Der Sport – Grantler

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Tag: Fußballer des Jahres

Die Nations League ist ein Spiel mit dem Feuer

Liebe Leserinnen und Leser, wissen Sie, wann die Fußball-Nationalmannschaft zum letzten Mal gespielt hat? Nein? Kein Wunder, dann müssten Sie ein wandelndes Archiv sein. Es war der 19. November 2019, als Deutschland in Frankfurt 6:1 gegen Nordirland gewann. Es sollte im März 2020 weitergehen und im Sommer stand eigentlich auch die Fußball-Europameisterschaft auf dem Programm. Pustekuchen. Jemand war dagegen, Covid 19 veränderte das tägliche Leben und stoppte auch den Fußball. Die nationalen Ligen unterbrachen ihre Punktrunden und an Länderspiele war gleich gar nicht zu denken. Bundestrainer Joachim Löw hatte das Leben eine Frührentners.

Doch so wie die Vereine, so brauchen auch die Verbände Geld. Die Nationalmannschaften sollen nicht in Vergessenheit geraten, auch wenn die EM auf 2021 verschoben wurde, Länderspiele soll und muss es wieder geben, denn Geld fließt nur durch Werbung und TV-Einnahmen. Trotz Corona-Pandemie weltweit gibt es im Herbst noch drei Länderspiel-Fenster im Spielplan, jetzt im September, im Oktober und November. Die EM wurde abgesagt, aber die Nations League wird stattfinden. Dabei ist dies für die UEFA und die Beteiligten angesichts der weiter vorhandenen Infektionen mit Covid-19 ein Spiel mit dem Feuer. Im Gegensatz zu den Finalturnieren von Champions League und Europa League können hier Mannschaften und Spieler nicht in einer Blase leben, abgeschottet von Fans und Corona. Zwar wird größtenteils ohne Zuschauer gespielt, teilweise allerdings schon. Rücksichtsvoll hat die FIFA für die Vereine eine Abstellungspflicht aufgehoben, wenn Spieler in Länder reisen sollen, für die eine Reisewarnung ausgerufen wurde. Doch die Regierungen sehen die Gefahren unterschiedlich, Chaos und Ärger sind vorprogrammiert.

Dazu kommt, dass durch die Verschiebung der Saison 2019/20 in den Sommer hinein die Saison 20/21 später beginnt und für Spieler und Vereine eine Terminhatz sondergleichen ohne Winterpause stattfinden wird. Länderspiele bedeuten eine zusätzliche Belastung, auf die eigentlich verzichtet werden könnte, wenn da eben nicht die Einnahmen und das Image wären. Bayerns Nationalspieler stehen vor 57 Spielen in rund 250 Tagen! So war es mit einem Blick in die Zukunft vernünftig, dass Bundestrainer Löw für die Maßnahme im September auf die Münchner Triple-Sieger verzichtet. Neuer, Kimmich, Goretzka und Gnabry können Urlaub machen, ebenso die Leipziger Klostermann und Halstenberg, die in der CL beschäftigt waren. Gesundheit geht vor Erfolg in der Nations League, die eigentlich anstelle von uninteressanten Länderspielen zu einem ernsten Wettbewerb werden sollte, für den Bundestrainer nun doch vor allem der Talentsichtung dient.

Das Aufgebot für die Spiele gegen Spanien (Donnerstag in Stuttgart) und die Schweiz (Sonntag in Basel) erinnert eher an eine B-Mannschaft, weil auch noch Torhüter ter Stegen nach Operation fehlt. So muss die zweite Garde der Torhüter ran, Kevin Trapp (Frankfurt), Bernd Leno (Arsenal, nach Verletzung ohne Spielpraxis) und Oliver Baumann (Hoffenheim), für den sich mit 30 Jahren ein Traum erfüllt, einmal bei der Nationalmannschaft zu sein. Neulinge sind auch Robin Gosens und Florian Neuhaus (Gladbach). Die Augen werden vor allem auf Gosens gerichtet sein, der in Deutschland im Fußball nie auffiel, jetzt aber bei Atalanta Bergamo für Furore sorgte. Seine Berufung ist nur logisch. Mit dabei sind auch die Münchner Sané und Süle, die eher Spielpraxis brauchen und nicht im Urlaub weilen. Mal sehen, ob die Nationalmannschaft Freude machen kann, nachdem von einer konzentrierten Vorbereitung keine Rede sein kann. Ein paar Tage reichen nicht, damit alle Räder ineinandergreifen. Auch sportlich also ein Spiel mit dem Feuer, zumal die DFB-Elf in der Nations League noch ohne Sieg ist.

Das Aufgebot: Torhüter: Trapp (Frankfurt), Leno (Arsenal), Baumann (Hoffenheim). – Abwehr: Kehrer (Paris), Gosens (Bergamo), Ginter (Gladbach), Tah (Leverkusen), Schulz (Dortmund), Süle (Bayern), Rüdiger (Chelsea), Koch (Freiburg). – Mittelfeld/Sturm: Neuhaus (Gladbach), Draxler (Paris), Kroos (Real), Werner (Chelsea), Brandt, Can (Dortmund), Waldschmidt (Benfica), Havertz (Leverkusen), Sané (Bayern), Serdar (Schalke), Gündogan (ManCity).

Erster Wahl-Sieg für Lewandowski

Die Bayern können Urlaub machen und gewinnen trotzdem! Bei der Wahl zum „Fußball des Jahres“ trumpften natürlich die Triple-Gewinner auf. Die Wahl wird vom kicker organisiert, die deutschen Sportjournalisten geben ihr Votum ab. Für Bayern-Torjäger Robert Lewandowski war es schon mal ein guter Test, er gewann haushoch mit 276 Stimmen vor seinen Vereinskollegen Thomas Müller (54) und Joshua Kimmich (49). So hätte es der Pole gern, wenn es auch um den „Weltfußballer des Jahres“ geht. Zuletzt hatten dort Cristiano Ronaldo und Lionel Messi dominiert. Joachim Löw bringt allerdings noch einen anderen Kandidaten ins Spiel: Nationaltorhüter Manuel Neuer. Der hätte diese Ehrung eigentlich schon 2014 verdient gehabt, als er vor allem bei der Weltmeisterschaft das Torhüterspiel auf ein neues Niveau hob. Aber Torjäger haben halt einen Bonus, was für Lewandowski spricht, der als Torschützenkönig in Bundesliga, Pokal und Champions League zudem sein persönliches Triple feierte.

Keine Zweifel gab es auch beim „Trainer des Jahres“, da triumphierte Hansi Flick mit 223 Stimmen vor Liverpools Meistermacher Jürgen Klopp (164). „Fußballerin des Jahres“ wurde Wolfsburgs Torjägerin Pernille Harder (212 Stimmen) vor ihrer Vereinskollegin Alexandra Popp (76). Beide hätten wohl lieber am Sonntag in San Sebastian in der Champions League gewonnen.

Auch ohne Wahl ist vor allem Superstar Lionel Messi im Gespräch. Dass er den FC Barcelona verlassen will, kommt einem Erdbeben gleich. Aber so einfach, wie er es sich vorstellt, geht es wohl nicht. Seine Berater versäumten die Frist im Juni wahrzunehmen, nach der er hätte ablösefrei wechseln können. Sie vertrauten darauf, dass es im Sinne des Textes nach der Saison sein soll. Die Liga stellte nun fest, dass die Ablöse gezahlt werden muss, die ist auf 700 Millionen Euro festgelegt. Jetzt darf gestritten werden und die Gerüchteküche kocht. Wo serviert Messi künftig die Vorlagen und Tore zu Titeln? Begibt er sich in die Höhle des Löwen zu Cristiano Ronaldo nach Turin? Da kommt wohl eher eine Wiedervereinigung mit seinem einst geliebten Trainer Pep Guadiola bei Manchester City in Frage. Die Antwort weiß nur Messi selbst.

Start der Frauen-Bundesliga

Das hatten sich die Frauen des VfL Wolfsburg anders vorgestellt. Nachdem die Bayern das Triple holten, wollten die Wölfinnen nachziehen, weil sie auf das gute Omen hofften: Auch 2013 hatten sie wie die Bayern-Männer das Triple geholt. Doch daraus wurde nichts, ausgerechnet im letzten und wichtigsten Spiel der Saison musste der deutsche Meister seine erste Saison-Niederlage hinnehmen und bot beim 1:3 gegen Titelverteidiger Olympique Lyon leider eine erstaunlich schwache Leistung. So bleibt Lyon das Maß aller Dinge mit fünf Titeln, davon zuletzt vier in Folge.

Vielleicht war es sogar die letzte große Chance für einen deutschen Verein, bei den Frauen die Champions League zu gewinnen. Die Klubs im Ausland rüsten auf, zahlen gutes Geld und den deutschen Vereinen fällt es immer schwerer, internationale Stars zu holen. So verlässt jetzt auch Torjägerin Pernille Harder den VfL, sie wechselt aber eher aus privaten Gründen zu Chelsea London.

Aber auch national muss sich der VfL Wolfsburg strecken, wenn am Wochenende bereits die neue Saison der Frauen-Bundesliga beginnt, denn hier will Bayern München die Siegesserie der Norddeutschen beenden, die sechs Titel in acht Jahren holten. Die Bayern-Mädchen wollen nach 2015 und 2016 wieder mal an der Spitze stehen. Dafür haben sie sich mit Schwedens Nationalspielerin Hanna Glas und den deutschen Nationalspielerinnen Marina Hegerin, Klara Bühl und Lea Schüller wirkungsvoll verstärkt. Wolfsburg hält mit Talent Lena Oberdorf, Pauline Bremer (Manchester City) und Kathrin Hendrich (von den Bayern) dagegen. Dabei wird deutlich, dass national sich die Kräfte auf diese beiden Spitzenteams konzentrieren. Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg kann ihr Team künftig fast aus diesen beiden Vereinen rekrutieren. Bei dieser Konstellation ist es schwer, dass die Frauen-Bundesliga für die Fans attraktiver wird.

Dabei hatten sich die Frauen erhofft, dass die Männer-Bundesliga verstärkt als PR-Lokomotive einsteigt, dies tut jetzt Eintracht Frankfurt, das die Mannschaft des 1. FFC Frankfurt übernommen hat. Der Rest ist allerdings Schweigen.

Der König ist wieder auf dem Thron

 

Man könnte meinen, der Ausdruck „Messias“ aus dem Biblischen, der für Könige und Hohepriester galt, stammt aus der Neuzeit und wurde für einen erfunden, für den König der Fußballer, für Lionel Messi. Der 28jährige, der Messias des Balles, wurde wieder zum „Fußballer des Jahres“ gewählt, der König ist wieder auf dem Thron.

Der Sport-Grantler hat es schon in den vergangenen Jahren betont, dass die Wahl beim „Ballon d’Or“ ziemlich langweilig ist. Trainern, Spielern und Journalisten, die wählen dürfen, fehlt meist der Einfallsreichtum, der Willen, auch mal einem Außenseiter eine Chance zu geben, der in diesem einem Jahr wirklich besser war als die üblichen Verdächtigen. Franck Ribery zum Beispiel 2013. So aber wechseln sich die Stürmer-Stars Cristiano Ronaldo und Lionel Messi in schöner Regelmäßigkeit ab. „CR7“ war die beiden letzten Jahre stolz, dass er den Argentinier quasi in die Pampa schicken konnte und den „Ballon d’Or“ in den Händen hielt. Jetzt schlug der König zurück, zum insgesamt fünften Mal holte er sich den „Goldenen Ball“, zuvor von 2009 bis 2012 durchgehend. Der letzte Sieger, der nicht Messi oder Ronaldo hieß war 2007 der brasilianische Edeltechniker Kaka, der diesmal in Zürich den Sieger verkünden durfte. Es wird Zeit, das Allerlei zu beenden. Eintopf schmeckt nicht immer.

In diesem Jahr gibt es an der Wahl von Lionel Messi allerdings nichts zu granteln. Messi hatte mit dem FC Barcelona ein überragendes Jahr und holte quasi alle Pokale, die es zu gewinnen gab. Da musste Ronaldo einfach in die Röhre gucken, da war es eher verwunderlich, dass Messis Vereinskollege, der Brasilianer Neymar, nicht auf Platz zwei kam. Er ist ein Kandidat für die Zukunft.

Deutsche Spieler sind es wohl vorerst nicht. „Willst Du den ‚Ballon d’Or’ gewinnen, musst Du in England oder Spanien spielen“, heißt der Rat an die Kandidaten. Manuel Neuer wäre vor einem Jahr ein würdiger Gewinner gewesen, weil er als Weltmeister das Torhüterspiel auf eine neue Stufe gehoben hat. Neuer war diesmal immerhin der einzige deutsche Spieler in der Weltelf. Doch Torhüter und Abwehrspieler haben gegen die Torjäger und Zauberer vor dem Tor kaum eine Chance. So müsste zum Beispiel Thomas Müller 2016 bei der Europameisterschaft zumindest Torschützenkönig und eben Europameister werden und zudem noch mit Bayern München die Champions League gewinnen, um in den engeren Kreis der Kandidaten zu kommen. Ein Müller ist halt kein Messias. „Mülleras“ klingt nicht so gut.

Bei den Frauen wurde die kleine deutsche Serie beendet, nach fünfmal Marta (Brasilien) ist die Wahl beim weiblichen Geschlecht eine amerikanisch-deutsche Angelegenheit. Carli Lloyd setzte sich diesmal durch nach Nadine Kessler und Nadine Angerer in den letzten beiden Jahren. „Trainer des Jahres“ war – logisch – Luis Enrique vom Seriensieger FC Barcelona. Seltsam nur, dass Pep Guardiola Zweiter wurde, er hat im letzten Jahr mit dem FC Bayern München nicht viel erreicht und international eher eine Blamage hinnehmen müssen. Dies zeigt deutlich: Welche Fachleute die Juroren auch sein mögen, die bekannten Namen haben einfach einen Bonus. Vielleicht steht Pep Guardiola im nächsten Jahr ganz oben, dann aber müssen die Münchner des Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League gewinnen.

Die schönste Ehrung durfte der deutsche Nationalspieler Gerald Asamoah (früher Schalke 04) entgegennehmen und zwar stellvertretend für alle, die sich für Flüchtlinge einsetzen. Und da tut der Fußball ja einiges zur Integration. Das ist die wahre Stärke des Fußballs bzw. des Sports, hier werden unterschiedliche Nationalitäten wirklich zur Nebensache.