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Tag: Dirk Nowitzki

Dirk Nowitzki ist der Größte

Der Mensch allgemein strebt immer nach dem Größten, nach dem Besten und wird im Laufe der Zeit immer unzufriedener, weil er es nicht erreichen kann. Zum Sport aber gehört das Streben nach dem Großen, dem Besten dazu, schließlich geht es um Bestleistungen und Meisterschaften. Zum Sport gehört aber auch das ewige Spielchen, wer ist eigentlich der oder die Größte oder Beste gewesen, wer hat den deutschen Sport am besten vertreten?

Eigentlich ist die Antwort einfach: Dirk Nowitzki ist im deutschen Sport der Größte. Am Mittwoch ging eine Basketball-Karriere zu Ende, die in Deutschland die Masse nicht von den Sitzen gerissen hat, die aber im Vergleich zu anderen Sport-Legenden einen bemerkenswerten Vorteil aufweist: Nowitzki war international anerkannt, er war in seinem Sport einer der Größten und Amerika lag ihm zu Füßen. Er war der beste Botschafter Deutschlands.

Natürlich gibt es viele deutsche Sport-Legenden, deren man sich immer gern erinnern kann. Am spektakulärsten waren vielleicht die Tennis-Stars Steffi Graf und Boris Becker, die für eine gewisse Zeit aus dem Fußball-Land Deutschland ein Tennis-Land machten. Aber sie waren Einzelsportler, während Dirk Nowitzki ein typischer Mannschaftssportler war, der mit seinem Können seine Mannschaft zum größtmöglichen Erfolg brachte. Dabei stach vor allem eines hervor: Der gebürtige Würzburger war der Star, aber er war auch der Diener im Team.

Davon profitierten die Dallas Mavericks in der nordamerikanischen NBA 21 Jahre lang. Nowitzki wurde nicht nur für seine Leistungen und seine Erfolge gefeiert, sondern vor allem für seine Menschlichkeit, sein bescheidenes Auftreten und seine so seltene Treue zu seinem Verein. „41.21.1“ waren die Kennziffern seines Abschieds: 41 die Rückennummer (und ab 19. Juni auch sein Alter), 21 Jahre bei den Dallas Mavericks und 1 dafür, dass er seine ganze NBA-Karriere lang bei einem Verein blieb. Die Mavs liebte er und die Fans liebten ihn, weil er auch auf Geld verzichtete, damit der Klubs sich verstärken konnte. So schaffte es der 2,13 m große Würzburger eine Mannschaft, die zu den schwächsten in Amerika gehörte, zum Titel zu führen. 2011 war dies, das wohl beste Jahr in seiner Karriere, als er auch zum besten Spieler der Finalserie gewählt wurde. Er hatte seinen Traum erfüllt, der blieb aber einzigartig. Eine Wiederholung dieses „Wunders“ schafften Nowitzki und die Mavericks nicht mehr.

Nowitzki aber stieg zu den Größten im Basketball auf, er wurde zu einem der größten Spieler der letzten 30 Jahre. Seine Rekorde sind nicht aufzuzählen, erster Meilenstein war, dass er in der Saison 2006/07 als erster Europäer zum wertvollsten Spieler einer Spielzeit gewählt wurde und mit 31540 Punkten ist er der Sechstbeste Korbjäger der NBA-Geschichte. Als er 1998 die Bühne in Dallas betrat, konnte dies keiner ahnen. Als er sich verabschiedete, verneigten sich auch die Fans in den Hallen der Gegner. Nowitzki waren allen ein Freund.

Dem deutschen Basketball ging der Größte leider ein wenig verloren. Seine Auftritte in der Nationalmannschaft waren nicht von dem Erfolg gekrönt, die seinem Können entsprach. Er opferte dafür seine Erholungszeit in der NBA-Pause, weil er sich dem Nationalteam verpflichtet fühlte. Auch dies zeigt seine Einstellung. Als Fahnenträger der deutschen Olympia-Mannschaft bei den Sommerspielen 2008 in Peking hat er auch hier eine Duftmarke gesetzt.

Dirk Nowitzki will sich erst einmal ausruhen und seinen geschundenen Körper pflegen. Der Körper war es, der ihm den Abschied vom Leistungssport signalisierte. Nun kann er sich seiner Familie widmen, seiner Frau Jessica und den Kindern Malaika (5), Max (4) und Morris (2 ½). Arbeitslos wird nun sein Trainer und Mentor Holger Gschwindner, der ihn entdeckte, förderte und zu Höchstleistungen führte, vor allem mit einem ausgeklügelten Sommertraining, dass den einst schmächtigen Würzburger Burschen zu einer Ikone des Basketballs machte. Und nicht nur das, Dirk Nowitzki ist wohl der Größte im deutschen Sport. Nicht nur durch seine Erfolge, sondern auch durch sein Auftreten, seine Bescheidenheit. Ein Vorbild für die Jugend.

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Basketball auf den Spuren des Fußballs

Wenn man nach den drei beliebtesten Sportarten in Deutschland fragt, dann bekommt man oft die Antwort: Fußball, Fußball, Fußball. König Fußball regiert und dominiert auch die Einschaltquoten im Fernsehen. Insofern stimmt die dreifache Fußball-Antwort, denn nicht nur die Bundesliga, sondern auch die zweite und sogar die dritte Liga im Fußball ziehen mehr Zuschauer im TV an als die Basketball-Bundesliga. Aber das geht jeder Sportart so. Kein Wunder also, dass alle anderen Sportarten danach lechzen, einmal aus dem Schatten des Fußballs zu treten. Das sollte dem Basketball jetzt mit der Europameisterschaft in gleich vier Nationen ein wenig gelingen. Vielleicht auch deshalb, weil sich Basketball dabei auf den Spuren des Fußballs bewegt.

Wie stolz war doch UEFA-Präsident Michel Platini auf seine Idee, die Fußball-Europameisterschaft 2020 auf ganz Europa zu verteilen, zum Jubiläum eine echte „Europameisterschaft“. Zwangsläufig wird hier Basketball zum Vorreiter, denn der kriegerische Konflikt in der Ukraine verhinderte die geplante Austragung in dem Land. So sprang Frankreich als Hauptveranstalter ein, die Vorrunden vom 5. bis 10. September werden auch in Deutschland, Kroatien und Lettland gespielt. Die entscheidenden Spiele finden dann vom 12. bis 20. September in Lille statt. Sinnigerweise in einem Fußballstadion! Das Stade Pierre-Mauray verfügt über zwei Ebenen und kann in eine Halle verwandelt werden. 27.000 Zuschauer kamen da zum Tennis-Davis-Cup gegen die Schweiz, jetzt hoffen die Franzosen auch auf ein Basketball-Fieber. Das dann wohl ausbrechen wird, wenn Frankreich seiner Rolle als Favorit gerecht wird.

Neben Frankreich gelten vor allem Spanien und Serbien als Titelanwärter. Deutschland muss da kleinere Brötchen backen, das Augenmerk liegt auf der Olympia-Qualifikation. Die beiden Finalisten sind direkt dabei, die Teams auf den Rängen drei bis sieben müssen bzw. dürfen in ein vorolympisches Qualifikationsturnier. Da will Deutschland dabei sein!

Zunächst gilt es, die Vorrunde zu überstehen, vier Nationen kommen weiter. Deutschland genießt den Heimvorteil in Berlin, hat aber harte Brocken als Gegner. Außenseiter ist allein Island, die Favoriten Serbien und Spanien gelten als unschlagbar, gegen die Türkei und Italien geht es also um Rang drei. Hoffnung: Die Türken verzichten freiwillig auf ihren besten Spieler Canter, die Italiener gelten als routiniert, aber langsam.

Dirk Nowitzki und der Traum von Olympia

Wer bei der Europameisterschaft vorne mitspielen will, der muss Verstärkung aus Übersee in seinen Reihen haben, nämlich Stars aus der NBA. Die diktieren das Spiel und machen den Unterschied aus. Deutschland hat einen alten und neuen Superstar dabei, die NBA-Größe Dirk Nowitzki und die NBA-Hoffnung Dennis Schröder, dazu spielt auch Tibor Pleiß künftig bei den Profis. Nowitzki bewegte seine müden Knochen noch einmal Richtung Europa, weil er noch einen Olympia-Traum hat. Peking 2008, als er Fahnenträger der deutschen Mannschaft war, war auch für den hartgesottenen Profi ein Erlebnis, das will er in Rio 2016 wiederholen. Damit dies klappt, muss aber wirklich alles passen. Nowitzki selbst vor allem in Bestform sein. Danach sah es in der Vorbereitung allerdings nicht aus. Aber wir wissen seit Katja Ebstein und ihrem Hit: Wunder gibt es immer wieder. Schröder soll ihn in der Führungsrolle unterstützen.

Zumindest für ein paar Stunden wird Basketball in Europa aus dem Schatten des Fußballs treten können, auch wenn die Spiele um die EM-Qualifikation den Fußball natürlich in die Schlagzeilen bringen. Frankreichs Basketballer zumindest aber könnten den Fußballern im eigenen Land die Show stehlen, schließlich sind die schon für 2016 qualifiziert.

Die Vorrunden-Gruppen der Basketball-EM:

Gruppe A (in Montpellier/Frankreich): Polen, Bosnien-Herzegowina, Israel, Russland, Frankreich, Finnlan.

Gruppe B (in Berlin/Deutschland): Deutschland, Island, Spanien, Serbien, Italien, Türkei.

Gruppe C (in Zagreb/Kroatien): Georgien, Niederlande, Mazedonien, Griechenland, Kroatien, Slowenien.

Gruppe D (in Riga/Lettland): Tschechien, Estland, Belgien, Lettland, Litauen, Ukraine.