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Tag: Chelsea London

Champions League: Trainer unter Druck

Mit dem Start des Achtelfinales in der Champions League (CL) und der Zwischenrunde in der Europa League (EL) nimmt in dieser Woche der europäische Fußball endgültig Fahrt auf. Der Frühling ist die heiße Phase des Spitzenfußballs, da fallen die Entscheidungen. Im Mittelpunkt diesmal vor allem die Trainer, viele stehen unter Druck, für einige entscheidet sich ihre Zukunft im Verein mit dem Abschneiden in der CL.

Zu den Trainern unter Druck gehören auch zwei aus der Bundesliga, allerdings aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Lucien Favre wird in Dortmund immer wieder in Frage gestellt, spielt die Borussia schwach, kommt seine Ablösung ins Gespräch, trumpft sie auf wie beim 4:0 gegen Frankfurt hat der Schweizer eine eher trügerische Ruhe. Die Bewährungsprobe folgt gegen Paris St. Germain, dem Scheich-Klub mit seinen Stars Neymar und Mbappe sowie Borussias Ex-Trainer Thomas Tuchel, ein besonderes Aufeinandertreffen also. Dortmund hat es im Kreuz, gegen Paris zu bestehen, gleichzeitig hätte Favre wohl für den Rest der Saison der Ruhe, wenn die Borussia weiter im Titelkampf der Bundesliga dabei ist. Anders die Situation für Thomas Tuchel, der einst im Streit nach dem Bomben-Attentat Dortmund verließ, der aber jetzt endgültig in Paris liefern muss. Als die Scheichs aus Katar 2011 mit viel Geld in Paris einstiegen, galt der Gewinn in der CL als bevorzugtes Ziel. Es reichte bisher nicht einmal zum Halbfinale, die letzten drei Jahre war im Achtelfinale Schluss. Tuchel muss liefern, Dortmund könnte für ihn erneut zum Schicksal werden.

Liefern muss ebenfalls Hansi Flick, auch bei den Bayern ist ein Aus im Achtelfinale nicht akzeptabel. Bei Flick geht es um die Zukunft in München, es geht um seine Reputation nach dem Motto „was kann er wirklich?“. In der Bundesliga hat er die Mannschaft auf Vordermann gebracht, doch die Skeptiker fragen, „kann er es auch international?“ Vorgänger Niko Kovac wurde auf der europäischen Bühne Zögerlichkeit vorgeworfen. Gegen Chelsea London sind die Bayern Favorit, anders als im Vorjahr gegen den FC Liverpool mit Jürgen Klopp. Es war zuletzt das Schicksal der Bayern immer gegen den späteren CL-Sieger ausgeschieden zu sein. Aber mehr als das Achtelfinale muss es diesmal sein, die Bayern brauchen es für ihre eigene Reputation, wenn sie Verstärkungen suchen. Gefragte Spieler wollen nur zu einem Verein, der ihnen die Chance auf den CL-Sieg bietet. Hansi Flick hat noch ein bisschen Zeit, die Bayern starten nächste Woche am 25. Februar. Dann muss er liefern.

Auffallend ist, dass viele europäischen Spitzenteams sich in letzter Zeit keineswegs in Bestform präsentierten, so dass die Fans die Spiele in der Champions League wohl mit besonderer Spannung verfolgen. Unter Druck steht auch Quique Setien beim FC Barcelona, der als Nachfolger von Trainer Ernesto Valverde sowieso nur als Notnagel gilt. Unter besonderem Druck steht auch Pep Guardiola bei Manchester City. Wegen Vergehen gegen das Fair Play sprach die UEFA gegen den Verein eine zweijährige Sperre ab 2021 aus. Ob die vor dem Internatioalen Sportgerichtshof CAS Bestand haben wird, muss sich zeigen. Stand derzeit ist, dass es für Pep und City wohl die letzte Chance ist, die Stars im Team zu halten, wenn man die Champions League gewinnt, nachdem die nationale Meisterschaft verloren ist. Pep kann sich einen neuen Verein allerdings aussuchen, auf der Liste stehen u. a. eine Rückkehr nach Barcelona oder München, aber auch Juventus Turin wird gehandelt.

Die CL gelassen sehen kann Jürgen Klopp. Er steht überhaupt nicht unter Druck, er hat 2019 bereits geliefert und jetzt wollen die Fans nichts anderes als die Meisterschaft und die ist bei 25 Punkten Vorsprung in der Premier League eigentlich sicher. Seit 30 Jahren warten die „Reds“ auf den Titel, da ist Klopp auf jeden Fall wieder Held, auch wenn es in der CL schief geht. Dort kann man ja notfalls im nächsten Jahr wieder gewinnen. Die Spiele:

Champions League: Dortmund – Paris, Atletico Madrid – Liverpool (beide 18.2/ Rückspiele 11.3.), Bergamo – Valencia, Tottenham – Leipzig (beide 19.2./10.3.), Chelsea – Bayern, Neapel – Barcelona (beide 25.2./18.3.), Real Madrid – Manchester City, Lyon – Juventus Turin (beide 26.2./17.3.).

In der Europa League sind aus der Bundesliga noch Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg vertreten. Die reizvollste Aufgabe hat wohl die Eintracht gegen den RB Salzburg. Allerdings hat Österreichs Meister einige Stammspieler wie Torjäger Erling Haaland (Dortmund) im Winter abgegeben und verlor jetzt gegen Verfolger LASK Linz und musste die Tabellenführung abgeben. Leverkusen trifft auf Portugals Spitzenteam FC Porto, Wolfsburg auf Malmö FF. Reguläre Spieltage jeweils Donnerstag 20. und 27. Februar.

Klinsmann und die Bundesliga

Als Trainer unter Druck fühlte sich wohl auch Jürgen Klinsmann, der mit seiner Demission in Berlin in der letzten Woche für den Paukenschlag sorgte. Er schätzte wohl die Situation bei der Hertha völlig falsch ein und glänzte nur mit großen Sprüchen und Visionen außerhalb jeder Realität. Nach 76 Tagen verabschiedete er sich wieder und hat seinen Ruf in Deutschland endgültig ruiniert. Immerhin hinterließ er etwas Positives, nämlich neue Spieler, die der Hertha helfen können. Piatek und Cunha waren maßgeblich mit am 2:1-Sieg in Paderborn verantwortlich. Die Hertha gab in der Winterpause 77 Millionen Euro für Neuzugänge aus, so viel, wie kein anderer Verein weltweit! Aber Klinsmann träumte noch von prominenteren Namen: Özil, Götze, Draxler und auch Can standen auf seiner Wunschliste! Klinsmann-Assistent Alexander Nouri soll jetzt die Hertha retten, aber eine Zukunft als Cheftrainer hat er wohl nicht.

Immerhin, die größten Sorgen ist Hertha los. Auffällig, dass sich in der Bundesliga langsam die Fronten klären. Die Spitzenteams ließen nichts anbrennen, Bayern verteidigte die Tabellenführung, Leipzig, Dortmund und Gladbach bleiben dran. In die CL-Plätze drängt noch Bayer Leverkusen. Schalke sowie die Verfolger Freiburg, Hoffenheim und Wolfsburg machen dahinter den einen verbliebenen Platz für die Europa League unter sich aus.

Am Tabellenende haben die letzten drei Teams Düsseldorf, Bremen und Paderborn an Boden verloren. Wer bekommt da noch die Kurve? Die Fortuna steht vor den Wochen der Wahrheit, die nächsten Gegner heißen Freiburg, Hertha, Mainz, Paderborn und Köln – bis auf Freiburg alles Kellerkinder bzw. Konkurrenten. Werder und Paderborn haben mit Dortmund und Bayern Spitzenteams vor der Brust, da wären Punktgewinne fast ein Wunder. Und so bleibt es in Bremen auch bei der Hängepartie: Schafft Trainer Florian Kohfeldt die Wende oder nicht? Seine letzte Chance ist vielleicht am 1. März, wenn Frankfurt in Bremen gastiert. Ein Trainer unter Druck.

Geldgier ohne Rücksicht auf Verluste

Die Auslosung für das Achtelfinale am Montag hat die Champions League (CL) sicherlich wieder ins Gespräch gebracht. Fußball-Fans diskutieren bekanntlich am liebsten darüber, welche Chancen es gibt, wie die Spiele ausgehen. Aber über der Auslosung lag auch ein Schatten. Der Europäische Fußball-Verband (UEFA) hat am Donnerstag veröffentlicht, wer in Zukunft die Champions League im Fernsehen übertragen darf und da sind manche Fußball-Fans aus allen Wolken gefallen. Die CL wird in Deutschland praktisch gar nicht mehr im Fernsehen übertragen, sie ist ab 2021 Sache der Internet-Streamingdienste, Amazon und DAZN haben sich die Rechte gesichert. Die UEFA beweist damit eine Geldgier ohne Rücksicht auf Verluste, der Fußball und die Fans sind die großen Verlierer. Auf Dauer wird die CL an Popularität verlieren, wieder einmal hat Geld die Sinne vernebelt.

Aber reden wir erst einmal über den Sport. Die Bundesligisten haben sich in der Gruppenphase der Champions League gut geschlagen, Bayern München und RB Leipzig wurden Gruppensieger, die Bayern sorgten sogar für einen Rekord: Noch nie war eine Mannschaft in der Vorrunde so erfolgreich, die Münchner schafften sechs Siege mit einer Tordifferenz von 24:5, als plus 19. Der Lohn: Sie dürfen mit einem Erlös von 100 Millionen Euro in der CL rechnen. Doch das schützt vor starken Gegnern nicht, siehe im Vorjahr, als der FC Liverpool auch nur Gruppenzweiter war und danach bis zum CL-Sieg durchmarschierte. Auch die Bayern blieben geschlagen zurück. Und sie hatten wieder kein Losglück: Es gab drei „schwache“ und drei „starke“ mögliche Gegner, Ex-Bayern-Profi Hamit Altintop zog das Los Chelsea London, zweifellos ein starker Gegner. Da könnte die „Road to Istanbul 20“, die Straße zum Finale in der Türkei erneut im Achtelfinale enden. Muss aber nicht. Auch der RB Leipzig bekam mit den Tottenham Hotspur einen englischen Klub zugelost, zur Erinnerung, im Vorjahr blieben die Bundesligisten im Vergleich mit der Premier League chancenlos.

Leichter hat es Borussia Dortmund auch nicht, mit Ex-Coach Thomas Tuchel gibt es ein Wiedersehen, aber der trainiert jetzt schließlich den Scheich-Klub Paris St. Germain und will mit den Stars Neymar und Mbappe endlich mehr als das Viertelfinale. Gefordert wird schlicht und einfach der Henkel-Pott. Jürgen Klopp und Pep Guardiola stehen im Vergleich mit den Madrider Klubs, treffen mit dem FC Liverpool bzw. Manchester City auf Atletico bzw. Real Madrid. Glücklich werden sie nicht sein, die Spanier allerdings auch nicht. Die Begegnungen Bergamo – Valencia (ein Außenseiter kommt also auf jeden Fall weiter!), Lyon – Juventus Turin und Neapel – FC Barcelona komplettieren das Achtelfinale. Das zieht sich übrigens im Frühjahr 2020 wieder wie Kaugummi hin, mit acht Spieltagen vom 18. Februar bis 18. März.

Der Rubel rollt dann also wieder und ab 2021 für drei Jahre gibt es also mit den neuen TV-Verträgen noch mehr Geld. Allein der Reibach zählt bei der Rechtevergabe der UEFA, eine langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit wie mit Verlierer Sky, der zuwenig bot, zählt nicht mehr, alte Partner haben keinen Bonus. Die Fans werden auch nicht gefragt, sie hätten mit Sicherheit andere Wünsche. Wie kann man für Deutschland allein auf Streamingdienste setzen, wo eigentlich auch bei geldgierigen Funktionären bekannt sein müsste, dass Deutschland in Sachen schnelles Internet einen Aufholbedarf hat. Es könnte gut sein, dass sich die Fans von der Champions League abwenden und die Geldgier auf Dauer nicht mitmachen. Was dann? Der Sport-Grantler hat schon einmal darauf verwiesen, dass allein die Sponsoren Macht ausüben können und da hat man auch schon vernommen, dass diese nicht glücklich sind. Verpufft ihre Werbung irgendwo im Nirgendwo? Dass das ZDF das Finale im Free-TV übertragen kann und es am Mittwoch eine Zusammenfassung der Champions League im Free-TV geben soll, ist nicht mehr als ein Feigenblatt!

In der Europa League haben die deutschen Teilnehmer für die Zwischenrunde attraktive und machbare Lose gezogen, wenn auch Eintracht Frankfurt Red Bull Salzburg nicht unterschätzen darf. Bayer Leverkusen trifft auf den FC Porto, der VfL Wolfsburg auf Malmö FF. Gespielt wird am 20. und 27. Februar 2020.

Bundesliga und frohe Weichnachten

Ja, die Bundesliga gibt es auch noch. Zwei Spieltage stehen für dieses Jahr noch an, dann geht es in die kurze Winterpause bis zum 17. Januar. Allgemein werden sich zum Abschluss alle „Frohe Weihnachten“ wünschen, doch wer wirklich frohe Weihnachten feiern kann, das kommt auf. Je nach Verein, soll noch der eine oder andere Punkt unterm Weihnachtsbaum liegen, andere wie die Bayern sind nur mit zwei Siegen zufrieden (Freiburg und Wolfsburg). Allerdings dürfte der Weihnachtsfrieden ausnahmsweise dennoch nicht gefährdet sein, weil Trainer Hansi Flick alle für sich eingenommen hat. Er wird wohl bis zum Sommer bleiben. Mit dem 6:1 gegen Bremen und seinen drei Toren ist auch der Brasilianer Coutinho in München angekommen, Abwehrschwächen (Boateng) waren dennoch erneut nicht zu übersehen. Gegen Chelsea müssen die Münchner stabiler sein.

Ein Highlight gibt es noch am Dienstag, wenn Dortmund Tabellenführer RB Leipzig erwartet. Die Nagelsmann-Schützlinge scheinen nicht zu stoppen zu sein, gewannen die letzten sechs Spiele, aber auch Dortmund befindet sich im Aufwind, deshalb im Pott vorweihnachtliche Ruhe. Dortmund kann auch dafür sorgen, dass die Bundesliga mit Spannung in die Rückrunde geht.

Am Tabellenende heißt es wohl eher sarkastisch, „das ist ja eine schöne Bescherung“. Beim SC Paderborn wird man allerdings gelassen bleiben bis zum wohl bitteren Ende. Anders in Köln. Gegen Leverkusen gab es ein Lebenszeichen, nach Frankfurt folgt am Samstag ein „Endspiel“ gegen Werder Bremen, das zu den Vereinen gehört, die für diese Saison eigentlich etwas anderes erwartet hatten. Jetzt heißt es, den Abstiegskampf annehmen und auf frohe Ostern hoffen…

Übrigens: Die Frauen-Bundesliga ist schon im Ziel und macht Winterpause bis zum 14. Februar. Titelverteidiger und Tabellenführer VfL Wolfsburg dominiert wieder das Geschehen und blieb ungeschlagen, gab nur beim 1:1 gegen die Bayern Punkte ab. Das Überraschungsteam ist die TSG Hoffenheim auf Rang zwei, nur drei Zähler zurück. Dahinter die Bayern, die einen Umbruch zu verkraften hatten und gegen Hoffenheim und Leverkusen Niederlagen hinnehmen mussten. Sie brauchen dringend eine Torjägerin. Am Tabellenende Neuling Jena und davor punktgleich im Abstiegskampf Duisburg und – der 1. FC Köln. Die Frauen waren ebenso Aufsteiger wie die Männer und ihnen ergeht es nicht besser. Nur Schlagzeilen machen sie nicht. Die Frauen-Bundesliga führt immer noch ein Schattendasein.

Klopp unsterblich in Liverpool – Tradition wird in die zweite Liga verbannt

Er kann es doch! Jürgen Klopp hat endlich einen internationalen Titel geholt und wird dafür in Liverpool gefeiert. Der 51-Jähige Trainer musste sich nach sechs verlorenen Endspielen gegen den Ruf wehren, kein bedeutendes Finale gewinnen zu können. Er scheiterte 2013 mit Borussia Dortmund an Bayern München, verlor 2017 mit Liverpool das Finale der Europa League und im Vorjahr das der Champions League nach schweren Torwartfehlern von Louis Karius mit 1:3 gegen Real Madrid. Doch in diesem Jahr war alles anders, Klopp, in Liverpool sowieso schon von den Fans geliebt, hat jetzt endlich geliefert und nach dem 2:0-Sieg gegen Tottenham in Madrid wird er unsterblich in der Stadt der Beatles. 200.000 waren in der Stadt auf den Beinen. Schon fordern viele für ihn ein Denkmal wie für die Legende der „Reds“, Bill Shankly. Auf dessen Spuren wandelt Klopp, jetzt will er den Fans und Stadt vor allem die nationale Meisterschaft schenken. Darauf warten sie sehnsüchtig und sie glauben an den einen, der es schaffen kann: Jürgen Klopp. Mit 97 Punkten wurde er in diesem Jahr hinter Manchester City und Pep Guardiola. Der Spanier gratulierte zum CL-Triumph und er freue sich schon auf die neuen Duelle, „wenn wir uns wieder gegenseitig in den Hintern treten“.

Das Finale in Madrid war im Vergleich zu den spektakulären Halbfinals geradezu langweilig, ein Hand-Elfmeter, einer der Sorte der unglücklichen Handbewegung, tötete schon in der 2. Minute das Spiel. In der Folge beherrschte Liverpool souverän den Kontrahenten aus der Premier League und es zeigte sich, wie wertvoll, wenn auch teuer, Klopps Verstärkungen waren: Abwehrstratege Virgil van Dijk (für 85 Millionen Euro verpflichtet) war ebenso ein Rückhalt wie Torhüter Alisson Becker (65 Mill.). Geld, vernünftig eingesetzt, gewinnt halt doch Pokale. Übrigens: Als seine größte Leistung bisher bezeichnete Klopp den Aufstieg in die Bundesliga mit Mainz 05.

14 Jahre nach einer sensationellen Aufholjagd gegen Mailand setzten sich die „Reds“ zum sechsten Mal Europas Fußball-Krone auf. Die englischen Teams waren in beiden europäischen Finals unter sich und jeder fragt sich, was bedeutet dies für die Zukunft? Eines zeigt sich, die englischen Klubs setzen ihre Millionen der übermäßigen TV-Gelder sinnvoller als in der Vergangenheit ein und deshalb sind sie eine ernsthafte Konkurrenz für den Rest der europäischen Spitzenklubs. Vom englischen Fußball brauchen wir dabei aber nicht reden, es sind internationale Stars, die für die Erfolge sorgen. Im stimmungslosen Finale der Europa League (im unsäglichen Austragungsort Baku) zwischen Chelsea und Arsenal London (4:1) stand gerade mal ein englischer Spieler in den Anfangsformationen. Der große Sieger war Belgiens Torjäger Eden Hazard, der große Verlierer der deutsche Ex-Nationalspieler Mesut Özil, der wieder einmal untertauchte und wie ein alter Mann vom Platz schlich, quasi als Beweis für die These, dass er ein weit überschätzter Spieler ist.

Aber nicht wegen England, sondern wegen der Funktionäre in den reichen Vereinen und bei dem europäischen Verband UEFA muss man sich Sorgen um die Zukunft von Europa League und Champions League machen. Tötet das Geld künftig die Spannung? Werden die Plätze ausgegeben nicht ausgelost, damit die Großen nicht ihre Pfründe verlieren? Die Gefahr besteht. In Deutschland ist die Champions League bereits im Pay-TV verschwunden und hat an Bedeutung erheblich verloren! Die CL ist auf dem Weg nur noch ein Wettbewerb für elitäre Klubs zu sein, hat dann aber für den Rest der Welt keine Bedeutung mehr.

Ein warnendes Beispiel könnte die Nations League sein, die als zusätzlicher Wettbewerb für die Nationalmannschaften erfunden wurde, um aus ungeliebten Freundschaftsspielen geldbringende Pokalspiele zu machen. Die Endrunde wird in dieser Woche in Portugal ausgetragen. Doch wen interessiert es? Schon gehört, dass jetzt am Mittwoch und Donnerstag die Halbfinals anstehen? In Deutschland verzichten die Rechteinhaber ARD und ZDF auf Übertragungen der Spiele Portugal – Schweiz und England – Niederlande, das ZDF widmet sich am kommenden Fußball-Sonntag wenigstens dem Finale in Porto. Die Nations League reißt also keinen von den Sitzen.

International ist in den nächsten Tagen noch einiges los, so stehen Qualifikationsspiele zur Europameisterschaft 2020 an und am Freitag beginnt in Frankreich die Frauen-Weltmeisterschaft. Dazu mehr in einem eigenen Kommentar in den nächsten Tagen.

Beste 2. Bundesliga aller Zeiten?

Noch ein Blick auf das nationale Geschehen. Die Relegationsspiele im Profi-Fußball sind beendet und sie brachten große Überraschungen. Nachdem sich der SC Paderborn bereits in der regulären Saison einen Platz im Oberhaus zurückgeholt hatte, zog jetzt der Dritte der 2. Bundesliga, Union Berlin, umjubelt nach und schickte den VfB Stuttgart in die zweite Liga. Zwar verloren die Stuttgarter nicht, aber ein 2:2 zu Hause und ein 0:0 in Berlin waren nach der Auswärtstorregel eben zu wenig. In Berlin wurde entsprechend gefeiert und die Fans treuen sich jetzt schon auf der Derby gegen Hertha BSC. Union ist der 56. Klub in der Bundesliga-Geschichte.

Paderborn und Union werden die „Exoten“ in der Bundesliga sein, andererseits sieht es so aus, dass die Fußball-Tradition in die zweite Liga verbannt wird. In der Bundesliga sorgen neureiche Klubs wie Hoffenheim und RB Leipzig für Furore, bleiben aber ungeliebt, dazu sind Werkklubs wie Bayer Leverkusen und der von VW am Leben erhaltene VfL Wolfsburg nur geduldet. Die Herzen der Fans schlagen eher für Vereine wie den Hamburger SV, 1. FC Nürnberg, VfB Stuttgart, Hannover 96, FC St. Pauli, Dynamo Dresden oder 1860 München. Gemerkt? Bis auf 1860, das sogar in die 3. Liga abrutschte, treffen sich die Vereine in der 2. Bundesliga. Es könnte also die beste und von den Namen her zumindest interessanteste zweite Liga aller Zeiten werden! Am 26. Juli beginnt bereits die neue Saison, die ersten Vereine starten am 17. Juni ihre Vorbereitung.

Frauen-Fußball schafft den Durchbruch nicht

Seit Jahrzehnten haben sich die Frauen im Fußball etabliert, seit Jahren ist die Nationalmannschaft international erfolgreich und kam mit vielen Titeln nach Hause, aber den endgültigen Durchbruch in punkto Anerkennung in der Öffentlichkeit hat der Frauen-Fußball bis heute nicht geschafft. Wenn es in Deutschland heißt, es gibt im Sport nur „Fußball, Fußball, Fußball“, dann ist dies auf die Männer gemünzt, die Frauen gehören mit der Bundesliga zu den Randsportarten.

Das Pokalfinale in Köln machte wieder deutlich, unter welchen Problemen der Frauen-Fußball unter anderem leidet. Natürlich an der allgemeinen Akzeptanz, mehr als kleine Notizen sind in den großen Medien nicht drin. Aber es fehlt auch der große Wettbewerb, die Bundesliga leidet unter der Dominanz von einzelnen Mannschaften. Waren es früher der 1. FFC Frankfurt und Turbine Potsdam, die zwischen 2001 und 2012 die Titelvergabe unter sich ausmachten, so dominiert seit 2013 der VfL Wolfsburg, der nur 2015 und 2016 Bayern München den Vortritt ließ und in diesem Jahr seinen fünften Titel gewinnen wird. Im Pokal sind die „Wölfinnen“ noch erfolgreicher, mit sechs Siegen, davon fünf zuletzt in Folge. In der Bundesliga blieben sie in den ersten sieben Spielen ohne Gegentor und schlugen dabei am 3. Spieltag den größten Widersacher Bayern mit 6:0! Eigentlich war da die Meisterschaft schon entschieden.

In Köln sahen nun rund 17.000 Zuschauer im Pokalfinale den 1:0-Sieg von Wolfsburg über den SC Freiburg, der sich tapfer schlug. Die Frauen sind mit dem eigenen Finale sehr zufrieden, sind nicht mehr Anhängsel des Männer-Finals, als sie in Berlin quasi das Vorspiel absolvierten. Aber mehr Besucher dürften es schon sein, zuletzt hatten Zuschauerrekorde im Ausland für Aufsehen gesorgt. 25.000 waren es im französischen Duell Lyon – Paris, 39.000 im italienischen Prestigeduell Juventus Turin – Florenz und gar 66.000 interessierten sich in Spanien für das Schlagerspiel Atletico Madrid – FC Barcelona. Nicht nur deshalb betont wohl der Barca-Präsident „Frauen-Fußball ist im Kommen“. Auch in Deutschland?

In Deutschland würde man sich wünschen, dass es zumindest die Bayern schaffen, den Wolfsburgerinnen mehr Paroli zu bieten, die anderen Vereine leiden unter der Finanzkraft der Großen, so dass auch Potsdam, Frankfurt Freiburg und Essen nur ab und zu Überraschungen zu Wege bringen. Die Bayern hoffen auf den neuen Trainer Jens Scheuer, der in Freiburg beeindruckte und neuen Schwung bringen soll. Allerdings fehlt den Münchnern ein Stürmerstar wie es Wolfsburg mit Europas Fußballerin des Jahres Pernille Harder hat oder ein Abwehr-Ass wie Schwedens Star Nilla Fischer. Eine Schwächung wäre es, wenn die wohl beste Spielerin dieses Jahres, Sara Däbritz, nach Paris wechseln würde. Ersatz für die Torjägerin Vivianne Miedema aus den Niederlanden haben die Bayern-Mädchen nicht gefunden. Miedema wechselte zu Arsenal und wurde in England gerade zur „Spielerin des Jahres“ gekürt.

Dies zeigt aber auch das Dilemma des deutschen Frauen-Fußballs, weil (siehe Barcelona) einige große Vereine im Ausland aufrüsten. Olympique Lyon gewann die letzten drei Jahre die Champions League und wird es wohl auch dieses Jahr wieder tun. Seit 2015 stand mit Paris St. Germain und Lyon immer eine französische Mannschaft im Finale, So lange sind auch die deutschen Siege durch Wolfsburg und Frankfurt her. Aber Frankreichs Konkurrenz sitzt vielleicht nicht mehr nur in Deutschland, sondern in Spanien, wo eben Atletico Madrid und der FC Barcelona (der Bayern ausschaltete) vermehrt Anstrengungen unternehmen (nicht Real Madrid!!), in England mit Chelsea und Arsenal London und in Italien mit Juventus Turin. Da müssen sich die deutschen Mannschaften strecken.

So baut der Frauen-Fußball hierzulande auch weiterhin vor allem auf die Nationalmannschaft, die allerdings wie die Männer beim letzten Turnier leider enttäuscht hat. Bei der Weltmeisterschaft vom 7. Juni bis 7. Juli in Frankreich soll es unter der neuen Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg besser laufen. Nur mit einer erfolgreichen Nationalmannschaft kann die Frauen-Bundesliga überhaupt den Durchbruch schaffen.

Ein Plädoyer für den Videobeweis

Die Sportfans in Nordamerika lachen über die Diskussionen, die es im europäischen Fußball über die Einführung des Videobeweises gibt. In anderen Sportarten, vor allem eben im Profisport in Nordamerika, gehört der Videobeweis zum Alltag. Gerade im Football, Tennis und Eishockey sind strittige Entscheidungen ohne den Blick auf den Fernsehschirm undenkbar. Denken wir an knappen Entscheidungen im Tennis, ob der Ball im Aus ist oder nicht. Denken wir an das schnelle Eishockey, wo der Puck mit einer Geschwindigkeit unterwegs ist, dass das menschliche Auge gar nicht mehr erkennen kann, ob er im Netz landete oder am Gestänge. Erst der Blick auf den Bildschirm gibt oft Aufschluss.

Warum also nicht im Fußball, nicht nur in Europa, sondern weltweit in allen Profiligen. Es ist viel Geld im Umlauf, es geht nicht nur um Pokale, sondern auch um viel Geld und da müssen die Verbände nun einmal wirklich alles unternehmen, dass Fehlentscheidungen minimiert werden. Ganz ausschließen kann man sie nicht, weil es auch Ermessungsentscheidungen des Menschen gibt. Aber die ersten Spieltage in der Bundesliga zeigten bereits, dass es durch den Videobeweis ein ganzes Stück mehr Gerechtigkeit gibt. Dabei befindet man sich noch in der Testphase, Anfangsprobleme müssen erst noch ausgeräumt werden, aber eines ist sicher: Auf den Videobeweis darf der Profi-Fußball nicht verzichten!

Ein Plädoyer für den Videobeweis waren die Spiele der Mannschaften des FC Bayern München in der Champions League, da waren nämlich Männer wie Frauen Opfer von Fehlentscheidungen. Die Herren konnten das verkraften, die Damen schauten in die Röhre und schieden unverdient aus.

Die Tatsachen. Als die Bayern gegen Celtic Glasgow mit 3:0 gewannen, da war es am Ende egal, ob am Anfang ein Tor korrekt erzielt worden war (der Ball war nicht im Aus) oder nicht, ob es den berechtigten Elfmeter gab oder nicht. Aber es hätte auch anders kommen können und am Schluss könnte doch noch die Tordifferenz entscheidend sein. Aber in so einer wichtigen Liga wie der Champions League gehört der Videobeweis eingeführt. Die Frauen des FC Bayern schieden mit einem 0:1 und 2:1 durch die Auswärtstorregel gegen Chelsea London aus. Sie hätten aber weiterkommen müssen! Das Tor in London fiel aus einer Abseitsposition heraus, in München wurde den Bayern-Mädels ein klarer Handelfmeter versagt und danach noch ein korrektes Tor zum 3:1 wegen eines angeblichen Foulspiels aberkannt. Mit Videobeweis wäre nicht Chelsea in die nächste Runde eingezogen, sondern Bayern München. Krasser geht es nicht und kräftigere Argumente für die Einführung des Videobeweises wird man kaum finden.

Dazu kommt noch, dass die Bedenken vieler Fans, dass die lebhaften Diskussionen um den geliebten Fußball an den Stammtischen kein Futter mehr bekommen, entkräftet werden können. Trotz Videobeweis bleiben genügend strittige Szenen, über die man diskutieren kann. Dass mehr Gerechtigkeit dem Sport aber gut tut, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Deshalb: Im Profi-Fußball muss der Videobeweis eingeführt werden, es darf in den Top-Ligen, in der Champions- und Europa-League, bei Welt- und Europameisterschaften keine Spiele mehr ohne Videobeweis geben.