Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: Denise Herrmann

Ein Leben ohne Sport ist kein richtiges Leben mehr

Ein Virus hat es geschafft, dass die Welt fast still steht. Corona hat die Macht übernommen und die Politiker greifen zu Notfallplänen, fragen sich, „was machen wir jetzt“ und wissen eigentlich nicht mehr als die gewöhnlichen Bürger. Denen werden viele Verhaltensregeln an die Hand gegeben, dass sich die Verbreitung des Virus verlangsamt, damit die medizinische Versorgung aufrecht erhalten bleiben kann. Hamsterkäufe und die Leere in den Städten bestimmen das Leben. Ja, und daneben gibt es auch noch den Sport, insbesondere den Fußball. Der Profi-Fußball reagierte erst einmal mit dem Gedanken, „machen wir einfach weiter“, versuchte mit Geisterspielen dem Stillstand zu entkommen, um an Ende doch die letzten Konsequenzen zu ziehen: Aussetzung der Meisterschaften.

Die Ungewissheit bei allen ist ebenso groß wie die Unsicherheit. Die hat auch die Fußball-Profis erfasst, die eigentlich nur auf eines achten müssen (wie alle anderen auch): Das sie gesund bleiben. Das Training wird reduziert und doch sollten sie in Form bleiben für den Tag X, wenn die Spiele wieder beginnen und sie werden wieder beginnen. Doch wann, das kann keiner mit Gewissheit sagen, auch wenn Prognosen abgeben und Pläne geschmiedet werden. Vielleicht beginnt man irgendwann wieder mit Geisterspielen, obwohl die, wie bewiesen, keinen Spaß machen. Sie sind aber die einzige Chance für den Profi-Fußball, um an die Gelder des Fernsehens zu kommen und um finanziell zu überleben.

Und wer denkt an die Fans? Was machen die, wenn der Sport still steht? Sie müssen erkennen: Ein Leben ohne Sport ist kein richtiges Leben mehr. Macht der Fußball Sommerpause, so kann sich jeder darauf einstellen, man weiß es schließlich vorher und eine wirklich lange Pause gibt es gar nicht, weil irgendwo immer gespielt wird und selbst die Testspiele zu interessanten Ereignissen gepusht werden. Aber jetzt? Das Ritual, am Wochenende ins Stadion zu pilgern, auf Reisen zu gehen, in der Kneipe mit Gleichgesinnten Fußball zu schauen, fehlt. Vielleicht schauen sie sich über Mediatheken oder dergleichen alte Fußballspiele an. DAZN hat zum Beispiel das Finale der Champions League von 2013 im Programm. Die Dortmunder werden es sich nicht anschauen, die Münchner schon.

Und was machen die Ultras? Was hecken sie aus für den Fortgang, welche Plakate fertigen sie jetzt an? Vielleicht: „Corona Du Hurenvirus!“ oder: „Hau ab Corona, wir wollen Fußball!“ und hängen sie halt zu Hause auf. Übrigens: Der verhasste Milliardär Dietmar Hopp ist ein entscheidender Mann hinter der Firma, die jetzt führend in der Forschung ist, um ein Gegenmittel gegen Corona zu finden. Wo ist das Plakat: „Hopp, wir brauchen Dich!“? Vielleicht nutzen manche Fans aber auch die unerwünschte Pause zur Besinnung und erkennen, es gibt auch ein Leben neben dem Sport. Und: Hass gehört nicht zum Sport.

Der Sport hat sich lange gewehrt, die Geisterspiele brachten bekanntlich noch schmerzhafte Resultate, so sind Dortmund und Titelverteidiger Liverpool in der Champions League ausgeschieden, Frankfurt blamierte sich gegen Basel. Eigentlich unwichtig. Die Zukunft ist ungewiss. In der Formel 1 stehen die Räder still, ebenso wie der Spielverkehr in den meisten Ligen in Europa. Titelkämpfe stehen auf der Kippe oder sind bereits abgesagt. Die Wintersportler haben ihre Saison in einem Winter, der eigentlich keiner war, vorzeitig abgebrochen. Am längsten haben die Biathleten noch durchgehalten, die mit deutschem Glanz im finnischen Kontiolahti ihre Wettkämpfe ebenfalls vorzeitig beenden haben. Denis Herrmann brachte als Sprint-Gesamtsiegerin sogar eine Weltcupkugel mit nach Hause und wurde Dritte in der Gesamtwertung hinter Dorothea Wierer (Italien) und Tiril Eckhoff (Norwegen). Spannende Finals machten den Abschied von der Saison schwer, bei den Herren landete am Ende der Norweger Johannes Thingnes Boe gerade mal zwei Punkte vor dem Franzosen Martin Fourcade, der mit den Rennen in Finnland seine großartige Karriere beendete. Dies verkündete auch die Finnin Kaisa Mäkäräinen nach einer ebenfalls großartigen Laufbahn. Aber auch in Finnlands Wäldern herrscht jetzt Stille. Ob mit oder ohne Corona.

Ein Kommentar darüber wie es im Fußball weitergeht folgt noch in dieser Woche, selbstverständlich später auch noch eine Bilanz zum Wintersport. Auch ohne aktuellen Sport wird der Sport-Grantler sich melden, es sei denn, Corona schaut auch bei ihm vorbei…

Biathlon: Letztes Aufbäumen vor der Krise?

Im alpinen und nordischen Skisport werden Weltmeisterschaften im Zwei-Jahres-Rhythmus ausgetragen, da würde den Biathleten etwas fehlen, deshalb gibt es in jedem Jahr eine Weltmeisterschaft. Nach Östersund 2019 in Schweden ist jetzt vom 13. bis 23. Februar Antholz in Südtirol an der Reihe. Für die deutsche Mannschaft wird es eine besondere WM werden, es ist die erste nach dem Rücktritt von Super-Star Laura Dahlmeier, es könnte aber auch die erste sein, wo es für die erfolgsverwöhnten Biathleten Magerkost gibt. Ein Blick in die Zukunft sagt zudem, dass der Nachwuchs fehlt. Gibt es also ein letztes Aufbäumen vor der Krise? Die derzeitigen Stars sind alle um die 30. Das Ziel ist eventuell Olympia in Peking 2022. Und dann?

Biathlon ist der beliebteste Wintersport der Deutschen, das beweisen die Einschaltquoten im Fernsehen, da kommen höchstens die Skispringer bei der Vierschanzentournee vorbei. Erfolge locken bekanntlich an und nacheinander verwöhnten vor allem die Damen Magdalena Neuner, erfolgreichste Biathletin aller Zeiten (allein 12mal WM-Gold!), und Laura Dahlmeier, beste Biathletin bei einer WM mit fünfmal Gold in Hochfilzen 2017, die Fans. Ähnliche Ergebnisse sind in Antholz nicht zu erwarten, schon die Bilanz von Östersund vor einem Jahr mit je zweimal Gold und Silber sowie dreimal Bronze wird kaum wiederholbar sein. Das bedeutete immerhin Platz zwei in der Nationenwertung hinter Norwegen (5/3/1) und vor Italien (2/2/1). Das heute so starke Frankreich musste sich mit vier Medaillen (0/1/3) und Platz acht begnügen, weil Martin Fourcade sich eine Formkrise nahm.

Die Formkrise des einstigen Weltcup-Seriensiegers ist vorbei und Frankreich dominiert neben Norwegen in diesem Jahr das Biathlon-Geschehen. Wenn man nach den Chancen fragt, dann genügt ein Blick auf die Statistik: Bei den Herren führt Frankreich die Nationenwertung an vor Norwegen und Deutschland, bei den Damen dreht Norwegen den Spieß um und ist Erster vor Frankreich, Schweden und Deutschland. Immerhin sind also die Deutschen vorn mit dabei, wenn auch in der Verfolgerrolle.

Auch die Weltcup-Gesamtwertung gibt Aufschluss: Bei den Herren führt Martin Fourcade vor seinem Landsmann Quentin Fillon Maillet und dem Norweger Johannes Thingnes Bö, der an Boden verlor, weil er sich eine Babypause gönnte. Der frischgebackene Vater könnte mit frischem Elan aber der Dominator in Antholz werden. Bei den Damen hat sich zuletzt dank verbesserter Schießleistungen die Norwegerin Tiril Eckhoff nach vorn geschoben, vor der Südtirolerin Dorothea Wierer, die also ein Heimspiel hat, der Schwedin Hanna Oeberg und Denise Herrmann, der deutschen Hoffnung auf eine Medaille.

Ja, die deutschen Hoffnungen sind nicht besonders groß. Vor allem in den Staffeln will man nach Medaillen greifen, nach dem Motto „gemeinsam sind wir stark“. Im Team wird nicht nur Laura Dahlmeier vermisst, sondern einstige Größen haderten mit Formschwächen, so Franziska Hildebrand, Simon Schempp und auch Erik Lesser, der es zumindest in den WM-Kader schaffte, aber höchstens auf einen Staffel-Einsatz hoffen darf. Bei den Männern ruhen die Hoffnungen auf Benedikt Doll, Siebter im Weltcup (je vier Norweger und Franzosen unter den ersten zehn!) und Olympiasieger Arnd Peiffer (14.). Stabile Leistungen brachten zuletzt auch die anderen WM-Starter Johannes Kühn, Philipp Horn und Philipp Nawrath, doch für eine Medaille müsste schon alles passen.

Größere Fragezeichen gibt es bei den Damen, die vor allem auf die 31-Jährige ehemalige Langläuferin Denise Herrmann bauen, die sich im Schießen verbessert hat und vor einem Jahr immerhin mit einem kompletten Medaillensatz nach Hause fuhr, sie ist Titelverteidigerin in der Verfolgung. Auch Franziska Preuß hat das Potenzial für einen Podestplatz, doch sie muss krankheitsbedingt immer wieder Rückschläge hinnehmen und kommt somit kaum wirklich in Bestform. Eine Wackelkandidatin ist auch Vanessa Hinz, der oft beim Schießen die Nerven einen Streich spielen. Gesucht wird da noch die vierte Frau für die Staffel, aber egal ob Karolin Horchler oder Nachwuchshoffnung Janina Hettich, internationale Klasse haben beide nicht. Kein Wunder, dass die deutschen Mädchen in der Staffelwertung auch nur auf Platz sechs liegen.

Die Wetteraussichten für die WM-Tage auf dem Antholzer Hochplateau sind gut, oft soll die Sonne scheinen, aber ob sie dies auch für die deutsche Mannschaft tut, wird sich zeigen. Vielleicht kann der WM-Start mit der Mixed-Staffel am Donnerstag gleich für Schwung sorgen. Preuß, Herrmann, Peiffer und Doll hoffen auf eine Medaille. Die Fernsehzuschauer werden wieder mitfiebern, ZDF und ARD übertragen natürlich live. Laura Dahlmeier und Magdalena Neuner sind leider nur als Expertinnen dabei und werden Erinnerungen an glorreiche Zeiten wecken, sie aber am Mikrofon nicht zurückbringen.

Der Zeitplan: Donnerstag, 13. Februar, 14.45 Uhr: Mixed-Staffel. Freitag, 14.2., 14.45 Uhr: Sprint Frauen. Samstag, 15.2., 14.45 Uhr: Sprint Männer. Sonntag, 16.2., 13.00 Uhr: Verfolgung Frauen, 15.15 Uhr: Verfolgung Männer. Dienstag, 18.2., 14.15 Uhr: Einzel Frauen 15 km (alle ZDF). Mittwoch, 19.2., 14.15 Uhr: Einzel Männer 20 km. Donnerstag, 20.2., 15.15 Uhr: Single-Mixed-Staffel. Samstag, 22.2., 11.45 Uhr: Staffel Frauen 4×6 km. 14.45 Uhr: Staffel Männer 4.7,5 km. Sonntag, 23.2., 12.30 Uhr: Massenstart Frauen. 15.00 Uhr: Massenstart Männer (alle ARD).

Der Winter ist da – und macht Pause

Wenn Sie wissen wollen, ob der Winter schon da ist, lohnt es sich nicht, aus dem Fenster zu schauen und zu gucken, ob Schnee liegt. Meist ist es noch grün. Werfen Sie stattdessen lieber einen Blick ins Fernsehprogramm: Wenn es bei ARD oder ZDF am Wochenende von früh bis spät Wintersport gibt, dann ist der Winter da, auch wenn sich die Natur draußen noch herbstlich oder vielleicht sogar frühlingshaft gibt.

Es ist ja ein Phänomen, dass Wintersport im Fernsehen so beliebt ist. Mal sehen, ob dies so bleibt, nachdem ja viele Stars aufgehört haben und es in dieser Saison eine Higlight-Pause gibt. Ja, der Winter macht eine Pause, in punkto Weltmeisterschaften nämlich, zumindest in den Schnee-Sportarten, für die Alpinen und Nordischen Damen und Herren ist die Saison 19/20 ein Zwischenjahr (Olympia gibt es auch erst wieder 2022). Andere Sportarten wollen auf ihre jährlichen Weltmeisterschaften nicht verzichten. So hat Biathlon ab 13. Februar im Südtiroler Antholz seinen Höhepunkt, treffen sich die Bobfahrer im Februar in Altenberg, die Rodler müssen nach Sotschi und auch auf dem Eis haben Kunst- und Schnellläufer ihre Weltmeisterschaften. Ein bisschen was ist also schon los.

Aber was ist los in den einzelnen Sportarten und vor allem im deutschen Sport. Biathlon muss vor allem ohne seine Siegläuferin Laura Dahlmeier auskommen, die ihre Laufbahn beendet hat und eine neue Herausforderung bei der Berglauf-WM suchte. Deutsche Siege könnten da zur Mangelware werden, die Hoffnungen ruhen auf Denise Herrmann, wenn die ehemalige Langläuferin beim Schießen die Nerven im Griff hat, und Franziska Preuß, einst so hoffnungsvoll wie Dahlmeier. Bei den Männern ist Simon Schempp wieder an Bord und Arnd Peiffer wird scheinbar immer besser. Das könnte die Zuschauer am Bildschirm weiterhin begeistern, zumal die Damen mit Dorothea Wierer und Lisa Vitozzi zwei attraktive Italienerinnen als neue Stars anbieten, bei den Männern sich wohl weiterhin der Franzose Martin Fourcade und der Norweger Johannes Thingnes Bö packende Duelle liefern werden. Biathlon hat bei ARD und ZDF die höchsten Einschaltquoten.

Der alpine Skisport hat gleich vier Größen in den Ruhestand verabschieden müssen. Lindsey Vonn (USA), Marcel Hirscher (Österreich), Aksel Lund Svindal (Norwegen) und der Garmischer Felix Neureuther werden den Ski-Fans fehlen. Einzig der amerikanische Slalom-Star Mikaela Shiffrin steht wohl bereit, in diese Fußstapfen zu treten. Auf das Abschneiden der deutschen Läuferinnen und Läufer darf man gespannt sein, die Hoffnungen trägt vor allem die Riesenslalom-Spezialisten Viktoria Rebensburg. Aber auch für andere sollte der eine oder Podestplatz möglich sein, allerdings gab es auch schon wieder einige Ausfälle durch Verletzungen.

Für die Skispringer ist die Vierschanzentournee zur Jahreswende der Ersatz für eine Weltmeisterschaft, allerdings gibt es zumindest im März die Skiflug-WM in Planica. Die deutschen Adler stehen unter neuer Führung, ein Österreicher löste einen Österreicher ab, Stefan Horngacher heißt der neue Cheftrainer, der auf den erfolgreichen und beliebten Werner Schuster folgte und sich vorher Meriten in Polen erwarb. Auch er muss allerdings mit Verletzungen leben, so fällt Andreas Wellinger aus und Routinier Severin Freund ist nach einer Verletzungspause noch nicht in Form. Der Saisonstart um Weltmeister Markus Eisenbichler war nicht gerade vielversprechend.

Kleinere Brötchen müssen wohl auch die Rodler backen, vor allem die Rodlerinnen. Die Siegesserien der letzten Jahre sind wohl vorbei. Bei den Damen macht der Winter eine besondere Pause, nämlich eine Babypause, die überragende Natalie Geisenberger und die Nummer zwei, Dajana Eitberger, erwarten Nachwuchs. Dazu hängte Tatjana Hüfner den Rodel an den Nagel. Zeit also für Talente wie Junioren-Weltmeisterin Julia Taubitz, doch die großen Erfolge werden rarer werden.

Ganz andere Sorgen haben die Eisschnellläufer, da kracht es im Gebälk, der Verband gibt eine jämmerliche Figur ab. Streitereien sind an der Tagesordnung und so bleibt das Eis halt auch stumpf, die Deutschen laufen mehr oder weniger hinterher. Für Schlagzeilen sorgt allein die Eislauf-Oma Claudia Pechstein, die von Bundestrainer Bouwman aus dem Kader geschmissen wurde und gegen den Verband stänkert. Sie trainiert jetzt mit dem Team von Polen und ihr Lebensgefährte Matthias Große möchte die Führung im Verband übernehmen. Da ist weiterhin Knatsch vorprogrammiert und es tritt wohl erst dann Ruhe ein, wenn die 47-Jährige (!) Pechstein mal ihre Laufbahn beendet und Ruhe gibt. Doch wird es jemals dazu kommen?

Auch wenn Olympische Spiele und in einigen Disziplinen keine Weltmeisterschaft anstehen, auf Höhepunkte müssen die Wintersportfans nicht verzichten. ARD und ZDF können sich also weiterhin auf gute Einschaltquoten freuen.