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Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: Frankreich

Begeisterung für die Frauen-WM – Die Klasse fehlt

Die Fußball-Frauen stehen derzeit im Mittelpunkt. Wir dürfen annehmen, dass dies mit ihrer Weltmeisterschaft in Frankreich weltweit der Fall ist. Im Gastgeberland ist die Stimmung zumindest in den Stadien beeindruckend und so wird die WM ein Highlight. Aber auch Deutschland fiebert mit den Frauen mit, das beweisen die Einschaltquoten im Fernsehen. Natürlich sind sie nicht so hoch wie bei den Männern, wo WM-Spiele beinahe eine nationale Angelegenheit sind, aber das DFB-Frauenteam darf Begeisterung für sich verbuchen. 6,15 Millionen sahen an den Bildschirmen am vergangenen Mittwoch um 18.00 Uhr das 1:0 gegen Spanien, das war der Zuschauerrekord für den Tag, mehr also als alle Sendungen zur sogenannten Prime time nach 20.00 Uhr. Ein besonderer Sieg auch am Montag neben dem 4:0 über Südafrika, denn 5,99 Millionen sahen zu. Bei einem Marktanteil von 32,4 Prozent heißt das, dass jeder Dritte, der um diese Zeit ferngesehen hat, sich für Fußball interessierte. Damit schlugen die Frauen auch die U21 der Männer, die am Abend ab 21.00 Uhr sportlich ebenfalls mit dem 3:1 über Dänemark beeindruckte, aber da interessierte sich nur jeder Fünfte dafür, die 4,92 Millionen Zuschauer bedeuteten einen Marktanteil von 20 %.

Die Stimmung bei den Zuschauern ist also gut, auch die Stimmung in der Mannschaft, die sich gegen China, Spanien und Südafrika mit 6:0 Toren frühzeitig und eben ohne Gegentreffer für das Achtelfinale qualifiziert hatte. Eine Steigerung von Spiel zu Spiel ist erkennbar, doch bei der „Tour de France“, wie Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg die Rundreise durch Frankreich bezeichnet hat, kommen die schweren Bergetappen erst noch. In die Berge geht es schon im Achtelfinale am Samstag, nämlich nach Grenoble. Der Gegner sollte kein (Berg)Riese sein, ist es doch ein Drittplatziertes Team der Vorrunde.

Sportlich ließen die Gruppenspiele zu wünschen übrig, wirklich gute Spiele lassen sich an den Fingern einer Hand abzählen. Wie immer, so hat auch bei der Frauen-WM die Aufstockung auf 24 Nationen das Niveau eher gedrückt. Die schwächeren Nationen suchen ihr Heil, um ein ehrenvolles Resultat oder vielleicht sogar ein Pünktchen zu ergattern, in Mauertaktik und Härte. Ihre spielerischen Mittel sind meist begrenzt. Wie bei den Männern auch ist es so, dass es erst ab dem Viertelfinale richtig interessant wird. Mit ihrem Gruppensieg haben die deutschen Mädchen zumindest die Weichen dafür gestellt, dass nach der Papierform die großen Favoriten USA und Frankreich erst im eventuellen Finale der Gegner sein werden. Bisher hat allerdings nur die USA überzeugt, Frankreich hangelte sich mit knappen Resultaten (2:1 gegen Norwegen, 1:0 gegen Nigeria, dazu 4:0 gegen Südkorea) ins Achtelfinale. Die Klasse fehlt also noch, die Mannschaften wollen ihr Können wohl erst in den entscheidenden Spielen zeigen. Das müssen die USA und die Gastgeberinnen bald, denn sie könnten im Viertelfinale aufeinandertreffen. Das wäre dann ein vorgezogenes Endspiel.

Guter Start der U21

Die Deutsche Nationalmannschaft der U21 startete bei der Europameisterschaft in Italien und San Marino also im Schatten der Frauen. Mit Erfolgen könnte das Team von Bundestrainer Stefan Kuntz aber bald aus dem Schatten treten. Der Auftakt war schon mal vielsprechend, denn spielerisch klappte einiges und der Augsburger Marco Richter zeigte einen bemerkenswerten Torriecher und stellte mit zwei Treffern und einer Vorlage die Weichen zum 3:1-Erfolg über Dänemark. EM-Neuling Österreich sorgte davor in dieser Gruppe für eine Sensation mit einem 2:0 gegen die favorisierten Serben. Jetzt fragt man sich im deutschen Lager, wer denn der große Gegner auf dem Weg ins Halbfinale sein kann. Serbien mit Frankfurts Torjäger Jovic wurde am meisten gefürchtet. Vielleicht sind sie jetzt doppelt gefährlich, weil angeschlagen. Sie kämpfen am Donnerstag um ihre letzte Chance. Wie bereits geschrieben, haben die Frauen und die U21 das gleiche Ziel, nämlich das Halbfinale, dass das Ticket für Olympia 2020 in Tokio bedeutet.

Mats Hummels sorgt für das Hammer-Gerücht

Abseits vom Geschehen auf dem Rasen bleibt der Fußball vor allem durch Spielertransfers im Gespräch. Dabei sind für die Öffentlichkeit die Gerüchte interessanter als die Vollzugsmeldungen, die am Ende der Spekulationen stehen. Das Hammer-Gerücht rankt sich jetzt um Ex-Nationalspieler Mats Hummels. Er soll angeblich vor der Rückkehr nach Dortmund stehen. Vor drei Jahren war er vor Trainer Thomas Tuchel geflohen mit einer Rückkehr in die alte Heimat nach München, wo seine Karriere begann. Von 2008 bis 2016 spielte er dann in Dortmund, wurde Deutscher Meister (2011, 2012) und DFB-Pokalsieger (2012) mit den Borussen, verlor aber das Finale der Champions League gegen die Bayern. Jetzt ist wieder eine Flucht vor dem Trainer bzw. der Konkurrenz möglich. Hummels befürchtet wohl, hinter der Nummer 1 der Bayern-Innenverteidiger, Niklas Süle, und den Neuzugängen Hernandez und Pavard zum Bankdrücker zu werden.

Der Wechsel könnte für den Spieler also Sinn machen, die Frage ist, welcher Verein davon mehr profitiert. Erst die neue Saison kann die Antwort geben. Hummels wurde bekanntlich von Bundestrainer Joachim Löw ausgebootet, das stachelte aber offensichtlich seinen Ehrgeiz an und er zeigte in der Bundesliga-Rückrunde überzeugende Leistungen. Das Fachblatt kicker stufte ihn in seiner halbjährlichen Rangliste prompt als besten Innenverteidiger der Liga ein. Dortmund könnte also damit den gesuchten routinierten Abwehrspieler für die jungen Nebenleute verpflichten und ein stärkerer Konkurrent für die Bayern werden. Die allerdings können auch profitieren, dann nämlich, wenn die Neuzugänge einschlagen, aber nur dann. Denn dann hätte man durch den Abgang von Hummels auch mehr Ruhe in der Mannschaft gewonnen.

In punkto Verstärkungen für die neue Saison macht derzeit Borussia Dortmund den Wirbel. Mit Nico Schulz (Hoffenheim), Julian Brandt (Leverkusen) und Thorgan Hazard (Gladbach) wurde schon mächtig aufgefrischt. Die Bayern gaben das Geld für einen Spieler aus, nämlich Hernandez. Im Gespräch sind noch die Flügelflitzer Leroy Sane (Manchester City) und Timo Werner (RB Leipzig) und dazu der Mittelfeldabräumer Rodrigo von Atletico Madrid. Stars, die viel Geld kosten und einen Umbruch bewältigen sollen, der der Mannschaft mehr Frische und Schnelligkeit verleiht. Aber noch liegen die großen Aufgaben vor den Bayern. Dortmund hat bereits Tatsachen geschaffen, die Bayern befinden sich noch im Gerüchte-Status. Fortsetzung folgt.

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WM als Turbo: Frauen kämpfen um mehr Anerkennung

Frankreich ist ab Freitag Gastgeber der 8. Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen. Die Premiere fand 1991 in China statt, die USA wurde erster Weltmeister, die Frage heute lautet, ist das Turnier eine Erfolgsgeschichte oder nicht? Die Antwort ist nicht einfach, natürlich haben sich die Frauen im Fußball etabliert, aber eine Hauptrolle spielen sie nicht. Gerade vor der WM in Frankreich ist das Aufbegehren deshalb besonders groß, die Frauen ringen um Anerkennung und hoffen auf diese WM als Turbo für mehr Aufmerksamkeit.

Das gilt nicht allein für Deutschland, sondern international. Kleine Beispiele gefällig. Die US-Spielerinnen vom Titelverteidiger kritisieren den Weltverband, weil die Endrunde mit der Copa Amerika in Brasilien und dem Gold Cup der Männer kollidiert. Die Australierinnen dachten über einen Boykott nach, weil sie sich bei den Prämien benachteiligt sehen. Dabei wird auch die FIFA wieder kritisiert, denn ganze 30 Millionen Dollar sind das ausgelobte Preisgeld für 24 Nationen, bei der WM 2018 der Männer in Russland gab es 400 Millionen für 32 Teams. Noch Fragen? Die beste Fußballerin der Welt, Ada Hegerberg, verzichtet auf die WM, weil sie in ihrer Heimat Norwegen die Verbandsstrukturen für den Frauen-Fußball zu unprofessionell findet.

Für die deutschen Mädchen hat eine PR-Agentur einen besonderen Werbespot für die Commerzbank inszeniert, der in der Öffentlichkeit einschlug und manche Aussage auf die Schippe nahm. In Umkehrung des legendären Spruchs von Nationaltorhüter Oliver Kahn über mehr Mut im Spiel („Wir brauchen Eier“) heißt es da bei den Mädchen „wir brauchen keine Eier, wir haben Pferdeschwänze“ und dann folgt die Klage: „Wir spielen für eine Nation, die unsere Namen nicht kennt.“

Vielleicht kennen am Ende des Turniers in Frankreich alle in Deutschland die Namen der Spielerinnen, doch dafür müssen sie wohl auch Weltmeister werden. Deutschland holte bisher zweimal den Titel, 2003 in den USA mit Tina Theune als Trainerin und bei der erfolgreichen Titelverteidigung 2007 in China (ohne Gegentor!) unter Silvia Neid, die Deutschland 2016 zudem zum Olympiasieg in Brasilien führte. Erfolge sind also da, zumal das DFB-Team mit acht Titeln auch in Europa dominierte. Genügend Gold also, um in der Öffentlichkeit bekannt zu werden. Doch der Hype um das Team war nie von Dauer, mit dem Alltag der Bundesliga verschwanden die Mädchen wieder aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit. Trauriger Beweis: Gerade mal 833 zahlende Zuschauer im Schnitt kommen zu den Spielen der Bundesliga (lesen Sie zu diesem Thema auch den Kommentar vom 3. Mai „Frauen-Fußball schafft den Durchbruch nicht“).

Wird mit Frankreich alles besser? Alle hoffen auf eine stimmungsvolle WM und vor allem auf viel Spannung. Der Kreis der Favoriten war noch nie so groß. Bisher gewannen nur vier Nationen den Titel, neben zweimal Deutschland noch dreimal die USA (1991, 1999, 2015), Norwegen 1995 und Japan 2011 sensationell in Deutschland, als der Gastgeber im Viertelfinale geschlagen wurde. Diese Nationen gehören alle wieder zum Favoritenkreis, dazu aber ebenso Gastgeber Frankreich, Europameister Niederlande, England, Schweden und Australien. Diesbezüglich darf man schon sagen, dass sich viel getan hat.

Bei Deutschland steht die Bewährungsprobe für die neue Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg an, die gewissermaßen die unglückliche Steffi Jones als Nachfolgerin von Silvia Neid beerbt hat, mit Helfer Horst Hrubesch als Zwischenlösung, der die Mannschaft wieder in die richtige Spur geführt hat. Martina Voss-Tecklenburg hat den Umbruch beschleunigt und eine junge Mannschaft nominiert, die wenig Turniererfahrung hat. Begeisterung, Elan und Schnelligkeit sollen das Manko ausgleichen. Gruppengegner sind China, Spanien und Südafrika, der Gruppensieg sollte sein, um den USA aus dem Wege zu gehen. Ziel ist das Halbfinale, denn das würde auch die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio bedeuten. Das Ticket in Europa bekommen nur die besten drei Teams, was bei der Konkurrenz (siehe oben) schwer genug ist. Andererseits gibt es einige Führungsspielerinnen im Team, die für Halt sorgen sollten, angefangen von Torhüterin Almuth Schult, über Kapitänin Alexandra Popp, Mittelfeld-As Dzsenifer Marozsan (Champions-League-Siegrin mit Lyon) und dem Münchner Mittelfeld-Duo Melanie Leupolz und Sarah Däbritz (künftig Paris).

Jogi Löw stiehlt die Show

Aufmerksamkeit im Fernsehen gibt es für die Mädchen genug, ARD und ZDF übertragen alle Spiele, wenn auch zum Teil nur im Streaming im Internet. Aber bei den deutschen Spielen können die deutschen Fans immer dabei sein, rund vier Millionen sind es ja schon bei „normalen“ Länderspielen. Und dennoch wird auch in Deutschland den Fußball-Frauen wieder die Show gestohlen, denn auch Bundestrainer Joachim Löw ist mit seiner Mannschaft präsent. Die DFB-Männer bestreiten zwei Spiele in der Qualifikation zur Europameisterschaft 2020. Am Samstag sind sie in Weißrussland und am Dienstag erwarten sie in Mainz Estland als Gegner. Siege sollten da eine Selbstverständlichkeit sein. Auch wenn der Bundestrainer selbst im Krankenstand nur TV-Zuschauer ist, die Schlagzeilen werden Manuel Neuer und Co. gehören, wobei es ja zumindest eine Gemeinsamkeit gibt, beide Teams wollen die Verjüngung bewältigen. Aber schon im Vorfeld war der Zuspruch für die Männer groß, die sich dem neuen Motto „Nähe zu den Fans“ verschrieben haben und sich bei einem Trainingsspiel in Aachen als Stars zum Anfassen präsentierten. Die Nähe zu den Fans, die muss man die Mädchen nicht diktieren, sie haben die Nähe zu den Fans noch nicht verloren und wollen noch mehr Nähe, sprich eben Anerkennung, gewinnen.

Beifall für einen Selbstdarsteller

Den Fußball-Frauen die Show gestohlen hat auch die FIFA selbst, denn die hielt ihren Verbandskongress ab, um Präsident Gianni Infantino per Huldigung die Amtszeit für weitere vier Jahre zu verlängern. Es war nur Zufall, dass auch US-Präsident Donald Trump gerade „nebenan“ in England weilte, aber die Gemeinsamkeiten der beiden größten Witzfiguren, die sich selbst in ihrem Metier für die Größten halten, aber meist nur Unsinn verzapfen, ist unübersehbar, aber die Welt als Ganzes und die Fußball-Welt im Kleinen leiden unter ihnen. Beide halten sich für unfehlbar, beide machen Kritiker mundtot und Meldungen gegen sie sind dann ganz einfach „Fake News“. Trump lieferte in London einen skurrilen Beweis, als er auf die Proteste gegen ihn angesprochen wurde: „Ich werde überall geliebt, ich habe keine Proteste gesehen, das sind nur Fake News“. Hat er halt nicht aus dem Fenster geschaut.

Ähnlich trumpfte Infantino auf, als er behauptete, „die neue FIFA steht für Offenheit, Einigkeit und Führungsqualitäten“. Das hat mit der Realität aber auch rein gar nichts zu tun, Kenner sagen, es wurde seit dem Sturz von Joseph Blatter alles nur schlimmer, aber Infantino hat es sogar geschafft, die Schweizer Bundesanwaltschaft auszutricksen. In perfider Art und Weise hat er alle Kritiker kaltgestellt und lässt sich feiern, weil die großen Nationen, die auch nur eine Stimme haben, gegen die vielen kleinen Länder auf verlorenem Posten stehen. Und so heißt es zum Beispiel aus Nigeria „wir lieben Infantino“, weil die Gelder fließen und laut Süddeutscher Zeitung dürfen sich Afrikas Verbandschefs 20 Prozent der Fördergelder ganz offiziell in die eigene Tasche stecken. Das ist das System Infantino, der Regeln bricht, weil er seine eigenen Regeln aufstellt. Statuten interessieren ihn genauso wenig, wie die Tatsache, dass die FIFA immer mehr an Ansehen verliert. Infantino bastelt sich seine eigene Welt wie eben Donald Trump auch.

Und Vorsicht Europa! Infantino kritisierte laut kicker Europas Monopol. „Das große Geld konzentriert sich in zehn Klubs in fünf Ländern in Europa. Und nur zehn Nationalteams können Weltmeister werden, fast alle kommen aus Europa“ Er wolle, dass 50 Klubs und 50 Nationalteams aus aller Welt siegen können. Befall aus Afrika und Asien sicherlich für Infantino den Träumer.

Eine Biathlon-WM zwischen Hoffen und Bangen

Die Nordische Ski-Weltmeisterschaft ist gerade mit großartigen Erfolgen der deutschen Mannschaft zu Ende gegangen, da beginnt am Donnerstag, 7. März, die Biathlon-Weltmeisterschaft in Östersund/Schweden, die bis zum 17. März dauert und mehr oder weniger den Abschluss des WM-Reigens im Wintersport bildet (Eiskunstlauf ab 18. 3., Eishockey mutiert mit der WM im Mai quasi zur Sommersportart). Egal, ob es sich um die deutsche Mannschaft handelt oder Biathlon insgesamt, die 50. Titelkämpfe werden eine WM zwischen Hoffen und Bangen.

Das gilt nicht nur für den Sport, sondern Funktionären und Sportlern sitzt vor allem die Doping-Angst im Nacken. Die Doping-Razzia von der Nordischen Ski-WM in Seefeld und die Überführung von Doping-Sündern wirft nämlich auch die Frage auf, wie sauber denn der Biathlonsport ist. Da rückt vor allem die russische Mannschaft in den Blickpunkt, deren Doping-Praktiken vom Weltverband erwiesenermaßen vertuscht wurden, auch wenn nicht alles aufgeklärt wurde. Es mutet schon seltsam an, dass der ertappte Dopingsünder Alexander Loginow nach seiner Sperre jetzt wieder vorne mitläuft. Man mag ihm glauben, doch Zweifel bleiben, wenn er sagt, er sei sauber. So läuft einerseits die Angst vor einer weiteren Doping-Razzia mit, andererseits muss jeder froh über Aufklärung und ertappte Sünder sein. Die Augen verschließt auch der französische Star Martin Fourcade nicht: „Biathlon ist eine Sportart, die wohl immer mit Doping rechnen muss.“

Aber konzentrieren wir uns auf den Sport, dort spielt Martin Fourcade auch eine große Rolle, für den Seriensieger der letzten Jahre könnte es diesmal aber eine kleine Rolle werden. Fourcade kämpfte in diesem Jahr gegen eine Formkrise an und ließ zuletzt einige Rennen aus, um sich wieder in Bestform zu bringen. Ob es geklappt hat? Zu schlagen gilt es den Norweger Johannes Thingnes Boe, der den Weltcup souverän anführt und 12 von 18 Rennen gewonnen hat. Er ist dabei, einen neuen Siegesrekord für eine Saison aufzustellen, zumal die WM-Rennen auch zum Weltcup gehören. Bei den Frauen ist die Favoritenrolle nicht so deutlich verteilt, da liegen die Italienerinnen Lisa Vittozzi und Dorothea Wierer vorn vor Marte Olsbu-Roeiseland (Norwegen), Anastasija Kuzima (Slowaki) und Kaisa Mäkarainen (Finnland). Sie sind alle für Siege gut, werden aber auch auf eine schauen: Auf Laura Dahlmeier aus Garmisch-Partenkirchen.

Laura Dahlmeier war die Königin der letzten Weltmeisterschaft 2017 in Hochfilzen. Sie gewann gleich fünf Goldmedaillen und einmal Silber und stellte damit wohl einen Rekord für die Ewigkeit auf. Da zudem Benedikt Doll im Sprint und Simon Schempp im Massenstart gewannen, blieben für den Rest der Welt nur vier Goldene übrig. Das wird in Östersund anders sein, die Goldenen hängen hoch.

Bei den Männern dominierte wie gesagt in dieser Saison der Norweger Boe, andererseits aber auch die Franzosen, die inzwischen nicht nur Martin Fourcade haben, sondern insgesamt vier Läufer und den ersten Sieben im Weltcup! Bester Deutscher ist Arnd Peiffer auf Rang acht. Titelverteidiger Schempp fehlt ja leider wegen Formschwäche nach gesundheitlichen Problemen, aber Peiffer, Doll und Erik Lesser greifen zumindest nach Medaillen. In der Staffel könnte Schempp als starker Schlussläufer am meisten fehlen, Johannes Kühn in seinem ersten vollen Weltcupjahr wird wohl der Vertreter sein. Norweger und Franzosen sind aber kaum zu schlagen.

Bei den Frauen versucht die Königin von Hochfilzen die Erwartungen zu dämpfen, denn Laura Dahlmeier hatte bekanntlich ein Jahr mit gesundheitlichen Problemen, was vor allem die Erholung von den Rennen verzögert. Sie in zehn der 18 Rennen und wird genau timen müssen, welche Wettbewerbe sie überhaupt bestreitet. Bei bester Form ist sie natürlich immer eine Siegläuferin. Saison-Siege schafften auch Denise Hermann und Franziska Preuß, aber eine gewisse Konstanz war nicht erkennbar, was auch für Vanessa Hinz gilt, während Franziska Hildebrand sich zuletzt in stabiler Form für vordere Plätze zeigte.

Ein Gold-Regen ist also nicht zu erwarten, ein gewisser Medaillensegen kann es werden, denn in allen Rennen sind deutsche Teilnehmer für eine Medaille gut, aber die Konkurrenz ist groß. Und dann steht auch noch die ungewisse Doping-Problematik im Hintergrund. Auffallend zum Beispiel, dass die gebürtige Russin Kuzima Formschwankungen unterworfen ist und gerade bei Großereignisse gerne auftrumpft, was bei der Konkurrenz eine gewisse Skepsis hervorruft. Ein Hoffen und Bangen halt.

Der Reigen der WM-Rennen beginnt mit der Mixed-Staffel am Donnerstag, wo Deutschland gleich Titelverteidiger ist. Zwölf Entscheidungen stehen diesmal an, erstmals ins Programm aufgenommen wurde der Single-Mixed-Wettbewerb.

DFB-Team 2018: Der Absturz und ein bisschen Hoffnung

Die Bilanz der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im Jahr 2018 ist furchterregend und deshalb bestimmt ein Ausdruck die Diskussionen um das Team von Bundestrainer Joachim Löw: Ein Horrorjahr. Der stolze Weltmeister von 2014 hat 2018 einen Absturz erlebt. Zwei offizielle Turniere, zweimal Gruppenletzter, sowohl bei der Weltmeisterschaft in Russland als auch bei der neu geschaffenen Nations League. Da gab es nicht einmal einen Sieg, sondern nur zwei Unentschieden und zwei Niederlagen gegen Weltmeister Frankreich und Gruppensieger Niederlande. Das letzte Spiel gegen die Holländer sollte „das Beste zum Schluss“ bringen, wie Jogi Löw hoffte, doch nach 80 Minuten, die Mut machten, und nach einer 2:0-Führung brachten die letzten Minuten erneut einen Absturz. Wieder nur 2:2, bezeichnend, dass der Ausgleich in der Nachspielzeit fiel. Eben ein Horrorjahr.

Die Jahresbilanz ist wirklich erschreckend für eine einst so stolze Mannschaft wie die DFB-Elf: Gerade mal vier Siege und drei Unentschieden, aber sechs Niederlagen. Die bittere Erkenntnis für Jogi Löw, der gern an seinen treuen (und lange Zeit überragenden) Weggefährten festgehalten hätte, den Weltmeistern von 2014. Doch die Zeit des Tempo-Fußballs ließ die einstigen Rennpferde wie lahme Gäule ausschauen. Spät, fast zu spät und eigentlich nur gezwungenermaßen hat sich Löw zum Umbruch entschieden und erntet am Ende für die Zukunft auch ein bisschen Hoffnung. Die jungen Wilden können es richten, wenn sie noch ein bisschen Erfahrung sammeln und auch entsprechend gelenkt werden. Diese richtige Mischung zu finden, ist die Hauptaufgabe des Bundestrainers, um nach dem Absturz den Aufbruch in eine glorreiche Zukunft zu schaffen.

Joachim Löw hat bereits Zeit verloren, weil er eben zu lange an den Weltmeistern festgehalten hat. Jetzt beklagt er, dass er 2019 mit der Qualifikation zur Europameisterschaft 2020 (12. Juni bis 12. Juli) keine Testspiele mehr hat. Kommt Deutschland bei der Auslosung am 2. Dezember in eine Sechser-Gruppe, wird es für das DFB-Team in den Länderspielpausen mit Doppelspieltagen im März, Juni, September, Oktober und November nur Pflichtspiele geben. Keine Zeit für Experimente also.

Eine Basis hat der Bundestrainer allerdings gefunden. Timo Werner, Serge Gnabry und Leroy Sane sind ein modernes Tempo-Trio, das jede Abwehr zur Verzweiflung bringen kann, weil eben jeder unberechenbar ist. Bezeichnend, dass den Deutschen der Sieg aus den Händen glitt, als diese drei vom Feld gegangen waren. 80 Minuten lang hatte Jogi Löw gegen die Niederlande quasi seine Mannschaft der nahen Zukunft auf dem Feld mit Neuer – Süle, Hummels, Rüdiger – Kehrer, Kimmich, Kroos, Schulz – Werner, Gnabry, Sane. In der Abwehr sollte Boateng noch nicht abgeschrieben sein, stehen auch Ginter und Hector auf der Liste, in Mittelfeld und Sturm gehört die Zukunft vor allem dem 19-Jährigen Kai Havertz, Julian Brandt und ein bisschen auch Marco Reus. Alle anderen, vor allem auch Thomas Müller, der dies ausgerechnet in seinem 100. Länderspiel erkennen musste, müssen sich hinten anstellen. Spieler wie Goretzka oder Rudy suchen ihren Platz und bekommen Konkurrenz aus der U21, die in diesem Jahr ungeschlagen blieb und 2019 nach dem EM-Titel greift. Auch da also ein bisschen Hoffnung für die Zukunft.

Die Niederlande machte es den Deutschen vielleicht vor, denn bei den beiden letzten großen Turnieren fehlte das Land und es durchschritt ein tiefes Tal. Jetzt das strahlende Comeback mit dem Gruppensieg in der Nations League gegen die Weltmeister von 2014 und 2018. Wer hätte das gedacht. Überhaupt zeigte die viel kritisierte Nations League, dass sie eine Zukunft haben kann, die Großen müssen um ihre Pfründe kämpfen, die Kleinen haben ihre Erfolgserlebnisse gefeiert, siehe Zwerg Gibraltar. Eine Endrunde der Liga A (im Juni 2019 in Portugal) mit Gastgeber Portugal, Niederlande, Schweiz und England hätte so keiner erwartet. Aber Trost ist das für Deutschland nicht.

Der Bundestrainer hat jetzt die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Deutschland nicht so tief fällt und nicht so lange unten bleibt wie die Niederlande, also bei den großen Turnieren fehlt. So weit sollte der Absturz dann doch nicht gehen. Bei der EM 2020 muss Deutschland dabei sein, zumal in jeder Quali-Gruppe der Erste und Zweite weiterkommt (mit einem dicken Brocken ist zu rechnen). Bei der nächsten Austragung der Nations League wird sich das DFB-Team in der ungewohnten Umgebung der Zweitklassigkeit bewegen, in Liga B mit Gegnern wie Island, Polen, Österreich, Tschechien, Finnland aber auch Vizeweltmeister Kroatien. Mal sehen, wie dann die Fans auf die Gegner reagieren, die ja keine Großen sind. Auf Schalke war es erstaunlich stimmungslos.

Wir sehen, die Zukunft ist ein Stück weit sehr ungewiss, aber nach dem Absturz bleibt auf jeden Fall ein bisschen Hoffnung.

Nations League: Sport mit Mehrwert oder Betrug an den Fans?

Vor sieben Tagen war an dieser Stelle von einer „Woche des Fußballs“ die Rede. Der Fußball hört aber nicht auf, sich international ins Gespräch zu bringen. In dieser Woche ist es die Premiere der neuen Nations League, eine Erfindung, um aus Testspielen einen Ernstfall zu machen und die Stadien zu füllen. Am Ende muss also die Frage beantwortet werden, ist die Nations League Sport mit Mehrwert oder nur Betrug an den Fans?

Sieht man sich die ganze Konstruktion an, so könnte die Nations League durchaus ihren Reiz haben, 55 Nationen sind in vier Leistungsklassen unterteilt, die ihren jeweiligen Sieger in vier Gruppen mit je drei oder vier Teams ausspielen. Die Gruppenspiele werden bis November absolviert, im Juni 2019 wird dann der Sieger der Nations League in einem Finalturnier der vier Gruppensieger der Liga A ausgespielt. Zudem soll ein Abstieg für Spannung sorgen, der Gruppenletzte muss in die nächst tiefere Liga zurück. Ein besonderer Anreiz wurde noch für die schwächeren Nationen geschaffen, denn vier Nationen können sich über die Nations League noch für die Europameisterschaft 2020 qualifizieren und zwar in einer Ausscheidung jeweils die Gruppensieger bzw. der Nächstplazierte der Gruppe, der sich nicht schon über die EM-Ausscheidung qualifiziert hat. Ein bisschen kompliziert, es werden aber quasi vier zusätzliche EM-Tickets verschenkt, mit einer Chance für die schwächeren Nationen (je ein Team aus Liga A, B, C und D).

Für Deutschland und die Fans hierzulande wird der Start besonders interessant, ist es doch das erste Auftreten der Nationalmannschaft nach der WM-Pleite in Russland mit dem ersten Fingerzeig, was Bundestrainer Joachim Löw in punkto Einstellung und Einsatz beim DFB-Team wirklich ändern kann. Selten wurde ein Länderspiel mit so viel Spannung erwartet, zumal ausgerechnet Deutschlands Weltmeister-Nachfolger Frankreich am Donnerstag, 6. September, in München der Gegner ist. Wie wird die Stimmung am Abend nach dem Spiel sein. Nationalspieler Thomas Müller bringt die zwei Möglichkeiten auf den Punkt: „Bei einem Sieg wäre es ein Riesenschritt in die richtige Richtung, dass wir die Pleite vom Sommer auswetzen, bei einer Niederlage wird die Diskussion weitergehen.“ Eins ist klar: Das DFB-Team befindet sich auf Wiedergutmachungskurs. Also Sport mit Mehrwert!

Dabei dürfen einige Entscheidungen von Jogi Löw mit besonderer Spannung erwartet werden. Wird er das System ändern? Wie will er die schnellen Stürmer des Weltmeisters stoppen? Mit einem 3-4-3 oder 4-2-3-1 oder 4-4-2? Wer wird den nach dem Erdogan-Skandal zurückgetretenen Mesut Özil ersetzen? Bekommt Thomas Müller eine neue Rolle in der Mitte, wo er sich am wohlsten fühlt und ersetzen ihn echte Flügelflitzer wie Brand oder Sané? Allerdings ist ein Schatten auf Löws Nominierung gefallen. Ausgerechnet Talent Leroy Sané kam negativ in die Schlagzeilen. Bei der WM verzichtete Löw auf ihn und unterschwellig drang durch, dass der Bundestrainer mit seiner Einstellung und Konzentration nicht zufrieden war. Jetzt setzte ihn auch sein Vereinstrainer Pep Guardiola bei Manchester City auf die Tribüne. Die englische Presse will wissen, dass dem Coach die Einstellung seines Juwels missfiel. Im Vorjahr war Sané in England bekanntlich das „Talent des Jahres“. Haben wir hier wieder einen jungen Mann, der sein Talent verschleudert?

Übrigens, zweiter Gruppengegner Deutschlands in der Nations League sind die Niederlande, die am 13. Oktober Gastgeber sind. Nach der WM-Pleite werden sogar Gedanken, dass ein Abstieg möglich wäre, laut. Auch hier also wird das erste Spiel gleich Wegweiser sein. Die öffentlichen-rechtlichen Sender ARD und ZDF haben sich die Austragungsrechte bis 2022 gesichert.

Deutschlands Termine in der Nations League: 6. September Deutschland – Frankreich, 13. Oktober Niederlande – Deutschland, 16. Oktober Frankreich – Deutschland, 19. November Deutschland – Niederlande.

Die weiteren Gruppen der Liga A:
2: Belgien, Schweiz, Island. 3: Portugal, Italien, Polen. 4: Spanien, England, Kroatien.

Das Freundschaftsländerspiel des DFB-Teams am Sonntag, 20.45 Uhr, in Sinsheim gegen Peru wird angesichts der Premiere der Nations League fast vergessen. Da wird der Unterschied deutlich werden, Stars werden fehlen, viele Wechsel werden den Spielfluss stören. Kein Wunder, dass die Zuschauer wegbleiben. Gegenmittel des DFB kann nur sein, die Eintrittspreise zu senken, im Vorfeld Show-Trainings anzubieten und auf diese vielen Wechsel zu verzichten. Bei nur zehn Minuten Einsatzzeit kann der Trainer kaum große Erkenntnisse erlangen. Tests müssen wohl sein, dann aber über die ganze Spielzeit und eben auch nur drei Wechsel wie bei Pflichtspielen. Außerdem wären familienfreundliche, frühere Anfangszeiten für die Kinder dazu angetan, die Stadien zu füllen. Der DFB muss auch hier lernen. Länderspiele dürfen kein Betrug an den Fans sein.

Die nationalen Ligen haben kaum begonnen und müssen schon wieder Pause machen. Der internationale Spielkalender will es so. Die Bundesliga hat gerade mal zwei Spieltage absolviert und es ist wie immer: Bayern München ist Tabellenführer. Aber es gibt nicht nur glückliche Gesichter wie vor allem In Wolfsburg und Berlin (als „Bayern-Verfolger“), sondern auch erste Sorgenfalten wie in Leverkusen, auf Schalke oder Leipzig. Während die „Bullen“ wohl vor allem ihrem internationalen Frühstart wohl Tribut zollen müssen, fliegen in Leverkusen und Gelsenkirchen die großen Pläne davon. Jetzt heißt es erst einmal, einen Fehlstart zu vermeiden, was bei den nächsten Gegnern nicht einfach wird: Leverkusen muss nach München, Schalke nach Gladbach.

Dabei gab es unter der Woche noch zufriedene Gesichter, machbare Gruppen nämlich in der Champions- und Europa League. Sowohl Schalke gegen Porto, Lok Moskau und Galatasary Istanbul, als auch Leverkusen gegen Rasgrad, FC Zürich und Larnaka hoffen auf ein Weiterkommen. Überhaupt haben die deutschen Mannschaften Gruppen ausgelost bekommen, die auf ein besseres Abschneiden als im letzten Jahr hoffen lassen. Die Bayern zum Beispiel haben keinen großen Brocken, sie sind gegen Benfica Lissabon, Ajax Amsterdam und AEK Athen klarer Favorit. Gefahr: Nur nicht überheblich werden.

Eine Art „Outing“ vollzog der große Star Cristiano Ronaldo, er blieb der Ehrung zu „Europas Fußballer des Jahres“ in Monte Carlo fern. Es war unter seiner Würde, mit dem zweiten Platz vorlieb zu nehmen hinter Sieger Luka Modric. Das sagt alles über das Selbstverständnis affektierten Dauersiegers, der ja gestand, am liebsten sich im Spiegel zu sehen. Als Zweiter schaut er da nicht mehr rein…

Die Zukunft von Jogi Löw: Die Wahrheit liegt auf dem Platz

Es war die längste Pressekonferenz des Deutschen Fußball-Bundes aller Zeiten. Es war ja auch die größte Schmach des deutschen Fußballs aller Zeiten, die Pleite bei der WM in Russland. Also warteten alle in Deutschland, nicht nur die Fans, auf die Erklärungen von Bundestrainer Joachim Löw. DFB-Präsident Grindel hatte nach dem Bericht des Bundestrainers vor dem DFB-Präsidium gelobt, es sei eine umfassende und erstklassige Aufarbeitung der WM gewesen. Was Jogi Löw jetzt präsentierte, war nicht viel mehr, als jeder selbst in Russland gesehen hatte. Insofern fragt man sich, warum sich Jogi Löw nicht früher geäußert hatte. Diese Analyse hätte er auch innerhalb von 24 Stunden erstellen können.

Jeder hat es bei den Spielen gesehen: Deutschland hatte keine Begeisterung, das Spiel war zu langsam, die Abstimmung fehlte und die taktische Einstellung war oftmals falsch. Das Resultat dementsprechend erschütternd: Tabellenletzter in einer Gruppe mit Mexiko, Schweden und Südkorea. Angeblich eine eher leichte Gruppe. Immerhin wollte der Bundestrainer nichts beschönigen, er streute Asche auf sein Haupt und gestand, „wir waren teilweise zu arrogant, wir haben in der Summe versagt.“ Klar war auch, der Mannschaftsgeist, der vier Jahre zuvor in Brasilien den Titel gebracht hatte, war diesmal nicht vorhanden.

Jetzt geht es um die Zukunft. Jetzt muss Joachim Löw wirklich zeigen, was er kann, dass er den Schalter umlegen und die Spieler begeistern kann. Die kleinen Korrekturen rund um die Mannschaft, dass aus dem Co-Trainer Thomas Schneider jetzt der Chef der Scouts wird und dass der Betreuerstab verkleinert wird (einige wie Teamarzt Müller-Wohlfahrt scheiden sowieso aus Altersgründen aus) bringen noch keine gravierenden Verbesserungen oder einen Stimmungsumschwung. Der muss im Spiel kommen, der muss aus der Mannschaft kommen. Noch nie war der Spruch von Altmeister Otto Rehhagel wohl so treffend: Die Wahrheit liegt auf dem Platz. Die Wahrheit zeigt sich am 6. September zum Start der Nations League gegen Weltmeister Frankreich. Tempo, Einsatz und Begeisterung müssen als Grundvoraussetzung zu sehen sein. Löw verspricht, in der Taktik künftig flexibler und variabler zu sein, das Risiko möchte er reduzieren. Damit auch das Risiko eines nahen Ende seiner Amtszeit reduziert wird.

Einen Umbruch im Team wird es allerdings nicht geben, kann es eigentlich auch gar nicht geben, denn neue Talente bieten sich kaum an. So sind 17 WM-Teilnehmer gegen Frankreich und am 9. September im Testspiel in Sinsheim gegen Peru wieder dabei. Einziges „Bauernopfer“ wurde Sami Khedira, aber er ist nicht ohne Zukunft. Die für die WM verschmähten Tah, Petersen und vor allem Flügelflitzer Leroy Sane sind wieder dabei, dazu die drei Neulinge Thilo Kehrer, Nico Schulz und Kai Havertz. Der Leverkusener könnte der Özil-Nachfolger werden.

Allerdings muss sich nicht nur auf dem Spielfeld einiges ändern, sondern auch einiges rund um die Mannschaft. Teammanager Oliver Bierhoff gestand zwar seine Fehler nicht so offen ein wie Jogi Löw, sondern schob viel auf andere ab, aber auch er gestand, verstanden zu haben: Der DFB will sich wieder um mehr Fan-Nähe bemühen, das heißt, wieder mehr öffentliche Trainingseinheiten, mehr Zeit für Autogramme oder Selfies. Was noch fehlt: Gerade für Testspiele muss der DFB moderatere Eintrittspreise anbieten, zumal in solchen Spielen selten die erste Garnitur zu sehen ist (sind eben Testspiele). Mal sehen, ob der DFB auch hier verstanden hat.

Deutlich wurde Jogi Löw auch in Sachen Mesut Özil, einst sein Lieblingsschüler. Auch ihm zeigte der in Wut zurückgetretene Spielmacher die kalte Schulter, auch für den Bundestrainer hieß es „kein Anschluss unter dieser Nummer“. Es wird immer deutlicher, dass sich der Deutsch-Türke von seinen Beratern und anderen Gestalten um ihn herum falsch steuern lässt, angeblich soll er sich für die EM-Bewerbung der Türkei für 2024 gegen Deutschland vereinnahmen lassen. Das würde dann das Bild abrunden.

Die Wahrheit liegt auf dem Platz, warten wir die Wahrheiten gegen Frankreich und Peru ab und die Vergabe der EM 2024 am 27. September. Danach wird es möglicherweise im DFB eine erneute Aufarbeitung geben.

Die weiteren Termine in diesem Jahr: 13. Oktober in Amsterdam Niederlande – Deutschland (Nations League), 16. 10. in Paris Frankreich – D (NL), 15. 11. in Leipzig Testspiel D – Russland, 19. 11. in Gelsenkirchen D – Niederlande (NL).

Am Ende der WM gibt es nur Gewinner

Im Regen ging die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 am Sonntag in Moskau zu Ende, aber der Fußball ging nicht baden. Ganz im Gegenteil, die WM in Russland lief besser ab als befürchtet, die unerwarteten Erfolge des Gastgebers sorgten für gute Stimmung, Putins Reich zeigte sich von seiner besten Seite. Am Ende der WM gibt es eigentlich nur Gewinner, auch wenn sich das im Endspiel unterlegene Kroatien natürlich nicht als solcher fühlen wird.

Gewinner Nummer 1 ist natürlich Weltmeister Frankreich. Es war eine Punktlandung mit dem Titel genau 20 Jahre nach dem ersten Pokalgewinn. Trainer Didier Deschamps ist eine Meisterleistung geglückt, er hat aus einem Haufen talentierter Spieler eine echte Mannschaft geformt (dass, was eben Jogi Löw mit Deutschland nicht geschafft hat). Bestes Beispiel ist die Wandlung von Paul Pogba vom Problemfall zum Mittelfeldstrategen, zur Führungsfigur. Frankreich ist ein würdiger Weltmeister mit einem kompakten Team, aus dem immer wieder der eine oder andere Star heraus stach. Deschamps selbst ist der Dritte der den Titel als Spieler und Trainer holte, der Kapitän der 98er-Weltmeister schloss auf zu dem Brasilianer Zagallo und dem Deutschen Franz Beckenbauer, die bisher als Einzige als Spieler und Trainer erfolgreich waren.

Gewinner Nummer 2 ist trotz Final-Niederlage Kroatien. Das kleine Land kam ganz groß raus und war erfolgreich wie nie. Kleiner Trost, dass es doch noch einen Sieger in den eigenen Reihen gab, denn Kapitän Luka Modric wurde als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet. Die Erfahrung war der Trumpf der Kroaten, gleichzeitig sollte man wohl die Einmaligkeit des Ereignisses feiern, es wird schwer werden, diesen Erfolg in naher Zukunft zu wiederholen.

Gewinner Nummer 3 ist der Dritte, nämlich Belgien. Als die Belgier in der Vorrunde England mit 1:0 besiegten, da wurde dies eher als Unfall gewertet, weil sie sich damit einen schweren Weg ins Finale bescherten. Am Ende trafen sie im Spiel um Platz drei wieder auf England und siegten mit 2:0. Doch bei ihnen geht der Blick in die Zukunft, der größte Teil de Mannschaft befindet sich im besten Fußball-Alter, sie haben mit Kapitän Eden Hazard und Kevin de Bruyne Stars, die den Unterschied ausmachen können. Es ist kein Größenwahn, wenn sie davon sprechen, bei den nächsten Turnieren mehr erreichen zu wollen.

Gewinner Nummer 4 ist England, ja auch der Geschlagene im kleinen Finale kann sich als Gewinner fühlen, denn auch die Mannschaft von Trainer Gareth Southgate hat Werbung für sich betrieben, hat für gute Stimmung im Land gesorgt und gilt als Team der Zukunft. So gelten auch die gleichen Ziele wie in Belgien: Es soll weiter nach oben gehen. Kann es auch.

Gewinner Nummer 5 ist der Videobeweis. Was gab es im Vorfeld angesichts des Chaos vor einem Jahr beim Confed-Cup für Unkenrufe, stattdessen lief es fast perfekt, was eigentlich einem Wunder gleichkommt. Der Videobeweis wurde nur dezent eingesetzt, war dann eine Hilfe und sorgte für Gerechtigkeit. Er darf damit als Vorbild für die Bundesliga gelten. Auch hier muss der DFB also lernen.

Gewinner Nummer 6 ist natürlich Gastgeber Russland, die Stimmung im Land war gut, die Fans aus aller Welt konnten sich fast in einem freiheitlichen Land fühlen, das Putin-Russland verstellte sich nahezu perfekt. Dazu hat die Organisation gestimmt, aber es war natürlich übertrieben, dass FIFA-Boss Infantino von der „besten Weltmeisterschaft aller Zeiten“ sprach. Mit dieser Feststellung hat der Schweizer eher gezeigt, dass seine Aussagen nur auf PR gemünzt sind und nicht auf Wahrheiten. Dennoch, ein kleines Sommermärchen erlebte auch Russland, es wird spannend sein, zu sehen, inwieweit die Bevölkerung in Zukunft Veränderungen bemerkt.

Gewinner Nummer 7 ist der FIFA-Präsident Gianni Infantino selbst. Der Schweizer war überall präsent, gefiel sich neben den Mächtigen der Welt und lächelte in jede Kamera. Er wollte alle Stadien besuchen und alle Mannschaften sehen. Sein Auftritt war eine einzige Werbetour, die eigentlich als abstoßend bezeichnet werden muss. Dennoch war „Der Lächler mit dem Messer“, wie er bezeichnet wurde, ein Gewinner. Ein Gewinner nämlich in seinem persönlichen Ziel, bei der nächsten Wahl wiedergewählt zu werden.

Von Verlierern wollen wir heute nicht mehr reden, aber es wird spannend sein, zu sehen, wie in Deutschland, Brasilien, Spanien und Argentinien die Enttäuschung verarbeitet wird. Auch die Zukunft bleibt spannend, sind doch die Diskussionen um die Erweiterung der WM nicht beendet. Für 2026 ist die Aufstockung von 32 auf 48 Nationen beschlossen, aber Infantino lässt nicht locker, die Welt schon 2022 in Katar damit zu „beglücken“. Was wiederum zeigt, dass es Infantino nicht um den Fußball geht, sondern um seine Macht. Eigentlich ist für einen FIFA-Präsidenten nicht haltbar, eine einmal vom Verband getroffene Entscheidung in Frage zu stellen, zum anderen bringt die WM 2022 im Winter genügend Probleme, da braucht es keine Ausweitung. Aber Vernunft kommt in Infantinos Werbetour nur selten vor.

Eine glückliche Fügung gibt es übrigens für die im September startende Nations League, die ja auch mit viel Skepsis begleitet wird. Einen besseren Start als mit dem Duell des neuen Weltmeisters gegen den alten kann sich die UEFA allerdings nicht wünschen. So kommt am 6. September in München beim Spiel Deutschland – Frankreich auch auf Jogi Löw beim Neuanfang gleich eine große Imageaufgabe zu. Da sollte seine Analyse von der WM-Pleite wirklich gründlich ausfallen.

Es ist ja fast nicht zu glauben, aber am Rande der Fußball-Weltmeisterschaft gab es sogar noch Sportarten, die den Fußball ein wenig verdrängen konnte. Deutschland feierte seine Tennis-Königin Angelique Kerber, die als Wimbledon-Siegerin den Fußball zumindest in Deutschland die Show stahl, und Deutschland freute sich auch über Rad-Star John Degenkolb, der sich seinen Traum von einem Etappensieg bei der Tour de France erfüllte. Beide Sportler erlebten ein großartiges Comeback nach Formtief bzw. Verletzungspause. Es wurde also deutlich, es gibt nicht nur Fußball.

Es folgt in dieser Woche noch ein Kommentar darüber, wie sich der Fußball nach der WM verändern wird.