Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: Hamburg

2015 war ein schwarzes Jahr für den deutschen Sport

 

Die deutschen Sportlerinnen und Sportler sammelten wieder Titel und Medaillen, waren in vielen Sportarten wieder mit an der Weltspitze. Die sportliche Bilanz stimmte also, dennoch war 2015 ein schwarzes Jahr für den deutschen Sport. Die Ereignisse von 2015 werden auch in vielen Jahren noch Auswirkungen auf den Sport haben. Die Schuld tragen nicht die Athleten, die Schuld tragen die Funktionäre.

Es kommt auf die Sichtweise an, was dem deutschen Sport am meisten geschadet hat. Im Vordergrund steht vielleicht der Korruptionsskandal des Weltverbandes FIFA, der bis nach Deutschland durchschlug. Plötzlich kam das „Sommermärchen“ der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland ins Visier und die sonst so selbstbewussten DFB-Funktionäre, allen voran DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, zeigten plötzlich Unsicherheiten und Schwächen und verstrickten sich in seltsamen Erklärungen, die man von außen schnell als offensichtliches Lügengebilde ansehen musste. Wo sind die 6,7 Millionen Euro hin? Wurde bestochen oder nicht? Die Aufklärung wird sich bis Sommer 2016 hinziehen, wenn es denn überhaupt am Ende eine plausible Aufklärung geben wird. Dann wird sich auch zeigen, ob „Kaiser“ Franz Beckenbauer noch eine saubere Weste hat oder ob des Kaisers Kleider auch schmutzig geworden sind. Zur Entschuldigung muss man allerdings sagen: Die Zeiten erforderten damals gewisse Handlungen, um die Fußball-Weltmeisterschaft austragen zu können. Für die Öffentlichkeit bleibt ein bitterer Nachgeschmack, der deutsche Sport erlebte schwarze Stunden.

Eine schwarze Stunde war auch, dass Hamburgs Bevölkerung eine Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele 2024 ablehnte. Grund der Ablehnung war neben vielleicht nicht beherrschbaren Kosten vor allem auch die Abneigung, selbstherrlichen Funktionären mit Olympia eine Bühne zu bieten. Großereignisse gelten nicht mehr als zeitgemäß, die Gegner gewannen mit dem Argument, dass mit dem Geld soziale Einrichtungen besser unterstützt werden können. Das eine tun ohne das andere zu lassen, das sah die Mehrheit der Bevölkerung nicht so. Hamburg hat eine große Chance zur Weiterentwicklung der Stadt verpasst, der deutsche Sport hat Schaden genommen, weil sich für die nächste Zeit kaum eine Stadt an eine Olympia-Bewerbung wagen wird.

Eine Niederlage erlitt der deutsche Sport auch bei der Bewerbung um den Ryder Cup 2022 im Golf, der nicht in der Nähe von Berlin, sondern vor den Toren Roms ausgetragen wird. Die Italiener gewannen mit viel Geld gegen eine gute und schlüssige Bewerbung der Deutschen. Die große Masse der Bevölkerung tat diese Niederlage als Randnotiz ab, weil Golf ja auch nur eine Randsportart sei. Über die Grenzen Deutschlands hinaus muss man allerdings feststellen, dass der Ryder Cup, der Erdteilkampf zwischen den USA und Europa, eines der größten Sportereignisse der Welt nach Olympischen Spielen und Fußball-Weltmeisterschaft ist. Insofern nicht nur ein schwarzes Jahr für das Golf hierzulande, das sich nach mehr Aufmerksamkeit sehnt, sondern eben auch für den deutschen Sport, der auch hier bei einem Großereignis nicht zum Zuge kam.

Das schwarze Jahr wird noch Auswirkungen haben, weil der Sport für positive Schlagzeilen sorgen muss, um Kinder und junge Leute für den Sport zu interessieren. Gerade Olympische Spiele im eigenen Land gelten da als besondere Lokomotive. Sportarten, die nicht im Blickpunkt stehen, haben schon Probleme bei der Nachwuchsförderung. Sportarten, die nicht erfolgreich sind, haben Probleme mit der Finanzierung. Die selbstbewussten Deutschen wollen erfolgreich sein, in der Politik, in der Wirtschaft, in der Wissenschaft, in der Kunst und vor allem auch im Sport. 2015 wurden aber nicht die Weichen für eine gute Zukunft des deutschen Sports gestellt. Ganz im Gegenteil, 2015 war ein schwarzes Jahr für den deutschen Sport.

Skisport: Das wird kein normaler Winter

 

In Deutschland hat sich der richtige Winter mit viel Schnee in den letzten Jahren rar gemacht. Auch in diesem Jahr sieht es eher nach einem milden Winter aus, als dass die Skifreunde so richtig auf ihre Kosten kommen sollten. Auch die Spitzensportler leiden unter den Wetterkapriolen. Einmal gibt es keinen Schnee, dann wieder zu viel, dann wieder werden sie vom Wind gestoppt, wie jetzt die Skispringer und Kombinierer in Finnland. Dennoch hat der Ski-Winter begonnen, aber allen Beteiligten ist klar, dies wird kein normaler Winter. Nicht wegen dem Wetter, sondern einfach deshalb, weil sowohl Olympische Spiele als auch Weltmeisterschaften fehlen. Ein Zwischenwinter sagt man, den mal alle vier Jahre einlegen darf oder muss.

In einigen Sportarten (siehe Biathlon) gibt es ja die jährlichen Weltmeisterschaften, aber diese Inflation der Weltmeister machen Ski alpin und Ski nordisch zum Glück nicht mit. Man braucht auch mal einen Winter mit Verschnaufpause, um etwas auszuprobieren, um dem Nachwuchs auf höchster Ebene eine Chance zu geben, also Aufbauarbeit für die Zukunft zu leisten. Der Leistungsdruck ist also nicht ganz so hoch wie gewohnt.

Dennoch wollen die Skisportler natürlich in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rücken. Deshalb haben sie den Start in den neuen Ski-Winter scheibchenweise geliefert. Bereits Ende Oktober ging es auf den Gletscher in Sölden, eine sportlich fragwürdige, aber eben von Werbung geprägte Einlage. Danach verhinderte das Wetter die Rennen in Levi, aber jetzt geht es richtig los. Spielt das Wetter mit, geht es Schlag auf Schlag.

Bei den deutschen Sportlern ging es allerdings zögerlich los, dabei sehen sie dem Winter mit großen Hoffnungen entgegen. Vor allem die alpinen Herren träumen, denn mit Felix Neureuther, Fritz Dopfer, Stefan Luitz und Linus Strasser wollen sie das beste Team in technischen Disziplinen stellen. Die Speedfahrer zählen dagegen eher zur zweiten Garnitur, wenn überhaupt. Die Mädchen vertrauen vor allem auf Viktoria Regensburg, die sogar nach dem Gesamtweltcup greifen könnte. Ansonsten heißt es lernen, wie oben beschrieben.

Im nordischen Skisport haben die Skispringer gleich für einen Paukenschlag gesorgt und den ersten Wettbewerb gewonnen. Weltcup-Gesamtsieger Severin Freund steht nicht alleine da, sondern es hat sich eine starke Mannschaft gebildet. Das große Highlight des Winters ist die Vier-Schanzen-Tournee zur Jahreswende, bei der die Deutschen zuletzt eher unter „ferner sprangen“ zu finden waren. Severin Freund muss gegen die bisherigen Trend seine Form aufbauen, denn er ist als Spätstarter bekannt. „Ich habe im Sommer alles getan, um früh in Form zu sein“, gesteht er. Wir werden sehen.

Sieganwärter sind auch die Nordischen Kombinierer, die in den letzten Jahren das Maß der Dinge waren. Mit Johannes Rydzek startet der Doppelweltmeister. Hier gilt es, die Form zu halten. Für die Langläufer heißt es dagegen zu lernen, um den Anschluss an die Weltspitze wieder zu finden. Die Damen sind im vorderen Mittelfeld gut dabei, die Herren dagegen laufen meist immer ein bisschen länger als die Konkurrenz. So sind künftig keine Medaillen zu gewinnen. Allerdings hat es bei den Trainern einen Neuanfang gegeben, warten wir also ab, ob die Wechsel erfolgreich waren.

Ein eigenes Völkchen stellen die Biathleten dar. Sie haben auch wieder eine Weltmeisterschaft (im März in Oslo) und haben sich gleich erfolgreich präsentiert. Die ersten Mixed-Staffeln am Wochenende waren ein Appetithappen und die Deutschen auf dem Podium. Ab Mittwoch geht es in Östersund richtig los und die Deutschen wollen vorne mitmischen. Sie wollen auch die Lieblinge der deutschen Sportnation bleiben. Gespannt sein darf man, ob Miriam Gössner wieder ihre Bestform findet und Anschluss an die neuen Vorzeige-Damen Laura Dahlmeier und  Franziska Preuß findet. Die Herren Simon Schempp, Erik Lesser und Co. gehören ebenfalls zur Weltspitze.

Bei den Fernsehübertragungen fährt Biathlon immer gute Einschaltquoten ein und war auch am Wochenende schon der erste Sieger: Fast vier Millionen sahen die Mixed-Staffel, mehr als zuvor die Formel 1 vor den Bildschirm locken konnte. Auch die langen Wintersport-Nachmittage locken mehr Zuschauer an, als es das sonstige Normalprogramm das Jahr über bei ARD und ZDF tut. Offensichtlich gibt es eine Sehnsucht nach Schnee.

Der Winter hat jetzt also Priorität, der Sommer hat eine große Niederlage einstecken müssen. Die Hamburger Bürger haben sich gegen die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2024 ausgesprochen, die Stadt Hamburg wird sich also nicht bewerben. Ein Schlag gegen den Sport in Deutschland, der Großereignisse braucht, um Interesse zu wecken und auch in Zukunft Weltspitze zu sein. Die Bevölkerung hat aber wohl vor allem von den Sport-Funktionären und Geschäftemachern die Nase voll und hat ihnen die „Rote Karte“ gezeigt. Nachdem sich auch schon die Bevölkerung in München gegen Olympische Spiele gewandt hat, bleibt nur eine Feststellung: Deutschland wird in absehbarer Zeit keine Olympischen Spiele mehr veranstalten. Gewinner könnte der Deutsche Fußball-Bund mit seiner geplanten Bewerbung für die Austragung der Europameisterschaft 2024 sein, aber da steht wiederum der sogenannte DFB-Skandal um das „Sommermärchen“, nämlich der WM 2006 im Wege. Auch im Hinblick auf den Sommer also viel Kälte…