Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Die Bayern-Fans müssen in diesem Jahr tapfer sein

Schluss mit lustig! Sieben Meisterschaften hat der FC Bayern München zuletzt in Folge geholt und den früheren Rekord vom Titel-Hattrick in der Fußball-Bundesliga immer weiter verbessert. Jetzt soll diese Reise zu Ende sein, Borussia Dortmund hat energisch zur Jagd auf die Bayern geblasen, aufgerüstet und verkündet selbstbewusst: „Wir wollen Meister werden“.

Neue Töne also in der Bundesliga vor der neuen Saison und auch neue Trainer. Gleich sieben sind es an der Zahl und das macht die Liga vor dem Start am Freitag besonders interessant. Diesbezüglich also nicht „Schluss mit lustig“, sondern eher für die Fans „Lust komm her“.

Nur die Bayern-Fans, die müssen, wenn der Schein nicht trügt, in diesem Jahr tapfer sein. Beim Umbruch in der Mannschaft hapert es, die Abgänge der altgedienten Ribery, Robben und Rafinha, aber auch Hummels und James konnten nicht kompensiert werden. In Sachen Neuzugängen scheint ein Fluch über den Bayern zu hängen, Hernandez wurde gleich verletzt verpflichtet, die Wunschspieler auf den Flügeln, Hudson-Odoi und Sane, verletzten sich, ehe die Verhandlungen konkret wurden. So kommt dafür wohl Notlösung Ivan Perisic, doch dann hätte auch Ribery bleiben können.

Verletzungen dürfen kaum passieren, denn in der zweiten Reihe finden sich fast nur noch Talente, die aktuell kaum helfen können. Das ist der Unterschied zu Borussia Dortmund: Der Herausforderer hat das, was die Münchner früher eben auszeichnete und Titel sicherte – zwei gleichstarke Teams. Der Vorjahreszweite, der einen Neun-Punkte-Vorsprung noch verspielte, hat aus der Pleite gelernt, hat sich Selbstbewusstsein eingeimpft und vor allem in dieser Hinsicht ist Mats Hummels eine wertvolle Verstärkung. So soll die Schwäche des zögerlichen Trainers Lucien Favre kompensiert werden. Und Hummels frohlockt: „In Dortmund wird ein Titel besonders gefeiert.“ Da müssen die Bayern-Fans eben tapfer sein. Übrigens ist der Auftakt gegen Hertha BSC schon ein echter Test: Vier der letzten fünf Vergleiche verloren die Bayern gegen die Berliner!

Frischen Wind in die Bundesliga bringen aber auch sieben neue Trainer und die drei Aufsteiger. Frischer Wind aber auch, weil es den Anschein hat, als wurde generell in der Bundesliga das Selbstbewusstsein ausgepackt. Keine Scheu vor großen Zielen, Leipzig und Leverkusen zum Beispiel gehen offensiv die Qualifikation zur Champions League an, Gladbach, Hoffenheim, Bremen, Wolfsburg, die Hertha und Frankfurt lauern dahinter und haben zumindest mit der Europa League das europäische Geschäft im Auge.

Es gibt natürlich auch das Tabellenende. Wie immer werden die Aufsteiger gleich wieder als erste Absteiger genannt, aber der 1. FC Köln ist etwas anderes als ein „normaler“ Aufsteiger, er sieht sich eher als gestandener Bundesligist und „ist gekommen um zu bleiben“. Bleiben will erst einmal auch der SC Paderborn, wohl die verrückteste Mannschaft im deutschen Fußball der letzten Jahre, denn seit 2014 gab es immer Auf- oder Abstieg. Na ja, da liegt ein Abstieg wohl nahe. Ein absoluter Neuling, nämlich der 56. Verein in der Bundesliga, ist Union Berlin, der etwas andere Klub aus dem Stadtteil Köpenick, der bisher vor allem durch seine besondere Stimmung im kleinen Stadion (22.000 Zuschauer) und durch sein Weihnachtssingen auffiel.

Mit dem Abstieg hat aber in jedem Jahr auch eine Mannschaft zu tun, die im Vorfeld nicht daran denkt. Das könnte diesmal der FC Augsburg sein, der sich von einem braven Provinzklub in einen Chaos-Verein verwandelt hat. Chaos auf dem Feld und im Umfeld, wo Spieler streiken, machen was sie wollen und Manager Stefan Reuter quasi im Nasenring durch die Manege führen. Spieler wie Max und Gregoritsch wollen immer noch gehen, trüben die Stimmung. Ergebnis: Dem Team fehlt Qualität. Alles wurde zwar auf den Prüfstand gestellt, die medizinische Abteilung vergrößert, der Rasen untersucht, doch die alte Leidenschaft, die jetzt das neunte Jahr in der Bundesliga sicherte, ist verloren gegangen. Die 1:2-Pokalpleite beim Viertligisten SC Verl war bezeichnend. Die letzte Saison endete mit einem 1:8 in Wolfsburg, ähnliches droht gleich wieder zum Auftakt beim Titelanwärter Borussia Dortmund. Schluss mit lustig also.

Augsburg macht im erweiterten Kreis der Abstiegskandidaten den desolatesten Eindruck, da sieht es in Freiburg, Mainz oder Düsseldorf schon solider aus. Eine Wundertüte ist Schalke 04, wohin geht die Reise nach dem Absturz im Vorjahr auf Rang 14 mit nur 33 Punkten? Die Hoffnung ruht auf dem neuen Trainer und Klopp-Freund David Wagner, investiert wurde aber vor allem in die Führung rund um das Team. Die Stimmung trübte zuletzt allerdings Boss Tönnies, der nach rassistischen Äußerungen für drei Monate aufs Abstellgleis geschoben wurde.

PR für Pokal: Tore, Spaß und Pleiten

Vor dem „Nachschlag“ am Montag hat der DFB-Pokal bereits Lust auf Fußball gemacht. Es gab viele Tore, jede Menge Spaß, einen Aufstand der Kleinen und auch Pleiten der Großen. Wie schon in den letzten Jahren haben zwei Bundesligisten die Segel streichen müssen, Mainz und Augsburg waren diesmal die Dummen. Andere retteten sich erst im Elfmeterschießen. Mit Verl zog ein Viertligist in die nächste Runde ein und kassiert dafür (wie alle anderen auch) 351.000 Euro. Außerdem sind mit Kaiserslautern und Duisburg zwei Drittligisten weiter. Insgesamt aber zeigte bereits die erste Runde, dass man den unterklassigen Vereinen nie den Vergleich mit den Bundesligisten kürzen oder gar wegnehmen darf. Solche Gedanken gehören endgültig ad acta gelegt. Der Pokal lebt.

Am kommenden Wochenende beginnt auch die Fußball-Bundesliga der Frauen, ein Kommentar dazu noch in dieser Woche.

Die Sieger und Verlierer der Formel 1

Die Sommerpause nach dem Rennen in Ungarn dürfte der Formel 1 sehr ungelegen kommen (weiter geht es am 1. September in Spa), denn die letzten Rennen machten eigentlich Lust auf mehr. Endlich gab es die Spannung, nach der die Motorsportfans schon lange gelechzt haben. Die Formel 1 also als Sieger. Allerdings werden einige Teams auch froh sein um die Pause, denn die wollen sie nutzen, um ihre Rennwagen zu verbessern. Ferrari zum Beispiel. Der Sport-Grantler nutzt die Sommerpause zu einer Zwischenbilanz und zeigt auf, wer als Sieger und wer als Verlierer gelten kann.

Die Sieger der Formel 1

Lewis Hamilton: Der Weltmeister befindet sich auf dem Weg zur nächsten erfolgreichen Titelverteidigung, es wird für ihn der sechste Titel und damit wäre der siebte und der Rekord, den Michael Schumacher hält, nicht mehr weit. Zum Sieger macht ihn vor allem die Tatsache, dass er fahrerisch überzeugen konnte, es liegt nicht nur am Auto. Das bewies der 34-Jährige Engländer eindrucksvoll bei der Aufholjagd in Ungarn.

Mercedes: Die Silberpfeile sind seit fünf Jahren schier unschlagbar, holten sich immer den Konstrukteurstitel. Das wird auch in diesem Jahr so sein, immerhin zeigt die Konkurrenz aber dann und wann mal die Zähne.

Max Verstappen: Der 21-Jährige Niederländer gilt als Heißsporn, sein fahrerisches Talent zeigt er schon lange, mancher Crash beschädigte aber seinen guten Ruf. Scheinbar ist er bedachter und damit noch schneller geworden. Endlich schaffte er auch seine erste Pole Position und machte damit deutlich: Ich bin für Hamilton und Mercedes der Herausforderer Nummer 1!

Aston Martin Red Bull Racing: Nennen wir mal den offiziellen Titel des Rennstalls. Vor der Saison war vom Zweikampf zwischen Mercedes und Ferrari die Rede, Red Bull wurden höchstens Außenseiterchancen eingeräumt. Jetzt ist Red Bull dabei, den „Roten“ Rang zwei abzulaufen. Hinter Mercedes (438 Punkte) ist Ferrari (288:244) allerdings noch Zweiter. Was Red Bull fehlt, ist ein zweiter starker Fahrer, Pierre Gasley ist es wohl nicht.

Charles Leclerc: Ferrari hat den zweiten starken Fahrer, was heißt den zweiten, der 21-Jährige Monegasse ist fast schon die Nummer 1 im Team, zumindest macht er Vettel gehörig Druck und wird ihn bald nicht mehr gemäß Stallorder vorbeilassen. Leclerc gehört im Team die Zukunft.

Die Verlierer der Formel 1

Sebastian Vettel: Logisch, vor der Saison muss man auf Optimismus machen und forsch Siegeswillen zeigen. Der Heppenheimer konnte die Erwartungen aber in keiner Weise erfüllen und es liegt nicht allein am Auto. Statt von Heldentaten zu berichten, wie es von Leclerc oder Hamilton der Fall war, wurden bei Vettel die Fehler aufgezeigt. Innerhalb eines Jahres seit Juli 2018 verlor er neun Rennen durch seine Fehler. Heute wird eher gemunkelt, ob Vettel, der bei Ferrari noch einen Vertrag bis 2020 besitzt, nicht schon am Ende dieser Saison zurücktritt.

Ferrari: Ein Deutscher sollte die glorreichen Zeiten eines Michael Schumacher wieder zurückbringen. Vettel schaffte es bekanntlich nicht. Aber Ferrari schaffte es auch nicht, ein Auto auf die Straße zu bringen, das ernsthaft um den Titel mitfahren kann. Jedes Jahr das gleiche Spiel, vor der Saison große Töne, nach der Saison Katzenjammer. Die Roten bremsen sich selbst aus.

Valtteri Bottas: Der Finne kam mit Elan und Mut aus der Winterpause zurück und zeigte sich als Herausforderer für Hamilton. Doch der Schwung ist dahin, vielleicht stoppt den bald 30-Jährigen die Tatsache, dass er an dem Engländer doch nicht vorbei kann. Zweifel statt Selbstvertrauen und die traurige Zukunft, dass über seinen Platz spekuliert wird. Der junge Franzose Esteban Ocon (derzeit Testfahrer bei Mercedes) gilt als Nachfolger. Kaum glaubhaft, dass Max Verstappen als Konkurrent von Hamilton ins gleiche Team wechselt.

Renault: Eigentlich sollte der nächste Schritt Richtung Spitze gemacht werden, doch die Franzosen treten auf der Stelle. An den Fahrern Daniel Ricciardo und Nico Hülkenberg liegt es wohl nicht, die haben ihr Können schon bewiesen. Sie haben kein Spitzenauto zur Verfügung. Im Moment liegen sogar noch McLaren und Toro Rosso vor Renault (derzeit Sechster in der Teamwertung).

Hockenheimring: Möglich, dass wir 2019 das letzte Formel-1-Rennen in Deutschland gesehen haben, die finanzielle Situation ist zu kompliziert geworden, die Formel 1 für die deutschen Veranstalter Nürburgring und Hockenheimring zu teuer. Wenn ein Traditionsstandort verloren geht, wird auch die Formel 1 zum Verlierer. Ob Expansion um des schnöden Geldes Willen wirklich weiterhilft? Neben Hockenheim ist auch die Zukunft von Barcelona und Monza ungewiss, dafür stehen die neuen Standorte Zandvoort in den Niederlanden (wohl wegen Verstappen und der Begeisterung der holländischen Fans) und Hanoi in Vietnam bereit. 21 Rennen soll es 2020 geben, mit Saudi-Arabien wird verhandelt.

Vielleicht gibt es einen Retter für Formel-1-Rennen in Deutschland. Er hat einen bekannten Namen, er heißt Schumacher, Mick Schumacher, der Sohn von Michael. In Ungarn gewann der 20-Jährige sein erstes Rennen in der Formel 2, die als Sprungbrett für die Formel 1 gilt. Er hat das Talent, um den Sprung wirklich zu schaffen und Formel-1-Boss Chase Carey ließ bereits verlauten, „Mick hat einen besonderen Platz bei uns“. Begeisterung in Deutschland könnte wieder Vollgas für die Formel 1 hierzulande bedeuten. Hoffnung für Hockenheim.

Nach dem Supercup heißt es „Vorteil Dortmund“

Je nach Standpunkt und Ergebnis wird die Bedeutung des Supercups hervorgehoben oder heruntergespielt. Dies ist in der Fußball-Bundesliga nicht anders als zum Beispiel in England, wenn sich der Meister und der Pokalsieger (bei einem Doublegewinn darf der Vizemeister ran) im „Vorlauf“ der neuen Punktrunde gegenüberstehen. Ist es ein erster Fingerzeig wenn man den ersten Pokal in den Händen hält oder doch nur ein weiteres Testspiel? Im Fall des 2:0 von Borussia Dortmund gegen den Titelverteidiger (auf allen Ebenen) Bayern München ist es auf jeden Fall ein erster Fingerzeig und so heißt es nach dem Supercup „Vorteil Dortmund“. Entsprechend wurde bei der Borussia auch gefeiert (mit dem Elan feiern sie in München die Meisterschaft).

Die Dortmunder feierten, weil der Erfolg ihnen die Bestätigung brachte, dass sie den Rivalen aus dem Süden wirklich angreifen können und für die Saison gerüstet sind. Er ist die Bestätigung dafür, dass die ausgegebene Parole „wir wollen Meister werden“ durch Substanz absolut gerechtfertigt ist. Wie das 2:0 zustande kam, zeigte vor allem Trainer Lucien Favre, dass er mit seiner taktischen Marschroute zumindest im direkten Vergleich richtig liegt: Die Abwehr muss stehen und das Umschaltspiel klappen. Da nützte den Bayern 65 Prozent Ballbesitz gar nichts. Die Dortmunder waren also keineswegs besser, aber cleverer und sie haben weniger Fehler gemacht. Das sollte also den Bayern zu denken geben.

In München spielen sie Bedeutung der Niederlage natürlich herunter. Motto: Gar nichts passiert. Andererseits nutzten einige Spieler die Gelegenheit, um weitere Verstärkungen einzufordern. Sie wollen auf der Bank Spieler, die sofort helfen können. Vergessen dabei allerdings, dass sie dann selbst auf der Bank sitzen könnten und ihren Unmut äußern. Da gerät der Trainer schnell in die Bredouille. Das könnte Niko Kovac jetzt auch wieder passieren, denn es keimt schon wieder eine Systemdiskussion auf. Zuletzt setzte er auf das 4-3-3, was vor einem Jahr zur Herbstkrise führte. Die Bayern schafften dem geliebten 4-2-3-1 der Spieler dann die Wende. Noch heißt es, das System spielt keine Rolle, doch wenn die Ergebnisse nicht stimmen, spielt es plötzlich die Hauptrolle.

In Dortmund standen sich mehr oder weniger noch die „alten Teams“ gegenüber, beide Mannschaften haderten auch mit Verletzungen. Einziger Neuzugang bei den Borussen war Nico Schulz, die Bayern hatten besondere „Neuzugänge“: Einmal Tolisso, der die letzte Saison mehr oder weniger wegen Verletzungen verpasste, zum anderen Jerome Boateng, dem eigentlich der Abgang nahegelegt wurde. Jetzt stieg er zur festen Größe auf – Abgang dennoch nicht ausgeschlossen.

Überhaupt sind neue Spieler ein besonderes Thema bei den Bayern, sie agieren nach wie vor unglücklich. Zuletzt meldeten einige Medien, dass der Wechsel von Leroy Sane bevorstehe, doch plötzlich scheint alles wieder offen, weil Sane beim Supercup in England nach wenigen Minuten verletzt vom Platz musste. 100 Millionen Euro oder mehr für einen verletzten Spieler ausgeben? Die Bayern gingen schon mit 80 Millionen für den verletzten Hernandez ein großes Risiko ein. Die Dortmunder schauen sich dieses Theater in Ruhe an, bei ihnen geht es nur noch darum, wer noch abgegeben werden kann. Bei den Bayern ist der Kader zu klein, in Dortmund zu groß.

Im Pokal „Vorteil für die Kleinen“

Es ist eine schöne Tradition, dass die erste Runde im DFB-Pokal vor dem Start der Bundesliga quasi die neue Saison einläutet. Im Pokal heißt es „Vorteil für die Kleinen“, die Heimvorteil genießen und ein Fest feiern, wenn Bundesligisten zu Gast sind. Alle Änderungswünsche diesbezüglich müssen deshalb auch für immer ad acta gelegt werden, an diesen Festtagen darf nicht gerüttelt werden. Dortmund und Bayern können noch einmal ein bisschen durchschnaufen, doch unterschätzen sollte man die Gegner nicht. Das müssen Jahr für Jahr einige Bundesligisten schmerzhaft erkennen. Wen erwischt es diesmal?

Neu in diesem Jahr ist, dass sich der Fernsehsender Sport1 Rechte für ein Live-Spiel in jeder Runde gesichert hat, er zeigt am Freitag Bayer Uerdingen gegen Borussia Dortmund. Die ARD hat sich bei ihrer Auswahl für die Bayern entschieden, die ja gute Einschaltquoten garantieren. Der Titelverteidiger muss am Montag bei Energie Cottbus ran, das vor einem Neubeginn in der Regionalliga steht. Das war auch schon mal ein Bundesliga-Duell. Die Bayern sollten aber nicht meinen, dass sie da so einfach das Toreschießen üben können.

Start in der Premier League

Die Premier League in England ist schneller als die Bundesliga, da geht es bereits am Freitag los, die Liga ist mit 20 Vereinen ja auch größer. Champions-League-Sieger FC Liverpool hat die Ehre des Eröffnungsspiels gegen Neuling Norwich City. Titelverteidiger Manchester City folgt am Samstag bei West Ham United. Die Teams der Trainer Jürgen Klopp und Pep Guardiola gelten wieder als Favoriten. Im ersten direkten Vergleich, dem Community Shield (quasi der Supercup), trennte man sich 1:1, da City das Elfmeterschießen gewann, fuhr Pep gleich wieder den ersten Titel ein. Die spektakulären Transfers blieben aus, die Klubs in England sind stark genug, wie sich in der Champions League zeigte. Allerdings haben viele Beobachter die Sorge, dass die vielgerühmte Spannung von früher verloren gehen könnte. Nicht vier oder sechs Klubs streiten um die Meisterschaft, vielleicht wieder nur zwei. Chelsea London, die Tottenham Hotspur, Arsenal London, Manchester United und vielleicht auch der FC Everton, der ein bisschen aufgerüstet hat, müssen Langeweile an der Spitze also verhindern.

In Deutschland ist das Interesse an der Premier League groß, schließlich ist das deutsche und vor allem das Bundesliga-Element (viele ehemalige BL-Stars) ein Anreiz. Deshalb hat der Privatsender Sky auch einige Euro hingelegt, um DAZN wieder die Übertragungsrechte abzujagen. Sky-Zuschauer können also dabei sein und testen, wo der bessere Fußball geboten wird, in der Bundesliga oder in der Premier League.

Ein Hinweis: In dieser Woche folgt noch eine Zwischenbilanz der Formel 1.

Neue Helden und alte Sorgen bei der Tour

Die Tour de France 2019 hat die Sportfans wahrlich in ihren Bann gezogen, sie war spannend wie selten und Beobachter nannten sie eine „verrückte Tour“. Noch am letzten entscheidenden Tag in den Bergen kämpften fünf Fahrer um den Gesamtsieg, eine Dramaturgie wie aus einem Drehbuch. Dazu präsentierte die Tour 2019 neue Helden, zuerst natürlich den Sieger Egan Arley Bernal Gomez, erst 22 Jahre alt. Der Kolumbianer gilt als Jahrhunderttalent, er könnte eine Ära einläuten wie einst Eddy Merckx. Die Franzosen fieberten bei „ihrer Tour“ noch ein bisschen mehr mit, weil ihr Landsmann Julian Alaphilippe tagelang im Gelben Trikot fuhr. Wieder ein neuer Held. Und die Deutschen hatten Emanuel Buchmann, erstmals seit 2006 fuhr wieder ein deutscher Fahrer um den Sieg mit. Der Ravensburger wurde am Ende Vierter, nur drei Deutsche waren in 116 Jahren besser, Kurt Stöpel 1932 als Zweiter, Jan Ullrich 1997 als Sieger und Andreas Klöden 2004 und 2006 als Zweiter. Der neue Held Buchmann wird auch als neuer möglicher Tour-Sieger gehandelt. Die Tour 2019 war für die Zukunft der Rundfahrt und des Radsports ein Gewinn!

Neue Helden hat die Tour, aber sie hat auch alte Sorgen. Verrückter Sport auf der Straße kann die verrückten Spielchen im Hintergrund nur überdecken, sie tauchen aber wieder auf. Doping wird den Radsport wohl ewig begleiten und das Thema kam auch diesmal wieder auf den Tisch, obwohl der Verband erneut eine dopingfreie Tour seit 2015 feiert. Doch zwischen dem Nehmen und erwischt werden ist eben ein Unterschied. Es war ja eine Tour der Bergziegen, besonders schwer und deshalb auch der Anreiz besonders groß, zu leistungsfördernden Mitteln zu greifen. Ein altes Mittel geriet ins Gespräch, es heißt Aicar. Es verstärkt Ausdauer und Fettverbrennung ohne dass die Muskeln an Kraft und Effizienz verlieren. Aicar wird vom Körper selbst produziert, ähnlich wie Testosteron und steht bei der Dopingagentur Wada seit 2011 auf der Verbotsliste. Urintests gibt es seit 2014, es ist aber schwer nachweisbar. Ein Schatten bleibt also, auch weil die Rennställe sogar offen zugeben, dass sie nach leistungsfördernden, allerdings legalen Mitteln suchen. Vitamine, Mineralien und Ketonpräparate sollen den Stoffwechseln ankurbeln, oft wird ein Mix aus verschiedenen (erlaubten) Mitteln auf die Spitze getrieben. Ärzte warnen: Ob das schädlich ist oder nicht, ist noch nicht erforscht. Die Bergziegen im Radsport sind auch Versuchskaninchen. Der Sieg zählt mehr als die Gesundheit. Doping bleibt weiterhin ein Begleiter, ob illegal oder legal.

Es könnte auch sein, dass die verrückte Tour 2019 eine Ausnahme bleibt, weil eine Mannschaft das beherrschende Team in Radsport bleibt, Inoes, früher Sky. Es stellte in den letzten Jahren immer den Sieger und hat weiterhin neben dem neuen Helden Egan Bernal die letztjährigen Sieger Geraint Thomas und Christopher Froome unter Vertrag. Bei beiden Letztgenannten fuhren auch die Dopinggerüchte mit, der Kolumbianer Bernal kann auf natürliches Doping verweisen: Er lebt in der Nähe der Hauptstadt Bogota auf 2600 Metern Höhe und trainiert oft in Pacho, dem Geburtsort seiner Mutter auf 3600 Metern. 23 Kilometer ist der Anstieg lang mit 7,5 Prozent Steigung im Schnitt. Eine bessere Vorbereitung auf die Berge in den Pyrenäen und Alpen gibt es nicht. Sie werden für ihn wie Hügel gewesen sein.

Auch Emanuel Buchmann hat sich besonders vorbereitet, der 26-jährige Ravensburger hat einige Kilo an Gewicht abgenommen, um leichter für die Berge zu sein. Was die Ernährung angeht ist er wohl in besten Händen, denn Freundin Claudia ist Ernährungsberaterin. Eine Chance auf einen Rundfahrtsieg hat Buchmann allerdings nur, wenn das Team auch stark genug ist. Bei Bora-hansgrohe war bisher Sprintkönig Peter Sagan der Star, der zum siebten Mal das Grüne Trikot gewann. Auf ihn war die Erfolgsstrategie abgerichtet, Buchmanns gute Leistung fast nur willkommenes Beiwerk. Er bräuchte mehr Helfer wie den Österreicher Gregor Mühlberger, der in den Bergen stets an seiner Seite war. „Wir brauchen mehr Bergfahrer“, sagt Buchmann, doch was sagt sein Chef Ralph Denk? Außerdem: Laut Sport-Bild kassiert Sagan vier Millionen Euro im Jahr, Buchmann ist mit 750.000 dagegen fast schon ein armer Hund. Die Zukunft wird es zeigen, es wird spannend bleiben und wohl auch immer ein bisschen verrückt.

In Deutschland hält sich die Begeisterung für die Tour übrigens in Grenzen, die TV-Einschaltquoten bei der ARD beweisen dies, sie lagen meist bei rund 1,5 Millionen Zuschauer. Erfolgszahlen sind das keine.

Für Fußball-Fans: Lesen Sie auch den nächsten Kommentar „Der Supercup wird zum echten Supercup“.

Der Supercup wird zum echten Supercup

Darauf haben die Fußball-Fans seit dem Start der Trainingslager gewartet – auf das direkte Duell der beiden Star-Klubs Bayern München und Borussia Dortmund. Sie müssen dabei nicht bis zum November warten, bis es das Aufeinandertreffen in der Bundesliga gibt, sondern sie bekommen vor der Punktrunde als Hauptgericht vorab eine schmackhafte Vorspeise. Der Supercup, ansonsten als minderwertiger Wettbewerb angeprangert, wird zum echten Supercup, wenn am Samstag Borussia Dortmund Meister Bayern München erstmals in der neuen Saison herausfordert (live im ZDF). Möglich machte dies das Double der Bayern, denn normalerweise stehen sich Pokalsieger und Meister gegenüber. Da die Bayern schlecht gegen sich selbst spielen können, kommt der Bundesliga-Zweite zum Zug.

Zweiter? Davon wollen sie in Dortmund nichts mehr hören. Erstaunlich selbstbewusst treten sie in diesem Sommer auf und lassen keine Gelegenheit aus, um zu verkünden, dass sie Meister werden wollen. Und die Bayern freuen sich sogar: „Endlich ein Gegner, der uns herausfordert“, heißt an der Isar. Es könnte am Ende sogar ein böses Erwachen geben. Erster Test also beim Supercup. Es wird ein ernsthaftes Duell werden.

Beide Klubs gehen unterschiedlich in die Saison. Die Dortmunder haben schnell auf dem Transfermarkt zugeschlagen und für die Neuzugänge Julian Brandt (Leverkusen), Thorgan Hazard (Gladbach), Nico Schulz (Hoffenheim) und Mats Hummels (Bayern) fast schon Bewunderung geerntet. Vor allem der Wechsel von Hummels von München zurück nach Dortmund erntete Erstaunen, stärken die Bayern doch damit den größten Gegner. Hummels könnte die Schwachstelle in der Borussen-Abwehr schließen. Die Bayern machen im Gegensatz zu Dortmund auf dem Transfermarkt eine eher schlechte Figur. Zwar holten sie zwei Weltmeister, sind aber Abwehrstratege Lucas Hernandez (von Atletico Madrid) 80 Millionen Euro wert und Benjamin Pavard vom Absteiger VfB Stuttgart wirklich Verstärkungen? Fiete Arp vom HSV gilt als großes Talent, ist aber eher ein Mann für die Zukunft.

Kein Wunder, dass Dortmund auch in der Meinung der Fans vorne liegt. In Umfragen der Fachzeitschrift kicker sehen 49,3 Prozent der Leser Dortmund als neuen Meister, nur 36,9 % setzen auf die Bayern, danach kommt lange nichts, mit 3,4 % ist RB Leipzig Dritter. Und aktuell glauben 61 Prozent das Dortmund den Supercup gewinnt. Die Dortmunder hatten zuletzt 2014 den ersten Pokal der Saison in den Händen und gewannen ihn sechsmal. Die Bayern haben (natürlich) auch in dieser Statistik die Nase vorn, siegten zuletzt dreimal in Folge und insgesamt achtmal. Aber noch nie war die Spannung vor diesem zusätzlichen Wettbewerb so groß. Die Saison beginnt wahrlich mit einem Paukenschlag!

Eintracht Frankfurt als Vorbild

Für einen Bundesligisten haben die Pflichtspiele bereits begonnen: Eintracht Frankfurt musste in der Qualifikation zur Europa League ran. Es ist ein Ritt auf der Rasierklinge zwischen effektiver Saisonvorbereitung und Erfolg in frühen wichtigen Spielen. Manche Trainer haderten mit dieser Konstellation und scheiterten. Nicht so Adi Hütter und Frankfurt. Der Österreicher machte von Anfang deutlich, wir wollen wieder für Furore sorgen und nahm die Fans auf diesem Weg mit. Das Europa-Feeling ist schon wieder da, die Fans machten sich auch auf den Weg nach Estland. Mit einem 2:1-Sieg war der Start erfolgreich, die Eintracht darf von Runde drei träumen und ist für die anderen, oft zögerlichen Bundesligisten mit dieser Einstellung ein Vorbild. Der Anfang für eine erneute erfolgreiche Saison in Europa ist gemacht, obwohl die Frankfurter ja zwei Torjäger verloren haben und mit Hängepartien auf dem Transfermarkt leben müssen. Doch geklagt wird bei den Hessen nicht!

Olympia-Feeling in Berlin

Noch ein Beispiel, dass es mit Klagen allein nicht getan ist, sondern dass gehandelt werden muss. Die Sommersportarten fühlen sich gegenüber dem Wintersport mit seinen langen TV-Übertragungen immer zurückgesetzt und im Schatten von König Fußball auf verlorenem Posten. Es geht auch anders, es gibt bei Sport und Fernsehen offensichtlich ein Umdenken und einen Versuch – und deshalb am Wochenende ein bisschen Olympia-Feeling in Berlin. Die Hauptstadt wird auch zur Sport-Hauptstadt, zehn Deutsche Meisterschaften finden an einem Wochenende statt, 3000 Athleten und Athletinnen sind dabei und kämpfen in 202 Entscheidungen um die Titel. ARD und ZDF übertragen rund 20 Stunden lang, die ARD am Samstag von 10.00 bis 19.50 Uhr, das ZDF am Sonntag von 10.15 bis 19.00 Uhr.

Mit von der Partie sind die Sportarten Bahnradfahren, Bogenschießen, Boxen, Kanu, Leichtathletik, Moderner Fünfkampf, Schwimmen, Trial, Triathlon und Turnen. Ein Versuch ist es sicherlich wert, auf Anhieb wird man allerdings die Einschaltquoten von Wintersporttagen kaum erreichen können, dort ist Biathlon auch der attraktiven Leichtathletik überlegen. Zu loben ist, dass es überhaupt Ideen gibt, um zu mehr Aufmerksamkeit zu gelangen.

Viel Aufmerksamkeit hatte zuletzt Uli Hoeneß, dem nachgesagt wird, er würde seine Ämter bei den Bayern abgeben. Lesen Sie dazu den nächsten Kommentar: „Uli Hoeneß: Umstritten, erfolgreich, ein Mensch“. Viel Aufmerksamkeit hatte in den letzten Wochen auch die Tour de France, dazu ein paar Gedanken in den nächsten Tagen hier im Blog.

Uli Hoeneß: Umstritten, erfolgreich, ein Mensch

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe:Präsident Uli Hoeneß will alle seine Ämter beim Deutschen Fußball-Rekordmeister Bayern München im Herbst niederlegen. Natürlich war es eine Nachricht des Boulevards, Hoeneß selbst will sich am 29. August dem Aufsichtsrat erklären und schweigt dazu, ob die Meldung Tatsache ist oder nicht. Aber alle Informationen sprechen dafür. Damit ginge die erfolgreichste Ära der Bayern-Geschichte zu Ende. In den 40 Jahren in verantwortlicher Position machte Hoeneß aus einem gutsituierten Verein ein erfolgreiches Unternehmen. Die Lücke, die er hinterlässt, könnte nicht größer sein.

Allerdings ist der Hoeneß von heute nicht mehr der Hoeneß aus der Zeit der Aufreger, als er es sich mit allen, die seinen Gedanken nicht folgen wollten, entgegenstellte und manchen Krawall riskierte, wenn er seinen Verein oder seine Spieler angefeindet sah. Doch das Gespür für den richtigen Zeitpunkt der Schlagzeilen und ihre Wirkung ist ihm verloren gegangen. So im letzten Herbst bei der unsäglichen Pressekonferenz oder jetzt, als sein Rücktritt die Werbe-Tour der Bayern in den USA (Rummenigge: „Die beste USA-Tour aller Zeiten“) mit guten sportlichen Leistungen und Erfolgen gegen Real Madrid (3:1) und AC Mailand (1:0) in den Schatten stellte. Uli Hoeneß ist nach seinem Gefängnisaufenthalt nach verurteilter Steuerhinterziehung und nach Anfeindungen eines Fans bei der Hauptversammlung 2018 ein anderer geworden, nachdenklicher vor allem. Und das mag jetzt auch eine Rolle spielen, dass er sich sagt, nach 40 Jahren ist Schluss und seiner Familie, seiner Frau Susi, Tochter, Sohn und vier Enkeln den Vorzug und mehr Zeit gibt. Er will angeblich im Aufsichtsrat bleiben und ist damit für Ratschläge immer greifbar.

Uli Hoeneß polarisierte mit seiner polternden Art, er war umstritten, aber erfolgreich wie kein anderer Manager im deutschen Sport, aber er blieb auch immer ein Mensch. Er war für jeden aus dem Verein immer da, vor allem wenn es einem schlecht ging, er war dafür verantwortlich, dass von der sprichwörtlichen „Bayern-Familie“ die Rede war. Er war der Vater und mit Ausnahmen natürlich immer stolz auf „seine“ Familie, ohne die eigene private Familie dabei vergessen zu wollen. Hoeneß zeigte eine raue Schale mit weichem Kern.

Sein erfolgreiches Wirken machen die Rekordzahlen deutlich, da muss man sich fast schon die Augen reiben. Als Hoeneß am 1. Mai 1979 als Manager begann, nachdem ihn eine Verletzung zum Karriere-Ende als erfolgreicher Spieler zwang (er gewann alle Titel, u. a. Weltmeister 1974 und dreimal in Folge Sieger mit Bayern im Europacup der Landesmeister, dem Vorläufer der Champions League), da hatten die Bayern gerade mal 20 Angestellte und machten 20 Millionen Mark Umsatz. Heute sind es rund 1000 Mitarbeiter und 700 Millionen Euro Umsatz. Passend dazu gerade die aktuelle Liste des US-Magazin Forbes über die wertvollsten Vereine der Welt. Da belegen die Bayern in der Gesamtliste Rang 17 (vorherrschend die US-Klubs im Football, Baseball und Basketball) und im Fußball-Ranking weltweit Platz vier hinter Real Madrid (mit einem Wert von 4,2 Milliarden Euro geschätzt), FC Barcelona (4,0) und Manchester United (3,8). Bayern selbst soll 3,0 Milliarden Euro wert sein. Dazu die sportlichen Erfolge allein in diesen 40 Jahren Uli Hoeneß: 24 mal Deutscher Meister, 14 x Pokalsieger, 2 x Champions League (2001, 2013), UEFA-Pokalsieger (1996), Klub-Weltmeister (2013), Weltpokalsieger (2001), UEFA-Superpokalsieger (2013), 8 x Deutscher Supercupsieger und 6 x Ligapokalsieger.

Es könnte sein, dass Uli Hoeneß es geschafft hat, trotz seines schwarzen Flecks in seiner Karriere gerade rechtzeitig den Staffelstab zu übergeben. Die Zukunft wird es weisen, ob er es auch schafft, die richtigen Nachfolger auf den Weg zu bringen. Die Zeichen stehen zumindest für die Bayern auf Hoffnung, denn mit dem früheren Adidas-Chef Herbert Hainer (im Juli gerade 65 geworden) steht ein Mann vom Fach parat, den auch ein internationales Netzwerk auszeichnet und der als Aufsichtsrat eng mit Hoeneß zusammenarbeitete. Und er ist – welch ein Zufall – auch der Sohn eines Metzgers. Da muss es für die Bayern doch auch weiterhin um die Wurst gehen. Hainer soll Hoeneß als Präsident (Wahl im November) und als Vorsitzender des Aufsichtsrat beerben.

Die zweite Personalie wurde zusammen mit Karl-Heinz Rummenigge bereits auf den Weg gebracht, denn der frühere Nationaltorhüter Oliver Kahn soll ab Januar als Rummenigge-Nachfolger aufgebaut werden. Damit hätten beide Bosse erreicht, dass auch in Zukunft Bayern von kompetenten Personen geführt wird, die mit dem Bayern-Gen versehen sind. Es wäre die größte Leistung der scheidenden Manager, wenn die erfolgreiche Bayern-Ära weiterhin Bestand hätte.

Mit der aktuellen Lage tun sie sich im Moment vielleicht sogar ein bisschen schwer. Es bleiben Zweifel, ob Hasan Salihamidzic der richtige Sportdirektor ist, den die Bayern brauchen, wenn man die gewisse Hilflosigkeit bei den aktuellen Transfers sieht. Es gibt viele Gerüchte, aber keine Vollzugsmeldungen. Scheitert der Transfer von Leroy Sane könnten die Bayern am Ende gar ohne die auch von Spielern geforderten Verstärkungen dastehen. Oder wollte Hoeneß vielleicht sogar von diesen Sorgen ablenken?

Unten ist oben! Zweite Liga erstklassig

Vor einer Woche war an dieser Stelle von der 3. Liga im deutschen Fußball die Rede und davon, dass sie im europäischen Vergleich an der Spitze liegt, was das Interesse angeht. Dies lässt sich auch von der 2. Bundesliga sagen, die am Freitag mit der neuen Saison beginnt. Die zweite Liga ist in Sachen Interesse, heißt Zuschauerschnitt, in Europa erstklassig. Rund 19.000 kamen in der letzten Saison im Schnitt, der Rekord liegt bei 21.580 in der Saison 2016/17. Manchmal kann unten und eben doch oben sein!

In der Tat hat die 2. Bundesliga an Image gewonnen, das liegt daran, dass Traditionsvereine das Unterhaus zwangsläufig „besuchen“ und scheinbar führt das auch dazu, dass das spielerische Niveau steigt. Die Trainer konstatieren, dass die Liga bei Weitem keine „Kampfliga“ mehr sei. Und dennoch sind sich die Favoriten, meist die Bundesliga-Absteiger, einig: „Wir müssen die zweite Liga annehmen“. Das gilt aber vor allem auch psychologisch, nicht dass einer meint, „wir sind eigentlich ein Bundesligist, die zweite Liga gewinnen wir im Vorbeigehen“. Das kann zur Ernüchterung führen, der Bundesliga-Dino Hamburger SV musste es in der letzten Saison erleben. Er blieb auf der Strecke, neben dem Rückkehrer 1. FC Köln machten der SC Paderborn und Union Berlin das Rennen. Sie sind jetzt oben.

Die Bundesliga-Absteiger VfB Stuttgart, Hannover 96 und 1. FC Nürnberg gehören neben dem Hamburger SV also zum Favoritenkreis und möchten schnellstmöglich wieder zurück. Gleichzeitig steigern sie natürlich die Attraktivität der 2. Bundesliga, die ja mit Dynamo Dresden, dem FC St. Pauli und Aufsteiger Karlsruher SC weitere klangvolle Namen zu bieten hat. Nur sechs Vereine des 18er-Feldes haben noch keine Bundesliga-Luft geschnuppert. Also auch da ist die zweite Liga fast erstklassig.

Auffallend ist, dass sich im Unterhaus wie im Oberhaus das Trainerkarussell kräftig drehte. Sieben neue Trainer gibt es oben, sechs sind es auch in der 2. Bundesliga. Bezeichnend, alle großen Favoriten probieren es mit neuen Coaches. Die Neuen sind Tim Walter (Stuttgart), Mirko Slomka (Hannover), Damir Canadi (Nürnberg) und Dieter Hecking (Hamburg), außerdem Mersad Selimbegovic (Regensburg) und Andre Schubert (Kiel). Einer der Erstgenannten vier wird also in die Röhre schauen, wobei einige schon vorsichtig sagen, wir wollen nach oben, muss aber nicht gleich in diesem Jahr sein. Ein „Muss“ ist es wohl beim Hamburger SV, schließlich ist es der zweite Anlauf, die größten Erwartungen gibt es darüber hinaus wohl in Stuttgart. Der Start hat es gleich in sich mit dem Duell Stuttgart – Hannover. Wer ist besser gerüstet?

Das sind die 18 Teams: VfB Stuttgart, Hannover 96, 1. FC Nürnberg, Hamburger SV, FC Heidenheim, Holstein Kiel, Arminia Bielefeld, Jahn Regensburg, FC St. Pauli, Darmstadt 98, VfL Bochum, Dynamo Dresden, Greuther Fürth, Erzgebirge Aue, SV Sandhausen, VfL Osnabrück, Karlsruher SC, Sv Wehen Wiesbaden.

Bundesliga-PR von Bayern und Dortmund

Im Oberhaus tummeln sich die Favoriten im internationalen Geschehen. Bayern München und Borussia Dortmund weilten beide in den USA auf Werbetour, wobei diesmal allerdings nur die Münchner am Champions Cup teilnahmen. Aber beide sorgten für beste PR für die Bundesliga. Die Dortmunder besiegten Ex-Trainer Jürgen Klopp mit Champions-League-Sieger FC Liverpool mit 3:2 und die Bayern verwiesen nach einem 1:2 gegen Arsenal London den alten Rivalen Real Madrid mit 3:1 in die Schranken. Eine Wohltat für beide Teams und Lob gab es obendrein. So urteilte Jürgen Klopp über Dortmunds Leistung „eindrucksvoll“ und Reals Trainer Zinedine Zidane nahm die Münchner wieder in den Kreis der Favoriten für die Champions League auf: „Sie haben ein Team, das den Titel gewinnen kann“. Dortmund hat sich bekanntlich spektakulär verstärkt, die Bayern halten mit einem etablierten Team dagegen: „Uns muss man erst mal schlagen.“ Und wenn es keine Neuzugänge gibt, dann bleiben halt die eigentlich erwarteten Abgänge: Renato Sanches will sich endgültig bei den Bayern durchsetzen, Jerome Boateng warb mit starken Leistungen für sich, nach dem Motto „geht doch“. Bei ihm ist das letzte Wort allerdings noch nicht gesprochen. Das erste Duell zwischen Dortmund und Bayern wird schon sehnsüchtig erwartet, es ist der Supercup am 3. August. In der Bundesliga muss man noch bis zum Wochenende 9./10. November warten.

Übrigens zeigt sich bei beiden Vereinen wieder einmal der Unterschied: Da der Glamour-Klub Bayern, der bei Hollywood-Star Arnold Schwarzenegger in Los Angeles zum Grillen eingeladen war (unter den Gästen auch Sylvester Stallone und Dolph Lundgren, Star-Koch Alfons Schuhbeck sorgte mit Kaiserschmarrn für die Nachspeise) und die NASA besuchte, passend zum erhofften weiteren Höhenflug. Der bodenständige Verein aus dem Ruhrpott gönnte sich als Abwechslung einen Besuch in einem Burger-Restaurant.

Während sich 17 Bundesligisten noch auf die neue Saison vorbereiten, wartet auf einen Verein schon der Ernstfall, Eintracht Frankfurt muss bereits in der 2. Qualifikationsrunde der Europa League ran (25. Juli/1. August). Gegner ist Flora Tallinn, Tabellenführer in Estland, das sich mit 2:0, 2:2 gegen den eigentlich favorisierten serbischen Vizemeister Radnicki Nis durchsetzen konnte. Kann Tallinn zum Stolperstein werden? Beobachter glauben nicht, das spielerische Niveau sei überschaubar gewesen. Die Hessen wollen die Europa-Euphorie des letzten Jahres wiederholen und haben sich im Rahmen der Saison-Vorbereitung bestmöglich in Form gebracht, doch rund um die Mannschaft gibt es noch Fragezeichen. Die Torjäger Jovic und Haller haben sich bekanntlich verabschiedet, um Torhüter Kevin Trapp gibt es mit Paris noch eine Hängepartie. So ist der Däne Frederik Rönnow die Nummer 1. Er kann also Werbung für sich betreiben. Sollte sich Frankfurt für die Europa League qualifizieren und auch im DFB-Pokal erfolgreich sein, warten auf die Mannschaft bis Weihnachten 31 Spiele! „Müde Weihnachten“ wären dann wohl auch „frohe Weihnachten“.

Neue Regeln und alter Ärger

Die neue Fußball-Saison steht in den Startlöchern (die 3. Liga in Deutschland beginnt am Wochenende, weiter unten mehr), die neuen Regeln, die der Weltverband oder genauer die IFAB (International Football Association Board) beschlossen hat, sind bereits seit dem 1. Juni in Kraft und erlebten ihre Bewährungsprobe bei der Weltmeisterschaft der Frauen in Frankreich. Im Mittelpunkt stand das Interesse, das Spiel in einigen Punkten zu beschleunigen, aber auch die Regeln über das Handspiel zu präzisieren. Das zumindest ist nur ein bisschen gelungen, ein Ermessungsspielraum bleibt für die Schiedsrichter und deshalb darf als sicher gelten: Neue Regeln und alter Ärger.

Eine Änderung führt zu Klarheit: Jedes Tor, das mit Hand oder Arm erzielt wird, ist irregulär, egal ob Absicht vorliegt oder nicht. Strafbar ist auch, wenn der Spieler seine Körperfläche unnatürlich vergrößert, zum Beispiel wenn die Arme über die Schultern angehoben werden. Kein Handspiel liegt vor, wenn der Ball vom eigenen Körper oder vom Gegner an die Hand springt oder wenn sich ein Spieler im Fallen abstützt. Also, ein bisschen mehr Klarheit, aber der Gesprächsstoff wird trotz Videobeweis nicht ausgehen. Wäre ja auch schade.

Alle anderen Änderungen sind nicht so bedeutend, aber zum Teil wird das Spiel natürlich schneller werden. Gut ist, dass sich bei einem Freistoß in Tornähe die Spieler der ausführenden Mannschaft nicht mehr in die Mauer des Gegners stellen dürfen, sondern einen Meter Abstand halten müssen. Damit ist ein unsägliches Gerangel vorbei. Schneller wird das Spiel, weil Auswechselspieler den kürzesten Weg zur Auslinie nehmen müssen, aber auch, weil bei Abstößen der Ball den Strafraum nicht mehr verlassen muss. Umgewöhnen müssen sich die Schiedsrichter in eigener Sache, sie sind nicht mehr Luft, was wir ja auch bisher schon gemerkt haben. Wird er jetzt angeschossen und es gibt eine wesentliche Richtungsänderung des Balles oder sogar ein Tor, gibt es Schiedsrichter-Ball.

Auf alle Änderungen muss hier nicht eingegangen werden, Ärger gab es allerdings bereits, weil eine Torhüterregel beim Elfmeter besonders streng ausgelegt wurde. Die Torhüter müssen nur noch mit einem Fuß auf der Linie bleiben, allerdings wurde dies zum Beispiel bei der Frauen-WM per Videobeweis streng kontrolliert und oft die fällige Gelbe Karte verteilt. Wäre dies in einem Elfmeterschießen der Fall, würden die Torhüter ausgehen. So gab es die schnelle Modifikation, dass es bei Elfmeterschießen keine Gelben Karten verteilt werden. Allerdings gab es auch den Rat, bei geringfügigen Verfehlungen der Fußstellung großzügig zu sein. Wir sehen, der Ermessungsspielraum für Schiedsrichter geht nicht aus, allzu starr sollte der Fußball auch nicht sein.

3. Liga zwischen Erfolg und Ablehnung

Seit einigen Jahren bemühen sich DFL und DFB den Ligen unterhalb der Bundesliga mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Das geht am besten vor der Saison, wenn die Eliteliga noch pausiert und so wird häppchenweise die neue Saison im Profi-Fußball eingeläutet (bei den Amateuren in den Landesverbänden ist es ähnlich). Am kommenden Wochenende ist als Erste die 3. Liga dran, eine Woche später beginnt die 2. Bundesliga. Sie dürfen sich dann noch zwei Wochen über mehr Aufmerksamkeit freuen, weil die Bundesliga ihre Saison nach Supercup (3. August) und Pokal (9. – 12. August) erst am 16. August mit dem Auftaktspiel Bayern München – Hertha BSC Berlin beginnt.

Auch in der 3. Liga sieht München das Auftaktspiel, in diesem Fall erwartet 1860 München die Preußen aus Münster (der erste „Tatort“ ist also München, nicht Münster). Allerdings drängen sich die Klubs nicht in die 3. Liga, sondern sie möchten sie eigentlich gerne schnell wieder verlassen – nach oben versteht sich. Die 3. Liga ist ein ungeliebtes Kind zwischen Erfolg und Ablehnung. Erfolg, weil die 3. Liga durchaus attraktiv ist, wenn man nämlich die Zuschauerzahlen sieht. Im vergangenen Jahr kamen 3,09 Millionen Zuschauer zu den Spielen, die Drei-Millionen-Marke wurde erstmals geknackt. Im Schnitt kamen 8123 Besucher, das ist mehr als die 2. Ligen in Italien (unter 8000) und Frankreich (unter 7000). Der Grund: Ehemalige Deutsche Meister und Traditionsvereine tummeln sich im Unterhaus, nur fünf Vereine waren noch nie in der Bundesliga. Dort wollen die meisten wieder hin, doch der Weg ist beschwerlich. Am meisten ärgern sich die Klubs aber darüber, dass der Fall von der 2. Bundesliga in die 3. Liga finanziell so krass ist. Mit 12 Millionen Euro von der DFL können die Klubs in der 2. Bundesliga planen, nur 1,28 Millionen Euro im Schnitt gibt es vom DFB aus der zentralen Vermarktung in der 3. Liga. Ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Also heißt es nichts wie weg und in die 2. Bundesliga. Dies gilt vor allem für die Absteiger Ingolstadt, Magdeburg und Duisburg, für die die 3. Liga nur ein Zwischenspiel sein soll. Dass man aber leicht hängen bleiben kann, zeigen andere Vereine wie der 1. FC Kaiserslautern oder Eintracht Braunschweig, das im letzten Jahr sogar gegen den Abstieg kämpfen musste. Eine Besonderheit weist die neue Saison auf, mit Bayern München II ist erstmals wieder eine zweite Mannschaft eines Bundesligisten dabei. Die Bayern kämpften seit acht Jahren um die Rückkehr, jetzt aber machen sie keine besonderen Anstrengungen, um die 3. Liga auch sicher zu halten. Der neue Trainer Sebastian Hoeneß (Sohn von Dieter Hoeneß) muss es vor allem mit Talenten schaffen, Leistungsträger wie Jeong (Freiburg) und Awoudija (Stuttgart) sind sogar gegangen. Von den Profis darf er in einigen Spielen die Jungstars Davies und Arp als Verstärkung erwarten. Im Mittelpunkt stehen die Derbys mit 1860 und der SpVgg Unterhaching, die als Besonderheit vor einem Börsengang steht. Das also geht auch in der 3. Liga. Sie muss also doch attraktiv sein.

Das sind die Vereine in der 3. Liga: FC Ingolstadt 04, 1. FC Magdeburg, MSV Duisburg, Hallescher FC, Würzburger Kickers, Hansa Rostock, FSV Zwickau, Preußen Münster, 1. FC Kaiserslautern, SpVgg Unterhaching, KFC Uerdingen 05, 1860 München, Carl Zeiss Jena, SG Sonnenhof Großaspach, Eintracht Braunschweig, Chemnitzer FC, Viktoria Köln, Waldhof Mannheim, Bayern München II.

Fallen sind gestellt: Ende der Bayern-Ära?

Sieben nationale Titel in Folge, 2013 Sieger der Champions League und dort in jedem Jahr im Kreis der Favoriten – der FC Bayern München hat eine erfolgreiche Zeit hinter sich. Ja, liebe Fußball-Fans, „hat er hinter sich“ könnte stimmen, denn ob die erfolgreiche Bayern-Zeit weitergeht, darf bezweifelt werden, auch nach dem Double-Gewinn in diesem Jahr. Der Umbruch in der Mannschaft ist in vollem Gange und derzeit bleiben mehr Fragen als Antworten. Ganz im Gegenteil, als Hürden für eine erfolgreiche Zeit sind zahlreiche Fallen bereits gestellt. Es könnte sein, dass 2019 das Ende der Bayern-Ära einläutet.

Für Aufmerksamkeit sorgte in diesen Tagen ein Interview von Neuer-Berater Thomas Kroth mit der Süddeutschen Zeitung, dabei stellte er in den Raum, dass sich der Kapitän einen neuen Verein suchen könnte, wenn sein Vertrag 2021 ausläuft. Dann nämlich, wenn Neuer den Eindruck hat, dass er mit den Bayern die Champions League nicht mehr gewinnen kann. Damit sind wir schon bei der ersten Falle für die Bayern, der…

Transfer-Falle: Die Bayern versuchen verzweifelt, mit den reichen Vereinen in England, den Größen in Spanien (Barcelona und Real Madrid), sowie dem Scheich-Klub Paris St. Germain und dem reichen Juventus Turin in Italien mitzuhalten. Das Dilemma: Spieler, die Bayern verstärken könnten, sind extrem teuer, die Ablösesummen beginnen da bei den 80 Millionen, die Hernandez gekostet hat. Sind die Spieler billiger, bringen sie die Bayern auch nicht weiter. Deshalb der spöttische Blick auch auf den nationalen Konkurrenten Borussia Dortmund, Spieler wie Brandt oder Hazard sind recht und gut, doch Bayern sucht nach noch mehr Qualität. Deshalb wird weiter um Leroy Sane gebuhlt oder auf Callum Hudson-Odol von Chelsea gewartet. Dass der umstrittene Dembele von Barcelona ins Visier geraten ist, ist wohl der Tatsache geschuldet, dass man das Risiko mit einem eigenwilligen Spieler eingehen würde, weil andere dieser Qualität nicht zu bekommen sind. Aber da gibt es noch ein anderes Problem, die…

Trainer-Falle: International gute Spieler sind leichter zu verpflichten, wenn sie zu einem prominenten Trainer kommen und sagen können, „der macht mich besser“. Einer wie Jürgen Klopp oder Pep Guardiola. In dieser Kategorie wird Bayern-Coach Niko Kovac nicht gesehen, ihm fehlt die internationale Reputation und der Glanz. Da gibt es aber auch die…

Sprach-Falle: Die Bayern möchten einen deutsch sprechenden Trainer und damit ist der Kreis der Kandidaten international schon sehr eingeengt. Da hat die Premier League unabhängig vom Geld zudem sprachliche Vorteile. Der Standort Deutschland also als Nachteil. Gibt es keine weiteren Verstärkungen, steht die nächste Falle schon, nämlich die…

Titel-Falle: Die Bayern waren nicht nur wegen der üppigen Bezahlung attraktiv, sondern vor allem für deutsche Spieler der Verein der Sehnsucht, weil Titelgewinne quasi garantiert wurden. Und für internationale Stars bestand die Hoffnung, mit den Bayern eben die Champions League gewinnen zu können (siehe das Neuer-Argument). Wenn die Bayern nicht mehr in der gewohnten sportlichen Größenordnung operieren können, dann fällt dieses Argument weg und damit wird gleichzeitig das Ende der Bayern-Ära eingeläutet.

Noch ist es allerdings nicht so weit, die Bayern haben eine starke Mannschaft, der Kader ist mit 17 Feldspielern allerdings zu klein (mit gerade mal sieben ging das Training los), zumal es noch einige Fragezeichen gibt, wie den wechselwilligen Sanches oder Boateng, der eigentlich gehen soll, jetzt aber als Notnagel dienen könnte. Seltsam ist der Getue um Timo Werner, der nächstes Jahr ablösefrei aus Leipzig kommen könnte, aber wohl in diesem Jahr schon gebraucht wird. Diese 40 Millionen Euro sollten die Bayern investieren. Seltsam auch, dass Talente aus der Bayern II abwandern, wie Flügelflitzer Jeong nach Freiburg oder Abwehrtalent Awoudja nach Stuttgart. Da wachsen die Zweifel an Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Die Bayern sollten sich nicht zu sehr darauf verlassen, dass sie noch Zeit haben bis zum Ende der Transferphase am 2. September.

Titel an USA, Brasilien und Mexiko

National hat die neue Saison endgültig begonnen, mit den Bayern am Montag sind auch alle Bundesligisten wieder im Trainingslager und in der 3. Liga geht am 19. Juli mit dem Auftaktspiel 1860 München – Preußen Münster bereits die Punktrunde los. International standen allerdings verschiedene Meisterschaften noch im Mittelpunkt. Am Wochenende wurden Titel vergeben und die Gewinner sind: Die USA als Frauen-Weltmeister, Brasilien holte sich die Copa America und Mexiko den Gold Cup. In Afrika wird noch gespielt.

Es war bezeichnend: Die Frauen wurden Weltmeister, die Männer unterlagen im Finale des Gold Cup Mexiko mit 0:1, gingen also leer aus. In den USA hat der Frauen-Fußball nach wie vor mehr Bedeutung als der Männer-Fußball und das ist auch die Grundlage dafür, dass die Amerikanerinnen den Frauen-Fußball weltweit dominieren, das 2:0 gegen den tapferen Europameister Niederlande bedeutete bereits den vierten WM-Titel, so viele, wie alle anderen Nationen zusammen (Deutschland zwei, Norwegen und Japan). Kein Wunder, dass vor allem die US-Girls auf die Barrikaden gehen und gleiche Bezahlung wie die Männer einfordern. „Equal pay“ schallte es FIFA-Präsident Infantino entgegen neben einem Pfeifkonzert. Aber auch ein anderer Präsident steht im Fokus, einen Empfang bei US-Präsident Donald Trump wollen die meisten Spielerinnen boykottieren. Kapitänin Rapinoe hatte von vornherein eine Absage kundgetan: „Wir können keinen Mann respektieren, der anderen keinen Respekt zollt.“

Die Amerikanerinnen sind sehr selbstbewusst und so traten sie auch bei der WM von Anfang an auf. Insgesamt war die Frauen-WM in Frankreich ein voller Erfolg, leider nicht für die deutsche Mannschaft, die ihre führende Rolle verloren hat und darum kämpfen muss, in der Weltspitze zu bleiben. Die Qualität hat sich international verbessert, viele Nationen haben aufgeholt bzw. kleinere Länder haben sich weiterentwickelt. Insofern macht ausnahmsweise ein Vorschlag von FIFA-Boss Infantino sogar Sinn, das WM-Teilnehmerfeld von 24 auf 32 zu erhöhen, damit mehr Nationen einen Schub für die Entwicklung bekommen. Ansonsten ist der Gigantismus bei den Männern mit größeren Teilnehmerfeldern Unsinn.

Mexiko holte also mit einem 1:0 gegen die USA den Gold Cup, allerdings in Chicago, was dem Gastgeber gar nicht gefiel. Brasilien als Gastgeber durfte allerdings feiern, der 3:1-Sieg im Finale gegen Peru war Balsam auf die verwundete brasilianische Fußballseele. Endlich wieder ein Erfolg nach dem WM-Debakel 2014 gegen Deutschland. Bezeichnend, dass der Triumph ohne Star Neymar gelang. Der Star war diesmal die Mannschaft und das war wieder einmal ein deutliches Zeichen für den Fußball als Mannschaftssport!

Tour der Leiden als Aufruf zur Doping-Tour

Eigentlich wollte der Sport-Grantler zur Tour de France gar nicht mehr Stellung nehmen, weil sich in der Ausgangsposition gegenüber dem Vorjahr nichts geändert hat. Doch in diesem Jahr ist das Streckenprofil besonders krass und der Sport-Grantler muss den Organisatoren sagen, „ihr habt aber auch gar nichts gelernt“. Die Tour der Leiden ist in diesem Jahr nichts anderes als ein Aufruf zur „Doping-Tour“. Das Motto ist wohl, „nun schluckt mal schön“ damit die Fahrer die Rundfahrt, die als „großes Kletterfestival“ bezeichnet wird, auch überstehen.

Es ist schon seltsam, der Radsport hat die Dopingskandale der letzten Jahre noch nicht richtig in den Griff bekommen, aber Fahrer und Funktionäre tun so, als wäre alles in Butter und alle sauber. Man möchte ja vor allem den deutschen Fahrern glauben, dass sie ihre Erfolge ohne Hilfsmittel erzielen. Andererseits haben wir schon genug Enttäuschungen erlebt und hieß es nicht immer, ohne Hilfsmittel ist die Tour für die Spitzenfahrer gar nicht zu bewältigen? Und jetzt wird mit dem wohl schwersten Kurs aller Zeiten der Kampf gegen Doping quasi ad absurdum geführt. Da sind die Organisatoren wohl auf beiden Augen blind.

Eigentlich hat der Sport-Grantler aufgeatmet, als er die Meldung gelesen hat, dass Favorit Chris Froome im Vorfeld gestürzt ist und nicht in Frankreich starten kann. Nein, man will keine Schadenfreude, wenn ein Sportler verletzt ist, aber im Fall des Engländers gibt es jetzt bei der Tour einen zweifelhaften Favoriten weniger, einer, dem Doping nicht nachgewiesen wurde, der aber den Verdacht nicht wirklich entkräften konnte. Er leidet unter Asthma und fährt deshalb besonders stark. Alles klar?

Bezeichnend auch, dass die Mannschaft von Sky in den letzten Jahren bei der Tour dominierend war und seit 2012 den Sieger stellte, aber immer auch von Dopinggerüchten begleitet war. Die britische Mannschaft geht jetzt unter neuem Namen an den Start, Multimilliardär Jim Ratcliffe sponsert das Team, das jetzt den Namen seines Chemie-Unternehmens trägt, nämlich Ineos. Chemie, das passt wie die Faust aufs Auge, da kann man sich vorstellen, wie es vor einer gefürchteten Berg-Etappe im Team zugeht: Morgens heißt es „gib mir doch eine Pille, damit ich am Nachmittag vorn dabei bin, aber am Abend bei der Dopingkontrolle nichts mehr zu finden ist“. So läuft es doch, oder?

Die Zahlen sind ja wirklich beeindruckend, 21 Etappen, 3480 Kilometer ab Samstag von Brüssel nach Paris (Ziel am 28. Juli), 22 Teams, 176 Fahrer und 30 Berge der schwersten Kategorie sowohl in den Pyrenäen als auch in den Alpen, 5 Bergankünfte gibt es.

Deutsche Fahrer sind natürlich auch wieder dabei, elf an der Zahl, sie schielen aber eher auf Etappensiege als auf die Gesamtwertung. Die Zeit der deutschen Sprintsiege dürfte allerdings vorbei sein, selbst Andre Greipel rechnet sich nicht viel aus. Bergspezialist Emanuel Buchmann, vom deutschen Team Bora-hansgrohe, fährt dagegen aufs Gesamtklassement und will in die Top Ten, Nils Politt (Katusha Alpecin) und Maximilian Schachmann (Bora-hansgrohe) gelten als Etappenfahrer und wollen auf welligen Etappen überraschen. So weit zum Sport, doch bei allen Erfolgen bleiben leider auch Fragen. Dennoch: Die Tour de France ist nicht einmal durch Dopingskandale tot zu kriegen, die einzigartige Atmosphäre hält Jahr für Jahr genügend Fans in ihrem Bann.