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Tag: Borussia Dortmund

Geisterspiele sollen die Bundesliga retten – aber lässt Corona das zu?

Die ersten Entscheidungen im Profi-Fußball sind gefallen, aber die großen Fragezeichen bleiben. Vor allem: Was lässt das Coronavirus überhaupt zu? Kann noch gespielt werden und wenn, wann? Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit zum Beispiel Bundesligaspiele, wenn auch nur als Geisterspiele, über die Bühne gehen können? Eins steht fest: Wollen die Fußball-Bundesligisten einigermaßen unbeschadet durch die Coronakrise kommen, dann können sie nur Geisterspiele ohne Zuschauer retten, auch wenn dies den Fans nicht gefällt. Aber die Rettung der Vereine und der Liga geht vor. Lähmt das Virus aber weiterhin das Leben in Deutschland, sind selbst Geisterspiele fraglich, weil ja auch Spieler und Mannschaften betroffen sein können.

Zunächst einmal haben UEFA und DFL die Weichen für eine Bewältigung der Krise gestellt. Der europäische Dachverband machte den Weg frei für die nationalen Ligen und hat die für den Sommer 2020 vorgesehene Europameisterschaft um ein Jahr auf 2021 verschoben. Es sollte ein besonderes Turnier werden über (fast) alle Grenzen hinweg, jetzt ist es schon im Vorfeld ein besonderes Turnier geworden. Es ist das erste Mal in der 60-jährigen EM-Geschichte dass die EM verlegt wird. Nun haben die europäischen Ligen die Hoffnung, dass sie ihre nationalen Meisterschaften noch zu Ende bringen können, eine Sicherheit gibt es allerdings nicht, Frag nach bei Corona. Ein Problem: Am 30. Juni enden viele Verträge, die bis zum Saisonende 2020 abgeschlossen wurden. Rechtliche Fragen stehen im Raum. Die Bundesliga hat zusammen mit England mit noch neun ausstehenden Spieltagen das kleinste Restprogramm, in Spanien und Frankreich sind noch elf Spieltage zu absolvieren, in Italien 12 und in der Schweiz sogar 13. Lösungen werden schwierig.

Vorerst hat die Bundesliga ihren Spielbetrieb nur bis zum 2. April gestoppt, doch jedem ist klar, dass dies noch nicht das Ende sein wird. Für den 30. März ist die nächste Krisensitzung anberaumt, ein Start vor dem 18./19. April ist utopisch, eher könnte es der 2./3. Mai werden. Experten haben durchgerechnet, dass dann bis zum 30. Juni die Saison noch durchgetaktet werden könnte mit Bundesliga, DFB-Pokal, Champions League, Europa League und den Relegationsspielen. Gespielt werden muss fast jeden Tag, also praktisch immer, Pausen sind nicht vorgesehen. Und was sagt Corona? Übrigens: Die Premier League in England hat einen Re-Start auf den 30. April verschoben.

DFL-Chef Christian Seifert betet immer wieder vor, dass die Saison zu Ende gebracht werden muss, das wäre essentiell für die Liga und die Vereine. Einnahmen von rund 750 Millionen Euro durch Fernsehen und Sponsoren stehen auf dem Spiel, 56.000 Arbeitsplätze bei den Vereinen und Firmen rund um den Spielbetrieb sind in Gefahr. Seifert betont: „Vereine sind Unternehmen, sie müssen so behandelt werden, wie alle anderen Unternehmen auch.“ Freilich, Vereine, die sich ein finanzielles Polster zugelegt haben, werden leichter überleben als kleine Klubs. Die Bayern und Dortmund tun sich leichter als Paderborn oder Augsburg. Solidarität ist gefragt, allerdings lässt die wohl auch zu wünschen übrig. Dortmunds Boss Hans-Joachim Watzke moserte: „Es können nicht die Klubs, die ein bisschen Polster angesetzt haben in den letzten Jahren, die Klubs, die das nicht getan haben, dafür nun auch noch belohnen.“

Hilfe ist allerdings kein Fremdwort. So haben die Spieler der Nationalmannschaft 2,5 Millionen Euro für Corona-Geschädigte gespendet, die Spieler von Borussia Mönchengladbach haben einen Gehaltsverzicht erklärt, der dem Verein eine Million Euro im Monat sparen soll, auch andere Spenden sind via Internet bekannt geworden, so unterstützt Franck Ribery das Krankenhaus in Florenz mit 50.000 Euro. Er denkt also nicht nur Goldsteaks. Vorbild waren wohl die Profis in Amerika, die vielfältige Spendenaktionen ins Leben gerufen haben. In einem Land, in dem der Präsident anfangs Corona leugnete. „Gibt es nicht“, hatte der superkluge Präsident Donald Trump geurteilt. Heute weiß er es besser.

Zunächst aber ist der Trainingsbetrieb gestoppt, die Spieler machen „Homeoffice“ – ganz normale Arbeitnehmer halt manchmal. Doch statt am Computer sollen sie auf Spinnrädern sitzen, Gymnastik machen oder auch allein laufen. Hausarrest gibt es nicht, doch meist der Wunsch, möglichst zu Hause zu bleiben. Die Trainer verordnen Fitnessprogramme über das Internet, Fitness in modernen Zeiten. Am Ende schaffen sie das Training auf dem Platz noch ab!

Ein Trainer ist arbeitslos, Joachim Löw ist wohl der prominenteste Kurzarbeiter in Deutschland. Aber auch er hat sich schon nützlich gemacht, gespendet und den Verzicht auf einen Teil seines Gehaltes kundgetan. Wann Löw wieder arbeiten kann, respektive wann die Nationalmannschaft wieder aktiv wird, steht in den Sternen. Im Herbst soll die Nations League beginnen. Es liegt an Corona wann der Fußball wieder auf die Bühne der Öffentlichkeit zurückkehrt, aber auch an den Menschen, wie sie mit dem Virus umgehen. Einer neuer Spruch ist jetzt in Mode und das gilt auch für die Leserinnen und Leser: Bleiben Sie gesund!

Ultras oder Corona – wer leert die Stadien?

Na ja, diese Erkenntnis ist nicht ganz neu, dennoch ein Hinweis darauf: Die Welt ist aus den Fugen geraten. Da passt das Coronavirus wie die Faust aufs Auge, denn dass die Welt aus den Fugen gerät, wird damit nämlich sichtbar. Das tägliche Leben hat sich geändert, bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger. Und natürlich bleibt der Sport davon nicht verschont, wobei es dafür zunächst nur geringe Anzeichen gibt mit Veranstaltungen ohne Zuschauer, aber sie werden mehr werden. In einigen Sportarten werden Veranstaltungen abgesagt, in anderen wird einfach weitergemacht, halt ohne Zuschauer. Das droht jetzt auch der Fußball-Bundesliga. Manche Fans nehmen die drohenden Geisterspiele fatalistisch: „Fußball ist ja sowieso ein Fernsehsport. Millionen sitzen vor den Fernsehern, Millionen Euro werden durch das Fernsehen verdient.“ Wo ist also das Problem? Machen wir wieder Radiokonferenz.

Blickt man auf die vergangenen Wochen und Tage zurück, dann stellt sich allerdings die Frage: Wer leert die Stadien zuerst? Die Ultras, die mit beleidigenden Äußerungen den Anstand vergessen und Spielabbrüche provozieren, oder eben Corona, wenn die Gesundheit im Vordergrund steht und Massenveranstaltungen dafür verantwortlich sein können, dass sich Viruserkrankungen verstärkt ausbreiten. Corona wird die Ultras schlagen, die dann nicht einmal mehr ihre Proteste anbringen können. Der Fußball kann also testen, wie es sich ohne Zuschauer und ohne Stimmung spielt.

Die Frage ist, ob die strengen Maßnahmen der Ministerien und Ämter nicht zu weit greifen und nur die Panik schüren. Da tätigen Menschen Hamsterkäufe, gleichzeitig aber fahren sie dichtgedrängt in der U-Bahn, am Wochenende auch in die Fußballstadien und standen dicht an dicht. Unten auf dem Feld kam es auch zum Körperkontakt, aber nicht vor dem Match. Die Spieler nahmen die Einlaufkinder nicht an die Hand, sondern legten ihnen die Hand auf die Schulter, statt Händeschütteln zur Begrüßung des Gegners gab es einen Ellenbogenkontakt. Abgeklatscht und umarmt wurden nur die eigenen Mitspieler.

Die Bundesliga wird spielen

Die Bundesliga lässt sich vom Coronavirus nicht stoppen, das hat DFL-Geschäftsführer Chrisian Seifert deutlich gemacht. Seinen Worten nach muss die Saison wie vorgesehen bis Mitte Mai zu Ende gespielt werden, um Auf- und Absteiger sowie die Teilnehmer an den internationalen Wettbewerben zu ermitteln. Vielleicht wird am Ende auch der Deutsche Meister unter Ausschluss der Öffentlichkeit bzw. der Fans feiern. Alles ist möglich.

So hat der Sport vielleicht auch wieder einmal die Aufgabe, von den großen Problemen der Welt ein wenig abzulenken. Wer also wird Deutscher Meister? Bayern München jedenfalls lässt nicht locker, mit Erleichterung wurde der 2:0-Sieg gegen den FC Augsburg registriert, ein Gegner, der oft Probleme bereitete und auch jetzt wieder unangenehm war. Aber auch ohne Torjäger Lewandowski bleiben die Bayern auf Kurs mit zuletzt sieben Siegen und dem 0:0 gegen Leipzig. Dortmund drängte sich wieder in die erste Verfolgerrolle mit dem 2:1 im Duell in Gladbach. Positiv wird bei der Borussia registriert, dass mit Haaland und Can genau die richtigen Typen geholt wurden, die der Mannschaft neben Haalands Toren vor allem das Kämpfergen inplantierten. Sprich: Auch schwächere Spiele werden gewonnen, wie es eben Bayern oft vormacht.

Anders sieht es in Leipzig aus, wo zwei Unentschieden die Stimmung trübten. Nicht mehr nach dem Titel schielen, sondern die Teilnahme an der Champions League sichern, sieht Trainer Julian Nagelsmann jetzt als Aufgabe. Das gilt auch in Gladbach und Leverkusen, das sich als Mannschaft der Stunde bezeichnen kann. Da haben inzwischen Schalke, Wolfsburg und Hoffenheim den Anschluss verloren. Dazwischen liegt noch Freiburg mit 36 Zählern, aber dort sieht man einiges anders. Trainer Christian Streich atmet tief durch: „Mit dem Abstieg haben wir nichts mehr zu tun.“ Fast sensationell: Auch Köln sieht es so und schielt mit 32 Punkten und sechs Siegen in den letzten acht Spielen nicht mehr nach unten, sondern eher nach oben. Na ja, in Köln schwenkt die Stimmung immer schneller um als an anderen Orten.

Im Abstiegskampf selbst treten die Klubs quasi auf der Stelle, ein Glück für Vereine wie Augsburg, Hertha und Frankfurt, die zuletzt zu wenig gepunktet haben und immer auf den Abstand nach unten schauen. Paderborn kann das Schlusslicht nicht abgeben, Bremen schafft die Wende nicht und Düsseldorf kommt auch nicht voran. Gegen Mainz wurde schon die zweite Chance zum Punktesammeln gegen Konkurrenten im Abstiegskampf verpasst, mit Unentschieden kommt man nicht weiter. Nächste Chance Freitag gegen Paderborn.

Geisterspiele international

Eines ist wohl sicher: Geisterspiele werden kommen. „Getestet“ haben am Sonntag Juventus Turin und Inter Mailand, auf dem Spielfeld war es eigentlich wie immer. Erste Erkenntnisse kann Dortmund am Mittwoch in Paris sammeln, dort wurde entschieden, die Zuschauer auszuschließen. Die Champions League geht in dieser Woche weiter und es wird einige Geisterspiele geben, u. a. Valencia – Bergamo. Mal sehen, ob die deutschen Klubs auch ohne Fans ihren Siegeszug fortsetzen können. Dortmund lebt von einem 2:1 im Hinspiel und trifft auf eine verunsicherte Mannschaft von Thomas Tuchel. Paris konnte sich ausruhen, das Spiel in Straßburg wurde abgesagt. Leipzig muss einen 1:0-Vorsprung gegen Tottenham verteidigen, diesmal würde ein Unentschieden nicht für lange Gesichter sorgen. Die Bayern haben noch Ruhe, treffen erst nächsten Mittwoch, 18. März, auf Chelsea London.

In der Europa League steht jetzt auch das Achtelfinale an, Frankfurt gegen Basel, Wolfsburg gegen Donezk und Leverkusen bei den Glasgow Rangers sollten nicht chancenlos sein. Im Sport stehen die Zeichen gut für die Bundesliga, in Sachen Corona nicht so gut.

Ob es im DFB-Pokal auch Geisterspiele gehen wird? Optimisten hoffen, dass sich die Epidemie bis zum 21./22. April abgeschwächt hat. In Saarbrücken wird allein die Begeisterung auch Corona besiegen, so eben wie Köln und jetzt Düsseldorf. Nun trifft der Viertligist auf Bayer Leverkusen, außerdem erwarten die Bayern den alten Pokal-Kontrahenten Eintracht Frankfurt.

Der Fußball hat auch noch andere Sorgen, Frag nach in Nürnberg, dort haben einer oder mehrere Unbekannte 50 Flyer mit fast schon unverhohlenen Morddrohungen gegen Nürnberger Spieler aufgehängt. Diese Auswüchse sind schlimm und zeigen, dass die Welt wirklich aus den Fugen geraten ist, leider auch der Fußball und deren Anhänger. Geisterspiele passen also zu geistesgestörten Anhängern.

Her mit Respekt, weg mit Rassismus

Bereits am 26. Dezember des letzten Jahres hatte der Sport-Grantler seinen Wunsch für das Jahr 2020 geäußert: „Der Fußball braucht mehr Anstand“. Die Geschehnisse seitdem haben ihn in dieser Aussage bestärkt, er erkennt aber auch Bemühungen, dass der Profi-Fußball sich um mehr Respekt bemüht. Im krassen Gegensatz dazu gibt es in ganz Europa immer wieder Entgleisungen von Zuschauern, die farbige Spieler rassistisch beleidigen. Für die Zukunft gibt es nur eins: Her mit dem Respekt, weg mit dem Rassismus!

Bleiben wir in Deutschland, aber die Erkenntnisse sind für ganz Europa gültig. Es gab Diskussionen, ob die Bundesliga von den Amateuren wirklich als Vorbild angesehen wird. Natürlich kann man den Profi-Fußball in großen Stadien mit dem Dorf-Fußball vor kleiner Kulisse nicht in allen Bereichen vergleichen, aber die Profis bleiben doch Vorbild: Wenn sie den Schiedsrichter angehen, wenn sie gegen Entscheidungen ausfallend protestieren, dann wird dies über die Fernsehschirme zu den kleinen Dorf-Fußballern transportiert und unterschwellig setzt sich dieses Imponiergehabe bei ihnen fest. Die Schiedsrichter, auf dem Dorf ohne Schutz, müssen dies ausbaden. Dies muss den Profis bewusst sein. Also ist der eingeschlagene Weg richtig, wenn DFB und DFL mehr Respekt fordern und die Schiedsrichter bei Protesten schneller Gelb zeigen. Wie ebenfalls in diesen Kolumnen schon beschrieben: Ein Erziehungsauftrag für die Fußballer!

Her mit dem Respekt könnte man aber auch den Fans sagen, nicht nur in punkto Rassismus, sondern auch in punkto Pyrotechnik. Die unerträgliche Pyroshow der Leverkusener Ultras am Wochenende bei Union Berlin war ein Beispiel dafür, was der Rest der Zuschauer nicht sehen will. Das Spiel wurde viermal unterbrochen, ein Spielabbruch war nahe. Unabhängig von der Gefahr, die von den Zündeleien ausgeht, fehlt es eben am Respekt gegenüber dem Sport und den anderen Zuschauern, wenn man nur an seine eigene (verbotene!) Show denkt. Anscheinend kann man von dieser Sorte „Fans“ keinen Respekt gegenüber anderen erwarten. Erziehungsbemühungen sind wohl zum Scheitern verurteilt.

Menschenverachtend sind auch rassistische Ausfälle. Egal ob weiß, braun oder schwarz – wir sind alle Menschen. Immer wieder werden überall farbige Spieler mit Affenlauten und anderen Äußerungen beleidigt. Toll die Reaktion der Zuschauer bei einem Vorfall in Münster, als sie den verantwortlichen Idioten bloßstellten und er verhaftet werden konnte. Hier sind immer die anderen Stadienbesucher gefragt und in der Pflicht. Wenn es nicht anders geht, müssen Mannschaften das Feld verlassen, um ihren Mitspieler zu schützen. Ein Problem haben die Schiedsrichter, die Äußerungen von der Tribüne runter aufs Feld nicht immer mitbekommen bzw. verstehen können. Aber es gilt, was jetzt Leverkusens Trainer Peter Bosz gesagt hat: „Wir sind alle gleich.“ Weg mit dem Rassismus!

Beleidigungen haben im Leben nichts zu suchen und im Sport, wo es ja auch um Fair Play geht, sowieso nicht. Also müssen Sanktionen her, so wie jetzt, wenn Dortmund drei Jahre lang ohne Zuschauer nach Hoffenheim reisen soll, weil Dortmunder Ultras Hoffenheims Mäzen Hopp in den letzten Jahren übel beschimpft hatten. Ob dies Wirkung zeigt und solche Erziehungsbemühungen helfen, werden wir sehen. Generell ist die Hoffnung gering, Sport ist auch Emotion, doch die darf nicht zu Ausschreitungen und Beleidigungen führen. Der Kampf für Respekt und gegen Beleidigungen wird nicht von heute auf morgen zu gewinnen sein. Wenn überhaupt…

Champions League: Trainer unter Druck

Mit dem Start des Achtelfinales in der Champions League (CL) und der Zwischenrunde in der Europa League (EL) nimmt in dieser Woche der europäische Fußball endgültig Fahrt auf. Der Frühling ist die heiße Phase des Spitzenfußballs, da fallen die Entscheidungen. Im Mittelpunkt diesmal vor allem die Trainer, viele stehen unter Druck, für einige entscheidet sich ihre Zukunft im Verein mit dem Abschneiden in der CL.

Zu den Trainern unter Druck gehören auch zwei aus der Bundesliga, allerdings aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Lucien Favre wird in Dortmund immer wieder in Frage gestellt, spielt die Borussia schwach, kommt seine Ablösung ins Gespräch, trumpft sie auf wie beim 4:0 gegen Frankfurt hat der Schweizer eine eher trügerische Ruhe. Die Bewährungsprobe folgt gegen Paris St. Germain, dem Scheich-Klub mit seinen Stars Neymar und Mbappe sowie Borussias Ex-Trainer Thomas Tuchel, ein besonderes Aufeinandertreffen also. Dortmund hat es im Kreuz, gegen Paris zu bestehen, gleichzeitig hätte Favre wohl für den Rest der Saison der Ruhe, wenn die Borussia weiter im Titelkampf der Bundesliga dabei ist. Anders die Situation für Thomas Tuchel, der einst im Streit nach dem Bomben-Attentat Dortmund verließ, der aber jetzt endgültig in Paris liefern muss. Als die Scheichs aus Katar 2011 mit viel Geld in Paris einstiegen, galt der Gewinn in der CL als bevorzugtes Ziel. Es reichte bisher nicht einmal zum Halbfinale, die letzten drei Jahre war im Achtelfinale Schluss. Tuchel muss liefern, Dortmund könnte für ihn erneut zum Schicksal werden.

Liefern muss ebenfalls Hansi Flick, auch bei den Bayern ist ein Aus im Achtelfinale nicht akzeptabel. Bei Flick geht es um die Zukunft in München, es geht um seine Reputation nach dem Motto „was kann er wirklich?“. In der Bundesliga hat er die Mannschaft auf Vordermann gebracht, doch die Skeptiker fragen, „kann er es auch international?“ Vorgänger Niko Kovac wurde auf der europäischen Bühne Zögerlichkeit vorgeworfen. Gegen Chelsea London sind die Bayern Favorit, anders als im Vorjahr gegen den FC Liverpool mit Jürgen Klopp. Es war zuletzt das Schicksal der Bayern immer gegen den späteren CL-Sieger ausgeschieden zu sein. Aber mehr als das Achtelfinale muss es diesmal sein, die Bayern brauchen es für ihre eigene Reputation, wenn sie Verstärkungen suchen. Gefragte Spieler wollen nur zu einem Verein, der ihnen die Chance auf den CL-Sieg bietet. Hansi Flick hat noch ein bisschen Zeit, die Bayern starten nächste Woche am 25. Februar. Dann muss er liefern.

Auffallend ist, dass viele europäischen Spitzenteams sich in letzter Zeit keineswegs in Bestform präsentierten, so dass die Fans die Spiele in der Champions League wohl mit besonderer Spannung verfolgen. Unter Druck steht auch Quique Setien beim FC Barcelona, der als Nachfolger von Trainer Ernesto Valverde sowieso nur als Notnagel gilt. Unter besonderem Druck steht auch Pep Guardiola bei Manchester City. Wegen Vergehen gegen das Fair Play sprach die UEFA gegen den Verein eine zweijährige Sperre ab 2021 aus. Ob die vor dem Internatioalen Sportgerichtshof CAS Bestand haben wird, muss sich zeigen. Stand derzeit ist, dass es für Pep und City wohl die letzte Chance ist, die Stars im Team zu halten, wenn man die Champions League gewinnt, nachdem die nationale Meisterschaft verloren ist. Pep kann sich einen neuen Verein allerdings aussuchen, auf der Liste stehen u. a. eine Rückkehr nach Barcelona oder München, aber auch Juventus Turin wird gehandelt.

Die CL gelassen sehen kann Jürgen Klopp. Er steht überhaupt nicht unter Druck, er hat 2019 bereits geliefert und jetzt wollen die Fans nichts anderes als die Meisterschaft und die ist bei 25 Punkten Vorsprung in der Premier League eigentlich sicher. Seit 30 Jahren warten die „Reds“ auf den Titel, da ist Klopp auf jeden Fall wieder Held, auch wenn es in der CL schief geht. Dort kann man ja notfalls im nächsten Jahr wieder gewinnen. Die Spiele:

Champions League: Dortmund – Paris, Atletico Madrid – Liverpool (beide 18.2/ Rückspiele 11.3.), Bergamo – Valencia, Tottenham – Leipzig (beide 19.2./10.3.), Chelsea – Bayern, Neapel – Barcelona (beide 25.2./18.3.), Real Madrid – Manchester City, Lyon – Juventus Turin (beide 26.2./17.3.).

In der Europa League sind aus der Bundesliga noch Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg vertreten. Die reizvollste Aufgabe hat wohl die Eintracht gegen den RB Salzburg. Allerdings hat Österreichs Meister einige Stammspieler wie Torjäger Erling Haaland (Dortmund) im Winter abgegeben und verlor jetzt gegen Verfolger LASK Linz und musste die Tabellenführung abgeben. Leverkusen trifft auf Portugals Spitzenteam FC Porto, Wolfsburg auf Malmö FF. Reguläre Spieltage jeweils Donnerstag 20. und 27. Februar.

Klinsmann und die Bundesliga

Als Trainer unter Druck fühlte sich wohl auch Jürgen Klinsmann, der mit seiner Demission in Berlin in der letzten Woche für den Paukenschlag sorgte. Er schätzte wohl die Situation bei der Hertha völlig falsch ein und glänzte nur mit großen Sprüchen und Visionen außerhalb jeder Realität. Nach 76 Tagen verabschiedete er sich wieder und hat seinen Ruf in Deutschland endgültig ruiniert. Immerhin hinterließ er etwas Positives, nämlich neue Spieler, die der Hertha helfen können. Piatek und Cunha waren maßgeblich mit am 2:1-Sieg in Paderborn verantwortlich. Die Hertha gab in der Winterpause 77 Millionen Euro für Neuzugänge aus, so viel, wie kein anderer Verein weltweit! Aber Klinsmann träumte noch von prominenteren Namen: Özil, Götze, Draxler und auch Can standen auf seiner Wunschliste! Klinsmann-Assistent Alexander Nouri soll jetzt die Hertha retten, aber eine Zukunft als Cheftrainer hat er wohl nicht.

Immerhin, die größten Sorgen ist Hertha los. Auffällig, dass sich in der Bundesliga langsam die Fronten klären. Die Spitzenteams ließen nichts anbrennen, Bayern verteidigte die Tabellenführung, Leipzig, Dortmund und Gladbach bleiben dran. In die CL-Plätze drängt noch Bayer Leverkusen. Schalke sowie die Verfolger Freiburg, Hoffenheim und Wolfsburg machen dahinter den einen verbliebenen Platz für die Europa League unter sich aus.

Am Tabellenende haben die letzten drei Teams Düsseldorf, Bremen und Paderborn an Boden verloren. Wer bekommt da noch die Kurve? Die Fortuna steht vor den Wochen der Wahrheit, die nächsten Gegner heißen Freiburg, Hertha, Mainz, Paderborn und Köln – bis auf Freiburg alles Kellerkinder bzw. Konkurrenten. Werder und Paderborn haben mit Dortmund und Bayern Spitzenteams vor der Brust, da wären Punktgewinne fast ein Wunder. Und so bleibt es in Bremen auch bei der Hängepartie: Schafft Trainer Florian Kohfeldt die Wende oder nicht? Seine letzte Chance ist vielleicht am 1. März, wenn Frankfurt in Bremen gastiert. Ein Trainer unter Druck.

Will denn keiner Meister werden?

Bemüht man die Statistik, dann ist die Meisterfrage in der Fußball-Bundesliga eigentlich entschieden: 24mal führte Bayern München nach dem 21. Spieltag die Tabelle an und wurde danach 20mal Meister! Die Chancen für die Verfolger sind also gering. Allerdings taucht nach dem vergangenen Wochenende eher die Frage auf: Will denn keiner Meister werden? Eine Punkteteilung im Spitzenspiel zwischen den Bayern und Leipzig, eine Niederlage von Verfolger Dortmund in Leverkusen und na ja, Gladbach als Vierter durfte dem Treiben an der Spitze zuschauen und hat jetzt nach der Absage des Spiels gegen Köln eine Nachholpartie in der Hinterhand. Den Schwung von Orkan Sabine, der an der Absage schuld war, wünscht man auch den Meister-Anwärtern. Sie alle haben aber ihre Probleme.

Die Münchner sollten sich auf die Statistik auch nicht verlassen, die Bayern von heute haben in keinster Weise die Klasse und das fast schon überbordende Selbstvertrauen ihrer Vorgänger. Zwar hat sich unter Trainer Hansi Flick vieles verbessert, aber zuletzt traten ungewohnte Schwierigkeiten auf. Früher hätten die Bayern eine Vorlage wie die Niederlage von Dortmund genutzt und Verfolger Leipzig geschlagen nach Hause geschickt – eine Vorentscheidung wäre gefallen. Heute fehlt dieses „mia san mia“ und seltsam, dass die Bayern nur selten über 90 Minuten ihre Klasse zeigen, zuletzt immer wieder in der zweiten Halbzeit schwächeln. Da gehen keine Signale an die Verfolger aus wie „ihr braucht euch keine Hoffnungen machen“, sondern sie machen den Verfolgern eher Hoffnung, weil die sehen, auch den Bayern gelingt nicht alles. Auch Thomas Müller rätselt: „Wir hatten in der 2. Halbzeit nicht mehr den absoluten Siegeswillen.“

Gegenüber den Kollegen hat Hansi Flick aber einen Vorteil, die verletzten Spieler kehren Stück für Stück zurück. Die Langzeitverletzten Hernandez und Coman durften ihr Kurz-Comeback feiern, allerdings hat Flick eigentlich seine Wunschformation gefunden, Änderungen geht er nur zögerlich an. Wohl auch deshalb, wenn er sieht, wie die große Hoffnung Coutinho eher zur Belastung wird. Der Zauberer hat seinen Zauber verloren, von ihm gehen keine Impulse aus. Da werden die Bayern keine 100 Millionen auf den Tisch legen, da wären schon 10 Millionen wie für den kanadischen Jungspund Davies zu viel. Der beeindruckt derzeit am meisten, zeigt den Schwung, den die ganze Mannschaft benötigt, bügelt Fehler sofort wieder aus und hilft mit seiner Schnelligkeit einer wackligen Abwehr. Da kann Coutinho nur staunen.

Im Gegensatz zu Flick hat Kollege Lucien Favre in Dortmund mehr Sorgen. Erst das Pokal-Aus in Bremen, jetzt das 3:4 in Leverkusen, das Ziel, etwas Silbernes am Ende der Saison in den Händen zu halten, gerät immer mehr aus dem Blickfeld. Jetzt gesellen sich Verletzungen hinzu, Marco Reus und Julian Brandt waren zuletzt so etwas wie das Herz der Mannschaft, fehlen aber wohl beide einige Wochen. Ein Rückschlag, zumal auch die Champions League wieder startet. Am Freitag kommt erst einmal Frankfurt, am Dienstag aber Thomas Tuchel mit Paris St. Germain. Wieder einmal geht es um Weichenstellung.

Mit Niederlagen musste zuletzt auch Julian Nagelsmann in Leipzig leben, auch die Bullen wurden von Frankfurt aus dem Pokal geworden, da war das 0:0 in München fast schon Balsam auf die Wunden. Da kann Nagelsmann leicht aufatmen „es geht wieder aufwärts“. Seltsam aber, dass die Torjäger alle diesmal Ladehemmung hatten, Werner zielte am leeren Tor vorbei, Lewandowski konnte sich nicht durchsetzen und Wunderknabe Erling Haaland kam für Dortmund zu spät. Der Fußball sorgt immer wieder dafür, dass hochfliegende Stars wieder auf dem Boden der Tatsachen landen.

Verletzungssorgen werden in den entscheidenden Spielen im Frühjahr erfahrungsgemäß wieder eine große Rolle spielen. Die Vereine können jammern oder dem Pech so begegnen wie Leverkusen: Mit Mut, Einsatzwillen und Selbstvertrauen. Das 4:3 gegen Dortmund in einem tollen Spiel könnte ein Signal sein, auch im Vorjahr rollte Bayer das Feld von hinten auf, schoss sich noch in die Champions League. Da sollten die Klubs davor nicht nur auf die Meisterschaft schauen.

Keine Bewegung oben, viel Bewegung unten. Die Underdogs sind obenauf, Paderborn, Düsseldorf, Union Berlin und Mainz punkteten allesamt und brachten Werder Bremen wieder in die Bredouille, sprich auf einen Abstiegsplatz. Ehrenvoll, aber wirklich sinnvoll? Die Bremer halten an Trainer Florian Kohlfeldt auch nach dem 0:2 gegen Union eisern fest. Man möchte ihnen wünschen, dass sie auch belohnt werden, auch wenn man andererseits keinem anderen wünscht, dass er absteigt. Der Kampf wird aber härter, Rückschlag für Hertha, wo Trainer Jürgen Klinsmann zu einem ungewöhnlichen psychologischen Mittel greift, nämlich zwei Tage frei „um die Köpfe frei zu bekommen“. Rückschlag auch für den FC Augsburg, wieder einmal eine peinlich hohe Niederlage, diesmal 0:5 in Frankfurt. Trainer Martin Schmidt hat ein Torhüter-Problem, sein Favorit Tomas Koubek verunsichert das Team immer wieder mit Fehlern, die Nummer zwei, Andreas Luthe, genießt nicht das Vertrauen des Coaches. Wer aber kann Rückhalt im Abstiegskampf sein?

Der Pokal und die eigenen Gesetze

Ein Ausspruch für das Phrasenschwein, aber im Achtelfinale bestätigte sich wieder einmal, dass der Pokal seine eigene Gesetze hat, nämlich, dass es keine Schonfrist für die Favoriten gibt. Die Prominenz musste sich reihenweise verabschieden und sogar die Bayern wackelten beim glücklichen 4:3 gegen Hoffenheim. Leipzig scheiterte aber in Frankfurt, Dortmund beim Abstiegskandidaten Bremen, der aber seltsamerweise diesen Schwung nicht mit ins Treffen gegen Union Berlin nehmen konnte. Mit dem 1. FC Saarbrücken (5:3 im Elfmeterschießen gegen Karlsruhe) zog sogar ein Regionalligist ins Viertelfinale ein. Nach der Auslosung steht Fortuna Düsseldorf auf der „Abschussliste“. Saarbrücken hat derzeit kein eigenes Stadion und sorgt dennoch für Furore. Am 3. oder 4. März heißt das Schlagerspiel Schalke 04 gegen Bayern München, Bayer Leverkusen erwartet Union Berlin und mit Frankfurt und Bremen treffen die beiden Favoriten-Killer aufeinander. Es sieht danach aus, als sollte die Eintracht ihrem Ruf als Pokal-Mannschaft wieder gerecht werden.

Ein „Pokal-Schmankerl“ der besonderen Art lieferte der FC Liverpool. Weil Jürgen Klopp mit einer B-Elf im FA-Cup beim Drittligisten Shrewsbury Town nur unentschieden spielte, gab es ein Wiederholungsspiel, das ausgerechnet in die Liverpooler Winterpause der Premier League angesetzt wurde. Klopp weigerte sich, seinen Stars den versprochenen Urlaub zu streichen und so trat zum Wiederholungsspiel quasi ein Junioren-Team an. 19 Jahre und 102 Tage betrug das Durchschnittsalter der Mannschaft, betreut von Reserve-Coach Neil Critshley. Ein Eigentor des Gegners brachte den Junioren sensationell einen 1:0-Sieg. Klopp saß auf dem Sofa zu Hause und hatte ein Geschenk: Im Achtelfinale gegen den FC Chelsea (Bayerns Gegner in der Champions League) dürfen ein oder zwei dieser Pokal-Helden bei den Profis mitwirken. Wohl eine Art Glücksbringer.

Ein Erziehungsauftrag für die Fußball-Stars

Es gibt ja den Ausspruch „mancher lernt es nie“. Für die Fußball-Stars sollte dies nicht gelten, denn sie müssen jetzt gutes Benehmen lernen, müssen lernen, ihre Emotionen nicht zu wild auszuleben. Dies gilt natürlich nicht für die Bundesliga allein, aber da stehen die Stars besonders im Blickpunkt und müssen auch ihrer Vorbildfunktion für die Amateure und Jugendkicker gerecht werden. Diesem Aspekt wurde in der Vergangenheit nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt. Jetzt aber ist Schluss mit lustig bzw. Schluss mit Reklamieren und Rudelbildung. Den Erziehungsauftrag für die Fußball-Stars haben die Schiedsrichter, aber die Vereinsmanager und –trainer sind ebenso gefragt, wie der 20. Spieltag zeigte.

Sportlich steht natürlich der Kampf um die Meisterschaft im Mittelpunkt, doch ebenso heiß wurde die Gelb-Rote Karte für Gladbachs Torjäger Plea diskutiert. Der Franzose beschwerte sich beim Spiel in Leipzig gestenreich und überzogen bei Schiedsrichter Tobias Stieler, dass dieser ein angebliches Foul nicht ahndete. Eine Gelbe Karte war die Folge und als Plea diese mit einer weiteren abwertenden Geste nach dem Motto „Du kannst es ja nicht“ quittierte, war Gelb-Rot die logische Folge. Stieler urteilte regelgerecht und vor allem auch auf Anweisung des DFB, bei Reklamieren strenger durchzugreifen. Vereine und Spieler wurden darüber informiert und FIFA-Schiedsrichter Stieler kam auch gerade von einem Lehrgang der UEFA, wo genau dieses doppelte Abwinken diskutiert wurde und Gelb-Rot als zwingend angesehen wird. Seltsam, dass die Spieler die Gelbe Karte als Warnung nicht akzeptieren. Es darf keine Entschuldigung sein, dass angeblich das erhöhte Adrenalin während eines Spiels das Gehirn ausschaltet und Respekt nicht mehr gefragt ist. Also ist jetzt der Erziehungsauftrag in vollem Gange. Sind die Referees konsequent, wird es Gelb und Rot hageln.

Allerdings ist die angekündigte strengere Regelauslegung nicht nur bei den Spielern, sondern auch bei Funktionären, Trainern und teilweise Journalisten noch nicht angekommen, die Gelb-Rot als überzogen ansahen. Die Gladbacher wollten von einem Erziehungsauftrag nichts wissen, wetterten gegen Stieler und äußerten sich abfällig. Sie sollten eher auf den Spieler sauer sein, der beitrug, dass Gladbach nach einem 2:0-Vorsprung, dann beim Stand von 2:1 mit dem Platzverweis, beim 2:2 schließlich noch zwei Punkte verlor. Und der Erziehungsauftrag darf da nicht enden, es ist auch respektlos gegenüber Trainern und Mitspielern, wenn Spieler bei einer Auswechslung den Trainer ignorieren und nicht abklatschen (Kunde in Mainz) oder für jeden sichtbar verärgert reagieren und Trinkflaschen oder andere Gegenstände im Frust wegkicken oder wegwerfen (Hakimi und Reus in Dortmund, Petersen in Freiburg). Wird dem Mitspieler ein Einsatz nicht gegönnt? Respekt gegen Kameraden und Trainern sieht anders aus. Und der Vorbildfunktion für die Jugendlichen werden sie auch nicht gerecht. Hier gibt es einen Erziehungsauftrag für die Vereine. An dieser Stelle wurde zuletzt vermehrt darauf hingewiesen.

Ein „Endspiel“ in München

Mal sehen, ob wir künftig mehr Respekt sehen, zum Beispiel beim Top-Spiel am Sonntag (18.00 Uhr) zwischen dem Ersten und Zweiten. Der Erste, das war bis Samstag Leipzig, jetzt ist es wieder der Titelverteidiger und alle in München sind glücklich. Bayern ist am Ziel! „Für uns zählt nur Platz eins, den wollen wir spätestens im Duell mit Leipzig erreichen“, hatte Thomas Müller vorher schon deutlich gemacht. Die Leipziger schwächelten, kommen jetzt als Zweite und sind dennoch stolz. Das Hinspiel endete 1:1 mit Vorteilen bei den Bayern. Jetzt ist es eine Art „Endspiel“, es wird vor allem zeigen, wohin der Weg der Leipziger geht, die nach einem 3:1 gegen Union Berlin, dem 0:2 in Frankfurt und 2:2 gegen Gladbach relativ schlecht ins neue Jahr gestartet sind. Ganz im Gegensatz zu den Bayern, die „ins Rollen“ gekommen sind, wie selbst sagen. Sechs Siege zuletzt, drei 2020 bei 12:1 Toren. Aber Achtung: Leipzig ist mit den Bayern zusammen das stärkste Auswärtsteam (20 Punkte), die Bayern dagegen erlebtem zu Hause schon zwei Niederlagen.

Also ein „Endspiel“ unter den „großen Vier“ zu denen noch Dortmund und Gladbach gehören. Vor allem Dortmund sorgt mit Torjäger Erling Haaland für Schlagzeilen, der 19-Jährige Norweger ist der erste Spieler mit sieben Toren in seinen ersten drei Partien in der Bundesliga! Das Quartett hat sich ein bisschen abgesetzt, deshalb ein Blick auf die weiteren direkten Duelle: Gladbach – Dortmund am 7. März, Dortmund – Bayern am 4. April, Bayern – Gladbach am 25. April und Leipzig – Dortmund am vorletzten Spieltag am 9. Mai. Dann vielleicht sogar ein echtes Endspiel? Die Bayern möchten es verhindern.

Im Abstiegskampf ist der 1. FC Köln mit fünf Siegen in den letzten sechs Spielen die Mannschaft der Stunde. Da hat sich also der Trainerwechsel gelohnt. Kein Wunder, dass sich die Fortunen in Düsseldorf den rheinischen Rivalen als Vorbild genommen haben und sogar Kult-Trainer Friedhelm Funkel „geopfert“ haben. Der 66-Jährige beendet damit seine Karriere mit einer Enttäuschung. Der Verein hat Sympathien verloren, viele wünschen der Fortuna jetzt den Abstieg… Den soll der neue Trainer Uwe Rösler verhindern, mit dem 1:1 gegen Frankfurt gab es ein erstes Lebenszeichen. Ob am Samstag in Wolfsburg die Wende gelingt?

Überraschend in der Bredouille auch Werder Bremen. In Augsburg stand ein „Sechs-Punkte-Spiel“ an, Werder führte 1:0, verkürzte also den Abstand, am Ende aber stand es 2:1 und der FCA vergrößerte den Vorsprung zum Relegationsrang auf neun Zähler, was die Wichtigkeit dieser Begegnung aussagt. Werder verlor bereits 19 Punkte nach einer Führung! Augsburg wiederum hat zu den Europa jetzt einen geringeren Abstand (acht) als zu den Abstiegsplätzen. Da passt die nächste Aufgabe beim Tabellennachbarn Frankfurt. Gegen die Eintracht gewinnt der FCA gern!

Der Pokal ohne Fieber

Bei dieser Konstellation oben und unten in der Bundesliga wird der DFB-Pokal in dieser Woche fast zu einem Zwischenspiel. Das Pokal-Fieber gibt es höchstens bei den Regionalligisten in Saarbrücken und Verl. Der SC hat Augsburg und Kiel ausgeschaltet und hofft nun auf Coup drei gegen Union Berlin. Ansonsten also ein Pokal ohne Fieber, aber mit interessanten Spielen, wobei die Underdogs der Bundesliga halt auf eine Überraschung im Pokal hoffen. Die Spitzenklubs wiederum müssen sich neben dem Kampf um die Meisterschaft auch auf das Zusatzgeschäft konzentrieren. Titelverteidiger Bayern München hat dabei die TSG Hoffenheim zu Gast und schlechte Erinnerungen, in der Bundesliga gab es da nämlich mit 1:2 eine der zwei Heimniederlagen. Kein Wunder, dass man in München bescheiden bleibt („wir sind gewarnt“), andererseits aber vom Spiel gegen Leipzig noch nichts wissen will.

Die Paarungen: Frankfurt – Leipzig, Kaiserslautern – Düsseldorf, Schalke – Hertha, Bremen – Dortmund, Leverkusen – Stuttgart, Verl – Union Berlin, Bayern – Hoffenheim, Saarbrücken – Karlsruhe. Das Viertelfinale wird am 4. und 5. April gespielt.

Die Spieler müssen Disziplin lernen

Der Bundesliga-Start hatte es in sich, spektakuläre Spiele und sehenswerte Tore, dazu mit Erling Haaland ein neuer Star, Fußball-Herz, was willst Du mehr. Allerdings gab es auch sofort wieder Begleiterscheinungen, die wir auf dem Fußballplatz nicht sehen wollen und denen der Kampf angesagt wird. Gegen Rudelbildung und auswuchernde Proteste der Spieler gegen Schiedsrichter-Entscheidungen soll energisch vorgegangen werden, als Erziehungsmaßnahme wird die Gelbe Karte gezückt. Das schmeckt nicht jedem, ist aber notwendig und eine Entscheidung für die Zukunft, die den Fußball sehenswerter machen soll. Es ist ganz einfach: Die Spieler müssen Disziplin lernen.

Es war offensichtlich, dass die Schiedsrichter in allen Stadien schneller die Gelbe Karten wegen Unsportlichkeiten zückten. Die Referees selbst gaben hinterher zu, dass sie in der Vorrunde bei manchen Vergehen die Karte noch nicht gezückt hätten. Dem DFB ist aber daran gelegen, das Erscheinungsbild zu verbessern, weil die Bundesliga auch Vorbild für die Amateure ist und es dort bereits zahlreiche Übergriffe bzw. sogar Gewalttätigkeiten gegen Unparteiische gegeben hat. Schiedsrichter-Chef Lutz Michael Fröhlich bekannte, dass dies das Hauptargument dafür war, die Regel während der Saison zu verschärfen. Die Winterpause war ja sicherlich kein ganz schlechter Zeitpunkt, umso unverständlicher, dass manche Trainer und Manager dies kritisieren.

Besonders gravierend war eine Szene in Düsseldorf, als Werders Spieler Vogt in der Nachspielzeit vom eigenen Torhüter ins Reich der Träume geschickt wurde. Zum Glück erlitt er nur eine Gehirnerschütterung, aber die allgemeine Aufregung bei diesem Zusammenprall mehrerer Spieler war groß. Es war der alte Reflex: Bevor sich selbst die eigenen Spieler um ihren am Boden liegenden Mann kümmerten, bestürmten sie Schiedsrichter Dr. Felix Brych. Der zückte gegen Bremens Kapitän Niklas Moisander als Rädelsführer die Gelbe Karte, was in seinem Fall, weil es die zweite war, sogar Gelb-Rot bedeutete. Das verstärkte die Aufregung. Dr. Brych sagte in der Fachzeitung kicker u. a. zur Rudelbildung: „Wir sind uns einig, dass der Fußball solche Szenen nicht will.“ Außerdem hofft er: „Ich würde mich freuen, wenn wir Unterstützung bei dem konsequenten Vorgehen gegen Unsportlichkeiten in der Bundesliga erfahren würden.“ Gerade im Hinblick auf die Vorbildfunktion sollten Trainer und Manager nicht die Unparteiischen im Auge haben, sondern ihre eigenen Spieler gemäß dem Motto „fair geht vor, Anstand geht vor“. Bremen bangt um Vogt, freute sich aber über den 1:0-Sieg und das Ende der Tristesse.

Wenden wir uns den erfreulichen Dingen zu, den sportlichen Highlights beim Rückrunden-Auftakt. Der Star war natürlich der 19-Jährige Norweger Erling Haaland, der beim 5:3-Sieg Dortmunds in Augsburg in der 56. Minute eingewechselt wurde und gleich bei seiner Bundesliga-Premiere zum Retter avisierte. Der FCA führte 3:1, verblüffte die Borussia mit schnellen Kontern und verlor dann gegen die Urgewalt des Wikingers die Übersicht. Haaland schlug in der 59. Minute erstmals zu und bis zur 79. Minute machte er mit drei Treffern und Sancho aus dem 1:3 ein 5:3. Dortmund hat einen neuen Hoffnungsträger, einst war dies der Spanier Alcacer, doch der darf gehen, von dem spricht keiner mehr. Lustig: Auch er hatte schon mal drei Tore gegen Augsburg erzielt, ebenso wie Robert Lewandowski. Haaland schaffte eine Wiederholung des Einstandes von Aubemayang, der einstige Dortmunder Torjäger feierte auch in Augsburg seine Premiere mit drei Toren! Der FCA hat aber wichtigere Spiele vor sich: Bei Union Berlin und gegen Werder Bremen. Dafür sollte er die Leistung der ersten Stunde abrufen – Siege garantiert.

Leipzig lässt sich an der Spitze nicht beirren (letzte Niederlage am 9. Spieltag) und brachte so die Bayern in Zugzwang. Deren Aufgabe bei der Hertha schien schwierig zu sein, schließlich waren die Berliner unter ihrem neuen Coach Jürgen Klinsmann zuletzt viermal ungeschlagen geblieben. Nach dem Theater um seine Trainerlizenz durfte Klinsmann coachen und hoffte mit seiner „Berliner Mauer“ wenigstens auf einen Zähler. Die Bayern mühten sich bis in die zweite Halbzeit hinein, bis die Berliner müde gespielt waren und die Mauer bröckelte. Das 4:0 war lange Zeit nicht vorherzusehen. Den ersten Stein brach Thomas Müller heraus und er droht der Konkurrenz: „Wir sind immer da, wenn es um etwas geht.“ Nebenbei feierte Müller ein Jubiläum, seinen 250. Skorerpunkt in der Bundesliga (113 Tore, 137 Vorlagen). Da spielten auch die Personalsorgen keine Rolle mehr und Trainer Hansi Flick ließ sogar den Nachwuchs von der Leine. Was auffiel: Den eigentlichen Flügelflitzer Davies, der jetzt als linker Verteidiger glänzt, ersetzte er durch den Außenstürmer der Bayern II, Dajaku. Der soll wohl einen Geschmack bekommen, was ihm blüht, wenn Verteidiger ausfallen. Vielleicht sieht ihn Flick als Zukunftslösung auf Rechts.

Der Verlierer des Wochenendes war Borussia Mönchengladbach mit der 0:2-Niederlage bei Schalke 04. So rückte Bayern vor auf Platz zwei und das Feld enger zusammen. Schalke bleibt im Aufwind und hatte den Sieg vor allem einem Neuzugang zu verdanken, dem Österreicher Michael Gregoritsch. In Augsburg moserte er über mangelnde Einsatzzeiten, wollte kategorisch weg und wurde nach Schalke verliehen. So ist der Fußball: Bei einem Verein pfui, beim anderen hui – gerade wie es den Spielern gefällt. Schalke ist seit vier Spielen unbesiegt (davon zwei Remis), am Samstag (18.30 Uhr) folgt das Schlagerspiel bei den Bayern. Die aber haben sogar viermal in Folge gewonnen!

Diese Bilanz weist nur noch ein Verein auf – der 1. FC Köln! Mit vier Siegen raus aus der Abstiegszone, aber immer noch im Abstiegskampf. Aber jetzt wird schon mal gefeiert wie im Karneval und Trainer Markus Gisdol ist der Held. Die Serie könnte allerdings enden, am Freitag in Dortmund und gegen Erling Haaland. Oder hat der schon sein Pulver verschossen? Wie auch immer, die Bundesliga hatte einen guten Start ins neue Jahr und macht Lust auf mehr. Und wenn jetzt noch mehr Disziplin dazu kommt…