Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: Bundesliga

Sport in Deutschland: Fußball, Fußball, Fußball, Fußball

 

Viele Sportfunktionäre regen sich in Deutschland auf, wenn sie nicht gerade im Fußball tätig sind: „In Deutschland gilt ja nur der Fußball.“ Das bezieht sich vor allem auf die öffentliche Wahrnehmung in den Medien, speziell Fernsehen und Zeitungen. Die Begeisterung für den Fußball wird im Fernsehen vor allem an den Einschaltquoten festgemacht, in den Tageszeitungen nimmt der Fußball breiten Raum, alles andere sieht sich in der Kategorie „unter ferner liefen“. Der Beweis ist erbracht: Sport in Deutschland ist Fußball, Fußball, Fußball, Fußball.

Nummer 1 Fußball: Die Bundesliga steht natürlich ganz oben, für die Übertragungsrechte wird jetzt wohl die Milliarden-Grenze gesprengt, der Bezahlfernsehsender Sky lebt vor allem vom Fußball, die Sportschau am Samstag ist ebenso Kult wie Radio-Reportagen am Nachmittag mit der berühmten Konferenzschaltung, die Sky auf den Bildschirm übernommen hat.

Nummer 2 Fußball: Die 2. Bundesliga steht zwar im Schatten des Oberhauses, aber der Sender Sport1 möchte auf sie nicht verzichten, das Abendspiel am Montag ist fester Bestandteil und es gibt Kritik, dass die Bundesliga diesen Tag künftig fünfmal für sich beanspruchen wird.

Nummer 3 Fußball: Die 3. Liga hat sich als „Vorläufer“ für die Bundesliga am Samstag in der Sportschau etabliert, die Einschaltquoten sind beachtlich.

Nummer 4 Fußball: Selbst die Regionalliga hat Aufnahme im Fernsehen gefunden, Sport1 hat mit Übertragungen gute Erfahrungen gemacht und will den Amateuren weiterhin eine Plattform bieten. Da wurde sogar die ARD aufmerksam, die am Samstag, 28. Mai, jetzt einen „Finaltag der Amateure“ ins Programm gehoben hat. Von 12.30 Uhr bis 20.00 Uhr gibt es in Konferenzschaltungen 17 Finalspiele des Länderpokals. Da fragen sich andere Sportarten: Gibt es nur Fußball, Fußball, Fußball, Fußball?

Vor allem die anderen Mannschaftssportarten leiden. Die Bundesliga im Handball wird gern als „die beste Liga der Welt“ bezeichnet, doch die Wahrnehmung in der breiten Öffentlichkeit ist gering. Basketball bekam Aufmerksamkeit durch das Mitwirken des FC Bayern München, aber ansonsten ist allein NBA-Star Dirk Nowitzki eine Notiz wert. Eishockey steht noch weiter hinten dran, selbst die Weltmeisterschaft in den letzten Wochen bekam kaum Aufmerksamkeit. Woran das liegt? Die Vereine sind nicht bekannt, geschweige denn die Spieler. Der Fernsehsender Sport1 hat die Erfahrung gemacht, dass die Regionalliga im Fußball mehr Zuschauer findet als Handball und Basketball. Im Schnitt wurden 470.000 Zuschauer erreicht, beim Handball sind es 250.000, beim Basketball gerade mal 100.000. Diese Zahlen zählen.

Im Fußball zählt offensichtlich Tradition, denn viele Klubs der Regionalliga haben eben einen guten Namen, stehen für eine zum Teil glorreichen Vergangenheit: Geballt im Südwesten mit Waldhof Mannheim, Kickers Offenbach, Eintracht Trier, 1. FC Saarbrücken, Hessen Kassel, Wormatia Worms, im Westen beeindruckten früher Rot-Weiß Essen, Alemannia Aachen, Viktoria Köln oder Wattenscheid 09, im Norden sorgten der VfB Oldenburg oder SV Meppen schon für Furore, im Süden Jahn Regensburg, Wacker Burghausen und Vikoria Aschaffenburg. Sage keiner Namen sind nur Schall und Rauch, sie zählen.

Einen Ausweg aus diesem Dilemma gibt es für die anderen Sportarten nicht. Sie können nur mal kurz aus dem Schatten des Fußballs treten, wie der Handball, als die Nationalmannschaft Europameister wurde und rund 13 Millionen vor die Bildschirme holte. Die Begeisterung färbte auf die Liga nicht ab. Im Winter füllen Skisport und Biathlon die Lücke, die der Fußball mit der Winterpause hinterlässt. Aber selbst in dieser Zeit können sich Handball, Basketball, Volleyball und Eishockey nicht in den Vordergrund spielen. Ein Problem, das sie schon ewig aus der Welt schaffen wollen, aber Lösungen wurden bis heute nicht gefunden. Es bleibt halt bei Fußball, Fußball, Fußball, Fußball. Und dabei hat der Sport-Grantler die Fußball-Nationalmannschaft sogar noch außen vor gelassen. Bei Welt- und Europameisterschaften werden bei den Einschaltquoten Rekorde erzielt. Selbst das Pokalfinale zwischen Bayern München und Borussia Dortmund am Samstag sorgte für einen Rekord, 1379 Millionen saßen im Schnitt vor den TV-Geräten, 18 Millionen waren es in der Spitze. Keine andere Sendung hatte in diesem Jahr mehr Zuschauer. Die Deutschen lieben halt den Fußball.

Die Bundesliga denkt ans Geld, nicht an die Fans

 

Der Startschuss zum Wettrennen um die TV-Vermarktung der Fußball-Bundesliga ist gefallen. Mit der Ankündigung der Ausschreibung hat das Milliardenspiel begonnen. Die Klubs gieren nach mehr Einnahmen, sind unruhig geworden, nachdem die Premier League in England groß abkassiert. 2,3 Milliarden Euro kassieren die englischen Klubs künftig, dazu kommen rund eine Milliarde aus der Auslandsvermarktung. Dagegen sind es nur bescheidene 663 Millionen Euro, die in dieser Saison die Bundesliga vom Fernsehen erhält, noch bescheidener liest sich die Auslandsvermarktung mit 154 Millionen. Die Bundesliga fürchtet, angesichts dieses Ungleichgewichts von England abgehängt zu werden und giert ebenfalls nach mehr Geld. Eine Milliarde soll es mindestens sein. Notfalls will man auch beim Spielplan den TV-Sendern entgegenkommen. Von den Fans spricht niemand.

Stand der Dinge ist, dass die Fußball-Fans mit dem derzeitigen Angebot zufrieden sind. Seit 25 Jahren ist das Bezahlfernsehen der Hauptgeldgeber der Bundesliga, Sky zahlte beim letzten Vertrag bis 2017 durchschnittlich 485 Millionen Euro pro Saison. Vor allem die Konferenzschaltung am Samstag wurde Kult wie früher im Radio. Fester Bestandteil ist auch die ARD-Sportschau am Samstag ab 18.30 Uhr. Die Klubs würde diese „heilige Kuh“ notfalls schlachten, doch das Kartellamt hat bereits einen Riegel vorgeschoben und verfügt, dass es weiterhin eine Sendung der Höhepunkte im freien Fernsehen geben muss. Doch wann und von welchem Sender ist offen. Die ARD zahlte zuletzt 100 Millionen Euro für die Rechte und durfte jeweils zu Saison- und Rückrundenbeginn ein Startspiel live übertragen.

Bei diesen eingeführten Fernsehgewohnheiten wird es nicht bleiben. Gegenüber weitergehenden Gedankenspielen hat die Bundesliga aber bereits zurück gerudert und den Samstagnachmittag als Hauptspieltag festgelegt. Im Prinzip soll es beim bisherigen Schema mit einem Spiel am Freitag, fünf plus eins am Samstag und zwei am Sonntag bleiben. Angesichts der vielfältigen Aufgaben auf Europas Bühne sind allerdings weitreichende Änderungen möglich, mit Spielen am Sonntag um 13.30 Uhr und fünf am Montagabend, was wieder von der zweiten Liga als Affront angesehen wird, wenn ihr Montagspiel als fester Bestandteil gekippt wird. Auch die Fanklubs gehen bereits auf die Barrikaden, denn wer kann schon am Montag seine Mannschaft begleiten. Die Bundesliga denkt ans Geld, nicht an die Fans.

Mit welchen Paketen die Deutsche Fußball-Liga wirklich auf den Markt geht, wird in diesen Tagen entschieden. Statt acht soll es maximal nur sechs Pakete geben, aber die Interessenten werden mehr sein und deshalb wird wohl auch der Preis in die Höhe getrieben werden. Bayern Münchens Boss Karl-Heinz Rummenigge setzt auch die Liga-Verantwortlichen unter Druck, bezeichnet eine Milliarde als „Muss“, als Minimum. Da wird Sky blechen müssen, wenn es die Bundesliga-Rechte als wesentlichen Bestandteil des Programms behalten will. Konkurrenten werden wohl die Telekom und auch der amerikanische Konzern Discovery sein, der schon mit dem Erwerb der Olympia-Rechte in Deutschland für Aufregung sorgte. Die Bundesliga auf einem Bezahlkanal von Eurosport? Auch die ARD muss um ihre Sportschau bangen, die sie ja früher schon einmal verloren hatte. Vor allem RTL soll wieder Interesse haben, nachdem der Privatsender ARD und ZDF schon die EM- und WM-Qualifikationsspiele der Fußball-Nationalmannschaft geklaut hat. Die Fernsehlandschaft könnte im Hinblick auf den Fußball in Unordnung geraten. Ob für die Fans dann wirklich eine Verbesserung herauskommt, steht in den Sternen.

Die Bundesliga sollte nicht nur nach dem Geld gieren, sondern auch an die Fans und die Öffentlichkeit denken. Kontinuität wäre wünschenswert und machte in den letzten Jahren die höchste Klasse im Fußball auch zu einem erstklassigen Produkt. Der gemeine Zuschauer an den Bildschirmen liebt seine Gewohnheiten und möchte nicht in irgendwelchen Pay- und Internetkanälen nach dem Fußball suchen. Die Fans sorgen für Stimmung in den Stadien und sind es leid, immer kurzfristiger ihre Reisen planen zu müssen. Die Vereine müssen aufpassen, dass sie am Ende zwar mehr Geld haben, die Stimmung aber fehlt, die einen großen Anteil daran hat, dass die Bundesliga so beliebt ist. Auch bei anderen Sendungen zeigt es sich zum Beispiel deutlich, dass die öffentlich-rechtlichen Sender mehr Zuschauer vor den Bildschirm bringen als die Privatsender. Auch das trägt zur Popularität der Bundesliga bei.

Die Fans können nur auf das Ergebnis warten. Noch vor der Europameisterschaft im Juni soll die Entscheidung fallen. Mal sehen, ob Geldgier und Wünsche der Fans in Einklang zu bringen sind.

Übrigens: Dass die Geldgier im Fußball keine Grenzen kennt, zeigt auch die Diskussion um die Einführung einer Super League in Europa mit Teilnahme der bekanntesten Klubs noch über der Champions League. Einerseits wird über die zu große Belastung der Spieler geklagt, andererseits gibt es für das Streben nach höheren Einnahmen offensichtlich kein Tabu! Irgendwann wird auch die Anzahl der Spiele für die Fans zu viel, die es sich schlichtweg finanziell nicht mehr leisten können. Irgendwann schneiden sich die Klubs ins eigene Fleisch.

Die Bundesliga hat Spaß gemacht

Mit einem an Spannung nicht zu überbietenden Abstiegskampf ist die 52. Saison der Fußball-Bundesliga zu Ende gegangen. Am Schluss gab es Tränen: Bei den einen aus Freude, bei den anderen aus Trauer. Dennoch bleibt als Gesamtfazit fast für alle: Die Bundesliga hat Spaß gemacht. Der Sport-Grantler hat sich auf die Spurensuche der „Spaßvögel“ gemacht.

Bayern München: Logisch, die Bundesliga hat dem Meister Spaß gemacht, da war er der Dominator, hat teilweise Spaß-Fußball gezeigt und praktisch zu keiner Zeit um das Jubiläum bangen müssen, den 25. Titel! Weniger Spaß hatten Trainer Pep Guardiola und seine Jungs im Pokal und in der Champions League, da war jeweils im Halbfinale Endstation. Geblieben ist der Spaß in der Bundesliga und die Feier vor 20.000 Fans (so von den Bayern gezählt) auf dem Marienplatz. Dort gab es dennoch eine Double-Feier, weil sensationell auch die Bayern-Frauen Deutscher Meister wurden. Auch ihnen hat ihre Bundesliga Spaß gemacht.

VfL Wolfsburg: Die Konkurrenz beobachtet mit Argusaugen, was in Wolfsburg passiert. Wie weit kommt der VfL mit den Geldern von Volkswagen? Das Werksteam hat gezeigt: Weit. Die Vize-Meisterschaft war der erste Ertrag. Doch reicht es zum Erfolg auf Dauer? Auf jeden Fall hat die Saison den Wolfsburgern Spaß gemacht!

Borussia Mönchengladbach: Dem Dritten gebührt noch mehr Lob, Manager Eberl und Trainer Favre haben mit Geduld, guten Einkäufen und tollem Coaching aus einem Abstiegskandidaten ein Spitzenteam geformt. Die Borussia hat Spaß gemacht.

FC Augsburg: Das schwäbische Fußball-Wunder, als Fünfter noch vor Schalke und Dortmund, davon konnte man in der Fuggerstadt nicht einmal träumen. Der Klassenerhalt war das bescheidene und realistische Ziel, dann wurde der FCA von einer Erfolgswelle nach oben getragen, bis zur direkten Qualifikation zur Europa League. Vor fünf Jahren war der FCA in Deutschland ein kleines Licht, jetzt scherzen die Augsburger vor dem internationalen Debüt: In Europa kennt uns keine Sau. Sie haben ihren Spaß.

Jürgen Klopp: Es war ein schweres Jahr für Borussia Dortmund und seinen Trainer. Am 18. Spieltag noch Letzter, sprang am Ende wenigstens Rang sieben raus. Der Trainer nahm freiwillig zum Saisonschluss seinen Hut, wo er ihn wieder in den Ring werfen wird, ist derzeit unbekannt. Jürgen Klopp aber bei seinem wehmütigen Abschied in Dortmund: „Die Bundesliga hat Spaß gemacht“! Das Pokalfinale folgt noch, vielleicht mit einem krönenden Abschluss.

Huub Stevens: Der knorrige Holländer hat zum zweiten Mal den VfB Stuttgart gerettet, aber die Stuttgarter danken es ihrem Retter nicht, er muss gehen. Alexander Zorniger heißt sein Nachfolger, ein Nobody, der mit der Bundesliga Neuland betritt. Risiko für den VfB!!! Muss im Januar wieder Huub Stevens kommen? Er konnte nach der Rettung mit Fug und Recht behaupten: „Die Bundesliga hat Spaß gemacht“!

Roberto di Matteo: Ein großer Name auf dem Trainermarkt, schließlich hat er mit Chelsea London 2012 in München die Champions League gewonnen. Deshalb galt er bei Schalke 04 als Hoffnungsträger, sollte Wegbereiter für eine große Zukunft sein, doch es gab nur das große Jammern, Schalke und di Matteo, das passte nicht. Die Trennung wird prophezeit, denn so hat die Bundesliga keinen Spaß gemacht.

Alexander Meier: Mit 19 Treffern wurde der Frankfurter Torschützen-König, was erstaunlich ist, denn lange war er verletzt und fand sich anfangs auf der Ersatzbank wieder. Doch dann traf und traf er und am Ende schwächelte auch die Konkurrenz mit Verletzungen, also siegte Alex Meier vor den Münchnern Arjen Robben und Robert Lewandowski (beide 17 Treffer). Ihm hat die Bundesliga besonders viel Spaß gemacht.

Absteiger: Was? Kann das sein? Natürlich, am Ende werden auch die Absteiger mal zu dem Urteil kommen, „die Bundesliga hat Spaß gemacht“. Dann nämlich, wenn sie sich an die großen Zeiten erinnern. Neuling SC Paderborn ereilte das Schicksal, dass alle dem Aufsteiger prophezeit hatten, der SC Freiburg wehrte sich jahrelang erfolgreich, in diesem Jahr klappte es nicht. Auf baldige Rückkehr, denn wir wissen, die Bundesliga macht Spaß.

Aufsteiger: Sie feiern erst einmal und wir wissen, der nächste Kater kommt bestimmt. Die Aufsteiger jubeln und freuen sich, denn die Bundesliga macht Spaß. Ob der FC Ingolstadt und Darmstadt 98 in der Punktrunde dann noch Spaß haben, wird sich zeigen. Wenig Spaß werden die Gäste in Darmstadt haben: Ein veraltetes Stadion mit heruntergekommenen Kabinen. Dabei ist die Bundesliga ansonsten so stolz auf ihre modernen Stadien. Aber kann man deshalb dem Aufsteiger den Spaß Bundesliga verbieten?

Die Saison ist noch nicht ganz beendet, eine Reihe von Relegationsspielen steht an, es wird noch einmal Tränen der Freude und Trauer geben. Doch eines ist gewiss: Die Fans freuen sich schon auf den Neustart der Saison 2015/16 am 14. August (mit einem Heimspiel des Meisters). Denn sie wissen: Die Bundesliga macht Spaß!