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Tag: Ivan Perisic

Die Bayern stehen gleich mit dem Rücken zur Wand

In der letzten Saison dauerte es – nach einem guten Start mit vier Siegen – bis zum Herbst, ehe sich die Bayern ihre Krise nahmen. In diesem Jahr geht es schneller, nur 2:2 gegen die Hertha zur Saison-Premiere, Dortmund dagegen 5:1 gegen Augsburg – vom ersten Spieltag an läuft der Meister dem Herausforderer hinterher, steht gleich mit dem Rücken zur Wand. Eine Situation, die sie in München gar nicht lieben und gleich machte sich nach zähen Transferabschlüssen im Sommer so eine Art Torschlusspanik breit. Plötzlich herrschte hektische Betriebsamkeit.

Am Wochenende ging es wirklich Schlag auf Schlag, der Kader füllte sich, doch ob die Neuzugänge die Mannschaft wirklich nach vorne bringen, muss erst einmal abgewartet werden. Da muss dann auch das System passen und die Stimmung in der Mannschaft darf nicht leiden, Stichwort Bank. Die Lösung liegt – im wahrsten Sinne des Wortes – beim „Magier“, der zaubern muss. „Magier“ wird Star-Einkauf Philippe Coutinho genannt, den Brasilianer spülte es in dem Spieler-Wechsle-Dich-Spielchen von Barcelona nach München. Eigentlich sollte Paris das Ziel sein, doch nur eine Beigabe eines Neymar-Wechsels wollte er nicht sein, München gefällt ihm angeblich auch, selbst vor dem Winter habe er keine Angst. Der 27-Jährige gilt als Spielgestalter und torgefährlich, in Liverpool unter Jürgen Klopp erlebte er seine beste Zeit, erzielte in 201 Pflichtspielen 54 Tore und gab 45 Torvorlagen. Dann holte ihn Barcelona für angeblich 145 Millionen Euro, machte ihn zum zweitteuersten Spieler der Welt und jetzt leisten sich – aus der Not geboren, weil andere (teure) Kandidaten verletzt ausfielen – die Bayern den Luxus-Spieler, angeblich für 8,5 Millionen Euro Leihgebühr und 13 Millionen Jahresgehalt. 120 Millionen ist wohl der Kaufpreis.

Den Anfang des Sommer-Schluss-Einkaufs machte Ivan Perisic, der mit seiner Erfahrung als Soforthelfer für die Flügel kam. Der Kroate kommt ebenfalls als Leihspieler von Inter Mailand, mit fünf Millionen ist die Gebühr preiswerter. Aber auch er will spielen, bleibt er ruhig in der Rolle des Back up? Und weil das Einkaufen gerade so schön ist, holten die Bayern den 20-Jährigen Franzosen Michael Cuisance von Mönchengladbach (Fünfjahresvertrag, 10 Millionen) gleich noch dazu. Angeblich wollte er bei der Borussia eine Einsatzgarantie, bei den Bayern sieht er das anders: „Ich will mich entwickeln.“

Plötzlich hat Bayern-Trainer Niko Kovac ein Überangebot an Spielern und die schwere Aufgabe, wie er alle einsetzen und zufriedenstellen soll, denn auf der Bank herrscht Unruhe. Die gab es bereits nach dem 2:2 gegen Hertha, denn Talent Renato Sanches will länger spielen, nicht nur fünf Minuten. Er moserte, was ihn angeblich 10.000 Euro Geldstrafe kostet. Er wiederholte zudem seinen Wechselwunsch. Vielleicht wäre die Lösung Spielpraxis in der Bayern II in der 3. Liga, dort könnten Sanches, Cuisance sowie Arp und Davies reifen. Tun sie sich das an oder gibt es nur Ärger? Im Mittelfeld haben die Bayern sowieso ein Überangebot. Coutinho könnte Thomas Müller verdrängen (die Bayern dürfen das Urgestein nicht verlieren!), ist die Frage, passen Thiago und Coutinho zusammen, mit Goretzka und Tolisso ist im Mittelfeld einer zuviel und als Abräumer fehlte zuletzt Javi Martinez, er ist fast unersetzlich. Niko Kovac muss also ein Magier sein, zumindest aber ein guter Moderator.

Die Dortmunder schauen sich das Ganze von oben an. Sie erlebten gegen Augsburg zwar einen Schock mit einem Gegentreffer nach nur 32 Sekunden (zum fünften Mal am 1. Spieltag!), doch nach drei Minuten war dies vorbei. Das 5:1 war fast ein Spaziergang und bestärkte nur das neue Selbstbewusstsein, zumal sich Mats Hummels gleich als die gewünschte Verstärkung in Sachen Sicherheit erwies. Und von Ärger auf der Bank drang (zunächst?) nichts nach außen. Dortmund hat die ersten Runden (Transfers, Supercup) gegen die Bayern für sich entschieden, doch abgerechnet wird im Mai.

Wo es eine Tabellenspitze gibt, gibt es auch ein Tabellenende. Das zieren der FC Augsburg und Neuling Union Berlin. Welch ein Terminplan: Am kommenden Samstag treffen sie aufeinander. Und kein Witz am 2. Spieltag: Es gibt eine Weichenstellung, wer verliert, der steckt auf jeden Fall im Abstiegskampf. Beide zählten ja sowieso zu den heißen Abstiegskandidaten, gemeinsam mit Neuling SC Paderborn, der allerdings in Leverkusen für Furore sorgte, aber auch ohne Zähler blieb.

Die Lage ist bei Union und Augsburg allerdings anders. Der Neuling weiß, dass er noch lernen muss. Die Augsburger sind in ihrem neunten Bundesliga-Jahr dagegen alte Hasen, doch so schlecht wie derzeit sah es noch nie aus. Scherzbolde sagen, es geht aufwärts. Die letzte Saison schloss mit einem 1:8 in Wolfsburg, die neue begann mit einem 1:5 in Dortmund. Und jetzt? Stabilität ist gefragt, dafür soll der vereinslose Stephan Lichtensteiner kommen, zuletzt spielte der 35-Jährige Schweizer bei Arsenal London. Die Torhüter-Position könnte wieder zur Achillesferse werden. Zur Erinnerung: Im Vorjahr patzten Giefer und Luthe in den ersten Spielen und der FCA verlor durch Torwartfehler mindestens sieben Punkte. Jetzt griff der tschechische Nationaltorhüter Koubek wiederholt ins Leere, ein Rückhalt war er nicht. Den aber braucht Augsburg und viel Mut gegen Union Berlin. Die nächsten Aufgaben haben es für beide Teams in sich: Der FCA muss nach Bremen und erwartet Frankfurt, Union hat zwar zwei Heimspiele, aber die Gegner heißen Dortmund und Bremen.

Die Augsburger werden auch zerknirscht nach Frankfurt geschaut haben, dort war ihr alter Abwehrstratege Martin Hinteregger, der unbedingt den Verein verlassen wollte, der gefeierte Siegtorschütze gegen Hoffenheim – nach 36 Sekunden. Immerhin raubte er dem FCA damit nicht die Bestleistung für das schnellste Tor. Die Eintracht aber hat die Qualifikationsrunde zur Europa League für eine gute Saisonvorbereitung genutzt. Der Stress geht aber weiter, der nächste Gegner in der Qualifikation am Donnerstag hat es in sich, gegen Racing Straßburg wird es nicht leicht und am Sonntag wartet Leipzig. Noch sind die Hessen in dieser Saison ohne Pflichtspielniederlage. Noch…

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Die Bayern-Fans müssen in diesem Jahr tapfer sein

Schluss mit lustig! Sieben Meisterschaften hat der FC Bayern München zuletzt in Folge geholt und den früheren Rekord vom Titel-Hattrick in der Fußball-Bundesliga immer weiter verbessert. Jetzt soll diese Reise zu Ende sein, Borussia Dortmund hat energisch zur Jagd auf die Bayern geblasen, aufgerüstet und verkündet selbstbewusst: „Wir wollen Meister werden“.

Neue Töne also in der Bundesliga vor der neuen Saison und auch neue Trainer. Gleich sieben sind es an der Zahl und das macht die Liga vor dem Start am Freitag besonders interessant. Diesbezüglich also nicht „Schluss mit lustig“, sondern eher für die Fans „Lust komm her“.

Nur die Bayern-Fans, die müssen, wenn der Schein nicht trügt, in diesem Jahr tapfer sein. Beim Umbruch in der Mannschaft hapert es, die Abgänge der altgedienten Ribery, Robben und Rafinha, aber auch Hummels und James konnten nicht kompensiert werden. In Sachen Neuzugängen scheint ein Fluch über den Bayern zu hängen, Hernandez wurde gleich verletzt verpflichtet, die Wunschspieler auf den Flügeln, Hudson-Odoi und Sane, verletzten sich, ehe die Verhandlungen konkret wurden. So kommt dafür wohl Notlösung Ivan Perisic, doch dann hätte auch Ribery bleiben können.

Verletzungen dürfen kaum passieren, denn in der zweiten Reihe finden sich fast nur noch Talente, die aktuell kaum helfen können. Das ist der Unterschied zu Borussia Dortmund: Der Herausforderer hat das, was die Münchner früher eben auszeichnete und Titel sicherte – zwei gleichstarke Teams. Der Vorjahreszweite, der einen Neun-Punkte-Vorsprung noch verspielte, hat aus der Pleite gelernt, hat sich Selbstbewusstsein eingeimpft und vor allem in dieser Hinsicht ist Mats Hummels eine wertvolle Verstärkung. So soll die Schwäche des zögerlichen Trainers Lucien Favre kompensiert werden. Und Hummels frohlockt: „In Dortmund wird ein Titel besonders gefeiert.“ Da müssen die Bayern-Fans eben tapfer sein. Übrigens ist der Auftakt gegen Hertha BSC schon ein echter Test: Vier der letzten fünf Vergleiche verloren die Bayern gegen die Berliner!

Frischen Wind in die Bundesliga bringen aber auch sieben neue Trainer und die drei Aufsteiger. Frischer Wind aber auch, weil es den Anschein hat, als wurde generell in der Bundesliga das Selbstbewusstsein ausgepackt. Keine Scheu vor großen Zielen, Leipzig und Leverkusen zum Beispiel gehen offensiv die Qualifikation zur Champions League an, Gladbach, Hoffenheim, Bremen, Wolfsburg, die Hertha und Frankfurt lauern dahinter und haben zumindest mit der Europa League das europäische Geschäft im Auge.

Es gibt natürlich auch das Tabellenende. Wie immer werden die Aufsteiger gleich wieder als erste Absteiger genannt, aber der 1. FC Köln ist etwas anderes als ein „normaler“ Aufsteiger, er sieht sich eher als gestandener Bundesligist und „ist gekommen um zu bleiben“. Bleiben will erst einmal auch der SC Paderborn, wohl die verrückteste Mannschaft im deutschen Fußball der letzten Jahre, denn seit 2014 gab es immer Auf- oder Abstieg. Na ja, da liegt ein Abstieg wohl nahe. Ein absoluter Neuling, nämlich der 56. Verein in der Bundesliga, ist Union Berlin, der etwas andere Klub aus dem Stadtteil Köpenick, der bisher vor allem durch seine besondere Stimmung im kleinen Stadion (22.000 Zuschauer) und durch sein Weihnachtssingen auffiel.

Mit dem Abstieg hat aber in jedem Jahr auch eine Mannschaft zu tun, die im Vorfeld nicht daran denkt. Das könnte diesmal der FC Augsburg sein, der sich von einem braven Provinzklub in einen Chaos-Verein verwandelt hat. Chaos auf dem Feld und im Umfeld, wo Spieler streiken, machen was sie wollen und Manager Stefan Reuter quasi im Nasenring durch die Manege führen. Spieler wie Max und Gregoritsch wollen immer noch gehen, trüben die Stimmung. Ergebnis: Dem Team fehlt Qualität. Alles wurde zwar auf den Prüfstand gestellt, die medizinische Abteilung vergrößert, der Rasen untersucht, doch die alte Leidenschaft, die jetzt das neunte Jahr in der Bundesliga sicherte, ist verloren gegangen. Die 1:2-Pokalpleite beim Viertligisten SC Verl war bezeichnend. Die letzte Saison endete mit einem 1:8 in Wolfsburg, ähnliches droht gleich wieder zum Auftakt beim Titelanwärter Borussia Dortmund. Schluss mit lustig also.

Augsburg macht im erweiterten Kreis der Abstiegskandidaten den desolatesten Eindruck, da sieht es in Freiburg, Mainz oder Düsseldorf schon solider aus. Eine Wundertüte ist Schalke 04, wohin geht die Reise nach dem Absturz im Vorjahr auf Rang 14 mit nur 33 Punkten? Die Hoffnung ruht auf dem neuen Trainer und Klopp-Freund David Wagner, investiert wurde aber vor allem in die Führung rund um das Team. Die Stimmung trübte zuletzt allerdings Boss Tönnies, der nach rassistischen Äußerungen für drei Monate aufs Abstellgleis geschoben wurde.

PR für Pokal: Tore, Spaß und Pleiten

Vor dem „Nachschlag“ am Montag hat der DFB-Pokal bereits Lust auf Fußball gemacht. Es gab viele Tore, jede Menge Spaß, einen Aufstand der Kleinen und auch Pleiten der Großen. Wie schon in den letzten Jahren haben zwei Bundesligisten die Segel streichen müssen, Mainz und Augsburg waren diesmal die Dummen. Andere retteten sich erst im Elfmeterschießen. Mit Verl zog ein Viertligist in die nächste Runde ein und kassiert dafür (wie alle anderen auch) 351.000 Euro. Außerdem sind mit Kaiserslautern und Duisburg zwei Drittligisten weiter. Insgesamt aber zeigte bereits die erste Runde, dass man den unterklassigen Vereinen nie den Vergleich mit den Bundesligisten kürzen oder gar wegnehmen darf. Solche Gedanken gehören endgültig ad acta gelegt. Der Pokal lebt.

Am kommenden Wochenende beginnt auch die Fußball-Bundesliga der Frauen, ein Kommentar dazu noch in dieser Woche.