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Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: Bayern München

Sieben Tore wecken falsche Hoffnungen

Was war das für ein Festtag: Mit 7:2 fegten die Bayern Tottenham Hotspur aus dem eigenen Stadion, Fußball-Europa horchte auf. Was war das für eine Enttäuschung: Überheblich, ohne Einsatz und Disziplin ließen sich die Bayern von Hoffenheim und vor allem vom Bundesliga-Lehrling Sergis Adamyan mit 1:2 düpieren. Zwei Tore durch die Beine von Jerome Boateng, schlimmer geht’s nimmer. Der Ex-Nationalspieler als Lehrling, die Bayern als Ex-Tabellenführer und die Frage aller Fragen: Wie stark sind die Bayern wirklich? Die sieben Tore gegen Tottenham weckten jedenfalls falsche Hoffnungen. Der grandiose Sturm (jeder Schuss ein Treffer) hatte sich gelegt und wurde ein laues Lüftchen. Sturm gibt es bei den Bayern höchstens abseits des grünen Rasens.

Gewiss: Vor einem Jahr ging es Trainer Niko Kovac noch schlechter, vor dem Besuch auf dem Oktoberfest gab es eine 0:3-Niederlage gegen Gladbach, es war die vierte sieglose Partie in Serie. Da war Feuer auf dem Dach, das allein mit Oktoberfestbier nicht gelöscht werden konnte. Diesmal bleibt noch alles ruhig nach der ersten Niederlage nach 20 Spielen, aber der Coach macht beileibe nicht alles richtig und Fragen werden gestellt. So nach dem Umgang mit den Spielern, zum Beispiel Thomas Müller. „Mister Bayern“ aufs Abstellgleis gestellt und eine dumme Aussage von Kovac: „Wenn Not am Mann sein sollte, wird er mit Sicherheit seine Einsatzzeiten bekommen.“ Müller schwieg, für den Trainer war es ein Eigentor. Die Arbeit im Team macht es nicht leichter, liegt denn Kovac wirklich richtig, Joshua Kimmich im Mittelfeld werkeln zu lassen und dafür auf seine Power auf der Außenposition zu verzichten? Neben Thiago gehört in der Mitte ein Abräumer, doch Javi Martinez leidet wie Müller auf der Ersatzbank. Die Bayern haben Abwehr- und Abstimmungsprobleme, die sollte der Trainer abstellen, sonst wiederholt sich das Feuer vom Vorjahr. Die Euphorie von London ist schnell verflogen.

Die Bayern nur Dritter, eine Dichte wie noch nie an der Tabellenspitze, sieben Teams nur zwei Punkte auseinander, normal müsste man urteilen „Fußball-Herz, was willst Du mehr“. Doch es überwiegen eher die Zweifel, auch nach zweifelhaften Auftritten auf Europas Bühne. Wie bei den Bayern heißt die Frage: Wie stark ist die Bundesliga wirklich? Die Spannung weckt falsche Hoffnungen, die Favoriten schwächeln und nur deshalb kommen die Mannschaften aus dem Mittelfeld plötzlich an die Spitze. Mönchengladbach war einst Stammgast auf dem Platz an der Sonne, doch seit dem 3. Spieltag der Saison 2011/12 war dies nicht mehr der Fall! Jetzt ebneten erschreckend schwache Augsburger den Weg. Und dahinter folgt der VfL Wolfsburg: Mit biederen Leistungen schaffte er es trotzdem bisher ungeschlagen zu bleiben – als einzige Mannschaft!

Großes Rätselraten also, vor allem in Dortmund nach drei 2:2 in Folge, jeweils mit eigener Führung. Die Borussia ist kein Spitzenteam , im Moment zumindest nicht. Da gerät auch Trainer Lucien Favre immer mehr in die Kritik. Dortmund ist wohlgemerkt nur Achter. Beobachter haben aber recht: Die derzeitige Konstellation sorgt für ein Spitzenspiel nach dem anderen, Dortmund gegen Gladbach zum Beispiel. Schade, dass die Länderspielpause ansteht. Nur die Teams am Tabellenende werden vielleicht froh sein, um nach Lösungen zu suchen. Vor allem Augsburg muss sich sammeln, die hohen Niederlagen mehren sich und als nächster Gegner kommt Bayern München. Einzige Hoffnung für den FCA: In welcher Form? Mit Köln – Paderborn steht aber auch das nächste große Kellerduell an, Vorletzter gegen Letzter, gegen Mainz verpasste Paderborn seinen ersten Saisonsieg. Auffallend: Die drei Aufsteiger liegen hinten.

Länderspiele sind für die Fans kein Spaß mehr

Länderspiele müssen sein, aber die Länderspiele sind keine Feiertage mehr, eher eine unwillkommene Unterbrechung der Punktrunden. Die Verbände und die Trainer sind aber selbst schuld, allerdings ist es auch verständlich, dass diese Spiele für Experimente und Tests genutzt werden. Die Teams treten meist nicht in Bestbesetzung an. Allerdings müssten dann die Eintrittspreise angepasst und vor allem die unseligen vielen Wechsel in der zweiten Halbzeit abgeschafft werden. So sind die Länderspiele für die Fans kein Spaß mehr. Der Test von Deutschland gegen Argentinien am Mittwoch in Dortmund ist der Beweis: Argentiniern verzichtet auf seine Stars, auch Messi fehlt, Deutschland beklagt viele Verletzte. Jogi Löw entlarvend: „Das Ergebnis steht nicht im Vordergrund.“ Von einem Fußball-Feiertag kann keine Rede sein.

Auch deshalb gab es keine Kritik an dem neuesten Coup der UEFA, die in der Nations League die beste Gruppe aufstockte, künftig spielen in Liga A je vier Mannschaften statt drei, Deutschland muss deshalb nicht absteigen. Es wird also 2020 keine Freundschaftsspiele mehr geben, weil auch die Verbände erkannt haben, dass sich der Spaß in Grenzen hält. So gibt es in allen Länderspielpausen Pflichtspiele der Nations League. Testen kann (muss) der Bundestrainer dennoch, es müssen ja nicht gleich mehrere Spieler auf einmal sein.

Testen kann oder muss Joachim Löw gegen Argentinien aber auch am Sonntag in Estland, weil zahlreiche Stammspieler fehlen, neben Sane, Schulz, Draxler, Goretzka und Rüdiger musste auch Toni Kroos absagen, der Einsatz von Ginter, Werner und Gündogan ist fraglich. Feststeht, dass gegen Argentinien Torhüter Marc-Andre ter Stegen seine Chance bekommt, wenn es am Sonntag in der EM-Qualifitkation wieder ernst wird, steht Kapitän Manuel Neuer im Tor. Damit wird die leidige Torhüter-Debatte allerdings nicht beendet sein. Einer wird sich wohl beweisen dürfen, Talent Kai Havertz von Bayer Leverkusen, den viele schon besser als Toni Kroos einstufen.

Der neue DFB: Hoffnung für Amateure und Fans

Es herrscht Aufbruchstimmung beim Deutschen Fußball-Bund. Der 43. Bundestag hat die Weichen für die Zukunft gestellt. Mit dem neuen Präsidenten Fritz Keller sollen Streit, Skandale und Mauscheleien der Vergangenheit angehören und an ihre Stelle Gradlinigkeit, Transparenz und Seriosität treten, also wirtschaftlich solide und moralisch integer. Eine Herkulesaufgabe für den 62-Jährigen ehemaligen Präsidenten des SC Freiburg, der aber betont, beim Verband aufräumen zu wollen. Der erfolgreiche Winzer und Gastronom soll auch den größten nationalen Verband der Welt mit Erfolg führen. Hoffnung auf Besserung gibt es vor allem für die Amateure, Frauen und die Fans. Es wird ein Stück Bodenständigkeit beim zuletzt eher abgehobenen Verband einziehen.

Für die Abgehobenheit stand vor allem Kellers Vorgänger Reinhard Grindel, einst Journalist und Politiker, der von persönlicher Anerkennung und höheren Sphären träumte. Da wird dann schon einmal die Hand aufgehalten, damit Wünsche in Erfüllung gehen. Fritz Keller ist genau das Gegenteil. Er kommt aus dem Fußball, kennt das Vereinsleben und stört sich nicht daran, dass die Kompetenzen des Präsidenten beschnitten wurden. Er will von Experten die Strukturen untersuchen lassen, kein Stein bleibt auf dem anderen. Er ist vor allem als Mittler im Streit zwischen Profis und Amateuren gefordert, für die sein Herz schlägt. Ebenso will er sich verstärkt dem Frauen-Fußball widmen, eine verstärkte Förderung hat der Bundestag beschlossen. Keller fordert ein stärkeres Engagement der Profiklubs im Frauen-Fußball und wünscht sich künftig mehr eigene Teams. Es gibt sogar Vorschläge, dass künftig ein Frauenteam Pflicht ist für eine Lizenzerteilung für die Bundesliga der Männer. Keller will sich ganz auf die nationale Arbeit konzentrieren und überlässt die internationale Rolle seinem Vizepräsidenten Rainer Koch.

Die Nationalmannschaft fällt nicht mehr in die Richtlinienkompetenz des Präsidenten, der starke Mann hier ist künftig DFB-Direktor Oliver Bierhoff, der auch Direktor für die neue Akademie ist, deren Grundsteinlegung ebenfalls symbolisch für den Aufbruch beim DFB steht. Keller wird aber dennoch ein Auge auf die Länderspiele werfen und das Umfeld wieder fanfreundlicher gestalten. Die Zeiten der Abgehobenheit sind wie gesagt vorbei.

Der neue Präsident hat einen riesigen Rucksack aufgebürdet bekommen, mal sehen, ob er ihn tragen oder ertragen kann. Gefordert sind vor allem aber auch Bierhoff und Bundestrainer Joachim Löw, denn nur eine sportlich erfolgreiche und mit Fan-Nähe agierende Nationalmannschaft kann für gute Stimmung sorgen.

Der Heimvorteil ist abgeschafft

Die Bundesliga ist Alltag und Highlight zugleich im Leben eines Fußball-Fans. Sie sorgt mit einer seltsamen Saison für Aufmerksamkeit, Spannung und Neugierde auf die nächsten Spieltage. Ein Durchatmen gibt es nach dem nächsten Spieltag mit einer erneuten Länderspielpause. Zuerst aber reibt sich der Fan verwundert die Augen bei einem Spieltag mit Rekorden. Noch nie gab es einen Spieltag ohne Heimsieg, noch nie einen Spieltag mit acht Auswärtssiegen – der Heimvorteil ist offensichtlich abgeschafft. Nur Dortmund verlor nicht, doch das 2:2 gegen Bremen fühlt sich für die Borussia wie eine Niederlage an. Der selbsternannte Meisterschaftskandidat rätselt über die Ursachen des mangelnden Erfolges (nur Rang acht, wenn auch nur drei Punkte Rückstand auf den neuen Tabellenführer Bayern München). Ist es eine Frage der Mentalität (was Kapitän Marco Reus barsch zurückweist) oder doch eine Frage der Qualität (so sieht es Axel Witsel). Die Zweifel an Trainer Lucien Favre werden jedenfalls größer. Die nächsten Aufgaben werden zur Bewährungsprobe, in Prag in der Champions League und am Samstag das Spitzenspiel (!) in Freiburg.

Ja, in Freiburg stehen sich der Dritte und der gewollte Tabellenführer gegenüber. Die forschen Freiburger gehören zu den Teams, über die sich alle wundern. Aber Trainer Christian Streich bleibt auf dem Boden: „Das sind nur 13 Punkte gegen den Abstieg, jeder Zähler ist wichtig.“ Na ja, zehn Punkte Vorsprung vor der gefährlichen Zone nach nur sechs Spieltagen kann sich sehen lassen. Zu den großen Überraschungen zählt auch Schalke 04, das der neue Trainer David Wagner wiederbelebt hat. Mit dem 3:1 stürzten die Knappen Tabellenführer Leipzig. Was der Fan-Seele gut tut: Endlich wieder einmal wieder vor Dortmund in der Tabelle. Auffällig: Das einstige Sorgenkind Amine Harit ist der neue Anführer. Das Kollektiv macht es in Wolfsburg, vielleicht auch Trainer Oliver Glasner. Was fast übersehen wird: Neben den Bayern sind nur die VW-Städter bisher ungeschlagen.

Ja, die Bayern, sie sind wieder da, wo sie nach ihrer Meinung auch hingehören: Auf Platz 1, schließlich heißt es „mia san mia“. Doch so richtig zufrieden ist man in München dennoch nicht, die Leistungen sind nicht überwältigend, die Chancenauswertung oft mangelhaft, die Abwehr unsicher – und dennoch Erster, was wird erst sein, wenn die Bayern richtig in Form sind? In Form ist aber zweifellos Torjäger Robert Lewandowski, wenn er auch mal das leere Tor verfehlt, wie beim erzitterten 3:2 in Paderborn. Acht Tore in sechs Spielen sind neuer Bundesliga-Rekord. Für die Bayern folgt aber am Dienstag in der Champions League das „Spiel der Wahrheit“ bei den Tottenham Hotspurs. In London wird sich zeigen, wie stark die Bayern wirklich sind.

Auffällig ist, dass sich die Bundesliga bereits nach sechs Spieltagen in der Tabelle teilt. Frankfurt auf Rang neun ist der letzte Klub mit zweistelligen Punkten (10), dahinter folgen Hertha BSC nach dem Comeback in Köln und Bremen trotz Verletzungspech mit sieben Zählern. Danach beginnt der Abstiegskampf (auch mit Hoffenheim, das die vielen Abgänge doch nicht verkraftet), wobei am Samstag das große „Keller-Duell“ ansteht: Paderborn gegen Mainz. Kurioses in Augsburg: Der FCA kassierte mit dem 0:3 gegen Leverkusen seine 50. Heimniederlage im 139. Heimspiel in der Bundesliga, schaffte bisher aber nur 49 Heimsiege (bei 40 Unentschieden) im jetzt neunten Jahr im Oberhaus. Nächster Gast in Augsburg ist übrigens am 19. Oktober Bayern München…

Die Champions League muss ein Fest für die Kleinen bleiben!

Was haben die nationalen Pokal-Wettbewerbe und die Champions League gemeinsam? Die kleinen Vereine freuen sich, wenn einer der „Großen“ mal bei ihnen vorbei schaut. Sie feiern dann ein Fest, über das noch viele Jahre geredet wird und an das sich Generationen manchmal noch erinnern. Geht es nach den großen, geldgierigen Vereinen, dann wird es diese Feste nicht mehr geben. Sie wollen die kleinen Vereine möglichst kurz halten, unter sich bleiben und vor allem (gesichert) immer ein großes Stück vom (Geld)Kuchen abbekommen. Diesem Ansinnen muss Einhalt geboten werden: Die Champions League muss ein Fest für die Kleinen bleiben! (Siehe auch „Müssen die Fans den Fußball retten? Geld oder Stimmung?“ vom 7. September)

In dieser Woche beginnen Champions League (CL) und Europa League (EL) noch nach altem Modus, Freilich, was sind eigentlich kleine Vereine? Wohl die, die sich erst durch die Qualifikation quälen müssen. Nennen wir sie lieber Außenseiter, die dann die Gruppenphase schaffen. Das sind zum Beispiel Club Brügge in Gruppe A mit Paris und Real, Roter Stern Belgrad mit Bayern und Tottenham in der Gruppe B, Dinamo Zagreb mit Manchester City in der Gruppe C oder Slavia Prag mit Dortmund und Barcelona in der Gruppe F. Dazu feiert Atalanta Bergamo seine CL-Premiere und der RB Salzburg ist mit der Gruppenphase am Ziel seiner Wünsche.

Für die deutschen Fernsehschauer bleibt eines gleich, sie sehen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen – nichts! Nur die Europa League wird es im Free-TV geben (RTL bzw. Nitro) oder das CL-Finale bei deutscher Beteiligung. Ansonsten besitzen der Pay-TV-Sender Sky und der Streamingdienst DAZN die Rechte. Geldgier ist Schuld, aber die Klub-Bosse haben bereits gemerkt, dass sie einen Fehler gemacht haben. Die Begeisterung an der CL sinkt, Spiele im Free-TV steigern das Interesse in der Öffentlichkeit. Mit den neuen TV-Verträgen ab 2021 wird es wohl ein Umdenken geben.

Für die Fans der beteiligten Vereine sind Europa-Tage meist Feiertage, die Fans von Eintracht Frankfurt machen es vor. In München ist dies nicht so krass, dort hat der Gewöhnungseffekt schon eingesetzt. Da sorgen nur Negativereignisse für Turbulenzen, so wie im Vorjahr das Ausscheiden im Achtelfinale gegen den FC Liverpool. Da war es auch kein Trost mehr, dass die Klopp-Jungs schließlich den Pokal in die Höhe stemmten. Diesmal soll es mehr sein, gegen Belgrad, Piräus und Tottenham sollten die Bayern ins Achtelfinale wieder einziehen.

Überwintern wollen auch die anderen deutschen Klubs, wobei Borussia Dortmund gleich am Dienstag mit dem Knüller gegen den FC Barcelona (wohl ohne Messi) starten darf (muss). Inter Mailand ist ein weiteres Schwergewicht in der Gruppe, Außenseiter bleibt Slavia Prag. Leicht wird es für die Borussen nicht, ist aber machbar. Bayer Leverkusen wurden nicht nur in der Bundesliga in Dortmund in Grenzen aufgezeigt, dass könnten Atletico Madrid und Juventus Turin auch in der CL tun, aber erst kommt mal Außenseiter Lokomotive Moskau. RB Leipzig tummelt sich in einer ausgeglichenen Gruppe, Benfica Lissabon, Olympique Lyon und Zenit St. Petersburg sind die Gegner. Einen Favoriten gibt es nicht, ein Ausscheiden wäre für die Nagelsmann-Schützlinge aber eine Enttäuschung.

Enttäuschungen müssen fast alle Vereine im Laufe der Runde hinnehmen, am Ende feiert ja nur einer. Im Vorjahr dominierten die englischen Vereine, das Finale Liverpool – Tottenham (2:0) hätte keiner erwartet, gerade der FC Barcelona erlebte im Halbfinale nach einem 3:0 mit einem 0:4 im Rückspiel gegen die „Reds“ eine besondere Enttäuschung. Jetzt will nicht nur Barcelona neu angreifen, sondern auch Real Madrid, Juventus Turin (mit Ronaldo) und Paris St. Germain (endlich mal international erfolgreich sein). Dazu möchte Pep Guardiola Manchester City auch zu einem internationalen Titel führen und die Bayern träumen in jedem Jahr, dass sie doch eigentlich die Champions League gewinnen könnten. Die CL wird uns Spaß machen, vielleicht aber erst richtig im nächsten Jahr, wenn die K.o.-Runde beginnt.

Die Europa League ist die zweite Liga, die Klubs bekommen weniger Geld und weniger Aufmerksamkeit. Und dennoch ist die EL für die Vereine attraktiv. An prominenten Namen fehlt es ja nicht, siehe Arsenal London, Manchester United, FC Sevilla, Lazio Rom, AS Rom und FC Porto. Die Bundesliga-Klubs sollten mit Ehrgeiz bei der Sache sein und mit dem Willen, auf den Spuren von Eintracht Frankfurt zu wandeln, sowohl was den sportlichen Erfolg (im Vorjahr Halbfinale gegen Chelsea London) als auch die Begeisterung angeht. Die Eintracht startet mit dem Knüller gegen Arsenal London und hat Standard Lüttich und Vitoria Guimaraes (Portugal) als Gegner. Borussia Mönchengladbach muss sich gegen den Wolfsberger AC, AS Rom und Basaksehir Istanbul beweisen, was nicht leicht wird. Der VfL Wolfsburg hat PFK Oleksandrija (Ukraine), KAA Gent und AS Saint-Etienne als Gegner.

Horror-Wochenende der Bayern

Bei den Vereinen heißt es immer, Europa ist eine Kür, die Bundesliga ist die Pflicht. Aber auch die Pflicht kann interessant sein. Das vergangene Wochenende hat es gezeigt mit den Duellen der Spitzenteams. Dortmund überzeugte mit dem 4:0 gegen Leverkusen, feierte quasi ein Comeback, der RB Leipzig rettete die Tabellenführung mit einem 1:1 gegen die Bayern, die das Unentschieden als Niederlage wahrnehmen mussten, nachdem sie die ersten 45 Minuten „die beste Halbzeit seit ich hier Trainer bin“ (Niko Kovac) gespielt haben. Es stand wohlgemerkt 1:1. Und vor den Bayern steht jetzt in der Tabelle sogar der SC Freiburg mit einem Zähler mehr punktgleich mit Dortmund. Da kann man sich vorstellen, wie sich die Bayern fühlen. Die mussten sowieso ein Horror-Wochenende hinnehmen, denn von den U19 bis zu den Profis gewann keine Mannschaft. Die Bayern II gab in der 3. Liga beim 2:2 in Großaspach ein 2:0 aus der Hand, die U19 verlor in Heidenheim 1:3 und die Frauen erlebten als großer Favorit gegen Leverkusen mit 1:2 eine totale Pleite (im Vorjahr noch 8:0 und 10:1)!

Von Horror ist auch in Berlin die Rede, die Hertha nämlich als Schlusslicht. Mit neuem Geldgeber und neuem Trainer sollte alles besser werden, doch bisher klappt nichts. Manager Michael Preetz will noch ruhig bleiben, doch für Dardai-Nachfolger Ante Covic und sein Team müssen Siege her. Die nächsten Gelegenheiten gibt es bis zur nächsten Länderspielpause gegen den punktgleichen (je 1) Neuling SC Paderborn (das Duell um die Rote Laterne also), 1. FC Köln und Fortuna Düsseldorf, also alles Kandidaten, die man eher dem Abstiegskampf zuordnet. Gibt es keine oder nur wenige Punkte, dann gehört die Hertha auch zu diesem Kandidatenkreis.

Die ersten Siege feierten dagegen Mainz (eben gegen die Hertha) und der FC Augsburg, der Eintracht Frankfurt zu seinem Lieblingsgegner erkor. Gegen die Eintracht platzte im Vorjahr im Abstiegskampf beim Debüt von Trainer Martin Schmidt mit 3:1 der Knoten und das klappte auch diesmal mit dem 2:1. Einen Lauf gegen die Eintracht hat auch Stürmer Marco Richter, der zum 1:0 traf und vier seiner sechs Bundesliga-Tore gegen Frankfurt erzielte. „Jetzt geht es richtig los“, ist das Motto beim FCA, doch gegen die Eintracht geht es nur zweimal im Jahr. Nächster Gegner ist der SC Freiburg, der hat einen Lauf, ist an Bayern sogar vorbei und ist jetzt also ein Spitzenteam und nicht unbedingt Augsburgs Lieblingsgegner (im Vorjahr 5.! und 1:4).

Wie stark oder schwach sind die Löw- Jungs?

Die Fußball-Welt rätselt und es gibt keine gültige Antwort. Es war die meistgestellte Frage nach den EM-Qualifikationsspielen der deutschen Nationalmannschaft, nach dem 2:4 gegen die Niederlande und nach dem 2:0 in Nordirland: „Wo sehen Sie die deutsche Mannschaft?“ Soll heißen, in der Weltelite oder eher bei den Mitläufern? Die Antwort könnte heißen: Für die Starken zu schwach, für die Schwachen zu stark! Die Löw-Jungs krebsen ja auch in der Weltrangliste derzeit um Platz 15 herum, mal geht es nach oben, mal nach unten.

Der hoffnungsvolle Kader machte im Spiel gegen die Niederlande viele Hoffnungen kaputt. Die Niederländer waren schneller, cleverer, robuster und technisch besser. Es war eine Lehrstunde für die Löw-Jungs und hinterher warb der Bundestrainer um Geduld: „Wir sind in einer Phase Lernens.“ Doch wie lange dauert der Lernprozess? Dabei war die Hoffnung nach guten Spielen und dem 3:2-Sieg in Amsterdam schon groß. Doch die Zweifel an der Qualität bleiben. Die erfahrenen Boateng, Hummels oder Müller wieder zurück zu holen, davon will Löw nichts wissen. Eher fehlt ihm Wirbelwind Sane. Der einzige, der Wirbel macht, ist derzeit Bayern-Stürmer Serge Gnabry, er trifft zuverlässig, glänzt mit Positionswechseln, hat gute Ideen und beim Bundestrainer einen Stein im Brett: „Gnabry spielt immer.“

Dagegen haben einige Spieler Löw im Stich gelassen, die Stützen oder Hoffnungsträger sein sollten. Marco Reus in erster Linie, in beiden Spielen kam er nicht an die Leistung heran, die er in Schwarz-Gelb in Dortmund zeigt. Fremdelt er vielleicht bei Löw? Tino Kroos war nicht der große Halt und Timo Werner andererseits nur ein Schatten seiner selbst und träumte wohl von seinen Bundesliga-Toren, Jonathan Tah stabilisierte die Abwehr nicht, sondern brachte sie durcheinander. Ein Glück, dass wenigstens Torhüter Manuel Neuer wieder seine alte Klasse zeigt. Taktisch ging auch einiges schief, gegen die Niederlande wurde das 2:2 nicht verteidigt, das 2:4 kann noch bitter werden, denn die Niederlande hat jetzt den besseren direkten Vergleich und wird Gruppensieger werden, heißt, Deutschland wird bei der Europameisterschaft 2020 auf jeden Fall einen dicken Brocken in die Vorrunden-Gruppe zugelost bekommen.

Das Deutschland bei der EM 2020 dabei ist, davon darf man ausgehen,. Die Schadensbegrenzung ist gelungen, der 2:0-Sieg in Belfast öffnete die Tür, schließlich haben die Nordiren noch zweimal die Niederlande vor der Brust und eventuell am 19. November ein Endspiel um Platz zwei in Deutschland. Löws Jungs müssen außerdem noch in Estland und gegen Weißrussland antreten. Für die Schwachen sind sie ja zu stark. Was aber für die nächsten Spiele wichtig ist (zum Beispiel am 9. Oktober gegen Argentinien): Wir wollen eine Weiterentwicklung sehen, Herr Bundestrainer!

Der erste Schlager der Bundesliga

Am kommenden Wochenende werden wir aber wieder gebannt auf die Bundesliga blicken, denn da steht auch der erste große Schlager an: Wenn sich am Samstag, 14- September, um 18.30 Uhr in einem wahren Spiel des Tages RB Leipzig und Bayern München, also Erster und Zweiter, gegenüberstehen, dann werden erstmals die Karten auf den Tisch gelegt. Haben die Bayern das Zeug zum achten Titel in Folge bzw. ist Leipzig (einzige Mannschaft mit drei Siegen) im Kampf um die Meisterschaft neben den Bayern und Dortmund wirklich der Dritte im Bunde? Das Umschaltspiel der Leipziger könnte den Bayern weh tun, die zudem meist nach Länderspielpausen schwächeln und mit dem neuen Star Coutinho nach seinen Länderspieleinsätzen für Brasilien nur bedingt rechnen können. Aber zwischen Leipzig und den Bayern ging es meist eng her, in der letzten Saison hieß es 0:0 und 1:0 für die Bayern. Dortmund hat übrigens Bayer Leverkusen zu Gast, das nächste Duell zweier Spitzenteams.

Aber auch am Tabellenende steht ein Schlagerspiel an: Schlusslicht Mainz erwartet den Vorletzten Hertha BSC, es ist das Duell der Enttäuschten. Hier will jeder die Wende zum Guten schaffen. Mainz erhoffte sich schließlich eine Saison ohne Zittern, in Berlin wurde eher nach oben als nach unten geguckt. Vorerst Pustekuchen. Es sind ja aber auch erst drei Spieltage absolviert, vier weitere stehen an, bevor es wieder in eine Länderspielpause geht. Dann sind wir schon wieder um einige klüger.

Der Traum von Olympia

In den letzten Tagen war auch die Basketball-Nationalmannschaft im Gespräch, die im fernen China bei der Weltmeisterschaft allerdings eine große Enttäuschung erlebte und dennoch mit Hoffnung nach Hause flog. Die Fußball- und Basketballteams vereint dies: Zwei hoffnungsvolle Mannschaften, die von einer glorreichen Zukunft träumen, aber die bittere Wahrheit des aktuellen Scheiterns in der Gegenwart verdauen müssen. Derzeit heißt es bei beiden: Für die Starken zu schwach, für die Schwachen zu stark.

Im Fußball gibt es den Traum vom Gewinn der Europameisterschaft, im Basketball den Traum von Olympia. Das war der versöhnliche Abschluss von Dennis Schröder und Co.: Die Teilnahme an den Qualifikationsturnieren wurde geschafft, aber die Hürden sind hoch. In den Sechser-Gruppen schafft nur der Gruppensieger das Ticket für Tokio 2020 und große Kaliber vom Format von Griechenland, Litauen, Italien und Brasilien sind dabei. Was den Unterschied von Fußball und Basketball ausmacht: Im Fußball scheint der Teamgeist zu stimmen, im Basketball gibt es Zweifel, zumal der NBA-Star Dennis Schröder eine Art Eigenleben spielt. Das sind keine guten Aussichten für die Erfüllung eines Traumes und bedeutet viel Arbeit für Bundestrainer Hendrik Rödl. Mit Medaillenträumen im Gepäck war man schließlich auch nach China geflogen!

Manchmal ist Erfolg nur eine Frage des Willens

Eine ereignisreiche Woche des Fußballs liegt hinter uns. Es würde den Charakter dieser Kolumne sprengen, auf alle Geschehnisse einzugehen. Deshalb richten wir unseren Blick lieber auf Ereignisse am Rande der großen Geschichten, die vor allem eines zeigen: Manchmal ist Erfolg auch nur eine Frage des Willens!

Na gut, der Sensationssieg von Union Berlin gegen den selbst ernannten Titelkandidaten Borussia Dortmund stand natürlich schon im Mittelpunkt. Aber beweist eben die oben genannte These: Manchmal ist Erfolg eine Frage des Willens. Den zeigte der Aufsteiger, denn vor allem der Willen führte zu dem überraschenden 3:1-Erfolg, Spieler packten allen Mut zusammen und überraschten die Dortmunder. Für die allerdings war es kein neues Erlebnis, denn von den letzten sechs Auswärtsspielen gegen Neulinge gewann die Borussia nur eines, holte ein Unentschieden, handelte sich aber vier Pleiten ein. Jetzt ist die Aufregung beim Vizemeister groß, denn im letzten Jahr verspielte Dortmund den Titel vor allem durch Punktverluste gegen sogenannte Kleine. Die Bayern sehen es mit Freude.

Union stand nicht alleine da, überhaupt hauten die Aufsteiger auf den Putz und sendeten das wichtige Signal aus: Hallo, wir sind gekommen um zu bleiben. Der 1. FC Köln landete einen überaus wichtigen 2:1-Sieg in Freiburg und Paderborn erkämpfte sich ein 1:1 in Wolfsburg. Keiner der Neulinge steht damit auf einem Abstiegsplatz! Ruhe also in der Länderspielpause, aber es sind ja auch erst drei Spieltage vorbei.

Der „Mann des Tages“ spielt aber nicht in der Bundesliga, sondern eine Etage tiefer – Bakery Jatta vom Hamburger SV. Der Flüchtling aus Gambia sieht sich einer unvergleichlichen Hetzjagd ausgesetzt, die Fachzeitschrift Sport-Bild setzte diese in Gang mit der Meldung, Jatta spiele unter falscher Identität und heiße in Wirklichkeit Bakary Daffeh und sei zwei Jahre älter. Ehemalige Trainer wollen das bezeugen. Jatta hätte sich für das Asylverfahren jünger gemacht. DFB und Ausländerbehörde in Hamburg gingen der Sache natürlich nach, Nürnberg, Karlsruhe und Bochum, die gegen den HSV Niederlagen hinnehmen mussten, legten Protest ein. Eigentlich unsportlich und von den Medien eine unmenschliche Hexenjagd. Jatta legte schließlich Papiere vor, die als gültig anerkannt wurden, jetzt durch seinen Anwalt auch die Geburtsurkunde. Und siehe da, das Bezirksamt Hamburg-Mitte bestätigte nun nach erneuter Prüfung die Echtheit der Dokumente und stellte das Verfahren ein.

Sportlich steht die Klärung aus, eine Anhörung hat der DFB für den 9. September angesetzt. Aber was die Proteste der Vereine angeht, so sind die seltsam, denn dem ist HSV kein Verschulden nachzuweisen, ein Punktabzug eigentlich also unmöglich. Wird bei einem Spieler zum Beispiel Doping nachgewiesen, wird der Spieler gesperrt, der Verein aber nicht bestraft.

Der 21-Jährige Gambier hat in seinem Leben offensichtlich schon vieles mitgemacht, über seine Flucht will er nicht reden. Eigentlich müsste er sich im siebten Himmel fühlen, jetzt muss er mit dieser Schmutzkampagne leben. Doch der junge Mann zeigt, wie stark er ist, mit seinem Tor zum 3:0 gegen Hannover löste er eine besondere Sympathiewelle für ihn aus, das Volksparkstadion wurde in seinen Grundfesten erschüttert und Trainer Dieter Hecking bewundert seinen Schützling: „Wie Baka mit der Sache umgeht, ist sensationell.“ Trotz dieser Anschuldigungen seine sportliche Leistung zu bringen, zeigt einen besonders starken Willen! Diesbezüglich kann Jatta sogar Vorbild sein.

Die Bayern standen auch wieder im Mittelpunkt, nämlich mit Uli Hoeneß der über seinen endgültigen Abschied sprach und Robert Lewandowski, der seinen Vertrag bis 2023 verlängert hat. Dazu die Niederlage von Dortmund, die Münchner gehen vergnügt in die Länderspielpause. Danach wird es sofort wieder Ernst, denn das Duell mit Tabellenführer RB Leipzig steht an. Die „Bullen“ sind der lachende Dritte im Titelkampf, nachdem Dortmund und München schon Punkte abgegeben haben. Vorteil der Nagelsmann-Schützlinge: Die Bayern haben nach einer Länderspielpause mit vielen Abstellungen oft Probleme.

Vorentscheidung in der EM-Qualifikation

Im Herbst ist die Bundesliga-Punktrunde immer ein Etappenrennen, dreimal wird im September, Oktober und November für internationale Länderspiele unterbrochen. Für die deutsche Nationalmannschaft geht die Qualifikation zur Europameisterschaft 2020 weiter und es stehen sogar vorentscheidende Spiele an. Gegner sind am Freitag in Hamburg die Niederlande und am Montag in Belfast Nordirland. Tabellenführer in der Gruppe C ist überraschend Nordirland, das alle seine vier Spiele gewann, allerdings bisher nicht auf die Favoriten Niederlande und Deutschland traf. Da sich nur zwei Mannschaften qualifizieren, ist für die Löw-Schützlinge verlieren nicht erlaubt.

Der Bundestrainer feiert quasi sein Comeback, nachdem er zuletzt wegen einer Rippenverletzung fehlte. Im Aufgebot gab es nur eine Überraschung mit der Nominierung des Freiburgers Luca Waldschmidt, allerdings immerhin Torschützenkönig der letzten Europameisterschaft der U21. Verzichten muss Löw auf die verletzten Sane, Draxler und Kehrer. Gegen die Niederlande gilt es, die gute Ausgangsposition zu behalten, den Nordiren sollten dann die Grenzen aufgezeigt werden. Klappt das, ist die EM ziemlich nahe.

Bei der U21 sieht die Sache für Bundestrainer Stefan Kuntz ganz anders aus, der muss ein neues Team basteln, nachdem die meisten der Vize-Europameister altersmäßig ausgeschieden sind. Kein Wunder, dass Kuntz 19 Neulinge nominierte, verwunderlich eher, dass nur zehn seiner 23 nominierten Schützlinge erstklassig spielen. Gibt es da in der Nachwuchsarbeit der Bundesliga Versäumnisse? Getestet wird am Donnerstag in Zwickau gegen Griechenland, am 10. September steht in Wales das erste Qualifikationsspiel an.

Die Basketball-WM beginnt mit einem Finale

Vom 31. August bis zum 15. September wird in China die Basketball-Weltmeisterschaft ausgetragen. Die besten Mannschaften der Welt ermitteln ihren Besten, doch die besten Spieler sind teilweise gar nicht dabei. Vor allem die USA mussten Absagen von prominenten NBA-Stars hinnehmen, so fehlen u. a. LeBron James, James Harden und Stephen Curry. Seit die NBA die Teilnahme ihrer Stars an der WM zugesichert hat, trat die USA mit einem sogenannten Dream-Team an, das dann oft traumhaft Basketball spielte. Fünf der bisher 17 Weltturniere gewannen die USA. Nach Traum-Basketball sieht es diesmal nicht aus, was die WM allerdings um einiges interessanter macht. Der Favoritenkreis ist groß, natürlich mit den USA, gute Chancen werden aber auch Spanien, Frankreich, Australien, Litauen, Serbien und Griechenland eingeräumt.

Und Deutschland? Der Deutsche Basketball-Bund stellt eine starke, junge und hungrige Mannschaft, die ebenfalls von NBA-Erfahrung profitiert und selbstbewusst sagt Bundestrainer Henrik Rödl (50 Jahre alt): „Wir sind so tief besetzt wie nie, ich glaube, wir können jede Mannschaft schlagen.“ Offen wird davon gesprochen, auf Medaillenjagd gehen zu wollen, die letzte WM-Medaille ist schon 17 Jahre her. Wichtigstes Ziel ist jedoch die direkte Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 In Tokio, dafür muss man zweitbestes Team Europas werden. Ein Blick auf die Favoriten zeigt, dass dies kein leichtes Unterfangen ist.

Im Mittelpunkt der deutschen Mannschaft steht natürlich der junge NBA-Star Dennis Schröder, der jetzt für die Oklahoma City Thunder spielt und nicht nur 15,5 Millionen Dollar im Jahr verdient, sondern auch mit Lob nur so überschüttet wird. Eine Lobeshymne kommt von Dirk Nowitzki, der größte deutsche Basketball-Star bisher und Rekordjäger in der NBA, der 2005 Deutschland zur Silbermedaille bei der Europameisterschaft führte. Mit Schröder stand Nowitzki bei der EM 2015 gemeinsam auf dem Parkett, dennoch gab es ein Aus in der Vorrunde. Jetzt schwärmt Nowitzki über seinen Nachfolger als „Leader“: „So einen Aufbau wie von Dennis hat die Nationalmannschaft noch nie gesehen, vor allem die Schnelligkeit und die Spielfähigkeit.“ Der ehemalige Bundestrainer Dirk Bauermann pflichtet bei: „Schröder ist ein überragendes Talent, der seiner Mannschaft in vielen Bereichen helfen kann, als Verteidiger, Pasgeber und als Scorer.“ Kein Wunder dass der 25-Jährige Schröder selbstbewusst sagt: „Ich will führen.“ Er verriet auch, dass der Bundestrainer gern Ratschläge vom NBA-Star annimmt, wenn es um die Taktik geht.

Schröder ist beileibe nicht der einzige NBA-Spieler, auch Maxi Kleber (Dallas) und Daniel Theis (Boston) spielen in der besten Liga der Welt. Zudem hat Paul Zipser in Chicago NBA-Erfahrung gesammelt, jetzt ist er wieder zu Bayern München zurückgekehrt. Johannes Voigtmann spielt künftig für den Europa-Champion ZSKA Moskau, diese Ansammlung von guten Spielern macht deutlich, dass Deutschland schon selbstbewusst auftreten kann. Gut für die Moral war sicherlich im letzten Vorbereitungsspiel ein Erfolg über Australien, das zum Kreis der Favoriten zählt.

Allerdings ergibt sich die außergewöhnliche Konstellation, dass das Turnier für Deutschland quasi mit einem Finale beginnt. Erster Gegner am Sonntag ist Frankreich und hierbei geht es gleich um den Gruppensieg. Der könnte wichtig sein, denn nur dann kann man den USA in der nächsten Turnierphase aus dem Wege gehen. Weitere Gruppengegner sind die Dominikanische Republik (Dienstag) und Jordanien (Donnerstag), sie sollten keine Hürden darstellen. Der Fußball war wohl das Vorbild, dass auch die Zahl der WM-Teilnehmer aufgestockt wurde. Erstmals sind es 32 Teilnehmer statt bisher 24. Gespielt wird in acht Vierer-Gruppen, jeweils die ersten beiden Teams kommen weiter. In der sogenannten Hauptrunde gibt es wieder vier Vierer-Gruppen, die Punkte aus der Vorrunde werden mitgenommen. Die beiden besten Mannschaften jeder Gruppe erreichen das Viertelfinale, ab dem im K.o.-Modus gespielt wird.

Erreicht Deutschland die direkte Olympia-Qualifikation nicht, dann steht dem Nationalteam ein weiteres Turnier bevor. Die besten 16 Teams nach den Qualifizierten sowie acht weitere ausgewählte Teilnehmer spielen in vier Turnieren wo jeweils nur ein Ticket vergeben wird. Nach dem Finale zum Auftakt folgen eigentlich noch viele Endspiele!

Pech für die Sportart Basketball und ihre Fans, dass sich die Begeisterung in der Öffentlichkeit in Grenzen halten wird, weil es keine Bilder bei ARD und ZDF oder im Privat-Fernsehen gibt. Allerdings überträgt MagentaSport alle 92 Spiele kostenfrei über MagentaTV und magentasport.de im Internet. So sieht wohl die Zukunft bei internationalen Turnieren aus.

Der Wechselwahnsinn hat bald ein Ende

Das Datum ist unglücklich, der 31. August fällt auf einen Samstag, deshalb endet die Wechselfrist im Profi-Fußball in den meisten Ländern (auch Deutschland) erst am 2. September. Noch ein paar Tage mehr des Wahnsinns, aber immerhin ist das Ende der Aufregungen rund um Spielerwechsel in Sicht. Dann werden Trainer, Manager und Spieler aufatmen, jeder weiß dann, was Sache ist, wie der Kader ausschaut und die Fans können abschätzen, ob es sich gelohnt hat eine Dauerkarte zu kaufen, denn eigentlich kaufen sie die Katze im Sack. Derzeit heißt es bei Trainern und Managern für die restlichen Tage: „Das ist alles verrückt, ich bin froh, wenn es vorbei ist.“

Die Millionen wurden in den letzten Wochen hin- und hergeschoben, die Gerüchte hatten Hochkonjunktur und die Wirklichkeit sah oft ganz anders aus. Auch in der Bundesliga hatte es in der letzten Woche noch große Schlagzeilen und heftige Wechselgeschäfte gegeben. Den Vogel schossen dabei die Bayern ab, die mit Philippe Coutinho einen Weltstar an Land zogen und dabei die Leihe wählten, die ja allgemein oft die Rettung für eine Verstärkung ist. Aber der Brasilianer ist nicht billig mit angeblich 8,5 Millionen Euro Leihgebühr und einem Gehalt von 13 Millionen Euro (Netto!) im Jahr. Nach der Saison müssen die Bayern entscheiden, ob sie für einen Kauf 120 Millionen Euro hinlegen.

Bei einigen Vereinen herrscht aber noch Bedarf, um die Lücken auf den letzten Drücker endgültig zu schließen. Da sind die Manager um die eine Woche noch froh, Frankfurts Manager Fredi Bobic hat scheinbar sogar darauf hingearbeitet: „Die letzte Woche ist verrückt und da kann man noch Schnäppchen machen.“ Die Eintracht braucht dringend noch Verstärkung im Angriff, Torjäger Bas Dost ist fast an Land, aber mit Ante Rebic könnte der letzte der „Bullen“ neben Haller und Jovic noch gehen. Dann muss Bobic noch einmal tätig werden. Der FC Augsburg wiederum hat Panik in seiner Abwehr ausgemacht und kauft und kauft Abwehrspieler. Stephan Lichtsteiner und Tin Jedvaj sind die Nummer vier und fünf (nach Pedersen, Suchy und Oxford), jetzt soll auch noch der Wolfsburger Uduokhai kommen. Nach dem Motto: „Irgendwie müssen wir die Abwehr dicht bekommen.“ Pech, dass ausgerechnet ein Fehler von Jedvaj das Gegentor zum 1:1 gegen Neuling Union Berlin einleitete. Dabei sollten drei Punkte für einen Befreiungsschlag sorgen. Das Glück wird also noch gesucht.

Lassen wir uns überraschen, was wir an Spielerwechseln noch erleben werden. Sportlich ist die Bundesliga schon mal interessant gestartet, doch die richtigen Erkenntnisse folgen bekanntlich erst nach etwa zehn Spieltagen. Fünf Mannschaften feierten zwei Siege, mit dabei der SC Freiburg, der das bisher noch nie geschafft hat. Vier Mannschaften haben dafür noch keinen Punkt, Mainz 05 ist das Schlusslicht (und muss jetzt zu den Bayern), das gefällt ebenso nicht wie die Nullnummer in Bremen. Beobachter malen schon den Teufel an die Wand, dass Bremen ein Schicksal wie Köln drohen könnte, das Europa-Träume hatte und zum Absteiger wurde. Jetzt ist Köln wieder als Aufsteiger dabei, muss aber mit einem schweren Start leben (fünf Niederlagen wären nicht überraschend) und vor allem die Ruhe bewahren. Sportdirektor Armin Veh stöhnt schon: „Der Spielplan ist katastrophal.“

An der Spitze zeigten Borussia Dortmund und die Bayern Stärke. Herausforderer Dortmund bewies, warum er vom Titel träumt, als es nämlich in Köln nicht lief (0:1), da konnte Trainer Lucien Favre mit Umstellungen und neuen Leuten für die Wende sorgen. Bemerkbar machte sich auch ein neues Selbstbewusstsein. Die Bayern dominierten auf Schalke, doch gab es Diskussionen um zwei nicht gegebene mögliche Handelfmeter. Allerdings: Beide Situationen sind umstritten, Pavard drehte sich ab und wurde aus kurzer Distanz angeköpft (neue Regel: Kein Elfmeter), Perisic spreizte beim Freistoß nur leicht den Arm ab, nicht extrem, Elfmeter möglich, aber Ermessungsentscheidung. Schiedsrichter Marco Fritz mutig und treuherzig: „Ich habe in beiden Situationen keinen Elfmeter gesehen, der Video-Schiedsrichter sah keine krasse Fehlentscheidung.“ Und dennoch heulen die Kritiker und der Video-Referee wird wieder einmal verrissen. Haben die Bayern wieder mal Glück gehabt.

In Europa wird gelost, Länderspiele stehen bevor

Der Fußball nähert sich bereits der Hochkonjunktur, denn alle Ligen haben ihre Punktrunden begonnen und auch auf Europas Bühne wird es besonders interessant. Am Donnerstag und Freitag stehen die Auslosungen für die Champions League und die Europa League bevor. Danach darf wieder spekuliert werden, wer denn im internationalen Fußball überwintert. Die Frage nach den Gesamtsiegern ist Quatsch, denn da ist erst die Auslosung für die K.o.-Runden entscheidend. Die Bayern mussten das leidvoll erfahren, als sie gegen den späteren Sieger FC Liverpool frühzeitig ausschieden. Zunächst einmal sind die Bayern für die Gruppenphase in Topf eins gesetzt, Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer Leverkusen werden dahinter eingegliedert. Aber alle müssen auf Glück hoffen und schlagbare Gegner.

Eintracht Frankfurt kämpft noch um den Einzug in die Europa League und musste in dieser Woche einen herben Rückschlag hinnehmen. Bisher noch ohne Niederlage gab es in Straßburg ein 0:1 und in Leipzig ein 1:2. Vor allem die Niederlage in Straßburg tut weh, denn jetzt muss ein Sieg mit zwei Toren her und das quasi ohne hochklassige Stürmer. Da könnten die letzten Wechsel zu spät kommen. Ein Ausscheiden wäre auch schade für die Fans, die rund um die Eintracht für eine besondere Europa-Atmosphäre sorgen. Mönchengladbach und Wolfsburg können in Ruhe auf die Auslosung warten.

International geht es aber auch mit Spielen weiter, die nationalen Punktrunden werden nach dem kommenden Wochenende für die Qualifikation zur Europameisterschaft 2020 unterbrochen. Auf Deutschland wartet fast schon die Vorentscheidung mit Duellen gegen die Niederlande und Nordirland, die Gegner also, die als größte Konkurrenten um einen Platz bei der EM angesehen werden. Und Löw hat nicht alle Mann an Bord (Sane fehlt). Da haben es die Frauen leichter, die treffen bereits am Samstag auf Montenegro und müssen dann in die Ukraine. Schade ist aber, dass die Punktrunde bereits wieder nach zwei Spieltagen unterbrochen wird, so kann eigentlich kein richtiges Interesse aufgebaut werden. In der Frauen-Bundesliga starteten die Favoriten Wolfsburg und Bayern wie erwartet mit zwei Siegen, das schaffte als Dritter im Bunde auch die TSG Hoffenheim. Doch jetzt ist halt erst mal Pause.

Krach bei der DFL, Friede beim DFB

Das Theater auf Funktionärsebene lief in der vergangenen Woche vollkommen konträr ab. Friede, Freude, Eierkuchen beim DFB, der zuletzt wegen allem in die Kritik geriet. Jetzt aber erntete der Verband, weil die Findungskommission offensichtlich den besten vorzeigbaren Präsidenten gefunden hat: Fritz Keller heißt er, ist nicht nur als Vorsitzender des SC Freiburg bekannt, sondern auch als Winzer und Gastronom. Die Ruhe von Freiburg wünscht man sich jetzt auch beim DFB. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Reinhard Grindel, Journalist und Politiker, ist Fritz Keller vom Fach, was ja eigentlich logisch sein sollte. Und sein Wein schmeckt ausgezeichnet.

Bei der DFL, die doch so die Ruhe liebt und immer wieder ihre Einigkeit betont, herrschte dagegen keine Eintracht, sondern Zwietracht. Der Kampf Klein gegen Groß oder Arm gegen Reich ist bei der DFL angekommen, die kleineren Vereine hatten den „Bund Mittelstand“ gegründet und den „Großkopferten“, vornehmlich Dortmund und München, gezeigt, dass sie nicht kassieren und regieren können. Dortmunds Boss Watzke reiste verstimmt vorzeitig ab, weil er für sich keine Wahlchancen sah. Karl-Heinz Rummenigge betonte zwar, dass man doch alles für die kleinen Vereine getan habe, aber eigentlich haben sie doch mehr für sich getan. Die Gelder sollen neu verteilt werden, die kleineren Vereine wollen mehr vom Kuchen. Allerdings: Würden die attraktiven Vereine die Solidarität nicht mehr leben, ging es ihnen besser und den Kleinen schlechter. Der Sport würde jedoch auch leiden, die Großen hätten keine ernsthaften Gegner mehr. Jedes Ding hat halt seine zwei Seiten.

Die Bayern stehen gleich mit dem Rücken zur Wand

In der letzten Saison dauerte es – nach einem guten Start mit vier Siegen – bis zum Herbst, ehe sich die Bayern ihre Krise nahmen. In diesem Jahr geht es schneller, nur 2:2 gegen die Hertha zur Saison-Premiere, Dortmund dagegen 5:1 gegen Augsburg – vom ersten Spieltag an läuft der Meister dem Herausforderer hinterher, steht gleich mit dem Rücken zur Wand. Eine Situation, die sie in München gar nicht lieben und gleich machte sich nach zähen Transferabschlüssen im Sommer so eine Art Torschlusspanik breit. Plötzlich herrschte hektische Betriebsamkeit.

Am Wochenende ging es wirklich Schlag auf Schlag, der Kader füllte sich, doch ob die Neuzugänge die Mannschaft wirklich nach vorne bringen, muss erst einmal abgewartet werden. Da muss dann auch das System passen und die Stimmung in der Mannschaft darf nicht leiden, Stichwort Bank. Die Lösung liegt – im wahrsten Sinne des Wortes – beim „Magier“, der zaubern muss. „Magier“ wird Star-Einkauf Philippe Coutinho genannt, den Brasilianer spülte es in dem Spieler-Wechsle-Dich-Spielchen von Barcelona nach München. Eigentlich sollte Paris das Ziel sein, doch nur eine Beigabe eines Neymar-Wechsels wollte er nicht sein, München gefällt ihm angeblich auch, selbst vor dem Winter habe er keine Angst. Der 27-Jährige gilt als Spielgestalter und torgefährlich, in Liverpool unter Jürgen Klopp erlebte er seine beste Zeit, erzielte in 201 Pflichtspielen 54 Tore und gab 45 Torvorlagen. Dann holte ihn Barcelona für angeblich 145 Millionen Euro, machte ihn zum zweitteuersten Spieler der Welt und jetzt leisten sich – aus der Not geboren, weil andere (teure) Kandidaten verletzt ausfielen – die Bayern den Luxus-Spieler, angeblich für 8,5 Millionen Euro Leihgebühr und 13 Millionen Jahresgehalt. 120 Millionen ist wohl der Kaufpreis.

Den Anfang des Sommer-Schluss-Einkaufs machte Ivan Perisic, der mit seiner Erfahrung als Soforthelfer für die Flügel kam. Der Kroate kommt ebenfalls als Leihspieler von Inter Mailand, mit fünf Millionen ist die Gebühr preiswerter. Aber auch er will spielen, bleibt er ruhig in der Rolle des Back up? Und weil das Einkaufen gerade so schön ist, holten die Bayern den 20-Jährigen Franzosen Michael Cuisance von Mönchengladbach (Fünfjahresvertrag, 10 Millionen) gleich noch dazu. Angeblich wollte er bei der Borussia eine Einsatzgarantie, bei den Bayern sieht er das anders: „Ich will mich entwickeln.“

Plötzlich hat Bayern-Trainer Niko Kovac ein Überangebot an Spielern und die schwere Aufgabe, wie er alle einsetzen und zufriedenstellen soll, denn auf der Bank herrscht Unruhe. Die gab es bereits nach dem 2:2 gegen Hertha, denn Talent Renato Sanches will länger spielen, nicht nur fünf Minuten. Er moserte, was ihn angeblich 10.000 Euro Geldstrafe kostet. Er wiederholte zudem seinen Wechselwunsch. Vielleicht wäre die Lösung Spielpraxis in der Bayern II in der 3. Liga, dort könnten Sanches, Cuisance sowie Arp und Davies reifen. Tun sie sich das an oder gibt es nur Ärger? Im Mittelfeld haben die Bayern sowieso ein Überangebot. Coutinho könnte Thomas Müller verdrängen (die Bayern dürfen das Urgestein nicht verlieren!), ist die Frage, passen Thiago und Coutinho zusammen, mit Goretzka und Tolisso ist im Mittelfeld einer zuviel und als Abräumer fehlte zuletzt Javi Martinez, er ist fast unersetzlich. Niko Kovac muss also ein Magier sein, zumindest aber ein guter Moderator.

Die Dortmunder schauen sich das Ganze von oben an. Sie erlebten gegen Augsburg zwar einen Schock mit einem Gegentreffer nach nur 32 Sekunden (zum fünften Mal am 1. Spieltag!), doch nach drei Minuten war dies vorbei. Das 5:1 war fast ein Spaziergang und bestärkte nur das neue Selbstbewusstsein, zumal sich Mats Hummels gleich als die gewünschte Verstärkung in Sachen Sicherheit erwies. Und von Ärger auf der Bank drang (zunächst?) nichts nach außen. Dortmund hat die ersten Runden (Transfers, Supercup) gegen die Bayern für sich entschieden, doch abgerechnet wird im Mai.

Wo es eine Tabellenspitze gibt, gibt es auch ein Tabellenende. Das zieren der FC Augsburg und Neuling Union Berlin. Welch ein Terminplan: Am kommenden Samstag treffen sie aufeinander. Und kein Witz am 2. Spieltag: Es gibt eine Weichenstellung, wer verliert, der steckt auf jeden Fall im Abstiegskampf. Beide zählten ja sowieso zu den heißen Abstiegskandidaten, gemeinsam mit Neuling SC Paderborn, der allerdings in Leverkusen für Furore sorgte, aber auch ohne Zähler blieb.

Die Lage ist bei Union und Augsburg allerdings anders. Der Neuling weiß, dass er noch lernen muss. Die Augsburger sind in ihrem neunten Bundesliga-Jahr dagegen alte Hasen, doch so schlecht wie derzeit sah es noch nie aus. Scherzbolde sagen, es geht aufwärts. Die letzte Saison schloss mit einem 1:8 in Wolfsburg, die neue begann mit einem 1:5 in Dortmund. Und jetzt? Stabilität ist gefragt, dafür soll der vereinslose Stephan Lichtensteiner kommen, zuletzt spielte der 35-Jährige Schweizer bei Arsenal London. Die Torhüter-Position könnte wieder zur Achillesferse werden. Zur Erinnerung: Im Vorjahr patzten Giefer und Luthe in den ersten Spielen und der FCA verlor durch Torwartfehler mindestens sieben Punkte. Jetzt griff der tschechische Nationaltorhüter Koubek wiederholt ins Leere, ein Rückhalt war er nicht. Den aber braucht Augsburg und viel Mut gegen Union Berlin. Die nächsten Aufgaben haben es für beide Teams in sich: Der FCA muss nach Bremen und erwartet Frankfurt, Union hat zwar zwei Heimspiele, aber die Gegner heißen Dortmund und Bremen.

Die Augsburger werden auch zerknirscht nach Frankfurt geschaut haben, dort war ihr alter Abwehrstratege Martin Hinteregger, der unbedingt den Verein verlassen wollte, der gefeierte Siegtorschütze gegen Hoffenheim – nach 36 Sekunden. Immerhin raubte er dem FCA damit nicht die Bestleistung für das schnellste Tor. Die Eintracht aber hat die Qualifikationsrunde zur Europa League für eine gute Saisonvorbereitung genutzt. Der Stress geht aber weiter, der nächste Gegner in der Qualifikation am Donnerstag hat es in sich, gegen Racing Straßburg wird es nicht leicht und am Sonntag wartet Leipzig. Noch sind die Hessen in dieser Saison ohne Pflichtspielniederlage. Noch…

Fußball-Frauen kämpfen um Aufmerksamkeit und Anerkennung

Es ist manchmal ein ewiger Kampf, der vielleicht nie zum gewünschten Ziel führt, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Und bevor die Hoffnung stirbt, muss man selbst erst einmal alles versuchen, um das Ziel zu erreichen. Und so kämpfen auch die Frauen im Fußball unverdrossen weiter. Sie wollen nicht das fünfte Rad am Wagen sein, nicht im Schatten der Männer stehen, sondern gleichberechtigt sein. So fordern sie selbstbewusst von den Verbänden die gleichen Prämien wie die Männer. Doch dafür haben allein die Amerikanerinnen ein gewichtiges Argument, dass sie nämlich mehr Leute begeistern als die Männer, aber in Europa gilt dies nicht. Dennoch: Stück für Stück sollen Aufmerksamkeit und Anerkennung besser werden. Und am Ende vielleicht auch die Bezahlung.

Das gilt auch für die Frauen-Bundesliga, die am Wochenende mit zwölf Teams in die neue Saison startet, mit einem kleinen bisschen Hoffnung im Gepäck. Die Weltmeisterschaft in Frankreich war ein Erfolg, trotz des Aus des DFB-Teams bereits im Viertelfinale. In der Vergangenheit waren aber selbst WM-Titel zu wenig, um dem Frauen-Fußball entscheidende Impulse zu verleihen. Ganz im Gegenteil, 2008 spielten noch 33 Prozent aller Mädchen zwischen 14 und 19 Jahren in Deutschland Fußball, derzeit sind es gerade 18 Prozent. Etwa 198.000 Mädchen und Frauen spielen bei uns Fußball, vor vier Jahren waren es noch 211.000, in den USA sind es 9,5 Millionen! Und: Die Männer-Bundesliga verzeichnet seit Jahren einen Schnitt von über 40.000 Zuschauern pro Spiel, bei den Frauen sind es nicht einmal 900!

Hoffnung machen solche Zahlen eigentlich nicht, doch die Hoffnung stirbt eben zuletzt. Und zum Start der neuen Saison gibt es Hoffnung, zum Beispiel auf mehr Aufmerksamkeit. Der Sportsender Eurosport ist auf der Suche nach neuen Übertragungsrechten bei der Frauen-Bundesliga fündig geworden und überträgt für drei Jahre ab sofort an jedem Freitag um 19.30 Uhr das, so der Sender, „Top-Spiel der Woche“. Premiere ist zum Start an diesem Freitag bereits um 18.30 Uhr mit der Partie der „Altmeister“ 1. FFC Frankfurt gegen Turbine Potsdam. Ein Stück Aufmerksamkeit ist also gewiss, zumal die ARD angekündigt hat, dass sie künftig am Samstag in der Sportschau regelmäßig von der Frauen-Bundesliga berichten will. Als Service für die Fans hat die Bundesliga auch feste Anstoßzeiten geschaffen, neben dem Freitagspiel ist dies am Samstag um 13.00 Uhr und Sonntag um 14.00 Uhr. Im Internet berichtet Magenta Sport an jedem Wochenende von zwei Spielen.

Beim Kampf um mehr Anerkennung hoffen die Frauen auch auf die Männer. Auf die starken Männer nämlich von der Bundesliga, denn sie würden sich wünschen, dass sich die Bundesligisten der Männer auch den Frauen annehmen. Beim VfL Wolfsburg, dem führenden Verein der letzten Jahre, ist dies bereits so, der FC Bayern München wurde zuletzt zur zweiten Kraft und auch der SC Freiburg mischt einigermaßen mit. In der Frauen-Bundesliga sind auch Bayer Leverkusen, der 1. FC Köln und die TSG Hoffenheim vertreten, doch in diesen Klubs spielen die Frauen keine große Rolle. Das soll sich künftig bei Eintracht Frankfurt ändern, denn die Hessen wollen nächstes Jahr den 1. FFC Frankfurt übernehmen. Die Frauen wünschen sich als Zugpferd aber noch ein Engagement von Borussia Dortmund und Schalke 04, prominenten Vereinen also, die Aufmerksamkeit bringen würden.

In Europa haben einige Großklubs die Frauen entdeckt. Olympique Lyon ist führend, Paris St. Germain will auch bei den Frauen vorne dabei sein. In England „wildert“ zunehmend Arsenal London bei deutschen Klubs, aber auch Chelsea London will nach oben. In Spanien sind der FC Barcelona und Atletico Madrid vorn dabei, jetzt will auch Real Madrid bei den Frauen angreifen. Das kann dem Frauen-Fußball nur gut tun.

Allerdings kämpft deshalb die deutsche Bundesliga um ihre eigene Attraktivität. So müssen die Abgänge von prominenten Spielerinnen verkraftet werden. Die Bayern verloren zum Beispiel ihre Stammspielerinnen Sara Däbritz (nach Paris), Leonie Maier, Manuela Zinsberger und Jill Roord (alle Arsenal London). Attraktiv ist die Bundesliga aber auch nur dann, wenn sie spannend ist. Doch da gibt es ebenfalls ein Problem, ähnlich wie bei den Männern: Dort der Zweikampf Bayern gegen Dortmund, bei den Frauen Wolfsburg gegen Bayern, die Konkurrenz kann höchstens für einzelne Überraschungen sorgen. Die einstigen Größen Frankfurt und Potsdam sind in die zweite Reihe gerutscht. Wolfsburg setzt trotz der Abgänge von Kapitänin Nilla Fischer (zurück nach Schweden) und Caroline Hansen (Barcelona) auf einen starken Angriff mit den Torjägerinnen Ewa Pajor (Polen) und Pernille Harder (Dänemark) sowie den deutschen Nationalspielerinnen Alexandra Popp und Svenja Huth, die aus Potsdam kam. Die Bayern verloren gleich neun Spielerinnen (u. a. beendete Melanie Berhringer ihre Karriere), präsentieren aber sechs Zugänge, u. a. Torhütertalent Caina Schlüter (Sand), das große Talent Giulia Gwinn (Freiburg), die Nationalspielerinnen Linda Dallmann (Essen) und Carolin Simon (Lyon) sowie in der Abwehr Ali Relay (Neuseeland/Chelsea) und Amanda Ilestedt (Schweden/Potsdam).

Der Vergleich lässt sich auf Bayerns starke Abwehr gegen Wolfsburgs Supersturm verkürzen. Die Wolfsburgerinnen starten am Sonntag gegen Sand, die Bayern-Mädchen müssen am Samstag in Freiburg ran, ein besonderer Vergleich, den vom Schwarzwald kamen viele Spielerinnen nach München (u. a. die neue Kapitänin Melanie Leupolz) und in diesem Jahr auch Trainer Jens Scheuer (40 Jahre). Er beendete die Wörle-Dynastie bei den Bayern, denn auf den Vater folgte Sohn Thomas als Trainer (2010). Er holte 2015 und 2016 den Titel mit den Münchnerinnen, zuletzt schaffte der VfL Wolfsburg den Hattrick. Den direkten Vergleich gibt es erst am 10. Spieltag am 24. November. So wandeln die Frauen auf den Spuren der Männer, es soll das Ende der Dauer-Meister geben. Aber das allein reicht nicht für mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung.

Die Bayern-Fans müssen in diesem Jahr tapfer sein

Schluss mit lustig! Sieben Meisterschaften hat der FC Bayern München zuletzt in Folge geholt und den früheren Rekord vom Titel-Hattrick in der Fußball-Bundesliga immer weiter verbessert. Jetzt soll diese Reise zu Ende sein, Borussia Dortmund hat energisch zur Jagd auf die Bayern geblasen, aufgerüstet und verkündet selbstbewusst: „Wir wollen Meister werden“.

Neue Töne also in der Bundesliga vor der neuen Saison und auch neue Trainer. Gleich sieben sind es an der Zahl und das macht die Liga vor dem Start am Freitag besonders interessant. Diesbezüglich also nicht „Schluss mit lustig“, sondern eher für die Fans „Lust komm her“.

Nur die Bayern-Fans, die müssen, wenn der Schein nicht trügt, in diesem Jahr tapfer sein. Beim Umbruch in der Mannschaft hapert es, die Abgänge der altgedienten Ribery, Robben und Rafinha, aber auch Hummels und James konnten nicht kompensiert werden. In Sachen Neuzugängen scheint ein Fluch über den Bayern zu hängen, Hernandez wurde gleich verletzt verpflichtet, die Wunschspieler auf den Flügeln, Hudson-Odoi und Sane, verletzten sich, ehe die Verhandlungen konkret wurden. So kommt dafür wohl Notlösung Ivan Perisic, doch dann hätte auch Ribery bleiben können.

Verletzungen dürfen kaum passieren, denn in der zweiten Reihe finden sich fast nur noch Talente, die aktuell kaum helfen können. Das ist der Unterschied zu Borussia Dortmund: Der Herausforderer hat das, was die Münchner früher eben auszeichnete und Titel sicherte – zwei gleichstarke Teams. Der Vorjahreszweite, der einen Neun-Punkte-Vorsprung noch verspielte, hat aus der Pleite gelernt, hat sich Selbstbewusstsein eingeimpft und vor allem in dieser Hinsicht ist Mats Hummels eine wertvolle Verstärkung. So soll die Schwäche des zögerlichen Trainers Lucien Favre kompensiert werden. Und Hummels frohlockt: „In Dortmund wird ein Titel besonders gefeiert.“ Da müssen die Bayern-Fans eben tapfer sein. Übrigens ist der Auftakt gegen Hertha BSC schon ein echter Test: Vier der letzten fünf Vergleiche verloren die Bayern gegen die Berliner!

Frischen Wind in die Bundesliga bringen aber auch sieben neue Trainer und die drei Aufsteiger. Frischer Wind aber auch, weil es den Anschein hat, als wurde generell in der Bundesliga das Selbstbewusstsein ausgepackt. Keine Scheu vor großen Zielen, Leipzig und Leverkusen zum Beispiel gehen offensiv die Qualifikation zur Champions League an, Gladbach, Hoffenheim, Bremen, Wolfsburg, die Hertha und Frankfurt lauern dahinter und haben zumindest mit der Europa League das europäische Geschäft im Auge.

Es gibt natürlich auch das Tabellenende. Wie immer werden die Aufsteiger gleich wieder als erste Absteiger genannt, aber der 1. FC Köln ist etwas anderes als ein „normaler“ Aufsteiger, er sieht sich eher als gestandener Bundesligist und „ist gekommen um zu bleiben“. Bleiben will erst einmal auch der SC Paderborn, wohl die verrückteste Mannschaft im deutschen Fußball der letzten Jahre, denn seit 2014 gab es immer Auf- oder Abstieg. Na ja, da liegt ein Abstieg wohl nahe. Ein absoluter Neuling, nämlich der 56. Verein in der Bundesliga, ist Union Berlin, der etwas andere Klub aus dem Stadtteil Köpenick, der bisher vor allem durch seine besondere Stimmung im kleinen Stadion (22.000 Zuschauer) und durch sein Weihnachtssingen auffiel.

Mit dem Abstieg hat aber in jedem Jahr auch eine Mannschaft zu tun, die im Vorfeld nicht daran denkt. Das könnte diesmal der FC Augsburg sein, der sich von einem braven Provinzklub in einen Chaos-Verein verwandelt hat. Chaos auf dem Feld und im Umfeld, wo Spieler streiken, machen was sie wollen und Manager Stefan Reuter quasi im Nasenring durch die Manege führen. Spieler wie Max und Gregoritsch wollen immer noch gehen, trüben die Stimmung. Ergebnis: Dem Team fehlt Qualität. Alles wurde zwar auf den Prüfstand gestellt, die medizinische Abteilung vergrößert, der Rasen untersucht, doch die alte Leidenschaft, die jetzt das neunte Jahr in der Bundesliga sicherte, ist verloren gegangen. Die 1:2-Pokalpleite beim Viertligisten SC Verl war bezeichnend. Die letzte Saison endete mit einem 1:8 in Wolfsburg, ähnliches droht gleich wieder zum Auftakt beim Titelanwärter Borussia Dortmund. Schluss mit lustig also.

Augsburg macht im erweiterten Kreis der Abstiegskandidaten den desolatesten Eindruck, da sieht es in Freiburg, Mainz oder Düsseldorf schon solider aus. Eine Wundertüte ist Schalke 04, wohin geht die Reise nach dem Absturz im Vorjahr auf Rang 14 mit nur 33 Punkten? Die Hoffnung ruht auf dem neuen Trainer und Klopp-Freund David Wagner, investiert wurde aber vor allem in die Führung rund um das Team. Die Stimmung trübte zuletzt allerdings Boss Tönnies, der nach rassistischen Äußerungen für drei Monate aufs Abstellgleis geschoben wurde.

PR für Pokal: Tore, Spaß und Pleiten

Vor dem „Nachschlag“ am Montag hat der DFB-Pokal bereits Lust auf Fußball gemacht. Es gab viele Tore, jede Menge Spaß, einen Aufstand der Kleinen und auch Pleiten der Großen. Wie schon in den letzten Jahren haben zwei Bundesligisten die Segel streichen müssen, Mainz und Augsburg waren diesmal die Dummen. Andere retteten sich erst im Elfmeterschießen. Mit Verl zog ein Viertligist in die nächste Runde ein und kassiert dafür (wie alle anderen auch) 351.000 Euro. Außerdem sind mit Kaiserslautern und Duisburg zwei Drittligisten weiter. Insgesamt aber zeigte bereits die erste Runde, dass man den unterklassigen Vereinen nie den Vergleich mit den Bundesligisten kürzen oder gar wegnehmen darf. Solche Gedanken gehören endgültig ad acta gelegt. Der Pokal lebt.

Am kommenden Wochenende beginnt auch die Fußball-Bundesliga der Frauen, ein Kommentar dazu noch in dieser Woche.