Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: Angelique Kerber

Viele offene Fragen sorgen für Spannung 2019

Es gibt keine Olympischen Spiele und keine Fußball-Weltmeisterschaft – 2019 ist wieder eines dieser „Zwischenjahre“ ohne die ganz großen Ereignisse. Das Sportjahr 2019 verspricht aber dennoch Spannung, denn es stehen viele offene Fragen im Raum und außerdem bleibt es immer spannend, zu verfolgen, mit welchen kruden Ideen manche Funktionäre die Öffentlichkeit suchen. So ist eine der interessanten Fragen, ob FIFA-Präsident Infantino es schafft, den Fußball für viel Geld (wohl auch in die eigene Tasche) zu verkaufen…

Aber bleiben wir bei den sportlichen Fragen. Sie betreffen zum Beispiel die deutschen Fußball-Nationalmannschaften. Die Frauen haben eine neue Trainerin, die Männer noch ihren alten Coach. Die Frauen sind bei der Weltmeisterschaft vom 7. Juni bis 7. Juli in Frankreich gefordert und die „Neue“ wird sich beweisen müssen. Martin Voss-Tecklenburg soll nach dem Tiefpunkt unter Steffi Jones wieder an die Erfolge von Silvia Neid anknüpfen, der Titelgewinn wäre allerdings eine unerwartete Krönung. Da hat es Jogi Löw leichter, von ihm und seiner Mannschaft wird nur die problemlose Qualifikation zur Europameisterschaft 2020 verlangt. Nun gut, das sollte gegen die Niederlande, Weißrussland, Estland und Nordirland gelingen, da Platz zwei reicht. Allerdings sind da Siege nicht alles, sondern es soll auch eine Weiterentwicklung der DFB-Elf zu alter Stärke erkennbar werden, zum Beispiel mit einer erfolgreichen Revanche gegen die Niederlande. Wird am Ende des Jahres Löw wieder zum „Erfolgstrainer“ werden oder ist er dann endgültig gescheitert? Spannend.

Offene Fragen machen aber auch andere große Sportarten bzw. Meisterschaften und Turniere spannend. So schauen nicht nur die deutschen Tennis-Fans auf Angelique Kerber, welche Stellung 2019 in ihrem Auf und Ab einnimmt, 2016 schoss Kerber mit zwei Grand-Slam-Siegen nach oben, 2017 verzweifelte sie, 2018 gewann sie Wimbledon. 2019 wollen wir sie nicht verzweifelt sehen… Auch die Golf-Fans schauen gespannt auf das neue Jahr, nachdem Hero Tiger Woods sein Comeback als Turniersieger feiern konnte. Schafft er jetzt auch das Sieges-Comeback bei einem Major-Turnier? Vier Siege fehlen ihm hier noch zur Unsterblichkeit. Wenn nur die Gesundheit mitspielt.

Ansonsten bietet auch 2019 alle Welt- Europameisterschaften von den Verbänden, die auf die jährliche Ausrichtung nicht verzichten wollen, die Biathlon und Eishockey zum Beispiel. Einige Highlights stechen zudem hervor, so ist ein ungerades Jahr immer ein WM-Jahr im Wintersport, vorrangig die alpine Ski-WM vom 5. bis 17. Februar in Are/Schweden und die nordische WM vom 22. Februar bis 2. März im österreichischen Seefeld. Den Start an attraktiven WM-Turnieren macht aber Handball mit der Weltmeisterschaft vom 10. bis 27. Januar in Dänemark und Deutschland. Da träumen deutsche Fans schon wieder von einem Wintermärchen wie 2007, als Deutschland Weltmeister wurde. Heiß wird es bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft, die vom 27. September bis 6. Oktober in Doha/Katar ausgetragen wird. Wieder also ein Verband, der in die Fänge der Pedro-Dollars der Scheichs geriet. Manche Wettbewerbe werden wegen der zu erwartenden Hitze erst um Mitternacht unserer Zeit entschieden.

Am Anfang des Sportjahres steht wie immer auch der Super Bowl, das Finale der American-Football-Profiliga NFL, eines der größten Sportereignisse der Welt, TV-Quoten-Hit in den USA. Ausgetragen diesmal in Atlanta. Die Formel 1 möchte auch gern ein Weltereignis sein, gastiert deshalb überall in der Welt. Deshalb bietet sie diesmal auch etwas Besonderes, nämlich 21 Rennen vom 17. März in Melbourne bis 1. Dezember (Finale spät wie nie) in Abu Dhabi. Aktualisiert wird wieder das technische Reglement, eine offene Frage ist, ob es mal wieder einen neuen Weltmeister gibt, zum Beispiel bei einem Comeback von Ferrari.

Bei allen nationalen und internationalen Meisterschaften werden uns die Schattenseiten des Sports auch 2019 wieder begleiten. Die Doping-Diskussion wird nicht enden, wir dürfen aber auch nicht glauben, dass ein entscheidender Durchbruch zu mehr Ehrlichkeit und Gerechtigkeit gelingt. Eine offene Frage für alle ist doch immer, ist der Sieger gedopt oder nicht? Ähnliches gilt auch für das Wirken der Sport-Funktionäre, die immer noch nicht eingesehen haben, dass der Sport vor allem den Menschen, den Fans, gehört und nicht einigen abgehobenen und geldgierigen Funktionären und Milliardären, die sich im Glanze des Sportes präsentieren wollen. Auch die Hooligans mit ihren Schlägertruppen werden uns weiter beschäftigen, schlimmstenfalls wird der Sport sogar Zielscheibe des Terrors. Auch der Spitzensport ist schließlich Teil einer immer unsicherer werden Welt. Da hilft nur Aufmerksamkeit oder aber ein gewisser Verdrängungsmechanismus, der uns eins lässt: Den Spaß am Sport.

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Lernprozess in der Schule des Sports

Innerhalb weniger Stunden musste der deutsche Sport zwei schwere Niederlagen hinnehmen. Die Handballer verspielten das erhoffte Halbfinale bei der Europameisterschaft in Kroatien mit einem fast schon peinlichen 27:31 gegen Spanien, die Tennisspielerin Angelique Kerber verpasste das Finale der Australian Open nach einem 3:6, 6:4, 7:9 gegen die Nummer 1 der Welt, Simona Halep aus Rumänien. Kerber sank auf die Knie, aber sie durfte den Court erhobenen Hauptes verlassen. Zwei Niederlagen der unterschiedlichen Art, zwei Niederlagen die einen Lernprozess in der Schule des Sports deutlich machen.

Bleiben wir zuerst auf der positiven Seite. Angelique Kerber stand ganz oben in der Tennis-Welt, erlebte ein Traumjahr 2016 mit zwei Siegen bei Grand-Slam-Turnieren, wurde die Nummer 1 und lernte ein Jahr die Schattenseiten des Sports kennen. Keine Siege mehr, qualvolle Turniere, nervtötende Niederlagen – ein Absturz. Nicht mal mehr in Deutschland war sie die Nummer 1, in der Welt nur noch die Nummer 22. „Ich habe viel gelernt“, sagt die 30-jährige heute, nachdem für sie wieder die Sonne scheint. Sie hat ihr Leben wieder umgekrempelt, einen neuen Trainer, neuen Schwung und wieder Selbstbewusstsein. „Ich weiß, dass ich heute wieder gewinnen kann.“ Niederlagen muss man annehmen, aus Niederlagen kann man lernen, das ist der Lernprozess in der Schule des Sports.

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft war auch ganz oben, Europameister 2016. Da blühen dann die Träume, die von einer Medaille bei der Weltmeisterschaft 2019 im eigenen Land (zusammen mit Dänemark), die vom Gold bei den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio. Die Träume sind natürlich nicht geplatzt, aber beim Handball-Bund ist man sich bewusst, dass Träume auch Schäume sein können, das sagt die Schule des Lebens.

Bei der Handball-Nationalmannschaft spielt der Bundestrainer immer eine besondere Rolle. Besondere Erfolge wechseln sich mit peinlichen Niederlagen ab. Erfolgstrainer wie die Handball-Legende Heiner Brand oder zuletzt der Isländer Dagur Sigurdsson bleiben nicht ewig. Der neue Bundestrainer Christian Prokop galt als Hoffnungsträger, wurde für 500.000 Euro aus dem laufenden Vertrag vom Bundesligisten Leipzig freigekauft und er erhielt einen Fünfjahresvertrag. Zweifel gab es also nicht, nach dem frustrierenden Aus gegen Spanien bei der Europameisterschaft in Kroatien schon. Das Ziel Halbfinale wurde verfehlt, schlimmer noch, die Leistungen der deutschen Mannschaft waren zeitweise katastrophal, „Verkörperte Verunsicherung“ hieß eine Schlagzeile, von Schwung war nichts zu sehen. „Reifeprüfung gleich beim ersten Mal“ hieß es vor dem Turnier, „nicht bestanden“ muss es nach dem Turnier heißen. Christian Prokop befindet sich mitten im Lernprozess in der Schule des Sports.

Der 39-jährige Bundestrainer muss lernen und er hat schon beim Turnier gezeigt, dass er lernwillig ist. Seine Kader-Zusammenstellung für Kroatien sorgte für Kopfschütteln, den größten Fehler, nämlich Abwehrchef Finn Lemke nicht zu nominieren, korrigierte er schnell. Doch er schaffte mit diesen Entscheidungen die Basis für die Verunsicherung, er schuf kein Team, das mit Begeisterung den Grundstein für Siege legen kann. Ganz im Gegenteil, auch im Mannschaftsgefüge taten sich offensichtlich Risse auf, Prokop soll wutentbrannt sogar ein Training abgebrochen haben. Keine guten Voraussetzungen für Erfolge. Ein Lernprozess.

Der Handball-Bund will sowohl am Trainer als auch am DHB-Vize Sport Bob Hanning, der sich oft weit aus dem Fenster lehnt, festhalten. Siehe Angelique Kerber, „aus Fehlern müssen wir lernen“, heißt es im Handball. Die Talente für große Erfolge sind da, sie müssen aber auch in die richtigen Bahnen gelenkt werden, sie brauchen Vertrauen und keine Verunsicherung. Auch das ist ein Lernprozess in der Schule des Sports. Wird er erfolgreich abgeschlossen, darf man wieder von Medaillen bei der Weltmeisterschaft und den Olympischen Spielen träumen. So wie Angelique Kerber bei den weiteren Turnieren in diesem Jahr.

Angie Kerber und die Schatten der Nummer 1

 

Deutschland hat wieder eine Nummer 1 im Tennis! Angelique Kerber verlor zwar das WTA-Finale in Singapur weil sie mit ihren Kräften am Ende war, aber sie darf als Nummer 1 im Damen-Tennis überwintern. „Das ist ein Wahnsinn“, sagt die Kielerin über 2016, als bei ihr gewissermaßen alle Knoten platzten. Sie verbesserte ihr Spiel, zeigte plötzlich Nervenstärke und legte noch mehr Kampfkraft in die Waagschale. Das Jahr 2016 war wirklich der Wahnsinn: Sieg bei den Australian Open im Januar, Sieg bei den US Open im Oktober, dazu im Finale von Wimbledon und bei den Olympischen Spielen. Schade, der WTA-Titel, die inoffizielle Weltmeisterschaft, wäre die Krönung gewesen. Wieder einmal Steffi Graf war es, die den Titel als letzte Deutsche genau vor 20 Jahren, 1996, gewann.

Der Schatten von Steffi Graf ist es auch, der Angie Kerber auf ihrem Weg begleitet. Bei jedem Sieg wird davon gesprochen, wann Steffi Graf hier auch gewonnen hat und wie viel mehr das Golden-Girl der 80er- und 90er-Jahre erreicht hat. Der Deutsche Tennis-Bund hofft seitdem auf eine neue Steffi Graf und hat jetzt Angie Kerber, die aber ihre Wurzeln nach Polen pflegt und inzwischen auch wieder in Polen wohnt. Die Herzen der Deutschen hat sie noch nicht erreicht, was auch die Einschaltquoten im Fernsehen beweisen. ARD und ZDF erinnerten sich daran, dass sie vor Jahren einen Shitstorm überstehen mussten, weil sie nicht fähig waren, die deutsche Spielerin Sabine Liesicki in ihrem Wimbledon-Finale zu zeigen. Das sollte ihnen bei Kerber nicht passieren, doch die Tennis-Fans dankten es ihnen nicht. Die Millionengrenze wurde erst beim WTA-Finale am Sonntag überschritten, aber 1,63 Millionen Zuschauer (immerhin 11,7 Prozent der eingeschalteten Geräte) waren nicht die Welt. Das beweist, der DTB muss auf einen neuen Tennis-Boom weiter warten. Aber Angelique Kerber darf man das nicht anlasten.

Wir sollten nicht vergessen, dass die heute 28jährige vor fünf Jahren bereits vor dem Aus ihrer Karriere stand. Sie scheiterte frühzeitig bei einem Turnier nach dem anderen und wollte den Tennisschläger schon in die Ecke werfen. Dann kam sie bei den US Open als Weltrangliste-92. sensationell ins Halbfinale – der Wendepunkt. 2012 stieß Kerber bis auf Rang fünf der Weltrangliste vor, gewann in Paris und Kopenhagen ihre ersten WTA-Titel, besiegte sogar einmal Serena Williams. Auch 2013 und 2014 beendete sie unter den Top Ten und gewann 2015 vier Titel, kam bei den Grand-Slam-Turnieren aber nie über die dritte Runde hinaus.

Nichts deutete darauf hin, dass 2016 das Jahr der Angelique Kerber werden würde. Sie erlebte ihre ersten Glücksmomente bei den Australien Open, als sie im Finale sensationell Serena Williams mit 6:4, 3:6, 6:4 bezwang. „Jetzt weiß ich, dass ich alle schlagen kann“, holte Kerber eine Menge Selbstvertrauen aus diesem Erfolg. Selbstbewusstsein wurde eine ihrer Stärken, auch wenn sie das Wimbledon-Finale gegen Serena Williams verlor. Bei den US Open wurde Kerber dann die Nummer 1 der Welt, aber eine, die mit Schatten leben muss. Da ist nämlich nicht nur der Schatten von Steffi Graf, sondern auch der von Serena Williams, die den Aufstieg der Deutschen dadurch begünstigte, dass sie zum Jahresende hin von einer Schulterverletzung geplagt bzw. außer Gefecht gesetzt wurde. Serena ist eigentlich die natürliche Nummer 1.

Umso spannender wird das Jahr 2017 werden. Angelique Kerber muss ihre Erfolge bestätigen, um auch die Punkte in der Weltrangliste zu verteidigen. Das wird schwer genug. Die Verfolgerinnen sind nicht weit weg, Serena Williams will wieder den Thron besteigen, wird aber ihrem Alter und einer hohen Verletzungsanfälligkeit Tribut zollen müssen. Dazu kommt die gesperrte Maria Scharapowa wieder zurück, das Glamourgirl will beweisen, dass sie nichts verlernt hat. Die Polin Agnieszka Radwanska und vor allem die Slowakin Dominika Cibulkowa werden der Deutschen das Leben schwer machen. Cibulkowa wirkte im WTA-Finale wie gedopt, war aufgeputscht und hielt Hände und Füße keine Sekunde ruhig. Das Powerpaket beweist, dass Kerber in punkto Fitness den Gegnerinnen nicht unbedingt überlegen ist.

Angelique Kerber will und muss die Herausforderung annehmen, sie will und muss ihr Spiel aber auch weiter verbessern. Die „Alte Dame“ des Tennis, Martina Navratilova, rät Kerber dazu, ihr Spiel noch aggressiver zu gestalten und mehr Volleys einzustreuen, nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“. Das hat auch Kerber erkannt, die gesteht, „ich muss sehen, dass ich meine Spiele früher beenden kann“. Das heißt, sie muss Kräfte sparen. 2016 war auch in diesem Punkt der Wahnsinn: Sie hat mit 81 Spielen mehr als alle anderen bestritten, nur 18 davon hat sie verloren.

Jetzt wird die Kielerin erst einmal den verdienten Urlaub machen, sich erholen und sicherlich im Dezember 2016 mit dem Titel als „Sportlerin des Jahres“ abschließen. 2017 muss sie neben Können auch Nervenstärke zeigen, denn als Nummer 1 ist sie die Gejagte. Aber sie sagt mit einem Lächeln: „Es ist schön, die Nummer 1 zu sein.“ Beginnen wird sie das neue Jahr Anfang Januar in Brisbane. Vielleicht gibt es dann 2017 doch noch so etwas wie einen kleinen Tennis-Boom in Deutschland.

Das Sportjahr 2016 fängt ja gut an

 

Es war das Super-Wochenende des deutschen Sports. Eigentlich sollte ja der Wintersport im Mittelpunkt stehen, aber Tennis und Handball haben ihm die Show gestohlen. Die Deutschen, denen nachgesagt wird, dass sie allein ein Faible für Fußball haben, wurden plötzlich Tennis- und Handball-Fans. Sportliche Erfolge lockten die Nation vor die Bildschirme. Die Fans feierten Angelique Kerber für ihren Sieg in Melbourne und die Handballer für den EM-Titel in Krakau.

Als Boris Becker und Steffi Graf in den 80er und 90er Jahren von Sieg zu Sieg eilten und die Tennis-Welt aus den Angeln hoben, da schwappte ein Tennisboom über das Land. Jeder wollte auch zum Racket greifen, jeder ein bisschen Boris und Steffi sein. Mit dem Abtreten der Stars ebbte auch der Boom ab, die Tennis-Klubs haben heute oft nicht mal mehr die Hälfte der Mitglieder. Vor allem der Tennis-Bund lechzte nach einem Nachfolger bzw. Nachfolgerin, doch alle verheißungsvollen Talente blieben irgendwann auf der Strecke. Auch Angelique Kerber wurde der Sieg in Melbourne nicht zugetraut, aber die 28jährige löste ein Versprechen ein. Sie hat ihr Training umgestellt, dazu eine neue Einstellung zu ihrem Sport und sie prophezeite: „Bei den großen Turnieren will ich es krachen lassen.“ Es wurde gleich beim ersten Versuch ein Paukenschlag! 

Kerber: Eintagsfliege oder Nummer 1?

Erstmals seit Steffi Graf 1999 in Paris gab es wieder einen deutschen Grand-Slam-Sieg, aber ein Tennisboom wird so schnell wohl nicht wieder entstehen. Da müsste auch die „Angie“ zur Seriensiegerin werden und selbst dann wird die Einmaligkeit von Boris und Steffi nicht zurückkehren. Für Angelique Kerber beginnt jetzt der Druck, dass sie beweisen muss, dass der Erfolg von Melbourne keine Eintagsfliege war. Stark genug hat sie ja beim 6:4, 3:6, 6:4 gegen Serena Williams gespielt und vielleicht kann sie sich irgendwann auch noch einmal den zweiten Traum erfüllen: Die Nummer 1 der Welt zu werden!

Der Europa-Titel der Handballer war wohl noch sensationeller, wenn man die Vorgeschichte beachtet. Früher war Deutschland eine Handball-Nation, aber da wurde noch Feldhandball gespielt. Aber auch in der Halle waren die Deutschen erfolgreich, umso schmerzlicher der Niedergang in den letzten Jahren. Nach der Europameisterschaft 2007 und dem WM-Wintermärchen 2008 ging es nur noch abwärts. Bei der letzten WM durfte Deutschland quasi nur gnadenhalber starten. 

Handball: Glücksgriff Sigurdsson

Der Umschwung kam mit der Verpflichtung des Isländers Dagur Sigurdsson als Bundestrainer. Der Mann mit dem Händchen für den Nachwuchs und gute Stimmung im Team brachte die Wende. Vor der Europameisterschaft wurde die Mannschaft von Verletzungsausfällen gebeutelt, aber Sigurdsson zauberte immer wieder neue Asse aus dem Hut. Einer fiel aus, der nächste war noch besser und schoss entscheidende Tore. Fürwahr ein Handball-Wunder.

Eigentlich war das „Projekt Sigurdsson“ langfristig angelegt, Gold bei Olympia 2020 war das große Ziel. Vier Jahre zu früh gelang der Überraschungscoup und jetzt ergibt sich die Chance, das Gold auch vier Jahre früher zu holen. Schließlich war der EM-Titel auch die Eintrittskarte für die Weltmeisterschaft 2017 und die Olympischen Spiele im August. Da wird Deutschland die Konkurrenz allerdings nicht mehr überraschen können. Spanien zum Beispiel wird nach dem 17:24 auf Revanche sinnen. Der Favorit, in der Vorrunde noch Sieger, war zuerst überrascht, dann aus dem Tritt und am Ende nur noch frustriert. Die Deutschen dagegen schon zehn Minuten vor dem Abpfiff des Finales in Feierlaune. Und in der Heimat saßen rund 13 Millionen vor den Bildschirmen. Die Fußball-Nation wurde plötzlich Handball-Fan.

Deutschland ein Land der Rodler

Aber auch der Wintersport ließ sich nicht lumpen, ging allerdings angesichts der Sensationen ein bisschen unter. So gewannen die Rodler bei ihrer Heim-WM am Königssee in Berchtesgaden sechs von sieben möglichen Gold-Medaillen und untermauerten, dass Deutschland auch ein Land der Rodler ist. Eric Frenzel schaffte mit einer fast schon unmenschlichen Aufholjagd in der Nordischen Kombination von Seefeld das „Triple-Triple“, er gewann in allen drei Jahren alle drei Wettbewerbe und machte sich quasi unsterblich. Jetzt wird vielleicht sogar eine Straße in Seefeld nach ihm benannt. Viktoria Rebensburg rundete die Erfolgsserie mit einem Sieg beim Riesenslalom in Maribor ab.

Fürwahr, das Sportjahr 2016 fängt gut an. Jetzt hoffen die deutschen Sportfans, dass sie auch im August bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro jubeln und feiern dürfen. Dafür könnten auch Angelique Kerber und die Handballer sorgen!