Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: Friedhelm Funkel

Die Bundesliga-Bilanz: Von Gewinnern und Verlierern

Die 56. Saison der Fußball-Bundesliga ist beendet. Fast könnte man sagen, sie endete wie zuletzt immer, nämlich mit dem Titelgewinn des FC Bayern München, dem 29. und zuletzt siebten in Folge. Aber es war in diesem Jahr doch einiges anders, zum Beispiel die Spannung bis zum Schluss. Die Fans waren die Gewinner, aber insgesamt muss man sich um die Zukunft schon Sorgen machen. Eine kleine Bilanz, wer waren die Gewinner und wer die Verlierer?

Die Gewinner der Saison 18/19

Natürlich muss man hier zuerst einmal den Meister nennen. Im Herbst sah es gar nicht nach einem Titelgewinn aus, Dortmund führte mit neun Punkten Vorsprung, die Bayern waren im Krisen-Modus. Doch der neue Trainer Niko Kovac meisterte die Situation, schließlich spielten die Bayern ihre beste Rückrunde aller Zeiten und so wurde am Ende der Trainer auch von den Fans gefeiert. Eine Aussage über seine gesicherte Zukunft (Vertrag bis 2021!) steht noch aus, doch Niko Kovac war am Ende ein Gewinner. Allerdings auch ein Verlierer durch das Hickhack in der Führungsetage um seine Person. Schafft nur ein Pokalsieg am Samstag gegen RB Leipzig und damit das Double die endgültige Klarheit? Gewinner im Verein waren natürlich am Ende auch Ribery und Robben mit einem glanzvollen Schlusspunkt ihrer Karriere bei den Bayern.

Eigentlich kann man bei den Gewinnern die Tabelle abarbeiten, aber nicht immer. Der Vizemeister sorgt für eine Lücke, aber Gewinner waren die nachfolgenden Teams, nämlich RB Leipzig (ein persönlicher Erfolg für Ralf Rangnick als Trainer-Statthalter), Bayer Leverkusen (die Wende kam durch Trainer Peter Bosz, beide Teams in der Champions League), danach natürlich auch Borussia Mönchengladbach (ein bisschen auch ein Verlierer, weil die Champions League durch eine Schwächeperiode am Ende verspielt wurde), vor allem der VfL Wolfsburg und Trainer Bruno Labbadia (von der Relegation in die Europa League) und Eintracht Frankfurter. Die Frankfurter starteten schlecht in die Saison, danach begeisterten sie vor allem in der Europa League, doch dann ging die Kraft aus. Mainz musste helfen, dass die Eintracht auf Platz 7 zumindest die Qualifikation für die EL schaffte. Also doch kein Scherbenhaufen. Trainer Adi Hütter und seine Truppe haben sich das verdient und durch diese „Hilfestellung“ wurde Mainz ebenfalls ein besonderer Gewinner.

Die Hoffnungen vor einer Saison sind ja sehr unterschiedlich, aber so können sich auch Werder Bremen, Fortuna Düsseldorf und der SC Freiburg zu den Gewinnern zählen. Die Bremer hatten zwar das Ziel Europa League ausgegeben, aber das sollte nur ein Hilfsmotor für eine gute Saison sein. Hat geklappt. Sie haben noch einen besonderen Gewinner, nämlich den „ewigen“ Claudio Pizarro. Der Peruaner wird immer beliebter. Die Fortuna als Neuling war fast so etwas wie die „Mannschaft der Saison“ und Trainer Friedhelm Funkel kann sich als „Trainer der Saison“ feiern lassen. Auch der SC Freiburg hat „gewonnen“, nämlich den sicheren Klassenerhalt trotz nachhaltiger Verletzungssorgen.

Die Verlierer der Saison 18/19

Der größte Verlierer war zweifellos Borussia Dortmund, das zwar mit der Vizemeisterschaft zufrieden sein kann, aber nicht, nachdem man einen Neun-Punkte-Vorsprung aus der Hand gegeben hat. So gab es vor allem Enttäuschung über Platz zwei und die Kampfansage für die nächste Saison gegenüber den Bayern. Gewinner könnte die Bundesliga sein. Dortmund will also nicht den Weg des letzten Vizemeisters gehen, nämlich dem von Ruhr-Pott-Rivalen Schalke 04. Vom Vizemeister zum Abstiegskandidaten der „Verlierer der Saison“. Enttäuschung auch in Hoffenheim. Die Champions League in Sichtweite, die Europa League fast sicher und doch am Ende nichts. Ein schwacher Abgang von Trainer Julian Nagelsmann, die große Trainer-Hoffnung wechselt mit ersten Kratzern am guten Ruf nach Leipzig. Sage und schreibe 26 Punkte verschenkte Hoffenheim nach einer Führung! Ein eher trauriger Abgang auch für Coach Pal Dardai in Berlin, wieder knickte die Hertha in der Rückrunde ein, die alte Dame schafft keine ganze Saison. So muss der Trainer jetzt gehen.

Am Tabellenende waren alle Mannschaften eine einzige Enttäuschung. Noch nie war das Tabellenende so schlecht, Nürnberg (18 Punkte) und Hannover (21) haben den Abstieg wahrlich verdient, Stuttgart mit nur 28 Zählern in der Relegation (aber Favorit gegen Union Berlin) – das sagt alles. Und so haben sich der FC Augsburg (eine Blamage das 1:8 in Wolfsburg, die Mannschaft fällt wohl auseinander) und Schalke 04 nur den Klassenerhalt geholt, weil die Konkurrenz dahinter noch schlechter war. Das spricht nicht für die Qualität der Bundesliga. Was zu denken gibt: Die Aufsteiger machen nicht mehr Hoffnung!

Natürlich darf man dem 1. FC Köln und SC Paderborn zum Aufstieg gratulieren, aber beiden steht eine harte Saison bevor. Vor allem die Paderborner wissen wohl gar nicht, wie ihnen geschehen ist. Die Konkurrenz machte bereitwillig den Weg nach oben frei, vor allem der krisengeschüttelte Hamburger SV, der sich als zu dumm für den Wiederaufstieg zeigte. Wie schwer es für Paderborn in der obersten Etage wird, zeigt schon die 1:3-Niederlage in Dresden. Typisch, den Aufstieg mit einer Niederlage geschafft! Da sind sogar die Fans skeptisch, Fan Wolfgang sagt zum Beispiel: „Die haben da oben nichts verloren“. Aber gefeiert werden darf natürlich trotzdem, schließlich gelang ein Durchmarsch von der 3. Liga bis ganz nach oben.

Verlierer der Saison waren auch die Trainer, die reihenweise ihren Hut nehmen mussten. Die Klub-Vorstände werden immer nervöser, immer ungeduldiger, das Wort vom „Schmerzensgeld“, das die Trainer erhalten statt Gehalt, macht wieder die Runde. Noch ärgerlicher die ewigen Diskussionen über die Handspiele, noch nie gab es so viele Handelfmeter, noch nie waren diese Entscheidungen so umstritten, obwohl die Schiedsrichter generell gar keinen so schlechten Job gemacht haben. Der Videobeweis hat für ein Stück Gerechtigkeit gesorgt, aber auch ein Stück die Emotionen geklaut. Auch hier also ein Gewinner und Verlierer.

Die Bundesliga ist zu Ende, aber die Saison noch lange nicht. National steht das Pokal-Finale an, in dem Trainer Niko Kovac diesmal mit den Bayern seinen Titel verteidigen kann. Er gewann bekanntlich vor einem Jahr mit Eintracht Frankfurt gegen seinen neuen Klub. Gegner ist diesmal der aufstrebende RB Leipzig, der langfristig zusammen mit Dortmund den Bayern die Hölle heiß machen will. Den „ewigen Meister“ Bayern soll es nicht geben. Die internationalen Endspiele in Europa League und Champions League gehen bekanntlich ohne die Bundesliga über die Bühne, da fehlt also die Reputation. Dazu gibt es viele Relegationen, wobei es stillos von der DFL ist, dass die Bundesliga-Relegation im Pay-TV verschwindet.

Danach stehen noch Länderspiele an und vor allem die Wechselgerüchte werden die Fußball-Fans in den nächsten Wochen im Bann halten (neueste Meldungen: Verlässt Mbappe Paris? Wen kauft Real Madrid? Landet Leroy Sane bei den Bayern?). Sicher ist, es wird nicht langweilig, der Fußball bleibt im Gespräch und der Sport-Grantler ist natürlich dabei.

Werbeanzeigen

Rückrunden-Start der Bundesliga: 18 Vereine, 18 Hoffnungen

Derzeit ist Deutschland ein Handball-Land, die Weltmeisterschaft zieht die Sportfans in ihren Bann. Aber der Fußball gibt nicht auf, mit dem Start der Rückrunde der Bundesliga wird Deutschland wieder das übliche Fußball-Land sein und „König Fußball“ huldigen, zumal der Rückrunden-Auftakt mit den Schlagern Hoffenheim – Bayern München am Freitag (live im ZDF) und Leipzig – Dortmund am Samstag die Aufmerksamkeit schnell aktivieren kann.

Was aber bringt uns die Rückrunde? Zum Start sind da 18 Vereine mit 18 Hoffnungen, wenn auch mit völlig unterschiedlichen Zielen. Doch 18 Vereine hoffen auf ein gutes Ende, klar, absteigen will niemand, aber zumindest die letzten zwei Teams müssen den bitteren Gang in die 2. Bundesliga antreten. Geht es nach den Fachleuten und Wetten, dann werden es diese zwei Vereine sein, die jetzt unten stehen: Der 1. FC Nürnberg und Hannover 96. Aber sie haben natürlich noch Hoffnung und wissen, der Fußball ist unberechenbar!

Aber fangen wir doch an der Spitze an. Die Hoffnung der Fußball-Fans hat sich erfüllt, die Langeweile an der Spitze wurde von Spannung abgelöst, Borussia Dortmund zeigt dem Serien-Meister FC Bayern München die Stirn. Doch Seltsames ist zu hören, während der Spitzenreiter trotz sechs Punkten Vorsprung auf Demut macht, packt der Verfolger nach überstandener Krise sein „mia san mia“ wieder aus. Aus Dortmund heißt es „wir müssen von Spiel zu Spiel denken“, „es ist noch nichts entschieden“, die Münchner dagegen versuchen schon mal mit Kampfansagen den Konkurrenten zu verunsichern: „Das Duell gegen Dortmund gewinnen wir sowieso und drei Punkte sind aufzuholen, so werden wir Meister.“ Nur eins ist anders: „Wir sind es gar nicht mehr gewöhnt, dass es so spannend ist“, gesteht Thomas Müller.

Natürlich, das direkte Duell am 28. Spieltag am 6. April kann vorentscheidende Bedeutung haben, muss aber nicht. Bedeutender wird bis dahin sein, ob sich Dortmund doch noch einmal eine Krise nimmt, ob der Lauf anhält, ob es Verletzungen gibt, andererseits aber auch, ob die Münchner ihre Siegesserie wirklich fortsetzen können und wie sie mit möglichen Rückschlägen umgehen. Ob der Gewinn des Telekom-Cups am Sonntag Schwung gegeben hat? Eher hat er Schwächen aufgezeigt, in 90 Minuten gelang den Bayern kein Treffer, die Siege gegen Gladbach und Düsseldorf kamen durch Elfmeterschießen zustande. Außerdem: Wer kann sich neben Champions League zudem auf die Bundesliga konzentrieren? Offene Fragen also, die Hoffnung bleibt.

Kein anderer Verein meldet Ansprüche auf den Titel an, der Rest ist mit einem Platz in Europa zufrieden und gibt sich demütig. Hoffnung also auf mehr Geld in der Kasse, vor allem die Teilnahme an der Champions League kann Weichen für eine erfolgreiche Zukunft stellen. Die berechtigte Hoffnungen sind groß bei Gladbach, Leipzig und Frankfurt, Wolfsburg muss erst noch seinen Aufwind bestätigen, in Hoffenheim herrscht Hoffnung, aber auch Unsicherheit, welche Qualität die Mannschaft in der Rückrunde auf den Platz bringt. Das Duell mit den Bayern wird es zeigen. Und dahinter Leverkusen, mit dem neuen Trainer Peter Bosz will man das Feld aufrollen, Europa im Sturm erobern. Anders dagegen in Berlin, bei der Hertha ist der Optimismus ein bisschen verflogen, die Hoffnungen wurden gedämpft auf einen sicheren Platz im Mittelfeld, ebenso wie in Bremen, Freiburg und Mainz.

Dahinter geht es schon um einiges stärker um Hoffnungen, um die Hoffnung nämlich, den Kampf gegen den Abstieg erfolgreich bestehen zu können. Das gilt sogar für die Vizemeister des Vorjahres, auf Schalke lief in der neuen Saison nahezu alles schief und jetzt auch noch Abgang von Naldo nach Monaco. Der Brasilianer war im Vorjahr noch ein Erfolgsgarant, sein Verweis auf die Bank war so etwas wie eine freiwillige Schwächung. Trainer Tedesco wirkt angeschlagen.

Genau zur Karnevalszeit machten sich die Düsseldorfer zu Narren. Erst wurde die Trennung von Trainer Friedhelm Funkel verkündet, nach Fan-Protesten dann die Kehrtwende, jetzt soll der Erfolgscoach doch bleiben. Ausgerechnet in der englischen Woche zum Ende der Vorrunde trumpfte der Aufsteiger auf und dann wird nach dieser Erfolgsserie die Trennung vom Trainer verkündet – dilettantischer geht es wirklich nicht. Diese Unruhe kann gefährlich sein, am Ende muss Funkel vielleicht wirklich gehen, aber die Schuld trüge dann allein Klubboss Robert Schäfer. Jetzt hoffen sie am Rhein halt, dass alles gut geht.

In Augsburg und Stuttgart gab es vor der Saison die Hoffnung auf ein ruhiges Jahr und einen Mittelfeldplatz. Pustekuchen. Jetzt bleibt nur die Hoffnung auf den Klassenerhalt, fernab von Abstiegsplatz oder Relegation. Den rettenden 15. Platz hat derzeit der FCA inne, doch vor dem vielleicht sogar wegweisenden Duell mit Düsseldorf am Samstag gibt es Sorgen in Augsburg: Abwehrchef Gouweleeuw und Abräumer Khedira fehlen wegen Gelbsperre, der Südkoreaner Koo weilt bei der Asien-Meisterschaft (diese Abstellungen schwächen auch andere Mannschaften), keine guten Voraussetzungen also. Dazu verunsicherte eine Torhüter-Diskussion das Team, jetzt soll es der 21-Jährige Gregor Kobel richten, bisher die Nummer 2 in Hoffenheim. Er wurde ausgeliehen, weil Giefer und Luthe patzten. Hat der junge Mann aber auch die Nerven für den Abstiegskampf? Die Hoffnung bleibt. Stuttgart wiederum hat es bereits mit dem Trainerwechsel probiert und setzt auf neue Stürmer. Tore sind halt die größte Hoffnung.

Unterschiedlich wird in Hannover und Nürnberg der Sturz ans Tabellenende gehandhabt (beide 11 Punkte, Stuttgart 14, Augsburg 15, Düsseldorf und Schalke 18). In Hannover wird in neue Spieler investiert, in Nürnberg fehlt das Geld, da sind bisher verletzte Spieler die Hoffnung auf eine Wende. Eins ist sicher: Die Hoffnung schwindet zuletzt, aber zwei Teams müssen direkt absteigen.

Es wird also viel auf einen guten Start in die Rückrunde ankommen. Da Schlagerspiele an der Spitze heißen Hoffenheim – Bayern (Vorrunde 1:3) und Leipzig – Dortmund (1:4), wegweisend kann Leverkusen – Gladbach (0:2) in punkto Aufholjagd sein, Frankfurt will gegen Freiburg (2:0) gleich die Richtung vorgeben, am Tabellenende sind Stuttgart – Mainz (0:1), Augsburg – Düsseldorf (2:1), Hannover – Bremen (1:1), Nürnberg – Berlin (0:1) und Schalke – Wolfsburg (1:2) fast schon Schicksalsspiele. Siege nähren die Hoffnungen, Niederlagen können Mannschaft und Verein in Tristesse stürzen. Aber Achtung: Es sind dann immer noch 16 Spieltage bis zum 18. Mai!