Die Formel E ist das perfekte Versuchslabor
Vor einem Jahr orakelte der Sport-Grantler an dieser Stelle bereits „Die Formel E ist die Zukunft im Motorsport“ (siehe Kommentar vom 25. November 2017), heute darf er sich bestätigt fühlen. Die Elektro-Rennwagen elektrisieren im wahrsten Sinne des Wortes und sollten vor allem die deutschen Rennsportfans hinter dem Ofen hervorholen, denn die Formel E hat einen starken deutschen Anstrich. Dazu kommt, dass die Formel E für die Autokonzerne eine echte Hilfe ist, das, was der Königsklasse, der Formel 1, nämlich fehlt. Auf der Rennstrecke werden wichtige Erkenntnisse für den Alltag gesammelt. Ein BMW-Techniker schwärmt: „Die Formel E ist das perfekte Versuchslabor.“
Wenn am Samstag, 15. Dezember, in Al Diriyah nahe Riad in Saudi-Arabien die neue Saison beginnt, dann ist bei der 2014 gestarteten Serie wieder vieles neu. Die Autos wurden besser und schneller. Die wichtigste Neuerung betrifft aber die Batterie, denn die Techniker konnten die Batterien wesentlich verbessern, so dass sie das ganze Rennen halten und ein Auto-Wechsel, wie es ihn bisher gab, wegfällt. Mehr Reichweite für Elektro-Autos ist bekanntlich auch im Alltag der größte Wunsch. Dazu kommt, dass die Boliden einen optisch guten Eindruck machen. „Das hat etwas von einem Batmobil“, schwärmt der Allgäuer Daniel Abt, ein Mann der ersten Stunde der Formel E.
Neu ist eben auch Riad als Rennstrecke, wobei der Start in Saudi-Arabien nicht jedem schmeckt. Aber der spanische Manager der Rennserie, Alejandro Agag, hat dazu einen Trumpf im Ärmel: „Durch unser Engagement haben wir forciert, dass jetzt in Saudi-Arabien auch die Frauen ans Steuer dürfen.“ Und damit die Scheichs sehen, dass Frauen Auto fahren können, gibt es am Testtag ein Eröffnungsrennen von acht Amazonen am Steuer. Auch da wird die Formel 1 ein bisschen neidisch auf die Formel E schauen. Neu im Rennkalender ist übrigens neben dem chinesischen Sanya auch Bern, ein neuer Stadtkurs also. Die Formel E liebt die Städte, die Städte lieben die Formel E, die ruhigen Rennwagen ohne Abgasen. Nur der Weltverband liebt die Formel E nicht, denn der Status einer Weltmeisterschaft wurde ihr noch verwehrt. Da sollte auch FIA mal elektrisiert werden.
Die deutschen Autokonzerne haben die Formel E entdeckt, sie hilft (siehe oben) beim Fortschritt und Audi, BMW und Mercedes haben ja festgestellt, dass ihnen die Konkurrenz bei den Elektro-Autos davon läuft. Tesla ist die Nummer 1, auch die Japaner haben die Nase vorn. Aber gerade die Amerikaner von Tesla fürchten nun das deutsche Engagement. Audi war über den Partner Abt aus Kempten von Anfang an dabei, BMW startet in diesem Jahr offiziell und Mercedes nächstes Jahr, ist aber mit dem Kunden HWA bereits vertreten. Sie folgen also auf den Spuren von Jaguar und Nissan (für Renault), die schon gute Erfahrungen gemacht haben. Porsche steht zudem angeblich in den Startlöchern.
Auch das deutsche Fahrerfeld ist stärker als in der Formel 1, wo nur Sebastian Vettel und Nico Hülkenberg übriggeblieben sind. Daniel Abt ist das Urgestein, Andre Lotter aus Duisburg ist dabei und neu das Talent Maximilian Günther, dem der Sprung in die Formel 1 zugetraut wird. Von der Formel 1 träumt auch immer noch Pascal Wehrlein, der jetzt ebenfalls in der Formel E untergekommen ist. Aber auch für andere ehemaligen F-1-Piloten wird die Formel E zur Spielwiese, so fährt der Brasilianer Felipe Massa für Venturi, der Belgier Stoffel Vandoorne für HWA. Auch der ehemalige DTM-Champion Gary Paffett (England) greift für HWA ans Steuer. Erfreulich, dass auch alle vier bisherigen Champions am Start sind, nämlich Nelson Piquet jr. (Brasilien), Sebastien Buemi (Schweiz), Lucas di Grassi (Brasilien) und Titelverteidiger Jean-Eric Vergne (Frankreich).
13 Rennen stehen für 2018 auf dem Programm, aber der Terminkalender soll weiter anwachsen. Eurosport überträgt die Rennen im Fernsehen, aber auch ARD und ZDF werden gelegentlich live einsteigen. Die Formel E ist ein Wachstumsmarkt und die zukunftsträchtigste Spielwiese für die Techniker. Wenn das nicht elektrisiert!
Der Rennkalender: 15. Dezember Riad, 12. Januar 2019 Marrakesch, 26. Januar Santiago de Chile, 16. Februar Mexico City, 10. März Hongkong, 23. März Sanya (China), 13. April Rom, 27. April Paris, 11. Mai Monaco, 25. Mai Berlin, 22. Juni Bern, 13. und 14. Juli New York.