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Tag: Borussia Dortmund

Die Bundesliga ist Theater auf großer Bühne

„Mach nicht so ein Theater“, ist eine gängige Zurechtweisung im Alltag. Das Theater als solches gilt bei der Bevölkerung als Inbegriff der Kunst, der Kultur-Tempel schlechthin. Die Platzzahl ist allerdings begrenzt und nur mit Zuschüssen bleiben die Theater am Leben. Dabei wird das größte Theater im Sport gespielt, die Bundesliga ist Theater auf großer Bühne, jede Woche pilgern im Schnitt 40.000 Zuschauer zu den Spielen und die Akteure bieten wie im richtigen Theater gute und schlechte Kunst. Beste, aber berüchtigte Schauspielkunst liefern die Akteure etwa bei den berühmten „Schwalben“. Besser geht es auf keiner anderen Bühne. Ein Ausschnitt vom Bundesliga-Theater:

Der Titelkampf: Bayern München und Borussia Dortmund liefern sich ein spannendes Duell, dass alle Degen-Helden auf den Bühnen verblassen lässt. Da die selbstbewussten Helden aus München, die sechs Jahre lang schon auf dem Thron sitzen und sich nicht verdrängen lassen wollen. Dort die „Wegelagerer“ aus Dortmund, die zwar ein bisschen an sich selbst zweifeln, die aber doch den ganzen Mut zusammennehmen, um die Helden zu besiegen. Der Ausgang ist ungewiss. Die Bayern müssen vorerst auf einen Helden verzichten, Manuel Neuer hat sich wieder verletzt, fällt mindestens zwei Wochen aus. Und das vor den Bremen-Festspielen. Die 2019 noch ungeschlagenen Werderaner (übrigens als einziges Team in den Top-Ligen Europas!) gastieren am Samstag in München und erwarten dann die Bayern zum Halbfinale im DFB-Pokal. Welche Dramatik! Das Publikum wartet auf die erste Niederlage.

FC Augsburg: Auch eine Provinzbühne kann sich in den Vordergrund spielen, der FCA tat es. Im ansonsten beschaulichen Schwaben krachte es, Trainer entlassen und seine Assistenten dazu. Manuel Baum ging nicht allein, sondern vor allem der berühmte Star Jens Lehmann musste seine Nebenrolle als Assistent gleich wieder aufgeben. Impulse gingen von ihm nicht aus. Wohl aber vom neuen Trainer Martin Schmidt, der seinen Mannen mit der Devise „einfach spielen“ das Kontrastprogramm zu Baum lieferte (ausgeklügelte Taktik). Und dann gab es ein Märchen auf der Bundesliga-Bühne, dass es im wirklichen Leben nie geben würde: Schmidt gewann bei seinem Amtsantritt in Mainz 3:1 gegen Frankfurt und jetzt: 3:1 mit dem FCA in Frankfurt. Held des Spiels war der U21-Nationalspieler Marco Richter, er erzielte seine ersten beiden Saisontreffer. Vorher hatte er einmal getroffen – gegen Frankfurt. Das nennt man dann beste Eintracht. Die Frankfurter aber erlebten eine Tragödie, erste Niederlagen in diesem Jahr, und das ausgerechnet in der Europa League mit dem 2:4 bei Benfica Lissabon. Die Hoffnung schwindet vor dem Rückspiel am Donnerstag, die Eintracht wirkt ziemlich ausgelaugt. Noch einmal werden die Helden aber auf die Bühne gerufen.

VfB Stuttgart: Von Helden ist hier nicht die Rede, sondern von Schurken. Der Argentinier Ascacibar spielte die Rolle des Lamas, doch Spuck-Attacken sind auf der Bundesliga-Bühne nicht erwünscht. Die Tragik der Stuttgarter: Sie dezimieren sich im Abstiegskampf selbst mit Verletzungen und Platzverweisen. Und das vor dem „Endspiel“ am Samstag in Augsburg, nur mit einem Sieg bei den Provinzhelden bleibt die Hoffnung auf den Klassenerhalt ohne Umweg Relegation bestehen.

Fortuna Düsseldorf: Die meisten Theaterstücke sehen die beliebte Rollenverteilung so vor, da der brave Held, dort der Schurke. In Düsseldorf wird das Bühnenstück perfekt dargeboten. Der brave Trainer Friedhelm Funkel wird gefeiert, er führte den Aufsteiger trotz aller Widerwärtigkeiten zum vorzeitigen Klassenerhalt. Die Rolle des Schurken nimmt Vorstands-Chef Robert Schäfer ein, der den braven Funkel entlassen wollte, aber zurückgepfiffen wurde. Weil er so ein Miesepeter ist, muss er jetzt selbst gehen. So wollen es die Leute, der Brave muss gewinnen.

Timo Werner: Jeder Vereinswechsel ist ein Theaterstück in mehrer Akten und vor allem bei den Medien äußerst beliebt, denn er liefert Gesprächsstoff über Monate hinweg. Bestes Beispiel ist Nationalstürmer Timo Werner. Dessen Vertrag bei RB Leipzig läuft 2020 aus und branchenüblich heißt es im Jahr davor verlängern oder verkaufen. Nur selten wird der Vertrag voll erfüllt, weil der Verein ja Geld verliert. So wird jetzt gerätselt, geht er oder bleibt er? Und wenn er geht, wohin? Seine neue Bühne soll angeblich in München stehen. Dort wird das Honorar sicher höher sein.

Die Bühnen außerhalb der Bundesliga

Europa: Wir wollen ja nicht sagen, das Europas Bühnen spektakulärer sind als die Bundesliga, aber sie bieten doch einiges, vor allem Geld. So drängen sich auch die Bundesligisten auf diese Bühnen, aber die Hauptrollen sind begehrt und im letzten Akt fehlen die Bundesligisten als Hauptdarsteller. Die große Bühne genießt vor allem einer: Cristiano Ronaldo. Die Champions League ist sein Metier und er hält Juves Chance am Leben gegen die Jung-Darsteller aus Amsterdam. Ein großes Stück. Das will auch Messi mit Barcelona liefern, der Titel ist das Ziel. Die Rolle des tragischen Helden könnte Pep Guardiola zukommen, das 0:1 bei Tottenham ist eine schwere Hypothek. Pep hat sich vercoacht, ja wie gibt es denn so was. Im zweiten Akt fehlt allerdings Tottenhams Held Harry Kane, eine Chance für Manchester City und Pep.

Tiger Woods: Das Comeback des Jahres, Tiger Woods ist zurück, ist wieder auf der Siegesstraße. Nach elf Jahren, in denen persönliche Tragödien und Operationen die Hauptrolle spielten, gewann der Golf-Star wieder ein Major-Turnier, das Masters in Augusta. Es ist sein 15. Major-Titel, nur noch drei fehlen zum Rekord von Jack Nicklaus, dem „goldenen Bär“. Nur eine Nebenrolle spielten die deutschen Golfer in Augusta, Bernhard Langer bekam als ältester Teilnehmer mit guten Leistungen aber viel Aufmerksamkeit. Am Ende ging dem „alten Mann“ die Luft aus.

Formel 1: Der Motorsport liebt die große Bühne und feierte ein großes Jubiläum in China, das 1000. Rennen! Es gab aber keine Überraschung, auch da triumphierte wieder Mercedes, der strahlende Held war Lewis Hamilton, der tragische Held dagegen Sebastian Vettel. Große Hoffnungen und Sprüche vor der Saison, aber bei Ferrari und Vettel läuft es nicht. Der Wagen nicht so schnell wie erhofft, der Fahrer nicht so gut wie erwartet. Nach Fahrfehlern brauchte Vettel Hilfe von der Regie, damit er den Team-Kollegen überholen konnte und erstmals wieder auf dem Podest stand. Begeisterung dafür gab es nicht. Aber im Theater Formel 1 wird noch lange gespielt, da ist die Hauptrolle für den Heppenheimer immer noch möglich. Von Überraschungen lebt jedes Theater!

Einen großen Abgang von der Sport-Bühne gab es in der vergangenen Woche, lesen Sie dazu den nachfolgenden Kommentar „Dirk Nowitzki ist der Größte“.

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Bayern und Dortmund haben nur noch Endspiele

Das 5:0 des FC Bayern über Borussia Dortmund im Spitzenspiel der Fußball-Bundesliga war eine Demonstration der Macht, aber keineswegs eine Entscheidung im Titelkampf, wie viele angesichts des Münchner Spektakels unken. Ganz im Gegenteil, ein Pünktchen Vorsprung, was ist das schon. Bereits ein Unentschieden bedeutet den Verlust von zwei Punkten, wenn der Verfolger siegt. Nein, der Titelkampf ist noch nicht entschieden, aber Bayern und Dortmund haben nur noch Endspiele vor sich, sechs an der Zahl.

Das 5:0 im 100. Duell war aber auch ein Triumph für Bayern-Trainer Niko Kovac, der seinen Gegenspieler und eigentlichen Taktik-Fuchs Lucien Favre austrickste. Kovac traf vor allem die richtigen Personalentscheidungen, nominierte Martinez und Müller (dafür Goretzka und James auf der Bank), beide dankten es ihm mit überragenden Leistungen. Vor allem Martinez machte deutlich: In Spitzenspielen kann Kovac nicht auf den Spanier verzichten und mit Müller ist Lewandowski besser (was er auch immer betont und so hat er die Schallmauer von 200 BL-Toren durchbrochen). Der Lohn für den Trainer: Präsident Uli Hoeneß sprach ihm eine Job-Garantie aus.

Aber Vorsicht: Das 1:1 zuvor in Freiburg, aber auch das 5:4 im wilden Pokalspiel gegen Heidenheim bewiesen, dass die Fallen für den Titelverteidiger nicht in den Spitzenspielen liegen, sondern in den Vergleichen mit dem „Fußvolk“. Insofern folgt auf das „Spiel der Spiele“ gegen Dortmund vielleicht das wahre „Spiel der Spiele“, nämlich das Gastspiel am Sonntag bei Fortuna Düsseldorf. Der Aufsteiger hat sich auf einer Euphorie-Welle zum Klassenerhalt tragen lassen und bereitete den Bayern schon im Hinspiel beim 3:3 Ärger. Es war der Höhepunkt der Bayern-Krise. Eigentlich eine Gelegenheit für eine weitere Macht-Demonstration des Tabellenführers. Das Restprogramm sieht für die Bayern überhaupt größere Brocken vor (Bremen, Nürnberg, Hannover, Leipzig, Frankfurt) als Dortmund (Mainz, Freiburg, Schalke, Bremen, Düsseldorf, Gladbach), vor allem am Schluss mit Leipzig und Frankfurt.

In den letzten Jahren schauten die deutschen Fußball-Fans sehnsüchtig nach den anderen europäischen Ligen, wo an der Tabellenspitze Spannung herrschte, in diesem Jahr ist es umgekehrt. Nur in Deutschland und England (Liverpool gegen Manchester City) gibt es einen echten Kampf um die Meisterschaft, in Italien (Juventus Turin), Frankreich (Paris St. Germain) – beide fast durch – und Spanien (FC Barcelona mit deutlichen Vorsprung) macht sich eher Langeweile breit.

Von Langeweile kann im Abstiegskampf der Bundesliga nicht geredet werden, von mangelnder Klasse allerdings schon. Das Niveau der Kellerkinder war in den letzten Jahren nie so schlecht wie in dieser Saison. Im Kampf um den Klassenerhalt kommt keine Mannschaft so richtig in Form, Magerkost gibt es bei den Leistungen und entsprechend auch beim Punktesammeln. Augsburg setzte einen Schlusspunkt am Wochenende mit dem 0:4 gegen Hoffenheim und der Niederländer Jeffrey Gouweleeuw sprach es deutlich aus: „Wir haben einfach Glück, das ist der Wahnsinn.“ Glück gemünzt darauf, dass die Konkurrenz auch nicht punktet und der FCA mit 25 Punkten weiter auf dem ersten Nichtabstiegsplatz verharrt, noch mit vier Zählern Vorsprung auf den VfB Stuttgart. Könnte ja reichen, wer weiß, ob Stuttgart, Nürnberg und Hannover überhaupt noch vier Punkte holen. Diesbezüglich dürfen Freiburg (32 Punkte), Mainz (33) und Hertha (35, trotz wieder schwacher Rückrunde) schon den Klassenerhalt feiern. Eigentlich eher eine traurige Angelegenheit.

Die Spiele im DFB-Pokal bewiesen wieder einmal, dass der Pokal lebt und es keineswegs einer Reform bedarf, wie sie immer wieder angedacht wird. So eroberte vor allem Zweitligist FC Heidenheim mit seinem heldenhaften 4:5 in München die Herzen der Fans. Das wäre in Punktspielen nie möglich. Die Halbfinals am 23. und 24. April versprechen Spannung mit den Partien Hamburger SV – RB Leipzig und Werder Bremen – Bayern München, zumal beide Favoriten auswärts antreten müssen. Die Bayern haben Werder dafür am 20. April in der Bundesliga zu Gast.

Frankfurt letzte Hoffnung in Europa

Champions League (CL) und Europa League (EL) bestimmen in den nächsten zwei Wochen das Fußball-Geschehen in Europa. Das Viertelfinale der CL findet bekanntlich ohne deutsche Beteiligung statt, da kann das ZDF ja froh sein, dass es für die TV-Rechte kein Geld mehr ausgegeben hat. Traurig ist es aber für die Bundesliga, dass sie zuschauen muss. Aber mit Bayern München hat sich bekanntlich nicht nur der deutsche Favorit verabschiedet, sondern – zur Erinnerung – auch Titelverteidiger Real Madrid und der Scheich-Klub Paris St. Germain sind nicht mehr dabei. Die Premier League bestimmt mit vier Vertretern das Geschehen, wobei Jürgen Klopp für seinen FC Liverpool die Favoritenrolle ablehnt. Er reicht sie an Pep Guardiola weiter: „Manchester City ist derzeit der beste Klub der Welt.“ Das wird sich schon im englischen Duell mit Tottenham (im neuen Stadion) zeigen müssen, Liverpool sollte es gegen den FC Porto leichter haben. Manchester United – FC Barcelona (mit Messi) ist wohl das interessanteste Duell, Juventus Turin (bei Ajax Amsterdam) bangt um Cristiano Ronaldo.

Die letzte Bundesliga-Hoffnung auf Europas Bühne ist Eintracht Frankfurt. Die Hessen müssen am Donnerstag bei Benfica Lissabon ran und wollen ein Alleinstellungsmerkmal erfolgreich verteidigen: Frankfurt ist als einzige Mannschaft in den europäischen Wettbewerben noch ungeschlagen! Auch in der Bundesliga hat die Eintracht 2019 noch nicht verloren, da sollte der nötige Schwung vorhanden sein, zumal auch in der Bundesliga ein Platz für die Champions League winkt. Da müssen die Schützlinge von Adi Hütter nicht einmal die Europa League gewinnen, aber sie würden es gern. Und die Bundesliga freut sich, dass in der EL nicht immer nur von einer Pleite der deutschen Klubs die Rede ist.

Zur Beachtung: Lesen Sie auch den nachfolgenden Kommentar „Präsident Peinlich und die Schattenseiten des Fußballs“.

Das Spiel der Spiele – aber kein Finale!

Endlich! Die Fans der Fußball-Bundesliga warten auf das Match, endlich wieder einmal ein spannender Titelkampf und nicht nur Brisanz bei den Duellen gegen den Abstieg. Endlich, das Spiel der Spiele, aber wenn sich am Samstag die alten Rivalen Bayern München und Borussia Dortmund gegenüberstehen, dann ist dies kein Finale. Einem echten Finale um die Deutsche Meisterschaft trauern Nostalgiker bekanntlich hinterher.

Ein kleines Finale ist es allerdings schon, jedoch anders, als es sich die Bayern gewünscht hatten. Ihr Plan war, mit einem Sieg über Dortmund für Klarheit an der Tabellenspitze zu sorgen. Jetzt befinden sich die Münchner plötzlich wieder in der Verfolgerrolle nachdem sie neun Punkten Rückstand aufgeholt hatten, dagegen könnte die Borussia mit einem Erfolg in der Allianz Arena für eine Vorentscheidung sorgen.

Es gab einen „Ball verkehrt“ im Vorfeld des deutschen „Clasico“. Die Bayern patzten mit dem 1:1 in Freiburg, während Dortmund wie oft in der Vorrunde beim 2:0 gegen Wolfsburg das Glück der späten Tore feierte. Sensationell: Wäre in allen Spiele nach 90 Minuten wirklich der Schlusspfiff ertönt, dann wären die Bayern Erster mit 63 Punkten vor Dortmund mit 59! Borussias Torbilanz in der Nachspielzeit lautet 9:1, die der Bayern 1:1! Dortmunds Dusel ist zurück, belegt durch Alcacers Glücksschuss quasi durch die Wolfsburger Mauer. Da war auch alles lamentieren, das die Mauer zu weit weg stand, Quatsch, denn der Ball ging ja nicht über die Mauer. So holte sich Dortmund das Selbstvertrauen für das Spiel der Spiele, die Bayern hadern.

Auffallend: Dortmund erinnerte an die Vorrunde, ebenso die Bayern. Mit dem 1:1 gegen Freiburg am 10. Spieltag Anfang November begann die Bayern-Krise mit drei Spielen ohne Sieg (danach 2:3 in Dortmund, 3:3 gegen Düsseldorf). Jetzt wird wieder geklagt über mangelnde Einstellung, schlechte Aufstellung und fehlende Konzentration beim Tor-Abschluss. Es gibt nur etwas Positives dabei: Einen besseren Muntermacher gibt es nicht. Oder wiederholt sich in einem Spitzenspiel das Dilemma gegen Liverpool mit dem Aus in der Champions League? Folgt das Aus in der Meisterschaft? Stabil sind die Bayern nicht.

Das stabilste Team, ja die „Mannschaft der Stunde“ ist derzeit Eintracht Frankfurt. Die Hessen bieten Glanz und Tore, zeigen Selbstbewusstsein auch international und sind 2019 noch ungeschlagen. In der Rückrunden-Tabelle liegen sie mit 22 Punkten hinter den Bayern (25) auf Rang zwei vor Dortmund und Leipzig (ja 21). Dagegen schwächeln Gladbach, Wolfsburg und Leverkusen, so dass der Sprung auf Rang vier und damit auf einen Platz in der Champions League fast logisch war. „Das ist ein Märchen“, fasste es der Österreicher Martin Hinteregger in Worte, nämlich auch für ihn, vom Abstiegskandidaten FC Augsburg auf die internationale Bühne.

Sein alter Verein steckt wieder mitten drin im Abstiegsdilemma. Die Blamage war komplett, ausgerechnet beim 1. FC Nürnberg, der 20 Spiele ohne Sieg geblieben war, ergab sich die Mannschaft wehrlos, anstatt mit großem Kampf endgültig die Weichen für den Klassenerhalt zu stellen. Drei Spiele ohne Niederlage, das 2:1 gegen Dortmund, 0:0 in Leipzig und 3:1 gegen Hannover wurde für die Mannschaft wohl zum sanften Ruhekissen. Jetzt brennt wieder der Baum. Nicht dagegen auf Schalke, Huub Stevens’ Motto „die Null muss stehen“ passte wieder und mit einem Glücksschuss von Serdar („Ich habe gar nicht auf das Tor geschaut“) auch das Ergebnis. Sechs Punkte Abstand zum Relegationsrang (Stuttgart) sorgen für etwas Ruhe im Revier. Aber jetzt kommt Frankfurt, doch die Verfolger nehmen sich die Punkte gegenseitig weg, im Duell Stuttgart – Nürnberg geht es wieder um eine Weichenstellung bzw. für die Franken um die letzte Chance.

Kein Schlagerspiel im Pokal

Ablenkung vom Bundesliga-Alltag gibt es in dieser Woche durch den DFB-Pokal, wobei die Frage ist, wie wichtig dieser Zusatzwettbewerb für die einzelnen Vereine ist. Ein echtes Schlagerspiel gibt es im Viertelfinale nicht, zumal ja so erfolgreiche Klubs wie Dortmund, Leipzig und Frankfurt frühzeitig die Segel streichen mussten. Mit Augsburg und Schalke sind sogar zwei Kandidaten aus dem Abstiegskampf dabei. Der FCA muss gegen Leipzig wieder ein anderes Gesicht zeigen, während Schalke gegen Bremen die etwas größeren Chancen eingeräumt werden können. Für beide Mannschaften bleibt die bange Frage: Als Absteiger ins Pokal-Finale einziehen? Die Bayern müssen sich die Chance auf wenigsten einen Titel erhalten, können gegen den Zweitligisten Heidenheim vielleicht das Tore schießen üben, vielleicht müssen sie aber zu einem Rezept greifen, eine Betonabwehr zu überwinden. Gar ein Zweitliga-Duell gibt es mit Paderborn gegen Hamburg, da der aufstrebende Zweitliga-Neuling, dort der unkonstante Dino, der vor allem ein Ziel hat, zurück in die Bundesliga. Vielleicht am Ende im Pokal-Finale, aber nicht in der Bundesliga – das wäre für den HSV fast schon ein Horrorszenario! Übrigens: Leipzig, Paderborn und Heidenheim erreichten noch nie das Halbfinale im DFB-Pokal.

Die Polizei will Geld

Ein Horrorszenario erlebte die Bundesliga in der vergangenen Woche auch vor Gericht. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat eine Beteiligung der Ausrichter von gewinnorientierten Veranstaltungen an den Polizeikosten grundsätzlich für rechtskonform erklärt. Damit müssen die Bundesligisten für Mehrkosten bei einem größeren Polizei-Einsatz bei sogenannten Risikospielen aufkommen. Das Land Bremen hatte der DFL eine entsprechende Gebührenrechnung geschickt, die DFL dagegen prozessiert. Im Hintergrund stand die Frage, ob es überhaupt darstellbar ist, dass der Steuerzahler für Kosten der reichen Vereine aufkommen soll. Da passte es wie die Faust aufs Auge, dass just im Vorfeld Bayern München den Rekordtransfer für 80 Millionen Euro für Frankreichs Weltmeister Lucas Hernandez über die Bühne brachte. Und dann sollen hochgerechnet 20 Millionen Euro für Polizei-Einsätze nicht bezahlbar sein? Da geht es um Vernunft und den Ruf der Liga.

„Wir haben uns das anders vorgestellt“, gestand DFL-Präsident Reinhard Rauball zerknirscht, aber Richter Dr. Wolfgang Bier, hatte wohl auch die Klagen der Landesrechnungshöfe im Hinterkopf, die schon lange eine Beteiligung der Vereine verlangen. Allein aus moralischen Gründen sollte die DFL einem Kompromiss der Länder zustimmen, dass ein Fond gebildet wird, aus dem die Polizei-Einsätze bezahlt werden. Die Rede ist eben von 20 Millionen Euro, gerade mal ein Klacks bei einem Jahresumsatz der 36 DFL-Vereine von 4,4 Milliarden Euro (die 3. und 4. Liga sind außen vor). Dieser Fond würde auch eine Ungleichbehandlung der Vereine verhindern, wenn einige Länder auf eine Rechnungsstellung an die Klubs verzichten würden, wie es Bayern schon angekündigt hat.

Eine Frage wurde allerdings nicht beantwortet: Wer sorgt denn eigentlich dafür, dass sich Chaoten nicht den Fußball als Bühne für Ausschreitungen aussuchen? Wer ist denn für die fehlende gute Erziehung verantwortlich? Vordringlich müssen Schadens- und Kostenverursacher vor allem zur Kasse gebeten werden. Dann würde Ruhe herrschen!

Jogi Löw zeigt es seinen Kritikern

Und er kann es doch! Der überraschende 3:2-Sieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Amsterdam über die Niederlande zum Start der EM-Qualifikation war vor allem ein Triumph für Bundestrainer Joachim Löw. Er hat es seinen Kritikern gezeigt, aber er hat seinen Triumph nicht in Jubelpose, sondern still genossen. Die Stimmen, die nach dem missratenen Fußball-Jahr 2018 lautstark und nach der unglücklichen Ausbootung der Bayern-Nationalspieler wiederholt seinen Rücktritt forderten, werden jetzt erst einmal verstummen. Löw hat bis zu den nächsten Qualifikationsspielen im Juni Ruhe, aber er weiß auch, beim nächsten schwachen Spiel stehen die Kritiker wieder auf der Matte.

Am Spiel in Amsterdam gibt es allerdings nichts zu mäkeln. Löw, der schon so oft taktisch daneben lag, hatte diesmal das richtige Konzept ausgeklügelt und Gegenspieler Koeman überrascht. Die Mannschaft folgte willig, glänzte mit Einsatz, Spielfreude und hielt sich mit Kampfgeist in der kritischen Zeit über Wasser. Sie hatte neben Können und Willen aber auch das nötige Spielglück. Wie heißt es so schön, das hat nur der Tüchtige. Kapitän Manuel Neuer mit zwei glänzenden Paraden (auch er ein Sieger gegen seine Kritiker), Süle, Kimmich und Kroos gingen voran, Sane und Gnabry spielten ihre Schnelligkeit aus und beeindruckten mit ihren Schüssen. So treffen sie allerdings nicht immer! Ein Glücklicher war zudem Nico Schulz und durch seinen Treffer zum 3:2 ganz ohne Zweifel eben auch Joachim Löw. Der hatte das glückliche Händchen, um Gündogan und den ein wenig angeschlagenen Marco Reus zur richtigen Zeit aufs Feld zu bringen. Eines der seltenen Spiele wo alles klappte.

Sah nach der Ausbootung von Hummels, Boateng und Müller der FC Bayern München in Sachen Nationalmannschaft als Verlierer aus, so war der Rekordmeister diesmal ebenfalls ein Sieger. „Nur mit einem starken Bayern-Block haben wir eine starke Nationalmannschaft“, ist das Credo von Uli Hoeneß, das trotz der Ausbootung der Stars diesmal wieder zutraf. Mit Neuer, Süle, Kimmich, Goretzka und Gnabry startete Jogi Löw mit einer starken Bayern-Achse, der Rest kam aus sechs verschiedenen Vereinen!

Ruhm und Ehre kann Jogi Löw jetzt ein bisschen auskosten, es wird ihm wieder mehr Spaß machen, die Bundesliga-Stadien zu besuchen. Die nächsten Spiele stehen erst wieder nach der Saison an, am Samstag, 8. Juni, in Weißrussland und Dienstag, 11. Juni, in Mainz gegen Estland. Da gibt es dann vielleicht andere Probleme, frustrierte Spieler müssen nach einer verkorksten Saison eventuell moralisch aufgebaut werden. Die Juni-Termine sind nicht immer die glücklichsten.

Die Bundesliga ist in Gefahr

Sorgen gibt es im Fußball genug, international tickt eine Zeitbombe. Die ECA, die Vereinigung der europäischen Vereine, verstärkt offensichtlich ihre Bemühungen, die Champions League aufzuwerten und aus ihr eine wirkliche europäische Meisterschaft zu machen. Die Bundesliga ist dabei in Gefahr, die Gedanken gehen nämlich dahin, die Champions League künftig an den Wochenenden auszutragen und dafür die nationalen Punktrunden auf Spieltage Mitte der Woche zu verlegen. Ein Unding! Hier müssen UEFA und Ligen konsequent und hart bleiben, um diese Gedanken im Keim zu ersticken. Man kann nur wiederholen: Gerade die Bosse der großen Vereine haben nur noch das Geld im Auge. Der Fußball ist für sie das Vehikel zum Geldverdienen, aber nicht der Volkssport, den sie pflegen sollten. So machen sie nämlich die Basis kaputt und über kurz oder lang würde dem Fußball der Nachwuchs fehlen. Doch geldgierige Funktionäre denken über ihre prall gefüllten Geldbeutel nicht hinaus.

Wenn aber Europas Dachverband und die nationale Verbände zu schwach sein sollten, dann gibt es noch einen Gegner, der Wirkung erzielen kann – nämlich die Fans! Könnte sein, dass eine Champions League am Wochenende plötzlich unter Stimmungsmangel leidet und die Bundesliga unter der Woche vor leeren Rängen spielt!

Alles wartet auf den 6. April

Am kommenden Wochenende gibt es allerdings noch Bundesliga, aber der Endspurt der Saison ist alles andere als Alltag. Alles wartet auf den 6. April, wenn sich die heute punktgleichen Spitzenklubs Bayern München und Borussia Dortmund gegenüberstehen. Eine Entscheidung wird es nicht geben, aber durchaus eine Vorentscheidung. Die Spieler beider Teams strotzen vor Selbstbewusstsein und beiderseits gibt es eine Kampfansage: „Wir wollen alle Spiele gewinnen“. Vielleicht gibt es zum Ende ein Wettschießen um die bessere Tordifferenz! Die Frage wird dann sein, wer stellt einem Meisterschaftsanwärter ein Bein? Das ist das Restprogramm:

Bayern München: Freiburg (auswärts), Dortmund (zu Hause), Düsseldorf (A), Bremen (H), Nürnberg (A), Hannover (H), Leipzig (A), Frankfurt (H).

Borussia Dortmund: Wolfsburg (H), München (A), Mainz (H), Freiburg (A), Schalke (H), Bremen (A), Düsseldorf (H), Gladbach (A).

Ein bisschen zur Schicksalsfrage wird natürlich der Abstiegskampf, denn der Sturz in die zweite Liga ist schließlich mit erheblichen finanziellen Einbußen verbunden und das Geld regiert bekanntlich die Welt, vor allem (siehe oben) die Fußball-Welt. Ob zum Beispiel Hannover nach einer Revolution im Verein (die Opposition eroberte den Vorsitz im Verein, Martin Kind regiert im ausgegliederten Fußball) die nötige Ruhe aufbringt, um die rettenden Punkte einzufahren? Die Nagelprobe gibt es gleich am Sonntag gegen Schalke, zwei bedrohte Teams stehen sich zudem im bayerischen Derby mit Nürnberg und Augsburg gegenüber. Stuttgart hat es aber in Frankfurt auch nicht leichter. Der Kampf gegen den Relegationsplatz könnte wie das Titel-Duell bis zum Saison-Ende spannend bleiben. Noch hat Augsburg (25 Punkte) gegenüber Schalke (23) und Stuttgart (20) die besten Karten, Hannover (14) und Nürnberg (13) müssen erst einmal den Anschluss schaffen. Für sie ist der Start in den Endspurt gleichzeitig so etwas wie die letzte Chance.

Jogi Löw blickt ohne Weitsicht in die Zukunft

„Das Thema“ im deutschen Fußball ist nach wie vor die Ausbootung von drei Weltmeistern für die Nationalmannschaft von Joachim Löw. Der Bundestrainer überraschte mit der Absage an die Bayern-Stars Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng die gesamte Fußball-Welt, sorgte für Erstaunen, aber auch für Kopfschütteln. Einmal für diese kurz vor der nächsten Kader-Nominierung in dieser Woche offensichtlich überstürzte Entscheidung, zum anderen aber auch für die Endgültigkeit, die er nach außen von sich gibt. Was ist da hinter den Kulissen wirklich passiert? Löw will auf junge, schnelle Spieler setzen und hat die „Alten“, die eigentlich mit 30 gerade im besten Fußball-Alter sind, vor die Tür gesetzt. Alt ist eher Jogi Löw selbst mit 59 Jahren. Das Problem: Jogi Löw blickt ohne Weitsicht in die Zukunft.

Der Bundestrainer war offensichtlich schlecht beraten, er hätte sich eine Hintertür offen lassen sollen, dann würde er in den kommenden Aufgaben nicht so unter Druck stehen. Jetzt muss Jogi Löw bzw. sein Team in den kommenden Spielen, vor allem in der EM-Qualifikation beweisen, dass er die richtige Entscheidung getroffen hat. Mit Argusaugen werden auch die Leistungen der drei Bayern-Spieler beobachtet und typisch war schon die Schlagzeile einer Sonntagszeitung: „Guck mal, Jogi! Müller trifft!“ Müller, Hummels und Boateng zeigten beim 6:0 gegen Wolfsburg das, was sich Bayern-Trainer Niko Kovac versprochen hat: „Sie werden eine Trotzreaktion zeigen, beweisen wollen, was sie können, Bayern wird davon eher profitieren.“ Macht Löw die Bayern zum Meister?

Der bessere und diplomatischere Weg für den Bundestrainer wäre gewesen, wenn er vorsichtiger mit der Zukunftsplanung umgegangen wäre. Er hätte allen dreien die Tür offen halten müssen, denn er kann auf sie, wenn sie in Bestform sind, eigentlich nicht verzichten. Sind denn Süle, Ginter, Tah oder Rüdiger in der Abwehr wirklich besser? Warum hat er zum Beispiel nicht Boateng (zuletzt verletzt) nur diesmal nicht nominiert (ohne Absage für die Zukunft), Hummels vielleicht im Kader gelassen (er hat z. B. in Liverpool gezeigt, was er kann) und Müller als Alternative zu den jungen, schnellen Stürmern Gnabry, Sane und Werner in der Hinterhand gehalten. Wenn die nämlich gegen eine starke Abwehr nicht ankommen, dann könnte immer noch Müller mit seinem Torriecher und der unkonventionellen Spielweise helfen. Joachim Löw hat sich ohne Not in eine schlechte Position gebracht. Aber er hat die Nationalmannschaft natürlich ins Gespräch gebracht, erhöhte Aufmerksamkeit für die Kader-Benennung, gesteigertes Interesse am Freundschaftsspiel gegen Serbien am 20. März und das erste EM-Qualifikationsspiel gegen die Niederlande am 24. März.

Bayern und Dortmund – beide auf ihrem Platz

In der Bundesliga herrschen wieder geordnete Verhältnisse, die Bayern und Dortmund befinden sich wieder auf ihrem angestammten Platz. Das hätte vor kurzem noch keiner gedacht, dass die Aufholjagd der Bayern nach neun Punkten Rückstand gegenüber der Borussia so schnell erfolgreich sein könnte. Aber entschieden ist die Meister-Jagd natürlich noch nicht, doch die Äußerungen sind deutliche Zeichen für die Zukunft. Die Bayern glaubten nach Beendigung der Herbstkrise immer an ihre Chance und demonstrieren jetzt mit ihrer Leistung, die alten Bayern sind wieder da. Trainer Niko Kovac kann sich dabei als einer der Gewinner fühlen. Andererseits scheint es, als wären die Dortmunder froh, dass sie nicht mehr die Gejagten sind. Sie bekamen das große Zittern und hören sich jetzt plötzlich selbstbewusster an in der bekannten Rolle des Jägers: „Das hat noch nichts zu sagen“, machte sich Borussia-Kapitän Marco Reus auf Platz zwei selbst Mut. Fehlen ja auch nur zwei Tore. Alles schaut auf das große Duell am 6. April in München.

Im Abstiegskampf versuchen es die fünf Kandidaten vor allem mit Kampfgeist und Defensivtaktik. Notfalls mit einer Quittung für die Spieler, nur wer kämpft, darf spielen. Am erfolgreichsten ist dabei der FC Augsburg, der nach seinem Sieg gegen Dortmund nun auch CL-Anwärter Leipzig einen Punkt abtrotzte. Stuttgart versuchte ähnliches in Dortmund, wo Trainer Lucien Favre klagte, „die haben einen Bus vor dem Tor geparkt“. Am Ende durfte er sich doch freuen, weil seine Mannen den Riegel knackten. Ähnliches bei Schalke, Hannover und Nürnberg, mit Pech schrammten sie gegen Bremen, Leverkusen und Hoffenheim an Punktgewinnen vorbei. Nichts Neues also, auch in Sachen Konsequenzen, so arbeiten die Trainer Tedesco, Weinzierl und wohl auch Baum von Woche zu Woche unter Bewährung. Von besonderer Brisanz dabei das Duell Augsburg – Hannover am Samstag, der FCA könnte mit einem Sieg Hannover in den Abgrund stürzen. Dort hat ja sogar Vereinsboss Martin Kind erkannt, „die Mannschaft ist kaputt“. Der Boss selbst und Manager Horst Heldt sind dabei die Hauptschuldigen.

Wachablösung in der Champions League

In der Champions League (CL) steht die zweite Woche des Achtelfinals an, doch die Wachablösung hat bereits stattgefunden. Mit Paukenschlägen wurde das Achtelfinale eröffnet, vor allem Ajax Amsterdam verzauberte und erstaunte die Fußball-Welt. Wenn Joachim Löw von den jungen Wilden träumt, dann hat sie Ajax bereits und die spielten Titelverteidiger Real Madrid buchstäblich an die Wand. Ajax träumt von alten Zeiten, bei Real sind die guten Zeiten vorbei, in der Saison verspielten die „Königlichen“ alles, Champions League, Meisterschaft und nationalen Pokal. Trainer Zinedine Zidane wusste offensichtlich, warum er gegangen ist. Das zweite Desaster erlebte Paris St. Germain, das nach einem 2:0 im Hinspiel nun gegen Manchester United in Paris eine 1:3-Pleite erlebte. Dabei trat Manchester so ungefähr mit einer Notelf an. Peinlich für Thomas Tuchel und Co. Keine Ehre für die Bundesliga legte auch Borussia Dortmund ein, das gegen Tottenham beim 0:3 und 0:1 nicht einmal einen Treffer zustande brachte. Englands Team sind auf dem Vormarsch.

Manchester City wird wohl gegen das gebeutelte Schalke nach dem 3:2 im Hinspiel der nächste Klub der Premier League sein, der im Viertelfinale vertreten ist. Ja, und dann fehlt nur noch der FC Liverpool. Wird er wirklich fehlen? Bayern München stellt die letzte Hürde da und der Vergleich hat quasi an Bedeutung noch einmal zugelegt. Beide Klubs gewannen ihre Generalprobe, die Bayern überzeugten beim 0:0 im Hinspiel mit großem Kampfgeist, doch jetzt ist auch Spielkunst gefragt. Kimmich und Müller sind gesperrt, dagegen kann Trainer Jürgen Klopp auf Abwehrchef Virgil van Dijk, der mit seiner Kopfballstärke auch eine Gefahr für das Bayern-Tor ist, zurückgreifen. Ein 0:0 wird es kaum noch einmal geben, was bedeutet, dass die Bayern wohl sogar mehr als einen Treffer erzielen müssen. Die Bayern hoffen wieder auf Alaba und Coman und den Schwung als Tabellenführer. Die Frage wird sein: Wer hat die bessere Tagesform? Schade für die Fußball-Fans, dass die CL im Pay-TV verschwunden ist. Hoffentlich gibt es bei den nächsten Verhandlungen über die Fernsehverträge ein Umdenken der Verantwortlichen.

Narren haben an der Bundesliga ihre Freude

Zur Hochzeit des Karnevals oder Fasching ließ sich die Fußball-Bundesliga am Wochenende nicht lumpen. Sie haute auf die Pauke, lieferte Turbulenzen, manche Klubs spielten den Clown, es gab ein Durcheinander und am Schluss da und dort den entsprechenden Kater. Das Geschehen war teilweise verrückt, die Narren konnten an der Bundesliga ihre Freude haben. Keine Freude dagegen im Pott mit Dortmund und Schalke – dort herrscht Alarmstimmung.

Den Paukenschlag Nummer 1 lieferte bereits am „rußigen Freitag“ der FC Augsburg, der Tabellenführer Borussia Dortmund mit 2:1 schwarz machte. Es war ein besonderes Erlebnis, mit einer Wiederauferstehung des Abstiegskandidaten, der nach einer willenlosen Leistung in Freiburg und der 1:5-Schlappe alles in die Waagschale legte, was ihn bisher in der Bundesliga hielt: Kampfgeist, taktische Disziplin und erfolgreiche Konter. Es bedurfte dazu natürlich auch eines überragenden Torhüters Gregor Kobel und eines eiskalten Torjägers Dong-Won Ji, der mit einem Weltklassetor die Borussia düpierte. Die Augsburger waren laufstark (11 Kilometer mehr als Dortmund), die Borussia offensichtlich zu grün.

Bayern München darf sich beim Nachbarn bedanken und nutzte die Gunst der Stunde mit einem 5:1 bei der schwächelnden Borussia in Mönchengladbach. Der Name Borussia bürgt derzeit für eine Krise. Gladbach kann dabei weniger verspielen als die Dortmunder, die ja schon mit neun Punkten Vorsprung ihre Hand fast an der Meisterschale hatten. Doch der Wind hat sich gedreht. Lief im Herbst alles gegen die Bayern (auch Schiedsrichter-Entscheidungen), so läuft jetzt alles für sie. Beim 1:0 in Gladbach hätte Referee Zwayer auch auf Foul vom Torschützen Martinez entscheiden können, er tat es nicht, entschied im Zweifel (50:50) für den Angreifer. Also, jetzt läuft es wieder bei den Bayern. In Dortmund wächst dagegen der Frust, der Ton wird schärfer und es kommt die Bewährungsprobe für Trainer Lucien Favre. Ist der oft zweifelnde Schweizer in der Lage die Krise zu meistern? Vor Problemen lief er in der Vergangenheit oft davon. Jetzt sind auch Dortmunds Bosse gefragt.

Karneval an Rhein und Main, Alarmstimmung im Pott. Bei Schalke 04 ist Boss Clemens Tönnies noch mehr gefordert als Kollege Watzke in Dortmund. Das 04 stand sinnbildlich für die peinliche 0:4-Niederlage gegen Aufsteiger Fortuna Düsseldorf. Ohne Gegenwehr ergab sich Schalke, kein Aufbäumen, kein Kampf, nichts. Die Spieler agierten, als wären sie die Nacht vorher beim Karneval gewesen. Der Manager machte schon den Abflug, Trainer Domenico Tedesco wird wohl folgen. Doch der neue Sportvorstand Jochen Schneider ist erst ab 14. März offiziell im Amt. Dann muss er aufräumen, ein Neuanfang am Ende der Saison ist aber fast nicht machbar. Schalke in Not, sogar der Abstieg droht. Bisher weist die Bilanz die schlechteste Saison seit 26 Jahren aus.

Der Abstieg droht – das gilt noch mehr für den 1. FC Nürnberg und Hannover 96. Die Nürnberger konnten nach dem 0:1 gegen Leipzig wenigstens erhobenen Kopfes vom Platz gehen. Sie mussten erkennen, dass im Abstiegskampf eben auch das Glück fehlt, so beim Elfmeter-Fehlschuss, der eine Wende hätte bringen könnte. Bei Hannover fehlte dagegen alles (siehe Schalke). Der neue Trainer Thomas Doll ist frustriert: „So hatte ich mir das nicht vorgestellt.“ Die Stuttgarter hatten sich das beim 5:1-Sieg dagegen genauso vorgestellt: Gomez trifft wieder, das Spiel passt wieder, das Punktekonto steigt. Trainer Markus Weinzierl hat offensichtlich die Wende geschafft und kann wieder ruhiger schlafen.

Die Augsburger konnten sich am Sonntag noch einmal zum Sensationssieg beglückwünschen, denn ohne die drei Punkte wären sie jetzt auf den Relegationsplatz abgerutscht. Es sieht ganz nach einem Dreikampf von Schalke, Augsburg und Stuttgart gegen Rang 16 aus. Nachteil VfB, er muss noch bei beiden Konkurrenten antreten, in Augsburg am 30. Spieltag und auf Schalke ausgerechnet am letzten Spieltag. Der große Showdown wäre reizvoll wie Karneval oder Fasching. Für Markus Weinzierl eine besondere Konstellation, der Stuttgarter Trainer war zuvor bekanntlich in Augsburg erfolgreich und auf Schalke weniger erfolgreich tätig. Und jetzt erfolgreich in Stuttgart? Wie auch immer, für einen der drei Klubs gibt es im Mai noch eine Fastenzeit, wenn man Nürnberg und Hannover schon abschreibt.

Eine Fastenzeit für die Fußball-Fans gibt es nach dem Faschingsdienstag nicht, ganz im Gegenteil, Europas Wettbewerbe stehen wieder im Mittelpunkt. Glücklich wird man in Dortmund nicht sein, dass es gerade jetzt gegen Tottenham ums Überleben in der Champions League geht. Ein 0:3 ist schwer aufzuholen, aber wie es geht, Unmögliches möglich zu machen, bekam Dortmund ja von den Augsburgern gezeigt. Auf Europas Bühnen ging es ebenfalls ein bisschen verrückt und turbulent zu. So zum Beispiel in Spanien, als Barcelona im Pokal mit 3:0 und in der Meisterschaft mit 1:0 zweimal in wenigen Tagen bei Real Madrid gewann. Da zweifelt man beim Titelverteidiger schon, ob das 2:1 gegen Ajax Amsterdam aus dem Hinspiel reicht, zumal Kapitän Ramos ein Eigentor fabrizierte. Er provozierte im Hinspiel eine Gelbe Karte, weil er dachte, das Fehlen gegen Ajax würde nicht ins Gewicht fallen, doch weil er damit prahlte, wurde er gleich für noch ein Spiel gesperrt.

Eine Woche später ist erst Bayern München gegen den FC Liverpool zum Rückspiel dran. Noch eine Verschnaufpause vor allem für Jürgen Klopp bei den „Reds“, denn es will nicht mehr so richtig laufen. Wieder ein 0:0 im Lokalderby gegen Everton, zweimal auswärts jetzt ohne Tor, Manchester City (nach einem 1:0 in ‚Bournemouth) zog vorbei. Auch Klopp hatte schon mal sieben Punkte Vorsprung vor Pep Guardiolas Team. Da ist Dortmund ja noch besser dran, ist noch Tabellenführer mit zwei Toren Vorsprung. Doch die Zeichen stehen auf Wechsel, „wir haben das Momentum auf unserer Seite“, betonte Thomas Müller, der wieder einmal von Anfang an ran durfte und sich als „Comebacker des Tages“ bezeichnete. Es könnte wirklich eine bittere Fastenzeit für Dortmund werden.

Der Spaß ist vorbei, jetzt geht es nur noch ums Überleben

In der ersten Saison-Hälfte wurde die Bundesliga noch gelobt, als die Mannschaften erfrischenden Fußball zeigten, die Spielkultur im Vordergrund stand und die Spiele teilweise eine Qualität erreichten, die man der einstigen Rumpelliga gar nicht zugetraut hatte. Doch heute sieht es wieder anders aus. Der Spaß ist vorbei, für die Klubs geht es nur noch ums Überleben, da heiligt der Zweck die Mittel und die Mittel sind folgende: Hinten dicht und vorne hilft der Zufall. Der Kampf steht im Vordergrund, nicht die Spielkultur.

Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Die Ausnahme war zum Beispiel die Partie Dortmund gegen Leverkusen, ein wirkliches Spitzenspiel mit offenem Visier. Wer zur gleichen Zeit auf DAZN das Finale im englischen Liga-Cup zwischen Chelsea London und Manchester City verfolgte, der schaltete gern wieder um auf die Bundesliga. 3:2 und offenes Visier hier, ein 0:0 nach sogar 120 Minuten und ein verzweifelter Abwehrkampf von Chelsea dort (zum Glück gewann City im Elfmeterschießen, City und Trainer Pep Guardiola freuen sich über den ersten von vier möglichen Titeln). Vorteil Bundesliga also!

Selbst der FC Bayern München griff zum Rezept des Kampfes, wurde dafür allerdings für das 0:0 in Liverpool gelobt. Ein heroischer Kampf um jeden Zentimeter Rasen – wer hatte dies den verwöhnten Millionären von der Isar schon zugetraut. Das Kovac-Rezept war erfolgreich und wurde auch beim mageren 1:0 gegen Angstgegner Hertha BSC Berlin deutlich: Einsatz vor Spielkultur, die allerdings vermisst wird. Der Trainer nannte selbst das Ziel: „Wir wollen gewinnen, egal wie.“ Bayerns „Spieler der Woche“ war der Spanier Javi Martinez. Er galt schon als Verkaufsobjekt, jetzt war er der Turm in der Schlacht von Liverpool und Matchwinner mit seinem Kopfballtor gegen Hertha. Martinez sollte eigentlich unverkäuflich sein, er ist eine Art von Maskottchen, mit ihm im Team befinden sich die Bayern auf der Erfolgsspur. Auf ein anderes Maskottchen müssen sie wieder mal verzichten, Flügelflitzer Coman hat sich schon wieder verletzt. Diesmal ist es ein Muskelfaserriss, seine Knochen, Sehnen und Muskeln sind wohl zu schwach für den Profi-Sport.

Bayern-Präsident Uli Hoeneß kündigte unabhängig davon jedoch glänzende Zeiten für die Bayern an, die Leute würden sich über die Neuverpflichtungen noch wundern. Wundern kann man sich aber auch über Hoeneß, er verfällt immer wieder ins alte Leid und trumpft mit großen Sprüchen auf. Mal sehen, ob der Umbruch wirklich gelingt und der einstige Torwart-Titan Oliver Kahn ein würdiger Nachfolger für das Gespann Rummenigge/Hoeneß wird.

Zunächst mal Vorsicht: Das 0:0 in Liverpool ist trügerisch, ein 1:1 in München bedeutet das Aus, Leverkusens Ausscheiden in der Europa League gegen Krasnodar ist da die Warnung, eben mit einem 0:0 auswärts und 1:1 zu Hause. Auch in der Bundesliga mussten die Bayern einen Rückschlag hinnehmen, in der Form, da Dortmund humorlos, aber stark seine Mini-Krise von fünf Spielen ohne Sieg mit dem 3:2 gegen Leverkusen beendet hat. Und das ohne Kapitän Marco Reus, der bald wieder mitmischen will. Dafür aber wieder mit den jungen Abwehrrecken Akanji und Zagadou, die ähnlich wichtig scheinen. Dortmund will sich den Bayern also nicht ergeben. Was kommt da auf uns zu? Ein bisschen Spaß.

Am Tabellenende sieht es allerdings so aus, als wollten sich die Abstiegskandidaten dem Rest der Liga ergeben. Nürnberg, Hannover, Stuttgart und Augsburg zeigen teilweise Leistungen, die eines Bundesliga-Klubs eigentlich unwürdig sind. Die Plätze am Tabellenende werden wohl in den Duellen untereinander ausgespielt, am Ende könnten vielleicht sogar 25 Punkte zum Klassenerhalt reichen. Den direkten Duellen kommt also besondere Bedeutung zu, Nürnberg und Hannover haben diese schon beendet, bezeichnend, jeder siegte zu Hause mit 2:0. Am Sonntag folgt das nächste, Stuttgart erwartet Hannover. Der VfB machte zuletzt den Eindruck, als sollte es bergauf gehen, doch Tatsache sind acht Spiele ohne Sieg. Gelingt der diesmal, erstickt er gleichzeitig die Hoffnungen der Niedersachsen und bringt dort Trainer Thomas Doll in Erklärungsnot.

Einen desolaten Eindruck machte vor allem der FC Augsburg, der sich beim 1:5 in Freiburg buchstäblich ergab. Was war los im Team, das sich im Spiel zuvor beim 2:3 gegen die Bayern beachtlich aus der Affäre zog? Klar, die Verletzungsprobleme wurden deutlich, doch das entschuldigt mangelnden Einsatz nicht. Abstiegskampf? Fehlanzeige. Da brennt der Baum, der Stuhl des Trainers wackelt und die nächsten Niederlagen sind programmiert, die Gegner heißen Dortmund und Leipzig. Und dann kommt Hannover. Ob da die Moral noch in Ordnung ist? Nürnberg wiederum schwächte sich in Düsseldorf selbst. Nach vier Minuten ein dummer Platzverweis, dann ein unglückliches Eigentor – typischer Rückschlag für einen Abstiegskandidaten. Mit-Aufsteiger Düsseldorf ist dagegen keiner mehr.

Vom Tabellenende ist es nicht weit zur Tabellenspitze der 2. Bundesliga. Dort erlebten die selbsternannten „Muss-Aufsteiger“ Hamburg und Köln konträre Spiele. Der HSV schwächte sich bei der 1:2-Niederlage in Regensburg mit zwei Platzverweisen selbst, der 1. FC Köln feierte Rückkehrer Anthony Modeste. Er kam, schoss, siegte und heulte. Als Joker brachte er mit zwei Treffern die Wende gegen Sandhausen und stellte fest: In Köln ist es mit weniger Geld viel schöner als in China mit vollen Taschen.

Einen Paukenschlag lieferte Manager Christian Heidel bei Schalke 04. Er kündigte seinen Abgang spätestens zum Saisonende an, löst seinen Vertrag, der bis 2020 terminiert war, vorzeitig auf. Heidel zog die Konsequenz nach einer missglückten Manager-Zeit. Er verbrannte auf Schalke buchstäblich Geld, verkaufte zwar Talente für viel Geld, holte aber für noch mehr Geld mit einem Minus von rund 50 Millionen Euro keinen einzigen wirklichen Leistungsträger. Angesichts der Leistungen in diesem Jahr muss die Vizemeisterschaft der letzten Saison immer noch Wunder angesehen werden. Doch Wunder gibt es nicht immer wieder.

In dieser Woche heißt es im Fußball mal Durchschnaufen, kein Pokal, keine Spiele auf Europas Bühne, viele Trainer gaben ihren Schützlingen gleich zwei Tage frei. Vielleicht sorgen freie Köpfe wieder für frischen Schwung, bessere Leistungen und Erfolge. Dann heißt es erneut „ein bisschen Spaß muss sein“.