzt die Stunde der TV-Experten, Didi Hamann schlägt sogar Weltstar Zinedine Zidane vor. Als beste Lösung sieht sich wohl Lothar Matthäus, der immer alles besser weiß. Na ja, das ist Satire.

In Wirklichkeit heißt es also, weiter mit Hansi Flick, der Glanz des Triples mit Bayern ist bei dem 58-Jährigen verblasst. Er will Entschlossenheit zeigen und sagt „ich werde kompromisslos meinen Weg gehen“. Im September geht es weiter, am 9. September ist in Wolfsburg der vierfache Asienmeister Japan der Gegner, der Deutschland bei der WM in Katar beim 1:2 ins Dilemma stürzte. Danach folgt am 12. September in Dortmund mit Frankreich ein dicker Brocken. Fast schon die Spiele der Wahrheit, denn dann soll wirklich die ernste EM-Vorbereitung beginnen. „Wir werden versuchen, einen Stamm von 12 bis 14 Spielern zu benennen, die auch wissen, wo sie spielen sollen. Das wird den Spielern einen Tick mehr Selbstvertrauen geben,“ schaut der Trainer in die Zukunft. Diese Menge an guten Spielern haben wir zuletzt nicht gesehen, Gewinner waren eher die abwesenden Manuel Neuer, Thomas Müller, Serge Gnabry, Niklas Süle und Timo Werner. Einziger Gewinner im Kader der Ex-Schalker Malick Thiaw.

Aber sie werden nicht die Heilsbringer sein können, wichtiger ist, dass Flick seine Fehler abstellt, dass er ein System findet, dass der Mannschaft liegt. Die Dreier-Kette war eine Pleite, die Spieler wollen die Vierer-Kette. Auch die Experimente schmeckten den Akteuren nicht, so setzte er Ilkay Gündogan nicht so ein, wie es Pep Guardiola bei Manchester City tut. Bezeichnend auch sein Umgang mit dem Stuttgarter Talent Josha Vagnoman. Als er nicht in Form war, wurde er nominiert („Talente sollen eine Chance bekommen“), als er in Form war, hörte er von Flick nichts. Der Bremer Niklas Füllkrug beeindruckte zuletzt mit Toren, doch er erhielt kaum das Vertrauen, kam meist nur als Joker. Eine Bilanz des Grauens also nicht ohne Grund.

Auch die Bilanz des Länderspieljahres sagt einiges aus. Die meisten Spiele machte Joshua Kimmich, nämlich elf (856 Minuten). Auf neun Spiele kommen David Raum, Leon Goretzka, Kai Havertz und Niklas Füllkrug. Raum und Goretzka waren zuletzt vollkommen von der Rolle, Flick sah das nicht. Die meisten Tore (7) schoss Niklas Füllkrug vor Havertz (5). Der Bremer steuerte noch eine Vorlage zu einem Tor bei, war Skorerkönig zusammen mit Havertz (5+3), hatte aber wesentlich weniger Spielminuten (381, Raum 670, Havertz 590, Goretzka 442). Auch Sané bekam 561 Spielminuten in acht Begegnungen, enttäuschte aber meist. Flick hielt an ihm fest. Jetzt darf man auf die Konsequenzen für September gespannt sein, wenn das Trainerteam über die Bücher geht.

Nationalteam als Problemfall: Jetzt gehen auch die Fans

Was haben die deutsche Wirtschaft und die Fußball-Nationalmannschaft gemeinsam? Von einem Aufschwung ist nichts zu sehen. Wenn die Wirtschaft schwächelt, dann trifft das uns alle, wenn die Nationalmannschaft schwächelt, dann wird geschimpft, danach mit den Schultern gezuckt und am Ende interessiert es nur noch am Rande. Die Nationalmannschaft als Problemfall. Für Besserung soll der Bundestrainer sorgen, doch Hansi Flick wirkt ratlos. Dabei ist seine Aufgabe klar. Jetzt geht es nicht mehr nur um die Leistung, um ein Stück Hoffnung, jetzt hat auch der Kampf um die Fans begonnen. Die wenden sich ab. Die Einschaltquoten im Fernsehen sind im Keller, nur 400 Fußball-Begeisterte begleiteten die Nationalmannschaft nach Warschau und sahen eine 0:1-Niederlage gegen Polen. Für das Spiel gegen Kolumbien am Dienstag in Gelsenkirchen sind gerade mal 35.000 Karten verkauft. Das Interesse sinkt, Hansi Flick weiß sich nur mit Durchhalteparolen zu helfen. Der Bundestrainer muss aber handeln, der Nationalmannschaft wieder ein Gesicht geben, die Rotation im großen Stil abschaffen.

Der nächste Gegner könnte ja Hoffnung geben, gegen Kolumbien ist Deutschland noch ungeschlagen, die Südamerikaner treten auch nicht mit der stärksten Mannschaft an, haben eine Mischung aus Routiniers und Talenten. Und was hat Flick? Endlich ist die Zeit für Ilkay Gündogan gekommen, der sich nach dem Champions-League-Finale und den anstrengenden Feiern ausruhen durfte. Der Kapitän von Manchester City könnte ein Hoffnungsträger sein, wenn er von Flick so viel Vertrauen bekommen würde wie von seinem Vereinstrainer Pep Guardiola. Doch das war bisher nicht der Fall, Gündogan eher ein Mitläufer. Dabei könnte Flick von Pep durchaus lernen. Aber als die Sprache auf Gündogan kam und auf die Rolle des Leaders lobte Flick lieber Joshua Kimmich, der aber über ehrgeizig scheint und an seinen eigenen übersteigerten Erwartungen offensichtlich scheitert.

Gündogan feiert sein quasi Comeback ausgerechnet in seiner Geburtsstadt Gelsenkirchen und auch ein anderer freut sich auf Gelsenkirchen: Malick Thiaw, Talent von Schalke 04, heute beim AC Mailand, beeindruckte gegen Polen und müsste sich eigentlich in die Mannschaft gespielt haben, er hat die fehlerhaften Kehrer, Schlotterbeck und Ginter in den Schatten gestellt. An der Dreierkette wird der Bundestrainer festhalten, doch er muss endlich eine Mannschaft präsentieren, die als EM-Team in Frage käme. Die Stimmung ist im Keller, nur Siege können für eine Wende und mehr Ruhe in der Sommerpause sorgen. Ausflüchte können wir nicht mehr hören. Jede weitere Enttäuschung bringt den Stuhl von Hansi Flick mehr ins Wackeln, trotz aller Rückenstärkung durch Rudi Völler. Oder hoffen wir überhaupt vergebens, weil die Klasse fehlt? Die Fachzeitung kicker stuft in ihrer neuesten Rangliste keinen einzigen Bundesligaspieler in die Kategorie „Weltklasse“ ein!

U21 als Hoffnungsträger

Vielleicht gibt es für Deutschland dennoch eine gute Zukunft, die U21 startet am Donnerstag gegen Israel ins Finalturnier der Europameisterschaft in Georgien und Rumänien. Tschechien (Sonntag) und England (Mittwoch, 28. Juni) sind die weiteren Gruppengegner. Die jungen Kerle würden zu gern in die Fußstapfen der Vorgänger treten, die 2021 den Titel holten. Allerdings hat Bundestrainer Antonio Di Salvo, damals noch Assistent von Stefan Kuntz und seitdem selbst in der Führungsrolle, mit zahlreichen Ausfällen zu kämpfen. Zuletzt erwischte es im Trainingslager in Prad/Südtirol auch noch Ansgar Knauff von Eintracht Frankfurt. Nachnominiert wurde der Hoffenheimer Finn Ole Becker, der gerade im 50 km entfernten Meran Urlaub machte. Deutschland sieht sich selbst als Mitfavorit, hat aber eine relativ unerfahrene Mannschaft, diesbezüglich hat die Hälfte des Teilnehmerfeldes bessere Voraussetzungen, an der Spitze die Favoriten Frankreich und Niederlande sowie Belgien.

Die Krise um das A-Team könnte auch die U21 belasten, wenn sie nicht erfolgreich ist. Andererseits könnte die U21 mit Erfolgen für Sonnenstrahlen sorgen. Diesbezüglich ist der Rucksack für die jungen Kerle vielleicht sogar zu schwer.

Modric geht wieder leer aus

Bezeichnend, auch in der noch jungen Nations League war Deutschland bisher nicht erfolgreich. Das Finale bestritten am Sonntag in Rotterdam Kroatien und Spanien. Beide Teams waren voller Hoffnung, für sie wurde die Nations League zu einem wichtigen Turnier. Eine Enttäuschung erlebte vor allem Kroatiens Kapitän Luka Modric, denn ein glanzvolles Ende seiner Karriere blieb ihm versagt, Spanien siegte nach dem 0:0 nach Verlängerung im Elfmeterschießen, Modric blieb damit ohne Titelgewinn mit dem Nationalteam. Kroatien war schon oft nah dran, konnte aber noch nie einen Titel holen.

Spanien war glücklicher, weil Torhüter Unai Simon zwei Elfmeter halten konnte. So gewann Spanien erstmals nach der Europameisterschaft 2012 wieder ein großes Turnier. Damit feierte der neue Coach Luis de la Fuente, zuletzt bei der U19 und U21, einen tollen Einstand. Entgegen seiner bisherigen Aufgabe setzte im Finalturnier auf eine „Ü30-Auswahl“. Sein Vorgänger Luis Enrique ist übrigens als neuer Trainer bei Paris St. Germain im Gespräch, Julian Nagelsmann wird es jedenfalls nicht.

Das Gegenstück zu Europa gewann in Amerika die USA mit einem 2:0-Sieg im Finale über Kanada. Hier konnte die Bundesliga glänzen, Giovanni Reyna von Borussia Dortmund war er der Matchwinner, er gab die Vorlagen zu beiden Toren. Der Ex-Bayernspieler und Ex-Hoffenheimer Chris Richards sorgte für das 1:0 nach Ecke von Reyna. Bayern-Spieler Alphonso Davies kurbelte Kanadas Spiel vergebens an.

Es wird Ernst für die Frauen

Der Countdown für die Weltmeisterschaft beginnt. Am Dienstag trifft sich die Frauen-Nationalmannschaft zum ersten Trainingslager für die WM in Australien und Neuseeland. In zwei Lehrgängen in Herzogenaurach will man sich den letzten Schliff für das Turnier holen. Auch bei den Frauen ging es nicht ohne Ärger ab, die fünf Bayern-Spielerinnen kommen verspätet erst am Freitag, der Verein hielt länger Urlaub für notwendig. Dieser Rückstand sollte aber aufzuholen sein. Am Samstag (18.15 Uhr) gibt es in Offenbach das erste Testspiel gegen Vietnam, am 7. Juli folgt in Fürth gegen Sambia der zweite Test im Rahmen des zweiten Trainingslagers vom 1. bis 8. Juli. Dann wird Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg den endgültigen Kader benennen, am 11. oder 12. Juli folgt der Flug nach Australien. Das erste Gruppenspiel ist am 24. Juli um 10.30 Uhr MESZ gegen Marokko. ARD und ZDF übertragen doch alle deutschen WM-Spielen, der TV-Streit mit der FIFA wurde beendet. FIFA-Präsident Gianni Infantino hat sich einmal mehr blamiert.

Gute Nachricht für die Frauen-Bundesligen: Der Hamburger SV und Borussia Mönchengladbach haben den Aufstieg in die 2. Bundesliga geschafft. Es rücken also immer mehr prominente Namen in den Mittelpunkt, nachdem RB Leipzig und der 1. FC Nürnberg den Sprung ins Oberhaus geschafft hatten. Der Boom des Frauen-Fußballs in Deutschland hat in der Bundesliga voll durchgeschlagen, der Zuschauerschnitt stieg von 804 auf 2723! Insgesamt passierten 359 428 Fans die Stadiontore, der 1. FC Köln stellte mit 38356 Zuschauern gegen Eintracht Frankfurt einen neuen Rekord auf! Von einem Boom können die Männer nur träumen.

Hansi Flick in Not, EM-Pleite droht – Pep am Ziel, er feiert viel

Es hat schon einen bestimmten Grund, dass sich der Sport-Grantler erst am Mittwoch mit einem Kommentar zur Nationalmannschaft meldet: Genau heute in einem Jahr, am 14. Juni 2024, beginnt die Fußball-Europameisterschaft in Deutschland. Die 51 Partien werden in zehn Stadien ausgetragen, München sieht u. a. das Eröffnungsspiel, Berlin u. a. am 14. Juli das Finale, gespielt wird außerdem in Gelsenkirchen, Dortmund, Hamburg, Köln, Düsseldorf, Leipzig, Frankfurt und Stuttgart. Der DFB träumt davon, dass die EM eine ähnliche gelungene Veranstaltung wird wie die Weltmeisterschaft 2006, die als Sommermärchen alle begeisterte. DFB-Präsident Bernd Neuendorf verspricht, „wir werden gute Gastgeber sein, uns als sympathisches, herzliches und offenes Land präsentieren“. Damit Begeisterung entsteht, braucht es nicht nur viel Sonnenschein wie 2006, sondern auch eine Mannschaft, die Begeisterung wecken kann. Doch danach sieht es derzeit nicht gerade aus.

Alle Hoffnungen ruhten auf Hansi Flick als Bundestrainer, weil er Bayern München fulminant zum Triple-Gewinn führte. Ein Supermann also? Das zeigt er als Coach der Nationalmannschaft nicht, Hansi Flick ist nach dem fehlerbehafteten 3:3 gegen die Ukraine eher in Not, eine EM-Pleite droht. Im 1000. Länderspiel half der DFB der Ukraine, die Einnahmen gingen an das vom Krieg gebeutelte Land (sogar die Schiedsrichter aus Griechenland verzichteten auf ein Honorar), doch wer hilft der DFB-Elf?

Unter Hansi Flick ist die Nationalmannschaft bisher keinen Schritt weitergekommen. In den letzten 14 Länderspielen gab es nur vier Siege, dafür 21 Gegentore – in 14 Spielen! Typisches Beispiel dieses 3:3 gegen die Ukraine, nach einer 1:0-Führung durch Füllkrug Fehler über Fehler in der Abwehr, das Team ausgekontert zum 1:3, nach Fehlpässen von Julian Brandt und David Raum bei Angriffsbemühungen und einem schlampigen Pass von Brandt, den Matthias Ginter nicht unter Kontrolle brachte. Danach stellte Flick vom Versuch der Dreier-Kette auf Vierer-Kette um. Einziges positives Merkmal ein fulminanter Schlussspurt durch Tore von Kai Havertz und Joshua Kimmich mit Elfmeter, zwei ziemlich glückliche Treffer. Glücklich war nach dem 3:3 auf deutscher Seite niemand. Wertschätzung aber für die Ukraine, welche Leistung unter dieser psychischen Belastung mit dem Chaos in der Heimat. Die Ukraine will jetzt auch in der EM-Qualifikation bestehen und 2024 wieder in Deutschland antreten.

Für Flick stehen viele Fragen an, aber Antworten gibt er keine. Warum greift er formschwache Spieler zurück (Raum, Goretzka, Sané), lässt aber die Talente Musial und Wirtz zunächst auf der Bank? Mit ihnen kam der Umschwung, sie müssen internationale Erfahrung sammeln. Lächerlich, den eher defensivschwachen Leon Goretzka als Sechser zu bringen und Emre Can nicht zu testen. Jetzt dürfen wir gespannt sein, welche Rolle Champions-League-Sieger Ilkay Gündogan bekommt. Er sollte eher eine Führungsrolle einnehmen als Kimmich, der damit überfordert ist. Flick muss über seinen Schatten springen und einigen seiner Lieblingsspieler weh tun. Weitere Pleiten am Freitag in Warschau gegen Polen und am Dienstag in Gelsenkirchen gegen Kolumbien würden sogar Flicks Position in Gefahr bringen, auch wenn sein Mentor Rudi Völler abwiegelt, „jetzt kann noch nicht alles stimmen“. Jeder verweist auf 2006, als Jürgen Klinsmann sogar vor den Bundestag zitiert werden sollte, zum Rapport nach einer 1:4-Niederlage in Italien. Ein gutes WM-Abschneiden lag allen am Herzen. Am Ende wurde es bekanntlich der dritte Platz. Das wäre nach Stand der Dinge für diese DFB-Elf fast ein Wunder.

Die deutsche Mannschaft bestreitet bekanntlich vor der EM als schon qualifizierter Gastgeber nur Freundschaftsspiele, alle anderen Nationen kämpfen um einen der begehrten Plätze. Als Deutschland B kann man fast Österreich bezeichnen, denn Trainer Ralf Rangnick hat gleich elf Spieler aus der Bundesliga verpflichtet. Hohe Hürden stehen bevor, am Samstag ist Belgien der Gegner, am Dienstag Schweden.

Gleichzeitig läuft in dieser Woche das Finalturnier der Nations League in den Niederlanden. Der Gastgeber bekommt es am Mittwoch mit Kroatien zu tun, am Donnerstag stehen sich Italien und Spanien gegenüber, das Finale ist am Sonntag, Deutschland hatte sich bekanntlich nicht qualifiziert.

Jubel und Angst in Manchester

61 Pflichtspiele absolvierte Manchester City in dieser Saison, die erfolgreich war wie nie, am Ende stand das Triple mit Meisterschaft, FA-Cup und Gewinn der Champions League. Vor allem Trainer Pep Guardiola war endlich am Ziel, nach sieben Jahren vergeblichen Anrennens. Erleichtert auch die Scheichs aus Abu Dhabi, die seit der Übernahme des Vereins vor 15 Jahren etwa drei Milliarden Euro in das Projekt gebuttert haben. Entsprechend wurde gefeiert, am Montag in der Stadt mit den Fans, da ließ man sich auch von strömenden Regen nicht abhalten. Guardiola tanzte mit Kapitän Gündogan auf dem offenen Bus. Als erst fünfter Trainer gewann er die Champions League mit zwei Vereinen, 2009 und 2011 mit dem FC Barcelona und jetzt mit City. Carlo Ancelotti hat ihm noch einen Sieg voraus, holte den Henkelpott 2014 und 2022 mit Real Madrid, sowie 2003 und 2007 mit dem AC Mailand. Jupp Heynckes (1998 mit Real Madrid, 2013 mit Bayern München), José Mourinho (2004 mit dem FC Porto, 2010 mit Inter Mailand) und Ottmar Hitzfeld (1997 mit Borussia Dortmund und 2001 mit Bayern München) ergänzen diesen illustren Kreis.

Dabei machten die Pep-Schützlinge ausgerechnet im Finale eines ihrer schwächsten Spiele und hatte am Ende beim 1:0 gegen Inter Mailand viel Glück und einen starken Torhüter Ederson. Dabei schienen die Vorzeichen wieder schlecht zu sein, denn ausgerechnet der Kopf der Mannschaft, Kevin de Bruyne, musste wie im verlorenen Finale 2021 gegen Chelsea London (Tor Kai Havertz) vorzeitig verletzt vom Platz. Und Torjäger Erling Haaland sah man überhaupt nicht. Dafür sprang der Spanier Rodrigo in die Bresche, der Mittelfeldstar erzielte wieder einmal das den Sieg bringende Tor. Ausgerechnet in diesem Finale feierte somit Pep Guardiola seinen 300. Sieg mit City und das in nur 413 Spielen. Er wurde damit seinem Ruf als Bessermacher gerecht.

Pep und seine Mannen feierten viel, doch in Manchester geht die Angst um. Nach Untersuchungen der UEFA ist nun die Premier League dran, die Geldflüsse von Abu Dhabi für den Verein in etwa 100 Fällen zu untersuchen. Hat der Triple-Gewinner schuldhaft und schwerwiegend gegen Bestimmungen verstoßen? Die Verfehlungen verjähren in der Premier League nicht, City hat eine Armada von hochkarätigen Rechtsanwälten aufgeboten, es drohen Geldstrafen, Punktabzüge oder sogar Sperre und der Verlust aller Titel. Der Trainer hatte vor ein paar Jahren seinen Vertrag nur deshalb bis 2025 verlängert, weil ihm die Bosse versicherten, dass er ohne Angst arbeiten könne. Es wäre der Hammer, wenn ein bitteres Ende folgen würde.

Beim Nationalteam muss Hansi Flick ein Puzzle lösen

Das ist ein stolze Zahl: Am Montag, 12. Juni 2023, bestreitet die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ihr 1000. Länderspiel. Gegner ist um 18.00 Uhr (bewusst wurde eine „jugendfreundliche“ Anstoßzeit gewählt) in Bremen die Ukraine. Angesichts der Kriegsleiden durch Russland ein besonderer Partner. Erster Gegner war am 5. April 1908 die Schweiz, in Basel gab es eine 3:5-Niederlage. Inzwischen sieht die Bilanz nach 999 Länderspielen positiv aus: 578 Siege, 207 Unentschieden und 214 Niederlagen stehen zu Buche. Dazu gab es die WM-Titel 1954, 1974, 1990 und 2014. Das kann sich sehen lassen. Gratulation an den Deutschen Fußball-Bund, der leider in letzter Zeit eher durch Skandale auf sich aufmerksam machte.

Mit dem ersten WM-Titel 1954 in Bern, mit dem überraschenden 3:2-Triumph über Favorit Ungarn, wurde die Basis für die Fußball-Begeisterung in unserem Land gelegt. Das vom Zweiten Weltkrieg gebeutelte Deutschland hatte plötzlich wieder Hoffnung. So stark kann Fußball in der Bevölkerung wirken, doch der Glanz ist leider eher verloren gegangen, Fußball ist heute fast reine Unterhaltung, wird als geldgierig gebrandmarkt und Spieler und Funktionäre wirken teils abgehoben gegenüber dem „einfachen Volk“. Aber der Fußball wirkt, er wird trotz aller Anfeindungen nicht untergehen.

Die aktuelle Fußball-Nationalmannschaft hat jetzt die Aufgabe, die Begeisterung für die „Nati“ wieder zurück zu holen. Eine schwere Aufgabe für Bundestrainer Hansi Flick nach den letzten Pleiten bei großen Turnieren. Die Hoffnung gilt jetzt der Europameisterschaft 2024 in Deutschland, da soll es ein ähnliches Sommermärchen geben wie bei der Weltmeisterschaft 2006 hierzulande. Das geht natürlich nur über Erfolge und da muss Hansi Flick ein Puzzle lösen, er hat viele talentierte Spieler, aber wie passen sie wirklich zusammen. Er wird viel probieren müssen, andererseits aber auch rechtzeitig ein Stammteam finden müssen. Einen Neustart gibt es jetzt gegen die Ukraine. Danach stehen noch die Testspiele am 16. Juni in Warschau gegen Polen an und am Dienstag, 20 Juni in Gelsenkirchen gegen Kolumbien (jeweils 20.45 Uhr).

Eine erste Entscheidung hat der Bundestrainer getroffen, in diesen drei Länderspielen testet er in der Abwehr eine Dreierkette, sie soll für Stabilität sorgen, ohne die Offensive zu vernachlässigen. Das macht Hansi Flick deutlich: „Wir möchten unsere Gegner mit viel Offensivpower über die Außenspieler unter Druck setzen und gleichzeitig mit der Dreierkette kompakt stehen.“ Erstaunlich, dass er da auf den Dortmunder Niklas Süle verzichtet. Ein Warnschuss an den Spieler, der endlich sein ganzes Potenzial abrufen soll. Dazu wird Flick in der Offensive experimentieren, das Angebot ist groß. Fehlen werden Ilkay Gündogan und Robin Gosens, die noch im Finale der Champions League beschäftigt sind. Kevin Schade reiste angeschlagen gleich zur U21, Timo Werner fällt auch mit einer Sprunggelenkblessur aus. Dafür kommen Vagnomann und Moukoko für das Ukraine-Match von der U21.

Südtirol als gutes Omen

Für die Nationalmannschaft der U21 steht die große Aufgabe unmittelbar bevor, vom 21. Juni bis 8. Juli wird in Rumänien und Georgien die Endrunde der Europameisterschaft ausgetragen. Gruppengegner der DFB-Elf sind Israel (Donnerstag, 22. Juni), Tschechien (Sonntag, 25. Juni) und England (Mittwoch 28. Juni, jeweils 18.00 Uhr). Am Samstag beginnt der Lehrgang der U21 in Prad in Südtirol mit einem vorläufigen Kader von 26 Spielern (23 dürfen nominiert werden), wobei Südtirol für deutsche Nationalteams schon immer als gutes Omen gilt. Den einzigen Test gibt es gegen eine Auswahl von Südtirol. Für einen guten Start sorgte der Verband, der die Verträge mit Bundestrainer Antonio di Salvo und Assistent Hermann Gerland schon vor dem Turnier bis zum 31. Juli 2025 verlängerte.

Sein stärkstes Team kann di Salvo nicht aufbieten, die größten Talente Musiala und Wirtz weilen ebenso bei der A-Nationalmannschaft, wie Malik Thiaw (AC Mailand), der eigentlich erst die EM spielen sollte. Dazu fällt mit Armel Kella Kotchap (Southampton) ein weiteres Abwehr-As aus. Das Ersatz-Pärchen hat sich allerdings gemausert, Jordan Beyer wurde beim FC Burnley in der Premier League Stammspieler, Yann Aurel Bisseck verpasste in der dänischen Liga beim Tabellendritten Aarhus GF keine einzige Spielminute! Schlagzeilen machte zuletzt auch Torhüter Noah Atubolu, der beim SC Freiburg den Niederländer Mark Flekken ersetzen soll, den es zum FC Brentford in die Premier League zieht. Die U21 hat außerdem ein schönes Vorbild, die U17 wurde gerade Europameister. Nach dem Titel greifen wollen auch di Salvo und seine Schützlinge.

Alle Augen richten sich auf die Schale

Das hat der Pokal eigentlich nicht verdient. Das Finale des DFB-Pokals bildet in Berlin immer einen schönen Saison-Abschluss und oft können Vereine feiern, die in der Bundesliga einem großen Erfolg hinterher rennen. So erging es auch RB Leipzig, das im Vorjahr erstmals Pokalsieger wurde und in diesem Jahr die Wiederholung schaffte. Und immer haben Spieler, Trainer und Bosse gleich die Zukunft im Blick. „Im nächsten Jahr das Triple“, träumt Kapitän Orban vom dritten Finale in Folge, „jetzt wollen wir aber auch mal die Schale“, richtet Emil Forsberg den Blick auf einen anderen Wettbewerb. Die Meisterschaft ist für alle Vereine das größte Ziel. Alle Augen richten sich auf die Schale.

Leipzig reiht sich ein in den kleinen Kreis der ernsthaften Anwärter auf den Titelgewinn. Die letzten Jahre war der Kreis sehr klein, Bayern München gewann bekanntlich zum elften Mal in Folge, als heißer Konkurrent galt eigentlich nur Borussia Dortmund, in dieser Zeit sieben Mal Vize-Meister. Leverkusen bekam einst den „Titel“ Vizekusen, Vizemund klingt aber nicht so gut. Jetzt will RB ein ernsthafter Mitkonkurrent werden, wobei es wohl ein heißer Transfer-Sommer voller Spekulationen wird, bevor die Kader zum Saisonbeginn am 18. August einigermaßen feststehen. Vor allem Manager Max Eberl in Leipzig wird viel Arbeit haben, weil sich das Gesicht der Mannschaft offensichtlich eklatant ändern wird. Vor allem der Franzose Christopher Nkunku steht vor dem Abschied, der Torjäger und beste Spieler des Finals, der mit seinem Tor zum 1:0 die Weichen auf Pokalgewinn stellte, wird vermisst werden. Er versucht sein Glück angeblich bei Chelsea London. Stark auch wieder Konrad Laimer, der Österreicher mauert zwar nach wie vor, doch der Wechsel zu Bayern München soll angeblich perfekt sein. Dazu äußerte auch der Ungar Szoboszlai Abwanderungsgedanken, dies wäre eine weitere Schwächung.

Doch mit einem Umbau im Kader steht der Pokalsieger nicht allein da, gravierend könnte er vor allem bei Bayern München ausfallen. Der Meister sucht bekanntlich einen neuen Mittelstürmer und einen Abräumer im Mittelfeld, aber die Bayern könnten auch die halbe Abwehr verlieren. Die Franzosen Pavard und Hernandez (angeblich mit Paris einig) stehen vor dem Absprung, Kurzarbeiter Cancelo ist schon weg und auch der Marokkaner Mazroui ist unzufrieden und bringt einen Wechsel ins Gespräch. Dazu wird sich Torhüter Yann Sommer nicht mit der Rolle als Ersatzmann von Manuel Neuer zufrieden geben. Dies würde ihm den Platz im Schweizer Nationalteam kosten. Viel Arbeit und kein Sportdirektor da bei den Bayern, da gab es schon bessere Voraussetzungen. So müssen es wieder einmal Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge richten. Weil halt die Vergangenheit besonders erfolgreich war.

Borussia Dortmund will auch nicht aus dem Spiel sein, sondern fast trotzig heißt es, nachdem der Griff an die Schale nur um ein Tor verpasst wurde, „wir greifen wieder an“. Die Bayern sollen sich nicht zu sicher fühlen, allerdings geht es zunächst um Abgänge und die Kompensation. Vor allem Talent Jude Bellingham, Herz der Mannschaft, wird fehlen. Der Engländer ist sich angeblich mit Real Madrid einig, 120 Millionen Euro Ablöse stehen zur Debatte. Guerreiro (in München im Gespräch), Dahoud, Unbehaun, Passlack und Modeste wurden bereits verabschiedet, Meunier, Schulz und Hazard können auch gehen – das wird ja fast eine neue Mannschaft. Kommen sollen Spieler, die Konstanz und Siegeswillen mitbringen. Die Augen sind auf die Schale gerichtet.

Von der Meisterschaft träumt man in Frankfurt nicht, die Eintracht entwickelte sich als typische Pokalmannschaft, aber nach dem Triumph im Vorjahr in der Europa League gelang diesmal nicht ein erneuter Pokalgewinn. Trainer Oliver Glasner verabschiedete sich nach dem 0:2 gegen Leipzig dennoch erhobenen Hauptes, er wollte gleich zwei Tage durchfeiern und bleibt Eintracht-Fan. „Ich habe mich bei den Spielern bedankt, dass sie mir zwei wunderbare Jahre in meinem Leben geschenkt haben.“ Wo es den Österreicher hin verschlägt, ist offen, auch England ist im Gespräch, als sein Nachfolger wird wohl bald Dino Toppmöller vorgestellt, zuletzt Co-Trainer von Julian Nagelsmann in München.

Pep will das Triple

Das nächste große Finale steht an, am Samstag geht es in Istanbul um die Champions League. Gut vorbereitet ist Manchester City, das nach der Meisterschaft der Premier League jetzt auch mit 2:1 gegen Lokalrivalen United den FA-Cup gewann. Kapitän Ikay Gündogan war der gefeierte zweifache Torschütze. Nun will Trainer Pep Guardiola das Triple, so wie 2011 zuletzt mit dem FC Barcelona. Mit City jagte er den CL-Henkelpott bisher vergebens nach. Gegner Inter Mailand, Dritter in Italien, dürfte sich aber als harte Nuss entpuppen.

Das CL-Finale der Frauen war für die Wölfinnen zum Heulen. Sie führten in Eindhoven gegen Barcelona zur Halbzeit mit 2:0 und wurden dann in der zweiten Hälfte überrollt. Das 2:3 war ein Schock, aber aufgeben gilt nicht. „Das wird uns nicht umhauen,wir greifen wieder an,“ kündigte Verteidigerin Kathrin Hendrich an. 2013 und 2014 gewann Wolfsburg den Pokal, die nächsten vier Finals gingen aber alle verloren. Trainer Thomas Stroot warnt: „Es wird von Jahr zu Jahr schwerer, die Konkurrenz rüstet auf.“ Er bezieht sich dabei auf die Teams aus Barcelona, Paris und London.

Aber auch national könnte es für die Wölfinnen immer schwerer werden. „Ich bin stolz auf den DFB-Pokal,“ sagte Hendrich auch, doch in der Meisterschaft musste man den Bayern den Vortritt lassen und jetzt in der CL Barcelona. Und auch die Münchnerinnen rüsten auf, die Verpflichtung der Weltstars Pernille Harder und Magdalena Eriksson ist perfekt. Man hat dieser Saison schon gesehen, welche Verstärkung Europameisterin Geogia Stanway war. Auch die Bayern-Mädchen träumen von einem Triiple.

Hansi Flick mit Dreierkette

In den nächsten Wochen rücken die Fußball-Nationalmannschaften in den Mittelpunkt. Die Aufgebote für Länderspiele und Weltmeisterschaft sind benannt. Bundestrainer Hansi Flick überraschte dabei mit der Ankündigung, dass in den Spielen gegen die Ukraine, in Polen und gegen Kolumbien Tests mit der Dreierkette durchführen wird. Und dennoch verzichtet er auf den Dortmunder Niklas Süle. Abwehrchef soll Antonio Rüdiger sein, daneben kämpfen Thilo Kehrer, Lukas Klostermann, Nico Schlotterbeck, Matthias Ginter und Malick Thiaw um zwei Plätze. Nicht im Aufgebot sind auch Mario Götze und Serge Gnabry, wobei Letzterer wegen einer Fußblessur geschont werden soll. Dafür ist Leroy Sané wieder dabei und die Talente Florian Wirtz, Jamal Musiala und Kevin Schade können sich beweisen. Moukoko wurde zur U21 für die EM abgestellt, Schade soll folgen.

Apropos Talente, die Zukunft sieht wohl nicht so schlecht aus, nachdem die Nationalmannschaft der U17 Europameister wurde. Beim 0:0 (5:4 im Elfmeterschießen) gegen Frankreich bedurfte es aber ein wenig Glück, um den Titel zu holen. Held im Finale war Torhüter Schmitt (Bayern), Brunner (Dortmund) und Ramsak (Bayern) glänzten als Toptorschützen unter vier Spielern, die viermal trafen.

Für die Frauen steht bekanntlich die Weltmeisterschaft vor der Tür, die Vorbereitung beginnt am 20. Juni in Herzogenaurach, doch nicht mit dem kompletten Kader. Die Bayern sorgten für Knatsch, verweigern den fünf nominierten Spielerinnen die frühzeitige Anreise, da die Abstellpflicht der FIFA erst am 23. Juni beginnt. Allerdings war dies vorher anders abgesprochen und Bundestrainer Martina Voss-Tecklenburg entsprechend sauer. Die Bundestrainerin hat sich mit drei Nachnominierungen für den erweiterten Kader beholfen und verweist auf Wolfsburg, das zehn Spielerinnen abstellt und am Samstag noch das CL-Finale zu verarbeiten hatte. Nicht dabei sind sowie die verletzten Bayern-Mädchen Giulia Gwinn und Linda Dallmann. Die WM in Australien und Neuseeland beginnt am 20. Juli. Zeit genug also, um noch in Form zu kommen. Allerdings drängt die Zeit, dass endlich ein TV-Vertrag ausgehandelt wird. Noch stehen keine Fernsehübertragungen fest.

Die Nachspielzeit macht den Fußball verrückt

„Ein Spiel dauert 90 Minuten“ hieß einst die Regel im Fußball. Heute weiß keiner mehr, wie lange ein Spiel dauert, die Nachspielzeit wird unendlich ausgedehnt, die Spielverzögerungen der Aktiven, die Verletzungen vortäuschen, sind ätzend, so muss man heute auf 120 Minuten Fußball gefasst sein. In der Nachspielzeit wird das Geschehen dann allerdings gerne auf den Kopf gestellt. Das Wochenende der Entscheidungen machte deutlich: Die Nachspielzeit macht den Fußball verrückt!

Blickpunkt Köln: Die Bayern brauchen keine Nachspielzeit, Jamal Musiala schießt den Siegtreffer zum 2:1 in der 89. Minute, nachdem er vier Minuten vorher erst aufs Feld kam. Nachspielzeit fünf Minuten, danach jubeln die Bayern, brechen aber abrupt ab, weil sie feststellen, in Dortmund wird noch gespielt. Dort hatte man später angefangen und die Borussia hat sich noch nicht aufgegeben. Dortmund nutzt die Nachspielzeit, in der 96. Minute erzielt Süle das 2:2 – noch ein Tor und Dortmund ist Meister. Es fällt aber nicht, trotz einer großen Chance. Die Bayern feiern, die Borussia trauert. Trauriger Held: Haller verschießt einen Elfmeter.

Blickpunkt Stuttgart/Mönchengladbach: In Gladbach verliert der FC Augsburg mit 0:2 und muss um den Klassenerhalt zittern. In Stuttgart wird noch gespielt, dem VfB reicht ein 1:1 gegen Hoffenheim nicht, es gibt Nachspielzeit. Der FCA bangt und hofft, doch Endo und Tomas treffen nicht, der FCA bleibt drin, der VfB muss in die Relegation. Doch wer ist der Gegner?

Blickpunkt Regensburg/Sandhausen: Auch in der zweiten Liga wird unterschiedlich lang gespielt. So ist der HSV in Sandhausen früher fertig, siegt 1:0 und ist Zweiter, weil Konkurrent Heidenheim in Regensburg 1:2 zurück liegt. Die Fans strömen auf den Platz, feiern den Aufstieg, weil fälschlicherweise das Ende in Regensburg verkündet wird. Doch dort gibt es mehr als elf Minuten Nachspielzeit. Heidenheim muss gewinnen und macht die Sensation perfekt: In der 93. Minute verwandelt Beste einen Foulelfmeter zum 2:2, in der 99. Minuten (!) macht Torjäger Kleindienst das 3:2 und schießt Außenseiter Heidenheim in die Bundesliga! Der HSV wird Gegner des VfB. Heidenheim feiert am Montag dann das „Wunder“ im eigenen Stadion. Trainer Frank Schmidt führte den Verein von der Oberliga bis in die Bundesliga!

Blickpunkt Osnabrück: Nach 90 Minuten steht Wehen-Wiesbaden auf einem Aufstiegsplatz in die 2. Bundesliga, hinter Elversberg. Doch in Niedersachsen spielt der Fußball auch verrückt. Osnabrück nutzt die Nachspielzeit, ein Doppelpack in der 94. und 96. Minute bringt die Wende, macht aus einem 0:1 gegen Dortmund II ein 2:1 und damit ziehen die Schützlinge von Weltmeister-Bruder Tobias Schweinsteiger an den Hessen vorbei – bei Punktgleichheit mit einem Tor besser! Wehen muss in die Relegation gegen Bielefeld um den Platz in die 2. Bundesliga. Der Fußball kann grausam und spannend sein.

Bayern feiert und feuert, der Pott trauert

Es ist nicht zu fassen, die Bayern haben wirklich den 11. Titel in Folge geholt. Wenn nicht jetzt, wann dann wollen die Dortmunder diese Erfolgsserie beenden. Alles sprach für die Borussia, in Dortmund wurde schon am Vormittag gefeiert, 200.000 freuten sich auf die Schale, doch auf dem Spielfeld wurden die Beine der Stars schwer. Gegner Mainz, zuletzt fünfmal nicht erfolgreich und auswärts schwach, hatte frische Beine und ging sensationell innerhalb von 24 Minuten mit 2:0 in Führung. Dazu kam die Kunde vom Tor der Bayern in Köln – Dortmund war nur noch Zweiter und schaffte den Umschwung nicht, schenkte den Münchnern quasi den Titel.

In München stand aber nicht das Feiern im Mittelpunkt, sondern das Feuern. Während des Spiels in Köln und offiziell nach dem Match wurde bekannt, dass die Bayern Boss Oliver Kahn und Sportvorstand Hasan Salihamidzic vorher schon entlassen hatten! „Es war unbedingt notwendig,“ heißt es beim Aufsichtsrat, der per Videoschaltung diese Entscheidung getroffen hatte. Im Hintergrund wirkte dabei Uli Hoeneß, der Befürworter von Kahn und Brazzo, der jetzt sagt, die Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. So ging eine chaotische Saison chaotisch zu Ende und dass dennoch die Meisterschaft errungen wurde, ist fast ein Wunder.

Eine gute Figur gab die Bayern-Führung sicherlich nicht ab, aber sie entschied zweifellos richtig. Kahn wurde vorgeworfen, dass er keinen Draht zu den Mitarbeitern fand, außerdem umgab er sich mit Beratern, die für schlechte Stimmung im Verein sorgten. Salihamidzic zeigte ebenso menschliche Schwächen, wie der Knatsch mit Hansi Flick und Hermann Gerland zeigte. Fehler waren auch seine Verpflichtungen von Mané und Trainer Julia Nagelsmann, vor allem dessen lange Vertragslaufzeit von fünf Jahren. Kahn und Salihamidzic reagierten auch nicht rechtzeitig, als sich Probleme mit Nagelsmann und der Mannschaft ergaben.

Jetzt soll das „mia san mia“ und das Familiäre, das die Bayern auszeichnete, wieder zurückkehren. Der bisherige Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen, der den Verein eigentlich nach zehn Jahren verlassen wollte (u. a. wegen Kahn) und Wert auf ein gutes Betriebsklima legt, wurde als neuer CEO berufen, so dass keine Vakanz entsteht. Dreesen, Präsident Herbert Hainer, Uli Hoeneß und dazu der frühere Boss Karl-Heinz Rummenigge sowie Trainer Thomas Tuchel werden sich um die Zukunft kümmern. Rummenigge soll in den Aufsichtsrat aufrücken und bei der Suche nach einem neuen Sportdirektor helfen, Tuchel muss vorerst auf seinen Urlaub verzichten und wird sich um eine Verstärkung der Mannschaft kümmern. Die Bayern wollen so ein Jahr der Enttäuschung und Unruhe nicht mehr erleben und wieder zu alter Stärke und Reputation finden.

Der Pott dagegen trauert. Fassungslosigkeit und Tränen in Dortmund, mit dem Schlusspfiff war plötzlich Ruhe im Hexenkessel des Stadions. Gleichzeitig war der Abstieg von Schalke 04 perfekt, wobei die Knappen diesmal erhobenen Kopfes und geordnet ins Unterhaus gehen. Dort wollen sie ebenso angreifen, wie die Borussia die Bayern: „Wir geben nicht auf, wir werden unsere Chance nutzen“, macht man sich selbst Mut. Die größte Chance wurde aber wohl nicht genutzt.

Ihre Chancen genutzt haben RB Leipzig und Union Berlin, die beide in der Champions League vertreten sind. Vor allem Union war ein Gewinner der Saison, die Ruhe um Trainer Urs Fischer war das Gegenteil zum Theater in München. Erstaunlich, wie Union Jahr für Jahr von der Conference League über die Europa League bis jetzt zur Champions League aufstieg. Leidtragender war der SC Freiburg, der in Frankfurt 1:2 verlor, aber für die Schwarzwälder ist die Europa League ein Erfolg. Frankfurt und Leverkusen haben Europa sicher, wo, entscheidet das Pokalfinale. Großer Verlierer war der VfL Wolfsburg, der mit der 1:2-Niederlage gegen Absteiger Hertha aus dem Europa-Rennen ausschied.

Frauen feiern mit den Männern

Weniger überraschend als der Titel bei den Männern kam die Meisterschaft für die Frauen des FC Bayern München. Sie mussten gegen Absteiger Turbine Potsdam gewinnen und stellten schon nach vier Minuten die Weichen. Am Ende stand es 11:1, die Schale gehört zum fünften Mal den Bayern, sie lösten damit den VfL Wolfsburg als Titelträger ab. Die Bundesliga-Stars des Vereins saßen auf der Tribüne und standen dann den Mädchen Spalier. Gemeinsam wurde danach vor rund 10.000 Fans auf dem Rathausbalkon am Marienplatz gefeiert. Ein Traum vor allem für die Frauen, die vier Spielerinnen verabschiedeten (u. a. Torschützing Kumagai), vor allem aber auch die langjährige Managerin Karin Danner. Und das in Ruhe! Nachfolgerin wird Bianca Rech, bisher rechte Hand, die die Mannschaft weiter verstärken will. Aus Hoffenheim kommt Katharina Naschenweng und in den Medien wird gemunkelt, dass zwei Weltstars von Chelsea London den Weg nach München finden werden: Die Schwedin Magdalena Eriksson und die Dänin Pernille Hader, die beide ein Paar sind.

Hinter den Münchnerinnen landeten der VfL Wolfsburg und Eintracht Frankfurt, die beide ebenfalls für die Champions League qualifiziert sind. Absteigen müssen der SV Meppen und Turbine Potsdam. Mit RB Leipzig und dem 1. FC Nürnberg haben Frauen-Teams aus prominenten Vereinen den Aufstieg geschafft, was der Frauen-Bundesliga weiter Auftrieb geben sollte.

Die Zeit der Finals

Die Punktrunden sind beendet, aber mit dem Fußball ist es noch lange nicht vorbei. Jetzt beginnt die Zeit der Finals. Bereits am Mittwoch macht das Endspiel in der Europa League den Anfang, in Budapest stehen sich Rekordsieger FC Sevilla und der AS Rom gegenüber. Deutsche Teams sind in Europa nicht mehr vertreten, deshalb steht am Samstag das Pokalfinale in Berlin im Mittelpunkt. Titelverteidiger RB Leipzig hat sich wieder qualifiziert und trifft diesmal auf Eintracht Frankfurt, ein Team, das Finals mag und nach dem Gewinn der Europa League nach dem nächsten Pokal greift. Erstaunlich, dass der sportliche Erfolg stimmt nach dem Theater mit Trainer Oliver Glasner, der den Verein nach diesem Endspiel verlassen wird. Gibt es ein Abschiedsgeschenk?

Aus deutscher Sicht wird der Samstag wieder zu einem Fußballtag, den vor dem DFB-Pokalfinale kämpfen die Frauen des VfL Wolfsburg um die Krone in der Champions League. Gegner um 16.00 Uhr in Eindhoven ist der FC Barcelona, der als Favorit gilt, im Vorjahr aber Olympique Lyon unterlag. Wolfsburg hatte zuletzt 2014 die CL gewonnen, der letzte deutsche Sieger war ein Jahr später der 1. FFC Frankfurt (heute Eintracht).

Die nächsten Finals sind am 7. Juni in Prag das Endspiel in der Conference League zwischen West Ham United und dem AC Florenz sowie zum Abschluss am 10. Juni in Istanbul das große Duell zwischen Manchester City und Inter Mailand in der Champions League. City kann schon diesen Samstag in Wembley einen Pokal holen, nämlich den FA-Cup. Gegner ist Lokalrivale Manchester United. Das Triple ist für City und Pep Guardiola also möglich.

„Endspiele“ sind eigentlich auch die Prüfungen in der Relegation. Um den Platz in der Bundesliga kämpfen bereits am Donnerstag in Stuttgart der VfB und der Hamburger SV, das Rückspiel folgt am Montag, 5. Juni. Um den Platz in der 2. Bundesliga geht es am Freitag für Wehen-Wiesbaden und Arminia Bielefeld, das Rückspiel ist am 6. Juni.

Sensation im Eishockey

Gefeiert wurde nicht nur im Fußball. Eine Sensation gab es im Eishockey, die deutsche Mannschaft gewann Silber bei der Weltmeisterschaft in Finnland und Lettland. Im Endspiel unterlag Deutschland zwar Rekord-Weltmeister Kanada mit 2:5, aber erstmals nach 70 Jahren gab es wieder Silber! Es war also ein erfolgreicher Einstand für den neuen Bundestrainer Harold Kreis, den niemand erwartet hatte. Damit rückte Deutschland auf Platz fünf der Weltrangliste vor und hat sich für die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand qualifiziert. Torjäger JJ Peterka wurde zudem zum besten Stürmer des Turniers gewählt. Die Mannschaft wurde bei ihrer Ankunft in Deutschland am Montag entsprechend gefeiert, u. a. in München warteten über 100 Fans auf die Eis-Cracks.

Ob Fußball-Bundestrainer Hansi Flick mit seinem Team nächstes Jahr bei der Europameisterschaft auch so erfolgreich sein kann? Am Freitag will er jedenfalls das Aufgebot für die nächsten Länderspiele im Juni bekannt geben. Mal sehen, wie sich das Chaos in München bzw. die anderen Platzierungen auf seinen Kader auswirken.