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Tag: DEL

Eishockey zwischen Traum und Wirklichkeit

Die Saison der Deutschen Eishockey Liga kennt kaum Pausen, Hochbetrieb herrscht vor allem rund um den Jahreswechsel wenn es andere Sportarten ruhiger angehen lassen und die Fußball-Bundesliga Winterpause hat. Einen Break im Punktspielbetrieb gibt es nur im November für den Deutschland Cup, später richten sich alle Augen auf die Play-Off-Runde, die fast nahtlos in den Saison-Höhepunkt, die Weltmeisterschaft übergeht. Der Sommer ist dann ja lang genug.

Sieht danach aus, als wäre es auch schwierig, die Probleme des deutschen Eishockeys zu lösen. Der Deutschland Cup brachte wieder ein Thema auf den Tisch, das fast so alt ist wie das Profi-Eishockey hierzulande selbst. Wie viele Ausländer tun dem Sport gut? Derzeit darf jeder Verein elf Ausländer verpflichten, neun dürfen jeweils spielen. Zu viel, sagen die Experten des Sports, so können sich die deutschen Nachwuchsspieler nicht entsprechend entwickeln. Weniger geht nicht, sagen die Finanzexperten, denn Ausländer sind billiger als gute deutsche Nachwuchsspieler, die werden nämlich zur Luxusware, wenn man auf sie angewiesen ist. Da wird die Diskrepanz deutlich, das deutsche Eishockey schwebt nämlich zwischen Traum (international erfolgreich sein) und Wirklichkeit (der Nachwuchs bekommt zu wenig Einsatzmöglichkeiten). Nur absolute Top-Talente wie der jetzige NHL-Star Leon Draisaitl setzen sich durch.

Der Verband und viele Vereine sehen die Notwendigkeit, den Ausländeranteil zu reduzieren, aber die DEL blockt ab und macht wieder einmal deutlich, dass der DEB als Dachverband im Spitzensport nichts zu sagen hat, auch wenn er (noch) die Verantwortung für die Nationalmannschaft hat. Bundestrainer Toni Söderholm machte aus der Not eine Tugend, verzichtete beim Deutschland Cup auf viele Stammspieler und gab dem Nachwuchs eine Chance. Der schlug sich gut, bezwang Russland (ebenfalls eher ein Nachwuchsteam) mit 4:3 und unterlag Sieger Schweiz und der Slowakei jeweils erst in der Verlängerung (3:4 und 2:3), was Platz zwei bedeutete. Der Zuschauerzuspruch in Krefeld war ansprechend, so dass auch die DEL zufrieden sein kann, nämlich das die Nationalmannschaft Werbung für das Eishockey gemacht hat.

Dass Eishockey gegenüber dem Fußball nur in der zweiten Liga spielt, macht sich auch international bemerkbar, denn auch im Eishockey gibt es eine Champions League. Die ist allerdings keine Geldbeschaffungsmaßnahme wie im Fußball, sondern die Vereine müssen noch Geld mitbringen, wenn sie nur die ersten Runden überstehen. Die werden aus Termingründen bereits im Sommer gespielt, im Winter ist kaum mehr Zeit für Zusatzbelastungen. Da stehen nur noch die Entscheidungen an. Auch hier also Traum (attraktiver Wettbewerb mit Gewinn) und Wirklichkeit (eher zusätzliche Belastung, kaum Ruhm).

Dennoch sind die deutschen DEL-Klubs erfolgreich, München, Mannheim und Augsburg siegten sich bis ins Achtelfinale und damit in die Preisgelder. Reich werden sie dennoch nicht, aber ein Newcomer wie Augsburg macht aus der Teilnahme dennoch einen Gewinn. Die Fans feiern den Auftritt auf internationaler Bühne wie ein Weihnachtsgeschenk, machen die Spiele in der Champions Hockey League zu einem Ereignis, weil sie wissen, dass dies gegenüber den reichen Klubs wie München und Mannheim nicht mehr so schnell vorkommen wird. So sorgen die Fans aber auch dafür, dass Augsburg in der CHL als Bereicherung wahrgenommen wird, „die Stimmung ist fantastisch“, lobte CHL-Boss Martin Baumann. Auch so kann das deutsche Eishockey zum Sieger werden. Ein Traum.

Manche haben Freude, wenn der Fußball mal pausiert

Von England brauchen wir nicht zu reden, in Spanien und Italien ruht der Fußball zum Jahreswechsel auch nicht, aber in Deutschland hat die Winterpause der Fußball-Bundesliga und der Ligen darunter (Amateure sowieso) Tradition. Über diese Winterpause sind einige glücklich, andere Sportarten freuen sich nämlich, wenn der Fußball mal pausiert und nutzen diese Lücke, um selbst in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu gelangen. Vor allem Eishockey, Basketball und natürlich der Skisport sind präsent.

In England ist dies anders, da hat der „Boxing Day“, der Spieltag der Premier League am zweiten Weihnachtsfeiertag, Tradition, da wird der Besuch des Fußballs zum Familienausflug. Aber auf Sport muss man auch in Deutschland nicht verzichten. Der Fußball pausiert, andere haben Hochbetrieb. Die Deutsche Eishockey Liga hat von Weihnachten an sieben Spieltage innerhalb von 16 Tagen terminiert. Auch im Eishockey hofft man, dass Familien dieses Angebot für einen Ausflug in die Stadien nutzen und so etwas Abwechslung an den freien Tagen haben. Die Vierschanzen-Tournee im Skispringen wird nicht zufällig um den Jahreswechsel herum ausgetragen, sie wurde ein Highlight, hat sich etabliert und lässt den Fußball vergessen, auch die Einschaltquoten im Fernsehen sind beachtlich.

Diese Idee haben sich auch die Skilangläufer zu eigen gemacht, vor einigen Jahren wurde die Tour de Ski gegründet, ein Spektakel ebenfalls zum Jahreswechsel, doch selbst wenn es zum Abschluss im Val die Fiemme in Italien spektakulär den Berg hinauf geht, die Springer fliegen den Läufern davon. Aber dies zeigt, dass die Winterpause des Fußballs von anderen Sportarten gern genutzt wird, sie träumen ja immer davon, mal aus dem Schatten des Fußballs treten zu können.

Was das Fernsehen angeht, in punkto Präsenz in der Öffentlichkeit die Nummer 1 und den Printmedien weit überlegen, da wird gerade in Deutschland gern geklagt, dass es nur Fußball, Fußball, Fußball gebe und sonst nichts. Das sieht Axel Balkausky, ARD-Sportkoordinator, ganz anders. In einem Interview mit dem Sport-Journalist strich er heraus: „Eine so große Vielfalt an Sportarten wie in den ARD-Programmen gibt es auf der ganzen Welt nicht.“ Er legte dazu Zahlen vor: 20 bis 25 Prozent im Sportprogramm sind Fußball, der Wintersport kommt dagegen auf 35 Prozent und der Rest verteilt sich auf Sommersportarten und andere Ballsportarten. Allerdings: Eines ist auch gewiss, der Fußball holt die besten Einschaltquoten, ist das begehrteste Programm. Das werden wir 2018 im Sommer wieder bei der Fußball-Weltmeisterschaft sehen, wenn eine ganze Nation mit den Schützlingen von Bundestrainer Joachim Löw mit fiebert.

Seltsam ist, dass die Sommersportarten mit dem Wintersport nicht mithalten können, wenn der Fußball in Deutschland bei schönstem Wetter eben auch pausiert. Allerdings ist dann vielleicht die Konkurrenz zu groß, da locken Schwimmbäder und Biergärten, da wird der Sport schnell zur Nebensache. Angeblich ist er ja die schönste Nebensache der Welt, will aber gern die Hauptsache sein. Gut aber, dass der Fußball ein paar Lücken lässt, andere Sportarten freuen sich – und mancher von uns auch.

Allen Leserinnen und Lesern ein gutes und erfolgreiches Jahr 2018 und viel Spaß mit dieser Kolumne und beim Sport.

Warum Eishockey in Deutschland keine Zukunft hat

Besser konnte die Eishockey-Weltmeisterschaft 2017, die in Deutschland und Frankreich ausgetragen wird, für das Team des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) nicht beginnen: Der 2:1-Sieg gegen die USA ist fast schon der Fahrschein für den Einzug ins Viertelfinale. Begeisterung pur auf den Rängen in Köln und bei der Mannschaft, die immer in Köln antreten kann und das Turnier als „Heim-WM“ ansieht (die zweite Gruppe spielt in Paris). Damit werden auch die Erinnerungen an die letzten Weltmeisterschaft in Deutschland 2010 wach, als die Mannen vom damaligen Bundestrainer Uwe Krupp sogar ins Halbfinale einzogen, als Vierter dann aber doch ohne Medaillen blieben.

Wer erinnert sich noch an diesen Erfolg? Welchen Aufschwung hat das Eishockey danach genommen? Keinen! Es gab wieder einen Abschwung, das DEB-Team verpasste sogar die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2014 in Sotschi und entfernte sich von der Weltspitze. Diese verpasste Chance möchten die DEB-Funktionäre am liebsten vergessen, sie sprechen lieber von der Gegenwart und der Tatsache, dass in Köln die vielleicht sogar stärkste Mannschaft aller Zeiten mit NHL-Stars auf dem Eis steht. Das verspricht eine gute Zukunft, doch das Eishockey in Deutschland hat keine gute Zukunft. Es kann nur gelegentlich mit Achtungserfolgen auf sich aufmerksam machen, aber nicht auf breiter Basis die Deutschen zu Eishockey-Fans machen.

Da sind zuerst einmal die äußeren Umstände. Eishockey ist ein teurer Sport und Spitzen-Eishockey wird nur in wenigen Hochburgen betrieben, am Leben gehalten durch Sponsoren. Eine Finanzierung nur durch den Sport heraus ist nicht möglich. Die Nachwuchsarbeit wird in diesen Zentren oft vernachlässigt, sie liegt mehr bei den kleinen Vereinen, nach wie vor hauptsächlich in Bayern, dort aber fehlt das Geld, fehlen die Idole für die Kinder. So dümpelt das unterklassige Eishockey in Deutschland seit Jahren vor sich hin.

An der Spitze präsentiert sich die Deutsche Eishockey Liga (DEL) als gut organisierte, profimäßige Liga, allerdings hat sie für die Beobachter außerhalb der Eishockey-Familie viele Schwächen. So verstehen Außenstehende nicht, warum der Titel in einer Play-Off-Runde vergeben wird. 52 Spieltage Anlauf, bevor es richtig zu Sache geht, töten die Spannung. Außerdem präsentiert sich die DEL als interner Zirkel, einen wirklichen Auf- und Abstieg gibt es nach wie vor nicht. Nur wenn ein Verein, wie im Vorjahr die Hamburg Freezers, seine Lizenz zurückgibt, kann ein Zweitligist nachrücken. Ein Umstand, der im deutschen Sport einmalig ist und für Unverständnis sorgt. Gerade wenn man zum Beispiel derzeit auf den spannenden Abstiegskampf in der Fußball-Bundesliga schaut. Das elektrisiert die Leute. Das schmoren im eigenen Saft setzten die Geldgeber durch, ganz einfach deshalb, weil sie Sicherheit haben wollen. Ein Abstieg würde eine unsichere Zukunft bedeuten. Wenn einer nicht mehr zahlen kann oder will, geht der Verein auch ohne Abstieg den Bach runter – keine schöne Sache für den Sport.

Eishockey leidet auch darunter, dass der Sport nicht telegen ist, auf dem Fernsehschirm nur mangelhaft verfolgt werden kann, die Spiele zu lange dauern. Dadurch kann keine Begeisterung aufkommen. Auf dem übertragenden Sender Sport1 schauen mehr Leute die dritte Liga im Fußball an als ein Spiel der Deutsche bei der Eishockey-WM! Stars können sich auch schlecht entwickeln, weil unter den Helmen die Gesichter nicht bekannt werden. Und die besten Spieler sind weit weg in der National Hockey League in Nordamerika aktiv. Selbst große Erfolge in Übersee, wie im letzten Jahr, als Tom Kühnhackl mit Pittsburgh den Stanley-Cup gewann, bringen Eishockey nur kurzfristig ins Gespräch – weil dann hierzulande eben Sommer ist.

Die Funktionäre des DEB sorgten in der Vergangenheit ebenfalls dafür, dass Eishockey höchstens negativ in die Schlagzeilen geriet. Mit dem ehemaligen Sportdirektor Franz Reindl wurde ein Mann Präsident, der als auch als größter Blender bezeichnet werden kann. Er hat als Sportdirektor zu verantworten, dass die Wahl der letzten Bundestrainer ein Misserfolg war, er hatte zu verantworten, dass Deutschland Ende der Neunziger Jahre zweitklassig wurde. Jetzt sonnt er sich mit dem Glücksfall, dass mit Marco Sturm ein Publikumsliebling an der Bande steht und die Spieler wieder für das Nationalteam interessieren kann. Sie kommen wegen Sturm, nicht wegen Reindl. Der Präsident sieht eine gute Zukunft und will einen möglichen WM-Gewinn in die Nachwuchsarbeit investieren. Und was war in der Vergangenheit? Der DEB stand kurz vor der Pleite, rettete sich nur durch den finanziellen Gewinn der letzten Heim-WM 2010 und versäumt es seit Jahrzehnten, eine gute, nachhaltige Nachwuchsarbeit auf die Beine zu stellen. Eigentlich sollte schon vorher klar sein, dass die Weltmeisterschaft Gewinn bringen muss. Nur deshalb spricht der DEB-Präsident auch davon, dass sich der DEB bald wieder um eine Weltmeisterschaft bewerben wolle. Die WM als finanzieller Rettungsanker.

Selbst wenn Deutschland 2017 Weltmeister werden würde, was eine der größten sportlichen Sensationen wäre, würde es bei der traurigen Tatsache bleiben, dass Eishockey in Deutschland keine gute Zukunft hat. Zu viel Gründe sprechen dagegen.