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Tag: Alexander Nübel

Zwei Niederlagen und doch Hoffnung für die Zukunft

Die sommerlichen Temperaturen dämpften sicherlich ein bisschen die Begeisterung und doch war Deutschland in den vergangenen Wochen wieder eine Fußball-Nation. Die TV-Einschaltquoten bestätigten dies. Doch der krönende Abschluss fehlte leider. Die Frauen schieden bei der Weltmeisterschaft im Viertelfinale gegen Schweden aus, die U21 konnte ihren Titel bei der Europameisterschaft nicht verteidigen und unterlag im Finale Spanien. Zwei Niederlagen also und doch bleibt für beide Mannschaften einige Hoffnung für die Zukunft.

Wer war jetzt näher dran am Erfolg? Zweifellos die U21, denn die stand im Finale, aber beim 1:2 gegen Spanien fehlte das Spielglück, aber der Gegner war auch den Tick besser, routinierter, mit wenigen Fehlern und schaffte so die Revanche für die Finalniederlage vor zwei Jahren. Beim ersten Gegentor patzten gleich mehrere Abwehrspieler, beim zweiten der bis dahin überragende Torhüter Alexander Nübel, als er einen Ball abprallen ließ, den er eigentlich festhalten muss. Der junge Schalker vergoss danach Tränen, aber er hat ein großes „Vorbild“ im Leid, wenn er sich an Oliver Kahn erinnert, der bei der Weltmeisterschaft 2002 in Südkorea zum besten Torhüter und besten Spieler des Turniers gewählt wurde, dann aber im Finale so einen Ball eben auch abprallen ließ, Ronaldo das Tor ermöglichte und damit die Final-Niederlage einleitete. Geschichten wiederholen sich also, Wiederholt sich Geschichte dann auch in einer großen Karriere für Alexander Nübel? Er erinnert stark an einen anderen überragenden Torhüter, an Manuel Neuer.

Interessant, dass im Vorfeld des Finales die Öffentlichkeit vor allem darüber spekulierte, welcher der 23 Spieler aus dem EM-Kader denn eine große Karriere machen könnte. Wer tritt in die Fußstapfen der Neuer, Hummels, Khedira oder Özil, die einst mit der U21 Europameister wurden. Für eine große Karriere reicht aber Talent allein nicht, man braucht Einsatz, Willen und ein wenig Glück und Verstand, zum Beispiel bei der Karriereplanung. Eine ganze Reihe der Jungen, die bei der EM hätten spielen können, sind bekanntlich bereits Stammspieler bei Joachim Löw. Anklopfen dürfte Torjäger Luca Waldschmidt, der mit sieben Treffern die Torjägerkanone gewann. Tah und Klostermann gehören schon zum Kreis des A-Teams, Maximilian Eggestein, Henrichs und Dahoud sind im Visier, Amiri meldet Ansprüche an, bei allen anderen wird man sehen. Einige der EM-Teilnehmer haben ja das große Los gezogen, denn sie könnten altersmäßig auch bei Olympia 2020 in Tokio spielen. Das Halbfinale war die Eintrittskarte.

Bei der Frage nach der Zukunft spielt auch Trainer Stefan Kuntz eine Rolle. Er hat mit seiner Arbeit für sich geworben, lässt vergessen, dass er eigentlich als Trainer und Funktionär schon als gescheitert galt. Jetzt ist er sogar als möglicher Nachfolger von Jogi Löw im Gespräch, weil er zeigte, dass er mit Spielern gut umgehen kann, gute Laune verbreitet und sich in der Öffentlichkeit gut verkauft. Sein Vertrag läuft vorerst bis nach Olympia, DFB-Manager Oliver Bierhoff will ihn auf jeden Fall länger halten. Was die Hoffnung angeht, da bestehen für einige jüngere Nachwuchsteams des DFB Zweifel, da waren zuletzt kaum Erfolge zu verzeichnen.

Gehalten werden soll auch die Bundestrainerin der Frauen, Martina Voss-Tecklenburg. Sie ist ja recht kurzfristig ins Boot geholt worden und hat trotz des Aus im Viertelfinale in ihrer Arbeit schon mal Zeichen gesetzt, wenn auch nicht alles geklappt hat. Es war eigentlich abzusehen, dass die routinierten und abgezockten Schwedinnen die besseren Karten in der Hand hatten gegen das junge deutsche Team und auch das Omen sprach gegen die Deutschen, die 24 Jahre lang gegen Schweden in Turnieren nicht mehr verloren hatten. Wir wissen es und die Skandinavierinnen wussten es, jede Serie reißt einmal. Deshalb war ihr Ehrgeiz auch besonders groß.

Was der deutschen Mannschaft fehlte, war in den entscheidenden Phasen mehr echte Führungspersönlichkeiten, die allein in Alexandra Popp zu finden ist, abseits des Feldes auch Torhüter Almuth Schult, doch damit hat es sich schon. Dzsenifer Marozsan als große Hoffnungsträgerin (trotz gebrochenen Zeh) kann diese Rolle nicht spielen. Die Mädchen kompensierten die Vakanz mit erhöhtem Einsatz und hatten auch das nötige Spielglück auf dem Weg ins Viertelfinale, doch ab da wird es eng in der Weltklasse. Deutschland ist noch Weltklasse, aber nicht mehr die Nummer 1, die beansprucht die USA für sich, siehe Weltrangliste. Andere Nationen haben aufgeholt, England, die Niederlande, Spanien und Italien stehen mit dem DFB-Team auf einer Stufe. Frankreich ist sogar stärker einzuschätzen, musste aber wie Deutschland die bittere Pille schlucken, dass Olympia ohne die große Nation stattfindet. Pech beim Spielplan mit den USA als Stoppschild.

Für den Frauen-Fußball in Deutschland ist die Absenz bei Olympia besonders bitter, weil wieder eine Werbemöglichkeit verloren geht. 7,9 Millionen Zuschauer (43,2 Prozent Marktanteil!, das Finale der U21 sahen 9,2 Mill., 32,2 %)) bangten mit den Mädchen, aber sie werden nicht zu alltäglichen Fans, die zum Beispiel die Spiele der Bundesliga sehen wollen. Da verlieren sich im Schnitt rund 900 Besucher auf den Rängen. So bleibt also die Hoffnung, dass die junge Mannschaft Routine und die eine oder andere Verstärkung gewinnt (wichtig vor allem in der Abwehr) und bald wieder das nötige Spielglück bis ins Finale hat. Der Bundestrainerin ist für die Mannschaft auch ein glückliches Händchen zu wünschen.

Zwei Niederlagen für deutsche Nationalmannschaften, aber beide Teams geben dennoch zu Hoffnungen Anlass.

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Dortmund, Bayern, Abstieg: Zeichen und Weichen

Die Einschaltquoten im deutschen Fernsehen sprechen eine deutliche Sprache: Die Handball-Weltmeisterschaft schlägt die Fußball-Bundesliga in Sachen Aufmerksamkeit. 7,87 Millionen Zuschauer sahen am Samstag (20.30 Uhr) den Auftakt der DHB-Auswahl in der WM-Hauptrunde, „nur“ 6,69 Millionen verfolgten dagegen am Freitag (20.30 Uhr) den Auftakt der Bundesliga-Rückrunde zwischen Hoffenheim und Bayern München und 6,55 Millionen interessierten sich am Samstag (18.30 Uhr) in der ARD-Sportschau für die Zusammenfassung der Spiele, dies allerdings ist eine beachtliche Zahl. Der Fußball kann auch gut mit der vorübergehenden Nummer zwei leben, denn der Handball hat wie Basketball und Eishockey das Problem, dass nur die Nationalmannschaften eine breite Öffentlichkeit interessieren, wobei dafür auch unbedingt der sportliche Erfolg notwendig ist (siehe Silber im Eishockey bei Olympia). Die nationalen Punktrunden sind dagegen nur eine Angelegenheit für echte Fans dieser Sportarten.

Die Fußball-Bundesliga ist aber fast schon ein nationales Ereignis, der Fußball bestimmt die Stammtische oder modern eben die sozialen Medien. Gerade zum Rückrunden-Start bietet die Bundesliga aber auch wieder viel Gesprächsstoff, zum Beispiel über die Titeljagd zwischen Borussia Dortmund und Bayern München oder den Kampf gegen den Abstieg. Hier wie dort gab es Zeichen, es wurden aber – obwohl noch 16 Spieltage ausstehen – auch Weichen gestellt.

Im Titelrennen sorgten die Bayern für die logische Kampfansage, der Spitzenreiter aus Dortmund sendete aber als Antwort ein deutliches Zeichen: Ein 1:0-Sieg beim Verfolger RB Leipzig und das mit einer Not-Abwehr und ohne den angeblich eigentlich unentbehrlichen Kapitän Marco Reus. Ein Zeichen, dass die Westfalen so leicht nichts aus der Fassung bringt, ein Zeichen aber auch, dass der Spitzenreiter über einen zweiten Anzug verfügt der passt, dass also ein ausgeglichener breiter Kader kein Alleinstellungsmerkmal der Münchner ist. Da schmerzt es die Bayern sicherlich, dass Leipzigs Mittelfeldmotor Kevin Kampl zu dem Schluss kam: „So ist Dortmund schwer aufzuhalten.“

Dabei hatten die Münchner in Hoffenheim alles getan, um Dortmund unter Druck zu setzen. Eine beeindruckende erste Halbzeit mit einem Gastgeber ohne Chance, ein starke Antwort auf eine Schwächephase mit einem glänzend herausgespielten entscheidenden 3:1 über James, Müller und Lewandowski. Ein Zeichen aber auch intern, als in der Abwehr Mats Hummels den Vorzug vor Jerome Boateng bekam und Trainer Niko Kovac den jungen Niklas Süle als „Nummer 1“ adelte. Dazu überraschte Kovac mit dem Schachzug Leon Goretzka auf der Position als Zehn aufzubieten. Der Ex-Schalker dankte es mit zwei Toren und sorgte damit dafür, dass der Trainer Lob erntete und seine Position in Verein und Öffentlichkeit festigte, nach dem Motto, er kann es ja doch. Der Abstand blieb halt dennoch bei sechs Punkten, aber der Spannung schadet dies (vorerst?) nicht, es bleibt interessant. Am kommenden Wochenende legt Dortmund gegen Hannover vor, die Bayern müssen am Sonntag gegen Stuttgart nachziehen. Sollte sich am Abstand etwas ändern, wäre dies eine Sensation. Doch Vorsicht: Stuttgarts Trainer Markus Weinzierl konnte die Bayern mit Augsburg schon ärgern!

An der Tabellenspitze wurden Zeichen gesetzt, im Abstiegskampf Weichen gestellt. Auffällig, dass die letzten vier Mannschaften allesamt ihre Heimspiele verloren. Damit hat sich der Abstand nach oben vergrößert und es sieht ganz danach aus, dass Nürnberg, Hannover, Stuttgart und Augsburg die zwei Absteiger und den Teilnehmer an der Relegation unter sich ausmachen. Eine Siegesserie, die den einen anderen (Düsseldorf oder Freiburg zum Beispiel) in Gefahr bringen könnte, ist natürlich immer möglich, aber derzeit deutet nichts darauf hin. Kein Wunder, dass in Nürnberg über Aufstiegs-Trainer Michael Köllner diskutiert wird, während in Hannover nach Medien-Meldungen Andre Breitenreiter schon vor der Ablösung steht. Stuttgart hat das Mittel des Trainerwechsels schon angewendet, die Hilflosigkeit aber nicht abgelegt. Vor allem in der Abwehr hapert es ohne den verletzten Weltmeister Pavard, jetzt soll ein 18-Jähriger der Retter sein, das türkische Abwehrtalent Ozan Kabak von Galatasaray Istanbul. Ob das funktioniert?

In Augsburg ist von Trainer-Wechsel oder neuen Spielern (vorerst?) nicht die Rede, aber Coach, Spieler und Manager verstehen die Welt nicht mehr, trotz Trainingslager, trotz aller Bemühungen passieren wieder die gleichen Fehler wie in der Vorrunde. Selbst der Ärger über den Brasilianer Caiuby, der sich eigenmächtig Urlaub genehmigte, dem Trainingslager fernblieb und bis heute nicht auftauchte, wurde mit ins neue Jahr genommen. Im wegweisenden Spiel gegen Fortuna Düsseldorf sorgten Fehler und Unaufmerksamkeiten für eine 1:2-Niederlage, statt wenigstens einen Punktgewinn zu sichern. Die Fehlerquote zieht sich genauso durch die ganze Saison wie vielfaches Lob über das spielerische Vermögen des FCA. Doch Punkte gibt es dafür nicht. Möglicherweise sind die Augsburger am Ende der Absteiger mit dem größten Lob.

Für eine Wende beim FCA konnte auch der dritte Torhüter in dieser Saison nicht sorgen, Hoffenheims Nummer 2, Gregor Kobel, wurde bekanntlich ausgeliehen, erlitt aber ein frustrierendes Debüt mit zwei Gegentreffern und ohne Gelegenheit sich auszuzeichnen. Kollege Alexander Nübel hatte es da auf Schalke besser. Überraschend hatte er von Trainer Domenico Tedesco den Vorzug vor Stammtorhüter und Kapitän Ralf Fährmann erhalten und der Nationaltorhüter der U21 dankte es mit großartigen Paraden und hielt den 2:1-Sieg gegen Wolfsburg fest. Tedesco erinnerte sich wohl daran, dass Nübel den damals verletzten Fährmann großartig vertreten hatte und Schalke Punkte holte. Da wird auch ein Trainer ein bisschen abergläubisch. Tedesco setzte ein Zeichen, Schalke stellte die Weichen für eine Tendenz nach oben. Ebenso ein Zeichen von Hertha BSC Berlin, das mit dem 3:1-Sieg in Nürnberg deutlich machte, dass man den Fluch einer schwachen Rückrunde ablegen und im Kampf um die Plätze in Europa mitmischen will. Auf weitere Zeichen und Weichenstellungen können wir auch in den nächsten Runden warten.