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Tag: Alpiner Skisport

Kalter Sommer, weiße Pracht

 

Wenn es kalt wird, läuft der Sport heiß. Dabei war es für die deutschen Sommersportarten auch ein kalter Sommer, zumindest mit einem Blick auf die nur mäßigen Erfolge, zum Beispiel bei den Olympischen Sommerspielen in Rio. Ins Hintertreffen geraten Leichtathletik, Schwimmen und Co. inzwischen aber auch bei der Beliebtheit der deutschen Sportfans. Beleg dafür sind die Einschaltquoten im Fernsehen. Und da freuen sich ARD und ZDF wieder auf den Winter, der ihnen quasi eine weiße Pracht bringt, sprich hohe Einschaltquoten.

Am Wochenende 26./27. November geht es wieder richtig los mit den Wintersportarten. Das ZDF startet mit den Übertragungen am Samstag und Sonntag und ist von ca. 13.00 bis 18.00 Uhr bzw. 13.00 bis 19.00 Uhr auf Sendung. „Immer nur Wintersport, das kann doch nicht sein“, mosern die Nichtsportbegeisterten, übersehen aber, dass an diesen Wintertagen etwa eine Million Zuschauer mehr einschalten als an den sonstigen Wochenenden. Im Schnitt 2,65 Millionen sitzen beim ZDF vor dem Fernseher, 2,43 Millionen zählte die ARD, beides Zahlen weiter über dem Durchschnittswert. Da mag das Wetter mit eine Rolle spielen, Leichtathletik und Co. haben es im Sommer schwerer, die Leute vom Aufenthalt im Schwimmbad oder im Garten abzuhalten.

Eine Hauptrolle spielen aber auch die Erfolge der deutschen Wintersportler, die in vielen Wettbewerben mit um den Sieg kämpfen. Das ist im Sommer nicht so, da bleibt nicht nur die Küche kalt, sondern eben auch das Herz der Sportfans, wenn nur selten um Siege mitgefiebert werden kann. So ist es nun einmal, Sportfans wollen Erfolge feiern und deshalb schwimmt zum Beispiel seit Jahren Biathlon auf einer Sympathiewelle. Die Wettbewerbe sind spannend und die deutschen Frauen und Männer erfolgreich. Da werden Stars geboren wie Magdalena Neuner oder aktuell eben Laura Dahlmeier, die bei der letzten WM fünf Medaillen holte.

Am ersten Wochenende stehen Rodeln, Langlauf, Nordische Kombination, Skispringen, Ski alpin und Biathlon auf dem Programm – deutsche Erfolge wohl inbegriffen. Ja, die Leute schauen sogar Rodeln an, weil eben Felix Loch und andere meist mit vorne rodeln. Die Nordische Kombination findet immer mehr Anhänger, weil die Verfolgung im Langlauf spannend sein kann und deutsche Athleten meist mit um den Sieg kämpfen. Eric Frenzel war zuletzt Weltcupgesamtsieger, Johannes Rydzek Doppel-Weltmeister. Weiße Pracht: 2017 ist wieder ein Jahr der Weltmeisterschaften im Skisport (siehe unten). Die Nordische Ski-WM findet vom 22. Februar bis 5. März im finnischen Lahti statt.

Der alpine Skisport hat ein bisschen an Aufmerksamkeit verloren, weil die deutschen Erfolge an einer Hand abzuzählen sind. Viktoria Rebensburg und Felix Neureuther sind die deutschen Stars mit Podestchancen und Zuneigung der Fans. Mehr Interesse gehört da noch den Skispringern, die in der Vier-Schanzen-Tournee ihren jährlichen Höhepunkt um den Jahreswechsel haben (30. 12. – 6. 1.). Die Einschaltquoten erreichen da Höhen wie sonst nur der Fußball, da werden auch die Biathleten blass. Die „Rentner“ Martin Schmitt und Sven Hannawald sind heute immer noch Stars (und neuerdings auch TV-Experten). Severin Freund will nach einer Hüftoperation bald wieder vorne mitspringen, aber auch Richard Freitag und Andreas Wellinger können vorne dabei sein. Ihr Pech allerdings: Im Vorjahr war der Slowene Peter Prevc der Überflieger schlechthin und kaum zu schlagen. Dennoch: Skispringen boomt.

Nummer eins bleibt allerdings über die Saison hinweg Biathlon. Erstaunlich, dass der deutsche Verband in den letzten Jahren immer wieder für Ersatz sorgen konnte, wenn erfolgreiche Stars in den Ruhestand gingen. Ob bei Frauen oder Männern, in allen Rennen haben deutschen Athleten, angeführt von Laura Dahlmeier und Simon Schempp, die Chance, vorne mitzulaufen. Einschaltquoten jenseits der Vier-Millionen-Grenze sind für ARD und ZDF der Lohn, manchmal werden sogar die Quoten der Formel 1 übertroffen.

Wenn auch das Wetter oft nicht mitspielt, Wettbewerbe verschoben oder ganz abgesagt werden müssen, selten wirklich eine herrliche Schneelandschaft in den Bergen zu finden ist, vom Interesse her bleibt der Wintersport eine „weiße Pracht“.

Weltmeisterschaften 2017: Rodel-WM 26. – 29. Januar in Innsbruck, Alpine Ski-WM 6. – 19. Februar St. Moritz, Biathlon-WM 9. – 19. Februar Hochfilzen, Bob/Skeleton 13. – 26. Februar Sotschi, Nordische Ski-WM 22. Februar – 5. März Lahti.

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Der alpine Skisport braucht die Show

 

Kitzbühel hat die Sportfans wieder einmal elektrisiert. Die Abfahrt auf der Streif gilt als die schwerste der Welt – spektakuläre und leider meist auch folgenschwere Stürze inbegriffen. Die Moralisten fordern, dass da nicht mehr gefahren wird, zu gefährlich. Die Sportler selbst gehen offenen Auges die große Herausforderung an und das Publikum ist begeistert. Am Ende sind beide Seiten froh, wenn ein Fahrer gesund wieder unten ist. Hier ist der alpine Skisport auch Show – und die Show braucht der alpine Skisport um sich gegen die Konkurrenz als Wintersport Nummer 1 zu behaupten. In Deutschland zumindest haben die Alpinen ihre Vormachtstellung schon lange gegen Biathlon verloren. Und Biathlon gilt auch als Vorbild, denn dort wurden die Wettbewerbe fernsehgerechter und zuschauerfreundlicher. Biathlon ist spannend, man könnte sagen, dort ist jeder Schuss ein Treffer.

Kitzbühel ist bei den Alpinen eine Ausnahme, ist ein Event, dort tauchen auch die Schönen und Reichen des Showbusiness auf. Wann sonst ist der Sport schon Anlass für eine große Party. Aber nach diesen Anlässen suchen viele Verantwortlichen, denn der Wintersport ist bedroht. Einmal natürlich von der Klimaveränderung. Keiner weiß heute mehr, wann wirklich Winter ist. Umso problematischer ist es, im Vorfeld den Terminkalender zu erstellen. Bisher gehen die Organisatoren im Skiverband noch immer nach dem alten Muster vor. Dabei müssten schon längst langfristige Wetterbeobachtungen einfließen.

Noch mehr aber sollten sich die Funktionäre des Internationalen Ski-Verbandes Gedanken machen, wie der zweifellos attraktive alpine Skisport auch im Bewusstsein der Sportfans die Stellung als Nummer 1 zurückgewinnen kann. Der deutsche Ski-Star Felix Neureuther hat hier kürzlich in einem Interview mit der Bild am Sonntag die Finger in die Wunde gelegt. So kritisierte er, dass es in der Zeit ohne Fußball nach Weihnachten zu wenige Skirennen gibt und die Slalomfahrer bis auf ein Rennen sowieso Pause hatten. Interessant sein Vorschlag, mehr auf Nachtslaloms zu setzen, zum Beispiel jeden Freitag ein Nachtslalom. Die Leute brauchen Kontinuität. Es prägt sich ein, wenn man weiß, Freitag ist wieder Slalom. Auch müssen die Veranstaltungen gekürzt, verdichtet werden. Beispiel Parallelslalom.

Der Parallelslalom gilt heute noch als Experiment, dabei hat er sich schon lange bewährt. Der Kampf Mann gegen Mann bzw. Frau gegen Frau sorgt für zusätzliche Spannung. Es gab spektakuläre Rennen in spektakulärer Umgebung. So wurde die Neujahrsveranstaltung in München am Olympiaberg ein voller Erfolg – wenn sie stattfinden konnte. Auch 2015 gab es wieder eine Absage, weil sich frühzeitig ein Schneemangel abzeichnete. Erste Aufgabe: Die Techniker müssen Möglichkeiten erfinden, dass die Natur überwunden wird und Schnee auch bei wärmeren Temperaturen produziert werden kann. Dann kann der alpine Skisport sich als Show, als Ereignis, als Event verkaufen, mit Nachtslaloms in den Metropolen der Welt, zum Beispiel nicht nur in München, sondern auch in New York, Mailand, London oder Paris.

Die Abfahrer werden sagen, „das gilt für den Slalom, was ist mit uns?“ Setzt sich der Schneemangel fort, dann werden ihre Probleme immer größer. Eine Abfahrtsstrecke mit den entsprechenden Sturzräumen braucht viel Schnee und viele Helfer zur Präparierung. Doch ihre Show wird nicht sterben, in Kitzbühel liegt immer mal Schnee, das wird so bleiben. Die Frage ist später vielleicht einmal, wann…