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Tag: Borussia Dortmund

Die Spieler müssen Disziplin lernen

Der Bundesliga-Start hatte es in sich, spektakuläre Spiele und sehenswerte Tore, dazu mit Erling Haaland ein neuer Star, Fußball-Herz, was willst Du mehr. Allerdings gab es auch sofort wieder Begleiterscheinungen, die wir auf dem Fußballplatz nicht sehen wollen und denen der Kampf angesagt wird. Gegen Rudelbildung und auswuchernde Proteste der Spieler gegen Schiedsrichter-Entscheidungen soll energisch vorgegangen werden, als Erziehungsmaßnahme wird die Gelbe Karte gezückt. Das schmeckt nicht jedem, ist aber notwendig und eine Entscheidung für die Zukunft, die den Fußball sehenswerter machen soll. Es ist ganz einfach: Die Spieler müssen Disziplin lernen.

Es war offensichtlich, dass die Schiedsrichter in allen Stadien schneller die Gelbe Karten wegen Unsportlichkeiten zückten. Die Referees selbst gaben hinterher zu, dass sie in der Vorrunde bei manchen Vergehen die Karte noch nicht gezückt hätten. Dem DFB ist aber daran gelegen, das Erscheinungsbild zu verbessern, weil die Bundesliga auch Vorbild für die Amateure ist und es dort bereits zahlreiche Übergriffe bzw. sogar Gewalttätigkeiten gegen Unparteiische gegeben hat. Schiedsrichter-Chef Lutz Michael Fröhlich bekannte, dass dies das Hauptargument dafür war, die Regel während der Saison zu verschärfen. Die Winterpause war ja sicherlich kein ganz schlechter Zeitpunkt, umso unverständlicher, dass manche Trainer und Manager dies kritisieren.

Besonders gravierend war eine Szene in Düsseldorf, als Werders Spieler Vogt in der Nachspielzeit vom eigenen Torhüter ins Reich der Träume geschickt wurde. Zum Glück erlitt er nur eine Gehirnerschütterung, aber die allgemeine Aufregung bei diesem Zusammenprall mehrerer Spieler war groß. Es war der alte Reflex: Bevor sich selbst die eigenen Spieler um ihren am Boden liegenden Mann kümmerten, bestürmten sie Schiedsrichter Dr. Felix Brych. Der zückte gegen Bremens Kapitän Niklas Moisander als Rädelsführer die Gelbe Karte, was in seinem Fall, weil es die zweite war, sogar Gelb-Rot bedeutete. Das verstärkte die Aufregung. Dr. Brych sagte in der Fachzeitung kicker u. a. zur Rudelbildung: „Wir sind uns einig, dass der Fußball solche Szenen nicht will.“ Außerdem hofft er: „Ich würde mich freuen, wenn wir Unterstützung bei dem konsequenten Vorgehen gegen Unsportlichkeiten in der Bundesliga erfahren würden.“ Gerade im Hinblick auf die Vorbildfunktion sollten Trainer und Manager nicht die Unparteiischen im Auge haben, sondern ihre eigenen Spieler gemäß dem Motto „fair geht vor, Anstand geht vor“. Bremen bangt um Vogt, freute sich aber über den 1:0-Sieg und das Ende der Tristesse.

Wenden wir uns den erfreulichen Dingen zu, den sportlichen Highlights beim Rückrunden-Auftakt. Der Star war natürlich der 19-Jährige Norweger Erling Haaland, der beim 5:3-Sieg Dortmunds in Augsburg in der 56. Minute eingewechselt wurde und gleich bei seiner Bundesliga-Premiere zum Retter avisierte. Der FCA führte 3:1, verblüffte die Borussia mit schnellen Kontern und verlor dann gegen die Urgewalt des Wikingers die Übersicht. Haaland schlug in der 59. Minute erstmals zu und bis zur 79. Minute machte er mit drei Treffern und Sancho aus dem 1:3 ein 5:3. Dortmund hat einen neuen Hoffnungsträger, einst war dies der Spanier Alcacer, doch der darf gehen, von dem spricht keiner mehr. Lustig: Auch er hatte schon mal drei Tore gegen Augsburg erzielt, ebenso wie Robert Lewandowski. Haaland schaffte eine Wiederholung des Einstandes von Aubemayang, der einstige Dortmunder Torjäger feierte auch in Augsburg seine Premiere mit drei Toren! Der FCA hat aber wichtigere Spiele vor sich: Bei Union Berlin und gegen Werder Bremen. Dafür sollte er die Leistung der ersten Stunde abrufen – Siege garantiert.

Leipzig lässt sich an der Spitze nicht beirren (letzte Niederlage am 9. Spieltag) und brachte so die Bayern in Zugzwang. Deren Aufgabe bei der Hertha schien schwierig zu sein, schließlich waren die Berliner unter ihrem neuen Coach Jürgen Klinsmann zuletzt viermal ungeschlagen geblieben. Nach dem Theater um seine Trainerlizenz durfte Klinsmann coachen und hoffte mit seiner „Berliner Mauer“ wenigstens auf einen Zähler. Die Bayern mühten sich bis in die zweite Halbzeit hinein, bis die Berliner müde gespielt waren und die Mauer bröckelte. Das 4:0 war lange Zeit nicht vorherzusehen. Den ersten Stein brach Thomas Müller heraus und er droht der Konkurrenz: „Wir sind immer da, wenn es um etwas geht.“ Nebenbei feierte Müller ein Jubiläum, seinen 250. Skorerpunkt in der Bundesliga (113 Tore, 137 Vorlagen). Da spielten auch die Personalsorgen keine Rolle mehr und Trainer Hansi Flick ließ sogar den Nachwuchs von der Leine. Was auffiel: Den eigentlichen Flügelflitzer Davies, der jetzt als linker Verteidiger glänzt, ersetzte er durch den Außenstürmer der Bayern II, Dajaku. Der soll wohl einen Geschmack bekommen, was ihm blüht, wenn Verteidiger ausfallen. Vielleicht sieht ihn Flick als Zukunftslösung auf Rechts.

Der Verlierer des Wochenendes war Borussia Mönchengladbach mit der 0:2-Niederlage bei Schalke 04. So rückte Bayern vor auf Platz zwei und das Feld enger zusammen. Schalke bleibt im Aufwind und hatte den Sieg vor allem einem Neuzugang zu verdanken, dem Österreicher Michael Gregoritsch. In Augsburg moserte er über mangelnde Einsatzzeiten, wollte kategorisch weg und wurde nach Schalke verliehen. So ist der Fußball: Bei einem Verein pfui, beim anderen hui – gerade wie es den Spielern gefällt. Schalke ist seit vier Spielen unbesiegt (davon zwei Remis), am Samstag (18.30 Uhr) folgt das Schlagerspiel bei den Bayern. Die aber haben sogar viermal in Folge gewonnen!

Diese Bilanz weist nur noch ein Verein auf – der 1. FC Köln! Mit vier Siegen raus aus der Abstiegszone, aber immer noch im Abstiegskampf. Aber jetzt wird schon mal gefeiert wie im Karneval und Trainer Markus Gisdol ist der Held. Die Serie könnte allerdings enden, am Freitag in Dortmund und gegen Erling Haaland. Oder hat der schon sein Pulver verschossen? Wie auch immer, die Bundesliga hatte einen guten Start ins neue Jahr und macht Lust auf mehr. Und wenn jetzt noch mehr Disziplin dazu kommt…

Bundesliga-Start: Alles spricht für Leipzig

Neues Jahr, neues Glück, neues oder vielleicht altes Interesse an der Fußball-Bundesliga. Am Freitag geht es wieder los mit dem Schlagerspiel Schalke 04 – Borussia Mönchengladbach, Fünfter (30 Punkte) gegen Zweiter (35), und alle Fans können im Free-TV zuschauen, das ZDF überträgt live. Die Winterpause, eigentlich nur eine Weihnachtspause, war kurz (aber lang genug), die Vorfreude ist groß und die Spannung steigt. Die Trainingslager und Testspiele haben mehr Rätsel aufgegeben, als dass sie Erkenntnisse gebracht hätten. Ein Problem haben fast alle Mannschaften, sie sind nicht komplett, leiden unter Verletzungen.

Dies könnte auch den Kampf um den Titel beeinflussen, weil Titelverteidiger Bayern München eher einem Krankenlager gleicht als einem Meister-Team. Trainer Hansi Flick, der darum kämpft, zu beweisen, dass er auch nach dem Sommer der richtige Coach wäre, hat vorsorglich nur ein kurzfristiges Ziel ausgegeben: „Wir müssen die ersten Spiele irgendwie überstehen.“ Martinez, Hernandez, Coman und wohl auch Gnabry fehlen verletzt, Kimmich ist beim Start am Sonntag bei Jürgen Klinsmanns wieder erstarkten Hertha gelb-gesperrt, der Kader insgesamt zu klein. Die Hoffnungen ruhen auf Torjäger Robert Lewandowski, der nach einer Leistenoperation punktgenau wieder fit sein soll, und Jung-Vater Thiago. Daneben gibt es aber zudem Unruhe im Verein, so fordert der Trainer Neuzugänge im Winter für den knappen Kader, Sportdirektor Salihamidzic wiegelt ab, „im Winter ist nichts auf dem Markt“. Dazu gibt es jetzt schon Diskussionen um Sommer-Neuzugang Alexander Nübel, eigentlich ein sinnvoller Einkauf, nur der Zeitpunkt gegenüber Torhüter-Platzhirsch Manuel Neuer ist problematisch. Dazu kam im einzigen Test eine 2:5-Niederlage in Nürnberg, die Stammbesetzung schaffte dabei nur ein 1:1, die Nachwuchskräfte gingen unter. Keine guten Voraussetzungen für den Ausbau des Titel-Rekords von sieben auf acht.

Wie heißt es immer so schön bei Bayerns Konkurrenten: „Wenn die Bayern schwächeln, müssen wir da sein.“ Nun schwächeln sie offensichtlich, doch wer ist da? Alles spricht eigentlich für Halbzeitmeister RB Leipzig, der immerhin vier Punkte Vorsprung auf die Bayern hat und nicht den Anschein macht, dass er sich eine Krise nehmen will. Spieler und Neu-Trainer Julian Nagelsmann sind ehrgeizig und propagieren das Ziel „wir wollen vorne bleiben“. Zwei Fragezeichen: Nagelsmann spielte mit Hoffenheim oft eine schwächere Rückrunde und außerdem, wie werden die Spieler mit dem ungewohnten Druck fertig, wenn es wirklich um die Wurst geht? Die Bayern kennen das. Schon am 4. Spieltag der Rückrunde, am Sonntag, 9. Februar (18.00 Uhr), kommt es zum großen Duell Bayern – Leipzig. In der Hinrunde gab es ein 1:1 mit Vorteilen für die Münchner.

Im Titelkampf können sich natürlich auch Gladbach und Dortmund melden, nach dem Motto „wir sind auch noch da“. Die Gladbacher bleiben aber eher bescheiden, würden den Titel gerne mitnehmen, schielen aber nach der erfolgreichen Vorrunde mit Platz zwei eher wenigstens auf einen Platz für die Champions League und wollen diesen gegen die Mitkonkurrenten Schalke und Leverkusen verteidigen. Borussia Dortmund hat das Ziel Meisterschaft noch nicht aufgegeben, verzweifelt aber an der fehlenden Konstanz der Mannschaft. Vor allem gegen auf dem Papier schwächere Teams wurden Punkte abgegeben. Ändert sich das nicht, ist Dortmund nicht meisterschaftsreif. Gleich der Auftakt ist so eine Prüfung, nämlich in Augsburg, das man in der Hinrunde 5:1 geschlagen hat, doch der FCA hat sich geändert.

Apropos Augsburg, die Mannschaft hat eine erstaunliche Wandlung durchgemacht und sich eigentlich aus dem Abstiegskampf verabschiedet, aber das Tabellenende ist nicht so weit weg, so dass der Klassenerhalt das vorrangige Ziel der bayerischen Schwaben bleibt. Da sollte der Start nicht so holprig sein wie in der Hinrunde mit Niederlagen in Dortmund und Bremen und nur einem 1:1 gegen Neuling Union Berlin. Aber Bremen und Union sind schon Schlüsselspiele, um den Abstand nach unten zu wahren.

Ja, Schlüsselspiele gibt es gleich zum Start der Rückrunde, obwohl natürlich noch 17 Spieltage anstehen. Aber wer am Anfang verliert, dem gehen nicht nur Punkte ab, sondern der muss auch gegen Unruhe im Verein kämpfen. Siehe Bremen, das eigentlich eher auf die Europa League schielte, sich jetzt aber auf einem Abstiegsplatz wiederfindet. Das Verletzungspech hatte zugeschlagen, Besserung ist jedoch in Sicht und Neuzugang Kevin Vogt aus Hoffenheim soll der dringend gesuchte Stabilisator der Abwehr sein. Schon der Auftakt am Samstag in Düsseldorf ist ein Schlüsselspiel – für beide Teams, schließlich spielt der 16. gegen den 17., die Fortuna hat gerade mal einen Zähler mehr als Werder. Schlüsselspiele haben natürlich auch Köln (17 Punkte) und Mainz (18), die davor platziert sind. Beide Klubs werden mit Schrecken an den Start der Bundesliga zurückdenken, denn es begann mit zwei Niederlagen.

Zweifellos gibt es in der Bundesliga mehr Sorgenkinder als glückliche Vereine. Wer unten steht, hat natürlich Sorgen, Hertha hofft mit Klinsmann die Trendwende geschafft zu haben, Frankfurt will das Ziel Europa League nicht aus den Augen verlieren und zu alter Stärke zurückfinden. Glücklich sind eher Aufsteiger Union Berlin und Freiburg mit Plätzen im Mittelfeld, doch die Verunsicherung bleibt, weil beide wissen, dass Erfolg und Glück oft nicht von Dauer sind. Glücklich ist man auch eher auf Schalke, weil man im Vorjahr schließlich noch gegen den Abstieg gekämpft hat, zwischen Zuversicht und Zweifel befinden sich Wolfsburg, Hoffenheim und Leverkusen. Geht es nach oben oder droht ein Abrutschen nach unten?

Die Bundesliga wartet nicht auf den Sommer, den Fans wird vorher schon heiß und sie können sich darauf freuen, dass es nur Ende März eine Länderspielpause gibt. Unerfreuliche Dinge werden leider bleiben, Fehlentscheidungen der Schiedsrichter, unerträglich langes Warten auf die Entscheidungen beim Videobeweis, Diskussionen um Handspiele, Ärger über Rudelbildungen und vieles mehr. Die Schiedsrichter wollen ein besonderes Auge auf Unsportlichkeiten legen. Wäre schön, wenn hier ein Anfang zur Besserung gemacht werden könnte. Mehr Anstand könnte der Bundesliga gut tun (lesen Sie dazu auch die Kolumne vom 26. Dezember 2019 „Der Fußball braucht mehr Anstand“).

Das Problem der Spieler: „Ich bin kein Mann für die Bank“

Eigentlich herrscht im Fußball Winterpause bzw. Weihnachtsruhe. Doch die Ruhe gibt es nur vordergründig bzw. auf dem grünen Rasen. Spieler und Trainer sind im Urlaub, doch hinter den Kulissen wird hart gearbeitet, schließlich gilt es die Pause zu nutzen, um einerseits die Mannschaft zu verstärken, wenn es nicht so geklappt hat wie gewollt, andererseits gilt es Spieler zu verkaufen, wenn sie sich nicht so präsentiert haben wie erhofft. Aber da sind wir schon bei einem Problem des Fußballs: Spieler und Trainer haben oft unterschiedliche Vorstellungen und wer nicht zum Einsatz kommt, der meutert manchmal schnell und klagt sogar in der Öffentlichkeit: „Ich bin kein Mann für die Bank“.

Wie sich Spieler im Extremfall zu einem anderen Verein streiken können, dies musste in den letzten Monaten vor allem der FC Augsburg erleben, der sich von Akteuren im Unfrieden trennte. Prominentester Fall war Martin Hinteregger, der erst den Trainer kritisierte, dann als Leihspieler in Frankfurt sein Glück fand und als er nach Augsburg zurückkehren musste, da zeigte er in seinem Benehmen (einschließlich Sauftour) deutlich, „hier will ich nicht mehr sein“. Der FCA und sein Manager Stefan Reuter gaben nach, Hinteregger ist jetzt bei der Eintracht wieder glücklich.

Doch damit hatten die Augsburger noch nicht alle Probleme gelöst. Als der Holländer Gouweleeuw nach einer Verletzungspause zurückkehrte, fand er sich auf der Bank wieder, weil die Abwehr beim FCA plötzlich funktionierte und Trainer Martin Schmidt keinen Grund sah, zu wechseln. Prompt liebäugelte der Holländer öffentlich mit einem Wechsel und machte deutlich, „ich bin kein Mann für die Bank“. Da fand er sich in Gesellschaft von Vereinskamerad Michael Gregoritsch, der ebenfalls nach Einsatzzeiten lechzte, weil er seinen Platz in der Nationalmannschaft Österreichs in Gefahr sah. Seine Botschaft war deutlich: „Ich will weg, ich muss spielen.“ Die Probleme wurden gelöst: Gouweleeuw ist wieder Stammspieler, Gregoritsch wurde zu Schalke ausgeliehen. Ob er dort spielt?

Der RB Leipzig absolviert bisher seine erfolgreichste Saison in der Bundesliga und ging als Halbzeitmeister in die Winterpause. Dennoch war Trainer Julian Nagelsmann nicht immer glücklich, so klagte er nach einem Testspiel über die Ersatz- und Einwechselspieler, die seiner Meinung nach nicht den nötigen Ehrgeiz zeigten. „Der eine oder andere wirkte etwas beleidigt,“ staunte er und berichtete, dass er zuletzt mehrmals Besuch in seinem Büro hatte, „weil die Spieler ihren Unmut über zu wenig Einsatzzeiten loswerden wollten“. Seltsam eigentlich, denn die Profis müssen doch wissen, dass aus einem Kader von etwa 25 Mann pro Spiel nur höchstens 14 zum Einsatz kommen können. Aber jeder hält sich für den Größten, Teilzeitarbeit ist verpönt. Manchmal fehlt allerdings auch der Ehrgeiz im Training, aber professionell wollen sie alle sein – und wenn es nur beim Kassieren ist!

Deshalb ist jetzt hinter den Kulissen wieder viel los und über Spielerwechsel kann trefflich spekuliert werden. Das Problem, am Ende doch wieder nur auf der Bank zu sitzen, wird manchmal nur von Verein zu Verein verlagert. Typisches Beispiel: Dortmund meldete den Coup mit Norwegens Talent Erling Haaland. Der 19-Jährige Torjäger, der bei RB Salzburg unter anderem in der Champions League für Furore sorgte, war bei allen großen Vereinen im Gespräch, landete aber jetzt bei der Borussia, die bekanntlich einen Mittelstürmer suchte, weil Torjäger Alcacer oft verletzt ist und selten richtig in Form kommt. Vertreten wurde er entweder von Marco Reus, der lieber in der zweiten Reihe agiert, oder sogar von Mario Götze, eher ein Einfädler, meist aber auf der Bank. Eigentlich ist auch der Schütze des Siegtreffers zu Deutschlands WM-Titel 2014 kein Mann für die Bank und deshalb wird fleißig über einen Wechsel spekuliert. Besonders im Gespräch ist dabei Hertha BSC Berlin, denn dort hat der neue Trainer Jürgen Klinsmann forsch mitgeteilt, dass man sich verstärken werde. Fündig wird er wohl auf den Ersatzbänken der Konkurrenz, denn dort sitzen viele, die meinen, sie seien doch kein Mann für die Bank. Möglich, dass aber auch Klinsmann später feststellt, dass die Bank der Platz für den Neuzugang ist, wenn sich der Erfolg dann doch nicht einstellt. Der Fußball ist halt manchmal sein seltsames Spiel.

Geldgier ohne Rücksicht auf Verluste

Die Auslosung für das Achtelfinale am Montag hat die Champions League (CL) sicherlich wieder ins Gespräch gebracht. Fußball-Fans diskutieren bekanntlich am liebsten darüber, welche Chancen es gibt, wie die Spiele ausgehen. Aber über der Auslosung lag auch ein Schatten. Der Europäische Fußball-Verband (UEFA) hat am Donnerstag veröffentlicht, wer in Zukunft die Champions League im Fernsehen übertragen darf und da sind manche Fußball-Fans aus allen Wolken gefallen. Die CL wird in Deutschland praktisch gar nicht mehr im Fernsehen übertragen, sie ist ab 2021 Sache der Internet-Streamingdienste, Amazon und DAZN haben sich die Rechte gesichert. Die UEFA beweist damit eine Geldgier ohne Rücksicht auf Verluste, der Fußball und die Fans sind die großen Verlierer. Auf Dauer wird die CL an Popularität verlieren, wieder einmal hat Geld die Sinne vernebelt.

Aber reden wir erst einmal über den Sport. Die Bundesligisten haben sich in der Gruppenphase der Champions League gut geschlagen, Bayern München und RB Leipzig wurden Gruppensieger, die Bayern sorgten sogar für einen Rekord: Noch nie war eine Mannschaft in der Vorrunde so erfolgreich, die Münchner schafften sechs Siege mit einer Tordifferenz von 24:5, als plus 19. Der Lohn: Sie dürfen mit einem Erlös von 100 Millionen Euro in der CL rechnen. Doch das schützt vor starken Gegnern nicht, siehe im Vorjahr, als der FC Liverpool auch nur Gruppenzweiter war und danach bis zum CL-Sieg durchmarschierte. Auch die Bayern blieben geschlagen zurück. Und sie hatten wieder kein Losglück: Es gab drei „schwache“ und drei „starke“ mögliche Gegner, Ex-Bayern-Profi Hamit Altintop zog das Los Chelsea London, zweifellos ein starker Gegner. Da könnte die „Road to Istanbul 20“, die Straße zum Finale in der Türkei erneut im Achtelfinale enden. Muss aber nicht. Auch der RB Leipzig bekam mit den Tottenham Hotspur einen englischen Klub zugelost, zur Erinnerung, im Vorjahr blieben die Bundesligisten im Vergleich mit der Premier League chancenlos.

Leichter hat es Borussia Dortmund auch nicht, mit Ex-Coach Thomas Tuchel gibt es ein Wiedersehen, aber der trainiert jetzt schließlich den Scheich-Klub Paris St. Germain und will mit den Stars Neymar und Mbappe endlich mehr als das Viertelfinale. Gefordert wird schlicht und einfach der Henkel-Pott. Jürgen Klopp und Pep Guardiola stehen im Vergleich mit den Madrider Klubs, treffen mit dem FC Liverpool bzw. Manchester City auf Atletico bzw. Real Madrid. Glücklich werden sie nicht sein, die Spanier allerdings auch nicht. Die Begegnungen Bergamo – Valencia (ein Außenseiter kommt also auf jeden Fall weiter!), Lyon – Juventus Turin und Neapel – FC Barcelona komplettieren das Achtelfinale. Das zieht sich übrigens im Frühjahr 2020 wieder wie Kaugummi hin, mit acht Spieltagen vom 18. Februar bis 18. März.

Der Rubel rollt dann also wieder und ab 2021 für drei Jahre gibt es also mit den neuen TV-Verträgen noch mehr Geld. Allein der Reibach zählt bei der Rechtevergabe der UEFA, eine langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit wie mit Verlierer Sky, der zuwenig bot, zählt nicht mehr, alte Partner haben keinen Bonus. Die Fans werden auch nicht gefragt, sie hätten mit Sicherheit andere Wünsche. Wie kann man für Deutschland allein auf Streamingdienste setzen, wo eigentlich auch bei geldgierigen Funktionären bekannt sein müsste, dass Deutschland in Sachen schnelles Internet einen Aufholbedarf hat. Es könnte gut sein, dass sich die Fans von der Champions League abwenden und die Geldgier auf Dauer nicht mitmachen. Was dann? Der Sport-Grantler hat schon einmal darauf verwiesen, dass allein die Sponsoren Macht ausüben können und da hat man auch schon vernommen, dass diese nicht glücklich sind. Verpufft ihre Werbung irgendwo im Nirgendwo? Dass das ZDF das Finale im Free-TV übertragen kann und es am Mittwoch eine Zusammenfassung der Champions League im Free-TV geben soll, ist nicht mehr als ein Feigenblatt!

In der Europa League haben die deutschen Teilnehmer für die Zwischenrunde attraktive und machbare Lose gezogen, wenn auch Eintracht Frankfurt Red Bull Salzburg nicht unterschätzen darf. Bayer Leverkusen trifft auf den FC Porto, der VfL Wolfsburg auf Malmö FF. Gespielt wird am 20. und 27. Februar 2020.

Bundesliga und frohe Weichnachten

Ja, die Bundesliga gibt es auch noch. Zwei Spieltage stehen für dieses Jahr noch an, dann geht es in die kurze Winterpause bis zum 17. Januar. Allgemein werden sich zum Abschluss alle „Frohe Weihnachten“ wünschen, doch wer wirklich frohe Weihnachten feiern kann, das kommt auf. Je nach Verein, soll noch der eine oder andere Punkt unterm Weihnachtsbaum liegen, andere wie die Bayern sind nur mit zwei Siegen zufrieden (Freiburg und Wolfsburg). Allerdings dürfte der Weihnachtsfrieden ausnahmsweise dennoch nicht gefährdet sein, weil Trainer Hansi Flick alle für sich eingenommen hat. Er wird wohl bis zum Sommer bleiben. Mit dem 6:1 gegen Bremen und seinen drei Toren ist auch der Brasilianer Coutinho in München angekommen, Abwehrschwächen (Boateng) waren dennoch erneut nicht zu übersehen. Gegen Chelsea müssen die Münchner stabiler sein.

Ein Highlight gibt es noch am Dienstag, wenn Dortmund Tabellenführer RB Leipzig erwartet. Die Nagelsmann-Schützlinge scheinen nicht zu stoppen zu sein, gewannen die letzten sechs Spiele, aber auch Dortmund befindet sich im Aufwind, deshalb im Pott vorweihnachtliche Ruhe. Dortmund kann auch dafür sorgen, dass die Bundesliga mit Spannung in die Rückrunde geht.

Am Tabellenende heißt es wohl eher sarkastisch, „das ist ja eine schöne Bescherung“. Beim SC Paderborn wird man allerdings gelassen bleiben bis zum wohl bitteren Ende. Anders in Köln. Gegen Leverkusen gab es ein Lebenszeichen, nach Frankfurt folgt am Samstag ein „Endspiel“ gegen Werder Bremen, das zu den Vereinen gehört, die für diese Saison eigentlich etwas anderes erwartet hatten. Jetzt heißt es, den Abstiegskampf annehmen und auf frohe Ostern hoffen…

Übrigens: Die Frauen-Bundesliga ist schon im Ziel und macht Winterpause bis zum 14. Februar. Titelverteidiger und Tabellenführer VfL Wolfsburg dominiert wieder das Geschehen und blieb ungeschlagen, gab nur beim 1:1 gegen die Bayern Punkte ab. Das Überraschungsteam ist die TSG Hoffenheim auf Rang zwei, nur drei Zähler zurück. Dahinter die Bayern, die einen Umbruch zu verkraften hatten und gegen Hoffenheim und Leverkusen Niederlagen hinnehmen mussten. Sie brauchen dringend eine Torjägerin. Am Tabellenende Neuling Jena und davor punktgleich im Abstiegskampf Duisburg und – der 1. FC Köln. Die Frauen waren ebenso Aufsteiger wie die Männer und ihnen ergeht es nicht besser. Nur Schlagzeilen machen sie nicht. Die Frauen-Bundesliga führt immer noch ein Schattendasein.

Bayerns Gegner staunen: Verflickt noch mal…

Es war in den letzten Tagen so aufregend, als wollte der Fußball noch einmal alles raus hauen bevor es in die sicherlich ruhigere Länderspielpause geht. Im Mittelpunkt stand natürlich in der Bundesliga der deutsche „Clasico“ zwischen den Bayern und Dortmund, der dann mit einer großen Überraschung aufwartete. Daneben beherrschten aber auch Trainer-Entlassungen, die Frauen-Nationalmannschaft, Joachim Löw und Uli Hoeneß die Schlagzeilen.

Das größte Staunen aber gab es beim Bundesliga-Hit. Die Bayern spielten unter Interimstrainer Hansi Flick wie zu ihren besten Zeiten, der Rumpelfußball von Niko Kovac war vergessen und schon sehen die Konkurrenten ihre Felle davonschwimmen und sagen nicht „verflixt noch mal“, sondern jetzt „verflickt noch mal..“. Bezeichnend die Kommentare mancher Bayern-Spieler nach dem überzeugenden 4:0-Triumph: „Wir hatten genaue Anweisungen, jeder wusste, was er tun musste.“ Präsident Uli Hoeneß verriet hinterher: „Ein Teil der Mannschaft war gegen den Trainer.“ Dies war ein offenes Geheimnis und auf dem Platz deutlich zu sehen (siehe auch der Sport-Grantler vom 4. November: „Niko Kovac hat die Mannschaft verloren“). Deutlich zu sehen, dass die Spieler Hansi Flick folgten, für den sie sich auch ausgesprochen hatten. Logisch die Reaktion der Bayern-Bosse: Flick wird bis auf Weiteres Bayern-Trainer bleiben. Das kann bis zur Winterpause gehen, aber auch bis zur Sommerpause. Nur sollte die Leistung gegen Dortmund dann keine Eintagsfliege bleiben. Die Macht dazu aber liegt, da gibt es keine Zweifel mehr, bei den Spielern!

Anders natürlich die Stimmung in Dortmund. „Männerfußball“ wollte Sportdirektor Michael Zorc sehen, Angsthasenfußball ist es geworden. Die Frage auch hier: Was wird mit dem Trainer? Folgen ihm die Spieler noch? Die Fans freuen sich, an der Tabellenspitze bleibt es spannend. Das könnte sich ändern, wenn sich die andere Borussia, nämlich die aus Mönchengladbach, keine Schwächen erlaubt. Vier Punkte Vorsprung sind es jetzt vor den punktgleichen Leipzig, Bayern und Freiburg (ja Freiburg!), die nächsten Gegner des Spitzenreiters nach der Länderspielpause sind Union Berlin, Freiburg und die Bayern am 7. Dezember. Gegen die Mitkonkurrenten darf Gladbach zu Hause antreten und jetzt träumt man zumindest von der Herbstmeisterschaft. Der Trainerwechsel zu Marco Rose hat sich also gelohnt. Ihm folgen die Spieler.

Apropos Trainerwechsel, der in München hat sich also gelohnt und am Wochenende wurden die Stühle gleich reihenweise gekippt. Für Achim Beierlorzer war nach dem unglücklichen 1:2 gegen Hoffenheim in Köln Schluss, aber zuvor gab es bereits den Abschied von Sportdirektor Armin Veh. Für die Mainzer Verantwortlichen war nach dem 0:8 in Leipzig das 2:3 gegen Union Berlin zu viel, Sandro Schwarz muss gehen, obwohl das keiner in Mainz so richtig will. Aber Rang 16, der drohende Abstieg und nur 9 Punkte, das ist nicht das, was man sich in der Karnevalshochburg vorstellt. Also Schluss mit lustig. Neuer Versuch mit neuem Trainer. Aber nicht immer wird es besser…

Wir wissen ja, die Trainer verdienen zwar genug, aber sie sind manchmal auch „arme Schweine“ Siehe Beierlorzer in Köln, er litt auch darunter, dass sein Team wegen Schiedsrichter-Fehlentscheidungen Spiele verlor, das löst einen Negativtrend aus, ohne dass dies der Trainer beeinflussen kann. Glück hatte Martin Schmidt beim FC Augsburg, weil das Siegtor von Philipp Max in Paderborn zählte. Sein Freistoß segelte über die Mauer hinweg ins Netz, doch die Paderborner Mauer war durch Augsburger Spieler nicht ganz regelgerecht brüchig geworden. Schiedsrichter Marco Fritz sah darüber hinweg, der Videoreferee meldete sich nicht und Martin Schmidt kann glücklich seinen Job behalten. Augsburg verließ nämlich die direkten Abstiegsplätze, aber weitere „Schicksalsspiele“ folgen, Hertha, Köln und Mainz sind die nächsten Gegner. Der FCA könnte sich vom Abstiegskampf verabschieden oder er bleibt mittendrin, dann aber nach der Winterpause wohl nicht mehr mit Martin Schmidt. Trainer müssen Ergebnisse liefern, wie auch immer.

Uli Hoeneß will sich mit diesen Dingen nur noch aus der Ferne beschäftigen. Bei der Jahreshauptversammlung am Freitag in der Olympiahalle in München will er von seinen Ämtern zurücktreten. Allerdings könnte es ein unruhiger Ruhestand werden, er hat schon angedroht, dass man „von ihm hören wird“. So wie im Fußball-Talk bei Sport1 am Sonntag, als er sich in die Sendung schalten ließ, um seinen Sportdirektor Hasan Salihamidzic zu verteidigen. Der wird auf Betreiben vom scheidenden Präsidenten wohl vom Direktor zum Sportvorstand befördert und da sieht Kritik an seiner Arbeit eben gar nicht gut aus. Uli Hoeneß und sein Lebenswerk bei den Bayern hat der Sport-Grantler schon am 25. Juli gewürdigt: Uli Hoeneß: Umstritten, erfolgreich, ein Mensch.

Auch Joachim Löw muss liefern

Ein Blick zurück, ein Blick voraus. In der vergangenen Woche machten die deutschen Klubs in der Champions League PR für die Bundesliga. Es passierte erst zum dritten Mal in der CL-Geschichte, dass alle Bundesligisten ihre Spiele gewinnen konnten! Bisher war es in den Jahren 2013/14 und 2014/15 der Fall, jetzt zogen Bayern (2:0 gegen Piräus), Leverkusen (2:1 gegen Atletico Madrid), Leipzig (2:0 in St. Petersburg) und Dortmund (3:2 gegen Inter Mailand nach 0:2-Rückstand) nach. Die Bayern stehen bereits im Achtelfinale, Leipzig und Dortmund haben gute Chancen, Leverkusen wahrte zumindest die Chance auf Rang drei zum Überwintern in der Europa League. Dort hielt der Aufwind allerdings nicht an, nur Gladbach siegte (2:1 gegen AS Rom), Frankfurt (1:2 in Lüttich) und Wolfsburg (1:3 gegen Gent) mussten Niederlagen hinnehmen. Vor allem in Wolfsburg haben Niederlagen die Siegesserie von Saisonbeginn abgelöst.

Jetzt aber ist Joachim Löw mit seiner Nationalmannschaft wieder an der Reihe. Und der Bundestrainer muss liefern, am Samstag gegen Weißrussland und Dienstag, 19. November, in Frankfurt gegen Nordirland muss die Qualifikation für die Europameisterschaft 2020 unter Dach und Fach gebracht werden. Löw lässt logischerweise keine Zweifel am Gelingen, aber die Verletztenliste wird nicht kleiner. Auf Marco Reus muss er jetzt auch verzichten, ebenso könnte Kai Havertz ausfallen. Vielleicht hilft am Samstag der Länderspielort Mönchengladbach, das ist dort, wo derzeit die Bundesligasiege zu Hause sind. Sollte es Abwehrprobleme geben, könnte das Thema Mats Hummels für den Bundestrainer zum Bumerang werden, eine Rückholaktion des Dortmunders hält er bisher nicht für erforderlich.

Ihre Saison abgeschlossen hat die Frauen-Nationalmannschaft, die sich nach der Enttäuschung bei der Weltmeisterschaft wieder im Aufwind befindet und die Saison mit einem doppelten Highlight beendete. Da waren zunächst die 77.768 Zuschauer beim Länderspiel gegen England im Wembley-Stadion (90.000 Karten wurden verkauft), aber erst der 2:1-Sieg machte das Spiel zu einem wirklich tollen Erlebnis. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg hat den Umbruch offensichtlich erfolgreich eingeleitet und die gesamte DFB-Führung mit Präsident Fritz Keller an der Spitze saß auf der Tribüne. Sie wollten sich auch Anregungen holen, wie der Frauen-Fußball in Deutschland besser gefördert werden kann, England gilt da als Vorbild. So gab es zum Beispiel niedrige Eintrittspreise, um die Fans ins Stadion zu locken und die großen Vereine der Premier League zeigen ein Herz für den Frauen-Fußball. Das fehlt in der Bundesliga noch. Im nationalen Spielbetrieb sind die Frauen schon froh, wenn sie vor tausend Zuschauern spielen dürfen. Ein besonderes Erlebnis ist das dann nicht.

Niko Kovac hat die Mannschaft verloren

Der 10. Spieltag der Fußball-Bundesliga wäre ja auch ohne spektakuläre Trainer-Entlassung in München ein Spieltag für die Geschichte gewesen, aber das Aus von Niko Kovac bei den Bayern stellte selbst das 8:0 von Leipzig gegen Mainz in den Schatten. Die Trennung vom Coach war aber beim Titelverteidiger die einzige logische Reaktion auf das 1:5 in Frankfurt, zumal es vorher schon beim glücklichen 2:1-Sieg im Pokal in Bochum nur Rumpelfußball gegeben hatte. Die Bosse mussten erkennen, dass die Spieler nicht mehr wollen und dann muss halt der Trainer gehen. Niko Kovac hatte die Mannschaft verloren. Das 1:5 war ein Schlag ins Gesicht für alle und kann auch mit dem frühen Platzverweis von Jerome Boateng nicht erklärt werden. Kovac machte nicht nur in diesem Spiel beim Coachen Fehler, er eckte an mit in seinen Äußerungen über Spieler (Müller), er wirkte wie ein Fremdkörper.

Der Kroate hatte es von Anfang an schwer in München, weil er kein Wunschkandidat der gesamten Spitze war, sondern der Schützling von Präsident Uli Hoeneß, vom Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge nur gelitten. Das machte Rummenigge öfters deutlich. Kovac hatte durch solide Arbeit in Frankfurt auf sich aufmerksam gemacht und beste Werbung für ihn war ausgerechnet der Sieg im Pokalfinale 2018 gegen die Bayern. Dabei übersahen die Bosse, allen voran eben Uli Hoeneß, dass Kovac zwar mit einer mittelmäßigen Mannschaft gute Ergebnisse erzielen kann, dass er aber kein Mann für eine Spitzenmannschaft ist, vor allem keiner, der die Spieler weiterentwickelt. In der letzten Saison führten ihn eher die Spieler aus der Krise, als dass besondere Maßnahmen des Trainers zum Gewinn des Doubles geführt hätten. Die Bosse hatten wohl moralische Zweifel, sich von einem Double-Sieger zu trennen. Jetzt gab es keine Zweifel mehr, die Notbremse musste gezogen werden. Die Spieler folgten dem Trainer nicht mehr, sie meuterten und beschwerten sich. So wird man nicht Meister. Allerdings muss auch die Arbeit von Sportdirektor Hasan Salihamidzic hinterfragt werden, auch er ein Schützling vom Präsidenten.

Uli Hoeneß muss zum Abschluss seiner großen Karriere beim FC Bayern, die ja am 15. November bei der Hauptversammlung enden soll, noch eine herbe Niederlage einstecken. Vielleicht ist es ganz gut, dass die Zeichen auf Änderung stehen, dazu passt eben auch ein neuer Trainer. Die Gerüchteküche dampft natürlich gewaltig, alles ist möglich, doch vorerst wird Co-Trainer Hansi Flick die Verantwortung übernehmen (Kovac-Bruder Robert musste natürlich ebenfalls gehen). Er folgte auf Peter Herrmann, dem Heynckes-Helfer, als dieser den Verein verließ. Angeblich kam Flick im Einvernehmen mit Kovac, aber die Bosse hatten diese Ersatzlösung, wie sie jetzt Wirklichkeit wird, wohl schon im Hinterkopf. Flick hat sich einen Namen gemacht, sowohl als Co-Trainer von Bundestrainer Joachim Löw, gekrönt vom Weltmeister-Titel 2014, an dessen Gewinn Flick keinen geringen Anteil hatte, danach als Sportdirektor beim DFB. „Vorerst“ wird Flick Chef-Trainer sein, das kann bis zur Länderspielpause gehen oder bis zur Winterpause oder vielleicht sogar noch länger. Angeblich genießt Flick das Vertrauen der Spieler und damit ist es ganz einfach: Mannschaft und Trainer müssen liefern.

Die Liste der möglichen Kovac bzw. Flick-Nachfolger ist lang und könnte beliebig erweitert werden. Ein kleiner Überblick: Heiß: Erik ten Hag, mit Ajax Amsterdam erfolgreich, macht Talente zu Weltstars, arbeitete mit Pep Guardiola in München, damals bei den Bayern II, könnte die Pep-Schule zurückbringen. Würde gern bei den Bayern arbeiten. Xabi Alonso, der einstige Stratege im Mittelfeld dachte immer schon wie ein Trainer, lernt derzeit bei der 2. Mannschaft von San Sebastian, der Spanier wäre ein Experiment. Ralf Rangnick, im Red-Bull-Konzern jetzt für die weltweite Entwicklung zuständig, wurde von den Medien ins Gespräch gebracht, stößt im Verein aber auf Skepsis. Der Italiener Massimilian Allegri, mit Juventus Turin erfolgreich, wäre frei, spricht aber kein deutsch. Dies tut der Franzose Arsene Wenger, früher Wunschkandidat bei den Bayern, am Ende bei Arsenal London aber nicht mehr erfolgreich und mit 70 eigentlich zu alt. Auch Thomas Tuchel ist im Gespräch, aber auch da gibt es Zweifel und vielleicht will er gar nicht, weil er bei Paris St. Germain noch mehr Entwicklungspotential sieht. Es darf also spekuliert werden.

Wichtige Aufgaben für Hansi Flick

Unabhängig vom Trainer stehen für die Bayern wichtige Aufgaben an, Hansi Flick kann sich also bewähren. Am Mittwoch geht es in der Champions League gegen Piräus darum, Platz eins und das Weiterkommen zu sichern, am Samstag steht das Schlagerspiel gegen Borussia Dortmund an. Der Gegner steht ja vor ähnlichen Problemen, Trainer Lucien Favre wird auch laufend hinterfragt, doch das 3:0 gegen Wolfsburg war eine Art Befreiungsschlag, nur sollte es am Mittwoch gegen Inter Mailand in der CL keinen Rückschlag geben. Am Samstag geht es aber darum, welcher der beiden selbsternannten Titelkandidaten vorerst im Rennen bleibt.

Ganz oben thront ziemlich überraschend Borussia Mönchengladbach und das seit vier Spieltagen, das gab es zuletzt in der Meistersaison 1976/77. Von einer „Neuausrichtung“ hat Manager Max Eberl vor der Saison gesprochen, als man sich ziemlich überraschend von Dieter Hecking trennte und Marco Rose als neuen Trainer holte. Die Richtung stimmt also, könnte auch ein Wink nach München sein. Dazu landete Eberl (der ja auch schon bei den Bayern im Gespräch war) mit Marcus Thuram als neuen Stürmer und Torjäger einen Volltreffer. In Gladbach genießt man die Situation und fängt nicht das Träumen an, in Dortmund sagt man, die falsche Borussia ist vorn.

Europas Bühne beherrscht diese Woche, die Frage ist, ob es da so spannend zugeht wie beim DFB-Pokal letzte Woche. Da gab es eine ganze Reihe von packenden Spielen, nicht nur die Bayern zitterten bei einem Abstiegskandidaten der 2. Bundesliga. Vor allem der 1. FC Köln erlebte beim 1. FC Saarbrücken eine peinliche Pleite, dazu schieden mit Freiburg, Paderborn, Wolfsburg und Gladbach (in Dortmund) weitere Bundesligisten aus. Dafür trumpften die Kleinen auf, noch nie schafften es zwei Viertligisten (Saarbrücken und Verl) ins Achtelfinale des DFB-Pokal. Dazu kommt der 1. FC Kaiserslautern aus der 3. Liga. Vorfreude also auf den 4./5. Februar, allerdings auch Probleme. Saarbrücken wollte sich zu dieser Zeit erst aus der Winterpause zurückmelden, muss also umdisponieren, weil die Punktrunde erst drei Wochen später beginnt. Der Fluch der guten Tat also, aber es gibt auch über eine Million Euro als Trostpflaster, allerdings mit dem Karlsruher SC nicht unbedingt den prominentesten Gegner. Er könnte aber schlagbar sein!

Das Pokal-Achtelfinale: Frankfurt – Leipzig, Bayern – Hoffenheim, Schalke – Hertha, Bremen – Dortmund, Leverkusen – Stuttgart, Kaiserslautern – Düsseldorf, Verl – Union Berlin, Saarbrücken – Karlsruhe.

Trainer sind leichter zu ersetzen als Schiedsrichter

Zwei Meldungen, vollkommen konträr, doch eine Sportart: Da geht es um die drohende Ablösung von Trainern, dort um einen Streik der Schiedsrichter. Alle Fußball-Fans mussten erkennen: Trainer sind leichter zu ersetzen als Schiedsrichter. Gut, die vom Boulevard angezählten Trainer Niko Kovac und Lucien Favre sind noch im Amt (beide wohl auf jeden Fall bis zur nächsten Länderspielpause, vielleicht sogar bis zur Winterpause und darüber hinaus), aber sollten sie oder einer von ihnen doch gehen müssen, dann geht es weiter, die Verantwortlichen hoffen sogar, es geht besser weiter als bisher. Aber der Streik der Schiedsrichter in Berlin sorgte dafür, dass der Fußball-Verband alle Spiele abgesagt hat. Das sollten sich vor allem die Chaoten, Stänkerer und Besserwisser vom Spielfeldrand merken: Ohne Schiedsrichter kein Fußball.

Wir müssen alle Sympathie haben für die Berliner Schiedsrichter. Sie beklagen die zunehmende Gewalt auf den Fußballplätzen, bis jetzt wurden bereits 109 Vorfälle von Gewalt und Diskriminierung auf den Berliner Fußballplätzen registriert. Schiedsrichter dürfen kein Freiwild sein! Berlin steht nicht allein, in Hessen wurde am Wochenende in Schiri ins Krankenhaus geprügelt. Die zunehmende Aggressivität unserer Gesellschaft wird nicht nur im Internet deutlich, sondern leider überall und besonders da, wo sich Hitzköpfe benachteiligt fühlen. Ein falscher Pfiff und die Schimpfworte fliegen über den Rasen, heute leider auch die Fäuste. Der Fußballplatz darf aber nicht der Ort sein, um seine Aggressivität auszuleben.

Schon oft hat der Sport-Grantler diejenigen bewundert, die sich gerade im Amateur-Fußball Woche für Woche die Anfeindungen auf den Plätzen antun. Aber nur wer hier durchhält, kann einmal in der Bundesliga pfeifen und dort inzwischen gutes Geld verdienen. 80.000 Euro Jahresprämie stehen im Raum, dazu 5000 Euro pro Spiel. Die Spieler, die sie quasi in punkto Regeln beaufsichtigen verdienen immer noch ungleich mehr, machen aber auch mehr Fehler, die aber nur selten zum Weltuntergang hochstilisiert werden.

Auch am vergangenen Wochenende standen die Schiedsrichter in der Bundesliga wieder im Blickpunkt, was immer dann der Fall ist, wenn Entscheidungen zweifelhaft sind, wenn die Regeln unterschiedlich ausgelegt werden. Nur: Die Medien verreißen oft die Männer an der Pfeife, machen dabei allerdings selbst Fehler. Bei den vielen umstrittenen Entscheidungen ob in Leverkusen, München oder auf Schalke war nur der Pfiff in Mainz wirklich falsch, Frank Willenborg hätte für Köln einen Elfmeter geben müssen, weil der Mainzer Spieler den Ball im Strafraum mit abgespreiztem Arm stoppte. Warum Willenborg trotz Videobeweis nicht auf den Punkt zeigte, ist ein Rätsel, aber noch kein Grund, auf den Unparteiischen, wäre es ein Amateurspiel, eine Hetzjagd zu veranstalten. Alle sollten sich merken: Lieber ein falscher Pfiff als gar kein Pfiff mehr. Damit müssen wir leben: Manche Entscheidung entbehrt jeglicher Logik, ist aber regelkonform.

Und was ist mit den Trainern? Die Bundesliga ist spannend wie selten, aber das Niveau lässt vielerorts zu wünschen übrig. Geklagt wird eben vor allem in München und Dortmund, weil man hier mit anderen Vorstellungen in die Saison gegangen ist und sich attraktiven und erfolgreichen Fußball versprochen hat. Bekommen haben alle nur Alltagskost, das Niveau lässt zu wünschen übrig. Nur deshalb stellen die Medien die Trainer Niko Kovac und Lucien Favre in Frage und bringen Ralf Rangnick und Jose Mourinho, den selbsternannten „spezial one“ als mögliche Nachfolger ins Gespräch. Und auch in Leipzig ist man nach zuletzt vier Spielen ohne Sieg (zwei Niederlagen, zwei Unentschieden) alles andere als glücklich. Der einst als großes Trainer-Talent gefeierte Julian Nagelsmann kommt derzeit als unverfülltes Versprechen daher. Glücklich ist man nur in Gladbach, kein Wunder als Überraschungs-Tabellenführer.

Gut ist, dass uns die Spannung erhalten bleibt und die Schlagerspiele auch. Gladbach wird am Samstag in Leverkusen geprüft, die Bayern in Frankfurt und Wolfsburg muss zeigen, ob es in Dortmund weiter ungeschlagen bleiben kann. Der Sprung an die Spitze misslang mit einem 0:0 gegen Augsburg, der VfL bleibt aber ohne Niederlage, hat aber fünf Unentschieden, das kostet auch Punkte. Für die Borussia und Lucien Favre stehen die Wochen der Wahrheit an: Die Gegner heißen Gladbach im Pokal, nach Wolfsburg am 9. November die Bayern in der Bundesliga und dazwischen das Rückspiel gegen Inter Mailand nach der Enttäuschung des 0:2 in Mailand. Besondere Spannung in Berlin, da steigt am Samstag das erste Bundesliga-Duell zwischen Union und der Hertha. Ein Aufruf an die „Fans“: Bitte ruhig bleiben! Ebenfalls beim Rhein-Derby Düsseldorf – Köln im Zeichen des Abstiegskampfs.

Den Pokal gibt es auch noch

Zwischen Bundesliga, Champions League, Europa League und Länderspielen geht der DFB-Pokal fast unter, aber es gibt ihn noch. Die 2. Runde am Dienstag und Mittwoch, dann geht es erst am 4./5. Februar mit dem Achtelfinale weiter. Zwei Regionalligisten sind mit dem 1. FC Saarbrücken (gegen Köln) und SC Verl (hat den FCA ausgeschaltet, jetzt gegen Kiel) noch dabei. Die Bundesliga liefert aber die Schlagerspiele mit Wolfsburg – Leipzig und Dortmund – Gladbach. Der VfL Bochum schnuppert mal wieder Erstliga-Luft und denkt an die alten Duelle mit Bayern München – am Dienstag gibt es eine Neuauflage. Das macht eben nur der Pokal möglich. Gespannt sein darf man auch, ob sich der HSV und VfB Stuttgart ein ähnlich spektakuläres Duell liefern wie am Samstag in der 2. Bundesliga (6:2). Wegen solcher Spiele ist der Fußball so populär. Jagden auf Schiedsrichter braucht er nicht.