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Tag: Hockenheim

In Corona-Zeiten leidet der Motorsport noch unter einem anderen Virus

Corona ist in aller Munde, aber wenn es um den Motorsport geht, dann sorgt nicht allein Corona für Kopfschmerzen. Der Motorsport leidet noch unter einem anderen Virus, der am Ende sogar zu einer Selbstzerstörung führen könnte. Problem Nummer 1: Motorsport ist in Zeiten des Klimawandels nicht mehr zeitgemäß. Problem Nummer 2 ist hausgemacht: Eine Einigkeit unter den Firmen gibt es nicht, jeder versucht nur seine Vorteile zu sichern, denn nur Siege bescheren die nötige Aufmerksamkeit. Da sind wir aber bei Problem Nummer 3: Mit Erfolgen im Motorsport erzielt man nicht mehr den großen Imagegewinn wie früher. Wir sehen: Ein weitgestreutes Virus lässt den Motorsport leiden. Am Ende der Corona-Zeiten werden auch da Opfer zu beklagen sein.

Aktuelles Beispiel ist natürlich die DTM (Deutsches Tourenwagen-Masters), der Audi wohl den Todesstoß versetzt hat. Ein Blick zurück zeigt, wie sehr der angekündigte Ausstieg von Audi die DTM trifft. Letztes Rennen in Hockenheim, auf dem Siegerpodest verspritzen Nico Müller, Mike Rockenfeller und Gesamtsieger Rene Rast den Champagner. Alle drei fahren für Audi! 2021 wollen die Ingolstädter nicht mehr dabei sein, ob 2020 überhaupt gefahren wird, steht wie bei vielen Sportveranstaltungen in den Sternen. Nach dem Ausstieg von Mercedes und dem nur einjährigen Gastspiel von Aston Martin steht BMW jetzt alleine da. Da wird DTM-Chef Gerhard Berger bald nur noch das Ende der Serie verkünden können. Dabei war er hoffnungsvoll gewesen und sah eine Zusammenarbeit mit der japanischen Super-GT-Serie als Rettung. Mehr Internationalität, mehr Aufmerksamkeit und damit mehr Sponsoren und Teilnehmer war seine Kalkulation. Er hat sich verrechnet.

Es ist ein Bild der Zukunft: Audi sagt Nein zur DTM, aber Ja zur Formel E. Die Elektro-Serie elektrisiert die Konzerne, da sind neben Audi auch Mercedes und BMW dabei und diese Rennen sind auch im Zeichen des Klimawandels zeitgemäß, der Motorsport will auf leisen Sohlen quasi überleben. Die Formel E mit ihren Rennen in den Großstädten der Welt wird über kurz oder lang auch der Formel 1 den Rang als Königsklasse ablaufen.

Die Formel 1 ist auch ohne Corona krank. Gut, das Virus ist natürlich schuld, dass die Rennen 2020 bisher alle abgesagt werden mussten, alle Zukunftspläne mit Kostenreduzierung und neuen Regeln 2021 wurden zunichte gemacht. Jetzt kämpft die Formel 1 ums Überleben, versucht verzweifelt einige Rennen zu retten, wo doch 2020 eine Rekordsaison mit 22 Rennen sein sollte. Jetzt wird ein Start am 5. Juli in Spielberg ins Auge gefasst, ohne Zuschauer natürlich, nur für das Fernsehen. Sogar ein zweites Rennen am 12. Juli ist möglich und am 19. soll es in Silverstone in England weitergehen. Selbst Hockenheim, 2020 eigentlich Zuschauer, kommt wieder ins Gespräch. Geisterrennen kann man sich vielleicht eher vorstellen als Geisterspiele im Fußball. Corona hat viele Geister ins Sportlerleben gebracht. Der Vorteil der Formel 1: Die Mechaniker sind sowieso unter ihren Helmen mit Visier geschützt. Zumindest beim Rennen und Training.

Die Formel 1 versucht verzweifelt die Gegenwart zu meistern, aber die Zukunft sieht dennoch eher düster aus. Die neuen Besitzer, der US-Konzern Liberty Media, werden nicht glücklich mit dem Motorsport weil Boss Chase Carey den Laden nicht im Griff hat, Bernie Ecclestone kann nur den Kopf schütteln. Und so werden nur Schreckensmeldungen in die Welt gesetzt. Keine Einigkeit bei den Rennställen über die Kostendeckelung, die den Großen zu weit, den Kleinen aber nicht weit genug geht. Ferrari setzte sogar das Gerücht des Ausstiegs in die Welt, doch jeder weiß, die Formel 1 ist für Ferrari überlebensnotwendig. Wenn es nur endlich wieder Siege gäbe. Aber auch um Seriensieger Mercedes ranken sich Gerüchte, die Stuttgarter müssen wie alle Firmen sparen, haben Kurzarbeit ausgerufen und sinnieren schon, ob sich die Formel 1 noch lohnt. Dazu wurde aus dem Chefstrategen Toto Wolff ein unsicherer Kantonist, Gerüchte sind ein Trennungsvirus: Mal sieht man ihn als neuen Formel-1-Chef, mal sieht man ihn zur Konkurrenz abwandern, mal wird kolportiert, dass er sich ganz aus dem Motorsport zurückzieht. Nur über die Zukunft bei Mercedes wird wenig geredet. Und die Vertragsverlängerung von Weltmeister Lewis Hamilton ist auch noch offen. RTL-Experte Ralf Schumacher brachte jetzt sogar einen Platztausch von Sebastian Vettel und Hamilton bei Ferrari und Mercedes ins Gespräch. Das würde fast schon den Ausstieg von Mercedes bedeuten.

Corona hält die Welt in Atem und hat den Zerfall des Motorsports weltweit mit Sicherheit beschleunigt. In welchem Tempo das passiert, ist offen. Aber auch hier gilt: Nach Corona wird nichts mehr so sein wie vorher.

Die Formel 1 lebt von der Hoffnung

 

Drei Mann und ein Befehl: Macht die Weltmeisterschaft der Formel 1 spannend! Diese drei Mann sind Titelverteidiger Lewis Hamilton, sein Herausforderer im Mercedes-Team Nico Rosberg und Sebastian Vettel im Ferrari. Vor allem ihm drücken die Formel-1-Fans die Daumen, die endlich wieder Spannung wollen. Selbst Mercedes wäre froh, mehr herausgefordert zu werden. Langeweile ist schlecht für das Geschäft, leichte Siege bringen keine Anerkennung. 22 Autos, aber nur drei, denen Siege zugetraut werden – die Formel 1 lebt von der Hoffnung.

Die neue Saison wird lang, die längste aller Zeiten. Von Melbourne am kommenden Sonntag, 20. März, bis Abu Dhabi am 27. November stehen 2016 erstmals 21 Rennen auf dem Programm. Auch Deutschland ist mit dem Hockenheimring (31. Juli) wieder dabei. 21 Rennen und Langeweile – nichts kann tödlicher sein.

Für Spannung könnte Nico Rosberg sorgen. „Es muss mein Jahr werden“, hofft er, weil er weiß, dass mit jedem Jahr hinter dem Rivalen Lewis Hamilton die Chance auf den Titel immer kleiner wird und sogar sein Cockpit in Gefahr gerät. Als der Engländer im letzten Jahr als Weltmeister feststand, siegte Rosberg plötzlich in den letzten drei Rennen. Ein Zeichen, dass er dem Druck nicht gewachsen ist? Die Bilanz 2015 sah Hamilton immer vorn: Zehn Siege (Rosberg 6), 17 Podestplätze (15), Elfmal Pole Position (7), 18 Rennen in den Punkten (17) und im Trainingsduell 12:7. Für Rosberg gibt es Verbesserungspotential. Aber der Deutsche strahlt nicht das Selbstbewusstsein des Engländers aus, der Extravaganzen liebt und sich die Gelassenheit offensichtlich im Showbusiness holt.

Für Spannung soll Sebastian Vettel sorgen. Er ist sich sicher, „unser Auto ist besser geworden“, aber er schränkt ein, „wir wissen nicht, wie viel besser auch der Mercedes geworden ist“. Im Vorjahr sorgte Vettel gleich im zweiten Rennen in Malaysia mit seinem Sieg für einen Paukenschlag, dann aber war es erst einmal vorbei. Erst im zehnten Rennen in Budapest klappte es wieder und schließlich noch einmal in Singapur. Drei Siege als Anfang, drei Siege als Hoffnung.

Traurig, dass von den restlichen Teams wohl keines für einen Sieg in Frage kommt. Selbst Vettel kann nur hoffen, dass er von Teamkollege Kimi Räikkönen Unterstützung bekommt. Williams, Red Bull, McLaren, Force India, Toro Rosso, Renault, Manor, Sauber und die Neulinge vom Team Haas kämpfen darum, zwischendurch wenigstens einmal auf dem Treppchen zu stehen. Red Bull möchte Williams Platz drei in der Konstrukteurswertung streitig machen. Von Erfolgen wie in der Vor-Hybrid-Ära sind sie weit entfernt.

Die Formel 1 lebt von der Hoffnung, aber auch von den Deutschen. Mercedes hat den besten Motor und stellt mit vier Piloten das Gros im Fahrerfeld. DTM-Meister Pascal Wehrlein bekam ein Cockpit bei Manor, das jetzt mit Mercedes-Motoren beliefert wird. Der 23jährige gilt als große Nachwuchshoffnung und sitzt Nico Rosberg im Nacken. Nico Hülkenberg will mit dem starken Force India wenigstens ab und zu aus dem Schatten von Rosberg und Vettel treten.

Neuerungen gibt es natürlich ebenfalls wieder, wenn auch im bescheidenen Rahmen. Für die echten Renn-Fans erfreulich: Die Motoren werden wieder lauter. Das Qualifying soll dadurch interessanter werden, dass alle 90 Sekunden der Langsamste rausfliegt. Dadurch sollen alle Teams frühzeitig auf die Strecken gezwungen werden. Ein Pokerspiel wird es bei der Reifenwahl geben, 13 Sätze gibt es für ein Rennwochenende für jeden Fahrer, drei werden von Hersteller Pirelli vorgeschrieben, der neue Ultrasoft ist besonders weich und schnell. Die Top 10 müssen mit dem Reifensatz im Rennen starten, mit dem sie im zweiten Qualifying die Bestzeit erzielt haben. Die Formel 1 liebt es immer noch kompliziert. Es müssen ja nicht gleich alle den richtigen Überblick haben. Neu im Rennkalender ist auch Baku, am 19. Juni wird in der Hauptstadt von Aserbaidschan gefahren. Der bekannt geldgierige Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hat dort eine neue Einnahmequelle entdeckt. Unter diesem Aspekt ist die Zukunft in Deutschland ziemlich mit einem Fragezeichen zu versehen. Ob Hockenheim alle zwei Jahre das nötige Kleingeld besorgen kann, ist nicht sicher.

Noch immer sieht sich die Formel 1 als die Krone des Motorsports. Doch ist sie das wirklich, wenn nur drei von 22 Autos um den Titel fahren können, vielleicht aber auch wieder nur zwei? Die Formel 1 lebt von der Hoffnung und die Fans auch. Wie schön wäre es, wenn wenigstens die Hälfte des Feldes für den Sieg in Frage käme! Träume!

Die Rennen: 20. 3. Melbourne/Australien, 3. 4. Manama/Bahrain, 17. 4. Shanghai/China, 1. 5. Sotschi/Russland, 15. 5. Barcelona/Spanien, 29. 5. Monte Carlo/Monaco, 12. 6. Montreal/Kanada, 19. 6. Baku/Aserbaidschan, 3. 7. Spielberg/Österreich, 10. 7. Silverstone/England, 24. 7. Budapest/Ungarn, 31. 7. Hockenheim/Deutschland, 28. 8. Spa/Belgien, 4. 9. Monza/Italien, 18. 9. Singapur, 2. 10. Sepang/Malaysia, 9. 10. Suzuka/Japan, 23. 10. Austin/USA, 20. 10. Mexiko City/Mexiko, 13. 11. Sao Paulo/Brasilien, 27. 11. Abu Dhabi/VAE.