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Tag: Alpine Ski-Weltmeisterschaft

Alpine Ski-WM: Aufgeführt werden „Die Zwei“

Es gab einst eine beliebte Krimi-Serie, die hieß „Die Zwei“ mit Roger Moore und Tony Curtis in den Hauptrollen. Zumindest der Titel lebt jetzt bei der Alpinen Ski-Weltmeisterschaft vom 5. bis 17. Februar in Are/Schweden wieder auf. Egal ob bei der Zahl der Favoriten oder im deutschen Team die Zahl der aussichtsreichen Athleten – aufgeführt werden „Die Zwei“.

Da sind zum Beispiel die zwei großen Favoriten: Marcel Hirscher ist der beherrschende Fahrer bei den Herren, Mikaela Shiffrin dominiert das Geschehen bei den Damen. Der Österreicher Hirscher muss sich als Techniker allerdings mit einer vergleichsweise bescheidenden Medaillen-Aussicht zufrieden geben, aber Gold in seiner Paradedisziplin Slalom und außerdem im Riesenslalom sind wie vor zwei Jahren in St. Moritz wieder möglich. Die Amerikanerin Mikaela Shiffrin ist da ein Stückchen weiter, sie hat sich in diesem Jahr im Weltcup vorgenommen, in allen Disziplinen an den Start zu gehen. Was in der heutigen Zeit fast als unmöglich schien, hat sich aber bewahrheitet: Shiffrin ist überall gut und könnte also rein theoretisch alle Goldmedaillen einsacken. Was allerdings sicherlich nicht passieren wird. Nur eine einzige wäre für sie allerdings fast schon eine Enttäuschung! Achten wir also auf „Die Zwei“.

Auch in der deutschen Mannschaft gibt es „Die Zwei“. Da haben wir zum Beispiel inzwischen zwei Damen, die für vordere Plätze, also auch für eine Medaille, gut sind, nämlich neben der bisherigen „Alleinherrscherin“ Viktoria Rebensburg plötzlich jetzt auch die 22-Jährige Kira Weidle, die vordere Plätze einfuhr. Ein gutes Omen für die Abfahrt am Sonntag, 10. Februar: Bei der Junioren-WM 2017 in Are holte Weidle Bronze. Wiederholen bitte! Bei den Herren blieben auch nur „Die Zwei“ übrig, allerdings mit Einschränkungen: Der eine ist Routinier Felix Neureuther, der mehr mit seinem Körper und Verletzungen zu kämpfen hat als mit Pisten und Konkurrenz. Er hofft, dass er noch rechtzeitig seine Form findet und vielleicht noch einmal den „Retter“ spielen kann, so wie vor zwei Jahren als er mit Bronze die einzige deutsche Medaille ergatterte. Danach könnte Schluss sein, denn bei den letzten Weltcup-Rennen sah alles nach einer Abschiedstournee des 34-Jährigen aus. Er wurde unabhängig seiner Platzierungen vom Publikum mit „Standing Ovations“ gefeiert, gemäß dem Motto, es könnte ja das letzte Mal sein, dass der beliebte Sohn von Rosi Mittermaier und Christian Neureuther auf der Piste zu sehen war.

Der Zweite ist Speedfahrer Josef Ferstl, der sensationell in Kitzbühel den Super G gewann, also in die erste Reihe rückte. Dahinter tut sich eine Lücke auf, weil wieder einmal das Verletzungspech zugeschlagen hat. Vor allem Thomas Dreßen, der ebenso sensationelle Abfahrtssieger von Kitzbühel vor einem Jahr liegt ebenso flach wie der hoffnungsvolle Andreas Sander. Dagegen befinden sich die Techniker Linus Straßer, Stefan Luitz, Fritz Dopfer und Dominik Stehle in einem seltsamen Formtief. Zumindest einer von ihnen sollte doch die Nachfolge von Felix Neureuther antreten. Ob das noch gelingt?

Der Deutsche Ski-Verband befindet sich im Dilemma. Eigentlich sollte es aufwärts gehen, doch alle Bemühungen scheinen im Schnee stecken zu bleiben. Passend zur alpinen Sportart heißt es „runter geht es schnell, aber bergauf geht es langsam“. Die einst glorreichen Zeiten kommen (wenn überhaupt) so schnell nicht wieder. Dabei war Sportdirektor Wolfgang Maier vor der Saison doch so zuversichtlich: „Im Nachwuchsbereich holen wir Medaillen, also muss Substanz da sein“. Auch der neue Damen-Trainer Jürgen Graller aus Österreich konnte bis jetzt nicht helfen, dass es schnell bergauf geht, um besonders schnell den Berg runter zu kommen.

Andere Nationen haben da weniger Sorgen, sie sorgen sich höchstens darum, den Österreichern Platz eins im Medaillenspiegel streitig zu machen oder die Österreicher darum, nicht die Nummer 1 zu werden. Das würde sie ärgern. In St. Moritz 2017 holten die Österreicher neun Medaillen (3 Gold, 4 Silber, 2 Bronze) und lagen damit vor der Schweiz (7/3-2-2) und Frankreich (2/2-0-0). Der DSV lag mit einer Bronzemedaille auf Rang elf und hat vor allem ein Ziel: Nur nicht leer ausgehen. Eigentlich sollten es zwei werden…

Die nächsten interessanten Weltmeisterschaften im Winter: Nordische Ski-WM vom 20. Februar bis 3. März in Seefeld/Österreich, Biathlon-WM vom 7. bis 17. März in Östersund/Schweden.

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Eine WM ist eine WM – oder doch nicht?

Wenn eine Weltmeisterschaft (WM) auf dem Programm steht, dann erwarten Sportfans eigentlich, dass sich die besten Sportler der Welt im Kampf um den Titel messen. Aber weit gefehlt. Eine Weltmeisterschaft dient den meisten (ob es alle sind, weiß der Sport-Grantler nicht) Kontinentalverbänden unter anderem auch dazu, dass sich alle ihre nationalen Mitgliederverbände der ganzen Welt zeigen können. Also gilt nicht das sportliche Leistungsprinzip, sondern die Werbung. So ist eine WM zwar eine WM – aber eigentlich auch wieder nicht.

Bei den alpinen und nordischen Ski-Weltmeisterschaften in den letzten Tagen und Wochen sind die Exoten wieder aufgetaucht. Sportler, die teilweise sogar zum ersten Mal auf Skiern standen – aber bei einer Weltmeisterschaft starten dürfen. Ein Hohn! Die tollen Abfahrer versuchen im Schneepflug den Hang zu meistern, einfach lachhaft, da amüsieren wir uns schon auf den Pisten der Freizeitsportler. Ist das wirklich einer Weltmeisterschaft würdig? Machen solche linkischen Sport-Versuche den Spitzensport nicht unglaubwürdig? Beruhigend ist nur eines: Diese Athleten sind mit Sicherheit nicht gedopt.

Es wäre aber angebracht, dass bei den Verbänden ein Umdenken stattfindet. Um das Teilnehmerfeld zu begrenzen, dürfen meist nur vier Athleten von einer Nation starten, damit eben auch die Anfänger aus exotischen Ländern ihren Startplatz bekommen. Da kann es dann eben sein, dass Spitzenleute zu Hause bleiben müssen, weil es Nationen gibt, die mehr als vier Athleten haben, die um die Medaillen mitkämpfen können bzw. könnten. Der Weltmeister oder die Weltmeisterin darf sich freuen, weil gute Konkurrenten oder Konkurrentinnen notgedrungen zuschauen müssen. Manchmal ist es eben leichter, bei einer Weltmeisterschaft zu gewinnen als bei einem beliebigen Weltcuprennen. Ist das wirklich der Sinn einer Weltmeisterschaft?

Der Fußball trat in etwa auch in diese Fußstapfen. Die Aufblähung des Teilnehmerfeldes einer WM auf 48 Nationen diente ja vor allem dazu, dass möglichst viele Länder mitmachen können, denen dies bisher verwehrt wurde. „Wir haben mehr Nationen mit Interesse an der WM“, frohlockt FIFA-Präsident Infantino und übersieht (siehe frühere Kommentare), dass der sportliche Wert sinkt. Es ist doch traurig, dass die Fußball-Weltmeisterschaft künftig erst richtig beginnt, wenn es K.o.-Spiele gibt, wenn die besten Nationen dann wirklich unter sich sind. Wollte man das Niveau verbessern, wäre eine Reduzierung des Teilnehmerfeldes die bessere Lösung. Doch dafür würde der Präsident keine Wahlstimmen bekommen. Der Sport ist ja nur Mittel zum Zweck.

So werden wir in allen oder zumindest vielen Sportarten weiter damit leben müssen, dass eine Weltmeisterschaft keine wirkliche Weltmeisterschaft ist. Dass es eine Bühne für Exoten gibt, passt besser zu den Olympischen Spielen, wo sie ja auch aufkreuzen. Dort aber gibt es bekanntlich das Motto „teilnehmen ist wichtiger als siegen“. Da passt es eigentlich, obwohl die Teilnahme allein den Spitzensportlern natürlich schon immer nicht genügt hat. Andererseits hat aber Olympia seinen besonderen Reiz für die Spitzensportler, weil dieses Fest nur alle vier Jahre stattfindet. Olympiasieger bleibt man ewig, Weltmeister ist man nur bis zur nächsten Weltmeisterschaft. Was zeigt: Weniger kann mehr sein. Nur: Funktionäre sehen das nicht so.

Winter-Könige und Yetis

Schade, dass es in diesem Jahr keine Olympischen Winterspiele gibt, deutschen Athletinnen und Athleten wäre ein Medaillensegen gewiss gewesen. Allerdings glänzen sie nicht in allen Sportarten. So gibt es Winter-Könige (oder Königinnen), die der Konkurrenz das Fürchten lehren, aber auch Yetis, Sportler, die kaum vorne zu sehen sind und deshalb teilweise als Fabelwesen oder Schneegeister wahrgenommen werden.

Da wir also alle auf Olympia bis 2018 in Südkorea warten müssen, konzentrieren sich die Wintersportler auf ihre Weltmeisterschaften und da ist der Februar der Monat der Entscheidungen, quasi also der Ersatz für Winter-Olympia. Herzstück bei Olympia sind die alpinen Ski-Wettbewerbe und sie werden auch mit ihrer Weltmeisterschaft ab Montag, 6. Februar, an der traditionsreichen Stätte in St. Moritz international die größte Aufmerksamkeit bekommen (bis 19. Februar). Die Deutschen wiederum lieben Biathlon (was sich an den Einschaltquoten im Fernsehen ablesen lässt, da schlug Biathlon sogar den Fußball!), aber da ist es gar nicht so glücklich, dass die Biathlon-WM in Hochfilzen parallel zu den Ski-Stars abläuft (9. bis 19. Februar). Aber man kann es ja auch so sehen: Ein bisschen Olympia ist halt doch.

Es gibt allerdings einen gravierenden Unterschied: Bei der WM sind vor allem die Titel begehrt, da zählt schon der zweite Platz nicht so viel, bei Olympia ist das Spektrum größer, da freuen sich die Athleten sogar über einen dritten Platz, auch Bronze ist nämlich eine der begehrten Olympia-Medaillen. Ein WM-Titel ist ein großer Erfolg, ein Olympia-Sieg macht einen Athleten fast unsterblich.

Das Eis können wir fast ausklammern, da sind die Deutschen eher die Yetis, da taucht mal Sprinter Ihle auf oder die Eisschnelllauf-Oma Claudia Pechstein, die aber im Alter eher als Grantlerin von sich Reden macht. In der Eisröhre haben die Rodler ihre Weltmeisterschaft hinter sich und einen Teil ihrer Dominanz eingebüßt, vor allem die Herren um Felix Loch rodelten hinterher, dafür holte sich Tatjana Hüfner mit ihrem fünften Titel einen Rekord. Das Leistungszentrum in Oberhof hat der Medaillenschmiede in Berchtesgaden wieder den Rang abgelaufen. Ein internes deutsches Duell ist da im Gange, das leistungsfördernd sein sollte, aber auch zu Sand im Getriebe führen kann. Dann lässt sich schlecht rodeln. Nach dem einen oder anderen WM-Titel strecken auch Bob und Skeleton die Hand aus.

Im alpinen Ski-Zirkus bleibt den Deutschen eher die Yeti-Rolle. Keine Fabelwesen sind Viktoria Rebensburg bei den Damen und Felix Neureuther bei den Herren, doch die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass Medaillen keine Selbstverständlichkeit sind. Die Hauptrollen sind jedenfalls an andere verteilt, An Marcel Hirscher (Österreich), Kristoffersen (Norwegen), Lara Gut (Schweiz), Mikaela Shiffrin oder Lindsey Vonn (beide USA).

Anders im Biathlon, wo in jedem Rennen ob bei Damen oder Herren die deutschen Farben auf dem Siegerpodest zu sehen sein könnten (aber natürlich nicht müssen). Bei den Herren ist der Franzose Martin Fourcade der Überläufer, aber doch nicht unschlagbar. Bei den Damen hat Laura Dahlmeier die WM als großes Ziel ausgegeben, nicht den Kampf um das Gelbe Trikot. Vor einem Jahr holte die Garmischerin fünf Medaillen, was durchaus wieder möglich wäre, aber ein Alleinstellungsmerkmal wie Fourcade hat sie nicht, da spielen auch Gabriela Koukulova (Tschechien), Kaisa Mäkäräinen (Finnland) und Marie Dorin-Habert (Frankreich) und andere mit. Die Spannung jedenfalls ist so groß, dass die TV-Einschaltquoten in Deutschland wieder stimmen werden.

Den Abschluss des WM-Reigens bilden die Nordischen Weltmeisterschaften vom 22. Februar bis 5. März in Lahti (Finnland). Da werden die deutschen Damen und Herren in der Langlaufspur die Yeti-Rolle übernehmen, die Kombinierer sind jedoch das Gegenteil. Sie haben im Verlauf der Saison bisher alle Einzelwettbewerbe gewonnen und dominieren den Weltcup mit den ersten drei Plätzen (Frenzel, Rydzek, Rießle) in der Gesamtwertung. Das wäre ja ein Ding, wenn sie ausgerechnet bei der WM nicht die erste Geige spielen könnten. Aber Bundestrainer Hermann Weinbuch warnt schon: „Die Norweger werden immer stärker, einen schlechten Tag können wir uns nicht leisten.“ Aber das ist ja der Reiz des Sportes, ein bisschen Ungewissheit bleibt immer, der Traum, dass David den Goliath schlagen kann, ist immer präsent. Und nach den Weltmeisterschaften träumen die Winter-Asse nicht vom Sommer, sondern von Olympia. Garantiert.