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Tag: Bayern München

Nach dem Supercup heißt es „Vorteil Dortmund“

Je nach Standpunkt und Ergebnis wird die Bedeutung des Supercups hervorgehoben oder heruntergespielt. Dies ist in der Fußball-Bundesliga nicht anders als zum Beispiel in England, wenn sich der Meister und der Pokalsieger (bei einem Doublegewinn darf der Vizemeister ran) im „Vorlauf“ der neuen Punktrunde gegenüberstehen. Ist es ein erster Fingerzeig wenn man den ersten Pokal in den Händen hält oder doch nur ein weiteres Testspiel? Im Fall des 2:0 von Borussia Dortmund gegen den Titelverteidiger (auf allen Ebenen) Bayern München ist es auf jeden Fall ein erster Fingerzeig und so heißt es nach dem Supercup „Vorteil Dortmund“. Entsprechend wurde bei der Borussia auch gefeiert (mit dem Elan feiern sie in München die Meisterschaft).

Die Dortmunder feierten, weil der Erfolg ihnen die Bestätigung brachte, dass sie den Rivalen aus dem Süden wirklich angreifen können und für die Saison gerüstet sind. Er ist die Bestätigung dafür, dass die ausgegebene Parole „wir wollen Meister werden“ durch Substanz absolut gerechtfertigt ist. Wie das 2:0 zustande kam, zeigte vor allem Trainer Lucien Favre, dass er mit seiner taktischen Marschroute zumindest im direkten Vergleich richtig liegt: Die Abwehr muss stehen und das Umschaltspiel klappen. Da nützte den Bayern 65 Prozent Ballbesitz gar nichts. Die Dortmunder waren also keineswegs besser, aber cleverer und sie haben weniger Fehler gemacht. Das sollte also den Bayern zu denken geben.

In München spielen sie Bedeutung der Niederlage natürlich herunter. Motto: Gar nichts passiert. Andererseits nutzten einige Spieler die Gelegenheit, um weitere Verstärkungen einzufordern. Sie wollen auf der Bank Spieler, die sofort helfen können. Vergessen dabei allerdings, dass sie dann selbst auf der Bank sitzen könnten und ihren Unmut äußern. Da gerät der Trainer schnell in die Bredouille. Das könnte Niko Kovac jetzt auch wieder passieren, denn es keimt schon wieder eine Systemdiskussion auf. Zuletzt setzte er auf das 4-3-3, was vor einem Jahr zur Herbstkrise führte. Die Bayern schafften dem geliebten 4-2-3-1 der Spieler dann die Wende. Noch heißt es, das System spielt keine Rolle, doch wenn die Ergebnisse nicht stimmen, spielt es plötzlich die Hauptrolle.

In Dortmund standen sich mehr oder weniger noch die „alten Teams“ gegenüber, beide Mannschaften haderten auch mit Verletzungen. Einziger Neuzugang bei den Borussen war Nico Schulz, die Bayern hatten besondere „Neuzugänge“: Einmal Tolisso, der die letzte Saison mehr oder weniger wegen Verletzungen verpasste, zum anderen Jerome Boateng, dem eigentlich der Abgang nahegelegt wurde. Jetzt stieg er zur festen Größe auf – Abgang dennoch nicht ausgeschlossen.

Überhaupt sind neue Spieler ein besonderes Thema bei den Bayern, sie agieren nach wie vor unglücklich. Zuletzt meldeten einige Medien, dass der Wechsel von Leroy Sane bevorstehe, doch plötzlich scheint alles wieder offen, weil Sane beim Supercup in England nach wenigen Minuten verletzt vom Platz musste. 100 Millionen Euro oder mehr für einen verletzten Spieler ausgeben? Die Bayern gingen schon mit 80 Millionen für den verletzten Hernandez ein großes Risiko ein. Die Dortmunder schauen sich dieses Theater in Ruhe an, bei ihnen geht es nur noch darum, wer noch abgegeben werden kann. Bei den Bayern ist der Kader zu klein, in Dortmund zu groß.

Im Pokal „Vorteil für die Kleinen“

Es ist eine schöne Tradition, dass die erste Runde im DFB-Pokal vor dem Start der Bundesliga quasi die neue Saison einläutet. Im Pokal heißt es „Vorteil für die Kleinen“, die Heimvorteil genießen und ein Fest feiern, wenn Bundesligisten zu Gast sind. Alle Änderungswünsche diesbezüglich müssen deshalb auch für immer ad acta gelegt werden, an diesen Festtagen darf nicht gerüttelt werden. Dortmund und Bayern können noch einmal ein bisschen durchschnaufen, doch unterschätzen sollte man die Gegner nicht. Das müssen Jahr für Jahr einige Bundesligisten schmerzhaft erkennen. Wen erwischt es diesmal?

Neu in diesem Jahr ist, dass sich der Fernsehsender Sport1 Rechte für ein Live-Spiel in jeder Runde gesichert hat, er zeigt am Freitag Bayer Uerdingen gegen Borussia Dortmund. Die ARD hat sich bei ihrer Auswahl für die Bayern entschieden, die ja gute Einschaltquoten garantieren. Der Titelverteidiger muss am Montag bei Energie Cottbus ran, das vor einem Neubeginn in der Regionalliga steht. Das war auch schon mal ein Bundesliga-Duell. Die Bayern sollten aber nicht meinen, dass sie da so einfach das Toreschießen üben können.

Start in der Premier League

Die Premier League in England ist schneller als die Bundesliga, da geht es bereits am Freitag los, die Liga ist mit 20 Vereinen ja auch größer. Champions-League-Sieger FC Liverpool hat die Ehre des Eröffnungsspiels gegen Neuling Norwich City. Titelverteidiger Manchester City folgt am Samstag bei West Ham United. Die Teams der Trainer Jürgen Klopp und Pep Guardiola gelten wieder als Favoriten. Im ersten direkten Vergleich, dem Community Shield (quasi der Supercup), trennte man sich 1:1, da City das Elfmeterschießen gewann, fuhr Pep gleich wieder den ersten Titel ein. Die spektakulären Transfers blieben aus, die Klubs in England sind stark genug, wie sich in der Champions League zeigte. Allerdings haben viele Beobachter die Sorge, dass die vielgerühmte Spannung von früher verloren gehen könnte. Nicht vier oder sechs Klubs streiten um die Meisterschaft, vielleicht wieder nur zwei. Chelsea London, die Tottenham Hotspur, Arsenal London, Manchester United und vielleicht auch der FC Everton, der ein bisschen aufgerüstet hat, müssen Langeweile an der Spitze also verhindern.

In Deutschland ist das Interesse an der Premier League groß, schließlich ist das deutsche und vor allem das Bundesliga-Element (viele ehemalige BL-Stars) ein Anreiz. Deshalb hat der Privatsender Sky auch einige Euro hingelegt, um DAZN wieder die Übertragungsrechte abzujagen. Sky-Zuschauer können also dabei sein und testen, wo der bessere Fußball geboten wird, in der Bundesliga oder in der Premier League.

Ein Hinweis: In dieser Woche folgt noch eine Zwischenbilanz der Formel 1.

Der Supercup wird zum echten Supercup

Darauf haben die Fußball-Fans seit dem Start der Trainingslager gewartet – auf das direkte Duell der beiden Star-Klubs Bayern München und Borussia Dortmund. Sie müssen dabei nicht bis zum November warten, bis es das Aufeinandertreffen in der Bundesliga gibt, sondern sie bekommen vor der Punktrunde als Hauptgericht vorab eine schmackhafte Vorspeise. Der Supercup, ansonsten als minderwertiger Wettbewerb angeprangert, wird zum echten Supercup, wenn am Samstag Borussia Dortmund Meister Bayern München erstmals in der neuen Saison herausfordert (live im ZDF). Möglich machte dies das Double der Bayern, denn normalerweise stehen sich Pokalsieger und Meister gegenüber. Da die Bayern schlecht gegen sich selbst spielen können, kommt der Bundesliga-Zweite zum Zug.

Zweiter? Davon wollen sie in Dortmund nichts mehr hören. Erstaunlich selbstbewusst treten sie in diesem Sommer auf und lassen keine Gelegenheit aus, um zu verkünden, dass sie Meister werden wollen. Und die Bayern freuen sich sogar: „Endlich ein Gegner, der uns herausfordert“, heißt an der Isar. Es könnte am Ende sogar ein böses Erwachen geben. Erster Test also beim Supercup. Es wird ein ernsthaftes Duell werden.

Beide Klubs gehen unterschiedlich in die Saison. Die Dortmunder haben schnell auf dem Transfermarkt zugeschlagen und für die Neuzugänge Julian Brandt (Leverkusen), Thorgan Hazard (Gladbach), Nico Schulz (Hoffenheim) und Mats Hummels (Bayern) fast schon Bewunderung geerntet. Vor allem der Wechsel von Hummels von München zurück nach Dortmund erntete Erstaunen, stärken die Bayern doch damit den größten Gegner. Hummels könnte die Schwachstelle in der Borussen-Abwehr schließen. Die Bayern machen im Gegensatz zu Dortmund auf dem Transfermarkt eine eher schlechte Figur. Zwar holten sie zwei Weltmeister, sind aber Abwehrstratege Lucas Hernandez (von Atletico Madrid) 80 Millionen Euro wert und Benjamin Pavard vom Absteiger VfB Stuttgart wirklich Verstärkungen? Fiete Arp vom HSV gilt als großes Talent, ist aber eher ein Mann für die Zukunft.

Kein Wunder, dass Dortmund auch in der Meinung der Fans vorne liegt. In Umfragen der Fachzeitschrift kicker sehen 49,3 Prozent der Leser Dortmund als neuen Meister, nur 36,9 % setzen auf die Bayern, danach kommt lange nichts, mit 3,4 % ist RB Leipzig Dritter. Und aktuell glauben 61 Prozent das Dortmund den Supercup gewinnt. Die Dortmunder hatten zuletzt 2014 den ersten Pokal der Saison in den Händen und gewannen ihn sechsmal. Die Bayern haben (natürlich) auch in dieser Statistik die Nase vorn, siegten zuletzt dreimal in Folge und insgesamt achtmal. Aber noch nie war die Spannung vor diesem zusätzlichen Wettbewerb so groß. Die Saison beginnt wahrlich mit einem Paukenschlag!

Eintracht Frankfurt als Vorbild

Für einen Bundesligisten haben die Pflichtspiele bereits begonnen: Eintracht Frankfurt musste in der Qualifikation zur Europa League ran. Es ist ein Ritt auf der Rasierklinge zwischen effektiver Saisonvorbereitung und Erfolg in frühen wichtigen Spielen. Manche Trainer haderten mit dieser Konstellation und scheiterten. Nicht so Adi Hütter und Frankfurt. Der Österreicher machte von Anfang deutlich, wir wollen wieder für Furore sorgen und nahm die Fans auf diesem Weg mit. Das Europa-Feeling ist schon wieder da, die Fans machten sich auch auf den Weg nach Estland. Mit einem 2:1-Sieg war der Start erfolgreich, die Eintracht darf von Runde drei träumen und ist für die anderen, oft zögerlichen Bundesligisten mit dieser Einstellung ein Vorbild. Der Anfang für eine erneute erfolgreiche Saison in Europa ist gemacht, obwohl die Frankfurter ja zwei Torjäger verloren haben und mit Hängepartien auf dem Transfermarkt leben müssen. Doch geklagt wird bei den Hessen nicht!

Olympia-Feeling in Berlin

Noch ein Beispiel, dass es mit Klagen allein nicht getan ist, sondern dass gehandelt werden muss. Die Sommersportarten fühlen sich gegenüber dem Wintersport mit seinen langen TV-Übertragungen immer zurückgesetzt und im Schatten von König Fußball auf verlorenem Posten. Es geht auch anders, es gibt bei Sport und Fernsehen offensichtlich ein Umdenken und einen Versuch – und deshalb am Wochenende ein bisschen Olympia-Feeling in Berlin. Die Hauptstadt wird auch zur Sport-Hauptstadt, zehn Deutsche Meisterschaften finden an einem Wochenende statt, 3000 Athleten und Athletinnen sind dabei und kämpfen in 202 Entscheidungen um die Titel. ARD und ZDF übertragen rund 20 Stunden lang, die ARD am Samstag von 10.00 bis 19.50 Uhr, das ZDF am Sonntag von 10.15 bis 19.00 Uhr.

Mit von der Partie sind die Sportarten Bahnradfahren, Bogenschießen, Boxen, Kanu, Leichtathletik, Moderner Fünfkampf, Schwimmen, Trial, Triathlon und Turnen. Ein Versuch ist es sicherlich wert, auf Anhieb wird man allerdings die Einschaltquoten von Wintersporttagen kaum erreichen können, dort ist Biathlon auch der attraktiven Leichtathletik überlegen. Zu loben ist, dass es überhaupt Ideen gibt, um zu mehr Aufmerksamkeit zu gelangen.

Viel Aufmerksamkeit hatte zuletzt Uli Hoeneß, dem nachgesagt wird, er würde seine Ämter bei den Bayern abgeben. Lesen Sie dazu den nächsten Kommentar: „Uli Hoeneß: Umstritten, erfolgreich, ein Mensch“. Viel Aufmerksamkeit hatte in den letzten Wochen auch die Tour de France, dazu ein paar Gedanken in den nächsten Tagen hier im Blog.

Uli Hoeneß: Umstritten, erfolgreich, ein Mensch

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe:Präsident Uli Hoeneß will alle seine Ämter beim Deutschen Fußball-Rekordmeister Bayern München im Herbst niederlegen. Natürlich war es eine Nachricht des Boulevards, Hoeneß selbst will sich am 29. August dem Aufsichtsrat erklären und schweigt dazu, ob die Meldung Tatsache ist oder nicht. Aber alle Informationen sprechen dafür. Damit ginge die erfolgreichste Ära der Bayern-Geschichte zu Ende. In den 40 Jahren in verantwortlicher Position machte Hoeneß aus einem gutsituierten Verein ein erfolgreiches Unternehmen. Die Lücke, die er hinterlässt, könnte nicht größer sein.

Allerdings ist der Hoeneß von heute nicht mehr der Hoeneß aus der Zeit der Aufreger, als er es sich mit allen, die seinen Gedanken nicht folgen wollten, entgegenstellte und manchen Krawall riskierte, wenn er seinen Verein oder seine Spieler angefeindet sah. Doch das Gespür für den richtigen Zeitpunkt der Schlagzeilen und ihre Wirkung ist ihm verloren gegangen. So im letzten Herbst bei der unsäglichen Pressekonferenz oder jetzt, als sein Rücktritt die Werbe-Tour der Bayern in den USA (Rummenigge: „Die beste USA-Tour aller Zeiten“) mit guten sportlichen Leistungen und Erfolgen gegen Real Madrid (3:1) und AC Mailand (1:0) in den Schatten stellte. Uli Hoeneß ist nach seinem Gefängnisaufenthalt nach verurteilter Steuerhinterziehung und nach Anfeindungen eines Fans bei der Hauptversammlung 2018 ein anderer geworden, nachdenklicher vor allem. Und das mag jetzt auch eine Rolle spielen, dass er sich sagt, nach 40 Jahren ist Schluss und seiner Familie, seiner Frau Susi, Tochter, Sohn und vier Enkeln den Vorzug und mehr Zeit gibt. Er will angeblich im Aufsichtsrat bleiben und ist damit für Ratschläge immer greifbar.

Uli Hoeneß polarisierte mit seiner polternden Art, er war umstritten, aber erfolgreich wie kein anderer Manager im deutschen Sport, aber er blieb auch immer ein Mensch. Er war für jeden aus dem Verein immer da, vor allem wenn es einem schlecht ging, er war dafür verantwortlich, dass von der sprichwörtlichen „Bayern-Familie“ die Rede war. Er war der Vater und mit Ausnahmen natürlich immer stolz auf „seine“ Familie, ohne die eigene private Familie dabei vergessen zu wollen. Hoeneß zeigte eine raue Schale mit weichem Kern.

Sein erfolgreiches Wirken machen die Rekordzahlen deutlich, da muss man sich fast schon die Augen reiben. Als Hoeneß am 1. Mai 1979 als Manager begann, nachdem ihn eine Verletzung zum Karriere-Ende als erfolgreicher Spieler zwang (er gewann alle Titel, u. a. Weltmeister 1974 und dreimal in Folge Sieger mit Bayern im Europacup der Landesmeister, dem Vorläufer der Champions League), da hatten die Bayern gerade mal 20 Angestellte und machten 20 Millionen Mark Umsatz. Heute sind es rund 1000 Mitarbeiter und 700 Millionen Euro Umsatz. Passend dazu gerade die aktuelle Liste des US-Magazin Forbes über die wertvollsten Vereine der Welt. Da belegen die Bayern in der Gesamtliste Rang 17 (vorherrschend die US-Klubs im Football, Baseball und Basketball) und im Fußball-Ranking weltweit Platz vier hinter Real Madrid (mit einem Wert von 4,2 Milliarden Euro geschätzt), FC Barcelona (4,0) und Manchester United (3,8). Bayern selbst soll 3,0 Milliarden Euro wert sein. Dazu die sportlichen Erfolge allein in diesen 40 Jahren Uli Hoeneß: 24 mal Deutscher Meister, 14 x Pokalsieger, 2 x Champions League (2001, 2013), UEFA-Pokalsieger (1996), Klub-Weltmeister (2013), Weltpokalsieger (2001), UEFA-Superpokalsieger (2013), 8 x Deutscher Supercupsieger und 6 x Ligapokalsieger.

Es könnte sein, dass Uli Hoeneß es geschafft hat, trotz seines schwarzen Flecks in seiner Karriere gerade rechtzeitig den Staffelstab zu übergeben. Die Zukunft wird es weisen, ob er es auch schafft, die richtigen Nachfolger auf den Weg zu bringen. Die Zeichen stehen zumindest für die Bayern auf Hoffnung, denn mit dem früheren Adidas-Chef Herbert Hainer (im Juli gerade 65 geworden) steht ein Mann vom Fach parat, den auch ein internationales Netzwerk auszeichnet und der als Aufsichtsrat eng mit Hoeneß zusammenarbeitete. Und er ist – welch ein Zufall – auch der Sohn eines Metzgers. Da muss es für die Bayern doch auch weiterhin um die Wurst gehen. Hainer soll Hoeneß als Präsident (Wahl im November) und als Vorsitzender des Aufsichtsrat beerben.

Die zweite Personalie wurde zusammen mit Karl-Heinz Rummenigge bereits auf den Weg gebracht, denn der frühere Nationaltorhüter Oliver Kahn soll ab Januar als Rummenigge-Nachfolger aufgebaut werden. Damit hätten beide Bosse erreicht, dass auch in Zukunft Bayern von kompetenten Personen geführt wird, die mit dem Bayern-Gen versehen sind. Es wäre die größte Leistung der scheidenden Manager, wenn die erfolgreiche Bayern-Ära weiterhin Bestand hätte.

Mit der aktuellen Lage tun sie sich im Moment vielleicht sogar ein bisschen schwer. Es bleiben Zweifel, ob Hasan Salihamidzic der richtige Sportdirektor ist, den die Bayern brauchen, wenn man die gewisse Hilflosigkeit bei den aktuellen Transfers sieht. Es gibt viele Gerüchte, aber keine Vollzugsmeldungen. Scheitert der Transfer von Leroy Sane könnten die Bayern am Ende gar ohne die auch von Spielern geforderten Verstärkungen dastehen. Oder wollte Hoeneß vielleicht sogar von diesen Sorgen ablenken?

Unten ist oben! Zweite Liga erstklassig

Vor einer Woche war an dieser Stelle von der 3. Liga im deutschen Fußball die Rede und davon, dass sie im europäischen Vergleich an der Spitze liegt, was das Interesse angeht. Dies lässt sich auch von der 2. Bundesliga sagen, die am Freitag mit der neuen Saison beginnt. Die zweite Liga ist in Sachen Interesse, heißt Zuschauerschnitt, in Europa erstklassig. Rund 19.000 kamen in der letzten Saison im Schnitt, der Rekord liegt bei 21.580 in der Saison 2016/17. Manchmal kann unten und eben doch oben sein!

In der Tat hat die 2. Bundesliga an Image gewonnen, das liegt daran, dass Traditionsvereine das Unterhaus zwangsläufig „besuchen“ und scheinbar führt das auch dazu, dass das spielerische Niveau steigt. Die Trainer konstatieren, dass die Liga bei Weitem keine „Kampfliga“ mehr sei. Und dennoch sind sich die Favoriten, meist die Bundesliga-Absteiger, einig: „Wir müssen die zweite Liga annehmen“. Das gilt aber vor allem auch psychologisch, nicht dass einer meint, „wir sind eigentlich ein Bundesligist, die zweite Liga gewinnen wir im Vorbeigehen“. Das kann zur Ernüchterung führen, der Bundesliga-Dino Hamburger SV musste es in der letzten Saison erleben. Er blieb auf der Strecke, neben dem Rückkehrer 1. FC Köln machten der SC Paderborn und Union Berlin das Rennen. Sie sind jetzt oben.

Die Bundesliga-Absteiger VfB Stuttgart, Hannover 96 und 1. FC Nürnberg gehören neben dem Hamburger SV also zum Favoritenkreis und möchten schnellstmöglich wieder zurück. Gleichzeitig steigern sie natürlich die Attraktivität der 2. Bundesliga, die ja mit Dynamo Dresden, dem FC St. Pauli und Aufsteiger Karlsruher SC weitere klangvolle Namen zu bieten hat. Nur sechs Vereine des 18er-Feldes haben noch keine Bundesliga-Luft geschnuppert. Also auch da ist die zweite Liga fast erstklassig.

Auffallend ist, dass sich im Unterhaus wie im Oberhaus das Trainerkarussell kräftig drehte. Sieben neue Trainer gibt es oben, sechs sind es auch in der 2. Bundesliga. Bezeichnend, alle großen Favoriten probieren es mit neuen Coaches. Die Neuen sind Tim Walter (Stuttgart), Mirko Slomka (Hannover), Damir Canadi (Nürnberg) und Dieter Hecking (Hamburg), außerdem Mersad Selimbegovic (Regensburg) und Andre Schubert (Kiel). Einer der Erstgenannten vier wird also in die Röhre schauen, wobei einige schon vorsichtig sagen, wir wollen nach oben, muss aber nicht gleich in diesem Jahr sein. Ein „Muss“ ist es wohl beim Hamburger SV, schließlich ist es der zweite Anlauf, die größten Erwartungen gibt es darüber hinaus wohl in Stuttgart. Der Start hat es gleich in sich mit dem Duell Stuttgart – Hannover. Wer ist besser gerüstet?

Das sind die 18 Teams: VfB Stuttgart, Hannover 96, 1. FC Nürnberg, Hamburger SV, FC Heidenheim, Holstein Kiel, Arminia Bielefeld, Jahn Regensburg, FC St. Pauli, Darmstadt 98, VfL Bochum, Dynamo Dresden, Greuther Fürth, Erzgebirge Aue, SV Sandhausen, VfL Osnabrück, Karlsruher SC, Sv Wehen Wiesbaden.

Bundesliga-PR von Bayern und Dortmund

Im Oberhaus tummeln sich die Favoriten im internationalen Geschehen. Bayern München und Borussia Dortmund weilten beide in den USA auf Werbetour, wobei diesmal allerdings nur die Münchner am Champions Cup teilnahmen. Aber beide sorgten für beste PR für die Bundesliga. Die Dortmunder besiegten Ex-Trainer Jürgen Klopp mit Champions-League-Sieger FC Liverpool mit 3:2 und die Bayern verwiesen nach einem 1:2 gegen Arsenal London den alten Rivalen Real Madrid mit 3:1 in die Schranken. Eine Wohltat für beide Teams und Lob gab es obendrein. So urteilte Jürgen Klopp über Dortmunds Leistung „eindrucksvoll“ und Reals Trainer Zinedine Zidane nahm die Münchner wieder in den Kreis der Favoriten für die Champions League auf: „Sie haben ein Team, das den Titel gewinnen kann“. Dortmund hat sich bekanntlich spektakulär verstärkt, die Bayern halten mit einem etablierten Team dagegen: „Uns muss man erst mal schlagen.“ Und wenn es keine Neuzugänge gibt, dann bleiben halt die eigentlich erwarteten Abgänge: Renato Sanches will sich endgültig bei den Bayern durchsetzen, Jerome Boateng warb mit starken Leistungen für sich, nach dem Motto „geht doch“. Bei ihm ist das letzte Wort allerdings noch nicht gesprochen. Das erste Duell zwischen Dortmund und Bayern wird schon sehnsüchtig erwartet, es ist der Supercup am 3. August. In der Bundesliga muss man noch bis zum Wochenende 9./10. November warten.

Übrigens zeigt sich bei beiden Vereinen wieder einmal der Unterschied: Da der Glamour-Klub Bayern, der bei Hollywood-Star Arnold Schwarzenegger in Los Angeles zum Grillen eingeladen war (unter den Gästen auch Sylvester Stallone und Dolph Lundgren, Star-Koch Alfons Schuhbeck sorgte mit Kaiserschmarrn für die Nachspeise) und die NASA besuchte, passend zum erhofften weiteren Höhenflug. Der bodenständige Verein aus dem Ruhrpott gönnte sich als Abwechslung einen Besuch in einem Burger-Restaurant.

Während sich 17 Bundesligisten noch auf die neue Saison vorbereiten, wartet auf einen Verein schon der Ernstfall, Eintracht Frankfurt muss bereits in der 2. Qualifikationsrunde der Europa League ran (25. Juli/1. August). Gegner ist Flora Tallinn, Tabellenführer in Estland, das sich mit 2:0, 2:2 gegen den eigentlich favorisierten serbischen Vizemeister Radnicki Nis durchsetzen konnte. Kann Tallinn zum Stolperstein werden? Beobachter glauben nicht, das spielerische Niveau sei überschaubar gewesen. Die Hessen wollen die Europa-Euphorie des letzten Jahres wiederholen und haben sich im Rahmen der Saison-Vorbereitung bestmöglich in Form gebracht, doch rund um die Mannschaft gibt es noch Fragezeichen. Die Torjäger Jovic und Haller haben sich bekanntlich verabschiedet, um Torhüter Kevin Trapp gibt es mit Paris noch eine Hängepartie. So ist der Däne Frederik Rönnow die Nummer 1. Er kann also Werbung für sich betreiben. Sollte sich Frankfurt für die Europa League qualifizieren und auch im DFB-Pokal erfolgreich sein, warten auf die Mannschaft bis Weihnachten 31 Spiele! „Müde Weihnachten“ wären dann wohl auch „frohe Weihnachten“.

Neue Regeln und alter Ärger

Die neue Fußball-Saison steht in den Startlöchern (die 3. Liga in Deutschland beginnt am Wochenende, weiter unten mehr), die neuen Regeln, die der Weltverband oder genauer die IFAB (International Football Association Board) beschlossen hat, sind bereits seit dem 1. Juni in Kraft und erlebten ihre Bewährungsprobe bei der Weltmeisterschaft der Frauen in Frankreich. Im Mittelpunkt stand das Interesse, das Spiel in einigen Punkten zu beschleunigen, aber auch die Regeln über das Handspiel zu präzisieren. Das zumindest ist nur ein bisschen gelungen, ein Ermessungsspielraum bleibt für die Schiedsrichter und deshalb darf als sicher gelten: Neue Regeln und alter Ärger.

Eine Änderung führt zu Klarheit: Jedes Tor, das mit Hand oder Arm erzielt wird, ist irregulär, egal ob Absicht vorliegt oder nicht. Strafbar ist auch, wenn der Spieler seine Körperfläche unnatürlich vergrößert, zum Beispiel wenn die Arme über die Schultern angehoben werden. Kein Handspiel liegt vor, wenn der Ball vom eigenen Körper oder vom Gegner an die Hand springt oder wenn sich ein Spieler im Fallen abstützt. Also, ein bisschen mehr Klarheit, aber der Gesprächsstoff wird trotz Videobeweis nicht ausgehen. Wäre ja auch schade.

Alle anderen Änderungen sind nicht so bedeutend, aber zum Teil wird das Spiel natürlich schneller werden. Gut ist, dass sich bei einem Freistoß in Tornähe die Spieler der ausführenden Mannschaft nicht mehr in die Mauer des Gegners stellen dürfen, sondern einen Meter Abstand halten müssen. Damit ist ein unsägliches Gerangel vorbei. Schneller wird das Spiel, weil Auswechselspieler den kürzesten Weg zur Auslinie nehmen müssen, aber auch, weil bei Abstößen der Ball den Strafraum nicht mehr verlassen muss. Umgewöhnen müssen sich die Schiedsrichter in eigener Sache, sie sind nicht mehr Luft, was wir ja auch bisher schon gemerkt haben. Wird er jetzt angeschossen und es gibt eine wesentliche Richtungsänderung des Balles oder sogar ein Tor, gibt es Schiedsrichter-Ball.

Auf alle Änderungen muss hier nicht eingegangen werden, Ärger gab es allerdings bereits, weil eine Torhüterregel beim Elfmeter besonders streng ausgelegt wurde. Die Torhüter müssen nur noch mit einem Fuß auf der Linie bleiben, allerdings wurde dies zum Beispiel bei der Frauen-WM per Videobeweis streng kontrolliert und oft die fällige Gelbe Karte verteilt. Wäre dies in einem Elfmeterschießen der Fall, würden die Torhüter ausgehen. So gab es die schnelle Modifikation, dass es bei Elfmeterschießen keine Gelben Karten verteilt werden. Allerdings gab es auch den Rat, bei geringfügigen Verfehlungen der Fußstellung großzügig zu sein. Wir sehen, der Ermessungsspielraum für Schiedsrichter geht nicht aus, allzu starr sollte der Fußball auch nicht sein.

3. Liga zwischen Erfolg und Ablehnung

Seit einigen Jahren bemühen sich DFL und DFB den Ligen unterhalb der Bundesliga mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Das geht am besten vor der Saison, wenn die Eliteliga noch pausiert und so wird häppchenweise die neue Saison im Profi-Fußball eingeläutet (bei den Amateuren in den Landesverbänden ist es ähnlich). Am kommenden Wochenende ist als Erste die 3. Liga dran, eine Woche später beginnt die 2. Bundesliga. Sie dürfen sich dann noch zwei Wochen über mehr Aufmerksamkeit freuen, weil die Bundesliga ihre Saison nach Supercup (3. August) und Pokal (9. – 12. August) erst am 16. August mit dem Auftaktspiel Bayern München – Hertha BSC Berlin beginnt.

Auch in der 3. Liga sieht München das Auftaktspiel, in diesem Fall erwartet 1860 München die Preußen aus Münster (der erste „Tatort“ ist also München, nicht Münster). Allerdings drängen sich die Klubs nicht in die 3. Liga, sondern sie möchten sie eigentlich gerne schnell wieder verlassen – nach oben versteht sich. Die 3. Liga ist ein ungeliebtes Kind zwischen Erfolg und Ablehnung. Erfolg, weil die 3. Liga durchaus attraktiv ist, wenn man nämlich die Zuschauerzahlen sieht. Im vergangenen Jahr kamen 3,09 Millionen Zuschauer zu den Spielen, die Drei-Millionen-Marke wurde erstmals geknackt. Im Schnitt kamen 8123 Besucher, das ist mehr als die 2. Ligen in Italien (unter 8000) und Frankreich (unter 7000). Der Grund: Ehemalige Deutsche Meister und Traditionsvereine tummeln sich im Unterhaus, nur fünf Vereine waren noch nie in der Bundesliga. Dort wollen die meisten wieder hin, doch der Weg ist beschwerlich. Am meisten ärgern sich die Klubs aber darüber, dass der Fall von der 2. Bundesliga in die 3. Liga finanziell so krass ist. Mit 12 Millionen Euro von der DFL können die Klubs in der 2. Bundesliga planen, nur 1,28 Millionen Euro im Schnitt gibt es vom DFB aus der zentralen Vermarktung in der 3. Liga. Ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Also heißt es nichts wie weg und in die 2. Bundesliga. Dies gilt vor allem für die Absteiger Ingolstadt, Magdeburg und Duisburg, für die die 3. Liga nur ein Zwischenspiel sein soll. Dass man aber leicht hängen bleiben kann, zeigen andere Vereine wie der 1. FC Kaiserslautern oder Eintracht Braunschweig, das im letzten Jahr sogar gegen den Abstieg kämpfen musste. Eine Besonderheit weist die neue Saison auf, mit Bayern München II ist erstmals wieder eine zweite Mannschaft eines Bundesligisten dabei. Die Bayern kämpften seit acht Jahren um die Rückkehr, jetzt aber machen sie keine besonderen Anstrengungen, um die 3. Liga auch sicher zu halten. Der neue Trainer Sebastian Hoeneß (Sohn von Dieter Hoeneß) muss es vor allem mit Talenten schaffen, Leistungsträger wie Jeong (Freiburg) und Awoudija (Stuttgart) sind sogar gegangen. Von den Profis darf er in einigen Spielen die Jungstars Davies und Arp als Verstärkung erwarten. Im Mittelpunkt stehen die Derbys mit 1860 und der SpVgg Unterhaching, die als Besonderheit vor einem Börsengang steht. Das also geht auch in der 3. Liga. Sie muss also doch attraktiv sein.

Das sind die Vereine in der 3. Liga: FC Ingolstadt 04, 1. FC Magdeburg, MSV Duisburg, Hallescher FC, Würzburger Kickers, Hansa Rostock, FSV Zwickau, Preußen Münster, 1. FC Kaiserslautern, SpVgg Unterhaching, KFC Uerdingen 05, 1860 München, Carl Zeiss Jena, SG Sonnenhof Großaspach, Eintracht Braunschweig, Chemnitzer FC, Viktoria Köln, Waldhof Mannheim, Bayern München II.

Fallen sind gestellt: Ende der Bayern-Ära?

Sieben nationale Titel in Folge, 2013 Sieger der Champions League und dort in jedem Jahr im Kreis der Favoriten – der FC Bayern München hat eine erfolgreiche Zeit hinter sich. Ja, liebe Fußball-Fans, „hat er hinter sich“ könnte stimmen, denn ob die erfolgreiche Bayern-Zeit weitergeht, darf bezweifelt werden, auch nach dem Double-Gewinn in diesem Jahr. Der Umbruch in der Mannschaft ist in vollem Gange und derzeit bleiben mehr Fragen als Antworten. Ganz im Gegenteil, als Hürden für eine erfolgreiche Zeit sind zahlreiche Fallen bereits gestellt. Es könnte sein, dass 2019 das Ende der Bayern-Ära einläutet.

Für Aufmerksamkeit sorgte in diesen Tagen ein Interview von Neuer-Berater Thomas Kroth mit der Süddeutschen Zeitung, dabei stellte er in den Raum, dass sich der Kapitän einen neuen Verein suchen könnte, wenn sein Vertrag 2021 ausläuft. Dann nämlich, wenn Neuer den Eindruck hat, dass er mit den Bayern die Champions League nicht mehr gewinnen kann. Damit sind wir schon bei der ersten Falle für die Bayern, der…

Transfer-Falle: Die Bayern versuchen verzweifelt, mit den reichen Vereinen in England, den Größen in Spanien (Barcelona und Real Madrid), sowie dem Scheich-Klub Paris St. Germain und dem reichen Juventus Turin in Italien mitzuhalten. Das Dilemma: Spieler, die Bayern verstärken könnten, sind extrem teuer, die Ablösesummen beginnen da bei den 80 Millionen, die Hernandez gekostet hat. Sind die Spieler billiger, bringen sie die Bayern auch nicht weiter. Deshalb der spöttische Blick auch auf den nationalen Konkurrenten Borussia Dortmund, Spieler wie Brandt oder Hazard sind recht und gut, doch Bayern sucht nach noch mehr Qualität. Deshalb wird weiter um Leroy Sane gebuhlt oder auf Callum Hudson-Odol von Chelsea gewartet. Dass der umstrittene Dembele von Barcelona ins Visier geraten ist, ist wohl der Tatsache geschuldet, dass man das Risiko mit einem eigenwilligen Spieler eingehen würde, weil andere dieser Qualität nicht zu bekommen sind. Aber da gibt es noch ein anderes Problem, die…

Trainer-Falle: International gute Spieler sind leichter zu verpflichten, wenn sie zu einem prominenten Trainer kommen und sagen können, „der macht mich besser“. Einer wie Jürgen Klopp oder Pep Guardiola. In dieser Kategorie wird Bayern-Coach Niko Kovac nicht gesehen, ihm fehlt die internationale Reputation und der Glanz. Da gibt es aber auch die…

Sprach-Falle: Die Bayern möchten einen deutsch sprechenden Trainer und damit ist der Kreis der Kandidaten international schon sehr eingeengt. Da hat die Premier League unabhängig vom Geld zudem sprachliche Vorteile. Der Standort Deutschland also als Nachteil. Gibt es keine weiteren Verstärkungen, steht die nächste Falle schon, nämlich die…

Titel-Falle: Die Bayern waren nicht nur wegen der üppigen Bezahlung attraktiv, sondern vor allem für deutsche Spieler der Verein der Sehnsucht, weil Titelgewinne quasi garantiert wurden. Und für internationale Stars bestand die Hoffnung, mit den Bayern eben die Champions League gewinnen zu können (siehe das Neuer-Argument). Wenn die Bayern nicht mehr in der gewohnten sportlichen Größenordnung operieren können, dann fällt dieses Argument weg und damit wird gleichzeitig das Ende der Bayern-Ära eingeläutet.

Noch ist es allerdings nicht so weit, die Bayern haben eine starke Mannschaft, der Kader ist mit 17 Feldspielern allerdings zu klein (mit gerade mal sieben ging das Training los), zumal es noch einige Fragezeichen gibt, wie den wechselwilligen Sanches oder Boateng, der eigentlich gehen soll, jetzt aber als Notnagel dienen könnte. Seltsam ist der Getue um Timo Werner, der nächstes Jahr ablösefrei aus Leipzig kommen könnte, aber wohl in diesem Jahr schon gebraucht wird. Diese 40 Millionen Euro sollten die Bayern investieren. Seltsam auch, dass Talente aus der Bayern II abwandern, wie Flügelflitzer Jeong nach Freiburg oder Abwehrtalent Awoudja nach Stuttgart. Da wachsen die Zweifel an Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Die Bayern sollten sich nicht zu sehr darauf verlassen, dass sie noch Zeit haben bis zum Ende der Transferphase am 2. September.

Titel an USA, Brasilien und Mexiko

National hat die neue Saison endgültig begonnen, mit den Bayern am Montag sind auch alle Bundesligisten wieder im Trainingslager und in der 3. Liga geht am 19. Juli mit dem Auftaktspiel 1860 München – Preußen Münster bereits die Punktrunde los. International standen allerdings verschiedene Meisterschaften noch im Mittelpunkt. Am Wochenende wurden Titel vergeben und die Gewinner sind: Die USA als Frauen-Weltmeister, Brasilien holte sich die Copa America und Mexiko den Gold Cup. In Afrika wird noch gespielt.

Es war bezeichnend: Die Frauen wurden Weltmeister, die Männer unterlagen im Finale des Gold Cup Mexiko mit 0:1, gingen also leer aus. In den USA hat der Frauen-Fußball nach wie vor mehr Bedeutung als der Männer-Fußball und das ist auch die Grundlage dafür, dass die Amerikanerinnen den Frauen-Fußball weltweit dominieren, das 2:0 gegen den tapferen Europameister Niederlande bedeutete bereits den vierten WM-Titel, so viele, wie alle anderen Nationen zusammen (Deutschland zwei, Norwegen und Japan). Kein Wunder, dass vor allem die US-Girls auf die Barrikaden gehen und gleiche Bezahlung wie die Männer einfordern. „Equal pay“ schallte es FIFA-Präsident Infantino entgegen neben einem Pfeifkonzert. Aber auch ein anderer Präsident steht im Fokus, einen Empfang bei US-Präsident Donald Trump wollen die meisten Spielerinnen boykottieren. Kapitänin Rapinoe hatte von vornherein eine Absage kundgetan: „Wir können keinen Mann respektieren, der anderen keinen Respekt zollt.“

Die Amerikanerinnen sind sehr selbstbewusst und so traten sie auch bei der WM von Anfang an auf. Insgesamt war die Frauen-WM in Frankreich ein voller Erfolg, leider nicht für die deutsche Mannschaft, die ihre führende Rolle verloren hat und darum kämpfen muss, in der Weltspitze zu bleiben. Die Qualität hat sich international verbessert, viele Nationen haben aufgeholt bzw. kleinere Länder haben sich weiterentwickelt. Insofern macht ausnahmsweise ein Vorschlag von FIFA-Boss Infantino sogar Sinn, das WM-Teilnehmerfeld von 24 auf 32 zu erhöhen, damit mehr Nationen einen Schub für die Entwicklung bekommen. Ansonsten ist der Gigantismus bei den Männern mit größeren Teilnehmerfeldern Unsinn.

Mexiko holte also mit einem 1:0 gegen die USA den Gold Cup, allerdings in Chicago, was dem Gastgeber gar nicht gefiel. Brasilien als Gastgeber durfte allerdings feiern, der 3:1-Sieg im Finale gegen Peru war Balsam auf die verwundete brasilianische Fußballseele. Endlich wieder ein Erfolg nach dem WM-Debakel 2014 gegen Deutschland. Bezeichnend, dass der Triumph ohne Star Neymar gelang. Der Star war diesmal die Mannschaft und das war wieder einmal ein deutliches Zeichen für den Fußball als Mannschaftssport!

Dortmund setzt die Bayern unter Druck

Die Bayern-Fans können beruhigt sein, die Profi-Abteilung Fußball des FC Bayern München existiert noch. Zuletzt war ja mehr von Borussia Dortmund die Rede oder eben von anderen Abteilungen der Münchner. Die Amateure schafften den Aufstieg in die 3. Liga und am Sonntag machten die Basketballer Vereinsboss Uli Hoeneß (ein bekennender Basketball-Fan) mit dem Gewinn der Meisterschaft glücklich. Ob allerdings die Fußball-Profis den ersten Mann im Verein in der neuen Saison glücklich machen können, das steht in den Sternen.

Das Heft des Handelns haben die Verantwortlichen bei Borussia Dortmund übernommen. Baustein für Baustein wird eine Meistermannschaft gebastelt, die Medien jubilieren schon und hoffen auf ein Ende der Bayern-Herrschaft mit sieben Titeln in Folge. Da heißt es eben „Dortmund lässt die Muskeln spielen“ oder „Dortmund vor dem Meister-Deal“ oder im Hinblick auf die Neuzugänge „Die neue Dimension“. Mit den Zugängen Hazard, Schulz, Brandt und vor allem Innenverteidiger Mats Hummels wurde die Mannschaft zielgenau verstärkt.

Und die Bayern? Die belassen es bei Ankündigungen, haben frühzeitig viel Geld ausgegeben (Hernandez 80 Millionen Euro, Pavard 35 Millionen) und nun herrscht Sendepause. Die Bayern vermeldeten nur Abgänge: Ribery, Robben, James, Rafinha, Hummels und wohl auch Boateng. Uli Hoeneß hatte vor vier Monaten vollmundig erklärt, „wenn Sie wüssten, wen wir alles schon fix haben“, nur um jetzt die zweifelnden Fans zu beschwichtigen, „wir werden am 15. August eine gute Mannschaft am Start haben“. Eine „gute“ heißt aber noch lange nicht ein Meisterteam!

Ein Blick auf jeweils die erste Elf nach Stand der Dinge lohnt sich, jeder kann sich selbst einen Reim machen, welches die Meistermannschaft ist, wobei es bei den Bayern nach den Abgängen vor allem in der zweiten Reihe fehlt. So könnte Dortmund spielen: Bürki – Hakimi, Akanji, Hummels, Schulz – Witsel, Delaney – Sancho, Brandt, Hazard – Reus. Die mögliche Bayern-Elf: Neuer – Kimmich, Süle, Hernandez, Alaba – Martinez, Thiago – Gnabry, Müller, Coman – Lewandowski.

Bezeichnend, dass es in punkto Verstärkungen auch in den anderen Teams der Bayern-Fußballer stockt. Die Bayern II haben ebenfalls mehr Abgänge als Zugänge zu verzeichnen, nehmen vor allem Talente aus den U19 hinzu und derzeit ist es zweifelhaft, ob die Mannschaft stark genug für die 3. Liga ist. Da muss der neue Coach Sebastian Hoeneß, Sohn von Dieter Hoeneß, besonders gute Arbeit leisten. Auch die Frauen, die ja eigentlich Meister VfL Wolfsburg wieder herausfordern und regelmäßig in der Champions League spielen wollen, verzeichnen noch viel mehr Abgänge als Zugänge. Sie bleiben ein Spitzenteam, aber es gilt die Einschätzung wie bei den Männern, das ist keine Meistermannschaft. Egal, wie das Wetter ist, die Bayern haben noch einen heißen Sommer vor sich.

U21 hat das erste Ziel geschafft

Sie haben aufgetrumpft, als wollten sie die Welt einreißen und der EM-Titel schien fast schon vergeben. 3:1 gegen Dänemark, 6:1 gegen Serbien, das Stürmer-Duo Marco Richter (Augsburg) und Luca Waldschmidt (Freiburg) auf Wolke sieben, die jungen Burschen wollten die Welt einreißen. Der Dämpfer folgte auf dem Fuß, der Höhenflug ist beendet mit dem 1:1 gegen Österreich. Aber harte Arbeit schadet in dem Fall auch nicht, denn der Boden der Tatsachen ist nicht allzu hart. Zwei Ziele erreicht, nämlich – Ziel eins – der Einzug ins Halbfinale und der bedeutet Ziel zwei geschafft, die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Glückwunsch deshalb, der EM-Titel, die erfolgreiche Titelverteidigung also, wäre eine prima Zugabe. Ein bisschen Höhenflug darf also schon noch sein.

In der Höhe auch die Frauen, im Austragungsort Grenoble in den französischen Alpen nämlich. Ein Höhenflug ist bei ihnen allerdings nicht zu erkennen, von Anfang galt vor allem das Motto der harten Arbeit. Die Erfolge in der Gruppe und jetzt im Achtelfinale das 3:0 gegen Nigeria waren geprägt vom Kampfgeist und nicht von spielerischer Klasse. Dabei zeigte sich, dass Nigeria als Gegner schon ein Glücksfall war. Hätte Chile zum Abschluss gegen Thailand aus dem 2:0 ein 3:0 gemacht (Latte), wäre Brasilien der Gegner gewesen. Und wie schwer diese Aufgabe gewesen wäre, musste Gastgeber und Mitfavorit Frankreich erkennen, der glücklich in der Verlängerung mit 2:1 gewann. So geht die französische Party weiter und der Frauen-Fußball feiert ein Fest. Was allerdings insgesamt auffällt, ist, dass die spielerische Qualität nicht im Vordergrund steht, vor allem die Passgenauigkeit ist mangelhaft. Was das deutsche Team angeht, so könnte Spielmacherin Dzsenifer Marozsan das Niveau wieder heben, sie will trotz Zehenbruch spielen. Die DFB-Frauen schielen bekanntlich auch nach Olympia und müssen dafür unter die besten drei Teams Europas kommen. Möglich, dass die Europäerinnen im Halbfinale unter sich sind, dann würde das Spiel um Platz drei zudem ein Endspiel für Olympia!

Großes Interesse finden U21 und Frauen in Deutschland auch in der Öffentlichkeit. Die TV-Quoten sind der Maßstab und da sind die DFB-Teams bei ARD und ZDF immer Tagessieger. Beide Mannschaften holten am Wochenende neue Bestleistungen für die aktuellen Turniere, die U21 haben dabei mit 6,97 Millionen Zuschauern am Sonntag beim 1:1 gegen Österreich die Nase vorn, die Frauen können aber auch auf 6,49 Millionen am Samstag um 17.30 Uhr stolz sein, der Marktanteil betrug dabei beeindruckende 39,9 Prozent, die U21 hat da nur 25,5 % entgegenzusetzen. Fans und Spieler träumen jetzt von den Finals. Neue Zuschauerrekorde wären garantiert.

Begeisterung für die Frauen-WM – Die Klasse fehlt

Die Fußball-Frauen stehen derzeit im Mittelpunkt. Wir dürfen annehmen, dass dies mit ihrer Weltmeisterschaft in Frankreich weltweit der Fall ist. Im Gastgeberland ist die Stimmung zumindest in den Stadien beeindruckend und so wird die WM ein Highlight. Aber auch Deutschland fiebert mit den Frauen mit, das beweisen die Einschaltquoten im Fernsehen. Natürlich sind sie nicht so hoch wie bei den Männern, wo WM-Spiele beinahe eine nationale Angelegenheit sind, aber das DFB-Frauenteam darf Begeisterung für sich verbuchen. 6,15 Millionen sahen an den Bildschirmen am vergangenen Mittwoch um 18.00 Uhr das 1:0 gegen Spanien, das war der Zuschauerrekord für den Tag, mehr also als alle Sendungen zur sogenannten Prime time nach 20.00 Uhr. Ein besonderer Sieg auch am Montag neben dem 4:0 über Südafrika, denn 5,99 Millionen sahen zu. Bei einem Marktanteil von 32,4 Prozent heißt das, dass jeder Dritte, der um diese Zeit ferngesehen hat, sich für Fußball interessierte. Damit schlugen die Frauen auch die U21 der Männer, die am Abend ab 21.00 Uhr sportlich ebenfalls mit dem 3:1 über Dänemark beeindruckte, aber da interessierte sich nur jeder Fünfte dafür, die 4,92 Millionen Zuschauer bedeuteten einen Marktanteil von 20 %.

Die Stimmung bei den Zuschauern ist also gut, auch die Stimmung in der Mannschaft, die sich gegen China, Spanien und Südafrika mit 6:0 Toren frühzeitig und eben ohne Gegentreffer für das Achtelfinale qualifiziert hatte. Eine Steigerung von Spiel zu Spiel ist erkennbar, doch bei der „Tour de France“, wie Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg die Rundreise durch Frankreich bezeichnet hat, kommen die schweren Bergetappen erst noch. In die Berge geht es schon im Achtelfinale am Samstag, nämlich nach Grenoble. Der Gegner sollte kein (Berg)Riese sein, ist es doch ein Drittplatziertes Team der Vorrunde.

Sportlich ließen die Gruppenspiele zu wünschen übrig, wirklich gute Spiele lassen sich an den Fingern einer Hand abzählen. Wie immer, so hat auch bei der Frauen-WM die Aufstockung auf 24 Nationen das Niveau eher gedrückt. Die schwächeren Nationen suchen ihr Heil, um ein ehrenvolles Resultat oder vielleicht sogar ein Pünktchen zu ergattern, in Mauertaktik und Härte. Ihre spielerischen Mittel sind meist begrenzt. Wie bei den Männern auch ist es so, dass es erst ab dem Viertelfinale richtig interessant wird. Mit ihrem Gruppensieg haben die deutschen Mädchen zumindest die Weichen dafür gestellt, dass nach der Papierform die großen Favoriten USA und Frankreich erst im eventuellen Finale der Gegner sein werden. Bisher hat allerdings nur die USA überzeugt, Frankreich hangelte sich mit knappen Resultaten (2:1 gegen Norwegen, 1:0 gegen Nigeria, dazu 4:0 gegen Südkorea) ins Achtelfinale. Die Klasse fehlt also noch, die Mannschaften wollen ihr Können wohl erst in den entscheidenden Spielen zeigen. Das müssen die USA und die Gastgeberinnen bald, denn sie könnten im Viertelfinale aufeinandertreffen. Das wäre dann ein vorgezogenes Endspiel.

Guter Start der U21

Die Deutsche Nationalmannschaft der U21 startete bei der Europameisterschaft in Italien und San Marino also im Schatten der Frauen. Mit Erfolgen könnte das Team von Bundestrainer Stefan Kuntz aber bald aus dem Schatten treten. Der Auftakt war schon mal vielsprechend, denn spielerisch klappte einiges und der Augsburger Marco Richter zeigte einen bemerkenswerten Torriecher und stellte mit zwei Treffern und einer Vorlage die Weichen zum 3:1-Erfolg über Dänemark. EM-Neuling Österreich sorgte davor in dieser Gruppe für eine Sensation mit einem 2:0 gegen die favorisierten Serben. Jetzt fragt man sich im deutschen Lager, wer denn der große Gegner auf dem Weg ins Halbfinale sein kann. Serbien mit Frankfurts Torjäger Jovic wurde am meisten gefürchtet. Vielleicht sind sie jetzt doppelt gefährlich, weil angeschlagen. Sie kämpfen am Donnerstag um ihre letzte Chance. Wie bereits geschrieben, haben die Frauen und die U21 das gleiche Ziel, nämlich das Halbfinale, dass das Ticket für Olympia 2020 in Tokio bedeutet.

Mats Hummels sorgt für das Hammer-Gerücht

Abseits vom Geschehen auf dem Rasen bleibt der Fußball vor allem durch Spielertransfers im Gespräch. Dabei sind für die Öffentlichkeit die Gerüchte interessanter als die Vollzugsmeldungen, die am Ende der Spekulationen stehen. Das Hammer-Gerücht rankt sich jetzt um Ex-Nationalspieler Mats Hummels. Er soll angeblich vor der Rückkehr nach Dortmund stehen. Vor drei Jahren war er vor Trainer Thomas Tuchel geflohen mit einer Rückkehr in die alte Heimat nach München, wo seine Karriere begann. Von 2008 bis 2016 spielte er dann in Dortmund, wurde Deutscher Meister (2011, 2012) und DFB-Pokalsieger (2012) mit den Borussen, verlor aber das Finale der Champions League gegen die Bayern. Jetzt ist wieder eine Flucht vor dem Trainer bzw. der Konkurrenz möglich. Hummels befürchtet wohl, hinter der Nummer 1 der Bayern-Innenverteidiger, Niklas Süle, und den Neuzugängen Hernandez und Pavard zum Bankdrücker zu werden.

Der Wechsel könnte für den Spieler also Sinn machen, die Frage ist, welcher Verein davon mehr profitiert. Erst die neue Saison kann die Antwort geben. Hummels wurde bekanntlich von Bundestrainer Joachim Löw ausgebootet, das stachelte aber offensichtlich seinen Ehrgeiz an und er zeigte in der Bundesliga-Rückrunde überzeugende Leistungen. Das Fachblatt kicker stufte ihn in seiner halbjährlichen Rangliste prompt als besten Innenverteidiger der Liga ein. Dortmund könnte also damit den gesuchten routinierten Abwehrspieler für die jungen Nebenleute verpflichten und ein stärkerer Konkurrent für die Bayern werden. Die allerdings können auch profitieren, dann nämlich, wenn die Neuzugänge einschlagen, aber nur dann. Denn dann hätte man durch den Abgang von Hummels auch mehr Ruhe in der Mannschaft gewonnen.

In punkto Verstärkungen für die neue Saison macht derzeit Borussia Dortmund den Wirbel. Mit Nico Schulz (Hoffenheim), Julian Brandt (Leverkusen) und Thorgan Hazard (Gladbach) wurde schon mächtig aufgefrischt. Die Bayern gaben das Geld für einen Spieler aus, nämlich Hernandez. Im Gespräch sind noch die Flügelflitzer Leroy Sane (Manchester City) und Timo Werner (RB Leipzig) und dazu der Mittelfeldabräumer Rodrigo von Atletico Madrid. Stars, die viel Geld kosten und einen Umbruch bewältigen sollen, der der Mannschaft mehr Frische und Schnelligkeit verleiht. Aber noch liegen die großen Aufgaben vor den Bayern. Dortmund hat bereits Tatsachen geschaffen, die Bayern befinden sich noch im Gerüchte-Status. Fortsetzung folgt.

Das Wochenende des FC Bayern München

Ende gut, alles gut heißt es beim FC Bayern München. Der Fußball-Bundesligist beendete eine Saison, die im Herbst des letzten Jahres fast schon (gefühlt) in Trümmern lag, mit einem grandiosen Sieges-Wochenende. Das schlagzeilenträchtige Double der Profis mit Meisterschaft und Pokalsieg innerhalb einer Woche war es nicht allein, sondern dazu kam, dass die Amateure als Bayern II nach acht Jahren Wartezeit endlich den Aufstieg in die 3. Liga schafften und der Nachwuchs der U17 rundete das Feier-Wochenende mit dem Titelgewinn als Süddeutscher Meister ab. Ein erster Erfolg für Miroslav Klose als Trainer.

War es aber auch das Wochenende des Niko Kovac? Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man die Diskussionen rund um den Bayern-Trainer als Komödienstadel bezeichnen. Die Bayern-Bosse Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge gaben eine unglückliche Figur in ihren Verlautbarungen ab, wenn es um die Zukunft des Kroaten ging, der ja sowieso einen Vertrag bis 2021 hat. Die Zwischentöne offenbarten: Man mag ihn nicht unbedingt, aber man muss ihn wohl behalten, wenn er so erfolgreich ist. Der 47-Jährige Coach ist zu nüchtern und pragmatisch, als dass er die Herzen spontan erobern kann. Sein Defensiv-Denken kommt in der Mannschaft nicht gut an, also ist er auch bei den Stars umstritten. Doch sie haben mit ihm Erfolg. Kovac schaffte ein Novum, als Erster holte er als Spieler und als Trainer mit den Bayern das Double. Eine Leistung, die bei den Fans zählt, denn die gaben ihre Zurückhaltung auf und feierten sowohl in den Stadien in München beim Titelgewinn und in Berlin beim Pokalsieg als auch auf dem Marienplatz bei der Meisterfeier den Trainer. Rummenigge hingegen versäumte einen Dank beim Siegesbankett. Das lässt tief blicken.

Aber Erfolg sichert den Arbeitsplatz. Hatte nicht Uli Hoeneß schon vorgebeugt, als er davon sprach, „dass die Bayern auch mal mit einem Jahr ohne Titel leben könnten“? Jetzt werden sie mit zwei Titeln besonders gut leben können und müssen abwarten, wie Niko Kovac den weiteren Umbruch der Mannschaft bewältigt, den ersten Teil hat er jedenfalls erfolgreich, wenn auch mit Schrammen, hinter sich gebracht.

Abschiede gibt es bei den Bayern dennoch und sie drängten die Zukunft des Trainers sogar in den Hintergrund. Die große Ära der Franck Ribery und Arjen Robben und in ihrem Schatten auch des Brasilianers Rafinha ist zu Ende. Sie holten Titel en masse, gekrönt mit dem Triple mit Champions-League-Sieg 2013. Ribery sicherte sich sogar Rekorde als einziger Spieler mit neun Meisterschaften und jetzt sechs Pokalsiegen. Ein weiterer Abschied kündigte sich zudem an, Jerome Boateng, zuletzt nur Ersatz, verzog sich in den Schmollwinkel und blieb bei den Feierlichkeiten außen vor. Er hat mit den Bayern abgeschlossen und Uli Hoeneß riet ihm folgerichtig, sich einen neuen Verein zu suchen. Ein Abschied in Ehren dagegen für Kovac-Assistent Peter Herrmann, der einst an der Seite von Jupp Heynckes zu den Bayern kam und jetzt vielleicht Sportdirektor in Nürnberg wird. Als möglicher Nachfolger wird der frühere Löw-Assistent und DFB-Sportdirektor Hansi Flick gehandelt.

Jetzt wird der Blick in die Zukunft gerichtet, welche Verstärkungen nach Hernandez und Pavard an Bord kommen. Heiß gehandelt werden vor allem die Nationalspieler Timo Werner und Leroy Sane als weitere Tempo-Spieler sowie der Spanier Rodrigo von Atletico Madrid als Verstärkung im Mittelfeld. Bei allen Stars sind die Bayern natürlich nicht der einzige Interessent. In Berlin im Pokalfinale richteten es aber vorwiegend noch die alten Cracks. Torhüter Manuel Neuer kam nach Verletzungspause mit Sensationsparaden zurück, Mats Hummels bewies ebenso seine Klasse wie Thiago, dem man ja auch oft nachsagt, in wichtigen Spielen unterzutauchen. Ein Makel, der auch Robert Lewandowski anhaftet, der aber mit zwei Treffern ebenso wie Neuer zum absoluten Matchwinner wurde. Und mit sechs Toren in Pokalfinalen ist er alleiniger Rekordhalter, noch vor der Legende Gerd Müller.

Jetzt geht es um die Zukunft

Die Zukunft wird in den nächsten Wochen die Schlagzeilen bestimmen, eine Zukunft, die auch die Konkurrenz beeinflussen will. So stellte sich der RB Leipzig schon als starker Gegner vor, der den Bayern mit einem offensiven Pressing anfangs erhebliche Probleme bereitete, aber das Spielglück nicht auf seiner Seite hatte und an der Klasse der Bayern schließlich zerbrach. Aber für die Zukunft sind die Leipziger gut gerüstet und das will auch Borussia Dortmund sein. Dort stellte die Einkaufslust das Pokalfinale fast in den Schatten, die Verstärkungen Julian Brandt (Leverkusen), Nico Schulz (Hoffenheim) und Thorgan Hazard (Gladbach) für rund 80 Millionen Euro stellen eine Kampfansage dar, die Boss Watzke untermauert: „Wir wollen Meister werden“, legt er die jahrelange Zurückhaltung ab. Bisher hieß es bei der Konkurrenz immer, „wenn die Bayern schwächeln, müssen wir da sein“. Jetzt schwächelten die Bayern und niemand war da. Am Ende waren die Bayern selbst wieder da, sogar doppelt.

Was die Zukunft angeht, sollte auch die Bayern II eine Rolle spielen. Nach acht Jahren Anlauf klappte die Rückkehr in die 3. Liga mit einem Kraftakt wie wir ihn zuletzt auf Europas Bühnen gesehen haben. Gegen Wolfsburg II schafften die Münchner nach einer 1:3-Niederlage mit einem grandiosen 4:1 nach 0:1-Rückstand noch die Wende. Allerdings könnte es sein, dass trotz des Aufstiegs Talente bei anderen Vereinen eher eine Zukunft sehen. Leistungsträger wie Abwehrspieler Mai, Spielmacher Shabani und Flügelflitzer Jeong sind begehrt. Allerdings brauchen die Bayern für die 3. Liga eine starke Mannschaft. Interessant vor allem die Derbys gegen 1860 München und Unterhaching. Die Bayern stellen übrigens jetzt die einzige 2. Mannschaft in der 3. Liga, was ja auch dem Sonderstatus, den die Münchner gerne für sich reklamieren, entspricht.

Englische Woche

Auf Europas Bühne spielen die deutschen Teams bekanntlich nicht mit, mit den Finals in Europa League am Mittwoch in Baku und Champions League am Samstag in Madrid haben wir nicht nur den Höhepunkt der internationalen Punktspielsaison, sondern auch eine „Englische Woche“. Europa guckt quasi auf die Geldtöpfe der Premier League, die die Pokale unter sich aufteilt. Brexit hin oder her, im Fußball dominiert England Europa.

Vereinen und Fans ist eigentlich zum Feiern zumute, für Misstöne sorgt (natürlich) aber wieder die UEFA. Die Funktionäre treten ja wirklich in jedes Fettnäpfchen, den Austragungsort Baku hätte es nicht geben dürfen. In Aserbeidschan spielen die Menschenrechte nur eine untergeordnete Rolle und da es einen politischen, kriegerischen Zwist mit Armenien gibt, wird Arsenals Star, der Ex-Dortmunder Mkhitaryan aus Sicherheitsgründen nicht nach Baku reisen. Ein Unding, so etwas muss die UEFA bei der Auswahl des Endspielortes berücksichtigen. Außerdem gibt es Zwistigkeiten mit Eintrittskarten, so dass von einem Fußball-Fest beim Duell FC Chelsea gegen FC Arsenal keine Rede sein kann.

Auch ohne deutsche Klubs gibt es wenigstens eine deutsche Beteiligung, bei Arsenal dürften die deutschen Nationalspieler Leno, Özil und Mustafi auf dem Rasen stehen, zudem die früheren Bundesligaspieler Xhaka (Gladbach), Kolasinac (Schalke), Aubemayang und Sokratis (beide Dortmund). Fußball-Deutschland ist bekanntlich auch im Finale der Champions League dabei und drückt wohl Liverpools Trainer Jürgen Klopp gegen Tottenham die Daumen, damit er seinen ersten internationalen Titel gewinnt und die Fans der Reds für die entgangene Meisterschaft entschädigt. Klopp würde sich dann wohl endgültig in Liverpool unsterblich machen.

Demnächst hier auch ein Rückblick auf die Eishockey-Weltmeisterschaft und die Zukunft der deutschen Nationalmannschaft.

Die Bundesliga-Bilanz: Von Gewinnern und Verlierern

Die 56. Saison der Fußball-Bundesliga ist beendet. Fast könnte man sagen, sie endete wie zuletzt immer, nämlich mit dem Titelgewinn des FC Bayern München, dem 29. und zuletzt siebten in Folge. Aber es war in diesem Jahr doch einiges anders, zum Beispiel die Spannung bis zum Schluss. Die Fans waren die Gewinner, aber insgesamt muss man sich um die Zukunft schon Sorgen machen. Eine kleine Bilanz, wer waren die Gewinner und wer die Verlierer?

Die Gewinner der Saison 18/19

Natürlich muss man hier zuerst einmal den Meister nennen. Im Herbst sah es gar nicht nach einem Titelgewinn aus, Dortmund führte mit neun Punkten Vorsprung, die Bayern waren im Krisen-Modus. Doch der neue Trainer Niko Kovac meisterte die Situation, schließlich spielten die Bayern ihre beste Rückrunde aller Zeiten und so wurde am Ende der Trainer auch von den Fans gefeiert. Eine Aussage über seine gesicherte Zukunft (Vertrag bis 2021!) steht noch aus, doch Niko Kovac war am Ende ein Gewinner. Allerdings auch ein Verlierer durch das Hickhack in der Führungsetage um seine Person. Schafft nur ein Pokalsieg am Samstag gegen RB Leipzig und damit das Double die endgültige Klarheit? Gewinner im Verein waren natürlich am Ende auch Ribery und Robben mit einem glanzvollen Schlusspunkt ihrer Karriere bei den Bayern.

Eigentlich kann man bei den Gewinnern die Tabelle abarbeiten, aber nicht immer. Der Vizemeister sorgt für eine Lücke, aber Gewinner waren die nachfolgenden Teams, nämlich RB Leipzig (ein persönlicher Erfolg für Ralf Rangnick als Trainer-Statthalter), Bayer Leverkusen (die Wende kam durch Trainer Peter Bosz, beide Teams in der Champions League), danach natürlich auch Borussia Mönchengladbach (ein bisschen auch ein Verlierer, weil die Champions League durch eine Schwächeperiode am Ende verspielt wurde), vor allem der VfL Wolfsburg und Trainer Bruno Labbadia (von der Relegation in die Europa League) und Eintracht Frankfurter. Die Frankfurter starteten schlecht in die Saison, danach begeisterten sie vor allem in der Europa League, doch dann ging die Kraft aus. Mainz musste helfen, dass die Eintracht auf Platz 7 zumindest die Qualifikation für die EL schaffte. Also doch kein Scherbenhaufen. Trainer Adi Hütter und seine Truppe haben sich das verdient und durch diese „Hilfestellung“ wurde Mainz ebenfalls ein besonderer Gewinner.

Die Hoffnungen vor einer Saison sind ja sehr unterschiedlich, aber so können sich auch Werder Bremen, Fortuna Düsseldorf und der SC Freiburg zu den Gewinnern zählen. Die Bremer hatten zwar das Ziel Europa League ausgegeben, aber das sollte nur ein Hilfsmotor für eine gute Saison sein. Hat geklappt. Sie haben noch einen besonderen Gewinner, nämlich den „ewigen“ Claudio Pizarro. Der Peruaner wird immer beliebter. Die Fortuna als Neuling war fast so etwas wie die „Mannschaft der Saison“ und Trainer Friedhelm Funkel kann sich als „Trainer der Saison“ feiern lassen. Auch der SC Freiburg hat „gewonnen“, nämlich den sicheren Klassenerhalt trotz nachhaltiger Verletzungssorgen.

Die Verlierer der Saison 18/19

Der größte Verlierer war zweifellos Borussia Dortmund, das zwar mit der Vizemeisterschaft zufrieden sein kann, aber nicht, nachdem man einen Neun-Punkte-Vorsprung aus der Hand gegeben hat. So gab es vor allem Enttäuschung über Platz zwei und die Kampfansage für die nächste Saison gegenüber den Bayern. Gewinner könnte die Bundesliga sein. Dortmund will also nicht den Weg des letzten Vizemeisters gehen, nämlich dem von Ruhr-Pott-Rivalen Schalke 04. Vom Vizemeister zum Abstiegskandidaten der „Verlierer der Saison“. Enttäuschung auch in Hoffenheim. Die Champions League in Sichtweite, die Europa League fast sicher und doch am Ende nichts. Ein schwacher Abgang von Trainer Julian Nagelsmann, die große Trainer-Hoffnung wechselt mit ersten Kratzern am guten Ruf nach Leipzig. Sage und schreibe 26 Punkte verschenkte Hoffenheim nach einer Führung! Ein eher trauriger Abgang auch für Coach Pal Dardai in Berlin, wieder knickte die Hertha in der Rückrunde ein, die alte Dame schafft keine ganze Saison. So muss der Trainer jetzt gehen.

Am Tabellenende waren alle Mannschaften eine einzige Enttäuschung. Noch nie war das Tabellenende so schlecht, Nürnberg (18 Punkte) und Hannover (21) haben den Abstieg wahrlich verdient, Stuttgart mit nur 28 Zählern in der Relegation (aber Favorit gegen Union Berlin) – das sagt alles. Und so haben sich der FC Augsburg (eine Blamage das 1:8 in Wolfsburg, die Mannschaft fällt wohl auseinander) und Schalke 04 nur den Klassenerhalt geholt, weil die Konkurrenz dahinter noch schlechter war. Das spricht nicht für die Qualität der Bundesliga. Was zu denken gibt: Die Aufsteiger machen nicht mehr Hoffnung!

Natürlich darf man dem 1. FC Köln und SC Paderborn zum Aufstieg gratulieren, aber beiden steht eine harte Saison bevor. Vor allem die Paderborner wissen wohl gar nicht, wie ihnen geschehen ist. Die Konkurrenz machte bereitwillig den Weg nach oben frei, vor allem der krisengeschüttelte Hamburger SV, der sich als zu dumm für den Wiederaufstieg zeigte. Wie schwer es für Paderborn in der obersten Etage wird, zeigt schon die 1:3-Niederlage in Dresden. Typisch, den Aufstieg mit einer Niederlage geschafft! Da sind sogar die Fans skeptisch, Fan Wolfgang sagt zum Beispiel: „Die haben da oben nichts verloren“. Aber gefeiert werden darf natürlich trotzdem, schließlich gelang ein Durchmarsch von der 3. Liga bis ganz nach oben.

Verlierer der Saison waren auch die Trainer, die reihenweise ihren Hut nehmen mussten. Die Klub-Vorstände werden immer nervöser, immer ungeduldiger, das Wort vom „Schmerzensgeld“, das die Trainer erhalten statt Gehalt, macht wieder die Runde. Noch ärgerlicher die ewigen Diskussionen über die Handspiele, noch nie gab es so viele Handelfmeter, noch nie waren diese Entscheidungen so umstritten, obwohl die Schiedsrichter generell gar keinen so schlechten Job gemacht haben. Der Videobeweis hat für ein Stück Gerechtigkeit gesorgt, aber auch ein Stück die Emotionen geklaut. Auch hier also ein Gewinner und Verlierer.

Die Bundesliga ist zu Ende, aber die Saison noch lange nicht. National steht das Pokal-Finale an, in dem Trainer Niko Kovac diesmal mit den Bayern seinen Titel verteidigen kann. Er gewann bekanntlich vor einem Jahr mit Eintracht Frankfurt gegen seinen neuen Klub. Gegner ist diesmal der aufstrebende RB Leipzig, der langfristig zusammen mit Dortmund den Bayern die Hölle heiß machen will. Den „ewigen Meister“ Bayern soll es nicht geben. Die internationalen Endspiele in Europa League und Champions League gehen bekanntlich ohne die Bundesliga über die Bühne, da fehlt also die Reputation. Dazu gibt es viele Relegationen, wobei es stillos von der DFL ist, dass die Bundesliga-Relegation im Pay-TV verschwindet.

Danach stehen noch Länderspiele an und vor allem die Wechselgerüchte werden die Fußball-Fans in den nächsten Wochen im Bann halten (neueste Meldungen: Verlässt Mbappe Paris? Wen kauft Real Madrid? Landet Leroy Sane bei den Bayern?). Sicher ist, es wird nicht langweilig, der Fußball bleibt im Gespräch und der Sport-Grantler ist natürlich dabei.