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Tag: Hansi Flick

Die Bundesliga ist die Nummer 1 in Europa

Dieses war der erste Streich, ob der zweite folgt sogleich? Frei nach Wilhelm Busch ein Blick auf die Wettbewerbe im europäischen Fußball bei dem die Klubs der Bundesliga in der ersten Woche der K.o.-Runden so gut abgeschnitten haben wie seit 27 Jahren nicht mehr. 1993 war es nämlich, als es zuletzt fünf Siege gab, Siege aller Teams im Einsatz, diesmal Dortmund, Leipzig, Frankfurt, Leverkusen und Wolfsburg. Damit war die Bundesliga die Nummer 1 in Europa!

Und der zweite Streich? Der wird schon wesentlich schwieriger, so müssen die erfolgreichen Teams in der Europa League in dieser Woche auswärts antreten. In der Champions League ist allein der FC Bayern vertreten, wobei das Gastspiel der Münchner bei Chelsea London eine besondere Brisanz bzw. Vergangenheit hat. Fünf Siege sind bei vier Spielen nicht möglich, aber eine Erfolgsbilanz am Ende der Woche wäre dennoch schön. Allerdings hat in der Europa League nur Frankfurt in Salzburg ein Polster durch das 4:1, Leverkusen in Porto und Wolfsburg in Malmö werden nach den jeweils knappen 2:1 in den Hinspielen Bestleistungen abrufen müssen.

Eine Bestleistung wird auch vom Deutschen Meister erwartet. Ziel der Bayern ist wenigstens das Halbfinale, da will man nicht gleich wieder im Achtelfinale scheitern, wie im Vorjahr gegen den FC Liverpool. Die Voraussetzungen sind diesmal auch andere. Die Bayern stehen zum zwölften Mal in Folge im Achtelfinale und blieben in den Gruppenspielen nicht nur ungeschlagen, sondern stellten mit 18 Punkten und einer Tordifferenz von plus 19 einen neuen CL-Rekord auf. Da liest sich die Bilanz von Chelsea anders, die Londoner schieden zuletzt dreimal hintereinander jeweils im Achtelfinale aus. Bei den Bayern soll es nur ein Ausrutscher gewesen sein, ein Ausscheiden im Achtelfinale gab es vorher nur 2010/11.

Aber Bayern und Chelsea, da war doch was? Die Erinnerung geht natürlich zum „Finale Dahoam“ 2012, als die Bayern in der Allianz Arena den Henkelpott fast schon in den Händen hielten, Drogba noch der Ausgleich zum 1.1 für Chelsea gelang und die Bayern anschließend das Elfmeterschießen unglücklich verloren. Diese schmerzhafte Niederlage war angeblich dann der Treibstoff zum Gewinn der Champions League ein Jahr später. Die Erinnerung an die Niederlage soll jetzt der Treibstoff sein, dass es nicht erneut schlechte Erinnerungen an Chelsea gibt, so wie beim letzten Aufeinandertreffen in der Saison 2004/05, als die Bayern in London 2:4 unterlagen und ein 3:2 im Rückspiel nicht zum Weiterkommen reichte.

Die Voraussetzungen sind heute andere. Hier die Bayern mit breiter Brust nach einer Siegesserie in der Bundesliga und im Pokal unter Trainer Hansi Flick, dort Chelsea, gebeutelt von Verletzungsproblemen und nur mit vier Siegen in den letzten zwölf Spielen der Premier League. Aber die Mannen von Chelsea-Idol Frank Lampard (2012 in München dabei) halten dennoch Platz vier in der Liga und bauen vor allem auf das deutsche Abwehr-As Antonio Rüdiger. Die Generalprobe gegen Tottenham gelang mit einem 2:1-Sieg. Die Bayern waren beim 3:2 gegen Paderborn eher außer Rand und Band. Lampards Gegenspieler Hansi Flick muss aber gegen Chelsea seine Meisterprüfung absolvieren, seine Zukunft bei den Bayern hängt auch (vielleicht sogar hauptsächlich) vom Abschneiden in der Champions League ab. Zwei gute Omen hat er: Das 7:2 der Bayern gegen Tottenham beim letzten Auftritt in London (noch unter Niko Kovac) und das ausgerechnet der damalige Schiedsrichter Turpin aus Frankreich jetzt wieder Spielleiter ist.

Alle Fünfe für Schalke und Hertha

Die Bundesliga ist das Tagesgeschäft und das haben die Vertreter auf Europas Bühnen allesamt gut bewältigt. Katzenjammer dagegen bei anderen Klubs, so galt für Schalke und Hertha in ihren Heimspielen „alle Fünfe“, sie kassierten gegen Leipzig bzw. Köln je eine 0:5-Niederlage. Bei Schalke war der künftige Bayern-Torhüter Alexander Nübel der tragische Held, der offensichtlich nervlich dem bevorstehendem Wechsel und der Skepsis auf Schalke nicht gewachsen ist. Hertha ist nach dem Klinsmann-Abgang durcheinander und darf gegen einen Konkurrenten im Abstiegskampf so nicht untergehen. Das könnte noch bittere Folgen haben, das nächste wichtige Duell mit einem Team vom Rhein steht bevor, am Freitag in Düsseldorf. Die Fortuna zeigte sich beim 2:0 in Freiburg von ihrer besten Seite und tönt vor den folgenden Vergleichen mit Konkurrenten im Abstiegskampf „dieses war der erste Streich“. Heißt: Der zweite gegen die Hertha folgt zugleich und dann geht es weiter in Mainz. Auf einen Sieges-Streich wartet Werder Bremen sehnsüchtig, gegen Frankfurt sollte er am Sonntag gelingen, sonst könnte es doch das Aus von Trainer Kohfeldt bedeuten.

Keine Blöße gab sich das Spitzentrio, dahinter haderte Gladbach mit einem 1:1 gegen Hoffenheim, das von unschönen Begleiterscheinungen hirnloser Fans begleitet war und sogar ein Spielabbruch wegen beleidigender Banner drohte. Leverkusen konnte aufschließen (2:0 gegen ein schwaches Augsburg), während Schalke, jetzt fünf Spiele ohne Sieg, den Anschluss verloren hat und gegen Wolfsburg und Hoffenheim Platz sechs für Europa verteidigen muss. Dort will die Bundesliga in der UEFA-Rangliste Platz drei auf Dauer verteidigen, was gelingen wird, wenn man öfters mal eine Europa-Woche als Nummer 1 abschließt.

Lesen Sie auch die nachfolgende Kolumne mit einem Thema, das alle Fußball- und Sportfans beschäftigen sollte: „Her mit Respekt, weg mit Rassismus“.

Champions League: Trainer unter Druck

Mit dem Start des Achtelfinales in der Champions League (CL) und der Zwischenrunde in der Europa League (EL) nimmt in dieser Woche der europäische Fußball endgültig Fahrt auf. Der Frühling ist die heiße Phase des Spitzenfußballs, da fallen die Entscheidungen. Im Mittelpunkt diesmal vor allem die Trainer, viele stehen unter Druck, für einige entscheidet sich ihre Zukunft im Verein mit dem Abschneiden in der CL.

Zu den Trainern unter Druck gehören auch zwei aus der Bundesliga, allerdings aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Lucien Favre wird in Dortmund immer wieder in Frage gestellt, spielt die Borussia schwach, kommt seine Ablösung ins Gespräch, trumpft sie auf wie beim 4:0 gegen Frankfurt hat der Schweizer eine eher trügerische Ruhe. Die Bewährungsprobe folgt gegen Paris St. Germain, dem Scheich-Klub mit seinen Stars Neymar und Mbappe sowie Borussias Ex-Trainer Thomas Tuchel, ein besonderes Aufeinandertreffen also. Dortmund hat es im Kreuz, gegen Paris zu bestehen, gleichzeitig hätte Favre wohl für den Rest der Saison der Ruhe, wenn die Borussia weiter im Titelkampf der Bundesliga dabei ist. Anders die Situation für Thomas Tuchel, der einst im Streit nach dem Bomben-Attentat Dortmund verließ, der aber jetzt endgültig in Paris liefern muss. Als die Scheichs aus Katar 2011 mit viel Geld in Paris einstiegen, galt der Gewinn in der CL als bevorzugtes Ziel. Es reichte bisher nicht einmal zum Halbfinale, die letzten drei Jahre war im Achtelfinale Schluss. Tuchel muss liefern, Dortmund könnte für ihn erneut zum Schicksal werden.

Liefern muss ebenfalls Hansi Flick, auch bei den Bayern ist ein Aus im Achtelfinale nicht akzeptabel. Bei Flick geht es um die Zukunft in München, es geht um seine Reputation nach dem Motto „was kann er wirklich?“. In der Bundesliga hat er die Mannschaft auf Vordermann gebracht, doch die Skeptiker fragen, „kann er es auch international?“ Vorgänger Niko Kovac wurde auf der europäischen Bühne Zögerlichkeit vorgeworfen. Gegen Chelsea London sind die Bayern Favorit, anders als im Vorjahr gegen den FC Liverpool mit Jürgen Klopp. Es war zuletzt das Schicksal der Bayern immer gegen den späteren CL-Sieger ausgeschieden zu sein. Aber mehr als das Achtelfinale muss es diesmal sein, die Bayern brauchen es für ihre eigene Reputation, wenn sie Verstärkungen suchen. Gefragte Spieler wollen nur zu einem Verein, der ihnen die Chance auf den CL-Sieg bietet. Hansi Flick hat noch ein bisschen Zeit, die Bayern starten nächste Woche am 25. Februar. Dann muss er liefern.

Auffallend ist, dass viele europäischen Spitzenteams sich in letzter Zeit keineswegs in Bestform präsentierten, so dass die Fans die Spiele in der Champions League wohl mit besonderer Spannung verfolgen. Unter Druck steht auch Quique Setien beim FC Barcelona, der als Nachfolger von Trainer Ernesto Valverde sowieso nur als Notnagel gilt. Unter besonderem Druck steht auch Pep Guardiola bei Manchester City. Wegen Vergehen gegen das Fair Play sprach die UEFA gegen den Verein eine zweijährige Sperre ab 2021 aus. Ob die vor dem Internatioalen Sportgerichtshof CAS Bestand haben wird, muss sich zeigen. Stand derzeit ist, dass es für Pep und City wohl die letzte Chance ist, die Stars im Team zu halten, wenn man die Champions League gewinnt, nachdem die nationale Meisterschaft verloren ist. Pep kann sich einen neuen Verein allerdings aussuchen, auf der Liste stehen u. a. eine Rückkehr nach Barcelona oder München, aber auch Juventus Turin wird gehandelt.

Die CL gelassen sehen kann Jürgen Klopp. Er steht überhaupt nicht unter Druck, er hat 2019 bereits geliefert und jetzt wollen die Fans nichts anderes als die Meisterschaft und die ist bei 25 Punkten Vorsprung in der Premier League eigentlich sicher. Seit 30 Jahren warten die „Reds“ auf den Titel, da ist Klopp auf jeden Fall wieder Held, auch wenn es in der CL schief geht. Dort kann man ja notfalls im nächsten Jahr wieder gewinnen. Die Spiele:

Champions League: Dortmund – Paris, Atletico Madrid – Liverpool (beide 18.2/ Rückspiele 11.3.), Bergamo – Valencia, Tottenham – Leipzig (beide 19.2./10.3.), Chelsea – Bayern, Neapel – Barcelona (beide 25.2./18.3.), Real Madrid – Manchester City, Lyon – Juventus Turin (beide 26.2./17.3.).

In der Europa League sind aus der Bundesliga noch Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg vertreten. Die reizvollste Aufgabe hat wohl die Eintracht gegen den RB Salzburg. Allerdings hat Österreichs Meister einige Stammspieler wie Torjäger Erling Haaland (Dortmund) im Winter abgegeben und verlor jetzt gegen Verfolger LASK Linz und musste die Tabellenführung abgeben. Leverkusen trifft auf Portugals Spitzenteam FC Porto, Wolfsburg auf Malmö FF. Reguläre Spieltage jeweils Donnerstag 20. und 27. Februar.

Klinsmann und die Bundesliga

Als Trainer unter Druck fühlte sich wohl auch Jürgen Klinsmann, der mit seiner Demission in Berlin in der letzten Woche für den Paukenschlag sorgte. Er schätzte wohl die Situation bei der Hertha völlig falsch ein und glänzte nur mit großen Sprüchen und Visionen außerhalb jeder Realität. Nach 76 Tagen verabschiedete er sich wieder und hat seinen Ruf in Deutschland endgültig ruiniert. Immerhin hinterließ er etwas Positives, nämlich neue Spieler, die der Hertha helfen können. Piatek und Cunha waren maßgeblich mit am 2:1-Sieg in Paderborn verantwortlich. Die Hertha gab in der Winterpause 77 Millionen Euro für Neuzugänge aus, so viel, wie kein anderer Verein weltweit! Aber Klinsmann träumte noch von prominenteren Namen: Özil, Götze, Draxler und auch Can standen auf seiner Wunschliste! Klinsmann-Assistent Alexander Nouri soll jetzt die Hertha retten, aber eine Zukunft als Cheftrainer hat er wohl nicht.

Immerhin, die größten Sorgen ist Hertha los. Auffällig, dass sich in der Bundesliga langsam die Fronten klären. Die Spitzenteams ließen nichts anbrennen, Bayern verteidigte die Tabellenführung, Leipzig, Dortmund und Gladbach bleiben dran. In die CL-Plätze drängt noch Bayer Leverkusen. Schalke sowie die Verfolger Freiburg, Hoffenheim und Wolfsburg machen dahinter den einen verbliebenen Platz für die Europa League unter sich aus.

Am Tabellenende haben die letzten drei Teams Düsseldorf, Bremen und Paderborn an Boden verloren. Wer bekommt da noch die Kurve? Die Fortuna steht vor den Wochen der Wahrheit, die nächsten Gegner heißen Freiburg, Hertha, Mainz, Paderborn und Köln – bis auf Freiburg alles Kellerkinder bzw. Konkurrenten. Werder und Paderborn haben mit Dortmund und Bayern Spitzenteams vor der Brust, da wären Punktgewinne fast ein Wunder. Und so bleibt es in Bremen auch bei der Hängepartie: Schafft Trainer Florian Kohfeldt die Wende oder nicht? Seine letzte Chance ist vielleicht am 1. März, wenn Frankfurt in Bremen gastiert. Ein Trainer unter Druck.

Will denn keiner Meister werden?

Bemüht man die Statistik, dann ist die Meisterfrage in der Fußball-Bundesliga eigentlich entschieden: 24mal führte Bayern München nach dem 21. Spieltag die Tabelle an und wurde danach 20mal Meister! Die Chancen für die Verfolger sind also gering. Allerdings taucht nach dem vergangenen Wochenende eher die Frage auf: Will denn keiner Meister werden? Eine Punkteteilung im Spitzenspiel zwischen den Bayern und Leipzig, eine Niederlage von Verfolger Dortmund in Leverkusen und na ja, Gladbach als Vierter durfte dem Treiben an der Spitze zuschauen und hat jetzt nach der Absage des Spiels gegen Köln eine Nachholpartie in der Hinterhand. Den Schwung von Orkan Sabine, der an der Absage schuld war, wünscht man auch den Meister-Anwärtern. Sie alle haben aber ihre Probleme.

Die Münchner sollten sich auf die Statistik auch nicht verlassen, die Bayern von heute haben in keinster Weise die Klasse und das fast schon überbordende Selbstvertrauen ihrer Vorgänger. Zwar hat sich unter Trainer Hansi Flick vieles verbessert, aber zuletzt traten ungewohnte Schwierigkeiten auf. Früher hätten die Bayern eine Vorlage wie die Niederlage von Dortmund genutzt und Verfolger Leipzig geschlagen nach Hause geschickt – eine Vorentscheidung wäre gefallen. Heute fehlt dieses „mia san mia“ und seltsam, dass die Bayern nur selten über 90 Minuten ihre Klasse zeigen, zuletzt immer wieder in der zweiten Halbzeit schwächeln. Da gehen keine Signale an die Verfolger aus wie „ihr braucht euch keine Hoffnungen machen“, sondern sie machen den Verfolgern eher Hoffnung, weil die sehen, auch den Bayern gelingt nicht alles. Auch Thomas Müller rätselt: „Wir hatten in der 2. Halbzeit nicht mehr den absoluten Siegeswillen.“

Gegenüber den Kollegen hat Hansi Flick aber einen Vorteil, die verletzten Spieler kehren Stück für Stück zurück. Die Langzeitverletzten Hernandez und Coman durften ihr Kurz-Comeback feiern, allerdings hat Flick eigentlich seine Wunschformation gefunden, Änderungen geht er nur zögerlich an. Wohl auch deshalb, wenn er sieht, wie die große Hoffnung Coutinho eher zur Belastung wird. Der Zauberer hat seinen Zauber verloren, von ihm gehen keine Impulse aus. Da werden die Bayern keine 100 Millionen auf den Tisch legen, da wären schon 10 Millionen wie für den kanadischen Jungspund Davies zu viel. Der beeindruckt derzeit am meisten, zeigt den Schwung, den die ganze Mannschaft benötigt, bügelt Fehler sofort wieder aus und hilft mit seiner Schnelligkeit einer wackligen Abwehr. Da kann Coutinho nur staunen.

Im Gegensatz zu Flick hat Kollege Lucien Favre in Dortmund mehr Sorgen. Erst das Pokal-Aus in Bremen, jetzt das 3:4 in Leverkusen, das Ziel, etwas Silbernes am Ende der Saison in den Händen zu halten, gerät immer mehr aus dem Blickfeld. Jetzt gesellen sich Verletzungen hinzu, Marco Reus und Julian Brandt waren zuletzt so etwas wie das Herz der Mannschaft, fehlen aber wohl beide einige Wochen. Ein Rückschlag, zumal auch die Champions League wieder startet. Am Freitag kommt erst einmal Frankfurt, am Dienstag aber Thomas Tuchel mit Paris St. Germain. Wieder einmal geht es um Weichenstellung.

Mit Niederlagen musste zuletzt auch Julian Nagelsmann in Leipzig leben, auch die Bullen wurden von Frankfurt aus dem Pokal geworden, da war das 0:0 in München fast schon Balsam auf die Wunden. Da kann Nagelsmann leicht aufatmen „es geht wieder aufwärts“. Seltsam aber, dass die Torjäger alle diesmal Ladehemmung hatten, Werner zielte am leeren Tor vorbei, Lewandowski konnte sich nicht durchsetzen und Wunderknabe Erling Haaland kam für Dortmund zu spät. Der Fußball sorgt immer wieder dafür, dass hochfliegende Stars wieder auf dem Boden der Tatsachen landen.

Verletzungssorgen werden in den entscheidenden Spielen im Frühjahr erfahrungsgemäß wieder eine große Rolle spielen. Die Vereine können jammern oder dem Pech so begegnen wie Leverkusen: Mit Mut, Einsatzwillen und Selbstvertrauen. Das 4:3 gegen Dortmund in einem tollen Spiel könnte ein Signal sein, auch im Vorjahr rollte Bayer das Feld von hinten auf, schoss sich noch in die Champions League. Da sollten die Klubs davor nicht nur auf die Meisterschaft schauen.

Keine Bewegung oben, viel Bewegung unten. Die Underdogs sind obenauf, Paderborn, Düsseldorf, Union Berlin und Mainz punkteten allesamt und brachten Werder Bremen wieder in die Bredouille, sprich auf einen Abstiegsplatz. Ehrenvoll, aber wirklich sinnvoll? Die Bremer halten an Trainer Florian Kohlfeldt auch nach dem 0:2 gegen Union eisern fest. Man möchte ihnen wünschen, dass sie auch belohnt werden, auch wenn man andererseits keinem anderen wünscht, dass er absteigt. Der Kampf wird aber härter, Rückschlag für Hertha, wo Trainer Jürgen Klinsmann zu einem ungewöhnlichen psychologischen Mittel greift, nämlich zwei Tage frei „um die Köpfe frei zu bekommen“. Rückschlag auch für den FC Augsburg, wieder einmal eine peinlich hohe Niederlage, diesmal 0:5 in Frankfurt. Trainer Martin Schmidt hat ein Torhüter-Problem, sein Favorit Tomas Koubek verunsichert das Team immer wieder mit Fehlern, die Nummer zwei, Andreas Luthe, genießt nicht das Vertrauen des Coaches. Wer aber kann Rückhalt im Abstiegskampf sein?

Der Pokal und die eigenen Gesetze

Ein Ausspruch für das Phrasenschwein, aber im Achtelfinale bestätigte sich wieder einmal, dass der Pokal seine eigene Gesetze hat, nämlich, dass es keine Schonfrist für die Favoriten gibt. Die Prominenz musste sich reihenweise verabschieden und sogar die Bayern wackelten beim glücklichen 4:3 gegen Hoffenheim. Leipzig scheiterte aber in Frankfurt, Dortmund beim Abstiegskandidaten Bremen, der aber seltsamerweise diesen Schwung nicht mit ins Treffen gegen Union Berlin nehmen konnte. Mit dem 1. FC Saarbrücken (5:3 im Elfmeterschießen gegen Karlsruhe) zog sogar ein Regionalligist ins Viertelfinale ein. Nach der Auslosung steht Fortuna Düsseldorf auf der „Abschussliste“. Saarbrücken hat derzeit kein eigenes Stadion und sorgt dennoch für Furore. Am 3. oder 4. März heißt das Schlagerspiel Schalke 04 gegen Bayern München, Bayer Leverkusen erwartet Union Berlin und mit Frankfurt und Bremen treffen die beiden Favoriten-Killer aufeinander. Es sieht danach aus, als sollte die Eintracht ihrem Ruf als Pokal-Mannschaft wieder gerecht werden.

Ein „Pokal-Schmankerl“ der besonderen Art lieferte der FC Liverpool. Weil Jürgen Klopp mit einer B-Elf im FA-Cup beim Drittligisten Shrewsbury Town nur unentschieden spielte, gab es ein Wiederholungsspiel, das ausgerechnet in die Liverpooler Winterpause der Premier League angesetzt wurde. Klopp weigerte sich, seinen Stars den versprochenen Urlaub zu streichen und so trat zum Wiederholungsspiel quasi ein Junioren-Team an. 19 Jahre und 102 Tage betrug das Durchschnittsalter der Mannschaft, betreut von Reserve-Coach Neil Critshley. Ein Eigentor des Gegners brachte den Junioren sensationell einen 1:0-Sieg. Klopp saß auf dem Sofa zu Hause und hatte ein Geschenk: Im Achtelfinale gegen den FC Chelsea (Bayerns Gegner in der Champions League) dürfen ein oder zwei dieser Pokal-Helden bei den Profis mitwirken. Wohl eine Art Glücksbringer.

Bundesliga-Start: Alles spricht für Leipzig

Neues Jahr, neues Glück, neues oder vielleicht altes Interesse an der Fußball-Bundesliga. Am Freitag geht es wieder los mit dem Schlagerspiel Schalke 04 – Borussia Mönchengladbach, Fünfter (30 Punkte) gegen Zweiter (35), und alle Fans können im Free-TV zuschauen, das ZDF überträgt live. Die Winterpause, eigentlich nur eine Weihnachtspause, war kurz (aber lang genug), die Vorfreude ist groß und die Spannung steigt. Die Trainingslager und Testspiele haben mehr Rätsel aufgegeben, als dass sie Erkenntnisse gebracht hätten. Ein Problem haben fast alle Mannschaften, sie sind nicht komplett, leiden unter Verletzungen.

Dies könnte auch den Kampf um den Titel beeinflussen, weil Titelverteidiger Bayern München eher einem Krankenlager gleicht als einem Meister-Team. Trainer Hansi Flick, der darum kämpft, zu beweisen, dass er auch nach dem Sommer der richtige Coach wäre, hat vorsorglich nur ein kurzfristiges Ziel ausgegeben: „Wir müssen die ersten Spiele irgendwie überstehen.“ Martinez, Hernandez, Coman und wohl auch Gnabry fehlen verletzt, Kimmich ist beim Start am Sonntag bei Jürgen Klinsmanns wieder erstarkten Hertha gelb-gesperrt, der Kader insgesamt zu klein. Die Hoffnungen ruhen auf Torjäger Robert Lewandowski, der nach einer Leistenoperation punktgenau wieder fit sein soll, und Jung-Vater Thiago. Daneben gibt es aber zudem Unruhe im Verein, so fordert der Trainer Neuzugänge im Winter für den knappen Kader, Sportdirektor Salihamidzic wiegelt ab, „im Winter ist nichts auf dem Markt“. Dazu gibt es jetzt schon Diskussionen um Sommer-Neuzugang Alexander Nübel, eigentlich ein sinnvoller Einkauf, nur der Zeitpunkt gegenüber Torhüter-Platzhirsch Manuel Neuer ist problematisch. Dazu kam im einzigen Test eine 2:5-Niederlage in Nürnberg, die Stammbesetzung schaffte dabei nur ein 1:1, die Nachwuchskräfte gingen unter. Keine guten Voraussetzungen für den Ausbau des Titel-Rekords von sieben auf acht.

Wie heißt es immer so schön bei Bayerns Konkurrenten: „Wenn die Bayern schwächeln, müssen wir da sein.“ Nun schwächeln sie offensichtlich, doch wer ist da? Alles spricht eigentlich für Halbzeitmeister RB Leipzig, der immerhin vier Punkte Vorsprung auf die Bayern hat und nicht den Anschein macht, dass er sich eine Krise nehmen will. Spieler und Neu-Trainer Julian Nagelsmann sind ehrgeizig und propagieren das Ziel „wir wollen vorne bleiben“. Zwei Fragezeichen: Nagelsmann spielte mit Hoffenheim oft eine schwächere Rückrunde und außerdem, wie werden die Spieler mit dem ungewohnten Druck fertig, wenn es wirklich um die Wurst geht? Die Bayern kennen das. Schon am 4. Spieltag der Rückrunde, am Sonntag, 9. Februar (18.00 Uhr), kommt es zum großen Duell Bayern – Leipzig. In der Hinrunde gab es ein 1:1 mit Vorteilen für die Münchner.

Im Titelkampf können sich natürlich auch Gladbach und Dortmund melden, nach dem Motto „wir sind auch noch da“. Die Gladbacher bleiben aber eher bescheiden, würden den Titel gerne mitnehmen, schielen aber nach der erfolgreichen Vorrunde mit Platz zwei eher wenigstens auf einen Platz für die Champions League und wollen diesen gegen die Mitkonkurrenten Schalke und Leverkusen verteidigen. Borussia Dortmund hat das Ziel Meisterschaft noch nicht aufgegeben, verzweifelt aber an der fehlenden Konstanz der Mannschaft. Vor allem gegen auf dem Papier schwächere Teams wurden Punkte abgegeben. Ändert sich das nicht, ist Dortmund nicht meisterschaftsreif. Gleich der Auftakt ist so eine Prüfung, nämlich in Augsburg, das man in der Hinrunde 5:1 geschlagen hat, doch der FCA hat sich geändert.

Apropos Augsburg, die Mannschaft hat eine erstaunliche Wandlung durchgemacht und sich eigentlich aus dem Abstiegskampf verabschiedet, aber das Tabellenende ist nicht so weit weg, so dass der Klassenerhalt das vorrangige Ziel der bayerischen Schwaben bleibt. Da sollte der Start nicht so holprig sein wie in der Hinrunde mit Niederlagen in Dortmund und Bremen und nur einem 1:1 gegen Neuling Union Berlin. Aber Bremen und Union sind schon Schlüsselspiele, um den Abstand nach unten zu wahren.

Ja, Schlüsselspiele gibt es gleich zum Start der Rückrunde, obwohl natürlich noch 17 Spieltage anstehen. Aber wer am Anfang verliert, dem gehen nicht nur Punkte ab, sondern der muss auch gegen Unruhe im Verein kämpfen. Siehe Bremen, das eigentlich eher auf die Europa League schielte, sich jetzt aber auf einem Abstiegsplatz wiederfindet. Das Verletzungspech hatte zugeschlagen, Besserung ist jedoch in Sicht und Neuzugang Kevin Vogt aus Hoffenheim soll der dringend gesuchte Stabilisator der Abwehr sein. Schon der Auftakt am Samstag in Düsseldorf ist ein Schlüsselspiel – für beide Teams, schließlich spielt der 16. gegen den 17., die Fortuna hat gerade mal einen Zähler mehr als Werder. Schlüsselspiele haben natürlich auch Köln (17 Punkte) und Mainz (18), die davor platziert sind. Beide Klubs werden mit Schrecken an den Start der Bundesliga zurückdenken, denn es begann mit zwei Niederlagen.

Zweifellos gibt es in der Bundesliga mehr Sorgenkinder als glückliche Vereine. Wer unten steht, hat natürlich Sorgen, Hertha hofft mit Klinsmann die Trendwende geschafft zu haben, Frankfurt will das Ziel Europa League nicht aus den Augen verlieren und zu alter Stärke zurückfinden. Glücklich sind eher Aufsteiger Union Berlin und Freiburg mit Plätzen im Mittelfeld, doch die Verunsicherung bleibt, weil beide wissen, dass Erfolg und Glück oft nicht von Dauer sind. Glücklich ist man auch eher auf Schalke, weil man im Vorjahr schließlich noch gegen den Abstieg gekämpft hat, zwischen Zuversicht und Zweifel befinden sich Wolfsburg, Hoffenheim und Leverkusen. Geht es nach oben oder droht ein Abrutschen nach unten?

Die Bundesliga wartet nicht auf den Sommer, den Fans wird vorher schon heiß und sie können sich darauf freuen, dass es nur Ende März eine Länderspielpause gibt. Unerfreuliche Dinge werden leider bleiben, Fehlentscheidungen der Schiedsrichter, unerträglich langes Warten auf die Entscheidungen beim Videobeweis, Diskussionen um Handspiele, Ärger über Rudelbildungen und vieles mehr. Die Schiedsrichter wollen ein besonderes Auge auf Unsportlichkeiten legen. Wäre schön, wenn hier ein Anfang zur Besserung gemacht werden könnte. Mehr Anstand könnte der Bundesliga gut tun (lesen Sie dazu auch die Kolumne vom 26. Dezember 2019 „Der Fußball braucht mehr Anstand“).

Retter Zirkzee macht bei Bayern alle glücklich

Es ist Weihnachten, Geschenke werden verteilt, in der Fußball-Bundesliga bereits vor dem Fest. Es naht aber auch das Jahresende, der Fußball hierzulande verabschiedet sich in die Winterpause, die eigentlich nur eine kurze Weihnachtspause ist. Zeit also für eine Zwischenbilanz nach Ende der Hinrunde, Zeit aber auch, sich den Geschenken zu widmen.

Natürlich, der RasenBallsport Leipzig (welch ein Name) wurde überraschend Weihnachtsmeister, aber am glücklichsten waren sie in den letzten Tagen von den Spitzenteams in München. Nach den frustrierenden 1:2-Niederlagen gegen Leverkusen und Gladbach mit einer Chancenverschwendung ohnegleichen sorgten die geforderten drei Siege zum Abschluss gegen Bremen, Freiburg und Wolfsburg wieder für gute Stimmung. Platz drei und nur vier Punkte Rückstand auf Leipzig fallen unter das Motto Schadensbegrenzung (im Vorjahr waren es sechs Zähler Rückstand auf Dortmund), alle Titel sind noch möglich und so feiert man in München frohe Weihnachten. Die Geschenke hat man schon erhalten, das Bayern-Dusel ist zurück.

Glücklich machte die Bayern vor allem ein 18-Jähriger namens Joshua Zirkzee. Der Niederländer ist 1,93 m groß, kam vor zwei Jahren von Feyenoord Rotterdam, ließ in der U17 und U19 sein Talent erkennen und wurde kürzlich unter Trainer Hansi Flick in den Profikader aufgenommen, seine Stammmannschaft ist die Bayern II in der 3. Liga. Zum Teil aus Verzweiflung, zum Teil, weil er ein glückliches Händchen hat, brachte Flick am Mittwoch In Freiburg den jungen Stürmer kurz Schluss als letzte Hoffnung, um beim 1:1 das Match noch zu drehen. Zirkzee traf nach 104 Sekunden mit der ersten Ballberührung, Bayern gewann in der Nachspielzeit 3:1. Und um das Märchen auf die Spitze zu treiben, kam Zirkzee beim Stande von 0:0 am Samstag auch gegen Wolfsburg, brauchte zwar fast drei Minuten traf aber wieder mit der ersten Ballberührung. Ein Tor von Gnabry folgte wie in Freiburg – welche eine Doublette. Zirkzees Bilanz: Acht Minuten Spielzeit, acht Ballberührungen, zwei Torschüsse, zwei Tore. Erstaunlich: In der Bayern II war er noch nicht erfolgreich und am Sonntag beim 1:1 gegen Würzburg konnte er zwei hochkarätige Chancen nicht nutzen. So bleibt der junge Mann wohl leichter auf dem Boden. Aber er machte die Bayern auch deshalb stolz und glücklich, weil sie den ersten Ertrag aus einer verbesserten Nachwuchsarbeit im sogenannten Campus ernten konnten.

Aber das waren nicht die einzigen Geschenke bei den Bayern pünktlich zum Weihnachtsfest. Hansi Flick bleibt bis zum Jahresende Trainer, nachdem er die Mannschaft nachhaltig auf Vordermann gebracht hat, wobei der Verein ausdrücklich darauf hinweist, dass er auch darüber hinaus Cheftrainer bleiben könnte. Sein Vertrag als Co-Trainer läuft bis 2021. Als Neuzugang im Sommer wird Schalkes Torhüter-Talent Alexander Nübel gehandelt. Seinen Abgang auf Schalke hat er kundgetan, bei Bayern soll er einen Fünfjahresvertrag unterschreiben und als Neuer-Nachfolger aufgebaut werden und für einige Spiele eine Einsatzgarantie haben. Andere Großvereine in Europa schauen dann in die Röhre. Gut auch, dass Torjäger Robert Lewandowski erfolgreich an der Leiste operiert wurde, so sollte er zum Rückrundenstart am 19. Januar in Berlin und sogar zum umstrittenen Trainingslager ab 4. Januar in Katar wieder an Bord sein. Auch Neugänge wie Verteidiger Benjamin Henrichs (derzeit Monaco) oder vielleicht sogar Leroy Sane (Manchester City) sind im Gespräch. Im Januar wollen die Bayern wieder einen großen Kader haben, gegen Wolfsburg saß gerade noch Boateng als Feldspieler vom Profikader auf der Bank und musste prompt den verletzten Martinez ersetzen.

Leipzg darf vom Titel träumen

Viele Teams kamen in den letzten Spielen quasi auf dem Zahnfleisch daher, nicht aber RB Leipzig. Den Brause-Klub mögen die Fans in Deutschland zwar nicht, aber man muss den Verantwortlichen schon ein Kompliment machen, wie sie mit dem Red-Bull-Geld den Verein langsam und mit dem Auge für junge Spieler zu einem Spitzenteam aufgebaut haben. Ralf Rangnick hat die Basisarbeit geleistet, Julian Nagelsmann führt sie fort und hat das Team weiterentwickelt. Die Halbzeitmeisterschaft ist der erste Schritt zum Titelgewinn, 68 Prozent holten am Ende auch den Titel. Leipzig darf also träumen. Abzuwarten bleibt, wie Leipzig mit Rückschlägen und Formtiefs, die kommen werden, umgeht. Torjäger Timo Werner zum Beispiel hat noch kein Jahr auf diesem Niveau durchgehalten. Deshalb bleibt bei den Verfolgern die Hoffnung am Leben. Zuletzt aber beeindruckte Leipzig mit zwölf Spielen in Serie ohne Niederlage, schaffte so auch den Einzug ins Achtelfinale der Champions League.

Die englische Woche zum Abschluss der Vorrunde hatte es zweifellos in sich. Borussia Dortmund verlor leichtfertig an Boden und von frohen Weihnachten ist nach dem 3:3 gegen Leipzig und 1:2 in Hoffenheim (beide Male eine Führung verspielt) nicht die Rede, sondern da spricht man im Verein von einem „Scheiß-Gefühl“. Konstanz war für den Titel-Anwärter ein Fremdwort, mal wähnte er sich nach begeisternden Spielen im Himmel, dann wieder sah man sich nach verkorksten Spielen in der Hölle.

Die schlechteste Stimmung herrscht derzeit wohl in Bremen. Da brach die Mannschaft in den letzten Spielen buchstäblich auseinander, kassierte nach dem 1:6 in München noch ein 0:5 gegen Mainz und 0:1 in Köln, zwei Spiele, die entscheidend im Abstiegskampf waren. Bremen sackte auf einen Abstiegsplatz ab, wollte aber wohlgemerkt die Plätze für Europa angreifen – vor der Saison. An Trainer Florian Kohfeldt wollen die Bremer tapfer festhalten und der verspricht: „Wir steigen nicht ab.“ Der Start zur Rückrunde wird heiß mit dem Gastspiel in Düsseldorf (ein Punkt besser). Dort wird der Vertrag mit Friedhelm Funkel verlängert, mehr als den Klassenerhalt fordert man bei der Fortuna nicht.

Ähnlich wie in Bremen ist die Stimmung auch in Frankfurt, doch die Eintracht hat genug Punkte gesammelt und bessere Zeiten erlebt, war jedoch zuletzt nach 31 Spielen in der ersten Saisonhälfte total am Boden zerstört. Viele Vereine erleben einen Einbruch, wenn sie mal die Bayern besiegen, warum auch immer. Auch die Eintracht erlebte dieses Phänomen, nach dem 5:1 über die Münchner gab es keinen Sieg mehr!

Das Gegenteil ist beim 1. FC Köln der Fall, der erlebte die englische Woche als Geschenk, drei Spiele, drei Siege und das Team unter dem neuen Trainer Markus Gisdol marschierte vom Tabellenende weg bis auf Rang 15, der den Klassenerhalt garantiert. Neues Schlusslicht ist Neuling SC Paderborn, doch hier gibt es dennoch zumindest ruhige Weihnachten, das 2:1 gegen Frankfurt lässt die Hoffnung keimen, dass der Klassenerhalt durchaus machbar ist. Schön, dass es noch Vereine gibt, die realistisch bleiben und keine utopischen Ziele als machbar verkaufen. Ein bisschen Vernunft gibt es also in der Bundesliga immer noch.

Ein kleiner Blick noch auf Bilanzen: Die meisten Tore erzielte Leipzig (48) vor den Bayern (46), die wenigsten kassierten Gladbach und Wolfsburg (je 18). Aber aufgepasst: Die beste Chancenverwertung hat Augsburg, von 78 Großchancen wurden 35,9 Prozent genutzt (Leipzig 35,3 % von 136, die Bayern nur 27,9 % von 165, die Höchstzahl). Beste Heimmannschaft war Gladbach mit 22 Punkten, in der Fremde am wohlsten fühlt sich Leipzig und holte 20 Zähler. Die Torjägerliste führt Robert Lewandowski mit 19 Treffern an vor Timo Werner (18). In der Skorerliste (Tore und Vorlagen) liegt aber Werner mit 25 Punkten vor Lewandowski (22). Kurios: Beide Spieler führen mit der Durchschnittsnote von 2,44 die kicker-Rangliste der Top-Feldspieler an (bester Torhüter ist Hradecky (Leverkusen/2,68).

Die Fans können ruhige Weihnachten genießen, den Jahreswechsel feiern und sich dann schon wieder für die Rückrunde warmlaufen, am Freitag, 17. Januar, geht es mit dem Spitzenspiel Schalke (5.) – Gladbach (2.) weiter, im Hinspiel gab es allerdings ein 0:0.

Mit Uli Hoeneß ging bei den Bayern auch das Glück

Die Frage stand immer im Raum: Was wird einmal aus den Bayern, wenn Uli Hoeneß geht? Die Antwort scheint mit einem Blick auf die Tabelle der Fußball-Bundesliga gegeben: Die Münchner liegen nur auf Rang sieben! Zwei 1:2-Niederlagen in Folge gegen Leverkusen und bei Tabellenführer Borussia Mönchengladbach haben Spuren hinterlassen und statt des „mia san mia“ ist jetzt Verunsicherung beim Titelverteidiger zu spüren, der wohl beim Rekord von sieben Titelgewinnen in Folge stehen bleibt. Neues Ziel: Zunächst mal ein Platz für die Champions League. So ändern sich die Zeiten.

Was augenfällig ist: Mit Uli Hoeneß ging offensichtlich bei den Bayern auch das Glück. War es früher ein Markenzeichen der Bayern, dass sie in den letzten Minuten ein Spiel noch drehen konnten, so passiert heute das Gegenteil. Wie eben auch in Gladbach durch einen unglücklichen (oder blöden?) Elfmeter in der Nachspielzeit. Unglücklich ist es allerdings nicht, sondern eher bedenklich, wenn die Bayern nach starken 60 Minuten und einer 1:0-Führung die Kontrolle über das Spiel verlieren. Seltsam ist, dass die Super-Stürmer das Tor nicht mehr treffen. Ging in den ersten Spielen alles fast von allein für Robert Lewandowski, so setzt er jetzt die Bälle knapp vorbei und zeigt Zeichen der Resignation. Sein Lauf ist vorbei, einen Lauf hat dagegen Kontrahent Timo Werner in Leipzig. Bis auf ein Tor hat er sich an den Polen herangepirscht – die Bayern wollten ihn ja nicht. Dieser Fehlgriff passt in eine Reihe von unglücklichen Entscheidungen.

Der Unglücksrabe der Niederlagen war Javi Martinez. Gegen Leverkusen war der Spanier gegen den schnellen Bailey zu langsam, gegen Gladbach verschuldete er den entscheidenden Elfmeter (nur in der Zeitlupe war zu sehen, dass er zuerst den Ball spielte und Thuram aufs Fallen aus war, aber Elfmeter war es wohl trotzdem). Das Problem: Martinez ist für die Innenverteidigung zu langsam. Zur Erinnerung: Martinez galt einst als Glücksbote, wenn er spielte gewannen die Bayern. Auch heute noch ist er im Mittelfeld wohl besser aufgehoben, da bremst er manchen guten Spielzug des Gegners durch seine Erfahrung und sein gutes Spielverständnis. Kommt der Gegner zum schnellen Konterspiel wird er zum Zuschauer. Auffällig außerdem: Gegen die Bayern trafen zuletzt Spieler entscheidend, die bis dahin eher ein Schattendasein führten. Zweimal traf Bailey (bisher enttäuschend), Bensebaini kämpft mit Wendt um einen Platz im Team, Adamyan war vor seinen Toren in München bei Hoffenheim meist Ersatz. Das Glück haben heute die anderen.

Die Meisterschaft werden und müssen die Bayern noch nicht abschreiben. Vor einem Jahr lagen sie am 14. Spieltag neun Punkte hinter Dortmund und zwei hinter Gladbach (!), waren Dritter. Die Rückrunden-Tabelle spricht allerdings Bände: Erster war München mit 42 Punkten, Zweiter Leipzig (35), Dritter Leverkusen (34), Vierter Dortmund (34) und nur Zehnter mit 22 Zählern Gladbach. Wiederholt sich die Geschichte, heißt am Ende der Meister doch wieder Bayern München! Dazu braucht es allerdings auch wieder Glück, Tore und starke Leistung. Und das ohne Uli Hoeneß (zumindest in vorderster Front).

Geklärt werden muss auch die Trainer-Frage, Interimstrainer Hansi Flick hat gewonnen und verloren. Die Leistung kann sich (über lange Zeit) sehen lassen, doch der Ertrag stimmt nicht. Ob er zumindest bis zum Sommer erster Mann bleiben wird, entscheidet sich wohl in den nächsten Spielen bis Weihnachten, gegen Bremen, in Freiburg (vor den Bayern, für sie ein Jahrhundertereignis!) und gegen Wolfsburg müssen drei Siege her. Die Entscheidung fällt so oder so in der Winterpause, die Medien könnten sich die wiederkehrenden Fragen zur Zukunft von Flick bis dahin sparen. Ein Gespann Thomas Tuchel/Hansi Flick hätte für die Zukunft zweifellos seinen Reiz.

Alle reden über die Bayern, dabei geht der Tabellenführer unter. Aber Borussia Mönchengladbach ist kein Zufallstabellenführer, sondern zeigt beeindruckende Leistungen und trotzte auch dem Verletzungspech. Als „König der Liga“ kann sich Manager Max Eberl fühlen, der den Umbau des Teams glänzend bewerkstelligte. Seine Trainer-Entscheidung von Dieter Hecking zu Marco Rose war ebenso ein Treffer wie er bei den Neuzugängen richtig lag. Auch hier sei angemerkt: Eberl war auch bei den Bayern im Gespräch, die sich dann für Hasan Salihamidzic entschieden. Auch hier sicherlich keine glückliche Entscheidung. Aber vielleicht passt Eberl besser zu Gladbach. Und auf dem Weg zum ersten Titelgewinn seit 1977 wird wohl RB Leipzig der schärfste Gegner sein, zumindest, wenn Timo Werner weiterhin so auftrumpft. Leipzig siegte jetzt fünfmal hintereinander.

Apropos Serien: „Mannschaft der Stunde“ ist eigentlich der FC Augsburg, der viermal ungeschlagen blieb und sich in den wichtigen Spielen gegen die Konkurrenten im Abstiegskampf aus dem Sumpf zog. 17 Punkte und Platz 12 sind der Lohn, fünf Punkte beträgt das Polster zum Relegationsplatz. Kein Wunder, dass Trainer Martin Schmidt die Platte immer neu auflegt: „Der Trend stimmt“. Bemerkenswert auch, dass Paderborn die „Rote Laterne“ abgab und Bremen mit dem 1:0-Sieg in den Abstiegskampf zog. Neues Schlusslicht ist der 1. FC Köln, dort heißt der Trend seit Jahren: Glauben wir, es wird gut, dann wird alles schlecht. Der aktuelle Trend heißt Abstieg.

Platz eins ohne Sicherheit

Bis Weihnachten gibt es keine Ruhepause mehr, in diesen Tagen steht die Entscheidung in Champions League und Europa League an. Die Bundesliga-Klubs haben bisher eine beachtliche Rolle gespielt, Bayern München ist sogar schon Gruppensieger, Leipzig will Platz eins in Lyon und auch gegen St. Petersburg (beide drei Punkte zurück) halten. Doch Platz eins bietet für die Auslosung am Montag, 16. Dezember, keine Garantie für einen leichteren Gegner im Achtelfinale. Die Bayern haben da ja im Vorjahr eine leidvolle Erfahrung gemacht und jetzt könnte dann wieder der FC Liverpool drohen, wenn die Klopp-Schützlinge nicht in Salzburg gewinnen (Hinspiel 4:3). Eine Niederlage könnte sogar das Aus bedeuten, denn Neapel ist ein Sieg gegen Genk zuzutrauen. Aber auch Real und Atletico Madrid drohen für die Gruppensieger als Gegner. Wie die Bayern Erster sind bereits Paris, Manchester City, Juventus Turin und der FC Barcelona. Dortmund kämpft (gegen Slavia Prag) noch um den Einzug ins Achtelfinale und muss dabei hoffen, dass Barca bei Inter Mailand willens ist Leistung zu zeigen. Auch Leverkusen (gegen Juventus) hofft noch, überwintert aber wie Dortmund auf jeden Fall in der Europa League.

Der Trend ist nicht immer Dein Freund

Gemeinhin heißt es immer, „der Trend ist Dein Freund“. Doch in der Fußball-Bundesliga trifft das nur bedingt zu. „Der Trend stimmt“, ist allerdings bei Augsburgs Trainer Martin Schmidt fast zum Modewort geworden, seit Wochen erzählt er davon, dass der Trend stimmt, auch nach der Niederlage gegen Schalke am 10. Spieltag. Zwei Siege folgten und jetzt das 1:1 in Köln, das nach einem verschossenen Elfmeter eher eine Niederlage für den FCA im Abstiegskampf war. Aber der Trainer bleibt positiv: „Der Trend stimmt.“ Platz 12 kann aber trügerisch, gegen Mainz gibt es am Samstag wieder ein wichtiges Spiel im Kampf um den Klassenerhalt. Da sollte der Trend also ein FCA-Freund sein.

Bayern-Trainer Hansi Flick wird dem Schweizer nicht zustimmen, auch wenn ein Trend bei den Bayern auch offensichtlich wird. Der Trend nämlich, dass die Bayern gegen schnelle Stürmer der Gegner ihre Schwierigkeiten haben. Leverkusens Leon Bailey war das personifizierte Unheil für die Münchner Abwehr, Javi Martinez wird er im Traum als Ungeheuer erschienen sein. Der Spanier war einfach zu langsam. Die Bayern versiebten ihrerseits hochkarätige Chancen, scheiterten am überragenden Torhüter Hradecky bzw. an Pfosten und Latte. Und da zeigt sich, dass der Trend nicht immer Dein Freund ist, in dem Fall nämlich würden die Bayern auf den Trend gern verzichten, dass sie von allen Vereinen am meisten das Aluminium treffen.

Aber wie können sie dem Trend der Kontertore entgehen? Die Lösung muss bis zum Samstag gefunden sein, da geht es zur Borussia in Gladbach. Eigentlich wollten die Bayern dort mit einem Sieg die Tabellenführung übernehmen, der Plan geht bekanntlich bei wieder vier Punkten Rückstand nicht mehr auf. Jetzt geht es zunächst darum, den Abstand zu verkürzen. Doch die schnellen Stürmer Thuram, Plea, Embolo und Herrmann können Gift für die Bayern-Abwehr sein. Hält der Trend an, ist er kein Freund der Bayern, eher einer von Gladbach, deren Trend heißt „Tabellenführer“. Wie lange bleibt das so? Bis zum Saisonende, siehe Kaiserslautern 1998?

Offen ist noch, wie ein anderer Trend zu beurteilen ist. Der Trend bei den Bayern geht dahin, dass Hansi Flick über die Winterpause hinaus bis zum Sommer Trainer bleibt. Sicher ist dies allerdings nicht, auch wenn voreilige Medien schon melden „Flick bleibt bis Sommer“. Boss Rummenigge hat nur eine bekannte Tatsache bestätigt, dass man in der Winterpause reden will und der spielerische Trend in der Mannschaft stimme. Doch wenn die Tore nicht fallen, ist der Trend nicht Dein Freund. Und wenn die Bayern auch in Gladbach Federn lassen, haben wir plötzlich einen ganz anderen Trend… Allerdings hat Hansi Flick einen gewichtigen Fürsprecher. Trainer-Ikone Jupp Heynckes plädiert für eine Weiterpflichtung des einstigen Löw-Assistenten und meint im kicker: „Der FC Bayern kann mit ihm eine Epoche prägen.“ Das wäre mal ein Trend…

Den Bundesliga-Fans gefällt allerdings der Trend, dass es in der Liga spannend bleibt, nämlich in allen Bereichen, ob oben, in der Mitte (sprich Europa) und unten. Gladbach vor Leipzig und Schalke, die Bayern nur Vierter und Dortmund nur Fünfter, die Tabelle werden sich manche einrahmen. Schlusslicht Paderborn ist das Gegenbeispiel, es freut sich nicht über den Trend, dass trotz guter Spiele die Punkte fehlen. Der Trend ist also nicht der Freund des Aufsteigers. Auch Jürgen Klinsmann, der Überraschungsmann auf dem Trainerstuhl bei Hertha BSC, sieht den Trend nicht als seinen Freund an. Der Trend bei einem Trainerwechsel ist doch, dass eine Wende eintritt. Pech, Dortmunds Trend, unter Lucien Favre nicht gewinnen zu können, hielt nicht an.

Bundestrainer Joachim Löw wird übrigens bestätigen, dass der Trend ein Freund sein kann, wenn das Schicksal allerdings den Trend beendet, sieht es düster aus. So bei der Auslosung zur Europameisterschaft 2020. Bisher galt, dass das DFB-Team sich über Glückslose freuen kann, zumindest vorher, denn bei der WM 2018 war man dann trotzdem nicht glücklich. Der Trend ist vorbei. Vielleicht muss Löw deshalb gelassen auf die Gruppengegner Frankreich und Portugal reagieren (in einer Karikatur heißt es „Mexiko, Schweden und Südkorea waren schwerer“), aber der Weltmeister von 2014, der von 2018 und der Europameister von 2016 in einer Gruppe, das ist ja wirklich der Hammer und deshalb spricht jeder berechtigt von einer „Hammergruppe“. Der EM-Modus ist allerdings so großzügig, dass sogar der Gruppendritte eine Runde weiter kommen kann. Aber was soll erst der vierte Teilnehmer in dieser Gruppe sagen, der erst im März in den Play Offs der Nations League gesucht wird?

Der Trend im Fußball geht scheinbar auch hin zu Super-Torschützen. Robert Lewandowski beeindruckte in Belgrad mit vier Toren beim 6:0-Sieg der Bayern. Doch das war noch gar nichts, einen Rekord erzielte wohl Vivianne Miedema. Die Torjägerin aus der Niederlande, die 2017 von den Bayern zu Arsenal London wechselte und den Bayern-Mädchen arg fehlt, erzielte beim 11:1-Sieg von Arsenal gegen Bristol gleich sechs Tore und gab zu vier weiteren die Vorlage! In der Women’s Super League in England geben übrigens die Spitzenklubs Manchester City, Arsenal und Chelsea London den Ton an. In der Frauen-Bundesliga dominieren auch Bundesligisten, die Frauen des VfL Wolfsburg wurden ungeschlagen Herbstmeister (nur ein Punktverlust beim 1:1 gegen Bayern), liegen aber nur drei Punkte vor dem Überraschungsteam aus Hoffenheim (28) und den Bayern-Mädchen (25), die entscheidenden Boden durch eine Niederlage gegen Hoffenheim verloren. Es fehlt also auch bei den Frauen nicht an Spannung, allerdings fehlt es weiterhin an Zuschauern.