Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: Dzsenifer Marozsan

Dortmund setzt die Bayern unter Druck

Die Bayern-Fans können beruhigt sein, die Profi-Abteilung Fußball des FC Bayern München existiert noch. Zuletzt war ja mehr von Borussia Dortmund die Rede oder eben von anderen Abteilungen der Münchner. Die Amateure schafften den Aufstieg in die 3. Liga und am Sonntag machten die Basketballer Vereinsboss Uli Hoeneß (ein bekennender Basketball-Fan) mit dem Gewinn der Meisterschaft glücklich. Ob allerdings die Fußball-Profis den ersten Mann im Verein in der neuen Saison glücklich machen können, das steht in den Sternen.

Das Heft des Handelns haben die Verantwortlichen bei Borussia Dortmund übernommen. Baustein für Baustein wird eine Meistermannschaft gebastelt, die Medien jubilieren schon und hoffen auf ein Ende der Bayern-Herrschaft mit sieben Titeln in Folge. Da heißt es eben „Dortmund lässt die Muskeln spielen“ oder „Dortmund vor dem Meister-Deal“ oder im Hinblick auf die Neuzugänge „Die neue Dimension“. Mit den Zugängen Hazard, Schulz, Brandt und vor allem Innenverteidiger Mats Hummels wurde die Mannschaft zielgenau verstärkt.

Und die Bayern? Die belassen es bei Ankündigungen, haben frühzeitig viel Geld ausgegeben (Hernandez 80 Millionen Euro, Pavard 35 Millionen) und nun herrscht Sendepause. Die Bayern vermeldeten nur Abgänge: Ribery, Robben, James, Rafinha, Hummels und wohl auch Boateng. Uli Hoeneß hatte vor vier Monaten vollmundig erklärt, „wenn Sie wüssten, wen wir alles schon fix haben“, nur um jetzt die zweifelnden Fans zu beschwichtigen, „wir werden am 15. August eine gute Mannschaft am Start haben“. Eine „gute“ heißt aber noch lange nicht ein Meisterteam!

Ein Blick auf jeweils die erste Elf nach Stand der Dinge lohnt sich, jeder kann sich selbst einen Reim machen, welches die Meistermannschaft ist, wobei es bei den Bayern nach den Abgängen vor allem in der zweiten Reihe fehlt. So könnte Dortmund spielen: Bürki – Hakimi, Akanji, Hummels, Schulz – Witsel, Delaney – Sancho, Brandt, Hazard – Reus. Die mögliche Bayern-Elf: Neuer – Kimmich, Süle, Hernandez, Alaba – Martinez, Thiago – Gnabry, Müller, Coman – Lewandowski.

Bezeichnend, dass es in punkto Verstärkungen auch in den anderen Teams der Bayern-Fußballer stockt. Die Bayern II haben ebenfalls mehr Abgänge als Zugänge zu verzeichnen, nehmen vor allem Talente aus den U19 hinzu und derzeit ist es zweifelhaft, ob die Mannschaft stark genug für die 3. Liga ist. Da muss der neue Coach Sebastian Hoeneß, Sohn von Dieter Hoeneß, besonders gute Arbeit leisten. Auch die Frauen, die ja eigentlich Meister VfL Wolfsburg wieder herausfordern und regelmäßig in der Champions League spielen wollen, verzeichnen noch viel mehr Abgänge als Zugänge. Sie bleiben ein Spitzenteam, aber es gilt die Einschätzung wie bei den Männern, das ist keine Meistermannschaft. Egal, wie das Wetter ist, die Bayern haben noch einen heißen Sommer vor sich.

U21 hat das erste Ziel geschafft

Sie haben aufgetrumpft, als wollten sie die Welt einreißen und der EM-Titel schien fast schon vergeben. 3:1 gegen Dänemark, 6:1 gegen Serbien, das Stürmer-Duo Marco Richter (Augsburg) und Luca Waldschmidt (Freiburg) auf Wolke sieben, die jungen Burschen wollten die Welt einreißen. Der Dämpfer folgte auf dem Fuß, der Höhenflug ist beendet mit dem 1:1 gegen Österreich. Aber harte Arbeit schadet in dem Fall auch nicht, denn der Boden der Tatsachen ist nicht allzu hart. Zwei Ziele erreicht, nämlich – Ziel eins – der Einzug ins Halbfinale und der bedeutet Ziel zwei geschafft, die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Glückwunsch deshalb, der EM-Titel, die erfolgreiche Titelverteidigung also, wäre eine prima Zugabe. Ein bisschen Höhenflug darf also schon noch sein.

In der Höhe auch die Frauen, im Austragungsort Grenoble in den französischen Alpen nämlich. Ein Höhenflug ist bei ihnen allerdings nicht zu erkennen, von Anfang galt vor allem das Motto der harten Arbeit. Die Erfolge in der Gruppe und jetzt im Achtelfinale das 3:0 gegen Nigeria waren geprägt vom Kampfgeist und nicht von spielerischer Klasse. Dabei zeigte sich, dass Nigeria als Gegner schon ein Glücksfall war. Hätte Chile zum Abschluss gegen Thailand aus dem 2:0 ein 3:0 gemacht (Latte), wäre Brasilien der Gegner gewesen. Und wie schwer diese Aufgabe gewesen wäre, musste Gastgeber und Mitfavorit Frankreich erkennen, der glücklich in der Verlängerung mit 2:1 gewann. So geht die französische Party weiter und der Frauen-Fußball feiert ein Fest. Was allerdings insgesamt auffällt, ist, dass die spielerische Qualität nicht im Vordergrund steht, vor allem die Passgenauigkeit ist mangelhaft. Was das deutsche Team angeht, so könnte Spielmacherin Dzsenifer Marozsan das Niveau wieder heben, sie will trotz Zehenbruch spielen. Die DFB-Frauen schielen bekanntlich auch nach Olympia und müssen dafür unter die besten drei Teams Europas kommen. Möglich, dass die Europäerinnen im Halbfinale unter sich sind, dann würde das Spiel um Platz drei zudem ein Endspiel für Olympia!

Großes Interesse finden U21 und Frauen in Deutschland auch in der Öffentlichkeit. Die TV-Quoten sind der Maßstab und da sind die DFB-Teams bei ARD und ZDF immer Tagessieger. Beide Mannschaften holten am Wochenende neue Bestleistungen für die aktuellen Turniere, die U21 haben dabei mit 6,97 Millionen Zuschauern am Sonntag beim 1:1 gegen Österreich die Nase vorn, die Frauen können aber auch auf 6,49 Millionen am Samstag um 17.30 Uhr stolz sein, der Marktanteil betrug dabei beeindruckende 39,9 Prozent, die U21 hat da nur 25,5 % entgegenzusetzen. Fans und Spieler träumen jetzt von den Finals. Neue Zuschauerrekorde wären garantiert.

Werbeanzeigen

Das Motto beim DFB heißt Jugend forsch

„Jugend forscht“ heißt ein Wettbewerb in Deutschland, der bei den jungen Leuten den Erfindergeist wecken soll und sie zu außergewöhnlichen Ideen führen soll. Der deutsche Fußball hat auch die Jugend entdeckt, beim DFB heißt es in Anlehnung daran „Jugend forsch“. Das fällt nämlich bei den Nationalmannschaften auf: Jogi Löw hat bei den Männern endlich den Neuaufbau eingeleitet und ähnlich verfuhr bei den Frauen die neue Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg. Das Ergebnis kann sich bisher sehen lassen. Zu diesem Motto gehört aber auch die U21 der Männer, die vor der Europameisterschaft steht. Jugend forsch stimmt deshalb, weil eine erfolgreiche Titelverteidigung anvisiert wird.

Bundestrainer Joachim Löw war bei der Nationalmannschaft zwar nicht dabei, aber der Heilungsprozess seiner Verletzungen nach einem Sportunfall wurde angesichts der Ergebnisse und Leistungen seiner Schützlinge sicherlich beschleunigt. 2:0 in Weißrussland und 8:0 gegen Estland waren mehr als nur Pflichterfüllung. Erfreulich vor allem, dass die junge Mannschaft mit Elan, spielerischer Leichtigkeit und Freude beeindruckte. Es wurde deutlich, dass nach der Ära von Lahm, Schweinsteiger und Co. mit dem WM-Titel 2014 als Höhepunkt jetzt eine neue Zeitrechnung begonnen hat, die verheißungsvoll aussieht. Ob es erneut zu Titelgewinnen reicht, muss sich erst zeigen. Die Europameisterschaft 2020 könnte zu früh kommen.

Vor allem die flexible Angriffsreihe macht Freude, aber da heißt es Vorsicht: Leroy Sane, Serge Gnabry und Marco Reus sind alle verletzungsanfällig. Wie sie aber mit Spielfreude, technischem Können und Tordrang die gegnerischen Abwehrreihen unter Druck setzen macht beim Zuschauen Spaß. Sie sind die Gewinner des Neuaufbaus, aber sie sind nicht allein. So hat sich Joshua Kimmich als Chef im Mittelfeld etabliert (obwohl er bei Bayern München als Rechtsverteidiger auch nicht wegzudenken ist), Ilkay Gündogan hat Werburg für sich betrieben und könnte einen Toni Kroos verdrängen, der ein Spiel eher aufhält. Auch Leon Goretzka hat gezeigt, dass er ein Gewinn für das Team sein kann, ebenso Julian Draxler. Und dahinter drängen Kai Havertz, Julian Brandt und Timo Werner auf einen Einsatz. Die Offensive ist fast ein Schlaraffenland für Jogi Löw, anders sieht es bei der Defensive aus, die wird im September getestet.

In der EM-Qualifikation hatte bisher nur das 3:2 in den Niederlanden besonderen Wert, die Siege über Weißrussland und Estland waren Pflichtaufgaben. Die Weichen werden am 6. September beim Rückspiel gegen die Niederlande und am 9. September in Nordirland gestellt. Nordirland entledigte sich seiner Pflichtaufgaben bisher ohne Punktverlust, wenn auch mit Glück und Können mit Toren oft in den letzten Minuten. Das ist auch eine Qualität. Der Härtetest folgt also erst, mit einer Begeisterung wie jetzt im Juni sollte es aber auch im September zu Beginn der neuen Saison klappen.

Olympia 2020 in Tokio lockt

Die U21 und die Frauen-Nationalmannschaft haben eines gemeinsam: Bei ihren Turnieren geht es nicht nur um den Titelgewinn, sondern vor allem auch um die Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio. Das Halbfinale muss jeweils dafür erreicht werden.

Die U21 tritt bei der Europameisterschaft in Italien und San Marino vom 16. bis 30. Juni als Titelverteidiger an. 2017 besiegte das Team von Bundestrainer Stefan Kuntz Favorit Spanien mit 1:0. Es war der zweite Titelgewinn nach 2009. Damals hatte Coach Horst Hrubesch eine erfolgreiche Generation, denn die Neuer, Hummels, Boateng, Khedira, Özil und Höwedes wurden später 2014 Weltmeister. Von den 17ern wurde bisher nur Gnabry Stammspieler bei Jogi Löw, Niklas Stark und Thilo Kehrer befinden sich im weiteren Kreis.

Und 2019? Auffallend, dass Jogi Löw bei seinem Motto „Jugend forsch“ der U21 die Stars geklaut hat: Leroy Sane, Julian Brandt, Kai Havertz, Thilo Kehrer und Timo Werner könnten nämlich Stefan Kuntz helfen, leichter an den Pokal zu kommen. Das A-Team geht halt vor. Immerhin wurden Lukas Klostermann und Jonathan Tah vom A-Team wieder zur U21 beordert, weil sie dort schon in der Qualifikation Führungsfiguren waren. Und wer könnte künftig noch bei Jogi Löw auftauchen? Torhüter Alexander Nübel (Schalke) vielleicht, Maximilian Eggestein (Bremen) spielte schon mal vor, ebenso wie Benjamin Henrichs (Monaco) und auch Mahmoud Dahoud (Dortmund) macht sich Hoffnungen.

Gruppengegner sind Dänemark (17.6.), Serbien (20.6.) und Österreich (23.6., jeweils 21.00 Uhr). Insgesamt sind 12 Nationen am Start, aufgeteilt in drei Gruppen, nur die Gruppensieger und der beste Gruppenzweite kommen ins Halbfinale. Bei den Gegnern trifft Deutschland auf bekannte Gesichter, wie Brunn Larsen (Dortmund) bei Dänemark und Luka Jovic (Frankfurt, bald Real Madrid) bei Serbien. Österreich ist überhaupt erstmals dabei und hat sechs Bundesligaspieler nominiert. Die Gegner sind nicht zu unterschätzen, aber als Favoriten gelten eher Spanien (das seinen 5. EM-Sieg will), England und Frankreich.

Die Frauen haben ihre Weltmeisterschaft begonnen, das 1:0 gegen China wurde mit Hängen und Würgen erzielt, allerdings stoppte die kanadische Schiedsrichterin nicht die Härte der Chinesinnen, die ihnen von ihrem Trainer mit deutlichen Gesten verordnet wurde. Das war Treten und kein Fußball. Leidtragende vor allem Spielmacherin Dzsenifer Marozsan, die mit einem Zehenbruch vorerst ausfällt.

Mit Elan soll es dennoch in die nächste Runde gehen, Jugend forsch gilt auch bei den Frauen, Deutschland stellt mit einem Durchschnittsalter von 25 Jahren und 10 Monaten das fünftjüngste Team. Das älteste Team hat die USA, nämlich 29 Jahre genau. So alt ist auch ihre Torjägerin Alex Morgan, die beim 13:0 gegen Thailand den Rekord von fünf Toren in einem Spiel einstellte. Alter schützt also vor Leistung nicht, das 13:0 bedeutet ebenso Rekord, wie die Tatsache, dass die USA sieben verschiedene Torschützinnen hatte. Ansonsten waren die ersten Spiele eher von biederer Qualität, die schwächeren Teams stemmten sich mit Härte und Abwehrarbeit gegen Niederlagen. Es kann nur besser werden. Eine erste Bilanz ist nach der Gruppenphase fällig.

Die Nations League der Männer hat ihren ersten Sieger und Cristiano Ronaldo ist glücklich. Beim 1:0 gegen die Niederlande erzielte er ausnahmsweise nicht das goldene Tor, er freute sich dennoch über einen ersten Pokal, den er auf heimatlichen Boden in Portugal erringen konnte (bei der Europameisterschaft war ihm das nicht vergönnt). So hat die Nations League zumindest einen glücklich gemacht, allerdings hat der Wettbewerb durchaus seine Daseinsberechtigung gezeigt, ist aber auch noch nicht zu Ende. 2020 werden noch Fahrkarten für die EM 2020 ausgespielt.