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Tag: Fritz Keller

Der neue DFB: Hoffnung für Amateure und Fans

Es herrscht Aufbruchstimmung beim Deutschen Fußball-Bund. Der 43. Bundestag hat die Weichen für die Zukunft gestellt. Mit dem neuen Präsidenten Fritz Keller sollen Streit, Skandale und Mauscheleien der Vergangenheit angehören und an ihre Stelle Gradlinigkeit, Transparenz und Seriosität treten, also wirtschaftlich solide und moralisch integer. Eine Herkulesaufgabe für den 62-Jährigen ehemaligen Präsidenten des SC Freiburg, der aber betont, beim Verband aufräumen zu wollen. Der erfolgreiche Winzer und Gastronom soll auch den größten nationalen Verband der Welt mit Erfolg führen. Hoffnung auf Besserung gibt es vor allem für die Amateure, Frauen und die Fans. Es wird ein Stück Bodenständigkeit beim zuletzt eher abgehobenen Verband einziehen.

Für die Abgehobenheit stand vor allem Kellers Vorgänger Reinhard Grindel, einst Journalist und Politiker, der von persönlicher Anerkennung und höheren Sphären träumte. Da wird dann schon einmal die Hand aufgehalten, damit Wünsche in Erfüllung gehen. Fritz Keller ist genau das Gegenteil. Er kommt aus dem Fußball, kennt das Vereinsleben und stört sich nicht daran, dass die Kompetenzen des Präsidenten beschnitten wurden. Er will von Experten die Strukturen untersuchen lassen, kein Stein bleibt auf dem anderen. Er ist vor allem als Mittler im Streit zwischen Profis und Amateuren gefordert, für die sein Herz schlägt. Ebenso will er sich verstärkt dem Frauen-Fußball widmen, eine verstärkte Förderung hat der Bundestag beschlossen. Keller fordert ein stärkeres Engagement der Profiklubs im Frauen-Fußball und wünscht sich künftig mehr eigene Teams. Es gibt sogar Vorschläge, dass künftig ein Frauenteam Pflicht ist für eine Lizenzerteilung für die Bundesliga der Männer. Keller will sich ganz auf die nationale Arbeit konzentrieren und überlässt die internationale Rolle seinem Vizepräsidenten Rainer Koch.

Die Nationalmannschaft fällt nicht mehr in die Richtlinienkompetenz des Präsidenten, der starke Mann hier ist künftig DFB-Direktor Oliver Bierhoff, der auch Direktor für die neue Akademie ist, deren Grundsteinlegung ebenfalls symbolisch für den Aufbruch beim DFB steht. Keller wird aber dennoch ein Auge auf die Länderspiele werfen und das Umfeld wieder fanfreundlicher gestalten. Die Zeiten der Abgehobenheit sind wie gesagt vorbei.

Der neue Präsident hat einen riesigen Rucksack aufgebürdet bekommen, mal sehen, ob er ihn tragen oder ertragen kann. Gefordert sind vor allem aber auch Bierhoff und Bundestrainer Joachim Löw, denn nur eine sportlich erfolgreiche und mit Fan-Nähe agierende Nationalmannschaft kann für gute Stimmung sorgen.

Der Heimvorteil ist abgeschafft

Die Bundesliga ist Alltag und Highlight zugleich im Leben eines Fußball-Fans. Sie sorgt mit einer seltsamen Saison für Aufmerksamkeit, Spannung und Neugierde auf die nächsten Spieltage. Ein Durchatmen gibt es nach dem nächsten Spieltag mit einer erneuten Länderspielpause. Zuerst aber reibt sich der Fan verwundert die Augen bei einem Spieltag mit Rekorden. Noch nie gab es einen Spieltag ohne Heimsieg, noch nie einen Spieltag mit acht Auswärtssiegen – der Heimvorteil ist offensichtlich abgeschafft. Nur Dortmund verlor nicht, doch das 2:2 gegen Bremen fühlt sich für die Borussia wie eine Niederlage an. Der selbsternannte Meisterschaftskandidat rätselt über die Ursachen des mangelnden Erfolges (nur Rang acht, wenn auch nur drei Punkte Rückstand auf den neuen Tabellenführer Bayern München). Ist es eine Frage der Mentalität (was Kapitän Marco Reus barsch zurückweist) oder doch eine Frage der Qualität (so sieht es Axel Witsel). Die Zweifel an Trainer Lucien Favre werden jedenfalls größer. Die nächsten Aufgaben werden zur Bewährungsprobe, in Prag in der Champions League und am Samstag das Spitzenspiel (!) in Freiburg.

Ja, in Freiburg stehen sich der Dritte und der gewollte Tabellenführer gegenüber. Die forschen Freiburger gehören zu den Teams, über die sich alle wundern. Aber Trainer Christian Streich bleibt auf dem Boden: „Das sind nur 13 Punkte gegen den Abstieg, jeder Zähler ist wichtig.“ Na ja, zehn Punkte Vorsprung vor der gefährlichen Zone nach nur sechs Spieltagen kann sich sehen lassen. Zu den großen Überraschungen zählt auch Schalke 04, das der neue Trainer David Wagner wiederbelebt hat. Mit dem 3:1 stürzten die Knappen Tabellenführer Leipzig. Was der Fan-Seele gut tut: Endlich wieder einmal wieder vor Dortmund in der Tabelle. Auffällig: Das einstige Sorgenkind Amine Harit ist der neue Anführer. Das Kollektiv macht es in Wolfsburg, vielleicht auch Trainer Oliver Glasner. Was fast übersehen wird: Neben den Bayern sind nur die VW-Städter bisher ungeschlagen.

Ja, die Bayern, sie sind wieder da, wo sie nach ihrer Meinung auch hingehören: Auf Platz 1, schließlich heißt es „mia san mia“. Doch so richtig zufrieden ist man in München dennoch nicht, die Leistungen sind nicht überwältigend, die Chancenauswertung oft mangelhaft, die Abwehr unsicher – und dennoch Erster, was wird erst sein, wenn die Bayern richtig in Form sind? In Form ist aber zweifellos Torjäger Robert Lewandowski, wenn er auch mal das leere Tor verfehlt, wie beim erzitterten 3:2 in Paderborn. Acht Tore in sechs Spielen sind neuer Bundesliga-Rekord. Für die Bayern folgt aber am Dienstag in der Champions League das „Spiel der Wahrheit“ bei den Tottenham Hotspurs. In London wird sich zeigen, wie stark die Bayern wirklich sind.

Auffällig ist, dass sich die Bundesliga bereits nach sechs Spieltagen in der Tabelle teilt. Frankfurt auf Rang neun ist der letzte Klub mit zweistelligen Punkten (10), dahinter folgen Hertha BSC nach dem Comeback in Köln und Bremen trotz Verletzungspech mit sieben Zählern. Danach beginnt der Abstiegskampf (auch mit Hoffenheim, das die vielen Abgänge doch nicht verkraftet), wobei am Samstag das große „Keller-Duell“ ansteht: Paderborn gegen Mainz. Kurioses in Augsburg: Der FCA kassierte mit dem 0:3 gegen Leverkusen seine 50. Heimniederlage im 139. Heimspiel in der Bundesliga, schaffte bisher aber nur 49 Heimsiege (bei 40 Unentschieden) im jetzt neunten Jahr im Oberhaus. Nächster Gast in Augsburg ist übrigens am 19. Oktober Bayern München…

Der Wechselwahnsinn hat bald ein Ende

Das Datum ist unglücklich, der 31. August fällt auf einen Samstag, deshalb endet die Wechselfrist im Profi-Fußball in den meisten Ländern (auch Deutschland) erst am 2. September. Noch ein paar Tage mehr des Wahnsinns, aber immerhin ist das Ende der Aufregungen rund um Spielerwechsel in Sicht. Dann werden Trainer, Manager und Spieler aufatmen, jeder weiß dann, was Sache ist, wie der Kader ausschaut und die Fans können abschätzen, ob es sich gelohnt hat eine Dauerkarte zu kaufen, denn eigentlich kaufen sie die Katze im Sack. Derzeit heißt es bei Trainern und Managern für die restlichen Tage: „Das ist alles verrückt, ich bin froh, wenn es vorbei ist.“

Die Millionen wurden in den letzten Wochen hin- und hergeschoben, die Gerüchte hatten Hochkonjunktur und die Wirklichkeit sah oft ganz anders aus. Auch in der Bundesliga hatte es in der letzten Woche noch große Schlagzeilen und heftige Wechselgeschäfte gegeben. Den Vogel schossen dabei die Bayern ab, die mit Philippe Coutinho einen Weltstar an Land zogen und dabei die Leihe wählten, die ja allgemein oft die Rettung für eine Verstärkung ist. Aber der Brasilianer ist nicht billig mit angeblich 8,5 Millionen Euro Leihgebühr und einem Gehalt von 13 Millionen Euro (Netto!) im Jahr. Nach der Saison müssen die Bayern entscheiden, ob sie für einen Kauf 120 Millionen Euro hinlegen.

Bei einigen Vereinen herrscht aber noch Bedarf, um die Lücken auf den letzten Drücker endgültig zu schließen. Da sind die Manager um die eine Woche noch froh, Frankfurts Manager Fredi Bobic hat scheinbar sogar darauf hingearbeitet: „Die letzte Woche ist verrückt und da kann man noch Schnäppchen machen.“ Die Eintracht braucht dringend noch Verstärkung im Angriff, Torjäger Bas Dost ist fast an Land, aber mit Ante Rebic könnte der letzte der „Bullen“ neben Haller und Jovic noch gehen. Dann muss Bobic noch einmal tätig werden. Der FC Augsburg wiederum hat Panik in seiner Abwehr ausgemacht und kauft und kauft Abwehrspieler. Stephan Lichtsteiner und Tin Jedvaj sind die Nummer vier und fünf (nach Pedersen, Suchy und Oxford), jetzt soll auch noch der Wolfsburger Uduokhai kommen. Nach dem Motto: „Irgendwie müssen wir die Abwehr dicht bekommen.“ Pech, dass ausgerechnet ein Fehler von Jedvaj das Gegentor zum 1:1 gegen Neuling Union Berlin einleitete. Dabei sollten drei Punkte für einen Befreiungsschlag sorgen. Das Glück wird also noch gesucht.

Lassen wir uns überraschen, was wir an Spielerwechseln noch erleben werden. Sportlich ist die Bundesliga schon mal interessant gestartet, doch die richtigen Erkenntnisse folgen bekanntlich erst nach etwa zehn Spieltagen. Fünf Mannschaften feierten zwei Siege, mit dabei der SC Freiburg, der das bisher noch nie geschafft hat. Vier Mannschaften haben dafür noch keinen Punkt, Mainz 05 ist das Schlusslicht (und muss jetzt zu den Bayern), das gefällt ebenso nicht wie die Nullnummer in Bremen. Beobachter malen schon den Teufel an die Wand, dass Bremen ein Schicksal wie Köln drohen könnte, das Europa-Träume hatte und zum Absteiger wurde. Jetzt ist Köln wieder als Aufsteiger dabei, muss aber mit einem schweren Start leben (fünf Niederlagen wären nicht überraschend) und vor allem die Ruhe bewahren. Sportdirektor Armin Veh stöhnt schon: „Der Spielplan ist katastrophal.“

An der Spitze zeigten Borussia Dortmund und die Bayern Stärke. Herausforderer Dortmund bewies, warum er vom Titel träumt, als es nämlich in Köln nicht lief (0:1), da konnte Trainer Lucien Favre mit Umstellungen und neuen Leuten für die Wende sorgen. Bemerkbar machte sich auch ein neues Selbstbewusstsein. Die Bayern dominierten auf Schalke, doch gab es Diskussionen um zwei nicht gegebene mögliche Handelfmeter. Allerdings: Beide Situationen sind umstritten, Pavard drehte sich ab und wurde aus kurzer Distanz angeköpft (neue Regel: Kein Elfmeter), Perisic spreizte beim Freistoß nur leicht den Arm ab, nicht extrem, Elfmeter möglich, aber Ermessungsentscheidung. Schiedsrichter Marco Fritz mutig und treuherzig: „Ich habe in beiden Situationen keinen Elfmeter gesehen, der Video-Schiedsrichter sah keine krasse Fehlentscheidung.“ Und dennoch heulen die Kritiker und der Video-Referee wird wieder einmal verrissen. Haben die Bayern wieder mal Glück gehabt.

In Europa wird gelost, Länderspiele stehen bevor

Der Fußball nähert sich bereits der Hochkonjunktur, denn alle Ligen haben ihre Punktrunden begonnen und auch auf Europas Bühne wird es besonders interessant. Am Donnerstag und Freitag stehen die Auslosungen für die Champions League und die Europa League bevor. Danach darf wieder spekuliert werden, wer denn im internationalen Fußball überwintert. Die Frage nach den Gesamtsiegern ist Quatsch, denn da ist erst die Auslosung für die K.o.-Runden entscheidend. Die Bayern mussten das leidvoll erfahren, als sie gegen den späteren Sieger FC Liverpool frühzeitig ausschieden. Zunächst einmal sind die Bayern für die Gruppenphase in Topf eins gesetzt, Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer Leverkusen werden dahinter eingegliedert. Aber alle müssen auf Glück hoffen und schlagbare Gegner.

Eintracht Frankfurt kämpft noch um den Einzug in die Europa League und musste in dieser Woche einen herben Rückschlag hinnehmen. Bisher noch ohne Niederlage gab es in Straßburg ein 0:1 und in Leipzig ein 1:2. Vor allem die Niederlage in Straßburg tut weh, denn jetzt muss ein Sieg mit zwei Toren her und das quasi ohne hochklassige Stürmer. Da könnten die letzten Wechsel zu spät kommen. Ein Ausscheiden wäre auch schade für die Fans, die rund um die Eintracht für eine besondere Europa-Atmosphäre sorgen. Mönchengladbach und Wolfsburg können in Ruhe auf die Auslosung warten.

International geht es aber auch mit Spielen weiter, die nationalen Punktrunden werden nach dem kommenden Wochenende für die Qualifikation zur Europameisterschaft 2020 unterbrochen. Auf Deutschland wartet fast schon die Vorentscheidung mit Duellen gegen die Niederlande und Nordirland, die Gegner also, die als größte Konkurrenten um einen Platz bei der EM angesehen werden. Und Löw hat nicht alle Mann an Bord (Sane fehlt). Da haben es die Frauen leichter, die treffen bereits am Samstag auf Montenegro und müssen dann in die Ukraine. Schade ist aber, dass die Punktrunde bereits wieder nach zwei Spieltagen unterbrochen wird, so kann eigentlich kein richtiges Interesse aufgebaut werden. In der Frauen-Bundesliga starteten die Favoriten Wolfsburg und Bayern wie erwartet mit zwei Siegen, das schaffte als Dritter im Bunde auch die TSG Hoffenheim. Doch jetzt ist halt erst mal Pause.

Krach bei der DFL, Friede beim DFB

Das Theater auf Funktionärsebene lief in der vergangenen Woche vollkommen konträr ab. Friede, Freude, Eierkuchen beim DFB, der zuletzt wegen allem in die Kritik geriet. Jetzt aber erntete der Verband, weil die Findungskommission offensichtlich den besten vorzeigbaren Präsidenten gefunden hat: Fritz Keller heißt er, ist nicht nur als Vorsitzender des SC Freiburg bekannt, sondern auch als Winzer und Gastronom. Die Ruhe von Freiburg wünscht man sich jetzt auch beim DFB. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Reinhard Grindel, Journalist und Politiker, ist Fritz Keller vom Fach, was ja eigentlich logisch sein sollte. Und sein Wein schmeckt ausgezeichnet.

Bei der DFL, die doch so die Ruhe liebt und immer wieder ihre Einigkeit betont, herrschte dagegen keine Eintracht, sondern Zwietracht. Der Kampf Klein gegen Groß oder Arm gegen Reich ist bei der DFL angekommen, die kleineren Vereine hatten den „Bund Mittelstand“ gegründet und den „Großkopferten“, vornehmlich Dortmund und München, gezeigt, dass sie nicht kassieren und regieren können. Dortmunds Boss Watzke reiste verstimmt vorzeitig ab, weil er für sich keine Wahlchancen sah. Karl-Heinz Rummenigge betonte zwar, dass man doch alles für die kleinen Vereine getan habe, aber eigentlich haben sie doch mehr für sich getan. Die Gelder sollen neu verteilt werden, die kleineren Vereine wollen mehr vom Kuchen. Allerdings: Würden die attraktiven Vereine die Solidarität nicht mehr leben, ging es ihnen besser und den Kleinen schlechter. Der Sport würde jedoch auch leiden, die Großen hätten keine ernsthaften Gegner mehr. Jedes Ding hat halt seine zwei Seiten.